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Buch - Jeremias - Zweig, Stefan

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Originalwerk · Lesefassung

Jeremias

Zweig, Stefan

Der Prophet Jeremias warnt vor dem Krieg, während politische und religiöse Wortführer auf Macht und Sieg vertrauen. Nach der Zerstörung Jerusalems richtet sich das Drama auf die Möglichkeit geistigen Widerstands und gemeinsamer Hoffnung im Exil.

DramaKlasse 9–10 · 11–1310 Abschnitte
Historisches Bildnis von Stefan Zweig
Historisches Bildnis von Stefan Zweig — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Franz Xaver Setzer (1886-1939) · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache, gesellschaftliche Ausgrenzung, Gewalt und zeitgebundene Wertvorstellungen im Unterricht gemeinsam einordnen.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Deutsch · Abschnitt 2 von 10

DAS ERSTE BILD DIE ERWECKUNG DES PROFETEN

1
DAS ERSTE BILD
DIE ERWECKUNG DES PROFETEN
2
„Rufe mir, so will ich dir antworten und dir anzeigen große und gewaltige Dinge, die du nicht weißt.“
3
Jer. XXX, 3.
4
Das flache Dach auf dem Hause des Jeremias, weißgequadert und blinkend im matten Mond. In der Tiefe mit Türmen und Zinnen, mit Schlaf und Stille Jerusalem. Alles ist reglos ringsum, nur der Wind der ersten Frühe fährt manchmal tönend durch das Schweigen.
5
Plötzlich Schritte, polternd und hastig, die Treppe empor. Jeremias im losen Kleid, die Brust offen, wie ein Gewürgter keuchend, stürmt herauf.
6
JEREMIAS:
7
Die Tore rammelt zu ... die Riegel vor ... zum Wall ... zum Walle!... Oh Wächter, schlimme Wächter ... sie kommen ... sie sind da ... Brand über uns ... im Tempel Brand ... Hilfe ... zu Hilfe!... Die Mauer fällt, die Mauer ...
8
JEREMIAS (ist bis zum Rande des Daches vorgestürmt und hält plötzlich inne. Sein Schrei prallt gell gegen die weiße Stille. Er schrickt zusammen, ein Erwachen kommt über ihn. Sein Blick tastet wie der eines Trunkenen über die Stadt hin, seine Arme, die schreckhaft gespreizten, brechen langsam nieder, müde streift die Hand über die offenen Lider):
9
Wahn! Wieder Trug und Traum, der fürchterliche! Oh Träume, Träume, Träume, wie voll ist ihrer das Haus!
10
(Er beugt sich über den Rand der Mauer und blickt hinab:)
11
Friedlich die Stadt, friedlich das Land, in mir nur dieser Brand, nur meine Brust ein Feuer! Oh, wie sie selig ruht in Gottes Arm, von Schlaf bebrütet, überdacht von Frieden, ein Tau von Mond auf jedem Haus und Schlummer, sachter Schlummer auf jedes Hauses Stirn. Nur ich, ich brenne Nacht um Nacht, stürz hin mit allen Türmen, fliehe Flucht, vergeh in Flammen, nur ich, nur ich, zerwühlt die Eingeweide, fahr taumelnd hoch vom heißen Bett zum Mond, dass er mich kühle! Nur mir sprengt Traum den Schlaf, nur mir frisst feurig Graun das Schwarze von den Lidern! Oh Marter dieses Bilds, oh Irrwitz von Gesichten, die trügerisch im Blut sich ballen und matt schmelzen dann im wachen Mond!
12
Und immer gleich der Traum, gleich dieser Wahn, Nacht, Nacht und Nacht, der gleiche Schrecken sich im Fleische bäumend, der gleiche Traum zu gleicher Qual entbrennend! Wer tat dies in mein Blut, dies Gift der Träume, wer, wer jagt mich so mit Schrecknis? Wer hungert meines Schlafs, dass er ihn wegfrißt mir vom Leibe, wer quält, wer quälet mich? Mond, Nacht, Gestirn, ihr kalten Zeugen, wer, wer plaget mich, und wem, wem wache ich? Oh Antwort, Antwort! Wer bist du, Unsichtbares, das vom Dunkel zielt auf mich mit Pfeilen des Entsetzens, wer bist du, Schrecknis, die mich nachts beschläft, dass ich dein schwanger ward und mich hinkrümme in den Wehen? Warum dies Grauen mir, nur mir in dieser Stadt voll Schlummer und Entsinkens!
13
(Er horcht in die Stille hinein. Immer fiebriger.)
14
Oh Schweigen, Schweigen, immer Schweigen und innen Aufruhr noch und aufgewühlte Nacht. Mit heißen Fängen krallt sichs ein in mich und kann sie doch nicht fassen, mit Bildern geißelts mich und weiß nicht, wer mich treibet, in leere Luft hinfallen meine Schreie! Wohin, wohin entfliehn? Oh wirr Geheimnis dieser Jagd, der ich erliege, und weiß nicht, wessen Ziel und wem zur Beute! Tu auf dich, Netz und Wirrnis, den Sinn sag dieser Qual, du Unsichtbarer, oder lass von mir, ich kann, ich kann nicht mehr. Lass ab, du Jäger, oder fasse mich, in Wachen ruf mich, nicht im Traum, in Worten sprich und nicht in Bildern brenne, – tu auf dich, der du mich verschließest, den Sinn sag dieser Qual, den Sinn, den Sinn!
15
EINE STIMME (leise rufend vom Dunkel her. Sie scheint aus Tiefen oder Höhen zu kommen, geheimnisvoll in ihrer Ferne):
16
Jeremias!
17
JEREMIAS (taumelnd, wie von Steinwurf getroffen):
18
Wer?... mein Name ... war dies mein Name nicht ... rief es von Sternen, riefs aus meinem Traum?... (Er horcht hinaus. Alles ist wieder stumm.)
19
JEREMIAS:
20
Bist du es, Unsichtbarer, der mich jagt und plaget ... bin ich es selbst, tönt mein hinstürmend Blut ... noch einmal sprich, dass ich dich kenne, Stimme ... noch einmal ruf mich an ... noch einmal, einmal sprich ...
21
DIE STIMME (näher tastend):
22
Jeremias!
23
JEREMIAS (zerschmettert in die Knie stürzend):
24
Hier bin ich, Herr! Es hört dein Knecht! (Er lauscht atemlos. Nichts regt sich ringsum.)
25
JEREMIAS (erbebend vor Leidenschaft):
26
Sprich, Herr, zu deinem Knecht! Du riefest meinen Namen, so gib die Botschaft auch, auf dass mein Sinn sie fasse. Wach bin ich deinem Wort und offen deiner Rede! (Er lauscht wieder angespannt. Tiefes Schweigen.)
27
JEREMIAS:
28
Ist es vermessen, dass ich dein begehre? Ein Unbelehrter bin ich und geringer Knecht, ein Staubkorn deiner Erde, doch dein ist alle Wahl! Der du Könige kiesest aus den Hirten und oft entsiegelst eines Knaben Mund, dass er dann glühet deiner Rede, – du wählst nach andern Zeichen. Wen du berührest, Herr, der ist erwählet, wen du erwählest, Herr, der ist berufen. War schon dein Ruf dies, der an mich ergangen, oh sieh, ich habe ihn vernommen; bist du es, Herr, der mich gejagt, so sieh, ich flieh dir nicht. Faß deine Beute, Herr, greife dein Wild oder jag weiter mich zum Ziele! Nur mach mich wissend, dass ich dich nicht fehle, tu auf die Himmel deines Wortes, dass ich dich erschau, dein Knecht!
29
DIE STIMME (näher, eindringlicher):
30
Jeremias!
31
JEREMIAS (entbrennend):
32
Ich höre, Herr, ich höre! Mit meiner ganzen Seele horche ich dir zu! Aufgetan sind die Quellen meines Bluts und strömen, ausgereckt jede Faser meines Leibs, dich zu fassen, offen bin ich, unwürdig Gefäß, deiner Verkündung. Rede mir deine Rede, befiehl deine Befehle, dein bin ich mit dem Fleisch und dem Inwendigen meiner Seele! Ich will werden in deinem Willen und vergehen in deinem Geheiß. Ich will verlassen, die ich liebte, um deinetwillen und abseits werden meinen Freuden, ich will lassen die Süße des Weibes und die Hausung der Menschen, in dir allein will ich wohnen und wandern deine Wege. Keinen Ruf will ich hören, da ich deinen erhörte, und ertauben der Rede von Menschen. Dir allein gelobe ich mich, Herr, dir allein, denn durstig ist meine Seele deines Dienstes – offen bin ich deinem Wort und gewärtig deiner Zeichen!
33
DIE STIMME DER MUTTER (nun schon ganz nahe und kenntlich):
34
Jeremias!
35
JEREMIAS (in Ekstase):
36
Brich ein in mich, Herr, mein Herz birst vom Schauer deiner Nähe schon! Schütte dich aus, selig Gewitter; wühl mich auf, dass ich deinen Samen trage, mache fruchtend meine Erde, mache trächtig meine Lippe – einbrenn mir das Brandmal deiner Hörigkeit! Wirf dein Joch über mich, siehe, gebeuget schon ist mein Nacken, – dein bin ich, dein für immerdar. Nur erkenne mich, Herr, wie ich dich erkenne, nur lass mich deine Herrlichkeit schauen, wie du erschautest im Dunkel meine Niedrigkeit, den Weg nur weise deines Willens, Herr, weise ihn, weise ihn deinem ewigen Knecht!
37
DIE MUTTER (ist suchend die Treppe emporgestiegen. Ihr Blick ist ängstliche Sorge, ihre Stimme voll Zärtlichkeit):
38
Oh hier ... hier bist du, mein Kind.
39
JEREMIAS (auffahrend von den Knien, voll Schreck und Ingrimm):
40
Weg ... fort ... oh, verloschen die Stimme ... zerschlagen der Weg ... verborgen für immer ...
41
DIE MUTTER:
42
Weh ... wie du hier stehest im dünnen Gewand am Kalten der Mauer ... komm hinab, mein Kind ... Fieber schwelt her von den Sümpfen des Morgens ...
43
JEREMIAS (voll Wildnis):
44
Was folgst du mir, was verfolgst du mich! Oh Jagd ohne Ende, umstellt von Stirn und Rücken, in Wachen und Schlaf ...
45
DIE MUTTER:
46
Jeremias, wie faß ich dich? Ich lag unten im Schlafe, da war mir, als hörte ich Zwiesprach vom Dache und Rede und Wort ...
47
JEREMIAS (auf sie zu):
48
Du hörtest ... Du auch ... um der ewigen Wahrheit willen ... Du hörtest Ihn reden, vernahmest den Ruf ...
49
DIE MUTTER:
50
Wen meintest ... keinen seh ich mit dir ...
51
JEREMIAS (sie fassend):
52
Mutter ... ich beschwöre dich, sprich mir ... Tod oder Seligkeit trägt mir dein Wort ... Du hörtest eine Stimme ... wachen Sinnes hörtest du sie ...
53
DIE MUTTER:
54
Eine Stimme hört ich vom Dache und tastete, dass ich dich weckte. Doch kalt war das Linnen, leer lag dein Bett. Da fiel Angst über mich, und ich rief deinen Namen ...
55
JEREMIAS (erschwankend):
56
Du riefest ... Du riefest meinen Namen ...
57
DIE MUTTER:
58
Zu dreien Malen rief ich ihn ... Doch warum ...
59
JEREMIAS:
60
Zu dreien Malen? Mutter, des bist du gewiss ...
61
DIE MUTTER:
62
Dreimal rief ich dich an ...
63
JEREMIAS (mit brechender Stimme):
64
Zernichtung und Hohn! Oh, Trügnis überall, außen und innen. In Angst schrie eine zu mir, und mein Grauen vermeinte den Gott ...
65
DIE MUTTER:
66
Wie bist du sonderlich! Kein Unrecht glaubt ich zu tun. Und stieg, da keiner Antwort gab, selbstens empor, ob hier einer wäre. Doch keiner war hier.
67
JEREMIAS:
68
Oh doch! Ein Rasender, ein Verblendeter ... oh Qual und Marter der Träume ... Sinn und Widersinn im Betruge ... ich Narr, ich Narr meines Wahns!...
69
DIE MUTTER:
70
Was redest du ... was ficht dich an ...
71
JEREMIAS:
72
Nichts, Mutter, nichts ... nicht achte meiner Worte ...
73
DIE MUTTER:
74
Nein, Jeremias, ich achte ihrer, doch sie verschließen sich mir. Jeremias, ein fremder Geist ist über dich kommen, fremd ward und feindlich dein Sinn. Was ist dir geschehen, mein Kind, was quälet, was sorget dich?
75
JEREMIAS:
76
Nichts quält mich, Mutter ... mich schwülte das Bett ... Kühlung kam ich zu trinken ...
77
DIE MUTTER:
78
Nein, du verschließt dich, du Harter, vor mir und bist doch offen meiner Seele. Meinst du, ich wisse nicht, wie du umgehst seit Monden Nacht um Nacht; meinest du, ich hörte nicht das Stöhnen deines Schlafs und den Angstschrei deines Schlummers? Oh, offenen Auges hör ich dich im Dunkel, wie du umwanderst ruhlos im Haus, Schritt für Schritt hör ich dich schreiten, und Schritt für Schritt mitwandert mein Herz. Was ists, das dich quälet? Tu dich auf, du Verschlossener, nicht birg meiner Sorge die Qual!
79
JEREMIAS:
80
Nicht sorge dich, Mutter! Nicht sorge dich!
81
DIE MUTTER:
82
Wie soll ich deiner nicht sorgen? Bist du denn meiner Tage Tag nicht und meiner Nächte Gebet? Aus den Händen bist du mir gewachsen, darin ich dich trug, doch meine Seele, noch hält sie dich inne, dass sie wache deines Lebens. Oh, ich wusste es vordem, eh du es wusstest, ich sah es, eh du es schautest, seit Monden schon: es ist ein Schatten auf dein Antlitz gefallen und eine Sorge in deine Seele. Du bist fremd worden deinen Freunden und abseits der Fröhlichen, den Markt meidest du und der Menschen Haus. In Gedanken vergräbst du und des Lebens versäumest du dich. Jeremias, besinne dich, zum Priester bist du gezogen, dein harret des Vaters Gewand, dass du lobpreisest den Herrn mit Psalter und Gesang. Heb auf dein Antlitz vom Dunkel in den Tag, es ist Zeit, dass du bauest dein Leben, dass du beginnest dein Werk!
83
JEREMIAS:
84
Nicht ist Zeit jetzt des Beginnens! Zu nah ist das Ende!
85
DIE MUTTER:
86
Es ist Zeit! Es ist Zeit! Mannbar bist du des langen, eines Weibes verlanget dies Haus und der Kinder, damit erweckt sei deines Vaters Bild.
87
JEREMIAS (in grimmigem Schmerz):
88
Ein Weib heimführen in Wüstung? Kinder zeugen dem Würger? Wahrlich, nicht bräutlich nahet die Stunde!
89
DIE MUTTER:
90
Ich faß dich nicht.
91
JEREMIAS:
92
Soll ich bauen ein Haus in den Abgrund und mein Leben in den Tod? Soll ich säen der Fäulnis und lobpreisen die Vernichtung? Ich sage dir, Mutter, wohl dem, der sein Herz nicht hängt jetzt ans Lebendige, denn wer atmet diesen Tag, trinkt schon von seinem Tod.
93
DIE MUTTER:
94
Welch ein Wahn ist über dir? Wannen war sanfter die Zeit, wann stiller im Frieden dies Land?
95
JEREMIAS:
96
Nein, Mutter, sie sagen Friede und Friede, die Toren, aber es ist darob kein Friede noch, und sie legen sich nieder und vermeinen Schlaf, die Arglosen, und schlafen schon in ihren Tod. Mutter, eine Zeit ist nahe wie keine gewesen je in Israel, und ein Krieg, wie noch keiner über Erden gefahren! Eine Zeit, dass neiden werden die Lebendigen die Toten in der Grube um ihren Frieden und die Schauenden die Blinden um ihr Dunkel. Noch ist es nicht sichtig den Toren, noch ist es nicht offenbar den Träumern, doch ich, ich hab es geschauet Nacht um Nacht. Immer höher brennet der Brand, immer näher nahet der Feind, er ist da, der Tag des Getümmels und der Zertretung, schon steiget des Krieges rot Gestirn aus der Nacht.
97
DIE MUTTER:
98
Entsetzen ... wie wüsstest du's?...
99
JEREMIAS:
100
Ein Wort, ein heimlich Wort ist über mich kommen, Da ich Gesichte beschaute des Nachts Und irrging in Träumen. Furcht und Bangnis fiel über mich, Meine Gebeine erbebten wie eine Klapper, Und gleich rissiger Mauer Einstürzte mein Herz. – Mutter, Ich habe Dinge gesehen, Wenn die stünden geschrieben, Würde starren der Menschen Haar Und der Schlaf fallen wie Asche Von ihrem Gesicht.
101
DIE MUTTER:
102
Jeremias ... was ist über dich ...
103
JEREMIAS:
104
Das Ende nahet, das Ende, Es fahret aus Dräuend von Mitternacht, Feuer sein Wagen, Würgung sein Flug! Schon rauschen Schrecknis die heiligen Himmel, Schon bebt die Erde von Donner und Huf.
105
DIE MUTTER (im Entsetzen):
106
Jeremias!
107
JEREMIAS (sie anfassend, lauschend):
Historisches Bildnis von Stefan Zweig
Kontextbild zum Werk. Historisches Bildnis von Stefan Zweig — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Franz Xaver Setzer (1886-1939) · Public domain Bildquelle ↗
108
Hörst du ... hörest du nicht, es rauschet, es rauschet schon nah ...
109
DIE MUTTER:
110
Nichts höre ich! Es morgent. Hirtenflöten wachten im Tal, und ein klein Wind umspielet das Dach.
111
JEREMIAS:
112
Ein klein Wind? Wehe, wehe! Gewaltigen Rauschens Wächst er empor, Sturmwind von Gott. Aus dem Geklüfte Der Mitternacht Kommt er gefahren, Schrecknis schwingt er Über die Stadt. Mutter! Mutter! Hörst du es nicht: Schwert klirrt im Wind, Räder rollt die rauschende Welle, Lanze blinkt und Harnisch die Nacht, Krieger und Krieger, unendliche Scharen Schüttet der Sturmwind über das Land.
113
DIE MUTTER:
114
Wahnwitz von Träumen! Wirrnis und Trug!
115
JEREMIAS:
116
Es nahet, es nahet, Fremd Volk, Mächtig und alt Aus dem Osten der Erde, Unendliche Fülle Rauschen sie an, Wie Blitz fliegen weit ihre windigen Pfeile, Ihre Rosse sind alle mit Eile behufet, Ihre Wagen starr wie die Felsen geschient. Und inmitten ausfähret Mit blutiger Krone Der Stürzer der Städte, Der Zünder der Brände, Der Zwingherr der Völker, Der König, der König von Mitternacht.
117
DIE MUTTER:
118
Der König von Mitternacht ... Du träumest ... der König von Mitternacht.
119
JEREMIAS:
120
Den Er erweckte, Den Er erwählte, Als harten Vollstrecker Härtesten Spruchs, Dass er strieme das Volk um all seiner Fehle, Dass er mahle die Mauer und berste die Türme, Dass er lösche das Licht und das Lachen der Häuser, Dass er tilge die Stadt und den Tempel von Erden Und pflüge die Straßen Jerusalems.
121
DIE MUTTER:
122
Irrwitz und Frevel! Ewig währet Jerusalem!
123
JEREMIAS:
124
Es fällt! Was Gott berennet, Hat nicht Bestand! Von untenher Werden dorren seine Wurzeln, Und von obenher Geschnitten seine Frucht! Mit der Axt und dem Brande Wird der Reisige roden Israels Forst und Zions Gefild.
125
DIE MUTTER (ausbrechend):
126
Es ist nicht wahr! Du lügst! Du lügst! Nie wird ein Feind diese Stadt umwallen, Nie Zion zittern, nie Davids Burg fallen! Und wenn der Feind von den Enden der Erde käm, Ewig werden die ragenden Mauern, Ewig die Herzen Israels dauern, Ewig währet Jerusalem!
127
JEREMIAS:
128
Es stürzet! Gebrochen ist der Stab und gezeichnet die Stunde! Das Ende nahet, Israels Ende!
129
DIE MUTTER:
130
Gottesleugner! Gottesleugner! Des Herrn Erwählte sind wir und werden dauern über die Zeiten! Nie vergehet Jerusalem!
131
JEREMIAS:
132
Ich habe es geschauet in meinen Träumen, offenbar ward es meinen Gesichten!
133
DIE MUTTER:
134
Frevler, wer so träumet, und Frevler siebenfach, wer glaubt solchen Träumen! Wehe, wehe, dass ichs erlebe, mein eigen Blut zaget an Zion und zweifelt des Herrn! Jeremias, Jeremias, willst du, dass mir zum Abscheu werde mein Schoß?
135
JEREMIAS:
136
Wider Willen kam mir das Grauen, nicht vermag ich zu wehren den Gesichten.
137
DIE MUTTER:
138
Halte dich wach im Gebet wider sie, und an dem Namen des Herrn zerschellet ihr Trug. Jeremias, besinne dich: eines Gesalbten Sohn bist du und geweiht, dass deine Stimme lobsinge dem Herrn, dass sie erhebe die Herzen der Zagenden und mit Mut fülle der Verstöreten Sinn!
139
JEREMIAS:
140
Wie kann ichs, wie kann ichs! Selbst bin ich der Verstörteste aller! Lass ab von mir, Mutter, lass ab!
141
DIE MUTTER:
142
Ich lasse nicht dein und nicht deine Seele dem Zweifel. Jeremias, mein einzig Kind, höre mich an! Geheimes künde ich dir zum erstenmal, dass erwache dein Herz. Höre mich, die ich zu dir rede aus meiner Not. Auch ich war eine Verzagete einst, denn zehen Jahre verschloss der Herr meinen Schoß. Spott ward ich den Gefährtinnen und der Kebsen Gelächter. Zehen Jahre trug ich es duldend und zagete schon, aber im elften entbrannte mein Herz, und ich ging in Gottes Haus, dass Er Frucht schenke meinem Schoß.
143
JEREMIAS:
144
Zum erstenmal kündest du dies ... zum erstenmal.
145
DIE MUTTER:
146
Und ich warf mich zur Erde und tränkte sie mit meinen Tränen und gelobete: so ein Sohn mir geschenkt sei, ihn zu weihen dem Herrn. Ich gelobete zu schweigen und kein Wort zu tun vom Munde in meiner schweren Zeit, dass ihm dereinst der Rede Fülle sei, zu lobpreisen den Gott.
147
JEREMIAS:
148
Mich gelobet ... Mutter!... auch du ... auch du ...
149
DIE MUTTER:
150
Selbigen Tages erkannte dein Vater mich, und ich ward dein gesegnet. Jeremias, höre, Jeremias, neun Monde begrub ich getreu die Stimme in meinem Leibe, dass dir alle Fülle des Wortes sei, dass du Lobkünder werdest des ewigen Gottes! So lösete ich mein Wort, und wir zogen dich auf, dass du lerntest die Schrift, und lieblich klang deine Stimme zum Psalter. Jeremias, nun weißt du: zum Priester bist du geweiht von Anbeginn und zum Lobkünder des Herrn. Zerreiß deiner Träume Netz und tritt in den Tag.
151
JEREMIAS:
152
Oh, zwiefach Gelöbnis, Mutter, oh, zwiefach Zeugnis dieser Nacht. Zum andern Male hast du mich erwecket dem Leben, ein Wissender bin ich worden an deinem Wort, denn wundersam: ich schrie auf meine Frage zu Gott, und er entsandte dich mir zur Rede! Oh Geheimnis dieses Wegs, oh Stachel der Träume, der mich aufstieß, oh Lockung der Bilder, die mich weckten, oh trefflicher Jäger, der nicht fehlet! Nun weiß ich, wer geschlagen an meines Schlafes Wand, bis ich aufstund von meines Lebens Schlummer, nun weiß ich, wer drängete meine Säumnis, nun weiß ich, wer mich gefordert ...
153
DIE MUTTER:
154
Was ward dir! Wie eines Trunkenen gehet deine Rede ...
155
JEREMIAS:
156
Ja, trunken bin ich nun der Gewissheit seines Willens und so voll der Rede, dass mich der Odem in meinem Innern ängstet. Die Siegel sind gebrochen meines Mundes, und mir brennet die Lippe der Verkündung ...
157
DIE MUTTER:
158
Wehe, wenn du sie kündest deine Träume, die verruchten! Mein Sohn bist du nicht, schreist du aus solchen Wahn!
159
JEREMIAS:
160
Dein Sohn, Mutter? Oh, wie sehr bin ich dein Sohn, wie dir gleich im Geschehen! Wisse, auch ich bin ein Unfruchtbarer gewesen, und Er hat mir ein Wort gezeuget und ein Geheimnis. Erneut habe ich, Mutter, dein Wort, auch ich habe mich ihm gelobet ...
161
DIE MUTTER:
162
So tritt hin in sein Haus, dass du ihm opferst, der dich erweckte, dass du lobpreisest seinen Namen!
163
JEREMIAS:
164
Nein, Mutter, nicht Opferers Dienst hab ich genommen – selbst will ich das Opfer sein. Ihm bluten entgegen meine Adern, ihm brennet mein Fleisch, ihm flammet meine Seele. Ich will ihm dienen, wie keiner gedient, seine Wege sind meine Wege nunab. Oh, siehe, schon morgents im Tale, und auch in mir war es Tag aus den Dunkelheiten! Sein Himmel brennet in Feuer, und auch mir entbrannte das Herz. Oh, Wagen Elias, auffahrend im Feuer, reiß mit meine Rede, dass sie niederstürze wie Donner in der Menschen Tag! Wehe, mir brennet die Lippe schon, fort, ich muss fort ...
165
DIE MUTTER:
166
Wohin willst du vor Tag?
167
JEREMIAS:
168
Ich weiß nicht, Gott weiß es.
169
DIE MUTTER:
170
Doch sage, was planest du?
171
JEREMIAS:
172
Ich weiß nicht, ich weiß nicht! Sein ist mein Herz, sein ist die Tat!
173
DIE MUTTER:
174
Jeremias, ich lasse dich nicht, du schwörest mir denn, dass du verschweigst deine Träume ...
175
JEREMIAS:
176
Ich schwöre nicht! Ihm allein bin ich verschworen!
177
DIE MUTTER:
178
... dass du nicht kündest Schrecknis vor dem Volke.
179
JEREMIAS:
180
Sein ist die Verkündung, mein nur die Lippe!
181
DIE MUTTER:
182
Wehe, du fliehest mein Wort! So höre und wisse: wer ausgehet Zweifel zu säen in Israel, geht nicht mehr ein in mein Haus.
183
JEREMIAS:
184
Sein ist mein Wort, sein meine Hausung.
185
DIE MUTTER:
186
Wer nicht glaubet an Zion, ist nicht mehr mein Sohn!
187
JEREMIAS:
188
Sein bin ich allein, der mich eintat deinem Leibe.
189
DIE MUTTER:
190
So weichest du? Aber höre vordem noch, Jeremias, höre, eh du auftust die Lippe vor dem Volke: Ich fluche aus meiner Seele Kraft dem, der Schrecknis wirft über Israel, ich fluche ...
191
JEREMIAS (schauernd):
192
Nicht fluche, Mutter, nicht fluche!
193
DIE MUTTER:
194
Ich fluche dem, der Sturz sagt den Mauern und Wüstung den Gassen, ich fluche dem, der Tod schreit über Israel. Möge sein Leib in Feuer fallen und seine Seele in des lebendigen Gottes Faust.
195
JEREMIAS:
196
Nicht Fluch sprich ... Mutter ... vielleicht stößt Er mich unter ihn ...
197
DIE MUTTER:
198
Ich fluche dem Zweifler, der mehr vertrauet den Träumen denn Gottes Barmherzigkeit! Ich verfluche, ich verfluche den Leugner Gottes und wäre es mein Kind! Zum letztenmal, Jeremias ... wähle!
199
JEREMIAS:
200
Ich ... geh ... meinen Weg ... (Er beginnt mit schwerem Schritt zur Treppe zu treten.)
201
DIE MUTTER:
202
Jeremias ... mein einzig Kind bist du und meines Alters Trost ... entweiche meinem Fluch ... denn Gott wird ihn erhören, wie er erhörte mein Gelöbnis.
203
JEREMIAS:
204
Auch ich bin ihm gelobet, Mutter, auch mich hat er erhöret. Lebe wohl! (Er schreitet die erste Stufe hinab.)
205
DIE MUTTER (aufschreiend):
206
Jeremias! Über mich geht dein Schritt! Du zertrittst mir das Herz!
207
JEREMIAS:
208
Ich weiß die Straße nicht, die ich schreite ... ich fühl die Steine nicht, die ich trete ... ich fühl einen Ruf nur ... einen Ruf, der mich rufet ... und ich folge dem Ruf ...
209
(Er steigt langsam die Stufen nieder, das Antlitz ernst und verhalten, die Augen starr in den Himmel.)
210
DIE MUTTER (zur Treppe hinstürzend, in Verzweiflung):
211
Jeremias!... Jeremias!... Jeremias!...
212
(Keine Antwort. Der Schrei verhallt zur Klage und schwingt allmählich ganz ins Schweigen zurück. Einsam steht die einstürzende Gestalt der Mutter vor dem hohen Himmel, über den sich tragische Morgenröte wie ein Schein von Feuer und Blut mählich zu verbreiten beginnt.)

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Oh Träume, Träume, Träume, wie …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Tu auf dich, Netz und Wirrnis, den Sinn sag dieser Qual, du […], oder lass von mir, ich kann, ich kann nicht mehr.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welcher Ausschnitt enthält eine ausdrückliche Verneinung oder einen Ausschluss? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

4. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Eine Stimme hört ich vom Dache und […], dass ich dich weckte.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

5. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Oh, ich wusste es vordem, eh du es wusstest, ich sah es, eh du es […], seit Monden schon: es ist ein Schatten auf dein Antlitz gefallen und eine Sorge in deine Seele.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Oh, wie sie selig ruht in Gottes Arm, von Schlaf bebrütet, überdacht von Frieden, ein Tau von Mond auf jedem Haus und Schlummer, sachter Schlummer auf jedes Hauses Stirn.« B: »Spott ward ich den Gefährtinnen und der Kebsen Gelächter.« C: »Nein, Jeremias, ich achte ihrer, doch sie verschließen sich mir.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Ich habe es geschauet in meinen …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Spott ward ich den …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »„Rufe mir, so will ich dir […] und dir anzeigen große und gewaltige Dinge, die du nicht weißt.“«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »„Rufe mir, so will ich dir antworten und dir anzeigen große und gewaltige Dinge, die du nicht weißt.“«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.

Impulse zur Selbstprüfung

Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.

  • Situation oder Gedanke verständlich erklärt
  • Mindestens ein passender Textbeleg
  • Eigene Formulierungen statt bloßer Abschrift
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2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »„Rufe mir, so will ich dir antworten und dir anzeigen große und gewaltige Dinge, die du nicht weißt.“« und »Möge sein Leib in Feuer fallen und seine Seele in des lebendigen Gottes Faust.«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.

Impulse zur Selbstprüfung

Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.

  • Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
  • Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
  • Deutung und wörtlichen Beleg unterschieden
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »Nein, Jeremias, ich achte ihrer, doch sie verschließen sich mir.«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.

Impulse zur Selbstprüfung

Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.

  • Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
  • Wirkung als begründete Deutung formuliert
  • Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
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Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »„Rufe mir, so will ich dir antworten und dir anzeigen große und gewaltige Dinge, die du nicht weißt.“«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
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Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Wahrlich, nicht bräutlich nahet die Stunde!«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
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Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Ich weiß die Straße nicht, die ich schreite ... ich fühl die Steine nicht, die ich trete ... ich fühl einen Ruf nur ... einen Ruf, der mich rufet ... und ich folge dem Ruf ...«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
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Ausgabe, Herkunft und Rechte

Deutschsprachiger Originaltext. Der urheberrechtliche Zeitraum des namentlich belegten Autors ist nach dokumentierten GND-Lebensdaten für Deutschland abgelaufen. Abbildungen und moderne Begleittexte der Ausgangsausgabe werden nicht übernommen.

Jeremias: Eine dramatische Dichtung in neun Bildern

Zweig, Stefan: Jeremias: Eine dramatische Dichtung in neun Bildern, Project Gutenberg eBook 40564.

Quelltext und Ausgabe ↗ · Original German author text is public domain in Germany by documented author lifetime. Project Gutenberg US status is not the DE rights basis. Lizenz

Originalsprache · Deutsch

Unveränderte deutsche Quellfassung; die andere Spalte bietet eine gesonderte Lesefassung. Beide Ansichten gehören zu demselben Werk.

Zweig, Stefan: Jeremias: Eine dramatische Dichtung in neun Bildern, Project Gutenberg eBook 40564.

Autorschaft und Ausgabe: Zweig, Stefan

Originaltext und Ausgabe ↗ · Project Gutenberg · Lizenz und Nutzungsbedingungen

Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.