Deutsch · Abschnitt 3 von 10
Erstes Buch
1 Er stürmt durchs Leben hin, beschleunigt sein Gefühl.
Vorlage S. 254 2 Fürst Wjasemski
Vorlage S. 254 4 »Mein Onkel tut sehr brav und bieder,
Vorlage S. 254 5 Jetzt plötzlich sterbenskrank zu sein:
Vorlage S. 254 6 So schätzt man ihn doch einmal wieder;
Vorlage S. 254 7 Gescheitres fiel ihm selten ein.
Vorlage S. 254 8 Sein Beispiel – andern eine Lehre!
Vorlage S. 254 9 Wenn nur, o Gott, die Qual nicht wäre,
Vorlage S. 254 10 Vom siechen Greis bei steter Wacht
Vorlage S. 254 11 Nicht loszukommen Tag und Nacht!
Vorlage S. 254 12 Und diese Last gemeinster Pflichten:
Vorlage S. 254 13 Solch halbem Leichnam beizustehn,
Vorlage S. 254 14 Mit Arzenei zur Hand zu gehn,
Vorlage S. 254 15 Wehleidig ihm sein Pfühl zu richten –
Vorlage S. 254 16 Da seufzt man wohl und denkt für sich:
Vorlage S. 254 17 Wann endlich holt der Teufel dich!«
Vorlage S. 254 19 So machte seine bittren Glossen
Vorlage S. 255 20 In Extrapost ein junger Fant,
Vorlage S. 255 21 Dem als der Sippe letztem Sprossen
Vorlage S. 255 22 Das Glück der Erbschaft vorbestand.
Vorlage S. 255 23 Euch, die ihr Ruslan und Ludmillen
Vorlage S. 255 24 So warm empfingt mit Freundeswillen,
Vorlage S. 255 25 Sei meines Versromanes Held
Vorlage S. 255 26 Hier mit Verlaub gleich vorgestellt:
Vorlage S. 255 27 Mein Freund Onegin ward geboren
Vorlage S. 255 28 Am Newastrand, der auch wohl gar,
Vorlage S. 255 29 O Leser, deine Wiege war,
Vorlage S. 255 30 Zu deines Namens Glanz erkoren!
Vorlage S. 255 31 Einst kam auch ich dort gut zurecht –
Vorlage S. 255 32 Doch mir bekommt der Norden schlecht.
Vorlage S. 255 34 Sein Vater lebte bloß vom Borgen,
Vorlage S. 255 35 Seit der den Dienst mit Fug quittiert,
Vorlage S. 255 36 Vergaß bei Tanz und Schmaus die Sorgen –
Vorlage S. 255 37 Und war dann schließlich ruiniert.
Vorlage S. 255 38 Das Schicksal blieb Eugen gewogen:
Vorlage S. 255 39 Nachdem Madame es süß verzogen,
Vorlage S. 255 40 Gab man, weil trotzig, wenn auch gut,
Vorlage S. 255 41 Das Kind Monsieur l'abbé in Hut.
Vorlage S. 255 42 Der zage Franzmann hielt in Sachen
Vorlage S. 255 43 Des Unterrichts von Sanftmut viel,
Vorlage S. 255 44 Von Strenge wenig, mit dem Ziel,
Vorlage S. 255 45 Dem kleinen Schalk es leicht zu machen;
Vorlage S. 255 46 Ließ gehn, was irgend Zucht noch litt,
Vorlage S. 255 47 Und nahm ihn hübsch zum Stadtpark mit.
Vorlage S. 255 49 Doch als die Zeit der bangen Wonnen,
Vorlage S. 256 50 Wo junge Sehnsucht schwärmt und klagt,
Vorlage S. 256 51 Auch für des Zöglings Herz begonnen,
Vorlage S. 256 52 Da ward Monsieur davongejagt.
Vorlage S. 256 53 Jetzt trat Eugen als freies Herrchen,
Vorlage S. 256 54 Geschniegelt wie ein Dandy-Närrchen,
Vorlage S. 256 55 Modern frisiert und angetan
Vorlage S. 256 56 Erstmalig auf den Weltenplan.
Vorlage S. 256 57 Französisch war ihm ganz zu eigen,
Vorlage S. 256 58 Er sprach und schrieb es tadellos,
Vorlage S. 256 59 War als Masurkatänzer groß
Vorlage S. 256 60 Und konnte sich scharmant verbeugen:
Vorlage S. 256 61 Braucht's mehr, damit die liebe Welt
Vorlage S. 256 62 Uns für gescheit und reizend hält?
Vorlage S. 256 64 Gelernt hat jeder von uns allen
Vorlage S. 256 65 Sein Pröbchen, minder oder mehr:
Vorlage S. 256 66 Drum ist, durch Bildung aufzufallen,
Vorlage S. 256 67 Bei uns, gottlob, nicht eben schwer.
Vorlage S. 256 68 Onegin war nach Ansicht vieler
Vorlage S. 256 69 (Berufner Kenner, streng subtiler)
Vorlage S. 256 70 Ein kluger Kopf, wenn auch Pedant:
Vorlage S. 256 71 Er pflegte nämlich höchst gewandt
Vorlage S. 256 72 Unaufgefordert dreinzuschwätzen,
Vorlage S. 256 73 Wo irgend nur geredet ward,
Vorlage S. 256 74 Sich zu Disputen ernstrer Art
Vorlage S. 256 75 Stumm würdevoll dazuzusetzen,
Vorlage S. 256 76 Und gab sie dann dem Damenkreis
Vorlage S. 256 77 Mit raschem Witz zum Lachen preis.
Vorlage S. 256 79 Latein ist heut nicht mehr so wichtig.
Vorlage S. 257 80 Drum, frei herausgesagt, Eugen
Vorlage S. 257 81 War da so weit, um leidlich richtig
Vorlage S. 257 82 Widmungsinschriften zu verstehn,
Vorlage S. 257 83 Von Juvenal was vorzulügen
Vorlage S. 257 84 Und Briefen vale beizufügen,
Vorlage S. 257 85 Auch stand ihm aus Virgil zur Not
Vorlage S. 257 86 Ein magres Verschen zu Gebot.
Vorlage S. 257 87 Sich mit Historie abzuplagen
Vorlage S. 257 88 War nicht sein Fall, er wühlte nie
Vorlage S. 257 89 Im Staub der Weltchronologie;
Vorlage S. 257 90 Doch Anekdoten seit den Tagen
Vorlage S. 257 91 Des Remus bis auf unsre Zeit
Vorlage S. 257 92 Hatt' er im Kopfe stets bereit.
Vorlage S. 257 94 Den Reiz, für Poesie zu leben,
Vorlage S. 257 95 Begriff er nicht, auch nimmerdar,
Vorlage S. 257 96 Soviel ich mir auch Müh' gegeben,
Vorlage S. 257 97 Was Iambus, was Trochäus war,
Vorlage S. 257 98 Und schalt Homer und andre Geister.
Vorlage S. 257 99 Doch Adam Smith war recht sein Meister,
Vorlage S. 257 100 Drum unterhielt er spät und früh
Vorlage S. 257 101 Papa mit Staatsökonomie,
Vorlage S. 257 102 Zum Beispiel: wie Kredit sich wandelt,
Vorlage S. 257 103 Wenn Wohlstand zunimmt, Arbeit nährt,
Vorlage S. 257 104 Und wie ein Land kein Gold entbehrt,
Vorlage S. 257 105 Sofern es Rohprodukte handelt.
Vorlage S. 257 106 Papa, der nichts vom Kram verstand,
Vorlage S. 257 107 Nahm Hypotheken auf sein Land.
Vorlage S. 257 109 Noch Weitres dieser Art zu melden,
Vorlage S. 258 110 Erübrigt sich und führt zu weit.
Vorlage S. 258 111 Doch was den Genius meines Helden
Vorlage S. 258 112 Mehr dartat als Gelehrsamkeit,
Vorlage S. 258 113 Was ihm seit frühen Jugendtagen
Vorlage S. 258 114 Zur Quelle ward von Lust und Plagen,
Vorlage S. 258 115 Wodurch er sich zur Leidenschaft
Vorlage S. 258 116 Aus leerem Nichtstun aufgerafft –
Vorlage S. 258 117 War – dass er um die Triebe wusste,
Vorlage S. 258 118 Die einst Ovid so reich besang,
Vorlage S. 258 119 Wofür der Dichter lebenslang
Vorlage S. 258 120 Fern von Italien büßen musste,
Vorlage S. 258 121 Aus jungem Ruhm und Glück verbannt
Vorlage S. 258 122 Ins öde Moldausteppenland.
Vorlage S. 258 124 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Vorlage S. 258 125 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Vorlage S. 258 126 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Vorlage S. 258 128 Wie früh verstand er schon die Künste
Vorlage S. 258 129 Der Eifersucht und Heuchelei,
Vorlage S. 258 130 Der Überredung Truggespinste,
Vorlage S. 258 131 Des Launenspiels, der Ziererei,
Vorlage S. 258 132 Die Kunst, bald sanft, bald stolz und eigen,
Vorlage S. 258 133 Bald dienstbar sich, bald kühl zu zeigen!
Vorlage S. 258 134 Wie karg und stumm war hier sein Mund,
Vorlage S. 259 135 Dort wie gesprächig kunterbunt,
Vorlage S. 259 136 Im Liebesbrief wie überschwenglich!
Vorlage S. 259 137 Wie selbstlos schien sein Herz allein
Vorlage S. 259 138 Von einem Trieb erfüllt zu sein!
Vorlage S. 259 139 Und dieser Blick, bald dreist-verfänglich,
Vorlage S. 259 140 Bald schamhaft-zärtlich, der sogar
Vorlage S. 259 141 Erlogner Tränen fähig war!
Vorlage S. 259 143 Wie täuschend er den Neuling spielte,
Vorlage S. 259 144 Sich harmlos stellte, schüchtern tat,
Vorlage S. 259 145 Verzweifelt schien, nach Rührung schielte,
Vorlage S. 259 146 So schmeichelsüß um Neigung bat,
Vorlage S. 259 147 Dann, lauernd auf das kleinste Schwanken,
Vorlage S. 259 148 Der Unschuldsjahre keusche Schranken
Vorlage S. 259 149 Mit List und Feuer überwand;
Vorlage S. 259 150 Auf scheue Zärtlichkeit gespannt.
Vorlage S. 259 151 Zum Austausch drang von Liebesschwüren,
Vorlage S. 259 152 Um schnell beim ersten Herzenslaut,
Vorlage S. 259 153 Schon immer mehr und mehr vertraut,
Vorlage S. 259 154 Ein Stelldichein herbeizuführen,
Vorlage S. 259 155 Wo schleunigst nach Verführerart
Vorlage S. 259 156 Der Unterricht vollendet ward.
Vorlage S. 259 158 Wie früh verfing in seinen Netzen
Vorlage S. 259 159 Sich selbst die erzkokette Frau!
Vorlage S. 259 160 Und wie verstand er still zu hetzen,
Vorlage S. 259 161 Verdacht zu streun und boshaft schlau
Vorlage S. 259 162 Des Leumunds Gift herumzutragen,
Vorlage S. 259 163 Um Nebenbuhler abzuschlagen!
Vorlage S. 260 164 Nur ihr glücksel'gen Eheherrn
Vorlage S. 260 165 Saht ihn als Hausfreund immer gern:
Vorlage S. 260 166 Der Schelm sowohl, der selbst hienieden
Vorlage S. 260 167 Faublas' galante Wege lief,
Vorlage S. 260 168 Der Greis, der ohne Argwohn schlief,
Vorlage S. 260 169 Wie auch der Hahnrei, stets zufrieden
Vorlage S. 260 170 Mit seinem Wanst, so satt und dick,
Vorlage S. 260 171 Sich selbst und seinem Eheglück.
Vorlage S. 260 172 XIII/XIV
Vorlage S. 260 173 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Vorlage S. 260 174 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Vorlage S. 260 175 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Vorlage S. 260 177 Meist, eh er aufsteht, sind beizeiten
Vorlage S. 260 178 Schon Kärtchen da. Was gibt's, lass sehn;
Vorlage S. 260 179 Man lädt ihn richtig von drei Seiten
Vorlage S. 260 180 Zum Abend ein und bittet schön
Vorlage S. 260 181 Hier zum Geburtstag, dort zu Bällen.
Vorlage S. 260 182 Wie soll mein Schelm sich dazu stellen?
Vorlage S. 260 183 Wohin zuerst? Ach, einerlei,
Vorlage S. 260 184 Er schafft es schon für alle drei.
Vorlage S. 260 185 Einstweilen lässt er sich frisieren,
Vorlage S. 260 186 Stülpt auf den Kopf den Bolivar,
Vorlage S. 260 187 Fährt aus, stellt fein den Weltmann dar
Vorlage S. 260 188 Und geht geruhsam promenieren,
Vorlage S. 260 189 Bis allgemach die Stunde schlägt,
Vorlage S. 260 190 Da unser Freund zu speisen pflegt.
Vorlage S. 260 192 Schon dunkelt's. Schlitten her: geschwinde
Vorlage S. 261 193 Geht's »Platz da!« sausend übers Eis;
Vorlage S. 261 194 Zu Frost bereift bei scharfem Winde
Vorlage S. 261 195 Sein Biberkragen silberweiß.
Vorlage S. 261 196 Dort bei Talon zu guter Stunde
Vorlage S. 261 197 Harrt seiner schon die Tafelrunde,
Vorlage S. 261 198 Er tritt herein, der Pfropfen knallt,
Vorlage S. 261 199 Es strömt des Elfers Vollgehalt;
Vorlage S. 261 200 Zum blut'gen Roastbeef gibt's die Blüte
Vorlage S. 261 201 Von Frankreichs Küche, Trüffeln just,
Vorlage S. 261 202 Für junge Gaumen höchste Lust,
Vorlage S. 261 203 Straßburgs Pasteten erster Güte,
Vorlage S. 261 204 Limburger Käse unter Glas
Vorlage S. 261 205 Und schließlich goldne Ananas.
Vorlage S. 261 207 Man würde gern noch weiterzechen,
Vorlage S. 261 208 War das Menü doch reichlich fett,
Vorlage S. 261 209 Allein, die Uhr mahnt aufzubrechen:
Vorlage S. 261 210 Schon läutet's drüben zum Ballett.
Vorlage S. 261 211 Nun eilt Onegin ins Theater,
Vorlage S. 261 212 Allwo er sich als Kunstberater
Vorlage S. 261 213 Und Primadonnenfavorit
Vorlage S. 261 214 Nach Laune um Erfolg bemüht,
Vorlage S. 261 215 Und jeder kritisch sich betätigt,
Vorlage S. 261 216 Hier Beifall klatscht dem entrechat,
Vorlage S. 261 217 Dort mit Gezisch Kleopatra
Vorlage S. 261 218 Und Phädra abzutreten nötigt,
Vorlage S. 261 219 Vor allem Lärm macht, möglichst toll,
Vorlage S. 261 220 Damit man rings ihn hören soll.
Vorlage S. 261 222 O Zauberwelt erlauchter Geister!
Vorlage S. 262 223 Wo einst so kühn die Geißel schwang,
Vorlage S. 262 224 Fonwisin, der Satire Meister,
Vorlage S. 262 225 Knjashnin manch klassisch Werk gelang;
Vorlage S. 262 226 Wo mit Semjonowa, der schönen,
Vorlage S. 262 227 Sich Oserow den Zoll der Tränen
Vorlage S. 262 228 Und Beifallsstürme spenden ließ;
Vorlage S. 262 229 Katenin seine Kunst bewies,
Vorlage S. 262 230 Der uns Corneille erst schätzen lehrte;
Vorlage S. 262 231 Wo Schachowskoi mit seiner Schar
Vorlage S. 262 232 Komödien – Liebling aller war,
Vorlage S. 262 233 Und wo Didelot sich stets bewährte –
Vorlage S. 262 234 Dort, dort in der Kulissen Raum
Vorlage S. 262 235 Träumt' ich so manchen Liebestraum.
Vorlage S. 262 237 Wo seid ihr göttlich Anmutsgleichen?
Vorlage S. 262 238 Ist euer Wirbel heut verrauscht?
Vorlage S. 262 239 Habt ihr mit andern, ach, nicht gleichen
Vorlage S. 262 240 Zu meinem Schmerz den Platz getauscht?
Vorlage S. 262 241 Tönt euer Sang noch süß belebend?
Vorlage S. 262 242 Wird Rußlands Terpsichore schwebend
Vorlage S. 262 243 Mein Aug' und Herz noch an sich ziehn?
Vorlage S. 262 244 Soll ich vergebens mich bemühn,
Vorlage S. 262 245 Ein teures Antlitz aufzufinden?
Vorlage S. 262 246 Und achtlos, mit dem Glas bewehrt,
Vorlage S. 262 247 Das fremden Reizen zugekehrt,
Vorlage S. 262 248 Enttäuschung mühsam nur verwinden,
Vorlage S. 262 249 Um gähnend unter all dem Schein
Vorlage S. 262 250 Entschwundnen Glücks gedenk zu sein?
Vorlage S. 262 252 Schon ist das Haus gefüllt bis oben,
Vorlage S. 263 253 Parterre und Logen – dichter Hauf';
Vorlage S. 263 254 Die Galerie beginnt zu toben;
Vorlage S. 263 255 Da endlich rauscht der Vorhang auf:
Vorlage S. 263 256 Und lächelnd, in der Nymphen Reigen,
Vorlage S. 263 257 Umkost vom Zaubersang der Geigen,
Vorlage S. 263 258 Steht feenhaft im Märchenglanz
Vorlage S. 263 259 Istomina: sie hebt zum Tanz
Vorlage S. 263 260 Ihr Füßchen, kreist in leichten Ringen,
Vorlage S. 263 261 Dem Boden sanft nur angeschmiegt,
Vorlage S. 263 262 Schnellt auf – und plötzlich fliegt sie, fliegt
Vorlage S. 263 263 Wie zarter Flaum auf Zephirs Schwingen;
Vorlage S. 263 264 Dreht blitzschnell Wirbel Schwung um Schwung
Vorlage S. 263 265 Und schließt graziös im Trillersprung.
Vorlage S. 263 267 Der Beifall rast. Jetzt kommt gewichtig
Vorlage S. 263 268 Onegin, zwängt sich stolpernd vor,
Vorlage S. 263 269 Erhebt sein Glas, durchmustert flüchtig
Vorlage S. 263 270 Der Logen reichen Damenflor,
Vorlage S. 263 271 Lässt Schmuck, Kostüm und Coiffüren
Vorlage S. 263 272 Sehr nonchalant Kritik passieren
Vorlage S. 263 273 Und dreht sich unbefriedigt um;
Vorlage S. 263 274 Grüßt da und dort ins Publikum
Vorlage S. 263 275 Mit streng bemeßner Etikette,
Vorlage S. 263 Kontextbild zum Werk. Historische Illustration zu „Eugen Onegin“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Ilya Repin · Public domain Bildquelle ↗ 276 Beschaut dann, steif zurückgelehnt,
Vorlage S. 263 277 Die Bühne, kehrt sich ab und gähnt
Vorlage S. 263 278 Und murmelt: »Viel zuviel Ballette;
Vorlage S. 263 279 Das Personal taugt gar nichts mehr,
Vorlage S. 263 280 Und auch Didelot enttäuscht mich sehr.«
Vorlage S. 263 282 Noch flattern Engel, toben, dräuen
Vorlage S. 264 283 Lindwurm und Höllenkreatur,
Vorlage S. 264 284 Noch schnarcht der müde Troß Lakaien,
Vorlage S. 264 285 Die Pelze hütend, auf dem Flur;
Vorlage S. 264 286 Noch rauscht Musik, noch tönt dazwischen
Vorlage S. 264 287 Das Husten, Schneuzen, Klatschen, Zischen;
Vorlage S. 264 288 Noch breiten übers ganze Haus
Vorlage S. 264 289 Laternen ihren Schimmer aus;
Vorlage S. 264 290 Noch stampfen schauernd in den Strängen
Vorlage S. 264 291 Die Pferde, knirschen, schlagen sich,
Vorlage S. 264 292 Derweil die Kutscher ärgerlich
Vorlage S. 264 293 In Frost und Wärmefeuer drängen;
Vorlage S. 264 294 Doch fort schon ist Eugen: für ihn
Vorlage S. 264 295 Ist's Zeit, daheim sich umzuziehn.
Vorlage S. 264 297 Soll nun vom Kabinett ich melden,
Vorlage S. 264 298 Wo unser Freund jetzt wohlbedacht
Vorlage S. 264 299 Als Muster junger Modehelden
Vorlage S. 264 300 Subtilste Toilette macht?
Vorlage S. 264 301 Was irgend London schwerbereichert
Vorlage S. 264 302 An Weltimporten aufgespeichert
Vorlage S. 264 303 Und gegen Holz und Talg und Teer
Vorlage S. 264 304 Zu Schiff uns austauscht übers Meer,
Vorlage S. 264 305 Und was Paris durch Kunstvermögen
Vorlage S. 264 306 Und als Geschmacksbeherrscherin
Vorlage S. 264 307 An Mitteln aufbringt, um den Sinn
Vorlage S. 264 308 Für Pracht und Luxus anzuregen –
Vorlage S. 264 309 Mit all dem schmückte seinen Hof
Vorlage S. 264 310 Der achtzehnjähr'ge Philosoph.
Vorlage S. 264 312 Da sah man Stambuls Bernsteinpfeifen,
Vorlage S. 265 313 Nippes, Bronzen, Porphyr, Medaillons
Vorlage S. 265 314 Und (nur für Kenner) feinste Seifen,
Vorlage S. 265 315 Kristallgerät, Odeurflakons
Vorlage S. 265 316 Nebst kleinen Feilen, weichen Schwämmen,
Vorlage S. 265 317 Diversen Scheren, Messern, Kämmen
Vorlage S. 265 318 Und Bürsten jeder Wahl und Art
Vorlage S. 265 319 Für Zähne, Nägel, Kopf und Bart.
Vorlage S. 265 320 Man weiß, wie sich Rousseau beklagte,
Vorlage S. 265 321 Weil Grimm, der Weltmann, ruhig dreist
Vorlage S. 265 322 Vor ihm, dem lauten Feuergeist,
Vorlage S. 265 323 Die Nägel sich zu putzen wagte.
Vorlage S. 265 324 Doch war der Kämpfer für das Recht
Vorlage S. 265 325 In diesem Fall höchst ungerecht.
Vorlage S. 265 327 Es kann als Mensch sehr viel bedeuten,
Vorlage S. 265 328 Wer sonst auf saubre Nägel hält.
Vorlage S. 265 329 Weshalb auch gegen Mode streiten?
Vorlage S. 265 330 Regiert sie doch die ganze Welt.
Vorlage S. 265 331 Drum war Onegin, im Bestreben,
Vorlage S. 265 332 Nie Anlass zur Kritik zu geben,
Vorlage S. 265 333 In seinem Äußren als Pedant
Vorlage S. 265 334 Fast übertrieben elegant,
Vorlage S. 265 335 Saß stundenlang, sich eifrig schmückend,
Vorlage S. 265 336 Vorm Spiegel, eh er fertig war,
Vorlage S. 265 337 Und glich dann wirklich auf ein Haar
Vorlage S. 265 338 Der lockren Venus, die berückend,
Vorlage S. 265 339 Als flotter junger Mann frisiert,
Vorlage S. 265 340 Zum Maskenball davonkutschiert.
Vorlage S. 265 342 Ich könnte nun, nachdem ihr eben
Vorlage S. 266 343 Der Toilette Glanz gesehn,
Vorlage S. 266 344 Um Bildungswünschen nachzugeben,
Vorlage S. 266 345 Ans Schildern seiner Kleidung gehn.
Vorlage S. 266 346 Bei solchem Wagnis wird indessen
Vorlage S. 266 347 Die Nennung von Kostümfinessen,
Vorlage S. 266 348 Frack, Pantalons, Gilet, zur Pflicht,
Vorlage S. 266 349 Und – all das gibt's auf russisch nicht.
Vorlage S. 266 350 Auch ist ja leider, mir zum Schaden,
Vorlage S. 266 351 Mein ungelenker, trockner Stil
Vorlage S. 266 352 Seit Anbeginn schon viel zuviel
Vorlage S. 266 353 Mit Fremdwortflittern überladen,
Vorlage S. 266 354 So heiß ich auch studiert' genug
Vorlage S. 266 355 Das akadem'sche Wörterbuch.
Vorlage S. 266 357 Doch halten wir mit derlei Fragen
Vorlage S. 266 358 Uns hier nicht auf, um unverweilt
Vorlage S. 266 359 Zum Ball zu gehn, wohin im Wagen
Vorlage S. 266 360 Onegin schon vorausgeeilt.
Vorlage S. 266 361 Vor stummen Häusern, nachtumdunkelt,
Vorlage S. 266 362 Entlang der stillen Straße funkelt
Vorlage S. 266 363 In freundlich heller Doppelspur
Vorlage S. 266 364 Der Kutschlaternen Lichterschnur.
Vorlage S. 266 365 Buntfarbnen Scheins, den Schnee bestrahlend,
Vorlage S. 266 366 Besät mit Lampen flammt die Pracht
Vorlage S. 266 367 Der stolzen Hausfront durch die Nacht,
Vorlage S. 266 368 Und an den Fenstern, Schatten malend,
Vorlage S. 266 369 Huscht flüchtig Kopf um Kopf dahin
Vorlage S. 266 370 Von Kavalier und Tänzerin.
Vorlage S. 266 372 Da rollt Eugen zum Vestibüle:
Vorlage S. 267 373 Flugs eilt er am Portier vorbei
Vorlage S. 267 374 Treppaufwärts durch die Marmordiele,
Vorlage S. 267 375 Streicht übers Haar und schreitet frei
Vorlage S. 267 376 Zum Saal hinein: Gedrängte Massen;
Vorlage S. 267 377 Noch hat Musik nicht nachgelassen,
Vorlage S. 267 378 Geräuschvoll wogt Masurkatanz,
Vorlage S. 267 379 Rings helle Lust, bewegter Glanz;
Vorlage S. 267 380 Die blanken Gardesporen klirren,
Vorlage S. 267 381 Graziöser Füßchen holder Schwung
Vorlage S. 267 382 Entzündet heiße Huldigung,
Vorlage S. 267 383 Die Wangen glühn, die Blicke schwirren,
Vorlage S. 267 384 Und scheeler Zungen Spott und Hohn
Vorlage S. 267 385 Verschlingt der Geigen Jubelton.
Vorlage S. 267 387 Im Jugenddrang nach Lust und Scherzen
Vorlage S. 267 388 Ließ so ein Ball mir keine Ruh':
Vorlage S. 267 389 Man angelt nirgends leichter Herzen
Vorlage S. 267 390 Und spielt sich kleine Briefchen zu.
Vorlage S. 267 391 Ihr Herrn Gemahle, seht, ich stelle
Vorlage S. 267 392 Mich euch zu Dienst für derlei Fälle:
Vorlage S. 267 393 Bedenkt mein Wort im vorhinein,
Vorlage S. 267 394 Ich will euch nur ein Warner sein.
Vorlage S. 267 395 Auch ihr Mamas, dass auf die Blüte
Vorlage S. 267 396 Der lieben Tochter scharf ihr passt,
Vorlage S. 267 397 Nie das Lorgnon vom Auge lasst,
Vorlage S. 267 398 Sonst könnte, könnte – Gott verhüte!
Vorlage S. 267 399 Das schreib' ich hier so offen hin,
Vorlage S. 267 400 Weil ich nun längst gesittet bin.
Vorlage S. 267 402 Was hab' ich, ach, auf lockren Pfaden
Vorlage S. 268 403 Für schöne Zeit vertan! Und doch:
Vorlage S. 268 404 Wär's meinem Ruf nur nicht zum Schaden –
Vorlage S. 268 405 Auf Bälle flög' ich heute noch.
Vorlage S. 268 406 Wie lieb' ich all den bunten Trubel,
Vorlage S. 268 407 Die frische Lust, den Glanz und Jubel,
Vorlage S. 268 408 Der Damen Anmut, Duft und Schein,
Vorlage S. 268 409 Und ihre Füßchen erst! ... Allein
Vorlage S. 268 410 In Rußlands grenzenloser Weite
Vorlage S. 268 411 Gibt's hübscher Füßchen kaum drei Paar.
Vorlage S. 268 412 Ach, unvergesslich immerdar
Vorlage S. 268 413 Bleibt eines mir! ... Noch heute, heute,
Vorlage S. 268 414 So ernst ich bin, verfolgt es mich,
Vorlage S. 268 415 Und selbst im Traume zittre ich.
Vorlage S. 268 417 Wann nur, in welchen Wildnisbanden
Vorlage S. 268 418 Schlägst du sie, Tor, dir aus dem Sinn?
Vorlage S. 268 419 O Füßchen, Füßchen! Wo zulanden
Vorlage S. 268 420 Schwebt heut ihr über Blumen hin?
Vorlage S. 268 421 Gehätschelt in des Südens Milde,
Vorlage S. 268 422 Ließt ihr im öden Schneegefilde
Vorlage S. 268 423 Des rauhen Nordens keine Spur;
Vorlage S. 268 424 Dem wohlig weichen Teppich nur
Vorlage S. 268 425 Wart ihr gewohnt euch anzuschmiegen.
Vorlage S. 268 426 Vergaß ich blinder Schwärmer nicht
Vorlage S. 268 427 Verbannung, Heimat, Ruhm und Pflicht,
Vorlage S. 268 428 Um eurem Zauber zu erliegen?
Vorlage S. 268 429 Mein junges Glück entschwand im Blühn,
Vorlage S. 268 430 Gleich eurer Spur im Wiesengrün.
Vorlage S. 268 432 Dianens Busen, Floras Wangen,
Vorlage S. 269 433 O Freunde, reizen meinen Sinn!
Vorlage S. 269 434 Und dennoch zieht mich mehr Verlangen
Vorlage S. 269 435 Zum Füßchen Terpsichores hin.
Vorlage S. 269 436 Denn, wie es Augen selig blendet
Vorlage S. 269 437 Und, Gunst verheißend, Wonne spendet,
Vorlage S. 269 438 Entfesselt es in Lust und Qual
Vorlage S. 269 439 Der Wünsche ungemeßne Zahl.
Vorlage S. 269 440 Das Füßchen lieb' ich, o Elvine,
Vorlage S. 269 441 Am Tische, vom Damast verhüllt,
Vorlage S. 269 442 Auf Wiesen, die der Lenz erfüllt,
Vorlage S. 269 443 Am Winterabend vorm Kamine,
Vorlage S. 269 444 Im glatten Ballsaal, hoch am Strand,
Vorlage S. 269 445 Auf schroffgranitner Klippenwand.
Vorlage S. 269 447 Ich sah das Meer an Sturmestagen:
Vorlage S. 269 448 Mit welchem Neid genoss ich dann,
Vorlage S. 269 449 Wie Flut um Flut herangetragen
Vorlage S. 269 450 Liebkosend ihr zu Füßen rann!
Vorlage S. 269 451 Wie wünscht' ich damals mit den Wellen
Vorlage S. 269 452 Im Kuß an sie heranzuschwellen!
Vorlage S. 269 453 Nein, nicht im tollsten Jugenddrang,
Vorlage S. 269 454 Da Gier mich trieb und Überschwang,
Vorlage S. 269 455 Empfand ich mich so hingerissen,
Vorlage S. 269 456 Holder Armiden süßen Mund,
Vorlage S. 269 457 Erblühten Busens volles Rund,
Vorlage S. 269 458 Entflammter Wangen Glut zu küssen;
Vorlage S. 269 459 Nein, nie hat sonst der Sinne Macht
Vorlage S. 269 460 In mir solch heißen Wunsch entfacht!
Vorlage S. 269 462 Noch andre teure Bilder schweben
Vorlage S. 270 463 Durch meiner Seele Traumesland:
Vorlage S. 270 464 Ich darf sie in den Bügel heben,
Vorlage S. 270 465 Ich fühl' ihr Füßchen auf der Hand;
Vorlage S. 270 466 Und wieder stürmt's in meinem Innern,
Vorlage S. 270 467 Holder Berührung süß Erinnern
Vorlage S. 270 468 Treibt jäh zum Herzen mir das Blut –
Vorlage S. 270 469 Erneute Qual, erneute Glut! ...
Vorlage S. 270 470 Genug. Es sind die stolzen Schönen
Vorlage S. 270 471 Nicht würdig, dass Gesang sie ehrt,
Vorlage S. 270 472 Sie sind der Leidenschaft nicht wert,
Vorlage S. 270 473 Der Lieder nicht, die ihnen tönen;
Vorlage S. 270 474 Ihr Mund, ihr lächelnd Auge lügt
Vorlage S. 270 475 Genau so, wie ihr Füßchen trügt.
Vorlage S. 270 477 Na, und Eugen? Der fährt vom Balle
Vorlage S. 270 478 Schlaftrunken heim, aufs Bett bedacht,
Vorlage S. 270 479 Derweil ringsum bei Trommelschalle
Vorlage S. 270 480 Das Treiben Petersburgs erwacht.
Vorlage S. 270 481 Der Kaufmann rüstet, Boten fliegen,
Vorlage S. 270 482 Zur Börse rollt's von Droschkenzügen,
Vorlage S. 270 483 Die Milchmagd stapft, so schnell sie kann,
Vorlage S. 270 484 Durch knarrend frischen Schnee heran;
Vorlage S. 270 485 Der Frühlärm schallt als froher Wecker
Vorlage S. 270 486 Vor offnen Läden, blauer Rauch
Vorlage S. 270 487 Steigt kraus empor, und längst geht auch
Vorlage S. 270 488 Beim flinken Deutschen dort, dem Bäcker
Vorlage S. 270 489 Im weißen Hut, ohn' Unterlaß
Vorlage S. 270 490 Klapp-auf, klapp-zu sein »Was-ist-das«.
Vorlage S. 270 492 Inzwischen schläft, vom Ball ermüdet,
Vorlage S. 271 493 Vertauschend Nacht mit Morgenschein,
Vorlage S. 271 494 Das Kind der Weltlust wohlumfriedet
Vorlage S. 271 495 Bis in den hellen Tag hinein.
Vorlage S. 271 496 Erst mittags wird er sich erheben,
Vorlage S. 271 497 Und dann beginnt das gleiche Leben,
Vorlage S. 271 498 Dann lockt der gleichen Freuden Schar,
Vorlage S. 271 499 Und morgen folgt, was heute war.
Vorlage S. 271 500 Ob freilich dieser unbedachte,
Vorlage S. 271 501 Durch nichts gehemmte Vollgenuß
Vorlage S. 271 502 Von Jugend, Glanz und Überfluss
Vorlage S. 271 503 Eugen auch wirklich glücklich machte?
Vorlage S. 271 504 Erhielt sich, so von Lust betört,
Vorlage S. 271 505 Sein Herz trotz allem unversehrt?
Vorlage S. 271 507 Nein, sein Gefühl war bald erstorben,
Vorlage S. 271 508 Die bunte Welt erschien ihm leer;
Vorlage S. 271 509 Und, die er sonst so heiß umworben,
Vorlage S. 271 510 Die Schönen reizten ihn nicht mehr:
Vorlage S. 271 511 Er war es satt, genarrt zu werden.
Vorlage S. 271 512 Auch Freundschaft schuf ihm nun Beschwerden,
Vorlage S. 271 513 Denn ewig konnte man doch nicht
Vorlage S. 271 514 Zum Beefsteak oder Nachgericht
Vorlage S. 271 515 Champagner durch die Kehle jagen,
Vorlage S. 271 516 Und auf Verlangen obendrein
Vorlage S. 271 517 Mit schwerem Kopf noch geistreich sein;
Vorlage S. 271 518 Ja, sonst bereit, sich gleich zu schlagen,
Vorlage S. 271 519 Selbst Ehrenhändel ließ er nun,
Vorlage S. 271 520 So Degen wie Pistole, ruhn.
Vorlage S. 271 522 Ein Leiden, welches aufzuklären,
Vorlage S. 272 523 Obschon verwandt mit Englands Spleen,
Vorlage S. 272 524 Die Ärzte längst verpflichtet wären,
Vorlage S. 272 525 Kurz: Rußlands Trübsinn hatte ihn
Vorlage S. 272 526 Seitdem bedenklich in den Krallen.
Vorlage S. 272 527 Sich aber einfach totzuknallen,
Vorlage S. 272 528 Das, Gott sei Dank, mißfiel ihm just;
Vorlage S. 272 529 Nur schwand ihm jede Lebenslust.
Vorlage S. 272 530 Und nun erschien er auf den Festen
Vorlage S. 272 531 Gleich Ritter Harold eisig stumm
Vorlage S. 272 532 Und blieb für Tanz und Spiel ringsum,
Vorlage S. 272 533 Für holde Seufzer, zarte Gesten,
Vorlage S. 272 534 Skandalgeschichten, Spott, Bonmots
Vorlage S. 272 535 Vollkommen kalt und teilnahmslos.
Vorlage S. 272 536 XXXIX/XL/XLI
Vorlage S. 272 537 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Vorlage S. 272 538 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Vorlage S. 272 539 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Vorlage S. 272 541 Ihr launenhaften großen Damen!
Vorlage S. 272 542 Euch ließ er ganz zuerst im Stich.
Vorlage S. 272 543 Der »feine Ton« im steifen Rahmen
Vorlage S. 272 544 Langweilt ja heut auch fürchterlich.
Vorlage S. 272 545 Zwar wissen manche höchst Aparten
Vorlage S. 272 546 Mit Say und Bentham aufzuwarten,
Vorlage S. 272 547 Doch was man sie so plappern hört,
Vorlage S. 272 548 Ist schaudervoll und mitleidswert.
Vorlage S. 272 549 Und dabei tun sie noch so wichtig,
Vorlage S. 273 550 So arg gebildet, stolz und fein,
Vorlage S. 273 Kontextbild zum Werk. Porträt von Aleksander Sergeevič Puškin — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Orest Kiprensky · Public domain Bildquelle ↗ 551 Sind allesamt so engelrein,
Vorlage S. 273 552 So unzugänglich, keusch und züchtig,
Vorlage S. 273 553 So ganz den Männern abgeneigt,
Vorlage S. 273 554 Dass schon ihr Anblick Spleen erzeugt.
Vorlage S. 273 556 Auch euch, ihr Dämchen freier Liebe,
Vorlage S. 273 557 Die ihr in sinnlich toller Hast
Vorlage S. 273 558 Spätnachts durch Petersburgs Getriebe
Vorlage S. 273 559 Von Droschken euch entführen lasst,
Vorlage S. 273 560 Auch euch beschloss er kühl zu meiden.
Vorlage S. 273 561 Und gründlich satt der wilden Freuden
Vorlage S. 273 562 Spann gähnend er zu Haus sich ein
Vorlage S. 273 563 Und nahm sein Schreibzeug vor. Allein,
Vorlage S. 273 564 Entwöhnt, mit Arbeit sich zu quälen,
Vorlage S. 273 565 Und weil der Feder nichts entfloß,
Vorlage S. 273 566 Mißlang's ihm, sich als Zunftgenoß
Vorlage S. 273 567 Den kecken Leuten beizuzählen,
Vorlage S. 273 568 An denen sich nicht gerne reibt,
Vorlage S. 273 569 Wer, so wie ich, ihr Handwerk treibt.
Vorlage S. 273 571 Aufs neu dem Nichtstun preisgegeben,
Vorlage S. 273 572 Verstimmt, sich seelisch leer zu sehn,
Vorlage S. 273 573 Verfiel er drauf als löblich Streben,
Vorlage S. 273 574 Der Weisheit andrer nachzugehn.
Vorlage S. 273 575 Nun ließ er Haufen Bücher kommen,
Vorlage S. 273 576 Las, las, doch ohne Nutz und Frommen:
Vorlage S. 273 577 Hier war nur Unsinn, Trug und Tand,
Vorlage S. 274 578 Dort weder Einsicht noch Verstand,
Vorlage S. 274 579 Kurz, lauter Schund von blöden Schreibern;
Vorlage S. 274 580 Die alten waren nichts mehr wert,
Vorlage S. 274 581 Die neuen dreist und gleich verkehrt.
Vorlage S. 274 582 Deshalb verließ er nächst den Weibern
Vorlage S. 274 583 Nun auch der Bücher staub'ges Chor
Vorlage S. 274 584 Und überwarf's mit Trauerflor.
Vorlage S. 274 586 Gleich ihm entflohn der Weltlust Plagen,
Vorlage S. 274 587 Befreit aus hohler Formen Bann,
Vorlage S. 274 588 Ward ich sein Freund in jenen Tagen.
Vorlage S. 274 589 Er zog als Mensch mich lebhaft an
Vorlage S. 274 590 Mit seinem Hang zum Phantasieren,
Vorlage S. 274 591 Den unnachahmlichen Manieren,
Vorlage S. 274 592 Dem unbeirrbar scharfen Geist.
Vorlage S. 274 593 Ich war verbittert, er vereist,
Vorlage S. 274 594 Uns beide hatte schon das Leben,
Vorlage S. 274 595 Der Leidenschaften Spiel genarrt,
Vorlage S. 274 596 Uns beiden war das Herz erstarrt;
Vorlage S. 274 597 Wir hatten Jugend hingegeben,
Vorlage S. 274 598 Und nur Fortunas blinden Hohn
Vorlage S. 274 599 Und unsrer Mitwelt Haß zum Lohn.
Vorlage S. 274 601 Wer lebt und urteilt, lernt beizeiten,
Vorlage S. 274 602 Wie tief verächtlich Menschen sind;
Vorlage S. 274 603 Wer fühlt, dem muss es Schmerz bereiten,
Vorlage S. 274 604 Wie schnell des Lebens Wahn zerrinnt.
Vorlage S. 274 605 Er kann nun all den Zauber missen,
Vorlage S. 275 606 Verzehrt sich in Gewissensbissen
Vorlage S. 275 607 Und spürt der Reue dumpfe Pein ...
Vorlage S. 275 608 Dergleichen spendet insgeheim
Vorlage S. 275 609 Der Unterhaltung reiche Würze.
Vorlage S. 275 610 Erst quälte mich Onegins Ton;
Vorlage S. 275 611 Doch ich gewöhnte bald mich schon
Vorlage S. 275 612 An seine blendend scharfe Kürze,
Vorlage S. 275 613 Den spöttisch überlegnen Stil,
Vorlage S. 275 614 Das fein geschliffne Redespiel.
Vorlage S. 275 616 Wie oft – wenn in der sommerhellen,
Vorlage S. 275 617 Durchsicht'gen Nacht, des Mondes bar,
Vorlage S. 275 618 Sich in der heitern Newa Wellen
Vorlage S. 275 619 Spiegelten leuchtend, weiß und klar
Vorlage S. 275 620 Die endlos hohen Himmelsräume –
Vorlage S. 275 621 Ging unser Flug ins Reich der Träume,
Vorlage S. 275 622 Gedachten wir der Jugendzeit,
Vorlage S. 275 623 Der ersten Liebe Lust und Leid,
Vorlage S. 275 624 Und schwelgten in Erinnerungen,
Vorlage S. 275 625 Vom tiefen Zauber stumm berauscht!
Vorlage S. 275 626 Wie ein Gefangner träumend lauscht,
Vorlage S. 275 627 Zum grünen Wald sich wähnt entsprungen,
Vorlage S. 275 628 So trug uns lockend Schwärmersinn
Vorlage S. 275 629 Zum Frühling unsres Lebens hin.
Vorlage S. 275 631 Dann stand Eugen, sich heimlich sehnend,
Vorlage S. 275 632 Gedankenvoll, elegisch trüb
Vorlage S. 275 633 Und schweigsam am Granitbord lehnend,
Vorlage S. 275 634 Wie ein Poet sich einst beschrieb.
Vorlage S. 275 635 Ganz still war's; nur vereinzelt schollen
Vorlage S. 276 636 Der Schildwach' Rufe; fernes Rollen
Vorlage S. 276 637 Von spätem Fuhrwerk hallte matt
Vorlage S. 276 638 Aus der in Schlaf versunknen Stadt.
Vorlage S. 276 639 Im Strom, der schlummernd ausgebreitet
Vorlage S. 276 640 Dahinfloß, sich ein Kahn verlor,
Vorlage S. 276 641 Und fernher glitt zu unserm Ohr
Vorlage S. 276 642 Ein heitrer Sang, vom Horn begleitet ...
Vorlage S. 276 643 Oh, um wie voller man genießt,
Vorlage S. 276 644 Wo Tassos Lied die Nacht versüßt!
Vorlage S. 276 646 O Adrias kristallne Wogen!
Vorlage S. 276 647 O Brenta! Doch – ich schaue euch,
Vorlage S. 276 648 Geschwellten Herzens hingezogen
Vorlage S. 276 649 Zu eurer Klänge Zauberreich!
Vorlage S. 276 650 Sie sind Apollos Enkeln teuer
Vorlage S. 276 651 Und mir durch Albions stolze Leier
Vorlage S. 276 652 Längst innig kund in tiefster Brust.
Vorlage S. 276 653 Ich will in sel'ger Nächte Lust
Vorlage S. 276 654 Italiens goldne Wonnen schlürfen,
Vorlage S. 276 655 In stiller Gondel zärtlich warm,
Vorlage S. 276 656 Venedigs holde Maid im Arm,
Vorlage S. 276 657 Bald stumm, bald plaudernd schwelgen dürfen,
Vorlage S. 276 658 Bis meinen Lippen süß vertraut
Vorlage S. 276 659 Petrarcas und der Liebe Laut!
Vorlage S. 276 661 Wird meiner Freiheit Stunde schlagen?
Vorlage S. 276 662 O schnell, schon treibt's mich ohne Ruh'
Vorlage S. 276 663 Zum Ufer hin, den Wind zu fragen,
Vorlage S. 276 664 Schon wink' ich Segeln Grüße zu.
Vorlage S. 276 665 Wann endlich gönnt mir Schicksalswille,
Vorlage S. 277 666 Durch Sturmwind oder Meeresstille
Vorlage S. 277 667 Frei hinzuziehn ins Sonnenland?
Vorlage S. 277 668 Bloß fort von diesem öden Strand
Vorlage S. 277 669 Mir feind gewordner Elemente,
Vorlage S. 277 670 Auf dass ich froh des Südens, nah
Vorlage S. 277 671 Dem Himmel meines Afrika,
Vorlage S. 277 672 Vom Düster Rußlands träumen könnte,
Vorlage S. 277 673 Wo Liebe mich und Leid bedrängt,
Vorlage S. 277 674 Wo ich mein Herz ins Grab gesenkt ...
Vorlage S. 277 676 Zum Plan, uns reisend aufzufrischen,
Vorlage S. 277 677 War auch Onegin schon bereit;
Vorlage S. 277 678 Allein das Schicksal trat dazwischen
Vorlage S. 277 679 Und trennte uns für lange Zeit:
Vorlage S. 277 680 Sein Vater starb. Mit harten Blicken
Vorlage S. 277 681 Begannen Gläub'ger ihn zu drücken.
Vorlage S. 277 682 Ein jeder tut, was ihm gefällt:
Vorlage S. 277 683 Onegin, vor die Wahl gestellt,
Vorlage S. 277 684 Entschloß sich, um von Schachernöten
Vorlage S. 277 685 Nicht weiter drangsaliert zu sein,
Vorlage S. 277 686 Der eklen Sippschaft insgemein
Vorlage S. 277 687 Den magren Nachlass abzutreten;
Vorlage S. 277 688 In stiller Ahnung offenbar,
Vorlage S. 277 689 Wie nah des Oheims Ende war.
Vorlage S. 277 691 Schon kam auch wirklich mit Stafette
Vorlage S. 277 692 Bericht vom Gutsvogt an Eugen:
Vorlage S. 277 693 Sein Oheim, siech im Sterbebette,
Vorlage S. 277 694 Verlange dringlichst ihn zu sehn.
Vorlage S. 277 695 Sofort bestieg nach diesen Zeilen
Vorlage S. 278 696 Eugen die Post, um hinzueilen,
Vorlage S. 278 697 Mit stillem Groll darauf gefasst,
Vorlage S. 278 698 Dass ihm so manche Pein und Last
Vorlage S. 278 699 Bei Wehgestöhn und Seufzermienen
Vorlage S. 278 700 Ums liebe Geld zu tragen blieb
Vorlage S. 278 701 (Wie ich's zu Anfang schon beschrieb);
Vorlage S. 278 702 Doch, kaum auf Oheims Gut erschienen,
Vorlage S. 278 703 Fand er den Greis schon aufgebahrt
Vorlage S. 278 704 Im Leichenschmuck zur Grabesfahrt.
Vorlage S. 278 706 Der Gutshof schwoll von Dienerscharen;
Vorlage S. 278 707 Von fern und nah zum Trauerhaus
Vorlage S. 278 708 Kam Freund und Feind herbeigefahren,
Vorlage S. 278 709 Begierig auf den Leichenschmaus.
Vorlage S. 278 710 Kaum barg das Grab die Erdenreste,
Vorlage S. 278 711 Bezechten Popen sich und Gäste
Vorlage S. 278 712 Und taten beim Nachhausegehn,
Vorlage S. 278 713 Als wär's in frommer Pflicht geschehn.
Vorlage S. 278 714 Mein Freund besaß nun weite Länder,
Vorlage S. 278 715 Mit Äckern, Mühlen, Wald und Flur,
Vorlage S. 278 716 War Gutsherr, bis vor kurzem nur
Vorlage S. 278 717 Ein Ordnungsfeind und Geldverschwender,
Vorlage S. 278 718 Und froh, weil seiner Lebensbahn
Vorlage S. 278 719 Solch Umschwung sichtbar wohlgetan.
Vorlage S. 278 721 Zwei Tage lang gefiel die Stille,
Vorlage S. 278 722 Das freie Land ihm wirklich gut,
Vorlage S. 278 723 Der dunkle Wald, die Saatenfülle,
Vorlage S. 278 724 Des Bächleins leise Murmelflut;
Vorlage S. 278 725 Am dritten schien der Fluren Segen
Vorlage S. 279 726 Ihn freilich kaum noch anzuregen!
Vorlage S. 279 727 Und endlich ließ ihn alles kalt.
Vorlage S. 279 728 Ihn drückte nun auch hier sehr bald
Vorlage S. 279 729 Dieselbe Langeweile nieder,
Vorlage S. 279 730 Wie dort bei Prunk und Stadtgewühl,
Vorlage S. 279 731 Theater, Ball und Kartenspiel.
Vorlage S. 279 732 Der alte Trübsinn kehrte wieder
Vorlage S. 279 733 Und hing ihm wie sein Schatten an,
Vorlage S. 279 734 Wie Weiber am geliebten Mann.
Vorlage S. 279 736 Dafür kann ich so recht genießen,
Vorlage S. 279 737 Wenn mir des Dörfleins Ruhe winkt,
Vorlage S. 279 738 Wo im verborgnen Lieder sprießen,
Vorlage S. 279 739 Der Leier Stimme süßer klingt.
Vorlage S. 279 740 Dort darf ich schlendern, wunschlos sinnen,
Vorlage S. 279 741 Im Nachen schaukelnd Träume spinnen,
Vorlage S. 279 742 Dem far niente still geweiht.
Vorlage S. 279 743 Mit froher Ungebundenheit
Vorlage S. 279 744 Beschenkt mich jeder neue Morgen:
Vorlage S. 279 745 Ich lese wenig, schlafe viel
Vorlage S. 279 746 Und frage kaum nach Zweck und Ziel.
Vorlage S. 279 747 War's nicht dies Dasein ohne Sorgen,
Vorlage S. 279 748 In goldner Freiheit auf dem Land,
Vorlage S. 279 749 Wo ich das reinste Glück empfand?
Vorlage S. 279 751 O Blumen, Liebe, Flur und Frieden,
Vorlage S. 279 752 Euch geb' ich mich von Herzen hin!
Vorlage S. 279 753 Es freut mich, dass ich so verschieden
Vorlage S. 279 754 Von meinem Freund Onegin bin,
Vorlage S. 279 755 Weil nun kein Leser, mich bespöttelnd,
Vorlage S. 280 756 Noch jemand sonst, der, Arges zettelnd,
Vorlage S. 280 757 Mich selbst mit ihm vergleicht, fortan
Vorlage S. 280 758 Gewissenlos behaupten kann,
Vorlage S. 280 759 Ich hätte mich sehr unverfroren,
Vorlage S. 280 760 Von Byrons stolzer Art verführt,
Vorlage S. 280 761 Hier deutlich selber porträtiert;
Vorlage S. 280 762 Als müssten alle Herrn Autoren
Vorlage S. 280 763 Nur immerfort mit sich allein,
Vorlage S. 280 764 Dem lieben Ich beschäftigt sein!
Vorlage S. 280 766 Beiläufig: Dichter schwärmen immer,
Vorlage S. 280 767 Sobald ihr Herz von Liebe quillt.
Vorlage S. 280 768 Auch mich entzückte früh der Schimmer
Vorlage S. 280 769 Süßholder Wesen, deren Bild
Vorlage S. 280 770 Mir heimlich in der Seele webte,
Vorlage S. 280 771 Bis es der Muse Hauch belebte;
Vorlage S. 280 772 Und so besang ich froh-bereit
Vorlage S. 280 773 Mein Ideal, des Berglands Maid,
Vorlage S. 280 774 Die am Salgir gefangnen Schönen.
Vorlage S. 280 775 Nun fragt ihr lieben Freunde mich
Vorlage S. 280 776 Jetzt gar so oft: »Für wen, o sprich,
Vorlage S. 280 777 Entströmt dein Schmerz in Leiertönen?
Vorlage S. 280 778 Wem aus der eifersücht'gen Schar
Vorlage S. 280 779 Der Mädchen bringst du Opfer dar?
Vorlage S. 280 781 Wes Zauberblick voll Seligkeiten
Vorlage S. 280 782 Belohnte mit der Liebe Dank
Vorlage S. 280 783 Den tiefen Wohllaut deiner Saiten?
Vorlage S. 280 784 Sprich, wen vergöttert dein Gesang?«
Vorlage S. 280 785 Ei, niemand, Freunde, Gott zum Zeugen!
Vorlage S. 281 786 Der Leidenschaften Sturmesreigen
Vorlage S. 281 787 Warf Trostes bar mich an den Strand.
Vorlage S. 281 788 O glücklich, wer dem Sinnenbrand
Vorlage S. 281 789 Des Sanges reine Glut vermählte,
Vorlage S. 281 790 Zwiefach so steigernd ihren Glanz
Vorlage S. 281 791 Und mit Petrarcas Ruhmeskranz
Vorlage S. 281 792 Begnadet – alles, was ihn quälte,
Vorlage S. 281 793 Vom Herzen warf! Nur mich allein
Vorlage S. 281 794 Zwang Liebe, blöd und stumm zu sein.
Vorlage S. 281 796 Sie schwand; die Muse kehrte wieder,
Vorlage S. 281 797 Der Schleier fiel von meinem Blick.
Vorlage S. 281 798 Befreit nun ruf' ich alte Lieder,
Vorlage S. 281 799 Gefühl, Gedanken mir zurück.
Vorlage S. 281 800 Mein Herz ist still, derweil ich schreibe;
Vorlage S. 281 801 Die Feder malt zum Zeitvertreibe
Vorlage S. 281 802 Kein Köpfchen, keine Füßchen mehr,
Vorlage S. 281 803 Wie sonst, um meine Strophen her.
Vorlage S. 281 804 Kein Funke kann im Busen zünden,
Vorlage S. 281 805 Der Seufzer starb, ich traure nur,
Vorlage S. 281 806 Und bald wird auch die letzte Spur
Vorlage S. 281 807 Der einst'gen Seelenstürme schwinden.
Vorlage S. 281 808 Gleich fang' ich ein Poem sodann
Vorlage S. 281 809 In fünfundzwanzig Sängen an.
Vorlage S. 281 811 Schon hab' ich nebst der Form des Planes
Vorlage S. 281 812 Mir einen Helden ausgedacht –
Vorlage S. 281 813 Inzwischen hier des Versromanes
Vorlage S. 281 814 Ersten Gesang zum Schluss gebracht;
Vorlage S. 281 815 Hab' viel gebessert, viel gestrichen,
Vorlage S. 282 816 Zwar wimmelt's noch von Widersprüchen,
Vorlage S. 282 817 Doch sei's darum. Und kurz und gut:
Vorlage S. 282 818 Dem Zensor zahl' ich gern Tribut,
Vorlage S. 282 819 Und übergebe zur Vernichtung
Vorlage S. 282 820 Mein Werk der Rezensentenhand.
Vorlage S. 282 821 So zieh denn hin zum Newastrand,
Vorlage S. 282 822 Du, meine neugeborne Dichtung,
Vorlage S. 282 823 Und wirb mir dort des Sängers Lohn:
Vorlage S. 282 824 Mißdeutung, Undank, Spott und Hohn!
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