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Buch - Der Schwierige - Hofmannsthal, Hugo von

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Originalwerk · Lesefassung

Der Schwierige

Hofmannsthal, Hugo von · 1917

Der Schwierige von Hofmannsthal, Hugo von. Volltext der angegebenen Ausgabe mit textbezogenen Leseaufgaben.

DramaKlasse 11–135 Abschnitte
Porträt von Hofmannsthal, Hugo von; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Porträt · Hofmannsthal, Hugo von · Urheber auf der Commons-Dateiseite nicht angegeben · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht einordnen.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 3 von 5

1. Akt

1
Erste Szene
Vorlage S. 332
2
Lukas herein mit Vinzenz.
Vorlage S. 332
3
LUKAS.
Vorlage S. 332
4
Hier ist das sogenannte Arbeitszimmer. Verwandtschaft und sehr gute Freunde werden hier hereingeführt, oder nur wenn speziell gesagt wird, in den grünen Salon.
Vorlage S. 332
5
VINZENZ
Vorlage S. 332
6
tritt ein.
Vorlage S. 332
7
Was arbeitet er? Majoratsverwaltung? Oder was? Politische Sachen?
Vorlage S. 332
8
LUKAS.
Vorlage S. 332
9
Durch diese Spalettür kommt der Sekretär herein.
Vorlage S. 332
10
VINZENZ.
Vorlage S. 332
11
Privatsekretär hat er auch? Das sind doch Hungerleider! Verfehlte Existenzen! Hat er bei ihm was zu sagen?
Vorlage S. 332
12
LUKAS.
Vorlage S. 332
13
Hier gehts durch ins Toilettezimmer. Dort werden wir jetzt hineingehen und Smoking und Frack herrichten zur Auswahl je nachdem, weil nichts Spezielles angeordnet ist.
Vorlage S. 332
14
VINZENZ
Vorlage S. 332
15
schnüffelt an allen Möbeln herum.
Vorlage S. 332
16
Also was? Sie wollen mir jetzt den Dienst zeigen? Es hätte Zeit gehabt bis morgen früh, und wir hätten uns jetzt kollegial unterhalten können. Was eine Herrenbedienung ist, das ist mir seit vielen Jahren zum Bewusstsein gekommen, also beschränken Sie sich auf das Nötigste; damit meine ich die Besonderheiten. Also was? Fangen Sie schon an!
Vorlage S. 332
17
LUKAS
Vorlage S. 332
18
richtet ein Bild, das nicht ganz gerade hängt.
Vorlage S. 332
19
Er kann kein Bild und keinen Spiegel schief hängen sehen. Wenn er anfängt, alle Laden aufzusperren oder einen verlegten Schlüssel zu suchen, dann ist er sehr schlechter Laune.
Vorlage S. 332
20
VINZENZ.
Vorlage S. 332
21
Lassen Sie jetzt solche Lappalien. Sie haben mir doch gesagt, dass die Schwester und der Neffe, die hier im Hause wohnen, auch jedesmal angemeldet werden müssen.
Vorlage S. 332
22
LUKAS
Vorlage S. 333
23
putzt mit dem Taschentuch an einem Spiegel.
Vorlage S. 333
24
Genau wie jeder Besuch. Darauf hält er sehr streng.
Vorlage S. 333
25
VINZENZ.
Vorlage S. 333
26
Was steckt da dahinter? Da will er sie sich vom Leibe halten. Warum lässt er sie dann hier wohnen? Er wird doch mehrere Häuser haben? Das sind doch seine Erben. Die wünschen doch seinen Tod.
Vorlage S. 333
27
LUKAS.
Vorlage S. 333
28
Die Frau Gräfin Crescence und der Graf Stani? Ja, da sei Gott vor! Ich weiß nicht, wie Sie mir vorkommen!
Vorlage S. 333
29
VINZENZ.
Vorlage S. 333
30
Lassen Sie Ihre Ansichten. Was bezweckt er also, wenn er die im Haus hat? Das interessiert mich. Nämlich: es wirft ein Licht auf gewisse Absichten. Die muss ich kennen, bevor ich mich mit ihm einlasse.
Vorlage S. 333
31
LUKAS.
Vorlage S. 333
32
Auf was für gewisse Absichten?
Vorlage S. 333
33
VINZENZ.
Vorlage S. 333
34
Wiederholen Sie nicht meine Worte! Für mich ist das eine ernste Sache. Konvenierendenfalls ist das hier eine Unterbringung für mein Leben. Wenn Sie sich zurückgezogen haben als Verwalter, werde ich hier alles in die Hand nehmen. Das Haus passt mir eventuell soweit nach allem, was ich höre. Aber ich will wissen, woran ich bin. Wenn er sich die Verwandten da ins Haus setzt, heißt das soviel als: er will ein neues Leben anfangen. Bei seinem Alter und nach der Kriegszeit ist das ganz erklärlich. Wenn man einmal die geschlagene Vierzig auf dem Rücken hat. –
Vorlage S. 333
35
LUKAS.
Vorlage S. 333
36
Der Erlaucht vierzigste Geburtstag ist kommendes Jahr.
Vorlage S. 333
37
VINZENZ.
Vorlage S. 333
38
Kurz und gut, er will ein Ende machen mit den Weibergeschichten. Er hat genug von den Spanponaden.
Vorlage S. 333
39
LUKAS.
Vorlage S. 333
40
Ich verstehe Ihr Gewäsch nicht.
Vorlage S. 333
41
VINZENZ.
Vorlage S. 333
42
Aber natürlich verstehen Sie mich ganz gut, Sie Herr Schätz. – Es stimmt das insofern mit dem überein, was mir die Portierin erzählt hat. Jetzt kommt alles darauf an: geht er mit der Absicht um, zu heiraten? In diesem Fall kommt eine legitime Weiberwirtschaft ins Haus, was hab ich da zu suchen? – Oder er will sein Leben als Junggeselle mit mir beschließen! Äußern Sie mir also darüber Ihre Vermutungen. Das ist der Punkt, der für mich der Hauptpunkt ist, nämlich.
Vorlage S. 333
43
LUKAS
Vorlage S. 334
44
räuspert sich.
Vorlage S. 334
45
VINZENZ.
Vorlage S. 334
46
Was erschrecken Sie mich?
Vorlage S. 334
47
LUKAS.
Vorlage S. 334
48
Er steht manchmal im Zimmer, ohne dass man ihn gehen hört.
Vorlage S. 334
49
VINZENZ.
Vorlage S. 334
50
Was bezweckt er damit? Will er einen hineinlegen? Ist er überhaupt so heimtückisch?
Vorlage S. 334
51
LUKAS.
Vorlage S. 334
52
In diesem Fall haben Sie lautlos zu verschwinden.
Vorlage S. 334
53
VINZENZ.
Vorlage S. 334
54
Das sind mir ekelhafte Gewohnheiten. Die werde ich ihm zeitig abgewöhnen.
Vorlage S. 334
55
Zweite Szene
Vorlage S. 334
56
HANS KARL
Vorlage S. 334
57
ist leise eingetreten.
Vorlage S. 334
58
Bleiben Sie nur, Lukas. Sind Sies, Neugebauer?
Vorlage S. 334
59
Vinzenz steht seitwärts im Dunkeln.
Vorlage S. 334
60
LUKAS.
Vorlage S. 334
61
Erlaucht melde untertänigst, das ist der neue Diener, der vier Jahre beim Durchlaucht Fürst Palm war.
Vorlage S. 334
62
HANS KARL.
Vorlage S. 334
63
Machen Sie nur weiter mit ihm. Der Herr Neugebauer soll herüberkommen mit den Akten, betreffend Hohenbühl. Im übrigen bin ich für niemand zu Hause.
Vorlage S. 334
64
Man hört eine Glocke.
Vorlage S. 334
65
LUKAS.
Vorlage S. 334
66
Das ist die Glocke vom kleinen Vorzimmer.
Vorlage S. 334
67
Geht.
Vorlage S. 334
68
Vinzenz bleibt.
Vorlage S. 334
69
Hans Karl ist an den Schreibtisch getreten.
Vorlage S. 334
70
Dritte Szene
Vorlage S. 334
71
LUKAS
Vorlage S. 334
72
tritt ein und meldet.
Vorlage S. 334
73
Frau Gräfin Freudenberg.
Vorlage S. 334
74
Crescence ist gleich nach ihm eingetreten.
Vorlage S. 334
75
Lukas tritt ab, Vinzenz ebenfalls.
Vorlage S. 334
76
CRESCENCE.
Vorlage S. 334
77
Stört man dich, Kari? Pardon –
Vorlage S. 334
78
HANS KARL.
Vorlage S. 334
79
Aber, meine gute Crescence.
Vorlage S. 334
80
CRESCENCE.
Vorlage S. 334
81
Ich geh hinauf, mich anziehen – für die Soiree.
Vorlage S. 334
82
HANS KARL.
Vorlage S. 335
83
Bei Altenwyls?
Vorlage S. 335
84
CRESCENCE.
Vorlage S. 335
85
Du erscheinst doch auch? Oder nicht? Ich möchte nur wissen, mein Lieber.
Vorlage S. 335
86
HANS KARL.
Vorlage S. 335
87
Wenns dir gleich gewesen wäre, hätte ich mich eventuell später entschlossen und vom Kasino aus eventuell abtelephoniert. Du weißt, ich binde mich so ungern.
Vorlage S. 335
88
CRESCENCE.
Vorlage S. 335
89
Ah ja.
Vorlage S. 335
90
HANS KARL.
Vorlage S. 335
91
Aber wenn du auf mich gezählt hättest –
Vorlage S. 335
92
CRESCENCE.
Vorlage S. 335
93
Mein lieber Kari, ich bin alt genug, um allein nach Hause zu fahren – überdies kommt der Stani hin und holt mich ab. Also du kommst nicht?
Vorlage S. 335
94
HANS KARL.
Vorlage S. 335
95
Ich hätt mirs gern noch überlegt.
Vorlage S. 335
96
CRESCENCE.
Vorlage S. 335
97
Eine Soiree wird nicht attraktiver, wenn man über sie nachdenkt, mein Lieber. Und dann hab ich geglaubt, du hast dir draußen das viele Nachdenken ein bißl abgewöhnt. Setzt sich zu ihm, der beim Schreibtisch steht. Sei Er gut, Kari, hab Er das nicht mehr, dieses Unleidliche, Sprunghafte, Entschlußlose, dass man sich hat aufs Messer streiten müssen mit Seinen Freunden, weil der eine Ihn einen Hypochonder nennt, der andere einen Spielverderber, der dritte einen Menschen, auf den man sich nicht verlassen kann. – Du bist in einer so ausgezeichneten Verfassung zurückgekommen, jetzt bist du wieder so, wie du mit zweiundzwanzig Jahren warst, wo ich beinah verliebt war in meinen Bruder.
Vorlage S. 335
98
HANS KARL.
Vorlage S. 335
99
Meine gute Crescence, machst du mir Komplimente?
Vorlage S. 335
100
CRESCENCE.
Vorlage S. 335
101
Aber nein, ich sags, wie's ist: da ist der Stani ein unbestechlicher Richter; er findet dich einfach den ersten Herrn in der großen Welt, bei ihm heißts jetzt Onkel Kari hin, Onkel Kari her, man kann ihm kein größeres Kompliment machen, als dass er dir ähnlich sieht, und das tut er ja auch – in den Bewegungen ist er ja dein zweites Selbst –, er kennt nichts Eleganteres als die Art, wie du die Menschen behandelst, das große air, die distance, die du allen Leuten gibst – dabei die komplette Gleichmäßigkeit und Bonhomie auch gegen den Niedrigsten – aber er hat natürlich, wie ich auch, deine Schwächen heraus; er adoriert den Entschluss, die Kraft, das Definitive, er haßt den Wiegel- Wagel, darin ist er wie ich!
Vorlage S. 335
102
HANS KARL.
Vorlage S. 336
103
Ich gratulier dir zu deinem Sohn, Crescence. Ich bin sicher, dass du immer viel Freud an ihm erleben wirst.
Vorlage S. 336
104
CRESCENCE.
Vorlage S. 336
105
Aber – pour revenir à nos moutons, Herr Gott, wenn man durchgemacht hat, was du durchgemacht hast, und sich dabei benommen hat, als wenn es nichts wäre –
Vorlage S. 336
106
HANS KARL
Vorlage S. 336
107
geniert.
Vorlage S. 336
108
Das hat doch jeder getan!
Vorlage S. 336
109
CRESCENCE.
Vorlage S. 336
110
Ah, pardon, jeder nicht. Aber da hätte ich doch geglaubt, dass man seine Hypochondrien überwunden haben könnte!
Vorlage S. 336
111
HANS KARL.
Vorlage S. 336
112
Die vor den Leuten in einem Salon hab ich halt noch immer. Eine Soiree ist mir ein Graus, ich kann mir halt nicht helfen. Ich begreife noch allenfalls, dass sich Leute finden, die ein Haus machen, aber nicht, dass es welche gibt, die hingehen.
Vorlage S. 336
113
CRESCENCE.
Vorlage S. 336
114
Also wovor fürchtest du dich? Das muss sich doch diskutieren lassen. Langweilen dich die alten Leut?
Vorlage S. 336
115
HANS KARL.
Vorlage S. 336
116
Ah, die sind ja charmant, die sind so artig.
Vorlage S. 336
117
CRESCENCE.
Vorlage S. 336
118
Oder gehen dir die Jungen auf die Nerven?
Vorlage S. 336
119
HANS KARL.
Vorlage S. 336
120
Gegen die hab ich gar nichts. Aber die Sache selbst ist mir halt so eine horreur, weißt du, das Ganze – das Ganze ist so ein unentwirrbarer Knäuel von Mißverständnissen. Ah, diese chronischen Mißverständnisse!
Vorlage S. 336
121
CRESCENCE.
Vorlage S. 336
122
Nach allem, was du draußen durchgemacht hast, ist mir das eben unbegreiflich, dass man da nicht abgehärtet ist.
Vorlage S. 336
123
HANS KARL.
Vorlage S. 336
124
Crescence, das macht einen ja nicht weniger empfindlich, sondern mehr. Wieso verstehst du das nicht? Mir können über eine Dummheit die Tränen in die Augen kommen – oder es wird mir heiß vor gêne über eine ganze Kleinigkeit, über eine Nuance, die kein Mensch merkt, oder es passiert mir, dass ich ganz laut sag, was ich mir denk – das sind doch unmögliche Zuständ, um unter Leut zu gehen. Ich kann dir gar nicht definieren, aber es ist stärker als ich. Aufrichtig gestanden: ich habe vor zwei Stunden Auftrag gegeben, bei Altenwyls abzusagen. Vielleicht eine andere Soiree, nächstens, aber die nicht.
Vorlage S. 336
125
CRESCENCE.
Vorlage S. 337
126
Die nicht. Also warum grad die nicht?
Vorlage S. 337
127
HANS KARL.
Vorlage S. 337
128
Es ist stärker als ich, so ganz im allgemeinen.
Vorlage S. 337
129
CRESCENCE.
Vorlage S. 337
130
Wenn du sagst, im allgemeinen, so meinst du was Spezielles.
Vorlage S. 337
131
HANS KARL.
Vorlage S. 337
132
Nicht die Spur, Crescence.
Vorlage S. 337
133
CRESCENCE.
Vorlage S. 337
134
Natürlich. Aha. Also, in diesem Punkt kann ich dich beruhigen.
Vorlage S. 337
135
HANS KARL.
Vorlage S. 337
136
In welchem Punkt?
Vorlage S. 337
137
CRESCENCE.
Vorlage S. 337
138
Was die Helen betrifft.
Vorlage S. 337
139
HANS KARL.
Vorlage S. 337
140
Wie kommst du auf die Helen?
Vorlage S. 337
141
CRESCENCE.
Vorlage S. 337
142
Mein Lieber, ich bin weder taub noch blind, und dass die Helen von ihrem fünfzehnten Lebensjahr an bis vor kurzem, na, sagen wir, bis ins zweite Kriegsjahr, in dich verliebt war bis über die Ohren, dafür hab ich meine Indizien, erstens, zweitens und drittens.
Vorlage S. 337
143
HANS KARL.
Vorlage S. 337
144
Aber Crescence, da redest du dir etwas ein –
Vorlage S. 337
145
CRESCENCE.
Vorlage S. 337
146
Weißt du, dass ich mir früher, so vor drei, vier Jahren, wie sie eine ganz junge Debütantin war, eingebildet hab, das wär die eine Person auf der Welt, die dich fixieren könnt, die deine Frau werden könnt. Aber ich bin zu Tode froh, dass es nicht so gekommen ist. Zwei so komplizierte Menschen, das tut kein gut.
Vorlage S. 337
147
HANS KARL.
Vorlage S. 337
148
Du tust mir zuviel Ehre an. Ich bin der unkomplizierteste Mensch von der Welt. Er hat eine Lade am Schreibtisch herausgezogen. Aber ich weiß gar nicht, wie du auf die Idee – ich bin der Helen attachiert, sie ist doch eine Art von Kusine, ich hab sie so klein gekannt – sie könnte meine Tochter sein. Sucht in der Lade nach etwas.
Vorlage S. 337
149
CRESCENCE.
Vorlage S. 337
150
Meine schon eher. Aber ich möcht sie nicht als Tochter. Und ich möcht erst recht nicht diesen Baron Neuhoff als Schwiegersohn.
Vorlage S. 337
151
HANS KARL.
Vorlage S. 337
152
Den Neuhoff? Ist das eine so ernste Geschichte?
Vorlage S. 337
153
CRESCENCE.
Vorlage S. 337
154
Sie wird ihn heiraten.
Vorlage S. 337
155
HANS KARL
Vorlage S. 337
156
stößt die Lade zu.
Vorlage S. 337
157
CRESCENCE.
Vorlage S. 337
158
Ich betrachte es als vollzogene Tatsache, dem zu Trotz, dass er ein wildfremder Mensch ist, dahergeschneit aus irgendeiner Ostseeprovinz, wo sich die Wölf gute Nacht sagen –
Vorlage S. 337
159
HANS KARL.
Vorlage S. 338
160
Geographie war nie deine Stärke. Crescence, die Neuhoffs sind eine holsteinische Familie.
Vorlage S. 338
161
CRESCENCE.
Vorlage S. 338
162
Aber das ist doch ganz gleich. Kurz, wildfremde Leut.
Vorlage S. 338
163
HANS KARL.
Vorlage S. 338
164
Übrigens eine ganz erste Familie. So gut alliiert, als man überhaupt sein kann.
Vorlage S. 338
165
CRESCENCE.
Vorlage S. 338
166
Aber, ich bitt dich, das steht im Gotha. Wer kann denn das von hier aus kontrollieren?
Vorlage S. 338
167
HANS KARL.
Vorlage S. 338
168
Du bist aber sehr acharniert gegen den Menschen.
Vorlage S. 338
169
CRESCENCE.
Vorlage S. 338
170
Es ist aber auch danach! Wenn eins der ersten Mädeln, wie die Helen, sich auf einem wildfremden Menschen entêtiert, dem zu Trotz, dass er hier in seinem Leben keine Position haben wird –
Vorlage S. 338
171
HANS KARL.
Vorlage S. 338
172
Glaubst du?
Vorlage S. 338
173
CRESCENCE.
Vorlage S. 338
174
In seinem Leben! dem zu Trotz, dass sie sich aus seiner Suada nichts macht, kurz, sich und der Welt zu Trotz –
Vorlage S. 338
175
Eine kleine Pause.
Vorlage S. 338
176
HANS KARL
Vorlage S. 338
177
zieht mit einiger Heftigkeit eine andere Lade heraus.
Vorlage S. 338
178
CRESCENCE.
Vorlage S. 338
179
Kann ich dir suchen helfen? Du enervierst dich.
Vorlage S. 338
180
HANS KARL.
Vorlage S. 338
181
Ich dank dir tausendmal, ich such eigentlich gar nichts, ich hab den falschen Schlüssel hineingesteckt.
Vorlage S. 338
182
SEKRETÄR
Vorlage S. 338
183
erscheint an der kleinen Tür.
Vorlage S. 338
184
Oh, ich bitte untertänigst um Verzeihung.
Vorlage S. 338
185
HANS KARL.
Vorlage S. 338
186
Ein bissel später bin ich frei, lieber Neugebauer.
Vorlage S. 338
187
SEKRETÄR
Vorlage S. 338
188
zieht sich zurück.
Vorlage S. 338
189
CRESCENCE
Vorlage S. 338
190
tritt an den Tisch.
Vorlage S. 338
191
Kari, wenn dir nur ein ganz kleiner Gefallen damit geschieht, so hintertreib ich diese Geschichte.
Vorlage S. 338
192
HANS KARL.
Vorlage S. 338
193
Was für eine Geschichte?
Vorlage S. 338
194
CRESCENCE.
Vorlage S. 338
195
Die, von der wir sprechen: Helen- Neuhoff. Ich hintertreib sie von heut auf morgen.
Vorlage S. 338
196
HANS KARL.
Vorlage S. 338
197
Was?
Vorlage S. 338
198
CRESCENCE.
Vorlage S. 338
199
Ich nehm Gift darauf, dass sie heute noch genau so verliebt in dich ist wie vor sechs Jahren, und dass es nur ein Wort, nur den Schatten einer Andeutung braucht –
Vorlage S. 338
200
HANS KARL.
Vorlage S. 338
201
Die ich dich um Gottes willen nicht zu machen bitte –
Vorlage S. 338
202
CRESCENCE.
Vorlage S. 339
203
Ah so, bitte sehr. Auch gut.
Vorlage S. 339
204
HANS KARL.
Vorlage S. 339
205
Meine Liebe, allen Respekt vor deiner energischen Art, aber so einfach sind doch gottlob die Menschen nicht.
Vorlage S. 339
206
CRESCENCE.
Vorlage S. 339
207
Mein Lieber, die Menschen sind gottlob sehr einfach, wenn man sie einfach nimmt. Ich seh also, dass diese Nachricht kein großer Schlag für dich ist. Um so besser – du hast dich von der Helen desinteressiert, ich nehm das zur Kenntnis.
Vorlage S. 339
208
HANS KARL
Vorlage S. 339
209
aufstehend.
Vorlage S. 339
210
Aber ich weiß nicht, wie du nur auf den Gedanken kommst, dass ich es nötig gehabt hätt, mich zu desinteressieren. Haben denn andere Personen auch diese bizarren Gedanken?
Vorlage S. 339
211
CRESCENCE.
Vorlage S. 339
212
Sehr wahrscheinlich.
Vorlage S. 339
213
HANS KARL.
Vorlage S. 339
214
Weißt du, dass mir das direkt Lust macht, hinzugehen?
Vorlage S. 339
215
CRESCENCE.
Vorlage S. 339
216
Und dem Theophil deinen Segen zu geben? Er wird entzückt sein. Er wird die größten Bassessen machen, um deine Intimität zu erwerben.
Vorlage S. 339
217
HANS KARL.
Vorlage S. 339
218
Findest du nicht, dass es sehr richtig gewesen wäre, wenn ich mich unter diesen Umständen schon längst bei Altenwyls gezeigt hätte? Es tut mir außerordentlich leid, dass ich abgesagt habe.
Vorlage S. 339
219
CRESCENCE.
Vorlage S. 339
220
Also lass wieder anrufen: es war ein Mißverständnis durch einen neuen Diener und du wirst kommen.
Vorlage S. 339
221
LUKAS
Vorlage S. 339
222
tritt ein.
Vorlage S. 339
223
HANS KARL
Vorlage S. 339
224
zu Crescence.
Vorlage S. 339
225
Weißt du, ich möchte es doch noch überlegen.
Vorlage S. 339
226
LUKAS.
Vorlage S. 339
227
Ich hätte für später untertänigst jemanden anzumelden.
Vorlage S. 339
228
CRESCENCE
Vorlage S. 339
229
zu Lukas.
Vorlage S. 339
230
Ich geh. Telephonieren Sie schnell zum Grafen Altenwyl, Seine Erlaucht würden heut abend dort erscheinen. Es war ein Mißverständnis.
Vorlage S. 339
231
LUKAS
Vorlage S. 339
232
sieht Hans Karl an.
Vorlage S. 339
233
HANS KARL
Vorlage S. 339
234
ohne Lukas anzusehen.
Vorlage S. 339
235
Da müsst er allerdings auch noch vorher ins Kasino telephonieren, ich lass den Grafen Hechingen bitten, zum Diner und auch nachher nicht auf mich zu warten.
Vorlage S. 339
236
CRESCENCE.
Vorlage S. 340
237
Natürlich, das macht er gleich. Aber zuerst zum Grafen Altenwyl, damit die Leut wissen, woran sie sind.
Vorlage S. 340
238
LUKAS
Vorlage S. 340
239
ab.
Vorlage S. 340
240
CRESCENCE
Vorlage S. 340
241
steht auf.
Vorlage S. 340
242
So, und jetzt lass ich dich deinen Geschäften. Im Gehen. Mit welchem Hechingen warst du besprochen? Mit dem Nandi?
Vorlage S. 340
243
HANS KARL.
Vorlage S. 340
244
Nein, mit dem Adolf.
Vorlage S. 340
245
CRESCENCE
Vorlage S. 340
246
kommt zurück.
Vorlage S. 340
247
Der Antoinette ihrem Mann? Ist er nicht ein kompletter Dummkopf?
Vorlage S. 340
248
HANS KARL.
Vorlage S. 340
249
Weißt du, Crescence, darüber hab ich gar kein Urteil. Mir kommt bei Konversationen auf die Länge alles sogenannte Gescheite dumm und noch eher das Dumme gescheit vor –
Vorlage S. 340
250
CRESCENCE.
Vorlage S. 340
251
Und ich bin von vornherein überzeugt, dass an ihm mehr ist als an ihr.
Vorlage S. 340
252
HANS KARL.
Vorlage S. 340
253
Weißt du, ich hab ihn ja früher gar nicht gekannt, oder – Er hat sich gegen die Wand gewendet und richtet an einem Bild, das nicht gerade hängt. nur als Mann seiner Frau – und dann draußen, da haben wir uns miteinander angefreundet. Weißt du, er ist ein so völlig anständiger Mensch. Wir waren miteinander, im Winter Fünfzehn, zwanzig Wochen in der Stellung in den Waldkarpathen, ich mit meinen Schützen und er mit seinen Pionieren, und wir haben das letzte Stückl Brot miteinander geteilt. Ich hab sehr viel Respekt vor ihm bekommen. Brave Menschen hats draußen viele gegeben, aber ich habe nie einen gesehen, der vis-à-vis dem Tod sich eine solche Ruhe bewahrt hätte, beinahe eine Art Behaglichkeit.
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254
CRESCENCE.
Vorlage S. 340
255
Wenn dich seine Verwandten reden hören könnten, die würden dich umarmen. So geh hin zu dieser Närrin und versöhn sie mit dem Menschen, du machst zwei Familien glücklich. Diese ewig in der Luft hängende Idee einer Scheidung oder Trennung, ghupft wie gsprungen, geht ja allen auf die Nerven. Und außerdem wär es für dich selbst gut, wenn die Geschichte in eine Form käme.
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256
KARL HANS.
Vorlage S. 341
257
Inwiefern das?
Vorlage S. 341
258
CRESCENCE.
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259
Also, damit ich dirs sage: es gibt Leut, die den ungereimten Gedanken aussprechen, wenn die Ehe annulliert werden könnt, du würdest sie heiraten.
Vorlage S. 341
260
HANS KARL
Vorlage S. 341
261
schweigt.
Vorlage S. 341
262
CRESCENCE.
Vorlage S. 341
263
Ich sag ja nicht, dass es seriöse Leut sind, die diesen bei den Haaren herbeigezogenen Unsinn zusammenreden.
Vorlage S. 341
264
HANS KARL
Vorlage S. 341
265
schweigt.
Vorlage S. 341
266
CRESCENCE.
Vorlage S. 341
267
Hast du sie schon besucht, seit du aus dem Feld zurück bist?
Vorlage S. 341
268
HANS KARL.
Vorlage S. 341
269
Nein, ich sollte natürlich.
Vorlage S. 341
270
CRESCENCE
Vorlage S. 341
271
nach der Seite sehend.
Vorlage S. 341
272
So besuch sie doch morgen und red ihr ins Gewissen.
Vorlage S. 341
273
HANS KARL
Vorlage S. 341
274
bückt sich, wie um etwas aufzuheben.
Vorlage S. 341
275
Ich weiß wirklich nicht, ob ich gerade der richtige Mensch dafür wäre.
Vorlage S. 341
276
CRESCENCE.
Vorlage S. 341
277
Du tust sogar direkt ein gutes Werk. Dadurch gibst du ihr deutlich zu verstehen, dass sie auf dem Holzweg war, wie sie mit aller Gewalt sich hat vor zwei Jahren mit dir affichieren wollen.
Vorlage S. 341
278
HANS KARL
Vorlage S. 341
279
ohne sie anzusehen.
Vorlage S. 341
280
Das ist eine Idee von dir.
Vorlage S. 341
281
CRESCENCE.
Vorlage S. 341
282
Ganz genau so, wie sie es heut auf den Stani abgesehen hat.
Vorlage S. 341
283
HANS KARL
Vorlage S. 341
284
erstaunt.
Vorlage S. 341
285
Deinen Stani?
Vorlage S. 341
286
CRESCENCE.
Vorlage S. 341
287
Seit dem Frühjahr. Sie war bis zur Tür gegangen, kehrt wieder um, kommt bis zum Schreibtisch. Er könnte mir da einen großen Gefallen tun, Kari –
Vorlage S. 341
288
HANS KARL.
Vorlage S. 341
289
Aber ich bitte doch um Gottes willen, so sag Sie doch!
Vorlage S. 341
290
Er bietet ihr Platz an, sie bleibt stehen.
Vorlage S. 341
291
CRESCENCE.
Vorlage S. 341
292
Ich schick Ihm den Stani auf einen Moment herunter. Mach Er ihm den Standpunkt klar. Sag Er ihm, dass die Antoinette – eine Frau ist, die einen unnötig kompromittiert. Kurz und gut, verleid Er sie ihm.
Vorlage S. 341
293
HANS KARL.
Vorlage S. 341
294
Ja, wie stellst du dir denn das vor? Wenn er verliebt in sie ist?
Vorlage S. 341
295
CRESCENCE.
Vorlage S. 342
296
Aber Männer sind doch nie so verliebt, und du bist doch das Orakel für den Stani. Wenn du die Konversation benützen wolltest – versprichst du mirs?
Vorlage S. 342
297
HANS KARL.
Vorlage S. 342
298
Ja, weißt du – wenn sich ein zwangloser Übergang findet –
Vorlage S. 342
299
CRESCENCE
Vorlage S. 342
300
ist wieder bis zur Tür gegangen, spricht von dort aus.
Vorlage S. 342
301
Du wirst schon das Richtige finden. Du machst dir keine Idee, was du für eine Autorität für ihn bist. Im Begriff hinauszugehen, macht sie wiederum kehrt, kommt bis an den Schreibtisch vor. Sag ihm, dass du sie unelegant findest – und dass du dich nie mit ihr eingelassen hättest. Dann lässt er sie von morgen an stehen. Sie geht wieder zur Tür, das gleiche Spiel. Weißt du, sags ihm nicht zu scharf, aber auch nicht gar zu leicht. Nicht gar zu sous-entendu. Und dass er ja keinen Verdacht hat, dass es von mir kommt – er hat die fixe Idee, ich will ihn verheiraten, natürlich will ich, aber – er darfs nicht merken: darin ist er ja so ähnlich mit dir: die bloße Idee, dass man ihn beeinflussen möcht –! Noch einmal das gleiche Spiel. Weißt du, mir liegt sehr viel daran, dass es heute noch gesagt wird, wozu einen Abend verlieren? Auf die Weise hast du auch dein Programm: du machst der Antoinette klar, wie du das Ganze mißbilligst – du bringst sie auf ihre Ehe – du singst dem Adolf sein Lob – so hast du eine Mission, und der ganze Abend hat einen Sinn für dich. Sie geht.
Vorlage S. 342
302
Vierte Szene
Vorlage S. 342
303
VINZENZ
Vorlage S. 342
304
ist von rechts hereingekommen, sieht sich zuerst um, ob Crescence fort ist, dann.
Vorlage S. 342
305
Ich weiß nicht, ob der erste Diener gemeldet hat, es ist draußen eine jüngere Person, eine Kammerfrau oder so etwas –
Vorlage S. 342
306
HANS KARL.
Vorlage S. 342
307
Um was handelt sichs?
Vorlage S. 342
308
VINZENZ.
Vorlage S. 343
309
Sie kommt von der Frau Gräfin Hechingen nämlich. Sie scheint so eine Vertrauensperson zu sein. Nochmals näher tretend. Eine verschämte Arme ist es nicht.
Vorlage S. 343
310
HANS KARL.
Vorlage S. 343
311
Ich werde das alles selbst sehen, führen Sie sie herein.
Vorlage S. 343
312
Vinzenz rechts ab.
Vorlage S. 343
313
Fünfte Szene
Vorlage S. 343
314
LUKAS
Vorlage S. 343
315
schnell herein durch die Mitte.
Vorlage S. 343
316
Ist untertänigst Euer Erlaucht gemeldet worden? Von Frau Gräfin Hechingen die Kammerfrau, die Agathe. Ich habe gesagt: Ich weiß durchaus nicht, ob Erlaucht zu Hause sind.
Vorlage S. 343
317
HANS KARL.
Vorlage S. 343
318
Gut. Ich habe sagen lassen, ich bin da. Haben Sie zum Gafen Altenwyl telephoniert?
Vorlage S. 343
319
LUKAS.
Vorlage S. 343
320
Ich bitte Erlaucht untertänigst um Vergebung. Ich habe bemerkt, Erlaucht wünschen nicht, dass telephoniert wird, wünschen aber auch nicht, der Frau Gräfin zu widersprechen – so habe ich vorläufig nichts telephoniert.
Vorlage S. 343
321
HANS KARL
Vorlage S. 343
322
lächelnd.
Vorlage S. 343
323
Gut, Lukas.
Vorlage S. 343
324
LUKAS
Vorlage S. 343
325
geht bis an die Tür.
Vorlage S. 343
326
HANS KARL.
Vorlage S. 343
327
Lukas, wie finden Sie den neuen Diener?
Vorlage S. 343
328
LUKAS
Vorlage S. 343
329
zögernd.
Vorlage S. 343
330
Man wird vielleicht sehen, wie er sich macht.
Vorlage S. 343
331
HANS KARL.
Vorlage S. 343
332
Unmöglicher Mann. Auszahlen. Wegexpedieren!
Vorlage S. 343
333
LUKAS.
Vorlage S. 343
334
Sehr wohl, Euer Erlaucht. So hab ich mir gedacht.
Vorlage S. 343
335
HANS KARL.
Vorlage S. 343
336
Heute abend nichts erwähnen.
Vorlage S. 343
337
Sechste Szene
Vorlage S. 343
338
Vinzenz führt Agathe herein. Beide Diener ab.
Vorlage S. 343
339
HANS KARL.
Vorlage S. 343
340
Guten Abend, Agathe.
Vorlage S. 343
341
AGATHE.
Vorlage S. 343
342
Dass ich Sie sehe, Euer Gnaden Erlaucht! Ich zittre ja.
Vorlage S. 343
343
HANS KARL.
Vorlage S. 343
344
Wollen Sie sich nicht setzen?
Vorlage S. 343
345
AGATHE
Vorlage S. 344
346
stehend.
Vorlage S. 344
347
Oh, Euer Gnaden, seien nur nicht ungehalten darüber, dass ich gekommen bin, statt dem Brandstätter.
Vorlage S. 344
348
HANS KARL.
Vorlage S. 344
349
Aber liebe Agathe, wir sind ja doch alte Bekannte. Was bringt Sie denn zu mir?
Vorlage S. 344
350
AGATHE.
Vorlage S. 344
351
Mein Gott, das wissen doch Erlaucht. Ich komm wegen der Briefe.
Vorlage S. 344
352
HANS KARL
Vorlage S. 344
353
ist betroffen.
Vorlage S. 344
354
AGATHE.
Vorlage S. 344
355
O Verzeihung, o Gott, es ist ja nicht zum Ausdenken, wie mir meine Frau Gräfin eingeschärft hat, durch mein Betragen nichts zu verderben.
Vorlage S. 344
356
HANS KARL
Vorlage S. 344
357
zögernd.
Vorlage S. 344
358
Die Frau Gräfin hat mir allerdings geschrieben, dass gewisse in meiner Hand befindliche, ihr gehörige Briefe, würden von einem Herrn Brandstätter am Fünfzehnten abgeholt werden. Heute ist der Zwölfte, aber ich kann natürlich die Briefe auch Ihnen übergeben. Sofort, wenn es der Wunsch der Frau Gräfin ist. Ich weiß ja, Sie sind der Frau Gräfin sehr ergeben.
Vorlage S. 344
359
AGATHE.
Vorlage S. 344
360
Gewisse Briefe – wie Sie das sagen, Erlaucht. Ich weiß ja doch, was das für Briefe sind.
Vorlage S. 344
361
HANS KARL
Vorlage S. 344
362
kühl.
Vorlage S. 344
363
Ich werde sofort den Auftrag geben.
Vorlage S. 344
364
AGATHE.
Vorlage S. 344
365
Wenn sie uns so beisammen sehen könnte, meine Frau Gräfin. Das wäre ihr eine Beruhigung, eine kleine Linderung.
Vorlage S. 344
366
HANS KARL
Vorlage S. 344
367
fängt an, in der Lade zu suchen.
Vorlage S. 344
368
AGATHE.
Vorlage S. 344
369
Nach diesen entsetzlichen sieben Wochen, seitdem wir wissen, dass unser Herr Graf aus dem Felde zurück ist und wir kein Lebenszeichen von ihm haben –
Vorlage S. 344
370
HANS KARL
Vorlage S. 344
371
sieht auf.
Vorlage S. 344
372
Sie haben vom Grafen Hechingen kein Lebenszeichen?
Vorlage S. 344
373
AGATHE.
Vorlage S. 344
374
Von dem! Wenn ich sage »unser Herr Graf«, das heißt in unserer Sprache Sie, Erlaucht! Vom Grafen Hechingen sagen wir nicht »unser Herr Graf«!
Vorlage S. 344
375
HAND KARL
Vorlage S. 344
376
sehr geniert.
Vorlage S. 344
377
Ah, pardon, das konnte ich nicht wissen.
Vorlage S. 344
378
AGATHE
Vorlage S. 344
379
schüchtern.
Vorlage S. 344
380
Bis heute nachmittag haben wir ja geglaubt, dass heute bei der gräflich Altenwylschen Soiree das Wiedersehen sein wird. Da telephoniert mir die Jungfer von der Komtesse Altenwyl: Er hat abgesagt!
Vorlage S. 344
381
HANS KARL
Vorlage S. 345
382
steht auf.
Vorlage S. 345
383
AGATHE.
Vorlage S. 345
384
Er hat abgesagt, Agathe, ruft die Gräfin, abgesagt, weil er gehört hat, dass ich hinkomme! Dann ist doch alles vorbei, und dabei schaut sie mich an mit einem Blick, der einen Stein erweichen könnte.
Vorlage S. 345
385
HANS KARL
Vorlage S. 345
386
sehr höflich, aber mit dem Wunsche, ein Ende zu machen.
Vorlage S. 345
387
Ich fürchte, ich habe die gewünschten Briefe nicht hier in meinem Schreibtisch, ich werde gleich meinen Sekretär rufen.
Vorlage S. 345
388
AGATHE.
Vorlage S. 345
389
O Gott, in der Hand eines Sekretärs sind diese Briefe! Das dürfte meine Frau Gräfin nie erfahren!
Vorlage S. 345
390
HANS KARL.
Vorlage S. 345
391
Die Briefe sind natürlich eingesiegelt.
Vorlage S. 345
392
AGATHE.
Vorlage S. 345
393
Eingesiegelt! So weit ist es schon gekommen?
Vorlage S. 345
394
HANS KARL
Vorlage S. 345
395
spricht ins Telephon.
Vorlage S. 345
396
Lieber Neugebauer, wenn Sie für einen Augenblick herüberkommen würden! Ja, ich bin jetzt frei – Aber ohne die Akten – es handelt sich um etwas anderes. Augenblicklich? Nein, rechnen Sie nur zu Ende. In drei Minuten, das genügt.
Vorlage S. 345
397
AGATHE.
Vorlage S. 345
398
Er darf mich nicht sehen, er kennt mich von früher!
Vorlage S. 345
399
HANS KARL.
Vorlage S. 345
400
Sie können in die Bibliothek treten, ich mach Ihnen Licht.
Vorlage S. 345
401
AGATHE.
Vorlage S. 345
402
Wie hätten wir uns denn das denken können, dass alles auf einmal vorbei ist.
Vorlage S. 345
403
HANS KARL
Vorlage S. 345
404
im Begriff, sie hinüberzuführen, bleibt stehen, runzelt die Stirn.
Vorlage S. 345
405
Liebe Agathe, da Sie ja von allem informiert sind – ich verstehe nicht ganz, ich habe ja doch der Frau Gräfin aus dem Feldspital einen langen Brief geschrieben, dieses Frühjahr.
Vorlage S. 345
406
AGATHE.
Vorlage S. 345
407
Ja, den abscheulichen Brief.
Vorlage S. 345
408
HANS KARL.
Vorlage S. 345
409
Ich verstehe Sie nicht. Es war ein sehr freundschaftlicher Brief.
Vorlage S. 345
410
AGATHE.
Vorlage S. 345
411
Das war ein perfider Brief. So gezittert haben wir, als wir ihn gelesen haben, diesen Brief. Erbittert waren wir und gedemütigt!
Vorlage S. 345
412
HANS KARL.
Vorlage S. 345
413
Ja, worüber denn, ich bitt Sie um alles!
Vorlage S. 345
414
AGATHE
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415
sieht ihn an.
Vorlage S. 345
416
Darüber, dass Sie darin den Grafen Hechingen so herausgestrichen haben – und gesagt haben, auf die Letzt ist ein Mann wie der andere, und ein jeder kann zum Ersatz für einen jeden genommen werden.
Vorlage S. 345
417
HANS KARL.
Vorlage S. 346
418
Aber so habe ich mich doch gar nicht ausgedrückt. Das waren doch niemals meine Gedanken!
Vorlage S. 346
419
AGATHE.
Vorlage S. 346
420
Aber das war der Sinn davon. Ah, wir haben den Brief oft und oft gelesen! Das, hat meine Frau Gräfin ausgerufen, das ist also das Resultat der Sternennächte und des einsamen Nachdenkens, dieser Brief, wo er mir mit dürren Worten sagt: ein Mann ist wie der andere, unsere Liebe war nur eine Einbildung, vergiss mich, nimm wieder den Hechingen –
Vorlage S. 346
421
HANS KARL.
Vorlage S. 346
422
Aber nichts von all diesen Worten ist in dem Brief gestanden.
Vorlage S. 346
423
AGATHE.
Vorlage S. 346
424
Auf die Worte kommts nicht an. Aber den Sinn haben wir gut herausbekommen. Diesen demütigenden Sinn, diese erniedrigenden Folgerungen. Oh, das wissen wir genau. Dieses Sichselbsterniedrigen ist eine perfide Kunst. Wo der Mann sich anklagt in einer Liebschaft, da klagt er die Liebschaft an. Und im Handumdrehen sind wir die Angeklagten.
Vorlage S. 346
425
HANS KARL
Vorlage S. 346
426
schweigt.
Vorlage S. 346
427
AGATHE
Vorlage S. 346
428
einen Schritt näher tretend.
Vorlage S. 346
429
Ich habe gekämpft für unsern Herrn Grafen, wie meine Frau Gräfin gesagt hat: Agathe, du wirst es sehen, er will die Komtesse Altenwyl heiraten, und nur darum will er meine Ehe wieder zusammenleimen.
Vorlage S. 346
430
HANS KARL.
Vorlage S. 346
431
Das hat die Gräfin mir zugemutet?
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432
AGATHE.
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Porträt von Hofmannsthal, Hugo von; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Kontextbild zum Werk. Porträt · Hofmannsthal, Hugo von · Urheber auf der Commons-Dateiseite nicht angegeben · Public domain Bildquelle ↗
433
Das waren ihre bösesten Stunden, wenn sie über dem gegrübelt hat. Dann ist wieder ein Hoffnungsstrahl gekommen. Nein, vor der Helen, hat sie dann gerufen, nein, vor der fürcht ich mich nicht – denn die lauft ihm nach; und wenn dem Kari eine nachlauft, die ist bei ihm schon verloren, und sie verdient ihn auch nicht, denn sie hat kein Herz.
Vorlage S. 346
434
HANS KARL
Vorlage S. 346
435
richtet etwas.
Vorlage S. 346
436
Wenn ich Sie überzeugen könnte –
Vorlage S. 346
437
AGATHE.
Vorlage S. 346
438
Aber dann plötzlich wieder die Angst –
Vorlage S. 346
439
HANS KARL.
Vorlage S. 346
440
Wie fern mir das alles liegt –
Vorlage S. 346
441
AGATHE.
Vorlage S. 347
442
O Gott, ruft sie aus, er war noch nirgends! Wenn das bedeutungsvoll sein sollte –
Vorlage S. 347
443
HANS KARL.
Vorlage S. 347
444
Wie fern mir das liegt!
Vorlage S. 347
445
AGATHE.
Vorlage S. 347
446
Wenn er vor meinen Augen sich mit ihr verlobt –
Vorlage S. 347
447
HANS KARL.
Vorlage S. 347
448
Wie kann nur die Frau Gräfin –
Vorlage S. 347
449
AGATHE.
Vorlage S. 347
450
Oh, so etwas tun Männer, aber Sie tuns nicht, nicht wahr, Erlaucht?
Vorlage S. 347
451
HANS KARL.
Vorlage S. 347
452
Es liegt mir nichts in der Welt ferner, meine liebe Agathe.
Vorlage S. 347
453
AGATHE.
Vorlage S. 347
454
Oh, küß die Hände, Erlaucht!
Vorlage S. 347
455
Küßt ihm schnell die Hand.
Vorlage S. 347
456
HANS KARL
Vorlage S. 347
457
entzieht ihr die Hand.
Vorlage S. 347
458
Ich höre meinen Sekretär kommen.
Vorlage S. 347
459
AGATHE.
Vorlage S. 347
460
Denn wir wissen ja, wir Frauen, dass so etwas Schönes nicht für die Ewigkeit ist. Aber, dass es deswegen auf einmal plötzlich aufhören soll, in das können wir uns nicht hineinfinden!
Vorlage S. 347
461
HANS KARL.
Vorlage S. 347
462
Sie sehen mich dann. Ich gebe Ihnen selbst die Briefe und – Herein! Kommen Sie nur, Neugebauer.
Vorlage S. 347
463
Agathe rechts ab.
Vorlage S. 347
464
Siebente Szene
Vorlage S. 347
465
NEUGEBAUER
Vorlage S. 347
466
tritt ein.
Vorlage S. 347
467
Euer Erlaucht haben befohlen.
Vorlage S. 347
468
HANS KARL.
Vorlage S. 347
469
Wenn Sie die Freundlichkeit hätten, meinem Gedächtnis etwas zu Hilfe zu kommen. Ich suche ein Paket Briefe – es sind private Briefe, versiegelt – ungefähr zwei Finger dick.
Vorlage S. 347
470
NEUGEBAUER.
Vorlage S. 347
471
Mit einem von Euer Erlaucht darauf geschriebenen Datum? Juni 15 bis 22. Oktober 16?
Vorlage S. 347
472
HANS KARL.
Vorlage S. 347
473
Ganz richtig. Sie wissen –
Vorlage S. 347
474
NEUGEBAUER.
Vorlage S. 347
475
Ich habe dieses Konvolut unter den Händen gehabt, aber ich kann mich im Moment nicht besinnen. Im Drang der Geschäfte unter so verschiedenartigen Agenden, die täglich zunehmen –
Vorlage S. 347
476
HANS KARL
Vorlage S. 347
477
ganz ohne Vorwurf.
Vorlage S. 347
478
Es ist mir unbegreiflich, wie diese ganz privaten Briefe unter die Akten geraten sein können –
Vorlage S. 347
479
NEUGEBAUER.
Vorlage S. 348
480
Wenn ich befürchten müsste, dass Euer Erlaucht den leisesten Zweifel in meine Diskretion setzen –
Vorlage S. 348
481
HANS KARL.
Vorlage S. 348
482
Aber das ist mir ja gar nicht eingefallen.
Vorlage S. 348
483
NEUGEBAUER.
Vorlage S. 348
484
Ich bitte, mich sofort nachsuchen zu lassen; ich werde alle meine Kräfte daransetzen, dieses höchst bedauerliche Vorkommnis aufzuklären.
Vorlage S. 348
485
HANS KARL.
Vorlage S. 348
486
Mein lieber Neugebauer, Sie legen dem ganzen Vorfall viel zu viel Gewicht bei.
Vorlage S. 348
487
NEUGEBAUER.
Vorlage S. 348
488
Ich habe schon seit einiger Zeit die Bemerkung gemacht, dass etwas an mir neuerdings Euer Erlaucht zur Ungeduld reizt. Allerdings war mein Bildungsgang ganz auf das Innere gerichtet, und wenn ich dabei vielleicht keine tadellosen Salonmanieren erworben habe, so wird dieser Mangel vielleicht in den Augen eines wohlwollenden Beurteilers aufgewogen werden können durch Qualitäten, die persönlich hervorheben zu müssen meinem Charakter allerdings nicht leicht fallen würde.
Vorlage S. 348
489
HANS KARL.
Vorlage S. 348
490
Ich zweifle keinen Augenblick, lieber Neugebauer. Sie machen mir den Eindruck, überanstrengt zu sein. Ich möchte Sie bitten, sich abends etwas früher freizumachen. Machen Sie doch jeden Abend einen Spaziergang mit Ihrer Braut.
Vorlage S. 348
491
NEUGEBAUER
Vorlage S. 348
492
schweigt.
Vorlage S. 348
493
HANS KARL.
Vorlage S. 348
494
Falls es private Sorgen sind, die Sie irritieren, vielleicht könnte ich in irgendeiner Beziehung erleichternd eingreifen.
Vorlage S. 348
495
NEUGEBAUER.
Vorlage S. 348
496
Euer Erlaucht nehmen an, dass es sich bei unsereinem ausschließlich um das Materielle handeln könnte.
Vorlage S. 348
497
HANS KARL.
Vorlage S. 348
498
Ich habe gar nicht solches sagen wollen. Ich weiß, Sie sind Bräutigam, also gewiss glücklich –
Vorlage S. 348
499
NEUGEBAUER.
Vorlage S. 348
500
Ich weiß nicht, ob Euer Erlaucht auf die Beschließerin von Schloß Hohenbühl anspielen?
Vorlage S. 348
501
HANS KARL.
Vorlage S. 348
502
Ja, mit der Sie doch seit fünf Jahren verlobt sind.
Vorlage S. 348
503
NEUGEBAUER.
Vorlage S. 348
504
Meine gegenwärtige Verlobte ist die Tochter eines höheren Beamten. Sie war die Braut meines besten Freundes, der vor einem halben Jahr gefallen ist. Schon bei Lebzeiten ihres Verlobten bin ich ihrem Herzen nahegestanden – und ich habe es als ein heiliges Vermächtnis des Gefallenen betrachtet, diesem jungen Mädchen eine Stütze fürs Leben zu bieten.
Vorlage S. 348
505
HANS KARL
Vorlage S. 349
506
zögernd.
Vorlage S. 349
507
Und die frühere langjährige Beziehung?
Vorlage S. 349
508
NEUGEBAUER.
Vorlage S. 349
509
Die habe ich natürlich gelöst. Selbstverständlich in der vornehmsten und gewissenhaftesten Weise.
Vorlage S. 349
510
HANS KARL.
Vorlage S. 349
511
Ah!
Vorlage S. 349
512
NEUGEBAUER.
Vorlage S. 349
513
Ich werde natürlich allen nach dieser Seite hin eingegangenen Verpflichtungen nachkommen und diese Last schon in die junge Ehe mitbringen. Allerdings keine Kleinigkeit.
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514
HANS KARL
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515
schweigt.
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516
NEUGEBAUER.
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517
Vielleicht ermessen Euer Erlaucht doch nicht zur Genüge, mit welchem bitteren, sittlichen Ernst das Leben in unsern glanzlosen Sphären behaftet ist, und wie es sich hier nur darum handeln kann, für schwere Aufgaben noch schwerere einzutauschen.
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518
HANS KARL.
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519
Ich habe gemeint, wenn man heiratet, so freut man sich darauf.
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520
NEUGEBAUER.
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521
Der persönliche Standpunkt kann in unserer bescheidenen Welt nicht maßgebend sein.
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522
HANS KARL.
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523
Gewiss, gewiss. Also Sie werden mir die Briefe möglichst finden.
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524
NEUGEBAUER.
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525
Ich werde nachforschen, und wenn es sein müsste, bis Mitternacht.
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526
Ab.
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527
HANS KARL
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528
vor sich.
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529
Was ich nur an mir habe, dass alle Menschen so tentiert sind, mir eine Lektion zu erteilen, und dass ich nie ganz bestimmt weiß, ob sie nicht das Recht dazu haben.
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530
Achte Szene
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531
STANI
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532
steht in der Mitteltür, im Frack.
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533
Pardon, nur um dir guten Abend zu sagen, Onkel Kari, wenn man dich nicht stört.
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534
HANS KARL
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535
war nach rechts gegangen, bleibt jedoch stehen.
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536
Aber gar nicht.
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537
Bietet ihm Platz an und eine Zigarette.
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538
STANI
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539
nimmt die Zigarette.
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540
Aber natürlich chipotierts dich, wenn man unangemeldet hereinkommt. Darin bist du ganz wie ich. Ich hass es auch, wenn man mir die Tür einrennt. Ich will immer zuerst meine Ideen ein bißl ordnen.
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541
HANS KARL.
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542
Ich bitte, genier dich nicht, du bist doch zu Hause.
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543
STANI.
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544
O pardon, ich bin bei dir –
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545
HANS KARL.
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546
Setz dich doch.
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547
STANI.
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548
Nein wirklich, ich hätte nie gewagt, wenn ich nicht so deutlich die krähende Stimm vom Neugebauer –
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549
HANS KARL.
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550
Er ist im Moment gegangen.
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551
STANI.
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552
Sonst wäre ich ja nie – Nämlich der neue Diener lauft mir vor fünf Minuten im Korridor nach und meldet mir, notabene ungefragt, du hättest die Jungfer von der Antoinette Hechingen bei dir und wärest schwerlich zu sprechen.
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553
HANS KARL
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554
halblaut.
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555
Ah, das hat er dir – ein reizender Mann!
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556
STANI.
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557
Da wäre ich ja natürlich unter keinen Umständen –
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558
HANS KARL.
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559
Sie hat ein paar Bücher zurückgebracht.
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560
STANI.
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561
Die Toinette Hechingen liest Bücher?
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562
HANS KARL.
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563
Es scheint. Ein paar alte französische Sachen.
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564
STANI.
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565
Aus dem Dixhuitième. Das passt zu ihren Möbeln.
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566
HANS KARL
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567
schweigt.
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568
STANI.
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569
Das Boudoir ist charmant. Die kleine Chaiselongue! Sie ist signiert.
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570
HANS KARL.
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571
Ja, die kleine Chaiselongue. Riesener.
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572
STANI.
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573
Ja, Riesener. Was du für ein Namengedächtnis hast! Unten ist die Signatur.
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574
HANS KARL.
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575
Ja, unten am Fußende.
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576
STANI.
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577
Sie verliert immer ihre kleinen Kämme aus den Haaren, und wenn man sich dann bückt, um die zusammenzusuchen, dann sieht man die Inschrift.
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578
HANS KARL
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579
geht nach rechts hinüber und schließt die Tür nach der Bibliothek.
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580
STANI.
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581
Ziehts dir, bist du empfindlich?
Vorlage S. 350
582
HANS KARL.
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583
Ja, meine Schützen und ich, wir sind da draußen rheumatisch geworden wie die alten Jagdhunde.
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584
STANI.
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585
Weißt du, sie spricht charmant von dir, die Antoinette.
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586
HANS KARL
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587
raucht.
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588
Ah! –
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589
STANI.
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590
Nein, ohne Vergleich. Ich verdanke den Anfang meiner Chance bei ihr ganz gewiss dem Umstand, dass sie mich so fabelhaft ähnlich mit dir findet. Zum Beispiel unsere Hände. Sie ist in Ekstase vor deinen Händen. Er sieht seine eigene Hand an. Aber bitte, erwähn nichts von allem gegen die Mamu. Es ist halt ein weitgehender Flirt, aber deswegen doch keine Bandelei. Aber die Mamu übertreibt sich alles.
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591
HANS KARL.
Vorlage S. 351
592
Aber mein guter Stani, wie käme ich denn auf das Thema?
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593
STANI.
Vorlage S. 351
594
Allmählich ist sie natürlich auch auf die Unterschiede zwischen uns gekommen. Ça va sans dire.
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595
HANS KARL.
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596
Die Antoinette?
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597
STANI.
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598
Sie hat mir geschildert, wie der Anfang eurer Freundschaft war.
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599
HANS KARL.
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600
Ich kenne sie ja ewig lang.
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601
STANI.
Vorlage S. 351
602
Nein, aber das vor zwei Jahren. Im zweiten Kriegsjahr. Wie du nach der ersten Verwundung auf Urlaub warst, die paar Tage in der Grünleiten.
Vorlage S. 351
603
HANS KARL.
Vorlage S. 351
604
Datiert sie von daher unsere Freundschaft?
Vorlage S. 351
605
STANI.
Vorlage S. 351
606
Natürlich. Seit damals bist du ihr großer Freund. Als Ratgeber, als Vertrauter, als was du willst, einfach hors ligne. Du hättest dich benommen wie ein Engel.
Vorlage S. 351
607
HANS KARL.
Vorlage S. 351
608
Sie übertreibt sehr leicht, die gute Antoinette.
Vorlage S. 351
609
STANI.
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610
Aber sie hat mir ja haarklein erzählt, wie sie aus Angst vor dem Alleinsein in der Grünleiten mit ihrem Mann, der gerade auch auf Urlaub war, sich den Feri Uhlfeldt, der damals wie der Teufel hinter ihr her war, auf den nächsten Tag hinausbestellt, wie sie dann dich am Abend vorher im Theater sieht und es wie eine Inspiration über sie kommt, sie dich bittet, du solltest noch abends mit ihr hinausfahren und den Abend mit ihr und dem Adolf zu dritt verbringen.
Vorlage S. 351
611
HANS KARL.
Vorlage S. 351
612
Damals hab ich ihn noch kaum gekannt.
Vorlage S. 351
613
STANI.
Vorlage S. 351
614
Ja, das entre parenthèse, das begreift sie gar nicht! Dass du dich später mit ihm hast so einlassen können. Mit diesem öden Dummkopf, diesem Pedanten.
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615
HANS KARL.
Vorlage S. 351
616
Da tut sie ihrem Mann unrecht, sehr!
Vorlage S. 351
617
STANI.
Vorlage S. 351
618
Na, da will ich mich nicht einmischen. Aber sie erzählt das reizend.
Vorlage S. 351
619
HANS KARL.
Vorlage S. 352
620
Das ist ja ihre Stärke, diese kleinen Konfidenzen.
Vorlage S. 352
621
STANI.
Vorlage S. 352
622
Ja, damit fangt sie an. Diesen ganzen Abend, ich sehe ihn vor mir, wie sie dann nach dem Souper dir den Garten zeigt, die reizenden Terrassen am Fluss, wie der Mond aufgeht-
Vorlage S. 352
623
HANS KARL.
Vorlage S. 352
624
Ah, so genau hat sie dir das erzählt.
Vorlage S. 352
625
STANI.
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626
Und wie du in der einen nächtlichen Konversation die Kraft gehabt hast, ihr den Feri Uhlfeldt vollkommen auszureden.
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627
HANS KARL
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628
raucht und schweigt.
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629
STANI.
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630
Das bewundere ich ja so an dir: du redest wenig, bist so zerstreut und wirkst so stark. Deswegen find ich auch ganz natürlich, worüber sich so viele Leut den Mund zerreißen: dass du im Herrenhaus seit anderthalb Jahren deinen Sitz eingenommen hast, aber nie das Wort ergreifst. Vollkommen in der Ordnung ist das für einen Herrn wie du bist! Ein solcher Herr spricht eben durch seine Person! Oh, ich studier dich. In ein paar Jahren hab ich das. Jetzt hab ich noch zuviel Passion in mir. Du gehst nie auf die Sache aus und hast so gar keine Suada, das ist gerade das Elegante an dir. Jeder andere wäre in dieser Situation ihr Liebhaber geworden.
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631
HANS KARL
Vorlage S. 352
632
mit einem nur in den Augen merklichen Lächeln.
Vorlage S. 352
633
Glaubst du?
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634
STANI.
Vorlage S. 352
635
Unbedingt. Aber ich versteh natürlich sehr gut: in deinen Jahren bist du zu serios dafür. Es tentiert dich nicht mehr: so leg ich mirs zurecht. Weißt du, das liegt so in mir: ich denk über alles nach. Wenn ich Zeit gehabt hätt, auf der Universität zu bleiben – für mich: Wissenschaft, das wäre mein Fach gewesen. Ich wäre auf Sachen, auf Probleme gekommen, auf Fragestellungen, an die andere Menschen gar nicht streifen. Für mich ist das Leben ohne Nachdenken kein Leben. Zum Beispiel: Weiß man das auf einmal, so auf einen Ruck: Jetzt bin ich kein junger Herr mehr? – Das muss ein sehr unangenehmer Moment sein.
Vorlage S. 352
636
HANS KARL.
Vorlage S. 352
637
Weißt du, ich glaub, es kommt ganz allmählich. Wenn einem auf einmal der andere bei der Tür vorausgehen lässt und du merkst dann: ja, natürlich, er ist viel jünger, obwohl er auch schon ein erwachsener Mensch ist.
Vorlage S. 352
638
STANI.
Vorlage S. 353
639
Sehr interessant. Wie du alles gut beobachtest. Darin bist du ganz wie ich. Und dann wirds einem so zur Gewohnheit, das Ältersein?
Vorlage S. 353
640
HANS KARL.
Vorlage S. 353
641
Ja, es gibt immer noch gewisse Momente, die einen frappieren. Zum Beispiel, wenn man sich plötzlich klarwird, dass man nicht mehr glaubt, dass es Leute gibt, die einem alles erklären könnten.
Vorlage S. 353
642
STANI.
Vorlage S. 353
643
Eines versteh ich aber doch nicht, Onkel Kari, dass du mit dieser Reife und konserviert wie du bist nicht heiratest.
Vorlage S. 353
644
HANS KARL.
Vorlage S. 353
645
Jetzt.
Vorlage S. 353
646
STANI.
Vorlage S. 353
647
Ja, eben jetzt. Denn der Mann, der kleine Abenteuer sucht, bist du doch nicht mehr. Weißt du, ich würde natürlich sofort begreifen, dass sich jede Frau heut noch für dich interessiert. Aber die Toinette hat mir erklärt, warum ein Interesse für dich nie serios wird.
Vorlage S. 353
648
HANS KARL.
Vorlage S. 353
649
Ah!
Vorlage S. 353
650
STANI.
Vorlage S. 353
651
Ja, sie hat viel darüber nachgedacht. Sie sagt: du fixierst nicht, weil du nicht genug Herz hast.
Vorlage S. 353
652
HANS KARL.
Vorlage S. 353
653
Ah!
Vorlage S. 353
654
STANI.
Vorlage S. 353
655
Ja, dir fehlt das Eigentliche. Das, sagt sie, ist der enorme Unterschied zwischen dir und mir. Sie sagt: du hast das Handgelenk immer geschmeidig, um loszulassen, das spürt eine Frau, und wenn sie selbst im Begriff wäre, sich in dich zu verlieben, so verhindert das die Kristallisation.
Vorlage S. 353
656
HANS KARL.
Vorlage S. 353
657
Ah, so drückt sie sich aus?
Vorlage S. 353
658
STANI.
Vorlage S. 353
659
Das ist ja ihr großer Charme, dass sie eine Konversation hat. Weißt du, das brauch ich absolut: eine Frau die mich fixieren soll, die muss außer ihrer absoluten Hingebung auch eine Konversation haben.
Vorlage S. 353
660
HANS KARL.
Vorlage S. 353
661
Darin ist sie delizios.
Vorlage S. 353
662
STANI.
Vorlage S. 353
663
Absolut. Das hat sie: Charme, Geist und Temperament, so wie sie etwas anderes nicht hat: nämlich Rasse.
Vorlage S. 353
664
HANS KARL.
Vorlage S. 353
665
Du findest?
Vorlage S. 353
666
STANI.
Vorlage S. 353
667
Weißt du, Onkel Kari, ich bin ja so gerecht; eine Frau kann hundertmal das Äußerste an gutem Willen für mich gehabt haben – ich geb ihr, was sie hat, und ich sehe unerbittlich, was sie nicht hat. Du verstehst mich: Ich denk über alles nach, und mach mir immer zwei Kategorien. Also die Frauen teile ich in zwei große Kategorien: die Geliebte, und die Frau, die man heiratet. Die Antoinette gehört in die erste Kategorie, sie kann hundertmal die Frau vom Adolf Hechingen sein, für mich ist sie keine Frau, sondern – das andere.
Vorlage S. 353
668
HANS KARL.
Vorlage S. 354
669
Das ist ihr Genre, natürlich. Wenn man die Menschen so einteilen will.
Vorlage S. 354
670
STANI.
Vorlage S. 354
671
Absolut. Darum ist es, in Parenthese, die größte Dummheit, sie mit ihrem Mann versöhnen zu wollen.
Vorlage S. 354
672
HANS KARL.
Vorlage S. 354
673
Wenn er aber doch einmal ihr Mann ist? Verzeih, das ist vielleicht ein sehr spießbürgerlicher Gedanke.
Vorlage S. 354
674
STANI.
Vorlage S. 354
675
Weißt du, verzeih mir, ich mache mir meine Kategorien, und da bin ich dann absolut darin, ebenso über die Galanterie, ebenso über die Ehe. Die Ehe ist kein Experiment. Sie ist das Resultat eines richtigen Entschlusses.
Vorlage S. 354
676
HANS KARL.
Vorlage S. 354
677
Von dem du natürlich weit entfernt bist.
Vorlage S. 354
678
STANI.
Vorlage S. 354
679
Aber gar nicht. Augenblicklich bereit, ihn zu fassen.
Vorlage S. 354
680
HANS KARL.
Vorlage S. 354
681
Im jetzigen Moment?
Vorlage S. 354
682
STANI.
Vorlage S. 354
683
Ich finde mich außerordentlich geeignet, eine Frau glücklich zu machen, aber bitte, sag das der Mamu nicht, ich will mir in allen Dingen meine volle Freiheit bewahren. Darin bin ich ja haarklein wie du. Ich vertrage nicht, dass man mich beengt.
Vorlage S. 354
684
HANS KARL
Vorlage S. 354
685
raucht.
Vorlage S. 354
686
STANI.
Vorlage S. 354
687
Der Entschluss muss aus dem Moment hervorgehen. Gleich oder gar nicht, das ist meine Devise!
Vorlage S. 354
688
HANS KARL.
Vorlage S. 354
689
Mich interessiert nichts auf der Welt so sehr, als wie man von einer Sache zur andern kommt. Du würdest also nie einen Entschluss vor dich hinschieben?
Vorlage S. 354
690
STANI.
Vorlage S. 354
691
Nie, das ist die absolute Schwäche.
Vorlage S. 354
692
HANS KARL.
Vorlage S. 354
693
Aber es gibt doch Komplikationen?
Vorlage S. 354
694
STANI.
Vorlage S. 354
695
Die negiere ich.
Vorlage S. 354
696
HANS KARL.
Vorlage S. 354
697
Beispielsweise sich kreuzende widersprechende Verpflichtungen.
Vorlage S. 354
698
STANI.
Vorlage S. 354
699
Von denen hat man die Wahl, welche man lösen will.
Vorlage S. 354
700
HANS KARL.
Vorlage S. 354
701
Aber man ist doch in dieser Wahl bisweilen sehr behindert.
Vorlage S. 354
702
STANI.
Vorlage S. 355
703
Wieso?
Vorlage S. 355
704
HANS KARL.
Vorlage S. 355
705
Sagen wir durch Selbstvorwürfe.
Vorlage S. 355
706
STANI.
Vorlage S. 355
707
Das sind Hypochondrien. Ich bin vollkommen gesund. Ich war im Feld nicht einen Tag krank.
Vorlage S. 355
708
HANS KARL.
Vorlage S. 355
709
Ah, du bist mit deinem Benehmen immer absolut zufrieden?
Vorlage S. 355
710
STANI.
Vorlage S. 355
711
Ja, wenn ich das nicht wäre, so hätte ich mich doch anders benommen.
Vorlage S. 355
712
HANS KARL.
Vorlage S. 355
713
Pardon, ich spreche nicht von Unkorrektheiten – aber du lässt mit einem Wort den Zufall, oder nennen wirs das Schicksal, unbedenklich walten?
Vorlage S. 355
714
STANI.
Vorlage S. 355
715
Wieso? Ich behalte immer alles in der Hand.
Vorlage S. 355
716
HANS KARL.
Vorlage S. 355
717
Zeitweise ist man aber halt doch versucht, bei solchen Entscheidungen einen bizarren Begriff einzuschieben: den der höheren Notwendigkeit.
Vorlage S. 355
718
STANI.
Vorlage S. 355
719
Was ich tue, ist eben notwendig, sonst würde ich es nicht tun.
Vorlage S. 355
720
HANS KARL
Vorlage S. 355
721
interessiert.
Vorlage S. 355
722
Verzeih, wenn ich aus der aktuellen Wirklichkeit heraus exemplifiziere – das schickt sich ja eigentlich nicht –
Vorlage S. 355
723
STANI.
Vorlage S. 355
724
Aber bitte –
Vorlage S. 355
725
HANS KARL.
Vorlage S. 355
726
Eine Situation würde dir, sagen wir, den Entschluss zur Heirat nahelegen.
Vorlage S. 355
727
STANI.
Vorlage S. 355
728
Heute oder morgen.
Vorlage S. 355
729
HANS KARL.
Vorlage S. 355
730
Nun bist du mit der Antoinette in dieser Weise immerhin befreundet.
Vorlage S. 355
731
STANI.
Vorlage S. 355
732
Ich brouillier mich mit ihr, von heut auf morgen!
Vorlage S. 355
733
HANS KARL.
Vorlage S. 355
734
Ah! Ohne jeden Anlass?
Vorlage S. 355
735
STANI.
Vorlage S. 355
736
Aber der Anlass liegt doch immer in der Luft. Bitte. Unsere Beziehung dauert seit dem Frühjahr. Seit sechs, sieben Wochen ist irgend etwas an der Antoinette, ich kann nicht sagen, was – ein Verdacht wäre schon zuviel – aber die bloße Idee, dass sie sich außer mit mir noch mit jemandem andern beschäftigen könnte, weißt du, darin bin ich absolut.
Vorlage S. 355
737
HANS KARL.
Vorlage S. 355
738
Ah, ja.
Vorlage S. 355
739
STANI.
Vorlage S. 355
740
Weißt du, das ist stärker als ich. Ich möchte es gar nicht Eifersucht nennen, es ist ein derartiges Nichtbegreifenkönnen, dass eine Frau, der ich mich attachiert habe, zugleich mit einem andern – begreifst du?
Vorlage S. 355
741
HANS KARL.
Vorlage S. 356
742
Aber die Antoinette ist doch so unschuldig, wenn sie etwas anstellt. Sie hat dann fast noch mehr Charme.
Vorlage S. 356
743
STANI.
Vorlage S. 356
744
Da verstehe ich dich nicht.
Vorlage S. 356
745
Neunte Szene
Vorlage S. 356
746
NEUGEBAUER
Vorlage S. 356
747
ist leise eingetreten.
Vorlage S. 356
748
Hier sind die Briefe, Euer Erlaucht. Ich habe sie auf den ersten Griff –
Vorlage S. 356
749
HANS KARL.
Vorlage S. 356
750
Danke. Bitte, geben Sie mir sie.
Vorlage S. 356
751
NEUGEBAUER
Vorlage S. 356
752
gibt ihm die Briefe.
Vorlage S. 356
753
HANS KARL.
Vorlage S. 356
754
Danke.
Vorlage S. 356
755
Neugebauer ab.
Vorlage S. 356
756
Zehnte Szene
Vorlage S. 356
757
HANS KARL
Vorlage S. 356
758
nach einer kleinen Pause.
Vorlage S. 356
759
Weißt du, wen ich für den gebornen Ehemann halte?
Vorlage S. 356
760
STANI.
Vorlage S. 356
761
Nun?
Vorlage S. 356
762
HANS KARL.
Vorlage S. 356
763
Den Adolf Hechingen.
Vorlage S. 356
764
STANI.
Vorlage S. 356
765
Der Antoinette ihren Mann? Hahaha! –
Vorlage S. 356
766
HANS KARL.
Vorlage S. 356
767
Ich red ganz im Ernst.
Vorlage S. 356
768
STANI.
Vorlage S. 356
769
Aber Onkel Kari.
Vorlage S. 356
770
HANS KARL.
Vorlage S. 356
771
In seinem Attachement an diese Frau ist eine höhere Notwendigkeit.
Vorlage S. 356
772
STANI.
Vorlage S. 356
773
Der prädestinierte – ich will nicht sagen was!
Vorlage S. 356
774
HANS KARL.
Vorlage S. 356
775
Sein Schicksal geht mir nah.
Vorlage S. 356
776
STANI.
Vorlage S. 356
777
Für mich gehört er in eine Kategorie: der instinktlose Mensch. Weißt du, an wen er sich anhängt, wenn du nicht im Klub bist? An mich. Ausgerechnet an mich! Er hat einen Flair!
Vorlage S. 356
778
HANS KARL.
Vorlage S. 356
779
Ich habe ihn gern.
Vorlage S. 356
780
STANI.
Vorlage S. 356
781
Aber er ist doch unelegant bis über die Ohren.
Vorlage S. 356
782
HANS KARL.
Vorlage S. 356
783
Aber ein innerlich vornehmer Mensch.
Vorlage S. 356
784
STANI.
Vorlage S. 356
785
Ein uneleganter, schwerfälliger Kerl.
Vorlage S. 356
786
HANS KARL.
Vorlage S. 357
787
Er braucht eine Flasche Champagner ins Blut.
Vorlage S. 357
788
STANI.
Vorlage S. 357
789
Sag das nie vor ihm, er nimmts wörtlich. Ein uneleganter Mensch ist mir ein Greuel, wenn er getrunken hat.
Vorlage S. 357
790
HANS KARL.
Vorlage S. 357
791
Ich hab ihn gern.
Vorlage S. 357
792
STANI.
Vorlage S. 357
793
Er nimmt alles wörtlich, auch deine Freundschaft für ihn.
Vorlage S. 357
794
HANS KARL.
Vorlage S. 357
795
Aber er darf sie wörtlich nehmen.
Vorlage S. 357
796
STANI.
Vorlage S. 357
797
Pardon, Onkel Kari, bei dir darf man nichts wörtlich nehmen, wenn man das tut, gehört man in die Kategorie: Instinktlos.
Vorlage S. 357
798
HANS KARL.
Vorlage S. 357
799
Aber er ist ein so guter, vortrefflicher Mensch.
Vorlage S. 357
800
STANI.
Vorlage S. 357
801
Meinetwegen, wenn du das von ihm sagst, aber das ist noch gar kein Grund, dass er immer von deiner Güte spricht. Das geht mir auf die Nerven. Ein eleganter Mensch hat Bonhomie, aber er ist kein guter Mensch. Pardon, sag ich, der Onkel Kari ist ein großer Herr und darum auch ein großer Egoist, selbstverständlich. Du verzeihst.
Vorlage S. 357
802
HANS KARL.
Vorlage S. 357
803
Es nützt nichts, ich hab ihn gern.
Vorlage S. 357
804
STANI.
Vorlage S. 357
805
Das ist eine Bizarrerie von dir! Du hast es doch nicht notwendig, bizarr zu sein! Du hast doch das Wunderbare, dass du mühelos das vorstellst, was du bist: ein großer Herr! Mühelos! Das ist der große Punkt. Der Mensch zweiter Kategorie bemüht sich unablässig. Bitte, da ist dieser Theophil Neuhoff, den man seit einem Jahr überall sieht. Was ist eine solche Existenz anderes als eine fortgesetzte jämmerliche Bemühung, ein Genre zu kopieren, das eben nicht sein Genre ist.
Vorlage S. 357
806
Elfte Szene
Vorlage S. 357
807
LUKAS
Vorlage S. 357
808
kommt eilig.
Vorlage S. 357
809
Darf ich fragen – haben Euer Erlaucht Befehl gegeben, dass fremder Besuch vorgelassen wird?
Vorlage S. 357
810
HANS KARL.
Vorlage S. 357
811
Aber absolut nicht. Was ist denn das?
Vorlage S. 357
812
LUKAS.
Vorlage S. 357
813
Da muss der neue Diener eine Konfusion gemacht haben. Eben wird vom Portier herauftelephoniert, dass Herr Baron Neuhoff auf der Treppe ist. Bitte zu befehlen, was mit ihm geschehen soll.
Vorlage S. 357
814
STANI.
Vorlage S. 358
815
Also, im Moment, wo wir von ihm sprechen. Das ist kein Zufall. Onkel Kari, dieser Mensch ist mein guignon, und ich beschwöre sein Kommen herauf. Vor einer Woche bei der Helen, ich will ihr eben meine Ansicht über den Herrn von Neuhoff sagen, im Moment steht der Neuhoff auf der Schwelle. Vor drei Tagen, ich geh von der Antoinette weg – im Vorzimmer steht der Herr von Neuhoff. Gestern früh bei meiner Mutter, ich wollte dringend etwas mit ihr besprechen, im Vorzimmer find ich den Herrn von Neuhoff.
Vorlage S. 358
816
VINZENZ
Vorlage S. 358
817
tritt ein, meldet.
Vorlage S. 358
818
Herr Baron Neuhoff sind im Vorzimmer.
Vorlage S. 358
819
HANS KARL.
Vorlage S. 358
820
Jetzt muss ich ihn natürlich empfangen.
Vorlage S. 358
821
Lukas winkt: Eintreten lassen.
Vorlage S. 358
822
Vinzenz öffnet die Flügeltür, läßt eintreten.
Vorlage S. 358
823
Zwölfte Szene
Vorlage S. 358
824
NEUHOFF
Vorlage S. 358
825
tritt ein.
Vorlage S. 358
826
Guten Abend, Graf Bühl. Ich war so unbescheiden, nachzusehen, ob Sie zu Hause wären.
Vorlage S. 358
827
HANS KARL.
Vorlage S. 358
828
Sie kennen meinen Neffen Freudenberg?
Vorlage S. 358
829
STANI.
Vorlage S. 358
830
Wir haben uns getroffen.
Vorlage S. 358
831
Sie setzen sich.
Vorlage S. 358
832
NEUHOFF.
Vorlage S. 358
833
Ich sollte die Freude haben. Ihnen diesen Abend im Altenwylschen Hause zu begegnen. Gräfin Helene hatte sich ein wenig darauf gefreut, uns zusammenzuführen. Um so schmerzlicher war mein Bedauern, als ich durch Gräfin Helene diesen Nachmittag erfahren musste, Sie hätten abgesagt.
Vorlage S. 358
834
HANS KARL.
Vorlage S. 358
835
Sie kennen meine Kusine seit dem letzten Winter?
Vorlage S. 358
836
NEUHOFF.
Vorlage S. 358
837
Kennen – wenn man das Wort von einem solchen Wesen brauchen darf. In gewissen Augenblicken gewahrt man erst, wie doppelsinnig das Wort ist: es bezeichnet das Oberflächlichste von der Welt und zugleich das tiefste Geheimnis des Daseins zwischen Mensch und Mensch.
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838
HANS KARL UND STANI
Vorlage S. 358
839
wechseln einen Blick.
Vorlage S. 358
840
NEUHOFF.
Vorlage S. 359
841
Ich habe das Glück, Gräfin Helene nicht selten zu sehen und ihr in Verehrung anzugehören.
Vorlage S. 359
842
Eine kleine, etwas genierte Pause.
Vorlage S. 359
843
NEUHOFF.
Vorlage S. 359
844
Heute nachmittag – wir waren zusammen im Atelier von Bohuslawsky – Bohuslawsky macht mein Porträt, das heißt, er quält sich unverhältnismäßig, den Ausdruck meiner Augen festzuhalten: er spricht von einem gewissen Etwas darin, das nur in seltenen Momenten sichtbar wird – und es war seine Bitte, dass die Gräfin Helene einmal dieses Bild ansehen und ihm über diese Augen ihre Kritik geben möchte – da sagt sie mir: Graf Bühl kommt nicht, gehen Sie zu ihm. Besuchen Sie ihn, ganz einfach. Es ist ein Mann, bei dem die Natur, die Wahrheit alles erreicht und die Absicht nichts. Ein wunderbarer Mann in unserer absichtsvollen Welt, war meine Antwort – aber so hab ich mir ihn gedacht, so hab ich ihn erraten, bei der ersten Begegnung.
Vorlage S. 359
845
STANI.
Vorlage S. 359
846
Sie sind meinem Onkel im Felde begegnet?
Vorlage S. 359
847
NEUHOFF.
Vorlage S. 359
848
Bei einem Stab.
Vorlage S. 359
849
HANS KARL.
Vorlage S. 359
850
Nicht in der sympathischsten Gesellschaft.
Vorlage S. 359
851
NEUHOFF.
Vorlage S. 359
852
Das merkte man Ihnen an, Sie sprachen unendlich wenig.
Vorlage S. 359
853
HANS KARL
Vorlage S. 359
854
lächelnd.
Vorlage S. 359
855
Ich bin kein großer Causeur, nicht wahr, Stani?
Vorlage S. 359
856
STANI.
Vorlage S. 359
857
In der Intimität schon!
Vorlage S. 359
858
NEUHOFF.
Vorlage S. 359
859
Sie sprechen es aus, Graf Freudenberg, Ihr Onkel liebt es, in Gold zu zahlen; er hat sich an das Papiergeld des täglichen Verkehrs nicht gewöhnen wollen. Er kann mit seiner Rede nur seine Intimität vergeben, und die ist unschätzbar.
Vorlage S. 359
860
HANS KARL.
Vorlage S. 359
861
Sie sind äußerst freundlich, Baron Neuhoff.
Vorlage S. 359
862
NEUHOFF.
Vorlage S. 359
863
Sie müssten sich von Bohuslawsky malen lassen, Graf Bühl. Sie würde er in drei Sitzungen treffen. Sie wissen, dass seine Stärke das Kinderporträt ist. Ihr Lächeln ist genau die Andeutung eines Kinderlachens. Missverstehen Sie mich nicht. Warum ist denn Würde so ganz unnachahmlich? Weil ein Etwas von Kindlichkeit in ihr steckt. Auf dem Umweg über die Kindlichkeit würde Bohuslawsky vermögen, einem Bilde von Ihnen das zu geben, was in unserer Welt das Seltenste ist und was Ihre Erscheinung in hohem Maße auszeichnet: Würde. Denn wir leben in einer würdelosen Welt.
Vorlage S. 359
864
HANS KARL.
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Johannes Vermeer – Briefleserin in Blau, um 1663. Vergleichsbild zum Motiv des Lesens und Briefeschreibens, keine konkrete Buchszene.
Kontextbild zum Werk. Briefleserin in Blau · Johannes Vermeer · Public domain Bildquelle ↗
865
Ich weiß nicht, von welcher Welt Sie sprechen: uns allen ist draußen soviel Würde entgegengetreten –
Vorlage S. 360
866
NEUHOFF.
Vorlage S. 360
867
Deswegen war ein Mann wie Sie draußen so in seinem Element. Was haben Sie geleistet, Graf Bühl! Ich erinnere mich des Unteroffiziers im Spital, der mit Ihnen und den dreißig Schützen verschüttet war.
Vorlage S. 360
868
HANS KARL.
Vorlage S. 360
869
Mein braver Zugführer, der Hütter Franz! Meine Kusine hat Ihnen davon erzählt?
Vorlage S. 360
870
NEUHOFF.
Vorlage S. 360
871
Sie hat mir erlaubt, sie bei diesem Besuch ins Spital zu begleiten. Ich werde nie das Gesicht und die Rede dieses Sterbenden vergessen.
Vorlage S. 360
872
HANS KARL
Vorlage S. 360
873
sagt nichts.
Vorlage S. 360
874
NEUHOFF.
Vorlage S. 360
875
Er sprach ausschließlich von Ihnen. Und in welchem Ton! Er wusste, dass sie eine Verwandte seines Hauptmanns war, mit der er sprach.
Vorlage S. 360
876
HANS KARL.
Vorlage S. 360
877
Der arme Hütter Franz!
Vorlage S. 360
878
NEUHOFF.
Vorlage S. 360
879
Vielleicht wollte mir die Gräfin Helene eine Idee von Ihrem Wesen geben, wie tausend Begegnungen im Salon sie nicht vermitteln können.
Vorlage S. 360
880
STANI
Vorlage S. 360
881
etwas scharf.
Vorlage S. 360
882
Vielleicht hat sie vor allem den Mann selbst sehen und vom Onkel Kari hören wollen.
Vorlage S. 360
883
NEUHOFF.
Vorlage S. 360
884
In einer solchen Situation wird ein Wesen wie Helene Altenwyl erst ganz sie selbst. Unter dieser vollkommenen Einfachheit, diesem Stolz der guten Rasse verbirgt sich ein Strömen der Liebe, eine alle Poren durchdringende Sympathie: es gibt von ihr zu einem Wesen, das sie sehr liebt und achtet, namenlose Verbindungen, die nichts lösen könnte, und an die nichts rühren darf. Wehe dem Gatten, der nicht verstünde, diese namenlose Verbundenheit bei ihr zu achten, der engherzig genug wäre, alle diese verteilten Sympathien auf sich vereinigen zu wollen.
Vorlage S. 360
885
Eine kleine Pause.
Vorlage S. 360
886
HANS KARL
Vorlage S. 360
887
raucht.
Vorlage S. 360
888
NEUHOFF.
Vorlage S. 360
889
Sie ist wie Sie: eines der Wesen, um die man nicht werben kann: die sich einem schenken müssen.
Vorlage S. 360
890
Abermals eine kleine Pause.
Vorlage S. 360
891
NEUHOFF
Vorlage S. 361
892
mit einer großen, vielleicht nicht ganz echten Sicherheit.
Vorlage S. 361
893
Ich bin ein Wanderer, meine Neugierde hat mich um die halbe Welt getrieben. Das, was schwierig zu kennen ist, fasziniert mich; was sich verbirgt, zieht mich an. Ich möchte ein stolzes, kostbares Wesen, wie Gräfin Helene, in Ihrer Gesellschaft sehen, Graf Bühl. Sie würde eine andere werden, sie würde aufblühen: denn ich kenne niemanden, der so sensibel ist für menschliche Qualität.
Vorlage S. 361
894
HANS KARL.
Vorlage S. 361
895
Das sind wir hier ja alle ein bisschen. Vielleicht ist das gar nichts so Besonderes an meiner Kusine.
Vorlage S. 361
896
NEUHOFF.
Vorlage S. 361
897
Ich denke mir die Gesellschaft, die ein Wesen wie Helene Altenwyl umgeben müsste, aus Männern Ihrer Art bestehend. Jede Kultur hat ihre Blüten: Gehalt ohne Prätention, Vornehmheit gemildert durch eine unendliche Grazie, so ist die Blüte dieser alten Gesellschaft beschaffen, der es gelungen ist, was die Ruinen von Luxor und die Wälder des Kaukasus nicht vermochten, einen Unstäten, wie mich, in ihrem Bannkreis festzuhalten. Aber, erklären Sie mir eins, Graf Bühl. Gerade die Männer Ihres Schlages, von denen die Gesellschaft ihr eigentliches Gepräge empfängt, begegnet man allzu selten in ihr. Sie scheinen ihr auszuweichen.
Vorlage S. 361
898
STANI.
Vorlage S. 361
899
Aber gar nicht, Sie werden den Onkel Kari gleich heute abend bei Altenwyls sehen, und ich fürchte sogar, so gemütlich dieser kleine Plausch hier ist, so müssen wir ihm bald Gelegenheit geben, sich umzuziehen.
Vorlage S. 361
900
Er ist aufgestanden.
Vorlage S. 361
901
NEUHOFF.
Vorlage S. 361
902
Müssen wir das, so sage ich Ihnen für jetzt adieu, Graf Bühl. Wenn Sie jemals, sei es in welcher Lage immer, eines fahrenden Ritters bedürfen sollten, Schon im Gehen. der dort, wo er das Edle, das Hohe ahnt, ihm unbedingt und ehrfürchtig zu dienen gewillt ist, so rufen Sie mich.
Vorlage S. 361
903
Hans Karl, dahinter Stani, begleiten ihn. Wie sie an der Tür sind, klingelt das Telephon.
Vorlage S. 361
904
NEUHOFF.
Vorlage S. 361
905
Bitte, bleiben Sie, der Apparat begehrt nach Ihnen.
Vorlage S. 361
906
STANI.
Vorlage S. 361
907
Darf ich Sie bis an die Stiege begleiten?
Vorlage S. 361
908
HANS KARL
Vorlage S. 362
909
an der Tür.
Vorlage S. 362
910
Ich danke Ihnen sehr für Ihren guten Besuch, Baron Neuhoff.
Vorlage S. 362
911
NEUHOFF UND STANI
Vorlage S. 362
912
ab.
Vorlage S. 362
913
HANS KARL
Vorlage S. 362
914
allein mit dem heftig klingelnden Apparat, geht an die Wand und drückt an den Zimmertelegraph, rufend.
Vorlage S. 362
915
Lukas, abstellen! Ich mag diese indiskrete Maschine nicht! Lukas!
Vorlage S. 362
916
Das Klingeln hört auf.
Vorlage S. 362
917
Dreizehnte Szene
Vorlage S. 362
918
STANI
Vorlage S. 362
919
kommt zurück.
Vorlage S. 362
920
Nur für eine Sekunde, Onkel Kari, wenn du mir verzeihst. Ich hab müssen dein Urteil über diesen Herrn hören!
Vorlage S. 362
921
HANS KARL.
Vorlage S. 362
922
Das deinige scheint ja fix und fertig zu sein.
Vorlage S. 362
923
STANI.
Vorlage S. 362
924
Ah, ich find ihn einfach unmöglich. Ich verstehe einfach eine solche Figur nicht. Und dabei ist der Mensch ganz gut geboren!
Vorlage S. 362
925
HANS KARL.
Vorlage S. 362
926
Und du findest ihn so unannehmbar?
Vorlage S. 362
927
STANI.
Vorlage S. 362
928
Aber ich bitte: so viel Taktlosigkeiten als Worte.
Vorlage S. 362
929
HANS KARL.
Vorlage S. 362
930
Er will sehr freundlich sein, er will für sich gewinnen.
Vorlage S. 362
931
STANI.
Vorlage S. 362
932
Aber man hat doch eine assurance, man kriecht wildfremden Leuten noch nicht in die Westentasche.
Vorlage S. 362
933
HANS KARL.
Vorlage S. 362
934
Und er glaubt allerdings, dass man etwas aus sich machen kann – das würde ich als eine Naivität ansehen oder als Erziehungsfehler.
Vorlage S. 362
935
STANI
Vorlage S. 362
936
geht aufgeregt auf und ab.
Vorlage S. 362
937
Diese Tiraden über die Helen!
Vorlage S. 362
938
HANS KARL.
Vorlage S. 362
939
Dass ein Mädel wie die Helen mit ihm Konversation über unsereinen führt, macht mir auch keinen Spaß.
Vorlage S. 362
940
STANI.
Vorlage S. 362
941
Daran ist gewiss kein wahres Wort. Ein Kerl, der kalt und warm aus einem Munde blast.
Vorlage S. 362
942
HANS KARL.
Vorlage S. 362
943
Es wird alles sehr ähnlich gewesen sein, wie er sagt. Aber es gibt Leute, in deren Mund sich alle Nuancen verändern, unwillkürlich.
Vorlage S. 362
944
STANI.
Vorlage S. 362
945
Du bist von einer Toleranz!
Vorlage S. 362
946
HANS KARL.
Vorlage S. 362
947
Ich bin halt sehr alt, Stani.
Vorlage S. 362
948
STANI.
Vorlage S. 362
949
Ich ärgere mich jedenfalls rasend, das ganze Genre bringt mich auf, diese falsche Sicherheit, diese ölige Suada, dieses Kokettieren mit seinem odiosen Spitzbart.
Vorlage S. 362
950
HANS KARL.
Vorlage S. 363
951
Er hat Geist, aber es wird einem nicht wohl dabei.
Vorlage S. 363
952
STANI.
Vorlage S. 363
953
Diese namenlosen Indiskretionen. Ich frage: was geht ihn dein Gesicht an?
Vorlage S. 363
954
HANS KARL.
Vorlage S. 363
955
Au fond ist man vielleicht ein bedauernswerter Mensch, wenn man so ist.
Vorlage S. 363
956
STANI.
Vorlage S. 363
957
Ich nenne ihn einen odiosen Kerl. Jetzt muss ich aber zur Mamu hinauf. Ich seh dich jedenfalls in der Nacht im Klub, Onkel Kari.
Vorlage S. 363
958
AGATHE
Vorlage S. 363
959
sieht leise bei der Tür rechts herein, sie glaubt Hans Karl allein.
Vorlage S. 363
960
STANI
Vorlage S. 363
961
kommt noch einmal nach vorne.
Vorlage S. 363
962
HANS KARL
Vorlage S. 363
963
winkt Agathe, zu verschwinden.
Vorlage S. 363
964
STANI.
Vorlage S. 363
965
Weißt du, ich kann mich nicht beruhigen. Erstens die Bassesse, einem Herrn wie dir ins Gesicht zu schmeicheln.
Vorlage S. 363
966
HANS KARL.
Vorlage S. 363
967
Das war nicht sehr elegant.
Vorlage S. 363
968
STANI.
Vorlage S. 363
969
Zweitens das Affichieren einer weiß Gott wie dicken Freundschaft mit der Helen. Drittens die Spionage, ob du dich für sie interessierst.
Vorlage S. 363
970
HANS KARL
Vorlage S. 363
971
lächelnd.
Vorlage S. 363
972
Meinst du, er hat ein bißl das Terrain sondieren wollen?
Vorlage S. 363
973
STANI.
Vorlage S. 363
974
Viertens diese maßlos indiskrete Anspielung auf seine künftige Situation. Er hat sich uns ja geradezu als ihren Zukünftigen vorgestellt. Fünftens dieses odiose Perorieren, das es einem unmöglich macht, auch nur einmal die Replik zu geben. Sechstens dieser unmögliche Abgang. Das war ja ein Geburtstagswunsch, ein Leitartikel. Aber ich halt dich auf, Onkel Kari.
Vorlage S. 363
975
AGATHE
Vorlage S. 363
976
ist wieder in der Tür erschienen, gleiches Spiel wie früher.
Vorlage S. 363
977
STANI
Vorlage S. 363
978
war schon im Verschwinden, kommt wieder nach vorne.
Vorlage S. 363
979
Darf ich noch einmal? Das eine kann ich nicht begreifen, dass dir die Sache wegen der Helen nicht nähergeht!
Vorlage S. 363
980
HANS KARL.
Vorlage S. 363
981
Inwiefern mir?
Vorlage S. 363
982
STANI.
Vorlage S. 363
983
Pardon, mir steht die Helen zu nahe, als dass ich diese unmögliche Phrase von »Verehrung« und »Angehören« goutieren könnt. Wenn man die Helen von klein auf kennt, wie eine Schwester!
Vorlage S. 363
984
HANS KARL.
Vorlage S. 364
985
Es kommt ein Moment, wo die Schwestern sich von den Brüdern trennen.
Vorlage S. 364
986
STANI.
Vorlage S. 364
987
Aber nicht für einen Neuhoff. Ah, ah!
Vorlage S. 364
988
HANS KARL.
Vorlage S. 364
989
Eine kleine Dosis von Unwahrheit ist den Frauen sehr sympathisch.
Vorlage S. 364
990
STANI.
Vorlage S. 364
991
So ein Kerl dürfte nicht in die Nähe von der Helen.
Vorlage S. 364
992
HANS KARL.
Vorlage S. 364
993
Wir werden es nicht hindern können.
Vorlage S. 364
994
STANI.
Vorlage S. 364
995
Ah, das möcht ich sehen. Nicht in die Nähe!
Vorlage S. 364
996
HANS KARL.
Vorlage S. 364
997
Er hat uns die kommende Verwandtschaft angekündigt.
Vorlage S. 364
998
STANI.
Vorlage S. 364
999
In welchem Zustand muss die Helen sein, wenn sie sich mit diesem Menschen einläßt.
Vorlage S. 364
1000
HANS KARL.
Vorlage S. 364
1001
Weißt du, ich habe mir abgewöhnt, aus irgendeiner Handlung von Frauen Folgerungen auf ihren Zustand zu ziehen.
Vorlage S. 364
1002
STANI.
Vorlage S. 364
1003
Nicht, dass ich eifersüchtig wäre, aber mir eine Person wie die Helen – als Frau dieses Neuhoff zu denken, das ist für mich eine derartige Unbegreiflichkeit – die Idee ist mir einfach unfaßlich – ich muss sofort mit der Mamu davon sprechen.
Vorlage S. 364
1004
HANS KARL
Vorlage S. 364
1005
lächelnd.
Vorlage S. 364
1006
Ja, tu das, Stani. –
Vorlage S. 364
1007
Stani ab.
Vorlage S. 364
1008
Vierzehnte Szene
Vorlage S. 364
1009
LUKAS
Vorlage S. 364
1010
tritt ein.
Vorlage S. 364
1011
Ich fürchte, das Telephon war hereingestellt.
Vorlage S. 364
1012
HANS KARL.
Vorlage S. 364
1013
Ich will das nicht.
Vorlage S. 364
1014
LUKAS.
Vorlage S. 364
1015
Sehr wohl, Euer Erlaucht. Der neue Diener muss es umgestellt haben, ohne dass ichs bemerkt habe. Er hat überall die Hände und die Ohren, wo er sie nicht haben soll.
Vorlage S. 364
1016
HANS KARL.
Vorlage S. 364
1017
Morgen um sieben Uhr früh expedieren.
Vorlage S. 364
1018
LUKAS.
Vorlage S. 364
1019
Sehr wohl. Der Diener vom Herrn Grafen Hechingen war am Telephon. Der Herr Graf möchten selbst gern sprechen wegen heute abend: ob Erlaucht in die Soiree zu Graf Altenwyl gehen oder nicht. Nämlich, weil die Frau Gräfin auch dort sein wird.
Vorlage S. 364
1020
HANS KARL.
Vorlage S. 364
1021
Rufen Sie jetzt bei Graf Altenwyl an und sagen Sie, ich habe mich freigemacht, lasse um Erlaubnis bitten, trotz meiner Absage doch zu erscheinen. Und dann verbinden Sie mich mit dem Grafen Hechingen, ich werde selbst sprechen. Und bitten Sie indes die Kammerfrau, hereinzukommen.
Vorlage S. 364
1022
LUKAS.
Vorlage S. 365
1023
Sehr wohl.
Vorlage S. 365
1024
Geht ab. Agathe herein.
Vorlage S. 365
1025
Fünfzehnte Szene
Vorlage S. 365
1026
HANS KARL
Vorlage S. 365
1027
nimmt das Paket mit den Briefen.
Vorlage S. 365
1028
Hier sind die Briefe. Sagen Sie der Frau Gräfin, dass ich mich von diesen Briefen darum trennen kann, weil die Erinnerung an das Schöne für mich unzerstörbar ist; ich werde sie nicht in einem Brief finden, sondern überall.
Vorlage S. 365
1029
AGATHE.
Vorlage S. 365
1030
Oh, ich küß die Hand! Ich bin ja so glücklich. Jetzt weiß ich, dass meine Frau Gräfin unsern Herrn Grafen bald wiedersehen wird.
Vorlage S. 365
1031
HANS KARL.
Vorlage S. 365
1032
Sie wird mich heut abend sehen. Ich werde auf die Soiree kommen.
Vorlage S. 365
1033
AGATHE.
Vorlage S. 365
1034
Und dürften wir hoffen, dass sie – dass derjenige, der ihr entgegentritt, der gleiche sein wird, wie immer?
Vorlage S. 365
1035
HANS KARL.
Vorlage S. 365
1036
Sie hat keinen besseren Freund.
Vorlage S. 365
1037
AGATHE.
Vorlage S. 365
1038
Oh, ich küß die Hand.
Vorlage S. 365
1039
HANS KARL.
Vorlage S. 365
1040
Sie hat nur zwei wahre Freunde auf der Welt: mich und ihren Mann.
Vorlage S. 365
1041
AGATHE.
Vorlage S. 365
1042
Oh, mein Gott, das will ich nicht hören. O Gott, o Gott, das Unglück, dass sich unser Herr Graf mit dem Grafen Hechingen befreundet hat. Meiner Frau Gräfin bleibt wirklich nichts erspart.
Vorlage S. 365
1043
HANS KARL
Vorlage S. 365
1044
geht nervös ein paar Schritte von ihr weg.
Vorlage S. 365
1045
Ja, ahnen denn die Frauen so wenig, was ein Mann ist?! Und wer sie wirklich liebhat!
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1046
AGATHE.
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1047
Oh, nur das nicht. Wir lassen uns ja von Euer Erlaucht alles einreden, aber das nicht, das ist zu viel!
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1048
HANS KARL
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1049
auf und ab.
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1050
Also nicht. Nicht helfen können! Nicht so viel!
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1051
Pause.
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1052
AGATHE
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1053
schüchtern und an ihn herantretend.
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1054
Oder versuchen Sies doch. Aber nicht durch mich: für eine solche Botschaft bin ich zu ungebildet. Da hätte ich nicht die richtigen Ausdrücke. Und auch nicht brieflich. Das gibt nur Mißverständnisse. Aber Aug in Aug: ja, gewiss! Da werden Sie schon was ausrichten! Was sollen Sie bei meiner Frau Gräfin nicht ausrichten! Nicht vielleicht beim erstenmal. Aber wiederholt – wenn Sie ihr recht eindringlich ins Gewissen reden – wie sollte Sie Ihnen denn da widerstehen können?
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1055
Das Telephon läutet wieder.
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1056
HANS KARL
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1057
geht ans Telephon und spricht hinein.
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1058
Ja, ich bin es selbst. Hier. Ja, ich bin am Apparat. Ich bleibe. Graf Bühl. Ja, selbst.
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1059
AGATHE.
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1060
Ich küß die Hand.
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1061
Geht schnell ab, durch die Mitteltür.
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1062
HANS KARL
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1063
am Telephon.
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1064
Hechingen, guten Abend! Ja, ich habs mir überlegt. Ich habe zugesagt. Ich werde Gelegenheit nehmen. Gewiss. Ja, das hat mich bewogen, hinzugehen. Gerade auf einer Soiree, da ich nicht Bridge spiele und deine Frau, wie ich glaube, auch nicht. Kein Anlass. Auch dazu ist kein Anlass. Zu deinem Pessimismus. Zu deinem Pessimismus! Du verstehst nicht? Zu deiner Traurigkeit ist kein Anlass. Absolut bekämpfen! Allein? Also die berühmte Flasche Champagner. Ich bringe bestimmt das Resultat vor Mitternacht. Übertriebene Hoffnungen natürlich auch nicht. Du weißt, dass ich das Mögliche versuchen werde. Es entspricht doch auch meiner Empfindung. Es entspricht meiner Empfindung! Wie? Gestört? Ich habe gesagt: Es entspricht meiner Empfindung. Empfindung! Eine ganz gleichgültige Phrase! Keine Frage, eine Phrase! Ich habe eine gleichgültige Phrase gesagt! Welche? Es entspricht meiner Empfindung. Nein, ich nenne es nur eine gleichgültige Phrase, weil du es so lange nicht verstanden hast. Ja. Ja. Ja! Adieu. Schluss! Läutet. Es gibt Menschen, mit denen sich alles kompliziert, und dabei ist das so ein exzellenter Kerl!
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1065
Sechzehnte Szene
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1066
STANI
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1067
aufs neue in der Mitteltür.
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1068
Ist es sehr unbescheiden, Onkel Kari?
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1069
HANS KARL.
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1070
Aber bitte, ich bin zur Verfügung.
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1071
STANI
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1072
vorne bei ihm.
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1073
Ich muss dir melden, Onkel Kari, dass ich inzwischen eine Konversation mit der Mamu gehabt habe und zu einem Resultat gekommen bin.
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1074
HANS KARL
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1075
sieht ihn an.
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1076
STANI.
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1077
Ich werde mich mit der Helen Altenwyl verloben.
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1078
HANS KARL.
Vorlage S. 367
1079
Du wirst dich –
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1080
STANI.
Vorlage S. 367
1081
Ja, ich bin entschlossen, die Helen zu heiraten. Nicht heute und nicht morgen, aber in der allernächsten Zeit. Ich habe alles durchgedacht. Auf der Stiege von hier bis in den zweiten Stock hinauf. Wie ich zur Mamu in den zweiten Stock gekommen bin, war alles fix und fertig. Weißt du, die Idee ist mir plötzlich gekommen, wie ich bemerkt hab, du interessierst dich nicht für die Helen.
Vorlage S. 367
1082
HANS KARL.
Vorlage S. 367
1083
Aha.
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1084
STANI.
Vorlage S. 367
1085
Begreifst du? Es war so eine Idee von der Mamu. Sie behauptet, man weiß nie, woran man mit dir ist – am Ende hättest du doch daran gedacht, die Helen zu nehmen – und du bist doch für die Mamu immer der Familienchef, ihr Herz ist halt ganz Bühlisch.
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1086
HANS KARL
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1087
halb abgewandt.
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1088
Die gute Crescence!
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1089
STANI.
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1090
Aber ich hab immer widersprochen. Ich verstehe ja jede Nuance von dir. Ich hab von jeher gefühlt, dass von einem Interesse für die Helen bei dir nicht die Idee sein kann.
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1091
HANS KARL
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1092
dreht sich plötzlich zu ihm um.
Vorlage S. 367
1093
Und deine Mutter?
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1094
STANI.
Vorlage S. 367
1095
Die Mamu?
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1096
HANS KARL.
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1097
Ja, wie hat sie es aufgefaßt?
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1098
STANI.
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1099
Feuer und Flamme natürlich. Sie hat ein ganz rotes Gesicht bekommen vor Freude. Wundert dich das, Onkel Kari?
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1100
HANS KARL.
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1101
Nur ein bißl, nur eine Idee – ich hab immer den Eindruck gehabt, dass deine Mutter einen bestimmten Gedanken hat in bezug auf die Helen.
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1102
STANI.
Vorlage S. 367
1103
Eine Aversion?
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1104
HANS KARL.
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1105
Gar nicht. Nur eine Ansicht. Eine Vermutung.
Vorlage S. 368
1106
STANI.
Vorlage S. 368
1107
Früher, die früheren Jahre?
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1108
HANS KARL.
Vorlage S. 368
1109
Nein, vor einer halben Stunde.
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1110
STANI.
Vorlage S. 368
1111
In welcher Richtung? Aber die Mamu ist ja so eine Windfahn! Das vergisst sie ja im Moment. Vor einem Entschluss von mir, da ist sie sofort auf den Knien. Da spürt sie den Mann. Sie adoriert das fait accompli.
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1112
HANS KARL.
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1113
Also, du hast dich entschlossen? –
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1114
STANI.
Vorlage S. 368
1115
Ja, ich bin entschlossen.
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1116
HANS KARL.
Vorlage S. 368
1117
So auf eins, zwei!
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1118
STANI.
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1119
Das ist doch genau das, worauf es ankommt. Das imponiert ja den Frauen so enorm an mir. Dadurch eben behalte ich immer die Führung in der Hand.
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1120
HANS KARL
Vorlage S. 368
1121
raucht.
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1122
STANI.
Vorlage S. 368
1123
Siehst du, du hast vielleicht früher auch einmal daran gedacht, die Helen zu heiraten –
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1124
HANS KARL.
Vorlage S. 368
1125
Gott, vor Jahren vielleicht. In irgendeinem Moment, wie man an tausend Sachen denkt.
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1126
STANI.
Vorlage S. 368
1127
Begreifst du? Ich hab nie daran gedacht! Aber im Augenblick, wo ich es denke, bring ich es auch zu Ende. – Du bist verstimmt?
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1128
HANS KARL.
Vorlage S. 368
1129
Ich habe ganz unwillkürlich einen Moment an die Antoinette denken müssen.
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1130
STANI.
Vorlage S. 368
1131
Aber jede Sache auf der Welt muss doch ihr Ende haben.
Vorlage S. 368
1132
HANS KARL.
Vorlage S. 368
1133
Natürlich. Und das beschäftigt dich gar nicht, ob die Helen frei ist? Sie scheint doch zum Beispiel diesem Neuhoff Hoffnungen gegeben zu haben.
Vorlage S. 368
1134
STANI.
Vorlage S. 368
1135
Das ist ja genau mein Kalkul. Über Hoffnungen, die sich der Herr von Neuhoff macht, gehe ich einfach hinweg. Und dass für die Helen ein Theophil Neuhoff überhaupt in Frage kommen kann, das beweist doch gerade, dass eine ernste Okkupation bei ihr nicht vorhanden ist. Solche Komplikationen statuier ich nicht. Das sind Launen, oder sagen wir das Wort: Verirrungen.
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1136
HANS KARL.
Vorlage S. 368
1137
Sie ist schwer zu kennen.
Vorlage S. 368
1138
STANI.
Vorlage S. 368
1139
Aber ich kenn doch ihr Genre. In letzter Linie kann die sich für keinen Typ von Männern interessieren als für den unsrigen; alles andere ist eine Verirrung. Du bist so still, hast du dein Kopfweh?
Vorlage S. 368
1140
HANS KARL.
Vorlage S. 369
1141
Aber gar nicht. Ich bewundere deinen Mut.
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1142
STANI.
Vorlage S. 369
1143
Du und Mut und bewundern?
Vorlage S. 369
1144
HANS KARL.
Vorlage S. 369
1145
Das ist eine andere Art von Mut als der im Graben.
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1146
STANI.
Vorlage S. 369
1147
Ja, ich versteh dich ja so gut, Onkel Kari. Du denkst an die Chancen, die ich sonst noch im Leben gehabt hätte. Du hast das Gefühl, dass ich mich vielleicht zu billig weggeb. Aber siehst du, da bin ich wieder ganz anders; ich liebe das Vernünftige und Definitive. Du, Onkel Kari, bist au fond, verzeih, dass ich es heraussage, ein Idealist: deine Gedanken gehen auf das Absolute, auf das Vollkommene. Das ist ja sehr elegant gedacht, aber unrealisierbar. Au fond bist du da wie die Mamu; der ist nichts gut genug für mich. Ich habe die Sache durchgedacht, wie sie ist. Die Helen ist ein Jahr jünger wie ich.
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1148
HANS KARL.
Vorlage S. 369
1149
Ein Jahr?
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1150
STANI.
Vorlage S. 369
1151
Sie ist ausgezeichnet geboren.
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1152
HANS KARL.
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1153
Man kann nicht besser sein.
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1154
STANI.
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1155
Sie ist elegant.
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1156
HANS KARL.
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1157
Sehr elegant.
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1158
STANI.
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1159
Sie ist reich.
Vorlage S. 369
1160
HANS KARL.
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1161
Und vor allem so hübsch.
Vorlage S. 369
1162
STANI.
Vorlage S. 369
1163
Sie hat Rasse.
Vorlage S. 369
1164
HANS KARL.
Vorlage S. 369
1165
Ohne Vergleich.
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1166
STANI.
Vorlage S. 369
1167
Bitte, vor allem in den zwei Punkten, auf die in der Ehe alles ankommt. Primo: sie kann nicht lügen, secundo: sie hat die besten Manieren von der Welt.
Vorlage S. 369
1168
HANS KARL.
Vorlage S. 369
1169
Sie ist so delizios artig, wie sonst nur alte Frauen sind.
Vorlage S. 369
1170
STANI.
Vorlage S. 369
1171
Sie ist gescheit wie der Tag.
Vorlage S. 369
1172
HANS KARL.
Vorlage S. 369
1173
Wem sagst du das? Ich hab ihre Konversation so gern.
Vorlage S. 369
1174
STANI.
Vorlage S. 369
1175
Und sie wird mich mit der Zeit adorieren.
Vorlage S. 369
1176
HANS KARL
Vorlage S. 369
1177
vor sich, unwillkürlich.
Vorlage S. 369
1178
Auch das ist möglich.
Vorlage S. 369
1179
STANI.
Vorlage S. 369
1180
Aber nicht möglich. Ganz bestimmt. Bei diesem Genre von Frauen bringt das die Ehe mit sich. In der Liaison hängt alles von Umständen ab, da sind Bizarrerien möglich, Täuschungen, Gott weiß was. In der Ehe bersuht alles auf der Dauer; auf die Dauer nimmt jeder die Qualität des andern derart in sich auf, dass von einer wirklichen Differenz nicht mehr die Rede sein kann: unter der einen Voraussetzung, dass die Ehe aus dem richtigen Entschluss hervorgeht. Das ist der Sinn der Ehe.
Vorlage S. 369
1181
Siebzehnte Szene
Vorlage S. 370
1182
LUKAS
Vorlage S. 370
1183
eintretend.
Vorlage S. 370
1184
Frau Gräfin Freudenberg.
Vorlage S. 370
1185
CRESCENCE
Vorlage S. 370
1186
an Lukas vorbei, tritt schnell ein.
Vorlage S. 370
1187
Also, was sagt Er mir zu dem Buben, Kari? Ich bin ja überglücklich. Gratulier Er mir doch!
Vorlage S. 370
1188
HANS KARL
Vorlage S. 370
1189
ein wenig abwesend.
Vorlage S. 370
1190
Meine gute Crescence. Ich wünsch den allergrößten Erfolg.
Vorlage S. 370
1191
STANI
Vorlage S. 370
1192
empfiehlt sich stumm.
Vorlage S. 370
1193
CRESCENCE.
Vorlage S. 370
1194
Schick Er mir das Auto retour.
Vorlage S. 370
1195
STANI.
Vorlage S. 370
1196
Bitte zu verfügen. Ich gehe zu Fuß. Geht.
Vorlage S. 370
1197
Achtzehnte Szene
Vorlage S. 370
1198
CRESCENCE.
Vorlage S. 370
1199
Der Erfolg wird sehr stark von dir abhängen.
Vorlage S. 370
1200
HANS KARL.
Vorlage S. 370
1201
Von mir? Ihm stehts doch auf der Stirne geschrieben, dass er erreicht, was er sich vornimmt.
Vorlage S. 370
1202
CRESCENCE.
Vorlage S. 370
1203
Für die Helen ist dein Urteil alles.
Vorlage S. 370
1204
HANS KARL.
Vorlage S. 370
1205
Wieso, Crescence, inwiefern?
Vorlage S. 370
1206
CRESCENCE.
Vorlage S. 370
1207
Für den Vater Altenwyl natürlich noch mehr. Der Stani ist eine sehr nette Partie, aber nicht epatant. Darüber mach ich mir keine Illusionen. Aber wenn Er ihn appuyiert, Kari, ein Wort von Ihm hat gerade für die alten Leut so viel Gewicht. Ich weiß gar nicht, woran das liegt.
Vorlage S. 370
1208
HANS KARL.
Vorlage S. 370
1209
Ich gehör halt selbst schon bald zu ihnen.
Vorlage S. 370
1210
CRESCENCE.
Vorlage S. 370
1211
Kokettier Er nicht mit seinem Alter. Wir zwei sind nicht alt und nicht jung. Aber ich hasse schiefe Positionen. Ich möcht schon lieber mit grauem Haar und einer Hornbrille dasitzen.
Vorlage S. 370
1212
HANS KARL.
Vorlage S. 371
1213
Darum legt Sie sich zeitig aufs Heiratstiften.
Vorlage S. 371
1214
CRESCENCE.
Vorlage S. 371
1215
Ich habe immer für Ihn tun wollen, Kari, schon vor zwölf Jahren. Aber Er hat immer diesen stillen obstinaten Widerspruch in sich gehabt.
Vorlage S. 371
1216
HANS KARL.
Vorlage S. 371
1217
Meine gute Crescence!
Vorlage S. 371
1218
CRESCENCE.
Vorlage S. 371
1219
Hundertmal hab ich Ihm gesagt: sag Er mir, was Er erreichen will, und ich nehms in die Hand.
Vorlage S. 371
1220
HANS KARL.
Vorlage S. 371
1221
Ja, das hat Sie mir oft gesagt, weiß Gott, Crescence.
Vorlage S. 371
1222
CRESCENCE.
Vorlage S. 371
1223
Aber man hat ja bei Ihm nicht gewusst, woran man ist!
Vorlage S. 371
1224
HANS KARL
Vorlage S. 371
1225
nickt.
Vorlage S. 371
1226
CRESCENCE.
Vorlage S. 371
1227
Und jetzt macht halt der Stani, was Er nicht hat machen wollen. Ich kann gar nicht erwarten, dass wieder kleine Kinder in Hohenbühl und in Göllersdorf herumlaufen.
Vorlage S. 371
1228
HANS KARL.
Vorlage S. 371
1229
Und in den Schloßteich fallen! Weiß Sie noch, wie sie mich halbtot herausgezogen haben? Weiß Sie – ich hab manchmal die Idee, dass gar nichts Neues auf der Welt passiert.
Vorlage S. 371
1230
CRESCENCE.
Vorlage S. 371
1231
Wie meint Er das?
Vorlage S. 371
1232
HANS KARL.
Vorlage S. 371
1233
Dass alles schon längst irgendwo fertig dasteht und nur auf einmal erst sichtbar wird. Weißt du, wie im Hohenbühler Teich, wenn man im Herbst das Wasser abgelassen hat, auf einmal die Karpfen und die Schweife von den steinernen Tritonen da waren, die man früher kaum gesehen hat? Eine burleske Idee, was!
Vorlage S. 371
1234
CRESCENCE.
Vorlage S. 371
1235
Ist Er denn auf einmal schlecht aufgelegt, Kari?
Vorlage S. 371
1236
HANS KARL
Vorlage S. 371
1237
gibt sich einen Ruck.
Vorlage S. 371
1238
Im Gegenteil, Crescence. Ich danke euch so sehr als ich nur kann, Ihr und dem Stani, für das gute Tempo, das ihr mir gebt mit eurer Frische und eurer Entschiedenheit. Er küsst ihr die Hand.
Vorlage S. 371
1239
CRESCENCE.
Vorlage S. 371
1240
Findet Er, dass Ihm das gut tut, uns in der Nähe zu haben?
Vorlage S. 371
1241
HANS KARL.
Vorlage S. 371
1242
Ich hab jetzt einen sehr guten Abend vor mir. Zuerst eine ernste Konversation mit der Toinette –
Vorlage S. 371
1243
CRESCENCE.
Vorlage S. 372
1244
Aber das brauchen wir ja jetzt gar nicht!
Vorlage S. 372
1245
HANS KARL.
Vorlage S. 372
1246
Ah, ich red doch mit ihr, jetzt hab ich es mir einmal vorgenommen, und dann soll ich also als Onkel vom Stani die gewissen seriosen Unterhaltungen anknüpfen.
Vorlage S. 372
1247
CRESCENCE.
Vorlage S. 372
1248
Das Wichtigste ist, dass du ihn bei der Helen ins richtige Licht stellst.
Vorlage S. 372
1249
HANS KARL.
Vorlage S. 372
1250
Da hab ich also ein richtiges Programm. Sieht Sie, wie Sie mich reformiert? Aber weiß Sie, vorher – ich hab eine Idee – vorher geh ich für eine Stunde in den Zirkus, da haben sie jetzt einen Clown – eine Art von dummen August –
Vorlage S. 372
1251
CRESCENCE.
Vorlage S. 372
1252
Der Furlani, über den ist die Nanni ganz verrückt. Ich hab gar keinen Sinn für diese Späße.
Vorlage S. 372
1253
HANS KARL.
Vorlage S. 372
1254
Ich find ihn delizios. Mich unterhält er viel mehr als die gescheiteste Konversation von Gott weiß wem. Ich freu mich rasend. Ich gehe in den Zirkus, dann esse ich einen Bissen in einem Restaurant, und dann komm ich sehr munter in die Soiree und absolvier mein Programm.
Vorlage S. 372
1255
CRESCENCE.
Vorlage S. 372
1256
Ja, Er kommt und richtet dem Stani die Helen in die Hand, so was kann Er ja so gut. Er wäre doch ein so wunderbarer Botschafter geworden, wenn Er hätt wollen in der Karriere bleiben.
Vorlage S. 372
1257
HANS KARL.
Vorlage S. 372
1258
Dazu is es halt auch zu spät.
Vorlage S. 372
1259
CRESCENCE.
Vorlage S. 372
1260
Also, amüsier Er sich gut und komm Er bald nach.
Vorlage S. 372
1261
Hans Karl begleitet sie bis an die Tür, Crescence geht.
Vorlage S. 372
1262
Neunzehnte Szene
Vorlage S. 372
1263
HANS KARL
Vorlage S. 372
1264
kommt nach vorn.
Vorlage S. 372
1265
LUKAS
Vorlage S. 372
1266
ist mit ihm hereingetreten.
Vorlage S. 372
1267
HANS KARL.
Vorlage S. 372
1268
Ich ziehe den Frack an. Ich werde gleich läuten.
Vorlage S. 372
1269
LUKAS.
Vorlage S. 372
1270
Sehr wohl, Eure Erlaucht.
Vorlage S. 372
1271
Hans Karl links ab.
Vorlage S. 372
1272
Zwanzigste Szene
Vorlage S. 373
1273
VINZENZ
Vorlage S. 373
1274
tritt von rechts ein.
Vorlage S. 373
1275
Was machen Sie da?
Vorlage S. 373
1276
LUKAS.
Vorlage S. 373
1277
Ich warte auf das Glockenzeichen vom Toilettezimmer, dann geh ich hinein helfen.
Vorlage S. 373
1278
VINZENZ.
Vorlage S. 373
1279
Ich werde mit hineingehen. Es ist ganz gut, wenn ich mich an ihn gewöhne.
Vorlage S. 373
1280
LUKAS.
Vorlage S. 373
1281
Es ist nicht befohlen, also bleiben Sie draußen.
Vorlage S. 373
1282
VINZENZ
Vorlage S. 373
1283
nimmt sich eine Zigarre.
Vorlage S. 373
1284
Sie, das ist doch ganz ein einfacher, umgänglicher Mensch, die Verwandten machen ja mit ihm, was sie wollen. In einem Monat wickel ich ihn um den Finger.
Vorlage S. 373
1285
LUKAS
Vorlage S. 373
1286
schließt die Zigarren ein.
Vorlage S. 373
1287
Man hört eine Klingel. Lukas beeilt sich.
Vorlage S. 373
1288
VINZENZ.
Vorlage S. 373
1289
Bleiben Sie nur noch. Er soll zweimal läuten. Setzt sich in einen Fauteuil.
Vorlage S. 373
1290
LUKAS
Vorlage S. 373
1291
ab in seinem Rücken.
Vorlage S. 373
1292
VINZENZ
Vorlage S. 373
1293
vor sich.
Vorlage S. 373
1294
Liebesbriefe stellt er zurück, den Neffen verheiratet er, und er selbst hat sich entschlossen, als ältlicher Junggeselle so dahinzuleben mit mir. Das ist genau, wie ich mirs vorgestellt habe. Über die Schulter nach rückwärts, ohne sich umzudrehen. Sie, Herr Schätz, ich bin ganz zufrieden, da bleib ich!
Vorlage S. 373
1295
Der Vorhang fällt.
Vorlage S. 373

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Und dann hab ich geglaubt, du hast …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »deswegen« in diesem Textausschnitt? »Aber, dass es deswegen auf einmal plötzlich aufhören soll, in das können wir uns nicht hineinfinden!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt enthält eine ausdrückliche Verneinung oder einen Ausschluss? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Ah, so genau hat sie dir das erzählt.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Ich danke Ihnen sehr für Ihren guten Besuch, Baron Neuhoff.« B: »Nein wirklich, ich hätte nie gewagt, wenn ich nicht so deutlich die krähende Stimm vom Neugebauer –« C: »Die vor den Leuten in einem Salon hab ich halt noch immer.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Das, was schwierig zu kennen ist, fasziniert …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »Weil« in diesem Textausschnitt? »Weil ein Etwas von Kindlichkeit in ihr steckt.«

Eine Antwort ist richtig.

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10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Ja, das hat Sie mir …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Lies den Abschnittsbeginn: »Hier ist das sogenannte Arbeitszimmer. Verwandtschaft und sehr gute Freunde werden hier hereingeführt, oder nur wenn speziell gesagt wird, in den grünen Salon.« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
  • Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
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2. Prüfe, ob es in dieser Passage um Gerechtigkeit oder Verantwortung geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Was ich nur an mir habe, dass alle Menschen so tentiert sind, mir eine Lektion zu erteilen, und dass ich nie ganz bestimmt weiß, ob sie nicht das Recht dazu haben.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
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3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Wahrheit oder Vertrauen geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Bitte, vor allem in den zwei Punkten, auf die in der Ehe alles ankommt. Primo: sie kann nicht lügen, secundo: sie hat die besten Manieren von der Welt.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
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4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Angst oder Unsicherheit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Aber sie hat mir ja haarklein erzählt, wie sie aus Angst vor dem Alleinsein in der Grünleiten mit ihrem Mann, der gerade auch auf Urlaub war, sich den Feri Uhlfeldt, der damals wie der Teufel hinter ihr her war, auf den nächsten Tag […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
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5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Es liegt mir nichts in der Welt ferner, meine liebe Agathe.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
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6. Vergleiche diese beiden Stellen: »Liebe Agathe, da Sie ja von allem informiert sind – ich verstehe nicht ganz, ich habe ja doch der Frau Gräfin aus dem Feldspital […]« und »Das merkte man Ihnen an, Sie sprachen unendlich wenig.«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
  • Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

7. Am Abschnittsende steht: »Liebesbriefe stellt er zurück, den Neffen verheiratet er, und er selbst hat sich entschlossen, als ältlicher Junggeselle so dahinzuleben mit mir. Das ist genau, wie ich mirs vorgestellt habe. Über die Schulter […]« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
  • Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
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8. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Hier ist das sogenannte Arbeitszimmer. Verwandtschaft und sehr gute Freunde werden hier hereingeführt, oder […]« / »Liebesbriefe stellt er zurück, den Neffen verheiratet er, und er selbst hat sich entschlossen, als ältlicher […]«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
  • Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
  • Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Hier ist das sogenannte Arbeitszimmer.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
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Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Zum Beispiel, wenn man sich plötzlich klarwird, dass man nicht mehr glaubt, dass es Leute gibt, die einem alles erklären könnten.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
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Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Sie, Herr Schätz, ich bin ganz zufrieden, da bleib ich!«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
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Ausgabe, Herkunft und Rechte

Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Der Schwierige von Hofmannsthal, Hugo von ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).

Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.

Der Schwierige

Hugo von Hofmannsthal: Gesammelte Werke in zehn Einzelbänden. Band 1: Gedichte, Dramen, Band 2–5: Dramen, Herausgegeben von Bernd Schoeller in Beratung mit Rudolf Hirsch, Frankfurt a.M.: S. Fischer, 1979. Hofmannsthal, Hugo von 332- Frankfurt a.M.

Das Werk Der Schwierige von Hofmannsthal, Hugo von ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; reine Originaltexte gemeinfrei Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.