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Mit aller möglichen Pracht und Herrlichkeit ward am Karsamstag abends in der Auer Pfarrkirche die Auferstehung des Herrn gefeiert. Unzählige Lichter erhellten die überall verhängte Kirche und beleuchteten das unter Singen und Glockenläuten hinter dem Heiligen Grabe in die Höhe gezogene Auferstehungsbild. Kurz, es war himmlisch, göttlich, flüsterten hernach die aus der Kirche kommenden Weiber und Mädchen einander zu, während sie sich die von der Tageshelle erschreckten Augen rieben. Sogar die zarten, schneeweißen Hände der armen Stickerinnen legten rasch einen Taglohn auf den Teller, welcher zur Aufnahme freiwilliger Beiträge für das neuerrichtete Heilige Grab vor der Kirchentür angebracht war. Die roten Kupferkreuzer, die sich wie recht verdächtige Kerle hinter breiten Sechsbätzlern versteckten, waren wohl nur aus engen Lederhosentaschen herausgelangt worden. Wenigstens war nicht zu leugnen, dass fast alle Männer das »Schauspiel« etwas kühl aufnahmen; sogar einiges Kopfschütteln war zu bemerken. Auf dem Platz neben der Kirche stellten sie sich schweigend zusammen. Jeder schien warten zu wollen, bis das rechte Wort zur Beurteilung der etwas teuern »neuen Mode«, die zwar alles in die Kirche lockte, doch keine Andacht in derselben aufkommen ließ, gefunden sein würde. Lächelnd schauten sie hinauf zu den glühenden und leuchtenden Bergen oder hinaus über den schon etwas dunkeln, geheimnisvoll rauschenden Schnepfauer Wald, neben welchem die Ach den bereits zu Wasser gewordenen Winter laut scheltend hinaustrug. Rechts ob dem Wald erhob sich die stolze Liggsteinpyramide, die kühn emporragte zum blauen Himmel, welchen links neben der Ach die Kanisfluh zu tragen schien. Weiter draußen, dort, wo die äußersten Tannenwipfel des Waldes ins rötlichblaue Licht hineinragten, trugen goldige Engelchen mit Feuerflügeln der scheidenden Sonne den Strahlenmantel nach und winkten dabei mit weiß und rötlich schimmernden Händen ihre letzten Grüße zurück ins Tal. »Viel schöner doch und so, dass man dabei auch etwas empfindet, ist die Art, wie die Natur ihr Auferstehungsfest feiert«, begannen jetzt auf einmal mehrere. Gleich fielen auch andere ein: »Das Osterlied der Vögel im weihrauchduftenden Walde draußen – hört, hört! Und droben in den Bergen das Wiedergeben der angeschwollenen, tosenden Ach – oh, das geht einem durch Leib und Seele, ganz, ganz anders noch als das lateinische Osterlied, welches der Kaplan bis von Innsbruck heraus hat kommen lassen.«
Ganze Minuten lang schlug man jetzt überall Feuer, doch der Zunder wollte gar nicht recht »empfangen«. Die krummrohrigen Tiroler Pfeifen blieben kalt, wie gewöhnlich vor der glücklichen Zeit der Zündhölzchen, wenn es einmal etwas zu sehen und auszukopfen gab.
Noch hatten viele nicht eingeheizt, als das Mathisle, ein ärmlich gekleidetes Bäuerlein, welches den Wolkengestalten nicht nachblicken mochte, bis es sich die scharfen grauen Augen verdarb, auf einmal ausrief: »Sehet dort! Jetzt kommt der Bot' und geht ins Kronenwirtshaus. Was er wohl alles drin hat in der großen Tasche, dass er gar so eilt?«
»Es wäre doch nun ganz in der Ordnung«, begann das Mathisle nach einer Weile wieder, »wenn endlich Hansjörg, der Soldat, ein Briefchen schickte. Ist's doch schon mehr als ein halbes Jahr seit dem letzten, und es wäre die einzige Freude, die er mir machen könnte. Nun, eine Frag' ist wohl jedem erlaubt«, fügte er, das Kopfschütteln der Umstehenden bemerkend, bei und eilte dem Wirtshause zu.
»Möchte doch sehen, was das Männchen für ein Gesicht macht, wenn wieder nichts gekommen ist«, lachte der frühere Gemeindevorsteher, der bei den Bauern mehr galt als der behagliche Patron, welcher jetzt diesen Titel hatte. Schon im nächsten Augenblick war's, als ob es da drüben halbe Batzen zu schneien angefangen hätte bei heiterem Himmel; sogar sehr sparsame Hausväter, die sonst nicht einmal jedes Vierteljahr ein Bierglas zu sehen, geschweige denn ein Glas Bier zu trinken bekamen, vermochten jetzt dem Drange nicht zu widerstehen und folgten dem Altvorsteher auf den Tritt, so dass die Gasse beinahe zu schmal wurde.
Staunend, mit einer Art von Ehrfurcht sahen viele, die noch ihr Lebtag keinen Brief erhielten, wie das Mathisle jetzt einen solchen gleich einer Siegesfahne jubelnd emporhielt. Es war und blieb halt doch merkwürdig, wie so ein Blatt für dieses kleine, ganz unbedeutende Männchen aus der weiten Welt sich bis da hereinfinden konnte.
Mit einer Langsamkeit, die das ihm geschenkte Vertrauen nur schlecht zu würdigen schien, folgte der Altvorsteher dem an ihn ergangenen freundlichen Ruf. Ruhig legte er Mathisles Brief auf den noch etwas feuchten Tisch vor sich hin, bestellte sich einen halben Schoppen Wein, zog dann die Hornbrille heraus, wischte eine Weile mit dem Halstuchzipfel an den Gläsern herum und begann endlich, nachdem er noch den neben ihm sitzenden Gemeinderäten die großmächtige Schnupftabakdose vorgehalten hatte, mit Gemeindedienerstimme zu lesen.
Der Brief erzählte viel von Hunger und Kummer; doch, schrieb Jörg unter anderem, werde das nun bald überstanden sein. In einigen Wochen bekomme er Urlaub und könne dann heim, wenn man so gut sei, die Zehrung zu überschicken. Es werde wohl noch etwas da sein von dem, wofür er verkauft worden sei. Die Heimat habe er übrigens noch nicht vergessen und fluche noch täglich, allen, die ihn unter die Soldaten gebracht oder doch dabei ein Auge zugedrückt hätten. Besonders für den Vorsteher sei es eine Schande, dass –
Mit den Worten: »Er ist noch immer ein Lümmel«, warf der Letztgenannte das Schreiben auf den Tisch; unmutig verließ er das noch volle Glas und die Stube.
Gar so große Eile hatten die anderen freilich nicht; aber keiner mochte den Brief zu Ende lesen, und wer den letzten Tropfen aus dem Glase hatte, machte sich schweigend heim. Nur der junge Erbe des Stighofes, Stighans genannt, rückte gegen das Jösle hinüber und bestellte für sich und seinen ehemaligen Schulfreund eine Halbe Roten, ohne noch daran zu denken, dass er eigentlich mit der Wirtin allein bleiben wollte. Jörgs Brief hatte ihn ganz aus dem Zeug gebracht. Er musste gleich etwas Gutes tun, um mit sich selbst wenigstens wieder zufrieden zu werden; darum hatte er für das schon seit Jahren fast ängstlich gemiedene Schneiderlein eine Halbe Roten bestellt, und darum wohl rief er jetzt dem Mathisle, welches, schon unter der Türe, den wieder sorgfältig zusammengelegten Brief in die Tasche schob, mit emporgehobenem Glase zu: »Komm noch und trink, und wenn du ihm schreibst, so sag' es mir, dass ich ihm auch einen Gruß oder so etwas mitschicken kann.«
»Ist schon gut, recht gut«, rief das Mathisle zurück. »Will schon einmal kommen, wenn's die Alte, will sagen deine Mutter, nicht merkt. Jetzt aber muss ich dem Vorsteher nach und ihn um Verzeihung bitten wegen dem Brief. Ich bin sehr erschrocken, denn unsereiner weiß nie, wo er so einen Mann wieder braucht.«
Hans warf dem Männchen einen verächtlichen Blick nach und lief dann in der Stube umher, dass die Gläser auf den Tischen klirrten. Dann begann er auf dem großen Backtrog neben dem hintern Tisch einen wilden Marsch zu trommeln, wobei er von Zeit zu Zeit verstohlen nach dem Jösle hinüberschielte. Dieses saß immer wie angefroren beim Glase, welches kaum aller fünf Minuten ein wenig leerer wurde, wie etwa das Schoppenglas eines armen Studentleins, welches gern um ein billiges im Wirtshause sitzen und die neuesten Zeitungen lesen möchte.
Stighans bereute, wieder einmal einer augenblicklichen Stimmung nachgegeben und alles andere dabei vergessen zu haben, selbst den Zweck seines Kommens, den kein Mensch als die Wirtin erfahren durfte.
Jos hatte wohl bemerkt, dass dem Hans etwas fehle, dass aber er ihm da im Wege sei, fiel ihm um so weniger ein, da ja Hans selbst ihn dableiben hieß. Vielleicht, meinte er, müsse er hier auf jemand warten helfen, und da könne er dann, wenn Hans einmal hinausstürmen sollte, auch seine Frage an die Wirtin richten. Aber Hans ging nie hinaus. Immer stärker trommelte er auf dem Backtrog herum, während Jos mit der gähnenden Wirtin von allem Erdenklichen zu reden begann, endlich auch von der nun wieder überstandenen Fastenzeit. Es sei doch nicht zu leugnen, sagte er, dass in jedem Menschen etwas von der Eva stecke, die am liebsten nach den verbotenen Früchten lange. Da seien viele, denen das Fastengebot ungemein viel Redens und Klagens gebe, obwohl man ja so vielerlei kochen könnte, ohne dass man zuerst rauben und morden müsste. Er würde für die Erlaubnis, auch an gebotenen Fasttagen Fleisch zu essen, keine fünf Gulden zahlen, denn ihm sei immer besonders wohl, wenn er nicht an Messer und Blut zu denken brauche. Auch beim Essen komme viel auf die Einbildung an. Daheim bei der Mutter sei ihm an manchem Fasttag wohler gewesen als jetzt beim Krämer, obwohl es dort nicht einmal Eier gegeben habe. »Machest jetzt du da ein Schüsseln- und Tellergeklapper!« fuhr der Stighans den Schulfreund an. Doch schon im nächsten Augenblick zuckte etwas wie ein Lächeln über sein breites Gesicht. Stighans konnte überhaupt nie lange sich über jemand ärgern; er selbst hätte das noch viel weniger ausgehalten, als wer zufällig eben darunter litt. Nach einer Weile fuhr er lächelnd fort: »Man könnte glauben, dass Essen dir die liebste Arbeit wär', wenn man dich heute das erstemal hörte. So schwätzt allenfalls eine Herrenköchin, und ich weiß wahrhaftig nicht, was du damit willst.«
Es wäre nicht ratsam, jedem Hansen, der eine Halbe zahlt, so zu antworten. Unserem Hans aber tat diese Offenheit recht in der Seele wohl, und fröhlich sagte er: »Da haben wir's. Beide wollen das gleiche. Da sieht man nun, dass gleich und gleich sich nicht immer gern gesellt. Ich hätte dich bald fortschicken wollen, denn dass ich nicht wegen deinem Kuchengeschwätz dablieb, kannst du dir denken.«
Und Hans lachte wieder so hell und fröhlich, dass die Schlagfeder auf der neuen Stubenuhr einen Klang gab. Jos sprach ernst, beinahe klagend: »Wir sind uns also nur darum in den Wurf gekommen, weil uns die frühere Offenheit fehlte. Früher hättest du nur gesagt: ›So, Jos, jetzt marsch!‹ Ich wäre dann fort und hätte mich gefreut, morgen die Ursache zu erfahren. Mit dem Vertrauen, Hans, ist auch das rechte Befehlen und das rechte Folgen aus. Aber das ist ja der Welt Lauf. Man hat dich besser gepflegt und begossen, drum bist du weit, weit über mich hinausgewachsen.«
»Nun«, bemerkte Hans, »bisher stehen wir leider nebeneinander, jeder wartet; aber für jetzt wird's mir denn doch bald genug, drum sei so gut und geh mit der Wirtin hinaus, sag' ihr deine Sache ganz kurz. Dann komm und lass uns die Plätze wechseln.«
»Für mich ist das am Ende gar nicht nötig«, sagte Jos, der Schneider. »Ich will nichts von der Wirtin als Eierschalen, damit ich doch auch meine Freud' hab' am Osterfest.«
Die Wirtin, die bisher ruhig auf der breiten Bank beim Backofen saß, verließ rasch ihren Platz, rieb sich die müden Augen, und indem sie die Stube verließ, tat sie alles, was sie schon oft wieder wach und munter gemacht hatte. Es galt ja eine kleine Neckerei, und da hatte sie noch immer von Herzen gern nach Kräften mitgeholfen. Wenn es wie diesmal den Mädchen gelten sollte, besann sie sich freilich immer zweimal, bevor sie ja sagte; doch als Biggel hat auch sie und wohl jede sich manches gefallen lassen müssen.
Bis zu ihrem zwanzigsten Jahre tragen die Bregenzerwälderinnen weite Ärmel aus beliebigen buntfarbigen Stoffen, und solche Ärmelmädchen werden noch von allen beinahe wie Kinder behandelt. Nun aber vertauscht das Mädchen diese Ärmel mit dem engen Schalk aus schwarzer Glanzleinwand, und an einem Feste, gewöhnlich am Ostertage, zeigt sich der Biggel zum erstenmal ganz neu gekleidet im Jungfrauenstuhl der Kirche; und wenn die Burschen ihre Eierschalen, die sie dem Biggel als erstes Zeichen ihrer Aufmerksamkeit streuen wollen, auch schon damals nicht mehr bis dorthin tragen durften, so konnten sie doch noch nicht unterlassen, ihm wenigstens etwas Hennenfutter vor das Haus auf die Gasse zu legen; das wird dann von den Eltern der Gefeierten je nach Umständen sehr verschieden aufgenommen, ausgelegt und berechnet.
Bald kam die Wirtin mit der Schürze voll Eierschalen wieder in die Stube zurück. Sie war gewöhnt, jedermann zu dienen; umsonst aber wollte sie so etwas nie getan haben und war gerade dann am kargsten, wenn ihre Gegenforderung sich nicht durch Zahlen ausdrücken ließ. Wie sie schon gehört hatte, sollten morgen nicht weniger als acht Biggel ausfliegen. Nun wollte sie denn doch bei so guter Gelegenheit auch erfahren, auf welche von diesen die beiden Burschen, besonders der reiche Stighans, es eigentlich abgesehen. Des Krämers eitler Zusel, die noch kaum neunzehn Jahre hinter sich hatte und die doch – in dem Glauben, ihr stehe gar alles wohl an – sich schon in den Jungfrauenstuhl machen wollte, wäre so ein Streich – für sie eine Demütigung – zwar von Herzen zu gönnen gewesen. Ärgerlich aber blieb dabei der Umstand, dass so eine Aufmerksamkeit von dem reichen Stighans ihr sicher mehr Freude als Verdruss machte. Früher freilich, als Hans mit Zusels älterer Schwester Angelika ein Verhältnis einfädelte, war die alte Stigerin mit Leib und Seele gegen die Krämerei und alles, was drum und dran hing; jetzt aber galt der Krämer etwas mehr im Hause, und es schien für Hansen nicht ganz unmöglich, die Zusel in sein Haus zu bringen, obwohl die ältere Schwester ihm viel besser gepasst hätte. Nein, schon der unglücklich verheirateten Angelika zuliebe sollte das womöglich verhindert werden. Den wackern Hans verdiente die Zusel nicht und er auch etwas Besseres. Sie wenigstens, die Kronenwirtin, wollte lieber in der ganzen Fastenzeit keine Eier gegessen haben, als dass nun auch noch die Schalen diesem Windspiel zur Freude benutzt werden sollten. Wissen wenigstens musste sie jetzt Hansens Plan, und mit ihrem Willen sollte Zusel morgen keinen fröhlicheren Tag erleben, als sie verdiente.
Gerade als ob das Mädchen, welches nun durchaus zum Tänzeln und Scharwenzeln alt genug sein wolle, dort im Herrgottswinkel sitze, stellte sie sich groß vor den Tisch hin und sagte etwas rauh: »Bisher wolltet ihr beide das nämliche; das war gut für mich, denn so kann ich euch auf einmal bedienen. Ob es aber von jetzt an für euch nicht um so böser wäre, wenn ihr noch länger das gleiche wolltet? Das, ihr Burschen, ist eine ganz andere Frage. Es wäre nicht gut, wenn ihr euch auch vor dem Hause des Biggels wieder treffen solltet wie hier. Macht's daher lieber, wie der Jos schon gesagt hat. Seid so offen gegeneinander wie früher, wo jeder dem anderen lachend seinen Plan mitgeteilt hätte.«
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Kontextbild zum Werk. Morgen im Kiefernwald · Ivan Shishkin / Konstantin Savitsky · Public domainBildquelle ↗
Jetzt leerte Jos das Glas mit einem Zuge, stellte es vor sich auf den Tisch und sagte so ernsthaft als möglich: »Wir sind dir großen Dank schuldig für die Schalen und besonders für deinen guten Rat, den wir beim Heimgehen gewiss redlich befolgen wollen.«
So aber hatte die Wirtin es nicht gemeint. Die gute Frau besaß auch viel zu wenig Verstellungskunst, um ihre wahre Absicht noch länger verbergen zu können. »Halt, ihr Herren«, rief sie lachend, »bei mir fordert man nicht und nimmt nicht, ohne auch etwas zu geben. Unsereins ist an das gar nicht gewöhnt. Hier sind meine Schalen, und dort ist euer Geheimnis – wollen wir tauschen oder nicht?«
Anfangs würde der Stighans gerne darauf eingegangen sein, jetzt aber war es ja Ehrensache, treu zum Gefährten zu halten und sich von der listigen Wirtin auf keine Weise mehr fangen zu lassen. »Nein«, sagte er entschieden, »Tauscher sind wir keine, und nur so Nothändel lassen wir uns keine aufzwängen. Was wir fordern, wird gehörig bezahlt, dass wir nicht auch noch schöne Worte und Buckerle machen müssen. Wir wollen aber bald gehen, drum nur herzhaft gesagt, für wieviel bares Geld wir das Zeug da mitnehmen können.«
»Auch gut«, versetzte Stighans ruhig, »ich glaube, du ließest dich nicht gerne drum ansehen, für so etwas bares Geld genommen zu haben. Behalte du die Schalen für dich und bring uns Eier. Bezahlt sollen sie dir gehörig werden, und das Zeug drin bringen wir wohl heraus, wenn wir vom Kochen auch wenig verstehen. Nicht wahr, Jos?«
Dieser war bei den letzten Worten erschrocken nach seinen Taschen gefahren, deren Inhalt Hans viel zu hoch anzuschlagen schien. Der reiche Bauer, die Verlegenheit des Handwerkers bemerkend, warf einen Kronentaler auf den Tisch und sagte: »Da, du Eigennutz, ist bares Geld, lauf nun und bring uns Eier, soviel es dafür leiden mag. Aber mach' schnell, dass wir bald weiter können.«
»Das wär' mir noch hübsch, das«, eiferte die sorgsame Hausfrau. »Nein, Bürschchen Liederlich! So wird unter meinem Dache die liebe, gute Gabe Gottes nicht verunehrt und missbraucht. Habt ihr denn daheim noch nie gesehen und nie gehört, wie man dafür sorgt, dass doch nie ein Tröpflein oder ein Bröselein von dem, was so viele auf der Welt bitterlich mangeln, mit Füßen getreten werde?«
Und indem sie ihre Schürze in die großen Hüte der beiden Burschen ausleerte, fuhr sie fort: »Lieber nehmt den Plunder und was ihr wollt umsonst, als dass ihr in meinem Hause, vor meinen Augen so schändlich frevelt. Es hat doch keine Art und keine Gattung mehr in der jetzigen Welt. Alles hält man für erlaubt, wenn man es nur bezahlen kann.«
Jos hatte schon nach dem vollen Hute gelangt. Hans suchte noch kleines Geld für den getrunkenen Wein und folgte dann dem forteilenden Gefährten mit großen Schritten langsam nach.
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1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »»Viel schöner doch und so, dass man dabei auch etwas empfindet, ist …«
2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Ist's doch schon mehr als ein halbes Jahr seit dem […], und es wäre die einzige Freude, die er mir machen könnte.«
3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »nachdem« in diesem Textausschnitt? »Ruhig legte er Mathisles Brief auf den noch etwas feuchten Tisch vor sich hin, bestellte sich einen halben Schoppen Wein, zog dann die Hornbrille heraus, wischte eine Weile mit dem Halstuchzipfel an den Gläsern herum und begann endlich, nachdem er noch den neben ihm sitzenden«
4. Welcher Ausschnitt kennzeichnet eine Aussage ausdrücklich als Möglichkeit oder Vermutung? Achte auf die Formulierung; entscheide nicht, ob die Aussage tatsächlich wahr ist.
6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse.
A: »Und droben in den Bergen das Wiedergeben der angeschwollenen, tosenden Ach – oh, das geht einem durch Leib und Seele, ganz, ganz anders noch als das lateinische Osterlied, welches der Kaplan bis von Innsbruck heraus hat kommen lassen.««
B: »Den wackern Hans verdiente die Zusel nicht und er auch etwas Besseres.«
C: »Vielleicht, meinte er, müsse er hier auf jemand warten helfen, und da könne er dann, wenn Hans einmal hinausstürmen sollte, auch seine Frage an die Wirtin richten.«
8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Nein, schon der unglücklich […] Angelika zuliebe sollte das womöglich verhindert werden.«
9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »bevor« in diesem Textausschnitt? »Wenn es wie diesmal den Mädchen gelten sollte, besann sie sich freilich immer zweimal, bevor sie ja sagte; doch als Biggel hat auch sie und wohl jede sich manches gefallen lassen müssen.«
10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Der reiche Bauer, die Verlegenheit des Handwerkers bemerkend, warf einen Kronentaler auf …«
2Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte
1. Lies den Abschnittsbeginn: »Mit aller möglichen Pracht und Herrlichkeit ward am Karsamstag abends in der Auer Pfarrkirche die Auferstehung des Herrn gefeiert. Unzählige Lichter erhellten die überall verhängte Kirche und beleuchteten das […]« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
2. Fasse diese Textstelle in eigenen Worten zusammen: »»Ist schon gut, recht gut«, rief das Mathisle zurück. »Will schon einmal kommen, wenn's die Alte, will sagen deine Mutter, nicht merkt. Jetzt aber muss ich dem Vorsteher nach und ihn um Verzeihung bitten wegen […]« Was ist für ihr Verständnis besonders wichtig?
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Gib die zentrale Aussage oder Situation wieder, ohne etwas hinzuzuerfinden.
Nenne eine Einzelheit aus der Passage, auf die sich deine Zusammenfassung stützt.
3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Gerechtigkeit oder Verantwortung geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] den Tisch und sagte so ernsthaft als möglich: »Wir sind dir großen Dank schuldig für die Schalen und besonders für deinen guten Rat, den wir beim Heimgehen gewiss redlich befolgen wollen.««
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] Hausfrau. »Nein, Bürschchen Liederlich! So wird unter meinem Dache die liebe, gute Gabe Gottes nicht verunehrt und missbraucht. Habt ihr denn daheim noch nie gesehen und nie gehört, wie man dafür sorgt, dass doch nie ein Tröpflein oder ein […]«
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Geld oder Besitz geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] »ich glaube, du ließest dich nicht gerne drum ansehen, für so etwas bares Geld genommen zu haben. Behalte du die Schalen für dich und bring uns Eier. Bezahlt sollen sie dir gehörig werden, und das Zeug drin bringen wir wohl heraus, wenn […]«
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
6. Prüfe, ob es in dieser Passage um Macht oder Abhängigkeit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] ihr euch auch vor dem Hause des Biggels wieder treffen solltet wie hier. Macht's daher lieber, wie der Jos schon gesagt hat. Seid so offen gegeneinander wie früher, wo jeder dem anderen lachend seinen Plan mitgeteilt hätte.««
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Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
7. Vergleiche diese beiden Stellen: »»Ist schon gut, recht gut«, rief das Mathisle zurück. »Will schon einmal kommen, wenn's die Alte, will sagen deine Mutter, nicht […]« und »Bis zu ihrem zwanzigsten Jahre tragen die Bregenzerwälderinnen weite Ärmel aus beliebigen buntfarbigen Stoffen, und solche […]«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
8. Am Abschnittsende steht: »Jos hatte schon nach dem vollen Hute gelangt. Hans suchte noch kleines Geld für den getrunkenen Wein und folgte dann dem forteilenden Gefährten mit großen Schritten langsam nach.« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
9. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Mit aller möglichen Pracht und Herrlichkeit ward am Karsamstag abends in der Auer Pfarrkirche die […]« / »Jos hatte schon nach dem vollen Hute gelangt. Hans suchte noch kleines Geld für den getrunkenen Wein und […]«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
3Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte
Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.
Niveau 1 · Einstieg
1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Mit aller möglichen Pracht und Herrlichkeit ward am Karsamstag abends in der Auer Pfarrkirche die Auferstehung des Herrn gefeiert.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »So schwätzt allenfalls eine Herrenköchin, und ich weiß wahrhaftig nicht, was du damit willst.««. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Hans suchte noch kleines Geld für den getrunkenen Wein und folgte dann dem forteilenden Gefährten mit großen Schritten langsam nach.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Reich und arm von Felder, Franz Michael ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).
Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.
Reich und arm
Franz Michael Felder: Reich und Arm, in: Sämtliche Werke. Herausgegeben vom Franz-Michael-Felder-Verein. Band 3, herausgegeben von Karl-Heinz Heinzle, Bregenz: Kommissionsverlag H. Lingenhöle & Co, 1973. Felder, Franz Michael 27- Bregenz
Das Werk Reich und arm von Felder, Franz Michael ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.
Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.