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Buch - Der rasende Roland - Ariosto, Ludovico

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Deutsche Übersetzung · Lesefassung

Der rasende Roland

Ariosto, Ludovico

Der rasende Roland von Ariosto, Ludovico. Volltext der angegebenen historischen deutschen Übersetzung.

EposKlasse 9–10 · 11–1347 Abschnitte
Historische Illustration zu Der rasende Roland
Historische Illustration zu „Der rasende Roland“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Gustave Doré · Public domain Bildquelle ↗

Deutsche Übersetzung: Alfons Kissner

Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und zeitgebundene Wertvorstellungen gemeinsam einordnen. Klassenangaben sind redaktionelle Orientierung.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Deutsch · Abschnitt 2 von 47

Erster Gesang

1
Erster Gesang
Vorlage S. 1
2
1.
Vorlage S. 1
3
Die Ritter, Fraun, Großtat der Hochgemuten,
Vorlage S. 1
4
Lieb', Edelart zum Sang ich mir erkor,
Vorlage S. 1
5
Wie sie die Welt sah, da durch Meeresfluten
Vorlage S. 1
6
Nach Frankreich fuhr aus Afrika der Mohr,
Vorlage S. 1
7
Treu seines Herrschers jugendlichen Gluten,
Vorlage S. 1
8
Des Königs Agramant, der sich verschwor,
Vorlage S. 1
9
Den stolzen Sinn des Kaisers Karl zu brechen
Vorlage S. 1
10
Und schwer an ihm den Tod Trojans zu rächen.
Vorlage S. 1
11
2.
Vorlage S. 1
12
Von Roland gilt es Unerhörtes sagen,
Vorlage S. 1
13
Was weder Reim noch Prosa je gekannt:
Vorlage S. 1
14
Wie er, so weise sonst in allen Tagen,
Vorlage S. 1
15
Durch Liebe ward vom Wahnsinn übermannt;
Vorlage S. 1
16
Wenn sie, die fast wie ihn mich hat geschlagen,
Vorlage S. 1
17
So dass mir schier mein bisschen Witz entschwand,
Vorlage S. 1
18
Von diesem Rest so viel mir will vergönnen,
Vorlage S. 1
19
Dass ich Versprochnes werde schaffen können.
Vorlage S. 1
20
3.
Vorlage S. 1
21
Hochherz'ger Sproß aus Herkules' Geschlechte,
Vorlage S. 1
22
Du Schmuck und Glanz der Zeit, nimm gnädig an,
Vorlage S. 1
23
Ippolito, was dir von deinem Knechte
Vorlage S. 1
24
Gegeben wird, wie er es geben kann:
Vorlage S. 1
25
Mit Schreibwerk zahl' ich und mit Reimgeflechte
Vorlage S. 1
26
Zum Teil zurück, was ich durch dich gewann.
Vorlage S. 1
27
Der Kargheit Vorwurf trifft mich keinenfalles,
Vorlage S. 1
28
Denn geb' ich wenig, geb' ich doch mein Alles.
Vorlage S. 1
29
4.
Vorlage S. 1
30
Es tritt mit andern auserlesnen Degen,
Vorlage S. 1
31
Die hoch zu preisen dieser Sang erklingt,
Vorlage S. 1
32
Auch Roger, ja, der Ahnherr, dir entgegen,
Vorlage S. 1
33
Von dem des Hauses hehrer Stamm entspringt.
Vorlage S. 1
34
Sein Wert und, was er tat auf Heldenwegen,
Vorlage S. 1
35
Wenn du's verstattest, dir zu Ohren dringt:
Vorlage S. 1
36
Den Flug des Geistes senk' ein wenig nieder,
Vorlage S. 1
37
Hinaufzunehmen meine schlichten Lieder.
Vorlage S. 1
38
5.
Vorlage S. 1
39
Graf Roland, für Angelika entglommen,
Vorlage S. 1
40
Gewohnt, für sie die Gegner hinzumähn,
Vorlage S. 1
41
Erfocht im Inderreich zu ihrem Frommen,
Vorlage S. 1
42
Bei Medern und Tataren Kriegstrophän;
Vorlage S. 1
43
Nach Westen war er jetzt mit ihr gekommen,
Vorlage S. 1
44
Dort, wo am Fuß der schroffen Pyrenän
Vorlage S. 1
45
Für Frankreichs Heer und das aus deutschen Landen
Vorlage S. 1
46
Auf Karls Befehl die Lagerzelte standen,
Vorlage S. 1
47
6.
Vorlage S. 1
48
Dass vor Verdruss sich selbst ins Antlitz schlügen
Vorlage S. 1
49
Marsilius und König Agramant:
Vorlage S. 1
50
Der schickte ja nach Nord in langen Zügen,
Vorlage S. 1
51
Wer nur mit Schwert und Lanze war bekannt;
Vorlage S. 1
52
Und jener sah die Hoffnung ihn betrügen,
Vorlage S. 1
53
Mit der ganz Spanien ward ausgesandt.
Vorlage S. 1
54
So traf denn Roland ein zu guten Stunden;
Vorlage S. 1
55
Doch Freude drüber ist ihm bald geschwunden.
Vorlage S. 1
56
7.
Vorlage S. 1
57
Denn seine Dame sieht er sich entrissen
Vorlage S. 1
58
– Entfernt ist Wähnen oft von Wirklichkeit! –:
Vorlage S. 1
59
Die er von Ost trotz tausend Hindernissen
Vorlage S. 1
60
Gen Abend hat geführt nach langem Streit,
Vorlage S. 1
61
Die soll er mitten unter Freunden missen,
Vorlage S. 1
62
In seinem Land, den Degen in der Scheid'!
Vorlage S. 1
63
Um schweren Brand zu löschen, als ein Weiser
Vorlage S. 1
64
Hinweggenommen hatte sie der Kaiser.
Vorlage S. 1
65
8.
Vorlage S. 1
66
Vor kurzem schuf ein Zwist dem Herrscher Leiden:
Vorlage S. 2
67
Rolands und seines Vetters, des Rinald,
Vorlage S. 2
68
Da jähe Glut im Busen dieser beiden
Vorlage S. 2
69
Entbrannt war für die liebliche Gestalt.
Vorlage S. 2
70
Karl sann darauf, den Anlass auszuscheiden,
Vorlage S. 2
71
Der Schwächung drohte seiner Heergewalt:
Vorlage S. 2
72
Er nahm die Schöne fort, den Streit zu enden,
Vorlage S. 2
73
Und ließ sie in des Bayernherzogs Händen.
Vorlage S. 2
74
9.
Vorlage S. 2
75
Zum Lohn soll der von ihnen sie behalten,
Vorlage S. 2
76
Der mehr der Feinde habe umgebracht;
Vorlage S. 2
77
Der mächt'ger werde Kriegerkraft entfalten
Vorlage S. 2
78
Und Kaisers Dank verdienen in der Schlacht.
Vorlage S. 2
79
Doch anders sollte sich das Ding gestalten,
Vorlage S. 2
80
Denn fliehen musste der Getauften Macht.
Vorlage S. 2
81
Der Herzog ward, mit vielen noch, gefangen,
Vorlage S. 2
82
Und jeder konnt' ins leere Zelt gelangen.
Vorlage S. 2
83
10.
Vorlage S. 2
84
Rasch ist die schöne Maid dort aufgesprungen,
Vorlage S. 2
85
Die nach der Schlacht des Siegers sollte sein,
Vorlage S. 2
86
Hat vor Entscheid sich auf ihr Roß geschwungen
Vorlage S. 2
87
Und sprengt mit allen Kräften querfeldein.
Vorlage S. 2
88
Sie ahnt, Herrn Karl ist heut der Tag mißlungen,
Vorlage S. 2
89
Und feind das Glück des Christenvolkes Reihn.
Vorlage S. 2
90
Ein Hain umfängt sie; dort auf engen Wegen
Vorlage S. 2
91
Kommt ihr, zu Fuß, ein Rittersmann entgegen.
Vorlage S. 2
92
11.
Vorlage S. 2
93
Helm auf dem Haupt, das gute Schwert zur Seiten,
Vorlage S. 2
94
Gepanzert und am Arm den Schildesrand,
Vorlage S. 2
95
Lief er doch leichter durch des Waldes Weiten,
Vorlage S. 2
96
Als nackt ein Bauer nach dem roten Band.
Vorlage S. 2
97
Ein Hirtenkind, sieht es die Schlange gleiten,
Vorlage S. 2
98
Hebt flinker nicht das Füßchen aus dem Sand,
Vorlage S. 2
99
Als hier Angelika die Zügel wandte,
Vorlage S. 2
100
Sobald den Nahenden ihr Aug' erkannte:
Vorlage S. 2
101
12.
Vorlage S. 2
102
Den Haimonssohn! – es bleichten ihre Wangen –
Vorlage S. 3
103
Den Paladin und Herrn von Montalban!
Vorlage S. 3
104
Gar seltsam war sein Roß ihm durchgegangen,
Vorlage S. 3
105
Bajard, und lockt ihn her auf diese Bahn.
Vorlage S. 3
106
Als hin zur Dame seine Blicke drangen,
Vorlage S. 3
107
Hat er – der Himmel wird ihm aufgetan! –
Vorlage S. 3
108
Vor sich die süße Huldgestalt gefunden,
Vorlage S. 3
109
Die ihn mit starkem Liebesnetz umwunden.
Vorlage S. 3
110
13.
Vorlage S. 3
111
Die Dame lässt den Zelter rückwärts jagen,
Vorlage S. 3
112
Verhängt die Zügel, stets in vollem Lauf;
Vorlage S. 3
113
Fragt nicht, ob guten Weg sie eingeschlagen,
Vorlage S. 3
114
Ob dicht der Wald, ob dünn; sie schaut nicht auf.
Vorlage S. 3
115
Nein, zitternd, außer sich, lässt sie sich tragen
Vorlage S. 3
116
Vom Tiere, wie es will; bergab, bergauf
Vorlage S. 3
117
Schweift sie umher auf rauhem Waldespfade
Vorlage S. 3
118
Und kommt zuletzt zu einem Flußgestade.
Vorlage S. 3
119
14.
Vorlage S. 3
120
Am Ufer dort war Ferragu zu finden,
Vorlage S. 3
121
Beschmutzt und schweißbedeckt mit staub'gem Schuh.
Vorlage S. 3
122
Vom Schlachtgewühl ließ zeitig ihn entschwinden
Vorlage S. 3
123
Brennender Durst und Wunsch nach etwas Ruh'.
Vorlage S. 3
124
Da musst' ein Zufall an den Ort ihn binden;
Vorlage S. 3
125
Denn als er gierig trank, ließ Ferragu
Vorlage S. 3
126
Vom Haupt den Helm ins Wasser sich entwischen,
Vorlage S. 3
127
Und nicht gelang's noch, ihn herauszufischen.
Vorlage S. 3
128
15.
Vorlage S. 3
129
Schreiend, im tollsten Jagen kommt mit Bangen
Vorlage S. 3
130
Das Mädchen; – hei, wie jetzt sie neu erschrickt!
Vorlage S. 3
131
Ans Ufer springt der Heide voll Verlangen:
Vorlage S. 3
132
Bei dieser Stimme hat er aufgeblickt.
Vorlage S. 3
133
Sind auch vom Schreck entstellt und blass die Wangen,
Vorlage S. 3
134
Er weiß doch, wen sein guter Stern ihm schickt:
Vorlage S. 3
135
Von der er viele Tage ohne Kunde,
Vorlage S. 3
136
Angelika schickt ihm die Gunst der Stunde!
Vorlage S. 3
137
16.
Vorlage S. 3
138
Vielleicht so hitzig wie die Vettern eben,
Vorlage S. 4
139
Und weil ein edles Herz ihm ward beschert,
Vorlage S. 4
140
Eilt er, zu ihrem Schutz den Arm zu heben,
Vorlage S. 4
141
So kühn, als sei er ganz mit Stahl bewehrt,
Vorlage S. 4
142
Und wo Rinald steht – wahrlich ohne Beben! –,
Vorlage S. 4
143
Hin läuft er drohend mit gezücktem Schwert.
Vorlage S. 4
144
Die beiden kannten sich, und unvergessen
Vorlage S. 4
145
War ihnen, dass im Kampf sie sich gemessen.
Vorlage S. 4
146
17.
Vorlage S. 4
147
Beide, zu Fuß jetzt, nur die Schwerter hatten:
Vorlage S. 4
148
Ein grimmig Hämmern alsobald begann.
Vorlage S. 4
149
Nicht Schuppenkleider oder Panzerplatten,
Vorlage S. 4
150
Ja selbst kein Ambos schützte hier den Mann.
Vorlage S. 4
151
Derweil die zwei mit Hieben sich ermatten,
Vorlage S. 4
152
Verstohlen fängt das Pferd zu laufen an;
Vorlage S. 4
153
Denn jene jagt mit aller Kraft der Spornen
Vorlage S. 4
154
Das Tier ins Feld durch Dickicht und durch Dornen.
Vorlage S. 4
155
18.
Vorlage S. 4
156
Lang mühten sich umsonst die beiden Degen,
Vorlage S. 4
157
Den Gegner hinzustrecken in den Sand;
Vorlage S. 4
158
Denn keiner war dem andern überlegen,
Vorlage S. 4
159
Geschickt des Heiden wie des Christen Hand.
Vorlage S. 4
160
Rinald begann zuerst den Mund zu regen
Vorlage S. 4
161
Und sprach, dem span'schen Ritter zugewandt,
Vorlage S. 4
162
Wie einer, der von innern Gluten so brennt,
Vorlage S. 4
163
Dass ihm das Wort fehlt und er lichterloh brennt:
Vorlage S. 4
164
19.
Vorlage S. 4
165
»Nur mich zu treffen, ist ja dein Verlangen;
Vorlage S. 4
166
Allein dir selbst auch fügst du Schaden zu.
Vorlage S. 4
167
Gesetzt, dass ich dir bis zum Morgenprangen
Vorlage S. 4
168
Hier zu verweilen den Gefallen tu,
Vorlage S. 4
169
Ob ich dann tot bin oder bin gefangen,
Vorlage S. 4
170
Bei alledem, sprich, was erlangst denn du?
Vorlage S. 4
171
Das alles wird dir nicht die Maid gewinnen;
Vorlage S. 4
172
Derweil wir säumen, flieht sie ja von hinnen.
Vorlage S. 4
173
20.
Vorlage S. 4
174
Gescheiter wär's, du ständest mir zur Seite,
Vorlage S. 5
175
Liebst du sie auch; der Weg sei ihr verwehrt,
Vorlage S. 5
176
Rasch, eh sie noch verschwinde dort ins Weite!
Vorlage S. 5
177
Hübsch zu verweilen, werde sie belehrt!
Vorlage S. 5
178
Wenn wir sie haben, wohl! – in blut'gem Streite,
Vorlage S. 5
179
Wem sie gehör', entscheide dann das Schwert.
Vorlage S. 5
180
Ich sehe nicht, was auf der Säumnis Pfaden
Vorlage S. 5
181
Sich sonst für uns ergeben kann als Schaden.«
Vorlage S. 5
182
21.
Vorlage S. 5
183
Dem Mohr gefällt, was man ihm vorgeschlagen:
Vorlage S. 5
Historische Illustration zu Der rasende Roland
Kontextbild zum Werk. Historische Illustration zu „Der rasende Roland“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Gustave Doré · Public domain Bildquelle ↗
184
Seht, aufgeschoben ist der Zweikampf schon!
Vorlage S. 5
185
Die Gegner haben derart sich vertragen
Vorlage S. 5
186
(Haß scheint vergessen und der Zorn entflohn),
Vorlage S. 5
187
Dass, als des Mohren Roß den Herrn soll tragen,
Vorlage S. 5
188
Er nicht zu Fuße lässt den Haimonssohn.
Vorlage S. 5
189
Er lädt ihn ein, den Sitz mit ihm zu teilen,
Vorlage S. 5
190
Und hinterm Fräulein drein die Ritter eilen.
Vorlage S. 5
191
22.
Vorlage S. 5
192
O Trefflichkeit der Ritter alter Zeiten!
Vorlage S. 5
193
Als Nebenbuhler, grimmig aufgebracht,
Vorlage S. 5
194
Verschiednen Glaubens, während noch vom Streiten
Vorlage S. 5
195
Manch harter Hieb am Leib sich fühlbar macht,
Vorlage S. 5
196
Ohn' alle Furcht auf gleichem Rosse reiten
Vorlage S. 5
197
Sie krummen Pfad entlang durch Waldesnacht!
Vorlage S. 5
198
Vier Sporen fühlend, kommt gleich einem Pfeile
Vorlage S. 5
199
Das Pferd hin, wo der Weg geht in zwei Teile.
Vorlage S. 5
200
23.
Vorlage S. 5
201
Und weil sie beide nun in Zweifel stehen,
Vorlage S. 5
202
Wohin sich wohl das schöne Kind gewandt –
Vorlage S. 5
203
Denn hier wie dort ist neue Spur zu sehen,
Vorlage S. 5
204
Und keiner hat ein Zeichen sonst erkannt –,
Vorlage S. 5
205
Beschließt ein jeder auf gut Glück zu gehen,
Vorlage S. 5
206
Der eine rechts, der andre linker Hand.
Vorlage S. 5
207
Im Wald Herr Ferragu die Kreuz und Quer ritt,
Vorlage S. 5
208
Und schließlich war er wieder, wo er herritt.
Vorlage S. 5
209
24.
Vorlage S. 5
210
Am Flusse steht er, wo der Strömung Schnelle
Vorlage S. 6
211
Ihm seinen Helm vom Haupt hinunterzog.
Vorlage S. 6
212
Noch einmal will er prüfen hier die Welle,
Vorlage S. 6
213
Weil Hoffnung auf das Fräulein ihn betrog.
Vorlage S. 6
214
Wo ihm der Helm entfiel, an gleicher Stelle
Vorlage S. 6
215
Taucht er hinunter in das Flutgewog!
Vorlage S. 6
216
Da hat der Helm sich in den Sand gegraben:
Vorlage S. 6
217
Wohl Mühe kostet's, ihn zurückzuhaben!
Vorlage S. 6
218
25.
Vorlage S. 6
219
Aus einem zugestutzten glatten Zweige
Vorlage S. 6
220
Schnitzt er sich eine mächtig große Stang'
Vorlage S. 6
221
Und reizt den Fluss, dass er den Helm ihm zeige,
Vorlage S. 6
222
Und stochert auf und ab und tastet lang';
Vorlage S. 6
223
Er sucht und sucht, der Tag geht auf die Neige,
Vorlage S. 6
224
Des Eifers Hitze rötet ihm die Wang',
Vorlage S. 6
225
Als einen, bis zur Brust von Flut umgeben,
Vorlage S. 6
226
Er aus dem Strom sich dräuend sieht erheben.
Vorlage S. 6
227
26.
Vorlage S. 6
228
Der steckt – bis an den Kopf – im Eisenkleide,
Vorlage S. 6
229
Und einen Helm trägt seine rechte Hand.
Vorlage S. 6
230
Es ist der gleiche Helm, um den der Heide
Vorlage S. 6
231
Umsonst so viele Müh' hat aufgewandt.
Vorlage S. 6
232
»Treuloser Schurke,« spricht er zornig, »leide,
Vorlage S. 6
233
Dass ich behalte, was mir Gott gesandt!
Vorlage S. 6
234
Den Helm zu lassen will dir Schmerz bereiten,
Vorlage S. 6
235
Den du mir schuldest doch seit langen Zeiten!?
Vorlage S. 6
236
27.
Vorlage S. 6
237
Besinne dich: als damals du erstochen
Vorlage S. 6
238
Den Bruder – ich war's – der Angelika,
Vorlage S. 6
239
Den andern Waffen nach hast du versprochen
Vorlage S. 6
240
Zu werfen in den Fluss den Stahlhelm da.
Vorlage S. 6
241
Hält das Geschick den Eid, den du gebrochen,
Vorlage S. 6
242
Füg' dich, kein Grund zu jammern ist das ja.
Vorlage S. 6
243
Reg' dich nicht auf, und willst du auf dich regen,
Vorlage S. 6
244
Je nun, so tu's, ich habe nichts dagegen!
Vorlage S. 6
245
28.
Vorlage S. 6
246
Trägst du nach einem schönen Helm Verlangen,
Vorlage S. 7
247
Such' einen andern dir; trag ihn mit Ehr'!
Vorlage S. 7
248
In solchem Helm kommt Roland hergegangen;
Vorlage S. 7
249
Rinaldos gilt so viel, vielleicht noch mehr.
Vorlage S. 7
250
Man sah Mambrin darin und Almont prangen:
Vorlage S. 7
251
Von jenen hole dir doch einen her,
Vorlage S. 7
252
Weil diesen hier du hübsch mir lassen solltest,
Vorlage S. 7
253
Wie deinem Wort nach du ihn lassen wolltest!«
Vorlage S. 7
254
29.
Vorlage S. 7
255
Dem Mohren sträubte sich das Haar vor Schrecken,
Vorlage S. 7
256
Als jäh der Schatten stieg aus Stromesflut;
Vorlage S. 7
257
Die Stimme blieb ihm in der Kehle stecken,
Vorlage S. 7
258
Und aus den Wangen wich zurück das Blut.
Vorlage S. 7
259
Er hörte sich mit Schmach von ihm bedecken
Vorlage S. 7
260
(Einst Argalia hieß der Kämpe gut,
Vorlage S. 7
261
Den er erstach); als der ihn treulos nannte,
Vorlage S. 7
262
Vor Scham und Zorn er inn und außen brannte.
Vorlage S. 7
263
30.
Vorlage S. 7
264
Es fehlte Zeit, um Antwort ihm zu geben;
Vorlage S. 7
265
Auch wußt er wohl, dass jener Wahrheit sprach.
Vorlage S. 7
266
So blieb das Wort ihm auf den Lippen schweben,
Vorlage S. 7
267
Doch grub sich tief ins Herz ihm ein die Schmach,
Vorlage S. 7
268
Und heilig schwur er – bei Lanfusas Leben –,
Vorlage S. 7
269
Das Haupt beschütz' hinfort kein ander Dach
Vorlage S. 7
270
Als jener Helm, den einst bei Aspramonte
Vorlage S. 7
271
Roland gewann vom trotzigen Almonte.
Vorlage S. 7
272
31.
Vorlage S. 7
273
Und treuer sollt' er stehn zu diesem Eide,
Vorlage S. 7
274
Als er vordem des andern hat gedacht.
Vorlage S. 7
275
Er zieht davon, das Herz beschwert von Leide,
Vorlage S. 7
276
Und härmt und grämt sich lange, Tag und Nacht.
Vorlage S. 7
277
Den Paladin zu finden strebt der Heide,
Vorlage S. 7
278
Sucht hier und dort nach ihm mit aller Macht.
Vorlage S. 7
279
Rinald, der sich indessen fortbegeben,
Vorlage S. 7
280
Sollt' andre Abenteuer noch erleben.
Vorlage S. 7
281
32.
Vorlage S. 7
282
Er geht noch gar nicht lang, da sieht er springen
Vorlage S. 8
283
Bajard nicht weit vor sich, sein stolzes Tier:
Vorlage S. 8
284
»Halt, Bajard, halt! Du willst mir Schaden bringen!«
Vorlage S. 8
285
So ruft er laut, »gar sehr ja fehlst du mir!«
Vorlage S. 8
286
Er sieht das Roß nur immer weiter dringen,
Vorlage S. 8
287
Als ob es taub wär', in das Waldrevier.
Vorlage S. 8
288
Nun eilt er nach, in Zornesflammen, brennenden;
Vorlage S. 8
289
Doch folgen wir Angelika, der rennenden.
Vorlage S. 8
290
33.
Vorlage S. 8
291
Sie flieht dahin durch dunklen Waldes Weiten,
Vorlage S. 8
292
Einöden menschenleer und grauenvoll,
Vorlage S. 8
293
Wo Blätter wiegen, wo sich Schatten breiten
Vorlage S. 8
294
Von Ulmen, Eichen, Buchen – da wie toll
Vorlage S. 8
295
Muss sie auf einmal pfadlos seitwärts reiten,
Vorlage S. 8
296
Hier-, dorthin, weil die Furcht im Busen schwoll.
Vorlage S. 8
297
Bei jedem Schatten fängt sie an zu traben:
Vorlage S. 8
298
Stets glaubt sie hinter sich Rinald zu haben.
Vorlage S. 8
299
34.
Vorlage S. 8
300
So wie das Zicklein oder Reh, das junge,
Vorlage S. 8
301
Das unter Buschwerk sah im heim'schen Hain
Vorlage S. 8
302
Des Pardels Wut zerreißen Brust und Lunge
Vorlage S. 8
303
Der lieben Mutter, und mit flinkem Bein
Vorlage S. 8
304
Von Wald zu Wald flieht in entsetztem Sprunge,
Vorlage S. 8
305
Zitternd vor Angst, in Dunkelheit hinein –
Vorlage S. 8
306
Bei jedem Knistern, jedes Zweiges Knacken
Vorlage S. 8
307
Fühlt es das grimme Tier in seinem Nacken –:
Vorlage S. 8
308
35.
Vorlage S. 8
309
Den Tag, die Nacht, vom nächsten Tag noch Stunden
Vorlage S. 8
310
Schweift sie – wo, weiß sie selber nicht – umher,
Vorlage S. 8
311
Bis einen Waldeshag sie hat gefunden,
Vorlage S. 8
312
Von frischer Luft bewegt und düfteschwer;
Vorlage S. 8
313
Von zartem Gras und Blumen hold umwunden,
Vorlage S. 8
314
Zwei Bächlein drängen murmelnd nach dem Meer,
Vorlage S. 8
315
Und lieblichem Gesang glaubt man zu lauschen,
Vorlage S. 8
316
Da leise plätschernd durchs Gestein sie rauschen.
Vorlage S. 8
317
36.
Vorlage S. 8
318
Sicher zu sein scheint dieser Ort der Wonnen,
Vorlage S. 9
319
Rinald entfernt wohl manche weite Meil';
Vorlage S. 9
320
Von Hitz' und Mühen viel ist sie gesonnen
Vorlage S. 9
321
Hier auszuruhen eine kleine Weil'!
Vorlage S. 9
322
Und unter Blumen steigt sie ab am Bronnen,
Vorlage S. 9
323
Das Pferd nimmt, zügelfrei, am Rasten teil:
Vorlage S. 9
324
Es schweift vergnügt umher im kühlen Raume,
Vorlage S. 9
325
Der frische Gräser beut an seinem Saume.
Vorlage S. 9
326
37.
Vorlage S. 9
327
Ganz nahe, sieh! ein schön Gebüsch sich breitet,
Vorlage S. 9
328
Wo Blütendorn bei roten Rosen sprießt,
Vorlage S. 9
329
Sich hold im Wasser spiegelnd, das da gleitet;
Vorlage S. 9
330
Der Sonn' ein Eichendach den Platz verschließt.
Vorlage S. 9
331
Die Mitte drinnen zum Gemach sich weitet,
Vorlage S. 9
332
Durch das erfrischend dichter Schatten fließt,
Vorlage S. 9
333
Blattwerk und Zweige kunstvoll sich verschlingen –
Vorlage S. 9
334
Selbst Phöbus' Blick vermag nicht durchzudringen.
Vorlage S. 9
335
38.
Vorlage S. 9
336
Ein zartes Gras lädt ein die müden Glieder,
Vorlage S. 9
337
Wes Augen immer diese Ruhstatt sahn;
Vorlage S. 9
338
Die Schöne lässt sich in der Mitte nieder
Vorlage S. 9
339
Und gleich vom Arm des Schlummergotts umfahn.
Vorlage S. 9
340
Jedoch nach kurzer Frist erwacht sie wieder:
Vorlage S. 9
341
Sie glaubt zu hören, dass sich Tritte nahn.
Vorlage S. 9
342
Leis steht sie auf, Gewissheit sich zu schaffen –
Vorlage S. 9
343
Und sieht am Bächlein einen Mann in Waffen.
Vorlage S. 9
344
39.
Vorlage S. 9
345
Ob Freund, ob Feind es ist? Sie kann's nicht sagen:
Vorlage S. 9
346
Bald ist sie hoffnungsfroh, bald wieder bang
Vorlage S. 9
347
Und mag den Hauch nicht eines Seufzers wagen:
Vorlage S. 9
348
Sie wartet auf das End' vom Liede lang.
Vorlage S. 9
349
Zum Fluss hinab ihn jetzt die Schritte tragen:
Vorlage S. 9
350
Dort bleibt er, auf den Arm gestützt die Wang',
Vorlage S. 9
351
Und in Gedanken steht er tief, alleine,
Vorlage S. 9
352
Ganz wie erstarrt zu regungslosem Steine.
Vorlage S. 9
353
40.
Vorlage S. 9
354
Gesenkten Hauptes stand mit seinem Harme
Vorlage S. 10
355
Der Ritter stundenlang am Bachesdamm;
Vorlage S. 10
356
So weich zu klagen drauf begann der Arme,
Vorlage S. 10
357
So schmelzend süß, von seiner Liebesflamm',
Vorlage S. 10
358
Als gelt' es, Herr, dass sich ein Stein erbarme,
Vorlage S. 10
359
Ein Tigertier sich wandle in ein Lamm.
Vorlage S. 10
360
Sein Seufzer scheint aus Ätnas Grund zu dringen;
Vorlage S. 10
361
Als wär's ein Wasserfall, die Tränlein springen.
Vorlage S. 10
362
41.
Vorlage S. 10
363
»Gedanke,« sprach er, »der mich glutentglommen
Vorlage S. 10
364
Und eisig macht, du drückst das Herz mir wund!
Vorlage S. 10
365
Was soll ich tun? Ich bin zu spät gekommen:
Vorlage S. 10
366
Ein andrer pflückt die süße Frucht jetzund.
Vorlage S. 10
Historische Illustration zu Der rasende Roland
Kontextbild zum Werk. Historische Illustration zu „Der rasende Roland“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Gusatve Dore · Public domain Bildquelle ↗
367
Kaum einen Blick, ein Wort hab' ich bekommen,
Vorlage S. 10
368
Ein andrer die Trophäen, Herz und Mund.
Vorlage S. 10
369
Kann weder Frucht noch Blüte mich beglücken,
Vorlage S. 10
370
Was soll ich mir um sie den Sinn bedrücken?
Vorlage S. 10
371
42.
Vorlage S. 10
372
Die Jungfrau ist der Rose zu vergleichen,
Vorlage S. 10
373
Die sich im Garten auf dem Stengel wiegt,
Vorlage S. 10
374
Eh Hirtenhand und Herde sie erreichen,
Vorlage S. 10
375
Im Schoß der Ruhe still geborgen liegt:
Vorlage S. 10
376
Wind, Frührot neigen sich der Anmutreichen
Vorlage S. 10
377
Und Land und Flut, von ihrer Huld besiegt;
Vorlage S. 10
378
Burschen und Mägdlein mit verliebten Wangen
Vorlage S. 10
379
Lassen an Schläfen sie und Busen prangen.
Vorlage S. 10
380
43.
Vorlage S. 10
381
Doch sieht man sie nicht mehr am Strauch sich heben,
Vorlage S. 10
382
Ward sie getrennt vom mütterlichen Stamm, –
Vorlage S. 10
383
Was ihr bei Gott und Menschen Wert gegeben,
Vorlage S. 10
384
Anmut und Schönheit, schwindet allzusamm.
Vorlage S. 10
385
Das Mädchen, das nicht mehr als Licht und Leben
Vorlage S. 10
386
Zu hüten weiß die Blüte wundersam,
Vorlage S. 10
387
Verliert, wenn einer dieses Gut verletzte,
Vorlage S. 10
388
Den Preis, den jeder über alles schätzte.
Vorlage S. 10
389
44.
Vorlage S. 10
390
Andern verhaßt, sei sie nur lieb dem einen,
Vorlage S. 11
391
Den sie mit ihrem Selbst so reich beglückt.
Vorlage S. 11
392
Grausames Los! Wie muss ich dich beweinen!
Vorlage S. 11
393
Reich sah ich andre, mich von Not bedrückt.
Vorlage S. 11
394
Ist's möglich: unhold will sie mir erscheinen?
Vorlage S. 11
395
Mein Leben selbst, es wäre mir entrückt?
Vorlage S. 11
396
Ach, lieber wär' ich heute tot geblieben,
Vorlage S. 11
397
Als dass ich sie nicht fürder sollte lieben!«
Vorlage S. 11
398
45.
Vorlage S. 11
399
Fragt jemand: wer mag innen also brennen?
Vorlage S. 11
400
Hat so viel Tränen nach dem Fluss gesandt? –
Vorlage S. 11
401
So muss ich euch Zirkassiens König nennen:
Vorlage S. 11
402
Er ist's: der liebeskranke Sakripant.
Vorlage S. 11
403
Und wollt ihr seines Leides Ursach' kennen?
Vorlage S. 11
404
Mit seiner Lieb' ist alles schon genannt.
Vorlage S. 11
405
Zu den Verehrern zählt er jener Schönen,
Vorlage S. 11
406
Und sie erkannt' ihn gleich in seinem Stöhnen.
Vorlage S. 11
407
46.
Vorlage S. 11
408
Um sie allein war er in Liebesgrillen
Vorlage S. 11
409
Gekommen aus dem fernsten Orient;
Vorlage S. 11
410
Denn er vernahm, dass sie um Rolands willen
Vorlage S. 11
411
Von Indien ging weithin zum Okzident;
Vorlage S. 11
412
Dass Karl in Frankreich dann, den Streit zu stillen,
Vorlage S. 11
413
Im Zelt sie hielt von andern abgetrennt
Vorlage S. 11
414
Und dem zum Lohn versprach, der im Gefechte
Vorlage S. 11
415
Den Lilien den größten Nutzen brächte.
Vorlage S. 11
416
47.
Vorlage S. 11
417
Er war im Lager, sah die Niederlage,
Vorlage S. 11
418
Die dort erlitt des Christenkönigs Schar.
Vorlage S. 11
419
Umsonst irrt er umher seit jenem Tage,
Vorlage S. 11
420
Dass er von der Entschwundnen Kund' erfahr'.
Vorlage S. 11
421
Ihr wisst es nun, warum mit Liebesklage
Vorlage S. 11
422
Die Zährenflut zum Bach geflossen war
Vorlage S. 11
423
Und er so rührend Worte ließ erklingen,
Vorlage S. 11
424
Schier um die Sonn' aus ihrer Bahn zu bringen.
Vorlage S. 11
425
48.
Vorlage S. 11
426
Zum Quell die Augen wandelnd, liebentzündet
Vorlage S. 12
427
In Schmerz und Leid der Ärmste sich verlor.
Vorlage S. 12
428
Derweil er spricht, was nicht die Muse kündet –
Vorlage S. 12
429
Denn andre Dinge hat zur Zeit sie vor –
Vorlage S. 12
430
Fügt sich's – o seht! – dass Glück sich ihm verbindet,
Vorlage S. 12
431
Denn jeder Laut dringt zu der Holden Ohr.
Vorlage S. 12
432
Was er mit einemmal jetzt soll erreichen,
Vorlage S. 12
433
Drob könnten tausend Jahre sonst verstreichen.
Vorlage S. 12
434
49.
Vorlage S. 12
435
Auf jedes Wort des Ritters, Art und Wesen
Vorlage S. 12
436
Gibt unsre schöne Dame sorglich acht.
Vorlage S. 12
437
In seinem Herzen hat sie längst gelesen,
Vorlage S. 12
438
Dass er nach nichts als ihrer Liebe tracht'.
Vorlage S. 12
439
Allein voll Härte ist sie stets gewesen,
Vorlage S. 12
440
Kalt, ohne Mitleid, wie aus Stein gemacht,
Vorlage S. 12
441
Als schätze sie die ganze Welt geringe
Vorlage S. 12
442
Und keinen würdig solch erlesner Dinge.
Vorlage S. 12
443
50.
Vorlage S. 12
444
Zum Führer aber denkt sie ihn zu nehmen,
Vorlage S. 12
445
Nun sie verlassen durch die Wälder schweift:
Vorlage S. 12
446
Es muss zum Gnadenruf sich wohl bequemen,
Vorlage S. 12
447
Wem an die Lippen schon das Wasser streift!
Vorlage S. 12
448
Wer weiß, ob jemals bessre Helfer kämen,
Vorlage S. 12
449
Wenn sie nicht die Gelegenheit ergreift!
Vorlage S. 12
450
Sie hatte ja schon in gar manchem Falle
Vorlage S. 12
451
Den Fürsten treu befunden, mehr als alle.
Vorlage S. 12
452
51.
Vorlage S. 12
453
Doch will sie nicht den Armen wirklich letzen,
Vorlage S. 12
454
Zu seines Kummers, seiner Treue Lohn,
Vorlage S. 12
455
Das lange Leid durch Seligkeit ersetzen,
Vorlage S. 12
456
Die jedem Jüngling aller Freuden Kron' –
Vorlage S. 12
457
Nein, nur in Wahn und Irrtum ihn versetzen,
Vorlage S. 12
458
Damit in seiner Brust das Hoffen wohn'
Vorlage S. 12
459
Und er als Werkzeug ihr ein Weilchen diene,
Vorlage S. 12
460
Dann wieder zu begegnen harter Miene.
Vorlage S. 12
461
52.
Vorlage S. 12
462
Auftauchend plötzlich aus des Haines Schweigen,
Vorlage S. 13
463
Wird sie, die Göttergleiche, nun erblickt –
Vorlage S. 13
464
So mag Diana sich, so Venus zeigen,
Vorlage S. 13
465
Wenn ihrer Schönheit Glanz den Wald erquickt –
Vorlage S. 13
466
Und »Friede dir!« spricht sie mit holdem Neigen,
Vorlage S. 13
467
»Vom Himmel wirst du mir als Hort geschickt,
Vorlage S. 13
468
Und sicherlich wird er nicht weiter dulden,
Vorlage S. 13
469
Dass du mich so verkennst ohn' mein Verschulden.«
Vorlage S. 13
470
53.
Vorlage S. 13
471
Die Mutter zeigt nicht solch ein freudig Beben,
Vorlage S. 13
472
Wenn sie den Sohn schaut, den sie tot geglaubt,
Vorlage S. 13
473
Des sie mit Weinen noch gedacht soeben
Vorlage S. 13
474
Als eines, den der Kriegsgott ihr geraubt,
Vorlage S. 13
475
Wie sich die Blicke Sakripants erheben
Vorlage S. 13
476
Zur edelen Gestalt, dem Engelshaupt,
Vorlage S. 13
477
Den zarten Gliedern dieser Hulderscheinung,
Vorlage S. 13
478
Der herrlichsten der Welt nach seiner Meinung.
Vorlage S. 13
479
54.
Vorlage S. 13
480
In holder Glut, vom süßen Trieb bezwungen,
Vorlage S. 13
481
Zu seiner Herrin, Göttin eilt er her.
Vorlage S. 13
482
Sie hält um seinen Hals den Arm geschlungen,
Vorlage S. 13
483
Was in Katai wohl nicht geschehen wär',
Vorlage S. 13
484
In ihr ist plötzlich Sehnsucht aufgesprungen:
Vorlage S. 13
485
Die Heimat winkt, bleibt ihr zur Seite der.
Vorlage S. 13
486
Durch ihn belebt sich Hoffnung und Vertrauen,
Vorlage S. 13
487
Bald wiederum ihr reiches Schloß zu schauen.
Vorlage S. 13
488
55.
Vorlage S. 13
489
Ausführlich lässt sie den Bericht ihn kosten,
Vorlage S. 13
490
Von jenem Tag an, da sie ihn gesandt
Vorlage S. 13
491
Zum Serikanerkönig dort im Osten,
Vorlage S. 13
492
Und wie für sie die Sache schließlich stand;
Vorlage S. 13
493
Wie Roland treulich blieb auf seinem Posten
Vorlage S. 13
494
Und Schmach und Tod von ihr hat abgewandt;
Vorlage S. 13
495
Sie trag' auch unverletzt, was edlem Weibe
Vorlage S. 13
496
Der höchste Schatz ist, wie vom Mutterleibe.
Vorlage S. 13
497
56.
Vorlage S. 13
498
So war's vielleicht, allein der Fall wird rar sein
Vorlage S. 14
499
(Wer klaren Kopf hat, urteilt so zumeist):
Vorlage S. 14
500
Für Sakripant muss dieses alles wahr sein,
Vorlage S. 14
501
Weil er in noch viel größrem Irrtum kreist.
Vorlage S. 14
502
Was man nicht sieht, das lässt uns Amor klar sein,
Vorlage S. 14
503
Der Deutliches als unsichtbar erweist.
Vorlage S. 14
504
Nun, jener glaubt: was lieblich ist zu glauben,
Vorlage S. 14
505
Das lässt sich ja der Mensch nicht gerne rauben.
Vorlage S. 14
506
57.
Vorlage S. 14
507
»Ließ recht als Tor sich zimperlich verwehren
Vorlage S. 14
508
So leckern Schmaus der Ritter von Anglant –
Vorlage S. 14
509
Der Schad' ist sein; das Glück will nicht bescheren
Vorlage S. 14
510
Ein zweites Mal, was einmal ward verkannt:
Vorlage S. 14
511
Ich werde nicht mich an sein Beispiel kehren!«
Vorlage S. 14
512
So sprach bei sich im stillen Sakripant.
Vorlage S. 14
513
»Entgehen mir zu lassen solchen Bissen,
Vorlage S. 14
514
Hätt' ich in Ewigkeit auf dem Gewissen.
Vorlage S. 14
515
58.
Vorlage S. 14
516
Die jugendfrische Rose will ich pflücken,
Vorlage S. 14
517
Bevor – wie bald! – die Zeit den Duft verjagt:
Vorlage S. 14
518
Ein Dirnlein kann nichts Süßeres beglücken,
Vorlage S. 14
519
Ziert auch ein wenig sich die gute Magd.
Vorlage S. 14
520
Und scheint es noch so sehr sie zu bedrücken,
Vorlage S. 14
521
Und ob sie weint und voll Verzweiflung klagt,
Vorlage S. 14
522
Es soll kein Zorn, kein Widerstand mich rühren;
Vorlage S. 14
523
Was ich mir vornahm, denk' ich auszuführen!«
Vorlage S. 14
524
59.
Vorlage S. 14
525
Er spricht's. Zum süßen Ansturm vorzugehen
Vorlage S. 14
526
Schickt er sich an: – da tönt gewalt'ger Schall
Vorlage S. 14
527
Im nahen Wald; er muss sich wohl verstehen,
Vorlage S. 14
528
Zu lassen, ob erbost, vom Überfall.
Vorlage S. 14
529
Er nimmt den Helm – mit Wehr sich zu versehen,
Vorlage S. 14
530
War er ja längst gewohnt für jeden Fall.
Vorlage S. 14
531
Er geht zum Renner, legt ihm an die Zügel,
Vorlage S. 14
532
Ergreift den Sporn und setzt den Fuß in Bügel.
Vorlage S. 14
533
60.
Vorlage S. 14
534
Ein Ritter sprengt hervor aus wald'gen Auen,
Vorlage S. 15
535
Dem Aussehn nach gar stolz und kampfbereit.
Vorlage S. 15
536
Die Zier am Helm ist weiß wie Schnee zu schauen,
Vorlage S. 15
537
Und weiß wie Schnee ist auch sein Waffenkleid.
Vorlage S. 15
538
Der König aber steht mit finstern Brauen:
Vorlage S. 15
539
Dass unterbrochen werde, was zur Zeit
Vorlage S. 15
540
So hohe Lust verspricht, stimmt ihn nicht heiter;
Vorlage S. 15
541
Voll Groll und Ingrimm blickt er auf den Reiter.
Vorlage S. 15
542
61.
Vorlage S. 15
543
Leicht aus dem Sattel denkt er ihn zu heben
Vorlage S. 15
544
Und fordert ihn zum Zweikampf auf der Stell';
Vorlage S. 15
545
Und jener, der – mir scheint – zu schaffen geben
Vorlage S. 15
546
Wird dem Zirkassier wohl auf alle Fäll',
Vorlage S. 15
547
Spornt seinen Renner, lässt die Lanze schweben
Vorlage S. 15
548
Und unterbricht das stolze Drohen schnell.
Vorlage S. 15
Historische Darstellung von Ludovico Ariosto
Kontextbild zum Werk. Historische Darstellung von Ludovico Ariosto — Spätere künstlerische Darstellung; kein gesichertes Bildnis aus dem Leben. · Urheber unbekannt · Public domain Bildquelle ↗
549
Herr Sakripant kehrt um wie Ungewitter.
Vorlage S. 15
550
Und aufeinander jagen beide Ritter.
Vorlage S. 15
551
62.
Vorlage S. 15
552
Nie trafen sich gewaltig gleich dem Blitze
Vorlage S. 15
553
Die Stiere und die Löwen in der Schlacht,
Vorlage S. 15
554
Wie die zwei Krieger hier in Kampfeshitze:
Vorlage S. 15
555
Die Schilde bersten durch des Stoßes Macht.
Vorlage S. 15
556
Vom üpp'gen Tal bis hin zur kahlen Spitze
Vorlage S. 15
557
Von dem Zusammenprall die Erde kracht.
Vorlage S. 15
558
Die Panzerkleider waren gut zum Glücke;
Vorlage S. 15
559
Sonst gingen beide Leiber wohl in Stücke.
Vorlage S. 15
560
63.
Vorlage S. 15
561
Auch keinen Umweg machten ihre Pferde:
Vorlage S. 15
562
Sie stießen sich, wie Widder tun im Zorn.
Vorlage S. 15
563
Tot blieb das Roß des Heiden auf der Erde,
Vorlage S. 15
564
Und in der Zahl der besten stand es vorn!
Vorlage S. 15
565
Auch jenes fällt: dass es lebendig werde,
Vorlage S. 15
566
Besorgt in seine Flank' ein Druck des Sporn.
Vorlage S. 15
567
Das andre Tier muss sich am Boden strecken
Vorlage S. 15
568
Und mit der vollen Last den Herrn bedecken.
Vorlage S. 15
569
64.
Vorlage S. 15
570
Der Fremde, der im Sattel fest geblieben,
Vorlage S. 16
571
Schaut seinen Gegner unterm Pferd, besiegt.
Vorlage S. 16
572
Doch rüstet er sich nicht zu Schwerteshieben,
Vorlage S. 16
573
Weil ihm an einem neuen Kampf nichts liegt.
Vorlage S. 16
574
Man sieht nur, dass er, wie vom Sturm getrieben,
Vorlage S. 16
575
Geraden Wegs im Wald von dannen fliegt.
Vorlage S. 16
576
Eh aus der Klemme kommt der andre Streiter,
Vorlage S. 16
577
Ist er ein Stündchen fern, vielleicht noch weiter.
Vorlage S. 16
578
65.
Vorlage S. 16
579
So wie der Pflüger, wenn vorbei das Wetter,
Vorlage S. 16
580
Sich stumpf erhebt, betäubt, vom Schlag erschreckt –
Vorlage S. 16
581
Geteilt das Los schier um ein Härchen hätt' er
Vorlage S. 16
582
Der Rinder, die der Blitzstrahl hingestreckt;
Vorlage S. 16
583
Die Fichte schaut er ohne Kron' und Blätter,
Vorlage S. 16
584
Die er vorher von weitem hat entdeckt –
Vorlage S. 16
585
So sucht der Heide wieder aufzustehen ...
Vorlage S. 16
586
Und alles das muss seine Dame sehen.
Vorlage S. 16
587
66.
Vorlage S. 16
588
Er seufzt und stöhnt – nicht etwa, dass ein Arm ihm,
Vorlage S. 16
589
Ein Fuß gebrochen sei, verrenkt vom Schlag;
Vorlage S. 16
590
Die Wange wird aus Schamgefühl nur warm ihm,
Vorlage S. 16
591
Wie nie zuvor an einem Erdentag.
Vorlage S. 16
592
Nicht dass er fiel – dass sie aus solchem Harm ihm,
Vorlage S. 16
593
Die Last abwälzend, half, ist seine Klag'.
Vorlage S. 16
594
Ich glaub', er wär' am Ende stumm geblieben,
Vorlage S. 16
595
Hätt' ihn zum Sprechen jene nicht getrieben.
Vorlage S. 16
596
67.
Vorlage S. 16
597
»Herr,« sprach sie, »lasst Euch dieses nicht beschweren:
Vorlage S. 16
598
Nicht Euch trifft Schuld, wenn Ihr gefallen seid;
Vorlage S. 16
599
Nein, bloß den Renner: Speis' und Ruhe wären
Vorlage S. 16
600
Ihm dienlicher gewesen als der Streit.
Vorlage S. 16
601
Nicht prahle jener mit den Siegesehren;
Vorlage S. 16
602
Er brachte sich ja schnell in Sicherheit!
Vorlage S. 16
603
Seht, wer das Feld räumt – das gilt allerwegen –
Vorlage S. 16
604
Der zeigt, dass er im Kampfe unterlegen.«
Vorlage S. 16
605
68.
Vorlage S. 16
606
Derweil sie ihn zu trösten Müh' verwandte,
Vorlage S. 17
607
Kommt ein berittner Mann dahergejagt,
Vorlage S. 17
608
Mit Tasch' und Horn versehn; der Unbekannte
Vorlage S. 17
609
(Ein müder Bote schien's, von Gram geplagt)
Vorlage S. 17
610
Kehrt sich zum nächsten, das ist Sakripante:
Vorlage S. 17
611
»Kam nicht gerad mit weißem Schilde – sagt! –
Vorlage S. 17
612
Und weißem Federbusch auf Helmes Mitten
Vorlage S. 17
613
Durch diesen Wald ein Kriegersmann geritten?«
Vorlage S. 17
614
69.
Vorlage S. 17
615
Sprach Sakripant: »Den du zu sehn beflissen,
Vorlage S. 17
616
Vom Pferd hier warf er mich und ist enteilt;
Vorlage S. 17
617
Und weil ich seinen Namen nicht will missen,
Vorlage S. 17
618
Sag' mir, wer ist's, der solche Schläg' erteilt?«
Vorlage S. 17
619
Der Bote drauf: »Was dich verlangt zu wissen,
Vorlage S. 17
620
Von mir erfahren sollst du's unverweilt;
Vorlage S. 17
621
Erwarbst du Ruhm, verdunkelt ist dein Name:
Vorlage S. 17
622
Dich hob vom Sattel eine edle Dame!
Vorlage S. 17
623
70.
Vorlage S. 17
624
Sie hat durch Kühnheit hohen Ruhm gefunden,
Vorlage S. 17
625
Durch Schönheit mehr; den Namen künd' ich dir:
Vorlage S. 17
626
Die Heldin Bradamant hat dir entwunden,
Vorlage S. 17
627
Was du gewannst an Ehr' auf Erden hier.«
Vorlage S. 17
628
Der Bote sprach's und war im Wald verschwunden.
Vorlage S. 17
629
Den Sarazen will Groll verzehren schier:
Vorlage S. 17
630
Ratlos und wortlos steht er da, befangen;
Vorlage S. 17
631
Es röten sich in Flammenglut die Wangen.
Vorlage S. 17
632
71.
Vorlage S. 17
633
Nachdem er lange, was sich zugetragen,
Vorlage S. 17
634
Vergeblich hat erwogen und zum Schluss
Vorlage S. 17
635
Sich sieht von einem Mägdelein geschlagen
Vorlage S. 17
636
(Je mehr er's denkt, je größer sein Verdruss!),
Vorlage S. 17
637
Nimmt er das Fräulein, ohn' ein Wort zu sagen,
Vorlage S. 17
638
Aufs Roß und festigt in dem Reif den Fuß,
Vorlage S. 17
639
Mit ihr zu besserm Spiel davonzureiten
Vorlage S. 17
640
An stillerm Ort in spätern günst'gen Zeiten.
Vorlage S. 17
641
72.
Vorlage S. 17
642
Sie reiten nicht zwei Meilen, als ein Tönen
Vorlage S. 18
643
Und mächtiges Gelärm im Hain erschallt,
Vorlage S. 18
644
Der sie umgibt, ein Krachen und ein Dröhnen,
Vorlage S. 18
645
Als woll' erbeben rings der weite Wald,
Vorlage S. 18
646
Und einen reich mit Gold geschmückten, schönen
Vorlage S. 18
647
Und stolzen Renner sehn sie nahen bald,
Vorlage S. 18
648
Der über Busch und Bach setzt, Bäum' entblättert,
Vorlage S. 18
649
Und alles, das im Weg ist, niederschmettert.
Vorlage S. 18
650
73.
Vorlage S. 18
651
»Täuscht trübe Luft und dichtverschlungne Zweige«,
Vorlage S. 18
652
So sprach die Dame, »jetzt mein Auge nicht,
Vorlage S. 18
653
Will mich bedünken, dass sich Bajard zeige,
Vorlage S. 18
654
Der so mit Lärmen durch das Dickicht bricht.
Vorlage S. 18
655
Gewiss, er ist's; will, dass man ihn besteige:
Vorlage S. 18
656
Wie gut er doch versteht, was uns gebricht!
Vorlage S. 18
657
Ein einzig Roß für zwei würd' unbequem sein:
Vorlage S. 18
658
Er bringt uns Gutes: lass es uns genehm sein!«
Vorlage S. 18
659
74.
Vorlage S. 18
660
Der Fürst steigt ab; er will den Renner rufen,
Vorlage S. 18
661
Ergriffe gern den Zaum mit seiner Hand:
Vorlage S. 18
662
Doch Bajard gibt die Antwort mit den Hufen;
Vorlage S. 18
663
Schnell wie der Blitz hat er sich umgewandt,
Vorlage S. 18
664
Mit Stößen, die jedoch kein Unheil schufen –:
Vorlage S. 18
665
Weh, träfen volle Schläge Sakripant!
Vorlage S. 18
666
Wollte der Huf die ganze Kraft beweisen,
Vorlage S. 18
667
Zertrümmert hätt' er einen Berg von Eisen.
Vorlage S. 18
668
75.
Vorlage S. 18
669
Sie sahn das Roß sich sanft zur Dame wenden,
Vorlage S. 18
670
Fast menschengleich, voll Demut: wie vorm Herrn
Vorlage S. 18
671
Des Hündleins frohe Sprünge gar nicht enden,
Vorlage S. 18
672
Wenn der Gebieter heimkehrt aus der Fern'.
Vorlage S. 18
673
Bajard erkannte sie: aus ihren Händen
Vorlage S. 18
674
Nahm er sein Futter in Albrakka gern,
Vorlage S. 18
675
Als für Rinald in Liebesglut sie brannte,
Vorlage S. 18
676
Der damals grausam ihr den Rücken wandte.
Vorlage S. 18
677
76.
Vorlage S. 18
678
Den Zügel nun erfasst sie mit der Linken
Vorlage S. 19
679
Und klopft und streichelt ihm den Bug in Huld:
Vorlage S. 19
680
Das kluge Tier, gehorsam ihren Winken,
Vorlage S. 19
681
Ist zahm und gut, ein Lämmchen an Geduld.
Vorlage S. 19
682
Da schwingt sich Sakripant mit einem flinken
Vorlage S. 19
683
Aufsprung hinauf, sitzt in der Sattelmuld':
Vorlage S. 19
684
Angelika hat seinen Platz bekommen;
Vorlage S. 19
685
Die Doppellast ist nun dem Tier genommen.
Vorlage S. 19
686
77.
Vorlage S. 19
687
Aufblickend dann, erschaut sie einen Recken,
Vorlage S. 19
688
Der stolz und waffenklirrend naht in Hast:
Vorlage S. 19
689
Es ist Rinald – kann sie sich nicht verstecken?
Vorlage S. 19
690
O wie bei seinem Anblick Zorn sie fasst!
Vorlage S. 19
691
Wie vor dem Aar das Huhn, flieht sie voll Schrecken,
Vorlage S. 19
692
Und er verfolgt sie ohne Ruh' und Rast.
Vorlage S. 19
693
Einstmals hat er von ihr nichts wissen wollen,
Vorlage S. 19
694
Sie liebte ihn – so tauschten sie die Rollen.
Vorlage S. 19
695
78.
Vorlage S. 19
696
Als Ursach' muss ich euch zwei Quellen nennen;
Vorlage S. 19
697
Zwiefache Wirkung hat der beiden Flut
Vorlage S. 19
698
(Sie stehn einander nah, in den Ardennen):
Vorlage S. 19
699
Die eine füllt mit Liebe heiß den Mut;
Vorlage S. 19
700
Wer von der andern trinkt, kann nicht entbrennen:
Vorlage S. 19
701
In Eis verwandelt sie die Liebesglut.
Vorlage S. 19
702
Aus jener trank Rinald – und Liebe fasst ihn –
Vorlage S. 19
703
Aus der Angelika: sie flieht und haßt ihn.
Vorlage S. 19
704
79.
Vorlage S. 19
705
Der Bronnen ließ geheimes Gift sie trinken:
Vorlage S. 19
706
Statt holder Triebe fühlt sie Haß sogleich,
Vorlage S. 19
707
Wenn dieser Held erscheint, und Schleier sinken
Vorlage S. 19
708
Auf heitrer Augen lichterfülltes Reich.
Vorlage S. 19
709
Sie fleht zu Sakripant – die Tränen blinken,
Vorlage S. 19
710
Die Stimme bebt, die Wangen werden bleich –:
Vorlage S. 19
711
Schnell auf die Flucht mit ihr sich zu begeben,
Vorlage S. 19
712
Fern von dem Krieger, der genaht soeben.
Vorlage S. 19
713
80.
Vorlage S. 19
714
»Hab' ich nicht schon Vertraun bei Euch besessen?«
Vorlage S. 20
715
Sprach jener, »bin ich nutzlos und gering,
Vorlage S. 20
716
Unfähig, mich mit jenem dort zu messen,
Vorlage S. 20
717
Dass ohne Schwertschlag ich von dannen ging?
Vorlage S. 20
718
Habt Ihr Albrakka und die Nacht vergessen,
Vorlage S. 20
719
Als ich allein – fürwahr kein kleines Ding! –
Vorlage S. 20
720
Vor Agrikan und Scharen auserlesen
Vorlage S. 20
721
Bin ohne Waffen Euer Schild gewesen?«
Vorlage S. 20
722
81.
Vorlage S. 20
723
Sie weiß nicht, was sie tun soll, steht verlegen
Vorlage S. 20
724
Und schweigend, denn Rinald ist fast schon da:
Vorlage S. 20
725
Er hält dem Sarazen die Faust entgegen;
Vorlage S. 20
726
Sein Pferd, das dieser nahm, erkennt er ja;
Vorlage S. 20
727
Erkennt auch sie, für die auf allen Wegen
Vorlage S. 20
728
Sein Herz in Lohe steht, ob fern, ob nah.
Vorlage S. 20
729
Wie weiter nun die Dinge sich gestalten,
Vorlage S. 20
730
Das sei dem nächsten Sange vorbehalten.
Vorlage S. 20

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Sie flieht dahin durch dunklen Waldes Weiten, Einöden menschenleer und grauenvoll, Wo Blätter wiegen, wo sich Schatten breiten Von Ulmen, Eichen, Buchen – da wie toll Muss sie auf einmal pfadlos seitwärts reiten, Hier-, dorthin, weil die Furcht im Busen schwoll.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗ Textstelle 5 ↗ Textstelle 6 ↗

4. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »Weil« in diesem Textausschnitt? »Weil er in noch viel größrem Irrtum kreist.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Ein Hirtenkind, sieht es die Schlange gleiten,« B: »Die Mutter zeigt nicht solch ein freudig Beben,« C: »Reg' dich nicht auf, und willst du auf dich regen,«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Der Schad' ist sein; …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »Die Ritter, Fraun, Großtat der Hochgemuten,«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.

Impulse zur Selbstprüfung

Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.

  • Situation oder Gedanke verständlich erklärt
  • Mindestens ein passender Textbeleg
  • Eigene Formulierungen statt bloßer Abschrift
Textstelle nachlesen ↗

2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »Die Ritter, Fraun, Großtat der Hochgemuten,« und »Und unterbricht das stolze Drohen schnell.«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.

Impulse zur Selbstprüfung

Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.

  • Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
  • Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
  • Deutung und wörtlichen Beleg unterschieden
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »Von Ulmen, Eichen, Buchen – da wie«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.

Impulse zur Selbstprüfung

Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.

  • Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
  • Wirkung als begründete Deutung formuliert
  • Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
Textstelle nachlesen ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Die Ritter, Fraun, Großtat der Hochgemuten,«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Was soll ich mir um sie den Sinn bedrücken?«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
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Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Das sei dem nächsten Sange vorbehalten.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Autor und namentlich belegte Übersetzung sind nach den geprüften Lebensdaten in Deutschland gemeinfrei. TextGrid und www.editura.de stellen Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE bereit.

Der rasende Roland

Ariosto, Ludovico: Der rasende Roland. In: Sämtliche poetischen Werke, Bd. 1–3, übers. v. Alfons Kissner, Berlin: Propyläen-Verlag, 1922. Ariosto, Ludovico 1- Berlin

Das Werk Der rasende Roland von Ariosto, Ludovico ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; underlying texts public domain per source Lizenz

Originalsprache · Italienisch

Vollständiger Originaltext in der genannten digitalen Project-Gutenberg-Ausgabe. Die genaue historische Druckvorlage ist nicht im Katalog belegt. Wortlaut, Rechtschreibung und Interpunktion dieser Quelle bleiben erhalten; HTML-Layout wird in Lesetext übertragen. Unterschiedliche Ausgaben und Übersetzungen können abweichende Kapitelteilungen haben. Keine Behauptung einer Erstfassung oder Absatzparität.

Ariosto, Ludovico: Orlando Furioso. Project Gutenberg eBook 3747.

Autorschaft und Ausgabe: Ariosto, Ludovico

Originaltext und Ausgabe ↗ · Project Gutenberg · Lizenz und Nutzungsbedingungen

Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.