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Wie alle Personen in diesem Akt im Sonntagsstaat, Fünfziger, graumeliertes Haar, gebräunte, markierte Züge, schlägt Feuer für seine kurze Pfeife und kommt dabei vor, bis wo Gießkanne und Eimer liegen, wo er stehenbleibt, leicht mit dem Fuße dagegen stoßend. Holla! Da hat's wieder eine gnädig g'habt, dass s' ja die erste Mess' nit versäumt! Glaubet einer, wie ihnen um den Kirchgang is und wie frumm die Dirndl sein! Ja, den Buben z'lieb geh'n s' hin! Dö Grasteufeln macheten unsern Herr gott selbst zum Kuppler! – Bei mir muss die Kirch' ruhig sein, dös jung G'fliederwerk kann ich drein nit brauchen, ich nimm allweil mit der zweit' Mess' vorlieb, dö erst', die Großherrn- und Verliebt-Leut'- Mess', wo sie sich in die Kirchstühl' breit machen und im Kirchgang an die Vortuchbandeln zupfen und auf d' Füß' treten, dö pass ich allmal ab! Setzt sich auf die Brunnenbank, schlägt wieder Feuer. Nass is er word'n, der Sakra, und will nit brennen! Schmaucht.
Voriger. Vroni, Sonntagsstaat, nur eine blaue Schutzschürze vor, tritt, eine Gießkanne ausschwenkend, durch den Garten auf, sie hat in der Linken eine Nelke, die sie nach dem Lied ins Mieder steckt.
Jesses, die Ehr'! Der Großknecht, von dem koan' Dirn' im G'höft jahraus, jahrein ein anders Wörtl noch g'hört hat als »gut'n Moring« und »gute Nacht« – du vergibst dir aber viel, wann d' mit mir, dem jüngsten, g'ringsten Dirndl da im Dienst, red'st!
Wann du auch, was ich schon lang weiß, kein' Respekt vor mir hast, so könnt'st doch die Faxen sein lassen; dös sein dumme G'spaß! – Du kannst's a nie g'raten, wenn nach 'm Tischgebet alles still is und ich mein' Löffel sauber putz, bevor ich als erster in die Schüssel lang, zu deine jüngern Kameradinnen nüber z'blinzeln, und das is dann a Getupf mit die Ellbög'n unterm Tisch, und da wischt ihr euch 's Maul, bevor ihr noch ein Bissen drein habt's! – Alle können doch nit z'gleich in die Schüssel langen, einer muss der erste sein, und dös is mein Recht, dafür bin i Großknecht – merk dir's!
Ich glaub doch und eben derentweg'n will ich mit dir reden, eh's z' spät is! – Wir zwei, ich und sie, sein drüben in Ottenschlag miteinander aufgewachsen und in die Schul' gangen. – Dein Ahnl – die noch jetzt dort hoch im Gebirg ihr' Schenkwirtschaft »Zur Grenz'« betreibt – kennt mich als klein' Bub'n. Ich war kaum so – Zeigt es. wie sie g'heirat hat. – Dein' Mutter is a Jahr drauf auf d' Welt kommen, und grad wie ich in der letzten Klass' mit 'n Esel um 'n Hals rausg'standen bin, hat sie in der Taferlklass' ihren ersten Tatzen kriegt. Später sein wir z' gleicher Zeit von Ottenschlag weg und sein alle zwei beim Kreuzwegbauer in Dienst treten. – Bekannt von klein auf, unter wildfremde Leut' in ein Dienst, hab'n wir uns tröst', wenn uns a Heimweh ang'fall'n hat, und uns gegenseitig in Schutz g'nommen, wann d' andern wie brütige Gans' über eins von uns herg'fallen sein! Kein Wunder, dass ich – damal a frischer Bursch – in sie g'schossen bin, freundlich is s' g'west mit mir – und a bildsaubre Dirn! – Du bist ihr wie aus 'm G'sicht g'schnitten, gleichwohl war s' noch säubrer wie du! Lässt, in ihr Anschauen versunken, die Hand mit der Pfeife sinken und sagt vor sich hin. Sauber war s' – bildsauber!
Anfangs is alles gangen, wie's recht is unter Liebsleut' mit ehrliche Absichten – Seufzend. Aber dass ich dir sag, damals war grad der alte Kreuzwegbauer g'storb'n und war'n zwei Buben da, der ältere, der Jakob, dem alles g'hört hat, und der jüngere, der Matthias, der halt mitg'schafft hat im reidchen G'höft. Der Jakob, der damalige Kreuzwegbauer, der hat's gern mit die Weibsleut' g'halten; da hat manche davon z' pfeifen g'wußt im Ort, die er ang'setzt hat; der hat deine Mutter nur z' sehen braucht – verstanden hat er, was sauber is –, so is er ihr auch nachg'stiegen. – Mein Gott, die Weibsleut' sein allweil so g'west, was ihnen bei ein' G'ringern a Schand brächt', do setzen sie mit ein' Reichen, Vornehmen a Ehr' drein ... sie is bald mit ihm gangen. Ich war damals rein a blind' Tobias g'west, und kein Engel is kämma, der mir mit der Fischblattern d' Augen ausg'wischt hätt, was s' mir a z' G'hör g'red't hab'n, ich hab nix davon glaubt, und erst wie ich g'merkt hab, sie weicht mir aus, hab ich der Sach' woll'n auf 'n Grund kommen. »Vroni«, hab i g'sagt – sie hat so g'heißen wie du – »Vroni«, hab i g'sagt – »du bist schon mit 'n Bauer bei die Leut' im G'red'.« – Da hat sie 's Maul verzog'n und g'lacht und g'sagt: »Wann's wär, gang's wen was an?« Sag ich: »Gang's mich auch nix an?« – Sagt sie: »Dich zum allerwenigsten! Is zwischen uns zwoa was vorg'fall'n?« – Sag ich; »Nix Unrechts nit!« – Da streift s' ihr Vortuch glatt und sagt: »Aus ist's!« – Auf dös sag ich: »Fürcht dich nit, heut steh ich noch aus 'm Dienst; der Kreuzwegbauer wird mich gern los sein, er hat dich um so sicherer! Jetzt b'hüt dich Gott! Ich weiß, du träumst, du würdst leicht Kreuzwegbäu'rin, ich tat dir's wünschen – aber Vroni, du bist nit die erst' und wirst nit die letzt' sein, die der in die Schand' bringt; wann d' dem vornehmen Herrn amal z' g'ring bist, wann d' dich nimmer ausweißt, dann komm zu mir!« Bin gleich zum Kreuzwegbauer, der hat tan, wie ich vorg'sagt hab, er hat mich mit Freuden gehn lassen. Ich aber bin in der nämlichen Nacht noch fort, es ist mir schwer ums Herz g'wesen wie nie mein Lebtag – und ich hab glaubt, es müsst mir die Brust z'rspringen, wie mir's weh g'wesen is! – So bin ich daher kämma, nach Altranning, daher auf'n Adamshof, wo ich jetzt noch bin!
O wohl! A Jahrl drauf hab ich g'hört, sie is mit ein'm Bub'n nieder'kommen, das war dein Bruder, von dem man jetzt nicht weiß, was aus ihm worden is – gleichwohl war s' noch a ledige Dirn! Da bin ich nüber nach 'm Kreuzweghof und hab mit ihr g'red't, hab ihr g'sagt: »Vroni, schau, sei g'scheit, du bist wohl jetzt in der Schand', aber trau mir, ich nimm dich doch noch, der Bub' soll auf'zog'n werd'n bei uns, was braucht denn so a Haserl? Wird er größer, schafft er mit in unsrer Wirtschaft und verdient sich sein kloan' Leben, geh mit mir, ich hab a alte Mahm, die gibt mir ihr' kloan' Wirtschaft in B'stand!« – Da hat s' g'weint und g'sagt: »Du bist mein rechter Freund, ich komm zu dir. Heut noch red ich mit 'm Kreuzwegbauer!« – G'red't hat s' mit ihm, so viel is g'wiß, und der wird schön g'lacht hab'n über den Simpel, der 's Nest samt 'm Kuckuck kaufen will, aber die Vroni war ihm noch zu neu – Dreht die Pfeife ins Rohr, dass diese zerbricht, und wirft die Stücke zur Seite. – Nochmal hat er s' ang'setzt – und da bist du kämma – und sie is wie früher die Zuhälterin vom Bauer g'wes'n! – Von dem, was nachher kämma is, wirst vielleicht manches selbst wissen! Paar Jahrln sein drüber ins Land gangen, wo s' dich und dein' Bruder hab'n auf 'm Kreuzweghof mit die Hendeln und die Geiß rumrennen lassen, weil's einmal dag'wesen seid's! Auf amal hat's g'heißen, der Kreuzwegbauer hätt dein' Mutter endlich doch heiraten woll'n und hätt sich drum mit seine Leut' überworfen und auf einer Reis' nach Wien – wo er dein' Bruder auch mitg'nommen hat – hätt er woll'n alles ins reine bringen; er is aber krank word'n und dort im Spital g'storb'n! Dein' Mutter hat sich drauf verlassen, dass a G'schrift da is oder dass 'm Bauer sein Wort gilt, und hat drum ein' Prozess ang'fangt – der Matthias, der durch 'n Tod von sein' Bruder Kreuzwegbauer und euer Vormund word'n is, hat a Weil' zug'schaut und dein' Mutter auf 'm G'höft lassen – kein Testament hat sich aber nit g'funden, der Prozess is für euch verlor'n gangen, und wie das war – hat er euch hinausg'jagt in Elend und Schand'!
Dass d' dir a Beispiel draus nimmst! Du bist auf 'm Weg, die nämliche Dummheit z' machen. Tritt zu ihr und legt ihr die Hand auf die Schulter. Dös is nit der erste Sonntag, den du, wann's Gesind' in der Kirch' is, da hintri in' Garten schleichst und auf 'n Bauerssohn wartst!
Verlaß du dich da drauf! Glaubst du, sein Vater redet da nix drein, wann er dahinter kämmet! Damit 's d' es nur weißt, du kannst dich nit mal wie dein' Mutter mit ein bissel Hoffnung zum Narren halten, denn dich kann der Toni nur in die Schand', aber nie mehr zur Ehr' bringen, weil er schon a Weil' neben dir auch mit der Crescenz vom Kreuzwegbauer gebt.
Du lugst! – Dem Kreuzwegbauer sähet's wohl gleich, dass er sein' Crescenz gern daher auf 'n Adamshof als Bäuerin setzet, damit nur ich nie da schaff und schalt – er war mir von Kind auf feind – aber so tut der Toni nit!! Du weißt nit, wie wir zwei miteinander stehn! Meinst, ich bin ihm nachg'laufen? Nein, er is zu mir kämma! – Wie s' uns vom Kreuzweghof wegg'jagt hab'n, sein wir zur Ahnl nach Ottenschlag gangen und dort blieb'n – bis zur Mutter ihr'n Tod. – Der Toni hat ihr bis zu ihr'm End' viel Guts tan, weil er g'sehn hat, wie mir ihr Elend z' Herzen geht – darum bin ich ihm gut word'n, und wie er mich an ihr'm Tot'bett g'fragt hat, ob ich ihn leiden könnt. hab ich ihm g'sagt, wenn er's ehrlich meint, könnt ich 'n wohl gern hab'n! – Auf dös hat er mich von dort wegg'nommen und daher an' Adamshof bracht, weil bei der Ahnl in der Schenk' Juden und Pascher einkehr'n, öfter g'schwärzte War' verstecken und dös alte Weib – der Herr besser's in der Sterbstund' – koan' Gott und koan' Glauben hat! Er braucht a frumm' christlich' Weiberl, hat er g'sagt.
O freilich, dö Hauptchristen in dö g'schnitzten Kirchstühl' hab'n d' frummen Dirndl gar gern, dö sich ohne G'schrei in all's dreingeb'n! – Aber dös hat dir der Bauerssohn doch nit g'sagt, dass's ihm schon von klein auf b'stimmt war, die Crescenz vom Kreuzwegbauer z' frei'n?!
So mag's unter die andern abkartelt sein, aber der Toni kann da nit mittun! Zu was hätt er mir nachher damal zug'red't, dass ich von der Ahnl fortgeh? Glaubst, dem alten Weib hat's nit weh tan, wie ich von ihr bin? – Sie hat mir eh droht, ich käm ihr doch nochmal z'ruck, wie mein' Mutter ihr kämma is! Ernst. Der Toni kann nit »ja« sag'n!
Aber »nein« muss er doch auch nit g'sagt hab'n! – Heut sind s' vom Kreuzweghof zum Kirchgang herüberkommen und treffen sich mit unserm Bauern und mit 'm Toni in der Kirch'. – Der Student aus der Stadt – dem Kreuzweghofbauer sein Sohn – is auch herg'rufen word'n und soll zwischen heut und morgen kämma – da gibt's ein' Handel, und soll wohl in der Kürz'n alles richtig werd'n. – Du hast d' höchst' Zeit, dass d' dein Bündel schnürst und von da gehst; denn in Ehr'n is für dich kein Verbleib!
Ich dank schön für 'n guten Rat, aber ich denk, das gang mir alles so nah, dass ich erst selber da nachschau'n müsst – dann steht's noch allweil bei mir, ob ich geh oder bleib! Ich weiß nit, warum du dich gar so drum annimmst?
Was 's mich verint'ressiert, meinst? – Ich bin deiner Mutter – Gott hab s' selig – ihr rechter Freund g'wesen, 's hat s' keiner so gern g'habt als wie ich! Ich hab's heut noch nicht verwunden, was sie an mir getan hat, und doch is mir's ums Herz ganz b'sonders, wann ich an sie denk, und 's is mir noch koan' zweite kämma wie sie, und kommt a keine! Sieh ich dich so vor mir stehn, da glaub ich, sie dürft's sein, mein' Seel', das is a ihr trutzig' Tun und Wesen – du hast's ganz von ihr; aber leg's ab, amal hat's mir selber an ihr g'fall'n, aber, Vroni, tu's ab, schlag dir s' aus 'm Sinn, die Gedanken, wie hoch als a 'naus woll'n, sei die arm', ehrlich', brav' Dirn, die dein' Mutter war, wie ich mit ihr von Ottenschlag weg bin, tu der Mutter die Schand' nit an ins Grab hinein, dass d' nix von ihr g'lernt hab'n willst, dass ihr' hart' Arbeit und ihr sauer elend' Leben für dich ohne Nutz und Lehr' war! Glockengeläute. Sie läuten schon in die zweit' Mess', ich muss jetzt gehn. Ich hab eh mehr g'red't, als der Pfarrer in der Kirch' heut fürbringen kann – und hab da alle alten G'schichten in mir aufg'mischt. – Mein Gott! 's is mir aber doch lieber, als es kommt nachtig über mich – wie's g'wesen is und wie's sein könnt! – Aber am Sonntag, da fecht mich nix an, da hab ich mein Betbüchl und hör d' Orgel spiel'n! Vertraulich, indem er ein in ein Tuch geschlagenes Gebetbuch sorgfältig aus der Rocktasche zieht. Siehst, Vroni, damit setz ich mich mitt'n unter die Leut' mit g'flickte Röck' zur zweit' Mess' in ein Kirchbankeck hin – Öffnet behutsam die Schließen und halb die Blätter. Da is a Veigerl vom Bach, wo wir 's erst' Mal vertraulich miteinand' g'red't hab'n, und paar Blatteln weiter von dem Strauch auf ihr'm Grab die wilde Rosen, die ich mir einmal von Ottenschlag g'holt hab! Schließt das Buch und birgt es sorgfältig an dem früheren Orte. Und wenn ich das Buch so in der Kirch' vor mich hinleg, da siech ich s' ordentlich vor mir lieg'n, dö Örter, wo ich meine Täg zu'bracht hab – da liegt tief im Grund das kleine Ottenschlag und hoch oben das nette Wirtshaus »Zur Grenz'« – klein wie a Schwalbennest –, weiter im Land, nur zwei Stund', liegt der Kreuzweghof und noch zwei Stund' weiter Altranning – und da verwundr' ich mich, dass man auf nur vier Stund' Umkreis im Land so viel derleb'n kann, und da steht alles vor mir, als ob's gestern g'wesen wär – und da setzt die Orgel ein – und da denk ich so in mir, dass amol im Leb'n a jeder sein' Kreuzweghof g'habt hat, wo ihm's grimmig schlecht gangen is, dass aber auch mit Gotts Hilf' jeder amol sein Altranning find't, wo er Großknecht werd'n kann! – Und da frag ich mich selber, ob mir's recht wär, wann ich all das nit derlebt hätt und 's sollt alles anders sein, wie's is – da schau ich auf meine zwei Bleamerln und sag: »Nein!« Und da wird mir's so warm unterm Brustfleck und da inwendig in mir ganz stad! – Dös sein meine Sunntäg! – Jetzt b'hüt dich Gott, Vroni, und überleg dir mein' Red'! Ab.
»Überleg dir mein' Red'!« und »lass dein trutzig' Wesen sein!« Wie g'ring sein der Leut' Wort', wann s' auch 's Schwerste von ein'm verlangen. – Mein liaber Großknecht, wann's wahr wär, was du sag'st, was gabet's da zum Überlegen? In d' weit' Welt müsst ich laufen, dass s' mir nit von morgen an im Ort zum alten all neu' Schimpf und Schand an den Kopf werfen! Und was bleibet mir denn, dass ich's ertraget, so daz'stehn vor mir selber, wann nit der Trutz als mein einzig' und ältester Freund, der mit mir aufg'wachsen is? – Ich sollt 'n ableg'n? – Kann ich leicht anders sein, als ich bin? – Und hab'n s' nit alle dran g'arbeit', dass ich so word'n bin? Hab'n nit damals die andern Kinder im Ort mit Finger auf mich deut'? »Oi, schaut's dö an, dö hat kein Vatern nit!« Lass'n mir's nit alle bis heuttags noch g'spür'n, dass ich eigentlich nit auf der Welt sein sollt', weil mein Kämma neamand a Freud' und mein Bleiben nur Ung'legenheit g'macht hat? – Da bin ich aber amol! Und is Vaters oder Mutters Schuld, die mein' g'wiß nit, und hat's unser Herrgott zulassen, so werd ich ihm grad so lieb sein wie ös, dö 's sakramentalisch auf d' Welt kämma seid's! Lacht und fährt mit beiden Händen über Stirn und Scheitel. Narrische Mirl! Ich komm da in d' Hitz z'wegen ein' G'red' und muss sich's erst weisen, was daran wahr is. Der Toni soll mir's nur selber sagen, was an der G'schicht' is. Macht sich mit Eimer und Gießkanne zu schaffen.
Vorige, von rechts treten auf Toni und Crescenz, Ferner und Höllerer, und zwar zuerst Toni, der Crescenz an der Hand führt, voraus, und dann, während diese beiden in den Vordergrund kommen, erscheinen im Hintergrund die beiden Bauern.
Nit, dass ich drauf versessen wär, wann's dir nit ansteht, aber der Leut' weg'n möcht ich, dass d' jetzt all' Tag zu uns auf 'n Kreuzweghof kämst, dass s' doch sehn, wir mög'n uns leiden. Is dir's leicht z' viel, dass d' 's G'fährt einspannen lasst?
Toni!! Fasst sich, tritt auf ihn zu, streicht sich die Haare aus der Stirn und sagt bitter lächelnd. Gut'n Morg'n, Toni. Ich hab heut im Garten g'wart wie sonst, warum bist denn nit kommen?
Du musst mit mir noch in der G'heim red'n? Könnt' sein, dass das, was du mir z'sag'n hast – Auf Crescenz. vor derer da nit leicht gang', aber es is auch gar nimmer nötig, dass du red'st; dageg'n, was ich dir jetzt sagen werd, das kann alle Welt hören.
Begehr du nit auf, lern lieber Demut; ich siech am Adamshof nur ein Unheil, und das bist du selber. Obwohl ich nimmer dein Vormund bin – wofor ich Gott dank, dass er mich von der Last erlöst hat – so gib ich dir doch als Christ guten Rat und sag dir: Schnür dein Bündel, führ neamand in Versuchung und geh von da je ehnder, je lieber.
Was die Vormundschaft anbelangt, hast du Gott nit z' danken, dass du s' nimmer führst, du hast s' ja freiwillig selber niederg'legt und dafür dank ich ihm, und dein christlich' Rat is da auch unnötig, ich weiß's schon selber, was ich jetzt zu tun hab. Zu Höllerer. Adamshofbauer, wenn dir's der Kreuzwegbauer, der jetzt da im G'höft red't und schalt', verlaubt, so wär mir's recht lieb, wann d' mich gleich heut noch aus 'm Dienst ausstehn ließ'st.
Kreuzdividomini, wer söllt mir was verlaub'n auf mein G'höft?! – Sternsakra, kam mir recht. – Was ich da sag, das gilt und, was ich sag, das wägt – und wann ich sag, du verbleibst deine vierzehn Täg, so verbleibst.
Ich müsst frei lachen über dich – wann mir zum Lachen wär –, Adamshofbauer, wie du ein'm ein' Herrn zeigst! Gleichwohl möcht ich doch wissen, was eigentlich dein' Meinung is, die vierzehn Täg Kündfrist, dö gelten – oder 's an der Stell' geh'n?
's Zeug dazu hätt'st. Dein Mutter – Gott lass s' ruh'n und verzeih ihr die Sünd' – hat auch am Kreuzweghof Unfried' g'stift, du bist ganz ihr Kind und hast auch das von ihr, dass d' dich ein'm Reichen naufheftst.
Jesus, Maria! Du verschimpfst mein' arm' Mutter im Grab. Streift sich die Haare zurück und tritt Ferner ganz unter die Augen. Herrgott! – Und wenn das meine letzte Stund' wär, Kreuzwegbauer, das schenk ich dir nit. Glaubst, weilst noch lebig herumlauf'st auf der Erd', du darfst die schlecht machen, die in ihr vergrab'n sein? Du glaubst wohl, weil d' Leut', wo du hinkommst, sag'n: Aufg'schaut, der reich' Kreuzweghofbauer kommt! – weil s' dir überall, wo d' einkehrst, 'n Ehrensitz lassen, weil s' in der Kirch' nach dein'm polsterten Betbankerl schau'n: der frumme Mann – du dürfest dir gegen tot und lebig herausnehmen, was d' willst? Reich bist, davon nimmt dir keiner was, aber wann d' Armut kan' Schand', so is auch der Reichtum kein' Ehr' z' nennen. Doch, sei du ehrbar und frumm in der Leut' Augen, ich glaub' nit an dein' Ehrbarkeit und nit an dein' Frummheit, von Kind auf nit, ich will dir's wohl sagen, warum. Du lieber Ohm, hast du nit mehr als einmal uns Kinder, die wir'doch deines Bruders Blut waren, am Kreuzweghof in ein' Winkel g'führt und dort g'schlagen und treten ohne Grund und Ursach'? Du braver Vormund, hast du dich je um uns umg'schaut? Hätt'n wir nit deinetweg'n an Leib und Seel' verderb'n können, wie auch an meinem Bruder g'scheh'n is? – Du hast kein Herz im Leib, sonst hätt'st dich nit an unschuldig wehrlose Kinder vergriffen – du hast kein' Ehr' im Leib, sonst hätt'st nit die Pflicht, über unmündig' Kinder zu wachen, auf dich g'nommen und Händ' am Rucken zug'schaut, wie s' wild aufwachsen; du hast kein Christentum in dir, Kreuzwegbauer, du betrügst so wenig unsern Herrgott mit deine Kirchgäng' als mich. Du bittst wohl auch nur zu Gott, dass er dir 'n Teufel, den d' dreifach verdient hättst, nit in die Wirtschaft fahren lasst. – Denk ich dran, wie wir immer, wo du 'n Fuß hing'setzt hast, weit weg, dir aus 'n Aug'n hab'n fort müssen, da is mir allemal g'wes'n, als hätt'st du a schlecht' G'wissen, als könntst uns derentweg'n nit ausstehn, weil d' dich an uns versündigt hast.
Nein, Kreuzwegbauer. – Aber völlig leicht is mir ums Herz, weil das herunter is, was mich schon lang druckt. Wußt ich so gut wie der Herrgott, was du in deiner Angst naufbet'st zu ihm, glaubst du, ich hätt g'wart bis heut? Aber das weiß ich in mir, ich tu dir kein Unrecht. Und ich hoff, ich komm dir noch drauf, all' Not und Elend nahm ich auf mein jung' Leben, wann das g'schähet; dressier'n wollt ich dich wie der Jäger d' jung' Hund', du sollst mir Sprüng' machen, so alt d' bist. Kreuzwegbauer, völlig lieb könnt ich dich hab'n, denk ich dran, wie ich dich, so groß und stolz d' bist, mit 'n klein' Finger vor mich hinwerfen möcht. Warst du's nit, fast wünschet ich dir, es kam' nit dazu, aber wann's käm, weißt, was dir bevorsteht! Zu Höllerer, indem sie ihm die Hand gibt. Bauer, ich dank' dir recht für 'n Dienst, und jetzt b'hüt Gott miteinander. Rechts ab.
Sikra! Dö Dirn' hat a Maul! Dö hat dich rechtschaffen putzt! Aber a feine Stimm hat s', ich hör s' gern, schad, dass s' nit veiter g'red't hat! – Boshaft. Schwiecher, wie is's, hast nit um d' Hand noch a bissel was auf mein' G'höft anz'schaffen? Aber wie d' blass word'n bist? Hätt gar der Wildling 'n Nagel am Kopf 'troffen? Fürcht'st dich vor ihr?
Narr! Ich bin der Bauer vom Kreuzweghof – ehender fürcht' man wohl mich! Dumpf. Unser Herrgott lasst's nit zu, dass ich an der zu Schanden wurd', er weiß, was ich für ihn tan hab, wieviel Messen ich g'stift' und was ich an die Kirchen g'schenkt hab und dass ich noch a gar gut' Werk im Sinn hab mit meim Suhn; ich hoff, der Herr wird 'n erleuchten mit seiner Gnad', dass er's einsieht, wie's zu sein eignen und zu unserm Heil is! Dann bleib'n die zwei Anwesen beinand' und g'hör'n meim Dirndl!
Mein Bub kommt heut oder morg'n, tätst mir einen G'fall'n, Schwiecher, wann d' nach 'm Kreuzweghof mitkamst, ich hab ihn von Kind auf nimmer g'sehn, is mir lieber, es is fremd wer dabei, wenn wir uns 's erste Mal wieder vor d' Augen kämma!
Glaubt's ös leicht, i bin a Heid' und hob kein' Religion? A Predigt versteh ich net – beta dermerk i net, a Betbüchl konn i nit lesen – so nimm i halt 's Christentum einwendig!
Jegerl, du Zornbinkl! – Beleidig dich nur nit! Wir sind allz'samm allweil gute Kameradinnen zu dir g'wes'n, wir müssen dir schon zum Abschied a paar Almer singen, dass dir 's Herzerl aufgeht.
He! Ihr! Hört's? Is der Kreuzweghofbauer schon fort? Hört keins? Die hab'n mit ein' Fexen ihr G'spiel, dös is denen Weibsleuten ihr liebster G'spaß, weil sie sich daneb'n g'scheit vorkämen; gang's nach ihnen, gab's gar nix als lauter Fexen; die s' nit selber schon deppert in d' Welt setzen, die macheten s' gern später dazu und die alt' Weiber unter die Mannsleut' helfen ihnen dabei! Sieht Vroni. Kommt's nur, lieber Herr, da hab'n wir schon d' Richtige, die steht Red'! Kommen vor, so dass Vroni die Mitte und Franz die Brunnenseite gewinnt. Is der Kreuzweghofbauer schon fort?
Da holt's ihn nimmer ein! Zu Vroni. Was is denn dir? Du wischst dir die Aug'n? Und zum Gehn bist auch fix und fertig? – Is's halt doch so kämma, wie ich g'sagt hab'? Hab ich dir's schlecht gemeint?
Auf 'n Herweg hab ich den Herrn da g'troffen, er möcht über'n Bergsteig nach 'm Kreuzweghof, der Weg auf der Straßen is ihm zu langweilig! 's geht eh dein Weg auch vorbei, kannst dir ein paar Groschen Wegweislohn verdienen, wann d' ihn führst!
Is mir recht, aber ich tu's nicht der Groschen weg'n, sondern um Gotteslohn! Aber a G'sellschafterin werd't 's nit an mir hab'n, mir is heut nit lustig!
Mir auch nicht, liebe Dirn'! Wenn ich trotzig dreinschau', kümmere dich nicht drum! Geben wir uns die Hand drauf, dass wir einander nicht als zuwidere Leute verschrein woll'n, bis wir uns ein andermal und, ich hoff, fröhlicher gesehen haben als heut auf dem Weg nach meines Vaters Gehöft.
Dann geh nur allein deine Weg'! Ich führ dich nicht! – Dein Vater is mein und meiner Leut' Todfeind, ich leid grad unter dem, was er mir d' letzt' Stund' wieder antan hat! Ich geh kein Schritt mit seim' Sohn!
Eingang letzte Kulisse links. Hintergrund ein großes, breites Fenster (eigentlich zwei Fenster, durch einen schmalen Pfeiler getrennt); die Fensterflügel offen, Fernsicht auf eine
Alpenlandschaft. Links vom Fenster steht ein Großvaterstuhl, rechts davon ein Tisch; über demselben hängt an der Wand eine Zither. Zwei Tische befinden sich mit der Längsseite an den Wänden rechts und links und ein Kachelofen steht unmittelbar hinter der Türe.
Im Großvaterstuhl sitzt die alte Burgerlies mit Strickzeug, Geldtaschel und Schlüsselbund am Gurt. Neben am Tische sitzt Levy, den Hausierbündel neben sich auf der Bank, ein Glas Wein und Eßwaren im Papier vor sich.
's is doch a schöne Sach', Burgerlies, nach langer Zeit wieder da heroben bei Euch zu sitzen, unangefochten wie daheim, und hinabzuschau'n auf das Land. Gott, was for a reiche, weite Natur und was for arme beschränkte Leut' um sie.
Musst nit groß tun, Levy, bist a g'scheiter Mann, ich weiß; aber ich schau dir doch schon jahrelang zu, wie d' dein Fressen allweil im Papierl mitbringst, statt dass d' herob'n fein mit zulangst.
Möcht sein, Burgerlies, kenn vielleicht sein a Wahrheit. Aber ich muss Ihr sagen, seht Sie mir zu schon jahrelang, seh ich Ihr auch zu af kein kürzere Zeit. A gescheite Frau war Sie immer, aber Sie war nix e soi nachdenklich wie jetzt, hot jeden gelossen bei dem, was er denkt, und hat nix Ihre Meinung aufgedrängt. Das taugt nix. Burgerlies, for Ihr Geschäft taugt dos gor nix. Wollt Ihr alle Leut' e soi denken machen wie Ihr? Gott meiner Väter!
Lass mich aus mit 'n Gott der Väter, den habt's ös alte Schippeln doch nur für d' Weiber aufbracht, damit s' Zucht halten und nit auf d' Jüngern neben schau'n.
Was ich sag? Sagt ein' andern so was, der Euch nix kennt, nehmt er's for übel und kümmt nix mehr. Trinkt. Is an angenehmer, milder Tropfen. Muss mer sich doch neuzeit gewöhnen, kommt mer zu Euch, dass abwechslich bald Ihr a Schneid habt, bald Euer Wein. Früher war Wein und Wirtschaft gleich angenehm. Mein, mir is noch erinnerlich, wenn ich vor so a Stück a fünf Jahr bei Euch bin eingekehrt, wie noch hat Eur' Tochter gelebt und wie die beiden Enkelkinder – der Bub' und das Madl, fünfzehn, sechzehn Jahr alt, a Paar prächtige junge Leut. – da in der Wirtschaft mitgeholfen haben – was is doch geworden aus die zwei, habt Ihr sie nimmer gesehen seither?
Weißt ja, nach der Vroni ihr'm Tod hat mir der Vormund 'n Buben nimmer lass'n, ich war ihm z' gottlos, dem frummen Mann, und die Dirn hat mir a so a frummer Bauerssuhn abg'red't.
Schad um die jung' Leut'. – War a schöne Zeit gewesen damal herob'n. Is mer gekimmen, hat alles gewimmelt von Gäst', mer is da gesessen unter de Pauern, hat einer ja angefangen zu sticheln und ein geheißen e Mauschel! Püh! Wie seid Ihr ihm da gefahren übers Maul. Alles hat gelacht, mer hat gelangt in die Tasch', hat gezahlt a Wein, da war der Frieden hergestellt, die Gläser haben geklungen und alles war wieder gut. Mein, aber jetzt –
Freilich, seit mein' Vroni tot is und die jung' Leut' weg, bin ich nur älter und tramhaperter word'n; dös dumm' G'sindel da herum feind't mich an, bin neamand mehr anständig, mir zum allerwenigsten, und haus' jetzt da herob'n allein mit ein einzig'n alten tauben Knecht.
Drum seid Ihr auch geworden zu viel nachdenklich, und kommt emal einer, so sprecht Ihr Euch gern aus; aber es taugt nix, Burgerlies! Ich sag's nit weg'n mir, nein, ich komm zu Euch, solange uns beiden der Herr das Leben lasst, aber es tut mer weh, dass, kümm ich amol, ich find't da alles so leer, und es is a Ereignis, dass tagüber is eingekehrt bei Ihr a Jud'.
Du meinst die Schwärzer? 's sein meine einzig'n Kundschaft'n, die da noch was sitzen lass'n; soll ich ihnen leicht die Tür weisen? Sie sein nit so uneb'n, sag ich dir! Dieb' und Rauber sein s' nit. Von Urzeit geht Berg und Tal in ein' Trum fort und die Grenzpfähl' sein nit wie die Bäum' aus der Erd' g'wachsen – und soll ich wohl dafür mehr zahl'n, weil die Spanfudler herenten dös nit z'weg'n bringen a so wie die Leut' da draußt? – Freilich hat's oft G'fahr, wenn einer kimmt: »Mutter Lies, versteckt's mich, sie sein hinter mir her!« Soll ich 'n ausweisen in seiner höchsten Not? Ich kunnt's nit, ich weiß recht gut, ich verbesser mir nix in der Leut' Augen durch selb'n Zuspruch, aber im G'schrei bin ich früher schon g'wesen, auf a mehr oder minder kimmt's mir nit an, und die paar Jahrln, die mir noch b'schied'n sein, will ich doch noch leb'n können.
Und um das bissel Leben streitet Ihr Euch herum mit aller Welt? Weiß das, versteh Euch, Burgerlies, müsst nit selber sein an armer Teufel und obendrein a Jud', der in dem Land da muss sein Stück Brot suchen. – B'hüt Gott! Ab.
Was tausig, Vroni! Du bist's? – Schau einer, lasst dich a amol sehn? Was gar, mir scheint, du bist ausg'standen aus 'm Dienst? Wo trittst denn jetzt ein?
Nit? Is dös so schnell gangen? Dein frumm' Bauerssuhn hat dich wohl sitzen lass'n, und jetzt is 's Weib ohne Gott und Glauben wieder gut Freund? Traust dich denn in die gottlose Wirtschaft da her?
Na, dumm's Mensch, musst gleich flenna? Darf die alt' Ahnl sich leicht nit a bissel 'n Schnabel wetzen? Bleib nur da – d' Wahrheit verbrennt dich nit wie d' Sunn', wirst nit braun davon! War leicht das so schön, wie d' von mir g'rennt bist? Soll ich vor Freud' in Ohnmacht fall'n, dass d' jetzt kimmst, wo dich nit ausweißt und nit daher kamest, wußt d' dir ein' andern Ort?
Was tust denn wieder? Wirf mich noch um. Tätschelt ihr die Wange. Freilich, freilich, bist mein lieb's Dirndl! – Aber jetzt sei g'scheit, bleib fein da. Hab eh neamand, d' Arbeit geht mir schon hart; und a freundlich' G'sicht tat mir doch a wohl. Wischt über den Tisch. Setz dich her. Trippelt zum Schrank und nimmt aus demselben eine Rein auf einem Brett. Magst leicht ein Bissen essen? Setzt ihr vor. Musst fruh weg sein, kimmst so zeitlich her nach Ottenschlag.
Dös sein die fein', mit die jung' Dirndl fahrn s' gleich meilenweit ins Land, dass sich dö ja d'Füß' nit vertreten; unseroans könnt' neben herrennen, dass d' Zung' aus 'm Hals hängt, saget keiner »Alte, magst aufsitzen?« – Na, schmeckt's? Gelt, Essen, Trinken und Verliebtsein, sunst steht euch nix an, jung's G'sindel? Habt's recht, gibt eh nix G'scheits weiters auf der Welt.
Dummes Ding! Wann d' mir mit solche Vorsätz' kimmst, is's mir auch lieber, wann d' wieder gehst! Du machst mich nimmer katholisch. – Glaubst, ich bin dös über Nacht word'n, was ich bin? Da hab'n mehr Jahr' dran g'arbeit', als du auf der Welt bist. A Nacht hat's freilich fertig bracht, dö nämlich, wo dein' Mutter mit enk zwa Kindern an mein' Tür pocht hat, weil s' vom Meineidbauer vom G'höft g'jagt worden is.
Is dös a schwer Ratsel? Warum hoaßt d' Elster a Dieb? Weil der Lump vom Kreuzweghof falsch g'schworen hat, hoaßt er Meineidbauer bei mir, solang er lebt und länger noch, wenn ich ihn überleb, solang von ihm die Red' is.
Is dös a schwer Ratsel? Warum hoaßt d' Elster denn sein' falsch' Eid hab'n 's eben als Beweis für ihn gelten lassen. Dein' Mutter, die nie g'log'n hat, hat's in der nämlichen Nacht gleich g'sagt, wie's damals zugangen is, und is in ihrer letzten Not noch dabei blieben. Der Meineidbauer hat, bevor sein Bruder nach Wien is, schon ganz gut g'wußt, was dem sein Will' is, wenn er verstirbt; nämlich, dass all's der Vroni und ihr'n zwei Kindern g'hörn soll. Legt die Hand auf die Schulter Vronis. Aber a Testament war auch da – es war eins da! Wie da Meineidbauer vom G'richt heimkommen is, wo er die Händ' zu Gott aufg'hob'n hat, dass er von keiner Schrift was weiß, da hat er selb Schriftstück auf 'm Herd verbrennt, und sein Bub' is zufällig dazukommen; er war so a zwölf Jahrl alt, hat g'wußt, dass der Vater z'wegen 'm Testament zu G'richt is schwör'n gangen, und find't ihn da auf einmal, wie er die G'schrift ins Feuer halt'! – Lesen hat der Bub gut kinna, aber 'n Schnabel hat er a auftun müssen, wie die Bub'n gern tun, wenn s' glauben, jetzt können s' geg'n die Eltern aufkommen. Dös war damal a Spektakel auf 'm Kreuzweghot – die Vroni is grad noch dazukommen, dass s' so viel hört, dass sie sich ihr'n Teil draus entnehmen kann – die alt' Mutter vom Bauern hat den Bub'n gleich auf d' Seit' bringen müssen, so wütig war der Vater auf ihn. D' Großmutter und der Bub sind nach Wien gangen, sie hat sich seither hinunterkränkt über die Schlechtigkeit von ihr'n einzig noch übrigen Sohn und is vor'm Jahr verstorb'n. Ausg'sagt hätten die zwei nix, und der Meineidbauer hätt g'leugnet. So hat's halt beim alten bleiben müssen. – Sixt, Vronerl, und damals, wie der Meineidbauer sein' Hand hat zu Gott aufg'hob'n, nur dass ihm die g'studierten Leut' seines Bruders Hab und Gut zusprechen, da is kein Donner vom Himmel g'fall'n, die Erd' hat sich nit auftan, mein Kind is in Not und Unehr' dag'standen und a so verstorb'n, und der Meineidbauer is heuttags noch a reicher Mann. Seither war's fertig in mir! Dö Welt taugt mir nit, wo so was drin g'schehn kann. Seit damals heißen s' mich gottlos; ich glaub aber nit, dass amol z'wegen unsere Seel'n die Teixeln raffet werd'n. – Der Himmel wird sich grad so viel g'freu'n, dass er 'n Meineidbauer derlangt, wie der Teixel, dass er a Alte mehr in d' Höll' kriegt!
Na, soll hübsch warm drein sein, dös tauget schon für uns Alte, mir friert da ehnder 's ganz' Jahr; für dich passt er schon, der Himmel, du hast noch hitzig' Blut und hitzt gar – koan Schatz dazu!
Ah was, z'weg'n ein bißl Neckerei brauchst nit gleich brennrot z' werden, bist doch kein' Heilige und is doch d' Magdalen' eine word'n; bin heut bißl lustig – weil d' mich aufg'riegelt hast! Kommen schon wieder Täg, wo di wundern wirst, wie grantig d' alt' Ahnl sein kann. Kind, lustig is schön, wer's nur allweil sein könnt! – Bleib nur da, dann -werd ich's schon a öfter sein können. – Seit ich an kein' Sonntag mehr ins Ort abi komm, hab'n s' mich da allein sitzen lassen, selbst d' vertrautesten Bekannten hab'n nimmer zug'sprochen, höchstens die arm' Holzknecht', wann s' viel Durst und wenig Geld hab'n, dö kimmen, und 'vor s' reintreten, schlagen s' a groß' Kreuz, aber so a gottlos Glas Wein für a bißl holz-spaneln und a Vergeltsgott schmeckt ihna doch!
Freilich gib ich's! Schimpf s' auch orndlich z'samm dabei. – Ich bin nit so schlimm, wie mich d' Leut' machen, ich g'freu mich a, dass d' noch a Vertrauen g'habt hast zu mir und kämma bist – bist a Stark Dirndl, dir haben s' draußt in der Welt noch nicht ankönnen; ich wollt, ich hätt euch all' zwei bei mir halten können. – Schlechts hätt's ös da nit g'sehn.
G'wiß nit. Wollt selber, ich wär nit so dumm g'wes'n und von dir fort, ich seh, was ich jetzt davon hab. – Sag, Ahnl, was is denn aus 'm Brudern word'n? Hast nix von ihm g'hört?
Ja, ja, den hab'n s' mir auch wegg'nommen. Ob ich von ihm g'hört hab? Ah freili, mehr als mir lieb is, aus 'm gottlosen Haus da hab'n s' ihn weg, das hat der Meineidbauer a noch auf'm G'wissen. Freilich, er is ja aus der frumm Schul' kämma, tauget ja nit her da. War der beste im Katechismus, hat alle Sünden g'wußt, die man nit tun soll, hat aber a g'wußt, dass die Sünden in der Beicht' vergeb'n werd'n, so is er halt a Dieb und Vagabund word'n. 's erste Mal is er auf'm Schub herkämma nach Ottenschlag, da hat ihn die G'meind' mir ins Haus g'schickt – ich hab glaubt, ich sink in d' Erd – lang is er aber nit blieb'n, und wie er von mir weg is, sein meine Silbertaler a mit fortg'west – dann hat er's weiter so forttrieben – is in die Strafhäuser rumkugelt, dann wieder der G'meind' zur Last g'fall'n – ich aber hab nix mehr von ihm wiss'n woll'n und hab 'n a seither nimmer g'sehn – will 'n a nimmer sehn.
Dösmal is's g'wiß! Ich hab mein' Teil! Ich hätt können sterben drin in der Stadt – im Spital – sie hätten mir's gern kommod g'macht – sein froh, wann unsereiner – a Gravierter – geht – hab mich aber bis her g'schleppt – gönnt's mir a Platzl, Ahnl – wo mit mir a End' wird. – 's is letzt', was ich von Euch verlang!
Dös is a Feiertag! Da kimmen s' mir ins Haus g'schneit – der verlebt' Bruder und die verliebt' Schwester, und kehr d' Hand um, wird koans mehr davon da sein, der ein' geht auf neu' Dieberei, die ander' auf neu' Liebschaft und die alt' Ahnl kann wie vor und eh allein auf ihrer Wirtschaft leb'n oder sterb'n!
Ich wollt, sie hätt'n mich niemals von Euch tan. Hitzt is's vorbei! – Ich werd nimmer g'sund – ich versprechet a nix – ich haltet's a nit – ich weiß, ich könnt kein gut mehr tun! – Aber gunnt's mir a Platzl zum Sterb'n!
Dumms G'red! Zum Sterb'n wird's nit sein! – Vroni, schau derweil auf ihm, ich geh nur nach 'm klein' Acker auf der Höhen, wo der Niklas arbeit' – der muss g'schwind zum Bader im Ort!
Ich weiß, denkst, wer amal lugt – wart, vielleicht dauert's neama bis morg'n, wirst sehn – dass ich d' Wahrheit red! – D' Ahnl möcht ich zum allerwenigsten betrüg'n – die is z'neb'n dir d' einzig' auf der Welt, die's recht g'meint hat mit mir! Kleine Pause. Vroni! 's is mir recht lieb, dass ich dich noch triff vor mein' End'. – Wie mir 's Reden schon schwer wird – 's liegt so hoch, der Ahnl ihr Haus – bin völlig raufkrochen – hätt' dir was z'sag'n – hab was für dich! –
Jesus, Vroni! Peinig mich nit in meiner letzten Stund' – was ich für dich hab, is mein von Gott und Rechts weg'n, weißt damal, wie unser Vater nach Wien is, war ich mit als Bub – hat a Schrift, glaub wohl, war sein Testament, nach Haus g'schickt – paar Tag' drauf hat er ins Spital müssen und is bald dort verstorb'n; 'vor er hat h'nein müssen, hab'n wir bei der Schwiegermahm g'wohnt und die hat 'm Vater sein' z'ruckg'lassen' Sach' bei ihr b'halten und hat noch g'sagt: »Jakoberl, dös heb ich dir auf!« Ich hab mich aber später nie zu ihr hin'traut, weil ich so a Lump worden bin. Nur dösmal, wo ich gar runterkämma bin wie nie, bin ich hin – so wie ich jetzt steh, hat einer wenig Genieren mehr nötig. Dös brav' Weib hat von damal richtig noch die paar Sachen aufg'hob'n, das G'wand hab ich verkauft, um a Wegzehrung bis her z' haben, aber Vaters Betbüchl wollt ich dir oder der Ahnl geb'n – is doch a Andenken. Zieht das in ein rotes Tuch gehüllte Buch hervor und wickelt es heraus. Nimm du's!
Weiß's nit – hab 'n nit g'les'n! – is ja doch nur 'n Vater angangen! – Was kunnt drin stehn, was mir noch half' oder schad't? – Geschriebenes mag ich heut noch schwer lesen – gang ungern dran! Hab nur tracht, dass ich noch daher triff!
Um Gottes will'n, Bruder, los zu, los nur zu, was er 'm Vater g'schrieb'n hat: »Lieber Jakob! Dein Testament, worin Du die Burger Vroni und ihre zwei Kinder als Erben von all Dein Hab und Gut einsetzt, hab ich erhalten. Es ist nit schön, dass Du mich und meine Kinder so g'ring drein abfertigst ...«
Jesus, Maria, so steht's drein? – Und dös wär der Beweis g'wes'n. Fasst mit beiden Händen nach seinem Kopfe. Vroni – dös gibt mir 'n Rest – mir wird schwindlich! – Ich wär nit schlecht word'n, Vroni, hätt nit g'sehn, wie der Kreuzweghof is reich und ang'sehn g'wes'n dabei – mein ganz' Leben voll Not und Schand' – war rein unnötig – nur dös Fetzl Papier – Jesus und Josef! Is dös a dumme Welt. Senkt den Kopf und greift unsicher um sich. Vroni! Vroni!
Vroni birgt laut schluchzend ihr Gesicht. Jakob stirbt; der Anblick wird dem Publikum durch Liese entzogen, die sich über den Sterbenden beugt; unter dem spielt das Orchester die Repetitionszeile und fällt der Vorhang.
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1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »z' sehen braucht – verstanden hat er, was sauber is –, so is er …«
2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Damit 's d' es nur weißt, du kannst dich nit mal wie dein' Mutter mit ein bissel Hoffnung zum Narren halten, denn dich kann der Toni nur in die Schand', aber nie mehr zur Ehr' bringen, weil er schon a Weil' neben dir auch mit der Crescenz vom […] gebt.«
3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Nein, er is zu mir kämma! – Wie s' uns vom Kreuzweghof wegg'jagt hab'n, sein wir zur Ahnl nach Ottenschlag gangen und dort blieb'n – bis zur Mutter ihr'n Tod. – Der Toni hat ihr bis zu ihr'm End' viel Guts tan, weil er g'sehn hat, wie mir«
4. Welcher Ausschnitt kennzeichnet eine Aussage ausdrücklich als Möglichkeit oder Vermutung? Achte auf die Formulierung; entscheide nicht, ob die Aussage tatsächlich wahr ist.
6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse.
A: »Habt's recht, gibt eh nix G'scheits weiters auf der Welt.«
B: »Hätt gar der Wildling 'n Nagel am Kopf 'troffen?«
C: »bringt; wann d' dem vornehmen Herrn amal z' g'ring bist, wann d' dich nimmer ausweißt, dann komm zu mir!« Bin gleich zum Kreuzwegbauer, der hat tan, wie ich vorg'sagt hab, er hat mich mit Freuden gehn lassen«
8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Habt's recht, gibt eh nix […] weiters auf der Welt.«
9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »bevor« in diesem Textausschnitt? »Der Meineidbauer hat, bevor sein Bruder nach Wien is, schon ganz gut g'wußt, was dem sein Will' is, wenn er verstirbt; nämlich, dass all's der Vroni und ihr'n zwei Kindern g'hörn soll.«
2Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte
1. Lies den Abschnittsbeginn: »Wie alle Personen in diesem Akt im Sonntagsstaat, Fünfziger, graumeliertes Haar, gebräunte, markierte Züge, schlägt Feuer für seine kurze Pfeife und kommt dabei vor, bis wo Gießkanne und Eimer liegen, wo er […]« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
2. Prüfe, ob es in dieser Passage um Gerechtigkeit oder Verantwortung geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] ich dank' dir recht für 'n Dienst, und jetzt b'hüt Gott miteinander. Rechts ab.«
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Wahrheit oder Vertrauen geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Möcht sein, Burgerlies, kenn vielleicht sein a Wahrheit. Aber ich muss Ihr sagen, seht Sie mir zu schon jahrelang, seh ich Ihr auch zu af kein kürzere Zeit. A gescheite Frau war Sie immer, aber Sie war nix e soi nachdenklich wie jetzt, hot […]«
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Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Angst oder Unsicherheit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] wie d' blass word'n bist? Hätt gar der Wildling 'n Nagel am Kopf 'troffen? Fürcht'st dich vor ihr?«
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Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] verderb'n können, wie auch an meinem Bruder g'scheh'n is? – Du hast kein Herz im Leib, sonst hätt'st dich nit an unschuldig wehrlose Kinder vergriffen – du hast kein' Ehr' im Leib, sonst hätt'st nit die Pflicht, über unmündig' Kinder zu […]«
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Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
6. Vergleiche diese beiden Stellen: »Weihwasser! Habt 's doch ehnder g'nug drob'n auf der Alm!« und »Und um das bissel Leben streitet Ihr Euch herum mit aller Welt? Weiß das, versteh Euch, Burgerlies, müsst nit selber sein an armer […]«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?
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Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
7. Am Abschnittsende steht: »Vroni birgt laut schluchzend ihr Gesicht. Jakob stirbt; der Anblick wird dem Publikum durch Liese entzogen, die sich über den Sterbenden beugt; unter dem spielt das Orchester die Repetitionszeile und fällt der […]« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
8. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Wie alle Personen in diesem Akt im Sonntagsstaat, Fünfziger, graumeliertes Haar, gebräunte, markierte Züge, […]« / »Vroni birgt laut schluchzend ihr Gesicht. Jakob stirbt; der Anblick wird dem Publikum durch Liese entzogen, […]«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.
Impulse zur Selbstprüfung
Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.
Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
3Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte
Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.
Niveau 1 · Einstieg
1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Wie alle Personen in diesem Akt im Sonntagsstaat, Fünfziger, graumeliertes Haar, gebräunte, markierte Züge, schlägt Feuer für seine kurze Pfeife und kommt dabei vor, bis wo Gießkanne und Eimer liegen, wo er stehenbleibt, leicht mit dem Fuße dagegen stoßend.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Do richt's ös oft weitaus
viel brävere Leut' aus,
und ganget gleich drunta
ihr Glück und Ehr z' Grund a!«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.
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Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Dass mir die liebste Hand
d' Augen druckt zu,
b'hüt dich Gott, Heimatland,
ich geh zur Ruh.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.
Impulse zur Selbstprüfung
Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.
Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Der Meineidbauer von Anzengruber, Ludwig ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).
Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.
Der Meineidbauer
Ludwig Anzengruber: Der Meineidbauer. Herausgegeben und eingeleitet von Wilhelm Zentner, Stuttgart: Reclam, 1959 [Universal-Bibliothek, Band 133]. Anzengruber, Ludwig 9- Stuttgart
Das Werk Der Meineidbauer von Anzengruber, Ludwig ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.
Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.