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Marie Müller war die einzige Tochter eines wohlhabenden Bürgers in L., – sein Stolz und die Freude seines Alters. Ihre Schönheit zeichnete sie früh vor allen Mädchen ihres Standes aus, und ihr Vater sparte nichts, seinen Liebling auch durch eine sorgfältige Erziehung über sie zu erheben. Marie hatte Talente, und liebte ein häusliches Leben. In ihrer Eingezogenheit bildete sich ihr Verstand durch Lesen nützlicher Bücher, und ihre Gefühle wurden durch Nachdenken und Natur verfeinert und veredelt. Sie lernte Klavier, und begleitete ihr Spiel mit einer sanften, melodischen Stimme; jedoch nur im Geheim, um nicht verspottet zu werden, da sie wohl wusste, dass Vorurtheile den unteren Ständen jedes Streben nach höherer Ausbildung untersagen. Fast in allen weiblichen Arbeiten war sie Meisterin, und eine liebenswürdige Bescheidenheit erhöhte den Werth ihrer Talente. Sie übte sie nur, um ihrem Vater Freude zu machen, und ihre einsamen Stunden nützlich und angenehm zu beschäftigen. In einer glücklichen Verborgenheit gingen ihre Tage vorüber; – unbekannt mit der Welt und ihren verführerischen Freuden, hatte sich Marie freilich jenen feinen Ton höherer Stände nicht erworben, der den Geist fesselt, aber in ihrem ganzen Wesen herrschte mit zauberischer Allmacht jene reine Innigkeit der unverdorbenen, und doch gebildeten Natur, die unwiderstehlich zum Herzen dringt.
Als sie achtzehn Jahr alt war, sagte der Vater: Marie! es ist Zeit, dass ich an Deine Versorgung denke. Ich bin alt und schwach, und würde mit schwerem Herzen sterben, wenn ich Dich so allein zurücklassen müsste. Sage mir, hast Du noch auf keinen Mann gesehn, mit dem Du glücklich sein könntest? Ich will Dich nicht zwingen, nicht einmal überreden, aber wenn Du Den gefunden hast, den Du Deiner Liebe werth hältst, so entdecke Dich mir, und mache meine alten Tage froh durch Dein Zutrauen, und die Freude, Dich nach Deinem Herzen versorgt zu wissen.
Marie schlang ihre Arme um den redlichen Greis, und antwortete mit einer Träne und einem holden Erröthen: Guter Vater, red' Er nicht so ernsthaft von den Zeiten, wo ich Ihn verlieren werde. Er tut mir zu weh damit. Nicht um nach Seinem Tode, den der Himmel noch lange entfernen möge, einen Schutz zu haben, nein, um Seinem Willen zu gehorchen, will ich Ihm recht aufrichtig sagen, was ich denke. Mein Vetter Ludwig ist brav, und scheint mir gut zu sein. Ich fühle eine recht herzliche Freundschaft für ihn, und glaube, ich würde ihm einst gern meine Hand geben, wenn ich denn doch einmal heurathen muss.
O Marie! rief der glückliche Alte, Du hast meinen größten Wunsch erfüllt, ohne es zu wissen. Längst wollt' ich Dir ihn vorschlagen, und jetzt kömmst Du mir so freundlich zuvor. Er umarmte seine Tochter mit der ganzen Lebhaftigkeit seiner Freude.
Ludwig war der Sohn seines verstorbenen Bruders, ein offner, redlicher Jüngling, seit seinen Kinderjahren mit Marien erzogen. Die Unbefangenheit jenes fröhlichen Alters knüpfte schon früh das Band der festesten Freundschaft unter ihnen. Er hatte sich den Forstwissenschaften gewidmet. Unverdorben, wie die schöne Natur, in der er immer lebte, war sein Sinn, und innig seine Liebe zu Marien. Sie hatte schon in den Tagen der Kindheit sein junges Herz erfüllt, und war fester und ernster in spätern Jahren geworden. Wenn den wilden, brausenden Knaben nichts zu bändigen vermochte, so gelang es Marien mit ihrer milden, liebkosenden Stimme, die sich sanft und beruhigend in die Tiefen seiner Seele stahl. Ein freundlicher Blick, ein Wort von ihr ging ihm über alles, und lenkte alle seine Handlungen und Wünsche. Auch Marie empfand ein herzliches Wohlwollen für ihn. Leidenschaft war es nicht, die sie zu ihm hinzog, es war Kenntnis seines Innern, Achtung für seinen edeln Karakter, lang gewohnte Vertraulichkeit, und die Unwissenheit ihres unbefangenen Herzens, das die Liebe noch nicht kannte.
Nach ihrer Erklärung säumte Müller nicht lange, den Jüngling von seinem Glück zu unterrichten. Ludwig eilte herbey, und empfing Mariens Geständniß mit Entzücken. O Marie! rief der Freudetrunkne aus, wie reich macht mich Deine Liebe! Wann, wann willst Du mein sein? –
Sobald noch nicht, versetzte Marie. Du musst Dich erst noch mehr in der Welt umsehn, damit Dir dann ein ruhiges Leben desto besser behagt. O ich weiß wohl, wie Dirs zu Muth war, wenn wir so Sonntags hinaus an den Fluss gingen, und die Gegend breitete sich weit und fruchtbar vor uns aus; – wie Du dann hinstarrtest, mit unbeweglichen Augen, und mich oft fragtest, schon als wir noch Kinder waren, ob ich mich nicht auch hinüber sehnte über die blauen Berge, wie Du? Oder wenn wir in der Ferne ein Posthorn blasen hörten, wie Dich das ergriff! – Oder wenn ein leichter Reisewagen an uns vorüber rollte – da ward Dirs so eng um die Brust, und Thränen standen Dir oft in den Augen, dass mir's nur selten gelang, mit aller meiner Liebe Deinen finstern Unmuth zu zerstreuen. Geh, sieh Dich noch ein paar Jahre um, und dann – – Ihre Worte verloren sich in einen leisen Seufzer, und eine leichte Röthe flog über ihr Gesicht.
Vorlage S. 3
Kontextbild zum Werk. Porträt: Ahlefeld, Charlotte von · Ferdinand von Blumenbach
The original uploader was LSDSL at German Wikipedia. · Public domainBildquelle ↗
Es ward beschlossen, dass Ludwig einen Prinzen, der ihm vorzüglich wohl wollte, als Jäger noch ein oder zwei Jahr auf seinen Reisen begleiten sollte. Alsdann sollte er mit einem ihm angemessenen Dienst, der ihm versprochen war, die Hand seiner schönen Braut empfangen, eine Aussicht, die das Paradies vor ihm öffnete.
O ihr seligen Träume und Hoffnungen der Liebe, warum erfüllt euch die Wirklichkeit so selten? – Die Zeit der Abreise nahte heran. – Ludwig machte Anstalten, seinem neuen Berufe zu folgen. Lebe wohl, mein Freund! sagte Marie zu ihm in der Stunde des Abschieds. Gedenke meiner in der Entfernung, und kehre gut und brav wieder, wie Du von mir gehst.
Lebe wohl, Marie! antwortete Ludwig mit bebender Stimme, indem er ihr einen Ring von seinen Haaren gab, und große Thränen traten in sein redliches Auge. Darf ich Dir schreiben? – Schreib meinem Vater, Ludwig, versetzte Marie, und neigte sich in seine Umarmung. –
Ernsthaft stand Marie am Fenster, und sah ihm nach. Ihr ganzes Wesen bewegte sich mit Wärme für ihn. Er war so gut, er war so herzlich–nie fühlte sie das inniger als jetzt. Sie sah ihn noch, wie er vor ihr stand, im Schmerz der Trennung verloren, die hellen Thränen, die über die braune Wange flossen, den schüchternen Blick, der auf ihr ruhte, mit stillen Bitten um ihre Treue. Ja, ich werde glücklich mit ihm sein, rief sie, und ihr Auge hing noch immer an der Stelle, wo er verschwand. Sie setzte sich ans Fenster nieder, und versank in ernste Träumereyen.
Zwar oft, in ihren einsamen Stunden, hatte sich ihre Einbildungskraft ein Ideal entworfen, und diesem glich Ludwig nicht. Mit jeder männlichen Vollkommenheit geschmückt stand ein Bild vor ihrer Seele, dem sie huldigte in stiller Liebe; – aber ach, wo sollte sie den finden, dem es ähnlich war? O wie würde ich ihn lieben, seufzte sie oft, wenn ich ihm begegnete, ihm, der meinem Bilde gleicht! Aber ihre Sehnsucht war umsonst. Er ist nicht auf dieser Erde, sagte sie traurig, und suchte ihr Ideal zu vergessen. Als sich Ludwig mit allem Feuer seiner Leidenschaft um sie bewarb, stellte sie es tiefer in den Hintergrund ihrer Seele, weil sie überzeugt war, es nie zu finden. Seine Güte, so anspruchlos und wahr, sein fester, männlicher Sinn, seine innige Liebe zu ihr, erwarb ihm ihre Dankbarkeit und Freundschaft. Sie duldete seine Zärtlichkeit, wenn sie sie auch noch nicht erwiederte, und sah mit Hoffnung und Ruhe in die Zukunft, die sie verbinden sollte.
Der Vater unterbrach ihre Gedanken, die sich mit fernen Tagen beschäftigten – es war ein Geräusch auf der Straße entstanden – sie hatte es nicht bemerkt. Sieh doch, Marie, sagte er zu ihr, wer mag wohl der Herr sein, der da an unserm Hause vorüber reitet? Marie öffnete das Fenster, und erblickte einen jungen, schönen Mann, der in einem einfachen Jagdkleide, umgeben von einigen Dienern in reicher Livree, auf einem mutigen Falben vorüber ritt. Eine englische Dogge begleitete ihn mit frohem Gebell; Marie sah gedankenvoll hinab – ein Armer bat um eine Gabe. Der Unbekannte hielt, und mit einer Leutseligkeit im Ton und Blick, die sein Geschenk noch übertraf, warf er mit freundlichen Worten ihm ein Goldstück zu, und sprengte rasch von dannen.
Vorlage S. 6
Kontextbild zum Werk. Garten eines Amsterdamer Waisenhauses · Max Liebermann · Public domainBildquelle ↗
Er schien ohngefähr sechs oder sieben und zwanzig Jahr alt zu sein, hatte eine schöne Gestalt voll Anstand und Würde, Augen, in denen eine sanfte Schwärmerey mit jugendlichem Feuer sich stritt, Lippen, auf denen der mildeste Ernst mit dem frohen Lächeln der Jugend sich paarte, eine Stirn, stolz und leicht empört, und regelmäßige Züge, durch eine sanfte Melancholie verschönert. Mit wilder Anmuth flogen die seidnen Locken um ihn her, und kühn und gebieterisch wölbten sich die dunkeln Augenbraunen über den ernsthaft lächelnden Blick. – –
Marie ging hinab in den Garten. Sie bewohnten ein schönes Haus in der Vorstadt, dessen Garten eine freie Aussicht auf die lachende Landschaft hatte, die L. umgab. Sonst saß sie gern allein, in dem grünen Dunkel ihrer Lauben, aber heute war es ihr zum ersten Mal zu einsam. Eine ahnende Wehmuth bemeisterte sich ihrer, sie wusste sich ihr Gefühl nicht zu erklären, so sehr sie ihm auch nachhing, und buntverworrene Bilder umgaukelten sie.
Der Anblick des schönen Fremden hatte die Spuren von Ludwigs Abschied halb verlöscht. Wer er wohl sein mag? fragte sie sich selbst. Doch was kann mir daran liegen, antwortete sie schnell, und setzte sich nieder zu ihrer Arbeit.
Aber es wollte ihr heute nichts gelingen. Mit Unwillen bemerkte sie es. Sie fühlte sich so beklommen, alles schien ihr so öde, dass sie rasch aufsprang, und die Thür öffnete, die auf die Straße ging, um eine ihrer Nachbarinnen um ihre Gesellschaft zu bitten. Aengstlich sprang ihr, als sie heraustrat, die englische Dogge entgegen, die vor kurzem den Unbekannten begleitet hatte. Sie schien sich verlaufen zu haben, und eilte freundlich zu Marien, als wäre sie längst mit ihr bekannt. Marie, deren weiches Herz von einem reichen Wohlwollen für Menschen und Thiere erfüllt war, nahm den Flüchtling gütig auf, und dachte nicht mehr an die Nachbarin. Der Hund trug ein Halsband von blauem Sammet, mit einem goldenen Schloß, dem die Buchstaben C. v. W. zierlich eingegraben waren.
Seh' Er, Vater! rief Marie, da er ihr entgegen kam, seh' Er den Hund des Herrn, der vorhin vorbei ritt. Er muss seine Spur verloren haben. Wir wollen ihn behalten, bis uns die Zeitungen melden, wem er gehört, damit wir ihn dann zurückgeben können.
2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Marie schlang ihre Arme um den redlichen Greis, und […] mit einer Träne und einem holden Erröthen: Guter Vater, red' Er nicht so ernsthaft von den Zeiten, wo ich Ihn verlieren werde.«
3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Als sich Ludwig mit allem Feuer seiner Leidenschaft um sie bewarb, stellte sie es tiefer in den Hintergrund ihrer Seele, weil sie überzeugt war, es nie zu finden.«
6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse.
A: »fesselt, aber in ihrem ganzen Wesen herrschte mit zauberischer Allmacht jene reine Innigkeit der unverdorbenen, und doch gebildeten Natur, die unwiderstehlich zum Herzen dringt«
B: »Eine englische Dogge begleitete ihn mit frohem Gebell;«
C: »Geh, sieh Dich noch ein paar Jahre um, und dann – – Ihre Worte verloren sich in einen leisen Seufzer, und eine leichte Röthe flog über ihr Gesicht.«
8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Marie öffnete das Fenster, und erblickte einen jungen, schönen Mann, der in einem einfachen […], umgeben von einigen Dienern in reicher Livree, auf einem mutigen Falben vorüber ritt.«
9. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Sie bewohnten ein schönes Haus in der Vorstadt, dessen Garten eine freie Aussicht auf die lachende […] hatte, die L. umgab.«
10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Sie schien sich verlaufen zu haben, und eilte freundlich …«
2Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte
1. Lies den Abschnittsbeginn: »Marie Müller war die einzige Tochter eines wohlhabenden Bürgers in L., – sein Stolz und die Freude seines Alters. Ihre Schönheit zeichnete sie früh vor allen Mädchen ihres Standes aus, und ihr Vater sparte […]« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
2. Fasse diese Textstelle in eigenen Worten zusammen: »Sobald noch nicht, versetzte Marie. Du musst Dich erst noch mehr in der Welt umsehn, damit Dir dann ein ruhiges Leben desto besser behagt. O ich weiß wohl, wie Dirs zu Muth war, wenn wir so Sonntags hinaus an […]« Was ist für ihr Verständnis besonders wichtig?
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Gib die zentrale Aussage oder Situation wieder, ohne etwas hinzuzuerfinden.
Nenne eine Einzelheit aus der Passage, auf die sich deine Zusammenfassung stützt.
3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »O ihr seligen Träume und Hoffnungen der Liebe, warum erfüllt euch die Wirklichkeit so selten? – Die Zeit der Abreise nahte heran. – Ludwig machte Anstalten, seinem neuen Berufe zu folgen. Lebe wohl, mein Freund! sagte Marie zu ihm in der […]«
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Geld oder Besitz geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] Geständniß mit Entzücken. O Marie! rief der Freudetrunkne aus, wie reich macht mich Deine Liebe! Wann, wann willst Du mein sein? –«
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Macht oder Abhängigkeit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] lange entfernen möge, einen Schutz zu haben, nein, um Seinem Willen zu gehorchen, will ich Ihm recht aufrichtig sagen, was ich denke. Mein Vetter Ludwig ist brav, und scheint mir gut zu sein. Ich fühle eine recht herzliche Freundschaft für […]«
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
6. Prüfe, ob es in dieser Passage um Beziehungen zwischen Figuren geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] traten in sein redliches Auge. Darf ich Dir schreiben? – Schreib meinem Vater, Ludwig, versetzte Marie, und neigte sich in seine Umarmung. –«
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
7. Vergleiche diese beiden Stellen: »Sobald noch nicht, versetzte Marie. Du musst Dich erst noch mehr in der Welt umsehn, damit Dir dann ein ruhiges Leben desto besser […]« und »Der Vater unterbrach ihre Gedanken, die sich mit fernen Tagen beschäftigten – es war ein Geräusch auf der Straße entstanden – sie […]«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
8. Am Abschnittsende steht: »Der Alte war es zufrieden, und Marie übernahm die Pflege des schönen Thiers, das sehr bald ihre Zuneigung gewahr wurde, und sie erwiederte.« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
9. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Marie Müller war die einzige Tochter eines wohlhabenden Bürgers in L., – sein Stolz und die Freude seines […]« / »Der Alte war es zufrieden, und Marie übernahm die Pflege des schönen Thiers, das sehr bald ihre Zuneigung […]«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
3Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte
Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.
Niveau 1 · Einstieg
1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Marie Müller war die einzige Tochter eines wohlhabenden Bürgers in L., – sein Stolz und die Freude seines Alters.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Gedenke meiner in der Entfernung, und kehre gut und brav wieder, wie Du von mir gehst.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Der Alte war es zufrieden, und Marie übernahm die Pflege des schönen Thiers, das sehr bald ihre Zuneigung gewahr wurde, und sie erwiederte.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Marie Müller von Ahlefeld, Charlotte von ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).
Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.
Marie Müller
Charlotte von Ahlefeld: Marie Müller. 2. vermehrte und verbesserte Auflage, Schleswig: R. Koch, 1814. Ahlefeld, Charlotte von 1- 1814 Schleswig
Das Werk Marie Müller von Ahlefeld, Charlotte von ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.
Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.