D10 M - Sprachwandel durch Medien und gesellschaftliche Veränderungen untersuchen

D10 M - Sprachwandel durch Medien und gesellschaftliche Veränderungen untersuchen
D10 M - Sprachwandel durch Medien und gesellschaftliche Veränderungen untersuchen
Mini-Beschreibung: Du analysierst beispielhaft, wie neue Technologien und Kommunikationsformen Wortschatz und Sprachgebrauch verändern. Du vergleichst kurze Texte, Bilder, Audios und Videos, belegst Beobachtungen und entwickelst eigene mediengerechte Sprachbeispiele.
Zielgruppe: Deutsch Klasse 10, Baden-Württemberg, M-Niveau.
Leitfrage: Wie verändern digitale Medien Sprache – und wie kannst Du solche Veränderungen sachlich untersuchen, statt nur zu behaupten, Sprache werde „besser“ oder „schlechter“?

Der Bildungsplan Baden-Württemberg verlangt im M-Niveau der Klasse 10 ausdrücklich, Erscheinungen des Sprachwandels zu untersuchen, darunter Bedeutungswandel, Entlehnungen und Sprachwandel durch digitale Kommunikation. Medien sollen außerdem selbstständig für Recherche genutzt und kritisch bewertet werden.
Offizielle Grundlage: Bildungsplan Deutsch Klasse 10 – Funktion von Äußerungen und Bildungsplan Deutsch Klasse 10 – Medien.
Prüfungshinweis: Prüfungsjahr und Schulabschluss sind zu unterscheiden. Für die Realschulabschlussprüfung 2027 nennt das Kultusministerium derzeit den 27. April 2027 als Haupttermin für Deutsch. Verbindliche Vorgaben, Termine, Ganzschriften und schulinterne Entscheidungen prüfst Du immer aktuell bei Deiner Schule und beim Kultusministerium Baden-Württemberg.
Einstieg
Stell Dir drei Nachrichten mit demselben Ziel vor:
| Situation | Eigener Beispieltext |
|---|---|
| Nachricht an eine Lehrkraft | Guten Tag, könnten Sie mir bitte mitteilen, bis wann die Aufgabe abgegeben werden soll? |
| Nachricht im Klassenchat | Weiß wer bis wann wir das hochladen müssen? thx 🙏 |
| Kurzer öffentlicher Post | Abgabe morgen 😵💫 #lernmodus |
Auftrag: Markiere Unterschiede bei Wortwahl, Satzbau, Zeichensetzung, Symbolen und Höflichkeit. Formuliere anschließend eine erste Hypothese: Welche Unterschiede hängen mit Medium, Situation und Adressatengruppe zusammen?

Schnelles Feedback: Eine gute Hypothese nennt nicht nur ein Merkmal, sondern verbindet Merkmal + Kommunikationssituation + mögliche Funktion.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du:
- Sprachwandel an konkreten Beispielen erkennen und fachsprachlich beschreiben.
- Digitale Kommunikation hinsichtlich Wortwahl, Satzbau, Kürzungen, Emojis, Hashtags und Register untersuchen.
- Entlehnungen, Neubildungen und Bedeutungswandel unterscheiden.
- kurze Medienbeispiele vergleichen und Beobachtungen mit Belegen absichern.
- zwischen Beschreibung, Deutung und Bewertung unterscheiden.
- eigene mediengerechte Texte gestalten und deren sprachliche Entscheidungen begründen.
- KI gezielt einsetzen, ohne die eigene Textarbeit und Quellenprüfung zu ersetzen.
Vorwissen
Prüfe Dich kurz selbst:
- Kannst Du Standardsprache, Umgangssprache und Jugendsprache unterscheiden?
- Weißt Du, was ein Anglizismus und ein Lehnwort ist?
- Kannst Du sprachliche Mittel an einem Text belegen?
- Kannst Du erklären, warum dieselbe Person in einem Chat anders schreibt als in einer Bewerbung?
- Kennst Du Regeln für Quellenangaben und den sparsamen Umgang mit personenbezogenen Daten?
Wenn Dir zwei oder mehr Punkte schwerfallen, wiederhole zuerst Sprachvarietäten und Kommunikationssituation.
Sprachwandel kompakt
Sprachwandel bedeutet, dass sich Sprache im Laufe der Zeit verändert. Wandel kann Wortschatz, Bedeutungen, Grammatik, Aussprache, Schreibweisen und kommunikative Konventionen betreffen.
Digitale Medien sind dabei nicht die einzige Ursache. Sie schaffen aber neue Kommunikationssituationen, beschleunigen Verbreitung und machen sprachliche Neuerungen sichtbar.
| Phänomen | Kurzes Beispiel | Analysefrage |
|---|---|---|
| Entlehnung | posten, streamen | Aus welcher Sprache kommt der Ausdruck und wie wird er ins Deutsche eingebaut? |
| Neubildung | Lernchat, Videocall | Welche bekannten Wortteile werden neu kombiniert? |
| Bedeutungswandel | liken | Welche neue oder spezialisierte Bedeutung entsteht? |
| Kürzung | btw, kA | Spart die Form Zeit oder markiert sie Gruppenzugehörigkeit? |
| Multimodalität | Text + Emoji + GIF | Welche Information übernimmt das Bildzeichen? |
| Registerwechsel | Hi! gegenüber Sehr geehrte Frau … | Wie verändert die Situation die Sprachwahl? |

Merksatz: Nicht jede neue Form setzt sich dauerhaft durch. Manche bleibt an eine Plattform, Altersgruppe oder Situation gebunden.
Medien verändern Kommunikationsbedingungen
Digitale Kommunikation ist oft schnell, dialogisch, öffentlich oder halböffentlich und verbindet Schrift mit Bild, Ton und Video. Dadurch entstehen Formen, die zwischen gesprochener und geschriebener Sprache liegen können.

Untersuche bei digitalen Beispielen besonders:
- Tempo: Muss schnell reagiert werden?
- Raum: Ist die Nachricht privat, gruppenbezogen oder öffentlich?
- Zeichen: Werden Emojis, Hashtags, Memes oder Abkürzungen genutzt?
- Adressaten: Wer soll die Nachricht verstehen?
- Funktion: Informieren, Kontakt halten, appellieren, unterhalten oder sich darstellen?
- Dauer: Ist der Beitrag flüchtig oder dauerhaft auffindbar?
Bildzeichen und neue Schreibkonventionen
Emojis ersetzen keine Sprache, können aber Tonfall, Emotion oder Beziehungshinweise ergänzen. Ihre Wirkung hängt vom Kontext ab.

Mini-Analyse:
„Super.“
„Super 😂“
„Super …“
Die Wortfolge bleibt ähnlich, die mögliche Wirkung verändert sich. Entscheidend ist der Kontext. Ein Emoji kann Ironie markieren, eine Aussage verstärken oder Missverständnisse erzeugen.
Materiallabor 1: Chat, Post und formelle Nachricht
Alle folgenden Beispiele sind eigens für diesen aiMOOC formuliert.
| Material | Text |
|---|---|
| A – Chat | Bin gleich da, Akku 2 % 😬 |
| B – Post | Neues Update ist live! Was sagt ihr dazu? #update |
| C – formelle Nachricht | Guten Tag, ich kann den Termin heute leider nicht wahrnehmen. Bitte entschuldigen Sie mein Fehlen. |
Auftrag 1: Beschreibe je zwei sprachliche Merkmale pro Material.
Auftrag 2: Erkläre die Wirkung eines Merkmals mit Bezug auf die Kommunikationssituation.
Auftrag 3: Formuliere Material A so um, dass es für eine formelle E-Mail geeignet wäre.
Hilfestufe 1: Achte auf Satzvollständigkeit, Symbole, Höflichkeit und Wortwahl.
Hilfestufe 2: Nutze die Struktur: „Das Merkmal … passt zur Situation, weil …“
Musterlösung: Material A nutzt einen verkürzten Satz und ein Emoji. Beides unterstützt eine schnelle informelle Nachricht. Eine formellere Fassung könnte lauten: „Guten Tag, ich werde mich etwas verspäten, da mein Akku fast leer ist.“
Materiallabor 2: Audio und Entlehnung
Höre die beiden freien Audio-Beispiele von Wikimedia Commons.
Auftrag: Untersuche das englische Ausgangswort „sample“ und seine Verwendung als deutsches Nomen beziehungsweise Verb. Formuliere eine Hypothese dazu, wie entlehnte Wörter an deutsche Wortarten und Flexion angepasst werden können.
Hilfestufe: Denke an Formen wie „ein Sample“, „samplen“, „ich sample“.
Lösungshinweis: Entlehnungen können in das deutsche Sprachsystem integriert werden. Ein übernommener Wortstamm kann beispielsweise deutsche Artikel, Endungen oder Verbformen erhalten.
Materiallabor 3: Videovergleich
Arbeitsauftrag zum Video über Anglizismen: Notiere drei Begriffe und ordne sie in „direkte Entlehnung“, „Mischbildung“ oder „Bedeutungsanpassung“ ein. Prüfe anschließend mindestens ein Beispiel mit einem Wörterbuch oder einer zweiten Quelle.
Vergleichsauftrag: Das zweite Video ordnet Sprachwandel historisch ein. Vergleiche beide Videos: Welche Beispiele behandeln langfristigen Wandel, welche gegenwärtigen Entlehnungen? Formuliere zwei Gemeinsamkeiten und einen Unterschied.
Quellencheck: Ein Erklärvideo ist eine Quelle, aber kein Beweis für sich allein. Prüfe zentrale Aussagen mit Wörterbuch, Bildungsplan, wissenschaftsnaher Darstellung oder mehreren voneinander unabhängigen Quellen.
Eigene Visualisierung: So kannst Du Sprachwandel analysieren
| Schritt | Leitfrage | Ergebnis |
|---|---|---|
| Beobachten | Was fällt sprachlich auf? | konkretes Merkmal |
| Belegen | Wo genau steht oder klingt es? | Text-, Bild- oder Audiobeleg |
| Einordnen | Wortschatz, Satzbau, Bedeutung, Register oder Multimodalität? | Fachbegriff |
| Kontext prüfen | Wer kommuniziert mit wem, wo und wozu? | Situationsbezug |
| Vergleichen | Gibt es eine formellere, ältere oder andere mediale Variante? | Vergleich |
| Deuten | Welche Funktion oder Wirkung ist plausibel? | begründete Aussage |
KI-Spirale
KI ersetzt keine eigene Textarbeit. Nutze sie erst nach Deiner eigenen Materialerschließung.
- Aufgabe verstehen: Markiere Operator, Material und Ziel.
- Selbst Material erschließen: Sammle eigene Beobachtungen und Belege.
- Eigenen Ansatz entwickeln: Formuliere eine erste Deutung.
- KI gezielt befragen: Bitte zum Beispiel um Gegenbeispiele, Fachbegriffe oder Prüf-Fragen.
- Unabhängig prüfen: Kontrolliere Texttreue, Fakten, Logik und Quellen außerhalb der KI.
- Eigene Lösung verbessern: Übernimm nur nachvollziehbare Hinweise.
- KI-Hilfe transparent machen: Notiere knapp, wofür Du KI genutzt hast.
Beispiel für Transparenz: „KI genutzt, um Gegenbeispiele zu sammeln; Auswahl, Quellenprüfung und Endfassung selbst erstellt.“
Urheberrecht, Quellen und Datenschutz
Für eigene Produkte gilt:
- Nutze bevorzugt gemeinfreie, offen lizenzierte oder selbst erstellte Materialien.
- Übernimm geschützte Texte nur in kurzen, funktionalen Zitaten mit Quelle.
- Geschützte Ganzschriften werden begleitet und analysiert, niemals vollständig wiedergegeben.
- Nenne bei offenen Bildern Autor, Lizenz und Quelle, wenn die Lizenz dies verlangt.
- Verwende für Klassenbeispiele keine unnötigen Namen, Telefonnummern, Accounts oder privaten Chatverläufe.
- Veröffentliche keine Screenshots realer Chats ohne Einwilligung und Datenschutzprüfung.
Freie Medien dieses Kurses:
| Medium | Urheber/Lizenz | Lernfunktion |
|---|---|---|
| Woman texting on a smartphone.jpg | Kristin Hardwick, CC0 | Einstieg: Alltag digitaler Kommunikation |
| Chat bubbles.svg | Benjamin D. Esham, Public Domain | Gespräch und Dialog visualisieren |
| Hashtag Icon.svg | Oppous/AntiCompositeNumber, CC BY-SA 4.0 | Hashtags als digitale Konvention |
| Emoji FaceTearsOfJoy.svg | Google/Davidbuddy9, CC BY-SA 4.0 | multimodale Bedeutungsbildung |
| Modern Smart-phone Text Message.png | Chris.rider81, CC BY-SA 3.0 | Vergleich von SMS/Chat-Oberflächen |
| De-sample.ogg | Jeuwre, CC BY-SA 4.0 | Entlehnung hörbar untersuchen |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was bezeichnet Sprachwandel? (Veränderungen sprachlicher Formen und Gebrauchsweisen im Lauf der Zeit) (!Nur das Erfinden neuer Emojis) (!Nur Rechtschreibfehler in Chats) (!Nur Veränderungen der Aussprache)
Welche Beobachtung ist ein Beispiel für Entlehnung? (Das englische Wort posten wird im Deutschen verwendet) (!Ein Emoji ersetzt einen Punkt) (!Ein Satz wird kürzer geschrieben) (!Eine Nachricht wird höflicher formuliert)
Warum ist der Kontext bei der Analyse digitaler Sprache wichtig? (Weil dieselbe Form je nach Situation unterschiedlich wirken kann) (!Weil Grammatik im Internet keine Rolle spielt) (!Weil Emojis immer dieselbe Bedeutung haben) (!Weil nur öffentliche Beiträge analysiert werden dürfen)
Welche Aussage beschreibt Registerwechsel am besten? (Sprachgebrauch wird an Situation und Adressaten angepasst) (!Ein Wort wird aus einer anderen Sprache übernommen) (!Ein Hashtag wird mehrfach verwendet) (!Ein Text wird automatisch übersetzt)
Welche Funktion kann ein Emoji übernehmen? (Es kann Tonfall oder Beziehungshinweise ergänzen) (!Es macht jede Aussage eindeutig) (!Es ersetzt grundsätzlich alle Satzzeichen) (!Es zeigt immer Ironie an)
Was ist bei einer guten Sprachanalyse nötig? (Eine Beobachtung wird mit einem konkreten Beleg verbunden) (!Eine Vermutung wird ohne Material formuliert) (!Nur die eigene Meinung wird genannt) (!Alle neuen Wörter werden als Sprachverfall bezeichnet)
Welche Rolle können digitale Medien beim Sprachwandel spielen? (Sie können neue Kommunikationsformen verbreiten und sichtbar machen) (!Sie sind die einzige Ursache jeder Sprachveränderung) (!Sie verhindern neue Wörter) (!Sie machen formelle Sprache unmöglich)
Wie gehst Du sinnvoll mit einer Aussage aus einem Erklärvideo um? (Du prüfst wichtige Aussagen mit weiteren verlässlichen Quellen) (!Du übernimmst jede Aussage ungeprüft) (!Du zitierst das gesamte Video) (!Du ignorierst Autor und Veröffentlichungszusammenhang)
Was gehört zur KI-Spirale dieses Kurses? (Zuerst selbst Material erschließen und später KI gezielt einsetzen) (!Zuerst eine KI-Lösung kopieren und danach das Material lesen) (!Die Quellenprüfung vollständig der KI überlassen) (!Eigene Notizen vermeiden)
Was ist bei personenbezogenen Daten in Lernprodukten sinnvoll? (Nur notwendige Daten verwenden und Beispiele möglichst anonymisieren) (!Private Chats vollständig veröffentlichen) (!Telefonnummern als Quellenangabe nennen) (!Screenshots ohne Einwilligung weitergeben)
Memory
| Entlehnung | Übernahme eines sprachlichen Elements aus einer anderen Sprache |
| Bedeutungswandel | Veränderung der Bedeutung eines Ausdrucks |
| Register | situationsabhängige Sprachweise |
| Hashtag | verschlagworteter Ausdruck mit Rautezeichen |
| Emoji | Bildzeichen mit kommunikativer Funktion |
| Kontext | Kommunikationssituation und Umfeld einer Äußerung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Entlehnung | posten |
| Kürzung | btw |
| Emoji | 😂 |
| Hashtag | #lernmodus |
| Registerwechsel | Hi wird zu Sehr geehrte Frau |
Kreuzworträtsel
| Anglizismus | Wie heißt ein aus dem Englischen übernommener Ausdruck? |
| Hashtag | Wie heißt ein mit dem Rautezeichen markiertes Schlagwort? |
| Emoji | Wie heißt ein digitales Bildzeichen für kommunikative Zusatzinformation? |
| Register | Wie heißt eine situationsabhängige Sprachweise? |
| Kontext | Wie heißt das Umfeld, das für die Deutung einer Äußerung wichtig ist? |
| Lehnwort | Wie heißt ein aus einer anderen Sprache übernommenes Wort? |
LearningApps
Lückentext
Interaktive Analyse mit Feedback
Aufgabe: Analysiere den Satz „Komme später 😬 Akku fast leer“. Nenne zwei Merkmale und erkläre ihre Funktion.
Hilfestufe 1: Suche nach Auslassungen und Bildzeichen.
Hilfestufe 2: Frage Dich, ob die Form eher zu einem privaten Chat oder zu einem formellen Schreiben passt.
Lösung: Die Äußerung enthält verkürzte Satzstrukturen und ein Emoji. Die Kürzung unterstützt schnelle informelle Kommunikation; das Emoji kann Unsicherheit oder Entschuldigung andeuten. Die genaue Deutung hängt vom Kontext ab.
Feedbackregel: Wenn Du nur Merkmale nennst, fehlt die Deutung. Wenn Du eine Wirkung behauptest, aber keinen Beleg nennst, fehlt die Absicherung.
Selbstkontrolle
Bewerte jeden Punkt mit „sicher“, „teilweise“ oder „noch üben“:
- Ich erkenne Entlehnung, Bedeutungswandel und Registerwechsel.
- Ich kann ein digitales Sprachbeispiel mit Fachbegriffen beschreiben.
- Ich belege jede wichtige Beobachtung am Material.
- Ich kann Kontext und mögliche Wirkung miteinander verbinden.
- Ich prüfe Videos, KI-Antworten und Webseiten mit weiteren Quellen.
- Ich kann einen Chattext adressatengerecht in eine formelle Nachricht umformen.
Transfer
Übertrage das Gelernte auf eine neue Situation:
Ein Ausbildungsbetrieb veröffentlicht: „Wir suchen Verstärkung! DM us 🚀“.
- Beschreibe drei sprachliche oder mediale Merkmale.
- Erkläre, warum die Mischung aus Deutsch, Englisch, Abkürzung und Emoji zur Plattform passen könnte.
- Formuliere dieselbe Mitteilung als sachlichen Aushang.
- Vergleiche beide Fassungen hinsichtlich Adressaten, Wirkung und Register.
- Beurteile nicht, welche Fassung „besser“ ist, sondern welche für welchen Zweck funktionaler ist.
Kompetenzcheck
| Kompetenz | Das kann ich | Beleg aus meiner Arbeit |
|---|---|---|
| Sprachwandel erkennen | sicher / teilweise / noch nicht | eigenes Beispiel notieren |
| Medien vergleichen | sicher / teilweise / noch nicht | zwei Unterschiede nennen |
| Funktionen erklären | sicher / teilweise / noch nicht | Merkmal + Kontext + Wirkung |
| Quellen prüfen | sicher / teilweise / noch nicht | zweite Quelle nennen |
| KI reflektiert nutzen | sicher / teilweise / noch nicht | KI-Hilfe transparent dokumentieren |
Reflexion
- Welche digitale Sprachform nutzt Du selbst häufig, und in welcher Situation?
- Welche Deiner ersten Vermutungen zum Sprachwandel musstest Du nach der Analyse verändern?
- Wo entsteht durch Kürze oder Mehrdeutigkeit ein Missverständnisrisiko?
- Wann ist ein Anglizismus funktional, wann könnte er Verständnis erschweren?
- Welche Aufgabe konntest Du ohne KI besser lösen als mit KI?
- Welche KI-Hilfe war nützlich, nachdem Du bereits selbst analysiert hattest?
Offene Aufgaben
Leicht
- Chatvergleich: Erfinde zwei kurze Nachrichten mit demselben Inhalt, einmal privat und einmal formell. Markiere drei Unterschiede.
- Emoji-Analyse: Gestalte drei Versionen desselben Satzes mit unterschiedlichen Emojis und erkläre die mögliche Wirkung.
- Wortfundstücke: Sammle zehn aktuelle Wörter aus digitaler Kommunikation und ordne sie nach Entlehnung, Neubildung oder Kürzung.
- Sprachplakat: Erstelle eine Visualisierung mit fünf Merkmalen digitaler Kommunikation und eigenen Beispielen.
Standard
- Medienvergleich: Vergleiche einen selbst erstellten Chat, eine formelle E-Mail und einen kurzen Post nach Wortwahl, Satzbau, Zeichen und Funktion.
- Audio-Projekt: Nimm zwei selbst formulierte Versionen derselben Nachricht auf: informell und formell. Analysiere Sprechtempo, Wortwahl und Ton.
- Mini-Umfrage: Befrage anonymisiert mehrere Personen verschiedener Altersgruppen zu drei digitalen Ausdrücken. Dokumentiere nur notwendige Daten und fasse Unterschiede vorsichtig zusammen.
- Videoanalyse: Untersuche ein seriöses Erklärvideo zu Anglizismen oder Sprachwandel und prüfe drei Aussagen mit weiteren Quellen.
Schwer
- Sprachkorpus: Erstelle ein kleines anonymisiertes Korpus aus selbst erfundenen oder frei lizenzierten digitalen Texten und untersuche wiederkehrende Muster.
- Bedeutungswandel: Wähle drei Wörter, deren Gebrauch sich durch digitale Medien verändert oder spezialisiert hat, und belege die Entwicklung mit Wörterbuch- oder Archivquellen.
- Kontroverse Sprachwandel: Entwickle eine materialgestützte Argumentation zur Frage, ob digitale Kommunikation Standardsprache verdrängt oder eher zusätzliche Register schafft.
- KI-Vergleich: Erstelle zuerst selbst eine Analyse. Bitte danach eine KI um eine alternative Deutung, prüfe deren Texttreue, Fakten, Logik und Quellen und überarbeite Deine eigene Lösung nachvollziehbar.


Lernkontrolle
- Transferanalyse: Untersuche einen unbekannten kurzen Social-Media-Text. Trenne Beobachtung, Beleg, Einordnung und Deutung.
- Registerwechsel: Formuliere denselben Inhalt für Freundeskreis, Lehrkraft und öffentlichen Schulaccount. Begründe jede Änderung.
- Quellenvergleich: Vergleiche zwei Erklärungen zu einem Anglizismus. Zeige, welche Aussage durch welche Quelle gestützt wird.
- Kontextprüfung: Erkläre an einem mehrdeutigen Emoji-Beispiel, warum dieselbe Zeichenfolge in zwei Situationen unterschiedlich verstanden werden kann.
- Medienwirkung: Entwickle eine begründete Hypothese dazu, welche Eigenschaften von Kurznachrichten bestimmte sprachliche Kürzungen begünstigen.
- KI-Prüfung: Lass Dir von einer KI drei Behauptungen zum Sprachwandel nennen und überprüfe jede Behauptung unabhängig mit Material und Quellen.
Lösungen und Erwartungshorizont
Für Analyseaufgaben gilt: Es gibt oft mehrere vertretbare Deutungen. Entscheidend sind Materialbezug, Fachbegriffe, Kontext und nachvollziehbare Begründung.
Materiallabor 1: Chat A zeigt Kürzung und Emoji; B verbindet Anglizismus, direkte Ansprache und Hashtag; C nutzt vollständige Sätze und formelle Höflichkeit.
Materiallabor 2: „Sample“ zeigt, wie ein entlehnter Wortstamm als Nomen oder Verb in deutsche grammatische Strukturen integriert werden kann.
Transfer „DM us 🚀“: Erwartbar sind unter anderem Anglizismus, Abkürzung, direkte Ansprache und Emoji. Die sachliche Variante sollte ohne unnötige Kürzungen auskommen und Adressaten sowie Kontaktweg klar benennen.
Lückentext: Veränderungen – Entlehnung – verbreiten – Tonfall – verschlagworten – Adressaten – Beleg – Quellen.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig:
- Du untersuchst mindestens zwei unterschiedliche Medienformen.
- Du verwendest Fachbegriffe korrekt und sparsam.
- Du belegst Beobachtungen am Material.
- Du erklärst Zusammenhänge zwischen Medium, Kommunikationssituation und Sprachgebrauch.
- Du unterscheidest Beschreibung, Deutung und Bewertung.
- Du dokumentierst verwendete Quellen und Lizenzen.
- Du vermeidest unnötige personenbezogene Daten.
- Du kennzeichnest KI-Hilfe transparent und prüfst KI-Aussagen unabhängig.
- Du zeigst in einer Überarbeitung, wie Deine Analyse durch Prüfung und Vergleich besser geworden ist.
Folgekurs-Empfehlung
Als nächster Lernschritt passen besonders:
- D10 M - Sprachvarietäten und situationsgerechten Sprachgebrauch untersuchen: Vertiefe Register, Standardsprache, Umgangssprache und gruppenspezifischen Sprachgebrauch.
- D10 M - Sachtexte und Medienquellen vergleichen: Prüfe Aussagen, Belege, Perspektiven und Quellen systematischer.
- D10 M - Materialgestützt argumentieren: Nutze analysierte Sprachbeispiele für eine begründete Argumentation.
OERs zum Thema
Weiterführende offene oder offizielle Quellen:
- Wikimedia Commons: freie Bilder und Audios; Lizenz der einzelnen Datei beachten.
- Bildungspläne Baden-Württemberg: verbindliche Kompetenzorientierung.
- Kultusministerium Baden-Württemberg: aktuelle Informationen zu Abschlussprüfungen.
- Sprachwandel
- Anglizismus
- Lehnwort
- Jugendsprache
- Medienkompetenz
- Künstliche Intelligenz im Unterricht
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