Ein Schmied sucht nach dem Tod seiner Familie den Weg ins Himmelreich. Sankt Peter, ein rätselhafter Arzt und Figuren aus Märchen und Weltliteratur begleiten eine satirische Reise durch Macht, Glauben und die Suche nach einem menschenwürdigen Leben.
DramaKlasse 7–8 · 9–10 · 11–136 Abschnitte
Porträt von August Johan Strindberg — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · August Strindberg · Public domainBildquelle ↗
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(Kammer hinter der Schmiede, von der letzteren durch eine Bretterwand, in deren Mitte sich eine große Öffnung befindet, getrennt. Hierdurch sieht man die Schmiede, die zugleich Verkaufsladen ist und nach der Straße zu ein großes offenes Fenster hat. — In der Mitte der Kammer ein Ambos mit Schlegel. An der linken Wand drei leerstehende Kinderbettchen. Spielsachen auf einer nebenbefindlichen Bank; über den Bettlehnen Kinderkleidchen, unter den Bettstellen Kinderschuhe. An der rechten Wand ein Kachelofen aus grünen Kacheln mit einer eingemauerten Bank. — An den Wänden gewebte Bilder, Darstellungen aus der biblischen Geschichte, des Ganges nach Golgatha, der Höllenfahrt Christi. Auf dem Getäfel Krüge, Kannen, Silber- und Zinngefäße. Draußen in der Schmiede ein langer, die Mitte einnehmender Tisch mit Eisenwaren, Werkzeugen, Blechschilden, Schlüsseln, Schlössern, Waffen, Rüstungen. Die Zugstange des Blasebalgs hängt rechts an der Zwischenwand hervor. — Durch das im Hintergrund befindliche offene Fenster der Schmiede wird eine Straße im mittelalterlichen Stile sichtbar.)
(Der Arzt, schwarz gekleidet, in Doktorstracht, sitzt unbeweglich auf der Bank am Kachelofen, so dass er dem Zuschauer den Rücken zuwendet. Der Schmied in Trauerkleidern tritt aufgeregt und verweint beim Aufgehen des Vorhangs ein.)
Was half mir deine Kunst, du Wunderdoktor?
Was nützten wohl Mixtur und Balsam,
Da nun die Pest mein Haus verödet?
Was liest du unaufhörlich, schwarzer Meister,
Von Säuren und von Salzen,
Von Theriak und des Weisen Stein,
Der in dem Magen eines Krebses sitzt?
Kannst du in meine Kinder Leben lesen,
Die jüngst sie senkten in die schwarze Erde?
Ich kam zu spät zum letzten Scheidekuß,
Zu spät, sie zu der Grube zu geleiten,
Darein, was lieb uns war und teuer,
Vergraben wird und fault zum Schmutz. —
O, du mein Gott! Nun ist die Stube leer,
Und leer sind auch die kleinen Betten!
Sieh, hier lag Katharina! Ach, sie war mein Ältstes!
Sieh hier den Abdruck ihres schönen Köpfchens
Im Kissenüberzug . . . .
Sie war mein Freund, seit Mutter starb, —
Und ich war ihrer!
Und Mutter ward sie den Geschwistern.
So klug, so zärtlich und so ernst . . . .
Sie kam zur Welt in unsern allertrübsten Zeiten
Und brachte mit das Glück,
Und Wohlstand, reichen Segen unserm Haus.
Gesegnet sei dein Angedenken, Engel! —
Und hier mein Margarethel!
Du frische Rose voller Duft,
Du kleiner Vogel, der mit frohem Zwitschern
Das Haus erheitert, der Geschwister Kreis!
Mit offner Hand und offnem Herzen,
Wie war dir’s Geben Lust!
Da steht dein kleiner Schuh!
Den Heller leg’ ich dir hinein —
Dass, wenn du aufwachst . . . Wenn du aufwachst? Wenn? —
Ja, dies der Schuh, doch wo das Füßchen,
Das kleine runde Füßchen, —
Das kaum berührt den Blumenanger,
Das eine Emse nicht zertrat, —
Ohn’ dass ein leises „Gott verzeih“
Von leicht gerührtem Herzen Zeugnis gab?
Du kleiner Schuh . . . .
Schlaf süß, mein liebes, liebes Margarethel!
Und du, mein Sohn, mein Schmerzens-Kind,
Doch meiner Sorgen nicht!
Mein Benjamin,
Der Mutter Bild war mir zurückgegeben,
Wenn aus der Wiege deine großen, hellen Augen
Mich, wie dereinst die ihren, angelacht.
Ich hatt’ dich lieb! Wie lieb, das kann
Ich gar nicht sagen. Doch weiß ich eins,
Als du mir starbst, starb ich. —
Dein kleiner, zarter Leib
Barg einen männlich starken Willen!
Dein schönes blondes Köpfchen,
So reich an mächtiger Gedanken Keim,
Ließ dir zu Spielen niemals irgend Ruh.
Und in der schwachen Brust ein edles Herz dir klopfte,
Dass du dich strafen ließest für die Schwestern. —
Denk, schwarzer Doktor, dir,
Er nahm der andern Schuld auf sich —
Dem Jesuskinde war er gleich:
Sein liebstes Spielzeug war das kleine Lämmchen,
Das Lämmchen, sieh, so unschuldsweiß!
Das sollte schlafen ihm im Arm,
Es sollt’ ihm fressen aus der Hand! . . . .
Mein kleines, weißes Lamm, leb wohl,
Leb wohl, mein Liebling, mein Johannes!
Hör mich und nimm Vernunft zu Hilfe!
Nicht immer heilt man Gleiches nur mit Gleichem,
Brandwunden linderst du mit kühler Salbe:
Du weißt, die des Gesichts entraten,
Sie helfen sich mit Ohr und Hand;
Und bald, als deine Frau dir starb,
Vergaßest du sie um die Kinder.
So höre doch! Kann ich zum Leben wecken,
Die von uns schieden?
Ich kannte deine Kinder, habe nie
So liebe Kleinen noch gesehen.
Und dass sie dich geliebt, das weiß ich,
In Leidensstunden sah ich sie
Und hörte, wie sie Vater riefen.
Mit Tränen in der Stimme! Väterchen,
Komm, Vater! Komm! Wir sterben.
Ach! Nach dem Vater riefen sie!
Was weißt du noch? So sprich . . .!
Sie litten schwer? Wie sahn sie aus?
Wer war am tapfersten?
Berichte alles! Auch das Kleinste
Ruf ins Gedächtnis dir zum Leben!
Bedeckten sie mit Küssen meine Hand
Und nannten Vater mich — — —
Zum erstenmal hört’ ich mich Vater rufen,
Und als ich fühlte ihre heißen Lippen
Auf meiner harten Hand, die schnitt in Menschenfleisch,
Empfand ich deine Seligkeit, dein Wehe . . .
So ziemlich, ja!
Indessen kam ich da auf den Gedanken —
Und denken ist ja meine stille Seite —
So dacht’ ich denn:
Wie schön der Tod ist in der Jugend,
Bevor des Lebens Bosheit uns verderbte.
Doch setzt die Zweige man ins Wasser, schlägt er neue Wurzeln.
Ich hab’ mir auch erzählen lassen
Von deinem Wissensdrang und Weisheitsdurst,
Und dass du mehr von deinem Fach verstehst als andre.
Man sagt’s. Und wahr ist’s ohne Prahlerei,
Wenn in den Krug die andern gingen,
Saß bei den Kindern ich und lernte lesen.
Und als ich’s selbst verstand, da lehrt’ ich es die Großen,
Mein Käthchen . . .
Von Höfen, Fürsten, Schloß und Burgen,
Der Großen Streit, von Heer und Feldschlacht,
Von alten Zeiten, längst entschwund’nen Tagen;
Kabalen, Diplomaten, Glaubensstiftern,
Von fremden Ländern, Türken, Persern,
Kreuzfahrern und den Sarazenen,
Und seltsam war’s: je mehr ich las,
Je mehr wuchs mein Verlangen nach dem Wissen.
Oh, reisen! Ja! Die große, weite Welt zu sehen,
Nicht nach dem Hörensagen bloß von ihr zu reden!
Wer träumt ihn nicht, den Jugendtraum,
Wer hegte nicht die Jugendhoffnung?
(Während der vorhergehenden und nächstfolgenden Szene verschwinden zuerst die Kinderschuhe, dann die Spielsachen, hierauf die Kleider. All dies aber nach und nach.)
Wohl hörte ich, dass einst in früher Zeit
Der Herr auf Erden sei umhergewandert,
Die Menschenkinder zu beglücken!
Doch dass in unsern Tagen
Der Volksaufklärung und der Ketzerei
Noch solch ein Wunderwerk geschehen könnte,
Das hätt’ ich, Doktor, nimmermehr geglaubt!
Ja, Wunder kannst du alle Tage schauen,
Bis an der Welten Ende!
Wenn du das Meer siehst an die Wolken steigen,
Und Wolken sich zur Erde senken, —
Und wenn dem Samen in der Erd’ entsprießt die Pflanze,
Der Blitz den Baum zerschellt, das Eis die Sonne schmilzt,
Wenn Worte spricht der Mund, das Hirn Gedanken denkt,
Geschehen Wunderwerke noch und alle Tage.
Ja, ich so gut wie du!
Siehst du ein Weib, so hässlich wie die Sünde,
So faul wie Jauche, scharf wie Gift,
Und du erschaust in ihr die schöne,
Die gute, engelsgleiche, reine,
So zauberst du!
Als eben jetzt aus der Erinn’rung Tiefen
Du auferweckt die toten Kleinen,
Und du sie deutlich eins vom andern schiedest,
Dass meinem Auge leibhaft sie erschienen,
Dass ich sie sah und ihre Stimmen hörte,
Da wecktest du die Toten auf,
Da konntest du auch zaubern!
Sieh hier die Zauberbüchse, die Natur uns gab,
In dieser Kapsel lag vor kurzem noch,
Grauweißlich, eine Masse phosphorhalt’gen Fetts!
Durch diese runden Höhlen drangen
Hinein des Lichtes Wellen,
Durch diese die des Lautes,
Da des Geruchs und des Geschmacks.
Und wenn sie sich im Innern trafen,
Zurück ließ jeder seinen Abdruck,
Bei manchem stärker und bei andern schwächer,
Gesammelt so, vereint, geschieden,
Befruchtend wirken sie und zeugend.
Da hast du nun die ganze Denkmechanik,
Zwar stark verkürzt, doch nach dem Wunsch des Publikums.
(Sankt Peter kommt zwischen dem Kachelofen und der Wand hervor. Er ist hochbetagt und hat einen stark ergrauten Bart. Kostüm und Maske entsprechen der biblischen Tradition. Die Linke hält einen Fisch, am Gürtel hängt ein leerer Schlüsselring.)
Euch führt wohl ein besonderes Geschäft hierher, da Ihr den Zugang durch den Kachelofen wähltet. Was immer es sei, macht’s kurz, denn der Schmied und ich, wir stehen im Begriff auf Reisen zu gehen.
Das nicht, aber verheiratet war ich. — Wie hieß sie doch nur? Konstantia nannten sie die Kirchenväter, allein sie führte den Namen Perpetua, ihrer unerschöpflichen Ausdauer wegen.
Ich war meiner Treu kein Heiliger und kann auch nicht Tote auferwecken. Wenn Ihr Eure Kinder verloren habt, so müsst Ihr Euch in Geduld fassen. Oben im Himmel, da treffen wir uns ja alle wieder.
Alle. (Salbungsvoll.) Denn die Macht der Hölle ist niedergeworfen durch ihn, der in die Welt kam, das Gesetz aufzuheben, oder wie der Apostel spricht: Du Tod, wo ist dein Stachel, du Hölle, wo ist dein Sieg? Ja, so verhält es sich! Doch, was wollte ich nur eigentlich sagen?
Ein Wort des Trostes, jawohl. Danach verlangen sie alle. Von einem Mahnwort aber will niemand wissen. Weißt du, weshalb der Herr gegeben und genommen? Um deiner Selbstsucht, deiner Sünde willen.
Und an einem Trostwort lasse ich es niemals fehlen. (Er zieht ein Bündel Traktätchen aus der Tasche, von denen er dem Schmied eins reicht.) Ist’s gefällig? Es kostet nichts.
Im Grunde weiß ich selbst nicht recht, ob etwas Wahres dran ist, allein man sagt es nun einmal. Es heißt auf Erden, ich gäbe so eine Art Torwart des Himmelreiches ab, und jedenfalls kann ich mich aus der Zeit, da ich vor dem Kölner Dom stand, recht wohl erinnern, in dieser Hand einen Schlüssel gehalten zu haben — den Fisch, den hielt ich stets in dieser hier — jetzt aber ist der Schlüssel fort — man mag sich doch sozusagen gerne komplett sehen. Mit einem Wort, Herr Schmied, verachtet mich, aber macht mir einen Schlüssel.
Kontextbild zum Werk. Porträt von August Johan Strindberg — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · August Strindberg · Public domainBildquelle ↗
Gewiss nicht! Ich hatte niemals andere Götter, habe nie am Sabbat gearbeitet, nie gestohlen, nie gelogen (mit geringen Ausnahmen natürlich), habe nie gemordet, bin nie unehrerbietig gewesen gegen meine Eltern, nie liederlich, (ja, ein wenig getrunken hab’ ich hie und da) — — — — mit einem Wort, ich war immer ein ganz honetter Mensch. Um aber doch noch ein übriges zu tun, sollst du deinen Schlüssel haben! Wo hast du das Schloß?
Der Alte, glaub ich’, ist schon dekrepit!
Die Sprache ist so simpel, riecht nach Schimmel,
Auch lässt ihn das Gedächtnis oft im Stich.
Kaum weiß er recht mehr über sich Bescheid.
Sieht bald in sich — sich selbst, bald einen Schatten,
Vermischt Geschichte, Bibel, Sagen,
Er lebt um tausend Jahr zu lange,
Und morsch sind der Erinnrung Speicher worden.
Es wird sicherlich manchen Spaß geben, ihn ein wenig zu hänseln, und findet er das Himmelreich nicht, was liegt dran? Vielleicht bringen wir ihn auf vernünftigere Gedanken.
Ich glaube nicht, dass dieser Pharao-Mumie überhaupt Gedanken beizubringen sind. Allein seine Unerfahrenheit, sein Dünkel und seine Unsauberkeit werden die Annehmlichkeit der Reise erhöhen, denn ich habe mich in schlechter Gesellschaft noch immer wohl befunden.
Zum letzten Male, Schmied, bist du gerüstet,
Die Fahrt ins Leben zu beginnen?
Mach deine Rechnung mit dem Alten
Und wende dich nicht rückwärts, wenn einmal
Die Hand du an den Pflug gesetzt.
(Er bläst in ein Pfeifchen, die Dekoration verwandelt sich. Ein Vorhang wird vor die Öffnung zwischen Kammer und Schmiede herabgelassen, so dass die Verwandlung dahinter vor sich gehen kann, der Ofen tritt in die Wand zurück usw.)
Was ist das? Hebt die Erde sich
Aus ihren Angeln? Weh! Der Boden zittert.
Nach beiden Seiten weicht die Wand!
Ich glaubt, es birst die Decke!!
Oh, meine Kinder!
Du weißt, hier sind sie doch nicht mehr!
Und wenn du je sie wiedersiehst,
So ist es sicher nicht mehr hier.
Doch trage die Erinnerung an sie mit,
Als Kompaß in des Meeres Sturm,
Als trockne Blum, im Taschenbuche,
Die das Gedächtnis weckt des Besten,
Des Lieblichsten, das uns das Leben beut,
Vielleicht des einzig Guten,
Das Wirklichkeit besitzt.
Ich bin ein Meister der Magie,
Doch ist die Hexerei natürlich.
Das hier ist bloße Szenerie,
Wenn auch Mechanik, wie gebührlich,
Man aus dem Grunde muss verstehen,
Sonst heißt’s Verwandlung, mag sie vor sich gehen. —
(äußerst hässlich, groß und feist, mit schmaler Stirn, verglasten Augen und aufgedunsenen Wangen, sitzt in einem Kahn und wirft Steine ins Wasser, um das Bild des Narzissus zu trüben).
(späht anfangs nach allen Seiten umher, zieht dann seine Brille aus der Tasche, entdeckt eine Angelrute und setzt sich an das Ufer des Sees, um zu angeln).
Den Reiseanfang lob’ ich mir! Im Wald ein Abenteuer!
Just das ist mein Geschmack.
Man hat doch etwas zu erzählen,
Kommt man mit heiler Haut nach Haus.
Doch wer ist jener schöne Jüngling dort,
Der so versunken steht in Träumen?
So sagt die hässliche Canaille auch,
Die dort im Hinterteil des Bootes
Kot in das klare Wasser wirft!
Sieh nur die kolossale Fleischbank,
Tersites nennt sie sich.
Soll auch dabei gewesen sein im Trojerkriege,
Wo er von allen Helden aus dem Trosse
Der Größte war dem Maul nach und dem Suff.
Und obendrein der hässlichste von allen.
Er hält sich Wunder was für einen Sänger,
Und lässt sich gerne auf den Brettern sehn.
Von seiner Schönheit ist er überzeugt,
Und doch voll Neid Narzissus gegenüber.
Darum auch trübt er des Narzissus Bild
Mit Schmutz, den er aus seinen Nägeln kratzt.
Paß auf, wie bei der kleinsten Schmeichelei
Er schnell bereit vor uns sich produziert —
Tersites, Bester, sing uns etwas vor!
Die Vorigen. (Eine Oreade der Felsen des Waldes tritt hervor. Um sie scharen sich Dryaden, welche sich hinter Baumstämmen verborgen gehalten, sowie aus dem Wasser tauchende Najaden.)
Halt ein! Tersites! Hör’, bevor du redest
Von Dingen, die dir unbegreiflich sind.
Du liest die Sagen wie ein Kind
Und findest alles einfach.
Doch der Gedanke, der dahinter steckt,
Bleibt deinem trüben Blick verdeckt.
So klingt die wahre Sage von Narzissus:
In Gedanken sieh ihn dort stehn:
Er schaut in der Tiefe sein Bild,
Seines Wesens Grund zu erspähn,
Das hinter den Zügen sich birgt.
Doch im Wasser rudert ein Narr,
Im See nur den Spiegel er sieht,
Und er wähnt, der Denker begafft
Sich dort, wo ins Tiefste er blickt.
Gnothi Seauthon![2] Ach! Der Narr,
Damit soll ich vielleicht gemeint sein!
Doch zeigen will ich euch, dass auch der Narr,
Wenn’s sein muss, in die Tiefe blickt,
Obgleich ich, grad’ heraus, dort nichts gewahrt als Schlamm.
(Tersites sinkt in die Tiefe. Die Frösche hüpfen ihm nach. Die Nymphen verschwinden in das Dickicht, Narzissus zieht sich in die Höhlung des Baumes zurück. Der See bedeckt sich mit einer Grasmatte, und St. Peter, der ohne auf die sich abspielende Szene zu achten, während der ganzen Zeit erfolglos mit Angeln beschäftigt gewesen, wird schließlich gewahr, dass etwas Ungewöhnliches vorgeht.)
Nein, nein, das geb, ich zu! denn leben erst
Und sehn, hören und sodann summieren,
Den Abzug machen, Wurzel, Mittel suchen,
So spinnt sich ja der Hergang ab.
Nicht eher lernst du dich erkennen,
Als bis im kleinen Finger du das Leben hast,
Also zurück zu Fuß auf neuen Wegen.
Wie steht’s mit unserm Freund Apostel?
Sind seine Rappen schon bereit?
Das Wort hab’ ich einmal gehört
Vor vielen, vielen Jahren schon — — —
Wie mir das Alter das Gedächtnis trübt —
Und dennoch wie durch ein Gewölk
Seh’ einen Mann ich licht und mild,
Mit Malen an der Brust, den Händen —
In Büchern las er niemals, sondern wanderte
In Waldeseinsamkeit und auch auf Bergen,
In Dörfern, Städten . . . Da, nun reißt der Faden ab —
Doch immerhin! . . . Kommt, lass uns Menschen fischen, Doktor!
2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Mein kleines, weißes Lamm, leb wohl,
Leb wohl, mein […], mein Johannes!«
5. Was bedeutet »nimmermehr« in diesem Ausschnitt? »Doch dass in unsern Tagen
Der Volksaufklärung und der Ketzerei
Noch solch ein Wunderwerk geschehen könnte,
Das hätt’ ich, Doktor, nimmermehr geglaubt!«
6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse.
A: »Ich kam zu spät zum letzten Scheidekuß,
Zu spät, sie zu der Grube zu geleiten,
Darein, was lieb uns war und teuer,
Vergraben wird und fault zum Schmutz. —
O, du mein Gott!«
B: »Man hat doch etwas zu erzählen,
Kommt man mit heiler Haut nach Haus.«
C: »Ist nicht etwa Euer Name Petrus oder dergleichen?«
7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Es wird sicherlich manchen Spaß geben, ihn ein wenig zu …«
8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »(der die […] der Kinder suchen gegangen war, stellt sich wieder an des Doktors Seite)«
9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »Obgleich« in diesem Textausschnitt? »Doch zeigen will ich euch, dass auch der Narr,
Wenn’s sein muss, in die Tiefe blickt,
Obgleich ich, grad’ heraus, dort nichts gewahrt als Schlamm.«
10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Doch im Wasser rudert ein Narr,
Im See nur den Spiegel er …«
2Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte
1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »im Hintergrund befindliche offene Fenster der Schmiede wird eine Straße im mittelalterlichen«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.
Impulse zur Selbstprüfung
Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.
2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »im Hintergrund befindliche offene Fenster der Schmiede wird eine Straße im mittelalterlichen« und »Doch zeigen will ich euch, dass auch der Narr,
Wenn’s sein muss, in die Tiefe blickt,
Obgleich ich, grad’ heraus, dort nichts gewahrt als Schlamm.«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.
Impulse zur Selbstprüfung
Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.
Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »zu tun, sollst du deinen Schlüssel haben«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.
Impulse zur Selbstprüfung
Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.
Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
Wirkung als begründete Deutung formuliert
Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
3Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte
Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.
Niveau 1 · Einstieg
1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »(Kammer hinter der Schmiede, von der letzteren durch eine Bretterwand, in deren Mitte sich eine große Öffnung befindet, getrennt.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Ja, seht, wie soll ich das beurteilen können?«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »(Er wirft die Angelrute weg; sie gehen.)«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Autoren, benannte historische Übersetzung und übernommene historische Vorworte anhand der GND-Lebensdaten und Titelblätter für Deutschland geprüft; moderne Bilder und Nachbearbeitungen nicht übernommen.
Quellausgabe
Die Schlüssel des Himmelreichs, Leipzig, Kurt Wolff, 1917, Der jüngste Tag 47/48; Project Gutenberg eBook 46817.
Quelltext und Ausgabe ↗ · Underlying authors and named historical translator terms reviewed for Germany; PG US status alone is not the DE rights basis. Lizenz
Originalsprache · Schwedisch
Vollständiger schwedischer Stücktext nach der wissenschaftlichen Ausgabe Samlade Verk (1987) von Litteraturbanken. Ausschließlich der dort ausdrücklich unter CC BY 4.0 freigegebene literarische Text einschließlich Personenverzeichnis und Bühnenanweisungen ist enthalten. Die gesondert geschützten Herausgebereinleitungen, Kommentare und Worterklärungen wurden nicht übernommen. Die 5 Szenen beziehungsweise Akte bleiben vollständig; historische Editionsunterschiede zur deutschen Übersetzung werden nicht als Satzparität ausgegeben.
August Strindberg; literarischer Text der Samlade-Verk-Ausgabe, Stockholms universitet / Litteraturbanken, CC BY 4.0. Text unverändert; Navigation neu gegliedert. Keine Herausgeberkommentare übernommen.
Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.
Welche Änderungen enthält die Lesefassung?
Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.