Deutsch · Abschnitt 4 von 7
1. Akt
2 Scene: Eine Schlucht zwischen eisbedeckten Felsen im indischen Kaukasus. – Prometheus, an einen Felsen geschmiedet über dem Abgrund. Panthea und Jone sitzen zu seinen Füßen. – Nacht. – Während der Scene bricht allmälig der Morgen an.
Vorlage S. 2 4 Beherrscher du der Götter und Dämonen
Vorlage S. 2 5 Und – bis auf einen – jener Geister all,
Vorlage S. 2 6 Die sich auf glanzerfüllten Welten drängen,
Vorlage S. 2 7 Die du und ich, von allen Lebenden
Vorlage S. 2 8 Allein, mit schlaflos off'nen Augen sehn!
Vorlage S. 2 9 Die Erde sieh von deinen Sklaven wimmeln,
Vorlage S. 2 10 Die für Gebet und preisende Verehrung,
Vorlage S. 2 11 Für Noth und Drangsal du mit Furcht belohnst,
Vorlage S. 2 12 Mit Selbstverachtung und mit eitlem Hoffen,
Vorlage S. 2 13 Dieweil du mich, der ich ein Feind dir bin,
Vorlage S. 2 14 In augenlosem Hasse ließest herrschen
Vorlage S. 2 15 Und, deiner spottend, triumphiren über
Vorlage S. 2 16 Mein Elend und die Ohnmacht deiner Rache!
Vorlage S. 2 17 Dreitausend Jahre schlafgefloh'ner Stunden
Vorlage S. 2 18 Und jeder Augenblick von scharfer Pein
Vorlage S. 2 19 Gezerrt zum Jahr – Tortur und Einsamkeit,
Vorlage S. 2 20 Spott und Verzweiflung – diese sind mein Reich!
Vorlage S. 2 21 Glorreicher ist's, als jenes, über welchem
Vorlage S. 2 22 Du unbeneidet thronst, o mächt'ger Gott!
Vorlage S. 2 23 Allmächtig – hätt' ich's nicht verschmäht zu theilen
Vorlage S. 2 24 Die Schande deiner Tyrannei und hienge
Vorlage S. 2 25 Ich hier nicht festgenagelt an den Wall
Vorlage S. 2 26 Des stolzen Berges, der den Adler höhnt,
Vorlage S. 2 27 Schwarz, wintrig, todt und unermessen, ohne
Vorlage S. 2 28 Gras, noch Insekt, noch and'res Thier, noch was
Vorlage S. 3 29 Ans Leben mahnte in Gestalt und Klang.
Vorlage S. 3 30 O weh' mir! wehe! – Pein für ewig! ewig!
Vorlage S. 3 31 Kein Wechsel, keine Ruhe, keine Hoffnung!
Vorlage S. 3 32 Doch ich ertrag's! – Die Erde frag' ich, ob
Vorlage S. 3 33 Die Berge meine Qualen nicht gefühlt?
Vorlage S. 3 34 Den Himmel frag' ich, ob die gold'ne Sonne,
Vorlage S. 3 35 Die Alles schauende, sie nicht gesehn?
Vorlage S. 3 36 Ich frag' die See, in Sturm und Ruh' hier unten
Vorlage S. 3 37 Des Himmels ewig wechselnd Schattenbild,
Vorlage S. 3 38 Ob ihre tauben Wellen sie nicht hörten?
Vorlage S. 3 39 O weh' mir, wehe! – Pein für ewig, ewig!
Vorlage S. 3 40 Die Gletscher hier durchbohren mich mit ihren
Vorlage S. 3 41 Krystall'nen Nadeln, die im Mondlicht frieren,
Vorlage S. 3 42 Die blanken Ketten hier mit ihrer Kälte,
Vorlage S. 3 43 Sie fressen brennend sich in mein Gebein;
Vorlage S. 3 44 Des Himmels schwarzbeschwingter Hund, deß Schnabel
Vorlage S. 3 45 An deinen Lippen sich mit Gift getränkt,
Vorlage S. 3 46 Das nicht sein Eigen, nagt an meinem Herzen
Vorlage S. 3 47 Und formlos narrt, in wandelnden Gesichten,
Vorlage S. 3 48 Gespenstisch Volk mich aus dem Reich des Traums. –
Vorlage S. 3 49 Den Geistern, die die Erde rütteln, ist
Vorlage S. 3 50 Befohlen, aufzureißen meine Wunden,
Vorlage S. 3 51 Die kaum verharschten, wenn die starren Felsen
Vorlage S. 3 52 Sich jählings spalten und dann wieder schließen,
Vorlage S. 3 53 Dieweil sich heulend ihrem Schlund entringen
Vorlage S. 3 54 Die Genien des Sturmes, die zur Wuth
Vorlage S. 3 55 Den Wirbelwind entfachen und den Hagel
Vorlage S. 3 56 In scharfen Schlossen schleudern wider mich.
Vorlage S. 3 57 Und dennoch sind mir Tag und Nacht willkommen,
Vorlage S. 3 58 Ob nun der eine bricht das Nebelgrau
Vorlage S. 3 59 Des frost'gen Morgens, ob die and're leise
Vorlage S. 3 60 Im Sternenmantel steigt am Horizont.
Vorlage S. 3 61 Denn beide führen vorwärts sie die Stunden,
Vorlage S. 3 62 Die flügellosen, kriechenden, und eine
Vorlage S. 3 63 Wird d'runter sein, grausamer König du,
Vorlage S. 3 64 Die, – wie der finst're Götzenpriester zerrt
Vorlage S. 3 65 Sein widerstrebend Opfer zum Altar, –
Vorlage S. 4 66 Herbei dich schleppen wird, zu küssen hier
Vorlage S. 4 67 Das Blut von diesen bleichen Füßen, die
Vorlage S. 4 68 Dich treten mögen, wenn sie's nicht verachten,
Vorlage S. 4 69 Den Sklaven, der im Staube liegt, zu treten! –
Vorlage S. 4 70 Verachten? nein! du dauerst mich! – Wie wird
Vorlage S. 4 71 Dein Sturz dich wehrlos durch den Himmel jagen,
Vorlage S. 4 72 Und deine Seele schreckgespalten gähnen,
Vorlage S. 4 73 Gleich einer Hölle d'rin! – Bekümmert sag' ich's
Vorlage S. 4 74 Und nicht in Leidenschaft! – Ich hasse nimmer,
Vorlage S. 4 75 Wie damals, eh' mich Elend weise machte.
Vorlage S. 4 76 Den Fluch, den einst ich gegen dich geschleudert,
Vorlage S. 4 77 Ich widerrief' ihn gern! – Ihr Berge, deren
Vorlage S. 4 78 Vielzüngig Echo donnernd jenen Spruch
Vorlage S. 4 79 Einst durch der Katarakte Nebel trug!
Vorlage S. 4 80 Ihr eis'gen Quellen, starrend hier im Frost,
Vorlage S. 4 81 Die ihr mich bebend hörtet und dann schaudernd
Vorlage S. 4 82 Durch Indien krocht! – Du reinster Aether, den
Vorlage S. 4 83 Die glüh'nde Sonne strahlenlos durchwandelt!
Vorlage S. 4 84 Ihr Wirbelwinde, die mit lahmen Schwingen
Vorlage S. 4 85 Ihr stumm und reglos über'm Abgrund hiengt,
Vorlage S. 4 86 Als Donner, lauter wie der eu're noch,
Vorlage S. 4 87 Den Erdball schütterte mit seinem Schlag!
Vorlage S. 4 88 O hatten damals meine Worte Kraft –
Vorlage S. 4 89 Obgleich ich also nun verwandelt bin,
Vorlage S. 4 90 Dass jeder böse Wunsch in mir erstarb
Vorlage S. 4 91 Und an den Haß selbst das Erinnern schwand –
Vorlage S. 4 92 Lasst ihre Macht nun nicht verloren sein!
Vorlage S. 4 93 Wie war der Fluch? – Ihr Alle hörtet ihn!
Vorlage S. 4 94 ERSTE STIMME
Vorlage S. 4 95 die der Berge.
Vorlage S. 4 96 Dreimal dreimalhunderttausend
Vorlage S. 4 97 Jahr' auf diesem Feuerball,
Vorlage S. 4 98 Oft wie Menschen, furchtergrausend,
Vorlage S. 4 99 Zitterten wir Berge all. –
Vorlage S. 4 100 ZWEITE STIMME
Vorlage S. 4 101 die der Quellen.
Vorlage S. 4 102 Donner machten uns versiegen,
Vorlage S. 4 103 Bitt'res Blut sollt' uns beflecken,
Vorlage S. 4 104 Dennoch rannen wir verschwiegen
Vorlage S. 4 105 Durch des Schlachtfeld's wilde Schrecken,
Vorlage S. 5 106 Städte durch und öde Strecken. –
Vorlage S. 5 107 DRITTE STIMME
Vorlage S. 5 108 die der Luft.
Vorlage S. 5 109 Seit der Erdball einst erstanden,
Vorlage S. 5 110 Lieh' ich Farben seinen Landen!
Vorlage S. 5 111 Meine heit're Ruhe störte
Vorlage S. 5 112 Mancher Seufzer, den ich hörte. –
Vorlage S. 5 113 VIERTE STIMME
Vorlage S. 5 114 die der Wirbelwinde.
Vorlage S. 5 115 Hoch um dieser Berge Kronen
Vorlage S. 5 116 Weh'n wir rastlos seit Aeonen!
Vorlage S. 5 117 Nicht des Donners wilder Zorn,
Vorlage S. 5 118 Des Vulkanes Flammenborn,
Vorlage S. 5 119 Keine Macht hier ringsherum,
Vorlage S. 5 120 Macht' uns je vor Staunen stumm. –
Vorlage S. 5 121 ERSTE STIMME.
Vorlage S. 5 122 Aber unser Haupt voll Schnee,
Vorlage S. 5 123 Beugt' sich erst vor deinem Weh'!
Vorlage S. 5 124 ZWEITE STIMME.
Vorlage S. 5 125 Nie zu Indiens Meer bislang
Vorlage S. 5 126 Trugen wir noch solchen Klang!
Vorlage S. 5 127 Ein Pilot, der schlief zur See,
Vorlage S. 5 128 Sprang vom Deck in Todeskrampf,
Vorlage S. 5 129 Hört's und sterbend rief er: »Weh!« –
Vorlage S. 5 130 Toll wie's Meer in Sturmeskampf.
Vorlage S. 5 131 DRITTE STIMME.
Vorlage S. 5 132 Nie zum Himmel noch zuvor
Vorlage S. 5 133 Stieg solch Schreckenswort empor,
Vorlage S. 5 134 Das mein stilles Reich zerriss!
Vorlage S. 5 135 Als die Wunde sich geschlossen,
Vorlage S. 5 136 Hatte sich wie Blut ergossen
Vorlage S. 5 137 Ueber'n Tag die Finsterniß!
Vorlage S. 5 138 VIERTE STIMME.
Vorlage S. 5 139 Und wir flüchteten uns bang
Vorlage S. 5 140 In die frost'gen Höhlenräume,
Vorlage S. 5 141 Uns verfolgten schwere Träume
Vorlage S. 5 142 Von Ruin und Untergang, –
Vorlage S. 6 143 Hießen schweigen uns zumal,
Vorlage S. 6 144 Ob auch Schweigen Höllenqual.
Vorlage S. 6 146 Der Klippenhügel zungenlose Höhlen
Vorlage S. 6 147 Schrie'n Wehe! dann, der hohle Himmel gab
Vorlage S. 6 148 Zur Antwort: Weh! – Die purpurschäum'ge Welle
Vorlage S. 6 149 Des Oceans, das Land erklimmend, heult'
Vorlage S. 6 150 Es zu den Winden, die die See gepeitscht,
Vorlage S. 6 151 Und bleiche Völker hörten's bebend: Weh'!
Vorlage S. 6 152 PROMETHEUS.
Vorlage S. 6 153 Ich hör' den Klang von Stimmen, – nicht die Stimme,
Vorlage S. 6 154 Die ich erhob! – O Mutter, deine Söhne
Vorlage S. 6 155 Und du – ihr zürnt ihm, ohne dessen Willen,
Vorlage S. 6 156 Der Alles trägt, ihr unter Jovis Allmacht
Vorlage S. 6 157 Vergangen wär't gleich dünnen Nebelwolken,
Vorlage S. 6 158 Vom Morgenwind entrollt! – Kennt ihr mich nicht?
Vorlage S. 6 159 Mich, den Titanen nicht, der seine Pein
Vorlage S. 6 160 Zum stolzen Wall gemacht gen euren Feind,
Vorlage S. 6 161 Der sonst das ganze All eroberte? –
Vorlage S. 6 162 Ihr grünen Matten an der Felsenbrust!
Vorlage S. 6 163 Ihr Ströme, von der Milch des Schnee's genährt,
Vorlage S. 6 164 Durch frost'ge Nebel unten tief zu schau'n,
Vorlage S. 6 165 Von Wäldern überschattet, die ich einst
Vorlage S. 6 166 Mit Asia durchwandert, Leben trinkend
Vorlage S. 6 167 Ihr vom geliebten Aug': Was zürnt der Geist,
Vorlage S. 6 168 Der euch gebeut mit mir jetzt zu verkehren?
Vorlage S. 6 169 Mit mir, der ich allein gewagt zu hemmen, –
Vorlage S. 6 170 Gleich Einem, der da hemmen wollte ein
Vorlage S. 6 171 Von Furien gezogenes Gefährt' –
Vorlage S. 6 172 Die Falschheit und die Macht deß, der allein
Vorlage S. 6 173 Regiert und mit den Seufzern seiner Sklaven
Vorlage S. 6 174 Euch eure Schluchten füllt und Wasserwüsten? –
Vorlage S. 6 175 Warum gebt ihr mir noch nicht Antwort, Brüder?
Vorlage S. 6 177 Sie dürfen nicht!
Vorlage S. 6 178 PROMETHEUS.
Vorlage S. 7 179 Wer darf's? O sprich! wer darf's?
Vorlage S. 7 180 Denn wieder hören möcht' ich jenen Fluch!
Vorlage S. 7 181 Ha! welch unheimliches Geflüster dort?
Vorlage S. 7 182 Kaum ist's ein Laut: Es prickelt nur im Ohr,
Vorlage S. 7 183 Dem Blitze gleich, der knistert, eh' er schlägt.
Vorlage S. 7 184 Sprich, Geist! denn deine körperlose Stimme
Vorlage S. 7 185 Verräth allein mir, dass du webst um mich.
Vorlage S. 7 186 So sprich! wie flucht' ich ihm?
Vorlage S. 7 188 Wie kannst du hören,
Vorlage S. 7 189 Da du die Sprache nicht der Todten kennst?
Vorlage S. 7 190 PROMETHEUS.
Vorlage S. 7 191 Du bist ein Geist, der lebt – als solcher sprich!
Vorlage S. 7 193 Ich darf nicht sprechen, wie das Leben spricht,
Vorlage S. 7 194 Denn wenn's des Himmels grauser König hört,
Vorlage S. 7 195 So bindet er mich an ein Marterrad,
Vorlage S. 7 196 Noch folternder, als das auf dem ich rolle! –
Vorlage S. 7 197 Ja, du bist klug und gut und ob die Götter
Vorlage S. 7 198 Nicht hören diese Stimme, – du bist mehr
Vorlage S. 7 199 Als Gott, da du so weise bist, als gut!
Vorlage S. 7 200 So höre denn!
Vorlage S. 7 201 PROMETHEUS.
Vorlage S. 7 202 Entsetzliche Gedanken,
Vorlage S. 7 203 Gleich düster'n Schatten jagen durch mein Hirn!
Vorlage S. 7 204 Die Sinne schwinden mir, gleich einem, den
Vorlage S. 7 205 Die Liebe hält umstrickt mit ihrem Taumel
Vorlage S. 7 206 Und dennoch ist's nicht Lust!
Vorlage S. 7 208 Du kannst nicht hören!
Vorlage S. 7 209 Du bist unsterblich! – Diese Sprache kennen
Vorlage S. 7 210 Nur die, die sterben!
Vorlage S. 7 211 PROMETHEUS.
Vorlage S. 7 212 Was bist du, o Stimme,
Vorlage S. 7 213 So trauervoll?
Vorlage S. 7 215 Die Erde! deine Mutter,
Vorlage S. 8 216 Durch deren Steingeäder bis hinauf
Vorlage S. 8 217 Zur letzten Fiber noch des höchsten Baums,
Vorlage S. 8 218 Deß dünne Blätter zittern in der Luft,
Vorlage S. 8 219 Die Freude rann, wie Blut durch einen Leib,
Vorlage S. 8 220 Als du gleich einer Ruhmeswolke dich
Vorlage S. 8 221 Von ihrem Busen hobst – ein Geist des Heil's!
Vorlage S. 8 222 Bei deiner Stimme hoben ihre Söhne
Vorlage S. 8 223 Die qualgebeugten Stirnen aus dem Staub,
Vorlage S. 8 224 Und unser allgewaltiger Tyrann
Vorlage S. 8 225 Ward bleich, – bis dich sein Donner hier gekettet!
Vorlage S. 8 226 Dann – sieh hier die Millionen Welten brennen
Vorlage S. 8 227 Und rollen rings um uns! – dann sahen die,
Vorlage S. 8 228 Die sie bewohnen wohl, mein Sphärenlicht
Vorlage S. 8 229 Im weiten Aether flackernd fast vergehn;
Vorlage S. 8 230 Die See heult' auf, vom Sturm gepeitscht, und Feuer
Vorlage S. 8 231 Vom Scheitel schneeiger Vulkane sträubte
Vorlage S. 8 232 Sein Furienhaar bis an des Himmels Stirn.
Vorlage S. 8 233 Die Fluren trafen Blitz und Ueberschwemmung
Vorlage S. 8 234 Und blaue Disteln sproßten auf in Städten,
Vorlage S. 8 235 Wo Kröten, die nach Futter suchten, krochen
Vorlage S. 8 236 Durch Zimmer, d'rin die Ueppigkeit gehaust.
Vorlage S. 8 237 Denn Seuche war und Hungersnoth gefallen
Vorlage S. 8 238 Auf Mensch und Thier, bis auf den Wurm herab,
Vorlage S. 8 239 Und schwarzer Mehlthau lag auf Gras und Baum.
Vorlage S. 8 240 Im Korn, im Weinland, unter'm Wiesengras
Vorlage S. 8 241 Wuchs giftig Unkraut, das nicht auszurotten,
Vorlage S. 8 242 Ihr Wachsthum hemmend, auf – denn meine Brust
Vorlage S. 8 243 War ausgedorrt von Kummer und mein Atem,
Vorlage S. 8 244 Die dünne Luft, vom Pesthauch angesteckt,
Vorlage S. 8 245 Den einer Mutter Haß auf ihres Kindes
Vorlage S. 8 246 Vernichter einst gehaucht. – Und deinen Fluch?
Vorlage S. 8 247 Ja wohl! ich hört' ihn! – wenn du selber auch
Vorlage S. 8 248 Dich seiner Worte nicht entsinnen kannst,
Vorlage S. 8 249 Nun, meine ungezählten See'n und Ströme,
Vorlage S. 8 250 Die Berge, Höhlen, Winde und die Luft
Vorlage S. 8 251 Und auch der Todten unvernehmbar Volk
Vorlage S. 8 252 Bewahren ihn als einen Zauberspruch.
Vorlage S. 8 253 Wir brüten in geheimer Freud' und Hoffnung
Vorlage S. 8 254 Ob jenen Schreckensworten, doch wir wagen
Vorlage S. 9 255 Sie auszusprechen nicht!
Vorlage S. 9 256 PROMETHEUS.
Vorlage S. 9 257 Ehrwürd'ge Mutter!
Vorlage S. 9 258 Sieh! Alle, die da leben hier und leiden,
Vorlage S. 9 259 Sie nehmen irgend ein Geschenk von dir!
Vorlage S. 9 260 Sei's Blum' und Frucht, sei's holder Töne Klang,
Vorlage S. 9 261 Sei's Liebe, ob sie flüchtig auch – auf all'
Vorlage S. 9 262 Dies lass' mich hier verzichten. – Eins nur bitt' ich:
Vorlage S. 9 263 Die eig'nen Worte weigere mir nicht!
Vorlage S. 9 265 Du hörst sie noch! – Eh' Babylon ward Staub,
Vorlage S. 9 266 Begegnete mein schon verstorb'ner Sohn,
Vorlage S. 9 267 Der große Magus Zoroaster einst,
Vorlage S. 9 268 Im Garten wandelnd seinem eig'nen Bild!
Vorlage S. 9 269 Und die Erscheinung sah nur er allein.
Vorlage S. 9 270 Denn wisse, dass es zwei der Welten gibt,
Vorlage S. 9 271 Des Lebens und des Tod's: Die eine siehst du,
Vorlage S. 9 272 Die and're aber, die liegt unterm Grab.
Vorlage S. 9 273 Es hausen d'rin die Schatten all' der Körper,
Vorlage S. 9 274 Die leben hier und denken, bis der Tod
Vorlage S. 9 275 Sie all' vereinigt hat auf Nimmerscheiden;
Vorlage S. 9 276 Die Träume all', der Menschen Lichtgedanken,
Vorlage S. 9 277 Und was der Glaube schafft, die Liebe wünscht,
Vorlage S. 9 278 Entsetzliche und seltsam fremde, – doch
Vorlage S. 9 279 Erhab'ne auch und herrliche Gebilde!
Vorlage S. 9 280 Dort bist auch du, ein schmerzgekrümmter Schatten,
Vorlage S. 9 281 Der zwischen eis'gen Bergen hängt, umbraust
Vorlage S. 9 282 Von Stürmen. – All' die Götter wohnen dort
Vorlage S. 9 283 Und all' die Mächte namenloser Welten,
Vorlage S. 9 284 Phantome, riesig, mit dem Herrscherstab,
Vorlage S. 9 285 Heroen, Menschen, wilde Bestien
Vorlage S. 9 286 Und Demogorgon, der so finster blickt
Vorlage S. 9 287 Und endlich er, der oberste Tyrann,
Vorlage S. 9 288 Auf seinem Thron von Flammengold. – Mein Sohn,
Vorlage S. 9 289 Von diesen Einer wiederholt den Fluch,
Vorlage S. 9 290 Der Allen noch erinnerlich! – So ruf'
Vorlage S. 9 291 Denn deinen eig'nen Geist, – ruf' Jupitern,
Vorlage S. 9 292 Ruf Hades oder Typhon, oder wer
Vorlage S. 10 293 Von mächt'gern Göttern, die das Uebel zeugte,
Vorlage S. 10 294 Seit deinem Untergange meine Söhne
Vorlage S. 10 295 Getreten und gequält. – So mag die Rache
Vorlage S. 10 296 Des Allgewalt'gen weh'n durch hohle Schatten,
Vorlage S. 10 297 Wie Regenwind durch die verlass'nen Thore
Vorlage S. 10 298 Verfallener Paläste.
Vorlage S. 10 299 PROMETHEUS.
Vorlage S. 10 300 Mutter lass
Vorlage S. 10 301 Nicht wieder Böses über meine Lippen,
Vorlage S. 10 302 Noch über jene meines Gleichen kommen. –
Vorlage S. 10 303 Phantom des Jupiter, ersteh'! erscheine!
Vorlage S. 10 305 Die Ohren decken meine Flügel,
Vorlage S. 10 306 Die Flügel auch die Augen mir,
Vorlage S. 10 307 Doch steigt durch ihre Federhügel,
Vorlage S. 10 308 Durch ihre Silberschatten hier
Vorlage S. 10 309 Ein Bild und Töne klingen.
Vorlage S. 10 310 Du voll Wunden – festgebunden –
Vorlage S. 10 311 Mög's dir nicht Uebles bringen,
Vorlage S. 10 312 Den uns'rer süßen Schwester willen
Vorlage S. 10 313 Wir treu behüten hier im Stillen.
Vorlage S. 10 315 Es klingt, wie Wirbelwinde wild,
Vorlage S. 10 316 Wenn Feu'r und Erdstoß Berge spalten!
Vorlage S. 10 317 Der Ton ist schrecklich, wie das Bild
Vorlage S. 10 318 In sterndurchwob'nen Purpurfalten.
Vorlage S. 10 319 Sein Scepter blassen Gold's,
Vorlage S. 10 320 Im Wolkenflor dort hoch empor
Vorlage S. 10 321 Hebt seine Hand es stolz
Vorlage S. 10 322 Und grausam blickt er, unbewegt,
Vorlage S. 10 323 Wie wer da Leiden schafft, nicht trägt!
Vorlage S. 10 324 PHANTOM DES JUPITER.
Vorlage S. 10 325 Geheime Mächte dieser fremden Welt!
Vorlage S. 10 326 Was habt ihr mich, ein wesenloses Schemen,
Vorlage S. 10 327 Auf grausen Stürmen denn hieher getrieben?
Vorlage S. 10 328 Welch' ungewohnte Töne sind's, die beben
Vorlage S. 10 329 Auf meinen Lippen, ungleich jener Stimme,
Vorlage S. 11 330 Mit der da unser bleich Geschlecht im Finstern
Vorlage S. 11 331 Die geisterhafte Unterredung hält?
Vorlage S. 11 332 Und du, o stolzer Dulder, wer bist du?
Vorlage S. 11 333 PROMETHEUS.
Vorlage S. 11 334 Entsetzlich Bild! – Wie du bist, muss er sein,
Vorlage S. 11 335 Deß Schatten du uns zeigst! – Ich bin sein Feind,
Vorlage S. 11 336 Bin der Titan! – Die Worte sag', die ich
Vorlage S. 11 337 Vernehmen will – ist deine hohle Stimme
Vorlage S. 11 338 Auch nur gedankenloser Wiederhall!
Vorlage S. 11 339 DIE ERDE.
Vorlage S. 11 340 Horcht auf! und muss auch euer Echo schweigen,
Vorlage S. 11 341 Ihr grauen Berge, alten Wälder dort,
Vorlage S. 11 342 Ihr Zauberquellen, ihr prophet'schen Höhlen
Vorlage S. 11 343 Und inselreichen Ströme, freuet euch
Vorlage S. 11 344 Zu hören nun, was ihr nicht sprechen dürft!
Vorlage S. 11 346 Ein Geist erfasst mich und er spricht in mir:
Vorlage S. 11 347 Wie Feuer durch die Donnerwolke zuckt,
Vorlage S. 11 348 So zuckt es nun durch mich!
Vorlage S. 11 350 Seht nur, wie er
Vorlage S. 11 351 Die mächt'gen Blicke hebt! – Der Himmel oben
Vorlage S. 11 352 Verfinstert sich!
Vorlage S. 11 354 Er spricht – o schützet mich!
Vorlage S. 11 355 PROMETHEUS.
Vorlage S. 11 356 Es ist der Fluch! – ich seh's an den Geberden,
Vorlage S. 11 357 So stolz und kalt – an Blicken voll von Trotz
Vorlage S. 11 358 Und stillem Haß, – an der Verzweiflung seh' ich's,
Vorlage S. 11 359 Die da mit Lächeln spottet ihrer selbst,
Vorlage S. 11 360 Das so zum Grinsen wird. – Doch sprich! o sprich!
Vorlage S. 11 362 »Du böser Feind, ich trotze dir in Ruh'!
Vorlage S. 12 363 Was du vermagst, heiß' ich dich bieten mir!
Vorlage S. 12 364 Tyrann der Götter und der Menschheit du,
Vorlage S. 12 365 Ein einzig Wesen beugt sich nicht vor dir!
Vorlage S. 12 366 Lass deine Qualen auf mich regnen,
Vorlage S. 12 367 Lass Krankheit, Furcht und Raserei,
Vorlage S. 12 368 Lass Frost und Feuer sich begegnen
Vorlage S. 12 369 Zu meiner Pein, – dein Zürnen sei
Vorlage S. 12 370 Der Blitz, der Hagel, sei'n die Furienschaaren,
Vorlage S. 12 371 Die durch die Welt einher auf wilden Stürmen fahren!
Vorlage S. 12 372 Dein Schlimmstes thu'! – die Allmacht ist ja dein!
Vorlage S. 12 373 Bis auf dich selbst und meine Willenskraft,
Vorlage S. 12 374 Ob allen Dingen räumt' ich sie dir ein,
Vorlage S. 12 375 So sende denn, was Menschen Leiden schafft:
Vorlage S. 12 376 Dein böser Geist mit Qual umstricke
Vorlage S. 12 377 Sie alle, die mir theuer sind,
Vorlage S. 12 378 Auf mich und auf die Meinen schicke
Vorlage S. 12 379 Das Aergste, was dein Haß nur spinnt.
Vorlage S. 12 380 Und also weih' ich dieses Haupt, erhoben,
Vorlage S. 12 381 Schlafloser Pein, dieweil du herrschen musst dort oben!«
Vorlage S. 12 382 »Du aber, der ein Gott und Herr du bist,
Vorlage S. 12 383 Mit deinem Geist erfüllst die Welt voll Weh, –
Vorlage S. 12 384 Vor dem, was Himmels und der Erden ist,
Vorlage S. 12 385 In Furcht und Ehrfurcht ich sich beugen seh'!
Vorlage S. 12 386 Fluch dir! – des Dulders Fluch mit Beben,
Vorlage S. 12 387 Hör', Folt'rer, gleich Gewissensleid,
Vorlage S. 12 388 Vergiftet Sterben sei dein Leben,
Vorlage S. 12 389 Die Ewigkeit dein Sterbekleid!
Vorlage S. 12 390 Und deine Allmacht sei die Marterkrone,
Vorlage S. 12 391 Die, brennend Gold, dein schmelzend Hirn umringt zum, Hohne!«
Vorlage S. 12 392 Kraft dieses Fluch's häuf' Uebelthaten auf
Vorlage S. 12 393 Und Gutes sei zu schau'n verdammt zumal,
Vorlage S. 12 394 Da beides ewig, wie der Welten Lauf,
Vorlage S. 12 395 Wie du und deine Einsamkeit voll Qual!
Vorlage S. 12 396 Und scheinst du auch das Bild der reinen,
Vorlage S. 12 397 Erhaben ruh'gen Macht zur Frist,
Vorlage S. 12 398 Die Stunde kommt, da du musst scheinen,
Vorlage S. 12 399 Was innerlich von je du bist.
Vorlage S. 13 400 »Verbrechen häuf' denn, die nicht Früchte tragen,
Vorlage S. 13 401 Und ew'ger Spott soll dich durch Raum und Zeit einst jagen!«
Vorlage S. 13 402 PROMETHEUS.
Vorlage S. 13 403 Sind's meine Worte, Mutter?
Vorlage S. 13 404 DIE ERDE.
Vorlage S. 13 405 Es sind deine!
Vorlage S. 13 406 PROMETHEUS.
Vorlage S. 13 407 Mich reu'ts! – Ein eitel Wort ist schnell entschwebt,
Vorlage S. 13 408 Und Kummer oftmals blind – so war der meine!
Vorlage S. 13 409 Zu leiden wünsch' ich keinem Ding, das lebt!
Vorlage S. 13 410 DIE ERDE.
Vorlage S. 13 411 O, weh' mir! weh' mir! weh'!
Vorlage S. 13 412 Dass Zeus dich doch besiegt zuletzt!
Vorlage S. 13 413 Laut heulet, Land und See!
Vorlage S. 13 414 Ihr Wirbelwinde heult entsetzt!
Vorlage S. 13 415 Zerrissen wird der Erde Herz,
Vorlage S. 13 416 Die Antwort tönen euerm Schmerz!
Vorlage S. 13 417 Heult, Geister Lebender und Todter dort,
Vorlage S. 13 418 Gefallen und besiegt ist euer Hort!
Vorlage S. 13 420 Besiegt ist euer Hort!
Vorlage S. 13 422 Nein, nein! ein leichter Krampf ist's nur,
Vorlage S. 13 423 Noch unbesiegt ist der Titan!
Vorlage S. 13 424 Doch seht! was kommt durch den Azur?
Vorlage S. 13 425 Ob jenes Hügels schnee'gem Plan,
Vorlage S. 13 426 Den gold'nen Flügelschuh am Fuß,
Vorlage S. 13 427 Dem jeder Wind sich beugen muss,
Vorlage S. 13 428 Von rother Federn Wiederschein
Vorlage S. 13 429 Zart angehaucht, wie Elfenbein,
Vorlage S. 13 430 Das ros'ge Glut durchdringt,
Vorlage S. 13 431 Schwebt die Gestalt herab!
Vorlage S. 13 432 Mit ihrer Rechten schwingt
Vorlage S. 13 433 Sie einen Stab
Vorlage S. 13 434 Um den sich eine Schlange ringt.
Vorlage S. 13 436 Der schnelle Bote Jovis ist's – Mercur!
Vorlage S. 14 438 Und Jene da mit Hydrahaaren
Vorlage S. 14 439 Und eh'rnen Schwingen auf dem Wind?
Vorlage S. 14 440 Die dort im Zaum gehalten sind
Vorlage S. 14 441 Vom Gott, den zürnen sie gewahren
Vorlage S. 14 442 Und die gleich Dämpfen steigen auf,
Vorlage S. 14 443 Laut schwirrend, ein endloser Hauf?
Vorlage S. 14 445 's ist Jovis wilder Hunde Heer,
Vorlage S. 14 446 Das er mit Blut und Seufzern nährt,
Vorlage S. 14 447 Wenn auf der Schwefelwolke er
Vorlage S. 14 448 Aus seines Reiches Grenzen fährt.
Vorlage S. 14 450 Führt er hinweg sie von der magern Weide
Vorlage S. 14 451 Des Tod's, zu füttern sie mit neuem Leide?
Vorlage S. 14 453 Wie immer, fest, nicht stolz blickt der Titan!
Vorlage S. 14 454 ERSTE FURIE.
Vorlage S. 14 455 Ich witt're Leben, ha!
Vorlage S. 14 456 ZWEITE FURIE.
Vorlage S. 14 457 O lasst mich nur
Vorlage S. 14 458 In seine Augen sehn!
Vorlage S. 14 459 DRITTE FURIE.
Vorlage S. 14 460 Die Hoffnung, ihn
Vorlage S. 14 461 Zu quälen riecht, wie für den Aesergeyer
Vorlage S. 14 462 Ein Haufe Leichen riecht nach einer Schlacht!
Vorlage S. 14 463 ERSTE FURIE.
Vorlage S. 14 464 Du zögerst, Herold? – Auf, ihr Höllenhunde!
Vorlage S. 14 465 Wie wär's, wenn uns der Sohn der Maia bald
Vorlage S. 14 466 Zum Futter diente und zur Jagd? Wer kann
Vorlage S. 14 467 Da lange dem Allmächtigen gefallen?
Vorlage S. 14 469 Packt euch zurück in eure Eisenzwinger
Vorlage S. 15 470 Und knirscht mit euren futterlosen Zähnen,
Vorlage S. 15 471 Am Strom des Feuers und der Weheklagen!
Vorlage S. 15 472 Geryon auf! und Gorgo und Chimära
Vorlage S. 15 473 Und du auch, Sphinx, du schlaueste der Bösen,
Vorlage S. 15 474 Die du zu Theben einst des Himmels Wein
Vorlage S. 15 475 Kredenztest, den vergifteten: die Liebe,
Vorlage S. 15 476 Zur Unnatur verkehrt und Haß, der noch
Vorlage S. 15 477 Viel unnatürlicher. – Seht! Jene werden
Vorlage S. 15 478 Vollziehen euer Werk!
Vorlage S. 15 479 ERSTE FURIE.
Vorlage S. 15 480 O Gnade! Gnade!
Vorlage S. 15 481 Wir sterben vor Begier: Vertreib' uns nicht!
Vorlage S. 15 483 So duckt euch denn und schweigt!
Vorlage S. 15 484 Erhab'ner Dulder!
Vorlage S. 15 485 Unwillig, höchst unwillig komm' ich her,
Vorlage S. 15 486 Getrieben von des großen Vaters Willen,
Vorlage S. 15 487 Um neuen Rachespruch hier zu vollziehn! –
Vorlage S. 15 488 Ach! ich beklage dich und hasse mich,
Vorlage S. 15 489 Dass ich nicht mehr vermag! – Ja, kehr' ich heim
Vorlage S. 15 490 Von deinem Anblick, wird für Jahreszeit
Vorlage S. 15 491 Der Himmel mir zur Hölle, so verfolgt
Vorlage S. 15 492 Mit vorwurfsvollem Lächeln Tag und Nacht
Vorlage S. 15 493 Mich die zermarterte Gestalt! – Ja, du
Vorlage S. 15 494 Bist weise, stark und gut und dennoch ständest
Vorlage S. 15 495 Vergebens fürder du allein im Kampf
Vorlage S. 15 496 Gen den Allmächtigen – wie's jene Leuchten,
Vorlage S. 15 497 Die klaren, die die müden Jahre messen
Vorlage S. 15 498 Und theilen sie, von denen keine Zuflucht
Vorlage S. 15 499 Es lang gelehrt und lange lehren werden.
Vorlage S. 15 500 Und sieh! dein Peiniger, er rüstet eben
Vorlage S. 15 501 Mit sond'rer Macht von unerhörter Pein
Vorlage S. 15 502 Die Mächte aus, die in der Hölle unten
Vorlage S. 15 503 Die Todesqual, die langgedehnte sinnen.
Vorlage S. 15 504 Mein Auftrag aber ist, hieher zu führen
Vorlage S. 15 505 Sie, oder was an schlauern oder bösern
Vorlage S. 15 506 Und wildern Geistern noch den Höllenschlund
Vorlage S. 15 507 Bevölkert und ihr grauses Werk sie hier
Vorlage S. 16 508 Vollziehn zu lassen! – Mög' es so nicht sein:
Vorlage S. 16 509 Es ist dir ein Geheimnis ja bekannt, –
Vorlage S. 16 510 Von allen Lebenden nur dir allein –
Vorlage S. 16 511 Das da vermag des weiten Himmels Scepter
Vorlage S. 16 512 Zu übertragen und die Furcht vor ihm
Vorlage S. 16 513 Erfüllt den Allgewaltigen mit Schrecken.
Vorlage S. 16 514 In Worte kleid's und heiß es seinen Thron
Vorlage S. 16 515 Umklammern dann in brünst'gem Fleh'n! – die Seele:
Vorlage S. 16 516 Beug' im Gebet und, einem Bittenden
Vorlage S. 16 517 In stolzem Tempel gleich, lass deinen Willen
Vorlage S. 16 518 Im Herzen knieen, das voll Hochmuth ist.
Vorlage S. 16 519 Denn gute That und Unterwerfung sänft'gen
Vorlage S. 16 520 Den Stolzesten und auch den Mächtigsten.
Vorlage S. 16 521 PROMETHEUS.
Vorlage S. 16 522 Wer bös geartet ist, verwandelt selbst
Vorlage S. 16 523 Das Gute zu der eigenen Natur!
Vorlage S. 16 524 Ich gab ihm Alles, was er hat und er
Vorlage S. 16 525 Zum Danke kettet hier mich fest auf Jahre,
Vorlage S. 16 526 Auf Menschenalter, Nacht und Tag. – Ob nun
Vorlage S. 16 527 Die Sonne mir die ausgedorrte Haut
Vorlage S. 16 528 Zerreißt, ob in der kalten Mondnacht sich
Vorlage S. 16 529 Krystallbeschwingter Schnee ums Haupt mir klebt,
Vorlage S. 16 530 Indeß mein heißgeliebt Geschlecht zu Boden
Vorlage S. 16 531 Getreten wird von jenen Schergen seiner
Vorlage S. 16 532 Gedanken – das ist des Tyrannen Lohn!
Vorlage S. 16 533 's ist recht, denn Gutes mag der Böse nicht
Vorlage S. 16 534 Empfangen und für eine Welt, die ihm
Vorlage S. 16 535 Geschenkt ward, für den Freund, den er verlor,
Vorlage S. 16 536 Vermag er Haß zu fühlen, Furcht und Scham,
Vorlage S. 16 537 Nicht Dankbarkeit! – Bestrafen will er mich
Vorlage S. 16 538 Für Missethaten, die er selbst beging!
Vorlage S. 16 539 Für Solche ist die Güte bitt'rer Vorwurf,
Vorlage S. 16 540 Der durch den leisen Schlummer des Gewissens
Vorlage S. 16 541 Mit scharfen Stacheln fährt. – Und Unterwerfung?
Vorlage S. 16 542 Du weißt es wohl, ich kann sie nicht versuchen,
Vorlage S. 16 543 Denn welches Pfand der Demuth nähm' er an
Vorlage S. 16 544 Und welches and're hätt' ich ihm zu bieten,
Vorlage S. 16 545 Wär's jenes Wort nicht, das verhängnißvolle,
Vorlage S. 16 546 Das Todessiegel aller Sklaverei
Vorlage S. 17 547 Der Menschheit, das ob seiner Krone zittert,
Vorlage S. 17 548 Gleich jenem Schwerte, das am Haare schwebend
Vorlage S. 17 549 Einst über'm Haupt des Sicilianers hing?
Vorlage S. 17 550 Auch will ich's jetzt ihm noch nicht offenbaren!
Vorlage S. 17 551 Lasst And're dem Verbrechen schmeicheln, wo's
Vorlage S. 17 552 In kurzer Allmacht thront; – gesichert sind sie;
Vorlage S. 17 553 Denn triumphirt einst die Gerechtigkeit,
Vorlage S. 17 554 Wird Mitleidszähren sie herniederweinen,
Vorlage S. 17 555 Nicht Strafe ob des Unrechts, das sie litt,
Vorlage S. 17 556 Das nur zu schwer gebüßt durch Jene wird,
Vorlage S. 17 557 Die irre gehn! – So wart' ich, Alles duldend,
Vorlage S. 17 558 Die Stunde der Vergeltung ab, die, seit
Vorlage S. 17 559 Wir sprechen selbst, schon wieder näher ist! –
Vorlage S. 17 560 Doch horch! Die Höllenhunde kläffen dort:
Vorlage S. 17 561 Zu zögern wage nicht, denn sieh', der Himmel
Vorlage S. 17 562 Verfinstert sich, weil schon dein Vater oben
Vorlage S. 17 563 Die Stirne runzelt!
Vorlage S. 17 565 O wär's uns erspart:
Vorlage S. 17 566 Mir, dich zu peinigen und dir, zu leiden!
Vorlage S. 17 567 Noch einmal antwort' mir: du kennst doch wohl
Vorlage S. 17 568 Den Zeitraum nicht von Jupiters Gewalt?
Vorlage S. 17 569 PROMETHEUS.
Vorlage S. 17 570 Ich weiß nur, dass ihr Ende kommen muss!
Vorlage S. 17 572 Ach! leider kannst du nicht die Jahre zählen,
Vorlage S. 17 573 Die voll der Qualen kommen über dich!
Vorlage S. 17 574 PROMETHEUS.
Vorlage S. 17 575 So lange dauern sie, als Zeus regiert:
Vorlage S. 17 576 Nicht mehr, noch wen'ger wünsch' ich oder fürcht' ich!
Vorlage S. 17 578 Halt' ein und tauch' in jene Ewigkeit,
Vorlage S. 17 579 Wo das Gedächtnis aller Zeiten schwindet
Vorlage S. 17 580 Und was in Menschenaltern ihr ersinnt,
Vorlage S. 17 581 Zu einem Punkt, – in deren ew'ger Flucht
Vorlage S. 17 582 Die Seele, die im Kampf ermattet, erst
Vorlage S. 18 583 Die müden Flügel senkt und endlich taumelnd,
Vorlage S. 18 584 Verloren, blind und schutzlos untersinkt:
Vorlage S. 18 585 Vielleicht hat sie die trägen Jahre nicht
Vorlage S. 18 586 Gezählt, die du in Qual verbringen sollst!
Vorlage S. 18 587 PROMETHEUS.
Vorlage S. 18 588 Vielleicht kann kein Gedanke sie ermessen –
Vorlage S. 18 589 Sie werden doch vorübergehn.
Vorlage S. 18 591 Und könntest
Vorlage S. 18 592 Du mittlerweile wohnen unter Göttern,
Vorlage S. 18 593 In wollustvolle Freude sanft gewiegt?
Vorlage S. 18 594 PROMETHEUS.
Vorlage S. 18 595 Ich würde doch dies graue Thal nicht lassen,
Vorlage S. 18 Kontextbild zum Werk. Porträt von Percy Bysshe Shelley — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Amelia Curran · Public domain Bildquelle ↗ 596 Die Pein nicht fliehen, die mich hier erwartet!
Vorlage S. 18 598 Bewundern muss ich dich – doch auch beklagen!
Vorlage S. 18 599 PROMETHEUS.
Vorlage S. 18 600 Des Himmels Sklaven, die sich selbst verachten,
Vorlage S. 18 601 Beklage du, – nicht mich, in dessen Seele
Vorlage S. 18 602 Die reinste Freude herrscht, dem Lichte gleich,
Vorlage S. 18 603 Das in der Sonne thront! – Wie eitel doch
Vorlage S. 18 604 Ist das Gespräch! – die bösen Feinde dort
Vorlage S. 18 605 Ruf' auf!
Vorlage S. 18 607 O Schwester, sieh nur: Weißes Feuer
Vorlage S. 18 608 Hat jene mächt'ge, schneebelad'ne Ceder
Vorlage S. 18 609 Gespalten tief bis in der Wurzeln Schooß!
Vorlage S. 18 610 Wie fürchterlich rollt Gottes Donner nach!
Vorlage S. 18 612 Gehorchen muss ich seinem Wort und deinem,
Vorlage S. 18 613 Wie schwere Sorge auch das Herz mir drückt.
Vorlage S. 18 616 Sieh, wie das Kind des Himmels läuft von dannen,
Vorlage S. 19 617 Der Morgensonne gold'ne Strahlen dort
Vorlage S. 19 618 Zur Seite beugend mit beschwingtem Fuß.
Vorlage S. 19 620 O theure Schwester – vor den Augen schließ'
Vorlage S. 19 621 Dein Flügelpaar, dass du nicht siehst und stirbst!
Vorlage S. 19 622 Sie kommen, kommen, die Geburt des Tags
Vorlage S. 19 623 Verfinsternd mit den ungemess'nen Schwingen
Vorlage S. 19 624 Und hohl darunter, wie der Tod.
Vorlage S. 19 625 ERSTE FURIE.
Vorlage S. 19 626 Prometheus!
Vorlage S. 19 627 ZWEITE FURIE.
Vorlage S. 19 628 Unsterblicher Titan!
Vorlage S. 19 629 DRITTE FURIE.
Vorlage S. 19 630 Der du ein Kämpe
Vorlage S. 19 631 Für alles Sklavenvolk des Himmels bist!
Vorlage S. 19 632 PROMETHEUS.
Vorlage S. 19 633 Er, dem dies wüste Rufen gilt, ist hier,
Vorlage S. 19 634 Prometheus, der gefesselte Titan!
Vorlage S. 19 635 Ihr Schreckgestalten, was und wer seid ihr?
Vorlage S. 19 636 Nie kamen solch' entsetzliche Phantome
Vorlage S. 19 637 Noch durch der Hölle scheusalträcht'gen Schooß
Vorlage S. 19 638 Aus Jovis Hirn, d'rin alles Böse keimt.
Vorlage S. 19 639 Mich dünkt, seh' ich solch' gräuliche Gestalt,
Vorlage S. 19 640 Ich werde Jenem gleich, das ich betrachte
Vorlage S. 19 641 Und lach' und stier' in ekler Sympathie!
Vorlage S. 19 642 ERSTE FURIE.
Vorlage S. 19 643 Wir sind die Schergen aller Pein und Furcht,
Vorlage S. 19 644 Des Missgeschicks, des Mißtrau'ns und des Hasses
Vorlage S. 19 645 Und lastender Verbrechen! – Hunden gleich,
Vorlage S. 19 646 Die ein getroff'nes, athemloses Reh
Vorlage S. 19 647 Durch Wald und See verfolgen, – also sind
Vorlage S. 19 648 Wir hinter jedem Dinge her, das lebt
Vorlage S. 19 649 Und weint und blutet, – wenn der große König
Vorlage S. 19 650 Es unserm Willen schutzlos überlässt.
Vorlage S. 19 651 PROMETHEUS.
Vorlage S. 20 652 O Mannigfalt der schrecklichsten Naturen
Vorlage S. 20 653 In einem Namen hier! – Ich kenne euch
Vorlage S. 20 654 Und jene Seeen dort und Echo's kennen
Vorlage S. 20 655 Das Schwirren eurer schwarzen Flügel wohl!
Vorlage S. 20 656 Allein warum, noch scheußlicher fürwahr,
Vorlage S. 20 657 Als euer grauenhaftes Wesen sonst,
Vorlage S. 20 658 Entsteigt in Schwärmen ihr der Tiefe heut'?
Vorlage S. 20 659 ZWEITE FURIE.
Vorlage S. 20 660 Das wussten wir nicht! – Schwestern, freut euch!
Vorlage S. 20 661 PROMETHEUS.
Vorlage S. 20 662 Kann Ein's ob seiner Hässlichkeit frohlocken?
Vorlage S. 20 663 ZWEITE FURIE.
Vorlage S. 20 664 Die Schönheit der Glückseligkeit verklärt
Vorlage S. 20 665 Die Liebenden, sehn sie einander an:
Vorlage S. 20 666 Und so sind wir! – Wie von der Rose wohl,
Vorlage S. 20 667 Die knieend eine bleiche Priesterin
Vorlage S. 20 668 Für ihren Blumenkranz zum Feste pflückt,
Vorlage S. 20 669 Ein flüchtig Roth auf ihre Wangen fällt,
Vorlage S. 20 670 Umkleidet uns der Schatten jener Qual,
Vorlage S. 20 671 Die uns'res Opfers harrt und gibt uns Form –
Vorlage S. 20 672 Sonst sind gestaltlos wir, wie Mutter Nacht.
Vorlage S. 20 673 PROMETHEUS.
Vorlage S. 20 674 Verächtlich lach' ich eurer Macht und Jenes,
Vorlage S. 20 675 Der euch gesandt! – Kredenzt den Leidensbecher!
Vorlage S. 20 676 ERSTE FURIE.
Vorlage S. 20 677 Du denkst, wir reißen Dir nun Bein von Bein
Vorlage S. 20 678 Und Nerv von Nerv – wie Feuer dich durchwühlend?
Vorlage S. 20 679 PROMETHEUS.
Vorlage S. 20 680 Pein ist mein Element, wie Haß das deine!
Vorlage S. 20 681 Zerreißt mich nun – ich frage nicht darnach!
Vorlage S. 20 682 ZWEITE FURIE.
Vorlage S. 20 683 Du stellst dir vor, dass wir dir blicken werden
Vorlage S. 20 684 Mit Hohngelächter in dein lidlos Aug'?
Vorlage S. 20 685 PROMETHEUS.
Vorlage S. 21 686 Nicht wägen will ich, was ihr Böses tut,
Vorlage S. 21 687 Nur was ihr leidet, da ihr böse seid!
Vorlage S. 21 688 Wie grausam doch war jene Macht, die euch
Vorlage S. 21 689 Ans Licht rief oder Elende gleich euch!
Vorlage S. 21 690 DRITTE FURIE.
Vorlage S. 21 691 Du denkst, wir werden Ein's um's And're leben
Vorlage S. 21 692 In dir, gleich thier'schem Leben, und obwohl
Vorlage S. 21 693 Wir auch die Seele nicht verfinstern können,
Vorlage S. 21 694 Die in dir brennt, – doch wohnen neben ihr,
Vorlage S. 21 695 Der eitlen, lauten Menge gleich, die da
Vorlage S. 21 696 Den Weisesten im Selbstgenügen stört? –
Vorlage S. 21 697 Dass wir als Schreckgedanke dein Gehirn,
Vorlage S. 21 698 Als fauler Wunsch dein Herz erfüllen werden,
Vorlage S. 21 699 Als Blut durch deiner Adern Labyrinth
Vorlage S. 21 700 Gleich Todesqualen kriechen?
Vorlage S. 21 701 PROMETHEUS.
Vorlage S. 21 702 Also seid ihr!
Vorlage S. 21 703 Doch bin ich König über mich und weiß
Vorlage S. 21 704 Der Qualen Aufruhr in mir selbst zu bänd'gen,
Vorlage S. 21 705 Wie Jupiter die Hölle, wenn sie meutert.
Vorlage S. 21 706 CHOR DER FURIEN.
Vorlage S. 21 707 Von den Enden der Erde, – in Nebel geborgen,
Vorlage S. 21 708 Wo die Nacht hat ihr Grab, – seine Wiege der Morgen,
Vorlage S. 21 709 Herbei! herbei! herbei!
Vorlage S. 21 710 Die ihr Berge erschüttert mit Jubelgeschrei,
Vorlage S. 21 711 Wenn die Städte versinken und heulen vor Weh,
Vorlage S. 21 712 Die ihr schwunglosen Fußes stampfet die See,
Vorlage S. 21 713 Die ihr dicht hinter Schiffbruch und Hungersnoth
Vorlage S. 21 714 Schnatternd euch setzt auf's zertrümmerte Boot,
Vorlage S. 21 715 Herbei! herbei! herbei!
Vorlage S. 21 716 Lasst das Bett, das kalt und roth,
Vorlage S. 21 717 Unter einem Volk, das todt;
Vorlage S. 21 718 Lasst den Haß! im Aschenhauf'
Vorlage S. 21 719 Glimmend noch das Feuer währt,
Vorlage S. 21 720 Steigt in blut'gern Flammen auf,
Vorlage S. 21 721 Wenn ihr's schür't, zurückgekehrt!
Vorlage S. 22 722 Eingepflanzt lasst Selbstverachtung
Vorlage S. 22 723 In der Jugend Sinnumnachtung,
Vorlage S. 22 724 Elend lasst, nur kaum entsproßen!
Vorlage S. 22 725 Was geheim in ihren Räumen
Vorlage S. 22 726 Birgt die Hölle – halb erschlossen
Vorlage S. 22 727 Lasst's dem Narr'n in seinen Träumen:
Vorlage S. 22 728 Grausamer als euch das Hassen
Vorlage S. 22 729 Wird die Furcht ihn werden lassen!
Vorlage S. 22 730 Schwarmweis aus der Hölle weitem Thor
Vorlage S. 22 731 Steigen wir wie böser Dampf empor,
Vorlage S. 22 732 Pestgleich schwängern wir der Lüfte Hauch,
Vorlage S. 22 733 Doch vergeblich ist's, kommt ihr nicht auch!
Vorlage S. 22 735 Ich hör' den Donner neuer Schwingen, Schwester!
Vorlage S. 22 737 Die mächt'gen Berge dröhnen von dem Klang
Vorlage S. 22 738 Und zittern, wie die Luft. – Ihr Schatten hüllt
Vorlage S. 22 739 Den Raum, der zwischen meinen Flügeln liegt,
Vorlage S. 22 740 In Finsterniß, noch schwärzer wie die Nacht!
Vorlage S. 22 741 VIERTE FURIE.
Vorlage S. 22 742 Euer Ruf, ein Flügelwagen,
Vorlage S. 22 743 Hat uns wirbelnd fortgetragen,
Vorlage S. 22 744 Wo sie blut'ge Schlachten schlagen!
Vorlage S. 22 745 FÜNFTE FURIE.
Vorlage S. 22 746 Fort von Städten, voll der Plagen!
Vorlage S. 22 747 SECHSTE FURIE.
Vorlage S. 22 748 Halbgehörten Seufzern nur,
Vorlage S. 22 749 Blut, dem wir erst auf der Spur!
Vorlage S. 22 750 SIEBENTE FURIE.
Vorlage S. 22 751 Aus der Kön'ge Rath, wo kalt
Vorlage S. 22 752 Man das Blut mit Gold bezahlt.
Vorlage S. 22 753 ACHTE FURIE.
Vorlage S. 23 754 Von der Schmelze, weiß und heiß,
Vorlage S. 23 755 Wo man – – –
Vorlage S. 23 756 EINE FURIE.
Vorlage S. 23 757 Sprecht nicht laut, noch leis!
Vorlage S. 23 758 Sagt doch nur, was ich schon weiß!
Vorlage S. 23 759 Sprechen bräch' den Zauberbann,
Vorlage S. 23 760 Der da beugen muss den Mann,
Vorlage S. 23 761 Der, von Hochmuth ganz umnachtet,
Vorlage S. 23 762 Selbst der Hölle Macht verachtet!
Vorlage S. 23 763 EINE FURIE.
Vorlage S. 23 764 Den Schleier zieh!
Vorlage S. 23 765 EINE VON DEN FURIEN.
Vorlage S. 23 766 Ich that es schon – o sieh:
Vorlage S. 23 768 Des Morgens bleiches Sternenlicht, es starrt
Vorlage S. 23 769 Auf schrecklich Elend, das geboren ward! –
Vorlage S. 23 770 Wirst du nun schwach, du mächtiger Titan?
Vorlage S. 23 771 Wir sehn dich lachend, voll Verachtung an!
Vorlage S. 23 772 Du prahlest mit jenem klaren Erkennen,
Vorlage S. 23 773 Das dein erleuchteter Geist dem Menschen gewann?
Vorlage S. 23 774 Du ließest in ihm den Durst nur entbrennen,
Vorlage S. 23 775 Der jenen versiegenden Quellen entrann!
Vorlage S. 23 776 Den fiebernden Durst der Hoffnung und Liebe,
Vorlage S. 23 777 Des Zweifels, des Wunsches – unseliger Triebe! –
Vorlage S. 23 778 Der den, der begehrt
Vorlage S. 23 779 Für immer verzehrt!
Vorlage S. 23 780 Einer kam mit sanftem Muth,
Vorlage S. 23 781 Lächelnd in die Welt voll Blut,
Vorlage S. 23 782 Doch sein überlebend Wort
Vorlage S. 23 783 Bringt wie süßes Gift Verderben!
Vorlage S. 23 784 Was gedeihen soll, verdorrt:
Vorlage S. 23 785 Wahrheit, Friede, Mitleid sterben!
Vorlage S. 23 786 Sieh, wie in der Runde weit
Vorlage S. 23 787 Manche Stadt, d'rin Millionen
Vorlage S. 23 788 Menschen bei einander wohnen,
Vorlage S. 23 789 Rauch in blaue Lüfte speit!
Vorlage S. 23 790 Hör' den Schmerzensschrei, so wild:
Vorlage S. 24 791 's ist sein Geist, der sanft und mild
Vorlage S. 24 792 Neuen Glauben einst verkündet –
Vorlage S. 24 793 Nun beweint, was er entzündet!
Vorlage S. 24 794 Sieh' auf's Neu': Die Flammen schwinden
Vorlage S. 24 795 Mälig zu des Glühwurms Schein, –
Vorlage S. 24 796 Die sich noch am Leben finden,
Vorlage S. 24 797 Sammeln furchtsam Asche ein!
Vorlage S. 24 798 Freude! Freude! Freude!
Vorlage S. 24 799 Sieh' der Vergangenheit Zeitengewühl:
Vorlage S. 24 800 Jede, versinkend, lässt ihre Spur
Vorlage S. 24 801 Und die Zukunft ist dunkel, – die Gegenwart nur
Vorlage S. 24 802 Für dein schlummerlos Haupt ein dornichter Pfühl!
Vorlage S. 24 803 I. HALBCHOR.
Vorlage S. 24 804 Tropfen blut'ger Todesqual
Vorlage S. 24 805 Rinnen von der Stirne fahl:
Vorlage S. 24 806 Lasst ihn nun ein wenig ruhn!
Vorlage S. 24 807 Sieh': – Ein Volk, vom Banne los,
Vorlage S. 24 808 Springt aus der Verzweiflung Schooß
Vorlage S. 24 809 Und das Licht der Wahrheit nun
Vorlage S. 24 810 Bricht mit einemmal herein!
Vorlage S. 24 811 Freiheit soll die Losung sein
Vorlage S. 24 812 Und ein Band der Brüder mild,
Vorlage S. 24 813 Liebe – – –
Vorlage S. 24 815 HALBCHOR.
Vorlage S. 24 816 's ist ein and'res Bild:
Vorlage S. 24 817 Brüder morden Brüder hin,
Vorlage S. 24 818 Ernte halten Tod und Sünde
Vorlage S. 24 819 Und das Blut schäumt auf darin,
Vorlage S. 24 820 Jungem Wein gleich im Gebünde,
Vorlage S. 24 821 Bis Verzweiflung übermannt
Vorlage S. 24 822 Jene, die im Kampf entbrannt
Vorlage S. 24 823 Und anheim die alte Welt
Vorlage S. 24 824 Sklaven und Tyrannen fällt!
Vorlage S. 24 825 Alle Furien verschwinden bis auf eine.
Vorlage S. 24 827 Horch, Schwester! welch' ein Seufzer, leis, doch schreckvoll,
Vorlage S. 24 828 Wühlt des Titanen Herz im Grunde auf,
Vorlage S. 24 829 Wie Sturm der Tiefe, dass der See Gestöhn
Vorlage S. 24 830 Die Thiere hören in des Festlands Höhlen.
Vorlage S. 25 831 Wagst du zu schau'n, wie ihn die Geister martern?
Vorlage S. 25 833 Ach! zweimal schaut' ich, doch ich will's nicht mehr!
Vorlage S. 25 835 Was sahst du denn?
Vorlage S. 25 837 O schmerzliches Gesicht!
Vorlage S. 25 838 Ein Jüngling ist's mit sanft geduld'gen Blicken,
Vorlage S. 25 839 Genagelt an ein Crucifix.
Vorlage S. 25 841 Was dann?
Vorlage S. 25 843 Des Himmels Runde und die Erde unten
Vorlage S. 25 844 Mit Schatten todter Menschen dicht bevölkert,
Vorlage S. 25 845 Entsetzlich all', von Menschenhand gemordet:
Vorlage S. 25 846 Denn Menschen wurden langsam oft getödtet
Vorlage S. 25 847 Durch Stirngerunzel und durch Lächeln blos.
Vorlage S. 25 848 Und andere Gesichte ziehn vorbei
Vorlage S. 25 849 Zu leben und zu sprechen allzuscheußlich!
Vorlage S. 25 850 Lass' unsern Blick nicht Schlimmeres versuchen,
Vorlage S. 25 851 An solchen Seufzern ist's des Gram's genug!
Vorlage S. 25 853 Merk' ein Symbol: Die für den Menschen Unrecht
Vorlage S. 25 854 Erdulden, Spott und Kettenlast, sie häufen
Vorlage S. 25 855 Vertausendfachtes Weh auf sich und ihn.
Vorlage S. 25 856 PROMETHEUS.
Vorlage S. 25 857 O bann' die Angst aus jenem stieren Blick!
Vorlage S. 25 858 Die bleichen Lippen schließ' und lass die Stirn,
Vorlage S. 25 859 Die dornverwundete nicht überströmen
Vorlage S. 25 860 Vom Blut, – es mengt mit deinen Tränen sich!
Vorlage S. 25 861 Die Augen, die in Schmerzen rollen, lass
Vorlage S. 25 862 In Frieden und im Tode stille stehn; –
Vorlage S. 25 863 So soll dein Krampf den Kreuzesstamm nicht schüttern,
Vorlage S. 25 864 Die blassen Finger sollen so nicht spielen!
Vorlage S. 25 865 O Schrecklicher, ich sprech' nicht deinen Namen, –
Vorlage S. 26 866 Er ward zum Fluch! – Ich seh' den Weisen, Milden,
Vorlage S. 26 867 Seh' den Erhab'nen, den Gerechten, die
Vorlage S. 26 868 Gehaßt von deinen Sklaven, weil dir gleich –
Vorlage S. 26 869 Durch faule Lügen seh' die Einen ich,
Vorlage S. 26 870 Verjagt von ihres Herzens Heim, – dem früh
Vorlage S. 26 871 Gewählten, spätbeklagten Heim –
Vorlage S. 26 872 Wie Hinden fliehn, das Parderthier im Nacken!
Vorlage S. 26 873 Und And're seh' ich, die – lebend'ge Leichen –
Vorlage S. 26 874 In ungesunden Kerkern angeschmiedet; –
Vorlage S. 26 875 Noch And're – hör' ich nicht die Menge lachen? –
Vorlage S. 26 876 Auf Stößen Holzes, d'ran die Flamme leckt!
Vorlage S. 26 877 Und! Inseln gleich, entwurzelt aus der See,
Vorlage S. 26 878 Zu meinen Füßen fluthen mächt'ge Reiche,
Vorlage S. 26 879 Die ihre Söhne sehn, im Blut zerstampft,
Vorlage S. 26 880 Beim rothen Licht, d'rin ihre Wohnstatt flammt!
Vorlage S. 26 882 Blut kannst du sehn und Feuer, – kannst
Vorlage S. 26 883 Auch Seufzer hören, aber schlimm're Dinge
Vorlage S. 26 884 Noch bleiben ungesehn und ungehört.
Vorlage S. 26 885 PROMETHEUS.
Vorlage S. 26 886 Noch schlimmere?
Vorlage S. 26 888 Es überlebt die Furcht
Vorlage S. 26 889 In jedes Menschen Brust den Feind, der ihm
Vorlage S. 26 890 Zur Beute ward. Die Höchsten fürchten stets
Vorlage S. 26 891 Die Wahrheit deß, was sie verschmähn zu denken,
Vorlage S. 26 892 Die Heuchelei und die Gewohnheit machen
Vorlage S. 26 893 Aus ihrem Innern Tempel für so manchen
Vorlage S. 26 894 Nun überlebten Götzendienst. Sie wagen
Vorlage S. 26 895 Auf Gutes für die Menschheit nicht zu sinnen
Vorlage S. 26 896 Und wissen selber nicht, dass sie's nicht wagen.
Vorlage S. 26 897 Den Guten fehlt die Macht – sie können nichts
Vorlage S. 26 898 Als Tränen weinen, die höchst unfruchtbar, –
Vorlage S. 26 899 Den Mächt'gen fehlt's an Güte – was noch schlimmer –
Vorlage S. 26 900 Den Weisen fehlt die Liebe, Jenen aber,
Vorlage S. 26 901 Die lieben, fehlt die Weisheit: So wird stets
Vorlage S. 26 902 Das Beste selbst zum Uebel noch verkehrt.
Vorlage S. 26 903 Und Viele gibt's, die mächtig sind und reich
Vorlage S. 27 904 Und wären gern gerecht, doch leben sie
Vorlage S. 27 905 Inmitten ihrer leiderfüllten Brüder,
Vorlage S. 27 906 Als fühlte Keiner was: So wissen sie
Vorlage S. 27 907 Nicht was sie tun!
Vorlage S. 27 908 PROMETHEUS.
Vorlage S. 27 909 Gleich einer Wolke von
Vorlage S. 27 910 Beschwingten Schlangen sind die Worte dein
Vorlage S. 27 911 Und doch beklag' ich die, die sie nicht quälen.
Vorlage S. 27 913 Beklagst du sie? So hab' ich nichts zu sagen!
Vorlage S. 27 914 Verschwindet.
Vorlage S. 27 915 PROMETHEUS.
Vorlage S. 27 916 O weh! o weh! – Ach Pein für ewig, ewig!
Vorlage S. 27 917 Ich schließe hier die thränenlosen Augen
Vorlage S. 27 918 Und sehe nur so klarer noch dein Werk
Vorlage S. 27 919 In meinem schmerzerleuchteten Gemüt,
Vorlage S. 27 920 Du schlauester Tyrann! – Im Grab ist Frieden!
Vorlage S. 27 921 Das Grab deckt all, was schön ist und was gut!
Vorlage S. 27 922 Ich bin ein Gott und kann's nicht finden dort,
Vorlage S. 27 923 Noch will ich's suchen: denn wie schreckensvoll
Vorlage S. 27 924 Auch deine Rache ist, du stolzer König,
Vorlage S. 27 925 Sie wird zur Niederlage, nicht zum Sieg!
Vorlage S. 27 926 Und die Gesichte all, mit denen du
Vorlage S. 27 927 Mich quälst, umpanzern mir die Seele nur
Vorlage S. 27 928 Mit neuer Kraft, bis jene Stunde kommt,
Vorlage S. 27 929 Wo sie nicht Schatten mehr der Dinge, die da sind.
Vorlage S. 27 931 Ach! was hast du gesehn?
Vorlage S. 27 932 PROMETHEUS.
Vorlage S. 27 933 Zwei Qualen gibt's:
Vorlage S. 27 934 Zu sprechen und zu schau'n – erspar' mir eine!
Vorlage S. 27 935 Und Namen gibt es, die geheiligt sind
Vorlage S. 27 936 Als Losungsworte der Natur: Hoch oben
Vorlage S. 27 937 In Glanz und Wappenschmuck sind sie geboren,
Vorlage S. 27 938 Die Völker schaarten sich um sie und schrieen
Vorlage S. 27 939 Laut, wie mit einer Stimme: Wahrheit! Freiheit
Vorlage S. 28 940 Und Liebe! – Aber plötzlich fiel vom Himmel
Vorlage S. 28 941 Verwirrung unter sie und Kämpfe gab's,
Vorlage S. 28 942 Enttäuschung, Furcht, – Tyrannen brachen ein
Vorlage S. 28 943 Und theilten lachend unter sich die Beute:
Vorlage S. 28 944 Dies war der Wahrheit Schatten, den ich sah.
Vorlage S. 28 945 DIE ERDE.
Vorlage S. 28 946 Ich fühlte deine Qualen, Sohn, mit solch'
Vorlage S. 28 947 Gemischter Freud' als Pein und Tugend geben.
Vorlage S. 28 948 Dich zu erquicken hab' ich her entboten
Vorlage S. 28 949 Die Geister, klug und schön, die da bewohnen
Vorlage S. 28 950 Die dunklen Höhlen menschlicher Gedanken,
Vorlage S. 28 951 In deren Aether, der die Welt umfluthet,
Vorlage S. 28 952 Sie gleich den Vögeln hausen, die den Wind
Vorlage S. 28 953 Durchflügeln. – In dem Zwielicht jenes Reiches
Vorlage S. 28 954 Schau'n sie die Zukunft, wie im Spiegelglas:
Vorlage S. 28 955 So mögen Trost sie bringen!
Vorlage S. 28 957 Schwester sieh'
Vorlage S. 28 958 Wie eine ganze Schaar von Geistern dort,
Vorlage S. 28 959 Gleich Wolkenflocken in des Frühlings Wetter
Vorlage S. 28 960 Sich in den blauen Lüften drängt!
Vorlage S. 28 962 Und sieh'
Vorlage S. 28 963 Es kommen ihrer mehr, gleich Wasserstaub,
Vorlage S. 28 964 Wie ihn der Springquell' sprüht bei stillem Wind.
Vorlage S. 28 965 In aufgelösten Reih'n dort klimmen sie
Vorlage S. 28 966 Die Schlucht herauf und horch! – Ist's die Musik
Vorlage S. 28 967 Der Fichten? Ists der See? Der Wasserfall?
Vorlage S. 28 969 's ist trauervoller, süßer als sie all!
Vorlage S. 28 970 CHOR DER GENIEN DER MENSCHENSEELE.
Vorlage S. 28 971 Seit unvordenklich grauer Zeit
Vorlage S. 28 972 Sind wir ein sanft und treu Geleit
Vorlage S. 28 973 Der gottbedrückten Sterblichkeit.
Vorlage S. 28 974 Wir athmen, ohne zu erkranken,
Vorlage S. 29 975 Im Luftkreis menschlicher Gedanken,
Vorlage S. 29 976 Ob er trüb sich decken mag,
Vorlage S. 29 977 Wie ein sturmverlöschter Tag,
Vorlage S. 29 978 Nur durchzuckt von flücht'ger Helle,
Vorlage S. 29 979 Ob er heiter ganz und gar,
Vorlage S. 29 980 Wie der Himmel, wolkenbaar,
Vorlage S. 29 981 Wie der Strom mit glatter Welle,
Vorlage S. 29 982 Still und flüssig, rein und klar. –
Vorlage S. 29 983 Wie im Wind der Vogel fliegt,
Vorlage S. 29 984 Fischlein sich in Wellen wiegt,
Vorlage S. 29 985 Wie sie selber, die Gedanken,
Vorlage S. 29 986 All, was über'm Grab, umranken,
Vorlage S. 29 987 Unser flüchtig Lager schlagen
Vorlage S. 29 988 Dort wir auf, die wir durchjagen,
Vorlage S. 29 989 Wolken gleich am Firmament,
Vorlage S. 29 990 Grenzenloses Element.
Vorlage S. 29 991 Und von dorther heute tragen
Vorlage S. 29 992 Auch die Prophezeiung wir,
Vorlage S. 29 993 Die beginnt und schließt in dir.
Vorlage S. 29 995 Noch mehr nun kommen, Einer nach dem Andern,
Vorlage S. 29 996 Und rings um sie erstrahlt die weite Luft,
Vorlage S. 29 997 Dem Aether gleich, der einen Stern umgibt.
Vorlage S. 29 998 ERSTER GEIST.
Vorlage S. 29 999 Schall der Schlachttrompete gell
Vorlage S. 29 1000 Trug hieher mich schnell, schnell, schnell,
Vorlage S. 29 1001 Mitten durch die Finsterniß!
Vorlage S. 29 1002 Von verblich'nen Glaubens Staub,
Vorlage S. 29 1003 Der schon längst der Zeiten Raub,
Vorlage S. 29 1004 Von Tyrannenbanners Fetzen,
Vorlage S. 29 1005 Das der Zeitensturm zerriss
Vorlage S. 29 1006 Den Tyrannen zum Entsetzen,
Vorlage S. 29 1007 Flog um mich ein bunt Gewimmel,
Vorlage S. 29 1008 Dem so mancher Schrei entstieg:
Vorlage S. 29 1009 »Freiheit! Hoffnung! Tod! und Sieg!«
Vorlage S. 29 1010 Bis sie schwanden durch den Himmel.
Vorlage S. 29 1011 Und ein Ton d'rauf leis entschwebte,
Vorlage S. 29 1012 Wie aus unsichtbarer Kehle,
Vorlage S. 30 1013 Oben, unten, rings erbebte:
Vorlage S. 30 1014 Hoffnung war's, der Liebe Seele,
Vorlage S. 30 1015 's war die Prophezeiung hier,
Vorlage S. 30 1016 Die beginnt und schließt in dir!
Vorlage S. 30 1017 ZWEITER GEIST.
Vorlage S. 30 1018 Ein Regenbogen, unbewegt,
Vorlage S. 30 1019 Stand auf der See, die wild erregt.
Vorlage S. 30 1020 Und triumphirend durch den Bogen
Vorlage S. 30 1021 Kam der Erob'rer Sturm gezogen.
Vorlage S. 30 1022 Die Wolken jagt' er vor sich auf
Vorlage S. 30 1023 Zu formlos dunklem, raschem Hauf
Vorlage S. 30 1024 Und jede riss ein Blitz entzwei.
Vorlage S. 30 1025 Den Donner hört' ich heiser lachen
Vorlage S. 30 1026 Und Flotten, wirbelnd, gleich wie Spreu,
Vorlage S. 30 1027 Zerstoben in dem Höllenrachen
Vorlage S. 30 1028 Des weißen Wasserschaum's. Ich stellt'
Vorlage S. 30 1029 Mich auf ein Schiff, vom Blitz zerspellt
Vorlage S. 30 1030 Und eilig über's weite Meer
Vorlage S. 30 1031 Trug mich ein Seufzer dann hieher,
Vorlage S. 30 1032 Den in Verzweiflung Einer hauchte,
Vorlage S. 30 1033 Der seinem Feind die Planke gab,
Vorlage S. 30 1034 Daran er hing, und dann ins Grab
Vorlage S. 30 1035 Der Wellen sterbend untertauchte.
Vorlage S. 30 1036 DRITTER GEIST.
Vorlage S. 30 1037 Ich saß in eines Weisen Zimmer,
Vorlage S. 30 1038 Darin er schlief. Mit rothem Schimmer
Vorlage S. 30 1039 Der Lampe Licht den Docht verzehrt,
Vorlage S. 30 1040 Den Büchern nah, die ihn genährt.
Vorlage S. 30 1041 Da schwebt' mit flammendem Gefieder,
Vorlage S. 30 1042 Auf seinen Pfühl ein Traum hernieder
Vorlage S. 30 1043 Und er, den ich dort schweben sah,
Vorlage S. 30 1044 Derselbe war's, ich wußt es ja,
Vorlage S. 30 1045 Der schon vor langer, langer Zeit
Vorlage S. 30 1046 Das Mitleid, die Beredsamkeit
Vorlage S. 30 1047 Entzündete und auch das Leid.
Vorlage S. 30 1048 Den Schatten trug einst diese Welt,
Vorlage S. 30 1049 Der da von seinem Glanze fällt.
Vorlage S. 30 1050 Er war's, der mich gebracht zur Stell'
Vorlage S. 31 1051 Auf Wunsches Flügeln blitzesschnell,
Vorlage S. 31 1052 Doch reit' ich ihn zurück vor morgen,
Vorlage S. 31 1053 Der Weise sonst erwacht in Sorgen.
Vorlage S. 31 1054 VIERTER GEIST.
Vorlage S. 31 1055 Auf eines Dichters Lippen schlief
Vorlage S. 31 1056 Ich jüngst in süßen Träumen tief, –
Vorlage S. 31 1057 Wie träumend ein Verliebter liegt, –
Vorlage S. 31 1058 Von seines Athems Hauch gewiegt.
Vorlage S. 31 1059 Er sucht nicht irdische Genüsse,
Vorlage S. 31 1060 Ihn nähren nur äther'sche Küsse
Vorlage S. 31 1061 Der Geister, die durch der Gedanken
Vorlage S. 31 1062 Geheimnisvolle Wildniß schwanken.
Vorlage S. 31 1063 Er wird vom Tagen bis zum Nachten
Vorlage S. 31 1064 Der Sonne Bild im See betrachten,
Vorlage S. 31 1065 Von ihrem Strahlengold beschienen
Vorlage S. 31 1066 Im Blüthenkelch die gelben Bienen
Vorlage S. 31 1067 Und wird's nicht wissen, noch beachten.
Vorlage S. 31 1068 Doch wird er d'raus Gestalten weben,
Vorlage S. 31 1069 Die wirklicher als Menschenleben,
Vorlage S. 31 1070 Die überdauern Raum und Zeit,
Vorlage S. 31 1071 Die Kinder der Unsterblichkeit!
Vorlage S. 31 1072 Von diesen eines weckte mich
Vorlage S. 31 1073 Und dir zu Hilfe eilte ich.
Vorlage S. 31 1075 Siehst du zwei Geister nah'n von Ost und West,
Vorlage S. 31 1076 Zwei Tauben, suchend ein geliebtes Nest?
Vorlage S. 31 1077 Ein Zwillingspaar der Luft, die Alles trägt;
Vorlage S. 31 1078 Wie schnell und doch geräuschlos, sanft bewegt,
Vorlage S. 31 1079 Auf ihrer Schwingen glänzendem Gefieder
Vorlage S. 31 1080 Sie gleiten durch den reinen Aether nieder
Vorlage S. 31 1081 Und horch! wie süß die trauervollen Stimmen!
Vorlage S. 31 1082 Verzweiflung sehn mit Liebe wir verschwimmen,
Vorlage S. 31 1083 Und endlich beide aufgelöst in Ton.
Vorlage S. 31 1084 PANTHEA.
Vorlage S. 31 1085 Kannst du sprechen, Schwester? Schon
Vorlage S. 31 1086 Sind die Worte mir entfloh'n!
Vorlage S. 31 1088 O, ihre Schönheit gibt mir Stimme: Sieh' nur,
Vorlage S. 32 1089 Wie sie auf ihren Schwingen niederschweben,
Vorlage S. 32 1090 Die tiefgelb und azur auf gold'nem Grund:
Vorlage S. 32 1091 Ihr holdes Lächeln leuchtet durch die Luft,
Vorlage S. 32 1092 Wie eines Sternes Feuer hell und klar.
Vorlage S. 32 1093 CHOR DER GEISTER.
Vorlage S. 32 1094 Hast du der Liebe Lichtgestalt gesehn?
Vorlage S. 32 1095 FÜNFTER GEIST.
Vorlage S. 32 1096 Als über weitem Landgebiet dahin ich zog, hoch oben,
Vorlage S. 32 1097 Wie durch der Lüfte Wildniß fliegt die graue Wolke schnell,
Vorlage S. 32 1098 Schwebt' sie vorbei, planetbehelmt, auf Schwingen, blitzgewoben,
Vorlage S. 32 1099 Und streute reine Lebenslust aus ihren Locken hell.
Vorlage S. 32 1100 Sie sä'te Licht, wohin sie trat, doch als ich kam, war's aus,
Vorlage S. 32 1101 Verderben gähnte hinterdrein: die Weisen wurden toll,
Vorlage S. 32 1102 Geköpfte Patrioten und manch' Jüngling unschuldsvoll,
Vorlage S. 32 1103 Der sterben musst', durchschimmerten die dunkle Nacht voll Graus.
Vorlage S. 32 1104 Ich eilte, bis dein Lächeln schuf, o König, du der Trauer,
Vorlage S. 32 1105 Zu fröhlichem Erinnern um, was ich gesehn voll Schauer.
Vorlage S. 32 1106 SECHSTER GEIST.
Vorlage S. 32 1107 Der Dämon der Vernichtung ist ein unfaßbares Ding,
Vorlage S. 32 1108 Das weder auf der Erde wallt, noch in den Lüften schwebt,
Vorlage S. 32 1109 Doch tödtet er mit seinem Fuß und facht mit seiner Schwing'
Vorlage S. 32 1110 Die zarte Hoffnung an, die in der Besten Herzen lebt.
Vorlage S. 32 1111 Er wiegt zu trügerischer Ruh' sie ein mit seinem Fächeln,
Vorlage S. 32 1112 Mit der Bewegung Harmonie in seinen ems'gen Füßen.
Vorlage S. 32 1113 Die Traumentzückten sehn das Ungeheuer Liebe lächeln,
Vorlage S. 32 1114 Und finden wach den Schatten Pein, wie er, den wir begrüßen.
Vorlage S. 32 1116 Mag die Liebe nach sich ziehn,
Vorlage S. 32 1117 Nun als Schatten den Ruin
Vorlage S. 32 1118 Auf des Todes Flügelpferde,
Vorlage S. 32 1119 Dem die Schnellsten nicht entfliehn,
Vorlage S. 32 1120 Das zerstampft die blüh'nde Erde,
Vorlage S. 32 1121 Mensch und Thier im Weiterziehn,
Vorlage S. 32 1122 All' was hässlich, all' was schön,
Vorlage S. 32 1123 Wie der Sturmwind mit Gestöhn
Vorlage S. 33 1124 Durch die weiten Lüfte braust: –
Vorlage S. 33 1125 Zwingen wird einst deine Faust,
Vorlage S. 33 1126 Jenen grimmen Reitersmann,
Vorlage S. 33 1127 Ob ihn nichts verwunden kann.
Vorlage S. 33 1128 PROMETHEUS.
Vorlage S. 33 1129 Wie wisst ihr, Geister, dass es so geschieht?
Vorlage S. 33 1131 In dem Luftkreis, d'rin wir leben:
Vorlage S. 33 1132 Wie die Knospen schwellend beben,
Vorlage S. 33 1133 Wenn der rauhe Schneesturm flieht
Vorlage S. 33 1134 Vor dem Lenz, dem sieggewissen,
Vorlage S. 33 1135 Dessen Wind bewegt den Flieder
Vorlage S. 33 1136 Und die Wanderhirten wissen,
Vorlage S. 33 1137 Balde blüht der Weißdorn wieder:
Vorlage S. 33 1138 Weisheit und Gerechtigkeit,
Vorlage S. 33 1139 Lieb' und Frieden, wenn hienieden
Vorlage S. 33 1140 Um ihr Wachsthum brennt der Streit,
Vorlage S. 33 1141 Sind für uns, was Lenz und Wind
Vorlage S. 33 1142 Für die Hirtenknaben sind, –
Vorlage S. 33 1143 Sind die Prophezeiung hier,
Vorlage S. 33 1144 Die beginnt und schließt in dir!
Vorlage S. 33 1145 Die Geister verschwinden.
Vorlage S. 33 1147 Wo floh'n die Geister hin?
Vorlage S. 33 1148 PANTHEA.
Vorlage S. 33 1149 Nur ein Gefühl
Vorlage S. 33 1150 Von ihnen bleibt, – der Macht gleich der Musik,
Vorlage S. 33 1151 Wenn Stimmen schon und Lautenklang ersterben,
Vorlage S. 33 1152 Eh' noch der leise Wiederhall verstummt,
Vorlage S. 33 1153 Der durch der Seele labyrinth'sche Tiefe,
Vorlage S. 33 1154 Wie Echo durch die Felsenhöhle rollt.
Vorlage S. 33 1155 PROMETHEUS.
Vorlage S. 33 1156 Wie schön die luftgeborenen Gestalten!
Vorlage S. 33 1157 Und doch, ich fühl's, dass alles Hoffen eitel, –
Vorlage S. 33 1158 Nur Liebe nicht! – Und, Asia! du bist fern,
Vorlage S. 33 1159 Die du, wenn oft mein Wesen überströmte,
Vorlage S. 34 1160 Ein gold'ner Kelch warst für den klaren Wein,
Vorlage S. 34 1161 Der sonst zu Boden floss in durst'gen Staub! –
Vorlage S. 34 1162 Rings Alles stille! – Ach! wie schwer doch lastet
Vorlage S. 34 1163 Solch' tiefe Morgenruh' auf meinem Herzen!
Vorlage S. 34 1164 Obgleich ich träumen würde, könnt' ich schlafen
Vorlage S. 34 1165 Mit Kummer selbst, wär' Schlaf mir nicht versagt.
Vorlage S. 34 1166 Gern wollt' ich sein, was mir bestimmt zu sein:
Vorlage S. 34 1167 Der leiderfüllten Menschheit ein Erlöser –
Vorlage S. 34 1168 Wo nicht – versinken in der Dinge Urschlund:
Vorlage S. 34 1169 Dort gibt's nicht Qualen, noch Equickung mehr,
Vorlage S. 34 1170 Nicht Erdentrost und nicht des Himmels Martern.
Vorlage S. 34 1171 PANTHEA.
Vorlage S. 34 1172 Vergaßest du der Einen, die bei dir
Vorlage S. 34 1173 Die kalten Nächte wacht und dann nur schläft,
Vorlage S. 34 1174 Wenn deines Geistes Schatten auf sie fällt?
Vorlage S. 34 1175 PROMETHEUS.
Vorlage S. 34 1176 Ich sagte, alles Hoffen wäre eitel –
Vorlage S. 34 1177 Nur Liebe nicht: – du liebst!
Vorlage S. 34 1178 PANTHEA.
Vorlage S. 34 1179 In Wahrheit tief!
Vorlage S. 34 1180 Doch sieh' den Stern des Ostens schon erbleichen
Vorlage S. 34 1181 Und Asia harrt in Indiens fernem Thal,
Vorlage S. 34 1182 Dem Schauplatz ihres traurigen Exils,
Vorlage S. 34 1183 Einst rauh und trostlos kalt wie diese Schlucht,
Vorlage S. 34 1184 Doch nun mit Gras und Blumen schön bekleidet,
Vorlage S. 34 1185 Von süßer Luft und holdem Klang durchhaucht,
Vorlage S. 34 1186 Die durch die Wälder, durch die Wasser fluthen,
Vorlage S. 34 1187 Vom Aether ihrer Gegenwart verklärt,
Vorlage S. 34 1188 Der doch entschwinden müsste, würd' er nicht
Vorlage S. 34 1189 Mit deinem bald vermengt. – Leb' wohl!
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