Zum Inhalt springen

Buch - Nora oder Ein Puppenheim - Ibsen, Henrik

Aus MOOCsWiki Staging

← Bücher-Welt

Deutsche Übersetzung · Lesefassung

Nora oder Ein Puppenheim

Ibsen, Henrik

Nora oder Ein Puppenheim von Ibsen, Henrik. Volltext der angegebenen historischen deutschen Übersetzung.

DramaKlasse 9–10 · 11–135 Abschnitte
Historische Textüberlieferung von „Nora oder Ein Puppenheim“
Historische Textüberlieferung von „Nora oder Ein Puppenheim“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Henrik Ibsen · Public domain Bildquelle ↗

Zum Bücher-Lernpaket →

Deutsche Übersetzung: Marie von Borch

Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und zeitgebundene Wertvorstellungen gemeinsam einordnen. Klassenangaben sind redaktionelle Orientierung.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Deutsch · Abschnitt 3 von 5

1. Akt

1
Erster Akt.
Vorlage S. 2
2
Ein gemütlich und geschmackvoll, aber nicht luxuriös eingerichtetes Zimmer. Rechts im Hintergrund führt eine Tür in das Vorzimmer; eine zweite Tür links im Hintergrund führt in Helmers Arbeitszimmer. Zwischen diesen beiden Türen ein Pianino. Links in der Mitte der Wand eine Tür und weiter nach vorn ein Fenster. Nahe am Fenster ein runder Tisch mit Lehnstühlen und einem kleinen Sofa. Rechts an der Seitenwand weiter zurück eine Tür und an derselben Wand weiter nach vorn ein Kachelofen, vor dem ein paar Lehnstühle und ein Schaukelstuhl stehen. Zwischen Ofen und Seitentür ein kleiner Tisch. An den Wänden Kupferstiche. Eine Etagere mit Porzellan und anderen künstlerischen Nippessachen; ein kleiner Bücherschrank mit Büchern in Prachteinbänden; Teppich durchs ganze Zimmer. Im Ofen ein Feuer. Wintertag.
Vorlage S. 2
3
Im Vorzimmer klingelt es; gleich darauf hört man, wie geöffnet wird. Nora tritt vergnügt trällernd ins Zimmer; sie hat den Hut auf und den Mantel an und trägt eine Menge Pakete, die sie rechts auf den Tisch niederlegt. Sie lässt die Tür zum Vorzimmer hinter sich offen, und man gewahrt draußen einen Dienstmann, der einen Tannenbaum und einen Korb trägt; er übergibt beides dem Hausmädchen, das ihnen
Vorlage S. 2
4
geöffnet hat.
Vorlage S. 2
5
NORA.
Vorlage S. 2
6
Tu den Tannenbaum gut weg, Helene. Die Kinder dürfen ihn jedenfalls erst heut abend sehen, wenn er geputzt ist. Zum Dienstmann, indem sie ihr Portemonnaie hervorzieht. Wieviel –?
Vorlage S. 2
7
DIENSTMANN.
Vorlage S. 2
8
Fünfzig Öre.
Vorlage S. 2
9
NORA.
Vorlage S. 2
10
Da ist eine Krone. Nein – behalten Sie den Rest. Der Dienstmann dankt und geht. Nora schließt die Tür. Sie lacht noch immer stillvergnügt vor sich hin, während sie den Hut und Mantel ablegt. Sie zieht eine Tüte mit Makronen aus der Tasche und isst ein paar; dann geht sie vorsichtig an die Tür ihres Mannes und lauscht. Ja, er ist zu Hause. Trällert wieder leise vor sich hin, indem sie rechts an den Tisch tritt.
Vorlage S. 2
11
HELMER
Vorlage S. 2
12
in seinem Zimmer.
Vorlage S. 2
13
Zwitschert da draußen die Lerche?
Vorlage S. 2
14
NORA
Vorlage S. 2
15
während sie einige Pakete öffnet.
Vorlage S. 2
16
Ja, das tut sie!
Vorlage S. 2
17
HELMER.
Vorlage S. 2
18
Poltert da das Eichhörnchen herum?
Vorlage S. 2
19
NORA.
Vorlage S. 2
20
Ja!
Vorlage S. 2
21
HELMER.
Vorlage S. 2
22
Wann ist das Eichhörnchen nach Hause gekommen?
Vorlage S. 2
23
NORA.
Vorlage S. 3
24
Diesen Augenblick. Steckt die Makronentüte in die Tasche und wischt sich den Mund ab. Komm, Torvald, und sieh Dir mal meine Einkäufe an.
Vorlage S. 3
25
HELMER.
Vorlage S. 3
26
Nicht stören! Bald darauf öffnet er die Tür und sieht herein, mit der Feder in der Hand. Einkäufe, sagst Du? Diese vielen Sachen? Ist das lockere Zeisiglein wieder ausgewesen und hat Geld verschwendet?
Vorlage S. 3
27
NORA.
Vorlage S. 3
28
Aber Torvald, dies Jahr dürfen wir doch wirklich ein bisschen über die Stränge schlagen. Sind es doch die ersten Weihnachten, wo wir nicht zu sparen brauchen.
Vorlage S. 3
29
HELMER.
Vorlage S. 3
30
Hör' mal, Du, Luxus dürfen wir auch nicht treiben.
Vorlage S. 3
31
NORA.
Vorlage S. 3
32
Doch, Torvald, wir dürfen jetzt schon ein bisschen Luxus treiben. Nicht wahr? Nur ein ganz, ganz klein bisschen. Du bekommst ja nun ein großes Gehalt und wirst viel, viel Geld verdienen.
Vorlage S. 3
33
HELMER.
Vorlage S. 3
34
Ja, von Neujahr ab. Aber dann vergeht noch ein ganzes Quartal, bis das Gehalt fällig ist.
Vorlage S. 3
35
NORA.
Vorlage S. 3
36
Bah! Bis dahin können wir ja borgen.
Vorlage S. 3
37
HELMER.
Vorlage S. 3
38
Nora! Geht hin zu ihr und zupft sie scherzhaft am Ohr. Geht schon wieder der Leichtsinn mit Dir durch? Gesetzt den Fall, ich borgte ihr heute tausend Kronen, und Du brächtest sie in der Weihnachtswoche durch, und am Sylvesterabend fiele mir ein Ziegelstein auf den Kopf, und ich läge da –
Vorlage S. 3
39
NORA
Vorlage S. 3
40
hält ihm den Mund zu.
Vorlage S. 3
41
Pfui, lass die garstigen Reden!
Vorlage S. 3
42
HELMER.
Vorlage S. 3
43
Ja, nimm mal an, dass so was passierte, – was dann?
Vorlage S. 3
44
NORA.
Vorlage S. 3
45
Wenn so was Gräßliches passierte, dann wär' es mir ganz gleichgültig, ob ich Schulden hätte oder nicht.
Vorlage S. 3
46
HELMER.
Vorlage S. 3
47
Und die Leute, von denen ich das Geld geliehen hätte?
Vorlage S. 3
48
NORA.
Vorlage S. 3
49
Die? Wen gingen die was an? Das sind ja Fremde.
Vorlage S. 3
50
HELMER.
Vorlage S. 3
51
Nora, Nora, Du bist ein Weib! Aber im Ernst, Nora: Du weißt, wie ich in diesem Punkt denke. Keine Schulden! Niemals borgen! Es kommt etwas Unfreies und damit auch etwas Unschönes über ein Hauswesen, das auf eine Borgwirtschaft gegründet ist. Bis auf den heutigen Tag haben wir beide tapfer ausgehalten, und das wollen wir nun auch noch die kurze Zeit tun, wo es nötig ist.
Vorlage S. 3
52
NORA
Vorlage S. 4
53
geht zum Ofen hin.
Vorlage S. 4
54
Na ja; wie Du willst, Torvald.
Vorlage S. 4
55
HELMER
Vorlage S. 4
56
geht hinter ihr her.
Vorlage S. 4
57
Ei, nun darf aber die kleine Lerche auch nicht die Flügel hängen lassen. Wie? Das Eichhörnchen steht und mault? – Zieht das Portemonnaie. Nora, was mag ich da wohl haben?
Vorlage S. 4
58
NORA
Vorlage S. 4
59
wendet sich schnell um.
Vorlage S. 4
60
Geld!
Vorlage S. 4
61
HELMER.
Vorlage S. 4
62
Da nimm! Gibt ihr einige Banknoten. Du lieber Gott, ich weiß, dass zu Weihnachten im Hause eine ganze Menge draufgeht.
Vorlage S. 4
63
NORA
Vorlage S. 4
64
zählt.
Vorlage S. 4
65
Zehn, – zwanzig, – dreißig, – vierzig. Schönen Dank, Torvald, schönen Dank; damit behelfe ich mich lange.
Vorlage S. 4
66
HELMER.
Vorlage S. 4
67
Ja, das musst Du aber auch!
Vorlage S. 4
68
NORA.
Vorlage S. 4
69
Ja, ja, das werde ich schon. Aber nun komm und lass Dir alle meine Einkäufe zeigen. Und so wohlfeile Einkäufe. Schau her, – ein neuer Anzug für Ivar – und dazu ein Säbel. Hier ist ein Pferd und eine Trompete für Bob, und da eine Puppe und Puppenwiege für Emmy. Es ist freilich recht einfach, aber sie macht doch immer gleich alles entzwei. Und hier Kleiderstoff, und Taschentücher für die Mädchen. Mutter Anne-Marie müsste eigentlich viel mehr haben!
Vorlage S. 4
70
HELMER.
Vorlage S. 4
71
Und was ist in dem Paket da?
Vorlage S. 4
72
NORA
Vorlage S. 4
73
schreit.
Vorlage S. 4
74
Weg, Torvald! Das bekommst Du erst am Abend zu sehen!
Vorlage S. 4
75
HELMER.
Vorlage S. 4
76
Ach so! – Aber nun sag' mir, Du kleiner Verschwender, womit hast Du denn Dich selbst bedacht?
Vorlage S. 4
77
NORA.
Vorlage S. 4
78
Ach geh, – ich mich? Ich wüsste wirklich nicht, was –
Vorlage S. 4
79
HELMER.
Vorlage S. 4
80
Du sollst aber! Nenne mir etwas Vernünftiges, was Dir ganz besondere, Freude machen würde.
Vorlage S. 4
81
NORA.
Vorlage S. 5
82
Ich wüsste wirklich nichts. – Doch, Torvald, hör' –
Vorlage S. 5
83
HELMER.
Vorlage S. 5
84
Na?
Vorlage S. 5
85
NORA
Vorlage S. 5
86
spielt an seinen Knöpfen, ohne ihn anzusehen.
Vorlage S. 5
87
Wenn Du mir ein Geschenk machen willst, so könntest Du ja –; Du könntest –
Vorlage S. 5
88
HELMER.
Vorlage S. 5
89
Na also – heraus damit!
Vorlage S. 5
90
NORA
Vorlage S. 5
91
hastig.
Vorlage S. 5
92
Du könntest mir Geld schenken, Torvald. So viel nur, wie Du meinst entbehren zu können. Ich kann mir dann gelegentlich später etwas dafür kaufen.
Vorlage S. 5
93
HELMER.
Vorlage S. 5
94
Aber Nora, –
Vorlage S. 5
95
NORA.
Vorlage S. 5
96
Ach ja, tu's, lieber Torvald, ich bitte Dich recht sehr; ich wickle mir dann das Geld in schönes Goldpapier ein und hänge es an den Weihnachtsbaum. Wäre das nicht reizend?
Vorlage S. 5
97
HELMER.
Vorlage S. 5
98
Wie nennt man doch die Vögel, die alles Geld durchbringen?
Vorlage S. 5
99
NORA.
Vorlage S. 5
100
Ja, ja, lockere Zeisige, – ich weiß schon. Aber wir wollen es so machen, wie ich sage, Torvald: dann habe ich Zeit zu überlegen, was ich am notwendigsten brauche. Ist das nicht sehr vernünftig, Torvald, wie?
Vorlage S. 5
101
HELMER
Vorlage S. 5
102
lächelnd.
Vorlage S. 5
103
Ei freilich –, das heißt, wenn Du das Geld, das ich Dir gebe, wirklich festhalten und Dir selbst etwas dafür kaufen könntest. So aber geht es im Haushalt und für allerhand unnütze Dinge drauf, und dann muss ich wieder herausrücken.
Vorlage S. 5
104
NORA.
Vorlage S. 5
105
I bewahre, Torvald –
Vorlage S. 5
106
HELMER.
Vorlage S. 5
107
Lässt sich nicht leugnen, meine kleine liebe Nora! Legt den Arm um ihre Taille. Mein lockerer Zeisig ist entzückend, aber er braucht eine schwere Menge Geld. Man sollte es nicht glauben, wie hoch einem Mann solch ein Vögelchen zu stehen kommt.
Vorlage S. 5
108
NORA.
Vorlage S. 5
109
Aber nein! Wie kannst Du nur so was sagen? – Ich spare doch wirklich, wo ich kann.
Vorlage S. 5
110
HELMER
Vorlage S. 5
111
lacht.
Vorlage S. 5
112
Ein wahres Wort! Wo Du kannst. Aber Du kannst absolut nicht.
Vorlage S. 5
113
NORA
Vorlage S. 6
114
trällert und lächelt stillvergnügt.
Vorlage S. 6
115
Hm! Du solltest nur wissen, wie viele Ausgaben wir Lerchen und Eichhörnchen haben, Torvald.
Vorlage S. 6
116
HELMER.
Vorlage S. 6
117
Du bist ein sonderbares Dingchen. Ganz wie Dein Vater. Auf jede Art bemühst Du Dich, Geld in die Hand zu kriegen, und sobald Du es hast, verschwindet Dir's zwischen den Fingern; Du weißt nie, wo es geblieben ist. Na, aber man muss Dich nehmen, wie Du bist. Das liegt im Blut. Ja, ja, ja, Nora, so was vererbt sich.
Vorlage S. 6
118
NORA.
Vorlage S. 6
119
Nun, ich wünschte, ich hätte viele von Papas Eigenschaften geerbt.
Vorlage S. 6
120
HELMER.
Vorlage S. 6
121
Und ich möchte Dich gar nicht anders haben, als Du bist, meine liebe, kleine, singende Lerche. Doch – da fällt mir etwas ein. Du siehst heute so –, so, – wie soll ich gleich sagen? – so verdächtig aus –
Vorlage S. 6
122
NORA.
Vorlage S. 6
123
Ich?
Vorlage S. 6
124
HELMER.
Vorlage S. 6
125
Allerdings. Sieh mir mal gerade in die Augen.
Vorlage S. 6
126
NORA
Vorlage S. 6
127
sieht ihn an.
Vorlage S. 6
128
Na?
Vorlage S. 6
129
HELMER
Vorlage S. 6
130
droht mit dem Finger.
Vorlage S. 6
131
Hat das Leckermäulchen etwa heut in der Stadt genascht?
Vorlage S. 6
132
NORA.
Vorlage S. 6
133
Aber nein, wie kommst Du darauf?
Vorlage S. 6
134
HELMER.
Vorlage S. 6
135
Hat das Leckermäulchen ganz gewiss keinen Abstecher in die Konditorei gemacht?
Vorlage S. 6
136
NORA.
Vorlage S. 6
137
Nein, Torvald, ich versichere Dir –
Vorlage S. 6
138
HELMER.
Vorlage S. 6
139
Nicht ein wenig Konfitüren geschleckt?
Vorlage S. 6
140
NORA.
Vorlage S. 6
141
Nein, wahrhaftig nicht!
Vorlage S. 6
142
HELMER.
Vorlage S. 6
143
Auch nicht ein paar Makronen probiert?
Vorlage S. 6
144
NORA.
Vorlage S. 6
145
Nein, Torvald, ich versichere Dir wirklich –
Vorlage S. 6
146
HELMER.
Vorlage S. 6
147
Na, na, na – es ist ja natürlich nur im Scherz gemeint –
Vorlage S. 6
148
NORA
Vorlage S. 6
149
geht rechts an den Tisch.
Vorlage S. 6
150
Es würde mir doch nie einfallen, gegen Deinen Wunsch zu handeln.
Vorlage S. 6
151
HELMER.
Vorlage S. 6
152
Nein, das weiß ich ja wohl. – Und dann hast Du mir ja Dein Wort gegeben – Geht zu ihr. Behalt Deine kleinen Weihnachtsüberraschungen nur für Dich, mein Herz. Heut abend, wenn der Baum brennt, werden sie schon ans Licht kommen, davon bin ich überzeugt.
Vorlage S. 6
153
NORA.
Vorlage S. 7
154
Hast Du auch nicht vergessen, Rank einzuladen?
Vorlage S. 7
155
HELMER.
Vorlage S. 7
156
Nein. Aber das ist ja gar nicht nötig. Es versteht sich von selbst, dass er mit uns speist. Übrigens werde ich ihn einladen, wenn er heut vormittag herkommt. Guten Wein habe ich schon bestellt. Nora, Du glaubst gar nicht, wie ich mich auf den heutigen Abend freue.
Vorlage S. 7
157
NORA.
Vorlage S. 7
158
Ich mich auch. Und wie die Kinder erst jubeln werden, Torvald!
Vorlage S. 7
159
HELMER.
Vorlage S. 7
160
Ach, es ist doch ein herrlicher Gedanke, eine feste gesicherte Stellung, sein reichliches Auskommen zu haben. Nicht wahr! Der Gedanke ist ein Hochgenuß!
Vorlage S. 7
161
NORA.
Vorlage S. 7
162
Ach, es ist wunderbar!
Vorlage S. 7
163
HELMER.
Vorlage S. 7
164
Denkst Du noch an vorige Weihnachten? Drei liebe lange Wochen vorher hast Du Dich Abend für Abend bis in die tiefe Nacht hinein eingeschlossen, um Blumen für den Baum und die vielen andern Herrlichkeiten anzufertigen, womit wir überrascht werden sollten. Uh, das war die ödeste Zeit, die ich je erlebt habe.
Vorlage S. 7
165
NORA.
Vorlage S. 7
166
Ich habe mich dabei gar nicht gelangweilt.
Vorlage S. 7
167
HELMER
Vorlage S. 7
168
lächelnd.
Vorlage S. 7
169
Aber das Ergebnis war doch recht dürftig, Nora!
Vorlage S. 7
170
NORA.
Vorlage S. 7
171
Neckst Du mich schon wieder damit! Was konnte ich dafür, dass die Katze kam und mir alles kaput machte.
Vorlage S. 7
172
HELMER.
Vorlage S. 7
173
Nein, mein armes Norachen, dafür konntest Du freilich nichts. Du hattest den besten Willen, uns alle zu beglücken, und das ist die Hauptsache. Aber gut ist es doch, dass die knappen Zeiten vorüber sind.
Vorlage S. 7
174
NORA.
Vorlage S. 7
175
Ja, es ist wirklich wunderbar!
Vorlage S. 7
176
HELMER.
Vorlage S. 7
177
Nun brauche ich hier nicht allein herumzusitzen und mich zu öden. Und Du brauchst Deine lieben Augen und Deine zarten, feinen Händchen nicht anzustrengen –
Vorlage S. 7
178
NORA
Vorlage S. 8
179
klatscht in die Hände.
Vorlage S. 8
180
Nein, nicht wahr, Torvald, das brauchen wir nun nicht mehr!? O, wie wunderbar schön sich das anhört. Nimmt seinen Arm. Nun pass mal auf, Torvald, wie ich mir unsere künftige Einrichtung gedacht habe. Sobald Weihnachten vorbei ist – Es läutet im Vorzimmer. Ach, da läutet es! Räumt schnell ein wenig im Zimmer auf. Es kommt gewiss jemand. Wie dumm!
Vorlage S. 8
181
HELMER.
Vorlage S. 8
182
Für Besuche bin ich nicht zu Hause, vergiss das nicht.
Vorlage S. 8
183
HAUSMÄDCHEN
Vorlage S. 8
184
in der Vorzimmertür.
Vorlage S. 8
185
Gnädige Frau – eine fremde Dame – –
Vorlage S. 8
186
NORA.
Vorlage S. 8
187
Ich bitte.
Vorlage S. 8
188
HAUSMÄDCHEN
Vorlage S. 8
189
zu Helmer.
Vorlage S. 8
190
Der Herr Doktor ist auch da.
Vorlage S. 8
191
HELMER.
Vorlage S. 8
192
Er ist wohl gleich zu mir hineingegangen?
Vorlage S. 8
193
HAUSMÄDCHEN.
Vorlage S. 8
194
Ja, das ist er.
Vorlage S. 8
195
Helmer ab in sein Zimmer; das Hausmädchen führt Frau Linde, die im Reiseanzug ist, ins Zimmer und schließt dann die Tür hinter ihr.
Vorlage S. 8
196
FRAU LINDE
Vorlage S. 8
197
zaghaft und ein wenig zögernd.
Vorlage S. 8
198
Guten Tag, Nora.
Vorlage S. 8
199
NORA
Vorlage S. 8
200
unsicher.
Vorlage S. 8
201
Guten Tag –
Vorlage S. 8
202
FRAU LINDE.
Vorlage S. 8
203
Du kennst mich wohl nicht mehr –?
Vorlage S. 8
204
NORA.
Vorlage S. 8
205
Nein, ich weiß nicht –; doch, ja, – ich glaube – Aufjubelnd. Wie – Christine! Bist Du's wirklich?!
Vorlage S. 8
206
FRAU LINDE.
Vorlage S. 8
207
Ja, ich bin es.
Vorlage S. 8
208
NORA.
Vorlage S. 8
209
Christine! Und ich habe Dich nicht wiedererkannt! Aber wie konnt' ich auch –. Leiser. Wie Du Dich verändert hast, Christine!
Vorlage S. 8
210
FRAU LINDE.
Vorlage S. 8
211
Allerdings. In neun – zehn langen Jahren –
Vorlage S. 8
212
NORA.
Vorlage S. 8
213
So lange haben wir uns nicht gesehen? Wahrhaftig, ja! Ach, die letzten acht Jahre waren eine glückliche Zeit! – Das kannst Du glauben. Und nun bist Du in die Stadt gekommen? Hast mitten im Winter die weite Reise gemacht? Das war brav.
Vorlage S. 8
214
FRAU LINDE.
Vorlage S. 9
215
Ich bin heut früh mit dem Dampfschiff angekommen.
Vorlage S. 9
216
NORA.
Vorlage S. 9
217
Natürlich, um Dir ein Weihnachtsvergnügen zu machen. Wie nett! Wir wollen auch recht lustig sein. Aber so leg' doch Deine Sachen ab. Du frierst doch nicht? Hilft ihr. So – jetzt setzen wir uns gemütlich an den Ofen. Nein, da in den Lehnstuhl! Ich setze mich in den Schaukelstuhl. Ergreift ihre Hände. Ja, das ist ja das alte, bekannte Gesicht; nur im ersten Augenblick –. Etwas bleicher bist Du freilich geworden, Christine, – und vielleicht auch etwas magerer.
Vorlage S. 9
218
FRAU LINDE.
Vorlage S. 9
219
Und viel, viel älter, Nora.
Vorlage S. 9
220
NORA.
Vorlage S. 9
221
Na ja, vielleicht ein bisschen älter; aber nur ganz, ganz wenig, nicht der Rede wert. Hält plötzlich inne; ernst. Ich gedankenlose Person! Da sitze ich und schwätze! Liebste, einzige Christine, kannst Du mir vergeben?
Vorlage S. 9
222
FRAU LINDE.
Vorlage S. 9
223
Was denn, Nora?
Vorlage S. 9
224
NORA
Vorlage S. 9
225
leise.
Vorlage S. 9
226
Arme Christine, Du bist ja Witwe geworden.
Vorlage S. 9
227
FRAU LINDE.
Vorlage S. 9
228
Ja, schon vor drei Jahren.
Vorlage S. 9
229
NORA.
Vorlage S. 9
230
Gott, ich wusste es ja; ich habe es ja in den Zeitungen gelesen. Ach, Christine, Du kannst mir glauben, immer wollte ich Dir schreiben in der Zeit; aber jedesmal habe ich es wieder aufgeschoben; stets kam was dazwischen.
Vorlage S. 9
231
FRAU LINDE.
Vorlage S. 9
232
Liebe Nora, das begreife ich wohl.
Vorlage S. 9
233
NORA.
Vorlage S. 9
234
Nein, Christine, es war garstig von mir! Ach, Du Ärmste, was musst Du nicht alles durchgemacht haben! – Und er hat Dir nichts zum Leben hinter lassen?
Vorlage S. 9
235
FRAU LINDE.
Vorlage S. 9
236
Nichts!
Vorlage S. 9
237
NORA.
Vorlage S. 9
238
Und keine Kinder?
Vorlage S. 9
239
FRAU LINDE.
Vorlage S. 9
240
Nein!
Vorlage S. 9
241
NORA.
Vorlage S. 9
242
Ganz und gar nichts also?
Vorlage S. 9
243
FRAU LINDE.
Vorlage S. 10
244
Nicht einmal eine Sorge oder ein Leid, von dem ich zehren könnte.
Vorlage S. 10
245
NORA
Vorlage S. 10
246
sieht sie ungläubig an.
Vorlage S. 10
247
Aber Christine, wie ist das möglich?
Vorlage S. 10
248
FRAU LINDE
Vorlage S. 10
249
lächelt schwermütig und streicht ihr über das Haar.
Vorlage S. 10
250
Ach, das kommt zuweilen vor, Nora.
Vorlage S. 10
251
NORA.
Vorlage S. 10
252
So ganz allein! Wie furchtbar schwer das für Dich sein muss. Ich habe drei reizende Kinder. Augenblicklich kann ich sie Dir nicht vorstellen, – sie sind mit der Kinderfrau aus. Aber nun musst Du mir alles erzählen –
Vorlage S. 10
253
FRAU LINDE.
Vorlage S. 10
254
Ach nein! Erzähl' Du mir lieber!
Vorlage S. 10
255
NORA.
Vorlage S. 10
256
Nein, Du musst anfangen. Heute will ich nicht egoistisch sein. Heut will ich nur an Deine Sachen denken. Aber eines muss ich Dir doch sagen. Hast Du schon davon gehört, welch großes Glück uns in diesen Tagen beschert worden ist?
Vorlage S. 10
257
FRAU LINDE.
Vorlage S. 10
258
Nein, was denn?
Vorlage S. 10
259
NORA.
Vorlage S. 10
260
Denk Dir, mein Mann ist Direktor der Aktienbank geworden.
Vorlage S. 10
261
FRAU LINDE.
Vorlage S. 10
262
Dein Mann? O dieses Glück –!
Vorlage S. 10
263
NORA.
Vorlage S. 10
264
Ja, ein riesiges Glück. Ein Advokat hat ein so unsicheres Brot, besonders wenn er sich nur mit feinen und anständigen Geschäften befassen will. Und das hat Torvald natürlich immer gewollt; und darin halte ich es auch ganz mit ihm. Glaub' mir, wir freuen uns! Schon zu Neujahr tritt er in die Bank ein, und dann kriegt er ein großes Gehalt und viel Prozente. Von jetzt ab können wir ganz anders leben als bisher –, ganz, wie wir wollen. Ach, Christine, wie leicht und glücklich ich mich fühle! Ja, es ist doch wunderschön, tüchtig viel Geld und keine Sorgen zu haben. Nicht wahr?
Vorlage S. 10
265
FRAU LINDE.
Vorlage S. 10
266
Jedenfalls muss es schön sein, das Notwendige zu haben.
Vorlage S. 10
267
NORA.
Vorlage S. 10
268
Nein, nicht das Notwendige nur – sondern tüchtig, tüchtig viel Geld.
Vorlage S. 10
269
FRAU LINDE
Vorlage S. 10
270
lächelt.
Vorlage S. 10
271
Nora, Nora! Bist Du noch immer nicht gescheit geworden? In der Schule warst Du eine große Verschwenderin.
Vorlage S. 10
272
NORA
Vorlage S. 11
273
lächelt still.
Vorlage S. 11
274
Ja, das sagt Torvald heutigentags noch. Droht mit dem Finger. Aber »Nora, Nora« ist nicht so dumm, wie Ihr denkt. – Uns ist es wahrhaftig nicht so ergangen, dass ich hätte verschwenden können. Wir haben beide arbeiten müssen.
Vorlage S. 11
275
FRAU LINDE.
Vorlage S. 11
276
Du auch?
Vorlage S. 11
277
NORA.
Vorlage S. 11
278
Ja, Kleinigkeiten –, Handarbeiten, Häkeleien, Stickereien und dergleichen, – Leichthin. – und auch noch andere Sachen. Du weißt doch, dass Torvald aus dem Ministerialdienst ausgetreten ist, als wir heirateten? In seinem Rayon war keine Aussicht auf Beförderung, und er musste doch mehr Geld verdienen als früher. Im ersten Jahr überarbeitete er sich aber ganz gräßlich. Er war, wie Du Dir denken kannst, auf allerhand Nebenverdienste angewiesen und musste von früh bis spät schaffen. Das konnte er nicht vertragen, und so wurde er totkrank. Die Ärzte erklärten es für notwendig, dass er nach dem Süden ginge.
Vorlage S. 11
279
FRAU LINDE.
Vorlage S. 11
280
Ach ja, Ihr wart ja ein ganzes Jahr in Italien.
Vorlage S. 11
281
NORA.
Vorlage S. 11
282
Ja, gewiss. Glaub' mir, es war nicht leicht wegzukommen. Ivar war eben geboren. Doch weg mussten wir auf jeden Fall. Ach, es war eine wunderbar schöne Reise, und sie hat Torvald das Leben gerettet. Aber eine schwere Menge Geld hat sie gekostet, Christine.
Vorlage S. 11
283
FRAU LINDE.
Vorlage S. 11
284
Das kann ich mir schon denken.
Vorlage S. 11
285
NORA.
Vorlage S. 11
286
Zwölfhundert Taler hat sie gekostet. Viertausendachthundert Kronen. Du, das ist viel Geld.
Vorlage S. 11
287
FRAU LINDE.
Vorlage S. 11
288
Aber in solcher Lage ist es jedenfalls doch ein großes Glück, wenn man es hat.
Vorlage S. 11
289
NORA.
Vorlage S. 11
290
Ich will Dir was sagen, wir kriegten es von Papa.
Vorlage S. 11
291
FRAU LINDE.
Vorlage S. 11
292
Ach so. Gerade um jene Zeit starb ja wohl Dein Vater.
Vorlage S. 11
293
NORA.
Vorlage S. 11
294
Ja, Christine, gerade damals. Und denk nur, ich konnte nicht zu ihm reisen und ihn pflegen. Ich erwartete ja täglich die Geburt meines kleinen Ivar. Und dann musste ich ja auch meinen armen totkranken Torvald pflegen. Der liebe, gute Papa! Ich habe ihn nicht mehr gesehen, Christine. Ach! das ist das Schwerste, was ich seit meiner Verheiratung erlebt habe.
Vorlage S. 11
295
FRAU LINDE.
Vorlage S. 12
296
Ich weiß, Du hast ihn sehr lieb gehabt. Und dann seid Ihr also nach Italien gereist?
Vorlage S. 12
297
NORA.
Vorlage S. 12
298
Jawohl – da hatten wir ja das Geld, und die Ärzte drangen darauf. Einen Monat später sind wir gereist.
Vorlage S. 12
299
FRAU LINDE.
Vorlage S. 12
300
Und Dein Mann kam ganz geheilt zurück?
Vorlage S. 12
301
NORA.
Vorlage S. 12
302
Munter wie ein Fisch im Wasser.
Vorlage S. 12
303
FRAU LINDE.
Vorlage S. 12
304
Aber – der Doktor?
Vorlage S. 12
305
NORA.
Vorlage S. 12
306
Wieso?
Vorlage S. 12
307
FRAU LINDE.
Vorlage S. 12
308
Ich glaubte das Mädchen so verstanden zu haben, der Herr, der zugleich mit mir eintrat, sei der Doktor.
Vorlage S. 12
309
NORA.
Vorlage S. 12
310
Das war Doktor Rank. Der kommt aber nicht als Arzt zu uns. Das ist unser bester Freund und lässt sich hier bei uns täglich wenigstens einmal sehen. Nein, Torvald ist auch noch nicht eine Stunde wieder krank gewesen. Und die Kinder sind munter und gesund, und ich auch. Springt auf und klatscht in die Hände. Gott, o Gott, Christine, es ist doch wunderbar schön, zu leben und glücklich zu sein! – – Ach, aber es ist abscheulich von mir –; ich spreche immer nur von meinen eigenen Sachen. Setzt sich dicht neben sie auf einen Schemel und legt die Hände auf Frau Lindes Schoß. Ach, Du musst mir nicht böse sein! – Sag' mal, ist es wirklich wahr, dass Du Deinen Mann nicht geliebt hast? Warum hast Du ihn denn genommen?
Vorlage S. 12
311
FRAU LINDE.
Vorlage S. 12
312
Meine Mutter lebte noch und war bettlägerig und ohne Mittel. Und auch für meine beiden jüngeren Brüder hatte ich zu sorgen. Es schien mir unverantwortlich, seinen Antrag zurückzuweisen.
Vorlage S. 12
313
NORA.
Vorlage S. 12
314
Nein, nein, das ist ganz richtig. Er war also damals reich?
Vorlage S. 12
315
FRAU LINDE.
Vorlage S. 13
316
Er war recht wohlhabend, glaube ich. Aber es waren unsichere Geschäfte, Nora. Als er starb, kam der Zusammenbruch, und nichts blieb übrig.
Vorlage S. 13
317
NORA.
Vorlage S. 13
318
Und dann –?
Vorlage S. 13
319
FRAU LINDE.
Vorlage S. 13
320
Dann musste ich mich mit einem kleinen Kramladen und einer kleinen Schule und allem Möglichen durchschlagen. Die letzten drei Jahre sind ein einziger langer, ruheloser Arbeitstag für mich gewesen. Jetzt ist er zu Ende, Nora. Meine arme Mutter braucht mich nicht mehr, – sie ist gestorben. Und die Jungen auch nicht, – sie haben jetzt Stellungen und können für sich selber sorgen.
Vorlage S. 13
321
NORA.
Vorlage S. 13
322
Wie leicht Du Dich fühlen musst –
Vorlage S. 13
323
FRAU LINDE.
Vorlage S. 13
324
Nein, Du, – nur so unsagbar leer. Niemand mehr, für den ich leben kann. Steht unruhig auf. Deshalb hielt ich es da in dem entlegenen Nest nicht mehr aus. Hier muss man doch leichter etwas finden können, das einen in Anspruch nimmt und die Gedanken beschäftigt. Wenn es mir nur gelänge, eine feste Stellung zu finden, ein wenig Bureauarbeit –
Vorlage S. 13
325
NORA.
Vorlage S. 13
326
Aber Christine, das ist ja entsetzlich anstrengend und Du siehst ohnehin schon so angegriffen aus. Es wäre viel besser für Dich, wenn Du eine Badereise machen könntest!
Vorlage S. 13
327
FRAU LINDE
Vorlage S. 13
328
geht ans Fenster.
Vorlage S. 13
329
Ich habe keinen Vater, der mir das Reisegeld schenken könnte, Nora.
Vorlage S. 13
330
NORA
Vorlage S. 13
331
steht auf.
Vorlage S. 13
332
Ach, sei mir nicht böse!
Vorlage S. 13
333
FRAU LINDE
Vorlage S. 13
334
geht zu ihr.
Vorlage S. 13
335
Liebe Nora, sei Du mir nicht böse. Das ist das Schlimmste bei Verhältnissen wie den meinigen, dass sie so das Gemüt verbittern. Man hat für niemand zu arbeiten, und doch muss man fortwährend tätig sein. Denn man muss doch leben, und so wird man Egoist. Als Du mir von der glücklichen Veränderung in Eurer Lebenslage erzähltest – wirst Du mir glauben, da freute ich mich nicht so sehr um Deinet-, wie um meinetwillen.
Vorlage S. 13
336
NORA.
Vorlage S. 13
337
Wie das? Ach ja – ich verstehe Dich. Du meinst, dass Torvald etwas für Dich tun könnte.
Vorlage S. 13
338
FRAU LINDE.
Vorlage S. 14
339
Ja, das dachte ich mir.
Vorlage S. 14
340
NORA.
Vorlage S. 14
341
Das soll er auch, Christine. Überlaß das nur mir; ich werde es schon so fein einfädeln, so fein, – etwas recht Liebenswürdiges aushecken, das bei ihm verfängt. Ach, ich möchte Dir so furchtbar gern helfen.
Vorlage S. 14
342
FRAU LINDE.
Vorlage S. 14
343
Wie schön von Dir, Nora, dass Du so für meine Sache eintrittst – doppelt schön von Dir, die Du selbst die Last und Mühsal des Lebens so gar nicht kennst.
Vorlage S. 14
344
NORA.
Vorlage S. 14
345
Ich –? Ich kenne nicht –?
Vorlage S. 14
346
FRAU LINDE
Vorlage S. 14
347
lächelnd.
Vorlage S. 14
348
Du lieber Gott, das bisschen Handarbeit und dergleichen –. Du bist ein Kind, Nora.
Vorlage S. 14
349
NORA
Vorlage S. 14
350
wirft den Kopf zurück und geht durchs Zimmer.
Vorlage S. 14
351
Das solltest Du nicht mit solcher Überlegenheit sagen.
Vorlage S. 14
352
FRAU LINDE.
Vorlage S. 14
353
So?
Vorlage S. 14
354
NORA.
Vorlage S. 14
355
Du bist wie die andern. Alle glaubt Ihr, dass ich zu etwas wirklich Ernstem nicht tauge –
Vorlage S. 14
356
FRAU LINDE.
Vorlage S. 14
357
Na, na – –
Vorlage S. 14
358
NORA.
Vorlage S. 14
359
– dass ich nichts geleistet habe in diesem schweren Dasein.
Vorlage S. 14
Historische Textüberlieferung von „Nora oder Ein Puppenheim“
Kontextbild zum Werk. Historische Textüberlieferung von „Nora oder Ein Puppenheim“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Henrik Ibsen · Public domain Bildquelle ↗
360
FRAU LINDE.
Vorlage S. 14
361
Liebe Nora, Du hast mir ja eben all Dein Ungemach erzählt.
Vorlage S. 14
362
NORA.
Vorlage S. 14
363
Ach was, – die Bagatellen! – Leise. Das Große, das habe ich Dir nicht erzählt.
Vorlage S. 14
364
FRAU LINDE.
Vorlage S. 14
365
Das Große? Was meinst Du damit?
Vorlage S. 14
366
NORA.
Vorlage S. 14
367
Du unterschätzt mich durchaus, Christine; aber das solltest Du nicht tun. Du bist stolz darauf, dass Du so lange und so schwer für Deine Mutter geschafft hast.
Vorlage S. 14
368
FRAU LINDE.
Vorlage S. 14
369
Ich unterschätze gewiss niemanden. Aber eins ist wahr: ich bin stolz und glücklich in dem Gedanken, dass es mir vergönnt gewesen ist, meiner Mutter die letzten Lebenstage einigermaßen sorgenfrei zu gestalten.
Vorlage S. 14
370
NORA.
Vorlage S. 14
371
Und Du bist auch stolz in dem Gedanken, was Du für Deine Brüder getan hast.
Vorlage S. 14
372
FRAU LINDE.
Vorlage S. 14
373
Ich glaube ein Recht dazu zu haben.
Vorlage S. 14
374
NORA.
Vorlage S. 15
375
Das glaube ich auch. Aber nun sollst Du etwas erfahren, Christine. Auch ich habe was, das mich stolz und glücklich macht.
Vorlage S. 15
376
FRAU LINDE.
Vorlage S. 15
377
Daran zweifle ich nicht. Aber wie meinst Du das?
Vorlage S. 15
378
NORA.
Vorlage S. 15
379
Sprich leise. Bedenk, wenn Torvald es hörte! Um keinen Preis der Welt darf er –; niemand darf es erfahren, außer Dir niemand, Christine.
Vorlage S. 15
380
FRAU LINDE.
Vorlage S. 15
381
Was ist es denn nur?
Vorlage S. 15
382
NORA.
Vorlage S. 15
383
Komm her. Zieht sie neben sich auf das Sofa. Ja, Du, – ich habe auch etwas, das mich stolz und glücklich macht: ich habe Torvald das Leben gerettet.
Vorlage S. 15
384
FRAU LINDE.
Vorlage S. 15
385
Gerettet –? Wieso gerettet?
Vorlage S. 15
386
NORA.
Vorlage S. 15
387
Ich habe Dir doch von der Reise nach Italien erzählt. Wenn Torvald nicht dorthin gekommen wäre, so wäre er draufgegangen.
Vorlage S. 15
388
FRAU LINDE.
Vorlage S. 15
389
Na ja, Dein Vater hat Euch ja die nötigen Mittel gegeben –
Vorlage S. 15
390
NORA
Vorlage S. 15
391
lächelt.
Vorlage S. 15
392
Ja, das glaubt Torvald, und das glauben alle andern; aber –
Vorlage S. 15
393
FRAU LINDE.
Vorlage S. 15
394
Aber –?
Vorlage S. 15
395
NORA.
Vorlage S. 15
396
Papa hat uns keinen Heller gegeben. Ich habe das Geld geschafft.
Vorlage S. 15
397
FRAU LINDE.
Vorlage S. 15
398
Du? Die ganze große Summe?
Vorlage S. 15
399
NORA.
Vorlage S. 15
400
Zwölfhundert Taler. Viertausendachthundert Kronen. Was sagst Du nun?
Vorlage S. 15
401
FRAU LINDE.
Vorlage S. 15
402
Ja aber, Nora, wie war Dir das möglich? Hattest Du in der Lotterie gewonnen?
Vorlage S. 15
403
NORA
Vorlage S. 15
404
verächtlich.
Vorlage S. 15
405
In der Lotterie? Geringschätzig. Was wäre denn das für eine Kunst gewesen?
Vorlage S. 15
406
FRAU LINDE.
Vorlage S. 15
407
Wo hast Du es denn herbekommen?
Vorlage S. 15
408
NORA
Vorlage S. 15
409
trällert und lächelt geheimnisvoll.
Vorlage S. 15
410
Hm, tralalala!
Vorlage S. 15
411
FRAU LINDE.
Vorlage S. 15
412
Borgen konntest Du es Dir doch nicht?
Vorlage S. 15
413
NORA.
Vorlage S. 15
414
So? Warum denn nicht?
Vorlage S. 15
415
FRAU LINDE.
Vorlage S. 15
416
Nein, eine Frau kann ohne die Einwilligung ihres Gatten kein Darlehn aufnehmen.
Vorlage S. 15
417
NORA
Vorlage S. 15
418
wirft den Kopf zurück.
Vorlage S. 15
419
So –? Wenn es eine Frau ist, die einige Geschäftskenntnis hat –, eine Frau, die sich klug zu benehmen weiß, – dann –
Vorlage S. 15
420
FRAU LINDE.
Vorlage S. 16
421
Aber, Nora, ich verstehe kein Wort –
Vorlage S. 16
422
NORA.
Vorlage S. 16
423
Ist auch gar nicht nötig. Es ist ja gar nicht gesagt, dass ich mir das Geld geborgt habe. Ich kann es mir ja auf andere Weise verschafft haben. Wirft sich ins Sofa zurück. Ich kann es ja von irgend einem Verehrer bekommen haben. Wenn man leidlich hübsch aussieht, wie ich –
Vorlage S. 16
424
FRAU LINDE.
Vorlage S. 16
425
Du bist eine Närrin.
Vorlage S. 16
426
NORA.
Vorlage S. 16
427
Jetzt bist Du gewiss grenzenlos neugierig, Christine.
Vorlage S. 16
428
FRAU LINDE.
Vorlage S. 16
429
Hör' mal an, liebe Nora, – hast Du auch keine Unbesonnenheit begangen?
Vorlage S. 16
430
NORA
Vorlage S. 16
431
richtet sich wieder auf.
Vorlage S. 16
432
Ist es eine Unbesonnenheit, seinem Mann das Leben zu retten?
Vorlage S. 16
433
FRAU LINDE.
Vorlage S. 16
434
Ich finde, es war eine Unbesonnenheit, dass Du ohne sein Wissen –
Vorlage S. 16
435
NORA.
Vorlage S. 16
436
Aber er durfte ja doch nichts wissen! Herrgott, kannst Du denn das nicht begreifen? Er durfte nicht einmal wissen, wie schlimm es um ihn stand. Zu mir kamen die Ärzte und sagten, es wäre Gefahr für sein Leben, und nur ein Aufenthalt im Süden könnte ihn retten. Meinst Du denn, ich hätte nicht zunächst auf andere Weise versucht, aus der Verlegenheit zu kommen? Ich sprach mit ihm darüber, wie nett ich es finden würde, mal wie andere junge Frauen ins Ausland reisen zu können. Ich weinte und ich flehte; ich sagte ihm, er sollte doch daran denken, in welchen Umständen ich mich befände, er sollte doch gut sein und mir nachgeben, und dann deutete ich an, er könnte ja wohl ein Darlehn aufnehmen. Aber da wurde er beinahe böse, Christine. Er sagte, ich wäre leichtsinnig, und es wäre seine Pflicht als Ehemann, meinen Mucken und Launen – so nannte er es, glaube ich – nicht nachzugeben. Nun wohl, dachte ich bei mir, gerettet musst Du werden; und da verfiel ich auf diesen Ausweg –
Vorlage S. 16
437
FRAU LINDE.
Vorlage S. 17
438
Hat Dein Mann denn nicht von Deinem Vater erfahren, dass das Geld nicht von ihm kam?
Vorlage S. 17
439
NORA.
Vorlage S. 17
440
Nein, niemals. Papa starb gerade in jenen Tagen. Ich hatte vor, ihn in die Sache einzuweihen und ihn zu bitten, dass er nichts verriete. Weil er nun aber so krank darniederlag –. Leider wurde es nicht mehr nötig.
Vorlage S. 17
441
FRAU LINDE.
Vorlage S. 17
442
Und später hast Du Dich Deinem Manne nie anvertraut?
Vorlage S. 17
443
NORA.
Vorlage S. 17
444
Nein, um des Himmelswillen, was fällt Dir ein? Ihn, der in diesen Dingen so streng ist! Und außerdem – Torvald mit seinem männlichen Selbstgefühl, – wie peinlich und demütigend wäre ihm das Bewusstsein, mir etwas zu verdanken. Das würde unser gegenseitiges Verhältnis vollständig verschieben. Unser schönes, glückliches Heim wäre nicht mehr, was es jetzt ist.
Vorlage S. 17
445
FRAU LINDE.
Vorlage S. 17
446
Wirst Du es ihm niemals sagen?
Vorlage S. 17
447
NORA
Vorlage S. 17
448
nachdenklich, mit halbem Lächeln.
Vorlage S. 17
449
Doch, – vielleicht später einmal; – nach vielen Jahren, wenn ich nicht mehr so hübsch bin wie jetzt. Du darfst darüber nicht lachen. Ich meine ja nur: wenn Torvald sich nicht mehr so viel aus mir macht wie jetzt; wenn es ihm keine Freude mehr gewährt, dass ich ihm etwas vortanze und mich verkleide und deklamiere. Dann ist es vielleicht gut, etwas in der Reserve zu haben –. Abbrechend. Ach Unsinn, Unsinn, Unsinn! Die Zeit kommt nie. – Na, aber was sagst Du zu meinem großen Geheimnis, Christine? Tauge ich nicht doch zu etwas? – Du darfst mir übrigens glauben, die Sache hat mir viel Kummer bereitet. Es ist mir wahrhaftig nicht leicht geworden, meinen Verpflichtungen immer zur rechten Zeit nachzukommen. Du musst nämlich wissen, im Geschäftsleben gibt es etwas, das man Quartalszinsen nennt, und noch etwas, das Abzahlung heißt; und die Gelder sind immer so entsetzlich schwer zu beschaffen. Da habe ich denn an allen Ecken und Enden sparen müssen, wo ich nur konnte, siehst Du. Vom Wirtschaftsgelde konnte ich so gut wie nichts erübrigen, denn Torvald musste ja gut leben. Die Kinder konnte ich doch auch nicht in schlechter Kleidung umhergehen lassen; was ich für sie bekam, dachte ich, das müsste ich auch für sie verbrauchen. Die süßen, herzigen Kleinen!
Vorlage S. 17
450
FRAU LINDE.
Vorlage S. 18
451
Da mussten denn wohl Deine eigenen Bedürfnisse herhalten, arme Nora?
Vorlage S. 18
452
NORA.
Vorlage S. 18
453
Ja, natürlich. Ich war ja auch die Nächste dazu. Jedesmal, wenn Torvald mir Geld zu neuen Kleidern und dergleichen gab, verwandte ich nie mehr als die Hälfte darauf; ich kaufte stets vom Billigsten und Einfachsten. Ein wahres Glück, dass mir alles so gut steht, und Torvald also nichts merkte. Manchmal ist es mir aber recht schwer geworden, Christine, denn es ist doch himmlisch, fein gekleidet zu gehen. Nicht wahr?
Vorlage S. 18
454
FRAU LINDE.
Vorlage S. 18
455
Ja, freilich.
Vorlage S. 18
456
NORA.
Vorlage S. 18
457
Na, und dann hatte ich ja auch noch andere Einnahmequellen. Im vorigen Winter hatte ich das Glück, eine Menge Schreibarbeit zu bekommen. Da schloss ich mich ein und schrieb jeden Abend bis tief in die Nacht hinein. Ach, zuweilen war ich so müde, so müde. Aber es war trotzdem riesig unterhaltend, so zu arbeiten und Geld zu verdienen. Ich kam mir beinahe wie ein Mann vor.
Vorlage S. 18
458
FRAU LINDE.
Vorlage S. 18
459
Wie viel hast Du denn nun auf die Weise abzahlen können?
Vorlage S. 18
460
NORA.
Vorlage S. 18
461
Ja, das kann ich nicht so genau sagen. Weißt Du, es ist sehr schwierig, sich in solchen Geschäften zurecht zu finden. Ich weiß bloß, dass ich bezahlt habe, was ich nur zusammenkratzen konnte. Gar manches Mal habe ich mir keinen Rat gewusst. Lächelt. Dann saß ich da und stellte mir vor, es hätte sich ein reicher, alter Herr in mich verliebt –
Vorlage S. 18
462
FRAU LINDE.
Vorlage S. 18
463
Wie? Was für ein Herr?
Vorlage S. 18
464
NORA.
Vorlage S. 18
465
Ach Unsinn! – und dass er stürbe, und als man sein Testament öffnete, stand mit großen Buchstaben darin: »Alle meine Gelder sollen der liebenswürdigen Frau Nora Helmer sofort bar ausbezahlt werden.«
Vorlage S. 18
466
FRAU LINDE.
Vorlage S. 19
467
Aber liebe Nora, – was war das für ein Herr?
Vorlage S. 19
468
NORA.
Vorlage S. 19
469
Herrgott, begreifst Du denn nicht? Der alte Herr existierte ja gar nicht; das habe ich mir ja nur vorphantasiert – immer und immer wieder, wenn ich nicht aus noch ein wusste, um Geld zu beschaffen. Aber das ist nun alles eins; der alte langweilige Mensch kann meinetwegen bleiben, wo er ist; ich mache mir weder aus ihm noch aus seinem Testament etwas, denn jetzt bin ich die Sorgen los. Springt auf. Gott, o Gott, Christine, es ist doch ein himmlischer Gedanke! Sorgenfrei! Sorgenfrei zu sein, ganz sorgenfrei; mit den Kindern spielen und sich tummeln zu können; es hübsch und nett im Hause zu haben, ganz so, wie Torvald es liebt! Und denk, nun kommt bald der Frühling mit seinem weiten, blauen Himmel! Vielleicht können wir dann eine kleine Reise machen. Und ich darf vielleicht das Meer wiedersehen! Ach ja, ja! Wie wunderbar, zu leben und glücklich zu sein!
Vorlage S. 19
470
Man hört die Glocke im Vorzimmer.
Vorlage S. 19
471
FRAU LINDE
Vorlage S. 19
472
steht auf.
Vorlage S. 19
473
Es klingelt; es ist vielleicht das beste, ich gehe.
Vorlage S. 19
474
NORA.
Vorlage S. 19
475
Nein, bleib nur; zu mir kommt gewiss kein Besuch; es wird wohl jemand zu Torvald –
Vorlage S. 19
476
HAUSMÄDCHEN
Vorlage S. 19
477
in der Vorzimmertür.
Vorlage S. 19
478
Verzeihung, gnädige Frau; – da ist ein Herr, – der den Herrn Advokaten sprechen will.
Vorlage S. 19
479
NORA.
Vorlage S. 19
480
– – den Herrn Bankdirektor, meinst Du wohl.
Vorlage S. 19
481
HAUSMÄDCHEN.
Vorlage S. 19
482
Ja, den Herrn Bankdirektor; ich wusste aber nicht recht, – weil doch der Herr Doktor drin ist –
Vorlage S. 19
483
NORA.
Vorlage S. 19
484
Wer ist der Herr?
Vorlage S. 19
485
KROGSTAD
Vorlage S. 19
486
in der Vorzimmertür.
Vorlage S. 19
487
Ich bin's, gnädige Frau.
Vorlage S. 19
488
Frau Linde stutzt, fährt zusammen und wendet sich dem Fenster zu.
Vorlage S. 19
489
NORA
Vorlage S. 20
490
geht ihm einen Schritt entgegen, gespannt, mit halber Stimme.
Vorlage S. 20
491
Sie? Was soll das heißen? Über was haben Sie mit meinem Mann zu reden?
Vorlage S. 20
492
KROGSTAD.
Vorlage S. 20
493
Über Bankangelegenheiten; – sozusagen. Ich habe einen kleinen Posten an der Aktienbank, und wie ich höre, wird Ihr Mann jetzt unser Chef –
Vorlage S. 20
494
NORA.
Vorlage S. 20
495
Es sind also –
Vorlage S. 20
496
KROGSTAD.
Vorlage S. 20
497
– nur trockene Geschäfte, gnädige Frau; absolut nichts andres.
Vorlage S. 20
498
NORA.
Vorlage S. 20
499
Ja, dann haben Sie wohl die Güte, sich ins Bureau zu bemühen. Grüßt gleichgültig, indem sie die Tür zum Vorzimmer schließt; darauf geht sie an den Ofen und sieht nach dem Feuer.
Vorlage S. 20
500
FRAU LINDE.
Vorlage S. 20
501
Nora, – wer war der Mann?
Vorlage S. 20
502
NORA.
Vorlage S. 20
503
Das war ein gewisser Krogstad.
Vorlage S. 20
504
FRAU LINDE.
Vorlage S. 20
505
Er war es also wirklich.
Vorlage S. 20
506
NORA.
Vorlage S. 20
507
Kennst Du den Menschen?
Vorlage S. 20
508
FRAU LINDE.
Vorlage S. 20
509
Ich habe ihn gekannt – es ist sehr lange her. Er war eine Zeitlang Vertreter des Rechtsanwalts in unserer Gegend.
Vorlage S. 20
510
NORA.
Vorlage S. 20
511
Ganz richtig.
Vorlage S. 20
512
FRAU LINDE.
Vorlage S. 20
513
Wie er sich verändert hat.
Vorlage S. 20
514
NORA.
Vorlage S. 20
515
Er ist wohl sehr unglücklich verheiratet gewesen.
Vorlage S. 20
516
FRAU LINDE.
Vorlage S. 20
517
Jetzt ist er ja Witwer.
Vorlage S. 20
518
NORA.
Vorlage S. 20
519
Mit vielen Kindern. – So – nun brennt das Feuer. Sie schließt die Ofentür und schiebt den Schaukelstuhl ein wenig beiseite.
Vorlage S. 20
520
FRAU LINDE.
Vorlage S. 20
521
Es heißt, er betreibe mancherlei Art Geschäfte?
Vorlage S. 20
522
NORA.
Vorlage S. 20
523
So? Das kann schon sein! Ich weiß es wirklich nicht –. Aber lass uns nicht an Geschäfte denken. Das ist so öde.
Vorlage S. 20
524
Doktor Rank kommt aus Helmers Zimmer.
Vorlage S. 20
525
DOKTOR RANK
Vorlage S. 20
526
noch in der Tür.
Vorlage S. 20
527
Nein, nein, lieber Freund, ich mag nicht stören; ich will lieber ein bisschen zu Deiner Frau hineingehen. Schließt die Tür hinter sich und bemerkt Frau Linde. O, – ich bitte um Vergebung; hier stör' ich am Ende auch?
Vorlage S. 20
528
NORA.
Vorlage S. 21
529
Durchaus nicht. Stellt vor. Doktor Rank – Frau Linde.
Vorlage S. 21
530
RANK.
Vorlage S. 21
531
Ah! Ein Name, der hier im Hause oft genannt wird. Ich glaube, ich ging auf der Treppe an Ihnen vorbei, als ich kam.
Vorlage S. 21
532
FRAU LINDE.
Vorlage S. 21
533
Ja, ich steige Treppen sehr langsam; ich kann es nicht gut vertragen.
Vorlage S. 21
534
RANK.
Vorlage S. 21
535
Aha! Ein kleiner innerer Schaden?
Vorlage S. 21
536
FRAU LINDE.
Vorlage S. 21
537
Eigentlich mehr eine Überanstrengung.
Vorlage S. 21
538
RANK.
Vorlage S. 21
539
Sonst nichts? Dann sind Sie wohl in die Stadt gekommen, um sich bei den vielen Fêten ein wenig zu erholen?
Vorlage S. 21
540
FRAU LINDE.
Vorlage S. 21
541
Ich bin gekommen, um Arbeit zu suchen.
Vorlage S. 21
542
RANK.
Vorlage S. 21
543
Ist Arbeit ein probates Mittel gegen Überanstrengung?
Vorlage S. 21
544
FRAU LINDE.
Vorlage S. 21
545
Man muss leben, Herr Doktor.
Vorlage S. 21
546
RANK.
Vorlage S. 21
547
Ja, es ist eine weit verbreitete Ansicht, dass das eine Notwendigkeit wäre.
Vorlage S. 21
548
NORA.
Vorlage S. 21
549
Na, na, Doktor, – Sie wollen doch auch gern leben.
Vorlage S. 21
550
RANK.
Vorlage S. 21
551
Allerdings will ich das. Bin ich auch elend dran, so möchte ich doch, dass die Qual noch möglichst lange dauere. Meinen Patienten geht es allen ebenso. Und mit den sittlich Bresthaften ist es nicht anders. In diesem Augenblick ist gerade solch ein moralischer Lazarus bei Helmer drin –
Vorlage S. 21
552
FRAU LINDE
Vorlage S. 21
553
mit gedämpfter Stimme.
Vorlage S. 21
554
Ah!
Vorlage S. 21
555
NORA.
Vorlage S. 21
556
Wen meinen Sie?
Vorlage S. 21
557
RANK.
Vorlage S. 21
558
Ach, es ist ein Anwalt Krogstad, – Sie kennen den Menschen nicht. Der ist verdorben in den Wurzeln des Charakters, verehrte Frau. Aber selbst der fing an, davon zu schwätzen, wie von einer hochwichtigen Sache: dass er leben müsse.
Vorlage S. 21
559
NORA.
Vorlage S. 22
560
So? – Was hatte er denn mit Torvald zu reden?
Vorlage S. 22
561
RANK.
Vorlage S. 22
562
Ich weiß wahrhaftig nicht; ich habe nur gehört, dass es die Aktienbank betraf.
Vorlage S. 22
563
NORA.
Vorlage S. 22
564
Ich wusste nicht, dass Krog –, dass dieser Herr Krogstad etwas mit der Aktienbank zu schaffen hätte.
Vorlage S. 22
565
RANK.
Vorlage S. 22
566
O freilich, – er hat dort so eine Art Anstellung. Zu Frau Linde. Ich weiß nicht, ob Sie in Ihrer Gegend da auch solche Leute haben, die überall atemlos umherrennen, um moralische Fäulnis aufzuspüren und dann die Betreffenden für irgend eine vorteilhafte Stellung in Vorschlag zu bringen. Die Gesunden müssen sich dann hübsch darein finden, das Nachsehen zu haben.
Vorlage S. 22
567
FRAU LINDE.
Vorlage S. 22
568
Nun, aber eigentlich haben doch auch die Kranken das größte Anrecht darauf, sichergestellt zu werden.
Vorlage S. 22
569
RANK
Vorlage S. 22
570
zuckt die Achseln.
Vorlage S. 22
571
Na, da haben wir's. Gerade die Anschauung macht die menschliche Gesellschaft zu einem Krankenhause.
Vorlage S. 22
572
Nora, die in ihre eigenen Gedanken versunken war, bricht in ein halblautes Gelächter aus und klatscht in die Hände.
Vorlage S. 22
573
RANK.
Vorlage S. 22
574
Weshalb lachen Sie über so was? Wissen Sie denn überhaupt, was die Gesellschaft ist?
Vorlage S. 22
575
NORA.
Vorlage S. 22
576
Was kümmert mich die dumme Gesellschaft?! Ich lache über ganz etwas anderes, – etwas ungeheuer Komisches. – Sagen Sie mal, Doktor, – werden nun alle, die bei der Aktienbank angestellt sind, von Torvald abhängig?
Vorlage S. 22
577
RANK.
Vorlage S. 22
578
Das finden Sie so ungeheuer komisch?
Vorlage S. 22
579
NORA
Vorlage S. 22
580
lächelt und trällert.
Vorlage S. 22
581
Lassen Sie mich nur, lassen Sie mich nur! Spaziert im Zimmer auf und ab. Ach, der Gedanke, dass wir – dass Torvald so großen Einfluss auf so viele Menschen hat, ist wirklich über alle Maßen ergötzlich. Zieht die Tüte aus der Tasche. Doktor, ein Makronchen gefällig?
Vorlage S. 22
582
RANK.
Vorlage S. 22
583
Ei sieh mal, Makronen. Ich glaubte, das wäre hier Kontrebande.
Vorlage S. 22
584
NORA.
Vorlage S. 23
585
Ja gewiss, – aber die hat mir Christine geschenkt.
Vorlage S. 23
586
FRAU LINDE.
Vorlage S. 23
587
Wie? – Ich?–
Vorlage S. 23
588
NORA.
Vorlage S. 23
589
Na, na, na; erschrick nur nicht. Du konntest ja nicht wissen, dass Torvald das verboten hat. Du musst nämlich wissen, er hat Angst, dass ich schlechte Zähne davon kriege. Ach was! Einmal ist keinmal! – Nicht wahr, Doktor? Hier, bitte! Steckt ihm eine Makrone in den Mund. Und Du auch, Christine. Und ich kriege auch eine; nur eine ganz kleine – oder höchstens zwei. Geht wieder umher. Ja, jetzt bin ich wirklich über die Maßen glücklich. Nun gibt es nur noch eins auf der Welt, wozu ich eine riesige Lust hätte.
Vorlage S. 23
590
RANK.
Vorlage S. 23
591
Na, und das wäre?
Vorlage S. 23
592
NORA.
Vorlage S. 23
593
Ich möchte so riesig gern etwas sagen, und Torvald müsste es hören.
Vorlage S. 23
594
RANK.
Vorlage S. 23
595
Und warum sagen Sie es denn nicht?
Vorlage S. 23
596
NORA.
Vorlage S. 23
597
Nein, ich darf nicht; es ist gar so garstig.
Vorlage S. 23
598
FRAU LINDE.
Vorlage S. 23
599
Garstig?
Vorlage S. 23
600
RANK.
Vorlage S. 23
601
Ja, dann ist es wohl nicht ratsam. Aber zu uns können Sie doch –. Na, was möchten Sie denn so gern sagen, dass Torvald es hörte?
Vorlage S. 23
602
NORA.
Vorlage S. 23
603
Ich möchte so riesig gern sagen: Himmelkreuzdonnerwetter!
Vorlage S. 23
604
RANK.
Vorlage S. 23
605
Sind Sie verdreht?
Vorlage S. 23
606
FRAU LINDE.
Vorlage S. 23
607
Aber, Nora –!
Vorlage S. 23
608
RANK.
Vorlage S. 23
609
Sagen Sie's doch. Da ist er.
Vorlage S. 23
610
NORA
Vorlage S. 23
611
versteckt die Makronentüte.
Vorlage S. 23
612
Pst! Pst! Pst!
Vorlage S. 23
613
Helmer kommt, den Überzieher über dem Arm und den Hut in der Hand, aus seinem Zimmer.
Vorlage S. 23
614
NORA
Vorlage S. 23
615
geht ihm entgegen.
Vorlage S. 23
616
Na, lieber Torvald, bist Du ihn los?
Vorlage S. 23
617
HELMER.
Vorlage S. 23
618
Ja, er ist weg.
Vorlage S. 23
619
NORA.
Vorlage S. 23
620
Darf ich Dich vorstellen –: das ist Christine; sie ist heute angekommen.
Vorlage S. 23
621
HELMER.
Vorlage S. 23
622
Christine –? Entschuldigen Sie, aber ich weiß nicht –
Vorlage S. 23
623
NORA.
Vorlage S. 24
624
Frau Linde, lieber Torvald, – Frau Christine Linde.
Vorlage S. 24
625
HELMER.
Vorlage S. 24
626
Ah so. Vermutlich eine Jugendfreundin meiner Frau?
Vorlage S. 24
627
FRAU LINDE.
Vorlage S. 24
628
Ja, wir kennen uns von früher.
Vorlage S. 24
629
NORA.
Vorlage S. 24
630
Und denk nur, sie hat die weite Reise hierher gemacht, um mit Dir zu sprechen.
Vorlage S. 24
631
HELMER.
Vorlage S. 24
632
Wieso –?
Vorlage S. 24
633
FRAU LINDE.
Vorlage S. 24
634
Das gerade nicht –
Vorlage S. 24
635
NORA.
Vorlage S. 24
636
Christine ist nämlich außerordentlich geschickt in Bureauarbeiten. Und nun möchte sie so furchtbar gern unter die Leitung eines tüchtigen Mannes kommen und noch mehr lernen, als sie schon kann –
Vorlage S. 24
637
HELMER.
Vorlage S. 24
638
Sehr vernünftig, Frau Linde.
Vorlage S. 24
639
NORA.
Vorlage S. 24
640
Und als sie nun hörte, dass Du Bankdirektor geworden bist – der Telegraph hatte es verkündet – ist sie so schnell wie möglich hergereist und –. Nicht wahr, Torvald, mir zuliebe kannst Du schon ein wenig für Christine tun? Was?
Vorlage S. 24
641
HELMER.
Vorlage S. 24
642
Je nun, das wäre gar nicht so unmöglich. Vermutlich sind Sie Witwe?
Vorlage S. 24
643
FRAU LINDE.
Vorlage S. 24
644
Ja.
Vorlage S. 24
645
HELMER.
Vorlage S. 24
646
Und haben Sie Übung in Kontorarbeiten?
Vorlage S. 24
647
FRAU LINDE.
Vorlage S. 24
648
Ja, so ziemlich.
Vorlage S. 24
649
HELMER.
Vorlage S. 24
650
Na, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass ich Ihnen eine Anstellung verschaffen kann –
Vorlage S. 24
651
NORA
Vorlage S. 24
652
klatscht in die Hände.
Vorlage S. 24
653
Siehst Du wohl, siehst Du wohl?
Vorlage S. 24
654
HELMER.
Vorlage S. 24
655
Sie haben gerade einen günstigen Augen blick getroffen, Frau Linde –
Vorlage S. 24
656
FRAU LINDE.
Vorlage S. 24
657
Wie soll ich Ihnen danken –?
Vorlage S. 24
658
HELMER.
Vorlage S. 24
659
Ist durchaus nicht nötig. Zieht den Überzieher an. Für heute müssen Sie mich aber entschuldigen.
Vorlage S. 24
660
RANK.
Vorlage S. 24
661
Wart', ich gehe mit. Holt seinen Pelz aus dem Vorzimmer und wärmt ihn am Ofen.
Vorlage S. 24
662
NORA.
Vorlage S. 24
663
Bleib nicht zu lange aus, lieber Torvald.
Vorlage S. 24
664
HELMER.
Vorlage S. 25
665
Nur ein Stündchen, länger nicht.
Vorlage S. 25
666
NORA.
Vorlage S. 25
667
Gehst Du auch, Christine?
Vorlage S. 25
668
FRAU LINDE
Vorlage S. 25
669
zieht ihren Mantel an.
Vorlage S. 25
670
Ja, ich muss nun fort und mich nach einem Zimmer umsehen.
Vorlage S. 25
671
HELMER.
Vorlage S. 25
672
Dann können wir vielleicht zusammen die Straße hinunter gehen.
Vorlage S. 25
673
NORA
Vorlage S. 25
674
hilft ihr.
Vorlage S. 25
675
Wie dumm, dass wir so beschränkt wohnen; aber es ist uns unmöglich, Dir –
Vorlage S. 25
676
FRAU LINDE.
Vorlage S. 25
677
Wo denkst Du hin! Adieu, liebe Nora, und Dank für alles.
Vorlage S. 25
678
NORA.
Vorlage S. 25
679
Auf Wiedersehen! Heut abend kommst Du, selbstverständlich. Und Sie auch, Doktor. Was? Wenn Sie wohl genug sind? Natürlich sind Sie wohl genug. Packen Sie sich nur recht gut ein.
Vorlage S. 25
680
Im allgemeinen Gespräch gehen sie in das Vorzimmer; auf der Treppe hört man Kinderstimmen.
Vorlage S. 25
681
NORA.
Vorlage S. 25
682
Da sind sie, da sind sie! Sie läuft hin und öffnet.
Vorlage S. 25
683
Anne-Marie kommt mit den Kindern.
Vorlage S. 25
684
NORA.
Vorlage S. 25
685
Herein, nur herein! Beugt sich nieder und küsst sie. Ihr, süßen, einzigen –! Schau sie an, Christine! Sind sie nicht reizend?
Vorlage S. 25
686
RANK.
Vorlage S. 25
687
Keine Unterhaltung hier in der Zugluft.
Vorlage S. 25
688
HELMER.
Vorlage S. 25
689
Kommen Sie, Frau Linde. Nun ist's hier nicht mehr auszuhalten für Leute, die keine Mütter sind!
Vorlage S. 25
690
Rank, Helmer und Frau Linde gehen die Treppe hinunter, die Kinderfrau geht mit den Kindern ins Zimmer. Nora ebenfalls, indem sie die Tür zum Vorzimmer schließt.
Vorlage S. 25
691
NORA.
Vorlage S. 25
692
Wie frisch und fröhlich Ihr ausseht. Und die roten Backen, die Ihr mitbringt. Wie Äpfel und Rosen. Die Kinder sprechen während des Folgenden durcheinander mit ihr. Habt Ihr Euch gut unterhalten? Das ist ja herrlich. Ach – Du hast Emmy und Bob Schlitten gefahren? – Denk mal an! Ja, Du bist ein fixer Kerl, Ivar. Gib sie mir ein bisschen, Anne-Marie. Mein süßes, kleines Puppenkind! Nimmt der Kinderfrau das Kleinste ab und tanzt mit ihm. Ja, ja! Mama wird mit Bob auch tanzen. Was? Ihr habt Euch geschneeballt? Oh, da hätte ich mit dabei sein mögen! Lass nur, ich will sie selbst ausziehen, Anne-Marie. Lass mich doch; ich tu's so gerne. Geh so lange in die Kinderstube. Du siehst so verfroren aus. Auf dem Ofen steht heißer Kaffee für Dich.
Vorlage S. 25
693
Die Kinderfrau geht in das Zimmer zur Linken. Nora nimmt den Kindern die Mäntel und Hüte ab und wirft alles umher; inzwischen läßt sie sie durcheinander reden.
Vorlage S. 26
694
NORA.
Vorlage S. 26
695
Ach was! Ein großer Hund ist Euch nachgelaufen? Aber gebissen hat er Euch nicht? Nein, solche kleine nette Püppchen beißen die Hunde nicht. Nicht in die Pakete gucken, Ivar! Was das ist? Ja, wenn Ihr das wüsstet! Ach nein, nein, da ist etwas Garstiges drin. So? Spielen möchtet Ihr? Was wollen wir spielen? Verstecken. Ja. Spielen wir Verstecken. Bob soll sich zuerst verstecken. Ich? Na ja, dann verstecke ich mich zuerst.
Vorlage S. 26
696
Sie und die Kinder spielen unter Jubel und Lachen im Zimmer und in dem anstoßenden Raume zur Rechten. Zuletzt versteckt Nora sich unter dem Tisch. Die Kinder stürmen herein, suchen, können sie aber nicht finden. Dann hören sie ihr unterdrücktes Lachen, stürzen an den Tisch, heben die Decke auf und sehen sie. Stürmischer Jubel. Sie kriecht hervor, als wolle sie sie schrecken. Neuer Jubel. Inzwischen hat es an der Eingangstür
Vorlage S. 26
697
geklopft; niemand hat es beachtet. Jetzt wird die Tür halb geöffnet und Krogstad wird sichtbar. Er wartet ein wenig; das Spiel nimmt seinen Fortgang.
Vorlage S. 26
698
KROGSTAD.
Vorlage S. 26
699
Entschuldigen Sie, Frau Helmer –
Vorlage S. 26
700
NORA
Vorlage S. 26
701
mit einem unterdrückten Schrei, dreht sich um und – springt halb in die Höhe.
Vorlage S. 26
702
Ah! Was wollen Sie?
Vorlage S. 26
703
KROGSTAD.
Vorlage S. 26
704
Entschuldigen Sie; – die Stiegentür war nur angelehnt; es muss jemand vergessen haben, sie zuzumachen.
Vorlage S. 26
705
NORA
Vorlage S. 26
706
steht auf.
Vorlage S. 26
707
Mein Mann ist nicht zu Hause, Herr Krogstad.
Vorlage S. 26
708
KROGSTAD.
Vorlage S. 26
709
Das weiß ich.
Vorlage S. 26
710
NORA.
Vorlage S. 26
711
So – was wollen Sie denn hier?
Vorlage S. 26
712
KROGSTAD.
Vorlage S. 26
713
Ein Wort mit Ihnen reden.
Vorlage S. 26
714
NORA.
Vorlage S. 26
715
Mit – Leise zu den Kindern. Geht hinein zu Anne-Marie. Was? Nein, der fremde Herr will Mama nichts zu leide tun. Wenn er fort ist, spielen wir weiter. Sie führt die Kinder in das Zimmer links und schließt die Tür hinter ihnen.
Vorlage S. 26
716
NORA
Vorlage S. 27
717
unruhig, gespannt.
Vorlage S. 27
718
Sie wollen mit mir sprechen?
Vorlage S. 27
Porträt von Henrik Ibsen
Kontextbild zum Werk. Porträt von Henrik Ibsen — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Eilif Peterssen · Public domain Bildquelle ↗
719
KROGSTAD.
Vorlage S. 27
720
Allerdings.
Vorlage S. 27
721
NORA.
Vorlage S. 27
722
Heut – aber es ist doch noch nicht der Erste?
Vorlage S. 27
723
KROGSTAD.
Vorlage S. 27
724
Nein, heut ist Heiligabend. Von Ihnen selbst wird es abhängen, welche Bescherung Sie haben werden!
Vorlage S. 27
725
NORA.
Vorlage S. 27
726
Was wollen Sie? Heut kann ich absolut nicht –
Vorlage S. 27
727
KROGSTAD.
Vorlage S. 27
728
Davon reden wir vorläufig nicht. Es handelt sich um etwas andres. Sie haben doch wohl einen Augenblick Zeit?
Vorlage S. 27
729
NORA.
Vorlage S. 27
730
O ja, gewiss, Zeit habe ich wohl, obgleich –
Vorlage S. 27
731
KROGSTAD.
Vorlage S. 27
732
Gut. Ich saß im Restaurant Olsen und sah Ihren Mann über die Straße gehen –
Vorlage S. 27
733
NORA.
Vorlage S. 27
734
Jawohl.
Vorlage S. 27
735
KROGSTAD.
Vorlage S. 27
736
– mit einer Dame.
Vorlage S. 27
737
NORA.
Vorlage S. 27
738
Und was weiter?
Vorlage S. 27
739
KROGSTAD.
Vorlage S. 27
740
Darf ich mir die Frage erlauben: war die Dame eine Frau Linde?
Vorlage S. 27
741
NORA.
Vorlage S. 27
742
Ja.
Vorlage S. 27
743
KROGSTAD.
Vorlage S. 27
744
Sie ist noch nicht lange hier?
Vorlage S. 27
745
NORA.
Vorlage S. 27
746
Seit heute.
Vorlage S. 27
747
KROGSTAD.
Vorlage S. 27
748
Sie ist wohl eine gute Freundin von Ihnen?
Vorlage S. 27
749
NORA.
Vorlage S. 27
750
Ja, das ist sie. Aber ich verstehe nicht – –
Vorlage S. 27
751
KROGSTAD.
Vorlage S. 27
752
Ich war auch einmal mit ihr bekannt.
Vorlage S. 27
753
NORA.
Vorlage S. 27
754
Das weiß ich.
Vorlage S. 27
755
KROGSTAD.
Vorlage S. 27
756
So? Sie wissen also von der Sache? Dacht' es mir wohl. Darf ich Sie also kurz und bündig fragen: wird Frau Linde bei der Aktienbank angestellt werden?
Vorlage S. 27
757
NORA.
Vorlage S. 27
758
Herr Krogstad, wie können Sie sich erlauben, mich auszuforschen?! Sie, ein Untergebener meines Mannes? Aber da Sie einmal fragen, so sollen Sie es auch wissen: jawohl, Frau Linde wird angestellt werden. Und ich selbst habe mich ihrer Sache angenommen, Herr Krogstad. Nun wissen Sie es.
Vorlage S. 27
759
KROGSTAD.
Vorlage S. 28
760
Ich habe also richtig vermutet.
Vorlage S. 28
761
NORA
Vorlage S. 28
762
geht im Zimmer auf und ab.
Vorlage S. 28
763
Mein Gott, man hat doch auch sein bisschen Einfluss! Weil man eine Frau ist, so ist damit noch lange nicht gesagt, dass –. Wenn man eine subalterne Stellung einnimmt, Herr Krogstad, so sollte man sich wirklich hüten, einen vor den Kopf zu stoßen, der – hm –
Vorlage S. 28
764
KROGSTAD.
Vorlage S. 28
765
– der Einfluss hat?
Vorlage S. 28
766
NORA.
Vorlage S. 28
767
Allerdings!
Vorlage S. 28
768
KROGSTAD
Vorlage S. 28
769
mit verändertem Ton.
Vorlage S. 28
770
Frau Helmer, wollen Sie die Güte haben, Ihren Einfluss zu meinen Gunsten aufzubieten?
Vorlage S. 28
771
NORA.
Vorlage S. 28
772
Wie? Was meinen Sie damit?
Vorlage S. 28
773
KROGSTAD.
Vorlage S. 28
774
Wollen Sie gütigst dafür sorgen, dass ich meine subalterne Stellung bei der Bank behalte?
Vorlage S. 28
775
NORA.
Vorlage S. 28
776
Was heißt das? Wer will Ihnen denn Ihre Stellung nehmen?
Vorlage S. 28
777
KROGSTAD.
Vorlage S. 28
778
Ach, mir gegenüber brauchen Sie nicht die Ahnungslose zu spielen. Es leuchtet mir sehr wohl ein, dass es Ihrer Freundin nicht angenehm sein kann, sich einem Zusammentreffen mit mir auszusetzen, und ich begreife jetzt auch, wem ich es zu danken habe, dass man mich wegjagen will.
Vorlage S. 28
779
NORA.
Vorlage S. 28
780
Aber ich versichere Ihnen –
Vorlage S. 28
781
KROGSTAD.
Vorlage S. 28
782
Ja, ja, ja, – kurz und gut: noch ist es Zeit, und ich rate Ihnen, Ihren Einfluss aufzubieten, um das zu verhindern.
Vorlage S. 28
783
NORA.
Vorlage S. 28
784
Aber, Herr Krogstad, ich habe gar keinen Einfluss.
Vorlage S. 28
785
KROGSTAD.
Vorlage S. 28
786
Nicht? Ich glaubte doch eben, aus Ihrem eigenen Munde –
Vorlage S. 28
787
NORA.
Vorlage S. 28
788
Das war natürlich nicht so zu verstehen. Ich! Wie können Sie nur glauben, dass ich einen solchen Einfluss auf meinen Mann habe?!
Vorlage S. 28
789
KROGSTAD.
Vorlage S. 28
790
Ach, ich kenne Ihren Mann aus den Studententagen. Ich halte den Herrn Bankdirektor für nicht fester als andere Ehemänner.
Vorlage S. 28
791
NORA.
Vorlage S. 29
792
Wenn Sie mit Geringschätzung von meinem Manne reden, so weise ich Ihnen die Tür.
Vorlage S. 29
793
KROGSTAD.
Vorlage S. 29
794
Sie sind mutig, gnädige Frau.
Vorlage S. 29
795
NORA.
Vorlage S. 29
796
Ich habe vor Ihnen keine Angst mehr. Bald nach Neujahr werde ich aus der ganzen Geschichte heraus sein.
Vorlage S. 29
797
KROGSTAD
Vorlage S. 29
798
beherrscht sich wieder.
Vorlage S. 29
799
Hören Sie mich jetzt an, gnädige Frau. Im Notfalle werde ich auf Tod und Leben kämpfen, um meinen kleinen Posten an der Bank zu behalten.
Vorlage S. 29
800
NORA.
Vorlage S. 29
801
Es sieht in der Tat so aus.
Vorlage S. 29
802
KROGSTAD.
Vorlage S. 29
803
Nicht wegen des Einkommens allein! Darum ist mir doch am wenigsten zu tun. Es handelt sich um etwas andres –. Na ja, – ich muss heraus mit der Sprache! Sehen Sie, – es ist folgendes. Ihnen ist es gewiss so wie aller Welt bekannt, dass ich mir vor etlichen Jahren habe eine Unbesonnenheit zu Schulden kommen lassen.
Vorlage S. 29
804
NORA.
Vorlage S. 29
805
Ich glaube, so etwas gehört zu haben.
Vorlage S. 29
806
KROGSTAD.
Vorlage S. 29
807
Die Sache kam nicht vor Gericht. Aber von dem Augenblick an waren mir mit einem Mal alle Wege wie versperrt. Nun warf ich mich auf die Geschäfte, die Sie ja kennen. Irgend etwas musste ich doch beginnen, und ich darf wohl sagen, ich war keiner von den Schlimmsten. Jetzt aber muss ich aus der ganzen Geschichte heraus. Meine Söhne wachsen heran; um ihretwillen muss ich versuchen, mir so viel bürgerliche Achtung wie möglich wieder zu erringen. Der Posten bei der Bank war sozusagen die erste Stufe für mich. Und nun will Ihr Mann mich mit einem Fußtritt von der Treppe hinunterstoßen, so dass ich wieder in den Schmutz zu liegen komme.
Vorlage S. 29
808
NORA.
Vorlage S. 29
809
Aber um Gottes willen, Herr Krogstad, es liegt absolut nicht in meiner Macht, Ihnen zu helfen.
Vorlage S. 29
810
KROGSTAD.
Vorlage S. 29
811
Weil Sie nicht den guten Willen haben. Ich habe aber Mittel, Sie zu zwingen.
Vorlage S. 29
812
NORA.
Vorlage S. 30
813
Sie wollen meinem Manne doch wohl nicht sagen, dass ich Ihnen Geld schuldig bin?
Vorlage S. 30
814
KROGSTAD.
Vorlage S. 30
815
Hm – und wenn ich es ihm nun sagte?
Vorlage S. 30
816
NORA.
Vorlage S. 30
817
Das wäre schändlich von Ihnen. Die Tränen sind ihr nahe. Dieses Geheimnis, das meine Freude und mein Stolz ist –, er sollte es auf so hässliche und plumpe Art erfahren? Von Ihnen es erfahren? Sie würden mich den schrecklichsten Unannehmlichkeiten aussetzen –
Vorlage S. 30
818
KROGSTAD.
Vorlage S. 30
819
Nur Unannehmlichkeiten?
Vorlage S. 30
820
NORA
Vorlage S. 30
821
heftig.
Vorlage S. 30
822
Aber tun Sie es nur! Sie selbst werden den größten Schaden davon haben; dann wird mein Mann erst sehen, was für ein schlechter Mensch Sie sind. Und Sie werden Ihren Posten erst recht nicht behalten!
Vorlage S. 30
823
KROGSTAD.
Vorlage S. 30
824
Ich fragte, ob Sie nur häusliche Unannehmlichkeiten befürchten?
Vorlage S. 30
825
NORA.
Vorlage S. 30
826
Erfährt mein Mann davon, so wird er die Restsumme natürlich sofort bezahlen. Und dann haben wir nichts mehr mit Ihnen zu schaffen.
Vorlage S. 30
827
KROGSTAD
Vorlage S. 30
828
einen Schritt näher.
Vorlage S. 30
829
Hören Sie, Frau Helmer; – entweder haben Sie kein gutes Gedächtnis, oder Sie haben keine Ahnung von Geschäften. Ich muss Ihnen die Sache wohl etwas gründlicher auseinandersetzen.
Vorlage S. 30
830
NORA.
Vorlage S. 30
831
Wie das?
Vorlage S. 30
832
KROGSTAD.
Vorlage S. 30
833
Als Ihr Mann krank war, kamen Sie zu mir, um zwölfhundert Taler zu leihen.
Vorlage S. 30
834
NORA.
Vorlage S. 30
835
Ich habe sonst niemand gewusst.
Vorlage S. 30
836
KROGSTAD.
Vorlage S. 30
837
Ich versprach, Ihnen das Geld zu verschaffen –
Vorlage S. 30
838
NORA.
Vorlage S. 30
839
Sie haben es mir ja auch verschafft.
Vorlage S. 30
840
KROGSTAD.
Vorlage S. 30
841
Ich versprach, Ihnen die Summe unter gewissen Bedingungen zu verschaffen. Sie waren damals von der Krankheit Ihres Mannes so in Anspruch genommen und so eifrig darauf aus, das Reisegeld zu bekommen, dass Sie für alle Nebenumstände wohl keine Gedanken hatten. Es ist daher sehr angebracht, Sie daran zu erinnern. Nun denn, – ich versprach, Ihnen das Geld gegen einen Schuldschein zu verschaffen, den ich aufsetzte.
Vorlage S. 30
842
NORA.
Vorlage S. 31
843
Und den ich unterschrieben habe.
Vorlage S. 31
844
KROGSTAD.
Vorlage S. 31
845
Gut. Aber dem fügte ich unten noch einige Zeilen hinzu, worin Ihr Vater die Bürgschaft für die Schuld übernahm. Diese Zeilen sollte Ihr Vater unterschreiben.
Vorlage S. 31
846
NORA.
Vorlage S. 31
847
Sollte –? Er hat ja unterschrieben.
Vorlage S. 31
848
KROGSTAD.
Vorlage S. 31
849
Ich hatte das Datum in blanko gelassen; das heißt, Ihr Vater selbst sollte den Tag angeben, an dem er das Papier unterschrieb. Erinnern Sie sich, gnädige Frau?
Vorlage S. 31
850
NORA.
Vorlage S. 31
851
Ja, ich glaube wohl –
Vorlage S. 31
852
KROGSTAD.
Vorlage S. 31
853
Darauf übergab ich Ihnen den Schuldschein, damit Sie ihn mit der Post an Ihren Vater schickten. War das nicht so?
Vorlage S. 31
854
NORA.
Vorlage S. 31
855
Ja.
Vorlage S. 31
856
KROGSTAD.
Vorlage S. 31
857
Und das haben Sie natürlich auch sofort getan, denn schon nach fünf oder sechs Tagen brachten Sie mir das Papier mit der Unterschrift Ihres Vaters zurück. Darauf bekamen Sie den Betrag ausgezahlt.
Vorlage S. 31
858
NORA.
Vorlage S. 31
859
Nun ja. Habe ich denn nicht prompt abbezahlt?
Vorlage S. 31
860
KROGSTAD.
Vorlage S. 31
861
So ziemlich. Aber – um auf das zurückzukommen, wovon wir gesprochen haben, – das war damals wohl eine schwere Zeit für Sie, gnädige Frau.
Vorlage S. 31
862
NORA.
Vorlage S. 31
863
Ja, das war es.
Vorlage S. 31
864
KROGSTAD.
Vorlage S. 31
865
Ihr Vater lag gewiss sehr krank darnieder?
Vorlage S. 31
866
NORA.
Vorlage S. 31
867
Er lag in den letzten Zügen.
Vorlage S. 31
868
KROGSTAD.
Vorlage S. 31
869
Und er starb kurz darauf?
Vorlage S. 31
870
NORA.
Vorlage S. 31
871
Ja.
Vorlage S. 31
872
KROGSTAD.
Vorlage S. 31
873
Sagen Sie mir, Frau Helmer, wissen Sie zufällig noch den Todestag Ihres Vaters? Das Datum, meine ich?
Vorlage S. 31
874
NORA.
Vorlage S. 32
875
Papa starb am 29. September.
Vorlage S. 32
876
KROGSTAD.
Vorlage S. 32
877
Ganz richtig. Ich habe mich danach erkundigt. Und deshalb kann ich mir einen sonderbaren Umstand – Zieht ein Papier hervor. – ganz und gar nicht erklären.
Vorlage S. 32
878
NORA.
Vorlage S. 32
879
Was für einen sonderbaren Umstand? Ich weiß nicht –
Vorlage S. 32
880
KROGSTAD.
Vorlage S. 32
881
Den sonderbaren Umstand, gnädige Frau, dass Ihr Vater diesen Schuldschein drei Tage nach seinem Tode unterschrieben hat.
Vorlage S. 32
882
NORA.
Vorlage S. 32
883
Wie? Ich verstehe nicht –
Vorlage S. 32
884
KROGSTAD.
Vorlage S. 32
885
Ihr Vater starb am 29. September. Nun sehen Sie her, – hier datiert die Unterschrift Ihres Vaters vom 2. Oktober. Ist das nicht sonderbar, gnädige Frau?
Vorlage S. 32
886
NORA
Vorlage S. 32
887
schweigt.
Vorlage S. 32
888
KROGSTAD.
Vorlage S. 32
889
Können Sie mir das erklären?
Vorlage S. 32
890
NORA
Vorlage S. 32
891
schweigt noch immer.
Vorlage S. 32
892
KROGSTAD.
Vorlage S. 32
893
Auffallend ist auch, dass die Worte »2. Oktober« und die Jahreszahl nicht die Handschrift Ihres Vaters zeigen, vielmehr eine Handschrift, die mir bekannt vorkommt. Na, das lässt sich ja erklären. Ihr Vater kann vergessen haben, seine Unterschrift zu datieren, und dann mag irgend ein anderer das Datum aufs Geratewohl hingesetzt haben, bevor man noch von dem Todesfall wusste. Dabei ist auch nichts Schlimmes. Auf die Namensunterschrift kommt es an, und die ist doch echt, Frau Helmer? Ihr Vater hat doch in eigener Person seinen Namen hier hingeschrieben?
Vorlage S. 32
894
NORA
Vorlage S. 32
895
nach kurzer Pause, – wirft den Kopf zurück und sieht ihn trotzig an.
Vorlage S. 32
896
Nein, dem ist nicht so: ich habe Papas Namen unterschrieben.
Vorlage S. 32
897
KROGSTAD.
Vorlage S. 32
898
Ei, gnädige Frau – wissen Sie auch, dass das ein gefährliches Geständnis ist?
Vorlage S. 32
899
NORA.
Vorlage S. 32
900
Weshalb? Sie werden Ihr Geld bald bekommen.
Vorlage S. 32
901
KROGSTAD.
Vorlage S. 32
902
Erlauben Sie mir eine Frage, – weshalb haben Sie Ihrem Vater nicht das Dokument geschickt?
Vorlage S. 32
903
NORA.
Vorlage S. 33
904
Es war unmöglich. Papa lag ja krank. Wenn ich ihn um seine Unterschrift gebeten hätte, so hätte ich ihm auch sagen müssen, zu welchem Zweck ich das Geld brauchte. Aber so einem Schwerkranken konnte ich doch nicht sagen, dass Gefahr für meines Mannes Leben sei? Das war ganz unmöglich.
Vorlage S. 33
905
KROGSTAD.
Vorlage S. 33
906
Dann wäre es besser für Sie gewesen, Sie hätten die Reise ins Ausland aufgegeben.
Vorlage S. 33
907
NORA.
Vorlage S. 33
908
Nein, das war unmöglich. Die Reise sollte meinem Manne das Leben retten, – die konnt' ich nicht aufgeben.
Vorlage S. 33
909
KROGSTAD.
Vorlage S. 33
910
Aber haben Sie denn nicht bedacht, dass Sie mich damit betrogen?
Vorlage S. 33
911
NORA.
Vorlage S. 33
912
Darauf konnte ich gar keine Rücksicht nehmen. Sie gingen mich absolut nichts an. Ich konnte Sie nicht ausstehen, weil Sie so herzlos waren und so viele Schwierigkeiten machten, obgleich Sie wussten, wie gefährlich es um meinen Mann stand.
Vorlage S. 33
913
KROGSTAD.
Vorlage S. 33
914
Frau Helmer – wessen Sie sich eigentlich schuldig gemacht haben, davon haben Sie offenbar keine klare Vorstellung. Aber ich kann Ihnen sagen: das, was ich einst begangen habe, und was meine ganze bürgerliche Stellung untergraben hat, ist nichts Größeres und nichts Schlimmeres gewesen.
Vorlage S. 33
915
NORA.
Vorlage S. 33
916
Sie? Sie wollen mir einreden, dass Sie etwas Tapferes unternommen hätten, um Ihrer Frau das Leben zu retten?
Vorlage S. 33
917
KROGSTAD.
Vorlage S. 33
918
Die Gesetze fragen nicht nach Beweggründen.
Vorlage S. 33
919
NORA.
Vorlage S. 33
920
Dann müssen das sehr schlechte Gesetze sein.
Vorlage S. 33
921
KROGSTAD.
Vorlage S. 33
922
Schlecht oder nicht, – wenn ich dies Stück Papier dem Gericht vorlege, so werden Sie nach den Gesetzen verurteilt.
Vorlage S. 33
923
NORA.
Vorlage S. 33
924
Das glaube ich nun und nimmermehr! Eine Tochter sollte nicht das Recht haben, ihrem alten, todkranken Vater Angst und Kummer zu ersparen? Eine Frau sollte nicht das Recht haben, ihrem Manne das Leben zu retten? Ich kenne die Gesetze nicht so genau, aber ich bin überzeugt, irgendwo muss darin stehen, dass so etwas erlaubt ist. Und darüber wissen Sie nicht Bescheid, Sie, ein Anwalt? Sie müssen ein schlechter Jurist sein, Herr Krogstad.
Vorlage S. 33
925
KROGSTAD.
Vorlage S. 34
926
Mag sein. Aber nicht wahr, auf Geschäfte, – auf solche Geschäfte, wie wir sie miteinander haben, auf die verstehe ich mich doch wohl? Gut. Tun Sie jetzt, was Ihnen beliebt. Aber das sage ich Ihnen: werde ich zum zweiten Male ausgestoßen, so sollen Sie mir Gesellschaft leisten. Er grüßt und geht durchs Vorzimmer ab.
Vorlage S. 34
927
NORA
Vorlage S. 34
928
eine Weile nachdenklich, wirft dann den Kopf in den Nacken.
Vorlage S. 34
929
Ach was! – Er will mir Angst machen! So einfältig bin ich denn doch nicht. Fängt an, die Mäntel der Kinder zusammenzulegen, hält bald damit inne. Aber –? – – Nein, das ist ja doch unmöglich! Ich habe es doch aus Liebe getan.
Vorlage S. 34
930
DIE KINDER
Vorlage S. 34
931
links in der Tür.
Vorlage S. 34
932
Mama, eben ist der fremde Mann aus dem Haus gegangen.
Vorlage S. 34
933
NORA.
Vorlage S. 34
934
Ja, ja, ich weiß. Aber sagt keinem etwas von dem fremden Mann. Hört Ihr? Auch nicht Papa.
Vorlage S. 34
935
DIE KINDER.
Vorlage S. 34
936
Nein, Mama. Willst Du jetzt wieder mit uns spielen?
Vorlage S. 34
937
NORA.
Vorlage S. 34
938
Nein, nein, nicht jetzt.
Vorlage S. 34
939
DIE KINDER.
Vorlage S. 34
940
Aber Mama, Du hast es doch versprochen!
Vorlage S. 34
941
NORA.
Vorlage S. 34
942
Ja, aber ich kann jetzt nicht! Geht hinein, ich habe zu viel zu tun. Hinein, hinein mit Euch, meine lieben, süßen Kinder. Sie nötigt sie liebevoll in das anstoßende Zimmer, schließt die Tür hinter ihnen und setzt sich aufs Sofa; sie nimmt eine Stickerei und macht einige Stiche, hält jedoch bald wieder inne. Nein! Wirft die Stickerei hin, steht auf, geht an die Vorzimmertür und ruft hinaus. Helene! Den Tannenbaum! Geht links an den Tisch und öffnet die Schieblade, hält wieder inne. Nein, – aber das ist ja ganz unmöglich!
Vorlage S. 34
943
HAUSMÄDCHEN
Vorlage S. 34
944
mit dem Tannenbaum.
Vorlage S. 34
945
Wo soll er hin, gnädige Frau?
Vorlage S. 34
946
NORA.
Vorlage S. 34
947
Dorthin, mitten ins Zimmer.
Vorlage S. 34
948
HAUSMÄDCHEN.
Vorlage S. 35
949
Soll ich sonst noch etwas bringen?
Vorlage S. 35
950
NORA.
Vorlage S. 35
951
Nein, danke, ich habe alles, was ich brauche. Das Mädchen hat den Baum hingestellt und geht wieder hinaus. Nora beginnt den Baum zu putzen. Hier kommen Lichter hin, – und da Blumen. – Der abscheuliche Mensch! Unsinn! Unsinn! Unsinn! Es ist alles in Ordnung. Der Weihnachtsbaum soll schön werden. Alles will ich tun, was Dir Freude macht, Torvald; – ich will Dir etwas vorsingen, – vortanzen –
Vorlage S. 35
952
HELMER
Vorlage S. 35
953
kommt, einen Stoß Schriftstücke unter dem Arm, von draußen.
Vorlage S. 35
954
NORA.
Vorlage S. 35
955
Ah, – kommst Du schon wieder?
Vorlage S. 35
956
HELMER.
Vorlage S. 35
957
Ja. Ist wer hier gewesen?
Vorlage S. 35
958
NORA.
Vorlage S. 35
959
Hier? Nein.
Vorlage S. 35
960
HELMER.
Vorlage S. 35
961
Sonderbar! Ich sah, wie Krogstad das Haus verließ.
Vorlage S. 35
962
NORA.
Vorlage S. 35
963
So –? Ach richtig, Krogstad – der war einen Augenblick hier.
Vorlage S. 35
964
HELMER.
Vorlage S. 35
965
Nora, ich sehe Dir's an: er ist hier gewesen und hat Dich gebeten, ein gutes Wort für ihn einzulegen.
Vorlage S. 35
966
NORA.
Vorlage S. 35
967
Ja.
Vorlage S. 35
968
HELMER.
Vorlage S. 35
969
Und das solltest Du wie aus eigenem Antriebe tun. Du solltest mir verschweigen, dass er hier gewesen war. Hat er Dich nicht auch darum gebeten?
Vorlage S. 35
970
NORA.
Vorlage S. 35
971
Ja, Torvald; aber –
Vorlage S. 35
972
HELMER.
Vorlage S. 35
973
Nora, Nora, und darauf konntest Du Dich einlassen? Mit einem solchen Menschen eine Unterhaltung führen und ihm noch Versprechungen machen? Und mir obendrein die Unwahrheit sagen!
Vorlage S. 35
974
NORA.
Vorlage S. 35
975
Die Unwahrheit –?
Vorlage S. 35
976
HELMER.
Vorlage S. 35
977
Sagtest Du nicht, es wäre niemand hier gewesen? Droht mit dem Finger. Das darf mein Singvögelchen nie wieder tun. Ein Singvogel darf nur mit reinem Schnäbelchen zwitschern, – keine falschen Töne! Fasst sie um die Taille. Muss es nicht so sein? Ja – ich wusste es wohl. Lässt sie los. Und nun nichts mehr davon. Setzt sich vor den Ofen. Ah, wie warm und gemütlich es hier ist. Blättert in den Papieren.
Vorlage S. 35
978
NORA
Vorlage S. 36
979
mit dem Tannenbaum beschäftigt, nach kurzer Pause.
Vorlage S. 36
980
Torvald!
Vorlage S. 36
981
HELMER.
Vorlage S. 36
982
Ja?!
Vorlage S. 36
983
NORA.
Vorlage S. 36
984
Ich freue mich grenzenlos auf den Kostümball übermorgen bei Stenborgs.
Vorlage S. 36
985
HELMER.
Vorlage S. 36
986
Und ich bin grenzenlos neugierig, womit Du mich überraschen wirst.
Vorlage S. 36
987
NORA.
Vorlage S. 36
988
Ach, es ist zu dumm!
Vorlage S. 36
989
HELMER.
Vorlage S. 36
990
Was?
Vorlage S. 36
991
NORA.
Vorlage S. 36
992
Mir fällt gar nichts Ordentliches ein; es ist alles so albern, so nichtssagend.
Vorlage S. 36
993
HELMER.
Vorlage S. 36
994
Ist Norachen zu der Erkenntnis gekommen?
Vorlage S. 36
995
NORA
Vorlage S. 36
996
hinter seinem Stuhl, die Arme auf der Stuhllehne.
Vorlage S. 36
997
Hast Du sehr viel zu tun, Torvald?
Vorlage S. 36
998
HELMER.
Vorlage S. 36
999
Ach –
Vorlage S. 36
1000
NORA.
Vorlage S. 36
1001
Was sind das für Papiere?
Vorlage S. 36
1002
HELMER.
Vorlage S. 36
1003
Bankangelegenheiten.
Vorlage S. 36
1004
NORA.
Vorlage S. 36
1005
Schon?
Vorlage S. 36
1006
HELMER.
Vorlage S. 36
1007
Ich habe mir von der abtretenden Direktion Vollmacht geben lassen, die nötigen Veränderungen im Personal und im Geschäftsplan vornehmen zu dürfen. Dazu muss ich die Weihnachtswoche benutzen. Ich will bis Neujahr alles in Ordnung haben.
Vorlage S. 36
1008
NORA.
Vorlage S. 36
1009
Deshalb also war der arme Krogstad –
Vorlage S. 36
1010
HELMER.
Vorlage S. 36
1011
Hm.
Vorlage S. 36
1012
NORA
Vorlage S. 36
1013
lehnt sich noch immer auf die Stuhllehne, kraut ihn langsam im Nackenhaar.
Vorlage S. 36
1014
Wenn Du nicht so viel zu tun hättest, so würde ich Dich um einen sehr großen Gefallen bitten, Torvald.
Vorlage S. 36
1015
HELMER.
Vorlage S. 36
1016
Lass hören. Was sollte das sein?
Vorlage S. 36
1017
NORA.
Vorlage S. 36
1018
Keiner hat ja einen so feinen Geschmack wie Du. Nun möchte ich gern recht hübsch aussehen auf dem Kostümball. Torvald, kannst Du mir nicht helfen und bestimmen, als was ich gehen, und wie mein Anzug gemacht sein soll?
Vorlage S. 36
1019
HELMER.
Vorlage S. 37
1020
Aha, der kleine Eigensinn ist auf der Suche nach einem rettenden Engel?
Vorlage S. 37
1021
NORA.
Vorlage S. 37
1022
Ja, Torvald, ohne Deinen Beistand bringe ich es nicht fertig.
Vorlage S. 37
1023
HELMER.
Vorlage S. 37
1024
Na schön; ich werde mir die Sache überlegen; wir werden schon etwas ausfindig machen.
Vorlage S. 37
1025
NORA.
Vorlage S. 37
1026
Ach, das ist reizend von Dir. Geht wieder an den Weihnachtsbaum; Pause. Wie hübsch die roten Blumen sich machen. – Sag' einmal, ist das wirklich so schlimm, was dieser Krogstad verbrochen hat?
Vorlage S. 37
1027
HELMER.
Vorlage S. 37
1028
Er hat Unterschriften gefälscht. Hast Du einen Begriff davon, was das heißen will?
Vorlage S. 37
1029
NORA.
Vorlage S. 37
1030
Kann er es nicht aus Not getan haben?
Vorlage S. 37
1031
HELMER.
Vorlage S. 37
1032
Ja, oder – wie so mancher andere – aus Leichtsinn. Ich bin nicht so herzlos, dass ich einen Menschen um einer solchen vereinzelten Handlung willen unbedingt verurteilen würde.
Vorlage S. 37
1033
NORA.
Vorlage S. 37
1034
Nein, – nicht wahr, Torvald?
Vorlage S. 37
1035
HELMER.
Vorlage S. 37
1036
Manch einer kann sich moralisch wieder aufrichten, wenn er sein Vergehen offen bekennt und seine Strafe abbüßt.
Vorlage S. 37
1037
NORA.
Vorlage S. 37
1038
Strafe –?
Vorlage S. 37
1039
HELMER.
Vorlage S. 37
1040
Den Weg aber hat Krogstad nicht betreten. Mit Kniffen und Schlichen schwindelte er sich durch; und eben das hat ihn moralisch ruiniert.
Vorlage S. 37
1041
NORA.
Vorlage S. 37
1042
Glaubst Du, dass –?
Vorlage S. 37
1043
HELMER.
Vorlage S. 37
1044
Nun denke Dir, wie solch ein schuldbewußter Mensch nach allen Seiten hin lügen und heucheln und sich verstellen muss; wie er vor seinen Allernächsten, ja selbst vor seiner eigenen Frau und seinen Kindern eine Maske tragen muss. Vor den Kindern, Nora, das ist gerade das Entsetzlichste.
Vorlage S. 37
1045
NORA.
Vorlage S. 37
1046
Weshalb?
Vorlage S. 37
1047
HELMER.
Vorlage S. 37
1048
Weil ein solcher Dunstkreis von Lüge in die ganze Familie Ansteckungs- und Krankheitsstoff bringt. Jeder Atemzug, den die Kinder in einem solchen Hause tun, ist erfüllt von Keimen irgend einer bösen Tat.
Vorlage S. 37
1049
NORA
Vorlage S. 38
1050
näher hinter ihm.
Vorlage S. 38
1051
Bist Du dessen sicher?
Vorlage S. 38
1052
HELMER.
Vorlage S. 38
1053
Mein Schatz, das habe ich als Advokat oft genug erfahren. Fast alle früh verdorbenen Menschen haben lügenhafte Mütter gehabt.
Vorlage S. 38
1054
NORA.
Vorlage S. 38
1055
Warum gerade – Mütter?
Vorlage S. 38
1056
HELMER.
Vorlage S. 38
1057
Am häufigsten kommt es von den Müttern her. Aber Väter wirken natürlich in derselben Richtung. Das ist jedem Juristen sehr wohl bekannt. Und doch ist dieser Krogstad Jahre hindurch imstande gewesen, seine eigenen Kinder durch Lüge und Verstellung zu vergiften; und deshalb nenne ich ihn moralisch verkommen. Streckt ihr die Hände entgegen. Darum muss meine herzige kleine Nora mir versprechen, nicht seine Partei zu ergreifen. Hand darauf? Nun, nun. Was ist das? Gib mir die Hand. So. Abgemacht also. Ich versichere Dir, es wäre mir unmöglich, mit ihm zusammen zu arbeiten. Mich überkommt in der Nähe solcher Menschen buchstäblich ein körperliches Unbehagen.
Vorlage S. 38
1058
NORA
Vorlage S. 38
1059
entzieht ihm ihre Hand und geht an die andere Seite des Tannenbaums hinüber.
Vorlage S. 38
1060
Wie heiß es hier ist. Und ich habe so viel zu tun.
Vorlage S. 38
1061
HELMER
Vorlage S. 38
1062
steht auf und nimmt seine Papiere zusammen.
Vorlage S. 38
1063
Ja, ich muss auch vor Tisch hiervon noch einiges durchlesen. Und auch an Dein Kostüm muss ich denken. Vielleicht habe ich sogar etwas auf Lager, das man in Goldpapier an den Weihnachtsbaum hängen könnte. Legt die Hand auf ihren Kopf. O, Du mein geliebtes Singvögelchen! Er geht in sein Zimmer und schließt die Tür hinter sich.
Vorlage S. 38
1064
NORA
Vorlage S. 38
1065
leise, nach kurzer Pause.
Vorlage S. 38
1066
Ach was! Es kann nicht sein. Es ist unmöglich. Es muss un möglich sein.
Vorlage S. 38
1067
KINDERFRAU
Vorlage S. 38
1068
links in der Tür.
Vorlage S. 38
1069
Die Kleinen bitten so schön, zur Mama herein zu dürfen.
Vorlage S. 38
1070
NORA.
Vorlage S. 38
1071
Nein, nein, nein! Nicht zu mir herein! Bleib Du bei ihnen, Anne-Marie.
Vorlage S. 38
1072
KINDERFRAU.
Vorlage S. 38
1073
Ja, ja, gnädige Frau. Schließt die Tür.
Vorlage S. 38
1074
NORA
Vorlage S. 38
1075
bleich vor Schrecken.
Vorlage S. 38
1076
Ich meine Kleinen verderben –! Das Heim vergiften? Kurze Pause; hebt den Kopf. Das ist nicht wahr. Das ist in alle Ewigkeit nicht wahr!
Vorlage S. 38

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Es ist freilich recht einfach, aber …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »obgleich« in diesem Textausschnitt? »O ja, gewiss, Zeit habe ich wohl, obgleich –«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt verweist mit einer Zeitangabe ausdrücklich auf eine frühere Zeit? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Da habe ich denn an allen Ecken und Enden sparen müssen, wo ich nur konnte, siehst Du.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Ja, ja, ja, – kurz und gut: noch ist es Zeit, und ich rate Ihnen, Ihren Einfluss aufzubieten, um das zu verhindern.« B: »Herrgott, kannst Du denn das nicht begreifen?« C: »Das Eichhörnchen steht und mault? – Zieht das Portemonnaie.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Und als sie nun hörte, dass Du Bankdirektor geworden bist – der …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Herr […], wie können Sie sich erlauben, mich auszuforschen?!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Ihr Vater hat doch in eigener Person seinen Namen hier hingeschrieben?«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Geht links an den Tisch und …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »Das Eichhörnchen steht und mault? – Zieht das Portemonnaie.«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.

Impulse zur Selbstprüfung

Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.

  • Situation oder Gedanke verständlich erklärt
  • Mindestens ein passender Textbeleg
  • Eigene Formulierungen statt bloßer Abschrift
Textstelle nachlesen ↗

2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »Das Eichhörnchen steht und mault? – Zieht das Portemonnaie.« und »lügen und heucheln und sich verstellen muss; wie er vor seinen Allernächsten«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.

Impulse zur Selbstprüfung

Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.

  • Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
  • Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
  • Deutung und wörtlichen Beleg unterschieden
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »Telegraph hatte es verkündet – ist sie so schnell wie möglich hergereist und«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.

Impulse zur Selbstprüfung

Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.

  • Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
  • Wirkung als begründete Deutung formuliert
  • Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
Textstelle nachlesen ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Ein gemütlich und geschmackvoll, aber nicht luxuriös eingerichtetes Zimmer.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Und denk, nun kommt bald der Frühling mit seinem weiten, blauen Himmel!«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Das ist in alle Ewigkeit nicht wahr!«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Autor und namentlich belegte Übersetzung sind nach den geprüften Lebensdaten in Deutschland gemeinfrei. TextGrid und www.editura.de stellen Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE bereit.

Nora oder Ein Puppenheim

Ibsen, Henrik: Ein Puppenheim. [Übers. v. M[arie] von Borch], in: Henrik Ibsen: Sämtliche Werke, Vierter Band. Hg. v. Julius Elias u. Paul Schlenther, Berlin: S. Fischer, 1907. Ibsen, Henrik 2- Berlin

Das Werk Nora oder Ein Puppenheim von Ibsen, Henrik ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; underlying texts public domain per source Lizenz

Originalsprache · Norwegisch

Vollständiger norwegischer Dramentext mit Personenverzeichnis und sämtlichen Akten. Die Schreibweise der digitalen Quellfassung bleibt erhalten und kann von historischen Druckausgaben abweichen. Keine bestimmte Druckauflage oder Satzgleichheit mit der deutschen Übersetzung wird behauptet.

Henrik Ibsen; digitale Quellenfassung und Mitwirkende der norwegischen Wikisource, CC BY-SA4.0.

Autorschaft und Ausgabe: Henrik Ibsen

Originaltext und Ausgabe ↗ · Norwegische Wikisource · Lizenz und Nutzungsbedingungen

Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.