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D10 E - Verbformen als Mittel von Distanz und Perspektive untersuchen

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D10 E - Verbformen als Mittel von Distanz und Perspektive untersuchen




D10 E - Verbformen als Mittel von Distanz und Perspektive untersuchen

Mini-Beschreibung: Analysiere Tempus, Modus und Passiv hinsichtlich Wirklichkeitsbezug, Distanzierung, Perspektive und Textfunktion. Du arbeitest auf E-Niveau in Klasse 10 und untersuchst auch Mehrdeutigkeit, Kontext und Transfer.


Einleitung

Verbformen zeigen nicht nur wann etwas geschieht. Sie können Nähe oder Distanz erzeugen, fremde Aussagen markieren, Handelnde hervorheben oder ausblenden und den Wirklichkeitsbezug eines Textes verändern.

Merksatz: Analysiere nie nur die Form. Verbinde immer Form → sprachliches Signal → Wirkung → Textfunktion.

Freies Medium: Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0. Untersuche die Grafik: Auf welchen Ebenen liegen Verbform, Satzbau, Bedeutung und kommunikative Wirkung?


Curriculare Einordnung Baden-Württemberg

Der gemeinsame Bildungsplan Sekundarstufe I verlangt auf E-Niveau in Klasse 10 unter anderem:

  1. Tempus: Zeitformen differenziert in ihren Verwendungsmöglichkeiten erläutern und verwenden, auch narratives Präsens und modales Futur.
  2. Passiv: Bildung und kontextabhängige Wirkung von Passivformen beschreiben und reflektieren.
  3. Modalität: Formen der Modalität und Ersatzformen situations- und stilgerecht verwenden.
  4. Textanalyse: Perspektivgebundenheit, Mehrdeutigkeit, Wirkungszusammenhänge und komplexere Textvergleiche untersuchen.

Wichtig zu Prüfungsjahr und Schulabschluss: E-Niveau ist eine Niveaustufe und nicht automatisch gleichbedeutend mit einer bestimmten Abschlussprüfung. In der Gemeinschaftsschule führt das erweiterte Niveau in Richtung gymnasiale Oberstufe. Vorgaben für Abschlussprüfungen ändern sich nach Prüfungsjahr und angestrebtem Abschluss. Prüfe deshalb die aktuellen Informationen Deiner Schule und des Kultusministeriums Baden-Württemberg.

Bildungsplan Deutsch Sekundarstufe I, Klasse 10

Kultusministerium Baden-Württemberg: Schullaufbahnentscheidung

Kultusministerium Baden-Württemberg: Abschlussprüfungen


Einstieg

Vergleiche vier selbst erstellte Beispielsätze:

A: Die Redaktion meldet: Der Termin steht fest.

B: Die Redaktion meldet, der Termin stehe fest.

C: Der Termin dürfte feststehen.

D: Der Termin wurde festgelegt.

Untersuche:

  1. Welcher Satz klingt wie eine direkte Feststellung?
  2. Welcher Satz schafft Distanz zu einer fremden Aussage?
  3. Welcher Satz markiert eine Einschätzung statt Gewissheit?
  4. Welcher Satz rückt die Handlung vor die handelnde Person?

Erste Hypothese: Formuliere in zwei Sätzen, wie Verbformen Perspektive steuern.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du:

  1. Verbformen sicher bestimmen und funktional analysieren.
  2. Tempus von tatsächlicher Zeitreferenz unterscheiden.
  3. Konjunktiv I und Konjunktiv II als Mittel von Redewiedergabe, Irrealität und Distanz untersuchen.
  4. Aktiv und Passiv nach ihrer Perspektivwirkung vergleichen.
  5. Wirklichkeitsbezug, Sprecherhaltung und Textfunktion mit Textbelegen erklären.
  6. mehrdeutige Fälle kontextbezogen beurteilen und alternative Deutungen begründen.
  7. KI-Ergebnisse texttreu, logisch und quellenkritisch prüfen.


Vorwissen aktivieren

Bestimme jeweils nur die fett markierte Verbform:

  1. Er hatte gelesen, bevor der Unterricht begann.
  2. Sie sagt, er sei bereits unterwegs.
  3. Die Ergebnisse werden ausgewertet.
  4. Morgen wird es wohl regnen.

Selbstkontrolle:

  1. Plusquamperfekt
  2. Konjunktiv I
  3. Vorgangspassiv im Präsens
  4. Futur I mit möglicher modaler Bedeutung


Die Analyseformel

Schritt Leitfrage Beispiel
1 Form Welche Verbform liegt vor? Konjunktiv I
2 Signal Was markiert die Form? fremde Rede
3 Wirkung Welche Distanz oder Perspektive entsteht? Aussage wird als übernommen gekennzeichnet
4 Textfunktion Warum passt das hier? journalistische Redewiedergabe

E-Niveau: Eine gute Analyse nennt nicht nur die Form, sondern erklärt ihre Funktion im konkreten Kontext und prüft Alternativen.


Tempus: Zeitform ist nicht einfach Zeit

Tempus ist eine grammatische Kategorie. Die tatsächliche Zeitbedeutung entsteht erst im Kontext.

Präsens:

  1. Gegenwart: „Jetzt beginnt die Stunde.“
  2. Allgemeingültigkeit: „Wasser gefriert bei null Grad Celsius.“
  3. Zukunft: „Morgen schreibe ich den Test.“
  4. narratives Präsens: „Plötzlich öffnet sich die Tür.“

Futur I:

  1. Zukunft: „Morgen wird die Gruppe präsentieren.“
  2. Vermutung: „Er wird jetzt zu Hause sein.“

Analysefrage: Welche Wirkung hat das narrative Präsens? Häufig vergegenwärtigt es Vergangenes und erzeugt Unmittelbarkeit.

Medienauftrag: Notiere aus dem Video drei Verwendungsweisen von Zeitformen. Prüfe danach an je einem selbst erfundenen Satz, ob Zeitform und Zeitbezug wirklich zusammenfallen.


Modus: Wirklichkeit, Möglichkeit und Distanz

Der Modus zeigt, wie eine Aussage sprachlich eingeordnet wird.

Indikativ: unmarkierte Form für Aussagen. Er beweist nicht, dass eine Aussage wahr ist.

Konjunktiv I: besonders wichtig für indirekte Rede. Er kann anzeigen: Diese Aussage stammt von jemand anderem.

Konjunktiv II: kann Irrealität, Wunsch, Möglichkeit, Höflichkeit oder vorsichtige Distanz markieren.

Modalität entsteht außerdem durch Wörter wie „vermutlich“, „wohl“, „angeblich“, Modalverben oder Formulierungen wie „es scheint“.

Audio-Labor: Höre die freien Aussprachedateien. Formuliere zu werde, würde und hätte je einen vollständigen Satz. Bestimme danach Modus, Funktion und Wirklichkeitsbezug. Die einzelne Lautform reicht für die Analyse nicht: Der Kontext entscheidet.

Videoauftrag: Suche im Video je ein Beispiel für indirekte Rede und Irrealität. Erkläre, warum beide Funktionen nicht gleichgesetzt werden dürfen.


Passiv: Perspektive durch Ausblenden oder Umfokussieren

Beim Passiv steht nicht der Handelnde im Zentrum.

Aktiv: Die Jury bewertet die Beiträge.

Vorgangspassiv: Die Beiträge werden bewertet.

Zustandspassiv: Die Beiträge sind bewertet.

Das Passiv kann:

  1. einen Vorgang oder ein Ergebnis fokussieren,
  2. Handelnde als unwichtig oder unbekannt behandeln,
  3. in Fachsprache sachlich wirken,
  4. Verantwortung sprachlich in den Hintergrund treten lassen.

Aber: Passiv bedeutet nicht automatisch „Manipulation“. Die Wirkung muss am Kontext belegt werden.

Audioauftrag: Höre „wurde“. Baue das Wort einmal in ein normales Präteritum und einmal in ein Vorgangspassiv ein. Erkläre, woran Du den Unterschied erkennst.

Videoauftrag: Notiere zwei Gründe für Passivgebrauch. Ergänze einen eigenen Kontext, in dem Aktiv präziser wäre.


Historischer Medienvergleich

Gemeinfreier Buchscan von 1911, Wikimedia Commons.

Die historische Grammatikseite erklärt Aktiv, Passiv und Indikativ mit älterer Terminologie.

Untersuchungsauftrag:

  1. Finde im Bild die Begriffe für Aktiv und Passiv.
  2. Vergleiche die damalige Erklärung mit heutigen Begriffen.
  3. Prüfe kritisch: Welche Beschreibung ist noch brauchbar, welche wirkt zu eng?
  4. Formuliere eine moderne, präzisere Erklärung in höchstens 40 Wörtern.


Wirklichkeitsbezug präzise untersuchen

Eine grammatische Form legt Wahrheit nicht fest.

Form Mögliche Wirkung Vorsicht
Indikativ direkte Behauptung kann trotzdem falsch sein
Konjunktiv I markierte Redewiedergabe bedeutet nicht automatisch Zweifel
Konjunktiv II Irrealität, Möglichkeit, Distanz Funktion hängt vom Kontext ab
Passiv Handlung oder Ergebnis im Fokus Handelnder kann trotzdem genannt sein
Futur I Zukunft oder Vermutung Zeitform allein entscheidet nicht


Perspektive und Textfunktion

Texttyp typische Verbform mögliche Funktion
Nachricht Konjunktiv I fremde Aussage markieren
Erzählung narratives Präsens Geschehen vergegenwärtigen
Versuchsprotokoll Passiv Vorgang fokussieren
Kommentar Konjunktiv II oder Modalität Möglichkeit und Distanz abwägen
Prognose Futur I Zukunft oder Vermutung ausdrücken

E-Niveau-Frage: Wann wäre eine andere Verbform ebenso plausibel? Begründe immer mit Textsorte, Sprecherhaltung und Kontext.


KI-Spirale

KI ersetzt keine eigene Textarbeit.

  1. Aufgabe verstehen: Markiere Operator, Material und Analyseziel.
  2. Selbst erschließen: Bestimme Verbformen und sammle Textbelege ohne KI.
  3. Eigenen Ansatz entwickeln: Formuliere zuerst eine eigene Deutung.
  4. KI gezielt befragen: Stelle eine konkrete Frage zu einem strittigen Punkt.
  5. Unabhängig prüfen: Kontrolliere Texttreue, Fakten, Logik und Quellen.
  6. Eigene Lösung verbessern: Übernimm nur nachvollziehbare Verbesserungen.
  7. KI-Hilfe transparent machen: Notiere kurz, wofür Du KI genutzt und was Du selbst geprüft hast.

Beispiel für eine gute KI-Frage: „Welche zwei Funktionen könnte der Konjunktiv II in Satz 4 haben? Nenne Kriterien, mit denen ich am Kontext entscheiden kann.“

Schlechte KI-Nutzung: „Analysiere alles für mich.“


Interaktive Aufgaben


Analyse-Labor 1: Satzpaar-Mikroskop

Material:

A: Die Sprecherin erklärt, das Experiment ist sicher.

B: Die Sprecherin erklärt, das Experiment sei sicher.

Aufgabe: Vergleiche Wirklichkeitsbezug, Distanz und Verantwortungszuweisung.

Hilfestufe 1: Bestimme zuerst den Modus.

Hilfestufe 2: Frage: Wird die Aussage als eigene Feststellung oder als fremde Rede markiert?

Hilfestufe 3: Nutze die Formel Form → Signal → Wirkung → Textfunktion.

Lösung und Feedback: A steht im Indikativ und kann stärker wie eine direkte Übernahme der Aussage wirken. B markiert mit Konjunktiv I deutlicher, dass die Information der Sprecherin zugeschrieben wird. Der Konjunktiv I beweist weder Zweifel noch Unwahrheit. Stark ist Deine Analyse, wenn Du genau diese Grenze benennst.


Analyse-Labor 2: Perspektive im Passiv

Material:

A: Die Projektgruppe löschte die Datei.

B: Die Datei wurde gelöscht.

Aufgabe: Erkläre, welche Information in B verloren geht und welche neue Fokussierung entsteht.

Hilfestufe 1: Suche das Agens.

Hilfestufe 2: Frage, ob der Text eher Handlung oder Handelnde hervorhebt.

Lösung und Feedback: B nennt die handelnde Projektgruppe nicht. Im Fokus steht der Vorgang des Löschens und die betroffene Datei. Ob das sachlich, praktisch oder ausweichend wirkt, lässt sich erst aus dem Kontext beurteilen.


Analyse-Labor 3: Tempus und Nähe

Material:

A: Gestern öffnete sie die Nachricht und erschrak.

B: Gestern öffnet sie die Nachricht und erschrickt.

Aufgabe: Erkläre die Wirkung des Tempuswechsels.

Hilfestufe 1: Beide Sätze beziehen sich auf Vergangenheit.

Hilfestufe 2: Untersuche, wie nah oder unmittelbar das Geschehen wirkt.

Lösung und Feedback: B nutzt narratives Präsens. Trotz des Zeitworts „gestern“ stehen die Verben im Präsens. Dadurch kann das vergangene Geschehen vergegenwärtigt und unmittelbarer inszeniert werden.


Medienvergleich mit Feedback

Vergleiche das historische Grammatikbild, das Konjunktivvideo und das Passivvideo.

  1. Welches Medium erklärt vor allem Form?
  2. Welches zeigt besonders gut Funktion im Kontext?
  3. Wo musst Du ergänzende Informationen prüfen?
  4. Welche Aussage lässt sich durch einen eigenen Beispielsatz testen?

Feedbackkriterium: Eine überzeugende Antwort vergleicht nicht nur „gut“ oder „schlecht“, sondern nennt konkrete Darstellungsmittel, Beispiele, Begriffsgenauigkeit und Grenzen des jeweiligen Mediums.


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Aussage beschreibt den Konjunktiv I in indirekter Rede am präzisesten? (Er markiert eine Aussage als wiedergegebene Rede) (!Er beweist dass die Aussage falsch ist) (!Er bezeichnet immer einen Wunsch) (!Er steht nur in Zukunftstexten)




Welche Funktion kann das narrative Präsens haben? (Es vergegenwärtigt vergangenes Geschehen) (!Es macht jede Aussage wissenschaftlich) (!Es kennzeichnet immer direkte Rede) (!Es ersetzt grundsätzlich das Passiv)




Was ist bei der Analyse des Futur I wichtig? (Es kann auch eine Vermutung ausdrücken) (!Es bezeichnet ausschließlich sichere Zukunft) (!Es ist immer Konjunktiv) (!Es nennt automatisch den Handelnden)




Was rückt ein Vorgangspassiv typischerweise in den Vordergrund? (Den Vorgang) (!Immer die handelnde Person) (!Nur den Zeitpunkt) (!Eine direkte Aufforderung)




Welche Aussage zum Indikativ ist richtig? (Er ist eine unmarkierte Aussageform und garantiert keine Wahrheit) (!Er zeigt immer Zweifel) (!Er ist identisch mit dem Konjunktiv I) (!Er kommt nur in Erzählungen vor)




Welche Form eignet sich besonders zur markierten Redewiedergabe? (Konjunktiv I) (!Imperativ) (!Infinitiv) (!Partizip I)




Welche Funktion kann der Konjunktiv II haben? (Irrealität oder vorsichtige Distanz markieren) (!Jede vergangene Handlung als wahr bestätigen) (!Nur einen Vorgang ins Passiv setzen) (!Ausschließlich Gegenwart ausdrücken)




Warum kann ein Passivsatz perspektivisch wirksam sein? (Er kann den Handelnden in den Hintergrund treten lassen) (!Er macht eine Aussage automatisch objektiv) (!Er verändert jedes Verb in den Konjunktiv) (!Er verhindert jede Zeitangabe)




Was gehört zu einer Analyse auf E-Niveau? (Form und Wirkung im konkreten Kontext begründen) (!Nur die Verbform benennen) (!Nur eine Regel auswendig wiederholen) (!Jede Mehrdeutigkeit vermeiden)




Welche Reihenfolge passt zur Analyseformel dieses Kurses? (Form Signal Wirkung Textfunktion) (!Textfunktion Wirkung Signal Form) (!Wirkung Textfunktion Form Signal) (!Signal Form Textfunktion Wirkung)





Memory

Tempus zeitliche und kontextuelle Einordnung
Konjunktiv I markierte Redewiedergabe
Konjunktiv II Irrealität oder Distanz
Vorgangspassiv Prozess im Vordergrund
Zustandspassiv Ergebniszustand im Vordergrund
narratives Präsens Vergegenwärtigung vergangenen Geschehens
modales Futur Vermutung über einen Sachverhalt





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Konjunktiv I Distanz zu wiedergegebener Rede
Konjunktiv II Irrealität oder vorsichtige Distanz
Vorgangspassiv Handlung im Fokus
Zustandspassiv Ergebniszustand im Fokus
narratives Präsens vergangenes Geschehen wirkt gegenwärtig






Kreuzworträtsel

Tempus Wie heißt die grammatische Kategorie der Zeitform?
Modus Welche Kategorie unterscheidet unter anderem Indikativ und Konjunktiv?
Passiv Welche Form kann Handelnde in den Hintergrund rücken?
Konjunktiv Welche Verbform kann Distanz oder Irrealität markieren?
Präsens Welche Zeitform kann ein vergangenes Geschehen narrativ vergegenwärtigen?
Perspektive Welcher Begriff bezeichnet den sprachlichen Blickwinkel eines Textes?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Eine grammatische Zeitform heißt

. Der

kann fremde Rede markieren. Irrealität oder vorsichtige Distanz kann der

ausdrücken. Beim

kann der Handelnde in den Hintergrund treten. Das

kann vergangenes Geschehen vergegenwärtigen. Das Futur I kann neben Zukunft auch eine

ausdrücken. Eine gute Analyse verbindet Form und

. Ob eine Aussage wahr ist, entscheidet nicht allein der grammatische

.




Selbstkontrolle

Prüfe Deine Analyse mit fünf Fragen:

  1. Habe ich die Verbform korrekt bestimmt?
  2. Habe ich ein sprachliches Signal zitiert oder genau benannt?
  3. Erkläre ich Wirkung statt nur eine Regel zu wiederholen?
  4. Beziehe ich Textsorte, Sprecherhaltung und Kontext ein?
  5. Nenne ich bei Mehrdeutigkeit mindestens eine begründete Alternative?

Selbsteinschätzung:

  1. Sicher: Ich kann Form, Wirkung und Textfunktion selbstständig verbinden.
  2. Fast sicher: Ich brauche bei mehrdeutigen Fällen noch Hilfestufen.
  3. Noch unsicher: Ich wiederhole Tempus, Modus und Passiv zuerst mit eigenen Beispielen.


Transfer

Neue Situation: Eine Schule veröffentlicht zwei Formulierungen:

A: „Wir haben die Entscheidung getroffen.“

B: „Die Entscheidung wurde getroffen.“

Untersuche, wie sich Verantwortungszuweisung, Fokus und Wirkung verändern. Formuliere anschließend eine dritte Version im Konjunktiv I, die als journalistische Redewiedergabe funktionieren könnte.

Transfer auf andere Medien: Suche in einem rechtmäßig zugänglichen Nachrichtenbeitrag, Podcast-Transkript, Werbetext oder Erklärvideo nach drei auffälligen Verbformen. Verwende nur kurze funktionale Zitate und nenne die Quelle.


Kompetenzcheck

Du hast das E-Niveau erreicht, wenn Du:

  1. eine komplexere Verbform sicher bestimmen kannst,
  2. zwischen grammatischer Form und tatsächlichem Wirklichkeitsbezug unterscheidest,
  3. Distanz und Perspektive mit Textbelegen erklärst,
  4. Mehrdeutigkeit nicht vorschnell auflöst,
  5. zwei Medien oder Textfassungen anhand derselben Kriterien vergleichst,
  6. eine eigene Umformulierung funktional begründest,
  7. KI-Hilfe kritisch prüfst und transparent dokumentierst.


Reflexion

Beantworte kurz:

  1. Welche Verbform verändert Perspektive für Dich am stärksten?
  2. Bei welchem Beispiel war die Wirkung mehrdeutig?
  3. Welche Regel würdest Du nicht mehr ohne Kontext anwenden?
  4. Was hat eine KI-Antwort verbessert oder wo musstest Du sie korrigieren?


Offene Aufgaben


Leicht

  1. Tempus: Erfinde vier Sätze im Präsens mit Gegenwart, Zukunft, Allgemeingültigkeit und narrativer Funktion.
  2. Konjunktiv I: Verwandle drei direkte Aussagen in indirekte Rede und markiere die Verbformen.
  3. Passiv: Formuliere fünf Aktivsätze ins Passiv um und notiere, welche Information schwächer sichtbar wird.
  4. Modalität: Sammle sechs Wörter oder Formen, die Sicherheit, Vermutung oder Distanz ausdrücken.


Standard

  1. Textvergleich: Schreibe eine kurze Nachricht einmal im Indikativ und einmal mit konsequenter indirekter Rede. Vergleiche die Wirkung.
  2. Audioanalyse: Nimm vier eigene Beispielsätze mit „werde“, „wurde“, „würde“ und „hätte“ auf. Lass eine Partnerperson die Funktion bestimmen.
  3. Medienanalyse: Vergleiche zwei frei zugängliche Erklärmedien zu Konjunktiv oder Passiv anhand von Fachgenauigkeit, Beispielen und Kontextbezug.
  4. Perspektive: Überarbeite einen sachlichen Absatz so, dass einmal die handelnde Person und einmal der Vorgang im Zentrum steht.


Schwer

  1. Mehrdeutigkeit: Finde drei Sätze, deren Verbform mehrere Deutungen zulässt. Entwickle Kriterien für eine kontextbezogene Entscheidung.
  2. Stilanalyse: Untersuche einen rechtmäßig zugänglichen Sachtext auf Tempus, Modus und Passiv und erkläre das Zusammenspiel der Formen.
  3. Multimodale Analyse: Produziere ein kurzes Video oder eine Infografik, die zeigt, wie dieselbe Information durch Verbformen unterschiedlich perspektiviert wird.
  4. KI und Textanalyse: Erstelle zuerst eine eigene Analyse, lass anschließend eine KI Gegenargumente formulieren, prüfe jede Behauptung am Text und dokumentiere nachvollziehbar, was Du geändert hast.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Kontextanalyse: Analysiere einen unbekannten Absatz mit mindestens drei unterschiedlichen Verbformen. Erkläre jeweils nicht nur die Form, sondern ihre Funktion für Perspektive und Wirklichkeitsbezug.
  2. Variantenvergleich: Vergleiche eine Aktiv- und eine Passivfassung desselben Sachverhalts. Beurteile, welche Fassung für zwei verschiedene Textsorten funktionaler ist, und begründe.
  3. Redewiedergabe: Überführe eine kurze direkte Aussage in zwei Varianten indirekter Rede. Erläutere, wie sich Distanz und Sprecherverantwortung verändern.
  4. Tempustransfer: Schreibe einen kurzen Rückblick zunächst im Präteritum und dann im narrativen Präsens. Analysiere die veränderte Leserwirkung.
  5. Mehrdeutigkeit: Erkläre zwei mögliche Funktionen eines Konjunktiv-II-Satzes und entscheide mithilfe zusätzlicher Kontextinformationen.
  6. Quellenkritik: Prüfe eine KI-Analyse zu einem kurzen Originaltext auf Texttreue, Grammatik, Logik und unbelegte Behauptungen. Verbessere sie mit Belegen.


Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig:

  1. Verbformen korrekt bestimmen.
  2. Tempus, Modus und Genus Verbi fachsprachlich unterscheiden.
  3. Wirklichkeitsbezug nicht mit grammatischer Form gleichsetzen.
  4. Distanzierung und Perspektivwirkung anhand konkreter Textstellen erklären.
  5. Textfunktion und Kontext einbeziehen.
  6. alternative Deutungen bei Mehrdeutigkeit begründet prüfen.
  7. Umformulierungen gezielt einsetzen und ihre Wirkung reflektieren.
  8. Quellen sauber nennen und kurze Zitate funktional verwenden.
  9. KI-Nutzung transparent machen und Ergebnisse unabhängig kontrollieren.


Lösungen zu den Kernaufgaben

Einstieg:

  1. A wirkt als direkte Feststellung im Indikativ.
  2. B markiert mit Konjunktiv I fremde Rede.
  3. C markiert mit „dürfte“ eine vorsichtige Einschätzung.
  4. D rückt mit Passiv den Vorgang und das Ergebnis vor den Handelnden.

Audio-Labor: Möglich sind zum Beispiel „Ich werde morgen schreiben“ als Futur, „Die Datei wurde gelöscht“ als Vorgangspassiv im Präteritum, „Ich würde anders entscheiden“ als Konjunktiv II und „Wenn ich mehr Zeit hätte“ als irreale Bedingung.

Historischer Vergleich: Die alten Begriffe „Tätigkeitsform“ und „Leideform“ können als Einstieg helfen, sind aber zu eng, weil Passivsätze nicht immer tatsächliches „Leiden“ ausdrücken. Moderne Analysen fragen stärker nach syntaktischer Form und Textfunktion.


OERs zum Thema

Wikipedia: Tempus

Wikipedia: Konjunktiv

Wikipedia: Passiv und Diathese


Medien- und Quellenhinweise

  1. : Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.
  2. : Wikimedia Commons, gemeinfrei.
  3. , , , : Wikimedia Commons, freie Ausspracheaufnahmen; Lizenz jeweils auf der Dateiseite.
  4. YouTube-Videos werden nur eingebettet und nicht kopiert. Prüfe Verfügbarkeit und nutze Inhalte nur im Rahmen der jeweiligen Plattform- und Urheberrechtsregeln.
  5. Eigene Beispieltexte dieses aiMOOCs sind neu formuliert und dürfen für die Aufgaben bearbeitet werden.
  6. Geschützte Ganzschriften werden in diesem Kurs nicht vollständig wiedergegeben. Für Analysen genügen kurze funktionale Zitate mit Quellenangabe.


Folgekurs-Empfehlung

Als nächstes passt ein Kurs zu D10 E - Sprachliche Mittel in argumentierenden und literarischen Texten funktional analysieren. Dort kannst Du Verbformen mit Satzbau, Wortwahl, rhetorischen Mitteln, Erzählsituation und Argumentationsstruktur verbinden.


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