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Buch - Der Meineidbauer - Anzengruber, Ludwig

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Originalwerk · Lesefassung

Der Meineidbauer

Anzengruber, Ludwig · 1839–1889

Der Meineidbauer von Anzengruber, Ludwig. Volltext der angegebenen Ausgabe mit textbezogenen Leseaufgaben.

DramaKlasse 9–10 · 11–135 Abschnitte
Porträt von Anzengruber, Ludwig; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Porträt · Anzengruber, Ludwig · Rudolf Krziwanek · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht einordnen.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 3 von 5

1. Akt

1
Erste Szene.
Vorlage S. 9
2
GROSSKNECHT
Vorlage S. 9
3
aus dem Hause rechts.
Vorlage S. 9
4
Wie alle Personen in diesem Akt im Sonntagsstaat, Fünfziger, graumeliertes Haar, gebräunte, markierte Züge, schlägt Feuer für seine kurze Pfeife und kommt dabei vor, bis wo Gießkanne und Eimer liegen, wo er stehenbleibt, leicht mit dem Fuße dagegen stoßend. Holla! Da hat's wieder eine gnädig g'habt, dass s' ja die erste Mess' nit versäumt! Glaubet einer, wie ihnen um den Kirchgang is und wie frumm die Dirndl sein! Ja, den Buben z'lieb geh'n s' hin! Dö Grasteufeln macheten unsern Herr gott selbst zum Kuppler! – Bei mir muss die Kirch' ruhig sein, dös jung G'fliederwerk kann ich drein nit brauchen, ich nimm allweil mit der zweit' Mess' vorlieb, dö erst', die Großherrn- und Verliebt-Leut'- Mess', wo sie sich in die Kirchstühl' breit machen und im Kirchgang an die Vortuchbandeln zupfen und auf d' Füß' treten, dö pass ich allmal ab! Setzt sich auf die Brunnenbank, schlägt wieder Feuer. Nass is er word'n, der Sakra, und will nit brennen! Schmaucht.
Vorlage S. 9
5
Zweite Szene.
Vorlage S. 11
6
Voriger. Vroni, Sonntagsstaat, nur eine blaue Schutzschürze vor, tritt, eine Gießkanne ausschwenkend, durch den Garten auf, sie hat in der Linken eine Nelke, die sie nach dem Lied ins Mieder steckt.
Vorlage S. 11
7
Auftrittslied
Vorlage S. 11
8
Zwei Nagerln an oan Stingel,
Vorlage S. 11
9
dös bin ich und mein Schatz,
Vorlage S. 11
10
und da find't koan dritter
Vorlage S. 11
11
dazwischen oan Platz!
Vorlage S. 11
12
Mei Mahm hat mich ausg'lacht!
Vorlage S. 11
13
»Warst dös du und dein Schatz,
Vorlage S. 11
14
da findet leicht a Knösperl
Vorlage S. 11
15
z'neb'n enk zwa no Platz!«
Vorlage S. 11
16
Ah, sag ich, beileib net,
Vorlage S. 11
17
ich bin no sei Weib net! –
Vorlage S. 11
18
Ich bin koan hitzige Mirl.
Vorlage S. 11
19
Was mer braucht, muss mer hon!
Vorlage S. 11
20
Der Nagerlstock a Garteng'schirrl
Vorlage S. 11
21
und a rechte Dirn' oan' Mon!
Vorlage S. 11
22
Jodler.
Vorlage S. 11
23
GROSSKNECHT.
Vorlage S. 11
24
Du bist's, Vroni? Und noch derheim? Hätt mir's denken können!
Vorlage S. 11
25
VRONI.
Vorlage S. 11
26
Ich war im Garten, gießen!
Vorlage S. 11
27
GROSSKNECHT.
Vorlage S. 11
28
Ich weiß's! Wer was derwart', macht sich gern was z'schaffen, 's vergeht die Zeit dabei.
Vorlage S. 11
29
VRONI
Vorlage S. 11
30
schnippisch.
Vorlage S. 11
31
Kann schon sein!
Vorlage S. 11
32
GROSSKNECHT
Vorlage S. 11
33
nickt rauchend.
Vorlage S. 11
34
Is eh so!
Vorlage S. 11
35
VRONI
Vorlage S. 11
36
rückt ihm mit der Gießkanne auf den Leib.
Vorlage S. 11
37
Geh, ruck lieber vom Bankel weg, dass ich mein' Gießkanne füll'n kann.
Vorlage S. 11
38
GROSSKNECHT
Vorlage S. 11
39
bewegt sich nicht.
Vorlage S. 11
40
Hast du aber Eil'! – Du kommst mir grad' g'leg'n – ich hätt mit dir z'red'n!
Vorlage S. 11
41
VRONI
Vorlage S. 11
42
mit spöttischem Knicks.
Vorlage S. 11
43
Jesses, die Ehr'! Der Großknecht, von dem koan' Dirn' im G'höft jahraus, jahrein ein anders Wörtl noch g'hört hat als »gut'n Moring« und »gute Nacht« – du vergibst dir aber viel, wann d' mit mir, dem jüngsten, g'ringsten Dirndl da im Dienst, red'st!
Vorlage S. 11
44
GROSSKNECHT
Vorlage S. 12
45
sieht sie groß an.
Vorlage S. 12
46
Wann du auch, was ich schon lang weiß, kein' Respekt vor mir hast, so könnt'st doch die Faxen sein lassen; dös sein dumme G'spaß! – Du kannst's a nie g'raten, wenn nach 'm Tischgebet alles still is und ich mein' Löffel sauber putz, bevor ich als erster in die Schüssel lang, zu deine jüngern Kameradinnen nüber z'blinzeln, und das is dann a Getupf mit die Ellbög'n unterm Tisch, und da wischt ihr euch 's Maul, bevor ihr noch ein Bissen drein habt's! – Alle können doch nit z'gleich in die Schüssel langen, einer muss der erste sein, und dös is mein Recht, dafür bin i Großknecht – merk dir's!
Vorlage S. 12
47
VRONI.
Vorlage S. 12
48
D' Welt fallet a nit z'samm, wann 's Essen als ein ang'richtes auf 'n Tisch kommet und jeder sein' eignen Teller hätt!
Vorlage S. 12
49
GROSSKNECHT.
Vorlage S. 12
50
Dös weiß ich, dass du was Extras haben möcht'st, dös liegt im Blut, so war deine Mutter auch!
Vorlage S. 12
51
VRONI.
Vorlage S. 12
52
Du wirst auch viel wissen, wie mein' Mutter – Gott hab s' selig – g'wesen is.
Vorlage S. 12
53
GROSSKNECHT.
Vorlage S. 12
54
Ich glaub doch und eben derentweg'n will ich mit dir reden, eh's z' spät is! – Wir zwei, ich und sie, sein drüben in Ottenschlag miteinander aufgewachsen und in die Schul' gangen. – Dein Ahnl – die noch jetzt dort hoch im Gebirg ihr' Schenkwirtschaft »Zur Grenz'« betreibt – kennt mich als klein' Bub'n. Ich war kaum so – Zeigt es. wie sie g'heirat hat. – Dein' Mutter is a Jahr drauf auf d' Welt kommen, und grad wie ich in der letzten Klass' mit 'n Esel um 'n Hals rausg'standen bin, hat sie in der Taferlklass' ihren ersten Tatzen kriegt. Später sein wir z' gleicher Zeit von Ottenschlag weg und sein alle zwei beim Kreuzwegbauer in Dienst treten. – Bekannt von klein auf, unter wildfremde Leut' in ein Dienst, hab'n wir uns tröst', wenn uns a Heimweh ang'fall'n hat, und uns gegenseitig in Schutz g'nommen, wann d' andern wie brütige Gans' über eins von uns herg'fallen sein! Kein Wunder, dass ich – damal a frischer Bursch – in sie g'schossen bin, freundlich is s' g'west mit mir – und a bildsaubre Dirn! – Du bist ihr wie aus 'm G'sicht g'schnitten, gleichwohl war s' noch säubrer wie du! Lässt, in ihr Anschauen versunken, die Hand mit der Pfeife sinken und sagt vor sich hin. Sauber war s' – bildsauber!
Vorlage S. 12
55
Kleine Pause.
Vorlage S. 13
56
VRONI
Vorlage S. 13
57
hat den Eimer umgestülpt und sich auf denselben gesetzt.
Vorlage S. 13
58
Erzähl weiter von meiner Mutter!
Vorlage S. 13
59
GROSSKNECHT
Vorlage S. 13
60
zieht den Arm mit der Pfeife in den Schoß zurück und senkt etwas den Kopf.
Vorlage S. 13
61
Anfangs is alles gangen, wie's recht is unter Liebsleut' mit ehrliche Absichten – Seufzend. Aber dass ich dir sag, damals war grad der alte Kreuzwegbauer g'storb'n und war'n zwei Buben da, der ältere, der Jakob, dem alles g'hört hat, und der jüngere, der Matthias, der halt mitg'schafft hat im reidchen G'höft. Der Jakob, der damalige Kreuzwegbauer, der hat's gern mit die Weibsleut' g'halten; da hat manche davon z' pfeifen g'wußt im Ort, die er ang'setzt hat; der hat deine Mutter nur z' sehen braucht – verstanden hat er, was sauber is –, so is er ihr auch nachg'stiegen. – Mein Gott, die Weibsleut' sein allweil so g'west, was ihnen bei ein' G'ringern a Schand brächt', do setzen sie mit ein' Reichen, Vornehmen a Ehr' drein ... sie is bald mit ihm gangen. Ich war damals rein a blind' Tobias g'west, und kein Engel is kämma, der mir mit der Fischblattern d' Augen ausg'wischt hätt, was s' mir a z' G'hör g'red't hab'n, ich hab nix davon glaubt, und erst wie ich g'merkt hab, sie weicht mir aus, hab ich der Sach' woll'n auf 'n Grund kommen. »Vroni«, hab i g'sagt – sie hat so g'heißen wie du – »Vroni«, hab i g'sagt – »du bist schon mit 'n Bauer bei die Leut' im G'red'.« – Da hat sie 's Maul verzog'n und g'lacht und g'sagt: »Wann's wär, gang's wen was an?« Sag ich: »Gang's mich auch nix an?« – Sagt sie: »Dich zum allerwenigsten! Is zwischen uns zwoa was vorg'fall'n?« – Sag ich; »Nix Unrechts nit!« – Da streift s' ihr Vortuch glatt und sagt: »Aus ist's!« – Auf dös sag ich: »Fürcht dich nit, heut steh ich noch aus 'm Dienst; der Kreuzwegbauer wird mich gern los sein, er hat dich um so sicherer! Jetzt b'hüt dich Gott! Ich weiß, du träumst, du würdst leicht Kreuzwegbäu'rin, ich tat dir's wünschen – aber Vroni, du bist nit die erst' und wirst nit die letzt' sein, die der in die Schand' bringt; wann d' dem vornehmen Herrn amal z' g'ring bist, wann d' dich nimmer ausweißt, dann komm zu mir!« Bin gleich zum Kreuzwegbauer, der hat tan, wie ich vorg'sagt hab, er hat mich mit Freuden gehn lassen. Ich aber bin in der nämlichen Nacht noch fort, es ist mir schwer ums Herz g'wesen wie nie mein Lebtag – und ich hab glaubt, es müsst mir die Brust z'rspringen, wie mir's weh g'wesen is! – So bin ich daher kämma, nach Altranning, daher auf'n Adamshof, wo ich jetzt noch bin!
Vorlage S. 13
62
VRONI.
Vorlage S. 14
63
Hast dich nimmer um sie umg'schaut?
Vorlage S. 14
64
GROSSKNECHT.
Vorlage S. 14
65
O wohl! A Jahrl drauf hab ich g'hört, sie is mit ein'm Bub'n nieder'kommen, das war dein Bruder, von dem man jetzt nicht weiß, was aus ihm worden is – gleichwohl war s' noch a ledige Dirn! Da bin ich nüber nach 'm Kreuzweghof und hab mit ihr g'red't, hab ihr g'sagt: »Vroni, schau, sei g'scheit, du bist wohl jetzt in der Schand', aber trau mir, ich nimm dich doch noch, der Bub' soll auf'zog'n werd'n bei uns, was braucht denn so a Haserl? Wird er größer, schafft er mit in unsrer Wirtschaft und verdient sich sein kloan' Leben, geh mit mir, ich hab a alte Mahm, die gibt mir ihr' kloan' Wirtschaft in B'stand!« – Da hat s' g'weint und g'sagt: »Du bist mein rechter Freund, ich komm zu dir. Heut noch red ich mit 'm Kreuzwegbauer!« – G'red't hat s' mit ihm, so viel is g'wiß, und der wird schön g'lacht hab'n über den Simpel, der 's Nest samt 'm Kuckuck kaufen will, aber die Vroni war ihm noch zu neu – Dreht die Pfeife ins Rohr, dass diese zerbricht, und wirft die Stücke zur Seite. – Nochmal hat er s' ang'setzt – und da bist du kämma – und sie is wie früher die Zuhälterin vom Bauer g'wes'n! – Von dem, was nachher kämma is, wirst vielleicht manches selbst wissen! Paar Jahrln sein drüber ins Land gangen, wo s' dich und dein' Bruder hab'n auf 'm Kreuzweghof mit die Hendeln und die Geiß rumrennen lassen, weil's einmal dag'wesen seid's! Auf amal hat's g'heißen, der Kreuzwegbauer hätt dein' Mutter endlich doch heiraten woll'n und hätt sich drum mit seine Leut' überworfen und auf einer Reis' nach Wien – wo er dein' Bruder auch mitg'nommen hat – hätt er woll'n alles ins reine bringen; er is aber krank word'n und dort im Spital g'storb'n! Dein' Mutter hat sich drauf verlassen, dass a G'schrift da is oder dass 'm Bauer sein Wort gilt, und hat drum ein' Prozess ang'fangt – der Matthias, der durch 'n Tod von sein' Bruder Kreuzwegbauer und euer Vormund word'n is, hat a Weil' zug'schaut und dein' Mutter auf 'm G'höft lassen – kein Testament hat sich aber nit g'funden, der Prozess is für euch verlor'n gangen, und wie das war – hat er euch hinausg'jagt in Elend und Schand'!
Vorlage S. 14
66
VRONI
Vorlage S. 15
67
schüttelt traurig den Kopf.
Vorlage S. 15
68
Warum denn erzählst dem Kind die Schand' seiner Mutter?
Vorlage S. 15
69
GROSSKNECHT
Vorlage S. 15
70
aufstehend.
Vorlage S. 15
71
Dass d' dir a Beispiel draus nimmst! Du bist auf 'm Weg, die nämliche Dummheit z' machen. Tritt zu ihr und legt ihr die Hand auf die Schulter. Dös is nit der erste Sonntag, den du, wann's Gesind' in der Kirch' is, da hintri in' Garten schleichst und auf 'n Bauerssohn wartst!
Vorlage S. 15
72
VRONI
Vorlage S. 15
73
steht auf, trotzig.
Vorlage S. 15
74
's is nit der erste!
Vorlage S. 15
75
GROSSKNECHT.
Vorlage S. 15
76
Aber der letzte – wann d' g'scheit bist! Du wirst so wenig Bäurin da am Adamshof, als wie's dein' Mutter drüben vom Kreuzweghof worden is!
Vorlage S. 15
77
VRONI.
Vorlage S. 15
78
Ich weiß nit, warum dich gar so harbst, weil mich der Toni gern hat?!
Vorlage S. 15
79
GROSSKNECHT.
Vorlage S. 15
80
Verlaß du dich da drauf! Glaubst du, sein Vater redet da nix drein, wann er dahinter kämmet! Damit 's d' es nur weißt, du kannst dich nit mal wie dein' Mutter mit ein bissel Hoffnung zum Narren halten, denn dich kann der Toni nur in die Schand', aber nie mehr zur Ehr' bringen, weil er schon a Weil' neben dir auch mit der Crescenz vom Kreuzwegbauer gebt.
Vorlage S. 15
81
VRONI.
Vorlage S. 16
82
Du lugst! – Dem Kreuzwegbauer sähet's wohl gleich, dass er sein' Crescenz gern daher auf 'n Adamshof als Bäuerin setzet, damit nur ich nie da schaff und schalt – er war mir von Kind auf feind – aber so tut der Toni nit!! Du weißt nit, wie wir zwei miteinander stehn! Meinst, ich bin ihm nachg'laufen? Nein, er is zu mir kämma! – Wie s' uns vom Kreuzweghof wegg'jagt hab'n, sein wir zur Ahnl nach Ottenschlag gangen und dort blieb'n – bis zur Mutter ihr'n Tod. – Der Toni hat ihr bis zu ihr'm End' viel Guts tan, weil er g'sehn hat, wie mir ihr Elend z' Herzen geht – darum bin ich ihm gut word'n, und wie er mich an ihr'm Tot'bett g'fragt hat, ob ich ihn leiden könnt. hab ich ihm g'sagt, wenn er's ehrlich meint, könnt ich 'n wohl gern hab'n! – Auf dös hat er mich von dort wegg'nommen und daher an' Adamshof bracht, weil bei der Ahnl in der Schenk' Juden und Pascher einkehr'n, öfter g'schwärzte War' verstecken und dös alte Weib – der Herr besser's in der Sterbstund' – koan' Gott und koan' Glauben hat! Er braucht a frumm' christlich' Weiberl, hat er g'sagt.
Vorlage S. 16
83
GROSSKNECHT.
Vorlage S. 16
84
O freilich, dö Hauptchristen in dö g'schnitzten Kirchstühl' hab'n d' frummen Dirndl gar gern, dö sich ohne G'schrei in all's dreingeb'n! – Aber dös hat dir der Bauerssohn doch nit g'sagt, dass's ihm schon von klein auf b'stimmt war, die Crescenz vom Kreuzwegbauer z' frei'n?!
Vorlage S. 16
85
VRONI.
Vorlage S. 16
86
So mag's unter die andern abkartelt sein, aber der Toni kann da nit mittun! Zu was hätt er mir nachher damal zug'red't, dass ich von der Ahnl fortgeh? Glaubst, dem alten Weib hat's nit weh tan, wie ich von ihr bin? – Sie hat mir eh droht, ich käm ihr doch nochmal z'ruck, wie mein' Mutter ihr kämma is! Ernst. Der Toni kann nit »ja« sag'n!
Vorlage S. 16
87
GROSSKNECHT.
Vorlage S. 16
88
Aber »nein« muss er doch auch nit g'sagt hab'n! – Heut sind s' vom Kreuzweghof zum Kirchgang herüberkommen und treffen sich mit unserm Bauern und mit 'm Toni in der Kirch'. – Der Student aus der Stadt – dem Kreuzweghofbauer sein Sohn – is auch herg'rufen word'n und soll zwischen heut und morgen kämma – da gibt's ein' Handel, und soll wohl in der Kürz'n alles richtig werd'n. – Du hast d' höchst' Zeit, dass d' dein Bündel schnürst und von da gehst; denn in Ehr'n is für dich kein Verbleib!
Vorlage S. 16
89
VRONI
Vorlage S. 17
90
trotzig.
Vorlage S. 17
91
Ich dank schön für 'n guten Rat, aber ich denk, das gang mir alles so nah, dass ich erst selber da nachschau'n müsst – dann steht's noch allweil bei mir, ob ich geh oder bleib! Ich weiß nit, warum du dich gar so drum annimmst?
Vorlage S. 17
92
GROSSKNECHT.
Vorlage S. 17
93
Was 's mich verint'ressiert, meinst? – Ich bin deiner Mutter – Gott hab s' selig – ihr rechter Freund g'wesen, 's hat s' keiner so gern g'habt als wie ich! Ich hab's heut noch nicht verwunden, was sie an mir getan hat, und doch is mir's ums Herz ganz b'sonders, wann ich an sie denk, und 's is mir noch koan' zweite kämma wie sie, und kommt a keine! Sieh ich dich so vor mir stehn, da glaub ich, sie dürft's sein, mein' Seel', das is a ihr trutzig' Tun und Wesen – du hast's ganz von ihr; aber leg's ab, amal hat's mir selber an ihr g'fall'n, aber, Vroni, tu's ab, schlag dir s' aus 'm Sinn, die Gedanken, wie hoch als a 'naus woll'n, sei die arm', ehrlich', brav' Dirn, die dein' Mutter war, wie ich mit ihr von Ottenschlag weg bin, tu der Mutter die Schand' nit an ins Grab hinein, dass d' nix von ihr g'lernt hab'n willst, dass ihr' hart' Arbeit und ihr sauer elend' Leben für dich ohne Nutz und Lehr' war! Glockengeläute. Sie läuten schon in die zweit' Mess', ich muss jetzt gehn. Ich hab eh mehr g'red't, als der Pfarrer in der Kirch' heut fürbringen kann – und hab da alle alten G'schichten in mir aufg'mischt. – Mein Gott! 's is mir aber doch lieber, als es kommt nachtig über mich – wie's g'wesen is und wie's sein könnt! – Aber am Sonntag, da fecht mich nix an, da hab ich mein Betbüchl und hör d' Orgel spiel'n! Vertraulich, indem er ein in ein Tuch geschlagenes Gebetbuch sorgfältig aus der Rocktasche zieht. Siehst, Vroni, damit setz ich mich mitt'n unter die Leut' mit g'flickte Röck' zur zweit' Mess' in ein Kirchbankeck hin – Öffnet behutsam die Schließen und halb die Blätter. Da is a Veigerl vom Bach, wo wir 's erst' Mal vertraulich miteinand' g'red't hab'n, und paar Blatteln weiter von dem Strauch auf ihr'm Grab die wilde Rosen, die ich mir einmal von Ottenschlag g'holt hab! Schließt das Buch und birgt es sorgfältig an dem früheren Orte. Und wenn ich das Buch so in der Kirch' vor mich hinleg, da siech ich s' ordentlich vor mir lieg'n, dö Örter, wo ich meine Täg zu'bracht hab – da liegt tief im Grund das kleine Ottenschlag und hoch oben das nette Wirtshaus »Zur Grenz'« – klein wie a Schwalbennest –, weiter im Land, nur zwei Stund', liegt der Kreuzweghof und noch zwei Stund' weiter Altranning – und da verwundr' ich mich, dass man auf nur vier Stund' Umkreis im Land so viel derleb'n kann, und da steht alles vor mir, als ob's gestern g'wesen wär – und da setzt die Orgel ein – und da denk ich so in mir, dass amol im Leb'n a jeder sein' Kreuzweghof g'habt hat, wo ihm's grimmig schlecht gangen is, dass aber auch mit Gotts Hilf' jeder amol sein Altranning find't, wo er Großknecht werd'n kann! – Und da frag ich mich selber, ob mir's recht wär, wann ich all das nit derlebt hätt und 's sollt alles anders sein, wie's is – da schau ich auf meine zwei Bleamerln und sag: »Nein!« Und da wird mir's so warm unterm Brustfleck und da inwendig in mir ganz stad! – Dös sein meine Sunntäg! – Jetzt b'hüt dich Gott, Vroni, und überleg dir mein' Red'! Ab.
Vorlage S. 17
94
Dritte Szene.
Vorlage S. 18
95
VRONI
Vorlage S. 18
96
allein.
Vorlage S. 18
97
»Überleg dir mein' Red'!« und »lass dein trutzig' Wesen sein!« Wie g'ring sein der Leut' Wort', wann s' auch 's Schwerste von ein'm verlangen. – Mein liaber Großknecht, wann's wahr wär, was du sag'st, was gabet's da zum Überlegen? In d' weit' Welt müsst ich laufen, dass s' mir nit von morgen an im Ort zum alten all neu' Schimpf und Schand an den Kopf werfen! Und was bleibet mir denn, dass ich's ertraget, so daz'stehn vor mir selber, wann nit der Trutz als mein einzig' und ältester Freund, der mit mir aufg'wachsen is? – Ich sollt 'n ableg'n? – Kann ich leicht anders sein, als ich bin? – Und hab'n s' nit alle dran g'arbeit', dass ich so word'n bin? Hab'n nit damals die andern Kinder im Ort mit Finger auf mich deut'? »Oi, schaut's dö an, dö hat kein Vatern nit!« Lass'n mir's nit alle bis heuttags noch g'spür'n, dass ich eigentlich nit auf der Welt sein sollt', weil mein Kämma neamand a Freud' und mein Bleiben nur Ung'legenheit g'macht hat? – Da bin ich aber amol! Und is Vaters oder Mutters Schuld, die mein' g'wiß nit, und hat's unser Herrgott zulassen, so werd ich ihm grad so lieb sein wie ös, dö 's sakramentalisch auf d' Welt kämma seid's! Lacht und fährt mit beiden Händen über Stirn und Scheitel. Narrische Mirl! Ich komm da in d' Hitz z'wegen ein' G'red' und muss sich's erst weisen, was daran wahr is. Der Toni soll mir's nur selber sagen, was an der G'schicht' is. Macht sich mit Eimer und Gießkanne zu schaffen.
Vorlage S. 18
98
Vierte Szene.
Vorlage S. 19
99
Vorige, von rechts treten auf Toni und Crescenz, Ferner und Höllerer, und zwar zuerst Toni, der Crescenz an der Hand führt, voraus, und dann, während diese beiden in den Vordergrund kommen, erscheinen im Hintergrund die beiden Bauern.
Vorlage S. 19
100
CRESCENZ
Vorlage S. 19
101
im Auftreten.
Vorlage S. 19
102
Nit, dass ich drauf versessen wär, wann's dir nit ansteht, aber der Leut' weg'n möcht ich, dass d' jetzt all' Tag zu uns auf 'n Kreuzweghof kämst, dass s' doch sehn, wir mög'n uns leiden. Is dir's leicht z' viel, dass d' 's G'fährt einspannen lasst?
Vorlage S. 19
103
TONI.
Vorlage S. 19
104
Bewahr! Wann du's so willst, so soll's auch so sein.
Vorlage S. 19
105
VRONI.
Vorlage S. 19
106
Toni!! Fasst sich, tritt auf ihn zu, streicht sich die Haare aus der Stirn und sagt bitter lächelnd. Gut'n Morg'n, Toni. Ich hab heut im Garten g'wart wie sonst, warum bist denn nit kommen?
Vorlage S. 19
107
CRESCENZ.
Vorlage S. 19
108
Was will denn die?
Vorlage S. 19
109
TONI
Vorlage S. 20
110
läßt Crescenz' Hand fahren und tritt zu Vroni – leise.
Vorlage S. 20
111
Du weißt's schon, was s' mit mir vorhab'n? – Sei g'scheit, Vroni! Ich muss mit dir noch in der G'heim drüber red'n. Tritt rasch zur Crescenz zurück.
Vorlage S. 20
112
VRONI
Vorlage S. 20
113
laut.
Vorlage S. 20
114
Du musst mit mir noch in der G'heim red'n? Könnt' sein, dass das, was du mir z'sag'n hast – Auf Crescenz. vor derer da nit leicht gang', aber es is auch gar nimmer nötig, dass du red'st; dageg'n, was ich dir jetzt sagen werd, das kann alle Welt hören.
Vorlage S. 20
115
Ferner und Höllerer sind vorgekommen.
Vorlage S. 20
116
FERNER
Vorlage S. 20
117
gedrungene Figur, mit abgelebten Zügen, hat einen großen Rosenkranz und ein großes Gebetbuch in der Hand; dazwischentretend.
Vorlage S. 20
118
Halt's Maul, Dirn!
Vorlage S. 20
119
TONI.
Vorlage S. 20
120
Misch dich da nit drein!
Vorlage S. 20
121
FERNER
Vorlage S. 20
122
strenge.
Vorlage S. 20
123
Geh du mit der Crescenz in' Garten, a Wartlerei mit derer da schickt sich vor dein' künftig Weib nit.
Vorlage S. 20
124
TONI.
Vorlage S. 20
125
War's nit der Crescenz z'lieb –
Vorlage S. 20
126
VRONI
Vorlage S. 20
127
bitter.
Vorlage S. 20
128
Geh nur zu, d' kimmst wohlfeil davon.
Vorlage S. 20
129
Toni und Crescenz durch die Scheuer ab.
Vorlage S. 20
130
FERNER
Vorlage S. 20
131
stellt sich vor Vroni hin.
Vorlage S. 20
132
Jetzt red ich da im G'höft, und wir werd'n gleich fertig sein miteinander.
Vorlage S. 20
133
VRONI
Vorlage S. 20
134
tritt ihm aufrecht entgegen.
Vorlage S. 20
135
Schon recht, dich hab ich derwart', Kreuzweghofbauer, du musst doch überall dabei sein, wo ein Unheil für mich um die Weg' is.
Vorlage S. 20
136
FERNER.
Vorlage S. 20
137
Begehr du nit auf, lern lieber Demut; ich siech am Adamshof nur ein Unheil, und das bist du selber. Obwohl ich nimmer dein Vormund bin – wofor ich Gott dank, dass er mich von der Last erlöst hat – so gib ich dir doch als Christ guten Rat und sag dir: Schnür dein Bündel, führ neamand in Versuchung und geh von da je ehnder, je lieber.
Vorlage S. 20
138
VRONI.
Vorlage S. 20
139
Was die Vormundschaft anbelangt, hast du Gott nit z' danken, dass du s' nimmer führst, du hast s' ja freiwillig selber niederg'legt und dafür dank ich ihm, und dein christlich' Rat is da auch unnötig, ich weiß's schon selber, was ich jetzt zu tun hab. Zu Höllerer. Adamshofbauer, wenn dir's der Kreuzwegbauer, der jetzt da im G'höft red't und schalt', verlaubt, so wär mir's recht lieb, wann d' mich gleich heut noch aus 'm Dienst ausstehn ließ'st.
Vorlage S. 20
140
HÖLLERER.
Vorlage S. 21
141
Kreuzdividomini, wer söllt mir was verlaub'n auf mein G'höft?! – Sternsakra, kam mir recht. – Was ich da sag, das gilt und, was ich sag, das wägt – und wann ich sag, du verbleibst deine vierzehn Täg, so verbleibst.
Vorlage S. 21
142
FERNER.
Vorlage S. 21
143
Wär ein Unsinn! Ich sag, sie geht an der Stell'.
Vorlage S. 21
144
HÖLLERER.
Vorlage S. 21
145
Tausend Element! Ja – und wann ich sag, du gehst an der Stell', so gehst a an der Stell'.
Vorlage S. 21
146
VRONI.
Vorlage S. 21
147
Ich müsst frei lachen über dich – wann mir zum Lachen wär –, Adamshofbauer, wie du ein'm ein' Herrn zeigst! Gleichwohl möcht ich doch wissen, was eigentlich dein' Meinung is, die vierzehn Täg Kündfrist, dö gelten – oder 's an der Stell' geh'n?
Vorlage S. 21
148
FERNER.
Vorlage S. 21
149
Du gehst gleich. Willst 'leicht Unfried' stiften zwischen mir und 'm Schwiecher?
Vorlage S. 21
150
HÖLLERER.
Vorlage S. 21
151
Kreuzsakra! Dös gibt's nit.
Vorlage S. 21
152
FERNER.
Vorlage S. 21
153
's Zeug dazu hätt'st. Dein Mutter – Gott lass s' ruh'n und verzeih ihr die Sünd' – hat auch am Kreuzweghof Unfried' g'stift, du bist ganz ihr Kind und hast auch das von ihr, dass d' dich ein'm Reichen naufheftst.
Vorlage S. 21
154
VRONI
Vorlage S. 21
155
aufschreiend.
Vorlage S. 21
156
Jesus, Maria! Du verschimpfst mein' arm' Mutter im Grab. Streift sich die Haare zurück und tritt Ferner ganz unter die Augen. Herrgott! – Und wenn das meine letzte Stund' wär, Kreuzwegbauer, das schenk ich dir nit. Glaubst, weilst noch lebig herumlauf'st auf der Erd', du darfst die schlecht machen, die in ihr vergrab'n sein? Du glaubst wohl, weil d' Leut', wo du hinkommst, sag'n: Aufg'schaut, der reich' Kreuzweghofbauer kommt! – weil s' dir überall, wo d' einkehrst, 'n Ehrensitz lassen, weil s' in der Kirch' nach dein'm polsterten Betbankerl schau'n: der frumme Mann – du dürfest dir gegen tot und lebig herausnehmen, was d' willst? Reich bist, davon nimmt dir keiner was, aber wann d' Armut kan' Schand', so is auch der Reichtum kein' Ehr' z' nennen. Doch, sei du ehrbar und frumm in der Leut' Augen, ich glaub' nit an dein' Ehrbarkeit und nit an dein' Frummheit, von Kind auf nit, ich will dir's wohl sagen, warum. Du lieber Ohm, hast du nit mehr als einmal uns Kinder, die wir'doch deines Bruders Blut waren, am Kreuzweghof in ein' Winkel g'führt und dort g'schlagen und treten ohne Grund und Ursach'? Du braver Vormund, hast du dich je um uns umg'schaut? Hätt'n wir nit deinetweg'n an Leib und Seel' verderb'n können, wie auch an meinem Bruder g'scheh'n is? – Du hast kein Herz im Leib, sonst hätt'st dich nit an unschuldig wehrlose Kinder vergriffen – du hast kein' Ehr' im Leib, sonst hätt'st nit die Pflicht, über unmündig' Kinder zu wachen, auf dich g'nommen und Händ' am Rucken zug'schaut, wie s' wild aufwachsen; du hast kein Christentum in dir, Kreuzwegbauer, du betrügst so wenig unsern Herrgott mit deine Kirchgäng' als mich. Du bittst wohl auch nur zu Gott, dass er dir 'n Teufel, den d' dreifach verdient hättst, nit in die Wirtschaft fahren lasst. – Denk ich dran, wie wir immer, wo du 'n Fuß hing'setzt hast, weit weg, dir aus 'n Aug'n hab'n fort müssen, da is mir allemal g'wes'n, als hätt'st du a schlecht' G'wissen, als könntst uns derentweg'n nit ausstehn, weil d' dich an uns versündigt hast.
Vorlage S. 21
157
FERNER
Vorlage S. 22
158
bleich und aufgeregt.
Vorlage S. 22
159
Nimm dich in acht, Dirn, nimm dich in acht, was du sagst. Lauernd. Was willst damit sagen? Weißt du leicht was?
Vorlage S. 22
160
VRONI
Vorlage S. 22
161
ruhiger.
Vorlage S. 22
162
Nein, Kreuzwegbauer. – Aber völlig leicht is mir ums Herz, weil das herunter is, was mich schon lang druckt. Wußt ich so gut wie der Herrgott, was du in deiner Angst naufbet'st zu ihm, glaubst du, ich hätt g'wart bis heut? Aber das weiß ich in mir, ich tu dir kein Unrecht. Und ich hoff, ich komm dir noch drauf, all' Not und Elend nahm ich auf mein jung' Leben, wann das g'schähet; dressier'n wollt ich dich wie der Jäger d' jung' Hund', du sollst mir Sprüng' machen, so alt d' bist. Kreuzwegbauer, völlig lieb könnt ich dich hab'n, denk ich dran, wie ich dich, so groß und stolz d' bist, mit 'n klein' Finger vor mich hinwerfen möcht. Warst du's nit, fast wünschet ich dir, es kam' nit dazu, aber wann's käm, weißt, was dir bevorsteht! Zu Höllerer, indem sie ihm die Hand gibt. Bauer, ich dank' dir recht für 'n Dienst, und jetzt b'hüt Gott miteinander. Rechts ab.
Vorlage S. 22
163
Fünfte Szene.
Vorlage S. 23
164
Ferner und Höllerer. Der Hintergrund füllt sich nach und nach mit aus der Kirche zurückkehrenden Mägden, unter denselben treibt sich Muckerl herum.
Vorlage S. 23
165
HÖLLERER
Vorlage S. 23
166
zu Ferner, der schweigend dasteht.
Vorlage S. 23
167
Sikra! Dö Dirn' hat a Maul! Dö hat dich rechtschaffen putzt! Aber a feine Stimm hat s', ich hör s' gern, schad, dass s' nit veiter g'red't hat! – Boshaft. Schwiecher, wie is's, hast nit um d' Hand noch a bissel was auf mein' G'höft anz'schaffen? Aber wie d' blass word'n bist? Hätt gar der Wildling 'n Nagel am Kopf 'troffen? Fürcht'st dich vor ihr?
Vorlage S. 23
168
FERNER
Vorlage S. 23
169
aus dem Sinnen auffahrend.
Vorlage S. 23
170
Narr! Ich bin der Bauer vom Kreuzweghof – ehender fürcht' man wohl mich! Dumpf. Unser Herrgott lasst's nit zu, dass ich an der zu Schanden wurd', er weiß, was ich für ihn tan hab, wieviel Messen ich g'stift' und was ich an die Kirchen g'schenkt hab und dass ich noch a gar gut' Werk im Sinn hab mit meim Suhn; ich hoff, der Herr wird 'n erleuchten mit seiner Gnad', dass er's einsieht, wie's zu sein eignen und zu unserm Heil is! Dann bleib'n die zwei Anwesen beinand' und g'hör'n meim Dirndl!
Vorlage S. 23
171
HÖLLERER.
Vorlage S. 23
172
Das deine der Dirn', das meine g'hört doch für alle Zeiten 'm Toni!
Vorlage S. 23
173
FERNER.
Vorlage S. 23
174
Mein Bub kommt heut oder morg'n, tätst mir einen G'fall'n, Schwiecher, wann d' nach 'm Kreuzweghof mitkamst, ich hab ihn von Kind auf nimmer g'sehn, is mir lieber, es is fremd wer dabei, wenn wir uns 's erste Mal wieder vor d' Augen kämma!
Vorlage S. 23
175
HÖLLERER.
Vorlage S. 23
176
Ich bin schon dabei.
Vorlage S. 23
177
FERNER
Vorlage S. 23
178
im Abgehen.
Vorlage S. 23
179
'n Toni nehm mer auch mit! Komm nur, ich hab 'n Knecht mit 'm Wagel eh zum Gartenzaun b'stellt. Beide durch die Scheuer ab.
Vorlage S. 23
180
Sechste Szene.
Vorlage S. 24
181
Die Mägde, Muckerl, dann Vroni.
Vorlage S. 24
182
DIE MÄGDE
Vorlage S. 24
183
kommen, Muckerl in ihrer Mitte führend, vor.
Vorlage S. 24
184
Kimm, Muckerl, verzähl!
Vorlage S. 24
185
MIRZL.
Vorlage S. 24
186
Wie geht's denn auf der Alm?
Vorlage S. 24
187
MUCKERL
Vorlage S. 24
188
hält eine Flasche sorgfältig unter der Joppe.
Vorlage S. 24
189
Ich dank! ich dank! Hehehe! Recht gut! Hehehe! Der Jodl lasst enk schön grüßen!
Vorlage S. 24
190
BURGEI.
Vorlage S. 24
191
Was hast denn da in der Flaschen?
Vorlage S. 24
Porträt von Anzengruber, Ludwig; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Kontextbild zum Werk. Porträt · Anzengruber, Ludwig · Rudolf Krziwanek · Public domain Bildquelle ↗
192
ANNERL.
Vorlage S. 24
193
Lass amal kosten!
Vorlage S. 24
194
MUCKERL
Vorlage S. 24
195
zieht die Flasche zurück.
Vorlage S. 24
196
Jo, hehehe! Dass 's mir's aussauft's und ich hätt nachher nix! Gewichtig. 's is Weihwasser!
Vorlage S. 24
197
WABERL.
Vorlage S. 24
198
Weihwasser! Habt 's doch ehnder g'nug drob'n auf der Alm!
Vorlage S. 24
199
MUCKERL.
Vorlage S. 24
200
Freilich wohl! Aber dös ist für mich allanig! Wie oben. Zum Trinka!
Vorlage S. 24
201
ALLE.
Vorlage S. 24
202
Jegerl, der trinkt's!
Vorlage S. 24
203
MUCKERL.
Vorlage S. 24
204
Glaubt's ös leicht, i bin a Heid' und hob kein' Religion? A Predigt versteh ich net – beta dermerk i net, a Betbüchl konn i nit lesen – so nimm i halt 's Christentum einwendig!
Vorlage S. 24
205
GRETL.
Vorlage S. 24
206
Du bist a Hauptchrist!
Vorlage S. 24
207
Alle lachen.
Vorlage S. 24
208
Vroni tritt mit einem Bündel auf.
Vorlage S. 24
209
MUCKERL.
Vorlage S. 24
210
Hehehe! – Da kommt d' Vroni!
Vorlage S. 24
211
MIRZL.
Vorlage S. 24
212
Und a Binkerl tragt s' a!
Vorlage S. 24
213
WABERL.
Vorlage S. 24
214
Gehst 'leicht von da? Z'weg'n was denn?
Vorlage S. 24
215
ANNERL.
Vorlage S. 24
216
Is eppa richtig mit 'n Toni und der Crescenz vom Kreuzweghof?
Vorlage S. 24
217
BURGEI.
Vorlage S. 24
218
Heirat' er s' und lasst er dich sitzen, der grausliche Ding?
Vorlage S. 24
219
Alle lachen.
Vorlage S. 24
220
GRETL.
Vorlage S. 24
221
Schau, nimm 'n Muckerl, is a a feiner Bub'!
Vorlage S. 24
222
MUCKERL.
Vorlage S. 24
223
Jo, hehehe! Ich nehm dich schon – hehehe! Du taugerst mir schon lang – dös war eine – juhuhu!
Vorlage S. 24
224
Alle lachen.
Vorlage S. 24
225
VRONI
Vorlage S. 24
226
verbissen.
Vorlage S. 24
227
Was ös aber lustig seid's, wann's ein'm traurig geht!
Vorlage S. 24
228
BURGEI.
Vorlage S. 25
229
Uije! Stamm dich doch auf! 's kimmt dir sonst 's Flenna, bist ja sunst so stark!
Vorlage S. 25
230
VRONI.
Vorlage S. 25
231
Flennet ich, g'schahet's nit, weil mir weh is, sondern aus Zorn!
Vorlage S. 25
232
MIRZL.
Vorlage S. 25
233
Jegerl, du Zornbinkl! – Beleidig dich nur nit! Wir sind allz'samm allweil gute Kameradinnen zu dir g'wes'n, wir müssen dir schon zum Abschied a paar Almer singen, dass dir 's Herzerl aufgeht.
Vorlage S. 25
234
Mei' Schatz is viel sauber,
Vorlage S. 25
235
no säub'rer bin i,
Vorlage S. 25
236
und er heirat' auch z'nachst,
Vorlage S. 25
237
doch a andre als mi!
Vorlage S. 25
238
CHOR
Vorlage S. 25
239
Lach-Jodler, den Muckerl mit täppischem Gelächter übertönt.
Vorlage S. 25
240
Höhöhöhö!
Vorlage S. 25
241
BURGEI.
Vorlage S. 25
242
Mir is jetzt mein Binkerl
Vorlage S. 25
243
so schwer wie mein Herz,
Vorlage S. 25
244
und ich steh enk jetzt da
Vorlage S. 25
245
grad wie's Mandl beim Sterz!
Vorlage S. 25
246
Wie oben.
Vorlage S. 25
247
ANNERL.
Vorlage S. 25
248
's sein andere Dirndl
Vorlage S. 25
249
akrat wie du b'schlag'n,
Vorlage S. 25
250
und du wirst jetzt die Nas'n
Vorlage S. 25
251
so hoch nimmer trag'n!
Vorlage S. 25
252
Wie oben.
Vorlage S. 25
253
WABERL.
Vorlage S. 25
254
Vom Gamskogel waht a
Vorlage S. 25
255
der nämliche Wind,
Vorlage S. 25
256
mein' Mutter war ledig,
Vorlage S. 25
257
und i bin doch ihr Kind!
Vorlage S. 25
258
Wie oben.
Vorlage S. 25
259
Vroni fährt dazwischen, dabei bekommt Muckerl einen Rippenstoß.
Vorlage S. 25
260
MUCKERL
Vorlage S. 25
261
reibt sich.
Vorlage S. 25
262
Ah! – Sie hat mich schon gern!
Vorlage S. 25
263
VRONI
Vorlage S. 25
264
in die Mitte tretend, singt.
Vorlage S. 25
265
's Kreuzerl am Mieder
Vorlage S. 25
266
und 's Bücherl voll Lieder,
Vorlage S. 25
267
so stazt's ihr im Sonntagg'wand
Vorlage S. 25
268
in d'Kirchen miteinand'!
Vorlage S. 25
269
Da tut's ös so g'schamig,
Vorlage S. 25
270
so christlich und frumb,
Vorlage S. 25
271
doch wie unta der Wochen
Vorlage S. 25
272
seid's allz'samm' a G'lump!
Vorlage S. 25
273
MUCKERL.
Vorlage S. 26
274
Höhöhöhö!
Vorlage S. 26
275
VRONI.
Vorlage S. 26
276
Do richt's ös oft weitaus
Vorlage S. 26
277
viel brävere Leut' aus,
Vorlage S. 26
278
und ganget gleich drunta
Vorlage S. 26
279
ihr Glück und Ehr z' Grund a!
Vorlage S. 26
280
Dös tat enk nit kränken,
Vorlage S. 26
281
aus grad macht's ös krump,
Vorlage S. 26
282
denn ös seid's halt, ös bleibt's halt
Vorlage S. 26
283
doch allz'samm' a G'lump!
Vorlage S. 26
284
Lehnt sich zornig weinend an den Brunnen.
Vorlage S. 26
285
MUCKERL.
Vorlage S. 26
286
Ös seid's holt, ös bleibt's holt
Vorlage S. 26
287
doch allz'samm' a G'lump!
Vorlage S. 26
288
Höhöhöhö! Rennt ab, da die Dirnen unter Geschrei: »Wart nur!« – »Du Fex!« – »Du kriegst's!« über ihn herfallen. Alle durch die Scheuer ab.
Vorlage S. 26
289
Siebente Szene.
Vorlage S. 26
290
Franz und Großknecht. Vroni im Vordergrunde.
Vorlage S. 26
291
GROSSKNECHT
Vorlage S. 26
292
den Davonlaufenden nachrufend.
Vorlage S. 26
293
He! Ihr! Hört's? Is der Kreuzweghofbauer schon fort? Hört keins? Die hab'n mit ein' Fexen ihr G'spiel, dös is denen Weibsleuten ihr liebster G'spaß, weil sie sich daneb'n g'scheit vorkämen; gang's nach ihnen, gab's gar nix als lauter Fexen; die s' nit selber schon deppert in d' Welt setzen, die macheten s' gern später dazu und die alt' Weiber unter die Mannsleut' helfen ihnen dabei! Sieht Vroni. Kommt's nur, lieber Herr, da hab'n wir schon d' Richtige, die steht Red'! Kommen vor, so dass Vroni die Mitte und Franz die Brunnenseite gewinnt. Is der Kreuzweghofbauer schon fort?
Vorlage S. 26
294
VRONI
Vorlage S. 26
295
trocknet sich mit dem Schürzenzipfel die Augen.
Vorlage S. 26
296
Grad muss er fortg'fahren sein.
Vorlage S. 26
297
GROSSKNECHT
Vorlage S. 26
298
zu Franz.
Vorlage S. 26
299
Da holt's ihn nimmer ein! Zu Vroni. Was is denn dir? Du wischst dir die Aug'n? Und zum Gehn bist auch fix und fertig? – Is's halt doch so kämma, wie ich g'sagt hab'? Hab ich dir's schlecht gemeint?
Vorlage S. 26
300
VRONI.
Vorlage S. 27
301
Vergelt dir's Gott, Großknecht, wie ehrlich du's mit mir gemeint hast!
Vorlage S. 27
302
GROSSKNECHT.
Vorlage S. 27
303
Gehst halt zur Ahnl nach Ottenschlag, nit?
Vorlage S. 27
304
VRONI.
Vorlage S. 27
305
Tu's zwar nit gern, magst dir's denken, aber ich muss wohl, so g'schwind find't ich kein ander' Unterkämma.
Vorlage S. 27
306
GROSSKNECHT.
Vorlage S. 27
307
Hast recht! Wird freilich z'erst rechtschaffen keppeln, d' Alte, is aber a brav' Weiberl!
Vorlage S. 27
308
FRANZ
Vorlage S. 27
309
im steirischen Lodenrock, Reisetasche um, Stock – hat auf der Brunnenbank Platz genommen.
Vorlage S. 27
310
Wenn ich schon nach dem Kreuzweghof gehen soll, habt ihr niemand, der mich führen kann?
Vorlage S. 27
311
GROSSKNECHT
Vorlage S. 27
312
zu Vroni.
Vorlage S. 27
313
Auf 'n Herweg hab ich den Herrn da g'troffen, er möcht über'n Bergsteig nach 'm Kreuzweghof, der Weg auf der Straßen is ihm zu langweilig! 's geht eh dein Weg auch vorbei, kannst dir ein paar Groschen Wegweislohn verdienen, wann d' ihn führst!
Vorlage S. 27
314
VRONI.
Vorlage S. 27
315
Is mir recht, aber ich tu's nicht der Groschen weg'n, sondern um Gotteslohn! Aber a G'sellschafterin werd't 's nit an mir hab'n, mir is heut nit lustig!
Vorlage S. 27
316
FRANZ.
Vorlage S. 27
317
Mir auch nicht, liebe Dirn'! Wenn ich trotzig dreinschau', kümmere dich nicht drum! Geben wir uns die Hand drauf, dass wir einander nicht als zuwidere Leute verschrein woll'n, bis wir uns ein andermal und, ich hoff, fröhlicher gesehen haben als heut auf dem Weg nach meines Vaters Gehöft.
Vorlage S. 27
318
VRONI
Vorlage S. 27
319
zieht rasch ihre Hand aus der seinen.
Vorlage S. 27
320
Deines Vaters G'höft? So wärst du leicht der Student, den s' die Täg' erwart'n? Der Ferner-Franzl?
Vorlage S. 27
321
FRANZ.
Vorlage S. 27
322
Ich heiße Ferner!
Vorlage S. 27
323
VRONI.
Vorlage S. 27
324
Dann geh nur allein deine Weg'! Ich führ dich nicht! – Dein Vater is mein und meiner Leut' Todfeind, ich leid grad unter dem, was er mir d' letzt' Stund' wieder antan hat! Ich geh kein Schritt mit seim' Sohn!
Vorlage S. 27
325
FRANZ
Vorlage S. 27
326
blickt sie überrascht an und steht schnell auf.
Vorlage S. 27
327
So sag mir doch, wer du bist.
Vorlage S. 27
328
VRONI
Vorlage S. 27
329
wendet sich zum Gehen.
Vorlage S. 27
330
Ich hoaß Veronika Burger! Reicht dem Großknecht die Hand zum Abschied.
Vorlage S. 27
331
FRANZ
Vorlage S. 28
332
zieht mechanisch wie zum Gruße den Hut und fährt sich mit der Linken in die Haare, vor sich.
Vorlage S. 28
333
Die ist's! – Ich hab's gefürchtet. – Mein erster Tritt auf heimatlichen Boden macht die Vergangenheit wieder lebendig!
Vorlage S. 28
334
Verwandlung
Vorlage S. 28
335
Wirtsstube im Wirtshause »Zur Grenze« in Ottenschlag.
Vorlage S. 28
336
Eingang letzte Kulisse links. Hintergrund ein großes, breites Fenster (eigentlich zwei Fenster, durch einen schmalen Pfeiler getrennt); die Fensterflügel offen, Fernsicht auf eine
Vorlage S. 28
337
Alpenlandschaft. Links vom Fenster steht ein Großvaterstuhl, rechts davon ein Tisch; über demselben hängt an der Wand eine Zither. Zwei Tische befinden sich mit der Längsseite an den Wänden rechts und links und ein Kachelofen steht unmittelbar hinter der Türe.
Vorlage S. 28
338
Achte Szene.
Vorlage S. 28
339
Im Großvaterstuhl sitzt die alte Burgerlies mit Strickzeug, Geldtaschel und Schlüsselbund am Gurt. Neben am Tische sitzt Levy, den Hausierbündel neben sich auf der Bank, ein Glas Wein und Eßwaren im Papier vor sich.
Vorlage S. 28
340
LEVY
Vorlage S. 28
341
steckt den letzten Bissen in den Mund, wischt mit dem Papier über den Tisch, rückt den Stuhl und schaut behaglich ins Freie.
Vorlage S. 28
342
's is doch a schöne Sach', Burgerlies, nach langer Zeit wieder da heroben bei Euch zu sitzen, unangefochten wie daheim, und hinabzuschau'n auf das Land. Gott, was for a reiche, weite Natur und was for arme beschränkte Leut' um sie.
Vorlage S. 28
343
LIES
Vorlage S. 28
344
altes, aber kräftiges Mütterchen, weiße Scheitel.
Vorlage S. 28
345
Musst nit groß tun, Levy, bist a g'scheiter Mann, ich weiß; aber ich schau dir doch schon jahrelang zu, wie d' dein Fressen allweil im Papierl mitbringst, statt dass d' herob'n fein mit zulangst.
Vorlage S. 28
346
LEVY.
Vorlage S. 29
347
Kenn ich's denn riskier'n, dass ich komm ohne Proviant da ins Geberg' zu Euch? Könnt Ihr doch etwa hab'n an dem Tag nor a treefene Woor.
Vorlage S. 29
348
LIES.
Vorlage S. 29
349
Na siehst, du bist selber so a Bauchfrummer und hätt grad dich für g'scheiter g'halten.
Vorlage S. 29
350
LEVY.
Vorlage S. 29
351
Mein! Was hilft alle G'scheitheit gegen a alte Satzung? Mer werd's gewöhnt. Wer gibt mir a neuchen Mogen zu der neuen Speis'?
Vorlage S. 29
352
LIES.
Vorlage S. 29
353
Mein lieber Levy, grad wie mit euere Mägen is's mit denen ihnere Köpf.
Vorlage S. 29
354
LEVY
Vorlage S. 29
355
kopfschüttelnd.
Vorlage S. 29
356
Möcht sein, Burgerlies, kenn vielleicht sein a Wahrheit. Aber ich muss Ihr sagen, seht Sie mir zu schon jahrelang, seh ich Ihr auch zu af kein kürzere Zeit. A gescheite Frau war Sie immer, aber Sie war nix e soi nachdenklich wie jetzt, hot jeden gelossen bei dem, was er denkt, und hat nix Ihre Meinung aufgedrängt. Das taugt nix. Burgerlies, for Ihr Geschäft taugt dos gor nix. Wollt Ihr alle Leut' e soi denken machen wie Ihr? Gott meiner Väter!
Vorlage S. 29
357
LIES.
Vorlage S. 29
358
Lass mich aus mit 'n Gott der Väter, den habt's ös alte Schippeln doch nur für d' Weiber aufbracht, damit s' Zucht halten und nit auf d' Jüngern neben schau'n.
Vorlage S. 29
359
LEVY.
Vorlage S. 29
360
Was ich sag? Sagt ein' andern so was, der Euch nix kennt, nehmt er's for übel und kümmt nix mehr. Trinkt. Is an angenehmer, milder Tropfen. Muss mer sich doch neuzeit gewöhnen, kommt mer zu Euch, dass abwechslich bald Ihr a Schneid habt, bald Euer Wein. Früher war Wein und Wirtschaft gleich angenehm. Mein, mir is noch erinnerlich, wenn ich vor so a Stück a fünf Jahr bei Euch bin eingekehrt, wie noch hat Eur' Tochter gelebt und wie die beiden Enkelkinder – der Bub' und das Madl, fünfzehn, sechzehn Jahr alt, a Paar prächtige junge Leut. – da in der Wirtschaft mitgeholfen haben – was is doch geworden aus die zwei, habt Ihr sie nimmer gesehen seither?
Vorlage S. 29
361
LIES.
Vorlage S. 29
362
Weißt ja, nach der Vroni ihr'm Tod hat mir der Vormund 'n Buben nimmer lass'n, ich war ihm z' gottlos, dem frummen Mann, und die Dirn hat mir a so a frummer Bauerssuhn abg'red't.
Vorlage S. 29
363
LEVY.
Vorlage S. 30
364
Schad um die jung' Leut'. – War a schöne Zeit gewesen damal herob'n. Is mer gekimmen, hat alles gewimmelt von Gäst', mer is da gesessen unter de Pauern, hat einer ja angefangen zu sticheln und ein geheißen e Mauschel! Püh! Wie seid Ihr ihm da gefahren übers Maul. Alles hat gelacht, mer hat gelangt in die Tasch', hat gezahlt a Wein, da war der Frieden hergestellt, die Gläser haben geklungen und alles war wieder gut. Mein, aber jetzt –
Vorlage S. 30
365
LIES.
Vorlage S. 30
366
Freilich, seit mein' Vroni tot is und die jung' Leut' weg, bin ich nur älter und tramhaperter word'n; dös dumm' G'sindel da herum feind't mich an, bin neamand mehr anständig, mir zum allerwenigsten, und haus' jetzt da herob'n allein mit ein einzig'n alten tauben Knecht.
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367
LEVY.
Vorlage S. 30
368
Drum seid Ihr auch geworden zu viel nachdenklich, und kommt emal einer, so sprecht Ihr Euch gern aus; aber es taugt nix, Burgerlies! Ich sag's nit weg'n mir, nein, ich komm zu Euch, solange uns beiden der Herr das Leben lasst, aber es tut mer weh, dass, kümm ich amol, ich find't da alles so leer, und es is a Ereignis, dass tagüber is eingekehrt bei Ihr a Jud'.
Vorlage S. 30
369
LIES.
Vorlage S. 30
370
Der noch dazu 's Fressen im Papierl mitbringt! Da kann mer fett werd'n.
Vorlage S. 30
371
LEVY
Vorlage S. 30
372
ernst.
Vorlage S. 30
373
Werd't Ihr fett, Burgerlies, sagt emol aufrichtig, werd't Ihr fett von dem verdächtigen Volk, was bei Euch kehrt ein die Nacht über?
Vorlage S. 30
374
LIES
Vorlage S. 30
375
gedämpft.
Vorlage S. 30
376
Du meinst die Schwärzer? 's sein meine einzig'n Kundschaft'n, die da noch was sitzen lass'n; soll ich ihnen leicht die Tür weisen? Sie sein nit so uneb'n, sag ich dir! Dieb' und Rauber sein s' nit. Von Urzeit geht Berg und Tal in ein' Trum fort und die Grenzpfähl' sein nit wie die Bäum' aus der Erd' g'wachsen – und soll ich wohl dafür mehr zahl'n, weil die Spanfudler herenten dös nit z'weg'n bringen a so wie die Leut' da draußt? – Freilich hat's oft G'fahr, wenn einer kimmt: »Mutter Lies, versteckt's mich, sie sein hinter mir her!« Soll ich 'n ausweisen in seiner höchsten Not? Ich kunnt's nit, ich weiß recht gut, ich verbesser mir nix in der Leut' Augen durch selb'n Zuspruch, aber im G'schrei bin ich früher schon g'wesen, auf a mehr oder minder kimmt's mir nit an, und die paar Jahrln, die mir noch b'schied'n sein, will ich doch noch leb'n können.
Vorlage S. 30
377
Vroni geht an dem Fenster vorüber.
Vorlage S. 31
378
LEVY
Vorlage S. 31
379
hat Geld auf den Tisch gelegt, den Bündel genommen und reicht der Lies beide Hände.
Vorlage S. 31
380
Und um das bissel Leben streitet Ihr Euch herum mit aller Welt? Weiß das, versteh Euch, Burgerlies, müsst nit selber sein an armer Teufel und obendrein a Jud', der in dem Land da muss sein Stück Brot suchen. – B'hüt Gott! Ab.
Vorlage S. 31
381
LIES
Vorlage S. 31
Carl Spitzweg – Der Bücherwurm, um 1850. Motivvergleich zu Lesen und Wissen; keine Darstellung einer Figur dieses Buches.
Kontextbild zum Werk. Der Bücherwurm · Carl Spitzweg · Public domain Bildquelle ↗
382
nachrufend.
Vorlage S. 31
383
Glück auf 'n Weg, Levy, und kehr fein wieder zu. Wischt an dem Tisch, wo er gesessen. Es klopft. Nur rein, wer draußt is!
Vorlage S. 31
384
Neunte Szene.
Vorlage S. 31
385
Vorige, Vroni, ein Bündel unterm Arm, tritt zögernd ein.
Vorlage S. 31
386
VRONI.
Vorlage S. 31
387
Grüß Gott, Ahnl!
Vorlage S. 31
388
LIES
Vorlage S. 31
389
dreht sich überrascht um.
Vorlage S. 31
390
Was tausig, Vroni! Du bist's? – Schau einer, lasst dich a amol sehn? Was gar, mir scheint, du bist ausg'standen aus 'm Dienst? Wo trittst denn jetzt ein?
Vorlage S. 31
391
VRONI.
Vorlage S. 31
392
Hab noch kein' Dienst.
Vorlage S. 31
393
LIES.
Vorlage S. 31
394
Nit? Is dös so schnell gangen? Dein frumm' Bauerssuhn hat dich wohl sitzen lass'n, und jetzt is 's Weib ohne Gott und Glauben wieder gut Freund? Traust dich denn in die gottlose Wirtschaft da her?
Vorlage S. 31
395
VRONI
Vorlage S. 31
396
mit unterdrücktem Weinen.
Vorlage S. 31
397
B'hüt Gott, Ahnl!
Vorlage S. 31
398
Wendet sich.
Vorlage S. 31
399
LIES
Vorlage S. 31
400
nimmt ihr den Bündel weg und wirft ihn auf den Tisch daneben.
Vorlage S. 31
401
Na, dumm's Mensch, musst gleich flenna? Darf die alt' Ahnl sich leicht nit a bissel 'n Schnabel wetzen? Bleib nur da – d' Wahrheit verbrennt dich nit wie d' Sunn', wirst nit braun davon! War leicht das so schön, wie d' von mir g'rennt bist? Soll ich vor Freud' in Ohnmacht fall'n, dass d' jetzt kimmst, wo dich nit ausweißt und nit daher kamest, wußt d' dir ein' andern Ort?
Vorlage S. 31
402
VRONI.
Vorlage S. 32
403
Ich werd dir nit lang auf der Schüssel lieg'n.
Vorlage S. 32
404
LIES.
Vorlage S. 32
405
A meinetweg'n lieg drein bis übers Jahr, dessentwegen is nit – war lang nit so harb auf dich, hätt ich's nit verspürt, wie d' mir abgehst.
Vorlage S. 32
406
VRONI
Vorlage S. 32
407
fällt ihr um den Hals.
Vorlage S. 32
408
Ahnl, du hast mich halt doch gern.
Vorlage S. 32
409
LIES.
Vorlage S. 32
410
Was tust denn wieder? Wirf mich noch um. Tätschelt ihr die Wange. Freilich, freilich, bist mein lieb's Dirndl! – Aber jetzt sei g'scheit, bleib fein da. Hab eh neamand, d' Arbeit geht mir schon hart; und a freundlich' G'sicht tat mir doch a wohl. Wischt über den Tisch. Setz dich her. Trippelt zum Schrank und nimmt aus demselben eine Rein auf einem Brett. Magst leicht ein Bissen essen? Setzt ihr vor. Musst fruh weg sein, kimmst so zeitlich her nach Ottenschlag.
Vorlage S. 32
411
VRONI
Vorlage S. 32
412
etwas essend.
Vorlage S. 32
413
Der Postbot' hat mich her auf sein' Wagerl g'nummen.
Vorlage S. 32
414
LIES.
Vorlage S. 32
415
Dös sein die fein', mit die jung' Dirndl fahrn s' gleich meilenweit ins Land, dass sich dö ja d'Füß' nit vertreten; unseroans könnt' neben herrennen, dass d' Zung' aus 'm Hals hängt, saget keiner »Alte, magst aufsitzen?« – Na, schmeckt's? Gelt, Essen, Trinken und Verliebtsein, sunst steht euch nix an, jung's G'sindel? Habt's recht, gibt eh nix G'scheits weiters auf der Welt.
Vorlage S. 32
416
VRONI.
Vorlage S. 32
417
Du führst noch allweil so unebne Reden, bist nit anders word'n?
Vorlage S. 32
418
LIES.
Vorlage S. 32
419
Zahlet sich aus für die paar Jahrl, die ich noch leb!
Vorlage S. 32
420
VRONI.
Vorlage S. 32
421
Ahnl, ich bitt dich gar schön, sei nit so freimäulig. War mir a rechter Seg'n, wann ich's machen könnt, dass man dich wieder in der Kirchen sahet.
Vorlage S. 32
422
LIES.
Vorlage S. 32
423
Dummes Ding! Wann d' mir mit solche Vorsätz' kimmst, is's mir auch lieber, wann d' wieder gehst! Du machst mich nimmer katholisch. – Glaubst, ich bin dös über Nacht word'n, was ich bin? Da hab'n mehr Jahr' dran g'arbeit', als du auf der Welt bist. A Nacht hat's freilich fertig bracht, dö nämlich, wo dein' Mutter mit enk zwa Kindern an mein' Tür pocht hat, weil s' vom Meineidbauer vom G'höft g'jagt worden is.
Vorlage S. 32
424
VRONI.
Vorlage S. 33
425
Du meinst 'n Bauer vom Kreuzweghof? Warum gibst ihm den Spitznam' »Meineidbauer«?
Vorlage S. 33
426
LIES.
Vorlage S. 33
427
Is dös a schwer Ratsel? Warum hoaßt d' Elster a Dieb? Weil der Lump vom Kreuzweghof falsch g'schworen hat, hoaßt er Meineidbauer bei mir, solang er lebt und länger noch, wenn ich ihn überleb, solang von ihm die Red' is.
Vorlage S. 33
428
VRONI.
Vorlage S. 33
429
Wenn das wahr wär, Ahnl, und mir könnt ihm's beweisen.
Vorlage S. 33
430
LIES.
Vorlage S. 33
431
Is dös a schwer Ratsel? Warum hoaßt d' Elster denn sein' falsch' Eid hab'n 's eben als Beweis für ihn gelten lassen. Dein' Mutter, die nie g'log'n hat, hat's in der nämlichen Nacht gleich g'sagt, wie's damals zugangen is, und is in ihrer letzten Not noch dabei blieben. Der Meineidbauer hat, bevor sein Bruder nach Wien is, schon ganz gut g'wußt, was dem sein Will' is, wenn er verstirbt; nämlich, dass all's der Vroni und ihr'n zwei Kindern g'hörn soll. Legt die Hand auf die Schulter Vronis. Aber a Testament war auch da – es war eins da! Wie da Meineidbauer vom G'richt heimkommen is, wo er die Händ' zu Gott aufg'hob'n hat, dass er von keiner Schrift was weiß, da hat er selb Schriftstück auf 'm Herd verbrennt, und sein Bub' is zufällig dazukommen; er war so a zwölf Jahrl alt, hat g'wußt, dass der Vater z'wegen 'm Testament zu G'richt is schwör'n gangen, und find't ihn da auf einmal, wie er die G'schrift ins Feuer halt'! – Lesen hat der Bub gut kinna, aber 'n Schnabel hat er a auftun müssen, wie die Bub'n gern tun, wenn s' glauben, jetzt können s' geg'n die Eltern aufkommen. Dös war damal a Spektakel auf 'm Kreuzweghot – die Vroni is grad noch dazukommen, dass s' so viel hört, dass sie sich ihr'n Teil draus entnehmen kann – die alt' Mutter vom Bauern hat den Bub'n gleich auf d' Seit' bringen müssen, so wütig war der Vater auf ihn. D' Großmutter und der Bub sind nach Wien gangen, sie hat sich seither hinunterkränkt über die Schlechtigkeit von ihr'n einzig noch übrigen Sohn und is vor'm Jahr verstorb'n. Ausg'sagt hätten die zwei nix, und der Meineidbauer hätt g'leugnet. So hat's halt beim alten bleiben müssen. – Sixt, Vronerl, und damals, wie der Meineidbauer sein' Hand hat zu Gott aufg'hob'n, nur dass ihm die g'studierten Leut' seines Bruders Hab und Gut zusprechen, da is kein Donner vom Himmel g'fall'n, die Erd' hat sich nit auftan, mein Kind is in Not und Unehr' dag'standen und a so verstorb'n, und der Meineidbauer is heuttags noch a reicher Mann. Seither war's fertig in mir! Dö Welt taugt mir nit, wo so was drin g'schehn kann. Seit damals heißen s' mich gottlos; ich glaub aber nit, dass amol z'wegen unsere Seel'n die Teixeln raffet werd'n. – Der Himmel wird sich grad so viel g'freu'n, dass er 'n Meineidbauer derlangt, wie der Teixel, dass er a Alte mehr in d' Höll' kriegt!
Vorlage S. 33
432
VRONI
Vorlage S. 34
433
lacht.
Vorlage S. 34
434
No, geht's zu! Ernst. Ich hoff zu Gott, dass keins von uns in d' Höll kimmt!
Vorlage S. 34
435
LIES.
Vorlage S. 34
436
Na, soll hübsch warm drein sein, dös tauget schon für uns Alte, mir friert da ehnder 's ganz' Jahr; für dich passt er schon, der Himmel, du hast noch hitzig' Blut und hitzt gar – koan Schatz dazu!
Vorlage S. 34
437
VRONI.
Vorlage S. 34
438
Geh, du red'st so viel wüst, Ahnl! Man muss sich frei schamen – hört mer dir zu!
Vorlage S. 34
439
LIES.
Vorlage S. 34
440
Ah was, z'weg'n ein bißl Neckerei brauchst nit gleich brennrot z' werden, bist doch kein' Heilige und is doch d' Magdalen' eine word'n; bin heut bißl lustig – weil d' mich aufg'riegelt hast! Kommen schon wieder Täg, wo di wundern wirst, wie grantig d' alt' Ahnl sein kann. Kind, lustig is schön, wer's nur allweil sein könnt! – Bleib nur da, dann -werd ich's schon a öfter sein können. – Seit ich an kein' Sonntag mehr ins Ort abi komm, hab'n s' mich da allein sitzen lassen, selbst d' vertrautesten Bekannten hab'n nimmer zug'sprochen, höchstens die arm' Holzknecht', wann s' viel Durst und wenig Geld hab'n, dö kimmen, und 'vor s' reintreten, schlagen s' a groß' Kreuz, aber so a gottlos Glas Wein für a bißl holz-spaneln und a Vergeltsgott schmeckt ihna doch!
Vorlage S. 34
441
VRONI.
Vorlage S. 35
442
Und dös gebt's ös denen Leuten?
Vorlage S. 35
443
LIES.
Vorlage S. 35
444
Freilich gib ich's! Schimpf s' auch orndlich z'samm dabei. – Ich bin nit so schlimm, wie mich d' Leut' machen, ich g'freu mich a, dass d' noch a Vertrauen g'habt hast zu mir und kämma bist – bist a Stark Dirndl, dir haben s' draußt in der Welt noch nicht ankönnen; ich wollt, ich hätt euch all' zwei bei mir halten können. – Schlechts hätt's ös da nit g'sehn.
Vorlage S. 35
445
VRONI.
Vorlage S. 35
446
G'wiß nit. Wollt selber, ich wär nit so dumm g'wes'n und von dir fort, ich seh, was ich jetzt davon hab. – Sag, Ahnl, was is denn aus 'm Brudern word'n? Hast nix von ihm g'hört?
Vorlage S. 35
447
LIES.
Vorlage S. 35
448
Ja, ja, den hab'n s' mir auch wegg'nommen. Ob ich von ihm g'hört hab? Ah freili, mehr als mir lieb is, aus 'm gottlosen Haus da hab'n s' ihn weg, das hat der Meineidbauer a noch auf'm G'wissen. Freilich, er is ja aus der frumm Schul' kämma, tauget ja nit her da. War der beste im Katechismus, hat alle Sünden g'wußt, die man nit tun soll, hat aber a g'wußt, dass die Sünden in der Beicht' vergeb'n werd'n, so is er halt a Dieb und Vagabund word'n. 's erste Mal is er auf'm Schub herkämma nach Ottenschlag, da hat ihn die G'meind' mir ins Haus g'schickt – ich hab glaubt, ich sink in d' Erd – lang is er aber nit blieb'n, und wie er von mir weg is, sein meine Silbertaler a mit fortg'west – dann hat er's weiter so forttrieben – is in die Strafhäuser rumkugelt, dann wieder der G'meind' zur Last g'fall'n – ich aber hab nix mehr von ihm wiss'n woll'n und hab 'n a seither nimmer g'sehn – will 'n a nimmer sehn.
Vorlage S. 35
449
Jakob geht am Tenster vorüber.
Vorlage S. 35
450
VRONI.
Vorlage S. 35
451
Jesus und Josef!
Vorlage S. 35
452
LIES.
Vorlage S. 35
453
Was hast denn?
Vorlage S. 35
454
VRONI.
Vorlage S. 35
455
War mir doch, als gang einer da vorm Fenster vorbei – und 's wär der Jakob.
Vorlage S. 35
456
LIES.
Vorlage S. 35
457
Wär mir nit lieb.
Vorlage S. 35
458
Zehnte Szene.
Vorlage S. 36
459
Vorige, Jakob in abgetragenen Kleidern, elend, bleich, wankt, auf einen Stock gestützt, lautlos herein.
Vorlage S. 36
460
LIES.
Vorlage S. 36
461
Richtig is er's!
Vorlage S. 36
462
VRONI.
Vorlage S. 36
463
Bruder! – Jakob! – Du lieber Heiland, wie schaust denn du aus?
Vorlage S. 36
464
JAKOB
Vorlage S. 36
465
wirft sich in einen Großvaterstuhl und holt tief Atem.
Vorlage S. 36
466
Mit Verlaub! – Grüß Gott, Ahnl! – Grüß dich Gott, Vroni! – Bist a wieder da?
Vorlage S. 36
467
LIES.
Vorlage S. 36
468
Wo kimmst wieder her? Was willst denn da? Kimmst aus der Straf' wieder?
Vorlage S. 36
469
JAKOB.
Vorlage S. 36
470
Zum letztenmal, Ahnl.
Vorlage S. 36
471
LIES.
Vorlage S. 36
472
Hast allweil g'sagt, weiß's vom G'meinvorsteher – bist jed'smal 's letzt' Mal in der Straf g'wes'n.
Vorlage S. 36
473
JAKOB.
Vorlage S. 36
474
Dösmal is's g'wiß! Ich hab mein' Teil! Ich hätt können sterben drin in der Stadt – im Spital – sie hätten mir's gern kommod g'macht – sein froh, wann unsereiner – a Gravierter – geht – hab mich aber bis her g'schleppt – gönnt's mir a Platzl, Ahnl – wo mit mir a End' wird. – 's is letzt', was ich von Euch verlang!
Vorlage S. 36
475
LIES.
Vorlage S. 36
476
Dös is a Feiertag! Da kimmen s' mir ins Haus g'schneit – der verlebt' Bruder und die verliebt' Schwester, und kehr d' Hand um, wird koans mehr davon da sein, der ein' geht auf neu' Dieberei, die ander' auf neu' Liebschaft und die alt' Ahnl kann wie vor und eh allein auf ihrer Wirtschaft leb'n oder sterb'n!
Vorlage S. 36
477
VRONI.
Vorlage S. 36
478
Ahnl! Ihr im Arm. Ich geh g'wiß nimmer von dir!
Vorlage S. 36
479
JAKOB.
Vorlage S. 36
480
Ich wollt, sie hätt'n mich niemals von Euch tan. Hitzt is's vorbei! – Ich werd nimmer g'sund – ich versprechet a nix – ich haltet's a nit – ich weiß, ich könnt kein gut mehr tun! – Aber gunnt's mir a Platzl zum Sterb'n!
Vorlage S. 36
481
LIES.
Vorlage S. 36
482
Dumms G'red! Zum Sterb'n wird's nit sein! – Vroni, schau derweil auf ihm, ich geh nur nach 'm klein' Acker auf der Höhen, wo der Niklas arbeit' – der muss g'schwind zum Bader im Ort!
Vorlage S. 36
483
Rasch ab.
Vorlage S. 36
484
VRONI.
Vorlage S. 37
485
Jakob, ich bitt dich, sag d' Wahrheit! Is dir wirklich so schlecht, oder –
Vorlage S. 37
486
JAKOB.
Vorlage S. 37
487
Ich weiß, denkst, wer amal lugt – wart, vielleicht dauert's neama bis morg'n, wirst sehn – dass ich d' Wahrheit red! – D' Ahnl möcht ich zum allerwenigsten betrüg'n – die is z'neb'n dir d' einzig' auf der Welt, die's recht g'meint hat mit mir! Kleine Pause. Vroni! 's is mir recht lieb, dass ich dich noch triff vor mein' End'. – Wie mir 's Reden schon schwer wird – 's liegt so hoch, der Ahnl ihr Haus – bin völlig raufkrochen – hätt' dir was z'sag'n – hab was für dich! –
Vorlage S. 37
488
VRONI.
Vorlage S. 37
489
Ich bitt dich – nur eins, Bruder – wenn's unrecht' Gut wär'?
Vorlage S. 37
490
JAKOB
Vorlage S. 37
491
wischt sich den Schweiß.
Vorlage S. 37
492
Jesus, Vroni! Peinig mich nit in meiner letzten Stund' – was ich für dich hab, is mein von Gott und Rechts weg'n, weißt damal, wie unser Vater nach Wien is, war ich mit als Bub – hat a Schrift, glaub wohl, war sein Testament, nach Haus g'schickt – paar Tag' drauf hat er ins Spital müssen und is bald dort verstorb'n; 'vor er hat h'nein müssen, hab'n wir bei der Schwiegermahm g'wohnt und die hat 'm Vater sein' z'ruckg'lassen' Sach' bei ihr b'halten und hat noch g'sagt: »Jakoberl, dös heb ich dir auf!« Ich hab mich aber später nie zu ihr hin'traut, weil ich so a Lump worden bin. Nur dösmal, wo ich gar runterkämma bin wie nie, bin ich hin – so wie ich jetzt steh, hat einer wenig Genieren mehr nötig. Dös brav' Weib hat von damal richtig noch die paar Sachen aufg'hob'n, das G'wand hab ich verkauft, um a Wegzehrung bis her z' haben, aber Vaters Betbüchl wollt ich dir oder der Ahnl geb'n – is doch a Andenken. Zieht das in ein rotes Tuch gehüllte Buch hervor und wickelt es heraus. Nimm du's!
Vorlage S. 37
493
VRONI.
Vorlage S. 37
494
Ich dank dir recht, Jakob. Indem sie sinnend die Hände mit dem Gebetbuch sinken lässt, blättert sie dasselbe auf. Da liegt ja ein Brief drein?!
Vorlage S. 37
495
JAKOB.
Vorlage S. 37
496
Weiß's – hab's so aufg'funden – Is noch von damal'n an Vater.
Vorlage S. 37
497
VRONI.
Vorlage S. 38
498
Was steht denn drin?
Vorlage S. 38
499
JAKOB.
Vorlage S. 38
500
Weiß's nit – hab 'n nit g'les'n! – is ja doch nur 'n Vater angangen! – Was kunnt drin stehn, was mir noch half' oder schad't? – Geschriebenes mag ich heut noch schwer lesen – gang ungern dran! Hab nur tracht, dass ich noch daher triff!
Vorlage S. 38
501
VRONI.
Vorlage S. 38
502
's Siegel is eh schon ganz verbröckelt, ich mach 'n auf!
Vorlage S. 38
503
JAKOB.
Vorlage S. 38
504
Tu's, is jetzt dein' Sach'!
Vorlage S. 38
505
VRONI
Vorlage S. 38
506
öffnet den Brief.
Vorlage S. 38
507
Er is vom Vater sein'm Bruder, vom Kreuzweghofbauer! – Heiliger Gott!
Vorlage S. 38
508
JAKOB.
Vorlage S. 38
509
Du verschreckst ein'n!
Vorlage S. 38
510
VRONI.
Vorlage S. 38
511
Um Gottes will'n, Bruder, los zu, los nur zu, was er 'm Vater g'schrieb'n hat: »Lieber Jakob! Dein Testament, worin Du die Burger Vroni und ihre zwei Kinder als Erben von all Dein Hab und Gut einsetzt, hab ich erhalten. Es ist nit schön, dass Du mich und meine Kinder so g'ring drein abfertigst ...«
Vorlage S. 38
512
JAKOB
Vorlage S. 38
513
auffahrend.
Vorlage S. 38
514
Jesus, Maria, so steht's drein? – Und dös wär der Beweis g'wes'n. Fasst mit beiden Händen nach seinem Kopfe. Vroni – dös gibt mir 'n Rest – mir wird schwindlich! – Ich wär nit schlecht word'n, Vroni, hätt nit g'sehn, wie der Kreuzweghof is reich und ang'sehn g'wes'n dabei – mein ganz' Leben voll Not und Schand' – war rein unnötig – nur dös Fetzl Papier – Jesus und Josef! Is dös a dumme Welt. Senkt den Kopf und greift unsicher um sich. Vroni! Vroni!
Vorlage S. 38
515
VRONI.
Vorlage S. 38
516
Bruder, um Himmels will'n, bleib bei dir! Du darfst jetzt nit versterb'n. Denk an unsern Brief, wart ab, die Ahnl muss gleich mit 'm Bader da sein.
Vorlage S. 38
517
JAKOB.
Vorlage S. 38
518
Z' spat! Alles z' spat! – Mich freut nur oans, dass dir's noch gut gehn wird und der Ahnl – und dass ich noch rechtzeitig nach hoam troffen hab.
Vorlage S. 38
519
Blickt durchs Fenster.
Vorlage S. 38
520
VRONI.
Vorlage S. 38
521
Is dir leichter?
Vorlage S. 38
522
JAKOB.
Vorlage S. 38
523
Weiß's nit – Hörst, Vroni? –
Vorlage S. 38
524
VRONI.
Vorlage S. 38
525
Was willst denn?
Vorlage S. 38
526
JAKOB
Vorlage S. 38
527
zeigt nach der Zither.
Vorlage S. 38
528
Könntst? – Möchtst? –
Vorlage S. 38
529
VRONI.
Vorlage S. 38
530
Die Zither soll ich dir spielen?
Vorlage S. 38
531
JAKOB
Vorlage S. 39
532
nickt.
Vorlage S. 39
533
Noch was – Sagt im Tonfall der Melodie des kommenden Liedes. »Dös war' mein letzter Wunsch.«
Vorlage S. 39
534
VRONI.
Vorlage S. 39
535
Dös Lied soll ich dir jetzt singen?
Vorlage S. 39
536
Jakob nickt.
Vorlage S. 39
537
VRONI.
Vorlage S. 39
538
Ich kann nit, Jakob, ich kann nit.
Vorlage S. 39
539
JAKOB
Vorlage S. 39
540
lächelt etwas und sagt wie oben.
Vorlage S. 39
541
»Gib mir die G'währ.«
Vorlage S. 39
542
VRONI.
Vorlage S. 39
543
Ich kann dir nix abschlag'n, aber hart wird mir's. – O du mein Gott, so viel hart. Richtet sich am Tisch die Zither.
Vorlage S. 39
544
Jakob faltet die Hände.
Vorlage S. 39
545
VRONI
Vorlage S. 39
546
setzt mit gebrochener Stimme ein, bezwingt sich aber und singt dann mit der scharfen Prononcierung der ländlichen Lieder weiter.
Vorlage S. 39
547
Dös war' mein letzter Wunsch,
Vorlage S. 39
548
gib mir die G'währ,
Vorlage S. 39
549
lass mich in der Heimat sterb'n,
Vorlage S. 39
550
himmlischer Herr.
Vorlage S. 39
551
Grüner Tann, blaue Berg',
Vorlage S. 39
552
du dunkler See,
Vorlage S. 39
553
euch möcht ich nochmal sehn,
Vorlage S. 39
554
bevor ich geh.
Vorlage S. 39
555
Möcht sterb'n in Elternhütt',
Vorlage S. 39
556
dass noch bewusst –
Vorlage S. 39
557
Liese tritt ein.
Vorlage S. 39
558
ich mein' Kopf legen kann
Vorlage S. 39
559
an d' liebste Brust.
Vorlage S. 39
560
JAKOB
Vorlage S. 39
561
wendet sich.
Vorlage S. 39
562
Großmutter! Großmutter! Liese eilt zu ihm, er legt das Haupt an ihre Brust.
Vorlage S. 39
563
Ich mein' Kopf legen kann
Vorlage S. 39
564
an d' liebste Brust.
Vorlage S. 39
565
Dass mir die liebste Hand
Vorlage S. 39
566
d' Augen druckt zu,
Vorlage S. 39
567
b'hüt dich Gott, Heimatland,
Vorlage S. 39
568
ich geh zur Ruh.
Vorlage S. 39
569
B'hüt dich Gott, Heimatland ...
Vorlage S. 39
570
Vroni birgt laut schluchzend ihr Gesicht. Jakob stirbt; der Anblick wird dem Publikum durch Liese entzogen, die sich über den Sterbenden beugt; unter dem spielt das Orchester die Repetitionszeile und fällt der Vorhang.
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Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »z' sehen braucht – verstanden hat er, was sauber is –, so is er …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Damit 's d' es nur weißt, du kannst dich nit mal wie dein' Mutter mit ein bissel Hoffnung zum Narren halten, denn dich kann der Toni nur in die Schand', aber nie mehr zur Ehr' bringen, weil er schon a Weil' neben dir auch mit der Crescenz vom […] gebt.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Nein, er is zu mir kämma! – Wie s' uns vom Kreuzweghof wegg'jagt hab'n, sein wir zur Ahnl nach Ottenschlag gangen und dort blieb'n – bis zur Mutter ihr'n Tod. – Der Toni hat ihr bis zu ihr'm End' viel Guts tan, weil er g'sehn hat, wie mir«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt kennzeichnet eine Aussage ausdrücklich als Möglichkeit oder Vermutung? Achte auf die Formulierung; entscheide nicht, ob die Aussage tatsächlich wahr ist.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Is eppa richtig mit 'n Toni und der Crescenz vom Kreuzweghof?«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Habt's recht, gibt eh nix G'scheits weiters auf der Welt.« B: »Hätt gar der Wildling 'n Nagel am Kopf 'troffen?« C: »bringt; wann d' dem vornehmen Herrn amal z' g'ring bist, wann d' dich nimmer ausweißt, dann komm zu mir!« Bin gleich zum Kreuzwegbauer, der hat tan, wie ich vorg'sagt hab, er hat mich mit Freuden gehn lassen«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Traust dich denn in …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »bevor« in diesem Textausschnitt? »Der Meineidbauer hat, bevor sein Bruder nach Wien is, schon ganz gut g'wußt, was dem sein Will' is, wenn er verstirbt; nämlich, dass all's der Vroni und ihr'n zwei Kindern g'hörn soll.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »'s Siegel is eh schon …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Lies den Abschnittsbeginn: »Wie alle Personen in diesem Akt im Sonntagsstaat, Fünfziger, graumeliertes Haar, gebräunte, markierte Züge, schlägt Feuer für seine kurze Pfeife und kommt dabei vor, bis wo Gießkanne und Eimer liegen, wo er […]« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
  • Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
Textstelle nachlesen ↗

2. Prüfe, ob es in dieser Passage um Gerechtigkeit oder Verantwortung geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] ich dank' dir recht für 'n Dienst, und jetzt b'hüt Gott miteinander. Rechts ab.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Wahrheit oder Vertrauen geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Möcht sein, Burgerlies, kenn vielleicht sein a Wahrheit. Aber ich muss Ihr sagen, seht Sie mir zu schon jahrelang, seh ich Ihr auch zu af kein kürzere Zeit. A gescheite Frau war Sie immer, aber Sie war nix e soi nachdenklich wie jetzt, hot […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Angst oder Unsicherheit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] wie d' blass word'n bist? Hätt gar der Wildling 'n Nagel am Kopf 'troffen? Fürcht'st dich vor ihr?«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] verderb'n können, wie auch an meinem Bruder g'scheh'n is? – Du hast kein Herz im Leib, sonst hätt'st dich nit an unschuldig wehrlose Kinder vergriffen – du hast kein' Ehr' im Leib, sonst hätt'st nit die Pflicht, über unmündig' Kinder zu […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

6. Vergleiche diese beiden Stellen: »Weihwasser! Habt 's doch ehnder g'nug drob'n auf der Alm!« und »Und um das bissel Leben streitet Ihr Euch herum mit aller Welt? Weiß das, versteh Euch, Burgerlies, müsst nit selber sein an armer […]«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
  • Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

7. Am Abschnittsende steht: »Vroni birgt laut schluchzend ihr Gesicht. Jakob stirbt; der Anblick wird dem Publikum durch Liese entzogen, die sich über den Sterbenden beugt; unter dem spielt das Orchester die Repetitionszeile und fällt der […]« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
  • Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
Textstelle nachlesen ↗

8. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Wie alle Personen in diesem Akt im Sonntagsstaat, Fünfziger, graumeliertes Haar, gebräunte, markierte Züge, […]« / »Vroni birgt laut schluchzend ihr Gesicht. Jakob stirbt; der Anblick wird dem Publikum durch Liese entzogen, […]«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
  • Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
  • Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Wie alle Personen in diesem Akt im Sonntagsstaat, Fünfziger, graumeliertes Haar, gebräunte, markierte Züge, schlägt Feuer für seine kurze Pfeife und kommt dabei vor, bis wo Gießkanne und Eimer liegen, wo er stehenbleibt, leicht mit dem Fuße dagegen stoßend.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Do richt's ös oft weitaus viel brävere Leut' aus, und ganget gleich drunta ihr Glück und Ehr z' Grund a!«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Dass mir die liebste Hand d' Augen druckt zu, b'hüt dich Gott, Heimatland, ich geh zur Ruh.«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Der Meineidbauer von Anzengruber, Ludwig ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).

Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.

Der Meineidbauer

Ludwig Anzengruber: Der Meineidbauer. Herausgegeben und eingeleitet von Wilhelm Zentner, Stuttgart: Reclam, 1959 [Universal-Bibliothek, Band 133]. Anzengruber, Ludwig 9- Stuttgart

Das Werk Der Meineidbauer von Anzengruber, Ludwig ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; reine Originaltexte gemeinfrei Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.