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Buch - Die Lokalbahn - Thoma, Ludwig

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Originalwerk · Lesefassung

Die Lokalbahn

Thoma, Ludwig · 1902

Die Aussicht auf einen Bahnanschluss bringt das politische und private Leben einer Kleinstadt in Bewegung. Die Komödie zeigt Lokalstolz, Rivalitäten und die eigennützigen Motive hinter öffentlichen Versprechungen.

KomödieKlasse 9–10 · 11–135 Abschnitte
Historisches Bildnis von Ludwig Thoma
Historisches Bildnis von Ludwig Thoma — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Karl Klimsch · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und zeitgebundene Wertvorstellungen gemeinsam einordnen. Klassenangaben sind redaktionelle Orientierung.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Deutsch · Abschnitt 3 von 5

1. Akt

1
Erste Szene
Vorlage S. 247
2
Frau Bürgermeister, ihre Tochter Susanna, Major Rehbein sitzen beim Kaffee.
Vorlage S. 247
3
MAJOR
Vorlage S. 247
4
über seine Zeitung wegblickend.
Vorlage S. 247
5
Der Fritz muss nun bald kommen?
Vorlage S. 247
6
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 247
7
Wenn er am Vormittag fertig wurde. Seufzt. Ach ja!
Vorlage S. 247
8
MAJOR.
Vorlage S. 247
9
Hm! Liest wieder die Zeitung und raucht an der Pfeife.
Vorlage S. 247
10
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 247
11
Ach Gott, ja! Suschen, gib mir den Honig. Suschen reicht ihr die Schale; die Bürgermeisterin streicht Honig auf die Brötchen und seufzt wieder. Wenn er nur schon wieder glücklich zu Hause wäre!
Vorlage S. 247
12
MAJOR
Vorlage S. 247
13
über die Zeitung weg.
Vorlage S. 247
14
Was soll ihm denn passieren? Gestern abend ist er in die Stadt, und heute kommt er wieder.
Vorlage S. 247
15
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 247
16
Er hat eine Unterredung mit dem Minister.
Vorlage S. 247
17
MAJOR.
Vorlage S. 247
18
Das ist nicht immer angenehm, aber lebengefährlich ist es nicht.
Vorlage S. 247
19
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 247
20
Mit dir kann man über so was nicht reden. Zu Suschen. Gib mir nochmal den Honig!
Vorlage S. 247
21
SUSCHEN
Vorlage S. 247
22
reicht ihr die Schale.
Vorlage S. 247
23
Was tut Papa beim Minister?
Vorlage S. 247
24
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 247
25
Du weißt doch, wegen der Bahn.
Vorlage S. 247
26
SUSCHEN.
Vorlage S. 247
27
Immer die Bahn!
Vorlage S. 247
28
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 247
29
Man hört nichts anderes mehr seit einem Jahr. Die Bahn und die Bahn.
Vorlage S. 247
30
SUSCHEN.
Vorlage S. 247
31
Mein Adolf sagt auch, es sei gräßlich.
Vorlage S. 247
32
MAJOR
Vorlage S. 247
33
brummig.
Vorlage S. 247
34
So?
Vorlage S. 247
35
SUSCHEN.
Vorlage S. 249
36
Und er sagt, er wäre mit dem Streit gleich fertig, wenn er zu entscheiden hätte.
Vorlage S. 249
37
MAJOR.
Vorlage S. 249
38
Sagt das der Adolf?
Vorlage S. 249
39
SUSCHEN.
Vorlage S. 249
40
Ja, und er hat auch ganz recht.
Vorlage S. 249
41
MAJOR.
Vorlage S. 249
42
Na, überall sind der Herr Amtsrichter nicht maßgebend.
Vorlage S. 249
43
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 249
44
Mir wäre alles recht, wenn Fritz sich nicht so weit einlassen würde.
Vorlage S. 249
45
MAJOR.
Vorlage S. 249
46
Das muss er wohl oder übel.
Vorlage S. 249
47
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 249
48
Er hat die ganze Arbeit und dazu die Aufregung.
Vorlage S. 249
49
MAJOR.
Vorlage S. 249
50
Was ist denn dabei, wenn er dem Minister Vorstellungen macht?
Vorlage S. 249
51
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 249
52
Wenn er ruhig wäre! Aber, er war so wütend.
Vorlage S. 249
53
MAJOR
Vorlage S. 249
54
lacht.
Vorlage S. 249
55
Der Fritz?
Vorlage S. 249
56
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 249
57
Ja. Hättest du ihn nur gehört! In der Nacht hat er mit sich selber geredet, und beim Abschied sagte er, dass er einmal gründlich von der Leber weg reden wolle.
Vorlage S. 249
58
MAJOR.
Vorlage S. 249
59
Die Fahrt in die Residenz dauert vier Stunden. Da vergeht ihm der Zorn, wie ich ihn kenne.
Vorlage S. 249
60
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 249
61
Du beurteilst ihn ganz falsch. Er kann schrecklich aufbrausen.
Vorlage S. 249
62
MAJOR.
Vorlage S. 249
63
Wenn er's nur tät'!
Vorlage S. 249
64
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 249
65
Ja freilich!
Vorlage S. 249
66
MAJOR.
Vorlage S. 249
67
Das hätte sich schon vor einem Jahr gehört.
Vorlage S. 249
68
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 249
69
Ich habe die größte Angst, dass er sich hinreißen lässt.
Vorlage S. 249
70
SUSCHEN.
Vorlage S. 249
71
Adolf sagt oft, Papa sei viel zu frei in seinen Äußerungen.
Vorlage S. 249
72
MAJOR.
Vorlage S. 249
73
Ja, wenn man eben so korrekt ist wie dein Amtsrichter.
Vorlage S. 249
74
SUSCHEN.
Vorlage S. 249
75
Du bist immer gegen ihn, Onkel – und ...
Vorlage S. 249
76
Von links tritt Dr. Beringer ein; blond, trägt Brille. Typus eines jungen Pedanten, Suschen springt ihm entgegen.
Vorlage S. 249
77
Zweite Szene
Vorlage S. 250
78
Frau Bürgermeister. Suschen. Major. Dr. Beringer.
Vorlage S. 250
79
SUSCHEN.
Vorlage S. 250
80
Servus, Schatz!
Vorlage S. 250
81
BERINGER.
Vorlage S. 250
82
Aber Suschen! Guten Tag. Immer so burschikos!
Vorlage S. 250
83
MAJOR
Vorlage S. 250
84
hinter seiner Zeitung.
Vorlage S. 250
85
Gewöhn dir's ab, Susanna Rehbein!
Vorlage S. 250
86
BERINGER.
Vorlage S. 250
87
Guten Tag, Herr Major.
Vorlage S. 250
88
MAJOR.
Vorlage S. 250
89
Guten Tag.
Vorlage S. 250
90
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 250
91
Du trinkst mit uns Kaffee, Adolf?
Vorlage S. 250
92
BERINGER.
Vorlage S. 250
93
Ich sollte eigentlich ins Bureau.
Vorlage S. 250
94
SUSCHEN.
Vorlage S. 250
95
Nein. Du musst bleiben.
Vorlage S. 250
96
BERINGER.
Vorlage S. 250
97
Also auf eine Tasse. Er setzt sich, Suschen stellt ihm eine Tasse hin und nimmt aus der Dose einige Stücke Zucker.
Vorlage S. 250
98
SUSCHEN.
Vorlage S. 250
99
Wieviel Zucker heute? Drei?
Vorlage S. 250
100
BERINGER.
Vorlage S. 250
101
Du weißt, ich nehme mir selbst. Nimmt sich aus der Zuckerdose etwas umständlich drei Stücke, Suschen legt die ihrigen auf den Tisch und schenkt ihm den Kaffee ein.
Vorlage S. 250
102
BERINGER.
Vorlage S. 250
103
Papa ist noch nicht zurück?
Vorlage S. 250
104
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 250
105
Nein; der Omnibus muss Verspätung haben.
Vorlage S. 250
106
BERINGER.
Vorlage S. 250
107
An der Post habe ich ein paar Leute gesehen. Die erwarteten ihn scheinbar; das ist ja eine fürchterliche Wichtigkeit.
Vorlage S. 250
108
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 250
109
Gerade haben wir davon gesprochen.
Vorlage S. 250
110
SUSCHEN.
Vorlage S. 250
111
Wer war an der Post?
Vorlage S. 250
112
BERINGER.
Vorlage S. 250
113
Herr Stelzer und noch ein paar. Der Herr Schweigel natürlich.
Vorlage S. 250
114
SUSCHEN.
Vorlage S. 250
115
Hast du mit ihnen geredet?
Vorlage S. 250
116
BERINGER.
Vorlage S. 250
117
Nein. Ich bin froh, wenn ich nichts höre. Die Leute tun ja so, als ob die ganze Welt von ihrer Bahn abhinge.
Vorlage S. 250
118
MAJOR.
Vorlage S. 250
119
Es ist doch klar, dass sie sich darum kümmern.
Vorlage S. 250
120
BERINGER.
Vorlage S. 250
121
Gewiss. Aber das Ministerium hat definitiv entschieden, und da hilft alles Reden nichts mehr.
Vorlage S. 250
122
MAJOR.
Vorlage S. 250
123
Man kratzt sich, wo's einen juckt.
Vorlage S. 250
124
BERINGER.
Vorlage S. 250
125
Die Bahn ist ja genehmigt.
Vorlage S. 250
126
MAJOR.
Vorlage S. 250
127
Aber wie! Der Bahnhof kommt eine Viertelstunde vor die Stadt hinaus.
Vorlage S. 250
128
BERINGER.
Vorlage S. 251
129
Bis jetzt hat man zur nächsten Station drei Stunden mit dem Omnibus fahren müssen.
Vorlage S. 251
130
MAJOR.
Vorlage S. 251
131
Das ist doch kein Grund, dass man die Bahn unpraktisch anlegt, wenn man sie schon einmal baut.
Vorlage S. 251
132
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 251
133
Ich habe gemeint, die ewige Streiterei nimmt ein Ende; warum ist jetzt auf einmal wieder der Spektakel?
Vorlage S. 251
134
MAJOR.
Vorlage S. 251
135
Weil vorgestern ein Schreiben herauskam. Bis dahin hat man noch eine schwache Hoffnung gehabt.
Vorlage S. 251
136
BERINGER.
Vorlage S. 251
137
Das Ministerium hat die Hetzerei satt bekommen und erklärt: »Entweder – oder.«
Vorlage S. 251
138
MAJOR.
Vorlage S. 251
139
Sehr einfach. Entweder – oder.
Vorlage S. 251
140
BERINGER.
Vorlage S. 251
141
Ja. Entweder kommt die Bahn dorthin, wo die Regierung sie haben will – oder sie kommt überhaupt nicht.
Vorlage S. 251
142
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 251
143
Mein Mann hat so eine Andeutung gemacht, aber er hat mir nichts Näheres gesagt.
Vorlage S. 251
144
MAJOR.
Vorlage S. 251
145
Er ist ja deswegen in die Stadt, damit er den Minister noch umstimmt. Das wird was helfen! Wenn die Herren überhaupt sehen wollten, wäre es nicht zu dem Projekt gekommen.
Vorlage S. 251
146
BERINGER.
Vorlage S. 251
147
Herr Major, ich habe als Jurist vielleicht so viel Verstand wie ein Normalbürger von Dornstein. Aber ich maße mir nicht an, in technischen Fragen mitzureden. Für mich ist maßgebend die Behörde; sie wird ihre Gründe haben.
Vorlage S. 251
148
MAJOR.
Vorlage S. 251
149
Freilich hat sie Gründe. Aber keine sachlichen.
Vorlage S. 251
150
BERINGER.
Vorlage S. 251
151
Ich muss wirklich bitten.
Vorlage S. 251
152
MAJOR.
Vorlage S. 251
153
Bitten S' nicht lang und schauen Sie einmal her! Er nimmt den Brotkorb und stellt ihn vor sich hin. Das ist Dornstein? Verstanden?
Vorlage S. 251
154
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 251
155
Geht das schon wieder an?
Vorlage S. 251
156
MAJOR.
Vorlage S. 251
157
Jetzt misch dich einen Augenblick nicht drein.
Vorlage S. 251
158
SUSCHEN.
Vorlage S. 251
159
Ist das auch eine Unterhaltung?
Vorlage S. 251
160
MAJOR.
Vorlage S. 251
161
Stillgestanden! Schauen Sie einmal her, Herr Amtsrichter! Ich habe ja nicht so viel Verstand wie ein Jurist, aber das kann ich Ihnen noch zeigen. Nimmt wieder den Brotkorb. Also, das ist Dornstein. Nicht wahr?
Vorlage S. 251
162
BERINGER
Vorlage S. 251
163
gelangweilt.
Vorlage S. 251
164
Nun ja.
Vorlage S. 251
165
MAJOR.
Vorlage S. 251
166
Da rechts liegt Pertenstein. Legt eine Semmel hin. Von daher soll die Bahn gehen. Also, meint man, geht sie auf dem schnurgeraden Wege hieher südlich. Der Boden ist eben und fest. Noch dazu käme der Bahnhof hart an die Stadt. Alle Gründe sind dafür. Aber nein, nichts da! Die Bahn muss da heroben Deutet. um die Stadt herum, durch nasses Terrain, schneidet den Garten vom Bierbrauer Schweigel mitten durch, und der Bahnhof liegt weitmächtig draußen. Sehen Sie da sachliche Gründe?
Vorlage S. 251
167
BERINGER
Vorlage S. 252
168
nervös.
Vorlage S. 252
169
Ich bin eben nicht Techniker. Ich sehe sie nicht, aber sie sind jedenfalls vorhanden.
Vorlage S. 252
170
MAJOR
Vorlage S. 252
171
sieht ihn einen Augenblick an.
Vorlage S. 252
172
Ja so. Da hätte ich mir die Arbeit sparen können. Tun wir den Bahnhof wieder weg! Schiebt den Brotkorb zurück.
Vorlage S. 252
173
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 252
174
Das ist auch das Gescheiteste. Ihr werdet ja doch nicht einig.
Vorlage S. 252
175
MAJOR.
Vorlage S. 252
176
Allerdings.
Vorlage S. 252
177
BERINGER.
Vorlage S. 252
178
Ich finde es – abgesehen von allem anderen – so zwecklos, an einer beschlossenen Sache rütteln zu wollen.
Vorlage S. 252
179
MAJOR.
Vorlage S. 252
180
Auch dann, wenn man das Unrecht sieht?
Vorlage S. 252
181
BERINGER.
Vorlage S. 252
182
Was, Unrecht!
Vorlage S. 252
183
MAJOR.
Vorlage S. 252
184
Warum soll man Verstecken spielen? Jedermann weiß, dass der Baron Reisach für seine Ziegelei den Umweg durchgesetzt hat.
Vorlage S. 252
185
BERINGER.
Vorlage S. 252
186
Er ist einmal der größte Industrielle im Bezirk.
Vorlage S. 252
187
MAJOR.
Vorlage S. 252
188
Dann soll er sich selber ein Gleis bauen.
Vorlage S. 252
189
BERINGER.
Vorlage S. 252
190
Ich begreife nicht, warum Sie sich darüber aufregen. Es muss Ihnen doch peinlich sein, wenn die Leute fortwährend über die Autorität losziehen.
Vorlage S. 252
191
MAJOR.
Vorlage S. 252
192
Das ist mir ganz wurst. Ich begreife vielmehr nicht, wie einem bloß das gelten kann, was mit dem Amtssiegel petschiert ist.
Vorlage S. 252
193
BERINGER.
Vorlage S. 252
194
Ich bin Beamter.
Vorlage S. 252
195
MAJOR.
Vorlage S. 252
196
Wie ich jung war, hat man die Menschheit nicht in Beamte und sonstige Zweifüßler eingeteilt.
Vorlage S. 252
197
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 252
198
Jetzt hört aber auf!
Vorlage S. 252
199
SUSCHEN.
Vorlage S. 252
200
Du bist recht garstig, Onkel!
Vorlage S. 252
201
BERINGER.
Vorlage S. 252
202
Ich halte es für meine Pflicht, keine Kritik auszuüben.
Vorlage S. 252
203
MAJOR.
Vorlage S. 252
204
Wenn man sieht, dass ein Unsinn gemacht wird, sagt man es frisch weg.
Vorlage S. 252
205
BERINGER
Vorlage S. 252
206
erregt.
Vorlage S. 252
207
Sie wollen doch nicht sagen, dass eine Behörde in ihrem Wirkungskreis einen Unsinn begeht?
Vorlage S. 252
208
MAJOR.
Vorlage S. 253
209
Warum denn nicht? Halten Sie die Leute für unfehlbar?
Vorlage S. 253
210
BERINGER.
Vorlage S. 253
211
In gewisser Beziehung – ja!
Vorlage S. 253
212
MAJOR
Vorlage S. 253
213
schlägt zornig auf den Tisch.
Vorlage S. 253
214
Drei Teufel übereinander! Da hört sich doch Verschiedenes auf.
Vorlage S. 253
215
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 253
216
Aber Schwager!
Vorlage S. 253
217
MAJOR.
Vorlage S. 253
218
Das ist der richtige Hochmut! Deswegen werden heutzutag so viele Dummheiten gemacht. Beringer ist aufgestanden, knöpft den Rock zu, nimmt den Hut und verbeugt sich sehr gemessen.
Vorlage S. 253
219
BERINGER.
Vorlage S. 253
220
Ich habe die Ehre.
Vorlage S. 253
221
SUSCHEN
Vorlage S. 253
222
steht ebenfalls auf.
Vorlage S. 253
223
Bleib, Adolf! Der Onkel meint es nicht so.
Vorlage S. 253
224
BERINGER
Vorlage S. 253
225
geht nach links.
Vorlage S. 253
226
Ich muss dir offen gestehen, dass mir derartige Szenen unangenehm sind. Meine Stellung erlaubt mir nicht, alles anzuhören. Suschen schiebt ihren Arm unter den seinen; sie gehen zusammen links ab. Man hört Beringer noch unter der Türe sagen. Als Beamter habe ich gewisse Rücksichten zu üben ...
Vorlage S. 253
227
Dritte Szene
Vorlage S. 253
228
Frau Bürgermeister. Der Major.
Vorlage S. 253
229
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 253
230
Müsst Ihr denn immer streiten? Jedesmal fängst du an.
Vorlage S. 253
231
MAJOR.
Vorlage S. 253
232
Da gehört eine Schafsgeduld dazu, wenn man so was hört.
Vorlage S. 253
233
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 253
234
Du bist schon zornig, wenn Adolf nur den Mund aufmacht.
Vorlage S. 253
235
MAJOR.
Vorlage S. 253
236
Ich kann es nicht leiden, wenn einer sich stellt, als wenn er einen Ladstecken verschluckt hätte.
Vorlage S. 253
237
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 253
238
Mit dem Streiten wird auch nichts besser.
Vorlage S. 253
239
MAJOR.
Vorlage S. 253
240
Es wird einem gleich viel wohler, wenn man seine Meinung heruntersagt.
Vorlage S. 253
241
FRAU BÜRGERMEISTER
Vorlage S. 253
242
lebhaft.
Vorlage S. 253
243
Der Fritz! Da kommt der Fritz!
Vorlage S. 253
244
Durch die Gartentür treten ein Bürgermeister Rehbein, Bierbrauer Schweigel und Kaufmann Stelzer. Rehbein gutmütig, etwas altväterisch, in den fünfziger Jahren, Schweigel gesunder Bierbrauertypus, Stelzer mit kleinstädtischer Sorgfalt gekleidet, höflicher Kaufmann mit gewählter Sprechweise. Schweigel trägt diensteifrig
Vorlage S. 253
245
den altmodischen Reisesack des Bürgermeisters.
Vorlage S. 254
246
Vierte Szene
Vorlage S. 254
247
Frau Bürgermeister. Major. Bürgermeister. Schweigel. Stelzer.
Vorlage S. 254
248
FRAU BÜRGERMEISTER
Vorlage S. 254
249
freudig.
Vorlage S. 254
250
Grüß Gott, Fritz!
Vorlage S. 254
251
BÜRGERMEISTER
Vorlage S. 254
252
sie auf beide Wangen küssend.
Vorlage S. 254
253
Grüß Gott, Mama! Da wären wir ja wieder daheim. So, Karl! Schüttelt dem Major die Hand. Das hätten wir überstanden. Wo ist denn Suschen?
Vorlage S. 254
254
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 254
255
Mit Adolf. Er ist gerade fort.
Vorlage S. 254
256
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 254
257
So, mit Adolf? Du, Mama, die Herren waren so liebenswürdig und haben mich an der Post abgeholt.
Vorlage S. 254
258
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 254
259
Das ist nett von Ihnen.
Vorlage S. 254
260
STELZER.
Vorlage S. 254
261
Bitte sehr, Frau Bürgermeister. Nidit mehr wie billig. Als Vorstand des Gemeindekollegiums war es sozusagen meine Schuldigkeit. In dieser Beziehung.
Vorlage S. 254
262
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 254
263
Und mir hätten aa glei' wissen mögen, wia's ganga hat. Aba da Herr Bürgermoasta hat no koa Zeit g'habt zum Verzählen vor lauter Freud, dass er wieda dahoam is.
Vorlage S. 254
264
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 254
265
Die Herren müssen zum Kaffee bleiben.
Vorlage S. 254
266
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 254
267
Freilich! Geht zur Türe links und ruft. Marie, noch zwei Tassen! Zu Stelzer und Schweigel. Sie schenken uns doch die Ehre?
Vorlage S. 254
268
STELZER.
Vorlage S. 254
269
Bitte sehr, Frau Bürgermeister, die Ehre ist unsererseits. Wenn Sie erlauben, sind wir so frei.
Vorlage S. 254
270
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 254
271
Wollen sich die Herren doch setzen. Alle setzen sich.
Vorlage S. 254
272
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 254
273
Das ist behaglich nach dem Trubel in der Stadt.
Vorlage S. 254
274
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 254
275
I bin aa jed'smal froh, wenn i wieda dahoam bi'.
Vorlage S. 254
276
STELZER.
Vorlage S. 254
277
Unser Dornstein vereinigt sozusagen die Vorzüge des Stadt- und Landlebens! Man genießt die Ruhe und ist doch in den nötigen Lebensbedürfnissen nicht zu sehr beschränkt.
Vorlage S. 254
278
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 254
279
Aber erzähl doch, Fritz! Wie hat es gegangen?
Vorlage S. 254
280
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 254
281
Hamm S' an Minister troffen? Zu Marie, die den Kaffee gebracht hat und einschenkt. A bissel mehr Milli, bitt schön.
Vorlage S. 254
282
MAJOR.
Vorlage S. 255
283
Schieß mal los!
Vorlage S. 255
284
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 255
285
Es war ein heißer Tag, meine Herren. Ein sehr heißer Tag.
Vorlage S. 255
286
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 255
287
Und wer gibt nach? Mir oder de ganz andern?
Vorlage S. 255
288
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 255
289
Leider, meine Herren, zu meinem Bedauern, Zuckt die Achseln. ich konnte nichts mehr ändern.
Vorlage S. 255
290
SCHWEIGEL
Vorlage S. 255
291
heftig.
Vorlage S. 255
292
I hab's ja glei g'sagt. Da hat's koana glaab'n wollen. Auf Stelzer deutend. Da sitzt aa so oana, der allawei predigt hat: nur Ruhe – nur Ruhe! Jetzt hamm s' an Dreck. Entschuldigen schon, Frau Bürgermoasta.
Vorlage S. 255
293
STELZER.
Vorlage S. 255
294
Wir, im Gemeindekollegium, glaubten, dass ein maßvolles Verhalten am besten sein würde.
Vorlage S. 255
295
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 255
296
Nix is – Hätt'n ma nur 's Maul besser aufg'rissen.
Vorlage S. 255
297
MAJOR.
Vorlage S. 255
298
Also glattweg abgelehnt, Fritz?
Vorlage S. 255
299
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 255
300
Der Minister bleibt bei dem Entweder – Oder.
Vorlage S. 255
301
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 255
302
Und lacht uns brav aus.
Vorlage S. 255
303
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 255
304
Das nicht. Im Gegenteil. Es sind scharfe Worte gefallen.
Vorlage S. 255
305
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 255
306
Hoffentli, aba – –
Vorlage S. 255
307
STELZER.
Vorlage S. 255
308
Lassen wir doch unsern Herrn Bürgermeister erzählen.
Vorlage S. 255
309
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 255
310
So fang doch einmal an, Fritz!
Vorlage S. 255
311
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 255
312
Gleich. Also ich fahre gestern früh in die Stadt. Sie können sich denken, in einiger Aufregung.
Vorlage S. 255
313
STELZER.
Vorlage S. 255
314
Das lässt sich begreifen.
Vorlage S. 255
315
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 255
316
Ich komme an und werde gleich vorgelassen. Wie ich eintrete, sagte der Minister: »Ah, da ist ja mein lieber Bürgermeister von Dornstein!«
Vorlage S. 255
317
SCWEIGEL
Vorlage S. 255
318
nachäffend.
Vorlage S. 255
319
»Mein lieber!« Da bals d' net gehst.
Vorlage S. 255
320
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 255
321
Ich sage: Exzellenz, ich komme heute in dringender Sache. »Weiß schon,« sagte er, »Sie wollen mich in der bewußten Angelegenheit sprechen.«
Vorlage S. 255
322
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 255
323
»Bewusst!« Dös is freili bewusst.
Vorlage S. 255
324
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 255
325
Dann sagte er: »Ich habe den guten Dornsteinern das Ultimatum stellen müssen. Die Sache geht sonst nicht vorwärts. Hoffentlich hat man sich jetzt eines Besseren besonnen.«
Vorlage S. 255
326
SCHWEIGEL
Vorlage S. 255
327
in den Tisch schlagend, daß die Tassen klirren.
Vorlage S. 255
328
Hast scho amal so was g'hört?
Vorlage S. 255
329
STELZER.
Vorlage S. 255
330
Die kommerziellen Interessen unserer Stadt sollten doch besser gewürdigt werden.
Vorlage S. 255
331
SCHWEIGEL
Vorlage S. 256
332
ungestüm.
Vorlage S. 256
333
Hamm Sie Eahna des g'fallen lassen?
Vorlage S. 256
334
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 256
335
Was hast du gesagt, Fritz?
Vorlage S. 256
336
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 256
337
Mir ist das Blut siedheiß in den Kopf gestiegen. Ich denke mir, da hört sich doch die Gemütlichkeit auf.
Vorlage S. 256
338
MAJOR.
Vorlage S. 256
339
Ja, und?
Vorlage S. 256
340
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 256
341
Und ... und ich trete einen Schritt zurück, und dann habe ich losgelegt. Aber gründlich! Exzellenz, sage ich, wo ist hier das Bessere? Warum, sagte ich, müssen wir uns eines Bessern besinnen? »Weil ich sonst nicht in der Lage bin, das Projekt zu befürworten,« sagte er.
Vorlage S. 256
342
MAJOR.
Vorlage S. 256
343
War's dann fertig?
Vorlage S. 256
344
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 256
345
Nein, dann ging es erst recht an. Ich dachte mir, jetzt ist schon alles gleich.
Vorlage S. 256
346
SCHWEIGEL
Vorlage S. 256
347
brüllt.
Vorlage S. 256
348
Bravo!
Vorlage S. 256
349
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 256
350
Das ist ein Zwang, sagte ich, ein unerhörter Zwang. Das lassen wir uns nicht bieten! Und dann redete ich mich in den Zorn hinein. Ich weiß auch nicht mehr jedes Wort, aber es war scharf.
Vorlage S. 256
351
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 256
352
Hamm S' aufdraht?
Vorlage S. 256
353
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 256
354
Ich sparte nichts, was gesagt werden musste.
Vorlage S. 256
355
FRAU BÜRGERMEISTER
Vorlage S. 256
356
ängstlich.
Vorlage S. 256
357
Aber Fritz!
Vorlage S. 256
358
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 256
359
Mama, es musste sein.
Vorlage S. 256
360
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 256
361
Der werd g'schaugt hamm!
Vorlage S. 256
362
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 256
363
Er war sichtlich betroffen, als ich ging. Das hatte er sich wohl nicht erwartet.
Vorlage S. 256
364
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 256
365
Wenn er dir nur nichts nachträgt!
Vorlage S. 256
366
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 256
367
Ah was! Da san mir Dornstoana scho da! Dös vergessen mir Eahna net, Herr Bürgermoasta, dass S' so aufdraht hamm. Dös is ja großartig! Da! Geb'n S' ma Eahna Hand! Schüttelt dem Bürgermeister kräftig die Hand.
Vorlage S. 256
368
STELZER.
Vorlage S. 256
369
Mir auch, wenn Sie erlauben, Herr Bürgermeister. Als Vorstand des Kollegiums, und in dieser Beziehung.
Vorlage S. 256
370
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 256
371
Ich danke Ihnen, meine Herren. Sie sind zu freundlich. Ich habe nur meine Pflicht getan.
Vorlage S. 256
372
MAJOR.
Vorlage S. 256
373
Du bist ja ein Hauptkerl, Fritz!
Vorlage S. 256
374
Fünfte Szene
Vorlage S. 257
375
Suschen rasch von links. Die Vorigen. Alle sind aufgestanden.
Vorlage S. 257
376
SUSCHEN.
Vorlage S. 257
377
Papa! Papa!
Vorlage S. 257
378
BÜRGERMEISTER
Vorlage S. 257
379
küßt sie.
Vorlage S. 257
380
Grüß' dich Gott, Suschen. So, mein Kind. Wo hast du Adolf gelassen?
Vorlage S. 257
381
SUSCHEN.
Vorlage S. 257
382
Er muss arbeiten und kommt später.
Vorlage S. 257
383
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 257
384
Schön. Da wollen wir einen vergnügten Abend verleben. Wendet sich wieder zu Schweigel und Stelzer. Wie gesagt, meine Herren, nur meine Pflicht.
Vorlage S. 257
385
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 257
386
Na, na, Herr Bürgermoasta! Dös war schon mehr. Und wenn's aa nix g'holfen hat, dös vergessen mir Eahna net.
Vorlage S. 257
387
STELZER.
Vorlage S. 257
388
Wir können mit Stolz darauf zurückblicken.
Vorlage S. 257
389
Der Bürgermeister geht mit Schweigel und Stelzer etwas nach rückwärts gegen die Gartentüre zu. Er unterhält sich lebhaft mit ihnen, und man sieht immer wieder, daß Schweigel dem Bürgermeister kräftig die Hand schüttelt. Die Frau Bürgermeister, der Major, Suschen kommen mehr nach vorne.
Vorlage S. 257
390
SUSCHEN.
Vorlage S. 257
391
Mama, was wollen die Herren?
Vorlage S. 257
392
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 257
393
Ach Kind, dein Papa!
Vorlage S. 257
394
SUSCHEN
Vorlage S. 257
395
ängstlich.
Vorlage S. 257
396
Was ist denn?
Vorlage S. 257
397
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 257
398
Er hat wirklich einen schrecklichen Auftritt gehabt.
Vorlage S. 257
399
SUSCHEN.
Vorlage S. 257
400
Beim Minister?
Vorlage S. 257
401
MAJOR.
Vorlage S. 257
402
Ja, furchtbar! Suschen blickt bestürzt auf die Mutter. Aus dem Hintergrunde hört man Schweigel sehr laut sagen: Ein Manneswort! Ein deutsches Manneswort!
Vorlage S. 257
403
SUSCHEN.
Vorlage S. 257
404
Wenn ihm nur nichts geschieht, Mama!
Vorlage S. 257
405
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 257
406
Hoffen wir das Beste. Sei nicht zu ängstlich, Suschen! Wir dürfen den Kopf nicht verlieren. Komm, hilf mir abdecken! Sie gehen zum Tische und räumen das Kaffeegeschirr ab.
Vorlage S. 257
407
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 257
408
Das wird noch alles recht werden. Er ist ja sonst gut angechrieben.
Vorlage S. 257
409
SUSCHEN.
Vorlage S. 257
410
Glaubst du wirklich?
Vorlage S. 257
411
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 257
412
Gewiss. Und lass nur auch den Adolf nichts merken! Da kommen noch ein paar Herren! Rasch, Suschen! Frau Bürgermeister und Suschen mit dem Kaffeegeschirr links ab. Der Major folgt ihnen. Vom Garten herein treten Redakteur Heitzinger, Schlosser Gruber und Schreiner Kiermayer.
Vorlage S. 257
413
Sechste Szene
Vorlage S. 258
414
Der Bürgermeister. Schweigel. Stelzer. Heitzinger. Gruber. Kiermayer. Der Major.
Vorlage S. 258
415
HEITZINGER.
Vorlage S. 258
416
Guten Tag zu wünschen, Herr Bürgermeister!
Vorlage S. 258
417
KIERMAYER.
Vorlage S. 258
418
Grüaß Gott beinand!
Vorlage S. 258
419
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 258
420
Grüß Gott, meine Herren!
Vorlage S. 258
421
HEITZINGER.
Vorlage S. 258
422
Wir haben vernommen, dass der Herr Bürgermeister zurück sind, und bei der Aufregung in der Stadt möchten wir um Bescheid bitten.
Vorlage S. 258
423
KIERMAYER.
Vorlage S. 258
424
Ma möcht sozusag'n sei G'wißheit hamm! Net wahr?
Vorlage S. 258
425
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 258
426
Leider, meine Herren, leider ist meine Nachricht keine günstige.
Vorlage S. 258
427
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 258
428
Nix is, Kiermayer! Abg'fahren san ma.
Vorlage S. 258
429
KIERMAYER.
Vorlage S. 258
430
Also is so weit, dass mir zuaschaug'n müassen, wia die städtischen Interessen hintangesetzt wern.
Vorlage S. 258
431
GRUBER.
Vorlage S. 258
432
Und die Dornsteiner G'schäftswelt.
Vorlage S. 258
433
HEITZINGER.
Vorlage S. 258
434
Das ist die Behandlung des Mittelstandes.
Vorlage S. 258
435
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 258
Historisches Bildnis von Ludwig Thoma
Kontextbild zum Werk. Historisches Bildnis von Ludwig Thoma — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Karl Klimsch · Public domain Bildquelle ↗
436
Ja, es ist eine böse Sache, meine Herren.
Vorlage S. 258
437
GRUBER.
Vorlage S. 258
438
San de Ziagelstoa vom Herrn Baron mehra wert als wia de ganz Stadt?
Vorlage S. 258
439
KIERMAYER.
Vorlage S. 258
440
Gibt's da gar koane Mittel und Weg mehr?
Vorlage S. 258
441
HEITZINGER.
Vorlage S. 258
442
Sollte die Presse nichts vermögen, Herr Bürgermeister?
Vorlage S. 258
443
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 258
444
Das ist alles umsonst.
Vorlage S. 258
445
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 258
446
Mir müassen no recht brav sein, sonst kriag'n ma überhaupts gar koa Bahn.
Vorlage S. 258
447
GRUBER
Vorlage S. 258
448
laut.
Vorlage S. 258
449
Oho!
Vorlage S. 258
450
KIERMAYER.
Vorlage S. 258
451
Dös woll'n ma sehg'n.
Vorlage S. 258
452
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 258
453
Da brauchst net warten; dös is uns schnurg'rad g'sagt wor'n. Geln S', Herr Bürgermoasta?
Vorlage S. 258
454
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 258
455
Allerdings.
Vorlage S. 258
456
KIERMAYER.
Vorlage S. 258
457
Jetzt muaß i scho dumm frag'n: San denn mir gar nix? Mir san do gewissermaßen Bürger und zahlen, wia ma so zu sagen pflegt, unsere Steuern und Abgaben.
Vorlage S. 258
458
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 259
459
Und net z'weni!
Vorlage S. 259
460
KIERMAYER.
Vorlage S. 259
461
Und net z'weni, ganz richtig! Is denn da gar koa Mensch net vorhanden, der wo sie rührt und sagt amal alles, was wahr is? Und schon glei a so, dass ma's überall vasteht! Herrschaftseiten überanand! Jetzt wurd i scho glei zorni aa!
Vorlage S. 259
462
HEITZINGER.
Vorlage S. 259
463
Ich werde einen fulminanten Artikel schreiben.
Vorlage S. 259
464
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 259
465
Ah was! Mit dein Artikel, da kost dahoam bleiben!
Vorlage S. 259
466
KIERMAYER.
Vorlage S. 259
467
Dös hätt si mündli g'hört, und auf der Stell!
Vorlage S. 259
468
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 259
469
Is scho g'schehg'n! Da brauchst di net kümmern. Und wia!
Vorlage S. 259
470
KIERMAYER.
Vorlage S. 259
471
Wos? Vo wem?
Vorlage S. 259
472
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 259
473
Unsa Herr Bürgermoasta! Ha ha! Freunderl, der hat's eahm g'sagt!
Vorlage S. 259
474
KIERMAYER.
Vorlage S. 259
475
Is wahr.
Vorlage S. 259
476
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 259
477
No, mei Liaba! Der hat si hi'g'stellt für uns! Der hat uns vertreten!
Vorlage S. 259
478
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 259
479
Sie dürfen überzeugt sein, dass nichts versäumt wurde.
Vorlage S. 259
480
KIERMAYER
Vorlage S. 259
481
lärmend.
Vorlage S. 259
482
Respekt, sag i, Respekt!
Vorlage S. 259
483
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 259
484
De Herren wissen jetzt, wo der Bartel an Most holt. Und dass mir aa no wer san!
Vorlage S. 259
485
KIERMAYER.
Vorlage S. 259
486
Entschuldigen S', Herr Bürgermoasta, dös hab i ja net wissen könna!
Vorlage S. 259
487
GRUBER.
Vorlage S. 259
488
Hat nacha des Reden was g'holfen?
Vorlage S. 259
489
BÜRGERMEIESTER.
Vorlage S. 259
490
Sie wissen, meine Herren, wenn sich die Regierung einmal ihre Meinung gebildet hat!
Vorlage S. 259
491
STELZER.
Vorlage S. 259
492
Leider! Leider!
Vorlage S. 259
493
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 259
494
Wir dürfen uns keinen Hoffnungen hingeben.
Vorlage S. 259
495
GRUBER.
Vorlage S. 259
496
Dös valernt ma scho heutzutag.
Vorlage S. 259
497
HEITZINGER.
Vorlage S. 259
498
Bei der Untergrabung des Mittelstandes!
Vorlage S. 259
499
KIERMAYER.
Vorlage S. 259
500
Aba wart's nur, Manndein, wenn die Wahlen kemma! Da zoag'n ma's eahna, bei die Wahlen!
Vorlage S. 259
501
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 259
502
Wie gesagt, wenn es Ihnen eine Beruhigung ist, die wahre Meinung der hiesigen Bürgerschaft kennt das Ministerium jetzt.
Vorlage S. 259
503
STELZER.
Vorlage S. 260
504
Und in dieser Beziehung schulden wir Ihnen den größten Dank.
Vorlage S. 260
505
KIERMAYER UND GRUBER
Vorlage S. 260
506
unisono.
Vorlage S. 260
507
Des tean mir aber aa!
Vorlage S. 260
508
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 260
509
Gott sei Dank, dass 's no Leut gibt, de 's Herz auf'n recht'n Fleck hamm!
Vorlage S. 260
510
GRUBER.
Vorlage S. 260
511
Und a Schneid!
Vorlage S. 260
512
KIERMAYER.
Vorlage S. 260
513
Mir lassen aa net aus. Und bal die Regierung, i sag' net mehra; Sie vastengan mi scho, Herr Bürgermoasta! Bal die Regierung!
Vorlage S. 260
514
HEITZINGER.
Vorlage S. 260
515
Herr Bürgermeister, darf ich Sie um den genauen Wortlaut der Unterredung bitten?
Vorlage S. 260
516
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 260
517
Wozu?
Vorlage S. 260
518
HEITZINGER.
Vorlage S. 260
519
Ich muss einen Leitartikel bringen. Einen gepfefferten.
Vorlage S. 260
520
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 260
521
Das ist nicht notwendig, Herr Heitzinger. Wirklich nicht. Er geht mit Heitzinger nach rückwärts.
Vorlage S. 260
522
HEITZINGER.
Vorlage S. 260
523
Sie verkennen die Bedeutung der Presse, Herr Bürgermeister.
Vorlage S. 260
524
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 260
525
Durchaus nicht, aber ich bin kein Freund von den Geschichten. Sie entfernen sich gegen die Gartentüre zu. Heitzinger spricht lebhaft auf den Bürgermeister ein.
Vorlage S. 260
526
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 260
527
Der Heitzinger is eine Wanzen.
Vorlage S. 260
528
KIERMAYER.
Vorlage S. 260
529
Du, was hat denn der Bürgermoasta g'sagt?
Vorlage S. 260
530
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 260
531
Ah, Freunderl, der hat's eahna g'muckt!
Vorlage S. 260
532
GRUBER.
Vorlage S. 260
533
Geh!
Vorlage S. 260
534
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 260
535
Mir lassen uns nix g'f allen, hat er g'sagt, mir Dornstoana, von koan Minister. Mir wollen unser Recht, geht's, wia's mog, sagt er.
Vorlage S. 260
536
KIERMAYER.
Vorlage S. 260
537
Ah Herrschaft!
Vorlage S. 260
538
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 260
539
Ja, und koan Zwang leiden mir durchaus gar net. Mir san freie Bürger, hat er g'sagt.
Vorlage S. 260
540
KIERMAYER
Vorlage S. 260
541
sich auf die Schenkel patschend.
Vorlage S. 260
542
Freie Bürger!
Vorlage S. 260
543
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 260
544
Und der muaß erscht no auf d' Welt kemma, der uns schikanieren derf, hat er g'sagt.
Vorlage S. 260
545
KIERMAYER UND GRUBER
Vorlage S. 260
546
reiben sich vor Vergnügen die Hände.
Vorlage S. 260
547
Haha! Herrschaftseiten! Haha!
Vorlage S. 260
548
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 260
549
Und so is weiterganga, in dera Tonart. I sag enk, des muaß an ganzen Auflauf geben hamm.
Vorlage S. 260
550
STELZER.
Vorlage S. 260
551
Es war eine mutvolle Tat.
Vorlage S. 260
552
KIERMAYER
Vorlage S. 261
553
brüllt.
Vorlage S. 261
554
Respekt, sag i nomal! So is recht!
Vorlage S. 261
555
STELZER.
Vorlage S. 261
556
Die Stadt sollte eigentlich ihrem Dankgefühl Ausdruck verleihen.
Vorlage S. 261
557
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 261
558
Scho deswegen, dass de drobern sehg'n, dass mir zum Bürgermoasta halten.
Vorlage S. 261
559
KIERMAYER.
Vorlage S. 261
560
Und dass sie si grean und blau ärgern.
Vorlage S. 261
561
GRUBER.
Vorlage S. 261
562
De müassen z'springa vor lauter Gift.
Vorlage S. 261
563
KIERMAYER.
Vorlage S. 261
564
Mir müassen was arranschieren.
Vorlage S. 261
565
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 261
566
Dös verlangt der Anstand; er hat si aa für uns ei'g'legt.
Vorlage S. 261
567
STELZER.
Vorlage S. 261
568
Wenn mir die Herren erlauben, werde ich die Sache gleich in die Hand nehmen.
Vorlage S. 261
569
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 261
570
Dös tuast.
Vorlage S. 261
571
KIERMAYER.
Vorlage S. 261
572
Da müassen mir uns aba tummeln! Zum Bürgermeister, der mit Heitzinger wieder nach vorne kommt. I geh jetzt; es is nimmer z' fruah.
Vorlage S. 261
573
GRUBER.
Vorlage S. 261
574
I geh mit. Pfüat Gott, Herr Bürgermoasta!
Vorlage S. 261
575
STELZER.
Vorlage S. 261
576
Ich habe die Ehre, mich zu empfehlen.
Vorlage S. 261
577
HEITZINGER.
Vorlage S. 261
578
Ich muss auch noch in meine Offizin.
Vorlage S. 261
579
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 261
580
Dann adieu, meine Herren! Und nicht wahr, Herr Heitzinger, der Artikel unterbleibt bis auf weiteres?
Vorlage S. 261
581
KIERMAYER.
Vorlage S. 261
582
Was ist, Schweigel? Kimmst net mit?
Vorlage S. 261
583
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 261
584
Na, i bleib no a bissel, wenn's der Herr Bürgermoasta erlaubt.
Vorlage S. 261
585
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 261
586
Ist mir ein Vergnügen, Herr Schweigel.
Vorlage S. 261
587
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 261
588
Nacha pfüat enk, und, Stelzer, gel du b'sorgst alles!
Vorlage S. 261
589
STELZER.
Vorlage S. 261
590
Auf der Stelle.
Vorlage S. 261
591
Kiermayer, Stelzer, Gruber, Heitzinger gehen zur Gartentüre hinaus. Kiermayer bleibt unter der Türe plötzlich stehen, kehrt um, geht gravitätisch auf den Bürgermeister zu und gibt ihm die Hand.
Vorlage S. 261
592
KIERMAYER.
Vorlage S. 261
593
Herr Bürgermoasta, ich hab koa Rednergab, aba Sie verstengan mi schon. I sag net mehra, wie dös: bal die Regierung!
Vorlage S. 261
594
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 261
595
Besten Dank, Herr Kiermayer. Ich weiß ja.
Vorlage S. 261
596
KIERMAYER.
Vorlage S. 261
597
Bal die Regierung! Geht langsam ab.
Vorlage S. 261
598
Siebente Szene
Vorlage S. 262
599
Der Bürgermeister. Schweigel.
Vorlage S. 262
600
SCHWEIGEL
Vorlage S. 262
601
Der Bürgermeister steckt die Hände in die Hosentaschen und geht auf und ab.
Vorlage S. 262
602
Schweigel setzt sich im Laufe des Gespräches auf den rechts vorne stehenden Rohrsessel. Es tritt allmählich Dämmerung ein. I mag net hoam geh'. Die Fragerei is mir so z'wider. Sie wissen ja, wie die Frauen san ...
Vorlage S. 262
603
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 262
604
Bleiben Sie hier! Wir trinken ein Glas Bier zusammen, wenn es Ihnen recht ist.
Vorlage S. 262
605
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 262
606
Warum nit? Der Bürgermeister klingelt. Wissen S', Herr Bürgermoasta, i ko's meiner Alten aa net verdenken. Jetzt hamm ma den Garten Gott woaß wie lang, mir hamm selber so a bissel mit g'arbet, hamm unser Freud dro g'habt – und jetzt müassen mir zuaschaug'n, dass'n de Eisenbahn in der Mitt' ausanandaschneid't.
Vorlage S. 262
607
BÜGERMEISTER.
Vorlage S. 262
608
Ja, ja! Seufzt. Und was haben wir für Hoffnungen auf diese Bahn gesetzt!
Vorlage S. 262
609
Das Dienstmädchen tritt von links ein.
Vorlage S. 262
610
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 262
611
Marie, holen Sie zwei Glas Bier!
Vorlage S. 262
612
MARIE.
Vorlage S. 262
613
Ja, gnä Herr! Ab.
Vorlage S. 262
614
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 262
615
I saget no nix, wenn ma sehet, dass die Abtretung notwendig is zu'n allgemeinen Besten. Aber wenn ma woaß, dass de ganze Stadt no dazu an Schaden davo hat, und dass's grad zum Trotz g'schieht – da vageht oam da Glauben.
Vorlage S. 262
616
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 262
617
Ja, wirklich.
Vorlage S. 262
618
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 262
619
Es is scho merkwürdi heutzutag.
Vorlage S. 262
620
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 262
621
Sie können sich denken, wie mir dabei zumut ist.
Vorlage S. 262
622
Kleine Pause. Marie kommt von links mit Bier. Sie stellt die zwei Gläser auf den Gartentisch rechts.
Vorlage S. 262
623
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 262
624
No, stoßen ma'r amal o! 's Wohlsei, Herr Bürgermoasta!
Vorlage S. 262
625
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 262
626
Prosit, Herr Schweigel! Stoßen an und trinken.
Vorlage S. 262
627
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 262
628
Warum s' grad mit uns a so umgengan?
Vorlage S. 262
629
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 262
630
Das haben wir nicht verdient.
Vorlage S. 262
631
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 262
632
I geh am Sonntag in mei Kirchen, i wähl anständig, i bi Veteran und Feuerwehrhauptmo, i bi überhaupt, wia ma sagt, a loyaler Bürger.
Vorlage S. 262
633
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 263
634
Das muss jeder zugeben.
Vorlage S. 263
635
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 263
636
Scheint aber net, oder vielleicht gilt dös nix mehr heutzutag.
Vorlage S. 263
637
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 263
638
Das wäre schlimm für den Staat, Herr Schweigel.
Vorlage S. 263
639
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 263
640
Allerdings. Also Prost, Herr Bürgermoasta!
Vorlage S. 263
641
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 263
642
Prosit! Stoßen an und trinken.
Vorlage S. 263
643
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 263
644
Guate Bürger braucht der Staat. Ja! Und bal oana so viel Steuern zahl als wia'r i, nacha nimmt ma'r eahm sein Garten.
Vorlage S. 263
645
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 263
646
Nimmt ihm den Garten.
Vorlage S. 263
647
Der Major tritt von links ein.
Vorlage S. 263
648
Achte Szene
Vorlage S. 263
649
Die Vorigen. Major.
Vorlage S. 263
650
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 263
651
Dös is net klug und weise, dös is net diplomatisch. Auf de Weis ziagt ma Sozialdemokraten her.
Vorlage S. 263
652
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 263
653
Hoffentlich nicht! Hoffentlich nicht!
Vorlage S. 263
654
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 263
655
Was denn? De, wo nix hamm, san's a so scho; jetzt brauchan bloß no de Sozialdemokraten wer'n, de wo was hamm; nacha werd's bald gar sei. Hab i recht, Herr Major?
Vorlage S. 263
656
MAJOR.
Vorlage S. 263
657
Vollständig. Sie wollen also jetzt zur äußersten Linken übertreten, Herr Schweigel?
Vorlage S. 263
658
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 263
659
No, ma hat ja no sei Religion im Leib! Aba ma soll oan aa net zu stark reizen.
Vorlage S. 263
660
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 263
661
Es wird eben darauf gesündigt, dass der kernige Bürgerstand sich nicht vom rechten Weg abbringen lässt.
Vorlage S. 263
662
MAJOR.
Vorlage S. 263
663
Der kernige Bürgerstand ist bloß selber schuld, wenn man ihm auf die Zehen tritt.
Vorlage S. 263
664
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 263
665
Erlaub du mir!
Vorlage S. 263
666
MAJOR.
Vorlage S. 263
667
Jawohl. Jeder Stand wird so behandelt, wie er sich's gefallen lässt.
Vorlage S. 263
668
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 263
669
Wir lassen uns nichts gefallen, wir schweigen nur manchmal der staatlichen Ordnung zulieb.
Vorlage S. 263
670
MAJOR.
Vorlage S. 263
671
Und aus sonstigen Gründen.
Vorlage S. 263
672
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 263
673
Wir wollen nicht mit der Regierung auf dem Kriegsfuß leben.
Vorlage S. 263
674
MAJOR.
Vorlage S. 264
675
Ist ja nicht notwendig, aber die Bürger sollen sich wenigstens Respekt verschaffen.
Vorlage S. 264
676
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 264
677
Den Respekt verweigert man uns nicht.
Vorlage S. 264
678
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 264
679
Da taten mir aa no a Wörtl mit reden.
Vorlage S. 264
680
MAJOR.
Vorlage S. 264
681
Ich kann nicht finden, dass der Bürgerstand mit besonderer Hochachtung behandelt wird.
Vorlage S. 264
682
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 264
683
Die Eisenbahnen sind nun einmal staatlich, und ...
Vorlage S. 264
684
MAJOR.
Vorlage S. 264
685
Es handelt sich nicht bloß um eure Bahn, und nicht bloß um euch Dornsteiner. Die Nichtachtung sieht man überall und bei jeder Gelegenheit.
Vorlage S. 264
686
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 264
687
Dös waar g'spaßi!
Vorlage S. 264
688
MAJOR.
Vorlage S. 264
689
Man sieht auch recht gut, wo es bei den Bürgern fehlt.
Vorlage S. 264
690
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 264
691
Wo fehlt es?
Vorlage S. 264
692
MAJOR.
Vorlage S. 264
693
An der richtigen Festigkeit.
Vorlage S. 264
694
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 264
695
Entschuldigen S', Herr Major, wenn i da aa'r a bissel mitred. Aba i moan, Sie gengan da entschieden zu weit.
Vorlage S. 264
696
MAJOR.
Vorlage S. 264
697
Nein, nein, Herr Schweigel.
Vorlage S. 264
698
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 264
699
Wo steht denn dös, dass mir koa Festigkeit net hamm? Da müaßten mir aa was wissen.
Vorlage S. 264
700
Während der Szene ist es Nacht geworden. Schöne Mondnacht.
Vorlage S. 264
701
MAJOR.
Vorlage S. 264
702
Das zeigt sich überall.
Vorlage S. 264
703
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 264
704
Zum Beispiel?
Vorlage S. 264
705
MAJOR.
Vorlage S. 264
706
Ihr nehmt tausend Rücksichten, auch da, wo ihr gar nichts davon habt. Ihr schimpft über Vorurteile und beugt euch davor. Ihr macht Opposition und schmeißt wieder um.
Vorlage S. 264
707
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 264
708
Ah! Ah! Sie san guat!
Vorlage S. 264
709
MAJOR.
Vorlage S. 264
710
Man nimmt euch nicht ernst. Das müsst ihr doch selber sehen.
Vorlage S. 264
711
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 264
712
Du übertreibst aber wirklich, Karl.
Vorlage S. 264
713
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 264
714
Wia Sie so reden könna, Herr Major, wo Eahna Bruader ein solches Beispiel geben hat!
Vorlage S. 264
715
MAJOR.
Vorlage S. 264
716
Ja so!
Vorlage S. 264
717
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 264
718
I glaab, dass dös a Festigkeit is, wenn ma si traut und an Minister a so z'sammpackt.
Vorlage S. 264
719
Neunte Szene
Vorlage S. 265
720
Die Frau Bürgermeister von links mit einer Gartenlampe. Die Vorigen.
Vorlage S. 265
721
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 265
722
Die Herren sitzen ja im Dunkeln.
Vorlage S. 265
723
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 265
724
I hab gar net g'merkt, dass's scho so spat is. Dös kummt vom Politisier'n.
Vorlage S. 265
725
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 265
726
Sie bleiben noch ein bisschen?
Vorlage S. 265
727
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 265
728
Na, na! I muaß jetzt hoam. Mei Alte woaß gar net, wo i bi.
Vorlage S. 265
729
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 265
730
Wir schicken unser Mädchen hinunter. Ein Glas Bier müssen Sie noch trinken.
Vorlage S. 265
731
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 265
732
No, vo mir aus. Aba wenn i nachgib, sagt der Herr Major wieder, dass mir Bürger koa Festigkeit hamm.
Vorlage S. 265
733
MAJOR.
Vorlage S. 265
734
An der Festigkeit habe ich nie gezweifelt.
Vorlage S. 265
735
Zehnte Szene
Vorlage S. 265
736
Beringer und Suschen von links. Die Vorigen.
Vorlage S. 265
737
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 265
738
Grüß Gott, Adolf! Ich hab' dich noch gar nicht gesehen.
Vorlage S. 265
739
BERINGER.
Vorlage S. 265
740
Grüß Gott! Nun, wie ist es gegangen?
Vorlage S. 265
741
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 265
742
Ich habe nichts ausgerichtet.
Vorlage S. 265
743
BERINGER.
Vorlage S. 265
744
Das war vorauszusehen.
Vorlage S. 265
745
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 265
746
Reden wir nicht mehr davon! Wir wollen heute recht vergnügt sein.
Vorlage S. 265
747
Das Dienstmädchen bringt Bier, und stellt es auf den Tisch links.
Vorlage S. 265
748
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 265
749
So. Platz nehmen. Alle setzen sich.
Vorlage S. 265
750
BERINGER.
Vorlage S. 265
751
War der Minister gut gelaunt?
Vorlage S. 265
752
BÜRGERMEISTER
Vorlage S. 265
753
verlegen.
Vorlage S. 265
754
O ja! Gott!
Vorlage S. 265
755
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 265
756
Am Anfang vielleicht scho!
Vorlage S. 265
757
BERINGER.
Vorlage S. 265
758
Wieso, am Anfang?
Vorlage S. 265
759
Schweigel lacht. Der Bürgermeister schneuzt sich verlegen.
Vorlage S. 265
760
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 265
761
Er war wie immer. Du weißt ja. Aber lassen wir das gut sein. Prosit! Gegenseitiges Zutrinken.
Vorlage S. 265
762
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 265
763
Herr Bürgermoasta, Sie san a Volksheld!
Vorlage S. 265
764
BERINGER.
Vorlage S. 265
765
Lauter Anspielungen. Warum erzählst du nichts?
Vorlage S. 265
766
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 266
767
Es ist nichts zu erzählen, Adolf. Ich habe meine Pflicht getan, weiter nichts.
Vorlage S. 266
768
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 266
769
Sie san zu bescheiden, Herr Bürgermoasta!
Vorlage S. 266
770
BÜRERMEISTER.
Vorlage S. 266
771
Absolut nicht. Suschen, willst du nicht Klavier spielen?
Vorlage S. 266
772
SUSCHEN.
Vorlage S. 266
773
Gerne. Was willst du hören?
Vorlage S. 266
774
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 266
775
Irgendwas. Das ist mir gleich.
Vorlage S. 266
776
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 266
777
Nur nix klassisch'. Dös is so fad!
Vorlage S. 266
778
SUSCHEN.
Vorlage S. 266
779
Ich hole was Lustiges, Herr Schweigel. Ab nach links.
Vorlage S. 266
780
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 266
781
I muaß sag'n, Frau Bürgermoasta, Eahne Fräul'n Tochta g'fallt mir allaweil besser. So was Liabs!
Vorlage S. 266
782
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 266
783
Sie macht uns viel Freude.
Vorlage S. 266
784
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 266
785
Jawohl.
Vorlage S. 266
786
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 266
787
Und jetzt kriagt s' bald an braven Mo. Eahna Wohl, Herr Amtsrichter!
Vorlage S. 266
788
BERINGER
Vorlage S. 266
789
steif.
Vorlage S. 266
790
Sehr angenehm.
Vorlage S. 266
791
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 266
792
Wie geht es Ihrer Tochter im jungen Ehestand, Herr Schweigel?
Vorlage S. 266
793
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 266
794
I dank der Nachfrag. Guat! No, schlecht kann's ihr aa net geh.
Vorlage S. 266
795
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 266
796
Ihr Schwiegersohn hat ein großes Anwesen?
Vorlage S. 266
797
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 266
798
Ja. Und sie hat ja aa was Schön's mitkriagt. De Leuteln tean sie ganz leicht.
Vorlage S. 266
799
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 266
800
Ihre Frau sagte mir neulich, es sei schon was Kleines auf dem Wege?
Vorlage S. 266
801
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 266
802
Freili! Jetzt wer'n ma bald Großvata. No, bei Eahna schlagt's aa no ei, Herr Bürgermoasta.
Vorlage S. 266
803
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 266
804
Stoßen wir darauf an!
Vorlage S. 266
805
Alle stoßen an. Beringer zurückhaltend. Suschen von links mit Notenblättern unter dem Arme.
Vorlage S. 266
806
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 266
807
Haha! Fräul'n Suschen, wenn S' wisseten, auf was mir jetzt trunken hamm!
Vorlage S. 266
808
SUSCHEN.
Vorlage S. 266
809
Darf man das nicht hören?
Vorlage S. 266
810
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 266
811
Das muss dir Adolf erzählen.
Vorlage S. 266
812
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 266
813
Recht hoamli.
Vorlage S. 266
814
Lachen. Man hört in der Ferne Musik einen Marsch spielen.
Vorlage S. 266
815
MAJOR
Vorlage S. 266
816
zu Schweigel.
Vorlage S. 266
817
Prost!
Vorlage S. 266
818
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 266
819
Prost, Herr Major! I woaß net, i bin heut so lusti, trotz mei'n Garten. I glaab, dös kummt daher, weil i mi heut so über'n Herrn Bürgermoasta g'freut hab'.
Vorlage S. 266
820
BERINGER.
Vorlage S. 267
821
Eine solche Geheimniskrämerei! Was ist denn passiert?
Vorlage S. 267
822
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 267
823
Dös will i Eahna scho sag'n, Herr Amtsrichter. Sehg'n S', Sie san was, Sie san a Beamter. Aba Sie derfen stolz sei, dass Sie an solchen Schwiegervater kriag'n.
Vorlage S. 267
824
Die Musik intoniert bedeutend näher wieder einen Marsch.
Vorlage S. 267
825
MAJOR.
Vorlage S. 267
826
Was ist das für eine Musik?
Vorlage S. 267
827
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 267
828
Ich habe schon vorhin was gehört.
Vorlage S. 267
829
Das Zimmermädchen stürzt atemlos durch die Gartentüre herein.
Vorlage S. 267
830
MARIE.
Vorlage S. 267
831
Herr Bürgermeister! Herr Bürgermeister! Die Liedertafel kommt!
Vorlage S. 267
832
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 267
833
Wo? Zu wem?
Vorlage S. 267
834
MARIE.
Vorlage S. 267
835
Zu uns. Sie wollen ein Ständchen bringen.
Vorlage S. 267
836
SUSCHEN.
Vorlage S. 267
837
Dem Papa?
Vorlage S. 267
838
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 267
839
Fritz!
Vorlage S. 267
840
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 267
841
Nur geschwind meinen Gehrock! Marie!
Vorlage S. 267
842
Suschen und Marie eilig nach links ab. Gleich darauf kommen sie wieder mit dem Gehrock herein. Die Musik ist nun im Garten angelangt. Brausender Marsch. Lampionträger marschieren auf und bilden einen Kreis um die Liedertafelsänger. Während
Vorlage S. 267
843
dessen ist die Unterhaltung im Verandazimmer weiter gegangen.
Vorlage S. 267
844
BERINGER.
Vorlage S. 267
845
Ich begreife das alles nicht.
Vorlage S. 267
846
SCHWEIGEL.
Vorlage S. 267
847
Seh'gn S', Herr Amtsrichter. So ehrt die Stadt Eahnan Schwiegervater!
Vorlage S. 267
848
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 267
849
Schnell! Schnell! Meinen Rock! Suschen und Marie helfen ihm hinein.
Vorlage S. 267
850
FRAU BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 267
851
Ach Gott, Fritz? Wenn ich mich nur recht freuen könnte!
Vorlage S. 267
852
Gruppe im Zimmer. Die Frau Bürgermeister lehnt sich an ihren Mann. Suschen legt die Hand auf die Schulter ihres Verlobten. Alle stehen. Die Musik schweigt plötzlich, und ein Quartett singt die erste Strophe des Liedes.
Vorlage S. 267
853
Wer hat dich, du schöner Wald,
Vorlage S. 267
854
Aufgebaut so hoch da droben?
Vorlage S. 267
855
Nach Beendigung der Strophe tritt Stelzer unter die Gartentüre und spricht halb gegen die Zuschauer, halb gegen den Garten zugewendet.
Vorlage S. 267
856
STELZER.
Vorlage S. 267
857
Unser mutiger Vorkämpfer, der allverehrte Herr Bürgermeister soll leben hoch! Hoch! Hoch!
Vorlage S. 267
858
Die Leute im Garten stimmen brausend in den Hochruf ein. Die Musik spielt einen Tusch.
Vorlage S. 268
859
Kiermayer, Stelzer, Heitzinger betreten das Zimmer. Der Bürgermeister geht auf sie zu.
Vorlage S. 268
860
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 268
861
Aber, meine Herren! Diese Ehre! Schüttelt jedem die Hand, dann tritt er unter die Gartentüre und spricht halb zu den Zuschauern gewendet.
Vorlage S. 268
862
BÜRGERMEISTER.
Vorlage S. 268
863
Mitbürger! Dornsteiner! Sie haben mir eine Ehrung bereitet, die mich auf das Tiefste ergreift. Ich spreche Ihnen meinen Dank aus. Meinen innigsten Dank. Ich kann nicht mehr sagen, als dass ich allezeit für mein liebes Dornstein meine schwachen Kräfte einsetzen will, jetzt und allezeit. In guten und bösen Tagen. Mit Gut und Blut! Und in diesem Sinne stimmen Sie mit mir ein: unser Dornstein, hoch! Hoch! Hoch!
Vorlage S. 268
864
Die Leute im Garten, sowie Kiermayer, Heitzinger, Schweigel, Stelzer rufen mit. Die Musik spielt wieder einen Tusch. Die Liedertafel intoniert sofort den Sängerspruch.
Vorlage S. 268
865
Schneidige Wehr,
Vorlage S. 268
866
Blanke Ehr,
Vorlage S. 268
867
Lied zum Geleit,
Vorlage S. 268
868
Gib Gott allezeit!
Vorlage S. 268
869
Während des Singens fällt der Vorhang.
Vorlage S. 268

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10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

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Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Das ist doch kein Grund, dass man die …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »Deswegen« in diesem Textausschnitt? »Deswegen werden heutzutag so viele Dummheiten gemacht.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt verweist mit einer Zeitangabe ausdrücklich auf eine frühere Zeit? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Er hat wirklich einen schrecklichen Auftritt gehabt.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Wissen S', Herr Bürgermoasta, i ko's meiner Alten aa net verdenken.« B: »Die kommerziellen Interessen unserer Stadt sollten doch besser gewürdigt werden.« C: »Aber das Ministerium hat definitiv entschieden, und da hilft alles Reden nichts mehr.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Dös verlangt der Anstand; er …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Wissen S', Herr […], i ko's meiner Alten aa net verdenken.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »deswegen« in diesem Textausschnitt? »Scho deswegen, dass de drobern sehg'n, dass mir zum Bürgermoasta halten.«

Eine Antwort ist richtig.

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10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Wie geht es Ihrer Tochter …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »Liest wieder die Zeitung und raucht an der Pfeife.«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.

Impulse zur Selbstprüfung

Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.

  • Situation oder Gedanke verständlich erklärt
  • Mindestens ein passender Textbeleg
  • Eigene Formulierungen statt bloßer Abschrift
Textstelle nachlesen ↗

2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »Liest wieder die Zeitung und raucht an der Pfeife.« und »im jungen Ehestand, Herr Schweigel«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.

Impulse zur Selbstprüfung

Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.

  • Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
  • Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
  • Deutung und wörtlichen Beleg unterschieden
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »Deswegen werden heutzutag so viele Dummheiten gemacht.«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.

Impulse zur Selbstprüfung

Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.

  • Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
  • Wirkung als begründete Deutung formuliert
  • Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
Textstelle nachlesen ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Liest wieder die Zeitung und raucht an der Pfeife.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Wir haben vernommen, dass der Herr Bürgermeister zurück sind, und bei der Aufregung in der Stadt möchten wir um Bescheid bitten.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Schneidige Wehr, Blanke Ehr, Lied zum Geleit, Gib Gott allezeit!«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Das deutschsprachige Original ist nach den geprüften Lebensdaten des Autors in Deutschland gemeinfrei. TextGrid und www.editura.de stellen den bearbeiteten Datenbestand unter CC BY 3.0 DE bereit.

Die Lokalbahn

Ludwig Thoma: Gesammelte Werke in sechs Bänden. Erweiterte Neuausgabe. Textredaktion: Albrecht Knaus, München: Piper, 1968. Thoma, Ludwig 247- München

Das Werk Die Lokalbahn von Thoma, Ludwig ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; underlying texts public domain per source Lizenz

Originalsprache · Deutsch

Unveränderte deutsche Quellfassung; die andere Spalte bietet eine gesonderte Lesefassung. Beide Ansichten gehören zu demselben Werk.

Das Werk Die Lokalbahn von Thoma, Ludwig ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Autorschaft und Ausgabe: Thoma, Ludwig

Originaltext und Ausgabe ↗ · TextGrid / Editura · Lizenz und Nutzungsbedingungen

Ludwig Thoma: Gesammelte Werke in sechs Bänden. Erweiterte Neuausgabe. Textredaktion: Albrecht Knaus, München: Piper, 1968. Thoma, Ludwig 247- München

Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.