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Der Marktplatz. Auf der einen Seite stehen drei einsame Pferdeverleiher in der Sonne, auf der andern die beiden Gevaterbuden mit Blumen und Früchten reichlich angefüllt; die Gevatterin zählt Kirschen in Papiertüten. Pamphilio, Dienemann, Suppius, Mayer, Becker, ein Waisenhäuser, ein Kümmeltürke, ein Magister liegen nachlässig auf dem Sopha und auf den Stühlen vor der einen Bude umher und essen so wenig, als sie sprechen. Im Hintergrunde des Theaters erscheint das alte akademische Gebäude, der Thorweg ist geöffnet, es werden von einem Buchhändler Dissertationen und Bildnisse berühmter gelehrten ausgehangen. Ahasverus, ein Reisebündel auf dem Rücken, geht langsam ernst vorüber.
Sei mir gegrüßt, du Stadt des Segens und des Fluches die alles mir geraubt und alles mir bewahrt. – ich will doch näher schleichen dem Studentenhaufen, Cardenio mag darunter sein. Zur Gevatterin. Was kostet wohl ein Schock von diesen Kirschen, liebe Frau?
Blind men must not judge of colours. Meine lieben Herren gehen Sie nur eine Woche so wie ich in der Sonne, Sie werden auch keine weiße Hände behalten. Beso las manos. Ab.
Du findest überall doch Ähnlichkeiten, weil du in der Mitte stehst mit deinem Angesichte zwischen dem Apollo und dem Frosche; viel eher gleicht der Alte einem Ziegenbocke mit seinem weißen Barte, mit der krummen Nase.
Halt still, was schlägt's da? Wahrhaftig schon eilf Uhr und Schlinger ist noch nicht zurück von Reideburg, der Wagner heut zerbeißet und zerstampft sich noch vor Ungeduld. Zur Schlägerei war immer Zeit bis morgen. Gewiss hat ihm Cardenio die Schlenkerprime übers Maul gezogen, dass er nicht reden kann. Verfluchter Streich, warum gab denn Cardenio ihm gestern Abend die Ohrfeige?
Warum? Weil Schlinger ein Ohrfeigengesicht nun einmal hat, frag Gott darum, er hätt sich lang dem Teufel übergeben, wenn ihm ein Teufel dienen wollte, jetzt dienet er dem Wagner; damit ihn der aus Gnade und Barmherzigkeit zum Teufel schickt.
Sag Wagnern nur, er komme gleich, er sei gesund und frisch schon wieder in der Stadt, er möcht nur bald zum Promotionssaal gehen, dort wird er ihn finden.
Ich werd an Schlingers Stelle opponiren, das wird ein Fest. Dem Schlinger hab ich seine Ehre rasch zurückgegeben, ich habe ihm mit einem Hieb die Backe abgeschält, auf die ich gestern hart geschlagen. Als er da unter des Chirurgen Händen seufzte, bat er mich, weil ich mich seiner Ehre also angenommen, ich möchte seinen Ehrenplatz auch übernehmen, gegen Wagner opponiren; und ich versprach es ihm, da gab er mir so Frag als Antwort, wie er es all mit Wagner abgeredet, da seht! Er zerreißt sie. Ja opponiren will ich, doch darf keiner mir vorschreiben; nach meinem Sinne will ich sprechen. Ich will sehen, wer von uns beiden Wahrheit sagt und Recht behält. He Gevatterin gieb einen Scheffel mir voll Kirschen, geb meinen ganzen Wechsel drum, ach wär nur eine Kirsche dieser ganze Korb, da füllte sie doch noch den Mund, so ist's überall, nichts lohnt der Mühe, nichts den Durst. Gevatterin, war Pamphilio schon hier?
Er war schon hier, Herzkind, und wartete auf dich, da hat er so was fallen lassen, ich weiß nicht mehr, da haben ihn die Herren weggejagt, ich sagt es gleich, sie solltens lassen, es würde Dich verdrießen. Na ...
Hört ihr Herren, das erkläre ich hier öffentlich, heut mag ich nicht mehr Streit, doch wer Pamphilio was tut, der tut es mir, im Guten und im Bösen; der Junge meint ihr, habe nicht Kurage, so wollet ihr Euch gerne an ihm reiben; er hat Verstand, das ärgert euch und er hat mich, ich diene ihm als Kurage, und ich hab ihn, er ist mein froher Witz, der schnell erfüllt was ich erdacht, so stehen wir zusammen fest verbunden, für einen Mann und ihr, wie steht ihr da?
Je Sackerment, wir haben ihm ja nichts getan, du machst es jetzt zu arg, du wirst zu einem nassen Bruder; wie nasses Heu brennst du gleich lichterloh von selbst in Dir.
Du bist doch nicht der Esel, der mich fressen wird? Ich habs gesagt und dabei bleibts, Pamphilio ist eins mit mir und meine Freunde sind die Seinen. Was giebts schon wieder Neues, Dienemann, wie schon zurück vom Wagner, wie so fröhlich?
Der Wagner ist bald hier. Doch denkt einmal, wie ich vor seiner Thüre, erblicke ich in einer Seitengasse ein wunderschönes Mädchen, der ich ganz eilig folge, zwar sah sie züchtig aus, doch musst ich wissen, wer sie wäre und ging ihr nach. Da kam der Schimpelschampel her, der weiß von allen in der Stadt Bescheid und sagte mir, das sei Olympie, die Schwester des Viren, sie ist nur wenig Tage hier ein himmlisch Mädchen wie Juno und Minerva; wahrhaft Olympie und Viren, sie können nicht von einem Vater stammen.
Du weist Cardenio, von dir lass ich mir alles das gefallen, dir nehm ich gar nichts übel, du hast nun einmal so dein eigen Wesen, man muss dirs lassen. Hätt ich so deine Art, die Sicherheit und das Vertrauen, so wären alle Weiber mein, denn ihre Gunst ist schnell erobert, langsam nur verdient. Wahrhaftig es verwundert mich, dass ich dich nirgends auf dem Strich gesehen.
Auf dem Lerchenstrich; was soll ich da, ich bin ein Falkonier, lass meinen Vogel zu der Sonne steigen. Bei Weibern sollt ich schmachten so wie du? Damit ich so ein Lumpenkerl auch würde dem seine Backen so herunter hängen, wie das Zeug am Leibe das mit den weichen Falten die Sehnsucht zeigt nach der romantischen Zeit, die Waden hatte.
Fast zweifle ich, ob ich wohl je mich der Vertraulichkeit ergebe, dem, was ihr andern Liebe nennt. Das Ehejoch ist mir verhaßt, es nimmt mir meine Freiheit. Nichts davon, so lange ich noch ein flinker Kerl. Was bleibt mir nun zu meiner Lust? Die schlechten und verdorbnen Mädchen hasse und verachte ich, ich bin zu gut für andrer Leute Rest; unschuldige, die stößen mir zu viele Ehrfurcht ein, so vieles Mitleid, da ich sie nicht mit meinem Leben, mit meiner Freiheit nicht erkaufen mag. Was kann ersetzen, was ich raube?
Sieh, jeder hat nun seine eigene Kurage, du fürchtest dich vor Weibern, ich vor Männern, vor allen andern fürcht ich mich vor dir. Du hast ein schön System erbaut. Was heißt das Unschuld? Heist das, nichts Schuldges denken oder nichts Schuldges tun? Ich meine, das Erste, denn zum zweiten gehört nur noch Gelegenheit, Entschluss und Muth, um alles wahr zu machen, was in Gedanken lüstet. Beim Teufel, in dem ersten Falle ist kein Mädchen schuldlos, und du magst sagen, was du willst unschuldig bist du auch nicht, nur dein Stolz hat dich bewahrt vor der gemeinen Sünde, der wir uns fröhlich überließen.
Nun sieh, es kostet nur den ersten Schritt, was du so lang gehegt, das magst du nicht verschwenden; du kannst den Muth nicht finden zu etwas, das beim zweiten Male dir Muth zu unterdrücken kostet.
Hast du Kurage, so mach dich an Olympien, da wird der Muth dir sinken, ja hinter der versteck ich mich und schrei dir zu von allen Seiten: Cardenio jetzt zeig, ob du ein Mann. Adies! Lachend ab.
Freilich sah ich sie. Wahrhaftig, du kennst mich sonst, ich habe eine Stirn von Eisen, der könnt ich keine Sauereien ins Angesicht sagen, vielweniger möcht ichs wagen, sie zu lieben, sie würde mich schön ansehen.
Ja freilich schön, sie ist zu schön für dich und für uns alle, da muss ein Held einziehen, der die gewinnen könnte. Zu züchtig ist sie für die Weiber, und setzt sie in Verlegenheit; die Pik Aß verweigerte mir neulich in ihrer Gegenwart, dass ich ihr nicht wie sonst den Nacken durfte küssen, das war mir ein verdorbner Spas, gewissermaßen auch beschämend.
Sie glauben nicht, in keinem Weibe sitzt weniger Falsch, als in denen, die da dienen, sie tun alles für den, welchen sie lieb haben und sind zu allem geschickt. Bleibt der Wechsel, aus so bringen sie irgend ein gutes Stück aus der herrschaftlichen Küche, was die Katze nachher soll getan haben. Und dafür verlangen sie gar keine zusammengesetzte Conversation; geh ich mit meiner Lisbeth Sonntags auf ein Dorf, so scheint ihr das mehr Ehre, als wenn ich mit einem Stiftsfräulein zum Balle Schlitten fahre. Unreinlich ist sie freilich, aber das bin ich auch.
Ich müsste mich sehr irren oder wahrlich du bist ein recht gemeiner Kerl, dir ist dabei recht wohl in deiner schmutzigen Haut, wie werden sich die indischen Braminen freuen, wenn du in deiner lieblichen Person, ein Vorbild christlicher Religion und europäischer Cultur da giebst. Du bist ein großer Missionär.
Ich wollte ihnen die Freude gerne schenken, wenn ich nur hier in der Gegend mir eine Versorgung finden könnte, ich würde Jude, kriegt ich nur des reichen Schimpelschampel Tochter. Da schlägts, hols der Teufel, da muss ich einem Paar Juden, die sich taufen lassen, in der Religion Unterricht geben. Ab.
Ein gemeiner Hund. Pfui Teufel, eine Magd, die immer Hände hat, wie ein Reibeisen und grobe Hemden, wie die Scheuerlappen. Da lob ich mir mein Kaufmannsweibchen, der Mann wiegt im Laden Schnupftaback ab, mein Kaffee wartet schon da, mein Schlafrock und meine Pfeife, bin da bedient, wie ein Sultan, sie singt mir zu ihrem Klaviere: »Bei Männern welche Liebe fühlen«; dann ließt sie mir einen Roman vor, sie ist so ein Stück von einem schönen Geiste, ich bin da wie Herr und wie Kind vom Hause zugleich.
Aufrichtig sag ich dir, dein Vornehmthun in schlechter Sache ist mir noch viel verhaßter als des armen Teufels kleine Lust; du dringst geflügelt ein wie eine Motte in das Pelzwerk und zernagst im Müssiggang, was jenen lange Winter konnt erwärmen; es ist kein Wunder, dass ein junger Mensch, der unbeschäftigt ganz dem Willen und den Launen einer Frau kann leben, den armen Mann verdrängt, der mit des Tages Noth-Erwerb muss ringen und ganz erschöpft am Abend zu ihr flüchtet. Doch sag, was kann daraus am Ende werden, ein Ehescheidung, und dir ist doch die Frau zu alt um sie zu nehmen. Sieh Bruder, das muss auch anders werden, ich sag es dir im Namen unsres Ordens, ich gebe dir acht Tage Zeit; Liebschaften dulden wir, doch gegen Ehestand, wo er noch treu gehalten wird, bewahren wir die Achtung; ich sage in acht Tagen musst du ganz von ihr entfremdet sein, sieh, oder du bist ausgestoßen.
Ich weiß es wohl, ich lerne nichts bei diesem Leben, ich habe so oft mir vorgenommen, wegzubleiben; weil du es willst, ich bleibe heute weg und geh nach Lauchstädt. Ab.
Wie du das treibst, Magister, mit jeder zu liebäugeln, dich mit jeder zum Entzücken aufzureizen, gleich viel, ob sie gemein und ob sie einzig ist eine Art von geistigem Bordell, die Mädchen werden dir zu Gliederpuppen, an denen du mit schlauem Witz der Worte Prachtgewänder hängst, doch fehlet das lebendige Gesicht noch stets und darum sind mir deine Lieder auch verhaßt, so wie dein Händedruck; nicht kräftig warm und stark ergreift er meine Hand, nein glatt bewegt sich deine Hand in meiner, ich kann in jede Form sie drehen, als wäre gar kein Knochen drein.
Ich sollte sie nicht kennen, ich leb ja nur von ihren beiden Augen, die gleich zwei stillen Seen, in denen sich der Himmel blau bespiegelt, der Ausdruck von was Höherm sind, was sage ich von ihrer Zähne elfenbeinerm Zauberschloße, in dem die Worte sich wie schöne Königinnen zart begrüßen, was – –
Ihr Herren Pferdephilister geht nach Hause, es ist zu spät, um Pferde zu bestellen, ihr steht ja dort so fest, wie Stechfliegen auf euren Mähren, ihr steht mir in der Sonne, wie der große Alexander dem Diogenes; seht zu, was die liebwerthe Frau Philisterin heut gekocht, wer weiß, ob nicht indessen ein alter Kunde bei ihr ist.
Welch ekelhaftes Volk, mit Juden unter einer Decke schlafen und mit dem alten Prorector. Unter einer Decke, wahrhaftig unter einer Decke schlief ich mit Olympien so gern und kenn sie nicht. – Wunderlich, wie kann ein fremder Mensch, den ich verachte, der elend und verworfen, so mit leerem Schwatzen mir den Busen regen mit unbewusstem Drang, ich kenn sie nicht. – Mir fehlte es an Muth bei Weibern? Wie dumm! Und doch, es liegt was Wahres drein, mir fehlt der Muth mit einer zu beginnen, so wie die meisten sind, wie fänd ich sonst ein Ende meiner Liebeleien, genießen müsst ich auch die meisten, ja eine Sehnsucht fasst ich dann nach allen. Ein Mädchen möcht ich, wie keine andre je gewesen, so wie Olympie scheint, fremd, wunderbar und außerordentlich; die Schwere soll mich nicht zur Erde ziehen, nur der Magnet. Die Altagskost der Liebe mag ich nicht, Steinfresser wollen Steine, Eisenfresser Eisen. Heilig Eisen, magnetisch Eisen, das nach Norden deutet, dich starren Stolz der Jungfräulichkeit, der vor dem eigenen Gefühle flüchtet, dich Stein des Anstoßes und der Weisheit, wilde jungfräuliche Schaam, dich zu besiegen, zu gewinnen, ist allein des Lebens Werth, du reißest mich mit allen Kräften hin zu dir und schließest einzig alle Welt in dir. He Gevatterin gebt mir die Laute her, beim holden Klang wird einem manches klar, was sonst nur dämmernd in dem Nebel graut:
Hier Fräulein sind viel bessre Kirschen feil, als jene, die wir von der Röse kauften, wir haben so noch nicht genug zum Kuchen, die Hälfte wird vom Herren Bruder in der Küche roh mir wegschnablirt, Sie kennen seine Art, er isst so in Gedanken.
Was macht sie, liebes Kind, sie schüttet ja die Kirschen zu den ihren, die waren schon dem schönen Herrn hier verkauft und ich hab keine andre von der Art für heute.
Das ist ein Unglück! Wohl mir, dass ich doch etwas mein genannt, das Sie mein Fräulein hat gereizt, ich nenne Glück, dass ich erstanden hatte, was Ihnen angenehm. Bei Gott, Sie kränkten mich, wenn Sie dies unbedeutende Geschenk verschmähten, ich nehm es sicher nicht zurück.
Mein Herr, es wäre gegen alle Sitte, solche Gabe auszuschlagen, doch setzt es mich in einige Verlegenheit, dass ich sie nicht mit etwas anderm gleich erwiedern kann.
Sie sind sein Himmel, ich bin Cardenio, ich habe noch nie gelogen, mein Herz ist mir erwacht, Glück auf! Glück auf! – Wenn Sie nicht wieder lieben ist alles aus, Glück aus und Hoffnung aus! – es kann nicht sein.
Beim Himmel, ich will gar nichts, ich weiß von nichts, zu heftig schlägt mein Herz; ich seh mich ungeschickt nach einem Ausdruck um, zu ihren Füßen seh ich liegen ein viergeblättert Kleeblatt das deutet Glück, o sei es auch ein Zeichen meines Glückes, wenn Sie es nehmen.
Ich muss es nehmen, ich fürchte Sie – mir wird so schwindelnd vor den Augen, ach Doris, komm, wir stehen all zu lange in der Sonne – dort kommt ein großer Zug Studenten. Wir müssen fort.
Ei gnädges Fräulein, das ist nicht gut für unsern Einkauf, hier war so wohlfeil kaufen. Noch einmal unsern Dank, mein schöner Herr. Olympie verneigt sich und geht mit Doris ab.
Verflucht, es ist, als würde ich mit kaltem Wasser übergossen, ich will ihr nach, da soll ich oben disputiren. – Geht nur hinauf, er ist schon da. Er sieht in die Ferne.
Wenn mir Cardenio nur keinen Streich gespielt und lässt mich ohne Opponenten oben sitzen. – Mein Herr Cardenio, Sie wissen ganz gewiss, dass mein Herr Opponent sich eingefunden.
Bleibt mir vom Leib mit eurem Teufelsdreck. Vor sich. Jetzt ists zu spät, ich kann sie nicht erreichen, jetzt ist sie ihrem Hause schon ganz nahe, ich möchte weinen, wenns nicht kindisch wäre die Zunge mir zerbeißen, o die Gelegenheit kommt nimmer wieder, ihr alles zu erklären.
Wünscht mir nicht zu viel Lebenskraft, denn kurz und gut, ich bin heut Opponent, hier ist der Brief von Schlinger worin er euch den Auftrag kund getan.
Sie, Herr Cardenio? Sie sind zu gütig. Mir wird so schwach, ich bitte meine Herren, ach leiten Sie mich in den Thorweg, dunkel ists vor meinen Augen und meine Willenskraft versagt, nun ich so nah der höchsten Ehre in der Philosophie.
Weiß gar nicht, warum sie mir nicht mal so einen alten Doktorhut verehren, was die all wissen, weiß ich lange schon, habs lange an den Schuhen abgelaufen.
Hier wartet ruhig, werthe Herren Musikanten und schlaft nicht ein und passet auf, ich werde euch mit meinem Hute aus dem Fenster winken, wenn ihm der Doktorhut wird aufgesetzt, dann blaset einen Tusch, dass alle Scheiben zittern. Und wenn wir dann mit ihm ans diesem Thorweg treten im Triumph, dann schwenkt euch, stimmt an den Dessauer Marsch, marschiret drei mal um den Markt, dass er sich allen zeige und wendet euch dann zum Rathskeller, wo ihr zum Schmause musiciren sollt.
Je Herrchen, denkt doch an uns, wir sind so nüchtern, wie wir vom Balle sind gekommen und sollten in der Mittagssonne nun pausiren und musiciren, so wie ihr mit den Händen winkt, wo kommt da Stimmung her?
Dafür ist auch gesorgt, theilts mit den Fingern ab in sieben Theile, dass keiner trinkt zuviel und jeder doch was kriegt. Gebt Achtung! Geht in den Thorweg ab.
Ein Herrchen von Conduite; ein artig Herrchen, so ein Kluckerfläschen für uns herzutragen. He habt ihr wohl den Feuerwerker Hase noch gekannt, wenn der ein Feuerwerk erdenken wollte mit Brillantenfeuer, so holte er sich solches Kluckerfläschen und setzt es an den Mund und küpte mit dem Kopfe über, dass ihm der Hut zur Erde fiel. Er trinkt.
Da steh ich nun mit der Posaune ganz allein, was werden doch die Herrchen sagen zu der Musik, ich werd vor ihnen blasen wie der Hirte vor dem Vieh, das wird mal Schläge geben, ich mach voraus schon meinen Rücken krumm.
geschrieen, er antwortet halb wachend einzelne Worte darauf, wie recte bene, ecce quam bonum, gaudeamus igitur, pro salute, Vivallerallera, Meyer und Suppius kommen aus dem Thorwege.
Cardenio opponirt so wunderlich, wie ich noch nichts gehört, erst ließ er sich in Demuth still von ihm belehren, bat sich bald diese Nachricht aus, bald jenes noch von dem Systeme, wie er jetzt alle Welt aus der Vernunft und den Atomen hat erbaut, und unbemerkt hat er aus alle dem sich eine feste Rüstung und ein scharfes Schwert gebildet, womit er die Atomen-Wirbel all zerhaut, er taucht ihn unter in derselben Urvernunft, worauf er erst so prächtig kam geschwommen.
Ei was er ist ein feiner Kopf der Wagner, kein Wasser, worin was untergehen kann, hat er dir nicht erzählt, wie er des Aberglaubens Vorhang kühn zerrissen, die Offenbarungen vernichtet hat, vor ihm bestehen keine Religionen; ja sollt ich mir die Aufklärung versinnlicht denken, der Wagner wär ihr Bruder. He Bruder, ich möchte auch ein Wort da oben mal mitreden.
Ja das ist wahr, hab mir so viele Müh damit gegeben und hab es doch vergessen. Was ist der Mensch. Ich sag dir, Wagner hat mirs selbst gesagt, dass sein System, wenn man es recht kapirt, so allumfassend wie der Äther sei. He Bruder, mich hungert.
Horch einmal zu. Bei Gott, man kann sie bis hieher noch hören, das nenn ich disputiren, der Boden bebt auf viele Meilen in der Runde wie bei einer Schlacht. Ich sage dir, Cardenio ist ein Teufelskerl, er ätzt mit Höllenstein dem armen Wagner alles wilde philosophische Fleisch hinweg. Schon hat Cardenio ihm kühn und fest bewiesen das heil'ge Grab sei Mittelpunkt der Welt, darum es allen Geistern heilig müsse sein, und allen Menschen, weil alle Christen werden müssen.
Panis sagt Cardenio, meinetwegen, ich hasse den Cardenio und den Pamphilio und das Folio dazu, sind lauter Narren in Folio. Der Cardenio will alles sein, der Gelehrteste, der beste Fechter, Ordensvorsteher – trinkt sich gestern auch zum Papste gegen mich! – Wart nur, wir haben einen guten Feger aus Frankfurt uns verschrieben, der soll Bescheid ihm sagen, hier wagt sich keiner mehr an ihn.
Er ist ein gar besonderes Ingenium was er anfängt, das geräth ihm, ich glaube er gewönne das große Loos beim ersten Einsatz gleich. Hör wie sich jetzt das Schreien mehrt, das klingt ja wunderlich, das Fenster öffnet sich, da kuckt ja Dienemann heraus, hält sich das Schnupftuch vor die Augen.
Ich muss Luft schöpfen. Ja blas nur, ausgeblasen ist das Licht und statt des Siegesmarsches blas ein traurend sanft gedämpftes Lied, wie ihr bei Leichenzügen es zu spielen pflegt.
Die Leiche Wagners wird von seinen Schülern traurig heraus getragen, der Musikant bläst ein ernstes Lied auf der Posaune vor ihm her, doch hält der Zug noch, weil einige versuchen ihn wieder zu
Glaub nicht, wenn sie dir sagen der Teufel habe ihm den Hals dort umgedreht, es wird gewiss gesagt im Volk, es ist nicht wahr, ich sag es laut, an seiner eignen Größe ist er hingestorben, an seiner Schlüsse ungeheurer Folge, an einem Untersatz ist er geblieben, der alles schließen sollte – sein Blut kommt auf dein Haupt, Cardenio. Ab.
Der Zug will sich fortbewegen, da tritt Cardenio sehr verwildert heraus und hält ihn ein, die Leiche Wagners, mit dem Doktormantel und dem Doktorhute bedeckt wird im Vordergrunde nieder gelassen.
Bursche, Freunde, Brüder, ihr meine Feinde auch, ihr wisset alle, ich und Wagner waren uneins, wie geschiedne Elemente, – haltet still ihr Träger – keinen Schimpf will ich ihm anthun – nein bei Gott, die letzte Ehre, die einzige, die ich ihm geben kann. Es war ein braver Kerl und was er meinte, ja darin lebte er auch ganz und sagte es auch frei; hat ihn ein Lügengeist geblendet, in ihm war keine Lüge, mit seinem Leben hat er alle Schuld bezahlt, sein Leben hat er ehrlich dran gesetzt, hat für die Sache, der er gläubig angehangen, bis zu dem letzten Hauch gestritten, da fühlte er sich schaudernd überwiesen, sein Streben leer, sein Wirken nichtig, so ging er auf in seines Wesens Öde. Ich hab ihn überwiesen, ich bin sein Sieger, doch schmerzet mich der Sieg, ich schwöre frei vor Gottes Sonne, dass er verdient die Burschenehre, gesellet mit dem Doktorhute, ich leg den eignen Hieber auf den Todten und meinen Burschenhut, mehr kann ich ihm nicht geben. Dies sei ein Zeichen, wie aller Haß aus meinem Herzen ist geschwunden! Er geht mit gerungenen Händen umher.
Je du mein Jesuschen über das Unglück, ihm gehört doch auch ein Myrthenkranz, da er als Junggeselle ist gestorben – wahrhaftig er hat ja nie was sonst als seine Bücher angesehen; davon war er so schwächlich. Da ist der Kranz. Legt einen Myrthenkranz auf ihn. Seht neulich, wie keusch er war, da brachte ich ihm eine warme Schüssel, als er so sehr im Leib litt, da meinte er, ich hätte gar was Böses vor und wies mich fort, du lieber Gott, das hätte mir gefehlt, solch elend Männchen und ich bin ein altes Weib. Nein sagt ich – –
Jetzt schweigt sie, denn zu lange schon hat sie den Zug gestört. Wie kommen diese Musikanten hier so einzeln wie auf der Flucht gelaufen, he schweigt ihr Hautboisten wollt ihr das Trommelfell uns zersprengen, wie der posaunt: nun lasset uns den Leib begraben, da blasen jene noch den lustigen Marsch.
Ja Herrchen mit Erlaubnis, die wissen nichts vom ganzen Unglück, die sehn den Himmel an für einen Dudelsack. Ihr Leutchen seht ihr nicht den Todten, spielt das Todtenlied. Die herbei gelaufenen Musikanten blasen endlich zusammen das Leichenlied, Wagners Körper wird vom ganzen Zuge fortgetragen. Cardenio und Becker bleiben zurück.
Wahrhaftig sollte ich vor den Gerichten sagen, wie er gestorben ist, ich wüßt es nicht; lebt einer, so lebt er in der Wahrheit und in der Lüge ist kein Leben.
Nicht an der Lüge ist der Mann gestorben, was bildest du dir ein, ich hab es ihm seit langer Zeit gesagt; das Denken ist ein Tanzen auf dem Seile, das zwischen Gott und Menschenleben ist gespannt, er spannte dies von einer Seite nur, sein Menschenleben suchte er mit stark erregenden Potenzen mehr zu stärken und Gott verließ er, so verließ ihn Gott, da stürzt er über. Bei seinem kurzen dicken Hals, bei seinem dicken Blute, da musste draus ein jäher Schlagfluß folgen, was sich in andern zeigt als Nervenschwäche. Heut kam die Anstrengung, der Ärger noch dazu, ich sah es ihm vor einer Stunde an, dass er gewißlich sterben müsse.
Ich wollte noch ein Körbchen Erdbeeren kaufen für Herrn Viren, ja sag sie doch, war wirklich das der Herr Cardenio, der heut mein Fräulein zärtlich angesprochen.
Du lieber Gott, sie wohnt auch wohl draußen vor der Stadt, da wo die Welt mit Brettern vernagelt ist, den Herrn Cardenio kennt sie noch nicht, der ist ja in der Stadt wie 'n bunter Hund bekannt, das ist mein Sprichwort nur, es ist ein Engelskind.
Sie schweig doch still, sie hat auch nicht umsonst die schwarzen Augen, wie ich, wenn er nur zu ihr kommen wollte auf ihre Kammer, sie würde auch von Holz nicht sein.
Nein, liebes Kind, von Briefen nichts, heut wünscht mein Herz viel mehr heut will ich es wagen, um alles zu gewinnen, denn dieses Zögern kann ich länger nicht ertragen. Versteck mich heute Abend spät in dem Schlafzimmer deines Fräuleins, vielleicht erringt ein Sturm, was mir die Güte stets versagt auf rechtem Wege.
Warum nicht gar du Narr, ich mein's wahrhaftig mit ihr ehrlich, ich nehm sie sicher, es ist mein einziger Wunsch, sie zu heirathen, kein Mensch erfährts, dass du mich eingelassen; ich schwör es dir ich lohn es dir mit tausend Thalern und mit tausend Liebkosungen, ich halte Wort. Ich lieb Olympien so unaussprechlich.
Du Narr, warum hab ich dich also leicht gewonnen, doch bin ich dir noch gut du weißt es, zwei so verschiedene Lieben gehn recht gut zusammen, doch musst du jetzt auch deine Liebe zeigen.
Nach so viel Leiden, verseufzten Tagen und verwachten Nächten, da fühlt ich im Gedeihen eines lustigen Lebens, dass Liebe gar nichts sei, ein leerer blendend heller Spiegel in muthwilliger Hand der unerwartet wirft der Sonne Bild in unsre Augen erschreckend glauben wir, sie strahle plötzlich aus einer andern Region zu uns – da ist es fort. Hätt ich die bang verlorne Zeit zurück!
Du quälest mich, wie einen Kranken dem seines Lebens Ausgang vorerzählt wird, dem ein gewisser Tod wird vorgerechnet, das Leben quälet ihn, doch hat ers lieb. Ach lieber Bruder, wie du mir so durchdringend dies Gefühl beschriebst, so wie du es erfahren, an das wir glauben müssen gegen alle Überlegung, das in uns lebt und außer uns in ewgem Zwiespalt mit uns selber, so etwas fühlt ich auch, als sich Cardenio mir ganz zu eigen gab. Mir zu eigen? Mir selber hat er mich entführt und schweift mit mir ich weiß nicht wo, herum, ich will in meinen Büchern lesen und gähne, will gern an meine alten Freunde schreiben und kann nicht aus den ersten Worten kommen, mir ists, als müsst ich ihm weit über Hügel folgen; bin ich im dunklen Thal, so steht er auf der Höh in Abendsonne schön beglänzt und steig ich zu der Höh so ist er fort – wie wird mir doch ums Herz so weh.
Ei wie verändert, stolzes Schwesterchen du stolze Frucht an einem Tag gereift am höchsten Gipfel und schon gefallen in des Mannes Schoos. Gedenk ich noch an gestern, der hochgefeierten Selbstständigkeit, des treuen Bunds mit allen edlen Mädchen vom Ehejoche frei zu bleiben.
Ihr Mädchen werft die Worte aus wie Kupfermünzen, der Mühe überdrüßig, sie zu zählen; wie sprachst du allgemein von Männertyrannei. Je liebes Kind, ist je ein Mensch auf Erden zum Tyrannen ganz geschaffen, so ists Cardenio.
Ich muss gehorsam sein, ich bin dazu geschaffen, du hättest früher warnen sollen, oder nie; gehörst du auch zu denen, die den Brunnen decken, wenn erst das Kind hineingefallen ist?
Du glaubtest es, weil du es wünschtest, ich hab dir nie davon geschrieben, ich hab ihm jede Gunst, selbst die gewöhnlichen, die dem Verliebten leicht ein Zeichen der Geneigtheit werden, so streng versagt, dass er wohl glauben mag, ich hasse ihn, wie ich doch nie getan. Er ist ein werther Freund; Aufmerksamkeit, bescheidne Schmeichelei in allem, was mir lieb, so viele kleine Dienste, die er uns geleistet, verpflichten mich zur Dankbarkeit, ja fast wie eine Angewohnheit ist mir seine Nähe, die ich nicht gerne misse, Cardenio ist mir Bedürfnis, Speise, Trank und Luft des höheren Lebens, nichts bin ich ohne ihn.
Cardenio, ich läugne nicht, ist ausgezeichnet unter Tausenden, erhöht von der Natur, geschmückt mit Kunst, doch löscht ein Fehler alles Gute aus. Er ist ein zorn'ger Wüthrich, ein ew'ger Streiter gegen tausend Kleinigkeiten, die der gewohnte Lauf der Welt als harmlos duldet, und was er meint das sagt er aus, und was er will, das setzt er durch, ihn fürchtet jeder, keinen fürchtet er. Nur sein gelehrter Ruf hat gegen die Verbannung ihn beschützt, er wär von den Studenten längst schon ausgeschlossen, wär nicht in ihm der Kern von allen, eine ganze Akademie. Beim Trinken drückt er erst die Menschen an sich, als wollt er sich für eine Ewigkeit verbrüdern nun sieht er sie in hellster Nähe an, bemerkt die feinen mikroscopschen Züge und stößt sie mit Verachtung fort – mir selbst ists so begegnet, ich rettete mich nur von einem großen Streit durch einen witzig leichten Seitensprung. Solch Uebel wächst mit jedem Streite, was erst unleidlich ist, die widerhaar'ge Spannung wird bald ein angenehmer Reiz, es juckt da immer, wo man oft gekratzt und seine Ehre ist ihm gar ein kitzlich Fleckchen, doch findet er noch sicher seinen Meister, denn jeder Händelmacher findet den, er stirbt ganz sicher nicht natürlich, oder er muss flüchten in die weite Welt, was hast du dann?
Mein lieber Bruder, wer auf den sicheren Besitz von etwas herrlichem nur eine Stunde rechnet, nein der besitzt es nie, der hat es nie besessen sich nie dem Augenblicke hingegeben, der Jahre aufwägt. Und sind nicht Augenblicke muth'gen Glücks und seliger Erhebung mehr, als ungenoss'ne achtzigjähr'ge Dauer des stets verkümmerten Daseins. Hab ich mit ihm die Freudenzeit genossen, so leid ich auch mit ihm so kann ich mit ihm sterben.
Ei liebe Schwester, spricht Natur aus dir? So fremd und so beredt hab ich dich nie gefunden, es ist ein neuer Stolz, der dich ergreift, den alten Stolz der scheuen Jungfrau hast du schon vergessen.
Sprich nicht von meinem Stolz, ich fühl ihn heute nicht, ich fühle nichts als milde Güte, ein Wohlthun möcht ich üben gegen alle Welt, mir an das Herz sie drücken, damit es eine Haltung fände, – denn es ist schwach. O sieh mich an, kann seine Wildheit mir wohl widerstehn, wenn ich ihn also bittend blicke an, der Blick muss ihn entwaffnen, der muss das lose Schwert fest in der Scheide halten, ich will ihm decken seiner Augen Glanz mit meiner Hand, wie mit dem Schilde der Vernunft, wenn er in Zorn ausstürmen möchte.
Das ist doch lustig, das lässt sich alles anders auch verstehen, es ist mir lieb, dass Niemand gegenwärtig! O Schwester, das klingt ja ganz erschrecklich sinnlich.
Aus meinen Augen fort, du Ungeheuer, du stellst dich ernsthaft, machst mich ganz treuherzig, ich weiß von nichts, du hast mit aller Thorheit dich besudelt, die du Erfahrung nennst, und nun ich offen mit dir rede, als wolltest du mich freundlich gern verstehen, mir gütig beistehn, da lachest du mit fremdem Scherz herein, ich schäme mich meines offnen Sinns, bei Gott, wär ich kein Weib ich könnte dich ausfodern darum, und umbringen, und dann machst du Cardenio daraus noch eine Sünde, wenn er so oft in Händel sich verwickelt. So wie du schlecht von mir gesprochen, gehts auch ihm, die anderen verderben seine Worte eben so.
Ja Schwester, wie du wieder alles mißverstehst; dass ich dich nicht für eine Göttin halte, das kränket dich? Ich bin kein Gott und weiß doch noch aus früheren Jahren, stolze Schwester, wo wir vertraulich stets beisammen waren.
Wahrhaftig ich geh noch heute fort von dir, wenn du mir so begegnest. – Ein sonderbares Recht, dass sich die Herren Brüder meist anmaßen, uns alle Unanständigkeiten her zu sagen, die sie von andern niemals um uns leiden mögen, sie möchten uns allein damit versorgen. Es hat mich doch verstimmt, ich lebte ganz in dem Gedanken an ihn und bei Cardenio da fällt mir lauter Schönes ein, du weißt o Himmel, meine Lieb zu ihm ist rein, entlade mich den heftigen Gedanken, womit der Zorn das Herz mir tief erregte, ich bin zu heftig, ich habe so viel anderes zu denken, da mir der Abendstern entgegenblickt.
Und nun ich wieder aufzublicken wage. Die armen beiden kleinen Sterne, kaum sind sie zu erblicken, so schämen sie sich vor der Sonne, die sie noch mit durchdringenden hellem Aug bestrahlt. Sie bleibt in sich verloren nach den Sternen aufblickend stehen.
Find nur den Steg auf deiner Violine so ist mirs einerlei, wo du dich bettest, ich will euch überdies nie Heimchen hier verstecken, dass alle Leute die Augen nach euch aussehen mögen, woher wohl das Gesinge und Gedudle komme. – Du stehst tiefsinnig da Cardenio vor deiner Liebsten, als wärs dein Stehpult, ja sag, verwundert es dich nie dass jener strahlenhelle Phöbus, der eben seine Rosse hin zur Schwemme reitet, die schönsten Gaben seiner Töne solchem lausigen Volk verleiht, wie unsre Musikanten sind, ich glaube er gehört zum Bürger-Rettungs-Institut und macht aus seiner Huld Almosen für die Armen. He Bruder, du hörst kein Wort.
Lass mich, ich weiß es nicht, was hier das Beste sei, doch du verstehst am besten, so etwas anzuordnen und dazu hab ich dich, nimm alle die Gedanken jetzt zusammen. Wahrhaftig mir vergehen die Gedanken, ein tiefer Ernst durchdringet mich bei dieser Himmelskonjunktur, die Sonne noch nicht unter, der Mond noch nicht herauf und jene beide Strahlen des Springbrunnens, der wie aus meinem Herzen steigt, erscheinen mir gleich Schwanenhälsen die Luna froh auf dem bestrahlten Wasserspiegel zu mir ziehen. Auch sie soll Liebchen sehen, ich sehe Liebchen schon in ihrem Schein. Ich wollte etwas singen und ich zittre, als würd ich selbst zur Zitter, die lebend ihrer Hand gehorcht.
Schäm dich der Furcht, du Simson, noch schläfst du nicht in ihrem Schooße, denn deine Locken fliegen noch so frei im Abendwind und kitzelten mich eben in der Nase, könnt ich nur singen, so wie du, ich wollte alles abgelebte Echo in den Straßenecken ausfordern, dass die Hähne drüber krähten.
Nun frisch ihr Herren Musiker, tut jetzt das Beste, so etwas düster Lockendes, dass man dabei verhimmeln möchte, ein Waldhorn erst, das in sich selber wiederhallt, dazwischen rasch ein lust'ger Harfenschlag, dass sich ein Jeder aufrafft, als seis verrathen, was er meine.
Der Spaß ist aus, ich wollt, er wär noch einmal so lang gewesen. Zweiter. Mir ist mein Lebtag kein solch Vivat vorgekommen. Dritter. War es denn die kleine Ach-Herr-je, die gesungen hat mit ihrer kleinen Schwester, der Bursche war Lungenfeld. Vierter. Mir ists dabei im Magen kalt geworden, ich geh zu Dost, er ist noch stets mein Trost. Fünfter. Gut Nacht, ich will noch Veilchen pflücken. Die Zuschauer ab.
Pamphilio, ich muss dich küssen und doch beneid ich dich um die Erfindung, was wusste sie von mir dabei, ach dir gehört der Gruß, der Dank, bei Gott ich bring dich um, wenn du's ihr je verräthst. Jetzt ist sie sicher schon in ihrem Zimmer, jetzt kleidet sie sich aus, ach immer schöner, schöner. Wie wag ich doch, so was zu denken, verzeih mir Geist der reinen Liebe, nein trag ihn nicht in ihren Traum hinüber, den frevelhaften Blüthenstaub. Schlaf ruhig ein Olympie.
In diesem Schrank, er ist gerad so groß wie Sie, ich weiß es, denn wenn ich davor gestanden, so musst ich immer an Sie denken, da müssen Sie sich drin verstecken, da ist ein Schlüssel der ihn aufschließt, ich weiß nicht, wo ich ihn gefunden, er passt recht gut.
Ei pfui, wer wird so schlecht von Leuten denken, die Neugier trieb mich und ich dachte in dem Schrank des Fräuleins Liebesbriefe zu entdecken, ich wollte lernen, wie man die Briefe vornehm schrieb.
Du liebe Zeit, das waren schöne Liebesbriefe, Gebete, Versche waren es, ganz dumme Kindermährchen, erbauliche Betrachtungen, wie sie ihr Herz verbessern wollte, das lernt sie alles aus den Büchern. Nun gieb mir einen Kuß, ich lasse dich allein.
Wenn alles gut geht, sollst du deinen Kuß erst kriegen, sei nur recht wachsam, giebt es Lärmen, mich durch die Seitenpforte auszulassen. Wer macht denn das Gedudele da unten in der Straße?
Recht weiß ichs nicht, an mich hat er sich nicht gewendet, wie alle andre, vielleicht ist's der Cardenio, der heut am Markte meinem Fräulein zärtlich zugesprochen, es ist ein schöner Herr, es lacht das Herz ihm gleich entgegen.
Nun gut, jetzt lasse mich allein, wir überhören sonst die zärtlich leisen Tritte, denn wie ein Sternbild wandelt sie am Rand der Erde, regiert sie strenge und berühret sie doch nicht. Sei wachsam und bereit.
O dieser Kuß, ich wollt, ich wär ihn los von meinen Lippen, die ganz in Himmelswonne träumend sich erquicken, hier in Olympiens Nähe wird mir Gemeines ganz verhaßt, wie wünschte ich mein voriges Leben zu vergessen. Gemeine Sünden könnt ich hier nicht tun, so tröstet's mich, dass ich erschrecklich freveln will. Was thue ich? Es ist der Sprung des ganz Verzweifelten hin über einen Abgrund, schon hinter mir versinkt die Welt, ich kann nicht mehr zurück. – Ich möchte mit dem Himmel den Vertrag hier schließen, für diese eine Schuld wollt ich mein Leben seinem Dienste weihn; o heil'ger Gott schließ den Vertrag, schlag ein. – Wie sprech ich so von Gott und hab den Teufel in dem Herzen, doch hier in ihrer Nähe verliert, wie in dem Kelch des Abendmahls die Schlange all ihr Gift, der enge Raum wird hier zum weiten Himmel. – Wie die Musik mich quält, wohl mir, da hier ein Licht, es ist genug in dieser kleinen Welt die trüben Nachtgedanken zu zerstreuen. – Wie friedlich steht das kleine Bett, die weiße Decke ist so straff darauf gezogen, es ist nicht weichlich, ach ich muss doch einen Augenblick darauf mich setzen – und nun ich sitze, fühl ich erst, wie's mir so weich, in diesem Augenblicke möchte ich für eine Ewigkeit erstarren, zum Denkmal werden meiner eignen Ruhe. – Wie quälen mich die sanften Flöten wieder; sind ich denn nichts, was mich auf andere Gedanken bringen kann. – Da liegt ein aufgeschlagnes Schreibebuch, wie liegt es ordentlich in gleicher Linie mit dem Rand des Tisches, mit dem Stuhle, das Dintfaß steht in richtiger Entfernung recht davor, die Feder liegt so reinlich ausgewischt daneben, o schöne Ordnung, Spiegel ihres Geistes. – Was hat das liebe Kind geschrieben? Er liest. »Führ mich nicht in Versuchung Herr und Gott, schenk mir die Wahrheit und bewahr mein Herz.« Nur wenig Worte, aber inhaltschwer, sie drücken meinen bösen Willen nieder, der schwarze Vorsatz weicht mir wie in Fieberwahn, kaum glaub ich, dass ich ihn geheget. Führ mich nicht in Versuchung, liebes Kind, so will ich nun zu dir auch beten: Es wird mir leicht, ich eile fort noch eh die Liebliche gekommen, dass nicht mein Aug die Heimlichkeit erblickt, der es nicht widerstehen kann. Er springt zur Thüre, in dem Augenblick ruft Olympie draußen.
O Himmel, als ich mich bessern wollte, war's zu spät; fort in den Schrank, fort in die dunkle Hölle. Er springt in den Schrank, den er hinter sich zudrückt.
Wie unvorsichtig, Doris, hast du den Wächter nicht gehört, bewahr das Feuer und das Licht, das Zimmer ist so voll von Dampf, das Licht ist weit herabgebrannt, geh putz es, mach das Fenster auf, die Luft ist noch so angenehm.
Ich halte ihn für einen zuverlässigen Freund, doch muss sein unaufhörlich Werben und Hofmachen mich ermüden, ich gab ihm nie die kleinste Hoffnung; er hindert mich dadurch, wohlwollend ihm die Freundschaft, jene Achtung auszudrücken, die er mir eingeflößt, er würde stets viel mehr daraus sich schließen, als ich gemeint.
Die Leute sagen viel, geh nur zu Bette, ich hab bei meinem Bruder gar ein schönes Buch gefunden, das will ich ruhig lesen, es handelt von der Nachahmung des Herren Christus, ich bin noch gar nicht müde.
Zuweilen mein ich, Doris sei Mann, ich kann mich nicht vor ihr entkleiden, blickt so frech, ich fühl mich so beschämt, es ist mir lieb, dass ihre Zeit bald um und dass sie selber mir hat aufgesagt, es wird mir gar zu schwer, wenn den Mädchen muss den Abschied geben ich beschämter dann als sie. – Wie lieblich reget die Musik mir Herz und Pulse an, es war gewiss Cardenio, ich gehört, der tiefe ernste Ton der Stimme hat mir sein Bild in einem dunklen Spiegel dargestellt, der Umriß ähnlich, aber finster farbelos, als ständ ein großes Unglück drauf gezeichnet, das dieses Waldhorn jetzt so rührend klagt. – Gern möchte ich ihm etwas schenken für die Freude und die Schmerzen, die er mir in das Herz gesungen. – Da fällt mir eine Locke unbequem ins rechte Auge, dass es in Tränen sich ergießt, – ein rascher Schnitt und sie gehört nicht mehr zu mir, – fort aus dem Fenster flieg hinaus, und will das Glück dir und auch ihm recht wohl, so führ der Abendwind dich schnell in seine Hand. – Fort ist sie, wars auch recht, was ich getan? Ich schäme mich, ich werd ganz roth, ich will im Bette mich verstecken, das steht ganz sicher nicht in der Nachfolge unsres Herrn. – Was find ich hier auf meinem Bett, es ist doch unbescheiden von der Doris, dass sie aus Langeweile sich darauf gesetzt; doch freilich, das arme Mädchen hat gar lange warten müssen, bei der Musik ist mir die Zeit so schnell vergangen, das Dienen ist ein hartes Leben, macht gegen feineren Genuss so stumpf, ihr schallte doch Musik so gut wie mir. – Und jetzt erschreckt mich dieser Eindruck auf dem Bette. – Warum? – Nun fällt mirs ein, es ist ein altes Geistermährchen das ich in einem Kinderbuch gelesen, von einer Mutter, die im Wochenbett gestorben und dann als Geist bei ihrem Kinde nächtlich wachend saß, als seine Amme sorglos es verlassen hatte, am andern Morgen sah die Amme noch den Eindruck, wo sie gesessen, das Kind war satt und froh. – Ich muss das Buch noch haben, es war voll wunderbarlicher Geschichten es liegt wohl in dem Schranke. Sie geht zum Schranke, Lysander springt hinaus, löscht mit seiner Hand das Licht und küsst sie.
Vor der Thüre ein Rufen von Cardenio, Pamphilio und Musikanten: – Brecht ein, rasch, drein! – Die Thür wird erbrochen, viel Rufen erschallt im Hause, wobei Olympie in der Ohnmacht liegen bleibt.
Aus diesem Fenster, das erhellt noch eben, aus dem die Locke mir gefallen, schien mir ihr Angstgeschrei zu kommen, ganz finster wurde es auf einmal, sie rief mich und es war ein unterdrückter Schrei, Gott, wenn die Decke auf sie nieder wär gestürzt, hier ist kein Stein, dass ich mit meinem Schwert könnt Funken hauen, ihr Augen leuchtet mir, o zöge doch ein fliegender Drache übern Himmel, verbrennte er auch eine Welt, dass ich nur einen Augenblick hier sehen könnte. – Was auch geschehen, ich kam zu spät zur Hülfe. – Was rührt hier meine Hand, wie weich, wie voll, ists eine Todte? Nein, noch fühl ich Lebenswärme. Atem. He Hülfe, Hülfe, Licht; o wär sie es, wär sie todt, und weit von hier, du guter Degen solltest mir den Weg schon bahnen, dass ich ihr nach, mit ihr zugleich die dunkle Todesstraße wandelte.
Dem Himmel sei's gedankt, Lysander ist hinaus, die Thür verschlossen, ein Augenblick, so war's zu spät, schon hört ich unsern Herrn rufen, laufen. Laut. Ach gnädiges Fräulein, was für ein Unglück ist denn hier geschehen, ich lag im ersten Schlaf, als ich sie schreien hörte, mein Gott, da liegt ja das liebe Fräulein ausgestreckt ganz bleich. – Ei Herr Cardenio, wo sind Sie hergekommen, hier ist des Fräuleins Schlafgemach, was haben Sie mit ihr gemacht, Sie haben noch den bloßen Degen in der Hand. – Sie läuft nach der Thüre. He Hülfe, Mörder!
Cardenio! Von meiner Schwester fort! Mir steigt das Blut zu Kopfe – verruchter Schänder der jungfräulichen Ehre, der du das heil'ge Recht des eignen Hauses nicht gescheuet, den Bann der friedlichen Nacht gebrochen, was hält mich, dass ich dich nicht niederstoße?
Ich hatte mich schon halb entkleidet, geh zu diesem Schrank, da springt Cardenio heraus, erstickt mich fast mit seiner Küsse Wuth ich find in seinem Arm mich wieder, er ist wohl fort; ach frag ihn Bruder, ob ich je freche Blicke ihm gegeben, so schnöde Worte ihm gesagt, die solche Frechheit reifen ließen.
Du wärst der erste Prahlhans nicht, den ich schon auf die Kniee hab gesetzt, euch andren hätt ich auch noch Lust zur Ader hier zu lassen, doch hier hält mich ein Blick zurück, den ich noch ehre, selbst da, wo er mich hat so ganz verkannt.
Je Herrchen, das müssen Sie am besten wissen, es sind nicht fünf Minuten, dass wir Sie auf der Straße hingestreckt erblickten, seufzend nach den Sternen, so sagt der Poet.
Da war nichts mehr zu stören, Domine, als sie mit uns hineingedrungen, da war ein Schreien drin von einer Weiberstimme, ein Lichtauslöschen, als wäre Mord geschehen, es fuhr mir eiskalt übern Rücken, dass mir die Flöte an die Erde fiel.
Mein Herr Viren, wir kennen uns ja länger, ich gab ja schon Ihrem Herrn Vater Unterricht auf Geige und auf Flöte, er lernte erst nicht viel, dann aber kriegte er einen guten Ansatz, als er ward verliebt.
Das Herrchen ist so böse, es erkennt mich nicht, ob ich ihm gleich zwei Stunden alle Woche gebe auf der Geige. Ja Herr Viren ich schwör es ihnen bei meiner Ehre, hab ich gleich nur wenig Ehre, Sie tun dem Herrn Cardenio ein großes Unrecht, wenn Sie meinen. –
– – – wenn Sie meinen, dass er das Haus hat aufgestört, er sprengte erst nach vielem Hülfe-Schreien, das drin erscholl, die große Thüre, wir drangen mit ihm ein, und er kam früher hier herein, weil – – –
Weil er der Muthigste von uns und der Verliebteste. Armer Cardenio, ein andrer hat in deinem Namen die Ernte mit Gewalt entrissen, und draußen standest du als Wächter.
Darf solche Schönheit solche Schmach erfahren, darf meine Liebe so verrathen werden, die Welt erscheint mir anders auf einmal – wie wird mir doch, es dreht sich alles rings umher, die Streifen an der Wand, sie ringeln sich zu Schlangen.
Ich muss verstummen, an niemand kann ich meine Wuth auslassen, ein gräßlich Räthsel quält uns alle. Verzeihe mir Cardenio, nur dir hätt ich des Unternehmens Kühnheit zugetraut, die Trauer und die unterdrückte Rache zerrissen mir das Herz ich ahne schlimme Folgen. Ihr Leute, ihr Herren Musiker erfrischt euch draußen nach dem Schrecken, geh Doris, sorg für sie, ich habe noch zu sprechen mit Cardenio.
Nicht lange mehr ertrag ich dies Gewühl in meinem Busen, in wilden Rasereien möcht ich mich selbst entladen von dieser Wahrheit, diesem schrecklichen Bewusstsein, dass alles wahr.
So sprech ich kurz, ich höre, dass du meine Schwester liebst, sag Schwester, liebst du auch Cardenio, da du ihn schuldlos weißt. – Du schweigst, das nehm ich für dein Jawort an. Auf denn, lass uns den Zwist in einem festen Bündniß unter uns vernichten.
O meine Ehre, wär ich deiner nur so leicht entladen, wie diese Jungfrau der Jungfräulichkeit, könnt ich nur erst ertragen lernen, dass mich einer schlüg auf öffentlichem Markte, und dass ich blos den Buckel riebe, knurrend wegging, ja dann wär ich ein guter Ehemann.
Ich darf dich nicht verstehen, wohl weiß ich, dass der Schwester Ruf durch diese Nacht kann leiden, doch ihre Zucht hat nicht gelitten, sprich Schwester, dir ist nichts geschehen?
Sie schweigt, das will bei zücht'gen Mädchen nicht viel sagen, gebt euch die Hände und verlobet euch, die ganze Stadt denkt dann, dass es Cardenio gewesen, der sich mit einem Scherz in diesem Haus versteckt, erkennt es dann für einen der genialen Streiche, wofür Cardenio bekannt.
Doch was sagt dann der eben hier verschwundene? Ein Wort, Olympie? Was that der Fremdling. Er flüchtete im Augenblick, da er Sie küsste, er hätte Ihren hohen Blick nicht tragen können, darum hat er die Lichter ausgelöscht.
Und wer giebt Ihnen dieses stolze Recht, mich wie ein Richter auszufragen, wir sind uns fremd und bleiben fremd für immer; wer gab dir Bruder dieses Recht, so meine Hand zu schenken, als wärs ein weggeworfnes Gut, aus Mitleid soll mich jetzt Cardenio nehmen, viel lieber nehm ich den, der eben war bei mir versteckt, so hassenswerth sein Frevel dir erscheint.
Weil denn die Welt dem Teufel ganz gehört, nimm mich du Teufel hier und ewiglich nichts kost ich dir, frei geb ich mich dir zum Geschenk. Fluch aller Liebe, die mich zähmte und bezwang, Haß, Zorn, ihr macht mich reich, ihr füllet mir das Herz, so fließt denn über in die öde Welt, auf die kein göttlich Auge blickt, im Feuer soll sie untergehen. Ab.
Und ich kann gar nichts tun, du alter Ruhm des Hauses, du hohe Ehre meiner Schwester, vom Giftthau einer Nacht sollst du verzehret sein. Entehrt, geschändet, meine Schwester, sprich im Augenblick, wer wars? Du schweigst. – Unselige, – so stirb, nimm meinen letzten Segen! Er will sie durchbohren, Doris hält ihn.
Jetzt kann ich dich nicht küssen, mir ist zu weh und ernst, du hast gewagt mich einem Fremden ohne meine Zustimmung zu übergeben, das hat mich sehr gekränkt, doch ich vergeb es dir. Wer hat gewagt, mich zu verschmähn? – Cardenio! – Vergebs ihm Gott, nein ich vergebs ihm nie!
Großer Kommerschsaal auf dem Keller. Die Musik auf einer Gallerie, von Tabakswolken verhüllt, viele Studenten an Tischen, die Chorführer mit gezogenen Hiebern, Halloren schleichen an den Tischen umher.
Ich glaube wirklich, der ist toll geworden, der Schmerz über die unselige Promotion wirkt nach, die Haare stehen mir vor ihm zu Berge und der Wein gerinnt.
Es ist mir grade, als hatte ich ein Haar darin gefunden. Der ganze Spaß ist uns verdorben, als wär ein Geist erschienen unter uns. Es war wohl nur sein Geist, er ist vielleicht erstochen worden.
2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Da schlägts, hols der Teufel, da muss ich einem Paar Juden, die sich taufen lassen, in der Religion […] geben.«
3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Als er da unter des Chirurgen Händen seufzte, bat er mich, weil ich mich seiner Ehre also angenommen, ich möchte seinen Ehrenplatz auch übernehmen, gegen Wagner opponiren; und ich versprach es ihm, da gab er mir so Frag als Antwort, wie er es all mit Wagner abgeredet, da seht!«
6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse.
A: »Nun sieh, es kostet nur den ersten Schritt, was du so lang gehegt, das magst du nicht verschwenden; du kannst den Muth nicht finden zu etwas, das beim zweiten Male dir Muth zu unterdrücken kostet.«
B: »Hätt ich es ihm gesagt, er hätte gleich dran sterben können auf dem Flecke, von der Reflexion.«
C: »Er springt zur Thüre, in dem Augenblick ruft Olympie draußen.«
8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Wie wag ich doch, so was zu denken, verzeih mir Geist der reinen Liebe, nein trag ihn nicht in ihren Traum hinüber, den […] Blüthenstaub.«
9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »– – – wenn Sie meinen, dass er das Haus hat aufgestört, er sprengte erst nach vielem Hülfe-Schreien, das drin erscholl, die große Thüre, wir drangen mit ihm ein, und er kam früher hier herein, weil – – –«
10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Er flüchtete im Augenblick, da er Sie küsste, er hätte Ihren …«
2Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte
1. Lies den Abschnittsbeginn: »Der Marktplatz. Auf der einen Seite stehen drei einsame Pferdeverleiher in der Sonne, auf der andern die beiden Gevaterbuden mit Blumen und Früchten reichlich angefüllt; die Gevatterin zählt Kirschen in […]« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
2. Prüfe, ob es in dieser Passage um Gerechtigkeit oder Verantwortung geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Recht gern, wenn du nicht schon die Thüre aufgemacht.«
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Wahrheit oder Vertrauen geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Nicht an der Lüge ist der Mann gestorben, was bildest du dir ein, ich hab es ihm seit langer Zeit gesagt; das Denken ist ein Tanzen auf dem Seile, das zwischen Gott und Menschenleben ist gespannt, er spannte dies von einer Seite nur, sein […]«
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Angst oder Unsicherheit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Unsre Nachbaute schließen Schon die kleine Fenster zu, Wünschen eine gute Ruh, Mit zur guten Nacht begrüßen; Viele fromme Kinder singen Müde ihren Abendsang, Ach wie ist mein Herz so bang, Nacht will mir nicht Ruhe bringen.«
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] als milde Güte, ein Wohlthun möcht ich üben gegen alle Welt, mir an das Herz sie drücken, damit es eine Haltung fände, – denn es ist schwach. O sieh mich an, kann seine Wildheit mir wohl widerstehn, wenn ich ihn also bittend blicke an, der […]«
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
6. Vergleiche diese beiden Stellen: »Wünscht mir nicht zu viel Lebenskraft, denn kurz und gut, ich bin heut Opponent, hier ist der Brief von Schlinger worin er euch […]« und »Wie der Mond im Brunnen spielet! Ei wie kommt er da hinein?«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
7. Am Abschnittsende steht: »Tags zum Spotte, Nachts zum Schrecken, geh ich durch die weite Welt.« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
8. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Der Marktplatz. Auf der einen Seite stehen drei einsame Pferdeverleiher in der Sonne, auf der andern die […]« / »Tags zum Spotte, Nachts zum Schrecken, geh ich durch die weite Welt.«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
3Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte
Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.
Niveau 1 · Einstieg
1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Sei mir gegrüßt, du Stadt des Segens und des Fluches die alles mir geraubt und alles mir bewahrt. – ich will doch näher schleichen dem Studentenhaufen, Cardenio mag darunter sein.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Er ist ein zorn'ger Wüthrich, ein ew'ger Streiter gegen tausend Kleinigkeiten, die der gewohnte Lauf der Welt als harmlos duldet, und was er meint das sagt er aus, und was er will, das setzt er durch, ihn fürchtet jeder, keinen fürchtet er.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Tags zum Spotte, Nachts zum Schrecken, geh ich durch die weite Welt.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Halle von Arnim, Ludwig Achim von ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).
Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.
Halle
Achim von Arnim: Sämmtliche Werke. Berlin: Expedition des Arnimschen Verlags, 1846. Arnim, Ludwig Achim von 4- Berlin
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Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.