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Buch - Don Quijote - Cervantes Saavedra, Miguel de

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Deutsche Übersetzung · Lesefassung

Don Quijote

Cervantes Saavedra, Miguel de

Don Quijote von Cervantes Saavedra, Miguel de. Volltext der angegebenen historischen deutschen Übersetzung.

RomanKlasse 9–10 · 11–13146 Abschnitte
Historische Illustration zu Don Quijote
Historische Illustration zu „Don Quijote“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Miguel de Cervantes Saavedra · Public domain Bildquelle ↗

Deutsche Übersetzung: Ludwig Tieck

Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und zeitgebundene Wertvorstellungen gemeinsam einordnen. Klassenangaben sind redaktionelle Orientierung.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Deutsch · Abschnitt 2 von 146

Erster Teil · Abschnitt 1

Dieser Leseabschnitt folgt einer Überschrift der deutschen Quellausgabe innerhalb von „Erster Teil“.

1
Dem Herzoge von Bejar, Marques
Vorlage S. 5
2
von Gibraleon, Grafen von Benalcazar,
Vorlage S. 5
3
Bañares und Alcocer, Herrn der Städte
Vorlage S. 5
4
Capilla, Curiel und Burguillos
Vorlage S. 5
5
Im Vertrauen auf die gute Aufnahme und Achtung, die Ew. Exzellenz allen Produkten der Literatur erweist, als ein Fürst, der geneigt ist, die schönen Künste zu begünstigen, vorzüglich diejenigen, die durch ihren Adel sich nicht zum Dienste und zur Gewinnsucht des Pöbels herablassen, bin ich entschlossen, den sinnreichen Edlen Don Quixote von la Mancha an das Licht treten zu lassen, unter dem Schirme von Ew. Exzellenz ruhmvollen Namen, der ich mit der Ehrfurcht, die ich Ihrer Größe schuldig bin, bitte, ihn wohlwollend in Ihren Schutz aufzunehmen, damit er unter dieser Bedeckung, wenn ihm gleich die schöne Zier der Eleganz und Gelehrsamkeit mangelt, die gewöhnlich die Werke zu bekleiden pflegt, die in den Häusern gelehrter Männer geschrieben werden, dennoch dreist vor den Richtstuhl einiger zu erscheinen wage, die, nicht in den Schranken ihrer Unwissenheit zurückgehalten, mit vieler Strenge und weniger Gerechtigkeit fremde Arbeiten zu verdammen pflegen; denn wenn Ew. Exzellenz Ihre helle Einsicht auf meine gute Absicht richten, so werden Sie, wie ich hoffe, die Geringfügigkeit eines so unbedeutenden Dienstes nicht verschmähen.
Vorlage S. 5
6
Miguel de Cervantes Saavedra
Vorlage S. 5
7
Prolog
Vorlage S. 5
8
Prolog.
Vorlage S. 6
9
Müßiger Leser! Ohne Schwur magst du mir glauben, dass ich wünsche, dieses Buch, das Kind meines Geistes, wäre das schönste, lieblichste und verständigste, das man sich nur vorstellen kann. Ich habe aber unmöglich dem Naturgesetz zuwiderhandeln können, dass jedes Wesen sein Ähnliches hervorbringt; was konnte also mein unfruchtbarer, ungebildeter Verstand anders erzeugen als die Geschichte eines dürren, welken und grillenhaften Sohnes, der mit allerhand Gedanken umgeht, die vorher noch niemand beigefallen sind, geradeso wie einer, der in einem Gefängnisse erzeugt ward, wo jede Unbequemlichkeit zu Hause ist und jedes traurige Geräusch seine Wohnung hat? Die Stille, ein angenehmer Aufenthalt, die Lieblichkeit der Gefilde, die Heiterkeit des Himmels, das Gemurmel der Quellen, die Ruhe des Geistes verursachen es großenteils, dass sich auch die unfruchtbarste Muse fruchtbar zeigt und Geburten ans Licht bringt, durch welche sie Erstaunen und Freude erregt. Manchmal hat ein Vater einen hässlichen, unliebenswürdigen Sohn, aber die Liebe, die er zu ihm trägt, knüpft ihm eine Binde um die Augen, so dass er seine Fehler nicht sieht oder sie wohl für Annehmlichkeit und geistreiche Züge hält und sie seinen Freunden für Witz und Lieblichkeiten anrechnet. Ich aber, der, wenn ich auch der Vater scheine, nur der Stiefvater des Don Quixote bin, will nicht dem Strome der Sitte folgen, dich nicht, geliebter Leser, wie andere wohl tun, fast mit Tränen in den Augen bitten, dass du die Fehler, die du an diesem Kinde wahrnimmst, vergeben und übersehen mögest; und da du ja weder sein Verwandter noch sein Freund bist und deine Seele für dich und den herrlichsten freien Willen hast, du auch in deinem Hause bist, wo du so unumschränkt herrschest wie der König in seinen Domänen, du auch das gewöhnliche Sprichwort kennst: Unter meinem Mantel trotz ich dem Könige! – welches alles dich von jeder Rücksicht und Verpflichtung freispricht –, so darfst du von dieser Geschichte alles sagen, was dir gut dünkt, ohne Furcht, dass man dich für das Böse schelten noch für das Gute, welches du von ihr sagst, belohnen wird.
Vorlage S. 6
10
Nur wollte ich sie dir nackt und bloß überreichen, ohne den Schmuck eines Prologs, ohne die unzählige Schar der herkömmlichen Sonette, Epigramme und Empfehlungsgedichte, die man vor den Anfang der Bücher zu setzen pflegt: denn ich muss dir gestehen, dass, ob mich des Buches Ausarbeitung wohl einige Mühe kostete, ich doch die für die größte halte, diese Vorrede zu machen, die du jetzt liesest. Oft habe ich die Feder genommen, um sie zu schreiben, und sie ebensooft wieder hingeworfen, weil ich nicht wusste, was ich schreiben sollte. Und indem ich wieder so nachdenkend war, das Papier vor mir, die Feder hinter dem Ohre, den Ellenbogen auf dem Tische und die Hand an der Wange, sinnend, was ich sagen solle, trat plötzlich ein witziger und verständiger Freund zu mir herein, der, als er mich so nachdenkend sah, mich um die Ursache fragte, und ohne sie ihm zu verhehlen, sagte ich ihm, dass ich auf den Prolog sönne, den ich zur Geschichte des Don Quixote zu schreiben habe, und dass mich dies so anstrenge, dass ich ihn gar nicht schreiben und ebensowenig die Taten dieses edeln Ritters ans Licht stellen wolle. »Denn wie könnt Ihr nur verlangen, dass mich das nicht in Verwirrung setzen solle, was der alte Gesetzgeber, Publikum genannt, sagen wird, wenn er sieht, dass nach Verlauf so vieler Jahre, in denen ich im Schweigen der Vergessenheit schlafe, ich endlich, mit allen meinen Jahren belastet, mit einer Schreiberei hervortrete, die so trocken ist wie eine Binse, ohne Erfindung, dürftig im Stil, arm an Witz und gänzlich von Gelehrsamkeit und Literatur entblößt, ohne Bemerkungen am Rande und ohne Anmerkungen am Ende des Buchs, wie ich doch sehe, dass andre Bücher eingerichtet sind, auch fabelhafte und weltliche, die voller Sentenzen des Aristoteles, Plato und der ganzen Schar der Philosophen stecken, worüber sich alsdann die Leser verwundern und die Verfasser für belesene, gelehrte und beredte Männer halten? Und vollends gar, wenn sie die Heilige Schrift zitieren! Dann hält man einen solchen für einen Sankt Thomas oder einen andern Kirchenlehrer, wobei das Decorum so geistreich beobachtet wird, dass in einer Zeile ein ausschweifender Verliebter geschildert, in der folgenden aber eine christliche Predigt gehalten wird, welches eine Freude und Ergötzung ist, es zu hören oder zu lesen. Alles dieses mangelt meinem Buche, denn ich habe am Rande nichts bemerkt und am Ende nichts angemerkt, noch weniger weiß ich, welchen Autoren ich folge, um sie, wie es alle machen, vor dem Anfange nach dem Alphabet zu ordnen, indem sie beim Aristoteles anfangen und mit dem Xenophon und Zoilus oder Zeuxis endigen, wenn jener auch ein Verleumder und dieser ein Maler war. Auch wird es meinem Buche vor dem Anfange an Sonetten fehlen, wenigstens an solchen Sonetten, die Herzöge, Marquesen, Grafen, Bischöfe, Damen und weltberühmte Poeten zu Verfassern haben; obgleich, wenn ich zwei oder drei geschickte Freunde darum bäte, ich wohl solche bekommen könnte, dass ihnen die von denjenigen nicht glichen, die mehr Ruf in unserem Vaterlande haben.
Vorlage S. 7
11
Kurz, mein lieber Herr und Freund«, so fuhr ich fort, »ich bin entschlossen, dass der Herr Don Quixote in den Archiven von la Mancha begraben bleibe, bis der Himmel den sende, der ihn mit allen diesen Dingen schmückt, die ihm jetzt mangeln, denn ich bin unfähig, sie zu ergänzen, aus Mangel an Geschick und Gelehrsamkeit, auch weil ich von Natur furchtsam bin, auch zu träge, um Autoren mühsam aufzusuchen, die das sagen, was ich wahrlich ohne sie sagen kann. Daher diese Verwirrung und Spannung, in welcher Ihr mich getroffen habt, und gewiss ist vollgültige Ursache dazu das, was Ihr soeben gehört habt.«
Vorlage S. 7
Historische Darstellung von Miguel de Cervantes Saavedra
Kontextbild zum Werk. Historische Darstellung von Miguel de Cervantes Saavedra — Spätere künstlerische Darstellung; kein gesichertes Bildnis aus dem Leben. · Fernando Selma, grabador, Ferro, dibujo. · Public domain Bildquelle ↗
12
Als mein Freund dies hörte, schlug er sich vor die Stirn, brach in das lauteste Gelächter aus und sagte: »Bei Gott, Bester, nunmehr erst verliere ich eine Täuschung, in welcher ich mich in der ganzen langen Zeit befunden habe, seitdem ich Euch kenne, dass ich Euch immer für verständig und klug in allen Euren Unternehmungen hielt; aber jetzt sehe ich, dass Ihr ebensoweit davon entfernt seid, wie es der Himmel von der Erde ist.
Vorlage S. 8
13
Wie? Ist es möglich, dass so geringfügige Dinge, die so leicht zu machen sind, stark genug sein sollen, einen so reifen Geist, wie der Eurige ist, zu binden und zu verwirren, dem es ein kleines sein muss, durch weit größere Schwierigkeiten zu brechen? Verzeiht, dies entsteht nicht aus Mangel an Geschicklichkeit, sondern aus Überfluss an Trägheit und Ersparnis der Überlegung. Soll ich Euch den Beweis darüber führen? Nun, so hört mir aufmerksam zu, und Ihr werdet sehen, wie ich, indem man eine Hand umwendet, alle Eure Schwierigkeit hebe, allen Mangel, von dem Ihr sprecht, ersetze, der Euch so verwirrt und beängstigt, weshalb Ihr sogar der Welt nicht Euren berühmten Don Quixote schenken wollt, das Licht und den Spiegel der ganzen irrenden Ritterschaft.«
Vorlage S. 8
14
»Nun so sagt doch«, erwiderte ich, ihm aufmerksam zuhörend, »wie wollt Ihr die Leere meiner Furcht ausfüllen und das Chaos meiner Verwirrung in lichte Ordnung bringen?«
Vorlage S. 8
15
Worauf er antwortete: »Zuerst, woran Ihr Euch stoßt, was die Sonette, Epigramme oder Lobgedichte betrifft, die vor Eurem Buche fehlen und die von würdigen, angesehenen Leuten sein müssen, so macht sich dies bald, denn Ihr dürft Euch nur selbst einige Mühe geben, sie zu schreiben und sie nachher zu taufen, und Namen vorsetzen, welche Ihr nur immer wollt, sie dem Priester Johann von Indien zuschieben oder dem Kaiser von Trapezunt, von denen ich weiß, dass sie als berühmte Poeten bekannt waren; und sind sie es auch nicht gewesen und kömmt irgendein Pedant oder Baccalaureus, die Euch deshalb von hinten anfallen und die Wahrheit bezweifeln wollen, so achtet dies keinen Groschen wert, denn wenn sie Euch selbst der Lüge überführen können, so dürfen sie Euch doch die Hand nicht abhauen, womit Ihr es geschrieben habt.
Vorlage S. 8
16
In Ansehung der Bücher und Autoren, die Ihr auf dem Rande zitieren wollt und aus denen Ihr Sentenzen und Phrasen nehmen dürftet, welche in Eurer Geschichte vorkommen, so ist nichts weiter nötig, als dass Euch gerade recht einige Sentenzen oder lateinische Brocken kommen, die Ihr auswendig wisst oder die Euch wenigstens nicht viele Mühe machen, sie aufzusuchen, wie zum Beispiel, wenn Ihr von Freiheit oder Sklaverei sprecht:
Vorlage S. 8
17
Non bene pro toto libertas venditur auro,
Vorlage S. 8
18
gleich nennt Ihr auf dem Rande den Horatius, oder wer es sonst gesagt hat; sprecht Ihr von der Macht des Todes, so besinnt Euch nur geschwinde auf das:
Vorlage S. 8
19
Pallida mors aequo pulsat pede
Vorlage S. 8
20
Pauperum tabernas regumque turres.
Vorlage S. 8
21
Sprecht Ihr von der Freundschaft und Liebe, die Gott auch gegen den Feind befiehlt, so dürft Ihr nur gleich in die Heilige Schrift einbrechen, wo Ihr sogar mit der pünktlichsten Genauigkeit das Wort Gottes selbst gebrauchen könnt:
Vorlage S. 8
Historische Illustration zu Don Quijote
Kontextbild zum Werk. Historische Illustration zu „Don Quijote“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Miguel de Cervantes Saavedra · Public domain Bildquelle ↗
22
Ego autem dico vobis: diligite inimicos vestros.
Vorlage S. 8
23
Handelt Ihr von schlechten Gedanken, so kommt mit dem Evangelium: ›De corde exeunt cogitationes malae‹; von der Unzuverlässigkeit der Freunde, seht da den Cato, der Euch sein Distichon anbietet:
Vorlage S. 8
24
Donec eris felix, multos numerabis amicos,
Vorlage S. 9
25
Tempora si fuerint nubila solus eris,
Vorlage S. 9
26
und mit diesen lateinischen Sprüchen und ähnlichen halten sie Euch schon für einen Grammatiker, welches in unsern Tagen etwas Ansehnliches und Treffliches ist.
Vorlage S. 9
27
Was aber die Anmerkungen am Ende des Buches betrifft, so dürft Ihr es nur ganz dreiste so machen. Nennt Ihr irgendeinen Riesen in Eurem Buche, so lasst es den Riesen Goliat sein, und bloß mit diesem, der Euch doch so gut wie gar keine Unkosten macht, könnt Ihr schon eine große Anmerkung ausfüllen, denn Ihr dürft nur schreiben: Dieser Riese Goliat oder Goliath war ein Philister, den der Schäfer Daniel mit einem Steinwurf im Tale Terebintus tötete, wie es im Buche der Könige erzählt wird, in demselben Kapitel, welches davon handelt.
Vorlage S. 9
28
Nach diesem, um Euch als ein Mann zu zeigen, der auch in den humanen Wissenschaften und der Kosmographie erfahren ist, richtet es ein, dass in Eurer Geschichte der Fluss Tajo genannt wird, und gleich ist für Euch eine neue, ausbündige Anmerkung da: Der Fluss Tajo führt seinen Namen von einem Könige von Spanien, er entspringt da und da und ergießt sich in den Ozean, indem er vorher die Mauern der berühmten Stadt Lissabon küsst, auch meint man, dass er Goldsand mit sich führe, usw. ... Sprecht Ihr von Räubern, so will ich Euch die Geschichte des Cacus schenken, die ich auswendig weiß; wenn von unzüchtigen Weibern, so gibt es ja den Bischof von Mondoñedo, der Euch die Lamia, Laïs und Floria liefert, deren Anführung Euch in ziemliches Ansehen setzen wird; wenn von grausamen, so bietet Euch Ovidius die Medea an; wenn von Zauberinnen und Hexen, so hat Homerus die Kalypso und Virgilius die Circe; wenn von tapfern Feldherren, so gibt Julius Caesar sich Euch selbst in seinen ›Kommentarien‹, und Plutarch gibt Euch tausend Alexander; wenn Ihr von Liebe sprecht, so trefft Ihr, wenn Ihr nur ein Quentchen Italienisch wisst, auf den Leo Hebraeus, der Euch das Maß häuft, und wollt Ihr nicht deshalb in fremde Länder wandern, so habt Ihr ja den Fonseca ›Von der Liebe Gottes‹ zu Hause, wo Ihr und der Scharfsinnigste so viel über diese Materie finden wird, als sein Herz nur wünscht. Kurz, Ihr braucht nichts weiter zu tun, als diese Namen zu nennen oder diese Geschichten, die ich soeben genannt habe, in die Eurige aufzunehmen, und dann lasst mich nur für die Bemerkungen und Anmerkungen sorgen, denn ich schwöre Euch, dass ich den ganzen Rand vollschreiben und wohl vier Bogen am Ende des Buches verderben will.
Vorlage S. 9
29
Lasst uns jetzt auf die Zitation der Autoren kommen, die man in andern Büchern findet und die in dem Eurigen fehlen. Diesem abzuhelfen, gibt es ein sehr bequemes Mittel, denn Ihr braucht nur eins von den Büchern zu nehmen, in denen sie alle von A bis Z zitiert sind; denn dieses nämliche Alphabet müsst Ihr Eurem Buche einverleiben; sieht man auch die Lüge ganz deutlich, so tut Euch das nichts, da Ihr alle diese Autoren nicht braucht; und vielleicht ist doch einer oder der andre so einfältig, dass er glaubt, Ihr hättet sie wirklich alle bei Eurer einfachen, schlichten Erzählung genützt; und wenn dies auch zu weiter nichts dient, so wird jenes weitläufige Verzeichnis von Autoren wenigstens dazu dienen, dem Buche eine plötzliche Autorität zu verschaffen, um so mehr, da sich niemand die Mühe geben wird, zu untersuchen, ob Ihr ihnen gefolgt seid oder nicht, da dies nichts zur Sache tut; da vorzüglich, wenn ich es anders recht begreife, dieses eine Buch gar nichts von denen Dingen bedarf, die, wie Ihr sagt, ihm mangeln, denn das ganze Buch ist gegen die Ritterbücher gerichtet, die Aristoteles nicht kannte, die der heilige Basilius nicht erwähnt und Cicero niemals anführt; auch gehören in die Erzählung seiner erdichteten Torheiten nicht die Pünktlichkeiten der Wahrheit noch die Beobachtungen der Astrologie, auch sind hier keine geometrischen Messungen von Belang noch die Widerlegung der Argumente, deren sich die Rhetorik bedient; auch soll keinem eine Predigt gehalten werden, indem das Weltliche mit dem Göttlichen vermischt wird, eine Art von Mischung, mit welcher sich kein christlicher Verfasser schmücken sollte, sondern es soll nur die Nachahmung dessen erreichen, was es beschreiben will, und um so vollendeter diese ist, um so vollendeter wird das Beschriebene sein; und da diese Eure Schriftstellerei zum Hauptzwecke hat, das Ansehen zu vernichten, in dem bei der Welt und dem Haufen die Ritterbücher stehen, so habt Ihr auch nicht nötig, den Philosophen Sentenzen, dem Worte Gottes Lehren, den Poeten Fabeln, den Rhetorikern Reden und den Heiligen Wunder abzubetteln; sondern Euer Augenmerk ist, Eure Erzählung in einem einfachen, ausdrucksvollen, edlen und geziemenden Stil zu verfassen, dass Eure Perioden sich wohlklingend und anständig fortbewegen und dass Ihr nach Eurer Absicht alles deutlich darstellt, ohne Eure Ideen durch Spitzfindigkeit oder Dunkelheit zu verwirren. Bewirkt, dass beim Lesen Eures Buches der Melancholische zum Lachen bewegt, der Lacher noch aufgeräumter werde, dass der Einfältige sich ergötze und der Verständige die Erfindung bewundere, dass der Ernste sie nicht verwerfe und der Klügere sie nicht verachte. Kurz, richtet Euer Augenmerk dahin, das schlecht gegründete Gebäude dieser Ritterbücher zu zerstören, die von so vielen gehaßt und von noch mehrern gerühmt werden; denn wenn Euch dies gelingt, so ist Euch nichts Kleines gelungen.«
Vorlage S. 9
30
Mit andächtigem Stillschweigen hörte ich, was mein Freund mir sagte, und seine Gedanken waren mir so einleuchtend, dass ich sie alle, ohne mit ihm zu disputieren, billigte, ja mir selbst vornahm, aus ihnen diesen Prolog zu bilden, in welchem du nun, freundlicher Leser, den Verstand meines Freundes siehst, mein Glück, ihn zu einer Zeit zu finden, da mir guter Rat so nötig war, und deinen Trost, so wahrhaft und ohne Umänderungen die Geschichte des berühmten Don Quixote von la Mancha zu erhalten, der, wie alle Einwohner auf dem Gefilde Montiel behaupten, der keuscheste Verliebte sowie der tapferste Ritter gewesen ist, den man wohl seit vielen Jahren in jenen Gegenden gesehen hat. Ich will dir den Dienst nicht sehr hoch anrechnen, den ich dir damit erweise, dass ich dich mit einem so merkwürdigen und ehrenvollen Ritter bekannt mache; aber das verlange ich von dir, dass du mir für die Bekanntschaft seines berühmten Stallmeisters Sancho Pansa danken sollst, in welchem ich alle stallmeisterliche Lieblichkeit, die in den Scharen der unnützen Ritterbücher zerstreut ist, habe vereinigen wollen. Und hiemit Gott befohlen, der mich auch nicht vergessen möge.
Vorlage S. 10
31
Lebe wohl!
Vorlage S. 10

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Ich habe aber unmöglich dem Naturgesetz zuwiderhandeln können, dass jedes Wesen sein …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »sein Freund bist und deine Seele für dich und den […] freien Willen hast, du auch in deinem Hause bist, wo du so unumschränkt herrschest wie der König in seinen Domänen, du auch das gewöhnliche Sprichwort kennst: Unter meinem Mantel trotz ich dem Könige! – welches«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »obgleich« in diesem Textausschnitt? »Auch wird es meinem Buche vor dem Anfange an Sonetten fehlen, wenigstens an solchen Sonetten, die Herzöge, Marquesen, Grafen, Bischöfe, Damen und weltberühmte Poeten zu Verfassern haben; obgleich, wenn ich zwei oder drei geschickte Freunde darum bäte, ich wohl solche bekommen könnte, dass ihnen die«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt enthält ausdrücklich einen Grund oder eine daraus gezogene Folge? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

5. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »deshalb« in diesem Textausschnitt? »irgendein Pedant oder Baccalaureus, die Euch deshalb von hinten anfallen und die Wahrheit bezweifeln wollen, so achtet dies keinen Groschen wert, denn wenn sie Euch selbst der Lüge überführen können, so dürfen sie Euch doch die Hand nicht abhauen, womit Ihr es geschrieben habt«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Ohne Schwur magst du mir glauben, dass ich wünsche, dieses Buch, das Kind meines Geistes, wäre das schönste, lieblichste und verständigste, das man sich nur vorstellen kann.« B: »dass Ihr ebensoweit davon entfernt seid, wie es der Himmel von der Erde ist« C: »es im Buche der Könige erzählt wird, in demselben Kapitel, welches davon handelt«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »genannt wird, und gleich ist für Euch eine neue, ausbündige Anmerkung da: …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Alexander; wenn Ihr von Liebe sprecht, so trefft Ihr, wenn Ihr nur ein Quentchen […] wisst, auf den Leo Hebraeus, der Euch das Maß häuft, und wollt Ihr nicht deshalb in fremde Länder wandern, so habt Ihr ja den Fonseca ›Von der Liebe Gottes‹ zu«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

9. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Erzählung seiner erdichteten Torheiten nicht die […] der Wahrheit noch die Beobachtungen der Astrologie, auch sind hier keine geometrischen Messungen von Belang noch die Widerlegung der Argumente, deren sich die Rhetorik bedient; auch soll keinem eine Predigt gehalten werden, indem das Weltliche mit dem Göttlichen«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Mit andächtigem Stillschweigen hörte ich, was mein Freund mir sagte, und seine …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »Exzellenz Ihre helle Einsicht auf meine gute Absicht richten, so werden Sie, wie ich hoffe, die Geringfügigkeit eines so unbedeutenden Dienstes nicht verschmähen.«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.

Impulse zur Selbstprüfung

Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.

  • Situation oder Gedanke verständlich erklärt
  • Mindestens ein passender Textbeleg
  • Eigene Formulierungen statt bloßer Abschrift
Textstelle nachlesen ↗

2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »Exzellenz Ihre helle Einsicht auf meine gute Absicht richten, so werden Sie, wie ich hoffe, die Geringfügigkeit eines so unbedeutenden Dienstes nicht verschmähen.« und »damit erweise, dass ich dich mit einem so merkwürdigen und ehrenvollen Ritter«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.

Impulse zur Selbstprüfung

Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.

  • Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
  • Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
  • Deutung und wörtlichen Beleg unterschieden
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »furchtsam bin, auch zu träge, um Autoren mühsam aufzusuchen, die das sagen, was ich wahrlich ohne sie sagen kann«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.

Impulse zur Selbstprüfung

Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.

  • Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
  • Wirkung als begründete Deutung formuliert
  • Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
Textstelle nachlesen ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »von Gibraleon, Grafen von Benalcazar,«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »irgendein Pedant oder Baccalaureus, die Euch deshalb von hinten anfallen und die Wahrheit bezweifeln wollen, so achtet dies keinen Groschen wert, denn wenn sie Euch selbst der Lüge überführen können, so dürfen sie Euch doch die Hand nicht abhauen, womit Ihr es geschrieben habt«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Und hiemit Gott befohlen, der mich auch nicht vergessen möge.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Autor und namentlich belegte Übersetzung sind nach den geprüften Lebensdaten in Deutschland gemeinfrei. TextGrid und www.editura.de stellen Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE bereit.

Don Quijote

Cervantes Saavedra, Miguel de: Leben und Taten des scharfsinnigen Edlen Don Quixote von la Mancha. 2 Bände, übers. v. Ludwig Tieck, Berlin: Rütten & Loening, 1966. Cervantes Saavedra, Miguel de 5- Berlin

Das Werk Don Quijote von Cervantes Saavedra, Miguel de ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; underlying texts public domain per source Lizenz

Originalsprache · Spanisch

Vollständiger Originaltext in der genannten digitalen Project-Gutenberg-Ausgabe. Die genaue historische Druckvorlage ist nicht im Katalog belegt. Wortlaut, Rechtschreibung und Interpunktion dieser Quelle bleiben erhalten; HTML-Layout wird in Lesetext übertragen. Unterschiedliche Ausgaben und Übersetzungen können abweichende Kapitelteilungen haben. Keine Behauptung einer Erstfassung oder Absatzparität.

Cervantes Saavedra, Miguel de: Don Quijote. Project Gutenberg eBook 2000.

Autorschaft und Ausgabe: Cervantes Saavedra, Miguel de

Originaltext und Ausgabe ↗ · Project Gutenberg · Lizenz und Nutzungsbedingungen

Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.