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Buch - Moral - Thoma, Ludwig

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Originalwerk · Lesefassung

Moral

Thoma, Ludwig · 1909

Die Vertreter eines Sittlichkeitsvereins wollen die öffentliche Moral verteidigen und geraten dabei in Widerspruch zu ihrem eigenen Verhalten. Die Komödie macht gesellschaftliche Doppelmoral und die Macht des Ansehens sichtbar.

KomödieKlasse 11–135 Abschnitte
Historisches Bildnis von Ludwig Thoma
Historisches Bildnis von Ludwig Thoma — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Karl Klimsch · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und zeitgebundene Wertvorstellungen gemeinsam einordnen. Klassenangaben sind redaktionelle Orientierung.
  • Für die begleitete Analyse in der Oberstufe; je nach Werk werden Gewalt, Sexualität, Krankheit oder historische Diskriminierung thematisiert.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Deutsch · Abschnitt 3 von 5

1. Akt

1
Erste Szene
Vorlage S. 313
2
Ein Lohndiener ist am Kaffeetisch beschäftigt; ein zweiter öffnet die Flügeltüre links. Man hört Stimmengewirr, Stühlerücken. Dann kommen durch die Flügeltüre Bolland mit Frau Beermann, Beermann mit Frau Bolland, Dr. Hauser mit Effie, Wasner mit Frl. Koch-Pinneberg; Dobler. Allgemeines: Mahlzeit! Wasner teilt nach allen Seiten turnerische Händedrücke aus; geht zu Frau Beermann: Ich wünsche gesegnete Mahlzeit!
Vorlage S. 313
3
Die Diener servieren Kaffee. Beermann ist mit Bolland nach vorne gegangen.
Vorlage S. 313
4
BOLLAND.
Vorlage S. 313
5
Sie kriegen zweitausend Stimmen mehr als der Sozialdemokrat. Das ist sicher.
Vorlage S. 313
6
BEERMANN
Vorlage S. 313
7
zweifelnd.
Vorlage S. 313
8
Na – na!
Vorlage S. 313
9
BOLLAND.
Vorlage S. 313
10
Wenn das ganze liberale Bürgertum mit den Konservativen zusammengeht? Ich bitte Sie!
Vorlage S. 313
11
BEERMANN
Vorlage S. 313
12
vom Diener eine Kaffeetasse nehmend.
Vorlage S. 313
13
Wenn ...
Vorlage S. 313
14
BOLLAND.
Vorlage S. 313
15
Der Zusammenschluß ist da. Er ist die natürliche Entwicklung. Glauben Sie einem Praktiker: die Zeit für Nüancen ist vorbei; es geht um den Besitz.
Vorlage S. 313
16
WASNER
Vorlage S. 313
17
ist hinzugetreten.
Vorlage S. 313
18
Und ganz Deutschland schart sich um die nationale Fahne.
Vorlage S. 313
19
BEERMANN.
Vorlage S. 313
20
Aber wir haben doch überall Widersprüche. Ich merke es am besten an dem, was ich nicht sagen darf.
Vorlage S. 313
21
BOLLAND.
Vorlage S. 313
22
Wieso?
Vorlage S. 313
23
BEERMANN.
Vorlage S. 315
24
Zum Beispiel übermorgen im freisinnigen Wahlverein. Da darf ich doch nicht das gleiche reden wie gestern bei den Konservativen?
Vorlage S. 315
25
BOLLAND.
Vorlage S. 315
26
Im Detail natürlich nicht. Aber im Grunde genommen ist es dasselbe.
Vorlage S. 315
27
BEERMANN
Vorlage S. 315
28
trinkt.
Vorlage S. 315
29
Ist es dasselbe? Wissen Sie, ich bin schon ganz konfus von dem Lavieren.
Vorlage S. 315
30
EFFIE
Vorlage S. 315
31
ruft vom Kaffeetische her, wo sie bei den übrigen steht.
Vorlage S. 315
32
Papa! Siehst du, Frau Bolland sagt auch, dass die indische Tänzerin so interessant ist.
Vorlage S. 315
33
FRAU BOLLAND.
Vorlage S. 315
34
Rasend interessant! Man begreift mit einem Male das ganze Indien!
Vorlage S. 315
35
EFFIE.
Vorlage S. 315
36
Warum sind wir noch nicht hingegangen?
Vorlage S. 315
37
FRAU BOLLAND.
Vorlage S. 315
38
Aber Sie müssen hingehen! Mir hat Professor Stöhr gesagt, er hat noch nie so was Großartiges gesehen.
Vorlage S. 315
39
FRÄULEIN KOCH-PINNEBERG.
Vorlage S. 315
40
Sie wirkt so als Fleck.
Vorlage S. 315
41
FRAU BOLLAND.
Vorlage S. 315
42
Ich habe nicht geahnt, dass indisch so hübsch sein kann.
Vorlage S. 315
43
BEERMANN.
Vorlage S. 315
44
Wir können sie ja mal ansehen.
Vorlage S. 315
45
EFFIE.
Vorlage S. 315
46
Aber sie tritt nur noch morgen auf.
Vorlage S. 315
47
BEERMANN
Vorlage S. 315
48
zum Zigarrentisch gehend.
Vorlage S. 315
49
Schön. Dann erinnere mich morgen daran. Nimmt eine Kiste und bietet dem zunächststehenden Dobler an. Rauchen Sie?
Vorlage S. 315
50
DOBLER
Vorlage S. 315
51
nimmt.
Vorlage S. 315
52
Ja, aber Importen bin ich eigentlich nicht gewohnt.
Vorlage S. 315
53
BEERMANN
Vorlage S. 315
54
wohlwollend.
Vorlage S. 315
55
Das gute Leben lernt sich schnell.
Vorlage S. 315
56
BOLLAND
Vorlage S. 315
57
zu Dobler.
Vorlage S. 315
58
Sie sind noch nicht lange hier?
Vorlage S. 315
59
DOBLER.
Vorlage S. 315
60
Seit zwei Jahren.
Vorlage S. 315
61
BOLLAND.
Vorlage S. 315
62
Und vorher waren Sie in ... äh ...
Vorlage S. 315
63
FRAU BOLLAND.
Vorlage S. 315
64
In Unterschlettenbach. Das weiß man doch ...
Vorlage S. 315
65
BOLLAND
Vorlage S. 315
66
sich verbessernd.
Vorlage S. 315
67
Natürlich. Aus der Literaturgeschichte. Es muss übrigens 'n sehr interessanter Ort sein.
Vorlage S. 315
68
DOBLER.
Vorlage S. 315
69
Klein und sehr arm, Herr Kommerzienrat. Die meisten Leute sind Pfannenflicker.
Vorlage S. 315
70
BOLLAND.
Vorlage S. 315
71
Sehen Sie mal! Das wusste ich gar nicht. So ... Pfannenflicker? Aber sagen Sie, wie kommt Ihnen dann das Leben hier vor? So ... Das großstädtische ... elegante?
Vorlage S. 315
72
DOBLER
Vorlage S. 315
73
die Zigarre anzündend.
Vorlage S. 315
74
Es gefällt mir gut. Aber es bleibt einem innerlich fremd.
Vorlage S. 315
75
BOLLAND.
Vorlage S. 316
76
Ungewohnt?
Vorlage S. 316
77
DOBLER.
Vorlage S. 316
78
Es ist alles anders. Oft kommt es mir vor, als wäre ich nur rasch in ein prächtiges Haus gegangen, aber draußen wartet mein Kamerad, das alte Leben.
Vorlage S. 316
79
FRAU BOLLAND.
Vorlage S. 316
80
Wun-der-voll! Das ist ganz wundervoll gesagt. Man sieht es förmlich. Überhaupt, Herr Dobler, ich muss Ihnen sagen, Ihr Roman! Mein Mann und ich, wir reden den ganzen Tag davon.
Vorlage S. 316
81
BOLLAND.
Vorlage S. 316
82
Sagen Sie mal, der junge Mensch, der darin vorkommt; haben Sie sich da eigentlich selbst gezeichnet?
Vorlage S. 316
83
DOBLER.
Vorlage S. 316
84
Es ist meine Jugend, ja.
Vorlage S. 316
85
BOLLAND.
Vorlage S. 316
86
Aber doch mit dichterischer Phantasie ausgeschmückt?
Vorlage S. 316
87
DOBLER.
Vorlage S. 316
88
M – ja.
Vorlage S. 316
89
BOLLAND.
Vorlage S. 316
90
Zum Beispiel: Sie haben doch nicht wirklich gehungert?
Vorlage S. 316
91
DOBLER.
Vorlage S. 316
92
Gewiss. Da ist nichts erdichtet.
Vorlage S. 316
93
BOLLAND.
Vorlage S. 316
94
So wie Sie's geschildert haben? Dass Ihnen alles rot vorgekommen ist?
Vorlage S. 316
95
DOBLER.
Vorlage S. 316
96
Dass mir alles rot vorgekommen ist. Ich habe einmal vier und einen halben Tag keinen Bissen gegessen.
Vorlage S. 316
97
FRAU BEERMANN
Vorlage S. 316
98
bedauernd.
Vorlage S. 316
99
Ach Gott!
Vorlage S. 316
100
FRAU BOLLAND.
Vorlage S. 316
101
Das ist rasend interessant!
Vorlage S. 316
102
BOLLAND.
Vorlage S. 316
103
Bitte, erzählen Sie uns genau. Es hat Ihnen geflimmert?
Vorlage S. 316
104
DOBLER.
Vorlage S. 316
105
Ich sah alle Dinge wie durch einen Schleier, und alle Dinge hatten einen rosaroten Reifen. Und dann schwächte sich das Gehör.
Vorlage S. 316
106
BOLLAND.
Vorlage S. 316
107
Soo? Das Gehör auch?
Vorlage S. 316
108
DOBLER.
Vorlage S. 316
109
Ja. Wenn jemand neben mir sprach, das war so, als wenn es weit, weit entfernt wäre.
Vorlage S. 316
110
FRAU BOLLAND.
Vorlage S. 316
111
Davon hat man nun eigentlich gar keine Ahnung!
Vorlage S. 316
112
BEERMANN.
Vorlage S. 316
113
Und wie ging's weiter?
Vorlage S. 316
114
DOBLER.
Vorlage S. 316
115
Wieso?
Vorlage S. 316
116
BEERMANN.
Vorlage S. 316
117
Na, einmal müssen Sie ja doch wieder was gegessen haben?
Vorlage S. 316
118
DOBLER.
Vorlage S. 316
119
Ich bin ohnmächtig auf einer Wiese gelegen und da hat man mich gefunden und ins Krankenhaus gebracht.
Vorlage S. 316
120
FRAU BEERMANN
Vorlage S. 316
121
mit einem Seufzer.
Vorlage S. 316
122
Dass es so etwas immer noch geben kann!
Vorlage S. 316
123
FRAU BOLLAND.
Vorlage S. 317
124
Ich bitte Sie, unter diesen Idealisten!
Vorlage S. 317
125
HAUSER.
Vorlage S. 317
126
Die sind das nicht anders gewohnt.
Vorlage S. 317
127
BEERMANN.
Vorlage S. 317
128
Wie haben Sie sich dann rausgemacht?
Vorlage S. 317
129
DOBLER.
Vorlage S. 317
130
So nach und nach. Ich war Buchdrucker und habe Stellung gefunden.
Vorlage S. 317
131
BOLLAND.
Vorlage S. 317
132
Das kommt auch im Roman vor. Aber, nicht wahr, das stimmt nicht, dass Sie als Handwerksbursch gereist sind?
Vorlage S. 317
133
DOBLER.
Vorlage S. 317
134
Ich war dreiviertel Jahr auf der Walze.
Vorlage S. 317
135
FRAU BOLLAND.
Vorlage S. 317
136
Walze! So was Echtes!
Vorlage S. 317
137
FRÄULEIN KOCH-PINNEBERG.
Vorlage S. 317
138
Das stelle ich mir fein vor, als Handwerksbursch wandern.
Vorlage S. 317
139
DOBLER.
Vorlage S. 317
140
Ja, wenn man soviel Geld hat, dass man sich wenigstens ein Stück Brot kaufen kann. Aber es kommt auch anders. Wir waren damals zu dritt und sind von Basel aufwärts, einmal links und einmal rechts über den Rhein. In Worms ging uns das Geld aus, und da war nichts zu machen, als fechten.
Vorlage S. 317
141
FRAU BOLLAND
Vorlage S. 317
142
verständnislos.
Vorlage S. 317
143
Was ist das? Fechten?
Vorlage S. 317
144
DOBLER
Vorlage S. 317
145
pathetisch.
Vorlage S. 317
146
Betteln, gnädige Frau. Betteln ums liebe Brot.
Vorlage S. 317
147
Alle schweigen. In die Stille tönt laut die Stimme des Dieners, der Liköre serviert: Cognac vieux! Fine Champagne! Chartreuse!
Vorlage S. 317
148
BEERMANN
Vorlage S. 317
149
nimmt ein Glas.
Vorlage S. 317
150
Einem gebildeten Menschen muss so was unangenehm sein. Was?
Vorlage S. 317
151
DOBLER
Vorlage S. 317
152
nimmt ein Glas Kognak.
Vorlage S. 317
153
Ja nu! Trinkt. Die Empfindlichkeit verliert sich. Das erstemal will's nicht gehen, aber dann lernt sich's. Einen heißen Tag auf der Landstraße, dass man jeden Nagel spürt. Und der Staub verklebt die Augen, und immer weiter und weiter. Dann kommt der Abend. Vor einem liegt das Dorf, aus allen Schornsteinen raucht es und heimelt an. Da zieht man den Hut und bettelt um die warme Suppe. Kleine Pause.
Vorlage S. 317
154
WASNER
Vorlage S. 317
155
im tiefen Basse.
Vorlage S. 317
156
Heimatkunst!
Vorlage S. 317
157
BOLLAND.
Vorlage S. 317
158
Mich erinnert die Geschichte kolossal an meinen seligen Vater.
Vorlage S. 317
159
FRAU BOLLAND.
Vorlage S. 317
160
Aber Adolf!
Vorlage S. 317
161
BOLLAND.
Vorlage S. 317
162
Wenn ich dir sage ...
Vorlage S. 317
163
FRAU BOLLAND.
Vorlage S. 317
164
Wie kann man so was vergleichen: Herr Dobler ist ein berühmter Dichter geworden.
Vorlage S. 317
165
BOLLAND.
Vorlage S. 318
166
Na, vielleicht kann man behaupten, dass es mein Vater auch zu was gebracht hat. Als er starb, standen über vierhundert Arbeiter an seinem Sarge.
Vorlage S. 318
167
FRAU BOLLAND
Vorlage S. 318
168
ungeduldig.
Vorlage S. 318
169
Das weiß man schon ... Herr Dobler, haben Sie schon als Handwerksbursche Gedichte gemacht?
Vorlage S. 318
170
DOBLER.
Vorlage S. 318
171
Nein. Das kam später.
Vorlage S. 318
172
FRAU BOLLAND.
Vorlage S. 318
173
Ich muss Ihren Roman gleich noch einmal lesen. Wo ich jetzt das Persönliche weiß ...
Vorlage S. 318
174
FRAU BEERMANN
Vorlage S. 318
175
zu Wasner.
Vorlage S. 318
176
Sie wollten doch singen, Herr Professor? Effie wird Sie begleiten.
Vorlage S. 318
177
WASNER.
Vorlage S. 318
178
Wenn das gnädige Fräulein die Liebenswürdigkeit haben will ... aber ich weiß nicht, ob ich bei Stimme bin ...
Vorlage S. 318
179
FRAU BOLLAND.
Vorlage S. 318
180
Sie singen so grrroß-artig!
Vorlage S. 318
181
WASNER
Vorlage S. 318
182
im Abgehen.
Vorlage S. 318
183
Aber die vielen Versammlungen jetzt! Die Politik ruiniert auch die Stimme.
Vorlage S. 318
184
FRÄULEIN KOCH-PINNEBERG.
Vorlage S. 318
185
Machen Sie uns die Freude.
Vorlage S. 318
186
Frau Bolland, Frau Beermann, Wasner, Frl. Koch, Effie ab ins Musikzimmer.
Vorlage S. 318
187
Zweite Szene
Vorlage S. 318
188
Herr Beermann. Herr Bolland. Dobler. Dr. Hauser.
Vorlage S. 318
189
BEERMANN.
Vorlage S. 318
190
Schade, dass der Professor singt. Sonst könnten wir unsern Skat anfangen. Darf ich noch Kognak anbieten?
Vorlage S. 318
191
HAUSER.
Vorlage S. 318
192
Nein. Danke.
Vorlage S. 318
193
DOBLER.
Vorlage S. 318
194
Wirklich nicht.
Vorlage S. 318
195
Bolland hat sich auf das Sofa gesetzt; Hauser, Dobler setzen sich auf Stühle. Beermann nimmt sich eine neue Zigarre. Ein Lohndiener geht ins Musikzimmer; wenn er die Tür öffnet, hört man Töne eines Pianos.
Vorlage S. 318
196
BOLLAND.
Vorlage S. 318
197
Wie ich Ihnen sagte, Herr Dobler: Ihre Geschichte vorhin hat mich kolossal an meinen Vater erinnert.
Vorlage S. 318
198
HAUSER.
Vorlage S. 318
199
An den Geheimen Kommerzienrat Bolland?
Vorlage S. 318
200
BOLLAND
Vorlage S. 318
201
setzt sich zurück; schlägt ein Bein übers andere.
Vorlage S. 318
202
Der aber nicht immer der reiche Kommerzienrat war. Sich zu Dobler wendend. Stellen Sie sich vor, eine Winterlandschaft. Strenge Kälte, alles in Schnee gehüllt, grauer Himmel. Es schneit und schneit, da geht, oder, besser gesagt, da wankt auf der Straße von Perleberg, die durch den Perleberger Forst führt, ein junger Mensch. Ein halbverhungerter, junger Mensch.
Vorlage S. 318
203
Macht affektiert eine Pause und klopft die Asche von der Zigarre. Aus dem Musikzimmer kommt der Lohndiener herein, holt ein Glas Wasser und geht wieder hinaus. Während er die Türe offen läßt, hört man Professor Wasner singen. Tremolierender Baßbariton.
Vorlage S. 319
204
In deinen Augen hab ich einst gelesen
Vorlage S. 319
205
Von Lieb' und Glück – von Lieb'
Vorlage S. 319
206
und Glück den Schein ...
Vorlage S. 319
207
Die Türe fällt ins Schloß, man hört nichts mehr.
Vorlage S. 319
208
BOLLAND
Vorlage S. 319
209
hat inzwischen weiter gesprochen.
Vorlage S. 319
210
Die Flocken fallen dichter und dichter, und weil der junge Mensch par tout nichts im Magen hatte, bekommt er 'ne Schwäche und setzt sich auf ein Bündel Reisig und schläft ein. Zum größten Glück kommt ein Perleberger Bürger des Wegs und sieht den halb eingeschneiten Jungen und nimmt ihn mit heim. Pausiert. Und dieser Junge wurde späterhin mein Vater ...
Vorlage S. 319
211
HAUSER.
Vorlage S. 319
212
Und Geheimer Kommerzienrat.
Vorlage S. 319
213
BOLLAND.
Vorlage S. 319
214
Und Geheimer Kommerzienrat. Zu Dobler. Aber sagen Sie selbst, ist das nicht merkwürdig? Ist das nicht 'n Roman?
Vorlage S. 319
215
DOBLER.
Vorlage S. 319
216
Ja, ja ...
Vorlage S. 319
217
BOLLAND.
Vorlage S. 319
218
Das könnten Sie doch sehr schön verwenden! Denken Sie, der arme Junge, die Schneelandschaft ...
Vorlage S. 319
219
HAUSER.
Vorlage S. 319
220
Das Bündel Reisig.
Vorlage S. 319
221
DOBLER.
Vorlage S. 319
222
Das Leben hat originelle Einfälle und spielt gerne mit Kontrasten.
Vorlage S. 319
223
BOLLAND.
Vorlage S. 319
224
Das ist das richtige Wort. Es spielt mit Kontrasten.
Vorlage S. 319
225
HAUSER.
Vorlage S. 319
226
Aber originell? Die Geschichte wiederholt sich zu oft.
Vorlage S. 319
227
BOLLAND.
Vorlage S. 319
228
Was wiederholt sich?
Vorlage S. 319
229
HAUSER.
Vorlage S. 319
230
Die Geschichte vom armen Jungen, der Millionär wird. Jede große Fabrik hat so'n Papa.
Vorlage S. 319
231
BOLLAND.
Vorlage S. 319
232
Glauben Sie?
Vorlage S. 319
233
HAUSER.
Vorlage S. 319
234
Und er wird immer noch ärmer. Ihr Sohn wird den Jungen ganz erfrieren lassen.
Vorlage S. 319
235
BOLLAND.
Vorlage S. 319
236
Ich gebe mein Ehrenwort, dass die Sache so war. Zu Dobler. Sie sollten sich den Stoff nicht entgehen lassen. Wie er das Geschäft gründete, und wie es allmählich wuchs und wuchs ... Frau Beermann kommt aus dem Musikzimmer. Man hört den Professor tremolieren. »Behüt dich Gott, es hat nicht sollen sein.« Dann wieder still.
Vorlage S. 319
237
DOBLER.
Vorlage S. 320
238
Eines ist sicher. Die Figur des self made man ist in Deutschland noch kaum literarisch verwendet.
Vorlage S. 320
239
BOLLAND
Vorlage S. 320
240
eifrig.
Vorlage S. 320
241
Das ist's ja, was ich sage. Immer diese Armeleutegeschichten! Aber dass 'n Mensch mal ordentlich verdient, dass 'n Mensch was wird, das ist doch auch poetisch!
Vorlage S. 320
242
HAUSER.
Vorlage S. 320
243
Wissen Sie was, lassen Sie Ihr Hauptbuch drucken.
Vorlage S. 320
244
Von links kommt Frau Lund, hinter ihr das Zimmermädchen.
Vorlage S. 320
245
Dritte Szene
Vorlage S. 320
246
Die Vorigen. Frau Lund.
Vorlage S. 320
247
FRAU BEERMANN
Vorlage S. 320
248
ihr lebhaft entgegeneilend.
Vorlage S. 320
249
Mama Lund! Das ist lieb, dass Sie kommen ...
Vorlage S. 320
250
FRAU LUND
Vorlage S. 320
251
heiter.
Vorlage S. 320
252
Immer gerne zu Ihnen. Guten Tag, meine Herren. Wo ist die kleine Effie?
Vorlage S. 320
253
FRAU BEERMANN.
Vorlage S. 320
254
Im Musikzimmer. Zum Mädchen. Bitte, sagen Sie meiner Tochter ...
Vorlage S. 320
255
FRAU LUND.
Vorlage S. 320
256
Nein, nein. Lassen Sie nur!
Vorlage S. 320
257
BEERMANN.
Vorlage S. 320
258
Darf ich Ihnen vorstellen? Herr Hans Jakob Dobler, unser berühmter Dichter.
Vorlage S. 320
259
FRAU LUND
Vorlage S. 320
260
Dobler die Hand reichend.
Vorlage S. 320
261
Ein berühmter Dichter? Das freut mich.
Vorlage S. 320
262
BOLLAND.
Vorlage S. 320
263
Der Verfasser des »Armen Hans«.
Vorlage S. 320
264
FRAU LUND
Vorlage S. 320
265
liebenswürdig zu Dobler.
Vorlage S. 320
266
Wenn ich jünger wäre, würde ich selbstverständlich so tun, als hätte ich's gelesen. Aber in meinem Alter strengt das an. Was ist das »Der arme Hans«?
Vorlage S. 320
267
DOBLER.
Vorlage S. 320
268
Ein Roman, gnädige Frau.
Vorlage S. 320
269
BOLLAND.
Vorlage S. 320
270
Ein Meisterwerk!
Vorlage S. 320
271
FRAU LUND.
Vorlage S. 320
272
Dann ist meine Unkenntnis strafbar. Ich will sie bald gutmachen.
Vorlage S. 320
273
Vierte Szene
Vorlage S. 321
274
Vom Musikzimmer herein stürmt Frau Bolland, hinter ihr kommen Effie, Wasner und Fräulein Koch.
Vorlage S. 321
275
FRAU BOLLAND.
Vorlage S. 321
276
Es ist höchste Zeit. Ich muss in den Kunstverein. Zu Frau Lund. Guten Tag, gnädige Frau.
Vorlage S. 321
277
EFFIE
Vorlage S. 321
278
ist zu Frau Lund geeilt und küßt ihr die Hand.
Vorlage S. 321
279
Mama Lund!
Vorlage S. 321
280
FRAU LUND.
Vorlage S. 321
281
Wie geht's dir, kleiner Wildfang? Kommst du bald zu mir?
Vorlage S. 321
282
EFFIE.
Vorlage S. 321
283
Gerne, aber die Musikstunden, und der Vortrag von Professor Stöhr ...
Vorlage S. 321
284
FRAU LUND.
Vorlage S. 321
285
Und dies und das und deine achtzehn Jahre. Du hast ganz recht.
Vorlage S. 321
286
FRAU BOLLAND
Vorlage S. 321
287
zu Frau Beermann.
Vorlage S. 321
288
Effie darf doch mitkommen? Im Kunstverein sollen wun-der- volle Bilder sein.
Vorlage S. 321
289
FRAU BEERMANN
Vorlage S. 321
290
mit einem Blick auf Frau Lund.
Vorlage S. 321
291
Ich weiß nicht ...
Vorlage S. 321
292
FRAU LUND.
Vorlage S. 321
293
Aber natürlich soll sie gehen. Mit dem hübschen Kleid darf sie nicht daheim bleiben. Wir unterhalten uns schon mit den Herren.
Vorlage S. 321
294
FRAU BOLLAND.
Vorlage S. 321
295
Dann müssen wir uns eilen. Es ist höchste Zeit. Adieu, gute Frau Beermann. Es war recht pracht – voll bei Ihnen. Adieu, Frau Lund, es war zu hübsch, dass ich Sie noch gesehen habe. Adieu! Adieu! – Adolf!
Vorlage S. 321
296
BOLLAND.
Vorlage S. 321
297
Ja – Buzi?
Vorlage S. 321
298
FRAU BOLLAND.
Vorlage S. 321
299
Wir fahren um acht ins Theater. Der Wiener Gast soll großartig sein. Ab nach links. Effie und Fräulein Koch hinter ihr. Frau Bolland bleibt an der Türe stehen.
Vorlage S. 321
300
FRAU BOLLAND.
Vorlage S. 321
301
Herr Dobler, bitte, begleiten Sie uns; Sie können uns manches erklären.
Vorlage S. 321
302
DOBLER.
Vorlage S. 321
303
Wenn Sie gestatten. Gibt Frau Beermann die Hand und verbeugt sich gegen die übrigen.
Vorlage S. 321
304
BEERMANN.
Vorlage S. 321
305
Bald wieder, Herr Poet.
Vorlage S. 321
306
BOLLAND.
Vorlage S. 321
307
Und überlegen Sie sich mal den Stoff.
Vorlage S. 321
308
Dobler ab. Vorher sind Frau Bolland, Effie und Fräulein Koch links abgegangen.
Vorlage S. 321
309
Fünfte Szene
Vorlage S. 322
310
FRAU LUND.
Vorlage S. 322
311
Und jetzt bitte ich um eine Tasse Kaffee.
Vorlage S. 322
312
FRAU BEERMANN.
Vorlage S. 322
313
Sie sollen frischen bekommen. Zu dem Diener, der den Kaffeetisch abräumt. Sagen Sie in der Küche, dass man Kaffee macht.
Vorlage S. 322
314
Der Diener ab durch die Flügeltüre, währenddessen kommt Frau Bolland nochmal links unter die Türe.
Vorlage S. 322
315
FRAU BOLLAND.
Vorlage S. 322
316
Adolf!
Vorlage S. 322
317
BOLLAND.
Vorlage S. 322
318
Ja – Mausi?
Vorlage S. 322
319
FRAU BOLLAND.
Vorlage S. 322
320
Am Donnerstag geht der »Ring« an. Vergiss nicht auf die Vormerkungen!
Vorlage S. 322
321
BOLLAND.
Vorlage S. 322
322
Schon gut.
Vorlage S. 322
323
FRAU BOLLAND
Vorlage S. 322
324
im Abgehen.
Vorlage S. 322
325
Ich freue mich ra – send darauf. Ab.
Vorlage S. 322
326
Sechste Szene
Vorlage S. 322
327
Frau Lund hat sich auf das Sofa gesetzt, rechts neben ihr Frau Beermann. Beermann und Bolland haben gegenüber auf Stühlen Platz genommen. An das Sofa gelehnt neben Frau Beermann steht Hauser. Hinter Bolland steht Wasner.
Vorlage S. 322
328
FRAU LUND.
Vorlage S. 322
329
Sagen Sie doch, Herr Justizrat, wo stecken Sie immer?
Vorlage S. 322
330
HAUSER.
Vorlage S. 322
331
Leider im Bureau. Aber Sie waren an der Riviera?
Vorlage S. 322
332
FRAU LUND.
Vorlage S. 322
333
Vier Wochen in Monte Carlo. Kinder, ich habe gespielt, wie eine alte Russin!
Vorlage S. 322
334
BEERMANN.
Vorlage S. 322
335
Mit welchem Erfolg?
Vorlage S. 322
336
FRAU LUND.
Vorlage S. 322
337
Natürlich verloren. Ich stelle doch die Welt nicht auf den Kopf. Aber sagen Sie, Beermann, was erlebt man hier für Überraschungen! Sie sind Kandidat für den Reichstag?
Vorlage S. 322
338
BEERMANN.
Vorlage S. 322
339
Tja – man hat mich aufgestellt.
Vorlage S. 322
340
FRAU LUND.
Vorlage S. 322
341
Bei welcher Kulör?
Vorlage S. 322
342
BEERMANN.
Vorlage S. 322
343
Die vereinigten Liberal-Konservativen.
Vorlage S. 322
344
HAUSER.
Vorlage S. 322
345
Und die Konservativ-Liberalen.
Vorlage S. 322
346
FRAU LUND.
Vorlage S. 322
347
Früher war das doch ein Unterschied?
Vorlage S. 322
348
HAUSER.
Vorlage S. 322
349
Ja, früher!
Vorlage S. 322
350
BEERMANN.
Vorlage S. 322
351
Es ist aber jetzt eine Konstellation.
Vorlage S. 322
352
FRAU LUND
Vorlage S. 322
353
zu Frau Beermann.
Vorlage S. 322
354
Sie haben mir nie was gesagt, dass Ihr Mann Politiker ist.
Vorlage S. 322
355
FRAU BEERMANN.
Vorlage S. 323
356
Er ist es ja erst seit vierzehn Tagen.
Vorlage S. 323
357
FRAU LUND.
Vorlage S. 323
358
Wie schnell das kommen kann! Und gerade Sie!
Vorlage S. 323
359
BEERMANN.
Vorlage S. 323
360
Warum ich?
Vorlage S. 323
361
FRAU LUND.
Vorlage S. 323
362
Ich glaubte immer, dass Sie nicht einmal die Zeitung lesen.
Vorlage S. 323
363
BOLLAND.
Vorlage S. 323
364
Wir sind unserm Beermann von Herzen dankbar, dass er in der Stunde der Not dieses Opfer gebracht hat.
Vorlage S. 323
365
FRAU LUND.
Vorlage S. 323
366
Herr Kommerzienrat, wie Sie das sagen: Stunde der Not und Opfer bringen, da wären doch Sie der Mann für den Reichstag.
Vorlage S. 323
367
BOLLAND.
Vorlage S. 323
368
Ich bin zu prononciert nationalliberal.
Vorlage S. 323
369
HAUSER.
Vorlage S. 323
370
Ist das unheilbar?
Vorlage S. 323
371
BOLLAND.
Vorlage S. 323
372
Es macht jedenfalls meine Aufstellung unmöglich. Wir brauchten jemand, der sich nicht zu stark auf ein Parteiprogramm festgelegt hat.
Vorlage S. 323
373
FRAU LUND.
Vorlage S. 323
374
Das heißt also: unser Beermann wird Politiker, weil er kein Politiker ist.
Vorlage S. 323
375
HAUSER.
Vorlage S. 323
376
Was man eine Konstellation heißt.
Vorlage S. 323
377
BEERMANN.
Vorlage S. 323
378
Darf ich mir vielleicht eine Frage erlauben? Warum soll ich nicht Reichstagsabgeordneter werden?
Vorlage S. 323
379
HAUSER.
Vorlage S. 323
380
Das ist wahr. Sagen Sie selber, Frau Lund, warum soll er nicht?
Vorlage S. 323
381
BEERMANN.
Vorlage S. 323
382
Wenn ich Neuling bin, das war jeder einmal.
Vorlage S. 323
383
HAUSER.
Vorlage S. 323
384
Und man kann jeden Tag anfangen, ohne Befähigungsnachweis.
Vorlage S. 323
385
BOLLAND.
Vorlage S. 323
386
Das ist wieder der Jurist! Sie möchten wohl ein Examen einführen?
Vorlage S. 323
387
HAUSER.
Vorlage S. 323
388
Glauben Sie, es würde schaden?
Vorlage S. 323
389
BEERMANN
Vorlage S. 323
390
großartig.
Vorlage S. 323
391
Ich will Ihnen was sagen, lieber Herr Justizrat, wenn man im Leben steht, das ist mehr wert als Bücherweisheit. Wir haben überhaupt zu viel Juristen. Das ist unser Unglück.
Vorlage S. 323
392
FRAU LUND
Vorlage S. 323
393
lustig zu Frau Beermann.
Vorlage S. 323
394
Nu debattiert er schon!
Vorlage S. 323
395
BOLLAND
Vorlage S. 323
396
in nachlässiger Pose.
Vorlage S. 323
397
Ich habe eine Seifenfabrik, wie Ihnen wohl bekannt ist. Ich beschäftige vierhundertzweiundsechzig Arbeiter; sage und schreibe mit Worten vierhundertzwei – und sechzig Arbeiter, deren Wohl und Wehe in meiner Hand liegt. Ja, glauben Sie, das verlangt keine Umsicht?
Vorlage S. 323
398
HAUSER.
Vorlage S. 323
399
Aber ...
Vorlage S. 323
400
BOLLAND
Vorlage S. 324
401
ihn unterbrechend.
Vorlage S. 324
402
Glauben Sie, dass diese Sorge ums Detail, und dann wieder die Übersicht übers Ganze, glauben Sie, dass das nichts ist?
Vorlage S. 324
403
HAUSER.
Vorlage S. 324
404
Aber unser Beermann hatte doch nie eine Seifenfabrik!
Vorlage S. 324
405
BEERMANN.
Vorlage S. 324
406
Warum reden wir, wenn Sie Witze machen?
Vorlage S. 324
407
HAUSER.
Vorlage S. 324
408
Ich verstehe den Zusammenhang nicht recht ...
Vorlage S. 324
Historisches Bildnis von Ludwig Thoma
Kontextbild zum Werk. Historisches Bildnis von Ludwig Thoma — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Karl Klimsch · Public domain Bildquelle ↗
409
BEERMANN.
Vorlage S. 324
410
Jedenfalls kann ich mit dem Buchbinder konkurrieren, den die Sozialdemokraten aufgestellt haben.
Vorlage S. 324
411
BOLLAND.
Vorlage S. 324
412
Und besitzen etwas mehr Erfahrung, nicht wahr? 'n Horizont, nicht wahr?
Vorlage S. 324
413
FRAU LUND.
Vorlage S. 324
414
Aber ich habe noch etwas gehört, was mir gar nicht gefallen hat.
Vorlage S. 324
415
BEERMANN.
Vorlage S. 324
416
Von mir?
Vorlage S. 324
417
FRAU LUND.
Vorlage S. 324
418
Von Ihnen. Sie sind der Vorstand des neuen Sittlichkeitsvereins? Warum machen Sie so was? Das ist nicht nett.
Vorlage S. 324
419
FRAU BEERMANN.
Vorlage S. 324
420
Bravo! Dass Sie das auch sagen!
Vorlage S. 324
421
BEERMANN.
Vorlage S. 324
422
Was heißt Bravo? Wenn mich ehrenhafte Männer zu ihrem Präsidenten wählen, ist das bloß schmeichelhaft.
Vorlage S. 324
423
FRAU LUND.
Vorlage S. 324
424
Es passt nicht zu Ihnen, und es ist Ihnen nicht ernst.
Vorlage S. 324
425
FRAU BEERMANN.
Vorlage S. 324
426
Es ist so falsch wie nur etwas, und du redest dabei lauter Sachen, an die du nie gedacht hast.
Vorlage S. 324
427
BEERMANN.
Vorlage S. 324
428
Erlaub du mir! Ich muss besser wissen, was mir ernst ist.
Vorlage S. 324
429
FRAU LUND.
Vorlage S. 324
430
Auf der Welt ist mir nichts so zuwider wie ein Bußprediger. Aber wenn's einer schon sein will ... Dann muss er nach dem alten Rezept Heuschrecken essen. Mit Moselwein und Hummerscheren stimmt's nicht.
Vorlage S. 324
431
BEERMANN.
Vorlage S. 324
432
An Heuschrecken kann ich mich nicht mehr gewöhnen.
Vorlage S. 324
433
FRAU LUND.
Vorlage S. 324
434
Warum gewöhnen Sie sich an diese Moral?
Vorlage S. 324
435
BOLLAND.
Vorlage S. 324
436
Die Damen wissen offenbar nicht, welche Ziele unser Verein verfolgt. Sie würden jedes Wort unterschreiben, das in unsern Satzungen steht.
Vorlage S. 324
437
FRAU LUND.
Vorlage S. 324
438
Das möchte ich mir recht energisch verbitten.
Vorlage S. 324
439
BOLLAND
Vorlage S. 324
440
greift in die Brusttasche.
Vorlage S. 324
441
Aber so lesen Sie doch unsern Aufruf!
Vorlage S. 324
442
FRAU LUND
Vorlage S. 324
443
ablehnend.
Vorlage S. 324
444
Ich danke.
Vorlage S. 324
445
BOLLAND.
Vorlage S. 325
446
Jede Frau muss glücklich sein, wenn sie das liest.
Vorlage S. 325
447
FRAU LUND.
Vorlage S. 325
448
Meinen Sie? Ich finde die Vereinsmeierei nur komisch. Sie treffen sich also nicht bloß zum Kegelschieben, Sie müssen auch miteinander moralisch sein?
Vorlage S. 325
449
HAUSER.
Vorlage S. 325
450
Und dabei denke ich immer an Hungerkünstler, die heimlich essen.
Vorlage S. 325
451
WASNER.
Vorlage S. 325
452
Man kann jede Überzeugung lächerlich machen, wenn man sie für unehrlich erklärt. Dafür soll man Beweise haben.
Vorlage S. 325
453
HAUSER.
Vorlage S. 325
454
Herr Professor, die Höflichkeit verlangt, dass man jeden einzelnen für eine Ausnahme hält, aber nicht ganze Vereine.
Vorlage S. 325
455
BOLLAND.
Vorlage S. 325
456
Ich muss sagen, das ist bedauerlich, wenn eine schöne große Bewegung so abgetan wird mit ein paar Worten. Das verbittert einen, der ehrlich an der Gesundung unseres Volkes arbeitet.
Vorlage S. 325
457
FRAU LUND.
Vorlage S. 325
458
Wo haben Sie Ihr Patent erworben, dass Sie Arzt sein dürfen?
Vorlage S. 325
459
WASNER.
Vorlage S. 325
460
Jeder soll Arzt sein.
Vorlage S. 325
461
HAUSER.
Vorlage S. 325
462
Ich bleibe Patient. Ein paar brauchen Sie doch, sonst haben Sie nichts mehr zu kurieren.
Vorlage S. 325
463
BEERMANN.
Vorlage S. 325
464
Man kann sich leicht darüber lustig machen. Ich habe früher selbst solche Witze gemacht; aber wenn man die Sache von der ernsten Seite nimmt, wenn einem erst die Augen geöffnet werden ...
Vorlage S. 325
465
FRAU BEERMANN.
Vorlage S. 325
466
Es ist unerträglich, was du für Redensarten gelernt hast.
Vorlage S. 325
467
BEERMANN.
Vorlage S. 325
468
Wir können uns ja eine Szene machen.
Vorlage S. 325
469
FRAU BEERMANN.
Vorlage S. 325
470
Jetzt sind wir sechsundzwanzig Jahre verheiratet. Haben Glück gehabt mit den Kindern. Was gehen dich andere Leute an?
Vorlage S. 325
471
BEERMANN.
Vorlage S. 325
472
Das ist nicht logisch, meine Liebe. Gerade weil ich meine Kinder gut erzogen habe, kann ich mitreden ...
Vorlage S. 325
473
FRAU BEERMANN.
Vorlage S. 325
474
Du hast dich sehr geplagt mit der Erziehung!
Vorlage S. 325
475
BEERMANN.
Vorlage S. 325
476
Offenbar habe ich nichts versäumt.
Vorlage S. 325
477
FRAU LUND.
Vorlage S. 325
478
Am Ende prahlen Sie doch mit einer Kraft, die Sie nicht ausprobiert haben?
Vorlage S. 325
479
BEERMANN.
Vorlage S. 325
480
Die ich nicht ausprobiert habe! Gute Frau Lund, an jeden Mann kommt die Versuchung. Was weiß eine Frau davon?
Vorlage S. 325
481
FRAU LUND.
Vorlage S. 326
482
Jedenfalls erfährt sie nicht, wie es ausgeht.
Vorlage S. 326
483
BOLLAND.
Vorlage S. 326
484
Gestatten Sie! Unsere Bewegung ist für die Frauen gemacht. Was Sie als Frau schätzen, finden Sie bei uns.
Vorlage S. 326
485
FRAU LUND.
Vorlage S. 326
486
Nein. Wir Frauen schätzen auch die Sparsamkeit, und wir sehen es nicht gerne, wenn die Männer mehr Moral ausgeben, als sie haben.
Vorlage S. 326
487
BOLLAND.
Vorlage S. 326
488
Bleiben wir ernsthaft! Die öffentlichen Mißstände müssen Sie mehr verletzen als uns.
Vorlage S. 326
489
FRAU LUND.
Vorlage S. 326
490
Es gehört schon die männliche Gefühlsstärke dazu, um sich durch das Elend verletzt zu fühlen.
Vorlage S. 326
491
WASNER.
Vorlage S. 326
492
Sie sprechen von Elend, wie wir von Laster.
Vorlage S. 326
493
FRAU LUND.
Vorlage S. 326
494
Darum werden wir uns nie einigen.
Vorlage S. 326
495
FRAU BEERMANN.
Vorlage S. 326
496
Und jedenfalls soll sich mein Mann nicht als Beispiel hinstellen, weil er nicht weiß, was Sorge oder Elend ist.
Vorlage S. 326
497
BEERMANN.
Vorlage S. 326
498
Mit solchen Grundsätzen lässt sich nichts anfangen.
Vorlage S. 326
499
FRAU LUND.
Vorlage S. 326
500
Bitte, keine Grundsätze!
Vorlage S. 326
501
BOLLAND.
Vorlage S. 326
502
Sie werden aus Opposition sagen, dass Sie andere haben als wir.
Vorlage S. 326
503
FRAU LUND.
Vorlage S. 326
504
Ich werde sagen, dass ich keine habe.
Vorlage S. 326
505
BOLLAND UND WASNER
Vorlage S. 326
506
gleichzeitig.
Vorlage S. 326
507
Aber gnädige Frau!
Vorlage S. 326
508
FRAU LUND.
Vorlage S. 326
509
Ich kann nichts dafür. Das Leben hat sie aufgefressen. Ich habe gesehen, dass alle Grundsätze Löcher haben, durch die man sich und seine Lieben schlüpfen lässt. Und man hat also nur die Wahl, seine Grundsätze ehrlich aufzugeben, oder sie unehrlich auf andere anzuwenden.
Vorlage S. 326
510
WASNER.
Vorlage S. 326
511
Echte Grundsätze gibt man nicht auf.
Vorlage S. 326
512
HAUSER
Vorlage S. 326
513
ironisch.
Vorlage S. 326
514
Bravo!
Vorlage S. 326
515
BOLLAND.
Vorlage S. 326
516
Für mich ist Moral einfach Naturgebot. Die Stimme der Natur.
Vorlage S. 326
517
FRAU LUND.
Vorlage S. 326
518
Warum gründen Sie dann Sittlichkeitsvereine? Glauben Sie, dass Ihre Statuten stärker sind als die Stimme der Natur?
Vorlage S. 326
519
WASNER.
Vorlage S. 326
520
Darf ich hier eine Bemerkung einstreuen?
Vorlage S. 326
521
BEERMANN.
Vorlage S. 326
522
Hört!
Vorlage S. 326
523
WASNER
Vorlage S. 326
524
den Bart streichend.
Vorlage S. 326
525
Vielleicht kommen wir zu einem abschließenden Urteil, wenn wir sagen: Es ist das schöne Vorrecht der Frauen, dass Ihnen gewisse Dinge fremd bleiben dürfen, mit denen uns – leider – das Leben bekannt macht.
Vorlage S. 326
526
HAUSER.
Vorlage S. 326
527
Leider?
Vorlage S. 326
528
WASNER.
Vorlage S. 327
529
Ich bitte, mich einen Augenblick nicht zu unterbrechen. Ich sage allerdings: leider. Seit vier Jahren verfolge ich aufmerksam die obszöne Produktion, und ich habe davon eine Sammlung angelegt, die heute wohl die vollständigste ist. Ich rede also von einer Sache, über die ich genau informiert bin. Sich steigernd. Es ist unglaublich, bis zu welchem Gipfel der Gemeinheit man heute gelangt ist!
Vorlage S. 327
530
FRAU LUND.
Vorlage S. 327
531
Und Sie sind der Sammler dieser Gemeinheit?
Vorlage S. 327
532
WASNER.
Vorlage S. 327
533
Glauben Sie mir: ich habe mich mit Abscheu dieser Aufgabe unterzogen.
Vorlage S. 327
534
HAUSER.
Vorlage S. 327
535
Herr Professor, ich habe noch keinen Menschen gesehen, der freiwillig vier Jahre lang etwas tut, was ihm unangenehm ist.
Vorlage S. 327
536
WASNER.
Vorlage S. 327
537
Das durfte nicht gesagt werden!
Vorlage S. 327
538
HAUSER.
Vorlage S. 327
539
Irgendeine Befriedigung werden Sie dabei finden.
Vorlage S. 327
540
WASNER.
Vorlage S. 327
541
Dann glauben Sie an die Befriedigung, welche mir die Rettung unseres Volkes gewährt.
Vorlage S. 327
542
FRAU LUND.
Vorlage S. 327
543
Wo soll denn die Rettung sein? Man wird immer mit Erfolg auf die Geschmacklosigkeit spekulieren. Das beweisen auch die sittlichen Kunstwerke, die gefallen.
Vorlage S. 327
544
WASNER.
Vorlage S. 327
545
Es handelt sich um Schlimmeres als um Geschmacklosigkeit.
Vorlage S. 327
546
FRAU LUND.
Vorlage S. 327
547
Es gibt nichts Schlimmeres.
Vorlage S. 327
548
WASNER
Vorlage S. 327
549
beschwörend.
Vorlage S. 327
550
Wenn Sie wüssten!
Vorlage S. 327
551
FRAU LUND.
Vorlage S. 327
552
Ich brauche Ihre Galerie nicht zu sehen. Ich sage Ihnen nur, dass mich das schmutzigste Bild nicht stärker abstoßen könnte als die Art, wie Sie in Ihren Versammlungen reden.
Vorlage S. 327
553
BEERMANN.
Vorlage S. 327
554
Oh! Oh!
Vorlage S. 327
555
FRAU LUND.
Vorlage S. 327
556
Die seelischen Nuditäten sind ekelhaft; nicht die körperlichen. Kein Laster ist so widerwärtig wie die Tugend, die sich vor der Öffentlichkeit entblößt. Das Laster hat doch wenigstens die Scham sich zu verstecken!
Vorlage S. 327
557
BEERMANN
Vorlage S. 327
558
zu Bolland.
Vorlage S. 327
559
Verstehen Sie das eigentlich?
Vorlage S. 327
560
BOLLAND.
Vorlage S. 327
561
Ich muss offen gestehen: Nein.
Vorlage S. 327
562
WASNER.
Vorlage S. 327
563
Gnädige Frau sagten: Das Laster versteckt sich. Aber deshalb existiert es doch!
Vorlage S. 327
564
BOLLAND.
Vorlage S. 327
565
Das ist das richtige Wort: Es existiert!
Vorlage S. 327
566
WASNER.
Vorlage S. 327
567
Sollen wir es dulden, weil es sich in dunkle Winkel verkriecht?
Vorlage S. 327
568
FRAU LUND.
Vorlage S. 328
569
Es wird weniger dunkle Winkel finden, wenn die Sonne heller in die Welt scheint.
Vorlage S. 328
570
BOLLAND.
Vorlage S. 328
571
Würden Sie auch dann gegen uns sein, wenn Sie einen Sohn hätten, der den Verführungen der Großstadt ausgesetzt wäre?
Vorlage S. 328
572
FRAU LUND.
Vorlage S. 328
573
Es würde mir leid tun, wenn ich aus persönlichem Grunde aufhören könnte, frei zu denken.
Vorlage S. 328
574
BEERMANN.
Vorlage S. 328
575
Stellen Sie sich das vor! Ein blühender junger Mensch in den Händen eines schlechten Geschöpfes!
Vorlage S. 328
576
FRAU LUND.
Vorlage S. 328
577
Ich könnte mir was Schlimmeres denken.
Vorlage S. 328
578
BEERMANN.
Vorlage S. 328
579
Noch schlimmer?
Vorlage S. 328
580
FRAU LUND.
Vorlage S. 328
581
Zum Beispiel: Wenn er mit der Gläubigkeit der Jugend bei Ihrem Sittlichkeitsverein mittäte.
Vorlage S. 328
582
BOLLAND.
Vorlage S. 328
583
Na aber!
Vorlage S. 328
584
BEERMANN.
Vorlage S. 328
585
Ihnen ist heute gar nichts ernst.
Vorlage S. 328
586
FRAU LUND.
Vorlage S. 328
587
Sehr ernst. Ein junger Mann kommt vielleicht doch dazu, dass er für das schlechte Geschöpf – wie Sie sagen – Mitleid empfindet. Dann hat er etwas Wirkliches für seine Moral gewonnen. Und bliebe ihm das als tiefer Eindruck, dann hätte ihm das Geschöpf eine bessere Lehre gegeben als irgendwer mit schönen Worten.
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588
BOLLAND.
Vorlage S. 328
589
Ich bin einfach starr.
Vorlage S. 328
590
WASNER.
Vorlage S. 328
591
Und unserem Verein, dem trauen Sie einen schlechten Einfluss zu?
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592
FRAU LUND
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593
sehr bestimmt.
Vorlage S. 328
594
Ja.
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595
BOLLAND
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596
ironisch.
Vorlage S. 328
597
Natürlich, die Universitätsprofessoren, die bei uns sind, und die Konsistorialräte ... oder ein General ... die verderben selbstverständlich die Jugend! Im Gegensatz zu den braven Mädchen!
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598
WASNER.
Vorlage S. 328
599
Und was soll denn der schlechte Einfluss sein?
Vorlage S. 328
600
FRAU LUND
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601
wärmer.
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602
Dass der junge Mensch Selbstgerechtigkeit für eine gute Sache ansieht, dass er sich Härte angewöhnt, dass er sich für immer die Möglichkeit nimmt, das Leben zu verstehen und ein hilfreicher Mensch zu werden.
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603
BOLLAND.
Vorlage S. 328
604
Was das für Worte sind für eine solche Sache!
Vorlage S. 328
605
FRAU BEERMANN.
Vorlage S. 328
606
Das sind prächtige Worte, und ich würde mich auch bedanken, wenn mein Junge so ein Tugendheld würde!
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607
BEERMANN.
Vorlage S. 328
608
Lina, dir verbiete ich ganz einfach, so was zu sagen.
Vorlage S. 328
609
FRAU BEERMANN.
Vorlage S. 329
610
Wirklich?
Vorlage S. 329
611
BEERMANN.
Vorlage S. 329
612
Von Frau Lund weiß man, dass sie freigeistig ist, aber du brauchst dir das nicht anzugewöhnen.
Vorlage S. 329
613
FRAU BEERMANN.
Vorlage S. 329
614
Ich nehme nicht so schnell Gewohnheiten an wie du.
Vorlage S. 329
615
HAUSER
Vorlage S. 329
616
zu Beermann.
Vorlage S. 329
617
Nur nicht aufregen! Sie müssen als Politiker erlauben, dass man seine Meinung sagt.
Vorlage S. 329
618
WASNER.
Vorlage S. 329
619
Und dann sage ich als Lehrer der Jugend: ich wünsche von Herzen, sie möge auch fernerhin, und sie möge immer mehr ihre Ideale bei hochgesinnten Männern suchen, und nicht in dunkeln Gassen!
Vorlage S. 329
620
BOLLAND.
Vorlage S. 329
621
Und nicht in dunkeln Gassen, meine Damen!
Vorlage S. 329
622
FRAU LUND.
Vorlage S. 329
623
Aber auch nicht dort, Herr Kommerzienrat, wo man dem natürlichen Empfinden das Schamtuch wegreißt und ihm jeden heimlichen Reiz nimmt.
Vorlage S. 329
624
WASNER
Vorlage S. 329
625
grimmig.
Vorlage S. 329
626
Den Reiz wollen wir allerdings nehmen.
Vorlage S. 329
627
FRAU LUND.
Vorlage S. 329
628
Sie verstehen es gut. In Ihren Versammlungen herrscht ein Ton, der alle Zartheit aus der Welt bringt.
Vorlage S. 329
629
WASNER.
Vorlage S. 329
630
Es liegt nicht in unserm Volkscharakter, gewisse Dinge zu beschönigen.
Vorlage S. 329
631
FRAU LUND.
Vorlage S. 329
632
Warum sagt man Volkscharakter für schlechte Manieren?
Vorlage S. 329
633
WASNER.
Vorlage S. 329
634
Weil es deutsch ist, eine Sache beim rechten Namen zu nennen.
Vorlage S. 329
635
BEERMANN
Vorlage S. 329
636
aufstehend.
Vorlage S. 329
637
Fangen wir lieber mit unserm Skat an! Wir kommen doch zu keinem Resultat.
Vorlage S. 329
638
BOLLAND.
Vorlage S. 329
639
Weil eben hier zwei verschiedene Weltanschauungen aufeinanderstoßen.
Vorlage S. 329
640
Beermann geht nach links an den Spieltisch, holt aus der Schublade ein Spiel Karten und nimmt die
Vorlage S. 329
641
Enveloppe ab.
Vorlage S. 329
642
BEERMANN.
Vorlage S. 329
643
Es ist immer das Alte. Man soll nicht mit Frauen streiten, weil man nie recht bekommt. Er setzt sich auf den Spieltisch. Bolland ist aufgestanden und setzt sich neben ihn.
Vorlage S. 329
644
FRAU LUND
Vorlage S. 329
645
lacht.
Vorlage S. 329
646
Das war wieder recht aus dem Bürgerherzen gesprochen.
Vorlage S. 329
647
WASNER.
Vorlage S. 329
648
Ich möchte das Thema nicht noch einmal berühren; aber wenn Sie vielleicht den Eindruck gewonnen haben, dass ich in dieser Sache einseitig urteile, so gebe ich Ihnen das sofort zu.
Vorlage S. 329
649
BEERMANN
Vorlage S. 330
650
ruft.
Vorlage S. 330
651
Kommen Sie doch, Herr Professor!
Vorlage S. 330
652
WASNER
Vorlage S. 330
653
gegen den Spieltisch.
Vorlage S. 330
654
Sofort. Zu den andern. Ich gebe es mit Stolz zu, dass ich einseitig bin, denn für mich gibt es nur die eine Frage: Wie nütze ich meinem Volke?
Vorlage S. 330
655
HOLLAND
Vorlage S. 330
656
ruft.
Vorlage S. 330
657
Herr Professor!
Vorlage S. 330
658
WASNER
Vorlage S. 330
659
gegen den Spieltisch.
Vorlage S. 330
660
Im Moment! Zu den andern. Das gibt für mich den Ausschlag. Das Mark unseres Volkes erhalten, und darin weiß ich mich sicher gegen alle Scheingründe; denn dieses Streben ist zum mindesten ...
Vorlage S. 330
661
BEERMANN
Vorlage S. 330
662
laut.
Vorlage S. 330
663
Aber lieber Wasner!
Vorlage S. 330
664
WASNER
Vorlage S. 330
665
unbeirrt fortfahrend.
Vorlage S. 330
666
Denn dieses Streben ist zum mindesten national.
Vorlage S. 330
667
HAUSER.
Vorlage S. 330
668
Wollen Sie nicht lieber Skat spielen?
Vorlage S. 330
669
WASNER
Vorlage S. 330
670
geht zum Spieltisch.
Vorlage S. 330
671
Es erübrigt mir noch, um Entschuldigung zu bitten, falls ich etwas schroff gewesen sein sollte. Setzt sich.
Vorlage S. 330
672
BOLLAND.
Vorlage S. 330
673
Sie geben, Herr Professor.
Vorlage S. 330
674
WASNER
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675
mischt die Karten und spricht dabei.
Vorlage S. 330
676
Für mich gibt es nur ein Ideal. Das Tacitus einst bei unserm Volke gefunden hat. Quamquam severa illic martrimonia nec ullam morum partem magis laudaveris. Lässt abheben und gibt. Die eheliche Sitte ist streng, und sie bildet wohl die achtungswerteste Seite germanischer Zustände. Nam prope soli Barbarorum singulis uxoribus contenti sunt. Die Germanen sind fast das einzige Barbarenvolk, welches sich mit einem Weibe begnügt.
Vorlage S. 330
677
BEERMANN
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678
laut.
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679
Turnee!
Vorlage S. 330
680
BOLLAND.
Vorlage S. 330
681
Halt ich.
Vorlage S. 330
682
BEERMANN.
Vorlage S. 330
683
Zwanzig.
Vorlage S. 330
684
BOLLAND.
Vorlage S. 330
685
Halt ich.
Vorlage S. 330
686
BEERMANN.
Vorlage S. 330
687
Dann rin ins Vergnügen!
Vorlage S. 330
688
BOLLAND.
Vorlage S. 330
689
Gras – Solo! Sie spielen. Hauser, Frau Lund und Frau Beermann sitzen rechts.
Vorlage S. 330
690
FRAU LUND.
Vorlage S. 330
691
Nun ist Deutschland ruhig.
Vorlage S. 330
692
HAUSER.
Vorlage S. 330
693
Ja, und warum haben wir uns eigentlich echauffiert? Die sind uns über. Erst rühren sie Weltanschauungen um, dann holen sie sich Karten und kehren zu ihrer natürlichen Beschäftigung zurück.
Vorlage S. 330
694
FRAU LUND.
Vorlage S. 330
695
Und man fragt sich, ob man auf der richtigen Seite steht. Denn eine solche Gemütsruhe muss doch einen tiefen Fonds haben.
Vorlage S. 330
696
HAUSER.
Vorlage S. 331
697
Oder man fragt sich, warum diese braven Menschen jemals das Skatspielen unterbrechen, bloß um Dummheiten zu machen.
Vorlage S. 331
698
BEERMANN
Vorlage S. 331
699
vom Spieltisch herüber.
Vorlage S. 331
700
Ich habe gute Ohren.
Vorlage S. 331
701
HAUSER.
Vorlage S. 331
702
Das ist viel wert im vorgerückten Alter.
Vorlage S. 331
703
BOLLAND
Vorlage S. 331
704
eine Karte auf den Tisch schlagend.
Vorlage S. 331
705
Neunundfünfzig und vier macht dreiundsechzig. Die anderen können Sie haben. Sie werfen die Karten zusammen. Bolland nimmt sie und mischt.
Vorlage S. 331
706
WASNER
Vorlage S. 331
707
dreht sich halb gegen Hauser zu.
Vorlage S. 331
708
Und dann jene berühmte Stelle: Ergo septa pudicitia agunt, nullis spectaculorum illecebris corruptae.
Vorlage S. 331
709
BEERMANN.
Vorlage S. 331
710
Ich habe sechs Karten.
Vorlage S. 331
711
BOLLAND.
Vorlage S. 331
712
Die unterste gehört dem Professor.
Vorlage S. 331
713
WASNER
Vorlage S. 331
714
wie oben.
Vorlage S. 331
715
So lebt die Frau im Kreise keuscher Sitte dahin, und so weiter. Literarum secreta ... Heimliche Briefe kennt weder Mann noch Frau.
Vorlage S. 331
716
BEERMANN.
Vorlage S. 331
717
Jetzt hören Sie einmal auf mit Ihrem Tacitus! Sie müssen sich erklären.
Vorlage S. 331
718
WASNER.
Vorlage S. 331
719
Ich passe.
Vorlage S. 331
720
BOLLAND.
Vorlage S. 331
721
Ich auch.
Vorlage S. 331
722
BEERMANN
Vorlage S. 331
723
laut, freudig.
Vorlage S. 331
724
Grand Schneider, meine lieben Brüder!
Vorlage S. 331
725
WASNER
Vorlage S. 331
726
murmelnd.
Vorlage S. 331
727
Paucissima adulteria in tam numerosa gente ... Verstummt allmählich und spielt eifrig mit.
Vorlage S. 331
728
FRAU BEERMANN.
Vorlage S. 331
729
Sie können über das Getue lachen, aber ich leide darunter.
Vorlage S. 331
730
HAUSER.
Vorlage S. 331
731
Erlauben Sie mir, das wäre Gefühlsverschwendung!
Vorlage S. 331
732
FRAU LUND.
Vorlage S. 331
733
Liebes Kind, Sie dürfen das nicht tragisch nehmen. Die Männer wollen sich hie und da Gemütsbewegungen verschaffen.
Vorlage S. 331
734
HAUSER.
Vorlage S. 331
735
Und daheim kann man darüber lachen. Bloß die arme Regierung ist übel daran; die muss ein feierliches Gesicht dazu machen und manches tun, was sie nicht will.
Vorlage S. 331
736
FRAU LUND.
Vorlage S. 331
737
Die sollte eben auch Bescheid wissen.
Vorlage S. 331
738
HAUSER.
Vorlage S. 331
739
Weiß sie recht gut. Aber die Tugend, auch wenn sie unwahr ist, bleibt das Schöne an sich und darf amtlich nicht missbilligt werden,
Vorlage S. 331
740
FRAU LUND.
Vorlage S. 331
741
Darum kommt man nie aus der Verlogenheit heraus.
Vorlage S. 331
742
HAUSER.
Vorlage S. 332
743
Aber manchmal in die Verlegenheit hinein. Wir werden das allernächstens auch hier erleben.
Vorlage S. 332
744
FRAU BEERMANN.
Vorlage S. 332
745
Hier?
Vorlage S. 332
746
HAUSER.
Vorlage S. 332
747
Jawohl hier. Man hat gestern eine Frau verhaftet, die ein sehr gastfreies Haus führte. Aber ich vermute, dass der Polizei der Fund zu reichlich sein wird. Die Dame hat sehr gutes Publikum bei sich gesehen.
Vorlage S. 332
748
Beermann hat bei den letzten Worten aufgehorcht und zu Hauser hinübergesehen.
Vorlage S. 332
749
BOLLAND
Vorlage S. 332
750
schreit ärgerlich.
Vorlage S. 332
751
Aber Beermann, warum haben Sie den blauen Jungen nicht gebracht? Wenn Sie den blauen Jungen bringen, und dann Treff acht, dann komme ich mit Treff und Treff und nischt wie Treff ...
Vorlage S. 332
752
WASNER
Vorlage S. 332
753
zählend.
Vorlage S. 332
754
Ich habe einundsechzig.
Vorlage S. 332
755
BOLLAND
Vorlage S. 332
756
nimmt die Karten zusammen und mischt.
Vorlage S. 332
757
Sie machen keine Vierzig, wenn Beermann seinen blauen Jungen bringt und dann Treff acht. Ich spiele meine Foße an; er kommt in Stich und muss Ihren letzten Atout holen, und dann kommt Treff und Treff ...
Vorlage S. 332
758
BEERMANN
Vorlage S. 332
759
zu Hauser hinüber.
Vorlage S. 332
760
Was ist das mit der Dame, was Sie da gerade erzählt haben? Hm?
Vorlage S. 332
761
HAUSER.
Vorlage S. 332
762
Man hat sich bei ihr von seiner Ehrbarkeit erholt, und davor muss man die großen Kinder mit Vollbärten und Glatzen behüten.
Vorlage S. 332
763
BEERMANN.
Vorlage S. 332
764
Ich finde es allerdings richtig, wenn man dagegen einschreitet. Übrigens, wie heißt denn die Person?
Vorlage S. 332
765
BOLLAND.
Vorlage S. 332
766
Aber Beermann, nun merken Sie endlich auf das Spiel auf!
Vorlage S. 332
767
BEERMANN.
Vorlage S. 332
768
Ich wollte nur wissen ...
Vorlage S. 332
769
WASNER.
Vorlage S. 332
770
Ich reize.
Vorlage S. 332
771
BOLLAND.
Vorlage S. 332
772
Ich passe.
Vorlage S. 332
773
BEERMANN.
Vorlage S. 332
774
Ich auch. Sie spielen weiter, Beermann ist sichtlich zerstreut und horcht über seine Karten weg.
Vorlage S. 332
775
FRAU BEERMANN.
Vorlage S. 332
776
Ich verstehe nicht, warum die Polizei deshalb in Verlegenheit kommen soll? ...
Vorlage S. 332
777
HAUSER.
Vorlage S. 332
778
Weil sie den Glauben an die bevorzugte Menschheit nicht erschüttern darf. Der gehört zu unseren höchsten Gütern.
Vorlage S. 332
779
FRAU LUND.
Vorlage S. 332
780
Und ist in Gefahr?
Vorlage S. 332
781
HAUSER.
Vorlage S. 332
782
Ja, solche Laster ziehen immer einen Schweif von Tugend nach sich. Und in diesem Fall ist es besonders schlimm, weil die Dame ein Tagebuch geführt hat, und dieses Tagebuch hat man gefunden.
Vorlage S. 332
783
BOLLAND
Vorlage S. 333
784
wirft die Karten auf den Tisch und schreit.
Vorlage S. 333
785
Also das ist unerhört! Jetzt schmiert er dem Gegner eine Aß!
Vorlage S. 333
786
BEERMANN
Vorlage S. 333
787
steht auf und geht zu Hauser herüber.
Vorlage S. 333
788
Wie heißt denn die Person?
Vorlage S. 333
789
HAUSER.
Vorlage S. 333
790
Warten Sie mal! Sie hat 'n französischen Namen.
Vorlage S. 333
791
BEERMANN
Vorlage S. 333
792
betroffen.
Vorlage S. 333
793
Französisch?
Vorlage S. 333
794
HAUSER.
Vorlage S. 333
795
So einen, der nach Patschuli riecht.
Vorlage S. 333
796
BEERMANN
Vorlage S. 333
797
erregt.
Vorlage S. 333
798
Ich verstehe nicht, wie man den Namen vergessen kann! Wenn man so was erzählt!
Vorlage S. 333
799
HAUSER.
Vorlage S. 333
800
Ninon – – – Ninon ... de Hauteville.
Vorlage S. 333
801
BOLLAND
Vorlage S. 333
802
steht ebenfalls auf.
Vorlage S. 333
803
Was ist damit?
Vorlage S. 333
804
BEERMANN
Vorlage S. 333
805
bestürzt.
Vorlage S. 333
806
Sie sagen, die hat 'n Tagebuch?
Vorlage S. 333
807
HAUSER.
Vorlage S. 333
808
Einen ganzen Katalog.
Vorlage S. 333
809
FRAU BEERMANN
Vorlage S. 333
810
zu Beermann.
Vorlage S. 333
811
Was geht dich das an?
Vorlage S. 333
812
BEERMANN.
Vorlage S. 333
813
Ja, bin ich Präsident des Sittlichkeitsvereins oder bin ich es nicht?
Vorlage S. 333
814
Vorhang.
Vorlage S. 333

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Oft kommt es mir vor, als wäre ich nur rasch in …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Gerade weil ich meine Kinder gut erzogen habe, kann ich mitreden ...«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt enthält eine ausdrückliche Verneinung oder einen Ausschluss? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Aber ich habe noch etwas gehört, was mir gar nicht gefallen hat.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Davon hat man nun eigentlich gar keine Ahnung!« B: »An Heuschrecken kann ich mich nicht mehr gewöhnen.« C: »Warum sagt man Volkscharakter für schlechte Manieren?«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Ich sage Ihnen nur, dass mich das schmutzigste Bild nicht stärker …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Dass der junge Mensch […] für eine gute Sache ansieht, dass er sich Härte angewöhnt, dass er sich für immer die Möglichkeit nimmt, das Leben zu verstehen und ein hilfreicher Mensch zu werden.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »Weil« in diesem Textausschnitt? »Weil sie den Glauben an die bevorzugte Menschheit nicht erschüttern darf.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Liebes Kind, Sie dürfen …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »gleiche reden wie gestern bei den Konservativen«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.

Impulse zur Selbstprüfung

Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.

  • Situation oder Gedanke verständlich erklärt
  • Mindestens ein passender Textbeleg
  • Eigene Formulierungen statt bloßer Abschrift
Textstelle nachlesen ↗

2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »gleiche reden wie gestern bei den Konservativen« und »Weil sie den Glauben an die bevorzugte Menschheit nicht erschüttern darf.«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.

Impulse zur Selbstprüfung

Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.

  • Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
  • Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
  • Deutung und wörtlichen Beleg unterschieden
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »An Heuschrecken kann ich mich nicht mehr gewöhnen.«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.

Impulse zur Selbstprüfung

Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.

  • Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
  • Wirkung als begründete Deutung formuliert
  • Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
Textstelle nachlesen ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Sie kriegen zweitausend Stimmen mehr als der Sozialdemokrat.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Sie würden jedes Wort unterschreiben, das in unsern Satzungen steht.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Ja, bin ich Präsident des Sittlichkeitsvereins oder bin ich es nicht?«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Das deutschsprachige Original ist nach den geprüften Lebensdaten des Autors in Deutschland gemeinfrei. TextGrid und www.editura.de stellen den bearbeiteten Datenbestand unter CC BY 3.0 DE bereit.

Moral

Ludwig Thoma: Gesammelte Werke in sechs Bänden. Erweiterte Neuausgabe. Textredaktion: Albrecht Knaus, München: Piper, 1968. Thoma, Ludwig 313- München

Das Werk Moral von Thoma, Ludwig ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; underlying texts public domain per source Lizenz

Originalsprache · Deutsch

Unveränderte deutsche Quellfassung; die andere Spalte bietet eine gesonderte Lesefassung. Beide Ansichten gehören zu demselben Werk.

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Autorschaft und Ausgabe: Thoma, Ludwig

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Ludwig Thoma: Gesammelte Werke in sechs Bänden. Erweiterte Neuausgabe. Textredaktion: Albrecht Knaus, München: Piper, 1968. Thoma, Ludwig 313- München

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