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Buch - Der Unbestechliche - Hofmannsthal, Hugo von

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Originalwerk · Lesefassung

Der Unbestechliche

Hofmannsthal, Hugo von · 1923

Der Unbestechliche von Hofmannsthal, Hugo von. Volltext der angegebenen Ausgabe mit textbezogenen Leseaufgaben.

DramaKlasse 11–137 Abschnitte
Porträt von Hofmannsthal, Hugo von; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Porträt · Hofmannsthal, Hugo von · Urheber auf der Commons-Dateiseite nicht angegeben · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht einordnen.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 3 von 7

1. Akt

1
Erste Szene
Vorlage S. 452
2
DIE JUNGFER.
Vorlage S. 452
3
Das ist wieder eine Anordnung vom Theodor.
Vorlage S. 452
4
Ab.
Vorlage S. 452
5
BESCHLIESSERIN
Vorlage S. 452
6
eilig auftretend.
Vorlage S. 452
7
Ist die Frau Baronin nicht da? Es wäre notwendig, ihren Rat einzuholen. Rasch ab.
Vorlage S. 452
8
GÄRTNER
Vorlage S. 452
9
eilig auftretend.
Vorlage S. 452
10
Theodor, die Dispositionen müssen geändert werden. Wir haben zu wenig Zimmer. Rasch ab.
Vorlage S. 452
11
Alles ist im größten Tempo zu spielen.
Vorlage S. 452
12
BESCHLIESSERIN
Vorlage S. 452
13
tritt eilig wieder auf.
Vorlage S. 452
14
Ist die Frau Baronin nicht da?
Vorlage S. 452
15
GÄRTNER
Vorlage S. 452
16
tritt eilig wieder auf.
Vorlage S. 452
17
Ist die Frau Baronin nicht da?
Vorlage S. 452
18
JUNGFER
Vorlage S. 452
19
tritt eilig wieder auf.
Vorlage S. 452
20
Ist die Frau Baronin nicht da?
Vorlage S. 452
21
Sie treten alle drei zugleich von verschiedenen Seiten auf.
Vorlage S. 452
22
JUNGFER
Vorlage S. 452
23
mustert den Gärtner.
Vorlage S. 452
24
In der Livree wollen Sie mitservieren? Wer hat das angeordnet?
Vorlage S. 452
25
BESCHLIESSERIN.
Vorlage S. 452
26
Wenn man auf mich gehört hätte, – – wenn man die Einteilung so gemacht hätte, wie ich vorgeschlagen, und hätte dem Fräulein Am Rain das kleine Jägerzimmer neben der Frau von Galattis gegeben – –
Vorlage S. 452
27
Zweite Szene
Vorlage S. 453
28
Baronin ist von links eingetreten, ein Telegramm in der Hand. Jungfer macht der Beschließerin ein Zeichen, sie solle schweigen.
Vorlage S. 453
29
BARONIN.
Vorlage S. 453
30
Machen Sie kein Geschwätz, Wallisch, Anordnungen treffe ich, und zu ihrer Durchführung ist der Theodor eingesetzt, und damit basta! Zur Jungfer. Den Kutscher will ich sehen, – wie er ist, in der Stalljacke, in Hemdsärmeln, wie er ist!
Vorlage S. 453
31
JUNGFER
Vorlage S. 453
32
geht durch die Glastür.
Vorlage S. 453
33
BARONIN
Vorlage S. 453
34
liest indessen das Telegramm.
Vorlage S. 453
35
Eintreffe Zollerndorf, drei Uhr elf, herzlich Melanie. Das Telegramm ist in der Früh dagelegen – – heißt das jetzt heute oder morgen? Eine zu dumme Form! Kann sie nicht hinschreiben »Mittwoch«!? Was hat sie nur »Melanie« zu unterschreiben? So intim sind wir nicht! – – Und drei Uhr elf kommt kein Schnellzug an, soviel ich weiß – Kann dieses Spatzengehirn von einer Modepuppe nicht ordentlich im Fahrplan nachschauen? Den Gärtner bemerkend. Wer hat denn Sie in dieses Faschingskostüm gesteckt?
Vorlage S. 453
36
BESCHLIESSERIN.
Vorlage S. 453
37
Das sind, Euer Gnaden Frau Baronin, diese Bosheiten, diese Willkürlichkeiten, die sich der Theodor gegen jeden einzelnen von uns herausnimmt!
Vorlage S. 453
38
BARONIN.
Vorlage S. 453
39
Wallisch, ich habe Sie nicht um Ihre Ansicht gefragt! Zum Gärtner. Und Sie – hinaus! – Als Jäger anziehen, grauen Rock, graue Hose und grüne Lampas – Um vier Uhr dreißig gestellt zum Tee! Abtreten!
Vorlage S. 453
40
GÄRTNER
Vorlage S. 453
41
macht rechtsum kehrt und geht.
Vorlage S. 453
42
BARONIN.
Vorlage S. 453
43
Sind die Fremdenzimmer endlich vorbereitet?
Vorlage S. 453
44
BESCHLIESSERIN.
Vorlage S. 453
45
Ich bitte gehorsamst, dass ich davon nichts gewusst habe, wenn jetzt plötzlich die Frau von Galattis allein kommt ohne den Herrn Gemahl – wenn der Theodor nicht der Mühe wert befindet, mich zu verständigen, wenn angeordnet und wieder umgestoßen wird – –
Vorlage S. 453
46
BARONIN.
Vorlage S. 453
47
Kein Wort mehr über den Theodor! Genug!
Vorlage S. 453
48
Dritte Szene
Vorlage S. 454
49
Jungfer mit dem Kutscher kommt über die Terrasse.
Vorlage S. 454
50
Der Kutscher ist in Stalljacke und einer Schürze.
Vorlage S. 454
51
Beschließerin wartet noch einen Augenblick, geht dann ab.
Vorlage S. 454
52
BARONIN
Vorlage S. 454
53
zum Kutscher.
Vorlage S. 454
54
Es sind auf beiden Bahnhöfen Gäste abzuholen. – Da – Gibt ihm das Telegramm. Erkundigen Sie sich auf der Station, wann der Zug ankommt, von dem hier so beiläufig die Rede ist.
Vorlage S. 454
55
KUTSCHER
Vorlage S. 454
56
nimmt das Telegramm und behälts in der Hand.
Vorlage S. 454
57
Melde gehorsamst, das geht nicht.
Vorlage S. 454
58
BARONIN.
Vorlage S. 454
59
Was geht schon wieder nicht?
Vorlage S. 454
60
KUTSCHER.
Vorlage S. 454
61
Zweierlei Abholungen am heutigen Nachmittag. Die Schimmel müssen geschont werden.
Vorlage S. 454
62
BARONIN.
Vorlage S. 454
63
Nehmen Sie die Mascotte in die Gabel vorm Dogcart, Himmel Herrgott!
Vorlage S. 454
64
KUTSCHER.
Vorlage S. 454
65
Melde gehorsamst, das geht nicht! Auf der Mascotte ist der Stallbursch in die Stadt geritten, den Schlosser holen.
Vorlage S. 454
66
BARONIN.
Vorlage S. 454
67
Jetzt?!
Vorlage S. 454
68
KUTSCHER.
Vorlage S. 454
69
Befehl vom jungen Herrn Baron! Es ist eine Dachreparatur, sehr dringend, bevor die Gäste da sind.
Vorlage S. 454
70
BARONIN.
Vorlage S. 454
71
Richten Sie sich ein, wie Sie können. Ihr »Das geht nicht« will ich nicht mehr hören! Warum geht denn alles, wenn der Theodor dahinter ist? Genug! Gehen Sie, bevor ich mich ärgere!
Vorlage S. 454
72
General öffnet ein bißchen die Tür links, steckt den Kopf durch den Spalt und verschwindet wieder.
Vorlage S. 454
73
KUTSCHER.
Vorlage S. 454
74
Melde gehorsamst, der Theodor versteht nichts vom Stalldienst. Ab.
Vorlage S. 454
75
Vierte Szene
Vorlage S. 455
76
GENERAL
Vorlage S. 455
77
kommt sofort, wie er die Baronin allein sieht, herein.
Vorlage S. 455
78
Amelie! Sie ärgern sich –
Vorlage S. 455
79
BARONIN.
Vorlage S. 455
80
Ich ärgere mich nicht, meine Dienstleute ärgern mich! Der Theodor hat mir am Ersten gekündigt! Heute ist der vierzehnte Tag, und er hat seine Kündigung bis zu dieser Stunde nicht zurückgenommen und sich obendrein krank gemeldet.
Vorlage S. 455
81
GENERAL.
Vorlage S. 455
82
Der Theodor! Das ist ja –
Vorlage S. 455
83
Er bleibt stehen.
Vorlage S. 455
84
BARONIN.
Vorlage S. 455
85
Das ist von allen Dingen auf der Welt, die hätten passieren können, ungefähr das einzige, mich vollkommen aus der Fassung zu bringen. Wenn es das ist, was Sie sagen wollen, Ado – dann haben Sie das Richtige zu sagen vorgehabt.
Vorlage S. 455
86
GENERAL.
Vorlage S. 455
87
Ja, wie ist denn das möglich! Das kann sich ein Dienstbote nicht unterstehen.
Vorlage S. 455
88
BARONIN.
Vorlage S. 455
89
Sie wissen sehr genau, Ado, dass der Theodor kein Dienstbote ist, sondern eben – der Theodor. Und außerdem hab ich ihm bei einem gewissen Anlass vor zwei Jahren schriftlich gegeben –
Vorlage S. 455
90
GENERAL.
Vorlage S. 455
91
Sie sind zu gut, Amelie!
Vorlage S. 455
92
BARONIN.
Vorlage S. 455
93
– dass er jederzeit berechtigt sein soll, den Wunsch erkennen zu geben, sich auf seinen Ruhesitz zurückzuziehen, das kleine Anwesen mit der Mühle, das er von seiner Großmutter geerbt hat in seiner Heimat irgendwo in den Waldkarpathen, wo sich die Wölfe gute Nacht sagen.
Vorlage S. 455
94
GENERAL.
Vorlage S. 455
95
Ja, und dieser Kerl hat nicht so viel Herz, so viel Anhänglichkeit an Sie –
Vorlage S. 455
96
BARONIN
Vorlage S. 455
97
geht auf und nieder.
Vorlage S. 455
98
Ich bin ihm genau so gleichgiltig, wie allen Menschen eine Frau meines Alters ist.
Vorlage S. 455
99
GENERAL.
Vorlage S. 455
100
Amelie, das sagen Sie mir!
Vorlage S. 455
101
BARONIN.
Vorlage S. 455
102
Alte Frauen sind fremden Menschen langweilig, ihren Angehörigen lästig und ihren Enkeln ein Schrecken. Ich weiß das.
Vorlage S. 455
103
GENERAL
Vorlage S. 455
104
leise.
Vorlage S. 455
105
Ich existiere nur in Ihnen.
Vorlage S. 455
106
BARONIN.
Vorlage S. 455
107
Sie sind sentimental, Ado, und sentimentale Menschen sind kritiklos und wissen selbst nicht, was in ihnen vorgeht. Boshaft wie ein verwöhntes Kind. Wenn man mir aber zumutet, von heut auf morgen den einzigen Domestiken zu entbehren, dessen Umsicht und Verlässlichkeit mir noch ermöglicht, in dieser odiosen Welt eine einigermaßen erträgliche Existenz zu führen, wenn man mir die Krücke aus der Hand windet, Sie stößt mit dem Stock auf den Boden. an der ich noch mit einem Rest von Dezenz durch das Leben humple –
Vorlage S. 455
108
GENERAL
Vorlage S. 456
109
mit einer fliegenden Röte, die sein Gesicht plötzlich sehr jung macht.
Vorlage S. 456
110
Ich werde selbst den Theodor in seinem Zimmer aufsuchen. Er war vor siebenundzwanzig Jahren Ulan in meiner Schwadron – er hat noch militärischen Geist in sich. Er hält ja heute noch Rapporte mit der Dienerschaft.
Vorlage S. 456
111
BARONIN.
Vorlage S. 456
112
Nur um Gottes willen keinen martialischen Ton, Ado. Sie kennen seine krankhafte Empfindlichkeit! – Aber vielleicht, dass wieder irgendwelche außerordentliche Konzessionen –
Vorlage S. 456
113
GENERAL.
Vorlage S. 456
114
Zu denen Sie also bereit wären?
Vorlage S. 456
115
BARONIN.
Vorlage S. 456
116
Zu jeder!
Vorlage S. 456
117
GENERAL.
Vorlage S. 456
118
Ich gehe – Amelie.
Vorlage S. 456
119
Er bleibt aber stehen.
Vorlage S. 456
120
JAROMIR
Vorlage S. 456
121
kommt über die Terrasse, tritt durch die Glastür ein.
Vorlage S. 456
122
Wohin denn, Ado?
Vorlage S. 456
123
GENERAL
Vorlage S. 456
124
im Abgehen.
Vorlage S. 456
125
Ich habe eine Mission.
Vorlage S. 456
126
Fünfte Szene
Vorlage S. 456
127
JAROMIR.
Vorlage S. 456
128
Ah, ich höre, der Theodor hat sich zur Abwechslung in den Schmollwinkel zurückgezogen! Ich hab dirs gesagt, Mama, wie er vor vier Jahren, kurz nach meiner Heirat, sein Bon plaisir zu erkennen gegeben hat, aus meinen Diensten wieder in deine zurückzutreten. Ich kann ihn nach siebzehnjährigem Beisammensein nicht mehr aushalten – wenn du es versuchen willst, à la bonne heure! Er ist ja eine Perle und in seiner Klasse ein ungewöhnlicher Mensch, aber er liebt Szenen – und da mir Szenen beiläufig das Verhaßteste auf der Welt sind – und da ich hauptsächlich darum eine äußerst vernünftige und friedfertige kleine Frau geheiratet habe, um in meinen reiferen Jahren mich friedlich umgeben zu wissen –
Vorlage S. 456
129
BARONIN.
Vorlage S. 457
130
Der Theodor ist ein ganz ausgezeichneter Mensch!!
Vorlage S. 457
131
JAROMIR.
Vorlage S. 457
132
Aber ohne Frage, ein Erzengel. Aber ich vertrage eben nicht, einen Erzengel zum Diener zu haben, in dem alle paar Monate lang der Machtkitzel erwacht, mir zu zeigen, dass er der Stärkere von uns beiden ist.
Vorlage S. 457
133
BARONIN
Vorlage S. 457
134
geht geärgert auf und ab, raucht.
Vorlage S. 457
135
Du scheinst die Möglichkeiten dessen, was ein beschränktes Hauspersonal leisten kann, etwas zu überschätzen, mein Lieber, sonst hättest du nicht heute, an dem Tag, wo deine verschiedenen Freundinnen von sämtlichen Bahnhöfen abzuholen sind, den zweiten Kutscher zu Pferd in die Stadt geschickt, um den Schlosser für eine schließlich gleichgiltige Dachreparatur herzubestellen –
Vorlage S. 457
136
JAROMIR.
Vorlage S. 457
137
Pardon, Mama, gerade diese Dachreparatur ist unaufschieblich. Es ist unmöglich, in der Nacht ein Auge zuzumachen, wenn eine losgerissene Dachrinne an ein wackelndes Eisengitter schlägt, – das muss ich als Bewohner der Mansarde wissen.
Vorlage S. 457
138
BARONIN
Vorlage S. 457
139
stehend.
Vorlage S. 457
140
Du hast dir oben ein Schreibzimmer eingerichtet, höre ich. Aber du schläfst doch nicht oben?
Vorlage S. 457
141
JAROMIR.
Vorlage S. 457
142
Allerdings – seit einer Woche.
Vorlage S. 457
143
BARONIN.
Vorlage S. 457
144
Ah?
Vorlage S. 457
145
JAROMIR.
Vorlage S. 457
146
Seit die Baby in der Nacht mit den Zähnen so unruhig ist, hat Anna darauf bestanden, dass ich mich umquartiere.
Vorlage S. 457
147
BARONIN
Vorlage S. 457
148
geht auf und nieder.
Vorlage S. 457
149
Auch deine diversen Freundinnen sind jedenfalls sehr große Verhältnisse gewohnt.
Vorlage S. 457
150
JAROMIR.
Vorlage S. 457
151
Wie meinst du das, Mama?
Vorlage S. 457
Porträt von Hofmannsthal, Hugo von; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Kontextbild zum Werk. Porträt · Hofmannsthal, Hugo von · Urheber auf der Commons-Dateiseite nicht angegeben · Public domain Bildquelle ↗
152
BARONIN.
Vorlage S. 457
153
– Häuser gewohnt, wo es gar keine Umstände macht, wenn man im letzten Moment seine Dispositionen abändert.
Vorlage S. 457
154
JAROMIR.
Vorlage S. 457
155
Inwiefern?
Vorlage S. 457
156
BARONIN.
Vorlage S. 457
157
Er, Galattis, erscheint also plötzlich nicht oder erscheint erst später – Madame kommt allein.
Vorlage S. 457
158
JAROMIR.
Vorlage S. 458
159
Die Melanie Galattis kommt allein! Ah, da bin ich sehr überrascht. Das tut mir leid. Ich habe auf ihn gerechnet.
Vorlage S. 458
160
BARONIN
Vorlage S. 458
161
stehenbleibend.
Vorlage S. 458
162
Da bist du überrascht? So. – Und ihre Jungfer bringt sie plötzlich auch nicht mit. Man richtet also die Turmzimmer für drei Personen ein, es erscheint eine.
Vorlage S. 458
163
JAROMIR
Vorlage S. 458
164
scheinbar sehr erstaunt und amüsiert.
Vorlage S. 458
165
Die Melanie kommt ohne Jungfer! So eine bizarre Frau! Ich hätte nicht gedacht, dass sie ohne Jungfer eine Nacht in einer Jagdhütte verbringen würde. Aber so ist sie, unberechenbar. Sie wird dich unterhalten.
Vorlage S. 458
166
BARONIN
Vorlage S. 458
167
wieder auf und ab.
Vorlage S. 458
168
Frauen unterhalten mich selten! Besonders nicht, wenn ich sie durch längere Zeit sehen muss.
Vorlage S. 458
169
JAROMIR.
Vorlage S. 458
170
Und meine Idee war gerade, dass eine solche Anwesenheit von ein paar neuen Gestalten dich zerstreuen würde –
Vorlage S. 458
171
BARONIN.
Vorlage S. 458
172
Das war einer der Irrtümer, in die jüngere Angehörige in bezug auf ältere öfter verfallen.
Vorlage S. 458
173
JAROMIR.
Vorlage S. 458
174
Dann darfst du dich wenigstens absolut nicht stören lassen, durch die Gäste ebensowenig wie durch uns und die Kinder. Das ist mein und Annas einziger Wunsch.
Vorlage S. 458
175
BARONIN
Vorlage S. 458
176
grimmig.
Vorlage S. 458
177
Ich bin euch für den Wunsch sehr verbunden. Sie stößt plötzlich den Stock auf den Boden. Himmelherrgott – Ruft. Theodor! – Wenn dieser Herr Galattis jetzt plötzlich wegbleibt, so ist doch das Bridge über den Haufen geworfen! Da muss ich ja noch Knall und Fall jemanden herschaffen! Ruft. Theodor! Besinnt sich. Hört denn wieder kein Mensch! Milli!
Vorlage S. 458
178
JAROMIR.
Vorlage S. 458
179
Aber Mama, schone doch deine Nerven. So wird eben nicht Bridge gespielt werden.
Vorlage S. 458
180
BARONIN.
Vorlage S. 458
181
Und die Abende?
Vorlage S. 458
182
JAROMIR.
Vorlage S. 459
183
Man wird plaudern, man wird ein bissl im Park umhergehen. – Jedenfalls führst du das Leben, das dir konveniert, ungestört weiter, die Anna das ihre – ich das meine. Ich denke zum Beispiel nicht daran, eine der Damen selbst von der Bahn abzuholen –
Vorlage S. 459
184
BARONIN.
Vorlage S. 459
185
Ah, du willst das uns überlassen? Reizend von dir!
Vorlage S. 459
186
JAROMIR.
Vorlage S. 459
187
Du schickst den Wagen hinaus – und bleibst vollkommen ungestört hier – indessen ich einen Spaziergang mache und mit mir und meinen Gedanken allein bin. Ich habe seit letzter Zeit, es muss das mit meinem vorgerückten Alter zu tun haben, ein ungeheures Einsamkeitsbedürfnis.
Vorlage S. 459
188
BARONIN.
Vorlage S. 459
189
Dann war es ein außerordentlich glücklicher Gedanke, dir das Haus voller Gäste zu laden!
Vorlage S. 459
190
JAROMIR.
Vorlage S. 459
191
Man isoliert sich nie so leicht, als wenn das Haus voller Gäste ist. Ich werde jedenfalls die Vormittage durchaus unsichtbar sein.
Vorlage S. 459
192
BARONIN.
Vorlage S. 459
193
Du schreibst wieder?
Vorlage S. 459
194
JAROMIR
Vorlage S. 459
195
bejaht stumm.
Vorlage S. 459
196
BARONIN.
Vorlage S. 459
197
Und du wirst es wieder drucken lassen? Amüsiert dich das so sehr?
Vorlage S. 459
198
JAROMIR.
Vorlage S. 459
199
Ich weiß nicht, was du meinst? Es ist üblich, dass man geistige Erzeugnisse durch die Druckpresse verbreitet –
Vorlage S. 459
200
BARONIN.
Vorlage S. 459
201
Natürlich, wenn man ein Autor ist –
Vorlage S. 459
202
JAROMIR.
Vorlage S. 459
203
Ich weiß nicht genau, Mama, worin du das Kriterium siehst, das mich von dieser Klasse von Menschen abtrennen würde. Für die Welt bin ich nämlich ein Autor, der meines ersten Buches. Mein Roman ist sehr anerkennend besprochen worden, er hat ein gewisses Aufsehen gemacht.
Vorlage S. 459
204
BARONIN.
Vorlage S. 459
205
Das Kriterium sehe ich darin, mein lieber Jaromir, dass die Berufsschriftsteller etwas erfinden, während du, der du eben keiner bist, und auch keiner zu sein verpflichtet bist, dich in deinem sogenannten Roman damit begnügt hast, dich selber und deine eigenen Gefühle und Ansichten zu Papier zu bringen, auf Draht gezogen mit Hilfe einiger Vorfälle aus deiner engeren Erfahrung, die ich weder interessant noch mitteilenswürdig finde, die aber vielleicht drei bis vierhundert Personen veranlaßt haben, das Buch zu kaufen, in der Hoffnung, in der sie dann allerdings enttäuscht worden sind, darin etwas handgreiflichere und indiskretere Details über persönliche Bekannte zu finden, als ihnen tatsächlich darin aufzustöbern gelungen ist.
Vorlage S. 459
206
JAROMIR.
Vorlage S. 460
207
Ich danke dir, Mama, dass du nicht gesagt hast: Steht auf. noch handgreiflichere und indiskretere Details, aber ich glaube, das ist ein Thema, in dem wir nicht weiterkommen. Ich darf also noch einmal wiederholen, dass ich in bezug auf den Aufenthalt der Damen gar keine speziellen Wünsche habe und alles – aber alles! – deinem Gutdünken und der bewährten Umsicht und Tatkraft deines Theodor überlasse – und um halb fünf zum Tee natürlich erscheinen werde. Verneigt sich und geht ab über die Terrasse.
Vorlage S. 460
208
Sechste Szene
Vorlage S. 460
209
BARONIN
Vorlage S. 460
210
vor sich.
Vorlage S. 460
211
Jetzt sind wir also, da die Melanie allein kommt, plötzlich sechs zum Bridge, statt sieben. Bleibt die Wahl, ob man den Forstrat, der so laut atmet wie ein Küniglhas, oder den affektierten Bezirkskommissär ... Ruft nach links. Theodor! Erinnert sich, stampft auf den Boden, ruft. Milli!
Vorlage S. 460
212
Die Tür links wird halb geöffnet und Anna mit dem kleinen Jaromir treten ein.
Vorlage S. 460
213
DER KLEINE JAROMIR
Vorlage S. 460
214
läuft hin, küßt der Baronin die Hand, sieht sich um.
Vorlage S. 460
215
Wo ist denn der Onkel Ado?
Vorlage S. 460
216
BARONIN
Vorlage S. 460
217
zu Anna.
Vorlage S. 460
218
Was sagst du dazu, dass plötzlich der Galattis nicht mitkommt?
Vorlage S. 460
219
ANNA.
Vorlage S. 460
220
Aber Mama, das haben wir ja schon vor ein paar Tagen gewusst. Hat dir denn der Jaromir –
Vorlage S. 460
221
BARONIN.
Vorlage S. 460
222
Keine Silbe. Er schien sehr erstaunt darüber.
Vorlage S. 460
223
ANNA.
Vorlage S. 460
224
Du musst verzeihen, es ist seine Arbeit, die braucht ein solches Maß von Vertiefung, dass er für alle anderen Sachen zerstreut ist. Du weißt, er schreibt wieder ein Buch.
Vorlage S. 460
225
BARONIN
Vorlage S. 461
226
bei ihren Gedanken.
Vorlage S. 461
227
Ich hab gehört, sie bringt auch keine Jungfer mit. Es ist doch unmöglich, eine junge Frau mutterseelenallein in dem Turmzimmer wohnen zu lassen, wo weit und breit kein Mensch zu errufen ist.
Vorlage S. 461
228
ANNA.
Vorlage S. 461
229
Aber der Jaromir wohnt doch jetzt oben in der Mansarde.
Vorlage S. 461
230
BARONIN.
Vorlage S. 461
231
Das hör ich. Das heißt, vor zwei Minuten hab ich es gehört.
Vorlage S. 461
232
ANNA.
Vorlage S. 461
233
Also, wenn sie Bedienung braucht, wird sie läuten, und wenn sie sich ängstigt, was übrigens gar nicht in ihrem Charakter liegt, so ist das Fenster von Jaromir fünf Meter von ihrem Balkon, und er hört, wenn sie noch so leise ruft – also ist kein Grund, sich über Zimmereinteilung zu beunruhigen.
Vorlage S. 461
234
Baronin wirft ihr einen Blick zu und konstatiert die völlige Harmlosigkeit von Annas Miene.
Vorlage S. 461
235
DER KLEINE JAROMIR.
Vorlage S. 461
236
Mami –
Vorlage S. 461
237
ANNA.
Vorlage S. 461
238
Sei still. Zur Baronin. Und was das Abholen betrifft, so werd ich mich sofort herrichten und werd der Melanie entgegenfahren, ich möcht besonders artig zu ihr sein, weil sie doch früher – vor unserer Heirat – eine große Freundin von Jaromir war, – und die Marie Am Rain holt der Dogcart ab. – Der Jaromir darf unter keiner Bedingung durch irgend etwas, was mit den Gästen zusammenhängt, belastet werden. Er hat mir das erklärt: er ist, wenn er an einem Werk arbeitet, von einer einfach nicht vorstellbaren Empfindlichkeit und Verstimmbarkeit.
Vorlage S. 461
239
BARONIN.
Vorlage S. 461
240
Er lässt sich sehr gehen, der gute Jaromir.
Vorlage S. 461
241
ANNA.
Vorlage S. 461
242
Ich glaub, Mama, davon haben wir beide keine Vorstellung, was in einem solchen Phantasiemenschen vorgeht, wenn in diese innere Einsamkeit plötzlich die Menschen sich eindrängen –
Vorlage S. 461
243
DER KLEINE JAROMIR.
Vorlage S. 461
244
Großmama, der Theodor hat mir erlaubt, wenn er einmal krank ist, so darf ich ihn besuchen. Aber allein darf man nie in sein Zimmer gehen – es ist eine Zauberei im Zimmer, die macht, dass man eins zwei den Fuß nicht vom Boden wegkriegen kann und so stehen muss, bis der Theodor kommt und einen mit einem Sprüchel wieder losmacht.
Vorlage S. 461
245
ANNA.
Vorlage S. 462
246
Aber Bubi, wer wird denn solchen Unsinn glauben?
Vorlage S. 462
247
Siebente Szene
Vorlage S. 462
248
General kommt wieder von links.
Vorlage S. 462
249
BARONIN.
Vorlage S. 462
250
Also nichts ausgerichtet? Ich seh! Ich seh ja schon!
Vorlage S. 462
251
DER KLEINE JAROMIR.
Vorlage S. 462
252
Warst du beim Theodor, Onkel Ado? Liegt er im Bett? Hat er ein seidenes Kappel auf?
Vorlage S. 462
253
BARONIN
Vorlage S. 462
254
ungeduldig.
Vorlage S. 462
255
Also was wars denn, Ado?
Vorlage S. 462
256
GENERAL.
Vorlage S. 462
257
Er sagt, er wäre überrascht und betroffen davon, dass Sie Ihrerseits überrascht seien – wo Sie doch vor vierzehn Tagen seine Kündigung zur Kenntnis genommen hätten –, es scheint, dass dieses Ignorieren Ihrerseits die Sache verschlimmert hat, liebe Baronin.
Vorlage S. 462
258
BARONIN.
Vorlage S. 462
259
Aber es muss doch eine tatsächliche Ursache haben. Er tut mir doch so etwas nicht ohne eine schwerwiegende Ursache –
Vorlage S. 462
260
GENERAL.
Vorlage S. 462
261
Es war nicht möglich, ihn auf irgendeine Einzelheit zu bringen. Er hat mir nur die vier Dutzend Krawatten gezeigt – die er beim Servieren trägt. Er sagt, er ist heute nach Mitternacht aufgestanden und hat sie einsam in seinem Zimmer gebügelt, um sie heute der Beschließerin zu übergeben, und die Gedanken, die ihm während dieses Bügelns durch sein Inneres gegangen seien, die könnte er in diesem Leben niemandem offenbaren.
Vorlage S. 462
262
BARONIN.
Vorlage S. 462
263
Er gibt der Beschließerin die Krawatten ab! Dann betrachtet er sich ja schon als aus dem Dienst getreten!
Vorlage S. 462
264
DER KLEINE JAROMIR.
Vorlage S. 462
265
Mami, darf ich jetzt zum Theodor hinaufgehen?
Vorlage S. 462
266
ANNA.
Vorlage S. 462
267
Ja, lauf hinauf und sag dem Theodor, dass ich zu ihm hinaufkommen und mit ihm sprechen will. Sag: in drei Minuten.
Vorlage S. 462
268
DER KLEINE JAROMIR.
Vorlage S. 463
269
Ja, Mami. Läuft fort.
Vorlage S. 463
270
Achte Szene
Vorlage S. 463
271
BARONIN.
Vorlage S. 463
272
Du –
Vorlage S. 463
273
GENERAL
Vorlage S. 463
274
zu Anna.
Vorlage S. 463
275
Aber das ist doch unmöglich, Baronin, eine junge Frau wie Sie – er liegt schließlich im Bett –
Vorlage S. 463
276
BARONIN.
Vorlage S. 463
277
Lassen Sie sie, wenn sie will. Sie ist sehr in der Gnad beim Theodor. Vielleicht erreicht sie etwas.
Vorlage S. 463
278
ANNA.
Vorlage S. 463
279
Ich hab zwar das Gefühl, dass er mich haßt.
Vorlage S. 463
280
BARONIN.
Vorlage S. 463
281
Im Gegenteil!
Vorlage S. 463
282
ANNA.
Vorlage S. 463
283
Er hat manchmal eine Art, mich anzuschauen, als ob er mich fressen wollte.
Vorlage S. 463
284
GENERAL.
Vorlage S. 463
285
Glauben Sie mir, Baronin, hinter diesem Blick ist nicht so viel von Liebe oder Anhänglichkeit.
Vorlage S. 463
286
BARONIN.
Vorlage S. 463
287
Vielleicht haßt er uns und liebt uns zugleich?
Vorlage S. 463
288
GENERAL.
Vorlage S. 463
289
Zugleich?
Vorlage S. 463
290
BARONIN.
Vorlage S. 463
291
Abwechselnd. Ich kann mich da ganz gut hineindenken.
Vorlage S. 463
292
GENERAL.
Vorlage S. 463
293
Sie können sich schon wieder in dieses Subjekt hineindenken! Und mir ist alles an ihm unbegreiflich.
Vorlage S. 463
294
Neunte Szene
Vorlage S. 463
295
DER KLEINE JAROMIR
Vorlage S. 463
296
schießt wie ein Pfeil zur Tür hinein.
Vorlage S. 463
297
Er wird gleich herunterkommen.
Vorlage S. 463
298
BARONIN.
Vorlage S. 463
299
Wer?
Vorlage S. 463
300
DER KLEINE JAROMIR.
Vorlage S. 463
301
So ist er aus dem Bett gesprungen, Zeigt, indem er blitzschnell drei Treppenstufen herunterspringt. wie ich ihm gesagt hab, dass die Mami zu ihm kommen will und hat gesagt: Ich werde mich sofort anziehen und unten im Salon erscheinen, – und warum er von uns weggehen will, hab ich ihn gefragt, und da hat er gesagt: das Ganze passt ihm nicht, und er wirds der Großmama schon erklären. – Aber auf mich ist er nicht bös, und wenn die Mami es erlaubt, so nimmt er mich mit auf seine Mühle, und die steht mitten im Wald, und auf einem großen alten Eichenbaum hoch oben ist ein Zimmerl aus Lindenholz, ganz wie ein Vogelkäfig, dort sitzen wir dann bis Mitternacht und zaubern mitsammen.
Vorlage S. 463
302
BARONIN.
Vorlage S. 464
Max Liebermann – Garten des Waisenhauses in Amsterdam. Vergleichsbild zu Garten, Alltag und Gemeinschaft; keine Buchillustration.
Kontextbild zum Werk. Garten eines Amsterdamer Waisenhauses · Max Liebermann · Public domain Bildquelle ↗
303
Das Ganze passt ihm nicht – hat er gesagt: nicht mehr oder nicht, Bubi?
Vorlage S. 464
304
DER KLEINE JAROMIR.
Vorlage S. 464
305
Das weiß ich nicht mehr.
Vorlage S. 464
306
ANNA.
Vorlage S. 464
307
Das wird sich ja alles ganz gut aufklären und ebnen lassen. Somit bin ich hier überflüssig, und küß die Hand, Mama. Ich fahr auf die Station. Geht ab mit dem kleinen Jaromir.
Vorlage S. 464
308
Zehnte Szene
Vorlage S. 464
309
GENERAL
Vorlage S. 464
310
seufzt und schüttelt den Kopf.
Vorlage S. 464
311
Das ist schrecklich!
Vorlage S. 464
312
BARONIN.
Vorlage S. 464
313
Was irritiert Sie, Ado?
Vorlage S. 464
314
GENERAL.
Vorlage S. 464
315
Dass es gerade im Juni hat sein müssen, dass eine solche Unruhe dieses Haus erfüllt.
Vorlage S. 464
316
BARONIN
Vorlage S. 464
317
zerstreut, sie glaubt gehört zu haben, daß es klopft.
Vorlage S. 464
318
Was hat das mit dem Juni zu tun?
Vorlage S. 464
319
GENERAL.
Vorlage S. 464
320
Amelie, es sind mehr als dreißig Jahre her, am elften Juni, dass Sie – dass ich – wissen Sie wirklich dieses Datum nicht mehr?
Vorlage S. 464
321
BARONIN.
Vorlage S. 464
322
Ado, Sie sind ein Mathematiker, mit Ihren ewigen Ziffern! Mich interessieren Ziffern nicht!
Vorlage S. 464
323
GENERAL.
Vorlage S. 464
324
Amelie, die Zeit ist doch gar nichts – wenn ich Sie so vor mir sehe – da existiert doch nichts, als dass Sie da sind!
Vorlage S. 464
325
Es klopft.
Vorlage S. 464
326
BARONIN.
Vorlage S. 464
327
Herein! – Pardon, Ado, es hat geklopft.
Vorlage S. 464
328
Elfte Szene
Vorlage S. 465
329
GENERAL.
Vorlage S. 465
330
Es klopft immer, wenn ich ein bisschen mit Ihnen sprechen will.
Vorlage S. 465
331
THEODOR
Vorlage S. 465
332
tritt ein, nicht in Livree, sondern in einem schwarzen Röckchen und dunklen Beinkleidern.
Vorlage S. 465
333
Ich habe mir erlaubt anzuklopfen, weil ich heute sozusagen als wie ein Besuch meine Aufwartung mache, aber da ich sehe, dass ich unbedingt störe –
Vorlage S. 465
334
BARONIN
Vorlage S. 465
335
wirft einen verzweifelten Blick auf den General.
Vorlage S. 465
336
GENERAL.
Vorlage S. 465
337
Aber im Gegenteil. Bleiben Sie hier, lieber Theodor, und sprechen sich aus. Ich werde indessen im Park patrouillieren und melde Ihnen, Baronin, wenn der erste Wagen in die Allee einbiegt. Ab durch die Glastür.
Vorlage S. 465
338
Zwölfte Szene
Vorlage S. 465
339
BARONIN.
Vorlage S. 465
340
Sie betrachten sich also hier nicht mehr im Dienst befindlich?
Vorlage S. 465
341
THEODOR.
Vorlage S. 465
342
Allerdings, seit heute mittag zwölf Uhr.
Vorlage S. 465
343
BARONIN.
Vorlage S. 465
344
Ja, was soll denn da werden? Sie wissen doch, dass ich zu allem noch Gäste erwarte!
Vorlage S. 465
345
THEODOR
Vorlage S. 465
346
mit bedauernder Gebärde.
Vorlage S. 465
347
Es ist mir selber sehr peinlich, aber sehr gewichtige Umstände haben mich in die Zwangslage versetzt –
Vorlage S. 465
348
BARONIN.
Vorlage S. 465
349
Theodor, haben diese Umstände etwas mit meiner Person zu tun?
Vorlage S. 465
350
THEODOR.
Vorlage S. 465
351
Euer Gnaden bitte ich nur in untertänigster Dankbarkeit die Hände küssen zu dürfen.
Vorlage S. 465
352
BARONIN.
Vorlage S. 465
353
Hat jemand vom Personal sich gegen Sie etwas zuschulden kommen lassen?
Vorlage S. 465
354
THEODOR.
Vorlage S. 465
355
Ich möchte in diesem Augenblick das Personal keiner Erwähnung wert halten!
Vorlage S. 465
356
BARONIN.
Vorlage S. 465
357
Sie haben sich nicht entschließen können, dem Herrn General irgendeine Andeutung zu machen – aber der Kleine hat etwas dahergeplauscht –
Vorlage S. 465
358
THEODOR.
Vorlage S. 466
359
Das Kind in seiner Unschuld versteht besser als durchtriebene Menschen ein Gemüt wie das meinige.
Vorlage S. 466
360
BARONIN.
Vorlage S. 466
361
Der Kleine hat ausgerichtet: das Ganze passt dem Theodor nicht mehr. Was soll das heißen?
Vorlage S. 466
362
THEODOR.
Vorlage S. 466
363
Diese Worte sind sehr schicklich, um in einer allgemeinen Art das auszudrücken, was im besonderen vielleicht peinlich sein würde.
Vorlage S. 466
364
BARONIN.
Vorlage S. 466
365
Ja, wie soll man da –
Vorlage S. 466
366
THEODOR.
Vorlage S. 466
367
Es wurde auf solche für beide Teile peinliche Aussprachen im Falle meines mir nötig erscheinenden Rücktrittes im vornhinein gnädigst verzichtet, meine Gründe im vornhinein bewilligt.
Vorlage S. 466
368
Er will in die Tasche greifen.
Vorlage S. 466
369
BARONIN.
Vorlage S. 466
370
Lassen Sie das stecken. Ich weiß, was ich geschrieben habe.
Vorlage S. 466
371
Schweigt und bohrt mit dem Stock auf dem Boden.
Vorlage S. 466
372
THEODOR.
Vorlage S. 466
373
Dieses gnädige Handschreiben wurde an mich erlassen zu meinem fünfundzwanzigjährigen Jubiläum in diesem herrschaftlichen Hause, als ein Zeichen besonderen ungewöhnlichen Vertrauens.
Vorlage S. 466
374
BARONIN.
Vorlage S. 466
375
Das war meine Absicht.
Vorlage S. 466
376
THEODOR.
Vorlage S. 466
377
Es sollten damit die Jahre, welche ich noch in dienender Stellung zu bleiben mich entschließen würde, herausgestrichen werden als Ehrenjahre. Mit erhobener Stimme. Wer solche Ehrenjahre abdient, müsste demgemäß vor einer Mißachtung seiner Person geschützt sein.
Vorlage S. 466
378
BARONIN.
Vorlage S. 466
379
Ja, wer bezeigt Ihnen denn Mißachtung? Wer untersteht sich das? Setzen Sie sich nieder, Theodor, und sprechen Sie sich aus.
Vorlage S. 466
380
THEODOR
Vorlage S. 466
381
setzt sich auf den Rand des Stuhles.
Vorlage S. 466
382
Es sind an mir in diesem Leben viele Ungeheuerlichkeiten begangen worden! Ich hätte bekanntlichst eine geistliche Person werden sollen, aber als eine vaterlose Waise bin ich durch Gemeinheit gemeiner Menschen in den dienenden Stand gestoßen worden.
Vorlage S. 466
383
BARONIN.
Vorlage S. 466
384
Ich kenne Ihre Biographie, Theodor. Sie ist sehr achtenswert! Ihr Vater war ein Lump –, aber Ihre Mutter – Gott hab sie selig – eine der gescheitesten Frauen auf der Welt, und Sie haben ihren Verstand geerbt.
Vorlage S. 466
385
THEODOR.
Vorlage S. 467
386
Seine Freiherrliche Gnaden Herr Oberst ist demgemäß in meinen Armen abgestorben.
Vorlage S. 467
387
BARONIN.
Vorlage S. 467
388
Ja, Sie haben meinen Mann treu gepflegt.
Vorlage S. 467
389
THEODOR.
Vorlage S. 467
390
Der Herr Oberst hat mir in seiner letzten Lebensstunde gesagt, dass ich ihm meine Jugend aufgeopfert habe, und hat mich mit Tränen in seinen sterbenden Armen beschworen, seinen Jaromir nicht im Stich zu lassen, und mir den heiligen Eid abverlangt, dass ich dem jungen Herrn mein Mannesalter aufopfern werde. Denn er hat die vielen und großen Schwächen dieses Jünglings erkannt.
Vorlage S. 467
391
BARONIN.
Vorlage S. 467
392
Und dann haben Sie siebzehn Jahre im Dienst meines Sohnes verbracht und sich tadellos geführt. Aber endlich haben gewisse Verschiedenheiten in Ihren beiden Charakteren es wünschenswert erscheinen lassen, dass Sie aus seinem Dienst wieder in meinen traten, was mir natürlich sehr lieb war.
Vorlage S. 467
393
THEODOR.
Vorlage S. 467
394
Das könnte man gesellschaftlich so sagen, aber es wäre weiter nichts als eine vertuschende Redeweise. Sehr stark, aber nicht laut. Die Wahrheit ist diese: das ganze Leben, das er geführt hat, war eine fortgesetzte Beleidigung meiner Person.
Vorlage S. 467
395
BARONIN.
Vorlage S. 467
396
Pst, pst, Sie sprechen von meinem Sohn!
Vorlage S. 467
397
THEODOR
Vorlage S. 467
398
stehend.
Vorlage S. 467
399
Ich bitte nichts anderes, als die Hände küssen und mich stillschweigend untertänigst zurückziehen zu dürfen, auf immer. Als wollte er gehen.
Vorlage S. 467
400
BARONIN.
Vorlage S. 467
401
Ich wünsche aber, dass Sie bleiben, Theodor.
Vorlage S. 467
402
THEODOR.
Vorlage S. 467
403
Jawohl, meine Eltern haben mir in der heiligen Taufe den lieben Namen Theodor zugeeignet. Er hat den Namen nicht beliebt. Ich bin bei ihm die Jahre hindurch Franz gerufen worden, Franz, wo ich, bitte, Theodor zu heißen die Ehre habe! Darin bitte zu erkennen, wie er die Menschenwürde in mir geachtet hat! Das Ganze war eine siebzehnjährige automatische Mißachtung.
Vorlage S. 467
404
BARONIN.
Vorlage S. 467
405
Aber das sind doch schließlich nur Kleinigkeiten.
Vorlage S. 467
406
THEODOR.
Vorlage S. 467
407
Kleinigkeiten? Für die menschliche Seele gibt es keine Kleinigkeiten, das müssen Euer Gnaden als hochgeborene und gebildete Dame wissen. Er hat vor meinen sehenden Augen ein Junggesellenleben geführt von einer beispiellosen Frivolität und eiskalten Selbstsucht.
Vorlage S. 467
408
BARONIN
Vorlage S. 468
409
stößt mit dem Stock.
Vorlage S. 468
410
THEODOR.
Vorlage S. 468
411
Sehr richtig! Sie klopfen, Sie haben recht! Ich habe es ertragen. Ich habe Krawatte hergerichtet, den Jackett oder Smoking, wenn ich gewusst habe, er geht darauf aus, ein weibliches Wesen in einer nächtlichen Abendstunde mit kaltherziger Niederträchtigkeit um die Seele zu betrügen.
Vorlage S. 468
412
BARONIN.
Vorlage S. 468
413
Aber Theodor, Sie sind mir doch auch kein Heiliger!
Vorlage S. 468
414
THEODOR.
Vorlage S. 468
415
Ich bin kein Heiliger! Aber wenn ich eine liebende Handlung begehe, so begehe ich sie mit meinem ganzen Herzen und stehe dafür ein mit meiner ganzen Seele. Bei ihm aber ist das Gegenteil der Fall, und das kann ich nicht mehr vertragen mit meinem Auge zu sehen! Und jetzt ist der Tropfen gekommen, der den Becher bringt zum Überfluss!
Vorlage S. 468
416
BARONIN.
Vorlage S. 468
417
Jetzt, wieso denn?
Vorlage S. 468
418
THEODOR.
Vorlage S. 468
419
Jetzt, wieso denn? Wenn er sich jetzt seine Maitressen paarweise herbestellt ins Haus, jetzt wo er verheiratet ist, jetzt wo er eine Aufgabe hätte im Leben – wo sie ihm zwei Kinder gespendet hat, dieser gesegnete Engel – und da ladet er sich die Betreffenden hier aufs Schloß ein, nachdem er selbst in einem Büchel, in einem sogenannten Schlüsselroman ohne einen literarischen Wert, diese ganze Geschichte mit der Marie auf den Pranger hingestellt hat.
Vorlage S. 468
420
BARONIN.
Vorlage S. 468
421
Ich verstehe absolut nicht, wovon Sie reden, Theodor.
Vorlage S. 468
422
THEODOR.
Vorlage S. 468
423
Demgemäß bitte ich Hände zu küssen und mich stillschweigend zu entfernen –
Vorlage S. 468
424
Als wollte er gehen.
Vorlage S. 468
425
BARONIN.
Vorlage S. 468
426
Jedenfalls gehören diese Dinge, möge selbst etwas daran gewesen sein, längst der Vergangenheit an!
Vorlage S. 468
427
THEODOR.
Vorlage S. 468
428
Bei ihm gibt es keine Vergangenheit, so ist er nicht! Bei ihm ist nichts vorüber. Um etwas aufzugeben, dazu gehört eine innerliche Reinlichkeit.
Vorlage S. 468
429
BARONIN
Vorlage S. 469
430
stößt den Stock auf den Boden.
Vorlage S. 469
431
THEODOR
Vorlage S. 469
432
leise.
Vorlage S. 469
433
Dieses unglückliche Fräulein Marie, das ist ja eine Blume, die er geknickt und zertreten hat. Er ist wie eine Boa constrictor: ausgesogen hat er ihr die Seele viereinhalb Jahre lang! Aber jetzt, jetzt haben wir in Erfahrung gebracht, hat sich diesem Mädchen ein anderer genähert, der, scheint es, einer wirklichen Liebe, einer Hingebung fähig ist. Das reizt ihn aufs neue, da zieht er sie wieder herbei, damit sie seiner Herrschaft nicht entgeht und mag darüber ihre Jugend verwelken wie ein abgemähtes Gras! Wie wagt er das – vor meinen sehenden Augen? Wie darf er sich so über meine siebzehnjährige Mitwisserschaft hinwegsetzen? Bin ich sein Hehler? Sein Spießgefährte, der ihm die Mauer macht? Da tritt er ja meine Menschenwürde in den Kot hinein. Wie wagt er es vor meinen sehenden Augen, diese andere Person, dieses berüchtigte Frauenzimmer, diese Melanie hierher zu bestellen? Wie wagt er dann solche Manöver, dass er selber das Schlafzimmer verlässt, wo dieser gütige Engel mit ihm ehelich wohnt, und hinaufquartiert sich in die Mansarde, und bei hellichtem Tag den Schlosser daherkommen lässt, den Verbindungsgang herzustellen für eine nächtliche ehebrecherische Promenade, damit nur nichts klappert. Das spricht ja Hohn allen göttlichen und menschlichen Gesetzlichkeiten!
Vorlage S. 469
434
BARONIN.
Vorlage S. 469
435
Aber Theodor! Theodor!
Vorlage S. 469
436
Geht auf und nieder.
Vorlage S. 469
437
THEODOR
Vorlage S. 469
438
folgt ihr nach.
Vorlage S. 469
439
Wo in mir in meiner nichtvergessenden Herzkammer alle diese seine Weibergeschichten und Schlechtigkeiten abphotographiert sind bis in die kleinsten und niederträchtigsten Zärtlichkeiten und Meineide!
Vorlage S. 469
440
BARONIN.
Vorlage S. 469
441
Aber mäßigen Sie sich doch etwas!
Vorlage S. 469
442
THEODOR
Vorlage S. 469
443
tritt zurück.
Vorlage S. 469
444
Ich bin müd, demgemäß eher gemäßigt. Aber meine gekränkte Person benötigt demgemäß eine große Heilung, damit ich die männliche Erbärmlichkeit vergessen kann. Ich muss in meine einsame Heimat, auf meine abgelegene Scholle, und alte, liebe Eichbäume müssen immerfort zu mir flüstern: Theodor, du bist ein Heiliger gegen diesen! Er ist nicht wert, die Riemen deiner staubigen Schuhe aufzulösen! Du hast ihn geschont aus Gnade, weil du eine große Seele hast vor deinem Herrgott!
Vorlage S. 469
445
GENERAL
Vorlage S. 470
446
erscheint auf der Terrasse.
Vorlage S. 470
447
Baronin, Sie müssen empfangen. Ich höre den ersten Wagen anrollen.
Vorlage S. 470
448
BARONIN.
Vorlage S. 470
449
Das auch noch! Gleich. Gehen Sie unterdessen – ich komme.
Vorlage S. 470
450
GENERAL
Vorlage S. 470
451
ab über die Terrasse.
Vorlage S. 470
452
BARONIN.
Vorlage S. 470
Carl Spitzweg – Der Bücherwurm, um 1850. Motivvergleich zu Lesen und Wissen; keine Darstellung einer Figur dieses Buches.
Kontextbild zum Werk. Der Bücherwurm · Carl Spitzweg · Public domain Bildquelle ↗
453
Aber Theodor, es wird doch einen andern Weg geben, irgendeine andere Form, Ihnen eine innere Genugtuung zu schaffen. Ich werde Sie doch deswegen nicht verlieren müssen?!
Vorlage S. 470
454
THEODOR.
Vorlage S. 470
455
Frau Baronin, Gnaden, ich bin keine käufliche Seele. Eine Genugtuung, die mir in dieser Lebensstunde noch genügen sollte, die könnte sich nicht, wie in früheren Fällen, in der Dienstbotenatmosphäre abspielen – die dürfte nicht aus Äußerlichkeiten bestehen, die müsste auf das Große und Ganze gehen! Die müsste zeigen, wo Gott eigentlich Wohnung hat!
Vorlage S. 470
456
BARONIN.
Vorlage S. 470
457
Eine solche kann ich doch unmöglich verschaffen.
Vorlage S. 470
458
THEODOR.
Vorlage S. 470
459
Nein. Die könnte mir allerdings nur ein Stärkerer schaffen als Euer Gnaden!
Vorlage S. 470
460
Lächelt.
Vorlage S. 470
461
BARONIN.
Vorlage S. 470
462
An was denken Sie denn? So reden Sie doch! Ich bitte Sie mit aufgehobenen Händen – so reden Sie doch!
Vorlage S. 470
463
GENERAL
Vorlage S. 470
464
erscheint.
Vorlage S. 470
465
Baronin, das Fräulein von Am Rain fährt vor. Ab.
Vorlage S. 470
466
BARONIN.
Vorlage S. 470
467
Wenn es von mir abhinge, dass die Damen nicht erscheinen oder gleich wieder abreisen – würde ichs machen, aber ich kanns nicht.
Vorlage S. 470
468
THEODOR.
Vorlage S. 470
469
Euer Gnaden können es nicht. Schön. Ich könnte es sehr leicht! Sehr leicht vielleicht nicht, aber mit einer gewissen Mühe. Die würde ich mir nehmen.
Vorlage S. 470
470
BARONIN.
Vorlage S. 470
471
Sie?
Vorlage S. 470
472
THEODOR.
Vorlage S. 470
473
Mit einem Atemzug würde ich diese zweischneidigen Techtelmechtel vor mich hinjagen wie Stäubchen.
Vorlage S. 470
474
BARONIN.
Vorlage S. 471
475
Ja, wie denn, um Gottes willen? Sie werden doch nicht in offener Opposition meinem Sohn entgegentreten wollen?
Vorlage S. 471
476
THEODOR.
Vorlage S. 471
477
Im Gegenteil. Ich würde sorgen, dass die Damen selbst in zartfühlender Weise dem Herrn Baron über die Gründe ihres Verschwindens anliegen werden.
Vorlage S. 471
478
BARONIN.
Vorlage S. 471
479
Und eine solche Lösung, wenn sie denkbar wäre, – würde Sie – Sie würden dann Ihre Kündigung zurücknehmen?
Vorlage S. 471
480
THEODOR.
Vorlage S. 471
481
Die Entscheidung darüber müsste ich vorbehalten, abhängig zu machen von dem Ausgang des Ganzen, ob derselbe mir in meinem Innern eine wahre und ausreichende Genugtuung bietet.
Vorlage S. 471
482
GENERAL
Vorlage S. 471
483
erscheint.
Vorlage S. 471
484
Baronin, es ist die höchste Zeit. Man ist schon da!
Vorlage S. 471
485
BARONIN
Vorlage S. 471
486
im Abgehen.
Vorlage S. 471
487
Bleiben Sie hier!
Vorlage S. 471
488
Dreizehnte Szene
Vorlage S. 471
489
Bevor die Baronin noch hinausgetreten ist, erscheint Marie Am Rain auf der Terrasse. Sie ist sehr blaß und scheint von der Reise angegriffen. Die erste Begrüßung erfolgt auf der Terrasse, dann treten die beiden Frauen herein. Der General folgt ihnen. Die Jungfer ist zugleich von links hereingetreten.
Vorlage S. 471
490
MARIE
Vorlage S. 471
491
im Auftreten.
Vorlage S. 471
492
Und es war unendlich gut von Ihnen, dass Sie mir erlaubt haben zu kommen, und das zu einer so schönen Jahreszeit!
Vorlage S. 471
493
BARONIN.
Vorlage S. 471
494
Bei uns ist die Jahreszeit nie schön, aber ich hoffe, dass Sie sich in unserm alten Kasten halbwegs gemütlich fühlen werden.
Vorlage S. 471
495
GENERAL.
Vorlage S. 471
496
Und Ihr guter Vater, wie gehts ihm?
Vorlage S. 471
497
MARIE
Vorlage S. 471
498
indem es wie ein Schleier über ihre Stimme fällt.
Vorlage S. 471
499
Nicht sehr gut, Herr General.
Vorlage S. 471
500
GENERAL.
Vorlage S. 471
501
Und das ist gerade ein Mann, der verdienen würde, dass es ihm gut ginge, grade der, wie kein zweiter!
Vorlage S. 471
502
MARIE.
Vorlage S. 471
503
Ich danke Ihnen, Herr General, dass Sie mir das sagen. Das ist lieb!
Vorlage S. 471
504
BARONIN.
Vorlage S. 472
505
Darf ich Ihnen das Zimmerl zeigen, das die Kinder für Sie bestimmt haben? Es hat eine hübsche Aussicht, das ist das einzige.
Vorlage S. 472
506
Macht Miene, mit Marie abzugehen.
Vorlage S. 472
507
GENERAL.
Vorlage S. 472
508
Baronin, ich höre den zweiten Wagen anfahren. Zu Marie. Die Baronin erwartet nämlich noch die Frau von Galattis.
Vorlage S. 472
509
MARIE
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510
sichtlich unangenehm überrascht.
Vorlage S. 472
511
Oh – dann bitte bleiben Sie doch, Baronin! Nein, bitte, bleiben Sie doch!
Vorlage S. 472
512
JUNGFER.
Vorlage S. 472
513
Darf ich das gnädige Fräulein –
Vorlage S. 472
514
GENERAL.
Vorlage S. 472
515
Ich bringe Sie bis an Ihre Tür. Sie müssen mir noch mehr von Ihrem Vater sagen. Das ist doch der sympathischste Mann von unserer ganzen Generation – Schon im Abgehen mit Marie. Sie können ja Gott danken, dass Sie ihn haben. Ab.
Vorlage S. 472
516
Vierzehnte Szene
Vorlage S. 472
517
BARONIN
Vorlage S. 472
518
zurückbleibend.
Vorlage S. 472
519
Also kommen Sie her, Theodor. Schnell. Sie haben mir da früher Dinge vorerzählt, ich habe einen ganz heißen Kopf bekommen. Ich hab nur so viel daraus entnommen, dass Sie unter gewissen Bedingungen, von denen ich allerdings nicht ahne, wie sie könnten erfüllt werden, bleiben würden. Ich kann nur eines sagen ...
Vorlage S. 472
520
THEODOR.
Vorlage S. 472
521
Ich glaube von meinen Bedingungen in deutlicher Weise gesprochen zu haben. Meine Genugtuung wünsche ich zu erblicken darin, dass das ganze Gebäude von Eitelkeit und Lüge zusammenstürzen muss, als eine unbegreifliche Wirkung meiner höheren Kräfte.
Vorlage S. 472
522
BARONIN.
Vorlage S. 472
523
Ja, aber diese Bedingung ist doch unerfüllbar!
Vorlage S. 472
524
THEODOR.
Vorlage S. 472
525
Ich habe deutlich gezeigt, dass sie erfüllbar ist, wenn man mir die freie Hand lässt.
Vorlage S. 472
526
BARONIN.
Vorlage S. 472
527
Ich habe keine Ahnung, was Sie mir da vorgeredet haben.
Vorlage S. 472
528
THEODOR.
Vorlage S. 472
529
Mir ist diese ausweichende Redeweise bei weiblichen Personen bekannt. Demgemäß werde ich mich in Ruhestand zurückziehen.
Vorlage S. 472
530
Er heftet einen durchdringenden Blick auf sie.
Vorlage S. 473
531
BARONIN
Vorlage S. 473
532
schnell.
Vorlage S. 473
533
Ich weiß nur das eine, dass ich mit Ihnen zufrieden bin und keinen Grund sehe, Sie zu verlieren.
Vorlage S. 473
534
THEODOR
Vorlage S. 473
535
lächelt und verneigt sich.
Vorlage S. 473
536
Ich werde demgemäß meine Maßregeln einleiten. Ich bin mit beiden Weiblichkeiten sehr vertraut aus langjähriger Bekanntschaft. Diese da – Er zeigt auf die Tür, durch welche Marie eben abgegangen ist. ist ein unglückliches Wesen, mit einer schönen geängstigten Seele. Diese werde ich direkt anspielen. Die andere Person werde ich von der Bande anspielen.
Vorlage S. 473
537
BARONIN.
Vorlage S. 473
538
Von der Bande? Was soll das heißen?
Vorlage S. 473
539
THEODOR.
Vorlage S. 473
540
Das sind Ausdrücke, vom Billardspiel entlehnt. Ich habe gedacht, dass sie allgemein bekannt sind. Die Melanie ist wie die meisten Frauenpersonen dumm und gescheit zugleich. Demgemäß habe ich ausgesprochen, dass man sie indirekt oder von der Bande anspielen muss. Zu dem Behuf habe ich schriftlich schon herausgegeben, dass diese junge Witwe, die Hermine, sich hier auf dem Schloß einfinden und aushilfsweise Damenbedienung übernehmen soll.
Vorlage S. 473
541
BARONIN.
Vorlage S. 473
542
Die Hermine? Ja, ich bin ganz einverstanden, aber ich habe gedacht, zwischen der und Ihnen stehts nicht ganz richtig?
Vorlage S. 473
543
THEODOR.
Vorlage S. 473
544
Ich habe ihr verziehen und dies in einem Brief zu erkennen gegeben. Sie wird demgemäß heute abend glücklich erscheinen und mir blind ergeben sein. Sie ist gleichzeitig in feinerer Damenbedienung eine ausgelernte Persönlichkeit.
Vorlage S. 473
545
BARONIN.
Vorlage S. 473
546
Meinetwegen. Und was soll ich tun?
Vorlage S. 473
547
THEODOR.
Vorlage S. 473
548
In keiner Weise das Allergeringste gar nicht, mit Ausnahme: mir in diskreter Weise freie Hand zu lassen.
Vorlage S. 473
549
BARONIN.
Vorlage S. 473
550
Ich beschwöre Sie, Theodor, ich weiß ja nicht, wo mir der Kopf steht.
Vorlage S. 473
551
THEODOR.
Vorlage S. 473
552
Ich bitte, jetzt keine Beschwörungen mehr anzuwenden, sondern lediglich ein einziges Wort später auszusprechen, damit jedermann in diesem Hause weiß, woran er sich zu halten hat.
Vorlage S. 473
553
BARONIN.
Vorlage S. 474
554
Ich sprech gar nichts aus. Ich will gar nichts wissen. Was für ein Wort denn?
Vorlage S. 474
555
THEODOR.
Vorlage S. 474
556
Euer Gnaden werden ganz einfach sagen: »Und Sie, lieber Theodor, übernehmen jetzt wieder die Aufsicht über das Ganze.« Dies bitte ich auszusprechen, wenn das niedere Personal gegenwärtig sein wird.
Vorlage S. 474
557
BARONIN.
Vorlage S. 474
558
Aber ich hab doch gar nichts mit Ihnen verabredet!
Vorlage S. 474
559
THEODOR.
Vorlage S. 474
560
Sehr wohl. Darauf werde ich bestehen, dass es wörtlich ausgesprochen wird und in einer äußerst huldvollen Weise: »Und Sie, lieber Theodor, übernehmen jetzt wieder die Aufsicht über das Ganze.« Es wird für mich eine geheime unterirdische Bedeutung haben, die anzuhören meinen Ohren eine schmeichelhafte Genugtuung bereiten wird.
Vorlage S. 474
561
Sieht sie scharf an.
Vorlage S. 474
562
BARONIN.
Vorlage S. 474
563
Also, ich werd es sagen, ich werd es sagen –
Vorlage S. 474
564
Fünfzehnte Szene
Vorlage S. 474
565
GENERAL
Vorlage S. 474
566
erscheint.
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567
Die Damen –
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568
Anna und Melanie erscheinen auf der Terrasse. Hinter ihnen der Gärtner in grauer Jägerlivree, der Melanie eine kleine Tasche nachträgt.
Vorlage S. 474
569
Baronin geht ihnen entgegen.
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570
Milli, die Jungfer, ist gleichfalls eingetreten.
Vorlage S. 474
571
MELANIE.
Vorlage S. 474
572
Es ist zu gut von Ihnen, Baronin, dass Sie mir erlaubt haben, zu Ihnen zu kommen.
Vorlage S. 474
573
ANNA.
Vorlage S. 474
574
Sie ist ganz frei. Ihr Mann fischt Forellen, und sie wird sehr lang bei uns bleiben. Ich freue mich riesig. Wir harmonieren schon wie zwei Zigeuner auf einem Pferd.
Vorlage S. 474
575
Baronin wirft unwillkürlich einen ängstlichen Blick auf Theodor.
Vorlage S. 474
576
Theodor erwidert den Blick mit einem überlegenen Lächeln.
Vorlage S. 474
577
DER KLEINE JAROMIR
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578
kommt hereingelaufen.
Vorlage S. 474
579
Mami –
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580
ANNA.
Vorlage S. 474
581
Das ist unser großer Bub, die Kleine zeig ich dir dann gleich!
Vorlage S. 474
582
BARONIN.
Vorlage S. 475
583
Und mein Sohn. Was sagen Sie zu dem ungeschickten Menschen? Er wollte Ihnen entgegen. Er muss den Feldweg genommen und bei der langen Hecke den Wagen übersehen haben.
Vorlage S. 475
584
ANNA.
Vorlage S. 475
585
Aber, Mama, du brauchst nicht schwindeln, sie kennt doch den Jaromir so gut, die Melanie versteht alles an ihm.
Vorlage S. 475
586
BARONIN.
Vorlage S. 475
587
Darf ich Ihnen das Turmzimmer zeigen, wo die Kinder durchaus gewünscht haben, Sie einzuquartieren. Ich hätte Ihnen ein bequemeres Appartement zugedacht.
Vorlage S. 475
588
Gebärde, sie zum Gehen einzuladen.
Vorlage S. 475
589
MELANIE
Vorlage S. 475
590
hat Theodor bemerkt.
Vorlage S. 475
591
Ah, Sie sind auch da, Franz! Nickt ihm zu.
Vorlage S. 475
592
BARONIN
Vorlage S. 475
593
schon im Abgehen, bleibt noch einmal stehen.
Vorlage S. 475
594
Theodor sieht sie scharf an. Unter seinem Blick sagt sie sehr nachdrücklich. Und Sie, lieber Theodor, übernehmen jetzt wieder die Aufsicht über das Ganze!
Vorlage S. 475
595
Die Damen gehen ab.
Vorlage S. 475
596
General folgt, nachdem er einen sehr befriedigten Blick auf Theodor geworfen hat.
Vorlage S. 475
597
THEODOR
Vorlage S. 475
598
zum zurückbleibenden Personal.
Vorlage S. 475
599
Antreten! Kurz und schnell befehlend. Das Personal stellt sich auf. Zum Kutscher. Pferde abreiten! Zum Küchenmädchen. Obers schlagen! Zur Jungfer. Kerzen aufs Zimmer! Zum Koch. Forellen besorgen! Zum Gärtner. Blumen auf die Zimmer! Zur Beschließerin. Verschwinden!
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600
Alle eilen rasch ab.
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601
Theodor geht stolz ab.
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602
Vorhang.
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Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »– dass er jederzeit berechtigt sein soll, den Wunsch erkennen zu geben, sich …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Ich hab dirs gesagt, Mama, wie er vor vier Jahren, kurz nach meiner Heirat, sein Bon plaisir zu […] gegeben hat, aus meinen Diensten wieder in deine zurückzutreten.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Du hast ihn geschont aus Gnade, weil du eine große Seele hast vor deinem Herrgott!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt kennzeichnet eine Aussage ausdrücklich als Möglichkeit oder Vermutung? Achte auf die Formulierung; entscheide nicht, ob die Aussage tatsächlich wahr ist.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Und mir ist alles an ihm unbegreiflich.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Die müsste zeigen, wo Gott eigentlich Wohnung hat!« B: »Das wird sich ja alles ganz gut aufklären und ebnen lassen.« C: »Heute ist der vierzehnte Tag, und er hat seine Kündigung bis zu dieser Stunde nicht zurückgenommen und sich obendrein krank gemeldet.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Dieses unglückliche Fräulein Marie, das ist ja …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Das spricht ja Hohn allen göttlichen und […] Gesetzlichkeiten!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »deswegen« in diesem Textausschnitt? »Ich werde Sie doch deswegen nicht verlieren müssen?!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Zu dem Behuf habe ich schriftlich schon herausgegeben, dass diese junge Witwe, …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Lies den Abschnittsbeginn: »Ist die Frau Baronin nicht da? Es wäre notwendig, ihren Rat einzuholen. Rasch ab.« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
  • Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
Textstelle nachlesen ↗

2. Prüfe, ob es in dieser Passage um Wahrheit oder Vertrauen geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] wünsche ich zu erblicken darin, dass das ganze Gebäude von Eitelkeit und Lüge zusammenstürzen muss, als eine unbegreifliche Wirkung meiner höheren Kräfte.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Jawohl, meine Eltern haben mir in der heiligen Taufe den lieben Namen Theodor zugeeignet. Er hat den Namen nicht beliebt. Ich bin bei ihm die Jahre hindurch Franz gerufen worden, Franz, wo ich, bitte, Theodor zu heißen die Ehre habe! Darin […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Macht oder Abhängigkeit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] Das reizt ihn aufs neue, da zieht er sie wieder herbei, damit sie seiner Herrschaft nicht entgeht und mag darüber ihre Jugend verwelken wie ein abgemähtes Gras! Wie wagt er das – vor meinen sehenden Augen? Wie darf er sich so über meine […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Beziehungen zwischen Figuren geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Und dann haben Sie siebzehn Jahre im Dienst meines Sohnes verbracht und sich tadellos geführt. Aber endlich haben gewisse Verschiedenheiten in Ihren beiden Charakteren es wünschenswert erscheinen lassen, dass Sie aus seinem Dienst wieder in […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

6. Vergleiche diese beiden Stellen: »Was sagst du dazu, dass plötzlich der Galattis nicht mitkommt?« und »Sehr richtig! Sie klopfen, Sie haben recht! Ich habe es ertragen. Ich habe Krawatte hergerichtet, den Jackett oder Smoking, wenn […]«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
  • Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

7. Am Abschnittsende steht: »Antreten! Kurz und schnell befehlend. Das Personal stellt sich auf. Zum Kutscher. Pferde abreiten! Zum Küchenmädchen. Obers schlagen! Zur Jungfer. Kerzen aufs Zimmer! Zum Koch. Forellen besorgen! Zum Gärtner. […]« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
  • Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
Textstelle nachlesen ↗

8. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Ist die Frau Baronin nicht da? Es wäre notwendig, ihren Rat einzuholen. Rasch ab.« / »Antreten! Kurz und schnell befehlend. Das Personal stellt sich auf. Zum Kutscher. Pferde abreiten! Zum […]«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
  • Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
  • Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Das ist wieder eine Anordnung vom Theodor.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Es klopft immer, wenn ich ein bisschen mit Ihnen sprechen will.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Und Sie, lieber Theodor, übernehmen jetzt wieder die Aufsicht über das Ganze!«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Der Unbestechliche von Hofmannsthal, Hugo von ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).

Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.

Der Unbestechliche

Hugo von Hofmannsthal: Gesammelte Werke in zehn Einzelbänden. Band 1: Gedichte, Dramen, Band 2–5: Dramen, Herausgegeben von Bernd Schoeller in Beratung mit Rudolf Hirsch, Frankfurt a.M.: S. Fischer, 1979. Hofmannsthal, Hugo von 452- Frankfurt a.M.

Das Werk Der Unbestechliche von Hofmannsthal, Hugo von ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; reine Originaltexte gemeinfrei Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.