Ein verwitweter Bauer versucht, seinen Hof und ein neues persönliches Glück miteinander zu vereinbaren. Familieninteressen, soziale Erwartungen und Besitzfragen prägen die daraus entstehenden Konflikte.
BauernromanKlasse 11–1317 Abschnitte
Historisches Bildnis von Ludwig Thoma — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Karl Klimsch · Public domainBildquelle ↗
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»Um d' Kathi is schad; dös behaupt' i, weil 's wahr is, und koa besserne Hauserin is weit umadum net g'wes'n«, sagte der Zwerger von Arnbach, und Männer und Weiber, die beim Leichentrunk saßen, nickten beistimmend.
Die Fischerbäuerin von Neuried redete undeutlich, weil sie ein tüchtiges Stück Wurst kaute; aber wie sie es hinuntergeschluckt hatte, wiederholte sie ihre Worte.
»Freili hot sie 's vastanna. Und gar so viel a guate Melcherin is sie g'wesen,« sagte die Fischerbäuerin, die als Schwester der Verstorbenen heute ein Aufhebens machen durfte. »Solchene muaß it viel geb'n, und it leicht, dass a mal a Kuah nach ihr ausg'schlag'n hat, und vo drei Strich hat sie so viel Milli ausg'molka, wia'r an anderene aus vieri.«
»Und g'rat'n is ihr alssammete,« rief die Huberin von Glonn, »sie hat a niad's Kaibi durchbracht; und bal sie oans no so g'ring herg'schaugt hat, is ihr it umg'stanna.«
Und er gab der Nachbarin hinaus, die mit Messer und Gabel darüberging und wehleidig sagte: »Es is schad um sie, weil sie gar so viel a guate Melcherin war.«
Der Schormayer von Kollbach hörte die Lobreden oder hörte sie nicht; er schaute verloren an sein Bierglas hin; und wenn er den Deckel aufmachte und eines trank, geschah es auch gedankenlos und ohne Genuss.
Der Schormayer Lenz sagte es, und zeigte sich überhaupt als rechtsinnigen Menschen, der auch im Unglück seine fünf Sinne beisammen hat, indem er acht gab, dass beim Leichenmahl alles mit Ordnung ging und Verwandte und Gefreundete herzhaft zugriffen.
»Ja no,« antwortete der Zwerger, »mi red't grad; und wer woaß, wann mi wieda beinand is. Und es is guat g'moant g'wen, Schormayer; des sell derfst g'wiß glaab'n.«
»Sie is so viel a guate Melcherin g'wen, und in Stall überhaupts hat 's koa besserne gar it geb'n,« sagte die Fischerbäuerin, indes sie einen Löffel Rübenkraut zum Schweinefleisch nahm.
»Der Herr gebe ihr die ewige Seligkeit und lasse sie ruhen in Frieden, Amen!« rief am untern Ende eine scharfe Stimme, die zu den frommen Worten nicht recht passte.
Dann war es still; bloß dass man Gabeln und Messer auf den Tellern kratzen hörte, oder auch einen, der seufzte, oder einen, der sagte: »Ja no! Jetzt is scho amal a so.«
»Ein fleißiges Weib ist eine Krone ihres Mannes, hat a g'sagt, und dessell hat er aa g'sagt: durch ein weises Weib wird das Haus erbauet. I hon ma 's guat g'mirkt.«
»Und des sell derf i do sag'n, dass mi de Predigt g'fall'n hat, und überhaupts is sie von mir so guat a Schwesta g'wen als wia vo de andern; und des is amal wahr, dass er dös g'sagt hat. Ein fleißiges Weib, hat er g'sagt, ist die Krone des Mannes.«
Kontextbild zum Werk. Historisches Bildnis von Ludwig Thoma — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Karl Klimsch · Public domainBildquelle ↗
»Nix werd 's. Dös vastehst du net. Bal mi achtazwanz'g Jahr mitanand g'arbet hat, und is oan Tag g'wen wia den andern, und auf oamal is 's gar, dös is dumm ganga. Dös hätt' 's it braucht.«
Von der seligen Schormayerin war nicht mehr so viel die Rede als von der Ernte und von den Viehpreisen; und jeder wusste etwas zu sagen, was seiner Kenntnis Ehre machte.
Die Fischerbäuerin wieder nahm sich der Ursula an und erzählte ihr von einigen Bauernsöhnen, die rundherum mit guter Aussicht fürs Leben zu heiraten waren.
Und wenn ihr die Namen ausgingen, wusste gleich eine andere noch einen besseren zu rühmen; und über ein kurzes steckten die Weiber ihre Köpfe zusammen und waren vom Sterben mitten ins Heiraten gekommen.
Ihre Meinung hatte in solchen Fragen erst recht keine Geltung, und überdem hielt sie es für richtig, jetzt mit einigen Wünschen an den Schormayer zu gehen.
Ohne dass es die andern viel bemerkten, setzte sie sich hinter den Wittiber und fing erst einmal kräftig zu seufzen an. Da er nicht darauf achtete, zupfte sie ihn am Ärmel und sagte: »Dös is a wahr's Kreuz!«
Aber die Asamin war darüber nicht traurig, sie schaute links und rechts, ob die Gespräche noch am Fließen waren; und wie sie das mit Befriedigung sah, fasste sie wiederum den Schwager am Ellenbogen.
»Was waar's nacha, bal mi an Spensa kriagat? Hoscht du it gnua Sach? Is dös it da Brauch, dass mi an Verwandt'n was gibt? Da möcht i scho von Betteln sag'n und 's Mäu recht aufreiß'n, als wenn sie koan Schwesta net g'wen waar von mi und 's Bet'n net aa braucha kunnt!«
Sie saß wieder am untern Ende des Tisches und blieb von den flinken Augen der Ursula bewacht, so dass kein lautes Gespräch mehr für sie eine neue Gelegenheit gab.
Er schwankte etwas und hatte in Kümmernis und Nachdenken mehr Bier getrunken, als mancher Fröhliche ertragen könnte; aber die Türe erreichte er doch in einer mäßigen Bogenlinie.
Die Trauerversammlung rief ihm Grüße nach und hielt wieder eine Zeitlang Betrachtungen ab über die Schormayerin und ihr schnelles Sterben und über den Tod im allgemeinen.
Die Schneiderin rückte näher zu ihr und wisperte leise, dass es die Mannsbilder nicht hören sollten: »Überhaupts sag i dös: bei dem Alter is besser, wann da Mo z'erscht stirbt, weil si inseroans leichter in d' Ruah gibt.«
»Da hoscht amal recht, und des sell is no allemal wahr g'wen, wie ma sagt: bal inser Herrgott an Hanswurst'n hamm will, lasst er oan mit fufz'g Jahr Wittiber wer'n.«
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1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »»Und g'rat'n is ihr alssammete,« rief die Huberin von Glonn, »sie hat …«
2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Der Schormayer Lenz sagte es, und zeigte sich überhaupt als […] Menschen, der auch im Unglück seine fünf Sinne beisammen hat, indem er acht gab, dass beim Leichenmahl alles mit Ordnung ging und Verwandte und Gefreundete herzhaft zugriffen.«
3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Die Fischerbäuerin von Neuried redete undeutlich, weil sie ein tüchtiges Stück Wurst kaute; aber wie sie es hinuntergeschluckt hatte, wiederholte sie ihre Worte.«
5. Welcher Ausschnitt kennzeichnet eine Aussage ausdrücklich als Möglichkeit oder Vermutung? Achte auf die Formulierung; entscheide nicht, ob die Aussage tatsächlich wahr ist.
6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse.
A: »»Wos für an brauna Spensa?« fragte mit einmal Ursula, und fragte es sehr scharf. 187;I ho do mit dir it g'red't.««
B: »»Es werd scho wieder, Vata, lass no guat sei!« sagte Lenz.«
C: »Und es is guat g'moant g'wen, Schormayer; des sell derfst g'wiß glaab'n.««
8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Mi sagt ja grad, weil 's a guat's Werk waar, wann mi an arma […] was gab.««
9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Die Schneiderin rückte näher zu ihr und wisperte leise, dass es die Mannsbilder nicht hören sollten: »Überhaupts sag i dös: bei dem Alter is besser, wann da Mo z'erscht stirbt, weil si inseroans leichter in d' Ruah gibt.««
2Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte
1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »»Um d' Kathi is schad; dös behaupt' i, weil 's wahr is, und koa besserne Hauserin is weit umadum net g'wes'n«, sagte der Zwerger von Arnbach, und Männer und Weiber, die beim Leichentrunk saßen, nickten beistimmend.«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.
Impulse zur Selbstprüfung
Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.
2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »»Um d' Kathi is schad; dös behaupt' i, weil 's wahr is, und koa besserne Hauserin is weit umadum net g'wes'n«, sagte der Zwerger von Arnbach, und Männer und Weiber, die beim Leichentrunk saßen, nickten beistimmend.« und »Die Schneiderin rückte näher zu ihr und wisperte leise, dass es die Mannsbilder nicht hören sollten: »Überhaupts sag i dös: bei dem Alter is besser, wann da Mo z'erscht stirbt, weil si inseroans leichter in d' Ruah gibt.««. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.
Impulse zur Selbstprüfung
Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.
Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »hat, und überhaupts is sie von mir so guat a Schwesta g'wen«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.
Impulse zur Selbstprüfung
Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.
Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
Wirkung als begründete Deutung formuliert
Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
3Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte
Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.
Niveau 1 · Einstieg
1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »»Um d' Kathi is schad; dös behaupt' i, weil 's wahr is, und koa besserne Hauserin is weit umadum net g'wes'n«, sagte der Zwerger von Arnbach, und Männer und Weiber, die beim Leichentrunk saßen, nickten beistimmend.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »»Es werd scho wieder, Vata, lass no guat sei!« sagte Lenz.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Die Fischerin sah die Schneiderin bedeutsam an, und sie nickten mit den Köpfen und waren sich einige darüber.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
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Der Wittiber
Ludwig Thoma: Gesammelte Werke in sechs Bänden. Erweiterte Neuausgabe. Textredaktion: Albrecht Knaus, München: Piper, 1968. Thoma, Ludwig 291- München
Das Werk Der Wittiber von Thoma, Ludwig ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.
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Ludwig Thoma: Gesammelte Werke in sechs Bänden. Erweiterte Neuausgabe. Textredaktion: Albrecht Knaus, München: Piper, 1968. Thoma, Ludwig 291- München
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