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Buch - Die Schlüssel des Himmelreichs - Strindberg, August

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Deutsche Übersetzung · Lesefassung

Die Schlüssel des Himmelreichs

Strindberg, August · 1917

Ein Schmied sucht nach dem Tod seiner Familie den Weg ins Himmelreich. Sankt Peter, ein rätselhafter Arzt und Figuren aus Märchen und Weltliteratur begleiten eine satirische Reise durch Macht, Glauben und die Suche nach einem menschenwürdigen Leben.

DramaKlasse 7–8 · 9–10 · 11–136 Abschnitte
Porträt von August Johan Strindberg
Porträt von August Johan Strindberg — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · August Strindberg · Public domain Bildquelle ↗

Deutsche Übersetzung: Prager, Mathilde

Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache, Gewalt, soziale und religiöse Vorurteile und zeitgebundene Wertvorstellungen gemeinsam einordnen.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Deutsch · Abschnitt 2 von 6

Erster Akt

1
Erster Akt
2
(Kammer hinter der Schmiede, von der letzteren durch eine Bretterwand, in deren Mitte sich eine große Öffnung befindet, getrennt. Hierdurch sieht man die Schmiede, die zugleich Verkaufsladen ist und nach der Straße zu ein großes offenes Fenster hat. — In der Mitte der Kammer ein Ambos mit Schlegel. An der linken Wand drei leerstehende Kinderbettchen. Spielsachen auf einer nebenbefindlichen Bank; über den Bettlehnen Kinderkleidchen, unter den Bettstellen Kinderschuhe. An der rechten Wand ein Kachelofen aus grünen Kacheln mit einer eingemauerten Bank. — An den Wänden gewebte Bilder, Darstellungen aus der biblischen Geschichte, des Ganges nach Golgatha, der Höllenfahrt Christi. Auf dem Getäfel Krüge, Kannen, Silber- und Zinngefäße. Draußen in der Schmiede ein langer, die Mitte einnehmender Tisch mit Eisenwaren, Werkzeugen, Blechschilden, Schlüsseln, Schlössern, Waffen, Rüstungen. Die Zugstange des Blasebalgs hängt rechts an der Zwischenwand hervor. — Durch das im Hintergrund befindliche offene Fenster der Schmiede wird eine Straße im mittelalterlichen Stile sichtbar.)
3
Erste Szene
4
Der Arzt. Der Schmied. Sankt Peter.
5
(Der Arzt, schwarz gekleidet, in Doktorstracht, sitzt unbeweglich auf der Bank am Kachelofen, so dass er dem Zuschauer den Rücken zuwendet. Der Schmied in Trauerkleidern tritt aufgeregt und verweint beim Aufgehen des Vorhangs ein.)
6
Der Schmied
7
Was half mir deine Kunst, du Wunderdoktor?
Was nützten wohl Mixtur und Balsam,
Da nun die Pest mein Haus verödet?
Was liest du unaufhörlich, schwarzer Meister,
Von Säuren und von Salzen,
Von Theriak und des Weisen Stein,
Der in dem Magen eines Krebses sitzt?
Kannst du in meine Kinder Leben lesen,
Die jüngst sie senkten in die schwarze Erde?
Ich kam zu spät zum letzten Scheidekuß,
Zu spät, sie zu der Grube zu geleiten,
Darein, was lieb uns war und teuer,
Vergraben wird und fault zum Schmutz. —
O, du mein Gott! Nun ist die Stube leer,
Und leer sind auch die kleinen Betten!
Sieh, hier lag Katharina! Ach, sie war mein Ältstes!
Sieh hier den Abdruck ihres schönen Köpfchens
Im Kissenüberzug . . . .
Sie war mein Freund, seit Mutter starb, —
Und ich war ihrer!
Und Mutter ward sie den Geschwistern.
So klug, so zärtlich und so ernst . . . .
Sie kam zur Welt in unsern allertrübsten Zeiten
Und brachte mit das Glück,
Und Wohlstand, reichen Segen unserm Haus.
Gesegnet sei dein Angedenken, Engel! —
8
Und hier mein Margarethel!
Du frische Rose voller Duft,
Du kleiner Vogel, der mit frohem Zwitschern
Das Haus erheitert, der Geschwister Kreis!
Mit offner Hand und offnem Herzen,
Wie war dir’s Geben Lust!
Da steht dein kleiner Schuh!
Den Heller leg’ ich dir hinein —
Dass, wenn du aufwachst . . . Wenn du aufwachst? Wenn? —
Ja, dies der Schuh, doch wo das Füßchen,
Das kleine runde Füßchen, —
Das kaum berührt den Blumenanger,
Das eine Emse nicht zertrat, —
Ohn’ dass ein leises „Gott verzeih“
Von leicht gerührtem Herzen Zeugnis gab?
Du kleiner Schuh . . . .
Schlaf süß, mein liebes, liebes Margarethel!
9
Und du, mein Sohn, mein Schmerzens-Kind,
Doch meiner Sorgen nicht!
Mein Benjamin,
Der Mutter Bild war mir zurückgegeben,
Wenn aus der Wiege deine großen, hellen Augen
Mich, wie dereinst die ihren, angelacht.
Ich hatt’ dich lieb! Wie lieb, das kann
Ich gar nicht sagen. Doch weiß ich eins,
Als du mir starbst, starb ich. —
Dein kleiner, zarter Leib
Barg einen männlich starken Willen!
Dein schönes blondes Köpfchen,
So reich an mächtiger Gedanken Keim,
Ließ dir zu Spielen niemals irgend Ruh.
Und in der schwachen Brust ein edles Herz dir klopfte,
Dass du dich strafen ließest für die Schwestern. —
Denk, schwarzer Doktor, dir,
Er nahm der andern Schuld auf sich —
Dem Jesuskinde war er gleich:
Sein liebstes Spielzeug war das kleine Lämmchen,
Das Lämmchen, sieh, so unschuldsweiß!
Das sollte schlafen ihm im Arm,
Es sollt’ ihm fressen aus der Hand! . . . .
Mein kleines, weißes Lamm, leb wohl,
Leb wohl, mein Liebling, mein Johannes!
10
(Lässt sich am Bette des Kindes nieder.)
11
Der Arzt (aufstehend)
12
Hat, armer Freund, der Schmerz nun ausgetobt?
13
Der Schmied
14
Wo gab’s ein Ende solchen Grams,
Arzneien wo?
Ja, gib mir meine Kinder wieder, und ich bin geheilt!
15
Der Arzt
16
Hör mich und nimm Vernunft zu Hilfe!
Nicht immer heilt man Gleiches nur mit Gleichem,
Brandwunden linderst du mit kühler Salbe:
Du weißt, die des Gesichts entraten,
Sie helfen sich mit Ohr und Hand;
Und bald, als deine Frau dir starb,
Vergaßest du sie um die Kinder.
17
Der Schmied
18
Und nun sind auch die Kinder mir gestorben!
19
Der Arzt
20
So höre doch! Kann ich zum Leben wecken,
Die von uns schieden?
Ich kannte deine Kinder, habe nie
So liebe Kleinen noch gesehen.
Und dass sie dich geliebt, das weiß ich,
In Leidensstunden sah ich sie
Und hörte, wie sie Vater riefen.
Mit Tränen in der Stimme! Väterchen,
Komm, Vater! Komm! Wir sterben.
21
Der Schmied
22
Ach! Nach dem Vater riefen sie!
Was weißt du noch? So sprich . . .!
Sie litten schwer? Wie sahn sie aus?
Wer war am tapfersten?
Berichte alles! Auch das Kleinste
Ruf ins Gedächtnis dir zum Leben!
23
Der Arzt
24
Zuletzt, im Fieber, dem Ersticken nah — — —
25
Der Schmied
26
Halt ein, zum Satan! Sie erstickten!
O Gott! Der du sie mir erstickt,
Ich hasse dich!
27
Der Arzt
28
Bedeckten sie mit Küssen meine Hand
Und nannten Vater mich — — —
Zum erstenmal hört’ ich mich Vater rufen,
Und als ich fühlte ihre heißen Lippen
Auf meiner harten Hand, die schnitt in Menschenfleisch,
Empfand ich deine Seligkeit, dein Wehe . . .
29
Der Schmied
30
Du bist ein Mann von Herz, du Doktor!
31
Der Arzt
32
So ziemlich, ja!
Indessen kam ich da auf den Gedanken —
Und denken ist ja meine stille Seite —
So dacht’ ich denn:
Wie schön der Tod ist in der Jugend,
Bevor des Lebens Bosheit uns verderbte.
33
Der Schmied
34
Ein altes Wort, und wohl so unwahr nicht.
35
Der Arzt
36
Du bist ein Mann von Kopf, du Schmied!
37
Der Schmied
38
So ziemlich, ja!
39
Der Arzt
40
Doch sollst ein lust’ger Kerl du von Natur
Auch sein. So spricht man in der Zunft.
41
Der Schmied
42
Ich war’s. Doch bin ich es nicht mehr.
Nun ist mein Frohsinn hin.
Der Baum, dem seine Wurzeln abgestorben,
Der welket ab!
43
Der Arzt
44
Doch setzt die Zweige man ins Wasser, schlägt er neue Wurzeln.
Ich hab’ mir auch erzählen lassen
Von deinem Wissensdrang und Weisheitsdurst,
Und dass du mehr von deinem Fach verstehst als andre.
45
Der Schmied
46
Man sagt’s. Und wahr ist’s ohne Prahlerei,
Wenn in den Krug die andern gingen,
Saß bei den Kindern ich und lernte lesen.
Und als ich’s selbst verstand, da lehrt’ ich es die Großen,
Mein Käthchen . . .
47
Der Arzt
48
Was aber lasest du am liebsten?
49
Der Schmied
50
Von Höfen, Fürsten, Schloß und Burgen,
Der Großen Streit, von Heer und Feldschlacht,
Von alten Zeiten, längst entschwund’nen Tagen;
Kabalen, Diplomaten, Glaubensstiftern,
Von fremden Ländern, Türken, Persern,
Kreuzfahrern und den Sarazenen,
Und seltsam war’s: je mehr ich las,
Je mehr wuchs mein Verlangen nach dem Wissen.
51
Der Arzt
52
Du sehntest dich nie, fortzukommen, nie zu reisen?
53
Der Schmied
54
Oh, reisen! Ja! Die große, weite Welt zu sehen,
Nicht nach dem Hörensagen bloß von ihr zu reden!
Wer träumt ihn nicht, den Jugendtraum,
Wer hegte nicht die Jugendhoffnung?
55
(Während der vorhergehenden und nächstfolgenden Szene verschwinden zuerst die Kinderschuhe, dann die Spielsachen, hierauf die Kleider. All dies aber nach und nach.)
56
Der Arzt
57
So sollst du reisen!
58
Der Schmied
59
Was sagst du da? —
Mit wem? Wieso?
60
Der Arzt
61
Mit mir!
62
Der Schmied
63
Wohl hörte ich, dass einst in früher Zeit
Der Herr auf Erden sei umhergewandert,
Die Menschenkinder zu beglücken!
Doch dass in unsern Tagen
Der Volksaufklärung und der Ketzerei
Noch solch ein Wunderwerk geschehen könnte,
Das hätt’ ich, Doktor, nimmermehr geglaubt!
64
Der Arzt
65
Ja, Wunder kannst du alle Tage schauen,
Bis an der Welten Ende!
Wenn du das Meer siehst an die Wolken steigen,
Und Wolken sich zur Erde senken, —
Und wenn dem Samen in der Erd’ entsprießt die Pflanze,
Der Blitz den Baum zerschellt, das Eis die Sonne schmilzt,
Wenn Worte spricht der Mund, das Hirn Gedanken denkt,
Geschehen Wunderwerke noch und alle Tage.
66
Der Schmied
67
Sag, kannst du zaubern, Doktor?
68
Der Arzt
69
Ja, ich so gut wie du!
Siehst du ein Weib, so hässlich wie die Sünde,
So faul wie Jauche, scharf wie Gift,
Und du erschaust in ihr die schöne,
Die gute, engelsgleiche, reine,
So zauberst du!
Als eben jetzt aus der Erinn’rung Tiefen
Du auferweckt die toten Kleinen,
Und du sie deutlich eins vom andern schiedest,
Dass meinem Auge leibhaft sie erschienen,
Dass ich sie sah und ihre Stimmen hörte,
Da wecktest du die Toten auf,
Da konntest du auch zaubern!
70
(Er zieht einen Totenschädel aus der Tasche)
71
Sieh hier die Zauberbüchse, die Natur uns gab,
In dieser Kapsel lag vor kurzem noch,
Grauweißlich, eine Masse phosphorhalt’gen Fetts!
Durch diese runden Höhlen drangen
Hinein des Lichtes Wellen,
Durch diese die des Lautes,
Da des Geruchs und des Geschmacks.
Und wenn sie sich im Innern trafen,
Zurück ließ jeder seinen Abdruck,
Bei manchem stärker und bei andern schwächer,
Gesammelt so, vereint, geschieden,
Befruchtend wirken sie und zeugend.
Da hast du nun die ganze Denkmechanik,
Zwar stark verkürzt, doch nach dem Wunsch des Publikums.
72
(Die Betten der Kinder verschwinden.)
73
(Sankt Peter kommt zwischen dem Kachelofen und der Wand hervor. Er ist hochbetagt und hat einen stark ergrauten Bart. Kostüm und Maske entsprechen der biblischen Tradition. Die Linke hält einen Fisch, am Gürtel hängt ein leerer Schlüsselring.)
74
Zweite Szene
75
Der Schmied. Der Arzt. Sankt Peter.
76
Der Arzt
77
Sieh da, am Freitag abend einen Kunden.
78
Der Schmied
79
Doch welchen Weg nahm er?
80
Der Arzt
81
Den schmalen.
82
Der Schmied
83
Verkauft er Fische?
84
St. Peter (mürrisch)
85
Das ist kein Fisch! Das ist ein Symbol!
86
Der Arzt
87
Das merkt man am Geruch, dass er zur Symbolik gehört.
88
St. Peter
89
Ich bitte Euch, sprecht wie ein ehrlicher Mensch, damit ich verstehen kann, was Ihr sagt.
90
Der Arzt
91
Euch führt wohl ein besonderes Geschäft hierher, da Ihr den Zugang durch den Kachelofen wähltet. Was immer es sei, macht’s kurz, denn der Schmied und ich, wir stehen im Begriff auf Reisen zu gehen.
92
St. Peter
93
Mein Geschäft? . . . Wartet ein wenig! Ja ja! Mein Gedächtnis lässt mich im Stich, seitdem ich alt geworden bin.
94
Der Arzt
95
Ihr seht in der Tat nicht jugendlich aus, aber wie alt Ihr seid, dessen erinnert Ihr Euch doch wohl?
96
St. Peter
97
Lasst mich mal nachdenken. Wann habe ich denn die Taufe empfangen?
98
Der Arzt
99
Ihr seid getauft?
100
St. Peter (indigniert)
101
Ob — ich — getauft — bin?
102
Der Arzt
103
Mich wollte, der Nase nach, bedünken, dass Ihr beschnitten aussähet. Konfirmiert seid Ihr auch?
104
St. Peter
105
Was ist denn das? Davon weiß ich nichts.
106
Der Arzt
107
Seid Ihr etwa zum Priester geweiht?
108
St. Peter.
109
Das nicht, aber verheiratet war ich. — Wie hieß sie doch nur? Konstantia nannten sie die Kirchenväter, allein sie führte den Namen Perpetua, ihrer unerschöpflichen Ausdauer wegen.
110
Der Arzt
111
Hört, Ihr seid doch nicht . . .? Ist nicht etwa Euer Name Petrus oder dergleichen?
112
St. Peter
113
Damit hat es seine Richtigkeit, obgleich ich mich, so auf der Fußwanderung begriffen, nur des familiäreren St. Peter bediene.
114
Der Schmied
115
Das klingt ja wie aus dem Legendenbuch, wo Petrus auch auf Erden wandelt.
116
Wie oft nicht las am warmen Winterherd
Ich meinen Kindern diese Märe vor.
117
Der Arzt
118
Geh, schwätz’ nicht, Schmied! Sieh lieber, dass du deinen Ranzen packst!
119
Der Schmied
120
Apostel, Heil’ger, der du weckst die Toten,
Gib meine Kinder mir zurück!
121
St. Peter
122
Ich war meiner Treu kein Heiliger und kann auch nicht Tote auferwecken. Wenn Ihr Eure Kinder verloren habt, so müsst Ihr Euch in Geduld fassen. Oben im Himmel, da treffen wir uns ja alle wieder.
123
Der Schmied
124
Alle?
125
St. Peter
126
Alle. (Salbungsvoll.) Denn die Macht der Hölle ist niedergeworfen durch ihn, der in die Welt kam, das Gesetz aufzuheben, oder wie der Apostel spricht: Du Tod, wo ist dein Stachel, du Hölle, wo ist dein Sieg? Ja, so verhält es sich! Doch, was wollte ich nur eigentlich sagen?
127
Der Arzt
128
Dem betrübten Vater ein Wort des Trostes?
129
St. Peter
130
Ein Wort des Trostes, jawohl. Danach verlangen sie alle. Von einem Mahnwort aber will niemand wissen. Weißt du, weshalb der Herr gegeben und genommen? Um deiner Selbstsucht, deiner Sünde willen.
131
Der Arzt
132
Der Schmied war kein selbstsüchtiger Mann und sündigte weniger als andere, die ihre Kinder behalten.
133
St. Peter
134
Ja, seht, wie soll ich das beurteilen können?
135
Der Arzt.
136
Nun, dann lasst aber auch das Verurteilen sein!
137
St. Peter
138
Und an einem Trostwort lasse ich es niemals fehlen. (Er zieht ein Bündel Traktätchen aus der Tasche, von denen er dem Schmied eins reicht.) Ist’s gefällig? Es kostet nichts.
139
Der Arzt
140
Und bittet er um Brot, so erhält er einen Stein! Bist du mit dem Einpacken nun fertig, Schmied?
141
St. Peter
142
Alle Wetter! Den Schmied, den suche ich ja gerade!
143
Der Schmied
144
Jetzt haben wir keine Zeit, uns länger aufzuhalten!
145
St. Peter
146
Nur einen Augenblick! Seht, die Sache ist die — aber Ihr werdet am Ende glauben, dass ich Euch etwas vorlüge!
147
Der Arzt
148
Allerdings!
149
St. Peter
150
Im Grunde weiß ich selbst nicht recht, ob etwas Wahres dran ist, allein man sagt es nun einmal. Es heißt auf Erden, ich gäbe so eine Art Torwart des Himmelreiches ab, und jedenfalls kann ich mich aus der Zeit, da ich vor dem Kölner Dom stand, recht wohl erinnern, in dieser Hand einen Schlüssel gehalten zu haben — den Fisch, den hielt ich stets in dieser hier — jetzt aber ist der Schlüssel fort — man mag sich doch sozusagen gerne komplett sehen. Mit einem Wort, Herr Schmied, verachtet mich, aber macht mir einen Schlüssel.
151
Der Arzt
152
Das nenne ich mir eine vornehme Bestellung, wie, Schmied?
153
Der Schmied
154
Einen Schlüssel zum Himmelreich soll ich verfertigen? Das ist doch ein bisschen viel von einem Schmied begehrt.
155
St. Peter
156
Das ist allerdings nicht zu leugnen. So aber stehen nun einmal die Dinge. Und soll nicht einer dem andern helfen?
157
Der Schmied
158
Und wenn ich’s nun tue? Was bekomme ich dann?
159
St. Peter
160
Bekommen? Alles!
161
Der Schmied
162
Wie freigebig! Was ist das: alles?
163
St. Peter
164
Vergebung der Sünden!
165
Der Schmied
166
Ich habe nie gesündigt!
167
St. Peter
Porträt von August Johan Strindberg
Kontextbild zum Werk. Porträt von August Johan Strindberg — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · August Strindberg · Public domain Bildquelle ↗
168
Unverschämt!
169
Der Schmied
170
Gewiss nicht! Ich hatte niemals andere Götter, habe nie am Sabbat gearbeitet, nie gestohlen, nie gelogen (mit geringen Ausnahmen natürlich), habe nie gemordet, bin nie unehrerbietig gewesen gegen meine Eltern, nie liederlich, (ja, ein wenig getrunken hab’ ich hie und da) — — — — mit einem Wort, ich war immer ein ganz honetter Mensch. Um aber doch noch ein übriges zu tun, sollst du deinen Schlüssel haben! Wo hast du das Schloß?
171
St. Peter
172
Das Schloß?
173
Der Schmied
174
Ja freilich. Muss doch Maß nehmen!
175
St. Peter
176
Das Schloß ist selbstverständlich an der Pforte.
177
Der Schmied
178
So hast du etwa die Pforte mit?
179
St. Peter (sinnt nach)
180
Die Pforte wird sich wohl am Himmelreich befinden.
181
Der Arzt
182
Und das Himmelreich? Wo hast du das?
183
St. Peter (spitz)
184
Das wissen allein die Armen im Geiste, Herr Doktor!
185
Der Arzt
186
Wahrhaftig, du siehst so geistesarm aus, dass du es wissen müsstest.
187
St. Peter
188
Nun ja, jetzt, in meinem hohen Alter. Aber ich hatte auch eine Zeit . . .
189
Der Arzt
190
Das ist hübsch lange her! — Willst du uns den Weg weisen, so schließen wir uns dir an.
191
St. Peter
192
Der Weg ist schmal, aber die Pforte weit . . . . .
193
Der Arzt
194
Nein, du! Richtig zitieren ist nicht deine Sache!
195
(Zum Schmied)
196
Der Alte, glaub ich’, ist schon dekrepit!
Die Sprache ist so simpel, riecht nach Schimmel,
Auch lässt ihn das Gedächtnis oft im Stich.
Kaum weiß er recht mehr über sich Bescheid.
Sieht bald in sich — sich selbst, bald einen Schatten,
Vermischt Geschichte, Bibel, Sagen,
Er lebt um tausend Jahr zu lange,
Und morsch sind der Erinnrung Speicher worden.
197
Der Schmied
198
Schwätz jetzt du nicht, Doktor, und machen wir uns auf den Weg.
199
Der Arzt
200
Sollen wir den Alten wirklich mitnehmen?
201
Der Schmied
202
Es wird sicherlich manchen Spaß geben, ihn ein wenig zu hänseln, und findet er das Himmelreich nicht, was liegt dran? Vielleicht bringen wir ihn auf vernünftigere Gedanken.
203
Der Arzt
204
Ich glaube nicht, dass dieser Pharao-Mumie überhaupt Gedanken beizubringen sind. Allein seine Unerfahrenheit, sein Dünkel und seine Unsauberkeit werden die Annehmlichkeit der Reise erhöhen, denn ich habe mich in schlechter Gesellschaft noch immer wohl befunden.
205
Der Schmied (zu St. Peter)
206
Bist du nun bereit, Apostel?
207
St. Peter
208
Wie beliebt?
209
Der Schmied
210
Da haben wir’s! Taub ist er ja auch!
211
Der Arzt
212
Zum letzten Male, Schmied, bist du gerüstet,
Die Fahrt ins Leben zu beginnen?
Mach deine Rechnung mit dem Alten
Und wende dich nicht rückwärts, wenn einmal
Die Hand du an den Pflug gesetzt.
213
(Er bläst in ein Pfeifchen, die Dekoration verwandelt sich. Ein Vorhang wird vor die Öffnung zwischen Kammer und Schmiede herabgelassen, so dass die Verwandlung dahinter vor sich gehen kann, der Ofen tritt in die Wand zurück usw.)
214
Der Schmied
215
Was ist das? Hebt die Erde sich
Aus ihren Angeln? Weh! Der Boden zittert.
Nach beiden Seiten weicht die Wand!
Ich glaubt, es birst die Decke!!
Oh, meine Kinder!
216
Der Arzt
217
Du weißt, hier sind sie doch nicht mehr!
Und wenn du je sie wiedersiehst,
So ist es sicher nicht mehr hier.
Doch trage die Erinnerung an sie mit,
Als Kompaß in des Meeres Sturm,
Als trockne Blum, im Taschenbuche,
Die das Gedächtnis weckt des Besten,
Des Lieblichsten, das uns das Leben beut,
Vielleicht des einzig Guten,
Das Wirklichkeit besitzt.
218
Der Schmied
219
(der die Bettchen der Kinder suchen gegangen war, stellt sich wieder an des Doktors Seite)
220
Wer bist du, Zauberer? Verkehrst du mir den Blick?
221
Der Arzt.
222
Ich bin ein Meister der Magie,
Doch ist die Hexerei natürlich.
Das hier ist bloße Szenerie,
Wenn auch Mechanik, wie gebührlich,
Man aus dem Grunde muss verstehen,
Sonst heißt’s Verwandlung, mag sie vor sich gehen. —
223
Verwandlung
224
(Die Szene stellt einen Wald mit einem mit Wasserblumen bewachsenen See vor.)
225
Narzissus
226
(lehnt an einem Baumstamm und betrachtet sein Bild im Wasser).
227
Tersites
228
(äußerst hässlich, groß und feist, mit schmaler Stirn, verglasten Augen und aufgedunsenen Wangen, sitzt in einem Kahn und wirft Steine ins Wasser, um das Bild des Narzissus zu trüben).
229
St. Peter
230
(späht anfangs nach allen Seiten umher, zieht dann seine Brille aus der Tasche, entdeckt eine Angelrute und setzt sich an das Ufer des Sees, um zu angeln).
231
Dritte Szene
232
Narzissus. St. Peter. Der Arzt. Der Schmied.
233
Der Schmied
234
Den Reiseanfang lob’ ich mir! Im Wald ein Abenteuer!
Just das ist mein Geschmack.
Man hat doch etwas zu erzählen,
Kommt man mit heiler Haut nach Haus.
Doch wer ist jener schöne Jüngling dort,
Der so versunken steht in Träumen?
235
Der Arzt
236
Das ist Narzissus!
237
Der Schmied
238
Narzissus! Ach! Der Narr der Eigenliebe,
Der nimmermüd sein eigen Bild bewundert?
239
Der Arzt
240
So sagt die hässliche Canaille auch,
Die dort im Hinterteil des Bootes
Kot in das klare Wasser wirft!
Sieh nur die kolossale Fleischbank,
Tersites nennt sie sich.
Soll auch dabei gewesen sein im Trojerkriege,
Wo er von allen Helden aus dem Trosse
Der Größte war dem Maul nach und dem Suff.
Und obendrein der hässlichste von allen.
Er hält sich Wunder was für einen Sänger,
Und lässt sich gerne auf den Brettern sehn.
Von seiner Schönheit ist er überzeugt,
Und doch voll Neid Narzissus gegenüber.
Darum auch trübt er des Narzissus Bild
Mit Schmutz, den er aus seinen Nägeln kratzt.
Paß auf, wie bei der kleinsten Schmeichelei
Er schnell bereit vor uns sich produziert —
Tersites, Bester, sing uns etwas vor!
241
Tersites
242
(erhebt sich und macht eine Verbeugung)
243
Mit allerhöchster Freude!
Ich bin nicht diffizil wie andre! Hm!
Und was Natur an mich verschwendet,
Ich geb’s zurück mit vollen Händen.
244
Sänger!
245
(Sechs Frösche steigen aus dem Wasser auf und deklamieren unter Tersites Anführung.)
246
Die Frösche
247
__ ‿ ‿ __ ‿ ‿ __
Koak koak-koak koak koak-koak koak
‿ __ ‿ ‿ __ ‿ ‿ __ ‿
Koak koak koak-koak koak koak-koak koak-koak[1]
248
(Bis)
249
Tersites (singt)
250
Ich bin ein kleiner Vogel,
Der singt den Sommer lang,
Und lernt’ ich auch nicht singen,
Ist doch recht schön mein Sang!
251
(Räuspert sich)
252
Die Frösche (applaudieren)
253
Tersites (singt)
254
Ich bin ein kleines Blümlein
Und dufte rein im Tann’,
Und lernt’ ich auch nicht duften,
So duft’ ich, wie ich kann.
255
(Räuspert sich)
256
Die Frösche (applaudieren)
257
Tersites (singt)
258
Ich bin ein kleiner Falter,
Zu schäkern flieg ich aus,
Und lernt’ ich auch nicht fliegen,
Ich flieg, trotz einem — Strauß.
259
(Er tanzt)
260
[1] __ ‿ ‿ __ ‿ ‿ __ | ‿ __ ‿ ‿ __ ‿ ‿ __ ‿
261
Die Frösche
262
(applaudieren und rezitieren hierauf wie s. 30)
263
Koak koak-koak koak usw.
264
Der Arzt
265
Du singest wie Narzissus selbst!
Und hätte Midas nicht schon ganz verpfuscht das Genre,
So könntest du dich messen mit Apoll!
266
Tersites
267
Ihr seid zu gütig, Doktor,
Und dass ich’s nur gesteh’, ich dachte selbst daran,
Doch hielt die angeborne Schüchternheit
Mich stets davon zurück.
268
Der Arzt
269
Hast du Narzissus nie zum Wettkampf aufgefordert?
Das wär, doch immer ein Triumph, ob auch nicht groß.
270
Tersites
271
Der dünkelhafte Narr!
272
Vierte Szene
273
Die Vorigen. (Eine Oreade der Felsen des Waldes tritt hervor. Um sie scharen sich Dryaden, welche sich hinter Baumstämmen verborgen gehalten, sowie aus dem Wasser tauchende Najaden.)
274
Die Oreade
275
Halt ein! Tersites! Hör’, bevor du redest
Von Dingen, die dir unbegreiflich sind.
Du liest die Sagen wie ein Kind
Und findest alles einfach.
Doch der Gedanke, der dahinter steckt,
Bleibt deinem trüben Blick verdeckt.
So klingt die wahre Sage von Narzissus:
276
(Rezitiert oder singt)
277
So erzählt die Sage von Pan,
278
‿ ‿ __ ‿ __ ‿ ‿ __
279
Dem Gotte des rauschenden Wald’s,
280
‿ __ ‿ ‿ __ ‿ ‿ __
281
Einer Nymphe stellt er einst nach,
282
‿ ‿ __ ‿ __ ‿ ‿ __
283
Die Echo mit Namen genannt.
284
‿ __ ‿ ‿ __ ‿ ‿ __
285
Nicht geneigt war Echo dem Pan,
286
‿ ‿ __ ‿ __ ‿ ‿ __
287
Ihr Herz einem andern gehört;
288
‿ __ ‿ ‿ __ ‿ ‿ __
289
Doch Narzissus, den sie erwählt,
290
‿ ‿ __ ‿ __ ‿ ‿ __
291
Statt Liebe die Weisheit erkor.
292
‿ __ ‿ ‿ __ ‿ ‿ __
293
Gnothi Seauthon! ‿ __ ‿ ‿ __
294
Die Nymphen
295
Das da heißt! Erkenne dich selbst! ‿ ‿ __ | ‿ __ ‿ ‿ __
296
Die Oreade
297
In Gedanken sieh ihn dort stehn:
Er schaut in der Tiefe sein Bild,
Seines Wesens Grund zu erspähn,
Das hinter den Zügen sich birgt.
Doch im Wasser rudert ein Narr,
Im See nur den Spiegel er sieht,
Und er wähnt, der Denker begafft
Sich dort, wo ins Tiefste er blickt.
298
Gnothi Seauthon!
299
Die Nymphen
300
Das da heißt: Erkenne dich selbst!
301
Tersites
302
Gnothi Seauthon![2] Ach! Der Narr,
Damit soll ich vielleicht gemeint sein!
Doch zeigen will ich euch, dass auch der Narr,
Wenn’s sein muss, in die Tiefe blickt,
Obgleich ich, grad’ heraus, dort nichts gewahrt als Schlamm.
303
(Er lehnt sich über den Bootsrand)
304
Die Oreade
305
Das glaub’ ich gern, Tersites,
Doch ist’s, weil du allein die Oberfläche siehst.
306
Tersites (auf der Bootskante)
307
Den Himmel seh’ ich jetzt sich unten spiegeln!
308
Die Oreade
309
Ja, auf der Oberfläche; tiefer blick, Tersites!
310
Tersites
311
(Das Boot schlägt um, und er versinkt)
312
Ich sinke! Weh! Kein Boden unter mir!
313
Die Oreade
314
Das war zu tief für dich!
Und also heißt es jetzo Wasser schlucken.
315
Die Nymphen
316
Gnothi Seauthon!
Das da heißt: Erkenne dich selbst!
317
(Tersites sinkt in die Tiefe. Die Frösche hüpfen ihm nach. Die Nymphen verschwinden in das Dickicht, Narzissus zieht sich in die Höhlung des Baumes zurück. Der See bedeckt sich mit einer Grasmatte, und St. Peter, der ohne auf die sich abspielende Szene zu achten, während der ganzen Zeit erfolglos mit Angeln beschäftigt gewesen, wird schließlich gewahr, dass etwas Ungewöhnliches vorgeht.)
318
[2] Für den Schauspieler: Tersites skandiert falsch, in Jamben.
319
Der Arzt
320
Nun Schmied, was dünkt dich von dem Abenteuer?
321
Der Schmied
322
Gewiss, recht nett und auch sehr instruktiv —
Etwas zu tief wohl auch für mich —
Philosophie ist just nicht meine Stärke.
323
Der Arzt
324
Nein, nein, das geb, ich zu! denn leben erst
Und sehn, hören und sodann summieren,
Den Abzug machen, Wurzel, Mittel suchen,
So spinnt sich ja der Hergang ab.
Nicht eher lernst du dich erkennen,
Als bis im kleinen Finger du das Leben hast,
Also zurück zu Fuß auf neuen Wegen.
Wie steht’s mit unserm Freund Apostel?
Sind seine Rappen schon bereit?
325
St. Peter
326
(der die Angelrute auf die Wiese ausgeworfen)
327
Ich glaube, meiner Seel’, der See ist alle!
328
Der Arzt
329
Du fischest auf dem Trocknen, alter Fischer,
Komm mit und fische Menschen, Petrus.
330
St. Peter
331
Das Wort hab’ ich einmal gehört
Vor vielen, vielen Jahren schon — — —
Wie mir das Alter das Gedächtnis trübt —
Und dennoch wie durch ein Gewölk
Seh’ einen Mann ich licht und mild,
Mit Malen an der Brust, den Händen —
In Büchern las er niemals, sondern wanderte
In Waldeseinsamkeit und auch auf Bergen,
In Dörfern, Städten . . . Da, nun reißt der Faden ab —
Doch immerhin! . . . Kommt, lass uns Menschen fischen, Doktor!
332
(Er wirft die Angelrute weg; sie gehen.)

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Sieh hier den Abdruck …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Mein kleines, weißes Lamm, leb wohl, Leb wohl, mein […], mein Johannes!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »bevor« in diesem Textausschnitt? »Hör’, bevor du redest Von Dingen, die dir unbegreiflich sind.«

Eine Antwort ist richtig.

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4. Welcher Ausschnitt enthält eine ausdrückliche Verneinung oder einen Ausschluss? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Was bedeutet »nimmermehr« in diesem Ausschnitt? »Doch dass in unsern Tagen Der Volksaufklärung und der Ketzerei Noch solch ein Wunderwerk geschehen könnte, Das hätt’ ich, Doktor, nimmermehr geglaubt!«

Eine Antwort ist richtig.

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6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Ich kam zu spät zum letzten Scheidekuß, Zu spät, sie zu der Grube zu geleiten, Darein, was lieb uns war und teuer, Vergraben wird und fault zum Schmutz. — O, du mein Gott!« B: »Man hat doch etwas zu erzählen, Kommt man mit heiler Haut nach Haus.« C: »Ist nicht etwa Euer Name Petrus oder dergleichen?«

Eine Antwort ist richtig.

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7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Es wird sicherlich manchen Spaß geben, ihn ein wenig zu …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »(der die […] der Kinder suchen gegangen war, stellt sich wieder an des Doktors Seite)«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »Obgleich« in diesem Textausschnitt? »Doch zeigen will ich euch, dass auch der Narr, Wenn’s sein muss, in die Tiefe blickt, Obgleich ich, grad’ heraus, dort nichts gewahrt als Schlamm.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Doch im Wasser rudert ein Narr, Im See nur den Spiegel er …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »im Hintergrund befindliche offene Fenster der Schmiede wird eine Straße im mittelalterlichen«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.

Impulse zur Selbstprüfung

Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.

  • Situation oder Gedanke verständlich erklärt
  • Mindestens ein passender Textbeleg
  • Eigene Formulierungen statt bloßer Abschrift
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2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »im Hintergrund befindliche offene Fenster der Schmiede wird eine Straße im mittelalterlichen« und »Doch zeigen will ich euch, dass auch der Narr, Wenn’s sein muss, in die Tiefe blickt, Obgleich ich, grad’ heraus, dort nichts gewahrt als Schlamm.«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.

Impulse zur Selbstprüfung

Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.

  • Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
  • Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
  • Deutung und wörtlichen Beleg unterschieden
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »zu tun, sollst du deinen Schlüssel haben«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.

Impulse zur Selbstprüfung

Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.

  • Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
  • Wirkung als begründete Deutung formuliert
  • Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
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Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »(Kammer hinter der Schmiede, von der letzteren durch eine Bretterwand, in deren Mitte sich eine große Öffnung befindet, getrennt.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
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Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Ja, seht, wie soll ich das beurteilen können?«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
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Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »(Er wirft die Angelrute weg; sie gehen.)«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
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Ausgabe, Herkunft und Rechte

Autoren, benannte historische Übersetzung und übernommene historische Vorworte anhand der GND-Lebensdaten und Titelblätter für Deutschland geprüft; moderne Bilder und Nachbearbeitungen nicht übernommen.

Quellausgabe

Die Schlüssel des Himmelreichs, Leipzig, Kurt Wolff, 1917, Der jüngste Tag 47/48; Project Gutenberg eBook 46817.

Quelltext und Ausgabe ↗ · Underlying authors and named historical translator terms reviewed for Germany; PG US status alone is not the DE rights basis. Lizenz

Originalsprache · Schwedisch

Vollständiger schwedischer Stücktext nach der wissenschaftlichen Ausgabe Samlade Verk (1987) von Litteraturbanken. Ausschließlich der dort ausdrücklich unter CC BY 4.0 freigegebene literarische Text einschließlich Personenverzeichnis und Bühnenanweisungen ist enthalten. Die gesondert geschützten Herausgebereinleitungen, Kommentare und Worterklärungen wurden nicht übernommen. Die 5 Szenen beziehungsweise Akte bleiben vollständig; historische Editionsunterschiede zur deutschen Übersetzung werden nicht als Satzparität ausgegeben.

August Strindberg; literarischer Text der Samlade-Verk-Ausgabe, Stockholms universitet / Litteraturbanken, CC BY 4.0. Text unverändert; Navigation neu gegliedert. Keine Herausgeberkommentare übernommen.

Autorschaft und Ausgabe: Strindberg, August

Originaltext und Ausgabe ↗ · Litteraturbanken · Lizenz und Nutzungsbedingungen

Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.