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Buch - Drei Schwestern - Čechov, Anton Pavlovič

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Deutsche Übersetzung · Lesefassung

Drei Schwestern

Čechov, Anton Pavlovič

Drei Schwestern von Čechov, Anton Pavlovič. Volltext der angegebenen historischen deutschen Übersetzung.

DramaKlasse 9–10 · 11–136 Abschnitte
Historische Textüberlieferung von „Drei Schwestern“
Historische Textüberlieferung von „Drei Schwestern“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Not identified · Public domain Bildquelle ↗

Deutsche Übersetzung: August Scholz

Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und zeitgebundene Wertvorstellungen gemeinsam einordnen. Klassenangaben sind redaktionelle Orientierung.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Deutsch · Abschnitt 3 von 6

1. Akt

1
Erster Aufzug.
Vorlage S. 6
2
Im Hause der Prosorows. Wohnzimmer, das durch Säulen vom Saal geschieden ist; draußen ist es heiter, sonnig. Man sieht, wie im Saal der Frühstückstisch gedeckt wird. Olga im blauen Uniformkleide einer Lehrerin am Mädchengymnasium; Mascha im schwarzen Kleide, den Hut auf den Knien, sitzt und liest in einem Buche; Irina im weißen Kleide, steht sinnend da.
Vorlage S. 6
3
OLGA.
Vorlage S. 6
4
Heut vor einem Jahre ist der Vater gestorben – gerade an deinem Namenstag, Irina, am fünften Mai. Es war sehr kalt an dem Tage – es schneite sogar. Ich glaubte nicht, dass ich's überleben würde – du lagst ohnmächtig da, wie tot. Und nun ist kaum ein Jahr vergangen – und wir reden davon so gleichgültig, du hast schon dein weißes Kleid an, und dein Gesicht strahlt. Die Uhr schlägt zwölf. Auch damals schlug gerade die Uhr. Pause. Ich erinnere mich noch: als sie den Vater hinaustrugen, spielte die Militärkapelle, und auf dem Friedhof wurde geschossen. Merkwürdig übrigens – er war doch General und Brigadekommandeur, und doch waren nur wenig Leute am Grabe. Allerdings fiel an dem Tage ein starker Regen – Regen und Schnee ...
Vorlage S. 6
5
IRINA.
Vorlage S. 6
6
Wozu die Erinnerung auffrischen!
Vorlage S. 6
7
An der Tafel im Saale erscheinen Baron Tusenbach, Tschebutykin und Ssoljony.
Vorlage S. 6
8
OLGA.
Vorlage S. 6
9
Heut ist's warm, man kann die Fenster weit aufmachen – aber die Birken haben noch nicht ausgeschlagen. Genau elf Jahre ist's her, dass der Vater die Brigade bekam und wir von Moskau abreisten. Ich habe es noch ganz frisch im Gedächtnis: es war Anfang Mai, in Moskau prangte schon alles in schönster Blüte. So warm war es, alles von Sonnenschein übergossen. Du mein Gott! Wie ich heut morgen erwachte und die hereinflutende Lichtmasse und den Frühling draußen sah – da wurde mir so wohl, ach, und so sehnsüchtig weh ums Herz.
Vorlage S. 6
10
TSCHEBUTYKIN
Vorlage S. 7
11
im Saal.
Vorlage S. 7
12
Nein, so'n Teufelskerl!
Vorlage S. 7
13
TUSENBACH.
Vorlage S. 7
14
Ist natürlich alles Unsinn!
Vorlage S. 7
15
Mascha, nachdenklich über das Buch gebeugt, pfeift leise eine Melodie.
Vorlage S. 7
16
OLGA.
Vorlage S. 7
17
Pfeif' nicht, Mascha. Wie kann man nur ... Pause. Dieser Dienst im Gymnasium, dieses Stundengeben bis zum späten Abend verursacht mir immer Kopfschmerzen. Ich glaube wirklich, ich werde schon alt. Während der vier Jahre, seit ich angestellt bin, ist es mir immer, als ob meine Kraft Tag für Tag tropfenweise hinschwände. Und nur ein Gedanke wächst und erstarkt in mir beständig ...
Vorlage S. 7
18
IRINA.
Vorlage S. 7
19
Nach Moskau zurückkehren. Das Haus verkaufen, alles hier aufgeben – und dann nach Moskau ...
Vorlage S. 7
20
OLGA.
Vorlage S. 7
21
Ja – so bald wie möglich! Nach Moskau!
Vorlage S. 7
22
Tschebutykin und Tusenbach lachen.
Vorlage S. 7
23
IRINA.
Vorlage S. 7
24
Unser Bruder Andrej wird wahrscheinlich bald Professor werden – denn der darf doch auf keinen Fall hier versauern! Bleibt nur die arme Mascha übrig.
Vorlage S. 7
25
OLGA.
Vorlage S. 7
26
Mascha kommt jedes Jahr zu uns nach Moskau, für den ganzen Sommer.
Vorlage S. 7
27
Mascha pfeift leise eine Melodie.
Vorlage S. 7
28
IRINA.
Vorlage S. 8
29
Mit Gottes Hilfe wird sich schon alles ordnen lassen. Schaut zum Fenster hinaus. Ein Prachtwetter ist das heute. Ich weiß nicht, warum ich so froh gestimmt bin! Heut morgen fiel mir ein, dass mein Namenstag ist, und mit einemmal empfand ich eine solche Freude. Ich gedachte meiner Kinderjahre, da Mama noch lebte. Was für wunderbare Gedanken gingen mir durch den Kopf – ach, was für Gedanken!
Vorlage S. 8
30
OLGA.
Vorlage S. 8
31
Du strahlst heut übers ganze Gesicht, ausnahmsweise hübsch bist du. Auch Mascha ist hübsch, und Andrej wäre ein schöner Mann, wenn er nicht so stark geworden wäre. Das steht ihm gar nicht zu Gesichte. Und ich – ich bin alt geworden, und so abgemagert bin ich, jedenfalls vom Ärger mit den Mädchen im Gymnasium. Heut bin ich mal frei und kann zu Hause bleiben – da hab' ich auch gleich keine Kopfschmerzen und fühle mich jünger als gestern. Achtundzwanzig Jahre bin ich nun alt ... Alles ist schließlich gut, alles kommt von Gott, ich glaube aber: wenn ich verheiratet wäre und den ganzen Tag in meinem Heim zubringen könnte – ich würde mich wohler fühlen. Pause. Ich würde meinen Mann lieben.
Vorlage S. 8
32
TUSENBACH
Vorlage S. 8
33
zu Ssoljony.
Vorlage S. 8
34
Sie reden einen Unsinn zusammen – 's wird einem über, Ihnen zuzuhören. Tritt in das Wohnzimmer ein. Ich habe ja ganz vergessen: unser Batteriechef Werschinin wird Ihnen heute seine Visite machen.
Vorlage S. 8
35
Setzt sich ans Klavier.
Vorlage S. 8
36
OLGA.
Vorlage S. 8
37
Ah – sehr angenehm!
Vorlage S. 8
38
IRINA.
Vorlage S. 8
39
Ist er alt?
Vorlage S. 8
40
TUSENBACH.
Vorlage S. 8
41
Nein, in den besten Jahren. Höchstens vierzig, fünfundvierzig Jahre. Klimpert leise. Scheint ein famoser Kerl. Nicht dumm – das ist sicher. Nur spricht er etwas viel.
Vorlage S. 8
42
IRINA.
Vorlage S. 9
43
Ist er interessant?
Vorlage S. 9
44
TUSENBACH.
Vorlage S. 9
45
Es macht sich. Etwas stark verheiratet ist er: Frau, Schwiegermutter und zwei Töchter. Übrigens ist es schon seine zweite Frau. Überall, wo er Besuch macht, erzählt er, dass er eine Frau und zwei Töchter hat. Auch hier wird er's erzählen. Die Frau ist halb verrückt, trägt einen langen Zopf wie ein Mädchen, spricht lauter hochtrabendes Zeug, philosophiert und macht jeden Augenblick einen Selbstmordversuch, jedenfalls, um ihren Mann zu ärgern. Ich wäre längst fortgelaufen von einer solchen Frau Gemahlin, er aber trägt es und beklagt sich nur darüber.
Vorlage S. 9
46
SSOLJONY
Vorlage S. 9
47
tritt mit Tschebutykin aus dem Saal ins Wohnzimmer.
Vorlage S. 9
48
Mit einer Hand heb' ich nur anderthalb Pud, mit zweien dagegen fünf, ja sogar sechs Pud. Daraus schließe ich, dass zwei Menschen nicht nur doppelt, sondern dreimal so stark sind als einer oder vielleicht noch stärker ...
Vorlage S. 9
49
TSCHEBUTYKIN
Vorlage S. 9
50
liest im Gehen die Zeitung »Swjet«.
Vorlage S. 9
51
Gegen Ausfallen der Haare ... zwei Drittel Lot Naphthalin auf ein halbes Quart Spiritus ... aufzulösen und täglich zu gebrauchen ... Macht sich Notizen in ein Taschenbuch; zu Ssoljony. Ich sag' Ihnen also: das Fläschchen wird gut zugekorkt, und durch den Korken wird ein Glasröhrchen gesteckt ... und dann nehmen Sie ein kleines Quantum ganz gewöhnlichen Alaun ...
Vorlage S. 9
52
IRINA.
Vorlage S. 9
53
Iwan Romanytsch! Lieber Iwan Romanytsch!
Vorlage S. 9
54
TSCHEBUTYKIN.
Vorlage S. 10
55
Was denn, mein liebes, gutes Herzchen?
Vorlage S. 10
56
IRINA.
Vorlage S. 10
57
Sagen Sie mal – warum bin ich heute so glücklich? Als wenn ich auf dem Meer dahinsegelte: über mir dehnt sich der weite blaue Himmel, und große weiße Vögel schweben durch die Lüfte. Warum ist das nur so? Warum?
Vorlage S. 10
58
TSCHEBUTYKIN
Vorlage S. 10
59
küßt ihr zärtlich beide Hände.
Vorlage S. 10
60
Mein weißer Vogel!
Vorlage S. 10
61
IRINA.
Vorlage S. 10
62
Wie ich heut früh aufstand und mich wusch, da war es mir mit einemmal, als wäre mir alles auf dieser Welt hier klar, als wüsste ich, wie man leben soll. Ich weiß jetzt alles, lieber Iwan Romanytsch. Der Mensch soll sich beschäftigen, soll arbeiten im Schweiße seines Angesichts, wer er auch sei, darin allein liegt der Sinn und das Ziel seines Lebens, sein Glück, sein Triumph. Wie schön ist es doch, ein Arbeiter zu sein, der mit Tagesanbruch aufsteht und auf der Straße Steine klopft, oder ein Hirt, oder ein Lehrer, der Kinder unterrichtet, oder ein Lokomotivführer. Ja, es ist, bei Gott, besser, ein ganz gewöhnliches Lastpferd zu sein, das doch seine Arbeit tut, als eine junge Dame, die mittags um 12 Uhr aufsteht, im Bett ihren Kaffee trinkt, dann sich zwei Stunden lang anzieht ... o, wie schrecklich ist das! Ich dürste förmlich nach Arbeit – wie man bei großer Hitze nach einem Schluck Wasser dürstet. Wenn ich von jetzt ab nicht täglich ganz früh aufstehe und arbeite, dürfen Sie mir Ihre Freundschaft kündigen, Iwan Romanytsch!
Vorlage S. 10
63
TSCHEBUTYKIN
Vorlage S. 10
64
zärtlich.
Vorlage S. 10
65
Gewiss, gewiss werde ich sie Ihnen kündigen ...
Vorlage S. 10
66
OLGA.
Vorlage S. 11
67
Der Vater hat uns daran gewöhnt, um sieben Uhr aufzustehen. Jetzt erwacht Irina wohl um sieben Uhr, liegt aber wenigstens bis neun im Bett und simuliert. Und so ein ernstes Gesicht macht sie dabei!
Vorlage S. 11
68
IRINA.
Vorlage S. 11
69
Du hast dich eben daran gewöhnt, mich als kleines Mädchen zu betrachten, und wunderst dich, wenn ich ein ernstes Gesicht mache. Ich bin doch zwanzig Jahre alt!
Vorlage S. 11
70
TUSENBACH.
Vorlage S. 11
71
Sehnsucht nach Arbeit! O Gott, wie kann ich dieses Gefühl begreifen! Ich habe nie im Leben gearbeitet. Ich bin in dem kalten, trägen Petersburg geboren, in einer Familie, die niemals die Arbeit oder irgendwelche Sorgen gekannt hat. Ich erinnere mich noch, wie ich aus dem Kadettenkorps nach Hause kam: der Diener zog mir die Stiefel aus, ich quälte alle Welt mit meinen Launen, und meine Mutter sah mit förmlicher Ehrfurcht zu mir auf und war höchst erstaunt, wenn andere nicht dasselbe taten. Man suchte mich auf jede Weise vor Arbeit zu bewahren, aber auf die Dauer ist's doch nicht gelungen. – Diese Zeiten sind vorüber, und ein reinigender Sturm bereitet sich vor, der von unserer Gesellschaft die Trägheit, die Gleichgültigkeit, das Vorurteil gegen die Arbeit und die faule Langeweile hinwegblasen wird. Ich werde jedenfalls arbeiten, und in dreißig Jahren wird jeder Mensch es tun. Jeder!
Vorlage S. 11
72
TSCHEBUTYKIN.
Vorlage S. 11
73
Ich werde nicht arbeiten.
Vorlage S. 11
74
TUSENBACH.
Vorlage S. 11
75
Sie kommen nicht in Betracht.
Vorlage S. 11
76
SSOLJONY.
Vorlage S. 11
77
In dreißig Jahren werden Sie, Gott sei Dank, nicht mehr auf der Welt sein. Sie gehen entweder in zwei, drei Jahren an Ihrem Spleen zugrunde, oder ich werde mal wütend und schieße Ihnen eine Kugel durch den Kopf.
Vorlage S. 11
78
TSCHEBUTYKIN
Vorlage S. 12
79
lacht.
Vorlage S. 12
80
Ich habe tatsächlich nie in meinem Leben was getan. Seit ich von der Universität fort bin, hab' ich nicht 'nen Finger gerührt, nicht ein Buch angesehen – höchstens die Zeitungen hab' ich gelesen. Zieht eine Nummer des »Nowoje Wremja« aus der Tasche. Ich weiß alles aus den Zeitungen – z.B., dass es einen Schriftsteller Dostojewski gegeben hat; aber was er geschrieben hat – davon hab' ich keine Ahnung ... Der liebe Gott mag's wissen ... Mein Lebtag hab' ich nichts getan, und doch hab' ich nie zu etwas Zeit gehabt ... Von der unteren Etage aus wird gegen den Fußboden geklopft. Da, sehen Sie, man ruft mich unten schon wieder – wahrscheinlich ist jemand zu Besuch da! Ich komme gleich wieder ... Eilt hastig davon, kämmt sich dabei den Bart.
Vorlage S. 12
81
IRINA.
Vorlage S. 12
82
Er hat wieder irgendwas ausgeheckt.
Vorlage S. 12
83
TUSENBACH.
Vorlage S. 12
84
Ja. Er ging mit so feierlicher Miene fort – jedenfalls wird er Ihnen gleich irgendein Präsent bringen.
Vorlage S. 12
85
IRINA.
Vorlage S. 12
86
Ach ... wie unangenehm!
Vorlage S. 12
87
OLGA.
Vorlage S. 12
88
Ja, es ist schrecklich. Er macht immer Dummheiten.
Vorlage S. 12
89
MASCHA.
Vorlage S. 12
90
»Ein Eichbaum grünt am Meeresstrande, ein goldnes Kettlein hängt daran ... ein goldnes Kettlein hängt daran ...« Erhebt sich und singt leise.
Vorlage S. 12
91
OLGA.
Vorlage S. 12
92
Du bist heut in schlechter Stimmung, Mascha!
Vorlage S. 12
93
Mascha singt leise vor sich hin, setzt sich den Hut auf.
Vorlage S. 12
94
OLGA.
Vorlage S. 12
95
Wohin willst du denn?
Vorlage S. 12
96
MASCHA.
Vorlage S. 12
97
Nach Hause.
Vorlage S. 12
98
IRINA.
Vorlage S. 13
99
Du bist doch sonderbar!
Vorlage S. 13
100
TUSENBACH.
Vorlage S. 13
101
Wie können Sie schon gehen – heut, am Namenstag!
Vorlage S. 13
102
MASCHA.
Vorlage S. 13
103
Das macht doch nichts ... Ich komm' übrigens am Abend wieder. Adieu, mein schönes Schwesterchen! Sie küsst Irina. Ich wünsche dir noch einmal: bleib gesund und werde glücklich! Früher, wie Papa noch lebte, kamen immer dreißig, vierzig Offiziere, wenn bei uns Namenstag war, und es ging fidel zu. Heut – sind kaum anderthalb Mann da, und still ist's, wie in einer Wüste ... Ich geh' ... Bin heute nicht bei Stimmung, hab' meinen melancholischen Tag – nimm's mir nicht übel. Lacht unter Tränen. Abends wollen wir plaudern – jetzt leb' wohl, meine Liebe. Ich will fort ... irgendwohin ...
Vorlage S. 13
104
IRINA
Vorlage S. 13
105
unzufrieden.
Vorlage S. 13
106
Nein, du bist wirklich ...
Vorlage S. 13
107
OLGA
Vorlage S. 13
108
unter Tränen.
Vorlage S. 13
109
Ich verstehe dich, Mascha.
Vorlage S. 13
110
SSOLJONY.
Vorlage S. 13
111
Wenn ein Mann philosophiert, kommt manchmal schon ganz nettes Zeug zum Vorschein; wenn aber eine Frau oder gar zwei Frauen philosophieren – na, da kann man nur gleich auf die Bäume klettern!
Vorlage S. 13
112
MASCHA.
Vorlage S. 13
113
Was wollen Sie damit sagen, Sie ganz abscheulicher Mensch?
Vorlage S. 13
114
SSOLJONY.
Vorlage S. 13
115
Nichts weiter. »Kaum hatte er noch ach! gesagt, als ihn der Bär am Halse packt.« Pause.
Vorlage S. 13
116
MASCHA
Vorlage S. 13
117
zu Olga, ärgerlich.
Vorlage S. 13
118
So flenne doch nicht!
Vorlage S. 13
119
Anfissa und Ferapont kommen mit einer Torte herein.
Vorlage S. 13
120
ANFISSA.
Vorlage S. 13
121
Hier herein, mein Lieber! Geh nur 'rein, hast ja saubre Stiefel! Zu Irina. Aus dem Landschaftsamt, von Michael Iwanytsch Protopopow ... eine Pastete.
Vorlage S. 13
122
IRINA.
Vorlage S. 14
123
Ach, wie liebenswürdig! Sag', ich lasse schön danken. Nimmt die Torte in Empfang.
Vorlage S. 14
124
FERAPONT.
Vorlage S. 14
125
Was?
Vorlage S. 14
126
IRINA
Vorlage S. 14
127
lauter.
Vorlage S. 14
128
Ich lasse schön danken.
Vorlage S. 14
129
OLGA
Vorlage S. 14
130
zu Anfissa.
Vorlage S. 14
131
Altchen, gib ihm doch ein Stück Pastete! Geh mit, Ferapont, du bekommst Pastete!
Vorlage S. 14
132
FERAPONT.
Vorlage S. 14
133
Was?
Vorlage S. 14
134
ANFISSA.
Vorlage S. 14
135
Komm, Väterchen Ferapont Spiridonytsch. Komm! Ab mit Ferapont.
Vorlage S. 14
136
MASCHA.
Vorlage S. 14
137
Ich kann Protopopow nicht leiden – diesen Michail Potapytsch oder Iwanytsch. Ihr hättet ihn nicht einladen sollen.
Vorlage S. 14
138
IRINA.
Vorlage S. 14
139
Ich hab' ihn auch nicht eingeladen.
Vorlage S. 14
140
MASCHA.
Vorlage S. 14
141
Das war recht.
Vorlage S. 14
142
Tschebutykin tritt ein, in Begleitung eines Soldaten, der einen silbernen Ssamowar trägt; allgemeines Erstaunen und Unzufriedenheit.
Vorlage S. 14
143
OLGA
Vorlage S. 14
144
bedeckt ihr Gesicht mit den Händen.
Vorlage S. 14
145
Seinen Ssamowar! Es ist unglaublich! Geht an den Tisch im Saal.
Vorlage S. 14
146
IRINA.
Vorlage S. 14
147
Aber, liebster Iwan Romanytsch – was machen Sie denn da?
Vorlage S. 14
148
TUSENBACH
Vorlage S. 14
149
lachend.
Vorlage S. 14
150
Ich sagte es Ihnen ja!
Vorlage S. 14
151
MASCHA.
Vorlage S. 14
152
Iwan Romanytsch, Sie besitzen einfach keine Scham.
Vorlage S. 14
153
TSCHEBUTYKIN.
Vorlage S. 14
154
Meine Lieben, meine Schönen – Sie sind doch für mich das Einzige, das Teuerste, was ich auf der Welt noch habe! Ich bin nun bald sechzig, bin ein alter Mann, ein armseliger, verlassener Greis ... Nichts Gutes gibt's an mir außer dieser Liebe zu Ihnen – wenn Sie nicht wären, würde ich längst nicht mehr auf der Welt sein ... Sieht sich um. Was soll mir dieser Kram? Was soll er mir? Zu Irina. Mein liebes, gutes Kind, ich habe Sie gekannt vom Tage Ihrer Geburt an ... ich habe Sie auf meinen Armen getragen ... ich hab' Ihre verstorbene Mama so gern gehabt ...
Vorlage S. 14
155
IRINA.
Vorlage S. 15
156
Aber warum denn solche kostbaren Geschenke?
Vorlage S. 15
157
TSCHEBUTYKIN
Vorlage S. 15
158
ärgerlich, unter Tränen.
Vorlage S. 15
159
Kostbare Geschenke ... gehn Sie mir doch weg! Zu dem Burschen, in den Saal zeigend. Trag' den Ssamowar dort hinein ... Spricht ihr spöttisch nach. Kostbare Geschenke ... Der Bursche trägt den Ssamowar in den Saal. Anfissa tritt in das Wohnzimmer ein.
Vorlage S. 15
160
ANFISSA.
Vorlage S. 15
161
Meine Lieben, ein fremder Oberst ist da! Er hat schon den Paletot abgelegt, Kinderchen, und kommt gleich hier herein. Zu Irina. Sei nur recht freundlich, recht nett, Irinuschka! ... Ab; im Abgehen. 's ist auch Zeit zum Frühstücken ... o Gott ...
Vorlage S. 15
162
TUSENBACH.
Vorlage S. 15
163
Jedenfalls Werschinin ...
Vorlage S. 15
164
Werschinin tritt ein.
Vorlage S. 15
165
TUSENBACH.
Vorlage S. 15
166
Oberstleutnant Werschinin!
Vorlage S. 15
167
WERSCHININ
Vorlage S. 15
168
zu Mascha und Irina.
Vorlage S. 15
169
Habe die Ehre, mich Ihnen vorzustellen: Werschinin. Bin in der Tat sehr erfreut, dass ich Ihnen endlich meine Aufwartung machen kann. Was aus Ihnen geworden ist – ei, ei!
Vorlage S. 15
170
IRINA.
Vorlage S. 15
171
Nehmen Sie gefälligst Platz. Es ist uns sehr angenehm ...
Vorlage S. 15
172
WERSCHININ.
Vorlage S. 15
173
Wie ich mich freue, wie ich mich freue! Sie sind doch drei Schwestern – nicht wahr? Dreier kleiner Mädchen erinnere ich mich. Die Gesichter sind mir nicht mehr gegenwärtig, aber dass Ihr Vater, Oberst Prosorow, drei kleine Töchterchen hatte – das schwebt mir ganz deutlich vor, aus eigenster Anschauung. Wie die Zeit vergeht – ach, wie die Zeit vergeht!
Vorlage S. 15
174
TUSENBACH.
Vorlage S. 16
175
Alexander Ignatjewitsch ist aus Moskau hierher gekommen.
Vorlage S. 16
176
IRINA.
Vorlage S. 16
Historische Textüberlieferung von „Drei Schwestern“
Kontextbild zum Werk. Historische Textüberlieferung von „Drei Schwestern“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Not identified · Public domain Bildquelle ↗
177
Ah, aus Moskau?!
Vorlage S. 16
178
WERSCHININ.
Vorlage S. 16
179
Ganz recht, aus Moskau. Ihr verstorbener Papa war dort Batteriechef, und ich war Offizier in derselben Brigade. Zu Mascha. Ihres Gesichts kann ich mich, glaub' ich, dunkel entsinnen ...
Vorlage S. 16
180
MASCHA.
Vorlage S. 16
181
Und ich kann mich Ihrer nicht mehr entsinnen.
Vorlage S. 16
182
IRINA.
Vorlage S. 16
183
Olja! Olja! Schreit in den Saal hinein. Olja, so komm doch her!
Vorlage S. 16
184
Olga kommt aus dem Saal in das Wohnzimmer.
Vorlage S. 16
185
IRINA.
Vorlage S. 16
186
Denk' dir nur: es hat sich bereits herausgestellt, dass Oberstleutnant Werschinin aus Moskau ist!
Vorlage S. 16
187
WERSCHININ
Vorlage S. 16
188
zu Olga.
Vorlage S. 16
189
Sie müssen Olga Ssergejewna sein, die Älteste ... und Sie Maria ... und Sie Irina, die Jüngste ...
Vorlage S. 16
190
OLGA.
Vorlage S. 16
191
Sind Sie geborener Moskauer?
Vorlage S. 16
192
WERSCHININ.
Vorlage S. 16
193
Ich habe in Moskau die Schule besucht, bin dort Soldat geworden und habe lange Jahre da gedient. Jetzt habe ich eine Batterie bekommen – und bin, wie Sie sehen, hierher versetzt worden. Persönlich erinnere ich mich Ihrer nicht mehr, nur dass Sie drei Schwestern waren, weiß ich. Ihren Vater dagegen seh' ich noch leibhaftig vor mir – ganz genau habe ich sein Bild im Gedächtnis. Ich habe in Moskau in Ihrem Hause verkehrt ...
Vorlage S. 16
194
OLGA.
Vorlage S. 16
195
Wirklich? Ich glaubte doch immer, ich hätte mir alle gemerkt – und mit einemmal ...
Vorlage S. 16
196
WERSCHININ.
Vorlage S. 16
197
Man nannte mich Alexander Ignatjewitsch ...
Vorlage S. 16
198
IRINA.
Vorlage S. 17
199
Alexander Ignatjewitsch ... dass Sie aus Moskau sind, ist wirklich eine angenehme Überraschung für uns!
Vorlage S. 17
200
OLGA.
Vorlage S. 17
201
Wir sind nämlich auf dem Sprunge, wieder dahin zu ziehen.
Vorlage S. 17
202
IRINA.
Vorlage S. 17
203
Zum Herbst denken wir schon dort zu sein. Es ist ja unsere Vaterstadt, wir sind da geboren ... In der Staraja Basmannaja ... Beide lachen vor Freude.
Vorlage S. 17
204
MASCHA.
Vorlage S. 17
205
Ganz unerwartet sehen wir einen Landsmann wieder. Lebhaft. Jetzt erinnere ich mich! Weißt du noch, Olja – bei uns sagten sie immer der »verliebte Major«. Sie waren damals Leutnant und in irgend jemanden verliebt, man nannte Sie scherzweise den Major ...
Vorlage S. 17
206
WERSCHININ
Vorlage S. 17
207
lacht.
Vorlage S. 17
208
Ganz recht ... der »verliebte Major«, das stimmt ganz genau ...
Vorlage S. 17
209
MASCHA.
Vorlage S. 17
210
Sie trugen damals nur einen Schnurrbart ... O, wie alt Sie geworden sind! Unter Tränen. Wie alt Sie geworden sind!
Vorlage S. 17
211
WERSCHININ.
Vorlage S. 17
212
Ja, damals, als man mich den »verliebten Major« nannte, war ich noch jung und wirklich sehr verliebt. Jetzt ist's damit vorbei.
Vorlage S. 17
213
OLGA.
Vorlage S. 17
214
Aber Sie haben doch noch kein einziges graues Haar! Sie sind gealtert, sind aber noch nicht alt.
Vorlage S. 17
215
WERSCHININ.
Vorlage S. 17
216
Nun, ich bin doch schon im Dreiundvierzigsten. Sind Sie schon lange von Moskau fort?
Vorlage S. 17
217
OLGA.
Vorlage S. 17
218
Elf Jahre. Aber warum weinst du denn, Mascha? Was ist dir? ... Unter Tränen. Sieh – auch ich fang' an zu weinen ...
Vorlage S. 17
219
MASCHA.
Vorlage S. 17
220
Nichts ist mir. In welcher Straße haben Sie dort gewohnt?
Vorlage S. 17
221
WERSCHININ.
Vorlage S. 18
222
In der Staraja Basmannaja. Und eine Zeitlang wohnte ich in der Deutschen Straße.
Vorlage S. 18
223
OLGA.
Vorlage S. 18
224
Das liegt nicht weit ab.
Vorlage S. 18
225
WERSCHININ.
Vorlage S. 18
226
Von der Deutschen Straße ging ich immer nach der roten Kaserne. Man kommt dort über eine einsame Brücke – so düster ist's da, das Wasser rauscht ... wenn man dort allein vorübergeht, wird einem ganz traurig ums Herz. Pause. Und hier haben Sie einen so prächtigen, wasserreichen Strom! Ein wunderbarer Strom!
Vorlage S. 18
227
OLGA.
Vorlage S. 18
228
Ja, aber es ist kalt hier. Kalt ist's ... und dann haben wir die Mückenplage ...
Vorlage S. 18
229
WERSCHININ.
Vorlage S. 18
230
Ich bitte Sie! Hier ist ein so gesundes, treffliches, echt slawisches Klima. Der Strom, der Wald ... auch Birken haben Sie hier, die lieben, bescheidenen Birken, die ich mehr liebe als alle andern Bäume. Hier muss es sich wirklich gut leben. Nur eins ist sonderbar: dass der Bahnhof zwanzig Werst von der Stadt entfernt ist ... Und kein Mensch weiß, warum das so ist ...
Vorlage S. 18
231
SSOLJONY.
Vorlage S. 18
232
Ich weiß, warum das so ist. Alle sehen nach ihm hin. Wenn er näher läge, wär' er nicht so weit, und weil er so weit ist, darum liegt er eben nicht nahe. Peinliches Schweigen.
Vorlage S. 18
233
TUSENBACH.
Vorlage S. 18
234
Sie sind ein Spaßvogel, Wassili Wassiljewitsch.
Vorlage S. 18
235
OLGA
Vorlage S. 18
236
zu Werschinin.
Vorlage S. 18
237
Jetzt besinn' auch ich mich auf Sie, ganz deutlich.
Vorlage S. 18
238
WERSCHININ.
Vorlage S. 18
239
Ich habe Ihre Mutter gekannt.
Vorlage S. 18
240
TSCHEBUTYKIN.
Vorlage S. 18
241
Eine schöne Frau war's, Gott habe sie selig ...
Vorlage S. 18
242
IRINA.
Vorlage S. 18
243
Mama ist in Moskau begraben.
Vorlage S. 18
244
OLGA.
Vorlage S. 19
245
Auf dem neuen Marien-Friedhof ...
Vorlage S. 19
246
MASCHA.
Vorlage S. 19
247
Denken Sie nur, ich fange schon an, ihr Gesicht zu vergessen! so wird's auch uns mal ergehen – man wird uns vergessen.
Vorlage S. 19
248
WERSCHININ.
Vorlage S. 19
249
Ja, man wird uns vergessen. Das ist nun so unser Schicksal, dagegen lässt sich nichts tun. Was uns jetzt wichtig und bedeutungsvoll vorkommt, wird mit der Zeit vergessen werden oder uns unwichtig erscheinen. Pause. Und es ist interessant, dass wir jetzt gar nicht sagen können, was eigentlich später einmal als wichtig und bedeutungsvoll und was als unbedeutend und lächerlich gelten wird. Hat man nicht die Idee des Kopernikus oder die Pläne des Kolumbus in der ersten Zeit albern und lächerlich gefunden, während irgendein läppischer Unsinn als Wahrheit galt? Und ebenso ist's möglich, dass unsere heutigen Zustände, mit denen wir so zufrieden sind, späteren Geschlechtern höchst seltsam, unvernünftig, unlauter, vielleicht sogar sündhaft erscheinen werden ...
Vorlage S. 19
250
TUSENBACH.
Vorlage S. 19
251
Wer kann's wissen? Vielleicht wird man unsere Zeit einmal sogar eine große Zeit nennen und ihr Anerkennung zollen. Wir haben keine Folter mehr, keine Todesstrafe, keine Einfälle wilder Völker. Bei alledem haben wir freilich noch Elend genug.
Vorlage S. 19
252
SSOLJONY
Vorlage S. 19
253
mit feiner Stimme.
Vorlage S. 19
254
Zip, zip, zip ... Unser Baron macht sich nichts aus Grütze – der wird schon vom Philosophieren satt!
Vorlage S. 19
255
TUSENBACH.
Vorlage S. 19
256
Wassili Wassilitsch, ich bitte Sie – lassen Sie mich in Ruhe ... Setzt sich auf einen andern Platz. Das wird auf die Dauer langweilig.
Vorlage S. 19
257
SSOLJONY
Vorlage S. 19
258
mit feiner Stimme.
Vorlage S. 19
259
Zip, zip, zip ...
Vorlage S. 19
260
TUSENBACH
Vorlage S. 20
261
zu Werschinin.
Vorlage S. 20
262
Es gibt so viele Leiden, unter denen die Menschen heute seufzen – und doch heißt es, dass unsere gesellschaftlichen Zustände in sittlicher Beziehung entschieden fortgeschritten sind.
Vorlage S. 20
263
WERSCHININ.
Vorlage S. 20
264
Gewiss, gewiss ... allerdings.
Vorlage S. 20
265
TSCHEBUTYKIN.
Vorlage S. 20
266
Sie sagten eben, Baron, man werde unsere Zeit mal eine große Zeit nennen; darum bleiben die Menschen aber doch klein! ... Erhebt sich von seinem Platz. Sehen Sie, was für ein kleiner Kerl ich zum Beispiel bin! Na, wenigstens hab' ich jetzt einen Trost: bin ich klein, so ist meine Zeit doch groß.
Vorlage S. 20
267
Hinter der Szene Geigenspiel.
Vorlage S. 20
268
MASCHA.
Vorlage S. 20
269
Das ist unser Bruder Andrej ...
Vorlage S. 20
270
IRINA.
Vorlage S. 20
271
Er hat studiert und wird jedenfalls Professor werden. Der Vater war Soldat – der Sohn hat die wissenschaftliche Laufbahn eingeschlagen.
Vorlage S. 20
272
MASCHA.
Vorlage S. 20
273
Es war Papas Wunsch.
Vorlage S. 20
274
OLGA.
Vorlage S. 20
275
Wir haben ihn heute ein bisschen geärgert. Er scheint nämlich verliebt ...
Vorlage S. 20
276
IRINA.
Vorlage S. 20
277
In eine hiesige junge Dame. Sie wird heute wohl bei uns sein ...
Vorlage S. 20
278
MASCHA.
Vorlage S. 20
279
Sie kleidet sich ganz entsetzlich. Als Moskauer werden Sie mich begreifen: ich kann es nicht ansehen, wie sie sich hier tragen; sie beleidigen mich geradezu, diese hiesigen Modedamen. Nicht bloß geschmacklos und unmodern – nein, einfach kläglich kleiden sie sich. Diese sonderbaren grellen, gelben Röcke, mit den abgeschmackten Fransen dran, und dazu die knallroten Jäckchen. Und die Backen so glatt abgeseift, so glänzend! Andrej ist gar nicht verliebt – ich kann's nicht glauben, er hat doch Geschmack. Er spaßt nur mit uns, will uns ärgern. Ich hörte übrigens gestern, dass sie Herrn Protopopow heiratet, den Vorsitzenden des hiesigen Landschaftsamts. Das wäre nett ... Ruft nach der Seitentür hin. Andrej, komm doch her! Nur auf einen Augenblick!
Vorlage S. 20
280
Andrej kommt herein.
Vorlage S. 21
281
OLGA
Vorlage S. 21
282
stellt vor.
Vorlage S. 21
283
Mein Bruder, Andrej Ssergejewitsch.
Vorlage S. 21
284
WERSCHININ.
Vorlage S. 21
285
Werschinin ...
Vorlage S. 21
286
ANDREJ.
Vorlage S. 21
287
Prosorow ... Wischt sich den Schweiß von der Stirn. Sie sind als Batteriechef zu uns versetzt?
Vorlage S. 21
288
OLGA.
Vorlage S. 21
289
Denk' dir, Alexander Ignatjewitsch kommt aus Moskau!
Vorlage S. 21
290
ANDREJ.
Vorlage S. 21
291
Ach! Da gratulier' ich Ihnen – meine lieben Schwestern werden Ihnen schön zusetzen!
Vorlage S. 21
292
WERSCHININ.
Vorlage S. 21
293
Ihre Schwestern sind meiner schon überdrüssig.
Vorlage S. 21
294
IRINA.
Vorlage S. 21
295
Sehen Sie doch, was für einen hübschen Porträtrahmen mir Andrej heute geschenkt hat! Zeigt den Rahmen. Er hat ihn selbst gemacht.
Vorlage S. 21
296
WERSCHININ
Vorlage S. 21
297
betrachtet den Rahmen und weiß nicht, was er sagen soll.
Vorlage S. 21
298
Ja ... sehr nett ...
Vorlage S. 21
299
IRINA.
Vorlage S. 21
300
Auch den Rahmen dort über dem Piano hat er verfertigt.
Vorlage S. 21
301
Andrej macht eine abweisende Handbewegung und geht auf die Seite.
Vorlage S. 21
302
OLGA.
Vorlage S. 21
303
Er ist nicht nur unser kleiner Gelehrter, sondern spielt auch die Geige und macht allerhand hübsche Sägearbeiten – mit einem Wort: ein Meister in allen Künsten. Andrej, so bleib doch da! Er hat nämlich die Gewohnheit, immer wegzulaufen, wenn Gesellschaft da ist. Komm doch her! Mascha und Irina fassen ihn unter die Arme und führen ihn lachend zurück.
Vorlage S. 21
304
MASCHA.
Vorlage S. 22
305
Komm, komm!
Vorlage S. 22
306
ANDREJ.
Vorlage S. 22
307
Lasst mich, bitte!
Vorlage S. 22
308
MASCHA.
Vorlage S. 22
309
Wie komisch du doch bist! Alexander Ignatjewitsch wurde früher immer der »verliebte Major« genannt, und er hat sich gar nicht darüber geärgert.
Vorlage S. 22
310
WERSCHININ.
Vorlage S. 22
311
Nicht im geringsten!
Vorlage S. 22
312
MASCHA.
Vorlage S. 22
313
Und dich will ich jetzt immer den »verliebten Geiger« nennen!
Vorlage S. 22
314
IRINA.
Vorlage S. 22
315
Oder den »verliebten Professor« ...
Vorlage S. 22
316
OLGA.
Vorlage S. 22
317
Er ist verliebt! Unser Andrjuscha ist verliebt!
Vorlage S. 22
318
IRINA.
Vorlage S. 22
319
Bravo, bravo! Dacapo! Andrjuscha ist verliebt!
Vorlage S. 22
320
TSCHEBUTYKIN
Vorlage S. 22
321
tritt von hinten an Andrej heran und umfaßt mit beiden Armen seine Taille.
Vorlage S. 22
322
»Zur Lieb' allein, zur Lieb' allein hat uns Natur geschaffen!« Lacht, setzt sich und liest in einer Zeitung, die er aus der Tasche gezogen hat.
Vorlage S. 22
323
ANDREJ.
Vorlage S. 22
324
Na, genug, genug ... Trocknet sich die Stirn. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen und bin nicht recht auf dem Posten. Bis vier Uhr hab' ich gelesen, dann hab' ich mich hingelegt, aber es war nichts mehr mit dem Schlafen. Hab' über dies und das gegrübelt – und mit einemmal ist's hell, die Sonne dringt mit Gewalt ins Schlafzimmer. Gegen zwei Uhr schon beginnt's zu dämmern ... Ich will jetzt im Sommer, solange ich hier bin, ein englisches Buch übersetzen ...
Vorlage S. 22
325
WERSCHININ.
Vorlage S. 22
326
Lesen Sie englisch?
Vorlage S. 22
327
ANDREJ.
Vorlage S. 22
328
Ja. Mein Vater, Gott hab' ihn selig, hat uns gehörig mit Bildung vollgepfropft. Das war sehr überflüssig und lächerlich – aber es liegt schließlich kein Grund vor, es zu verschweigen. Nach seinem Tode begann ich dick zu werden, als ob mein Körper plötzlich von einem schweren Druck befreit worden wäre. Dank unserm Papa können wir alle Französisch, Deutsch und Englisch, und Irina kann außerdem noch Italienisch. Aber was für Mühe hat das gekostet!
Vorlage S. 22
329
MASCHA.
Vorlage S. 23
330
In diesem Nest hier ist's ein sehr überflüssiger Luxus, drei fremde Sprachen zu können. Oder nicht einmal Luxus – einfach ein überflüssiges Anhängsel ist's, wie wenn man einen sechsten Finger hat. Wir wissen sehr viel überflüssiges Zeug.
Vorlage S. 23
331
WERSCHININ.
Vorlage S. 23
332
Wie können Sie das sagen? Erstens besitzt doch kaum ein Mensch einen so klaren und scharfen Blick, um das Überflüssige ohne weiteres vom unbedingt Notwendigen zu unterscheiden. Und zweitens ist nach meiner Meinung kein Ort so langweilig und trostlos, dass ein verständiger, gebildeter Mensch darin nicht an seinem Platze wäre. Angenommen, es gibt unter den hunderttausend Menschen, die diese zweifellos sehr zurückgebliebene Stadt bewohnen, nur drei solche Menschen wie Sie sind. Selbstverständlich wird es Ihnen nicht gelingen, die dunklen Massen, die Sie umgeben, siegreich zum Licht emporzuführen; Sie werden im Laufe der Zeit Konzessionen machen müssen, werden sich in der hunderttausendköpfigen Menge verlieren, werden es sich gefallen lassen müssen, dass das Leben Ihnen über den Kopf wächst; und doch werden Sie nicht spurlos verschwinden, nicht ohne Einfluss bleiben. Es werden sich nach Ihnen mehr solche Leute finden, wie Sie sind – zuerst vielleicht sechs, dann zwölf, und so fort, bis schließlich die Menschen Ihres Schlages in der Mehrzahl sind. In zwei-, dreihundert Jahren wird das Leben auf der Erde unvergleichlich schöner und herrlicher sein. Der Mensch hat ein Bedürfnis nach einem solchen Leben, und wenn es bisher noch nicht verwirklicht ist, dann soll er es wenigstens vorausahnen, soll es ersehnen, soll von ihm träumen und sich darauf vorbereiten, und darum muss er mehr sehen und mehr wissen, als sein Großvater und sein Vater gesehen und gewusst haben. Lacht. Und Sie beklagen sich darüber, dass Sie so viel Überflüssiges wissen!
Vorlage S. 23
333
MASCHA
Vorlage S. 24
334
nimmt ihren Hut ab.
Vorlage S. 24
335
Ich bleibe zum Frühstück.
Vorlage S. 24
336
IRINA
Vorlage S. 24
337
mit einem Seufzer.
Vorlage S. 24
338
Man hätte das in der Tat alles niederschreiben sollen ...
Vorlage S. 24
339
Andrej hat sich unbemerkt aus dem Zimmer entfernt.
Vorlage S. 24
340
TUSENBACH.
Vorlage S. 24
341
Nach soundso viel Jahren, sagen Sie, wird das Leben auf der Erde schöner und herrlicher sein. Aber um jetzt daran teilzunehmen, sei es auch nur aus der Ferne, muss man sich darauf vorbereiten, muss man arbeiten ...
Vorlage S. 24
342
WERSCHININ
Vorlage S. 24
343
erhebt sich.
Vorlage S. 24
344
Ja. Aber wieviel Blumen Sie haben! Schaut um sich. Und was für eine prächtige Wohnung! Ich beneide Sie. Ich hab' mich mein Leben lang in kleinen, elenden Buden herumgedrückt, mit zwei Stühlen, einem Diwan und einem Ofen, der ewig rauchte. Zu solchen Blumen hat es bei mir nie im Leben gereicht ... Reibt sich die Hände. Äh! Na, 's ist mal nicht zu ändern.
Vorlage S. 24
345
TUSENBACH.
Vorlage S. 24
346
Ja, man muss arbeiten. Sie denken vielleicht im stillen: Seht doch den gefühlvollen Deutschen! Aber ich bin, auf Ehre, ein Russe und spreche noch nicht mal deutsch. Mein Vater gehört der orthodoxen Kirche an ... Pause.
Vorlage S. 24
347
WERSCHININ
Vorlage S. 25
348
schreitet im Zimmer auf und ab.
Vorlage S. 25
349
Ich denke oft bei mir: wie, wenn man so das Leben noch einmal, und zwar bewusst, von vorn beginnen könnte? Wenn das erste Leben, das wir schon durchlebt haben, sozusagen das Konzept und das zweite die Reinschrift davon wäre? Dann würde doch jeder von uns bemüht sein, sich dieses zweite Leben angenehmer einzurichten, statt einfach das erste Leben zu kopieren! Er würde alles behaglicher haben wollen, mit Blumen, mit reichlichem Licht ... Ich habe eine Frau und zwei Töchterchen, meine Frau ist kränklich und so weiter und so weiter – wenn ich mein Leben von vorn beginnen könnte, würde ich jedenfalls nicht heiraten ... Um keinen Preis!
Vorlage S. 25
350
Kulygin tritt ein, im Uniformfrack.
Vorlage S. 25
351
KULYGIN
Vorlage S. 25
Porträt von Anton Pavlovič Čechov
Kontextbild zum Werk. Porträt von Anton Pavlovič Čechov — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Osip Braz · Public domain Bildquelle ↗
352
tritt an Irina heran.
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353
Teure Schwägerin, gestatte mir, dass ich dir zu deinem Namenstage gratuliere und dir von Herzen Gesundheit wünsche, nebst allem, was man sonst noch einem jungen Mädchen in deinen Jahren wünschen kann. Als Geschenk nimm dieses Büchlein von mir entgegen. Reicht ihr ein Buch. Es ist die Geschichte unseres Gymnasiums während der letzten fünfzig Jahre, von mir selbst verfasst. Ein unbedeutendes Schriftchen, das ich lediglich schrieb, um mir die Zeit zu vertreiben – aber lies es gleichwohl! Gehorsamster Diener, meine Herren! Zu Werschinin. Kulygin, Lehrer am hiesigen Gymnasium, Hofrat. Zu Irina. In diesem Büchlein wirst du ein Verzeichnis aller derjenigen finden, die innerhalb der letzten fünfzig Jahre unser Gymnasium mit Erfolg absolviert haben. Feci, quod potui, faciant, meliora potentes. Küsst Mascha.
Vorlage S. 25
354
IRINA.
Vorlage S. 26
355
Aber dieses Büchlein hast du mir ja schon zu Ostern verehrt!
Vorlage S. 26
356
KULYGIN
Vorlage S. 26
357
lacht.
Vorlage S. 26
358
Wirklich? In diesem Falle gib es mir zurück, oder noch besser: gib es dem Oberst! Nehmen Sie es, bitte, Herr Oberst. Vielleicht lesen Sie es gelegentlich mal aus Langerweile.
Vorlage S. 26
359
WERSCHININ.
Vorlage S. 26
360
Danke bestens. Will gehen. Sehr erfreut, Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben ...
Vorlage S. 26
361
OLGA.
Vorlage S. 26
362
Sie wollen gehen? Nein, nein!
Vorlage S. 26
363
IRINA.
Vorlage S. 26
364
Bleiben Sie doch zum Frühstück ...
Vorlage S. 26
365
OLGA.
Vorlage S. 26
366
Ich bitte recht sehr!
Vorlage S. 26
367
WERSCHININ
Vorlage S. 26
368
verneigt sich.
Vorlage S. 26
369
Es scheint, dass Sie einen Namenstag feiern. Entschuldigen Sie, dass ich nicht gratuliert habe – ich hatte keine Ahnung ... Geht mit Olga nach dem Saal.
Vorlage S. 26
370
KULYGIN.
Vorlage S. 26
371
Heut ist der Tag des Herrn, meine Herrschaften – der Tag des Friedens. Wir werden ausruhen, werden fröhlich sein, jeder seinem Alter und seiner Stellung gemäß. Bald wird man die Teppiche aufnehmen und für den Winter konservieren ... Persisches Insektenpulver muss man anwenden oder Naphthalin ... Die Römer waren ein so gesundes Volk, weil sie es verstanden, ihre Zeit in richtigem Verhältnis zwischen Arbeit und Vergnügen zu teilen. Ihr Grundsatz war: Mens sana in corpore sano. Ihr Leben floss in bestimmten Formen dahin. Überall im Leben ist die Form die Hauptsache, sagt unser Direktor. Was seine Form verliert, das stirbt ab – in der Natur wie in unserem täglichen Leben. Fasst Mascha um die Taille und lacht. Mascha liebt mich. Meine Gattin liebt mich ... Auch die Portieren müssen für den Sommer verwahrt werden, zusammen mit den Teppichen ... Ich bin heut in so ausgezeichneter Stimmung. Mascha, um vier Uhr sind wir heute beim Direktor – es wird ein Ausflug des Kollegiums geplant, mit Angehörigen.
Vorlage S. 26
372
MASCHA.
Vorlage S. 27
373
Ich geh' nicht.
Vorlage S. 27
374
KULYGIN
Vorlage S. 27
375
beleidigt.
Vorlage S. 27
376
Warum nicht, meine liebe Mascha?
Vorlage S. 27
377
MASCHA.
Vorlage S. 27
378
Später davon ... Ärgerlich. Gut, ich werde gehen, nur lass mich jetzt damit in Ruhe ... Geht auf die Seite.
Vorlage S. 27
379
KULYGIN.
Vorlage S. 27
380
Den Abend bringen wir beim Direktor zu. Trotz seines kränklichen Zustandes sucht dieser Mann vor allem die Geselligkeit zu pflegen. Eine ganz ausgezeichnete, lichtvolle Persönlichkeit. Ein großartiger Mensch. Gestern nach der Konferenz sagte er zu mir: »Ich bin müde, Fjodor Iljitsch, ich bin müde!« Sieht nach der Wanduhr, dann nach seiner Taschenuhr. Eure Uhr geht um sieben Minuten zu früh. »Ja,« sagte er, »ich bin müde!« Hinter der Szene Geigenspiel.
Vorlage S. 27
381
OLGA.
Vorlage S. 27
382
Herrschaften, bitte zum Frühstück! Die Pastete wird aufgetragen!
Vorlage S. 27
383
KULYGIN.
Vorlage S. 27
384
Ach, meine liebe, gute Olga! Ich habe gestern vom Morgen bis elf Uhr abends gearbeitet, ich war furchtbar müde – und heut fühle ich mich so glücklich. Geht nach der Tafel im Saal. Meine liebe, gute ...
Vorlage S. 27
385
TSCHEBUTYKIN
Vorlage S. 27
386
steckt die Zeitung in die Tasche, kämmt sich den Bart.
Vorlage S. 27
387
Pastete? Das ist ja großartig!
Vorlage S. 27
388
MASCHA
Vorlage S. 27
389
zu Tschebutykin, streng.
Vorlage S. 27
390
Dass Sie nur heut' nichts trinken, hören Sie? Es schadet Ihnen.
Vorlage S. 27
391
TSCHEBUTYKIN.
Vorlage S. 27
392
Ei sieh doch. Nein, das gibt's bei uns nicht mehr. Seit zwei Jahren war ich nicht mehr bekneipt.
Vorlage S. 27
393
MASCHA.
Vorlage S. 28
394
Nehmen Sie sich jedenfalls in acht. Ärgerlich, doch so, dass ihr Gatte es nicht hört. Schon wieder soll ich mich bei diesem Direktor langweilen ... den ganzen Abend! Der Teufel mag das holen!
Vorlage S. 28
395
TUSENBACH.
Vorlage S. 28
396
Ich würde an Ihrer Stelle nicht hingehen ...
Vorlage S. 28
397
TSCHEBUTYKIN.
Vorlage S. 28
398
Gehen Sie nicht hin!
Vorlage S. 28
399
MASCHA.
Vorlage S. 28
400
Ja, das sagen Sie so ... Ein verdammtes Leben ... einfach unerträglich ...
Vorlage S. 28
401
TSCHEBUTYKIN
Vorlage S. 28
402
geht auf sie zu, beschwichtigend.
Vorlage S. 28
403
Nun, nun!
Vorlage S. 28
404
SSOLJONY
Vorlage S. 28
405
während er in den Saal geht.
Vorlage S. 28
406
Zip, zip, zip ...
Vorlage S. 28
407
TUSENBACH.
Vorlage S. 28
408
Hören Sie endlich auf, Wassili Wassilitsch. Es ist genug!
Vorlage S. 28
409
SSOLJONY.
Vorlage S. 28
410
Zip, zip, zip ...
Vorlage S. 28
411
KULYGIN
Vorlage S. 28
412
heiter.
Vorlage S. 28
413
Ihre Gesundheit, Oberst! Ich bin Pädagoge, gehöre hier zur Familie ... bin Maschas Gatte. Sie ist ein gutes, sehr gutes Wesen ...
Vorlage S. 28
414
WERSCHININ.
Vorlage S. 28
415
Ich werde von dem dunklen Likör da trinken ... Er trinkt. Auf Ihre Gesundheit ... Zu Olga. Ich fühle mich so wohl hier bei Ihnen! ...
Vorlage S. 28
416
Im Wohnzimmer sind nur noch Irina und Tusenbach zurückgeblieben.
Vorlage S. 28
417
IRINA.
Vorlage S. 28
418
Mascha ist heute in schlechter Stimmung. Sie hat mit siebzehn Jahren geheiratet, und damals erschien ihr Mann ihr als der verständigste Mensch auf der Welt. Jetzt sieht sie sich enttäuscht: ein guter Kerl ist er wohl, aber sein Verstand ist nicht weit her.
Vorlage S. 28
419
OLGA
Vorlage S. 28
420
ungeduldig.
Vorlage S. 28
421
Andrej, so komm doch endlich!
Vorlage S. 28
422
ANDREJ
Vorlage S. 28
423
hinter der Szene.
Vorlage S. 28
424
Ich komme gleich. Geht durch das Wohnzimmer nach dem Saal.
Vorlage S. 28
425
TUSENBACH
Vorlage S. 29
426
zu Irina.
Vorlage S. 29
427
Worüber denken Sie nach?
Vorlage S. 29
428
IRINA.
Vorlage S. 29
429
Ich? An Ihren Kameraden Ssoljony dachte ich eben. Er gefällt mir gar nicht, und ich fürchte ihn. Er redet lauter Unsinn.
Vorlage S. 29
430
TUSENBACH.
Vorlage S. 29
431
Er ist ein sonderbarer Mensch. Mir tut er leid, und andererseits ärgere ich mich über ihn; aber das Mitleid ist stärker. Ich halte ihn für schüchtern. Wenn wir zu zweien zusammen sind, ist er sehr vernünftig und nett, in Gesellschaft aber benimmt er sich ungeschliffen, wie ein richtiger Raufbold ... Gehen Sie noch nicht, mögen sich die andern erst zu Tisch setzen. Lassen Sie mich hier bei Ihnen bleiben. Woran denken Sie? Pause. Sie sind zwanzig Jahre alt, ich noch nicht dreißig. Wieviel Jahre liegen noch vor uns – welch eine lange Reihe von Tagen, und alle erfüllt von meiner Liebe zu Ihnen ...
Vorlage S. 29
432
IRINA.
Vorlage S. 29
433
Reden Sie mir nicht von Liebe, Nikolaj Lwowitsch!
Vorlage S. 29
434
TUSENBACH
Vorlage S. 29
435
ohne auf sie zu hören.
Vorlage S. 29
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Mich beseelt ein heißer Durst nach Leben, nach Kampf, nach Arbeit, und dieses Gefühl ist in meiner Seele mit der Liebe zu Ihnen, Irina, verschmolzen – zu Ihnen, die Sie so schön sind! Und schön – o, so schön erscheint mir auch das Leben ... Woran denken Sie?
Vorlage S. 29
437
IRINA.
Vorlage S. 29
438
Sie sagen, das Leben erscheine Ihnen schön – ja, wenn's einem nur so erscheint! Uns drei Schwestern hat es sich noch nicht von seiner schönen Seite gezeigt, es hat uns ersticken lassen im wuchernden Unkraut ... Fährt rasch mit der Hand über ihr Gesicht, lächelnd. Tränen ... die sind überflüssig. Nur Arbeit, Arbeit tut not. Wir sind nur darum so mißvergnügt, sehen nur darum das Leben so düster an, weil wir die Arbeit nicht kennen. Wir stammen von Leuten ab, die die Arbeit verachtet haben ...
Vorlage S. 29
439
Natascha tritt ein; sie trägt ein rosa Kleid mit grünem Gürtel.
Vorlage S. 30
440
NATASCHA.
Vorlage S. 30
441
Ich habe mich verspätet ... Sie setzen sich schon zum Frühstück! Guckt flüchtig in den Spiegel, glättet ihr Haar. Die Frisur ist nicht übel ... Erblickt Irina. Liebe Irina Ssergejewna, ich gratuliere Ihnen herzlich. Küsst sie fest und lange. Sie haben so viel Gäste ... ich genier' mich fast ... Zu Tusenbach. Guten Tag, Baron!
Vorlage S. 30
442
OLGA
Vorlage S. 30
443
kommt in das Wohnzimmer.
Vorlage S. 30
444
Ah, da ist ja auch Natalia Iwanowna! Willkommen, meine Liebe! Sie küssen sich; Irina und Tusenbach gehen in den Saal.
Vorlage S. 30
445
NATASCHA.
Vorlage S. 30
446
Sie haben so große Gesellschaft ... es ist mir peinlich ...
Vorlage S. 30
447
OLGA.
Vorlage S. 30
448
Nicht doch – es sind lauter gute Bekannte. Halblaut, ganz erschrocken. Aber dieser grüne Gürtel ... der ist durchaus nicht schick, meine Liebe!
Vorlage S. 30
449
NATASCHA.
Vorlage S. 30
450
Fällt er auf?
Vorlage S. 30
451
OLGA.
Vorlage S. 30
452
Er ist einfach unmöglich ...
Vorlage S. 30
453
NATASCHA
Vorlage S. 30
454
weinerlich.
Vorlage S. 30
455
Wirklich? Aber er ist doch gar nicht grün, sondern eher oliv! Folgt Olga in den Saal.
Vorlage S. 30
456
KULYGIN.
Vorlage S. 30
457
Ich wünsche dir einen wackern Bräutigam, liebe Irina. Es ist Zeit, dass du heiratest.
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458
TSCHEBUTYKIN
Vorlage S. 30
459
zu Natascha.
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460
Auch Ihnen tut ein Bräutigam not, Natalia Iwanowna!
Vorlage S. 30
461
KULYGIN.
Vorlage S. 30
462
Ei, Natalia Iwanowna hat schon einen Bräutigam.
Vorlage S. 30
463
MASCHA.
Vorlage S. 30
464
Ich möcht' ein Gläschen Wein trinken. Äh! Das Leben ist gar wunderschön, tut's uns nicht an den Kragen gehn. Äh!
Vorlage S. 30
465
KULYGIN.
Vorlage S. 31
466
Dein Betragen ist heute wenig befriedigend, meine Liebe!
Vorlage S. 31
467
WERSCHININ.
Vorlage S. 31
468
Dieser Beerenwein ist ausgezeichnet. Womit ist er angesetzt?
Vorlage S. 31
469
SSOLJONY.
Vorlage S. 31
470
Mit Wanzen.
Vorlage S. 31
471
IRINA
Vorlage S. 31
472
weinerlich.
Vorlage S. 31
473
Pfui! Wie abscheulich! ...
Vorlage S. 31
474
OLGA.
Vorlage S. 31
475
Abends gibt's Truthahn und süße Apfelspeise. Gott sei Dank, ich bin heute den ganzen Tag zu Hause ... ein Abend daheim! ... Kommen Sie nur alle heut abend, Herrschaften ...
Vorlage S. 31
476
WERSCHININ.
Vorlage S. 31
477
Wenn Sie gestatten, will auch ich kommen.
Vorlage S. 31
478
IRINA.
Vorlage S. 31
479
Ich bitte recht sehr.
Vorlage S. 31
480
NATASCHA.
Vorlage S. 31
481
Hier kann man ganz ungeniert verkehren.
Vorlage S. 31
482
TSCHEBUTYKIN.
Vorlage S. 31
483
Zur Lieb' allein, zur Lieb' allein hat uns Natur geschaffen. Lacht.
Vorlage S. 31
484
ANDREJ
Vorlage S. 31
485
ärgerlich.
Vorlage S. 31
486
Hören Sie auf, meine Herren! Es sollte Ihnen doch schon über sein.
Vorlage S. 31
487
Fedotik und Rode treten mit einem großen Blumenkorb ein.
Vorlage S. 31
488
FEDOTIK.
Vorlage S. 31
489
Sie sitzen wirklich schon beim Frühstück!
Vorlage S. 31
490
RODE
Vorlage S. 31
491
laut und schnarrend.
Vorlage S. 31
492
Beim Frühstück? Ja, wahrhaftig!
Vorlage S. 31
493
FEDOTIK.
Vorlage S. 31
494
Wart' einen Moment! Er photographiert die Gruppe im Saal. Eins! Noch einen Augenblick ... Er macht eine zweite Aufnahme. Zwei! Jetzt hab' ich sie!
Vorlage S. 31
495
Sie nehmen den Korb auf und gehen in den Saal, wo sie lärmend begrüßt werden.
Vorlage S. 31
496
RODE
Vorlage S. 31
497
laut.
Vorlage S. 31
498
Gratuliere! Wünsche von Herzen alles Gute. Das Wetter ist heut kapital, wirklich großartig! Bin den ganzen Morgen mit meinen Gymnasiasten spazierengegangen – gebe nämlich Turnunterricht im Gymnasium ...
Vorlage S. 31
499
FEDOTIK.
Vorlage S. 32
500
Sie können sich ruhig bewegen, Irina Ssergejewna! Photographiert sie. Sehen wirklich heut interessant aus! Nimmt aus der Tasche einen Kreisel. Hab' Ihnen unter anderem 'nen Brummkreisel mitgebracht ... hat einen wunderbaren Ton!
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501
IRINA.
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502
Wirklich reizend von Ihnen!
Vorlage S. 32
503
MASCHA.
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504
»Ein Eichbaum steht am Meeresstrande, ein goldnes Kettlein hängt daran« ... Weinerlich. Ich weiß nicht, warum ich das immerfort wiederhole – seit dem frühen Morgen verfolgen mich diese Worte ...
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505
KULYGIN.
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506
Wir sind dreizehn bei Tisch!
Vorlage S. 32
507
RODE
Vorlage S. 32
508
laut.
Vorlage S. 32
509
Herrschaften, Sie sind doch nicht abergläubisch? Gelächter.
Vorlage S. 32
510
KULYGIN.
Vorlage S. 32
511
Wenn dreizehn Personen zu Tisch sind, gibt's Verliebte darunter. Zu Tschebutykin. Sie sind's doch nicht etwa, Iwan Romanowitsch? Das wäre schön! Gelächter.
Vorlage S. 32
512
TSCHEBUTYKIN.
Vorlage S. 32
513
Ich bin ein alter Sünder, der nicht mehr in Betracht kommt. Aber warum Natalia Iwanowna so rot geworden ist, kann ich wirklich nicht begreifen. Lautes Gelächter; Natascha läuft aus dem Saal in das Wohnzimmer, hinter ihr her Andrej.
Vorlage S. 32
514
ANDREJ.
Vorlage S. 32
515
Ich bitte Sie – achten Sie nicht darauf! Bleiben Sie doch, um alles in der Welt ...
Vorlage S. 32
516
NATASCHA.
Vorlage S. 32
517
Ich schäme mich so! Ich weiß nicht, wo ich bleiben soll vor Verlegenheit – und sie machen sich über mich lustig. Es mag ja unanständig sein, dass ich fortgelaufen bin – aber ich kann nicht ... ich kann nicht anders ... Hält sich die Hände vor das Gesicht.
Vorlage S. 32
518
ANDREJ.
Vorlage S. 32
519
Meine Teure, ich bitte Sie, ich beschwöre Sie – regen Sie sich nicht so auf! Ich versichere Sie: sie scherzen nur, sie meinen es gut. Meine Teuerste, Schönste – es sind alles so herzensgute Leute, sie haben uns beide so gern. Kommen Sie hierher, ans Fenster, hier kann man uns nicht sehen ... Er sieht sich um.
Vorlage S. 32
520
NATASCHA.
Vorlage S. 33
521
Es ist so ungewohnt für mich, in Gesellschaft zu sein ...
Vorlage S. 33
522
ANDREJ.
Vorlage S. 33
523
O Jugendzeit, herrliche, wunderbare Jugendzeit! Meine Teure, meine Schöne – beruhigen Sie sich! Vertrauen Sie mir, vertrauen Sie!.. Mir ist so wohl ums Herz, meine Seele ist voll Liebe, voll Begeisterung ... Nein, man sieht uns nicht, man sieht uns nicht. Warum ich Sie so liebe, seit wann ich Sie liebe – ich weiß es nicht. Meine Teure, meine Herrliche, Reine – werden Sie mein Weib! Ich liebe Sie, liebe Sie über alles ... wie ich nie jemanden geliebt habe ... Sie küssen sich.
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524
Zwei Offiziere treten ein und bleiben beim Anblick des kosenden Paares verdutzt stehen.
Vorlage S. 33
525
Vorhang.
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Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Was für wunderbare Gedanken gingen mir …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Du hast dich eben daran gewöhnt, mich als kleines Mädchen zu […], und wunderst dich, wenn ich ein ernstes Gesicht mache.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »entweder« in diesem Textausschnitt? »Sie gehen entweder in zwei, drei Jahren an Ihrem Spleen zugrunde, oder ich werde mal wütend und schieße Ihnen eine Kugel durch den Kopf.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt kennzeichnet eine Aussage ausdrücklich als Möglichkeit oder Vermutung? Achte auf die Formulierung; entscheide nicht, ob die Aussage tatsächlich wahr ist.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Wassili Wassilitsch, ich bitte Sie – lassen Sie mich in Ruhe ...«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Als wenn ich auf dem Meer dahinsegelte: über mir dehnt sich der weite blaue Himmel, und große weiße Vögel schweben durch die Lüfte.« B: »Wassili Wassilitsch, ich bitte Sie – lassen Sie mich in Ruhe ...« C: »Gehen Sie noch nicht, mögen sich die andern erst zu Tisch setzen.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Ich habe eine Frau und zwei Töchterchen, meine Frau ist kränklich und …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Mascha, um vier Uhr sind wir heute beim Direktor – es wird ein Ausflug des […] geplant, mit Angehörigen.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Die Römer waren ein so gesundes Volk, weil sie es verstanden, ihre Zeit in richtigem Verhältnis zwischen Arbeit und Vergnügen zu teilen.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Aber warum Natalia Iwanowna so rot …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »Was für wunderbare Gedanken gingen mir «. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.

Impulse zur Selbstprüfung

Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.

  • Situation oder Gedanke verständlich erklärt
  • Mindestens ein passender Textbeleg
  • Eigene Formulierungen statt bloßer Abschrift
Textstelle nachlesen ↗

2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »Was für wunderbare Gedanken gingen mir « und »geworden ist, kann ich wirklich nicht begreifen«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.

Impulse zur Selbstprüfung

Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.

  • Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
  • Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
  • Deutung und wörtlichen Beleg unterschieden
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »Vielleicht wird man unsere Zeit einmal sogar eine große Zeit nennen und ihr Anerkennung zollen.«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.

Impulse zur Selbstprüfung

Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.

  • Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
  • Wirkung als begründete Deutung formuliert
  • Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
Textstelle nachlesen ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Heut vor einem Jahre ist der Vater gestorben – gerade an deinem Namenstag, Irina, am fünften Mai.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Diese sonderbaren grellen, gelben Röcke, mit den abgeschmackten Fransen dran, und dazu die knallroten Jäckchen.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Ich liebe Sie, liebe Sie über alles ... wie ich nie jemanden geliebt habe ...«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Autor und namentlich belegte Übersetzung sind nach den geprüften Lebensdaten in Deutschland gemeinfrei. TextGrid und www.editura.de stellen Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE bereit.

Drei Schwestern

Tschechow, Anton: Drei Schwestern. Schauspiel in vier Aufzügen, Übers. v. August Scholz, Berlin: I. Ladyschnikow, [o.J.]. Čechov, Anton Pavlovič 6- Berlin

Das Werk Drei Schwestern von Čechov, Anton Pavlovič ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; underlying texts public domain per source Lizenz

Originalsprache · Russisch

Vollständiger russischer Werktext in der konkret verlinkten Wikisource-Ausgabe. Historische bzw. editionsabhängige Rechtschreibung und Wortlaut bleiben erhalten; Quellenausgaben können abweichen. Vorhandene Autoren- und Editionsanmerkungen bleiben als solche erkennbar. HTML-Layout und Bedienleisten wurden für die Leseansicht umgesetzt. Quellenrevisionen und jede Kapitelseite sind nachgewiesen; keine behauptete Satz- oder Absatzparität mit der deutschen Übersetzung.

Čechov, Anton Pavlovič; Russian Wikisource contributors. CC BY-SA 4.0. See source page histories.

Autorschaft und Ausgabe: Čechov, Anton Pavlovič · Mitwirkende der russischen Wikisource, siehe Versionsgeschichten der Quellseiten

Originaltext und Ausgabe ↗ · Russische Wikisource / Wikimedia Foundation · Lizenz und Nutzungsbedingungen

Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.