Der verliebte Teufel von Cazotte, Jacques. Volltext der angegebenen historischen deutschen Übersetzung.
ErzählprosaKlasse 9–10 · 11–135 Abschnitte
Historische Illustration zu „Der verliebte Teufel“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Charles Gilbert · Public domainBildquelle ↗
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Deutsch · Abschnitt 1 von 5
Jacques Cazotte · Leseabschnitt 1
Redaktioneller Leseabschnitt innerhalb von „Jacques Cazotte“. Die zusätzliche Gliederung verändert weder Wortlaut noch Reihenfolge.
Ich war, fünf und zwanzig Jahre alt, Hauptmann in der Garde des Königs von Neapel: wir lebten unter einander wie gute Kameraden und wie junge Leute, das heißt mit Weibern und vom Spiel, so lange das Geld ausreichte und philosophirten in unsern Quartieren, wenn wir nichts Besseres mehr zu tun wussten.
Eines Abends, als wir uns bei einer kleinen Flasche Cyperwein und gerösteten Maronen über allerlei Dinge müde geplaudert hatten, fiel das Gespräch auf die Cabbala und Cabbalisten.
Einer behauptete, sie sei in der That eine in ihrem Verfahren sicher begründete Wissenschaft; vier der Jüngsten warfen dagegen ein, dass sie eine Anhäufung von Albernheiten, eine Quelle von Spitzbübereien und nur dazu da sei, leichtgläubige Leute zu bethören und Kinder zu vergnügen.
Der Älteste von uns, ein geborener Flamänder, rauchte, zerstreut aussehend, seine Pfeife und sprach kein Wort. Seine Kälte und sein unachtsames Wesen fielen mir mitten in dem mißtönenden Gelärm, das uns betäubte, auf und verhinderten mich, an einer Unterhaltung Theil zu nehmen, die zu wenig geregelt war, um mich anzuziehen. Wir befanden uns im Zimmer des Rauchers, die Nacht rückte vor, man ging auseinander, wir Beide blieben allein zurück, mein älterer Kamerad und ich.
Ich schweige lieber still, antwortete ich, als dass ich einer Sache beistimme oder widerspreche, die mir unbekannt ist: ich weiß nicht einmal, was das Wort Cabbala besagen will.
Es hat verschiedene Bedeutungen, sprach er: aber darauf kommt nichts an, es handelt sich hier um die Sache selbst. Glauben Sie, dass eine Wissenschaft bestehen kann, die Metalle verwandeln und Geister unter unsere Botmäßigkeit bringen lehrt? ...
Ich weiß nichts von Geistern, nicht einmal was von meinem eigenen, außer dass ich seines Daseins gewiss bin. Was die Metalle anlangt, so weiß ich, wieviel ein Karolin im Spiele, im Wirthshause und anderswo gilt; aber ihres verschiedenartigen Wesens, der Einwirkungen und Gestaltungen wegen, die ihm zulässig, mag ich weder Etwas bejahen noch verneinen.
Mein junger Kriegskamerad! ich sehe Ihre Unwissenheit sehr gern, sie wiegt der Andern Wissen auf: Sie sind wenigstens in keinem Irrthume befangen, und wenn auch nicht unterrichtet, doch fähig, es zu werden. Ihre Natur, die Freimüthigkeit Ihres Charakters und die Geradheit Ihres Sinnes gefallen mir. Ich weiß etwas mehr als gewöhnliche Menschen: sichern Sie mir mit Ihrem Ehrenworte das strengste Geheimnis zu, versprechen Sie mir, sich klug zu betragen, und Sie sollen mein Schüler sein.
Die Eröffnung, die Sie mir machen, mein lieber Soberano, ist mir angenehm. Die Neugier ist meine stärkste Leidenschaft. Ich gestehe Ihnen, ich trage kein eifriges Verlangen nach alltäglichen Kenntnissen, sie sind mir immer zu beschränkt vorgekommen, und ich habe die höhere Sphäre, zu der Sie mir beistehen wollen einzugehen, geahnet: welches aber ist der erste Schlüssel zu der Wissenschaft, die Sie nannten? Nach dem was unsere Kameraden in ihrem Streite äußerten, sind es die Geister selbst, die uns belehren: kann man in Verbindung mit ihnen treten?
Sie haben es getroffen, Alvaro: von sich selbst lernt man nichts; dass eine Verbindung mit ihnen uns möglich ist, davon will ich Ihnen einen unwiderleglichen Beweis geben.
Indem er dies gesprochen und seine Pfeife ausgeraucht hatte, klopft er damit dreimal an, um die wenige Asche auszuschütten, die darin war, legt sie dicht neben mir auf den Tisch und sagt mit erhobener Stimme: Calderon, hol meine Pfeife, stopfe sie und zünde sie mir an, und bring sie wieder!
Er hatte kaum den Befehl gegeben, so sehe ich die Pfeife verschwinden, und ich hatte noch nicht über seine Macht nachdenken oder fragen können, wer der Calderon sei, dem er seinen Auftrag ertheilt, so war schon die brennende Pfeife wieder da, und hatte mein Kamerad seine Beschäftigung damit von Neuem aufgenommen.
Er fuhr darin eine Weile fort, weniger um den Tabak zu schmecken, als um sich an dem Erstaunen zu weiden, das er mir erregte; sodann stand er auf und sagte: ich ziehe morgen auf Wache, ich muss ausruhen; gehen Sie schlafen, seien Sie klug, wir werden uns wiedersehen!
Ich verließ ihn, begierig nach den neuen Begriffen dürstend, mit denen ich mir versprach, mich, unter Soberano's Beistande, alsbald zu erfüllen. Ich sah ihn des andern Morgens, die folgenden Tage, ich hatte keine andere Leidenschaft mehr, ich ward sein Schatten.
Ich stellte ihm tausend Fragen; er wich den einen aus und beantwortete die andern wie ein Orakel. Zuletzt setzte ich ihm wegen der Religion seines Gleichen zu. Sie ist die natürliche, antwortete er. Wir gingen auf Einzelheiten näher ein: seine Aussprüche stimmten mehr mit meinen Neigungen als mit meinen Grundsätzen zusammen; aber ich wollte zum Ziele kommen, und durfte ihm nichts in den Weg legen.
Sie sind hitzig, Kamerad, Sie haben Ihre Probezeit noch nicht überstanden, Sie haben keine der Bedingungen erfüllt, unter denen man furchtlos in diese erhabene Kategorie treten mag ...
Ich gebe es auf, rief ich: ich würde mittlerweile vor Ungeduld umkommen. Sie sind grausam, Soberano. Sie können sich von dem lebhaften Verlangen, das Sie mir eingeflößt, keine Vorstellung machen. Es verzehrt mich ...
Junger Mann, ich traute Ihnen mehr Klugheit zu, Sie machen, dass ich Ihret- und meinetwegen zittere. Was! Sie wollten sich dem aussetzen, ohne irgend eine Vorbereitung, Geister zu beschwören?
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Ich sage nicht, dass durchaus ein Unglück Sie darum betreffen müsste; haben sie Gewalt über uns, so ist es unsere Schwäche, unser Kleinmuth, der sie ihnen gibt: im Grunde sind wir geboren, ihnen zu gebieten ...
Brav! Sind Sie Ihrer selbst so gewiss, so dürfen Sie sich der Gefahr aussetzen; ich verspreche Ihnen meinen Beistand. Nächsten Freitag Mittag essen Sie mit zwei der Unseren bei mir, da wollen wir die Sache zu Ende bringen.
Wir hatten erst Dienstag; keine Schäferstunde wurde jemals mit solcher Ungeduld erwartet. Endlich kam die Zeit, ich traf bei meinem Kameraden zwei Männer, eben nicht von der einnehmendsten Gesichtsbildung, an; wir speisten. Die Unterhaltung drehte sich um gleichgültige Dinge.
Nach Tische schlug man einen Spaziergang nach den Ruinen von Portici vor. Wir machen uns auf den Weg, wir kommen an. Diese Überreste der ehrwürdigsten, eingesunkenen, zertrümmerten, verstreuten, mit Dornen durchwachsenen Denkmäler erregten meiner Einbildungskraft Ideen, die mir ungewöhnlich waren. Siehe da! sprach ich, die Gewalt der Zeit über die Werke menschlichen Stolzes und Fleißes. Wir schritten unter den Ruinen vor, und gelangten endlich, beinahe im Finstern tappend, über Trümmer hinweg, an einen düstern Ort, wohinein nicht das mindeste Licht von Außen dringen konnte.
Mein Kamerad führte mich am Arme; er hörte auf zu gehen, ich stand still. Nunmehr schlägt einer von der Gesellschaft Feuer und zündet eine Kerze an. Der Raum, in dem wir uns befinden, erhellt sich, obwol schwach, und ich entdecke, dass wir unter einem ziemlich wohlerhaltenen etwa fünfundzwanzig Fuß ins Gevierte weiten Gewölbe sind. Wir beobachten das tiefste Stillschweigen. Mein Kamerad beschreibt mit einem Rohre, auf das er sich im Gehen gestützt hatte, rings um sich einen Kreis in den Sand, der den Fußboden bedeckt, und geht hinaus, nachdem er einige Charaktere hinzugezeichnet. Begeben Sie sich unter dieses Zaubersiegel, junger Degen! sagte er zu mir, und treten Sie nicht eher als bei guten Anzeichen wieder hervor ...
Hierauf gibt er mir einen kurzen, eindringlichen, mit einigen Worten untermischten Bannspruch, die mir immer unvergesslich bleiben werden. Sagen Sie diese Beschwörung mit Festigkeit her, sprach er, rufen Sie alsdann dreimal laut Beelzebub, und vergessen Sie besonders nicht, was Sie versprochen haben zu tun.
Ich erinnerte mich, dass ich mich gerühmt hatte, ihn bei den Ohren zu kriegen. Ich werde Wort halten, sprach ich, weil ich mich nicht wollte Lügen strafen lassen. Wir wünschen Ihnen den besten Erfolg, sagte er, Sie werden uns zu wissen tun, wann Sie fertig sind. Sie befinden sich der Thüre gerade gegenüber, die Sie wieder zu uns führt. Sie entfernten sich.
Kein Prahler konnte jemals in einer ärgeren Klemme sein: ich war drauf und dran, sie zurückzurufen; aber ich hätte mich zu sehr schämen und überdies auf alle meine Hoffnungen verzichten müssen. Ich hielt Stand und besann mich einen Augenblick. Man hat mich einschüchtern wollen, sprach ich, man will sehen, ob ich kleinmüthig bin. Meine Versucher sind nur zwei Schritte weit von mir, und in Folge meiner Beschwörung habe ich zu erwarten, dass sie irgend Etwas vornehmen werden, mir Furcht einzujagen. Muth gefasst, damit die albernen Spaßmacher selbst der Spott betrifft!
Diese Berathschlagung währte nicht lange, wurde aber dennoch ein wenig durch das Geschrei der Nachteulen und Fledermäuse gestört, die in der Umgebung und im Innern der Höhle selbst hausten.
Durch mein Nachdenken wieder in etwas beruhigt, fasse ich meinen Muth zusammen, ich stelle mich fest, ich spreche die Beschwörung mit heller, sicherer Stimme und rufe dreimal, rasch nach einander, mit erhöhtem Tone: Beelzebub!
Ein Schauder durchrieselte alle meine Adern und meine Haare sträubten sich mir auf dem Kopfe empor. Kaum hatte ich geendigt, so schlagen mir gegenüber, in der Wölbung oben beide Flügel eines Fensters weit auseinander: ein Lichtstrom, blendender als Tageslicht, bricht durch die Öffnung herein: ein Kameelkopf, eben so widerlich dick, wie scheußlich gestaltet, insonderheit mit unmäßig großen Ohren, erscheint am Fenster. Das gräßliche Gespenst sperrt den Rachen auf und erwidert mir mit einer seiner sonstigen Erscheinung entsprechenden Stimme: Che vuoi?
Ich wüsste meine Lage nicht zu schildern, ich wüsste nicht zu sagen, was mir den Muth aufrecht erhielt und mich verhinderte, beim Anblick dieses Bildes, bei dem noch furchtbareren Getöse, das an mein Ohr schlug, ohnmächtig zu Boden zu stürzen.
Ich empfand die Notwendigkeit, alle meine Kraft zusammenzufassen: ein kalter Angstschweiß drohte sie zu vernichten: ich that mein Äußerstes. Unsere Seele muss wol sehr groß sein und eine ungeheure Schwungkraft haben! Eine Masse von Gefühlen, Gedanken, Betrachtungen wurden in meinem Herzen rege, gingen durch meinen Geist, machten sich alle auf einmal in mir geltend. Die Umwälzung geschah, ich bemeisterte mein Entsetzen. Ich schaue das Gespenst unerschrocken an.
Darf der Sclave sich vermessen, frage ich, seinen Gebieter zu schrecken? Kommst Du, meine Befehle zu empfangen, so nimm eine schickliche Bildung und einen unterwürfigen Ton an.
Die erste Vorstellung, die sich mir darbot, war die eines Hundes und ich sagte daher: Komm als ein Wachtelhund. Ich hatte nicht sobald den Befehl ertheilt, so dehnte das fürchterliche Kameel den Hals bis zu einer Länge von sechzehn Schuh aus, neigte den Kopf bis zur Mitte des Saals hernieder und warf einen kleinen weißen Wachtelhund mit feinen glänzenden Haaren und schleppenden Ohren aus.
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Das Fenster hatte sich wieder geschlossen, jede andere Vision war verschwunden, und es verblieb in dem nicht mehr als nötig erleuchteten Gewölbe nur der Hund und ich.
Er lief mit dem Schwanze wedelnd rings um den Kreis herum und machte Bogensprünge. Meister, sagte er zu mir, ich möchte Euch gern die Fußspitzen lecken; aber der furchtbare Cirkel, der Euch umgiebt, stößt mich zurück.
Mein Vertrauen hatte sich bis zur Verwegenheit gesteigert. Ich trete aus dem Kreise, halte den Fuß hin, der Hund leckt ihn; ich mache eine Bewegung, ihn bei den Ohren zu kriegen, er legt sich auf den Rücken, gleich als ob er um Gnade bäte, ich sehe, dass er weiblichen Geschlechts ist. Stehe auf, sage ich, ich verzeihe Dir: Du siehst, dass ich in Gesellschaft bin, die Herren warten unweit von hier; sie werden müde vom Gehen sein, ich will ihnen einen Imbiß vorsetzen; einen Nachtisch, eingemachte Früchte, Eis, griechischen Wein, Alles wohlangeordnet, der Raum muss nicht prunkhaft aber anständig ausgeschmückt und erleuchtet sein. Gegen das Ende des Mahls erscheinst Du als ausgezeichneter Virtuose, mit einer Harfe: ich werde Dir ein Zeichen geben, wann. Dass Du mir aber Deine Rolle gut spielst, in Deinen Gesang Ausdruck legst und mit sittsamem Anstande auftrittst!
Ihr kennt mich nicht, Meister, sonst würdet Ihr nicht so barsch mit mir umgehen. Ich werde mir nur die einzige Bedingung vorbehalten, Euch zu besänftigen und zu gefallen.
Der Hund hatte kaum ausgeredet, so sehe ich, im Umwenden, schneller als wie in der Oper eine Decoration sich hereinschiebt meine Befehle vollzogen werden. Die zuvor schwärzlichen, feuchten, moosbedeckten Mauern des Gewölbes nahmen eine anmuthigere Färbung und Gestaltung an, es wurde ein Saal von jaspirtem Marmor, ein von Säulen getragenes Bogengewölbe. Acht krystallene Armleuchter, ein jeder mit drei Kerzen, strömten darin eine lebhafte, gleichmäßig vertheilte Hellung aus.
Einen Augenblick später ordneten sich Speise- und Schenktisch an und wurden mit allen Bestandtheilen unseres Mahles besetzt. Früchte und Confect waren das köstlichste und schmackhafteste und vom besten Ansehen. Das Geschirr, auf dem gespeist und servirt werden sollte, war japanisches Porzellan. Das kleine Hündchen lief tausendmal im Saale hin und wieder, machte tausend Sprünge um mich herum, wie um die Arbeit zu beschleunigen und mich zu befragen, ob ich zufrieden sei?
Kaum dass ich einen Moment die Augen verwendet, so sehe ich einen zierlich in meine Farben gekleideten Pagen mit brennender Fackel in der Hand hinausgehen, der bald darauf meinen Kameraden, den Flamänder, und seine beiden Freunde hereinführt.
Auf etwas Außerordentliches zwar schon in Folge der Ankunft und Einladung des Pagen gefasst, versahen sie sich doch der Veränderung nicht, die mit dem Orte, worin sie mich verlassen hatten, vorgegangen war. Hätte ich nicht den Kopf voll gehabt, so würde mich ihr Erstaunen mehr ergötzt haben; es machte sich in einem Schrei Luft und verkündigte sich durch die Bewegung in ihren Gesichtszügen und durch ihre Geberden.
Meine Herren, sagte ich, Sie haben meinetwegen einen weiten Weg gemacht, und wir haben ebenso lange nach Neapel zurückzugehen. Ich habe deshalb gemeint, diese kleine Erfrischung dürfte Ihnen nicht unerwünscht kommen, und im Betreff dessen, dass die Auswahl nicht sorgfältiger und reicher, mir der Umstand Ihre Nachsicht verdienen, dass sie aus dem Stegreife getroffen ward.
Mein ungezwungenes Betragen brachte sie noch mehr als der veränderte Schauplatz und der Anblick des leckern Imbisses, zu dem sie sich eingeladen sahen, außer Fassung. Ich versah mich dessen und beschloss ein Abenteuer, dem ich innerlich misstraute, bald zu beendigen. Ich wollte mich herausziehen, so gut ich konnte, und sogar noch heiterer scheinen als ich von Natur war.
Ich nöthigte sie, an der Tafel Platz zu nehmen und der Page rückte mit bewundernswürdiger Geschwindigkeit Stühle zurecht. Wir hatten uns gesetzt, ich hatte die Gläser gefüllt, Früchte herumgegeben, mein Mund allein bewegte sich zu sprechen und zu essen, die der Andern blieben starr offen stehen. Nichts desto weniger munterte ich sie auf, die Früchte anzuschneiden: meine Zuversicht bestimmte sie: ich brachte die Gesundheit des schönsten Mädchens von Neapel aus; wir tranken darauf. Ich erzähle von einer neuen Oper, von einer kürzlich angekommenen römischen Improvisatrice, deren Talente bei Hofe Aufsehen machen, ich komme auf die schönen Künste, auf Musik und Bildhauerei zu sprechen und ergreife die Gelegenheit, die Schönheit einiger Bildwerke von Marmor, die den Saal schmückten, gegen sie geltend zu machen. Eine Flasche wird geleert und durch eine volle bessere ersetzt. Der Page vervielfältigt sich und vernachlässigt seinen Dienst keinen Augenblick. Ich richte einen verstohlenen Blick auf ihn. Man stelle sich den Liebesgott im Pagenkleide vor. Die Mitgenossen meines Abenteuers schielten ihn auch ihrerseits mit Mienen an, in denen sich Erstaunen, Lust und Unruhe spiegelten. Das Eintönige dieser Stimmung mißfiel mir; ich fühlte, es sei an der Zeit, ihr ein Ziel zu setzen. Biondetto, sagte ich zum Pagen, die Signora Fiorentina hat mir versprochen, mir ein paar Augenblicke zu widmen; sich zu, ob sie noch nicht angekommen ist. Biondetto verließ das Gemach. Meine Gäste hatten noch nicht dazu kommen können, über das Seltsame dieses Auftrags zu erstaunen, als eine Thür des Salons aufgeht und Fiorentina mit ihrer Harfe hereintritt. Sie trug ein elegantes aber züchtiges Negligé, einen Reisehut und einen sehr leichten Flor vor den Augen. Sie stellte ihre Harfe neben sich und grüßte mit Leichtigkeit und Anmuth. Gnädiger Herr Don Alvaro, sagte sie, man hat mich nicht benachrichtigt, dass Sie Gesellschaft haben, ich würde sonst nicht in diesem Anzuge erschienen sein. Die Herren werden eine Reisende gütigst entschuldigen.
Sie lässt sich nieder und wir bieten ihr Einer um den Andern die Überbleibsel unseres kleinen Festmahls an, von denen sie aus Artigkeit Etwas zulangt. Wie, Signora! rede ich sie an: Sie gehen nur durch Neapel durch? Man sollte Sie da nicht festhalten?
Ein älteres Engagement zwingt mich dazu, gnädiger Herr. Man hatte letzten Karneval in Venedig viel Güte für mich; man nahm mir das Versprechen ab, zurückzukehren, und ich machte mich verbindlich. Ohnedies würde ich weder auf die Vorteile verzichtet haben, die mir hier der Hof bietet, noch auf die Hoffnung, den Beifall des neapolitanischen Adels zu verdienen, der sich durch seinen Geschmack vor dem von ganz Italien auszeichnet.
Die beiden Neapolitaner verbeugen sich in Anerkennung dieses Lobspruches, und sind von der Wahrheit dieser Scene in einem Grade ergriffen, dass sie sich die Augen reiben. Ich drang in die Virtuosin, uns eine Probe ihrer Kunst zu geben. Sie war heiser, ermüdet, sie fürchtete mit Recht, in unserer Meinung zu sinken. Endlich entschloß sie sich zu einem obligaten Recitativ und einer pathetischen kleinen Arie, die am Ende des dritten Actes der Oper vorkamen, in der sie debütiren sollte.
Sie erfasst ihre Harfe und präludirt mit einer kleinen vollen länglichen Hand, die ebenso weiß als purpurn und deren nach den Spitzen zu unmerklich gerundete Finger in einen unbegreiflich zierlichen und wohlgeformten Nagel auslaufen: wir staunten insgesamt und wähnten in dem herrlichsten Concert zu sein.
Die Dame singt. Man kann keine schönere Stimme haben und nicht zugleich mehr Seele und Ausdruck hineinlegen; auch wäre es unmöglich, größere Wirkung zu tun, oder weniger zu überladen. Ich war bis in das innerste Herz bewegt und vergaß beinahe, dass ich der Schöpfer des Zaubers war, der mich umfing.
Die Sängerin richtete die zärtlichen Worte und Töne ihres Gesanges an mich. Das Feuer ihrer Blicke drang durch den Schleier hindurch. Es war von einer unbeschreiblichen Innigkeit und Süße: ihre Augen waren mir nicht unbekannt. Ich stellte mir am Ende ihre Gesichtszüge zusammen, so weit sie der Schleier wahrnehmen ließ, ich erkannte in Fiorentina den Schelm Biondetto, dessen zierliche und anmuthvolle Gestalt sich in den weiblichen Kleidern viel mehr als in der Pagentracht hervorhob.
Als die Sängerin aufhörte zu singen, ertheilten wir ihr gerechte Lobsprüche. Ich suchte sie zu bewegen, uns ein munteres Liedchen vorzutragen, um uns Gelegenheit zu geben, die Mannichfaltigkeit ihres Talents zu bewundern. Nein, erwiederte sie, ich würde in der Gemüthsstimmung, in der ich mich befinde, keine Ehre damit einlegen: überdies haben Sie bemerken müssen, welche Anstrengung es mir gekostet hat, Ihnen Folge zu leisten. Meine Stimme hat durch die Reise gelitten, sie ist belegt. Sie wissen, dass ich noch in dieser Nacht abreise. Ein Miethkutscher hat mich hierhergebracht, ich hänge von ihm ab. Ich ersuche Sie, mich gütigst entschuldigen zu wollen und mir zu gestatten, dass ich mich entferne. Bei diesen Worten steht sie auf und will ihre Harfe hinaustragen. Ich nehme sie ihr ab, bringe sie bis zur Thüre, durch die sie hereingetreten war, und kehre zur Gesellschaft zurück.
Ich hatte wollen Heiterkeit verbreitet sehen und bemerke, dass sich Alle Zwang anthun: ich nehme meine Zuflucht zum Cyperwein. Ich hatte ihn köstlich gefunden, er hatte mir Kräfte und Geistesgegenwart wiedergegeben. Ich verdoppelte das Maß, und da die Stunde drängte, so hieß ich meinem Pagen, der seinen Platz hinter meinem Stuhle wieder eingenommen hatte, meinen Wagen vorfahren zu lassen. Biondetto ging augenblicklich hinaus, meine Befehle zu vollziehen.
Ja, versetzte ich, ich habe ihn nachkommen lassen, weil ich mir dachte, es dürfte Ihnen nicht unlieb sein, auf eine bequemere Weise zurückzukehren, im Fall unsere Partie länger währte.
Ich hatte noch nicht ausgeredet, so tritt der Page mit zwei großen gewandten Lackaien herein, die auf das Prächtigste in meine Liverei gekleidet sind. Gnädiger Herr! spricht Biondetto, der Wagen hat nicht ganz vorfahren können; aber er hält gleich dort hinter den Trümmern, die hier herum verstreut sind.
Wir brechen auf; Biondetto und die Lackaien gehen voran, wir folgen.
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Kontextbild zum Werk. Historische Illustration zu „Der verliebte Teufel“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Jacques Cazotte et artistes associés · Public domainBildquelle ↗
Da wir zwischen den zerbrochenen Säulenschaften und -Füßen nicht alle vier nebeneinander gehen konnten, so drückte mir Soberano, der sich allein mir zur Seite befand, die Hand. Sie geben uns ein schönes Fest, mein Freund, es wird Ihnen theuer zu stehen kommen.
Wir erreichen den Wagen. Wir finden noch zwei Lakaien, einen Kutscher, einen Postillon und eine so bequemer Equipage, als man sich nur wünschen konnte, zu meiner Verfügung vor. Ich nötige zum Einsteigen, und wir rollen auf der Straße nach Neapel hin.
Wir beobachteten ein langes Stillschweigen: endlich unterbrach es einer von Soberano's Freunden. Ich will nicht in Ihr Geheimnis dringen, Alvaro; aber Sie müssen sonderbare Verträge eingegangen sein. Es konnte niemals Jemand besser bedient werden als Sie, ich bemühe mich schon vierzig Jahre lang und habe noch nicht das Viertheil der Gefälligkeiten zu Wege gebracht, die man Ihnen an einem Abende erweist, der himmlischsten Vision, die man irgend haben kann, gar zu geschweigen, derweil man unsere Augen noch öfter betrübt, als man daran denkt sie zu ergötzen. Kurz und gut, Sie wissen woran Sie sind. Sie sind jung, in Ihrem Alter hat man zu starke Gelüste, als dass man sich Zeit lassen sollte, viel zu überlegen; man übereilt den Genuss.
Ich weiß nicht, versetzte ich, wodurch ich mir eine besondere Gunst hätte zuziehen können. Ich muthmaße, sie wird nicht lange währen, und es wird dann nur mein Trost sein, sie mit guten Freunden getheilt zu haben. Man sah, dass ich eine gewisse Zurückhaltung annahm, und die Unterhaltung stockte.
Indessen erweckte die Stille mein Nachdenken wieder. Ich hielt mir nochmals vor, was ich getan und gesehen hatte. Ich verglich Soberano's und Bernardillo's Reden mit einander und erkannte, den ärgsten Fehltritt getan zu haben, wozu Vorwitz und Vermessenheit meines Gleichen jemals verleiten konnten. Ich war nicht ohne belehrende Unterweisung geblieben. Ich war bis in mein dreizehntes Jahr unter den Augen meines Vaters, Don Bernardo's Maravillas, eines untadeligen Edelmanns, und meiner Mutter, Donna Mencia's, der frömmsten und achtbarsten Frau Estremadura's, erzogen worden. O, meine Mutter, sagte ich, was würdest du von deinem Sohne denken, solltest du ihn gesehen haben und noch sehen! Aber es soll nicht lange so bleiben, das verbreche ich mir.
Unterweilen langte der Wagen in Neapel an. Ich brachte Soberano's Freunde nach Hause. Wir Beide kehrten nach unserm Quartier zurück. Der Glanz unserer Equipage verblendete fast die Wache, an der wir vorüberfuhren; aber die Anmuth Biondetto's, der vorn auf dem Bocke saß, stach Allen, die uns sahen, noch mehr in die Augen.
Der Page schickt Wagen und Dienerschaft hinweg, nimmt einem Lackaien eine Fackel aus den Händen, und leuchtet mir durch die Kaserne nach meinem Zimmer vor. Mein Kammerdiener, der noch mehr als die Andern staunt, wollte den Mund aufthun und mich nach dem neuen Aufzuge, mit dem ich prunkte, fragen. Es ist gut, Carlo, sagte ich zu ihm, in mein Zimmer tretend, ich bedarf Deiner nicht: geh schlafen, ich werde morgen mit Dir reden.
Wir sind in meinem Zimmer allein und Biondetto hat die Thüre hinter mir verschlossen. Ich hatte mich inmitten der Gesellschaft, die ich soeben verlassen und an dem geräuschvollen Orte, den ich durchgehen müssen, nicht so verlegen gefühlt.
Um mit dem Abenteuer fertig zu werden, ging ich einen Augenblick in mich. Ich richtete die Augen auf den Pagen, die seinigen waren zu Boden geschlagen: eine Röthe steigt ihm allmälig zu Gesicht, seine Haltung gibt Verlegenheit und eine nicht geringe Gemüthsbewegung zu erkennen; zuletzt gewinne ich es über mich, ihn anzureden.
Biondetto, Sie haben mich gut bedient, Sie haben in das, was Sie für mich getan, sogar Anmuth zu legen gewusst; indessen, da Sie sich im Voraus dafür bezahlt gemacht haben, so denke ich, sind wir wett ...
Haben Sie mehr für mich getan, als Sie sollten, so muss ich Ihnen das Zuviel herausgeben; aber für baldige Bezahlung kann ich Ihnen nicht stehen. Mein vierteljährlicher Sold ist verzehrt, ich habe Spielschulden, bin im Wirthshause und beim Schneider in Rest ...
Und Sie könnten unhöflich genug sein, mich zu dieser Stunde fortzuschicken? Eine solche Behandlung hätte ich von einem spanischen Cavaliere nicht erwartet. Ihre Freunde wissen, dass ich hierher gekommen bin; Ihre Soldaten, Ihre Leute haben mich gesehen und mein Geschlecht errathen. Wäre ich eine gemeine Dirne, Sie würden einige Rücksichten auf den Wohlstand und auf meine Lage nehmen; aber Ihr Betragen gegen mich ist beschimpfend, schmählich: jedwedes Weib müsste dadurch erniedrigt werden ...
Es gefällt Ihnen also jetzt, für eine Frau zu gelten, um sich Schonung zu Theil werden zu sehen? Nun denn, so nehmen Sie die Rücksicht auf sich, Ihren Rückzug durch das Schlüsselloch zu bewerkstelligen, um damit kein Ärgernis zu geben.
Sie wissen es nicht, sage ich Ihnen, Sie hören nur auf Ihre Vorurtheile; aber wer ich auch immer sei, ich liege mit thränenden Augen zu Ihren Füßen und flehe zu Ihnen als Ihr Schützling. Eine Unbesonnenheit, noch größer als die Ihrige, verzeihlich vielleicht, weil Sie der Anlass dazu sind, hat mich heute Alles wagen, Alles aufopfern lassen, um Ihnen gehorsam zu sein, mich Ihnen hinzugeben und Ihnen zu folgen. Ich habe die allergrausamsten, unversöhnlichsten Leidenschaften gegen mich empört; es verbleibt mir kein Schutz als der Ihrige, kein Zufluchtsort als Ihr Zimmer: werden Sie mir ihn versperren, Alvaro? Soll es heißen, dass ein spanischer Edler mit dieser Härte, dieser Unwürdigkeit Jemand, der ihm eine fühlende Seele aufgeopfert, einem schwachen, aller andern Hülfe als der seinen entblößten Wesen, mit Einem Worte einer Person meines Geschlechts begegnet sei?
Ich wich zurück, so weit ich konnte, um mich aus der Verlegenheit zu ziehen; aber sie umfasste meine Knie und rutschte mir auf den ihrigen nach, bis ich gegen die Mauer gedrängt wurde. Stehen Sie auf, sage ich zu ihr, Sie haben mich, ohne es zu wissen, an meinen Schwur gemahnt. Als meine Mutter mir meinen ersten Degen gab, ließ sie mich auf das Stichblatt schwören, mein ganzes Leben lang den Frauen zu dienen und keiner einzigen je unfreundlich zu begegnen. Wenn dem nun heute so ist, wie ich denke ...
Es mag, Wunders halb und um die Seltsamkeit meines Abenteuers zu krönen, also sein. Nur richten Sie sich dergestalt ein, dass ich von Ihnen weder Etwas höre noch sehe. Beim ersten Worte, bei der ersten Bewegung, die mich beunruhigen könnten, lasse ich den Ton meiner Stimme anschwellen, um Sie meinerseits zu fragen: Che vuoi?
Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.
Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.
Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.
1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Sie haben es getroffen, Alvaro: von sich selbst lernt man nichts; dass …«
2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Ja, Sie haben Herz […]; aber wenn Sie den Kopf verlieren?«
3. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Siehe da! sprach ich, die Gewalt der Zeit über die Werke […] Stolzes und Fleißes.«
4. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Du hast nach mir […], spricht es mit minder lauter Stimme ...«
5. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Meine Herren, sagte ich, Sie haben meinetwegen einen weiten …«
6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse.
A: »Einen Augenblick später ordneten sich Speise- und Schenktisch an und wurden mit allen Bestandtheilen unseres Mahles besetzt.«
B: »Zuletzt setzte ich ihm wegen der Religion seines Gleichen zu.«
C: »Ich rechne es Ihnen für nicht mehr an als es mir kostet.«
8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Ich war, fünf und zwanzig Jahre alt, Hauptmann in der Garde des Königs von Neapel: wir lebten unter einander wie gute Kameraden und wie junge Leute, das heißt mit Weibern und vom Spiel, so lange das Geld ausreichte und […] in unsern Quartieren, wenn wir nichts Besseres mehr zu tun wussten.«
9. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Was die Metalle anlangt, so weiß ich, wieviel ein Karolin im Spiele, im Wirthshause und anderswo gilt; aber ihres […] Wesens, der Einwirkungen und Gestaltungen wegen, die ihm zulässig, mag ich weder Etwas bejahen noch verneinen.«
10. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Sie gebieten den Geistern, sagte ich zu ihm: ich will wie Sie mit ihnen […] haben: ich will, ich will!«
2Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte
1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »Ich war, fünf und zwanzig Jahre alt, Hauptmann in der Garde des Königs von Neapel: wir lebten unter einander wie gute Kameraden und wie junge Leute, das heißt mit Weibern und vom Spiel, so lange das Geld ausreichte und philosophirten in unsern Quartieren, wenn wir nichts Besseres mehr zu tun wussten.«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.
Impulse zur Selbstprüfung
Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.
2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »Ich war, fünf und zwanzig Jahre alt, Hauptmann in der Garde des Königs von Neapel: wir lebten unter einander wie gute Kameraden und wie junge Leute, das heißt mit Weibern und vom Spiel, so lange das Geld ausreichte und philosophirten in unsern Quartieren, wenn wir nichts Besseres mehr zu tun wussten.« und »werden, ging ich einen Augenblick in mich«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.
Impulse zur Selbstprüfung
Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.
Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »sich der Gefahr aussetzen; ich verspreche Ihnen meinen Beistand«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.
Impulse zur Selbstprüfung
Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.
Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
Wirkung als begründete Deutung formuliert
Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
3Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte
Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.
Niveau 1 · Einstieg
1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Ich war, fünf und zwanzig Jahre alt, Hauptmann in der Garde des Königs von Neapel: wir lebten unter einander wie gute Kameraden und wie junge Leute, das heißt mit Weibern und vom Spiel, so lange das Geld ausreichte und philosophirten in unsern Quartieren, wenn wir nichts Besseres mehr zu tun wussten.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Mein ungezwungenes Betragen brachte sie noch mehr als der veränderte Schauplatz und der Anblick des leckern Imbisses, zu dem sie sich eingeladen sahen, außer Fassung.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Nein, ich bin Soldat und bediene mich selbst.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Autor und namentlich belegte Übersetzung sind nach den geprüften Lebensdaten in Deutschland gemeinfrei. TextGrid und www.editura.de stellen Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE bereit.
Der verliebte Teufel
Jacques Cazotte: Der verliebte Teufel. Eine spanische Novelle, in: Der verliebte Teufel und der Lord aus dem Stegreife. Aus dem Franz. übers. von Eduard von Bülow, Leipzig: 1838, S. 1–86 [Mikrofiche-Ausg., München [u.a.]: Saur, 1994 (Bibliothek der deutschen Literatur)]. Cazotte, Jacques 3- Leipzig
Das Werk Der verliebte Teufel von Cazotte, Jacques ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.
Vollständiger Originaltext in der genannten digitalen Project-Gutenberg-Ausgabe. Die genaue historische Druckvorlage ist nicht im Katalog belegt. Wortlaut, Rechtschreibung und Interpunktion dieser Quelle bleiben erhalten; HTML-Layout wird in Lesetext übertragen. Unterschiedliche Ausgaben und Übersetzungen können abweichende Kapitelteilungen haben. Keine Behauptung einer Erstfassung oder Absatzparität.
Cazotte, Jacques: Le diable amoureux. Project Gutenberg eBook 52611.
Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.
Welche Änderungen enthält die Lesefassung?
Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.