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Buch - Der Marquis von Keith - Wedekind, Frank

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Originalwerk · Lesefassung

Der Marquis von Keith

Wedekind, Frank · 1898

Der Marquis von Keith von Wedekind, Frank. Volltext der angegebenen Ausgabe mit textbezogenen Leseaufgaben.

DramaKlasse 9–10 · 11–137 Abschnitte
Porträt von Wedekind, Frank; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Porträt · Wedekind, Frank · Urheber auf der Commons-Dateiseite nicht angegeben · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht einordnen.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 3 von 7

1. Akt

1
Erster Aufzug
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2
Ein Arbeitszimmer, dessen Wände mit Bildern behängt sind. In der Hinterwand befindet sich rechts rechts und links immer vom Schauspieler aus die Tür zum Vorplatz und links die Tür zu einem Wartezimmer. In der rechten Seitenwand vorn führt eine Tür ins Wohnzimmer. An der linken Seitenwand vorn steht der Schreibtisch, auf dem aufgerollte Pläne liegen; neben dem Schreibtisch an der Wand ein Telefon. Rechts vorn ein Diwan, davor ein kleinerer Tisch; in der Mitte, etwas nach hinten, ein größerer Tisch. Büchergestelle mit Büchern; Musikinstrumente, Aktenbündel und Noten.
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3
Der Marquis von Keith sitzt am Schreibtisch, in einen der Pläne vertieft. Er ist ein Mann von ca. 27 Jahren: mittelgroß, schlank und knochig; er hätte eine musterhafte Figur, wenn er nicht auf dem linken Beine hinkte. Seine markigen Gesichtszüge sind nervös und haben zugleich etwas Hartes, stechende graue Augen, kleiner blonder Schnurrbart, das widerborstige, kurze, strohblonde Haar sorgfältig in der Mitte gescheitelt. Er ist in ausgesuchte gesellschaftliche Eleganz gekleidet, aber nicht geckenhaft. Er hat die groben roten Hände eines Clown.
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4
Molly Griesinger kommt aus dem Wohnzimmer und
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5
setzt eine gedeckte Tablette auf das Tischchen vor dem Diwan. Sie ist ein unscheinbares brünettes Wesen, etwas scheu und verhetzt, in unscheinbarer häuslicher Kleidung, hat aber große, schwarze, seelenvolle Augen.
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6
MOLLY.
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7
So, mein Schatz, hier hast du Tee und Kaviar und kalten Aufschnitt. Du bist ja heute schon um neun Uhr aufgestanden.
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8
VON KEITH
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9
ohne sich zu rühren.
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10
Ich danke dir, mein liebes Kind.
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11
MOLLY.
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12
Du musst gewaltig hungrig sein. Hast du denn jetzt Nachricht darüber, ob der Feenpalast auch zustande kommt?
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13
VON KEITH.
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14
Du siehst, ich bin mitten in der Arbeit.
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15
MOLLY.
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16
Das bist du ja immer, wenn ich komme. Dann muss ich alles, was dich und deine Unternehmungen betrifft, von deinen Freundinnen erfahren.
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17
VON KEITH
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18
sich im Sessel umwendend.
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19
Ich kannte eine Frau, die sich beide Ohren zuhielt, wenn ich von Plänen sprach. Sie sagte: Komm und erzähl mir, wenn du etwas getan hast!
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20
MOLLY.
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21
Das ist ja mein Elend, dass du schon alle Arten von Frauen gekannt hast. Da es klingelt. Du barmherziger Gott, wer das wieder sein mag! Sie geht auf den Vorplatz hinaus, um zu öffnen.
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22
VON KEITH
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23
für sich.
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24
Das Unglückswurm!
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25
MOLLY
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26
kommt mit einer Karte zurück.
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27
Ein junger Herr, der dich sprechen möchte. Ich sagte, du seist mitten in der Arbeit.
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28
VON KEITH
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29
nachdem er die Karte gelesen.
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30
Der kommt mir wie gerufen!
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31
Molly läßt Hermann Casimir eintreten und geht ins Wohnzimmer ab.
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32
HERMANN CASIMIR
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33
ein fünfzehnjähriger Gymnasiast in sehr elegantem Radfahrkostüm.
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34
Guten Morgen, Herr Baron.
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35
VON KEITH.
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36
Was bringen Sie mir?
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37
HERMANN.
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38
Es ist wohl am besten, wenn ich mit der Tür ins Haus falle. Ich war gestern abend mit Saranieff und Zamrjaki im Café Luitpold zusammen. Ich erzählte, dass ich durchaus hundert Mark nötig hätte. Darauf meinte Saranieff, ich möchte mich an Sie wenden.
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39
VON KEITH.
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40
Ganz München hält mich für einen amerikanischen Eisenbahnkönig!
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41
HERMANN.
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42
Zamrjaki sagte, Sie hätten immer Geld.
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43
VON KEITH.
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44
Zamrjaki unterstütze ich, weil er das größte musikalische Genie ist, das seit Richard Wagner lebt. Aber diese Straßenräuber sind doch wohl kein schicklicher Umgang für Sie!
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45
HERMANN.
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46
Ich finde diese Straßenräuber interessant. Ich kenne die Herren von einer Versammlung der Anarchisten her.
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47
VON KEITH.
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48
Ihrem Vater muss es eine erfreuliche Überraschung sein, dass Sie Ihren Lebensweg damit beginnen, sich in revolutionären Versammlungen herumzutreiben.
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HERMANN.
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50
Warum lässt mich mein Vater nicht von München fort!
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51
VON KEITH.
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52
Weil Sie für die große Welt noch zu jung sind!
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53
HERMANN.
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54
Ich finde aber, dass man in meinem Alter unendlich mehr lernen kann, wenn man wirklich etwas erlebt, als wenn man bis zur Großjährigkeit auf der Schulbank herumrutscht.
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55
VON KEITH.
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56
Durch das wirkliche Erleben verlieren Sie nur die Fähigkeiten, die Sie in Ihrem Fleisch und Blut mit auf die Welt gebracht haben. Das gilt ganz speziell von Ihnen, dem Sohn und einstigen Erben unseres größten deutschen Finanzgenies. – Was sagt denn Ihr Vater über mich?
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57
HERMANN.
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58
Mein Vater spricht überhaupt nicht mit mir.
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59
VON KEITH.
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60
Aber mit andern spricht er.
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61
HERMANN.
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62
Möglich! Ich bin die wenigste Zeit zu Hause.
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VON KEITH.
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64
Daran tun Sie unrecht. Ich habe die finanziellen Operationen Ihres Vaters von Amerika aus verfolgt. Ihr Vater hält es nur für gänzlich ausgeschlossen, dass irgend jemand anders auch noch so klug ist wie er. Deshalb weigert er sich auch bis jetzt noch so starrköpfig, meinem Unternehmen beizutreten.
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65
HERMANN.
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66
Ich kann es mir mit dem besten Willen nicht denken, wie ich einmal an einem Leben, wie es mein Vater führt, Gefallen finden könnte.
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67
VON KEITH.
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68
Ihrem Vater fehlt einfach die Fähigkeit, Sie für seinen Beruf zu interessieren.
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69
HERMANN.
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70
Es handelt sich in dieser Welt aber doch nicht darum, dass man lebt, sondern es handelt sich doch wohl darum, dass man das Leben und die Welt kennenlernt.
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71
VON KEITH.
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72
Der Vorsatz, die Welt kennenzulernen, führt Sie dazu, hinterm Zaun zu verenden. Prägen Sie sich vor allen Dingen die allergrößte Hochschätzung für die Verhältnisse ein, in denen Sie geboren sind! Das schützt Sie davor, sich so leichten Herzens zu erniedrigen.
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73
HERMANN.
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74
Durch meinen Pumpversuch, meinen Sie? Es gibt doch wohl aber höhere Güter als Reichtum!
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75
VON KEITH.
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76
Das ist Schulweisheit. Diese Güter heißen nur deshalb höhere, weil sie aus dem Besitz hervorwachsen und nur durch den Besitz ermöglicht werden. Ihnen steht es ja frei, nachdem Ihr Vater ein Vermögen gemacht hat, sich einer künstlerischen oder wissenschaftlichen Lebensaufgabe zu widmen. Wenn Sie sich dabei aber über das erste Weltprinzip hinwegsetzen, dann jagen Sie Ihr Erbe Hochstaplern in den Rachen.
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77
HERMANN.
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78
Wenn Jesus Christus nach diesem Weltprinzip hätte handeln wollen ...!
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79
VON KEITH.
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80
Vergessen Sie bitte nicht, dass das Christentum zwei Drittel der Menschheit aus der Sklaverei befreit hat! Es gibt keine Ideen, seien sie sozialer, wissenschaftlicher oder künstlerischer Art, die irgend etwas anderes als Hab und Gut zum Gegenstand hätten. Die Anarchisten sind deshalb ihre geschworenen Feinde. Und glauben Sie ja nicht, dass sich die Welt hierin jemals ändert. Der Mensch wird abgerichtet oder er wird hingerichtet. Hat sich an den Schreibtisch gesetzt. Ich will Ihnen die hundert Mark geben. Zeigen Sie sich doch auch mal bei mir, wenn Sie gerade kein Geld nötig haben. Wie lange ist es jetzt her, dass Ihre Mutter starb?
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81
HERMANN.
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82
Drei Jahre werden es im Frühling.
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83
VON KEITH
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84
gibt ihm ein verschlossenes Billett.
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85
Sie müssen damit zur Gräfin Werdenfels gehen, Briennerstraße Nr. 23. Sagen Sie einen schönen Gruß von mir. Ich habe heute zufällig nichts in der Tasche.
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86
HERMANN.
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87
Ich danke Ihnen, Herr Baron.
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88
VON KEITH
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89
geleitet ihn hinaus; indem er die Tür hinter ihm schließt.
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90
Bitte, war mir sehr angenehm. – Darauf kehrt er zum Schreibtisch zurück; in den Plänen kramend. Sein Alter traktiert mich wie einen Hundefänger. – – Ich muss möglichst bald ein Konzert veranstalten. – Dann zwingt ihn die öffentliche Meinung, sich meinem Unternehmen anzuschließen. Im schlimmsten Fall muss es auch ohne ihn gehen. – – Da es klopft. Herein!
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91
Anna, verwitwete Gräfin Werdenfels, tritt ein. Sie ist eine üppige Schönheit von dreißig Jahren. Weiße Haut, Stumpfnase, helle Augen, kastanienbraunes, üppiges Haar.
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92
VON KEITH
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93
geht ihr entgegen.
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94
Da bist du, meine Königin! – Ich schickte eben den jungen Casimir mit einem kleinen Anliegen zu dir.
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95
ANNA.
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96
Das war der junge Herr Casimir?
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97
VON KEITH
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98
nachdem er ihr flüchtig die dargereichten Lippen geküßt.
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99
Er kommt schon wieder, wenn er dich nicht zu Hause trifft.
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100
ANNA.
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101
Der sieht seinem Vater aber gar nicht ähnlich.
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102
VON KEITH.
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103
Lassen wir den Vater Vater sein. Ich habe mich jetzt an Leute gewandt, von deren gesellschaftlichem Ehrgeiz ich mir eine flammende Begeisterung für mein Unternehmen verspreche.
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104
ANNA.
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105
Aber vom alten Casimir heißt es allgemein, dass er junge Schauspielerinnen und Sängerinnen unterstützt.
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106
VON KEITH
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107
Anna mit den Blicken verschlingend.
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108
Anna, sobald ich dich vor mir sehe, bin ich ein anderer Mensch, als wärst du meines Glückes lebendiges Unterpfand. – Aber willst du nicht frühstücken? Hier ist Tee und Kaviar und kalter Aufschnitt.
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109
ANNA
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110
nimmt auf dem Diwan Platz und frühstückt.
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111
Ich habe um elf Uhr Stunde. Ich komme nur auf einen Moment. – Die Bianchi sagt mir, ich könne in einem Jahr die erste Wagnersängerin Deutschlands sein.
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112
VON KEITH
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113
zündet sich eine Zigarette an.
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114
Vielleicht bist du auch in einem Jahr schon so weit, dass sich die ersten Wagnersängerinnen um deine Protektion bemühen.
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115
ANNA.
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116
Mir soll's recht sein. Mit meinem beschränkten weiblichen Verstande sehe ich allerdings nicht ein, auf welche Weise es mit mir gleich so hoch hinaus soll.
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117
VON KEITH.
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118
Das kann ich dir im voraus auch nicht erklären. Ich lasse mich einfach willenlos treiben, bis ich an ein Gestade gelange, auf dem ich mich heimisch genug fühle, um mir zu sagen: Hier lasst uns Hütten bauen!
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119
ANNA.
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120
Dabei hast du in mir jedenfalls den treusten Spießgesellen. Ich habe seit einiger Zeit vor lauter Lebenslust manchmal Selbstmordgedanken.
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121
VON KEITH.
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122
Der eine raubt es sich und der andere bekommt es geschenkt. Als ich in die Welt hinauskam, war mein kühnstes Hoffen, irgendwo in Oberschlesien als Dorfschulmeister zu sterben.
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123
ANNA.
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124
Du hättest dir damals wohl schwerlich träumen lassen, dass dir München einmal zu Füßen liegen werde.
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125
VON KEITH.
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126
München war mir aus der Geographiestunde bekannt. Wenn ich mich deshalb heute auch nicht gerade eines makellosen Rufes erfreue, so darf man nicht vergessen, aus welchen Tiefen ich heraufkomme.
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127
ANNA.
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128
Ich bete jeden Abend inbrünstig zu Gott, dass er etwas von deiner bewundernswürdigen Energie auf mich übertragen möge.
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129
VON KEITH.
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130
Unsinn, ich habe gar keine Energie.
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Porträt von Wedekind, Frank; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Kontextbild zum Werk. Porträt · Wedekind, Frank · Urheber auf der Commons-Dateiseite nicht angegeben · Public domain Bildquelle ↗
131
ANNA.
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132
Dir ist es aber doch einfach Lebensbedürfnis, mit dem Kopf durch die Wände zu rennen.
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133
VON KEITH.
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134
Meine Begabung beschränkt sich auf die leidige Tatsache, dass ich in bürgerlicher Atmosphäre nicht atmen kann. Mag ich deshalb auch erreichen, was ich will, ich werde mir nie das geringste darauf einbilden. Andere Menschen werden in ein bestimmtes Niveau hineingepflanzt, auf dem sie ihr Leben lang fortvegetieren, ohne mit der Welt in Konflikt zu geraten.
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135
ANNA.
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136
Du bist dagegen als abgeschlossene Persönlichkeit vom Himmel gefallen.
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137
VON KEITH.
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138
Ich bin Bastard. Mein Vater war ein geistig sehr hochstehender Mensch, besonders was Mathematik und so exakte Dinge betrifft, und meine Mutter war Zigeunerin.
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139
ANNA.
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140
Wenn ich nur wenigstens deine Geschicklichkeit hätte, den Menschen ihre Geheimnisse vom Gesicht abzulesen! Dann wollte ich ihnen mit der Fußspitze die Nase in die Erde drücken.
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141
VON KEITH.
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142
Solche Fertigkeiten erwecken mehr Misstrauen, als sie einem nützen. Deshalb hegt auch die bürgerliche Gesellschaft, seit ich auf dieser Welt bin, ein geheimes Grauen vor mir. Aber diese bürgerliche Gesellschaft macht, ohne es zu wollen, mein Glück durch ihre Zurückhaltung. Je höher ich gelange, desto vertrauensvoller kommt man mir entgegen. Ich warte auch tatsächlich nur noch auf diejenige Region, in der die Kreuzung von Philosoph und Pferdedieb ihrem vollen Wert entsprechend gewürdigt wird.
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143
ANNA.
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144
Man hört wirklich in der ganzen Stadt von nichts mehr sprechen, als von deinem Feenpalast.
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145
VON KEITH.
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146
Der Feenpalast dient mir nur als Sammelplatz meiner Kräfte. Dazu kenne ich mich viel zu gut, um etwa von mir vorauszusetzen, dass ich nun Zeit meines Lebens Kassenrapporte revidieren werde.
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147
ANNA.
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148
Was soll denn dann aber aus mir werden. Glaubst du vielleicht, ich habe Lust, bis in alle Ewigkeit Gesangsunterricht zu nehmen? Du sagtest gestern noch, dass der Feenpalast speziell für mich gebaut werde.
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149
VON KEITH.
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150
Aber doch gewiss nicht, damit du bis an dein Lebensende auf den Hinterpfoten tanzst und dich von Preßbengeln kuranzen lässt. Du hast nur etwas mehr Lichtpunkte in deiner Vergangenheit nötig.
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151
ANNA.
Vorlage S. 436
152
Einen Stammbaum kann ich allerdings nicht aufweisen, wie die Frauen von Rosenkron und von Totleben.
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153
VON KEITH.
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154
Deshalb brauchst du noch auf keine von beiden eifersüchtig zu sein.
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155
ANNA.
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156
Das hoffe ich sehr! Welcher weiblichen Vorzüge wegen sollte ich denn auch auf irgendeine Frau eifersüchtig sein?
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157
VON KEITH.
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158
Ich musste die beiden Damen als Vermächtnis meines Vorgängers mit der Konzertagentur übernehmen. Sobald ich meine Stellung befestigt habe, mögen sie mit Rettichen hausieren oder Novellen schreiben, wenn sie leben wollen.
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159
ANNA.
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160
Ich bin um die Schnürstiefel, in denen ich spazierengehe, besorgter, als um deine Liebe zu mir. Weißt du auch, warum? Weil du der rücksichtsloseste Mensch bist und weil du nach nichts anderem in dieser Welt als nur nach deinem sinnlichen Vergnügen fragst! Deshalb würde ich auch, wenn du mich verlässt, wirklich nichts anderes als Mitleid mit dir empfinden können. Aber sieh dich vor, dass du nicht vorher selber verlassen wirst!
Vorlage S. 436
161
VON KEITH
Vorlage S. 436
162
Anna liebkosend.
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163
Ich habe ein wechselvolles Leben hinter mir, aber jetzt denke ich doch ernstlich daran, mir ein Haus zu bauen; ein Haus mit möglichst hohen Gemächern, mit Park und Freitreppe. Die Bettler dürfen auch nicht fehlen, die die Auffahrt garnieren. Mit der Vergangenheit habe ich abgeschlossen und sehne mich nicht zurück. Dazu ging es zu oft um Leben und Tod. Ich möchte keinem Freunde raten, sich meine Laufbahn zum Muster zu nehmen.
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164
ANNA.
Vorlage S. 437
165
Du bist allerdings nicht umzubringen.
Vorlage S. 437
166
VON KEITH.
Vorlage S. 437
167
Dieser Eigenschaft verdanke ich in der Tat auch so ziemlich alles, was ich bis jetzt erreicht habe. – Ich glaube, Anna, wenn wir beide in zwei verschiedenen Welten geboren wären, wir hätten uns dennoch finden müssen.
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168
ANNA.
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169
Ich bin allerdings auch nicht umzubringen.
Vorlage S. 437
170
VON KEITH.
Vorlage S. 437
171
Wenn uns die Vorsehung auch nicht durch unsere märchenhaften Geschmacksverwandtschaften füreinander bestimmt hätte, das eine haben wir doch jedenfalls miteinander gemein ...
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172
ANNA.
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173
Eine unverwüstliche Gesundheit.
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174
VON KEITH
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175
setzt sich neben sie und liebkost sie.
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176
Soweit es Frauen betrifft, sind mir nämlich Klugheit, Gesundheit, Sinnlichkeit und Schönheit unzertrennliche Begriffe, aus deren jedem sich die andern drei von selbst ergeben. Wenn dieses Erbteil sich in unsern Kindern potenziert ...
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177
Sascha, ein dreizehnjähriger Laufbursche in galoniertem Jackett und Kniehosen, tritt vom Vorplatz ein und legt einen Armvoll Zeitungen auf den Mitteltisch.
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178
VON KEITH.
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179
Was sagt der Kommerzienrat Ostermeier?
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180
SASCHA.
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181
Der Herr Kommerzienrat gaben mir einen Brief mit. Er liegt bei den Zeitungen.
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182
Geht in das Wartezimmer ab.
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183
VON KEITH
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184
hat den Brief geöffnet.
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185
Das danke ich dem Zufall, dass du bei mir bist! Liest. »... Ich habe mir von Ihrem Plane schon mehrfach erzählen lassen und bringe ihm ein lebhaftes Interesse entgegen. Sie treffen mich heute mittag gegen zwölf Uhr im Café Maximilian ...« Das gibt mir die Welt in die Hände! Jetzt kann der alte Casimir meine Rückseite besehen, wenn er noch mitkommen will. Mit diesen Biedermännern im Bunde bleibt mir auch meine Alleinherrschaft unangetastet.
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186
ANNA
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187
hat sich erhoben.
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188
Kannst du mir tausend Mark geben?
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189
VON KEITH.
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190
Bist du denn schon wieder auf dem trocknen?
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191
ANNA.
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192
Die Miete ist fällig.
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193
VON KEITH.
Vorlage S. 437
194
Das hat bis morgen Zeit. Mache dir deswegen nicht die geringste Sorge darum.
Vorlage S. 437
195
ANNA.
Vorlage S. 438
196
Wie du meinst. Graf Werdenfels prophezeite mir auf seinem Sterbebette, ich werde das Leben noch einmal von der allerernstesten Seite kennenlernen.
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197
VON KEITH.
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198
Hätte er dich etwas richtiger eingeschätzt, dann wäre er vielleicht sogar selbst noch am Leben.
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199
ANNA.
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200
Bis jetzt hat sich seine Prophezeiung noch nicht bewahrheitet.
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201
VON KEITH.
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202
Ich schicke dir das Geld morgen mittag.
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203
ANNA
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204
während von Keith sie hinausgeleitet.
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205
Nein, bitte nicht; ich komme selber und hole es.
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206
Die Szene bleibt einen Augenblick leer. Dann kommt Molly Griesinger aus dem Wohnzimmer und räumt das Teegeschirr zusammen. von Keith kommt vom Vorplatz zurück.
Vorlage S. 438
207
VON KEITH
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208
ruft.
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209
Sascha! – Nimmt eines der Bilder von der Wand. Das muss mir über die nächsten vierzehn Tage hinweghelfen!
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210
MOLLY.
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211
Du hoffst also immer noch, dass die Wirtschaft so fortgehen kann?
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212
SASCHA
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213
kommt aus dem Wartezimmer.
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214
Herr Baron?
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215
VON KEITH
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216
gibt ihm das Bild.
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217
Geh hinüber zum Tannhäuser. Er soll den Saranieff ins Fenster stellen. Ich gebe ihn für dreitausend Mark.
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218
SASCHA.
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219
Sehr wohl, Herr Baron.
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220
VON KEITH.
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221
In fünf Minuten komme ich selber. Warte! Er nimmt vom Schreibtisch eine Karte, auf der »3 000 M.« steht, und befestigt sie unter den Rahmen des Bildes. Dreitausend Mark! – Geht zum Schreibtisch. Ich muss nur vorher rasch noch einen Zeitungsartikel darüber schreiben.
Vorlage S. 438
222
Sascha mit dem Bilde ab.
Vorlage S. 438
223
MOLLY.
Vorlage S. 438
224
Wenn sich bei der Großtuerei nur auch einmal eine Spur von reellem Erfolg sehen ließe!
Vorlage S. 438
225
VON KEITH
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226
schreibend.
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227
»Das Schönheitsideal der modernen Landschaft.«
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228
MOLLY.
Vorlage S. 438
229
Wenn dieser Saranieff malen könnte, dann brauchte man nicht erst Zeitungsartikel über ihn zu schreiben.
Vorlage S. 438
230
VON KEITH
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231
sich umwendend.
Vorlage S. 438
232
Wie beliebt?
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233
MOLLY.
Vorlage S. 439
234
Ich weiß, du bist wieder mitten in der Arbeit.
Vorlage S. 439
235
VON KEITH.
Vorlage S. 439
236
Wovon wolltest du reden?
Vorlage S. 439
237
MOLLY.
Vorlage S. 439
238
Ich habe einen Brief aus Bückeburg.
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239
VON KEITH.
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240
Von deiner Mama?
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241
MOLLY
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242
sucht den Brief aus der Tasche und liest.
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243
»Ihr seid uns jeden Tag willkommen. Ihr könnt die beiden Vorzimmer im dritten Stock beziehen. Ihr könnt dann in Ruhe abwarten, bis eure Verhandlungen in München zum Abschluss gelangen.«
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244
VON KEITH.
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245
Siehst du denn aber nicht ein, mein liebes Kind, dass du durch solche Schreibereien meinen Kredit untergräbst?
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246
MOLLY.
Vorlage S. 439
247
Wir haben morgen kein Brot auf dem Tisch.
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248
VON KEITH.
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249
Dann speisen wir im Hotel Continental.
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250
MOLLY.
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251
Da bringe ich nicht einen Happen hinunter vor Angst, dass uns der Gerichtsvollzieher derweil unsere Betten versiegelt.
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252
VON KEITH.
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253
Der überlegt sich das noch. Warum lebt in deinem Köpfchen kein anderer Gedanke als Essen und Trinken! Du könntest dich deines Daseins so unendlich mehr erfreuen, wenn du etwas mehr Würdigung für seine Lichtseiten hättest. Du hegst eine unbezähmbare Liebhaberei für das Unglück.
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254
MOLLY.
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255
Ich finde, du hegst diese Liebhaberei für das Unglück! Anderen Menschen fällt ihr Lebensberuf zu leicht, sie brauchen mit keinem Gedanken daran zu denken. Dafür existieren sie eins fürs andere in ihrem behaglichen Heim, wo ihrem Glück nichts in die Quere kommt. Und du, bei all deinen Geistesgaben, wirtschaftest wie ein Rasender auf deine Gesundheit ein, und dabei ist tagelang nicht ein Pfennig im Haus.
Vorlage S. 439
256
VON KEITH.
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257
Aber du hast doch noch jeden Tag satt zu essen gehabt! Dass du nichts für Toiletten ausgibst, ist wahrhaftig nicht meine Schuld. Sobald dieser Zeitungsartikel geschrieben ist, habe ich dreitausend Mark in der Hand. Dann nimm eine Droschke und kauf alles zusammen, worauf du dich im Augenblick besinnen kannst.
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258
MOLLY.
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259
Der bezahlt dir für das Bild so gewiss dreitausend Mark, wie ich mir deinetwegen seidene Strümpfe anziehe.
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Georg Friedrich Kersting – Mann am Sekretär. Vergleichsbild zum Lesen, Schreiben und Nachdenken; keine Darstellung einer Figur dieses Buches.
Kontextbild zum Werk. Am Schreibtisch · Georg Friedrich Kersting · Public domain Bildquelle ↗
260
VON KEITH
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261
erhebt sich unwillig.
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262
Du bist ein Juwel!
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263
MOLLY
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264
fliegt ihm an den Hals.
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265
Habe ich dir weh getan, mein Herz? Verzeih mir, bitte! Was ich dir eben sagte, das ist meine heiligste Überzeugung.
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266
VON KEITH.
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267
Wenn das Geld auch nur bis morgen abend reicht, dann werde ich das Opfer schon nicht zu bedauern haben!
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268
MOLLY
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269
heulend.
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270
Ich wusste, wie hässlich es von mir war. Schlag mich doch nur!
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271
VON KEITH.
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272
Der Feenpalast ist nämlich so gut wie gesichert.
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273
MOLLY.
Vorlage S. 440
274
Dann lass mich wenigstens deine Hand küssen. Ich beschwöre dich, lass mich deine Hand küssen.
Vorlage S. 440
275
VON KEITH.
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276
Wenn ich nur noch einige Tage meine Haltung bewahren kann.
Vorlage S. 440
277
MOLLY.
Vorlage S. 440
278
Auch das nicht! Wie kannst du so unmenschlich sein!
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279
VON KEITH
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280
zieht die Hand aus der Tasche.
Vorlage S. 440
281
Es wäre doch vielleicht nachgerade Zeit, dass du mit dir zu Rate gehst, sonst kommt die Erleuchtung plötzlich von selbst.
Vorlage S. 440
282
MOLLY
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283
seine Hand mit Küssen bedeckend.
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284
Warum willst du mich denn nicht schlagen? Ich habe es mir doch so redlich verdient!
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285
VON KEITH.
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286
Du betrügst dich um dein Lebensglück mit allen Mitteln, die eine Frau zu ihrer Verfügung hat.
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287
MOLLY
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288
springt empört auf.
Vorlage S. 440
289
Bilde dir doch nicht ein, dass ich mich durch deine Courmachereien in Schrecken jagen lasse! Uns beide umschlingt ein zu festes Band. Wenn das einmal reißt, dann halte ich dich nicht mehr; aber solange du im Elend bist, gehörst du mir.
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290
VON KEITH.
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291
Das wird dir zum Verhängnis, Molly, dass du mein Glück mehr fürchtest als den Tod. Wenn ich morgen die Arme frei habe, dann hältst du es nicht eine Minute mehr bei mir aus.
Vorlage S. 440
292
MOLLY.
Vorlage S. 440
293
Dann ist ja alles gut, wenn du das weißt.
Vorlage S. 440
294
VON KEITH.
Vorlage S. 440
295
Ich bin aber in keinem Elend!
Vorlage S. 440
296
MOLLY.
Vorlage S. 440
297
Erlaube mir nur so lange, bis du die Arme frei hast, noch für dich zu arbeiten.
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298
VON KEITH
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299
setzt sich wieder an den Schreibtisch.
Vorlage S. 440
300
Tue, was du nicht lassen kannst! Du weißt, dass mir an einer Frau nichts unsympathischer ist, als wenn sie arbeitet.
Vorlage S. 440
301
MOLLY.
Vorlage S. 440
302
Um deinetwillen mache ich noch keinen Affen und keinen Papagei aus mir. Wenn ich mich an den Waschtrog stelle, statt halbnackt mit dir auf Redouten zu fahren, so werde ich dich damit wohl nicht zugrunde richten.
Vorlage S. 440
303
VON KEITH.
Vorlage S. 441
304
Dein Starrsinn hat etwas Überirdisches.
Vorlage S. 441
305
MOLLY.
Vorlage S. 441
306
Das glaube ich, dass das deine Kapazität übersteigt!
Vorlage S. 441
307
VON KEITH.
Vorlage S. 441
308
Wenn ich dich auch begriffe, damit wäre dir leider noch nicht geholfen.
Vorlage S. 441
309
MOLLY
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310
triumphierend.
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311
Ich brauchte es dir auch nicht auf die Nase zu binden, aber ich gebe es dir schwarz auf weiß, wenn du willst! Ich verdiente ja mein Lebensglück nicht, wenn ich mir dir gegenüber den geringsten Zwang antäte und mich besser geben wollte, als ich von Gott geschaffen worden bin – weil du mich liebst!
Vorlage S. 441
312
VON KEITH.
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313
Das ist doch selbstverständlich.
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314
MOLLY
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315
triumphierend.
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316
Weil du ohne meine Liebe nicht leben kannst! Hab darum auch nur die Arme frei, soviel du willst! Ob ich bei dir bleibe, das hängt davon ab, ob ich dir von deiner Liebe für andere Weiber etwas übriglasse! Die Weiber sollen sich aufdonnern und dich vergöttern, soviel es ihnen Vergnügen macht; das spart mir die Komödien. Du hängtest dich lieber heute als morgen an deine Ideale; das weiß ich recht gut. Käme es je dazu – aber das hat noch gute Wege! –, dann will ich mich lebendig begraben lassen.
Vorlage S. 441
317
VON KEITH.
Vorlage S. 441
318
Wenn du dich nur wenigstens des Glückes erfreuen wolltest, das sich dir bietet!
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319
MOLLY
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320
zärtlich.
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321
Aber was bietet sich mir denn, mein süßer Schatz? Das war doch in Amerika auch immer dieser Schrecken ohne Ende. Alles scheiterte immer an den letzten drei Tagen. In Sankt Jago wurdest du nicht zum Präsidenten gewählt und wärst um ein Haar erschossen worden, weil wir an dem entscheidenden Abend keinen Brandy auf dem Tische hatten. Weißt du noch, wie du riefst: »Einen Dollar, einen Dollar, eine Republik für einen Dollar!«
Vorlage S. 441
322
VON KEITH
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323
springt wütend auf und geht zum Diwan.
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324
Ich bin als Krüppel zur Welt gekommen. So wenig wie ich mich deshalb zum Sklaven verdammt fühle, so wenig wird mich der Zufall, dass ich als Bettler geboren bin, je daran hindern, den allerergiebigsten Lebensgenuß als mein rechtmäßiges Erbe zu betrachten.
Vorlage S. 441
325
MOLLY.
Vorlage S. 442
326
Betrachten dürfen wirst du den Lebensgenuß, solange du lebst.
Vorlage S. 442
327
VON KEITH.
Vorlage S. 442
328
An dem, was ich dir hier sage, ändert nur mein Tod etwas. Und der Tod traut sich aus Furcht, er könnte sich blamieren, nicht an mich heran. Wenn ich sterbe, ohne gelebt zu haben, dann werde ich als Geist umgehen.
Vorlage S. 442
329
MOLLY.
Vorlage S. 442
330
Du leidest eben einfach an Größenwahn.
Vorlage S. 442
331
VON KEITH.
Vorlage S. 442
332
Ich kenne aber noch meine Verantwortung! Du bist als fünfzehnjähriges unzurechnungsfähiges Kind, von der Schulbank weg, mit mir nach Amerika durchgebrannt. Wenn wir uns heute trennen und du bleibst dir selbst überlassen, dann nimmt es das denkbar schlimmste Ende mit dir.
Vorlage S. 442
333
MOLLY
Vorlage S. 442
334
fällt ihm um den Hals.
Vorlage S. 442
335
Dann komm doch nach Bückeburg! Meine Eltern haben ihre Molly seit drei Jahren nicht gesehen. In ihrer Freude werfen sie dir ihr halbes Vermögen an den Kopf. Und wie könnten wir zwei zusammen leben!
Vorlage S. 442
336
VON KEITH.
Vorlage S. 442
337
In Bückeburg?
Vorlage S. 442
338
MOLLY.
Vorlage S. 442
339
Alle Not hätte ein Ende!
Vorlage S. 442
340
VON KEITH
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341
sich losmachend.
Vorlage S. 442
342
Lieber suche ich Zigarrenstummel in den Cafés zusammen.
Vorlage S. 442
343
SASCHA
Vorlage S. 442
344
kommt mit dem Bild zurück.
Vorlage S. 442
345
Der Herr Tannhäuser sagt, er kann das Bild nicht ins Fenster stellen. Der Herr Tannhäuser haben selbst noch ein Dutzend Bilder von dem Herrn Saranieff.
Vorlage S. 442
346
MOLLY.
Vorlage S. 442
347
Das wusste ich ja im voraus!
Vorlage S. 442
348
VON KEITH.
Vorlage S. 442
349
Dafür bist du ja bei mir! – Geht zum Schreibtisch und zerreißt das Schreibpapier. Dann brauche ich doch wenigstens den Zeitungsartikel nicht mehr darüber zu schreiben!
Vorlage S. 442
350
Sascha geht, nachdem er das Bild auf den Tisch gelegt, ins Wartezimmer.
Vorlage S. 442
351
MOLLY.
Vorlage S. 442
352
Diese Saranieffs, siehst du, und diese Zamrjakis, das sind Menschen von einem ganz anderen Schlag als wir. Die wissen, wie man den Leuten die Taschen umkehrt. Wir beide sind eben nun einmal zu einfältig für die große Welt!
Vorlage S. 442
353
VON KEITH.
Vorlage S. 443
354
Dein Reich ist noch nicht gekommen. Lass mich allein. – Bückeburg muss sich noch gedulden.
Vorlage S. 443
355
MOLLY
Vorlage S. 443
356
da es auf dem Korridor läutet, klatscht schadenfroh in die Hände.
Vorlage S. 443
357
Der Herr Gerichtsvollzieher! Sie eilt, um zu öffnen.
Vorlage S. 443
358
VON KEITH
Vorlage S. 443
359
sieht nach der Uhr.
Vorlage S. 443
360
– – Was lässt sich dem Glück noch opfern ...?
Vorlage S. 443
361
MOLLY
Vorlage S. 443
362
geleitet Ernst Scholz herein.
Vorlage S. 443
363
Der Herr will mir seinen Namen nicht nennen.
Vorlage S. 443
364
Ernst Scholz ist eine schmächtige, äußerst aristokratische Erscheinung von etwa siebenundzwanzig Jahren; schwarzes Lockenhaar, spitzgeschnittener Vollbart, unter starken langgezogenen Brauen große wasserblaue Augen, in denen der Ausdruck der Hilflosigkeit liegt.
Vorlage S. 443
365
VON KEITH.
Vorlage S. 443
366
Gaston! – Wo kommst du her?
Vorlage S. 443
367
SCHOLZ.
Vorlage S. 443
368
Dein Willkomm ist mir eine gute Vorbedeutung. Ich bin so verändert, dass ich voraussetzte, du werdest mich überhaupt kaum wiedererkennen.
Vorlage S. 443
369
Molly will das Frühstücksgeschirr mit hinausnehmen, fürchtet aber, nach einem Blick auf Scholz, dadurch zu stören und geht ohne das Geschirr ins Wohnzimmer ab.
Vorlage S. 443
370
VON KEITH.
Vorlage S. 443
371
Du siehst etwas verlebt aus; aber das Dasein ist wirklich auch keine Spielerei!
Vorlage S. 443
372
SCHOLZ.
Vorlage S. 443
373
Für mich am allerwenigsten; deshalb bin ich nämlich hier. Und ich komme nur deinetwegen nach München.
Vorlage S. 443
374
VON KEITH.
Vorlage S. 443
375
Dafür danke ich dir; was die Geschäfte von mir übriglassen, gehört dir.
Vorlage S. 443
376
SCHOLZ.
Vorlage S. 443
377
Ich weiß, dass du schwer mit dem Leben zu kämpfen hast. Nun ist es mir aber ganz speziell um deinen persönlichen Verkehr zu tun. Ich möchte mich gern auf einige Zeit deiner geistigen Führung überlassen, aber nur unter der einen Bedingung, dass du mir dafür erlaubst, dir mit meinen Geldmitteln zu Hilfe zu kommen, soweit du es brauchen kannst.
Vorlage S. 443
378
VON KEITH.
Vorlage S. 443
379
Aber wozu denn das. Ich bin eben im Begriff, Direktor eines ungeheuren Aktienunternehmens zu werden. Und dir geht es also auch ganz gut? Wir haben uns, wenn mir recht ist, vor vier Jahren zum letztenmal gesehen.
Vorlage S. 443
380
SCHOLZ.
Vorlage S. 444
381
Auf dem Juristenkongreß in Brüssel.
Vorlage S. 444
382
VON KEITH.
Vorlage S. 444
383
Du hattest kurz vorher dein Staatsexamen absolviert.
Vorlage S. 444
384
SCHOLZ.
Vorlage S. 444
385
Du schriebst damals schon für alle erdenklichen Tagesblätter. Erinnerst du dich vielleicht zufällig noch der Vorwürfe, die ich dir deines Zynismus wegen auf dem Ball im Justizpalais in Brüssel machte?
Vorlage S. 444
386
VON KEITH.
Vorlage S. 444
387
Du hattest dich in die Tochter des dänischen Gesandten verliebt und gerietst in Wut über meine Behauptung, dass die Frauen von Natur aus viel materieller veranlagt sind, als wir Männer es durch den reichlichsten Genuss jemals werden können.
Vorlage S. 444
388
SCHOLZ.
Vorlage S. 444
Johannes Vermeer – Briefleserin in Blau, um 1663. Vergleichsbild zum Motiv des Lesens und Briefeschreibens, keine konkrete Buchszene.
Kontextbild zum Werk. Briefleserin in Blau · Johannes Vermeer · Public domain Bildquelle ↗
389
Du bist mir auch heute noch, wie während unserer ganzen Jugendzeit, geradezu ein Ungeheuer an Gewissenlosigkeit; aber – du hattest vollkommen recht.
Vorlage S. 444
390
VON KEITH.
Vorlage S. 444
391
Ein schmeichelhafteres Kompliment hat man mir in diesem Leben noch nicht gemacht.
Vorlage S. 444
392
SCHOLZ.
Vorlage S. 444
393
Ich bin mürbe. Obschon ich deine ganze Lebensauffassung aus tiefster Seele verabscheue, vertraue ich dir heute das für mich unlösbare Rätsel meines Daseins an.
Vorlage S. 444
394
VON KEITH.
Vorlage S. 444
395
Gott sei gelobt, dass du dich aus deinem Trübsinn endlich der Sonne zuwendest!
Vorlage S. 444
396
SCHOLZ.
Vorlage S. 444
397
Ich schließe damit nicht etwa eine feige Kapitulation. Das letzte Mittel, das einem selbst zur Lösung des Rätsels freisteht, habe ich umsonst versucht.
Vorlage S. 444
398
VON KEITH.
Vorlage S. 444
399
Um so besser für dich, wenn du das hinter dir hast. Ich sollte während der Kubanischen Revolution mit zwölf Verschwörern erschossen werden. Ich falle natürlich auf den ersten Schuss und bleibe tot, bis man mich beerdigen will. Seit jenem Tage fühle ich mich erst wirklich als den Herrn meines Lebens. Aufspringend. Verpflichtungen gehen wir bei unserer Geburt nicht ein, und mehr als dieses Leben wegwerfen, kann man nicht. Wer nach seinem Tode noch weiterlebt, der steht über den Gesetzen. – Du trugst dich damals in Brüssel mit der Absicht, dich dem Staatsdienst zu widmen?
Vorlage S. 444
400
SCHOLZ.
Vorlage S. 444
401
Ich trat bei uns ins Eisenbahnministerium ein.
Vorlage S. 444
402
VON KEITH.
Vorlage S. 444
403
Ich wunderte mich noch, dass du es bei deinem enormen Vermögen nicht vorzogst, als Grandseigneur deinen Neigungen zu leben.
Vorlage S. 444
404
SCHOLZ.
Vorlage S. 445
405
Ich hatte den Vorsatz gefasst, vor allem erst ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu werden. Wäre ich als der Sohn eines Tagelöhners geboren, dann ergäbe sich das ja auch als etwas ganz Selbstverständliches.
Vorlage S. 445
406
VON KEITH.
Vorlage S. 445
407
Man kann seinen Mitmenschen nicht mehr in dieser Welt nützen, als wenn man in der umfassendsten Weise auf seinen eigenen Vorteil ausgeht. Je weiter meine Interessen reichen, einer desto größeren Anzahl von Menschen biete ich den nötigen Lebensunterhalt. Wer sich aber darauf, dass er seinen Posten ausfüllt und seine Kinder ernährt, etwas einbildet, der macht sich blauen Dunst vor. Die Kinder danken ihrem Schöpfer, wenn man sie nicht in die Welt setzt, und nach dem Posten recken hundert arme Teufel die Hälse!
Vorlage S. 445
408
SCHOLZ.
Vorlage S. 445
409
Ich konnte aber in der Tatsache, dass ich ein reicher Mann bin, keinen zwingenden Grund sehen, als Tagedieb in der Welt herumzuschlendern. Künstlerische Veranlagungen besitze ich nicht, und um meine einzige Lebensbestimmung im Heiraten und Kinderzeugen zu erblicken, dazu schien ich mir nicht unbedeutend genug.
Vorlage S. 445
410
VON KEITH.
Vorlage S. 445
411
Du hast aber den Staatsdienst quittiert?
Vorlage S. 445
412
SCHOLZ
Vorlage S. 445
413
läßt den Kopf sinken.
Vorlage S. 445
414
Weil ich in meinem Amt ein entsetzliches Unglück verschuldet habe.
Vorlage S. 445
415
VON KEITH.
Vorlage S. 445
416
Als ich von Amerika zurückkam, erzählte mir jemand, der dich ein Jahr vorher in Konstantinopel getroffen hatte, du habest zwei Jahre auf Reisen zugebracht, lebest jetzt aber wieder zu Haus und stehest eben im Begriff, dich zu verheiraten.
Vorlage S. 445
417
SCHOLZ.
Vorlage S. 445
418
Meine Verlobung habe ich vor drei Tagen aufgelöst. – Ich war bis jetzt nur ein halber Mensch. Seit dem Tage, an dem ich mein eigner Herr wurde, ließ ich mich lediglich von der Überzeugung leiten, ich könne mich meines Daseins nicht eher erfreuen, als bis ich meine Existenz durch ehrliche Arbeit gerechtfertigt hätte. Diese einseitige Anschauung hat mich dahin geführt, dass ich heute aus reinem Pflichtgefühl, nicht anders, als gälte es eine Strafe abzubüßen, den rein materiellen Genuss aufsuche. Sobald ich aber dem Leben die Arme öffnen will, dann lähmt mich die Erinnerung an jene unglücklichen Menschen, die nur durch meine übertriebene Gewissenhaftigkeit in der entsetzlichsten Weise ums Leben gekommen sind.
Vorlage S. 445
419
VON KEITH.
Vorlage S. 446
420
Was war denn das für eine Geschichte?
Vorlage S. 446
421
SCHOLZ.
Vorlage S. 446
422
Ich hatte ein Bahnreglement geändert. Es lag eine beständige Gefahr darin, dass dieses Bahnreglement unmöglich genau respektiert werden konnte. Meine Befürchtungen waren natürlich übertrieben, aber mit jedem Tage sah ich das Unglück näherkommen. Mir fehlt eben das seelische Gleichgewicht, das dem Menschen aus einem menschenwürdigen Familienheim erwächst. – Am ersten Tage nach Einführung meines neuen Reglements erfolgte ein Zusammenstoß von zwei Schnellzügen, der neun Männern, drei Frauen und zwei Kindern das Leben kostete. Ich inspizierte die Unglücksstätte noch. Es ist nicht meine Schuld, dass ich den Anblick überlebte.
Vorlage S. 446
423
VON KEITH.
Vorlage S. 446
424
Dann gingst du auf Reisen?
Vorlage S. 446
425
SCHOLZ.
Vorlage S. 446
426
Ich ging nach England, nach Italien, fühle mich nun aber erst recht von allem lebendigen Treiben ausgeschlossen. In lachender, scherzender Umgebung, bei ohrbetäubender Musik, entringt sich mir plötzlich ein geller Schrei, weil ich mir unversehens wieder jenes Unglücks bewusst worden bin. Ich habe auch im Orient nur wie eine verscheuchte Eule gelebt. Aufrichtig gesagt, bin ich auch seit jenem Unglückstag erst recht davon überzeugt, dass ich mir meine Lebensfreude nur durch Selbstaufopferung zurückkaufen kann. Aber dazu brauche ich Zutritt zum Leben. Diesen Zutritt zum Leben hoffte ich vor einem Jahr dadurch zu finden, dass ich mich mit dem ersten besten Mädchen allerniedrigster Herkunft verlobte, um mit ihr in den Ehestand zu treten.
Vorlage S. 446
427
VON KEITH.
Vorlage S. 446
428
Wolltest du das Geschöpf wirklich zur Gräfin Trautenau machen?
Vorlage S. 446
429
SCHOLZ.
Vorlage S. 446
430
Ich bin kein Graf Trautenau mehr. Das entzieht sich deinem Verständnis. Die Presse hatte meinen Rang und Namen zu dem Unglück, das ich heraufbeschworen, in wirkungsvollen Kontrast gesetzt. Ich hielt mich deshalb meiner Familie gegenüber für verpflichtet, einen anderen Namen anzunehmen. Ich heiße seit zwei Jahren Ernst Scholz. Daher konnte auch meine Verlobung niemanden mehr überraschen; aber es wäre auch daraus nur wieder Unglück erwachsen. In ihrem Herzen keinen Funken Liebe, in meinem nur das Bedürfnis, mich aufzuopfern, der Verkehr eine endlose Kette der trivialsten Mißverständnisse ... Ich habe das Mädchen jetzt derart dotiert, dass sie für jeden ihres Standes eine begehrenswerte Partie ist. Sie konnte sich vor Freude über ihre wiedergewonnene Freiheit gar nicht fassen. Und ich muss nun endlich die schwere Kunst erlernen, mich selbst zu vergessen. Dem Tod sieht man mit klarem Bewusstsein ins Auge; aber niemand lebt, der sich nicht selbst vergessen kann.
Vorlage S. 446
431
VON KEITH
Vorlage S. 447
432
wirft sich in einen Sessel.
Vorlage S. 447
433
– Mein Vater würde sich vor Schreck im Grabe umkehren bei dem Gedanken, dass du – mich um meinen Rat bittest.
Vorlage S. 447
434
SCHOLZ.
Vorlage S. 447
435
So schlägt das Leben die Schulweisheit auf den Mund. Dein Vater hat redlich sein Teil zu meiner einseitigen geistigen Entwicklung beigetragen.
Vorlage S. 447
436
VON KEITH.
Vorlage S. 447
437
Mein Vater war so selbstlos und gewissenhaft, wie es der Hauslehrer und Erzieher eines Grafen Trautenau nun einmal sein muss. Du warst sein Musterknabe, und ich war sein Prügeljunge.
Vorlage S. 447
438
SCHOLZ.
Vorlage S. 447
439
Erinnerst du dich nicht mehr, wie zärtlich du bei uns auf dem Schloß von unseren Kammerjungfern abgeküßt wurdest, und zwar mit Vorliebe dann, wenn ich zufällig gerade daneben stand?! – Sich erhebend. Ich werde die nächsten zwei bis drei Jahre einzig und allein darauf verwenden Unter Tränen. um mich zu einem Genußmenschen auszubilden.
Vorlage S. 447
440
VON KEITH
Vorlage S. 447
441
aufspringend.
Vorlage S. 447
442
Gehen wir heute abend erst einmal nach Nymphenburg auf den Tanzboden! Das ist unser so unwürdig, wie nur irgendwie möglich. Aber bei all dem Regenwetter und Gletscherwasser, das sich über meinen Kopf ergießt, reizt es mich selbst, wieder einmal im Schlamm zu baden.
Vorlage S. 447
443
SCHOLZ.
Vorlage S. 447
444
Mich dürstet nicht nach Marktgeschrei.
Vorlage S. 447
445
VON KEITH.
Vorlage S. 447
446
Du hörst kein lautes Wort, nur das dumpfe Brausen des aus seinen Tiefen aufgewühlten Ozeans. München ist ein Arkadien zugleich und ein Babylon. Der stumme saturnalische Taumel, der sich hier bei jeder Gelegenheit der Seelen bemächtigt, behält auch für den Verwöhntesten seinen Reiz.
Vorlage S. 447
447
SCHOLZ.
Vorlage S. 448
448
Woher sollte ich denn verwöhnt sein! Ich habe von meinem Leben bis heute buchstäblich noch nichts genossen.
Vorlage S. 448
449
VON KEITH.
Vorlage S. 448
450
Der Gesellschaft werden wir uns auf dem Tanzboden erwehren müssen! An solchen Orten wirkt mein Erscheinen wie das Aas auf die Fliegen. Aber dafür, dass du dich selbst vergisst, stehe ich dir gut. Du wirst dich noch in drei Monaten selbst vergessen, wenn du an unseren heutigen Abend zurückdenkst.
Vorlage S. 448
451
SCHOLZ.
Vorlage S. 448
452
Ich habe mich schon allen Ernstes gefragt, ob nicht mein ungeheurer Reichtum vielleicht der einzige Grund meines Unglücks ist.
Vorlage S. 448
453
VON KEITH
Vorlage S. 448
454
empört.
Vorlage S. 448
455
Das ist Gotteslästerung!
Vorlage S. 448
456
SCHOLZ.
Vorlage S. 448
457
Ich habe tatsächlich schon erwogen, ob ich nicht wie auf meinen Adel auch auf mein Vermögen verzichten soll. Solang ich lebe, wäre mir die ser Verzicht aber nur zugunsten meiner Familie möglich. Eine nützliche Verfügung über mein Eigentum kann ich allenfalls, nachdem mein Leben an ihm zuschanden geworden, auf dem Sterbebette treffen. Hätte ich von Jugend auf um meinen Unterhalt kämpfen müssen, dann stände ich bei meinem sittlichen Ernst und meinem Fleiß, statt ein Ausgestoßener zu sein, heute wahrscheinlich mitten in der glänzendsten Karriere.
Vorlage S. 448
458
VON KEITH.
Vorlage S. 448
459
Oder du schwelgtest mit deinem Mädchen aus niedrigstem Stande im allergewöhnlichsten Liebesquark und putztest dabei deiner Mitwelt die Stiefel.
Vorlage S. 448
460
SCHOLZ.
Vorlage S. 448
461
Das nehme ich jeden Augenblick mit Freuden gegen mein Los in Tausch.
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462
VON KEITH.
Vorlage S. 448
463
Bilde dir doch nicht ein, dass dieses Eisenbahnunglück zwischen dir und dem Leben steht. Du sättigst dich nur deshalb an diesen scheußlichen Erinnerungen, weil du zu schwerfällig bist, um dir irgendwelche delikatere Nahrung zu verschaffen.
Vorlage S. 448
464
SCHOLZ.
Vorlage S. 448
465
Darin magst du recht haben. Deswegen möchte ich mich deiner geistigen Führung anvertrauen.
Vorlage S. 448
466
VON KEITH.
Vorlage S. 448
467
Wir finden heute abend schon was zu beißen. – Ich kann dich jetzt leider nicht bitten, mit mir zu frühstücken. Ich habe um zwölf Uhr ein geschäftliches Rendezvous mit einer hiesigen Finanzgröße. Aber ich gebe dir ein paar Zeilen mit an meinen Freund Raspe. Verbring den Nachmittag mit ihm; um sechs Uhr treffen wir uns im Hofgarten-Café.
Vorlage S. 448
468
Er ist an den Schreibtisch gegangen und schreibt ein Billett.
Vorlage S. 449
469
SCHOLZ.
Vorlage S. 449
470
Womit beschäftigst du dich denn?
Vorlage S. 449
471
VON KEITH.
Vorlage S. 449
472
Ich treibe Kunsthandel, ich habe eine Zeitungskorrespondenz, eine Konzertagentur – alles nicht der Rede wert. Du kommst eben recht, um das Entstehen eines großangelegten Konzerthauses zu erleben, das ausschließlich für meine Künstler gebaut wird.
Vorlage S. 449
473
SCHOLZ
Vorlage S. 449
474
nimmt das Bild vom Tisch und betrachtet es.
Vorlage S. 449
475
Du hast eine hübsche Bildergalerie.
Vorlage S. 449
476
VON KEITH
Vorlage S. 449
477
aufspringend.
Vorlage S. 449
478
Das gebe ich nicht um zehntausend Mark. Ein Saranieff. – Dreht es ihm in den Händen um. Du musst es anders herum nehmen.
Vorlage S. 449
479
SCHOLZ.
Vorlage S. 449
480
Ich verstehe nichts von Kunst. Ich bin auf meinen Reisen nicht in einem einzigen Museum gewesen.
Vorlage S. 449
481
VON KEITH
Vorlage S. 449
482
gibt ihm das Billett.
Vorlage S. 449
483
Der Mann ist internationaler Kriminalbeamter; sei deshalb nicht gleich zu offenherzig. Ein entzückender Mensch. Aber die Leute wissen nie, ob sie mich beobachten sollen, oder ob ich da bin, um sie zu beobachten.
Vorlage S. 449
484
SCHOLZ.
Vorlage S. 449
485
Ich danke dir für dein liebenswürdiges Entgegenkommen. Also heute abend um sechs im Hofgarten-Café.
Vorlage S. 449
486
VON KEITH.
Vorlage S. 449
487
Dann fahren wir nach Nymphenburg. Ich danke dir, dass auch du schließlich Vertrauen zu mir gewonnen hast.
Vorlage S. 449
488
Von Keith geleitet Scholz hinaus. Die Szene bleibt einen Moment leer. Dann kommt Molly Griesinger aus dem Wohnzimmer und nimmt das Teegeschirr vom Tisch. Gleich darauf kommt von Keith zurück.
Vorlage S. 449
489
VON KEITH
Vorlage S. 449
490
ruft.
Vorlage S. 449
491
Sascha! – Geht ans Telefon und läutet. Siebzehn, fünfunddreißig – Kommissär Raspe!
Vorlage S. 449
492
SASCHA
Vorlage S. 449
493
kommt aus dem Wartezimmer.
Vorlage S. 449
494
Herr Baron!
Vorlage S. 449
495
VON KEITH.
Vorlage S. 449
496
Meinen Hut! Meinen Paletot!
Vorlage S. 449
497
Sascha eilt nach dem Vorplatz.
Vorlage S. 449
498
MOLLY.
Vorlage S. 449
499
Ich beschwöre dich, lass dich doch mit diesem Patron nicht ein! Der käme doch nicht zu uns, wenn er uns nicht ausbeuten wollte.
Vorlage S. 449
500
VON KEITH
Vorlage S. 450
501
spricht ins Telefon.
Vorlage S. 450
502
Gott sei Dank sind Sie da! Warten Sie zehn Minuten. – – Das werden Sie merken. – Zu Molly, während ihm Sascha in den Paletot hilft. Ich fahre rasch auf die Redaktionen.
Vorlage S. 450
503
MOLLY.
Vorlage S. 450
504
Was soll ich Mama antworten?
Vorlage S. 450
505
VON KEITH
Vorlage S. 450
506
zu Sascha.
Vorlage S. 450
507
Einen Wagen!
Vorlage S. 450
508
SASCHA.
Vorlage S. 450
509
Jawohl, Herr Baron.
Vorlage S. 450
510
Ab.
Vorlage S. 450
511
VON KEITH.
Vorlage S. 450
512
Leg ihr meine Ehrerbietung zu Füßen. Geht zum Schreibtisch. Die Pläne – der Brief von Ostermeier – morgen früh muss München wissen, dass der Feenpalast gebaut wird!
Vorlage S. 450
513
MOLLY.
Vorlage S. 450
514
Dann kommst du nicht nach Bückeburg?
Vorlage S. 450
515
VON KEITH
Vorlage S. 450
516
nimmt, die zusammengerollten Pläne unter dem Arm, seinen Hut vom Mitteltisch und stülpt ihn auf.
Vorlage S. 450
517
Nimmt mich wunder, wie sich der zum Genußmenschen ausbildet! Rasch ab.
Vorlage S. 450

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Ich kann es mir mit dem besten Willen nicht denken, wie ich …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »deswegen« in diesem Textausschnitt? »Mache dir deswegen nicht die geringste Sorge darum.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt enthält ausdrücklich einen Grund oder eine daraus gezogene Folge? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Was ich dir eben sagte, das ist meine heiligste Überzeugung.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Und glauben Sie ja nicht, dass sich die Welt hierin jemals ändert.« B: »Du betrügst dich um dein Lebensglück mit allen Mitteln, die eine Frau zu ihrer Verfügung hat.« C: »Es ist nicht meine Schuld, dass ich den Anblick überlebte.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Ein schmeichelhafteres Kompliment hat man mir …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Ich wunderte mich noch, dass du es bei deinem enormen Vermögen nicht vorzogst, als […] deinen Neigungen zu leben.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »nachdem« in diesem Textausschnitt? »Eine nützliche Verfügung über mein Eigentum kann ich allenfalls, nachdem mein Leben an ihm zuschanden geworden, auf dem Sterbebette treffen.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Bilde dir doch nicht ein, dass dieses …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Lies den Abschnittsbeginn: »Ein Arbeitszimmer, dessen Wände mit Bildern behängt sind. In der Hinterwand befindet sich rechts rechts und links immer vom Schauspieler aus die Tür zum Vorplatz und links die Tür zu einem Wartezimmer. In der […]« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
  • Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
Textstelle nachlesen ↗

2. Prüfe, ob es in dieser Passage um Gerechtigkeit oder Verantwortung geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Der Herr Gerichtsvollzieher! Sie eilt, um zu öffnen.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Wahrheit oder Vertrauen geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] mich meines Daseins nicht eher erfreuen, als bis ich meine Existenz durch ehrliche Arbeit gerechtfertigt hätte. Diese einseitige Anschauung hat mich dahin geführt, dass ich heute aus reinem Pflichtgefühl, nicht anders, als gälte es eine […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Angst oder Unsicherheit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »An dem, was ich dir hier sage, ändert nur mein Tod etwas. Und der Tod traut sich aus Furcht, er könnte sich blamieren, nicht an mich heran. Wenn ich sterbe, ohne gelebt zu haben, dann werde ich als Geist umgehen.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Weil du ohne meine Liebe nicht leben kannst! Hab darum auch nur die Arme frei, soviel du willst! Ob ich bei dir bleibe, das hängt davon ab, ob ich dir von deiner Liebe für andere Weiber etwas übriglasse! Die Weiber sollen sich aufdonnern […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

6. Vergleiche diese beiden Stellen: »Deshalb brauchst du noch auf keine von beiden eifersüchtig zu sein.« und »Diese Saranieffs, siehst du, und diese Zamrjakis, das sind Menschen von einem ganz anderen Schlag als wir. Die wissen, wie man […]«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
  • Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

7. Am Abschnittsende steht: »Nimmt mich wunder, wie sich der zum Genußmenschen ausbildet! Rasch ab.« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
  • Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
Textstelle nachlesen ↗

8. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Ein Arbeitszimmer, dessen Wände mit Bildern behängt sind. In der Hinterwand befindet sich rechts rechts und […]« / »Nimmt mich wunder, wie sich der zum Genußmenschen ausbildet! Rasch ab.«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
  • Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
  • Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »So, mein Schatz, hier hast du Tee und Kaviar und kalten Aufschnitt.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Du betrügst dich um dein Lebensglück mit allen Mitteln, die eine Frau zu ihrer Verfügung hat.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Nimmt mich wunder, wie sich der zum Genußmenschen ausbildet!«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Der Marquis von Keith von Wedekind, Frank ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).

Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.

Der Marquis von Keith

Frank Wedekind: Werke in drei Bänden. Herausgegeben und eingeleitet von Manfred Hahn, Berlin und Weimar: Aufbau, 1969. Wedekind, Frank 430- Berlin und Weimar

Das Werk Der Marquis von Keith von Wedekind, Frank ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; reine Originaltexte gemeinfrei Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.