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Die Reisenachzügler, die der blaue Septemberhimmel verlockt hat, die köstliche Sommerrast noch in den Herbst hinein auszudehnen, sind mit Rucksack und Alpenstock ausgezogen, um den frischen Neuschnee, den die kalten Nächte gebracht haben, in der Nähe zu betrachten. Die bequemeren Reisebummler, die zumeist auf dem Weg über den Brenner begriffen sind, haben ihre Handbücher genommen und sind in die malerische Stadt hineingeschlendert, der die schneehäuptigen Bergriesen neugierig auf die Dächer und in die engen Straßen schauen.
Von der Servitenkirche schlägt es zwölf Uhr, als der letzte Frühstücksgast sein Reisebuch vom Tisch nimmt und durch die tiefe, breite Torwölbung des alten patriarchalischen Hauses auf die sonnenbeschienene Straße hinausgeht.
Die schlanke, vornehm gekleidete Dame, die bisher still in der Nähe der schützenden Glaswand gesessen hat, scheint nur auf diesen Augenblick gewartet zu haben. Jetzt, da sie allein geblieben ist, springt sie elastisch auf, durchmißt ein paarmal den großen Raum, beugt sich über die Holzbrüstung zu den blühenden Oleanderbäumen in dem kleinen Garten hinab und bleibt dann plötzlich mitten in der Sonne stehen, die lichtbraunen Augen auf die schneebedeckten Schroffen gerichtet, die sich in zarten Konturen von dem blauen, wolkenlosen Himmel abheben.
Wie sie so dasteht, mitten im Sonnenschein, geht etwas Lachendes, Erwartungsvolles, Jugendfrohes von ihr aus. Die bleichen Fäden, die sich schon hie und da in das volle goldblonde Haar mischen, die kleinen Falten und Fältchen um Mund und Augen, die die Vierzigjährige verraten, die senkrechte Falte zwischen den merkwürdig dunkeln Brauen, die energisch auf den feinen, geraden Nasenrücken zuläuft und von schmerzlich Nachdenklichem erzählt, sind in diesem Augenblick wie fortgewischt. Mit leichten, frohen Schritten geht sie wieder auf ihren Platz an der Glaswand zurück. Sie schiebt die kleine rotbraune Juchtenmappe, mit der sie bisher lässig gespielt hat, vor sich hin, als ob sie sie öffnen wolle. Dann lächelt sie und legt die vornehme, mit wenigen kostbaren Steinen geschmückte Hand darüber.
Ein leichtes Knistern des gedielten Bodens schreckt sie auf. Ein livrierter Hoteldiener kommt auf sie zu, einen Brief in der Hand. Einen Augenblick erschrickt sie. Seiner Sache nicht ganz sicher, fragt er: »Fräulein Lena v. Magnussen aus Berlin?« Ihre Blicke erhellen sich wieder.
Sie wartet, bis der Diener in dem großen Speisesaal verschwunden ist. Dann nimmt sie einen Schlüssel aus dem silbergeflochtenen Geldtäschchen und öffnet die kleine Juchtenmappe.
Wie sie diese fünf Jahre getragen hat, weiß sie jetzt selbst nicht mehr, jetzt, da ihr die wenigen Stunden, die sie noch von ihm trennen, unüberwindlich erscheinen.
Sie springt noch einmal auf, den Brief fest mit der Hand umschließend, und geht ein paarmal über die Terrasse hin und her. Sie hat das Gefühl, sich von ihrer eigenen Körperlichkeit überzeugen zu müssen, dass sie es ist und dass, was sie da körperlich in der Hand hält, wahr ist, Leben ist, Zukunft ist.
Gestern den ganzen Tag über ist sie mit Lena und Lenas Freunden in den Bergen umhergelaufen. Heute würde sie um nichts in der Welt das Hotel verlassen. Er könnte seine Pläne geändert haben, könnte früher kommen!
Lena hatte für diesen Tag eine Tour auf den Patscherkofel mit ihren Freunden, den Laurentius', verabredet, von denen sie unzertrennlich war, seit sie zusammen von St. Anton heruntergekommen waren. Charlotte war glücklich, dass das Wetter der Jugend keinen Strich durch die Rechnung machte, dass sie allein bleiben konnte.
Sie musste sich alle Mühe geben, das Kind davon zu überzeugen, dass ihr nicht bange werden würde. Dann hatte sie es frohen Herzens hinausziehen sehen, ihr braun gebranntes Mädel mit den lichtbraunen Defreggerzöpfen um den zierlichen Kopf, die kleine achtzehnjährige Schönheit, der alle Herzen zuflogen. Wie eifrig Max Laurentius, der junge Referendar, um sie bemüht war, und wie gut der neuen Freundin, seiner Schwester, das Spiel zu gefallen schien! Lange hatte Charlotte Magnussen den dreien lächelnd nachgeblickt.
Vielleicht war's das Glück, das da neben ihrer Lena in den sonnigen Morgen hinausschritt! Sie gönnte es dem Kinde von ganzer Seele, dass es nicht ein Leben lang darauf zu warten brauchte, wie sie es selbst getan hatte.
»Freilich, dann – dann –« Sie hatte sich wieder gesetzt. Träumerisch lehnte sie die Wange in die schmale Hand. Kaum merklich bewegte sie den feinen Kopf.
Was hatte ihr an reichen Einkünften, was an der großen klinischen Stellung gelegen, die er sich mit seinen glänzenden Gaben inzwischen erobert hatte? Ihr war er lieb gewesen, weil er er war, weil nach kurzer liebeleerer Ehe, die der Tod frühe gelöst, er der erste, einzige Mann war, der Bewegung in ihr reiches, durch Jahre stagnierendes Innenleben gebracht, der erste Mann, den sie liebte, für den sie bereit war, all die aufgespeicherten Schätze ihrer reichen Frauennatur hinzugeben.
Das Leben mit dem Gatten, einem älteren Mann in großer Stellung, den die mittellosen Eltern für sie ausgewählt, hatte ihr mancherlei gesellschaftliche Pflichten auferlegt, die lastend auf ihr gelegen hatten. Ihr feiner, vornehmer Sinn hatte niemals Freude an Herdenvergnügungen finden können. Da sie frei war und unabhängig, lebte sie in stiller Abgeschlossenheit, ihr kleines Eigenhaus weit draußen im Westen der Stadt nur wenigen Intimen offen haltend.
Die Verwandten des Mannes drängten und stichelten. Das Haus des Verstorbenen war ihnen ein Mittelpunkt gewesen, der gesellige Vergnügungen und gleichzeitig mancherlei nutzbare Beziehungen brachte. Sollten sie sich von seiner eigenwilligen jungen Witwe um diese Vorteile betrügen lassen?
Laut und leise grollten, schmollten und diktierten sie. Sie predigten tauben Ohren. Charlotte von Magnussen, die allzulange ihre eigenste Natur hatte knechten müssen, hörte auf niemand mehr als auf sich selbst. Sie schuf ihr Leben einzig nach ihrem Gefallen und des heranwachsenden Kindes Bestem.
Da, auf einer Pfingstfahrt durch Thüringen, hatten sie einander kennen gelernt, die reife, einsame Frau mit der Fülle ungelöster, uneingestandener Liebessehnsucht, der Mann, mitten im heißesten, drängendsten Schaffenstrieb stehend, im Beginn seiner Laufbahn, vorwärts stürmend in eine noch ungewisse Zukunft.
Beide waren sie, leicht müde und erschlafft, in die grünen Thüringer Wälder gezogen. Der junge Arzt, ein wenig müde gearbeitet, Charlotte, ermattet von langer Pflege des nun genesenen Kindes. In einem der lieblichen Täler bei Eisenach waren sie sich zuerst begegnet. Otto Frenjen kam von der »Hohen Sonne« herunter, Charlotte saß am Fuß des Berges in einer grünen, von wilden Frühlingsblumen überwucherten Talmulde. An den Hängen blühte der blaue Flieder, leuchtete der Blütenschnee der Obstbäume in der warmen Maiensonne.
Lena tollte auf der Wiese umher. Sie warf einen Ball hoch in die blaue Frühlingsluft und fing ihn jauchzend wieder auf, bis er plötzlich ihren Händen entglitt und rasch und unaufhaltsam in den kleinen sprudelnden Bach rollte.
Drei köstliche Tage des Beisammenseins, in denen ihre Seelen weit und groß wurden, in denen sie sich fanden, wie ernste, reine Menschen einander finden, in dem felsenfesten Bewusstsein, eins zu sein und zu bleiben, sich nie wieder verlieren zu können, ohne dass ein bindendes Wort gesprochen worden wäre.
Dann war Berlin wieder in seine Rechte getreten. Niemals war es Charlotten so kühl, so frostig, so konventionell erschienen. Wo waren die Sonnentage in Tal und Wald geblieben? Aufgesogen von dem grauen, schläfrigen Alltag.
Frenjen war sehr beschäftigt. Er vertrat einen Kollegen am Krankenhaus im Friedrichshain. Im besten Falle brauchte er anderthalb Stunden, um zu ihr zu gelangen. Wenn er kam, schien er beklommen und unfrei zu sein. Was er sprach, wie er sich gab, stand nicht im Einklang mit dem sehnenden, zärtlichen Blick seiner Augen, die Liebe heischten und gaben, wie draußen zwischen Tannengrün und Fliederduft.
Durch Wochen und Monde verzehrte Charlotte sich in Sehnsucht nach dem erlösenden Wort, das nicht kommen wollte, nach dem Wort, das in den Maitagen draußen im Wald so einfach und selbstverständlich erschienen war: »Ich liebe dich. Wenn du mich lieb hast, sei mein Weib.«
Sie liebte ihn, liebte ihn mit täglich wachsender, verzehrender Glut. Mit einer Liebe, von der sie bisher nichts geahnt, die sie anderen nicht geglaubt haben würde. Ihr ganzes Leben war erfüllt von diesem Manne, dem ihr Herz und ihre spät erwachte Liebessehnsucht vom ersten Augenblick an verfallen war. Sie durchweinte lange, bange Nächte. Sie zitterte, wenn er nicht kam, und bebte, wenn sie seine Schritte von fern hörte; sie erschauerte, wenn ein Briefblatt von ihm zu ihr ging, sie entfärbte sich, wenn sein Name nur genannt wurde. Aber sie schwieg wie er, ward verschlossen wie er.
Manchmal, wenn er ihr gegenüber saß in ihrem kleinen, reichen, mit seltsamen Kostbarkeiten angefüllten Boudoir, still und bleich wie sie selbst, fragte sie sich, ob das noch derselbe Mann sei, mit dem sie in lachender Lebensfreude, in jubelndem Glücksgefühl Schulter an Schulter durch den Frühling geschritten war?
Tausende von Malen hatte sie's auf der Zunge, zu sagen: »Was ist dir geschehen? Was hat dich so verändert? War's ein Wahn? Liebtest du mich nie? Hab' ich deine Worte, deine Blicke, den Druck deiner geliebten Hand, den einzigen, sehnenden Kuß auf Stirn und Augen so falsch gedeutet?«
In den heißen Augusttagen ging sie mit Lena an die Ostsee. Sie hatte absichtlich keinen entfernteren Punkt gewählt, um ihm, dem Vielbeschäftigten, die Möglichkeit zu lassen, sie wenigstens auf Tage zu besuchen.
Sie wartete vergebens. Er kam nicht. Nur kurze Grüße, die die unterdrückte Glut des Empfindens kälter scheinen ließen, als sie gemeint waren, flogen hin und her.
Als Charlotte mit Lena im September nach Berlin zurück kam, war er nicht da. Er war zu seiner Mutter gerufen worden, die plötzlich erkrankt war. Die alte Frau lebte oben im Dithmarschen. Mehr wusste Charlotte nicht von ihr. Er sprach selten oder nie über seine Familie.
Die Mutter schien seiner Pflege lange bedurft zu haben. Es war November geworden, als er zum erstenmal unerwartet bei Charlotte eintrat. So erschüttert und ergriffen war sie von dem plötzlichen Wiedersehen nach langer Trennung, dass sie fast zusammenbrach. Auch er stand vor ihr, wie von einem Krampf geschüttelt. Bleich bis in die Lippen streckte er die Hände nach ihr aus und ließ sie wieder fallen. Eine heiße Sehnsucht brannte in seinen Augen auf. Dann irrten seine Blicke von ihr ab in dem reichen Gemach umher. Unmerklich zog Unbegreifliches über ihn hin, und plötzlich stand er wieder mit jener stillen, gelassenen Starrheit vor ihr, die ihr am Herzen fraß wie ein nagender Wurm.
Mit einer Stimme, die beinahe gleichgültig klang, erzählte er ihr, dass seine Mutter gestorben sei, dass er traurige und verworrene Verhältnisse in der Heimat vorgefunden habe. Unversorgte Geschwister, uneingelöste Verpflichtungen, die nun nach dem Tode beider Eltern auf seinen Schultern ruhten. Er müsse trachten, rasch zu einem großen Einkommen zu gelangen.
Sie öffnete die Lippen, um ihm zu sagen: »Komm zu mir, bleibe bei mir. Ich habe genug gelitten um meines Reichtums willen. Lass du ihn an uns zum Segen werden, den Deinen damit helfen –«, aber das Wort erstarb ihr im Munde, so finster entschlossen sah er aus. Als er an diesem Tage von ihr ging, hatte sie geglaubt, sie würde ihn niemals wiedersehen.
Danach kehrte er im Frühjahr, genau zwölf Monate, seit sie sich zum erstenmal am Fuße der »Hohen Sonne« gesehen, erleichterter, zuversichtlicher zurück.
Das Jahr, das nun folgte, war kein Jahr jubelnden Glücks, aber es brachte doch stille, sanfte Freuden, Beruhigung und Linderung für manche schmerzende, blutende Wunde.
Frenjen schien draußen in der angestrengten Tätigkeit zu einem Entschluss gekommen zu sein, der ihm größere Gleichmäßigkeit verlieh und der verschlossenen, düsteren Starrheit seines Wesens ein Ende gemacht zu haben schien.
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Kontextbild zum Werk. Porträt: Duncker, Dora · Anonymous (writer)Unknown author · Public domainBildquelle ↗
Man hatte ihm für ein Jahr die leidlich besoldete Vertretung desselben Assistenten am städtischen Krankenhaus im Friedrichshain angetragen, den er im vorigen Herbst während kurzer Wochen ersetzt hatte. Der Gesundheitszustand war nicht schlecht. Otto Frenjen hatte häufig Zeit gefunden, zu Charlotte hinauszufahren.
Nicht dass die alte, sehnsüchtige Zärtlichkeit der Thüringer Maientage in ihm aufgebrochen wäre, wohl aber etwas von dem Feuer und dem Schwung, die Charlotte zuerst an ihm entzückt hatten.
Mit leuchtenden Augen, in brennenden Farben malte er ihr dann ein Zukunftsbild seines künftigen Lebens im reinen Dienst der Wissenschaft. Nach einer kleinen oder mittleren Universität zog's ihn hin, wo das praktische und theoretische Wirken des einzelnen sich individuell entwickeln konnte, wo der einzelne sich betätigen konnte, nicht im großen Strom mitzuschwimmen brauchte.
Beglückt hörte Charlotte ihm zu. Dass er nicht von ihr und sich sprach, wollte sie gern vergessen, wenn er nur für sich selber wieder lebensfrischer, tatenfroher ward.
Otto Frenjens heißester Wunsch hatte sich erfüllt. Mit unvergossenen, brennenden Tränen in den Augen, mit unnennbarem Weh im Herzen hatte sie ihn ziehen lassen.
»Ich komme wieder, Charlotte, wenn ich Ihrer wert und würdig bin. Ein armer Schlucker, der nichts ist und nichts hat als bedürftige Verwandte und die Sorge um sie, ist kein Gefährte für Sie.«
Sie hatten sich nicht wiedergesehen. Jahre des Kampfes, schwerer, stiller Resignation waren für Charlotte der Trennung gefolgt. Sie hatte oft das Gefühl, eine alte Frau geworden zu sein, die für sich selbst nichts mehr vom Leben forderte und erwartete, die nur für ihr Kind noch auf der Welt war.
Auch diese Reise war aus Lenas frischer Initiative herausgewachsen. Charlotte lächelte. Es war ein starker Wille zum Leben und Glücklichsein in ihrem schönen begabten Kind, ein stärkerer, als sie ihn je besessen hatte.
Sie nahm die Hand von den Augen, die sie im Nachdenken darüber gelegt, und blickte wieder in den Brief. Er war Professor geworden, Gewinn und Ehren waren ihm nach Verdienst zugefallen. Er hielt sein Wort, er kam zurück, er warb um sie. Etwas wie ein schmerzliches Glücksgefühl krampfte ihr das Herz zusammen. Aufs neue brannte die Frage in ihr auf: War es notwendig gewesen, so lange zu warten? Sieben unwiederbringliche Jahre heißen Glücks zu verlieren?
Charlotte verschloss den Brief in die kleine Juchtenmappe. Dann stand sie auf und ging durch die langen, kühlen, halbdunklen Gänge des alten Hauses über ein paar breite Eichenstufen in ihr Zimmer hinauf.
Ein dämmeriges Licht füllte den behaglich eingerichteten Raum. Die graugelben Jalousien waren gegen die heiß eindringende Sonne geschlossen worden. Gedankenmüde ließ sich Charlotte in einen Armstuhl sinken. Langsam verblaßten die Vergangenheitsleiden, leuchtend stand die Zukunft vor ihr auf.
Sie sprang auf und stieß die Holzläden von den Fenstern zurück. Blendender Sonnenschein flutete hinein. Drüben von der Kirche schlug es drei. Vier, vielleicht nur drei Stunden noch! Sie wusste nicht, woher er kam, und konnte seine Ankunft nicht genau berechnen.
Wie es aufgelöst über den gestickten Batistmantel fiel, den sie umgenommen hatte, wollte es ihr scheinen, als habe sie noch niemals so viel graue Haarsträhnen zwischen der blonden Fülle bemerkt als heute. Gedankenvoll ließ sie sie durch die Finger gleiten und kämmte sie dann rasch in den vollen lichten Knoten zurück.
Als sie ihren Anzug beendet hatte, blickte sie noch einmal aufmerksam in das Spiegelglas. Ein kleiner, gepresster Seufzer hob ihren Busen. Würden seine Augen, ebenso unbarmherzig als die ihren, jeder feinen Falte, jeder leisesten Erschlaffung in ihrem Gesicht nachspüren?
Sie nahm ein Buch und versuchte zu lesen. Drei-, viermal musste sie einen Satz wiederholen, bevor sie seinen Sinn verstand. Jeder leise Schritt draußen vor der Tür schreckte sie auf und machte sie erbeben. Es wurde geklopft. Kaum hörbar rief sie: »Herein«. Der Piccolo kam mit etwas Weißem in der Hand. Ein Brief, ein Telegramm – sie konnte es nicht unterscheiden. Sie fühlte, dass alle Farbe aus ihrem Gesicht gewichen war. Um Gottes willen, nur jetzt keinen Aufschub mehr!
Der Junge schloss die Tür. Sie war wieder allein. Die Minuten wurden zu Stunden. Es litt sie nicht mehr im Zimmer. Sie wollte einen kurzen Weg machen. Bis zur Innbrücke etwa und wieder zurück. Sie konnte ein paar Einkäufe besorgen, Blumen und für ihn Früchte. Sie würden ihm gut tun, wenn er etwa heiß und mit trockener Kehle ankommen würde.
Es war im Laufe des Tages sehr warm und staubig geworden. Vom Fenster bemerkte Charlotte, dass die Anfänge eines Schirokko den Staub in feinen weißen Wölkchen zusammenwehten. Trotzdem drängte es sie aus dem kühlen Zimmer fort.
Als sie den kostbaren schwarzen Federhut auf das blonde Haar steckte, fiel ihr plötzlich ein, wie einfach und schlicht der kleine Reisehut gewesen war, den sie damals in Thüringen getragen hatte. Eine kleine Tirolerform mit ein paar Spielhahnfedern, ähnlich dem Touristenhut, den Lena heute trug. Sie hatte sich damals absichtlich ganz schlicht getragen. Sie wollte, allein mit dem Kinde unter den einfachen Menschen, welche die Thüringer Berge durchstreifen, nicht auffallen.
In der weiten Vorhalle nach dem überwölbten Ausgang zu traf Charlotte Magnussen den Wirt des Hotels, der gerade zwei raffiniert ausgerüsteten Engländern, die durchaus zu Fuß über den Brenner wollten, das Geleit gegeben hatte.
Da der Schirokko stärker zu wehen schien, fragte Charlotte den mit den gesamten alpinen Verhältnissen Tirols Wohlvertrauten, Lenas halber besorgt, um Rat.
Der Wirt beruhigte in liebenswürdiger, sachlicher Form. Oberhalb Igls würden die Herrschaften vollkommen geschützt sein. Auch hier würde der übrigens sehr zahme Schirokko kaum über die Mittagsstunden fortdauern. Er erzählte, dass er nachmittags zu einer Aufsichtsratssitzung nach Brennerbad hinauf müsse und für diese Fahrt das schönste Wetter erwarte und morgen weiter nach dem Gardasee, wo er in Riva ein zweites großes Haus eröffnet habe. In drei Tagen sei er zurück und hoffe zuversichtlich, die Herrschaften dann noch hier zu finden.
Charlotte zuckte leicht mit den Achseln. Ein verstohlenes Lächeln stahl sich in ihre Augen. In drei Tagen würde sie schwerlich noch Herrin ihrer Bestimmungen sein!
Als sie von ihrem Ausgang zurückkam, war es vier Uhr. Pfirsiche, Trauben und einen köstlichen Strauß frischer Alpenblumen trug sie auf ihr Zimmer und bestellte sich einen Tee. Zu essen war sie nicht imstande.
Endlich sank langsam die Dämmerung herein. Charlotte lehnte aus dem Fenster. Der Schirokko hatte sich wirklich vollkommen gelegt. Still und warm ging die Luft.
Sie sah zur Linken nach dem hell erleuchteten Bahnhofsgebäude hinüber, an dem das Zifferblatt der großen Uhr klar erkennbar war. Eben wurde telegraphisch ein Zug angekündigt. Sie hörte es deutlich durch die dämmerige Stille. Ob er ihn brachte?!
Rechts hinauf, wo die Straßen in die Berge führen, leuchteten in den großen, palastähnlichen Häusern erst wenige Lichter auf. Wie ein grauer, weicher Schleier lag es über der Stadt, zart und undurchdringlich wie ihre Zukunft. Sie ging vom Fenster fort und setzte sich auf den Diwan, die feinen Hände ergeben im Schoß gefaltet. Der rastlosen Aufregung des Tages war eine erwartungsvolle Stille gefolgt.
Charlotte schreckte auf. Ein uneingestandenes Wehgefühl zuckte plötzlich in ihr auf. Sie hätte den Geliebten gern wieder gesehen, ehe die Tochter zurück war.
Sie richtete sich auf. Nebenan blieb es still. Dann wurde in Lenas ungestümer Art ihre Zimmertür vom Gang her aufgeklinkt. Lena flog auf sie zu. Im Vorüberhuschen hatte sie die elektrische Flamme aufgedreht.
»Denk nur, er wollte gerade hierher. Auf der Schutzhütte in Heiligwasser trafen wir uns. Ich habe ihn gleich wiedererkannt, aber er wollte nicht glauben, dass ich die kleine Lena Magnussen sei.« Ein kleiner glücklicher Seufzer stahl sich aus der Brust des Mädchens. »Wir haben einen herrlichen Tag gehabt. Aber nun geh auch und begrüß ihn, Muttchen, er wartet schon auf dich.«
Charlotte fährt ein paarmal mechanisch mit der feinen, leicht bebenden Hand über Stirn und Haar. Dann geht sie langsam zur Tür. Lena ruft ihr etwas von raschem Umkleiden zum Diner nach, sie hört es kaum. Vor ihren Augen schwimmen grauweiße Nebel, vor den Ohren summt und braust es wie Wasserrauschen.
Ehe sie die Tür zu dem kleinen Salon öffnet, bleibt sie noch einen Augenblick auf dem jetzt ganz leeren Gang stehen. Eine kalte, eisige Angst hat sich ihr um das sehnsüchtig schlagende, glückfordernde Herz gekrampft. Dann öffnet sie leise die Tür. Er steht am Fenster und blickt in den hereinsinkenden Abend. Bei dem behutsamen Geräusch wendet er sich lebhaft um. Er steht und sieht sie an. Sie kann den Ausdruck seines Gesichtes nicht enträtseln, aber es will ihr scheinen, als seien auch an ihm die Jahre nicht spurlos vorübergegangen. Leise ruft sie seinen geliebten Namen.
Etwas Sanftes, Klagendes liegt in seinem Blick, in seiner Stimme. Er nimmt sie bei der Hand und führt sie zu dem kleinen Sofa in der Fensternische. Er behält ihre Hand in der seinen und streichelt sie leise. Eine Träne tropft aus ihren Augen brennend auf seine Hand hinab.
Da hält sie sich nicht länger. All das zurückgedrängte, sehnende Weh langer, einsamer Jahre, all die verhaltene Liebesglut, die so brennend an ihr gezehrt, brechen in ihr los. Bebend und schluchzend ihn umfangend, sinkt sie an seine Brust.
Einen Augenblick liegt sie da, ganz still. Auch er rührt sich nicht. Dann richtet sie sich auf und leise, wie verzagt, fragt sie: »Nun ist alles gut. Nicht wahr, nun ist alles gut?«
Sie lehnt sich ein wenig müde an seine Schulter und will ihn küssen, als die Tür heftig aufgeklinkt wird. Frenjen springt auf. Eine kaum verhohlene strahlende Freude geht über sein Gesicht, als er Lena im Türrahmen sieht. Ein Bild frühlingshafter, siegreicher Jugend, steht sie in ihrem schlichten weißen Kleide, einen Strauß Alpenblumen im Gürtel, da, das schwere lichtbraune Haar in dem funkelnden Licht der elektrischen Lampen wie von Goldschimmer überwebt. Ihre strahlenden Augen hängen an Frenjens Blick.
Auch Charlotte hat die Augen zu dem Geliebten aufgehoben. Ein Schwindel erfasst sie. Was die Jahre ihm angetan haben, scheint plötzlich aus seinem Antlitz fortgewischt zu sein. So wie jetzt haben seine Augen in jenen unvergesslichen Maientagen geleuchtet, so wie jetzt hat sein junger ausdrucksvoller Mund gelächelt, so in sehnender Kraft seine Gestalt sich gestrafft und gespannt. Aber seine leuchtenden Blicke fliegen achtlos über sie hin zu einer anderen, sein beredter Mund lächelt über sie fort zu einer anderen, und diese andere ist ihre Tochter!
Frenjen nimmt zwischen Charlotte und Lena Platz. Die Geschwister Laurentius setzen sich den dreien gegenüber. Der Referendar ist augenscheinlich wenig erbaut davon, dass der so plötzlich hereingeschneite Professor, der ihm schon den Abstieg von Heiligwasser verdorben hat, auch hier wieder Lena Magnussens Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt.
Er gibt sich die erdenklichste Mühe, Lenas lebhafte Augen, ihre sprudelnde herzgewinnende Lustigkeit von dem Professor abzulenken. Auch Schwester Fanny tut das ihrige dazu. Langsam gelingt es den beiden, die Freundin für eine kurze Stunde zurückzuerobern.
Frenjen, der es gar nicht bemerkt hat, dass Charlotte bleich und still, ohne eine Speise zu berühren, neben ihm gesessen hat, spricht jetzt halblaut auf Frau von Magnussen ein. Er vermeidet das trauliche Du, das er in seinem langen werbenden Brief gebraucht hat und das oben in dem kleinen Salon trotz allen schmerzlichen, ahnenden Bangens Charlottens Ohr sanft umschmeichelt hat.
Ernste, freundliche Milde, tief ergebene Freundschaft sprechen aus jedem seiner Worte. Ohne dass er vielleicht selbst es weiß, geht er mit ihr wie mit einer Kranken um, jedes Wort sorgsam wählend, jede Miene abwägend, um ihr nicht wehe zu tun.
Nach dem Speisen bleibt die Tischgesellschaft zum größten Teil unten in der Halle. Es ist ein wundervoll warmer Abend. Weit auf stehen die Türen nach dem Garten mit den Oleanderbäumen unterhalb der Terrasse. Wie flüssiges Silber liegt der Mond auf den schneebedeckten Felshängen und Schroffen der alten Bergriesen.
Charlotte wirft einen kurzen Blick hinaus, dann geht sie langsam, wie sie glaubt unbemerkt, die Treppe zu ihrem Zimmer hinauf. Sie öffnet den kleinen Salon, in den das Mondlicht jetzt voll hereinfällt und sinkt auf einen Sessel nieder. Sie ist todmüde. Wie zerschlagen sind ihre Glieder. Sich zur Ruhe zu legen, daran denkt sie nicht. Sie weiß, sie würde keinen Schlaf finden.
Sie legt die Hand über die schmerzenden Augen, die von unvergossenen Tränen brennen, sie versucht zu denken, zu verstehen. Langsam und schwer gehen ihre Gedanken. Ein müdes, bitteres Lächeln zieht sich um ihren Mund. Sie fühlt, dies Wiedersehen, dieser jähe Wechsel von jubelndem Besitzesglück zu gramvollem Verzicht hat sie mit einem Schlage zu einer alten Frau gemacht.
Ihre Augen bleiben trocken. Starr und verwundert blickt sie vor sich hin auf das Muster des Teppichs, das das Mondlicht spielend umrankt, grübelnd über das Unbegreifliche.
Kann er sie jemals wahrhaft geliebt haben, wenn ihm das geschehen konnte? Ist das jahrelange Zögern und Schwanken um der äußeren Verhältnisse willen nicht am Ende nur ein Aufschub gewesen, den er sich absichtlich gestellt, um die Wahrhaftigkeit seiner Gefühle zu prüfen, deren er nicht sicher war? Hätte ihr mit ihrer heißen, unvergänglichen Liebe geschehen können, wie ihm geschah? Hätte sie auf dem Wege zu ihm binnen Stundenfrist einem andern ihr Herz schenken können, nur weil dieser andere die unberührte frische Jugend war?
War es Mannesart, plötzlich abzuspringen vom Wege zum Ziel, gewalttätig etwas zu begehren, an sich zu reißen, was ihm zuvor weltfern gelegen hatte? Mannesart, andere zu vernichten, zu zerstören, nur um für sich selber aufzubauen? War es Schicksal, Bestimmung – ein gütiges Schicksal vielleicht – das sie davor bewahrte, den geliebten Mann unbefriedigt, unglücklich an der Seite der alternden Frau zu sehen, das ihr vergönnte, durch die eigene Tochter das Glück mit vollen Händen über ihn zu streuen, das ihren wartenden Händen müde entfallen war?
Ein leiser Schauer fliegt über ihren Leib. Soll sie auch dies Schwerste von ihm fort auf ihre Schultern nehmen, ihm sagen: »Quäle dich nicht – ich weiß – du hast dich getäuscht – du liebst nicht mich, du liebst die Jugend – ich gebe dich frei.«
Wieder setzt er zum Sprechen an, jetzt unruhig und erregt durch den kleinen Salon hin und her laufend, wie er es in schweren Zeiten in ihrem Boudoir in Berlin oft genug getan hat.
»Wir haben viel zu besprechen – über unsere Zukunft – ich konnte dir nicht alles schreiben – zum Beispiel, dass – ich – ich möchte nicht nach Berlin. Ich möchte in Jena bleiben – wenn es dir dort nicht zu klein und eng ist –«
»Ich fühle mich nicht ganz wohl – oder richtiger – es geht mir vieles durch den Kopf – Berufliches – das ich erst los werden möchte, ehe wir den Tag unserer Hochzeit – du siehst ja selbst, ich bin zerstreut – würdest du mir zürnen, wenn ich morgen zunächst auf ein paar Tage in die Berge ginge – die Berge haben eine wunderbare, beruhigende Macht über mich – heute ist Donnerstag, am Montag bin ich wieder hier! Es verletzt dich nicht, Charlotte?«
Sie erhebt sich schwerfällig und geht in ihr Schlafgemach, das sie hinter sich verriegelt. Als Lena eine halbe Stunde später anklopft, um ihr Gute Nacht zu sagen, gibt sie keine Antwort mehr.
Aufgeregt, mit verweinten Augen kommt Lena am nächsten Morgen zum Frühstück herunter. Charlotte sagt nichts. Sie weiß, um was und um wen ihr Kind geweint hat.
Der Referendar im weißen Flanellanzug bringt strahlend seinen Morgengruß, zwei große Sträuße taufrischer dunkler Rosen, die er Mutter und Tochter überreicht. Ohne die Blumen oder den Geber anzusehen, legt Lena die ihren neben den Teller.
Lena wirft ihrer Mutter einen schmerzlich vorwurfsvollen Blick zu. Die Mutter hat darum gewusst! Sie hat es durch Zufall erfahren müssen, dass er fort ist – fort, ohne Abschied von ihr.
Stumm wird das Frühstück fortgesetzt. Dann nimmt Charlotte ihr Kind bei der Hand und führt es hinauf, linde, behutsam. Sie kennt die Schmerzen, die Lena leidet.
Ihre Augen sehen über das Kind fort, starr und leer in eine graue, lichtlose Zukunft. Endlos lang der dunkle Weg. Immer steiler läuft er bergab, die Jugend hinter sich lassend.
Otto Frenjen ist in der Dunkelheit planlos in die Berge hinausgelaufen. Langsam wird es Tag. Ein strahlender Tag. Wolkenlos blau wölbt sich der Himmel über der grauen, rosig überhauchten Bergkette mit ihren weißen Schneehäuptern. Unten liegt Innsbruck mit seinen Kuppeln und Türmen in einem Meer von Sonnenschein. Frenjen schließt die Augen. Das Herz krampft sich ihm zusammen. Er weiß, da unten in der sonnengebadeten Stadt weinen zwei um ihn, leiden zwei durch seine Schuld.
In einem dunkeln Waldwinkel, von ragenden Föhren dicht umgeben, wirft er sich auf den moosigen Grund. Er legt die Hände über die Augen. Er will alles vor sich verschließen. Er will nichts sehen als Charlottes liebes, bleiches Bild, Charlotte, um die er zu werben kam, die ihn geliebt hat mit unwandelbarer Treue, mit alles verzeihender Güte und Geduld, Charlotte, die er bis gestern zu lieben geglaubt, die sieben lange Jahre seines Lebens ausgefüllt hat.
Langsam, wie erstaunt, lässt er die Hände sinken. Sieben lange Jahre! Ihm ist, als sei er damals älter gewesen als heute. Eine Stellung, die seinen Ehrgeiz nicht befriedigte, die nagende Sorge um die Seinen, die ihm beim Tod der Mutter unerwartet aufgebürdet wurde, die Neigung zu der gleichaltrigen Frau, der er kein ihren bevorzugten Verhältnissen ähnliches Los bieten konnte, das alles hatte auf ihm gelastet, hatte ihn alt gemacht.
Heut stand er an dem Platz, dem er damals fiebernd zugestrebt. All seine Lebensbedingungen waren gefestet und gesichert. Für die Seinen hatte er ausgesorgt. Last um Last war von ihm abgefallen.
Um Jahre jünger als in jenen Berliner Zeiten, da er in schwerem Kampf mit sich gerungen, ob er Charlotte zu der Seinen machen dürfe, hatte er sich gefühlt, als er jetzt vor wenig Tagen den Werbebrief an sie geschrieben.
Es war hoher Mittag. Durch die Föhren stahl sich ein goldner Sonnenfleck. Er wurde größer und leuchtender. Aus seinem Goldgrund schien plötzlich eine junge süße Gestalt mit lichtbraunen Haarflechten und hellen Strahlenaugen aufzuwachsen. Charlottens Kind, wie er es gestern bei den heiligen Quellen am Schutzhause wiedergefunden hatte.
Er schloss die Augen. Er wollte das Bild nicht sehen. Aber wenn es dennoch wiederkam, alle Tage, mit warmen, lockenden Händen nach ihm greifend, mit süßer, junger Stimme ihm zurufend: »Nimm mich, halt mich – ich bin das Glück!«
Eine heiße Blutwelle drang ihm vom Herzen zum Hirn. Wenn es so war – wenn er nicht vergessen könnte – wenn sich Lenas blühende Gestalt, ihre lockende Jugend zwischen ihn und Charlotte stellte, sehnsüchtig nach ihm riefe, fort und fort ihn mit heißem drängenden Verlangen füllte – –!
Er sprang auf und ging weiter, ohne sich umzusehen, rasch wie ein Verfolgter, mit wankenden Knien, bergauf und bergab. Gegen Abend kam er zu Tal, an eine Station, die er nicht kannte. Die Gebirgsbahn führte ihn eine kurze Strecke weiter. Er schlief in einer kleinen Dorfschenke irgendwo traumlos und schwer. Als ihn am nächsten Morgen das Geschrei des Kuhjungen unter dem niederen Fenster weckte, waren seine Glieder so steif, dass er sich kaum rühren konnte.
Er schlich sich eine halbe Stunde über das Dorf hinaus in eine enge, von einem Wildbach durchbrauste Schlucht. Auf einen Stein dicht am Wasser setzte er sich nieder. Nur ein wenig wollte er ruhen, dann wollte er zurück ins Dorf und an Charlotte telegraphieren, dass er abends wieder in Innsbruck sein würde. Wozu den Kampf verlängern, wozu Charlotte leiden lassen? Er war ja doch fest entschlossen, ihr sein Wort einzulösen.
Dann fiel ihm plötzlich ein, dass Charlotte vielleicht gar nicht mehr in Innsbruck sei, dass sie ihm für Sonntag Nachricht nach Landeck zugesagt habe. Zwei Tage noch so etwas wie ein freier Mann!
Er war bis dicht an das reißende, jäh zur Tiefe stürzende Wildwasser hinuntergestiegen. Einen Augenblick packte es ihn, in die grünblaue, weißschäumende Flut hinab zu tauchen, die Todesfahrt auf der reißenden Stromschnelle zu wagen.
Die Unrast trieb ihn schon einen Tag früher nach Landeck. Eine Nachricht war noch nicht angelangt. Planlos irrte er auf der heißen, staubigen Landstraße umher. In Dunst gehüllt lag die mächtige Pyramide des Hohen Riffler vor ihm, nur auf dem seitlichen Gletscher gleißte der Sonnenschein.
Wie, wenn sie plötzlich zu ihm träte, ihm mit ihrer lieben jungen Stimme sagte: »Wach auf! Der böse Traum ist zu Ende. Nicht eine Charlotte, eine Lena Magnussen hast du gefreit,« und zwei weiche Arme ihn umschlängen und ein frischer, unentweihter Mund sich auf den seinen presste.
Eine schwere Mailcoach rollte, weißen Staub aufwirbelnd, schwer rasselnd an ihm vorüber, auf die Straße nach Finstermünz hinauf und weckte ihn aus seinen Träumen.
Er steckte ihn in die Brusttasche und ging in sein Zimmer hinauf. Es lag im ersten Stock; ein kleiner Altan führte auf den Inn hinaus. Das wilde Brausen des Stromes übertönte jedes andere Geräusch.
Lange saß er auf dem kleinen Ausbau und starrte müde und gedankenlos zu dem Hohen Riffler hinüber. Dann nahm er den in Innsbruck am gestrigen Abend abgestempelten Brief aus der Brusttasche und schnitt ihn langsam auf.
»Mein lieber Freund! Wenn Sie diesen Brief erhalten, bin ich mit Lena auf der Rückfahrt nach Berlin. Ich denke, wir dürfen es uns ersparen, auf die Gründe einzugehen, die mich zu diesem Entschluss vermochten. In späteren, abgeklärteren Zeiten findet sich wohl eine Stunde dazu. Für jetzt nur so viel, dass meine nicht ganz einwandfreie Gesundheit es mir ratsam erscheinen lässt, sobald als möglich eine Absicht auszuführen, die Sie ja seit Jahren kennen: einen Winter in Kairo zu verbringen. Lena bleibt in Berlin im Schutze meiner alten lieben Freundin, Frau von Eppingen, zurück, deren Sie sich gewiss noch erinnern. Ich selbst denke, in acht bis zehn Tagen Berlin verlassen zu haben. Wenn Sie es einrichten können, Lena am Schluss Ihrer Ferienreise aufzusuchen, wird sie Ihnen sicherlich schon über meine glückliche Ankunft in Ägypten berichten können.
Leben Sie wohl, lieber Freund, aus gutem warmen Herzen reiche ich Ihnen die Hand zum Abschied. Ich danke Ihnen für alle Liebe und Freundschaft, die Sie mir durch so viele Jahre erwiesen haben. Dass es anders gekommen ist, als wir beide noch vor wenig Tagen vorausgesehen, das hat wohl sein müssen. Vielleicht zu unser aller Bestem. Die Natur lässt sich nicht spotten, noch Gewalt antun. Ihnen und meinem geliebten Kinde alles Glück auf den Weg. – Auf Wiedersehen im Frühjahr!
Über dem Fluss braute der Nebel. Mit feuchten Augen sah Frenjen auf die grauen wallenden Schleier. Charlottes bleiches, weinendes Gesicht schien ihm daraus entgegenzustarren. Langsam rollte eine Träne über seine bräunliche Wange.
Wie ein breites silbernes Band fiel der Mond darüber hin. Über dem Fluss, der schimmernd zu Tal floss, strahlten die Sterne. Nebel und Dunst und Dämmer waren verschwunden. Leuchtend lag die Welt.
Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.
Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.
Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.
1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »In sechs bis sieben Stunden, bei Anbruch der Dunkelheit, wird er …«
2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Dann war […] wieder in seine Rechte getreten.«
3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Hätte sie auf dem Wege zu ihm binnen Stundenfrist einem andern ihr Herz schenken können, nur weil dieser andere die unberührte frische Jugend war?«
5. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Der Schirokko hatte sich wirklich […] gelegt.«
6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse.
A: »Charlotte war glücklich, dass das Wetter der Jugend keinen Strich durch die Rechnung machte, dass sie allein bleiben konnte.«
B: »Er wartet, dass sie etwas sagen soll, aber diesmal bleibt sie stumm.«
C: »Jeder leise Schritt draußen vor der Tür schreckte sie auf und machte sie erbeben.«
8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Sie […] sich vor den Tränen in ihrer Stimme.«
2Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte
1. Lies den Abschnittsbeginn: »Auf der geräumigen Terrasse des »Tirolerhofes« in Innsbruck ist es allmählich stiller geworden.« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
2. Fasse diese Textstelle in eigenen Worten zusammen: »Wieder, wie so oft, hatte er seine Blicke durch das kostbare Gemach schweifen lassen.« Was ist für ihr Verständnis besonders wichtig?
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Gib die zentrale Aussage oder Situation wieder, ohne etwas hinzuzuerfinden.
Nenne eine Einzelheit aus der Passage, auf die sich deine Zusammenfassung stützt.
3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Gerechtigkeit oder Verantwortung geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Rechts hinauf, wo die Straßen in die Berge führen, leuchteten in den großen, palastähnlichen Häusern erst wenige Lichter auf. Wie ein grauer, weicher Schleier lag es über der Stadt, zart und undurchdringlich wie ihre Zukunft. Sie ging vom […]«
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Wahrheit oder Vertrauen geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Er sieht sie einen Augenblick mit erschreckter Verwunderung an. Dann spricht er ein ruhiges, ehrliches Nein.«
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Angst oder Unsicherheit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] Augenblick auf dem jetzt ganz leeren Gang stehen. Eine kalte, eisige Angst hat sich ihr um das sehnsüchtig schlagende, glückfordernde Herz gekrampft. Dann öffnet sie leise die Tür. Er steht am Fenster und blickt in den hereinsinkenden […]«
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
6. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Charlotte schreckte auf. Ein uneingestandenes Wehgefühl zuckte plötzlich in ihr auf. Sie hätte den Geliebten gern wieder gesehen, ehe die Tochter zurück war.«
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
7. Vergleiche diese beiden Stellen: »Wieder, wie so oft, hatte er seine Blicke durch das kostbare Gemach schweifen lassen.« und »Charlotte wirft einen kurzen Blick hinaus, dann geht sie langsam, wie sie glaubt unbemerkt, die Treppe zu ihrem Zimmer hinauf. […]«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
8. Am Abschnittsende steht: »Wie ein breites silbernes Band fiel der Mond darüber hin. Über dem Fluss, der schimmernd zu Tal floss, strahlten die Sterne. Nebel und Dunst und Dämmer waren verschwunden. Leuchtend lag die Welt.« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
9. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Auf der geräumigen Terrasse des »Tirolerhofes« in Innsbruck ist es allmählich stiller geworden.« / »Wie ein breites silbernes Band fiel der Mond darüber hin. Über dem Fluss, der schimmernd zu Tal floss, […]«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
3Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte
Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.
Niveau 1 · Einstieg
1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Auf der geräumigen Terrasse des »Tirolerhofes« in Innsbruck ist es allmählich stiller geworden.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »War es heißes bräutliches Empfinden, das Lena auf den Wangen, in den Augen glühte?«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Nebel und Dunst und Dämmer waren verschwunden.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Jugend von Duncker, Dora ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).
Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.
Jugend
Dora Duncker: Jugend. Novellen. Neue vermehrte Auflage, Berlin: Gebrüder Paetel, 1907. Duncker, Dora 8- Berlin
Das Werk Jugend von Duncker, Dora ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.
Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.