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D9 G - Sprache und Erzählweise einer Ganzschrift

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D9 G - Sprache und Erzählweise einer Ganzschrift




D9 G - Sprache und Erzählweise einer Ganzschrift


Einleitung

Eine Ganzschrift ist ein längerer literarischer Text, den Du vollständig liest, zum Beispiel einen Roman oder eine längere Erzählung. Beim Lesen geht es nicht nur darum, was passiert. Ebenso wichtig ist, wie erzählt wird. Die Erzählweise beeinflusst, welche Informationen Du bekommst, wie nah Du einer Figur kommst und welche Stimmung eine Szene erzeugt.

In diesem aiMOOC trainierst Du auf dem G-Niveau der Klasse 9 besonders fünf Bereiche: Erzählperspektive, Sprache, Dialog, Atmosphäre und Wirkung. Du lernst, sprachliche und erzählerische Mittel zu erkennen, knapp zu belegen und ihre Wirkung verständlich zu erklären.

Die meisten Beispiele in diesem Kurs sind kurze, selbst erstellte Vergleichsbeispiele. Wenn Du mit Deiner eigenen Ganzschrift arbeitest, brauchst Du nur kurze Textbezüge: Nenne eine passende Stelle, notiere die Seitenzahl und verwende höchstens ein sehr kurzes Zitat, wenn es wirklich nötig ist.

Grundfrage beim Lesen: Nicht nur „Was passiert?“, sondern auch „Wie wird es erzählt und was bewirkt das?“


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du:

  1. Erzählperspektiven unterscheiden und ihre Wirkung erklären.
  2. Auffällige sprachliche Merkmale erkennen und mit passenden Fachbegriffen beschreiben.
  3. Dialoge untersuchen und zeigen, was sie über Figuren und Beziehungen verraten.
  4. Erklären, wie Wörter, Satzbau, Geräusche, Licht, Wetter oder Beschreibungen eine Atmosphäre erzeugen.
  5. Eine Textstelle aus Deiner Ganzschrift mit einem kurzen Beleg untersuchen.
  6. Zwei unterschiedlich erzählte Versionen derselben Situation vergleichen.
  7. Selbst kurze Texte schreiben, in denen Du Perspektive, Sprache und Atmosphäre gezielt veränderst.


Erzählperspektive

Die Erzählperspektive bestimmt, aus welchem Blickwinkel eine Geschichte vermittelt wird. Wichtig ist dabei: Autor und Erzähler sind nicht dasselbe. Der Autor oder die Autorin hat den Text geschrieben. Der Erzähler ist die erzählende Instanz innerhalb des Textes.

Für die schulische Analyse sind besonders vier Formen wichtig: Ich-Erzähler, personale Erzählweise, auktoriale Erzählweise und neutrale Erzählweise.

Datei:Erzählperspektiven - kolleg24 Deutsch.webm


Ich-Erzähler

Beim Ich-Erzähler erzählt eine Figur mit „ich“. Du erfährst besonders direkt, was diese Figur wahrnimmt, denkt oder fühlt. Gleichzeitig ist ihr Wissen begrenzt.

Selbst erstelltes Beispiel:

„Ich drückte die Klinke herunter. Im Raum war es dunkel. Ich wusste nicht, ob jemand auf mich wartete.“

Wirkung: Du bist nah an der erzählenden Figur. Weil sie selbst nicht weiß, was im Raum geschieht, kann Spannung entstehen.

Vergleich:

Version A: „Ich hörte Schritte hinter mir und ging schneller.“

Version B: „Mira hörte Schritte hinter sich und ging schneller.“

Version A wirkt oft unmittelbarer, weil die Figur selbst erzählt.


Personale Erzählweise

Bei der personalen Erzählweise wird meistens in der dritten Person erzählt. Trotzdem bist Du eng an die Wahrnehmung einer bestimmten Figur gebunden. Du erfährst vor allem, was diese Figur sieht, denkt, fühlt oder vermutet.

Selbst erstelltes Beispiel:

„Mira drückte die Klinke herunter. Der dunkle Raum machte sie nervös. Ob dort jemand wartete?“

Wirkung: Du bleibst nahe an Mira. Andere Figuren kannst Du nur so einschätzen, wie Mira sie wahrnimmt.

Vergleich:

Version A: „Jonas lächelte. Lea hielt das für Spott.“

Version B: „Jonas lächelte, weil er sich über Leas Erfolg freute.“

In Version A ist Leas Wahrnehmung entscheidend. Sie kann sich irren. Version B gibt zusätzlich Wissen über Jonas.


Auktoriale Erzählweise

Ein auktorialer Erzähler kann mehr wissen als einzelne Figuren. Er kann Gedanken verschiedener Figuren kennen, Zusammenhänge erklären, kommentieren oder auf spätere Ereignisse vorausweisen.

Selbst erstelltes Beispiel:

„Mira öffnete die Tür. Sie fürchtete sich, doch ihre Sorge war unbegründet. Hinter dem Vorhang wartete nur ihr Bruder, der längst beschlossen hatte, sie zu überraschen.“

Wirkung: Die Lesenden erhalten mehr Informationen als Mira. Dadurch kann Spannung verringert werden oder eine besondere Erwartung entstehen.

Vergleich:

Version A: „Nico hielt den Brief fest. Er ahnte nicht, dass Sara denselben Brief schon kannte.“

Version B: „Nico hielt den Brief fest und fragte sich, ob Sara etwas wusste.“

Version A gibt Wissen, das Nico fehlt. Version B bleibt enger bei Nico.


Neutrale Erzählweise

Bei einer neutralen Erzählweise werden vor allem äußerlich wahrnehmbare Vorgänge dargestellt. Gedanken und Gefühle werden nicht direkt erklärt.

Selbst erstelltes Beispiel:

„Mira öffnete die Tür. Sie blieb stehen. Ihre Hand lag noch auf der Klinke. Aus dem Flur kam ein leises Klopfen.“

Wirkung: Du musst Verhalten und Situation selbst deuten. Das kann Distanz schaffen oder Spannung erhöhen.

Vergleich:

Version A: „Tarek war wütend. Er fühlte sich unfair behandelt.“

Version B: „Tarek schob den Stuhl zurück. Seine Stimme wurde lauter.“

Version A nennt das Gefühl direkt. Version B zeigt äußerliche Hinweise, aus denen Du auf das Gefühl schließen kannst.


Perspektiven vergleichen

Dieselbe Situation kann je nach Perspektive verschieden wirken.

Situation: Eine Schülerin wartet vor einem verschlossenen Raum.

Ich-Perspektive: „Ich klopfte noch einmal. Warum öffnete niemand?“

Personal: „Lina klopfte noch einmal. Langsam bekam sie ein ungutes Gefühl.“

Auktorial: „Lina klopfte. Sie wusste nicht, dass die anderen längst durch den Hintereingang gegangen waren.“

Neutral: „Lina klopfte dreimal. Dann sah sie auf ihr Handy und ging zwei Schritte zurück.“

Merksatz: Frage bei jeder Textstelle: Wer nimmt wahr? Was weiß der Erzähler? Wessen Gedanken kenne ich?


Sprache

Die Sprache eines Erzähltextes beeinflusst Tempo, Nähe, Stimmung und Figurenwirkung. Achte nicht nur auf einzelne Stilmittel. Oft ist die Kombination aus Wortwahl und Satzbau entscheidend.


Wortwahl

Wörter können neutral, wertend, umgangssprachlich, gehoben, sachlich oder bildhaft wirken.

Selbst erstellter Vergleich:

Version A: „Der Hund lief über den Hof.“

Version B: „Der Hund schoss über den Hof.“

„Lief“ wirkt neutraler. „Schoss“ erzeugt mehr Geschwindigkeit.

Weiterer Vergleich:

Version A: „Sie sagte, dass sie gehen wollte.“

Version B: „Sie fauchte, dass sie verschwinden wollte.“

In Version B wirken die Verben und die Wortwahl deutlich aggressiver.

Weiterer Vergleich:

Version A: „Der Weg war schmal.“

Version B: „Der Weg quetschte sich zwischen den dunklen Mauern hindurch.“

Version B ist bildhafter und kann bedrückender wirken.


Verben und Adjektive

Präzise Verben zeigen oft mehr als viele Adjektive.

Vergleich:

„Er ging zur Tür.“

„Er schlich zur Tür.“

„Er stürmte zur Tür.“

Alle drei Sätze beschreiben eine Bewegung, aber jedes Verb erzeugt eine andere Vorstellung.

Auch Adjektive können Atmosphäre prägen:

„ein Raum“

„ein leerer Raum“

„ein stickiger, dunkler Raum“

Je genauer die Wortwahl ist, desto stärker kann sich die Wirkung verändern.


Satzbau und Satzlänge

Kurze Sätze können schnell, hart, hektisch oder angespannt wirken. Längere Sätze können ruhiger, ausführlicher oder gedanklicher wirken.

Selbst erstellter Vergleich:

Version A: „Die Tür fiel zu. Schritte. Ein Knall. Dann Stille.“

Version B: „Nachdem die Tür langsam zugefallen war, hörte Mia Schritte im Flur, bevor irgendwo im Gebäude ein dumpfer Knall erklang.“

Version A wirkt oft schneller und angespannter. Version B beschreibt den Ablauf ausführlicher.

Weiterer Vergleich:

Version A: „Er rannte. Er stolperte. Er stand wieder auf.“

Version B: „Während er durch den nassen Hof rannte, stolperte er kurz, fing sich jedoch und lief sofort weiter.“

Beide Versionen berichten dasselbe Grundgeschehen, aber das Erzähltempo wirkt unterschiedlich.


Umgangssprache und Standardsprache

Figuren können unterschiedlich sprechen. Dadurch entstehen Hinweise auf Alter, Situation, Beziehung oder Haltung. Solche Hinweise solltest Du vorsichtig deuten und nicht vorschnell bewerten.

Selbst erstellter Vergleich:

„Das ist wirklich enttäuschend.“

„Das ist echt mies.“

Beide Sätze können denselben Inhalt ausdrücken. Die zweite Form wirkt umgangssprachlicher.

Weiterer Vergleich:

„Ich lehne deinen Vorschlag ab.“

„Nee, mach ich nicht.“

Der zweite Satz wirkt spontaner und alltäglicher.


Bildhafte Sprache

Metaphern, Vergleiche und Personifikationen können Vorstellungen verstärken.

Selbst erstellte Beispiele:

„Die Angst saß ihm im Nacken.“ – Die Angst wird räumlich vorgestellt.

„Der Flur war still wie ein leerer Bahnhof.“ – Ein Vergleich verstärkt die Vorstellung von Leere.

„Der Wind zerrte an den Fenstern.“ – Der Wind erhält eine menschlich wirkende Handlung.

Wichtig: Nenne nie nur das Stilmittel. Erkläre immer, was es in genau dieser Situation bewirkt.


Dialoge

Dialoge zeigen, wie Figuren miteinander sprechen. Dabei ist nicht nur wichtig, was gesagt wird. Auch Wortwahl, Satzlänge, Unterbrechungen, Fragen, Schweigen und Gesprächsanteile können etwas über Beziehungen verraten.


Direkte Rede und Wirkung

Die direkte Rede gibt Figuren eine eigene Stimme.

Selbst erstelltes Beispiel:

„Kommst du mit?“, fragte Sam.

„Vielleicht.“

„Was heißt vielleicht?“

„Genau das.“

Der Dialog ist kurz. Die knappen Antworten können Unsicherheit, Distanz oder Gereiztheit zeigen.

Vergleich:

Version A: „Nora erklärte, dass sie nicht kommen könne.“

Version B: „Ich komme nicht“, sagte Nora.

Version B wirkt unmittelbarer, weil Nora selbst zu Wort kommt.


Untertext im Dialog

Figuren sagen manchmal nicht direkt, was sie denken.

Selbst erstelltes Beispiel:

„Schöne Uhr“, sagte Ben.

„Danke.“

„Bestimmt nicht billig.“

Ben spricht über die Uhr. Je nach Kontext könnte er aber Bewunderung, Neid oder Kritik ausdrücken. Erst der Zusammenhang hilft bei der Deutung.

Weiterer Vergleich:

Version A: „Ich bin wütend auf dich.“

Version B: „Mach ruhig weiter. Ist mir völlig egal.“

Version A nennt das Gefühl offen. Version B kann das Gefühl nur indirekt zeigen.


Macht und Beziehung im Gespräch

Gesprächsverhalten kann zeigen, wer bestimmt, wer ausweicht oder wer unsicher ist.

Selbst erstelltes Beispiel:

„Setz dich.“

„Warum?“

„Weil ich mit dir reden muss.“

„Kann das warten?“

Kurze Befehle, Gegenfragen oder Ausweichreaktionen können eine angespannte Beziehung zeigen.

Bezug zur Ganzschrift: Suche eine kurze Gesprächsstelle. Notiere, wer mehr spricht, wer Fragen stellt, wer ausweicht und welche Wirkung dadurch entsteht. Ein langes Zitat brauchst Du nicht.


Atmosphäre

Die Atmosphäre ist die Stimmung, die eine Szene beim Lesen erzeugt. Sie entsteht oft durch mehrere Mittel gleichzeitig: Ort, Licht, Geräusche, Wetter, Farben, Bewegungen, Satzbau und Wortwahl.


Helle und freundliche Atmosphäre

Selbst erstelltes Beispiel:

„Die Fenster standen offen. Stimmen kamen aus dem Hof, und auf dem Tisch lag warmes Sonnenlicht.“

Mögliche Wirkung: offen, ruhig, freundlich, sicher.


Bedrohliche Atmosphäre

Selbst erstelltes Beispiel:

„Die Fenster waren schwarz. Im Treppenhaus summte nur die alte Lampe. Hinter der Tür knackte etwas.“

Mögliche Wirkung: unheimlich, angespannt, unsicher.

Vergleich:

Version A: „Es regnete.“

Version B: „Regen peitschte gegen die Scheiben.“

Version B wirkt intensiver und kann eine unruhigere Atmosphäre erzeugen.

Weiterer Vergleich:

Version A: „Im Wald war es dunkel.“

Version B: „Zwischen den Stämmen blieb nur ein schmaler Streifen graues Licht.“

Version B erzeugt die Atmosphäre durch ein konkretes Bild.


Geräusche und Stille

Geräusche können eine Szene beleben oder bedrohlich machen. Auch Stille kann besonders wirksam sein.

Selbst erstellter Vergleich:

„Im Flur redeten viele Menschen.“

„Im Flur war niemand zu hören.“

Die zweite Version kann je nach Situation Ruhe oder Unsicherheit erzeugen.

Weiteres Beispiel:

„Ein Schlüssel drehte sich im Schloss.“

Allein dieses kleine Geräusch kann Spannung erzeugen, wenn vorher unklar ist, wer vor der Tür steht.


Wirkung erklären

Eine gute Analyse verbindet Beobachtung, Beleg und Wirkung.

Du kannst dafür dieses einfache Muster verwenden:

1. Beobachtung: Welche sprachliche oder erzählerische Besonderheit erkennst Du?

2. Beleg: Wo sieht man das? Nenne eine kurze Textstelle oder beschreibe sie knapp.

3. Wirkung: Was bewirkt das beim Lesen oder für die Darstellung einer Figur?

Selbst erstelltes Beispiel:

Beobachtung: Die Sätze sind sehr kurz.

Beleg: Mehrere Hauptsätze stehen direkt hintereinander.

Wirkung: Die Szene wirkt hektisch und angespannt.

Noch ein Beispiel:

Beobachtung: Die Erzählweise ist personal.

Beleg: Nur Laras Gedanken werden wiedergegeben.

Wirkung: Die Lesenden erleben die Situation besonders aus Laras Sicht und wissen nicht, was die anderen Figuren denken.


Gute Formulierungen für Deine Analyse

Diese Satzanfänge helfen Dir:

  1. Analyse: „Die Textstelle wird aus der Sicht von … erzählt.“
  2. Wirkung: „Dadurch wirkt die Situation …“
  3. Sprache: „Die Wortwahl fällt auf, weil …“
  4. Satzbau: „Die kurzen Sätze beschleunigen …“
  5. Dialog: „Die knappen Antworten zeigen …“
  6. Atmosphäre: „Durch die Beschreibung von … entsteht eine … Atmosphäre.“
  7. Vergleich: „Im Gegensatz dazu wirkt die zweite Version …“


Mit Deiner Ganzschrift arbeiten

Du musst für eine gute Analyse keine langen Abschnitte abschreiben. Arbeite gezielt.

  1. Wähle eine kurze Stelle aus Deiner Ganzschrift.
  2. Notiere Kapitel oder Seitenzahl.
  3. Bestimme die Erzählperspektive.
  4. Markiere höchstens wenige auffällige Wörter oder einen sehr kurzen Beleg.
  5. Beschreibe die Sprache.
  6. Untersuche einen möglichen Dialog.
  7. Bestimme die Atmosphäre.
  8. Erkläre mindestens eine Wirkung.

Mini-Beispiel für einen Lektürebezug ohne langes Zitat:

„Auf Seite 84 bleibt die Erzählung eng bei der Hauptfigur. Ihre Gedanken werden gezeigt, die Gedanken der anderen Figuren nicht. Dadurch erlebt man den Streit vor allem aus ihrer Sicht.“

So beziehst Du Dich klar auf die Ganzschrift, ohne lange Textpassagen zu übernehmen.


Vergleichswerkstatt

Hier trainierst Du mit kurzen selbst erstellten Beispielen.


Vergleich 1: Nähe zur Figur

A: „Ich konnte kaum atmen.“

B: „Emil konnte kaum atmen.“

C: „Emil atmete schnell und presste die Hand auf die Brust.“

A wirkt besonders unmittelbar. B kann personal erzählt sein. C zeigt nur beobachtbares Verhalten.


Vergleich 2: Tempo

A: „Sie öffnete die Nachricht. Las. Starrte auf den Bildschirm.“

B: „Nachdem sie die Nachricht geöffnet hatte, las sie den Text langsam und blickte danach lange auf den Bildschirm.“

A wirkt schneller und abgehackter. B wirkt ruhiger und ausführlicher.


Vergleich 3: Stimmung

A: „Der Park war leer.“

B: „Der Park lag still unter dem hellen Morgenhimmel.“

C: „Der Park lag verlassen im kalten Nebel.“

B wirkt eher ruhig oder freundlich, C eher unheimlich oder bedrückend.


Vergleich 4: Dialogwirkung

A: „Kannst du mir helfen?“

„Ja, klar.“

B: „Kannst du mir helfen?“

„Muss das jetzt sein?“

Der erste Dialog wirkt kooperativer, der zweite distanzierter oder genervter.


Vergleich 5: Wertung

A: „Mara betrat den Raum.“

B: „Mara stolperte endlich in den Raum.“

Das Wort „endlich“ kann eine wertende Haltung zeigen. „Stolperte“ erzeugt zusätzlich eine bestimmte Vorstellung der Bewegung.


Vergleich 6: Wissen des Erzählers

A: „Lio wartete vor dem Haus.“

B: „Lio wartete vor dem Haus. Im oberen Stockwerk hatte Ana ihn längst gesehen.“

B vermittelt mehr Wissen als Lio besitzt.


Vergleich 7: Spannung

A: „Im Schrank lag nur ein alter Mantel.“

B: „Sie öffnete den Schrank langsam. Etwas Dunkles hing darin.“

A löst die Situation sofort auf. B hält Informationen zurück und kann dadurch Spannung erzeugen.


Vergleich 8: Figurencharakterisierung

A: „Timo war ungeduldig.“

B: „Timo trommelte mit den Fingern auf den Tisch und sah zum dritten Mal zur Tür.“

A benennt die Eigenschaft. B zeigt Verhalten, aus dem Du die Eigenschaft erschließen kannst.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was beschreibt die Erzählperspektive? (Den Blickwinkel aus dem eine Geschichte vermittelt wird) (!Die Anzahl der Kapitel) (!Die Länge eines Romans) (!Die Gestaltung des Buchcovers)




Was ist typisch für einen Ich-Erzähler? (Er erzählt als Ich und ist Teil der erzählten Welt) (!Er kennt immer alle Gedanken aller Figuren) (!Er beschreibt nur äußere Vorgänge) (!Er darf keine Dialoge verwenden)




Was kennzeichnet personale Erzählweise besonders? (Die Wahrnehmung ist eng an eine Figur gebunden) (!Der Erzähler kennt grundsätzlich jede Zukunft) (!Alle Figuren erzählen gleichzeitig) (!Es gibt nur direkte Rede)




Welche Wirkung können sehr kurze Sätze haben? (Sie können Tempo und Spannung erhöhen) (!Sie machen jede Szene automatisch lustig) (!Sie verhindern jede Figurenbeschreibung) (!Sie zeigen immer einen auktorialen Erzähler)




Was ist bei einer Wirkungsanalyse besonders wichtig? (Beobachtung Beleg und Wirkung miteinander zu verbinden) (!Nur möglichst viele Fachbegriffe aufzuzählen) (!Die ganze Textstelle abzuschreiben) (!Nur den Inhalt nachzuerzählen)




Was kann ein Dialog über Figuren zeigen? (Beziehungen Haltungen und Gefühle) (!Nur das Alter des Buches) (!Nur den Handlungsort) (!Nur die Kapitelzahl)




Wodurch kann eine bedrohliche Atmosphäre entstehen? (Durch dunkle Räume Stille und auffällige Geräusche) (!Nur durch lange Kapitel) (!Nur durch die Schriftgröße) (!Nur durch einen Erzählernamen)




Welche Aussage über Autor und Erzähler ist richtig? (Der Erzähler ist nicht automatisch mit dem Autor identisch) (!Autor und Erzähler sind immer dieselbe Person) (!Ein Erzähler existiert nur in Gedichten) (!Ein Autor darf keine Perspektive wählen)




Warum kann direkte Rede unmittelbar wirken? (Weil Figuren selbst zu Wort kommen) (!Weil jedes Gespräch allwissend erzählt wird) (!Weil direkte Rede keine Satzzeichen braucht) (!Weil Dialoge immer sachlich bleiben)




Was ist ein sinnvoller Bezug zur Ganzschrift? (Eine kurze Stelle nennen und ihre Wirkung erklären) (!Mehrere Seiten vollständig abschreiben) (!Nur die Handlung zusammenfassen) (!Auf Seitenangaben grundsätzlich verzichten)





Memory

Ich-Erzähler erzählt als Ich
personale Perspektive an eine Figur gebundener Blick
auktoriale Erzählweise umfassender Wissenszugang
direkte Rede Figuren sprechen wörtlich
kurze Hauptsätze hohes Erzähltempo
Atmosphäre erzeugte Stimmung einer Szene





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
hohes Tempo kurze Sätze
Nähe zur Figur personale Erzählweise
unmittelbares Gespräch direkte Rede
bedrohliche Stimmung dunkle Geräuschkulisse
umfassendes Wissen auktoriale Erzählweise





Kreuzworträtsel

Perspektive Wie heißt der Blickwinkel aus dem eine Geschichte vermittelt wird?
Erzähler Wie heißt die Instanz die eine Geschichte erzählt?
Dialog Wie nennt man ein Gespräch zwischen Figuren?
Atmosphäre Wie heißt die erzeugte Stimmung einer Szene?
Metapher Wie nennt man ein bildhaftes sprachliches Mittel ohne Vergleichswort?
Wirkung Was sollst Du nach dem Benennen eines sprachlichen Mittels erklären?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Die Erzählperspektive bestimmt den

einer Geschichte.
Ein Erzähler ist nicht automatisch mit dem

identisch.
Bei der personalen Erzählweise ist die Wahrnehmung eng an eine

gebunden.
Ein auktorialer Erzähler kann über einen größeren

verfügen.
Sehr kurze Sätze können das

einer Szene erhöhen.
Direkte Rede kann einen Dialog besonders

wirken lassen.
Wortwahl und Satzbau prägen die

eines Textes.
Geräusche Licht und Wetter können die

beeinflussen.
Eine gute Analyse verbindet Beobachtung Beleg und

.
Für den Bezug zur Ganzschrift genügt meistens eine kurze passende

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Perspektivwechsel: Schreibe vier Sätze über dieselbe Situation einmal als Ich-Erzählung und einmal in personaler Erzählweise.
  2. Wortwahl: Formuliere den Satz „Sie ging zur Tür“ mit drei unterschiedlichen Verben und beschreibe jeweils kurz die Wirkung.
  3. Dialog: Schreibe einen Dialog mit sechs kurzen Äußerungen, in dem zwei Figuren sich offensichtlich nicht einig sind.
  4. Atmosphäre: Beschreibe denselben Schulflur einmal freundlich und einmal unheimlich. Verwende jeweils höchstens vier Sätze.


Standard

  1. Szenenanalyse: Suche in Deiner Ganzschrift eine kurze Stelle und bestimme Perspektive, Sprache und Atmosphäre. Belege Deine Aussagen nur knapp.
  2. Dialoganalyse: Wähle ein Gespräch aus Deiner Ganzschrift. Untersuche, wer führt, wer ausweicht und wie die Beziehung wirkt.
  3. Tempo verändern: Schreibe eine selbst erfundene Szene zuerst mit langen, dann mit sehr kurzen Sätzen. Vergleiche die Wirkung.
  4. Figurencharakterisierung: Beschreibe eine Figur zweimal: zuerst durch direkte Eigenschaftswörter, dann nur durch Verhalten und Rede.


Schwer

  1. Erzähltechnik: Verändere eine kurze selbst erfundene Szene von personal zu auktorial. Erkläre anschließend, welche neuen Informationen möglich werden.
  2. Atmosphärenfilm: Produziere ein kurzes Video von höchstens 60 Sekunden ohne gesprochene Erklärung. Erzeuge allein durch Bild, Geräusch und wenige Texteinblendungen eine bestimmte Atmosphäre.
  3. Literarischer Vergleich: Vergleiche zwei kurze Stellen Deiner Ganzschrift, die unterschiedlich wirken. Untersuche mindestens zwei sprachliche oder erzählerische Ursachen.
  4. Interpretation: Formuliere eine Deutung zu einer wichtigen Szene Deiner Ganzschrift und erkläre, wie Perspektive, Dialog und Atmosphäre gemeinsam zu dieser Deutung beitragen.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Perspektive und Wissen: Eine Figur öffnet einen Brief. Erkläre, wie sich die Wirkung verändert, wenn die Szene zuerst personal und dann auktorial erzählt wird. Formuliere zu beiden Varianten je zwei Beispielsätze.
  2. Sprache und Tempo: Schreibe eine ruhige Szene mit langen Sätzen um, sodass sie hektisch wirkt. Begründe mindestens zwei sprachliche Änderungen.
  3. Dialog und Beziehung: Untersuche einen selbst erstellten Streitdialog. Zeige anhand von Wortwahl, Fragen und Satzlänge, welche Figur stärker die Gesprächsführung übernimmt.
  4. Atmosphäre und Wirkung: Erkläre, wie derselbe Ort einmal sicher und einmal bedrohlich wirken kann. Nutze mindestens drei Gestaltungsmittel.
  5. Textbezug: Wähle eine kurze Stelle aus Deiner Ganzschrift und zeige, wie eine sprachliche Besonderheit mit der Situation einer Figur zusammenhängt.
  6. Transfer: Entwirf eine kurze Szene, in der die Lesenden weniger wissen als eine andere Figur. Erkläre, wie Du diesen Wissensunterschied erzählerisch hergestellt hast.




Lernnachweis

Für einen gelungenen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du:

  1. die Erzählperspektive einer kurzen Textstelle bestimmen kannst.
  2. zwischen Ich-Erzählung, personaler, auktorialer und neutraler Erzählweise unterscheiden kannst.
  3. Autor und Erzähler nicht gleichsetzt.
  4. auffällige Wortwahl und auffälligen Satzbau erkennst.
  5. Dialoge auf Figurenbeziehung und Gesprächsverhalten untersuchst.
  6. die Atmosphäre einer Szene mit konkreten sprachlichen Beobachtungen begründest.
  7. nicht nur ein Mittel benennst, sondern seine Wirkung erklärst.
  8. kurze Belege aus Deiner Ganzschrift gezielt einsetzt.
  9. zwei unterschiedlich erzählte Versionen derselben Situation vergleichen kannst.
  10. eigene kurze Texte gezielt umschreiben kannst, um Perspektive, Tempo oder Stimmung zu verändern.




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