Die beiden vollständigen Folgen des Wendekreises verbinden einzelne Erzählungen mit Oberlins drei Stufen und Sturreganz. Unterschiedliche Figuren geraten an Wendepunkte, an denen gesellschaftliche Bindungen, persönliche Verantwortung und die Frage nach einem anderen Leben sichtbar werden.
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An die Pforte dieses Werkes, das der Verfasser nicht ohne verantwortungsvolles Zagen unternimmt, sei eine Geschichte von hinübergreifender Beziehung gestellt, weniger in sich selber ruhend als sonst Geschichten schlechthin, doch mit nichten Brevier oder Verkündigung, nur Brücke, nur Weiser, und so auch Bild und Gespinnst eher als Vorgang und Ereignis.
Ein Schriftsteller in mittlerem, ja vorgerücktem Alter, er werde Mörner genannt, erfuhr zu einer bestimmten Zeit des letztvergangenen Jahres eine unerklärliche Veränderung seines seelischen Gleichgewichts. Er hatte nach längerer Ruhepause eine neue Arbeit begonnen, die seine Gedanken despotisch beherrschte, und deren Schwierigkeiten ihn nicht nur nicht abschreckten, sondern alle freien Kräfte in ihm sammelten und gegen ein lockendes Ziel trieben.
Auf einmal brachen diese Kräfte. Eines schönen Tages erlahmte der Nerv des Schaffens. Dass es keine vorübergehende Unlust, keine jener Trübungen war, die wie Nebel über einer Landschaft und doch im Grunde atmende Zeugnisse des Lebens sind, spürte Mörner. Es war wie wenn die Feder in einer Uhr zerbricht, oder noch beunruhigender, wie wenn man eine Vorratskammer betritt, die man mit Fleiß und Umsicht gefüllt hat, und sie gänzlich leer findet.
Schließlich war es ein Verlust wie der Tod eines Wesens. Er sprach in einem Freundeskreis darüber, mit Zurückhaltung anfangs, da es ihm widerstrebte, innere Wirrungen zum Gegenstand des Meinungsaustausches zu machen. Die Verstimmung, unter der er litt, war bereits aufgefallen; was er nun als ihre Ursache bezeichnete, wollte keinem recht einleuchten und man hielt es für Hypochondrie eines Zwischenzustandes. Man kannte seine zweifelsüchtige und häufig schwankende Art; er hatte oft genug das Schauspiel des Selbstquälers gegeben, der nach jeder abgeschlossenen Leistung sie zerpflückte und hilflos wie vor dem ersten Beginn in die Zukunft schaute, alles von Schicksal und Fügung erhoffend, nichts oder wenig von seinem Talent. Aber seine Hingabe war unbegrenzt, seine Arbeit ein opfervoller Dienst; dem unermüdlichen und redlichen Bemühen war der reinste Wille gesellt, die Unbestechlichkeit des Gewissens, die jede Erleichterung und Versüßung ablehnt. Dazu kam, dass ihm der Erfolg nicht gefehlt hatte; misstraute er ihm auch, so war er doch von ihm auf eine gewisse Lebenshöhe getragen worden; war auch sein Name, sein Werk umstritten, so genoss er doch die Achtung, ja die verehrende Neigung Vieler und erhielt nicht selten unzweideutige Beweise davon.
Die Freunde nahmen also seine sichtliche Verstörung nicht ernst. Dies reizte seine Ungeduld, und als einer von ihnen mit etwas zu billigem Trost geendet hatte, sagte Mörner: »Wenn ein Mensch wie ich nicht mehr an die Wichtigkeit und Notwendigkeit seiner Mission glaubt, ist er einfach das allerüberflüssigste Geschöpf auf Erden. Wie erst, wenn ihm die Aufgabe selber entschwindet, wenn er nicht mehr weiß, was er überhaupt noch soll und das Fertige wie ein umgeblasenes Kartenhaus hinter ihm liegt? Da wird alle Wirklichkeit ein Gespenstergraus; sein Geist hat gar nicht Fassungsraum genug für die Tiefe des Abgrunds, der vor ihm gähnt.«
Die Freunde stutzten und schwiegen. Einige begriffen nicht recht, was er meinte, und er fuhr achselzuckend fort: »Mission ist freilich ein viel zu anspruchsvolles Wort. Man dürfte seinen Ehrgeiz nicht über die Haltung eines honetten Handwerksmeisters spannen. So war es in früheren Zeiten. Das Außerordentliche entstand gleichsam durch bescheidenen Zufall, nicht in priesterhafter Gier und Askese. Was erstrebt man denn, was ersehnt man denn? Man will das Formlose formen; was die Natur zerstückelt liegen lässt, zusammenfügen und es der großen Vergeuderin und Zerstörerin entgegenhalten. Unzulänglich bleibt man dabei immer, aber es ist wunderbar, so lang das Material gehorcht, und das Auge, und die Hand. Zerrinnt einem aber der Stein, den man aus dem Bruch schlägt, zu flüssigem Sand, flattern von der Fackel, die man am großen Weltenfeuer entzündet hat, statt der Flammen rotgefärbte Papierfetzen empor, so ist es schlimm, mehr als schlimm, es ist das Ende.«
Eine Zeit lang verschanzte er sich in seinem Hause, und niemand konnte zu ihm gelangen. Dann hieß es, er sei verreist, um in der Stille eines Landaufenthalts Sammlung zu gewinnen. Aber schon nach ein paar Tagen kehrte er zurück. Sein Aussehen erregte Besorgnis. Tiefe Gruben hatten sich in den Wangen gebildet; der Blick war der eines Kranken. Er kam wieder zu den Freunden und gestand, die Einsamkeit sei ihm Pein. Doch auch Geselligkeit schien ihn nicht aufmuntern zu können. Man machte ihm in liebevoll-scherzhafter Weise den Hof, man schmeichelte ihm, man erwies ihm zarte kleine Ehrungen; umsonst, es war ihm kaum ein Lächeln abzulocken. Er stellte sich fast jeden Abend ein, wie einer, der vor sich flieht; er bat, man möge ihn bloß dulden, wenn es zum Ärgsten komme, werde er trachten, nicht zur Last zu fallen. Was er unter dem Ärgsten verstand, darüber äußerte er sich nicht; die Hausfrau, die seine ergebenste Anhängerin war, zog ihn beiseite und beschwor ihn, sich zu fassen, zu erheben; er mache durchaus den Eindruck eines Menschen, den ein Phantom zum Narren hält; man sei so viel Befeuerung von ihm gewöhnt, so viel gesunde, heilsam wirkende Kraft, dies könne doch nicht mit einem Mal zu nichte werden; ob sie ihm helfen könne, ob er sie des Vertrauens nicht mehr würdige? Sie sei zu jedem Opfer bereit, sie wie auch alle andern, die bestürzte Zeugen seiner Verwandlung seien.
Er schüttelte den Kopf. »Zu helfen ist da nicht,« antwortete er; »es wäre besser, Sie zerrten mich nicht aus der Dumpfheit heraus. Das letzte Versteck darf man mir nicht nehmen; gegen Beleuchtung wehrt sich alles in mir, die Dinge bekommen dadurch ein zu prahlerisches Gesicht. Mein Fall ist an sich gering; legt ihr ihm Bedeutung bei, so werdet ihr nur zu Urhebern von neuen Leiden. Was ich an mir erfahre, ist doch bloß die Folge einer vielfach verschlungenen Kette von Selbsttäuschungen und Selbstüberschätzungen. Man hat sich zu lange gefallen, man hat sich zu lange beruhigt, man hat immerfort behaglich im lauen Wasser geplätschert. Die Erkenntnis ist schmerzlich. Wie wäre einem Menschen zu helfen, der niemals in einen Spiegel gesehen hat, der bis zu dem Moment, in dem es geschieht, im Wahn befangen war, er sei schön, er sei wohlgebildet, er habe angenehme Züge, und plötzlich grinst ihm aus dem Glas eine abscheuliche Fratze entgegen? Wie wollen Sie dem helfen? Dass mich ein Phantom zum Narren hält, ist außerdem noch wahr.« Er zögerte in ungewisser Scham und fuhr fort: »Stellen Sie sich vor, dass ich nicht allein sein kann, ohne dass mir zumute ist, ein dringlich fordernder Gläubiger sei hinter mir her und verlange die Bezahlung einer Schuld. Und zwar ein Gläubiger, dem ich zu Dank verpflichtet bin, der mir große Dienste geleistet hat, den ich wiederholt, mit guten und schlechten Gründen, habe vertrösten müssen und der nun, selbst in Bedrängnis, das langgefristete Darlehen nicht mehr stunden will. Das ist keine Figur, liebe Freundin, kein Gleichnis für einen beengten Zustand, es ist eine Realität. Auch okkulter Einfluss kann eine Realität sein. Sie wissen, dass ich Skeptiker genug bin, um solchen Anfechtungen zu widerstehen. Wer hat sich nicht schon über meine Trockenheit beklagt, in dieser wie in anderer Beziehung! Hier scheitern vernünftige Erwägungen an einer Vision, an der der ganze Organismus teil hat, das furchtbar genaue Wissen darum, wie es um mich bestellt ist. Leute meines Schlags kennen ihr eigenes Innere so gut wie die Bureauschreiber ihren Registrier-Apparat, und wo da die Tugend aufhört und die Sünde beginnt, ist schwer zu sagen. Die Quelle, die uns nährt, ist zugleich vergiftet, und wir sterben daran, ohne das Gift zu spüren.«
Mörner blickte grübelnd vor sich hin. »Bei alledem, sollte man es glauben,« sagte er mit einem Rest von Selbstverspottung im Ton, »bei alledem ist es wie eine letzte Genugtuung, dass er kommt, dieser Gläubiger, dass er mahnt. Er hält mich also noch für zahlungsfähig, ich habe also noch Kredit in der Geisterwelt. Sonderbar, dass wir nicht ärmer werden, wenn wir dort unsere Schulden begleichen, im Gegenteil. Nur muss man eben zahlen können, und ich kanns nicht. Die Kassen sind leer bis auf die Neige. So arm darf man nicht werden, oder man hat miserabel gewirtschaftet.«
Mörner begab sich wieder zu den übrigen, die harmlos plauderten, die Hausfrau folgte ihm mit zwiespältigem Gefühl. Die unerbittliche Logik in der Verwirrung überraschte sie und stimmte sie nachdenklich. Da ging eine Abrechnung vor sich, hartnäckiger und ernsthafter als dem bloß für Alltags-Ungemach geschulten Blick erkennbar war.
Das Gespräch geriet auf die Zeitumstände, und ein junger Lehrer der Philosophie machte die Bemerkung, in einer Epoche, wo die Wirklichkeit soviel Stoff produziere wie in der gegenwärtigen, das stürmisch fließende Schicksal soviel rohes Material ans Ufer schwemme, in einer solchen Epoche müsse die schaffende Phantasie durch ein automatisch funktionierendes Ausgleichsgesetz erlahmen; erst spätere Geschlechter seien wahrscheinlich imstande, das chaotisch Hingeworfene, Strandgut der Geschichte, zu neuen Bauten zu benutzen. Daher der Verfall der Kunst, daher das Versagen der Künstler.
Mörner, der bislang schweigend zugehört hatte, unentschlossenen Anteil in den Mienen, zuckte plötzlich auf. Es war eine nicht sehr taktvolle Äußerung im Hinblick auf ihn, das empfanden alle, auch der Sprechende selbst, der errötend abbrach. Aber sie war nun einmal getan. Mörner erhob die Hand mit gespreizten Fingern, als wolle er verhüten, dass ihm ein anderer im Wort zuvorkomme und sagte: »Ach nein, nein, nein. Unleugbar steht uns die Zeit entgegen, aber nicht wegen der Überfülle des Geschehens, sondern wegen der Zerstörung der Geister und der Seelen. Von welchen Flammenausbrüchen genialer Naturen sind vergangene Umwälzungen begleitet gewesen! Wollt ihr Namen? Sie wimmeln. Jede Revolution hat Propheten und Gestalter aus ihrem Schoß geboren; einen, der die Eroica in die brüllende Woge schleuderte, einen, der seinem grandiosen Schmerz die Hermannsschlacht entriss, einen, der mitten in gewaltigen Gärungen die Tribüne der Comedie humaine errichtete. Gerufen von der Sehnsucht ihrer Welt, gaben sie ihr Stimme und Bild, wiesen ihr die Wurzel und den Gipfel ihres Geschicks. Heute aber? War jemals eine Menschheit so zu Boden getreten? Sagt mir nicht, er sei vielleicht da, irgendwo unter uns, der glühende Zeuge und wunderbare Architekt, und ich vermöchte ihn bloß nicht zu sehen und zu hören. Du und du und Sie und Sie und ich, warum sollten ihn wir nicht ahnen, nicht kennen? Würden nicht unsere Nerven bei seinem geringsten Hauch vibrieren? Wäre er nicht Fleisch von unserm Fleisch, Blut von unserm Blut? wer sollte ihn wissen, wenn nicht wir? Es gibt ihn nicht. Seine Entstehung schon wird im Keime erstickt. Der Schoß ist unfruchtbar geworden, es kommt nicht mehr bis zur Kristallbildung; es bleibt beim Ansatz; in den Elementen ist kein Wille, sich zu ballen; die ruhende Sehnsucht ist nicht produktiv. War jemals eine Menschheit so zu Boden getreten? frag ich noch einmal; so müde, so stumpf, so entblättert, so kurz von Atem und so kühl im Hirn? Spürt ihr es nicht, wie keine Resonnanz wird? Kein Sinn will mehr aufnehmen; es sei denn die gröbste Nahrung; nichts ist Besitz, alles Erwerb; nichts Erlebnis, alles Kitzel; keinem Gemüt prägt sich das Wesen ein, nur die Verzerrung davon; die Ehrfurcht ist geschwunden, die Überlieferung abgeschnitten, der Glaube tot, das Wissen ein mörderisches Narkotikum. Kein Zusammenhang und Zusammenklang, in der Höhe nicht, in der Tiefe nicht, bei den Guten nicht, bei den Bösen nicht. Hinten versinkt alles in Abgründen, vorne öffnen sie sich. Panische Flucht nach allen Seiten; Angst, sich zu verpflichten, Angst vor der Hand, die sich bietet, Angst vor dem Schmerz, Angst vor der Wahl, Angst vor jeglicher Entscheidung, Angst sogar vor der Erinnerung an den verlorenen Gott. Und wird euch denn nicht ebenfalls Angst, wenn ihr die Heraufkommenden betrachtet, diese Zuchtlosen, ihre Lust an der Raserei, an der Tobsucht des frierenden Verstandes; ihren Götzendienst vor der Chimäre, den Kultus vor dem Golem, die grauenvoll ummauerte Isolierung eines jeden, in der er, um sich und die andern Isolierten zu betäuben, wie ein verrückt gewordener Anachoret nach Verbrüderung schreit, rachsüchtig und voll Haß in seiner Wehleidigkeit? Was soll werden? Man kann eine Ruine aufbauen, wenn das Material noch halbwegs brauchbar ist, aber aus morschem Plankenwerk und wurmstichigen Brettern ein seetüchtiges Fahrzeug zimmern, das ist unmöglich. Da habt ihr die Krankheit. Da ist es aufgerollt, das Gemälde der Katastrophe, meiner und aller derer, die noch gutgläubig oder weil sie sich der schrecklichen Klarheit eine Weile noch verschließen wollen, am Werke sind. Morituri te salutant. Es ist kein Cäsar da; grüßt man also die Blinden und Tauben, die unsere Geschicke lenken? Sie bilden sich nur ein, zu lenken, sie werden mitgeschleift und mitzerschmettert.«
Während er so sprach, hatte es Mörner geschienen, dass die Tür aufgegangen und jemand eingetreten war. Er schaute sich um, bemerkte aber keinen Hinzugekommenen, auch verriet nichts in den Mienen der Freunde, dass sie eine gleiche Wahrnehmung gemacht. Die Augen ruhten groß auf ihm, mit scheuem und betroffenem Ausdruck. Indessen wich das Unbehagen nicht von ihm, das die verborgene Anwesenheit eines Fremden verursacht. Sein suchender Blick prüfte die Gesichter. Es war kein neues darunter; er kannte jedes. Doch dünkte es ihn, im Hintergrund des Raums, zwischen Flügel und Bücherkasten, wo das Licht sich verlor, sitze eine Person, die vorher nicht dagewesen war. Er wagte es nicht, sich zu vergewissern, hielt aber das Gefühl für untrüglich.
Die wohllautende Stimme eines jungen Mädchens sagte: »Ist denn nicht, wer schafft, im tiefsten Sinne ohne Zeit? Ist es denn diese eine, nahe, bestimmte Welt, die ihm notwendig ist, und nicht vielmehr eine übertragene obere, die sein Traum wahrer macht als die untere? Sie selbst haben es uns so gelehrt. Nicht in Worten; im Beispiel. Und was wir so oft missverstanden und falsch verstanden haben, dass der Dichter ein entselbsteter Mensch ist, so nannten Sie es ja, der Mensch ohne Partei, ohne Meinung fast, dem alles Leben zur Speise wird, ist das denn nicht mehr das Gesetz, dem Sie sich demütig beugen, wie Sie immer getan haben?«
Mörner senkte den Kopf, und als er antwortete, war es ihm, als stehe er nicht der sanften Fragerin Rede, sondern der verborgenen Person, die er im Zimmer wusste. »Widerstände können wachsen,« sagte er; »es ist jedesmal ein harter Weg dorthin, in die obere Welt; eines Tages sind die Schranken unübersteiglich. Die Kraft reicht nicht mehr zu; der Mut ist nicht mehr da. Werktätigkeit beruht auf Wechselwirkung. Das Leben ist meine Speise, freilich; wenn aber die Speise faulig wird, wie dann? Wenn die Augen nicht mehr sehen können, das innere Membran nicht mehr erzittert, das Bild nicht mehr zu fassen ist, das Gefühl seine Sicherheit einbüßt? Wie dann? Beide Welten, die obere und die untere sind mir zu Schemen verblaßt. Ich kann nichts mehr greifen, es bleibt mir nichts in der Hand, ich bin zur Ohnmacht verurteilt, ich bin ein Selbst geworden.«
Er lächelte traurig, zuckte die Achseln und schwieg. Sein Ohr lauschte in die Richtung, wo der Unsichtbare saß. Der aber verriet seine Gegenwart durch keinen Laut und keine Bewegung. Als das junge Mädchen sich zum Flügel setzte und ein Bachsches Präludium zu spielen begann, schien er seinen Platz zu verändern.
Mörner wollte die Freunde durch seine Gegenwart nicht länger bedrücken und entfernte sich still. Durch die mitternächtlich verödeten Straßen trat er den Heimweg an, doch war ihm nicht wohl zumute bei der Aussicht auf Alleinsein in seinem Hause.
Die Luft war mild, das Gewölbe bis in die Unendlichkeit umschleiert. In der Dunkelheit wuchtete Ahnung, die die Seele zusammenpreßte und sie aufsteigen machte gleich einer artesischen Säule. Er erinnerte sich solcher Nächte aus seiner Jünglingszeit. Es waren dieselben flaumsüchtigen Wolken gewesen, damals, in der Stadt seines Elends, mitten im Herzen Deutschlands, dieselbe bittersüße Feuchtigkeit in der Atmosphäre, dasselbe heimliche Säuseln und Brodeln in der Erde. Warum war ihm das Längstvergangene heute nah? Kündigte sich Prüfung an und neue quälende Überschau? Parade über die Truppen vor der Abdankung? Ein Laut war wie Vogelruf, genau wie damals aus dem Gebüsch am trüben Fluss, der die Fabrikwässer führte. Aber damals war es Verheißung gewesen, heute war es Verzicht; damals Ankunft, heute Abschied; damals hatte Romantik um die verschlossenen Tore und schwarzen Fenster geschauert, heute das frostige Wissen. Drei Jahrzehnte vergeblichen Wegs in eine Sackgasse!
Er ging langsamer; der ihm folgte, verzögerte ebenfalls den Schritt. Er ist es, durchfuhr es Mörner, und seine erste Regung war, zu fliehen. Doch trotzte er ihr; an einer Ecke unter einer Gaslaterne blieb er stehen. Der andere kam heran, lüpfte den steifen niedern Hut und sagte leise: »Guten Abend.«
Es war ein Mann von nicht genau bestimmbarem Alter; Mitte der Dreißig ungefähr; jugendlich schlank, aber in der Haltung etwas schlaff und im Gang schleppend. Soviel sich im ungewissen Licht ausnehmen ließ, waren die Haare blond. Die Kleidung war adrett, obwohl ein wenig abgetragen. Das bartlose Gesicht war auffallend hager, mit tiefliegenden blauen Augen und erstaunlich scharfen Kerben um den Mund. Alles in allem war es ein schönes, zumindest ein schön gewesenes Gesicht, das nichts Vulgäres an sich hatte.
»Ich hoffe, Sie nicht zu stören,« sagte der Unbekannte mit achtungsvoller Artigkeit, die den Mann von Erziehung verriet; »wir haben den nämlichen Weg, scheint es; darf ich Sie begleiten?«
Der Unbekannte sagte: »Ich bitte um Verzeihung, wenn ich mich nicht vorstelle; aber ich habe keinen Namen. Ich mache wenigstens schon lange keinen Gebrauch mehr von ihm. Nur im Notfall nenne ich mich, so oder so; es gibt ja zwingende Situationen; ich schütze dann einen erfundenen Namen vor. Ich denke, Sie legen auf diese Formalität kein Gewicht.«
Immerhin ein merkwürdiger Geselle, dachte Mörner und sah geradeaus auf das Pflaster. So auch, vor sich hin, erkundigte er sich: »Sie sind fremd in der Stadt? Seit kurzem erst hier, wenn ich fragen darf?« Er ist es, dachte er wieder, und mit einer Anwandlung von Haß: wozu die gezierten Vorbereitungen? weshalb spielt er Verstecken mit mir? was ist seine Absicht?
»Ja, ich bin fremd,« gestand der Herr mit seiner leisen, freundlich und rücksichtsvoll klingenden Stimme; »aber daran bin ich gewöhnt. Ich bin eigentlich überall fremd. Das heißt, obenhin betrachtet, bin ich fremd, genau genommen nicht. Ich reise fortwährend, wissen Sie, bin immer wo anders, ohne festes Domizil. Ich liebe es nicht, Aufenthalt zu nehmen. Wenn man sich aufhält, entstehen Versäumnisse. Viele Jahre bin ich schon unterwegs, und es ist manchmal schwer, der Müdigkeit nicht nachzugeben. Aber wir wollen nicht von mir sprechen. An mir ist nichts interessant. Sie werden es mir nicht verübeln, wenn ich offen gestehe, dass ich Ihnen aus reiner Neugier nachgegangen bin. Wären Sie mir entschlüpft, ich hätte wirklich nicht gewusst, was tun. Ich hätte Sie bestimmt noch heute Nacht in Ihrer Wohnung aufgesucht, und diese Zudringlichkeit wäre Ihnen wahrscheinlich sehr unangenehm gewesen.«
Der Unbekannte nickte. »Gewiss, ich war dort,« erwiderte er etwas beschämt; »es hat mich unwiderstehlich hingezogen. Ich wusste von Ihnen. Ich hatte irgendwelche Botschaft. Aus tausend Stimmen dringt eine hervor, vernehmlicher als die andern. Ein Blatt Papier, ein aufgefangenes Wort, was kann das nicht alles bedeuten. Und zufällig saß ich Ihnen neulich im Eisenbahncoupé gegenüber, entsinnen Sie sich nicht? Da erfasste mich sofort die Neugier, trotzdem ich über das Wichtigste gleich im Klaren war, und ich blieb unablässig auf Ihren Spuren.«
Kontextbild zum Werk. Historisches Bildnis von Jakob Wassermann — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Emil Orlik · Public domainBildquelle ↗
In der Tat glaubte sich Mörner zu entsinnen, den Unbekannten während einer vielstündigen Fahrt im halbdunkeln Abteil gesehen zu haben. Er wunderte sich, dass ihm das erst jetzt einfiel, denn Gestalt und Gehaben des Menschen waren ihm ungewöhnlich erschienen, das vollkommen unbewegliche Sitzen, der intensive Blick, eine gewisse Naivität und Bescheidenheit in den Mienen, verbunden mit einer schwer definierbaren lächelnden Undurchdringlichkeit, alle diese Einzelheiten sah er lebhaft vor sich. Seine Spannung und Unruhe wurde dadurch nicht vermindert. »Wieso waren Sie sich über das Wichtigste im Klaren?« fragte er und suchte seine Erregung hinter einem gereizten und mürrischen Ton zu verbergen. »Bin ich denn so auf den ersten Blick zu ergründen? Nichts für ungut, aber gegen das Hellsehn hab ich meinen Argwohn; es ist durch einige Leute von meinem Metier diskreditiert und läuft gewöhnlich auf Charlatanerie und Mystifikation hinaus.«
»Ich habe ja auch Ihre Worte gehört,« antwortete der Fremde einfach. »Dass Sie misstrauisch sind, begreife ich. Sie kennen mich ja nicht. Ich habe mir noch kein Recht auf Ihr Zutrauen erworben. Ich bin ein Namenloser, wie gesagt, ein Niemand; es steht bei Ihnen, mich für einen Charlatan zu halten. Nur bitte ich Sie, Ihr endgültiges Urteil noch zu verschieben.«
Er wich einem Hund aus, der über die Straße lief und fuhr mit derselben unerheblichen Stimme fort: »Nein, Hellseher bin ich nicht, und dass ich Sie auf den ersten Blick ergründet habe, behaupte ich auch nicht. Was mich zu Ihnen getrieben hat, ist neben der Neugier, die mir angeboren ist, die sonderbare Leidenschaftlichkeit in Ihnen, die sich auf alles in Ihrem Umkreis unmittelbar überträgt. Sie ist sehr selten, diese Art von Leidenschaft, diese entselbstete; der Ausdruck stammt ja von Ihnen. Es hat mich magnetisch angezogen; ich meine das nicht bildlich. Ob ich wollte oder nicht, ich musste dorthin, wo Sie waren. Auf dem Meer, mitten in einer Windstille, bei blauem Himmel, hat man manchmal die deutliche Empfindung, dass ein furchtbarer Sturm irgendwo hinter dem Horizont wütet, der das Schiff förmlich in seinen Trichter saugt. So war Ihre Wirkung auf mich. Die meisten Menschen wissen nichts von ihrer eigenen Wirkung. Das Leben stumpft sie ab dagegen. Viel notwendiger ist es, die eigene Kraft kennen zu lernen, als die der andern. Mächtige Seelen liegen oft faul da und ahnen nichts von dem Magnetismus, der in ihnen aufgesammelt ist. Ich unterscheide die Menschen danach. Es ist eine Stufenleiter; von denen, die oben stehen, strahlt die größte Kraft aus, die Schicksalskraft, die Verantwortlichkeitskraft. Das ist der Kitt, der bindet. So war wenigstens meine Erfahrung. Das ist auch der Grund, warum mich Ihre Leidenschaftlichkeit so beschäftigt hat. Worauf sie eigentlich gerichtet ist, kann ich nicht genau ermessen; ich habe nur zum Teil verstanden, was Sie dort in dem Haus sagten; ich bin kein sehr gebildeter Mensch und habe wenig gelesen. Ich hatte die Zeit nicht. Ich habe mir nur einige Fähigkeiten angeeignet, durch die es mir möglich geworden ist, – aber lassen wir das, davon erzähl ich Ihnen später, falls es sich ergibt. Folgende Überlegung war es, die mich berührt hat wie seit langem nichts. Ich sagte mir: wenn man mit einer solchen Flamme in der Brust vor der Menschenwelt steht, wie kann es sein, was muss da geschehen sein, dass die Flamme nicht leuchtet, dass nicht alles in blendender Helligkeit vor ihr liegt, dass der, der sie besitzt, sich über Finsternis beklagt und eben dadurch in Gefahr kommt, tatsächlich in Finsternis zu versinken? Wie geht das zu? Ich sagte mir weiter: Vielleicht kannst du da Nutzen stiften, es ist dir ja schon manchmal gelungen; da liegt so eine Seele, sagte ich mir, eine mächtige Seele und windet sich in Zuckungen; vielleicht kannst du das trübe Medium von der Netzhaut dieses Menschen lösen, mehr ist vielleicht nicht zu tun; das Ganze ist eine Erkrankung des Auges; freilich nicht des physischen Auges; was darf nicht alles Auge heißen bei den Edleren: das Herz ist selber Auge.«
Die häufig stockende, wie aus Bescheidenheit unsichere und zögernde Rede des Fremden drang mit jeder Silbe unhemmbarer in Mörners Inneres. Harte Schlacken schmolzen, der Krampf lockerte sich.
Sie saßen im Arbeitszimmer des Schriftstellers. Der Unbekannte begann zu erzählen. Er hatte es gewiss noch nie getan, denn es hatte unverkennbare Erstmaligkeit.
Es war viele Jahre her, dass er als Sohn eines reichen Hauses, verwöhnt, umworben, wie ein Thronfolger umschmeichelt, eines plötzlichen Tages alles von sich geworfen, alles Überflüssige, wie er sich ausdrückte: Geld, äußere Würde, gesellschaftliche Stellung, die Freunde, die Frauen, die Dinge, die Gewöhnungen, den Ehrgeiz, den Namen; alles von sich abgestreift, bloß um zu leben, um wirklich zu leben.
Mörner glaubte sich zu erinnern, davon gehört zu haben. Aber die Zeit hatte den Eindruck des damals Vernommenen und wahrscheinlich Entstellten verwischt.
Der Schritt des jungen Mannes hatte Verwunderung und Kopfzerbrechen erregt. Er verursachte auch vielen Menschen Leiden, die ihm bluts- und wesensnah waren, aber danach durfte er nicht fragen. Er verzichtete auf alles, was ihm lieb und unentbehrlich gewesen war und ging den Weg, den er sich selber bahnen musste, und der umso schwieriger und mühevoller war, als es ein bestimmtes Ziel auf ihm nicht gab. Man musste sehen, wohin man kam.
Was er unter »wirklich leben« verstand, das vermochte er weder damals noch später befriedigend zu erklären. Man hielt ihn deshalb für einen unklaren Kopf, und selbst diejenigen Leute, die seine herausfordernde Luxusexistenz verurteilt hatten und seinen Bruch mit der Vergangenheit im Prinzip billigten, zuckten über die Ausführung die Achseln. Sie hatten etwas Besonderes, Niedagewesenes erwartet und machten aus ihrer Enttäuschung keinen Hehl. Sich seinen Verpflichtungen entziehen, die Schiffe hinter sich verbrennen, das kann schließlich jeder, so sprachen sie ungefähr; Geld und Gut fortwerfen, schön; in freiwilliger Armut leben, schön; aber angenommen sogar, dass man nicht zu den ägyptischen Fleischtöpfen zurückkehrt, wenn einem die Geschichte eines Tages zu bunt wird, wo ist die Idee? Was für ein Dienst wird der Menschheit damit geleistet? Was wird bewiesen, wodurch etwas geändert? Verkündet er eine neue Lehre? Lockt das Beispiel zur Nachahmung? Ist es überhaupt nachahmenswert? Hat er die Welt um einen fruchtbaren Gedanken bereichert? Nein, stellten sie fest, es ist unreife Schwärmerei, bestenfalls eine moderne Donquichoterie; Herrenlaune im Grund, nur verblüffender als die früheren, und genau besehen ist er derselbe Snob geblieben, der er war, wenn auch nicht geleugnet werden soll, dass ihm Übersättigung und Verzweiflung den Antrieb gegeben haben.
So äußerten sich die meisten. Er aber kümmerte sich nicht darum. Ihre Reden drangen bald nicht mehr zu ihm. Er schied aus ihrer Mitte. Er schwand aus ihrem Gesichtskreis. Binnen kurzem war er verschollen. Er ging in die Tiefen hinunter. Umkehr gab es für ihn keine.
Er erzählte, dass er ziemlich lange in der Borinage gelebt, bei den Bergleuten; damals noch als Müßiggänger und neugieriger Gast. Der Anblick des Elends hatte ihm diese Rolle unerträglich gemacht. Es hatte sich eine Gelegenheit zur Überfahrt nach Amerika geboten. Drüben war er gezwungen, sein Brot zu verdienen. Er griff zum Schwersten, ging unter die Verlader am Hudson und war gegen Tagelohn angestellt. Er wurde krank. Genesen, unterrichtete er die Kinder eines polnischen Flüchtlings im Lesen und Schreiben.
Er hielt sich in seiner Erzählung bei den selbstverständlichen Schwierigkeiten des alltäglichen Lebens nicht auf. Um seine Person war es ihm ja nicht zu tun. Seine eigenen Leiden kamen nicht bloß nicht in Frage dabei, sondern er nahm gar keine Notiz von ihnen, sie waren kaum vorhanden für ihn.
Er erzählte, immer in dem nämlichen gleichmäßigen Tonfall und ohne die geringste Eindringlichkeit, dass er sich bei einem großen Grubenunglück in Pensylvanien an den Rettungsaktionen beteiligt habe und wochenlang in den Schächten gewesen sei; wochenlang in der Gesellschaft verwaister Kinder, verwitweter Frauen, dann dass es ihn immer weiter getrieben wie einen, der unstillbaren Durst hat und bei jedem Trunk nur noch durstiger wird. Dass er das Leben der Metallarbeiter kennengelernt habe, berichtete er, und das der Maschinenbauer, und das der Eisenbahnarbeiter, und das in den Schlachthäusern, den Konservenfabriken, Spinnereien, Sägewerken und Druckereien. Dass er mit Fischern gelebt, mit Holzfällern, mit Kleinbürgern, mit Beamten, mit Kellnern, mit Defraudanten, mit Bar-Tänzern, mit Negern, mit Farmern, mit Journalisten. Dass er Diener eines Sekten-Oberhaupts gewesen, Schreiber bei einem Börsenmakler, Agent für ein Annoncenbureau. Dass er in einer Besserungsanstalt und in einem Zuchthaus war, nicht als unbeteiligter Besucher, sondern als Sträfling, indem er sich mittels gefälschter Papiere für einen andern ausgegeben. Dass er wochenlang in den unterirdischen Kanälen von Neuyork genächtigt; in den Opiumhöhlen von Chicago gelebt und unter den Auswanderern auf Ellis-Island als Lazarettgehilfe gedient. Dass er ein Jahr darauf mit einer Goldsucher-Expedition nach Alaska gegangen sei; von dort nach Japan; von dort nach China. Dass er von Peking aus ins Innere, den Fluss entlang, gewandert sei, und mit einem tibetanischen Lama nach Madjura, der heiligen Siedlung mit dem Lilienteich und den Türmen aus Götterbildern; immer unter den Menschen, dicht bei den Menschen, immer einsam, dicht bei sich, von Tag zu Tag einsamer, von Tag zu Tag reicher, beladen mit Reichtümern, und immer noch durstig. Er erzählte weiter. Das alles war erst Untermalung; Figur und Umriß zeigten sich später.
Er sprach von Schiffen und Dschunken; vom Himmel, vom Meer; von Wäldern und Gärten; von Tempeln und Festen; von Städten und Wüsteneien; von Heiligen und von Verbrechern; von religiöser Versunkenheit und weltlicher Mühsal; von Aufruhr und Unterdrückung, von innigem Werkfleiß und liebender Tat. Vom Schicksal und abermals vom Schicksal, seinem Wechsel, seinem Grauen, seiner Herrlichkeit, seiner in alle Seelen gewirkten Vielfältigkeit.
Er hatte erkannt; vom Erkennen war er voll. Er hatte Kräfte in sich geschlürft mit Begierde. Er hatte die Bindungen und Verflechtungen des Menschheitskörpers sehen gelernt wie man die Lagerungen der Muskeln und Adern an einem hautlosen Leib wahrnimmt. Er war vertraut mit dem Fühlen und Denken aller Verlorenen, Irrenden, Geplagten und Duldenden an allen Enden und Ecken der Erde. Er kannte die Lasterhaften, die Mörder, die Diebe, die Hehler, die Geknechteten, die Einfältigen, die Erglühten, die stummen Unverdrossenen. Für ihn zogen sich Fäden von der Küste des indischen Ozeans bis zu den Palästen europäischer Metropolen. Alles war ein einziger, bebender, heißer Leib; alles wie die verschlungenen Zweige eines ungeheuren Baums. Er drückte dergleichen nicht aus, dazu war er nicht imstande, aber es lag in seinem Aug und Wesen.
Er war, vom Osten her, durch den Krieg gegangen, unangefochten, bewillkommt, von schonender Luft und schonenden Händen umgeben, und wo er war, schien er für die andern von jeher gewesen zu sein. Er hatte die Schlachtfelder durchzogen, die Brandstätten, das blutbesudelte Land, hüben und drüben, das zermalmte, seufzende Land. Er war Zeuge geworden von Plünderung und Metzelei, Hunger und Haß, Wahnsinn und Lüge, Bestialität und Verzweiflung. Aber auch von verborgenem Heldentum und dem kleinen Glück der Genügsamen, von Opferdienst und Wundern der Vollbringung. Er wurde nicht müde; er durfte es nicht werden, denn er sah noch kein Ziel.
Was mag das Ziel sein? ging es Mörner durch den Sinn, indes er lauschte und mitlebte; in dem unendlichen Zirkel der Bilder und Vorstellungen dachte er plötzlich an Buddhas Wiese, an die seligen Gefilde der letzten Entäußerung, des letzten Wissens, des letzten Friedens, der letzten Inkarnation, Höhenscheide zwischen irdischer und himmlischer Welt.
Wusste er nicht, wohin er ging, der überaus Seltsame? Darüber war kein Zweifel, dass er sich übernatürliche Fähigkeiten angeeignet hatte, das heißt, von denen aus betrachtet, die noch nicht an die Natur reichen: Er hatte sie erworben, weil sein Einsatz übermenschlich war, das heißt, von denen aus betrachtet, die noch nicht ans Menschliche reichen.
»Ich durfte mir keinen Zweck setzen, so wie ich mich nicht binden durfte,« sagte der Unbekannte; »im Zweck liegt schon das Übel; der Zweck hat die Welt so ins Fieber gebracht. Nein, ich durfte mich niemals binden, sonst hätte ich den Zusammenhang verloren. Ich musste immer wieder Abschied nehmen, immer wieder brechen, sonst hätte ich mich versäumt und die wichtige Stunde. Die wichtige Stunde ist die nach der Überwindung und dem Entschluss. Da ist die Kraft ohne Maß und Grenzen.«
Die Stimme blieb gleich nüchtern, gleich karg, gleich unbetont; gleich höflich die Haltung, sparsam die Gebärde. Oft spielte ein Lächeln um die Lippen, die ungealtert waren, indes sich andere Teile des Gesichts eigentümlich verwittert zeigten, besonders die Stirn und die Schläfengruben; auch das Haar war an manchen Stellen silbrig angegraut. Das scheue Lächeln schien die Versicherung zu enthalten, dass die Distanz nicht überschritten werden würde, die der Andere vorschrieb. Der unerhobene Ton aber, die zarte, rücksichtsvolle Bemühung um das äußerlich Konventionelle und Gestattete verlieh den Worten eine vollkommene Durchsichtigkeit, und Gestalt um Gestalt, Vorgang um Vorgang entfalteten sich so rein, als lägen Schall und Stimme nicht mehr vermittelnd dazwischen.
»Ich liebe die Dinge,« sagte die höfliche Stimme; »ich liebe sie manchmal bis zur Unvergeßbarkeit; sie sind oft wie Laternen über dem Schicksal des einzelnen Menschen aufgehängt. Ich weiß nicht, ob das eine Schwäche von mir ist, aber ich kann mich dem nicht entziehen. Ich bin mit einem Mann gegangen, in einer kleinen Stadt, und es war Abend. Er hatte Furcht, allein zu gehen, weil die Frau während seiner langen Abwesenheit wieder geheiratet hatte und ihn für tot hielt. Er hatte Furcht, wollte aber zu seinen Kindern, und ich bin mit ihm gegangen. Das Haus lag in einer Gasse gegen den Fluss und hatte ein schiefes Dach. Rechter Hand im Flur war ein Backofen, davor kniete eine Magd, von schwacher Glut beschienen, und schob mit einer Stange die fertigen Brote von den heißen Ziegeln. An der Treppe oben stand das Weib des Mannes; sie ahnte noch nichts und trällerte ein Lied. Zu ihren Füßen spielten zwei Kätzchen. Draußen war es feucht, das Pflaster glänzte, man hörte den Fluss rauschen, und bisweilen ging ein Mensch an dem offenen Tor vorüber, gebückt und eilig. Der Mann neben mir zog in seiner Gemütserregung ein blaues, zerrissenes, wie ein Schachbrett mit Quadraten bedecktes Tuch aus der Manteltasche und trocknete sich die Stirn damit. Das Tuch war mir in dem Augenblick etwas unbeschreiblich Teures; es lässt sich wirklich nicht erklären, warum, aber alles war in ihm drin, der ganze Mensch.«
Er senkte ein paar Sekunden lang den Kopf und fuhr fort: »So ist es mit Schachteln, die bei armen Dienstboten in der Kommode liegen und mit Erinnerungszeichen gefüllt sind; und mit geborstenen Steintreppen an den Toren; und mit Photographien an den Wänden; mit einer Kerze, die nachts irgendwo an einem Fenster brennt, und mit dem Brett, das der Tischler in der Werkstatt hobelt. Mit den Fußspuren im Weg ist es so und mit den Brücken über die Flüsse, aber besonders mit allem, was durch Menschenhände geht und auf Menschen Einfluss hat. Ich habe den Ring am Finger einer gestorbenen Frau gesehen; von wie vielem der wusste! Auf einer Straße, durch die ich ging, lag ein zerrissener Vorhang, den man aus einem ausgeraubten Haus geworfen hatte; wieviel Leben daran klebte! An die Dinge geben sich ja die Menschen hin, sie sperren ihre Seelen in sie hinein; sie sind ihr Besitz; und wenn nicht Besitz, dann das Ziel ihrer Sehnsucht. In einer andern Stadt fand ich in einer kalten Winternacht einen acht- oder neunjährigen Knaben halberfroren auf einer Bank. Ich trug ihn zu einem nahegelegenen Spital, dort wurde er der Lumpen entkleidet, die ihm am Leibe klebten, und es wurde ihm heiße Milch eingeflößt, da er nicht bloß erfroren, sondern auch bis auf die Knochen verhungert war. Nachdem man den Körper notdürftig von Schmutz und Unrat gesäubert hatte, steckte man ihn ins Bett. Er lag bewusstlos, und ich blieb die Nacht über bei ihm, man hatte es mir erlaubt. Als er nun die Augen aufschlug und man ihn fragte, wer er sei und woher er komme, vermochte er nicht zu antworten. Er sah beständig die weißen Kissen an, tastete beständig mit der Hand über das weiße Linnen, das ihn bedeckte, und in seinen Mienen war ein so maßloses Staunen, eine so maßlose freudige Bestürzung, dass man sofort begriff, er war Zeit seines Lebens nie in einem Bett gelegen, und erst recht nicht in einem solchen Bett. Er glaubte allen Ernstes, dass er sich im Jenseits befand, und das einzige, was er sprechen konnte, war: so weiß; so sauber; so weiß; und wieder, andächtig, ungläubig, völlig verzückt: so weiß; Herr Jesus, so weiß.«
Der Unbekannte hielt inne und sann mit abgelöster Heiterkeit im Gesicht vor sich hin. Dann sprach er: »In der nämlichen Stadt fügte es sich, dass ich mich eines brustkranken Mädchens annehmen sollte, das im Laden einer Friseurin bedienstet war. Ein Kind von sechzehn Jahren, ich erinnere mich noch des Namens; Angelika hieß sie. Ihre Herrin hatte sie aus dem Waisenhaus genommen, sie war ein Findling; ein munteres und zärtliches Geschöpf, von allen wohlgelitten und ungemein geschickt in den Verrichtungen, die man sie gelehrt hatte. Die Herrin sah aber bald, dass das Übel rapid wuchs; der Arzt, den sie zu Rate zog, gab ihr wenig Hoffnung und empfahl ihr, das Mädchen schleunig in eine Heilanstalt zu bringen. Sie versuchte es, doch es war umsonst; die Behörden wiesen sie ab, die humanitären Vereine wiesen sie ab, die reichen Leute, bei denen sie Hilfe suchte, wiesen sie gleichfalls ab. Sie war eine robuste Frau, nichts weniger als gefühlsselig, aber sie liebte das Mädchen wie ein eigenes Kind, und die Aussichtslosigkeit, eine Pflegestätte für sie zu finden, erbitterte sie. Angelika indessen ahnte nichts davon, dass ihr Geschick ein so nahes Todesurteil über sie verhängt hatte. Sie lachte und scherzte den ganzen Tag, und besonders war sie darauf versessen, sich zu schmücken. In diesem Punkt war sie geradezu erfinderisch; ihre billigen Gewänder sahen aus wie frisch aus dem Magazin; die kleinen Geschenke, die sie von den Damen erhielt, Bänder, ein Stückchen Stoff, eine silberne Nadel, eine Halskrause, waren Kostbarkeiten für sie, und sie wusste sie anmutig und geschmackvoll zu verwenden. Aber ich will Ihnen erzählen, wie ich dazu kam, mit eigenen Augen zu sehen, wie glühend diese jungen Hände die Dinge umklammerten, die ihr Ausdruck und Abbild des Lebens waren. Es ist eine unbedeutende Begebenheit, im großen Ring betrachtet, aber sie hat mir viel zu denken gegeben. Die Friseurin hatte noch ein zweites Lehrmädchen, und diese war nach und nach eifersüchtig auf die jüngere und hübschere Kollegin geworden. Als nun eines Tages Angelika zu einem gewöhnlichen Kundenbesuch ihr schönstes Kleid angezogen hatte, und mit glücklichem Lächeln vor ihr stand, sagte sie zu ihr; wozu richtest du dich so her und gibst die paar Groschen, die du verdienst, für Plunder aus? Trachte lieber, dass du gesund wirst, damit unsere Frau nicht so viel Scherereien deinetwegen hat; es steht nicht zum besten mit dir, das wissen alle, bloß du nicht; also merk dirs und werde nicht gar so übermütig. Die Worte erschreckten Angelika, und sie fing an zu begreifen, was ihr drohte. Sie büßte ihren Frohsinn nach und nach ein, obwohl ihre kräftige und unbefangene Natur sich immer wieder geltend machte, selbst dann noch, als sie bettlägerig wurde und mit jedem Tag mehr verfiel. Es war mir endlich gelungen, in einem Asyl weit draußen vor der Stadt einen Unterschlupf für sie zu finden, richtiger ausgedrückt, ich hatte einige schwerbewegliche Personen aufgesucht, und diese ihrerseits hatten wieder einigen widerwilligen Funktionären eine Zusage abgerungen, die aus freien Stücken zu geben ihre Pflicht und ihr aufgetragenes Amt gewesen wäre. Kurz, Angelika sollte in Pflege kommen, und ich beeilte mich, es der Frau zu melden. Es war an dem Tage gerade ein blutiger Aufruhr in der Stadt, Soldaten und Arbeiter zogen durch die Straßen; aus vielen Häusern wurde geschossen. Am schlimmsten ging es in dem Viertel zu, wo die Friseurin wohnte; ich konnte mir durch die Massen Volks kaum einen Weg bahnen. Der Laden war geschlossen, ich stieg ins erste Stockwerk hinauf, wo sich die Wohnung befand, doch es war niemand zu sehen. Ich wusste, wo Angelikas Kammer war, ich hatte sie schon einmal besucht und mit ihr gesprochen. Ich klopfte; es blieb still. Ich dachte, das Kind schlafe vielleicht, obgleich dies bei dem wilden Lärm, der von der Straße heraufschallte, sonderbar anzunehmen war. Als ich leise die Tür öffnete, sah ich, dass sie nicht im Bett lag. Sie hatte sich erhoben; im langen weißen Hemd und barfuß stand sie vor dem Spiegel, der in den Schrank eingelassen war; die schwarzen Haare flossen bis zu den Hüften; auf dem Kopf trug sie einen breitrandigen Hut mit zwei grauen Federn; um die Taille, über das Hemd, hatte sie ein blauseidenes Band zur Masche geknüpft, und um den stengelfeinen Hals eine Korallenkette gelegt. Ich trat in das ärmliche Gemach; es bedurfte nur meines Vorsatzes dazu, dass sie mich weder sah noch hörte; außerdem war sie viel zu hingenommen von ihrer Beschäftigung und das Geknall und Geschrei von draußen zu heftig, als dass sie auf mich hätte aufmerksam werden können. Ich setzte mich also in eine dunkle Ecke. Ich konnte ihr Gesicht nur im Spiegel sehen, das totblasse, aber von Begierde, von unbezwinglicher Lebensbegierde über und über bebende Gesicht. Auf dem Tisch neben ihr lagen ihre Schätze, ein Haufen bunter Bänder, ein paar wertlose Broschen und Spangen, ein Nähzeug und eine Schale mit Winterblumen. Auf einem wackligen Stuhl davor standen ein Paar gelbe neue Stiefletten und über der Lehne hingen Blusen, ein Ledergürtel und ein grüner Schal. Das alles betrachtete sie mit fließenden Blicken, bald sich selbst im Spiegel, bald die geliebten Gegenstände. Die Sachen, nennt man es; ja, jeder hat seine Sachen, und mit ihnen schützt er sich und schmückt er sich; sie täuschen ihm Fülle vor, oder Freude; die Habseligkeiten; auch ein merkwürdiges Wort. Sie griff nach Blumen in der Schale und probierte, ob sie zum Blau der Schleife passten; sie nickte ihrem Spiegelbild zu, vertraut, verträumt, aufmunternd; sie spielte mit ihm und forderte es heraus, sie bog den Kopf zur Seite und gab sich eine graziöse Haltung, und besonderes Vergnügen bereitete ihr das Wippen der grauen Federn. Währenddem wurde der Tumult auf der Straße immer ärger; sie vernahm es nicht. Draußen schlugen sie eine jahrhundertalte Ordnung in Trümmer, sie genoss, was sie als Reichtum empfand. Sie beugte sich zu den Stiefelchen herab und sagte schalkhaft-liebkosend: ihr armen Schuhe, wer wird euch spazieren tragen, wenn ich gestorben bin? Sie richtete sich wieder empor, schaute lange und äußerst gespannt in den Spiegel, seufzte herzlich und sagte leise vor sich hin: ach Gott, nie wird ein Mann bei mir schlafen. Es war Klage, aber voller Unschuld, so dass es beinahe heiter klang und ich mich zu lächeln nicht enthalten konnte. Doch schlich ich mich nach einer Weile hinweg. Mehr durfte ich von dem Geheimnis nicht rauben; ich hatte mir schon zuviel angemaßt. Den Menschen bei sich selbst erlauschen, geht nicht an; man verrät ihn und verrät sich. Alles war Spiegelung gewesen; der wirkliche Spiegel hatte mir Angelikas Gesicht gezeigt der andere ihre Welt, weit zurück bis zu den Ahnen und Urahnen, die sie hinausgestoßen hatten, als Letzte, in ein ungenügendes Stück Leben.«
Die Zeit war ohne Marke; wie lange das Schweigen gedauert hatte, konnte Mörner nicht ermessen, als die höfliche Stimme wieder begann: »Ich möchte Ihnen die verschlossenen Tore aufschließen; bedenk ichs recht, so hab ich zu vielen die Schlüssel. Damit man erfahre, damit man erlebe, muss man vieles gesehen haben, und doch ist Sehen und Erleben zweierlei, und Leiden und Erleben ist zweierlei. Die Tat macht es nicht, und der Wille nicht und die Ergriffenheit nicht. Jedes einzeln kann zu etwas dienen, und doch ist der glockenhafte Widerhall nicht da, der die Sinne löst und zum Schwingen bringt. In der Wissenschaft, glaube ich gehört zu haben, werden jetzt mehr und mehr alle Phänomene der Natur auf die Wellenbewegung zurückgeführt. Meiner Ansicht nach kann man auch die sinnliche Welt in das Gesetz der Wellenbewegung einbeziehen. Es ist vielleicht dieselbe Kraft, nicht einmal wesentlich modifiziert, die das Licht erzeugt und zwischen zwei Menschen Haß oder Liebe hervorbringt; dieselbe, die ein Gestirn aus seiner Bahn reißt und die Katastrophe einer Familie oder eines Volkes bedingt. Wir haben keinen Einblick, wir können es wahrscheinlich nie ergründen, aber wenn der Geist rein ist, glaubt man oft, man kann es ahnen und fassen. Der nämliche Stoff flutet durch sämtliche Seelen, und wenn das Gemüt rein ist, kann man sie ahnen und fassen. Oft ist mir, als wär ich der andere, der mich anschaut; oft, als wär ich in vielen drin und die Unruhe käme von der Zerstückelung. Oft ist mir, als rollte alles Geschehen in seinen Anfang zurück, und was Tod und Untergang scheint, wenn ich die Augen schließe, ist wie neu, wenn ich sie dann aufschlage. Oft ist auch alles wie Wiederkehr, und das macht eigentlich am meisten verzagt; dann wäre ja keine Rettung und kein Hinauf. Ich hörte einmal die Geschichte von einem reichen Patrizier im alten Rom, Valerius Asiaticus; der besaß einen so herrlichen Hügelgarten, dass er den Neid des Kaisers Claudius erweckte, der ihn auf unbewiesene Verleumdungen hin zum Tod verurteilte. Da man ihn die Todesart wählen ließ, entschied er sich für die Verbrennung. An dem dazu bestimmten Tag nahm er seine gewohnten Leibesübungen vor, badete, ging zu Tisch und öffnete sich die Adern. Aber die Liebe zu seinen Pflanzen war so groß, dass er in der letzten Stunde den aufgeschichteten Scheiterhaufen nach einer anderen Stelle schaffen ließ, damit Flammen und Rauch das Laubdach der Bäume nicht beschädigen sollten. Genau das Gleiche, Zug für Zug, hat sich unter der Regierung der letzten Kaiserin in China begeben, und ich habe den Mann gesehen, der das Gleiche erlitt; ich war dabei, als er auf den Holzstoß stieg. Aber das ist vielleicht aus zu grober Materie; Ereignis gegen Ereignis, eins der Schatten vom andern; was besagen sie beide? Die lüsterne Phantasie nascht davon, und es entsteht Irrtum und Dunkel. Man muss immer zum Geringen niedersteigen, dann ist die Falte auf einer Stirn und die Windung in einem Ohr beredt genug, und wo man geht und steht, umdröhnt einen der Lärm des Bluts, der Wünsche, Begierden, Träume und Gedanken in allen wie das Hämmergestampf in einer Maschinenhalle. Ohne Aufhören ist es, ohne Stille; Rad wetzt sich an Rad, Hebel stößt Hebel. Ich bin einmal mit einer Kolonne von Arbeitslosen marschiert, Männern und Frauen; wie es hinter den Schädeln raste! Mir war als sausten Knüttel auf mich herab, und doch waren die Leute ganz stumm. Ich bin einmal auf einem Schiff gewesen, das auf eine Mine stieß; die Passagiere stürzten auf Deck, und die Todesangst in den Gesichtern kann ich nicht vergessen. Sie waren aufgerissen bis in die verborgensten Fasern. Schamlos werden die Menschen da; Zucht fällt ab wie Tünche, das Gehütetste geben sie preis, und nur Mütter und Tiere verlieren sich nicht ganz. Ich bin einmal in Litauen oben mit drei Wucherern in einem Postwagen gefahren. Sie sprachen wenig, und das Wenige mit Vorsicht; aber ihre Augen und ihr Lachen und ihre Gebärden erzählten von zugrundegerichteten Existenzen, von Bitten und Flehen, das an ihrer Unempfindlichkeit abgeprallt war; jeder schleppte ein Netz, worin die Ausgesogenen wehrlos zappelten; und es war, als zeigten sie einander ihre Beute. Ich folgte ihnen heimlich; es ließ mir keine Ruhe, von ihnen viel zu wissen; ich sah Drohbriefe und Pfandscheine und verfallenes Gut und ausgeräumte Stuben, und den Leichtsinn der Opfer, die Verzweiflung von einem, der Wechsel gefälscht und von einem der Geld unterschlagen und von einem, der sein Erbe verschleudert hatte. Die drei Wucherer waren wie Pirschgänger; sie brachten Menschen in Rudeln zu Fall; sie häuften Reichtümer an, ohne sie zu genießen, ohne sich daran zu freuen, ihr einziges Ergötzen war die Qual und Wut des in die Enge getriebenen Menschenwildes; als ich in einer Nachtstunde einen allein in seinem Zimmer sitzen sah, durch das Fenster von der Straße aus konnte ich ihn sehen, da erschrak ich, denn das Gesicht sah aus wie das eines versteinerten, grauenhaft traurigen Affen.«
Der Unbekannte bedeckte hastig die Augen mit der Hand und lächelte enigmatisch. »Um ihn war ein Geruch von Schicksalen wie von Miasmen,« fuhr er fort; »doch ein jedes Schicksal hat seinen bestimmten Geruch, seine bestimmte Schwere, seine Flugkraft, seine Intensität, seine angeborene Gewalt. Es wächst oder welkt wie die Pflanze; es zieht anderes Schicksal an oder stößt es ab, je nachdem. Es ist über den Menschen, eine Weile oder ein Jahrtausend, je nachdem, dann in den Menschen. Sie verhalten sich zu ihm wie mehr oder minder elektrische Körper zum Blitz. Das Unausdenkbare, sobald es ausgedacht werden kann, geschieht es schon oder ist geschehen; aber der es erleiden muss, dem ist es Rätsel und Grauen. Ich war in Böhmen auf einem Gut, dessen Besitzer seit kurzem geistesgestört war, und zwar aus folgender Ursache. Es war ein reicher Edelmann, ohne Familie und ohne Freunde, ein menschenscheuer Sonderling. Die einzige Person, der er vertraute, war sein Diener, mit dem er fünfundzwanzig Jahre auf dem Schloß gehaust hatte, der für seine Bedürfnisse sorgte, seine Launen kannte und ihm in allem demütig ergeben war. Eines Tages wurde der alte Baron von Todesahnungen geplagt; vielleicht ängstigte ihn die völlige Einsamkeit zum erstenmal; er rief den Diener zu sich in die Stube und sagte ihm, dass er wahrscheinlich bald sterben müsse, und dass er, um ihn für seine Treue und Anhänglichkeit zu belohnen, sich entschlossen habe, ihm den großen Meierhof zu schenken, der an den Schloßpark grenzte. Er möge für den nächsten Morgen den Notar bestellen, damit die Schenkung rechtsgültig festgelegt werde. Der Diener starrte eine Weile stumpf vor sich hin. Während des ganzen Vierteljahrhunderts nämlich, das er mit seinem Herrn verbracht, hatte er nie eine Gemütsbewegung an ihm bemerkt, nie eine Gabe von ihm empfangen, nie ein mildes Wort von ihm gehört. Er fängt an zu stottern; er verfärbt sich, plötzlich stürzt er vor dem Baron auf die Knie, schluchzt vor Zerknirschung und sagt, er sei der Gnade des Herrn unwürdig; er müsse sich eines gräßlichen Vorhabens anklagen, das er dreimal in Tat umsetzen gewollt; dreimal habe er den Plan gefasst, den Herrn umzubringen; dreimal sei er des Nachts unter dem Bett des Herrn gelegen, um ihn im Schlaf zu erwürgen; dreimal habe ihn ein Zufall daran gehindert: einmal der Hahnenschrei; einmal das Schlagen der Pendeluhr; das letztemal, in voriger Nacht erst, das Trompetensignal einer durch die Dorfstraße ziehenden Militärabteilung. Der Baron wusste nichts zu antworten. Er hieß den Diener gehen. Er verabschiedete ihn noch an demselben Tag. Das nachträgliche Entsetzen über die dreimalige nicht gewußte Gefahr, unter Mörderhand zu enden, umnachtete seinen Geist.«
Der Unbekannte hatte einen Ausdruck in den Augen, als schaue er in ein Gewühl, das fern und tief unten war. »Aber ist das nicht auch zu grob, zu tatsächlich, zu zufällig?« fragte er gedankenvoll; »ich greife es heraus, weil es sich herausdrängt. Ich bin zu erfüllt davon. Es haftet auch an der Haut. Und immer ist es aneinandergereiht wie die Käfer auf einem Pappendeckel. Man will beweisen, was man spricht. Ich sehe immer das Exempel. Ich sehe so viele, die ihren Mörder neben sich haben; sie füttern ihn förmlich auf und drücken ihm die Waffe in die Hand. Oft ist es ihr eigener Schatten, der sie mordet, oft ihr Bild in einem Bruder, einer Geliebten, einem Freund. Keiner weiß etwas vom Bruder, von der Geliebten, vom Freund, und es ist wunderlich amüsant, zu erfahren, was er zu wissen vorgibt. Mißverständnisse geben ihnen den stärksten Halt. Es ist überhaupt wunderlich amüsant alles, finden Sie nicht? Immer sehen, immer hören, jede Stunde ausschöpfen, jedes Herz aushorchen! Was hätte ich drum gegeben, wenn ich jenen Diener noch auf dem Gut getroffen hätte! Die fünfundzwanzig Jahre Gehorsam in Schweigen und Haß, was muss da in seinem Gesicht zu lesen gewesen sein! Ich habe ihn lange Zeit gesucht; leider umsonst.«
Er beugte sich vor; die schöngeformten Hände machten eine zaghafte Geste. »Diener! dass es solche gibt!« fuhr er fort; »dass es Knechte gibt, und Türsteher; solche, die Kohlensäcke auf dem Rücken tragen; Schiffszieher; solche, die in Schwefelgruben steigen; solche, die Kloaken säubern; solche, die Bleidämpfe einatmen. Jeder mit seinem ganz besondern Sinn. Einer hat nicht dieselben Finger wie der andere; in zweien sind nicht zwei gleiche Gedanken, und jeder lässt sich die Last aufbürden und schleppt und schleppt. Warum nur? Man kann nicht fertig werden, darüber nachzudenken. Millionen Sklaven keuchen unter der Kette; tausend rebellieren und reißen sich los, und schon zwängen sich tausend neue an ihre Stelle. So mutlos und wundgerieben ist aber keiner, dass er nicht ein Weib bei sich hätte und Kinder mit ihr zeugte, die auch wieder an die Kette geschmiedet werden. Da schwillt das Leiden immer höher. In manchen Ländern steht es bereits so, dass die Kinder mit einem alten finstern Herzen auf die Welt kommen. Ich habe mich davon überzeugt. Ich habe folgendes erlebt. Man geht nichts ahnend hin, und aus dem Erdboden heraus strecken sich einem Kinderarme entgegen, lauter magere Kinderarme wie ein Feld von Strohhalmen; die Fäustchen sind krampfhaft geschlossen, die zarten Gelenke sind rhachitisch. Es ist äußerst merkwürdig: man kann meilenweit wandern, zwischen Fabrikschloten und flammenden Essen, und sie strecken sich einem unabsehbar entgegen, lauter magere Kinderarme, wie Strohhalme, oder wie kleine geschälte Zweige. Manche brechen, manche wachsen, jedenfalls sind es zahllose, und sie versperren einem den Weg. Was sagen Sie dazu? Meinen Sie nicht, dass Ihre Ansicht, die Zeit sei Ihnen entgegen, doch falsch ist? Ist sie nicht geradezu für Sie? Geradezu wie für Sie gemacht? Ist sie nicht wie ein verdorrter Acker, der Bewässerung verlangt, Licht und Wärme? Denken Sie nur an die zahllosen Kinderarme. Sie können sich niederbeugen, die zusammengekrampften Fäustchen öffnen, die frierenden Hände ergreifen. Ich fürchte, das klingt sentimental, aber ich halte es Ihnen als Notwendigkeit vor. Es ist, als schaute man in ein vergiftetes Bassin, wo viele kleine Fische vor dem Krepieren noch ein bisschen zucken. Das einzige Mittel, sie zu retten, ist, neue Quellen und Zuflüsse hineinleiten. Sie sagen, das Werk lasse sich nicht schaffen, weil die Geister und Seelen zerstört sind. Zum Teil ist das ja richtig. Aber war die Auslese der Brauchbaren nicht immer sehr gering? Steht und fällt nicht jedes Werk mit dem einen Hirn, in dem es geboren wird? Und brauchen Sie denn die Menschen? Genügt nicht das Schauspiel von Aufstieg und Sturz, das sie Ihnen bieten? Ist denn der große Lebensteppich zerfetzt oder verbrannt? Sind seine Farben verblaßt? Ist er minder bunt gewirkt als vor zehn, vor hundert, vor tausend Jahren?«
Der Unbekannte schien in einiger Erregung. Der Ton seiner Fragen war dringlich; er hatte die Hände ausgestreckt und sich noch weiter vorgebeugt. »Es scheint mir nicht. Sehen Sie doch hin. Die Paare treten zum Tanz an, der Wein wird ausgeschenkt, die Musik spielt. Es ist ein Haus mit vielen Stockwerken; in dem einen ist Fröhlichkeit, im andern Traurigkeit. Es ist eine Zauberhöhle mit schimmerndem Gestein. Man braucht nicht einmal Aladdins Wunderlampe; die dienenden Geister gehorchen dem, der den Weg gefunden hat. Wozu Gericht? Wozu Verdammung? Nicht einmal urteilen darf man. Zerstörte Geister und Seelen, was heißt das? Ist das eigene Auge und die eigene Seele unzerstört, so ist die Welt unzerstört. Gäbe es eine Hölle wirklich und wären alle ihre Verdammten losgelassen, um aus purer Raserei die Welt zu vernichten, und es fände sich nur ein einziger unter ihnen, der beim Ruf der Erlösung sehnsüchtig stutzt, so würde es sich verlohnen, sie von neuem aufzubauen. Das ist meine Ansicht. Schlagen Sie die Augen empor! Fassen Sie doch, wie ein Kind es tut, das Ungeheure, das Süße, das Schmerzliche, das Blühende, den ungeheuren, überflutenden Reichtum. Freilich ist eines not, wie es auch geschrieben steht. Es steht geschrieben: Von der Neigung zu geliebten Personen musst du so frei sein, dass du, soviel dich anbelangt, ohne alle menschliche Verbindung zu sein wünschest; umso näher kommt der Mensch Gott, je weiter er sich von allem irdischen Trost entfernt. Aber das ist eine harte Aufgabe. Geöffnet sein und im ehernen Panzer; leicht sein und schwer beladen; den Baum hegen, der die seltenen Früchte trägt, und sie nicht für sich pflücken dürfen. Trotzdem ist es köstlich, zu wandeln und die Luft der Erde zu atmen, wenn man die Botschaft versteht, die einem geworden ist.«
Mörner wollte die Hand des Unbekannten ergreifen, doch der Stuhl, auf dem er gesessen, war leer. Seine Brust hob sich mit einer Sturmwelle, er wusste nicht, ob in freudigem, ob in wehem Gefühl. Fragen quollen ihm auf die Lippen, die er an sich selbst richtete, aus einer Morgendämmerung des Herzens heraus: wo gräbst du? wo wächst du? wo wirkst du? wo ist dein Feld? wo ist dein Weg? Aber ehe er sie bedenken konnte, waren sie von einer geisterhaft-entfernten Stimme beantwortet, und er glaubte einen Arm zu gewahren, der ihm eine goldhäutige, strahlende Frucht zeigte. Der Tag rauschte über das Firmament, und er begrüßte ihn. Er war an der Wende angelangt, wo der Ausgleich ist zwischen Finsterem und Hellem, über welchen der Bogen sich wölbt, an den die Sternbilder geheftet sind, Inbegriff allen Schicksals.
Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.
Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.
Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.
1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Was er unter dem Ärgsten verstand, darüber äußerte er sich nicht; die …«
2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Von welchen […] genialer Naturen sind vergangene Umwälzungen begleitet gewesen!«
3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Da ist es aufgerollt, das Gemälde der Katastrophe, meiner und aller derer, die noch gutgläubig oder weil sie sich der schrecklichen Klarheit eine Weile noch verschließen wollen, am Werke sind.«
5. Welcher Ausschnitt kennzeichnet eine Aussage ausdrücklich als Möglichkeit oder Vermutung? Achte auf die Formulierung; entscheide nicht, ob die Aussage tatsächlich wahr ist.
6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse.
A: »Ich konnte ihr Gesicht nur im Spiegel sehen, das totblasse, aber von Begierde, von unbezwinglicher Lebensbegierde über und über bebende Gesicht.«
B: »»es wäre besser, Sie zerrten mich nicht aus der Dumpfheit heraus.«
C: »»Wieso waren Sie sich über das Wichtigste im Klaren?« fragte er und suchte seine Erregung hinter einem gereizten und mürrischen Ton zu verbergen.«
7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Sie war eine robuste Frau, nichts weniger als gefühlsselig, aber sie liebte …«
8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Es war Klage, aber voller Unschuld, so dass es beinahe heiter klang und ich mich zu lächeln nicht […] konnte.«
9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »obwohl« in diesem Textausschnitt? »Sie büßte ihren Frohsinn nach und nach ein, obwohl ihre kräftige und unbefangene Natur sich immer wieder geltend machte, selbst dann noch, als sie bettlägerig wurde und mit jedem Tag mehr verfiel.«
10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »So mutlos und wundgerieben ist aber keiner, dass er nicht ein Weib …«
2Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte
1. Ordne diese Textstelle in den Zusammenhang ein: »beunruhigender, wie wenn man eine Vorratskammer betritt, die man mit Fleiß und«. Was geschieht oder wird hier besprochen? Erkläre in drei bis fünf Sätzen auch, was davor und danach wichtig ist.
Impulse zur Selbstprüfung
Lies die verlinkte Stelle mit ihrer Umgebung. Trenne ausdrücklich Gesagtes von Vermutungen.
2. Vergleiche die beiden Ausschnitte: »beunruhigender, wie wenn man eine Vorratskammer betritt, die man mit Fleiß und« und »und Hellem, über welchen der Bogen sich wölbt, an den die Sternbilder«. Welche Entwicklung, Gemeinsamkeit oder Spannung erkennst du? Begründe mit beiden Textstellen.
Impulse zur Selbstprüfung
Auch eine gleichbleibende Haltung ist ein mögliches Ergebnis. Erfinde keine Entwicklung, wenn sie sich aus dem Text nicht belegen lässt.
Beide Ausschnitte im Zusammenhang gelesen
Eine Gemeinsamkeit oder einen Unterschied erläutert
3. Untersuche die sprachliche Wirkung dieses Ausschnitts: »Was für ein Mensch ist dies? dachte er zwischen zwei Atemzügen, von denen der eine noch Qual war, der nächste schon Hoffnung.«. Wähle ein auffälliges Wort, ein Bild oder eine Formulierung. Erkläre seine Wirkung und begründe eine mögliche andere Lesart.
Impulse zur Selbstprüfung
Es gibt nicht nur eine richtige Interpretation. Prüfe beide Lesarten am Kapitel und benenne, was offen bleibt.
Sprachliches Merkmal am Wortlaut benannt
Wirkung als begründete Deutung formuliert
Alternative Lesart oder Grenze der Deutung erklärt
3Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte
Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.
Niveau 1 · Einstieg
1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »An die Pforte dieses Werkes, das der Verfasser nicht ohne verantwortungsvolles Zagen unternimmt, sei eine Geschichte von hinübergreifender Beziehung gestellt, weniger in sich selber ruhend als sonst Geschichten schlechthin, doch mit nichten Brevier oder Verkündigung, nur Brücke, nur Weiser, und so auch Bild und Gespinnst eher als Vorgang und Ereignis.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Um seine Person war es ihm ja nicht zu tun.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Er war an der Wende angelangt, wo der Ausgleich ist zwischen Finsterem und Hellem, über welchen der Bogen sich wölbt, an den die Sternbilder geheftet sind, Inbegriff allen Schicksals.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Deutschsprachiger Originaltext. Der urheberrechtliche Zeitraum des namentlich belegten Autors ist nach dokumentierten GND-Lebensdaten für Deutschland abgelaufen. Abbildungen und moderne Begleittexte der Ausgangsausgabe werden nicht übernommen.
Der Wendekreis - Erste Folge: Novellen
Wassermann, Jakob: Der Wendekreis - Erste Folge: Novellen, Project Gutenberg eBook 18551.
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Der Wendekreis - Zweite Folge : Oberlins drei Stufen, Sturreganz
Wassermann, Jakob: Der Wendekreis - Zweite Folge : Oberlins drei Stufen, Sturreganz, Project Gutenberg eBook 18552.
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Originalsprache · Deutsch
Unveränderte deutsche Quellfassung; die andere Spalte bietet eine gesonderte Lesefassung. Beide Ansichten gehören zu demselben Werk.
Wassermann, Jakob: Der Wendekreis - Erste Folge: Novellen, Project Gutenberg eBook 18551.
Die Fassungen folgen den jeweils angegebenen Quellen; ihre Gliederung kann abweichen.
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