Jakob und sein Herr reisen durch Frankreich und geraten beim Erzählen von Jakobs Liebesgeschichte ständig auf Umwege. Diderot verbindet komische Begegnungen mit Fragen nach Freiheit, Vorherbestimmung und der Macht des Erzählers.
RomanKlasse 11–1319 Abschnitte
Porträt von Denis Diderot — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Jean-Baptiste Greuze · Public domainBildquelle ↗
Deutsche Übersetzung: Mylius, Wilhelm Christhelf Siegmund
Hinweise für den Unterricht
Historische gesellschaftliche, religiöse und geschlechterbezogene Vorstellungen kritisch einordnen. Die Klassenangabe ist redaktionelle Orientierung für begleitete Lektüre.
Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.
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Deutsch · Abschnitt 1 von 19
Jakob und sein Herr · Leseabschnitt 1
Redaktioneller Leseabschnitt innerhalb von „Jakob und sein Herr“. Die zusätzliche Gliederung verändert weder Wortlaut noch Reihenfolge.
Jakob: Weil ich, während ich mich an seinem schlechten Weine benebelte, unsere Pferde zur Tränke zu führen vergaß. Mein Vater wird es gewahr und gerät in Zorn. Ich setze einen Kopf auf. Er erwischt einen Stock und begrüßt damit meine Schultern ein wenig derb. Eben zog ein Regiment vorbei, um ins Lager von Fontenoy zu marschieren; aus Verdruss lasse ich mich anwerben. Wir langen im Lager an; die Schlacht geht vor sich ...
Jakob: Erraten! Einen Schuss ins Knie, und Gott weiß, was alles für gute und böse Ereignisse dieser Schuss nach sich zog! Sie greifen genauso ineinander wie die Gelenke einer Kinnkette; ohne diesen Schuss zum Beispiel würde ich wohl nie in meinem Leben verliebt oder lahm geworden sein.
Der Herr schlief ein. Die Nacht überraschte sie mitten auf dem Felde, und sie waren vom rechten Weg abgekommen. Der Herr geriet in heftigen Zorn und fiel mit der Karbatsche über seinen Diener her. Bei jedem Schlag sagte der arme Teufel bei sich: ›Auch der stand offenbar dort oben geschrieben.‹
Du siehst, lieber Leser, dass ich auf dem besten Wege bin und dass es nur von mir abhinge, dich ein Jahr, zwei Jahre, drei Jahre auf die Erzählung von Jakobs Liebeshändeln warten zu lassen; ich brauchte ihn nur von seinem Herrn zu trennen und jeden in so viele Begebenheiten zu verwickeln, wie mir beliebte. Wer könnte mich verhindern, den Herrn zu verheiraten und zum Hahnrei zu machen, Jakob nach Westindien segeln zu lassen, seinen Herrn ebenfalls dahin zu schicken und beide dann auf einem und demselben Schiffe nach Frankreich zurückzuführen? Es ist ja so leicht, Geschichten zu erfinden. Doch diesmal sollen sie mit einer elenden Nacht und du mit diesem kleinen Aufschub davonkommen.
Mit Tagesgrauen saßen sie wieder auf ihren Gäulen und setzten ihren Weg fort. ›Und wo ging ihr Weg hin?‹ – Leser, du tust mir diese Frage schon zum zweiten Mal, und zum zweiten Mal muss ich dir antworten: Was kümmert das dich? Lasse ich mich einmal auf den Zweck ihrer Reise ein, dann gute Nacht, Jakobs Liebesgeschichte!
Stillschweigend ritten sie einige Zeit. Als sich endlich jeder von seinem Verdruss ein wenig erholt hatte, sagte der Herr zu seinem Diener: »Nun, Jakob, wo sind wir in deiner Liebesgeschichte stehengeblieben?«
Jakob: Ich glaube, bei der Flucht des feindlichen Heeres. Es lief, wer laufen konnte, die Sieger hinterdrein, und jeder dachte nur an sich. Ich blieb auf dem Schlachtfelde liegen und war unter einer gewaltigen Menge Toter und Verwundeter begraben. Den Tag darauf lud man mich mit einem Dutzend anderer auf einen Karren, um mich in eines unserer Lazarette zu bringen. Ach, Herr, ich glaube, es gibt keine schlimmere Verwundung als am Knie!
Jakob: Nein, beim Henker, Herr, ich spaße nicht! Es gibt da ich weiß nicht wie viele Knochen und Sehnen und andere Sachen, die ich weiß nicht wie heißen ...
Eine Art Bauer, der mit einem Mädchen hinter sich unsern Reisenden auf der Ferse nachritt und ihnen zugehört hatte, nahm das Wort und sagte: »Der Herr hat recht.«
Man wusste nicht, wem dieses ›Herr‹ gelten sollte; aber es ward von Jakob und seinem Herrn sehr übel aufgenommen, und Jakob sagte zu dem ungebetenen Zwischenredner: »Worein mischest du dich?«
Die Weibsperson, die hinter ihm saß, sagte zu ihm: »Herr Doktor, setzen wir unseren Weg fort und lassen wir diese Herren in Frieden, da sie es nicht gern zu sehen scheinen, dass man ihnen beweist.«
Und indem er sich umwendete, um zu beweisen, stieß er seine Gefährtin an. Diese verlor das Gleichgewicht, fiel vom Gaul, blieb mit dem einen Fuß im Schoße seines Kleides hängen, und die Röcke schlugen ihr über dem Kopf zusammen.
Jakob sprang hurtig hinunter, machte den Fuß des armen Geschöpfes los und gab ihren Röcken die vorige Lage wieder. Ich weiß nicht, ob er bei den Röcken oder mit Losmachen des Fußes anfing; genug, nach dem Geschrei der Weibsperson zu urteilen, hatte sie sich ernstlich verletzt.
Und Jakob zu dem gefallenen oder wieder aufgehobenen Frauenzimmer: »Tröste dich, mein gutes Kind, es ist weder deine Schuld noch die Schuld des Herrn Doktors, noch meine, noch die meines Herrn, sondern es steht dort oben geschrieben, dass heute auf dieser Landstraße zu dieser Stunde der Herr Doktor einen Anfall von Schwatzhaftigkeit bekommen, mein Herr und ich zum Anhören nicht aufgelegt sein, du eine Quetschung am Kopfe davontragen und man deinen bloßen Hintern sehen sollte.«
Oh, was könnte unter meinen Händen aus diesem Abenteuer nicht alles werden, wenn mich die Lust anwandelte, deine Geduld, lieber Leser, auf die Folter zu spannen! Ich würde aus diesem Frauenzimmer eine Person von Wichtigkeit schaffen, sie zur Nichte des Pfarrers in einem benachbarten Dorfe machen, die Bauern dieses Dorfes aufhetzen, kurz, ich würde Raufhändel und Verliebungen ohne Zahl zusammenhäufen; denn schließlich war diese Bäuerin unter ihrer Wäsche schön.
Jakob und sein Herr hatten es wohl bemerkt, und nicht immer lauert die Liebe eine so verführerische Gelegenheit ab. – Warum sollte Jakob nicht zum zweiten Mal verliebt werden? Warum nicht zum zweiten Mal der Rival und sogar der begünstigte Rival seines Herrn sein? ›War ihnen das schon einmal begegnet?‹ – Immer diese Fragen! Lieber Leser, du willst also nicht, dass Jakob in der Erzählung seiner Liebschaften fortfahren soll? Ein für allemal, erkläre dich! Macht sie dir Vergnügen oder nicht? Macht sie dir Vergnügen, so wollen wir das Frauenzimmer wieder auf die Kruppe von des Doktors Rosinante setzen, beide ihres Weges ziehen lassen und zu unsern Reisenden zurückkehren.
Diesmal nahm Jakob das Wort und sagte zu seinem Herrn: »Das ist der Welt Lauf; Sie, die Sie in Ihrem Leben nie verwundet worden sind und nicht wissen, was ein Schuss am Knie zu bedeuten hat – Sie wollen mir gegenüber, dem das Knie zerschmettert worden ist und der nun schon seit zwanzig Jahren hinkt, behaupten ...«
Herr: Du könntest vielleicht recht haben; aber niemand als dieser unverschämte Schwätzer von Wundarzt ist schuld, dass du noch mit deinen Kameraden auf dem Karren liegst, fern vom Lazarett, fern von deiner Heilung und fern vom Verliebtwerden.
Jakob: Der Schmerz an meinem Knie war unbeschreiblich, was für eine Vorstellung Sie sich auch davon machen mögen. Die Unbequemlichkeit des Fuhrwerks und der böse Weg vermehrten diesen Schmerz noch; bei jedem Stoß des Karrens stieß ich einen lauten Schrei aus.
Jakob: Allerdings. Ich verblutete mich und wäre des Todes gewesen, wenn unser Karren, der letzte in der Reihe, nicht vor einer Bauernhütte gehalten hätte. Ich verlangte, abgeladen zu werden, und man legte mich auf die Erde. Ein junges Weib, das in der Tür der Hütte stand, lief hinein und kam schnell mit einem Glase und einer Weinflasche zurück. Ich trank hastig ein oder zwei Schluck. Die Karren vor dem unsrigen fingen an, sich von neuem in Bewegung zu setzen. Man machte schon Anstalt, mich wieder zu meinen Gefährten zu werfen; aber ich hielt mich fest an den Kleidern des Weibes und an allem, was ich nur ergreifen konnte, und beteuerte, dass ich mich nicht wieder aufladen ließe und dass ich, wenn ich ja sterben müsste, lieber hier auf dieser Stelle als ein paar Meilen weiter sterben wollte. Mit diesen Worten fiel ich in Ohnmacht. Als ich wieder zu mir kam, fand ich mich ausgezogen auf einem Bett in einem Winkel der Hütte liegen. Um mich standen ein Bauersmann, der Herr vom Hause, seine Frau, dieselbe, die sich meiner angenommen hatte, und einige kleine Kinder. Die Frau hatte einen Zipfel ihrer Schürze in Weinessig getaucht und rieb mir Nase und Schläfe damit.
Jakob: Und wenn ich mich in sie verliebt hätte – was ließe sich wohl dagegen einwenden? Steht es einem frei, sich zu verlieben, oder nicht? Und ist mans, hängt es von einem ab, so zu handeln, als ob man es nicht wäre? Wenn es dort oben geschrieben gewesen wäre, so hätte ich mir alles sagen können, was Sie sich anschickten, mir zu sagen, hätte mich ohrfeigen, mit dem Kopf gegen die Wand rennen und mir die Haare ausraufen können – es hätte doch alles nichts genützt, und mein Wohltäter wäre zum Hahnrei geworden.
Jakob: Der Einwurf, den Sie da machen, hat mir schon mehr als einmal das Hirn zermartert; aber trotzdem, ich mag wollen oder nicht, muss ich bei dem Spruche meines Hauptmanns bleiben: Alles, was uns Gutes oder Böses hienieden begegnet, steht dort oben geschrieben. Herr! Können Sie mir ein Mittel sagen, wie sich diese Schrift wegradieren lässt? Kann ich nicht ich sein? Und wenn ich ich bin, kann ich anders handeln als ich? Kann ich zugleich ich und ein anderer sein? Und hat es, seitdem ich auf der Welt bin, wohl einen einzigen Augenblick gegeben, da dieses nicht wahr gewesen wäre? Predigen Sie, soviel Sie wollen. Ihre Gründe können vielleicht gut sein; aber sobald es in mir oder dort oben geschrieben steht, dass ich sie schlecht finden soll, so sagen Sie selbst, was kann ich machen?
Herr: Ich denke über etwas nach: ob nämlich dein Wohltäter zum Hahnrei geworden wäre, weil es dort oben geschrieben stand, oder ob es dort oben geschrieben stand, weil du deinen Wohltäter zum Hahnrei machen würdest.
Jakob: Beides stand nebeneinander geschrieben; beides war zu gleicher Zeit eingetragen worden. Man muss sich das wie eine große Rolle denken, die sich nach und nach entfaltet ...
Leser! Du siehst, wie weit ich dieses Gespräch über einen Gegenstand ausdehnen könnte, von dem man seit zweitausend Jahren soviel geschwatzt und soviel geschrieben hat, ohne deswegen um ein Haarbreit vorwärtsgekommen zu sein. Weißt du mir für das, was ich dir sage, nicht viel Dank, so wisse ihn mir wenigstens für das, was ich dir nicht sage.
Während unsere beiden Theologen sich stritten, ohne einander zu verstehen (wie sich das in der Theologie wohl zutragen kann), ward es Nacht. Sie reisten durch eine Gegend, die zu keiner Zeit recht sicher war, am wenigsten aber jetzt, da schlechte Verwaltung und Mangel und Not die Zahl der Gauner und Übeltäter gewaltig vermehrt hatten. Sie kehrten in der elendesten aller Herbergen ein. Man schlug ihnen zwei Gurtbetten in einer Kammer auf, die aus überall klaffenden Bretterverschlägen gebildet war. Sie verlangten zu Abend zu essen. Man trug ihnen Pfützenwasser, schwarzes Brot und kahmigen Wein auf. Wirt, Wirtin, Kinder, Gesinde – alle sahen unheimlich aus. Neben sich vernahmen sie das unmäßige Gelächter und die lärmende Fröhlichkeit von einem Dutzend Strauchdieben, die sich vor ihnen einquartiert und allen Vorrats bemächtigt hatten. Jakob war ziemlich ruhig; aber sein Herr ganz und gar nicht. Dieser machte sich alle möglichen Sorgen, während sein Bedienter einige Bissen schwarzes Brot verschlang und, sein Gesicht verziehend, ein paar Gläser von dem elenden Wein hinuntergoß. Indem hörten sie jemand an ihre Tür klopfen. Es war ein Knecht, den ihre unverschämten und gefährlichen Nachbarn gezwungen hatten, unseren beiden Reisenden auf einem Teller die Knochen und das Gerippe eines Huhnes zu bringen, das sie verzehrt hatten. Jakob ergrimmte und nahm die Pistolen seines Herrn.
»Und wären ihrer auch hundert! Die Zahl tut nichts zur Sache, wenn dort oben geschrieben steht, dass ihrer nicht genug sein sollen.«
Vorlage S. 11
Kontextbild zum Werk. Porträt von Denis Diderot — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Jean-Baptiste Greuze · Public domainBildquelle ↗
Aber Jakob entschlüpfte den Händen seines Herrn und trat mit einer gespannten Pistole in jeder Hand in das Zimmer der Gauner. »Auf und zu Bett!« rief er ihnen zu. »Den ersten, der aufmuckt, schieß ich vor den Kopf!« In Jakobs Ton und Miene lag so viel Entschlossenheit, dass diese Schelme, die ihr Leben wenigstens ebenso lieb hatten wie ehrliche Leute, ohne ein Wort zu sprechen, vom Tische aufstanden, sich auszogen und sich schlafen legten. Jakobs Herr erwartete in der Ungewissheit, was für einen Ausgang dieses Abenteuer nehmen würde, mit Zittern und Zagen seine Wiederkunft. Jakob trat ins Zimmer, mit den Kleidungsstücken aller dieser Burschen bepackt, die er an sich genommen hatte, damit sie nicht in Versuchung geraten möchten, früher, als er wünschte, aufzustehen und sich anzukleiden. Er hatte ihr Licht ausgelöscht, ihre Tür verriegelt und verschlossen und trug den Schlüssel nebst einer seiner Pistolen in der Hand. »Jetzt,« sagte er zu seinem Herrn, »jetzt haben wir nichts weiter zu tun, als uns zu verbarrikadieren, indem wir unsere Betten vor diese Tür schieben, und ruhig zu schlafen.« Damit fing er an, die Betten davorzuschieben, und erzählte dabei seinem Herrn kühl und ohne viele Worte die Einzelheiten seiner Expedition.
Jakob: Wenn das Meer zu kochen anfinge, so würde es, wie man zu sagen pflegt, viele gesottene Fische geben. Zum Henker, Herr! Vorhin glaubten Sie wunder welcher Gefahr ich mich aussetzte, und doch war nicht das geringste daran, jetzt glauben Sie sich in großer Gefahr, und doch ist daran vielleicht ebensowenig. Wir alle, so viele es unser in diesem Hause gibt, wir alle fürchten uns einer vor dem andern; ein Beweis, dass wir alle nicht recht gescheit sind.
Und indem er so sprach, hatte er sich ausgezogen, niedergelegt und fing an einzuschlafen. Sein Herr, der nun auch seinerseits ein Stück schwarzes Brot aß und einen Schluck von dem Krätzer nahm, spitzte die Ohren, horchte nach allen Seiten, sah Jakob an, der bereits schnarchte, und sagte: »Was ist das doch für ein Teufelskerl!« Endlich streckte er sich nach dem Beispiele seines Dieners ebenfalls auf sein Lager; aber er konnte kein Auge zutun. Sowie der Tag graute, fühlte Jakob eine Hand, die ihn rüttelte. Es war die seines Herrn, der ihm leise ins Ohr rief: »Jakob! Jakob!«
Jakob rieb sich die Augen, gähnte zu wiederholten Malen, reckte seine Arme, stand auf, kleidete sich an, ohne sich zu beeilen, schob die Betten weg, ging zur Türe hinaus und die Treppe hinunter, begab sich in den Stall, sattelte und zäumte die Pferde, weckte den Wirt, der noch schlief, bezahlte die Rechnung, behielt aber die Schlüssel zu den beiden Kammern bei sich und verließ mit seinem Herrn den Gasthof.
Der Herr wollte in vollem Trabe davoneilen; aber Jakob, immer seinem System getreu, wollte Schritt reiten. Als sie schon eine ziemliche Strecke von ihrer fatalen Nachtherberge entfernt waren, hörte der Herr etwas in Jakobs Tasche klingeln und fragte ihn, was es wäre. Jakob gab zur Antwort: »Die Schlüssel zu den beiden Kammern.«
Jakob: Damit man zwei Türen aufzubrechen hat: die Tür unserer Nachbarn, um sie aus ihrem Gefängnis zu befreien, und unsere Tür, um ihnen zu ihren Kleidern zu verhelfen. Auf die Art gewinnen wir Zeit und Vorsprung.
Jakob: Weil man im dunkeln über das, was dort oben geschrieben steht, weder weiß, was man tun soll noch was man tut, und seinen Grillen folgt, die man Vernunft nennt, oder seiner Vernunft, die oft nichts weiter ist als eine gefährliche Grille, welche bald zum Guten, bald zum Bösen ausschlägt.
Jakob: Das lässt sich sehr leicht erklären. Ein glücklicher Mensch ist der, dessen Glück dort oben geschrieben steht; und folglich ist der, dessen Unglück dort oben geschrieben steht, ein unglücklicher Mensch.
Jakob: Und wer hat die große Rolle verfertigt, worin das alles geschrieben steht? Ein Hauptmann, der Freund meines Hauptmanns, hätte gern einen Silbertaler darum gegeben, es zu wissen. Aber mein Hauptmann hätte nicht einen Heller daran gewendet und ich ebensowenig; denn wozu würde es mir helfen? Würde ich dadurch der Grube entgehen können, worin ich mir den Hals brechen soll?
Jakob: Und ich glaube es nicht, denn alsdann müsste sich eine falsche Zeile in die große Rolle eingeschlichen haben, die Wahrheit, nichts als Wahrheit und alle nur mögliche Wahrheit enthält. Wenn in dem großen Buche geschrieben stände: An dem und dem Tage bricht Jakob den Hals, und Jakob bräche den Hals nicht – sagen Sie selbst, wie wäre das möglich, mag der Verfasser des Buches auch sein, wer er will?
Jakob: Mein Hauptmann glaubte, Klugheit sei eine Voraussetzung, bei welcher die Erfahrung uns berechtige, die Umstände, worin wir uns befinden, als Ursachen gewisser Wirkungen anzusehen, die wir in Zukunft zu hoffen oder zu fürchten haben.
Jakob: Gewiss; ich hatte mich nach und nach an seine Art zu sprechen gewöhnt. Aber wer darf sich rühmen, genug Erfahrung zu besitzen? Und ist der nie betrogen worden, welcher sich schmeichelte, am besten damit ausgesteuert zu sein? Gibt es ferner einen Menschen, der imstande wäre, die Umstände recht zu kennen, in welchen er sich befindet? Die Berechnung, die wir in unserm Kopfe machen, und die Berechnung, die in das große Protokoll dort oben eingetragen ist, sind voneinander recht verschieden. Leiten wir das Geschick, oder leitet das Geschick uns? Wie viele klüglich ausgesonnene Pläne sind gescheitert und wie viele werden noch scheitern! Und wie viele unsinnige Pläne sind geglückt und wie viele werden noch glücken! Das wiederholte mir mein Hauptmann nach der Einnahme von Bergen-op-Zoom und nach jener von Port Mahon und setzte hinzu: Klugheit bürge uns nicht für einen guten Erfolg; sie tröste uns aber und entschuldige uns wegen eines schlimmen Ausgangs. Auch schlief er den Tag vor einer Schlacht so ruhig in seinem Zelt wie in seiner Garnison und ging ins Feuer wie auf den Ball. Von ihm hätten Sie wohl mit Recht ausrufen können: ›Was für ein Teufelskerl!‹
In eben dem Augenblick hörten sie hinter sich in einiger Entfernung Lärm und Schreie. Sie sahen sich um und erblickten einen Trupp mit Mistgabeln und Stangen bewaffneter Leute, die eilig auf sie zukamen. Du glaubst vielleicht, Leser, dass es die Leute aus dem Gasthofe, ihre Knechte und die Räuber waren, von denen wir oben gesprochen haben? Du wähnst, dass man des Morgens in Ermangelung der Schlüssel die Türen aufgesprengt hat und dass die Gauner sich eingebildet haben, unsere Reisenden hätten sich mit ihren Kleidern aus dem Staube gemacht ... Jakob glaubte es auch und brummte zwischen den Zähnen: »Verwünscht seien die Schlüssel und die Grille oder die Vernunft, die mich sie mitnehmen hieß! Verwünscht sei die Klugheit und so fort und so fort!« Du glaubst ferner, dass dieses kleine Heer über Jakob und seinen Herrn herfallen, dass ein blutiges Scharmützel geliefert werden, dass es Stockschläge regnen, dass man mit Pistolen schießen wird? Und es käme auch wirklich nur auf mich an, das alles geschehen zu lassen. Aber dann adieu, Wahrheit der Erzählung! Adieu, Liebesgeschichte Jakobs! Unsere beiden Reisenden wurden nicht verfolgt. Auch weiß ich nicht, was in dem Gasthofe nach ihrer Abreise vorgegangen ist. Genug, sie setzten ihren Weg fort und wussten immer nicht, wo sie waren, ob sie gleich ungefähr wussten, wohin sie wollten. Sie suchten sich über die Langeweile und die Beschwerlichkeiten der Reise durch gleichgültiges Geschwätz hinwegzutäuschen, wie das bei Leuten so zu sein pflegt, die sich auf der Wanderung befinden, und oft auch bei Leuten, die ruhig auf ihrem Stuhle sitzen.
Es ist klar wie der Tag, dass ich keinen Roman schreibe, weil ich das außer acht lasse, was ein Romanschreiber zu nutzen gewiss nicht ermangeln würde. Wer es für wahr nimmt, was ich da schreibe, irrt vielleicht weniger, als wer es für ein Märchen hält.
Herr: Nein, nein! Du hattest dich von deiner Ohnmacht an der Tür der Bauernhütte erholt und lagst in einem Bett, und die Leute in der Hütte standen um dich her.
Jakob: Gut! Das allernotwendigste war jetzt, einen Wundarzt aufzutreiben, und eine ganze Meile im Umkreis war keiner anzutreffen. Der gute Landmann ließ eins seiner Kinder zu Pferde steigen und schickte es in den nächstgelegenen Ort. Unterdessen hatte das gute Weib rauhen Wein ans Feuer gesetzt und eins von ihres Mannes alten Hemden zerrissen; mein Knie wurde gebäht, mit Kompressen belegt und in Binden gewickelt; man warf einige Stücke Zucker, die man den Ameisen abgejagt hatte, in den Wein, der von dem Verbande übriggeblieben war, und gab ihn mir ein. Hierauf ermahnte man mich, Geduld zu haben. Es war spät. Die Leute setzten sich zu Tisch und aßen ihr Abendbrot. Es war verzehrt und der Bube noch nicht zurückgekommen, auch noch kein Wundarzt da. Nun wandelte den Vater, der von Natur missmutig war, eine üble Laune an; er brummte mit seiner Frau, und es war ihm nichts recht. Seine übrigen Kinder schickte er mit harten Worten zu Bett. Die Frau setzte sich auf eine Bank und nahm ihren Spinnrocken vor sich. Er spazierte auf und ab, und im Aufundabspazieren suchte er immer Gelegenheit, mit ihr zu zanken. ›Wenn du in die Mühle gegangen wärst, wie ich dir gesagt hatte ...‹ Und er endigte den Satz, indem er mit dem Kopf eine Bewegung nach meinem Bett machte.
›Heute hättest du hingehen sollen, wie ich dir gesagt hatte! Und der Rest Stroh, der noch in der Scheune liegt – worauf wartest du, ehe du es bindest?‹
›Was wir vorrätig haben, geht auf die Neige, und du hättest besser getan, es heute zu binden, wie ich dir gesagt hatte! Und der Haufen Gerste, der auf dem Boden liegt und verdirbt! Ich wette, du hast nicht daran gedacht, ihn zu wenden.‹
Jakob: Der erste war, als der Sohn des Bauern zu ihm kam, nicht zu Hause gewesen, aber seine Frau hatte nach dem zweiten geschickt, und der dritte war mit dem Boten angelangt. ›Ei guten Abend, Gevattern! Treffen wir uns hier?‹ sagte der erste zu den bei den andern. Sie hatten sich beeilt, wie sie nur konnten; es war ihnen warm geworden; sie hatten Durst und nahmen Platz an dem Tisch, der noch nicht abgedeckt war. Die Frau ging in den Keller und holte eine Flasche Wein herauf. Der Mann murmelte zwischen den Zähnen: ›Was Teufel hatte sie aber an der Tür zu schaffen!‹ Man fing an zu trinken, man schwatzte von den Krankheiten des Bezirks, man rechnete alle seine Patienten her. Ich fing an zu stöhnen und bekam zur Antwort: ›Nur einen Augenblick noch Geduld; wir wollen Euch gleich helfen.‹
Als die Flasche ausgetrunken war, forderte man auf Rechnung meiner Kur die zweite, dann eine dritte, dann eine vierte; und bei jeder Flasche wiederholte der Mann seinen ersten Ausruf: ›Aber was Teufel hatte sie an der Tür zu schaffen?‹
Welchen Nutzen hätte nicht ein anderer aus diesen drei Wundärzten gezogen, aus ihrer Unterredung bei der vierten Flasche, aus der Fülle ihrer Heilerfolge, aus Jakobs Ungeduld, aus der bösen Laune des Wirts, aus den Auslassungen der Landäskulape über Jakobs Knie und aus ihren verschiedenen Meinungen!
Den einen hätte er etwa behaupten lassen, Jakob wäre ein Kind des Todes, wenn ihm nicht auf der Stelle das Bein abgenommen würde; den zweiten, man müsse die Kugel und das mit in die Wunde gedrungene Stück Tuch herausziehen und dem armen Teufel das Bein erhalten. Unterdessen hätte man Jakob auf seinem Bett sitzen und mit Bedauern sein Bein betrachten und von ihm Abschied nehmen sehen, wie man es einen von unsern Generälen zwischen Dufouart und Louis tun sah. Der dritte Chirurg hätte beiden zugestimmt, bis es zwischen ihnen zum Streit gekommen und man von Beleidigungen zu Tätlichkeiten übergegangen wäre.
Als ich den Wirt über seine Frau ausrufen hörte: ›Was Teufel hatte sie denn an der Tür zu schaffen?‹, fiel mir Molières Harpagon ein, wo er von seinem Sohne sagt: ›Aber was hatte er denn auf dieser Galeere zu suchen!‹ Ich sah ein, dass es nicht hinreicht, wahrheitsliebend zu sein, sondern dass man auch spaßhaft sein muss und dass man deshalb ewig sagen wird: ›Aber was hatte er denn auf dieser Galeere zu suchen?‹, hingegen der Ausruf meines Bauern: ›Aber was hatte sie denn an der Tür zu schaffen?‹ nie zum Sprichwort werden wird.
Doch Jakob verfuhr mit seinem Herrn nicht so zurückhaltend und schonend wie ich mit meinen Lesern. Er überging nicht den geringsten Umstand, selbst auf die Gefahr, ihn ein zweites Mal einzuschläfern. War es auch nicht der geschickteste, so war es zum mindesten der stärkste von den drei Wundärzten, der Herr über den Patienten blieb.
›Nun werden wir‹, höre ich meine Leser ausrufen, ›wohl alle Amputationswerkzeuge auskramen, schneiden und brennen sehen und Augenzeugen einer chirurgischen Operation sein müssen!‹ Wie ich merke, wäre das also nicht nach dem Geschmack meiner Leser. Nun, so wollen wir über die chirurgische Operation wegschlüpfen. Aber ihr werdet Jakob doch wenigstens seinem Herrn zu sagen erlauben, wie ers auch wirklich tat: »Ach, Herr, was für eine schreckliche Sache ists doch, ein zerschmettertes Knie wieder einzurichten!« und seinem Herrn, ihm wie oben zu antworten: »Geh, Jakob, du scherzest.«
Aber für alles Geld der Welt möchte ich meinen Lesern den Umstand nicht verschweigen, dass Jakobs Herr kaum diese ungezogene Antwort gegeben hatte, als sein Pferd zu stolpern anfing und fiel, er selbst aber sich mit dem Knie sehr hart an einen spitzigen Stein stieß. Er schrie, als ob er an einem Spieß steckte: »Ich bin des Todes! Ich habe das Knie gebrochen!«
Obgleich Jakob die beste Haut von der Welt war und zärtlich an seinem Herrn hing, so möchte ich doch wohl wissen, was auf dem Grunde seiner Seele vor sich ging; wenn auch nicht im ersten Augenblick, so doch wenigstens hernach, als er sich davon überzeugt hatte, dass dieser Sturz keine bösen Folgen haben würde und ob er sich einer kleinen Anwandlung von Schadenfreude über einen Vorfall erwehren konnte, der seinen Herrn darüber belehrte, was es heiße, sich am Knie verwunden.
Noch über einen andern Umstand, Leser, möchte ich gern von dir Aufschluß haben: nämlich ob es seinem Herrn nicht lieber gewesen wäre, wenn er sich an einer andern Stelle als am Knie, wenn auch ein wenig ernstlicher, verwundet hätte, oder ob er gegen die Scham nicht empfindlicher war als gegen den Schmerz?
Als der Herr sich von seinem Falle und von seiner Angst ein wenig erholt hatte, schwang er sich wieder in den Sattel und gab seinem Pferde fünf- oder sechsmal derb die Sporen, so dass es wie der Blitz mit ihm davonrannte. Eben das tat Jakobs Gaul; denn es herrschte zwischen beiden Tieren dieselbe Vertraulichkeit wie zwischen ihren Reitern. Es waren zwei Paar Freunde. Als die beiden Pferde atemlos wieder in ihren gewöhnlichen Schritt kamen, sagte Jakob zu seinem Herrn: »Nun, Herr, was denken Sie davon?«
2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Jakob: Nein, beim […], Herr, ich spaße nicht!«
6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse.
A: »Wirt, Wirtin, Kinder, Gesinde – alle sahen unheimlich aus.«
B: »Und Jakob begann die Erzählung seiner Liebesabenteuer.«
C: »Jakob glaubte es auch und brummte zwischen den Zähnen: »Verwünscht seien die Schlüssel und die Grille oder die Vernunft, die mich sie mitnehmen hieß!«
8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Jakob glaubte es auch und brummte zwischen den Zähnen: »[…] seien die Schlüssel und die Grille oder die Vernunft, die mich sie mitnehmen hieß!«
9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »deshalb« in diesem Textausschnitt? »man deshalb ewig sagen wird: ›Aber was hatte er denn auf dieser Galeere zu suchen?‹, hingegen der Ausruf meines Bauern: ›Aber was hatte sie denn an der Tür zu schaffen?‹ nie zum Sprichwort werden wird«
2Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte
1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »Sie greifen genauso ineinander wie die Gelenke einer Kinnkette; ohne diesen Schuss zum Beispiel würde ich wohl nie in meinem Leben verliebt oder lahm geworden sein.«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.
Impulse zur Selbstprüfung
Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.
2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »Sie greifen genauso ineinander wie die Gelenke einer Kinnkette; ohne diesen Schuss zum Beispiel würde ich wohl nie in meinem Leben verliebt oder lahm geworden sein.« und »man deshalb ewig sagen wird: ›Aber was hatte er denn auf dieser Galeere zu suchen?‹, hingegen der Ausruf meines Bauern: ›Aber was hatte sie denn an der Tür zu schaffen?‹ nie zum Sprichwort werden wird«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.
Impulse zur Selbstprüfung
Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.
Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »Herr: Weil wir hier schlecht aufgehoben sind.«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.
Impulse zur Selbstprüfung
Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.
Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
Wirkung als begründete Deutung formuliert
Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
3Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte
Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.
Niveau 1 · Einstieg
1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »›Wie waren sie zueinander gekommen?‹«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Herr: Wenn sie sich nun geweigert hätten, zu Bett zu gehen!«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Als die beiden Pferde atemlos wieder in ihren gewöhnlichen Schritt kamen, sagte Jakob zu seinem Herrn: »Nun, Herr, was denken Sie davon?««. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Autor und namentlich belegte historische Übersetzung sind nach den geprüften Lebensdaten in Deutschland gemeinfrei. TextGrid stellt Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE bereit.
Jakob und sein Herr
Diderot, Denis: Jakob und sein Herr. Übers. v. W[ilhelm] Chr[isthelf] Mylius, Frankfurt am Main: Insel-Verlag, 1961. Diderot, Denis 5- Frankfurt a.M.
Das Werk Jakob und sein Herr von Diderot, Denis ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.
Vollständiger französischer Romantext nach der historischen Assézat-Ausgabe, einschließlich der im Text überlieferten Schlussvarianten. Der moderne Digitalisierungsvermerk und die vorgeschaltete Herausgebereinleitung sind ausgeschlossen. Die Quelltranskription akzentuiert laut ihrem Herkunftsvermerk Großbuchstaben; dieser digitale Quellwortlaut wird unverändert übernommen. Der Roman besitzt hier keine nummerierten Hauptkapitel: die Leseabschnitte sind reine Anzeigeeinheiten. Keine Satzparität.
Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.
Welche Änderungen enthält die Lesefassung?
Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.