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Buch - Das weite Land - Schnitzler, Arthur

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Originalwerk · Lesefassung

Das weite Land

Schnitzler, Arthur · 1910

Das weite Land von Schnitzler, Arthur. Volltext der angegebenen Ausgabe mit textbezogenen Leseaufgaben.

DramaKlasse 11–137 Abschnitte
Porträt von Schnitzler, Arthur; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Porträt · Schnitzler, Arthur · Ferdinand Schmutzer · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht einordnen.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 3 von 7

1. Akt

1
Erster Akt
Vorlage S. 217
2
Veranda der Villa Hofreiter und Garten.
Vorlage S. 217
3
Rechts die Veranda, geräumig, mit Balustrade, die auch beiderseits längs der sechs in den Vorgarten führenden Stufen weiterläuft. Doppeltür von der Veranda zum Gartensalon steht offen. – Vor der Veranda Rasenplatz mit Rosensträuchern in Blüte. – Ein grüner, ziemlich hoher Holzzaun schließt den Garten ein, der Zaun biegt rückwärts im rechten Winkel um und läuft hinter der Villa weiter. Fußweg außen längs des Zauns. Fahrstraße parallel dem Fußweg. Innen, längs des Zauns Buschwerk. Die Gartentüre, links, Mitte, der Veranda gegenüber, steht offen. Rings um den Rasenplatz Bänke: eine vorn dem Zuschauerraum gegenüber, eine der Gartentür gegenüber, eine dritte jenseits des Rasens, also mit der Lehne zum Zuschauerraum. Auf der Veranda ein länglicher Tisch mit sechs Sesseln. In der Ecke hinten hinten Oleanderbaum. Die Veranda ist durch eine rotweiß gestreifte Markise überdeckt. Eine elektrische Lampe auf dem Tisch. Ein Wandarm rechts von der Türe. Auf dem Tisch Teegeschirr. Später Nachmittag, nach einem Gewitterregen. Wiesen und Blätter feucht. Lange Schatten der Gitterstäbe fallen in den Garten.
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4
FRAU GENIA
Vorlage S. 217
5
31 Jahre, einfach-vornehm gekleidet; dunkelgrauer Rock, violette Seidenbluse, sitzt am Tisch der Veranda auf dem Sessel an der Schmalseite, die dem Publikum zugekehrt ist.
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6
Sie stellt eben die Teetasse hin, sieht einen Augenblick vor sich hin, steht auf, rückt den Sessel fort, sieht nach hinten über die Balustrade in den Garten, dann geht sie über die Stufen in den Garten hinab, die Hände auf dem Rücken, wie es ihre Gewohnheit ist.
Vorlage S. 217
7
DAS STUBENMÄDCHEN
Vorlage S. 217
8
kommt aus dem Gartensalon auf die Veranda mit einer großen Tasse, will das Teegeschirr abräumen, zögert.
Vorlage S. 217
9
GENIA
Vorlage S. 217
10
noch auf den Stufen, wendet sich nach ihr um.
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Servieren Sie nur ab. Der gnädige Herr wird wohl in der Stadt Tee getrunken haben.
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Nach einer kleinen Pause, in der sie den Himmel betrachtet.
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13
Übrigens könnten Sie aufziehen.
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14
STUBENMÄDCHEN
Vorlage S. 217
15
während sie das Servierbrett hinstellt und die Markise hochzieht.
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16
Soll ich der gnädigen Frau nicht was zum Umnehmen bringen? Es ist kühl geworden.
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GENIA.
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Ja. Den weißen Mantel. Sie riecht an einer Rose am Strauch, dann setzt sie ihren Spazierrgang fort, längs der Veranda nach hinten.
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STUBENMÄDCHEN
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20
hat die Markise ganz aufgezogen, räumt ab und entfernt sich mit dem Teegeschirr.
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21
FRAU WAHL UND ERNA
Vorlage S. 219
22
kommen auf der Straße von rückwärts, längs des Zauns und nähern sich dem Eingang.
Vorlage S. 219
23
GENIA
Vorlage S. 219
24
weiter gehend längs der Wiese, nähert sich gleichfalls dem Eingang.
Vorlage S. 219
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FRAU WAHL UND ERNA
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26
grüßen schon von draußen durch Kopfnicken.
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27
GENIA
Vorlage S. 219
28
winkt leicht mit der Hand, beschleunigt ihre Schritte ein wenig, und trifft am Tor mit beiden zusammen.
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29
FRAU WAHL UND ERNA
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30
beide in dunkeln englischen Kostümen mit Jacke bleiben stehn.
Vorlage S. 219
31
FRAU WAHL
Vorlage S. 219
32
schlank, beweglich, etwa 45 Jahre, von einer gewissen lässigen, aber sehr bewußten Vornehmheit.
Vorlage S. 219
33
Sie näselt ein wenig, spricht ein nicht ganz echtes aristokratisch-wienerisch. Blick und Redeweise bald zu müde, bald zu lebhaft. Während sie spricht, schaut sie meist an ihrem Partner vorbei und erst, wenn sie zu Ende geredet hat, betrachtet sie ihr Gegenüber freundlich-forschend, wie um sich beruhigt zu finden.
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34
ERNA
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35
größer als ihre Mutter, schlank, bestimmt und gradheraus bis zur Unbedenklichkeit, ohne vorlaut zu wirken.
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Fester, unbefangener Blick.
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37
GENIA
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38
reicht beiden freundlich die Hand.
Vorlage S. 219
39
Wohlbehalten aus der Stadt zurück?
Vorlage S. 219
40
FRAU WAHL.
Vorlage S. 219
41
Wie Sie sehn, liebe Frau Genia. Es war ein fürchterliches Wetter.
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42
GENIA.
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43
Bei uns heraußen auch bis vor einer Stunde.
Vorlage S. 219
44
FRAU WAHL.
Vorlage S. 219
45
Sie haben schon recht gehabt, dass Sie lieber zu Hause geblieben sind. Auf dem Friedhof ist man geradezu versunken. Ich bin wirklich nur Erna zu Liebe mit hinausgefahren. Es hätte wohl genügt, der Zeremonie in der Kirche beizuwohnen – meiner Ansicht nach! Ich bitte Sie, wem erweist man am Ende einen Dienst damit ...
Vorlage S. 219
46
ERNA.
Vorlage S. 219
47
Da hat die Mama freilich recht ... Zum Leben haben wir ihn doch nicht wieder erweckt, den armen Korsakow.
Vorlage S. 219
48
GENIA.
Vorlage S. 219
49
Die Beteiligung war wohl sehr groß?
Vorlage S. 219
50
FRAU WAHL.
Vorlage S. 219
51
Enorm. In der Kirche hat man sich kaum rühren können. Und auch auf dem Friedhofwaren sicher ein paar hundert Menschen – trotz des miserablen Wetters.
Vorlage S. 219
52
GENIA.
Vorlage S. 219
53
Viele Bekannte?
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54
FRAU WAHL.
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55
Ja, natürlich ... Natters kamen in ihrem neuen scharlachroten Automobil angefahren.
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56
GENIA
Vorlage S. 219
57
lächelnd.
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58
Von dem hab' ich schon gehört.
Vorlage S. 219
59
FRAU WAHL.
Vorlage S. 219
60
Es hat einen phantastischen Eindruck gemacht, an der Friedhofsmauer ... Nicht g'rad phantastisch, aber sonderbar hat's ausgeschaut ...
Vorlage S. 219
61
DAS STUBENMÄDCHEN
Vorlage S. 219
62
kommt mit dem weißen Mantel, den sie Genia umgibt.
Vorlage S. 219
63
Küss' die Hand, gnädige Frau, küss' die Hand, Fräulein.
Vorlage S. 220
64
FRAU WAHL
Vorlage S. 220
65
leutselig.
Vorlage S. 220
66
Grüß' Sie Gott, liebe Kathi.
Vorlage S. 220
67
ERNA.
Vorlage S. 220
68
Guten Abend.
Vorlage S. 220
69
Stubenmädchen ab.
Vorlage S. 220
70
GENIA.
Vorlage S. 220
71
Haben Sie meinen Mann nicht gesprochen, draußen auf dem Friedhof?
Vorlage S. 220
72
FRAU WAHL.
Vorlage S. 220
73
Ja ... flüchtig.
Vorlage S. 220
74
ERNA.
Vorlage S. 220
75
Er war sehr erschüttert.
Vorlage S. 220
76
GENIA.
Vorlage S. 220
77
Das denk' ich mir.
Vorlage S. 220
78
ERNA.
Vorlage S. 220
79
Ich hab' mich eigentlich gewundert. Er gehört doch sonst nicht zu den Menschen, denen leicht etwas nahe geht.
Vorlage S. 220
80
GENIA
Vorlage S. 220
81
lächelnd.
Vorlage S. 220
82
Wie genau Sie ihn kennen.
Vorlage S. 220
83
ERNA.
Vorlage S. 220
84
Nun, sollt' ich nicht? Sehr einfach. Schon als siebenjähriges Mädel hab' ich ihn geliebt. Lang vor Ihnen, gnädige Frau.
Vorlage S. 220
85
GENIA.
Vorlage S. 220
86
Schon wieder »gnädige Frau«.
Vorlage S. 220
87
Erna beinahe zärtlich Frau Genia. Küßt ihr die Hand.
Vorlage S. 220
88
GENIA.
Vorlage S. 220
89
Er hat übrigens Alexei Korsakow sehr gerne gehabt.
Vorlage S. 220
90
ERNA.
Vorlage S. 220
91
Offenbar. – Früher dacht' ich nämlich, dass Korsakow einfach – sein Klavierspieler gewesen ist.
Vorlage S. 220
92
GENIA.
Vorlage S. 220
93
Wie meinen Sie das ... sein Klavierspieler?
Vorlage S. 220
94
ERNA.
Vorlage S. 220
95
Nun, so wie der Doktor Mauer sein guter Freund ist, Herr Natter sein Bankier, ich seine Tennispartnerin, der Oberleutnant Stanzides ... sein Sekundant.
Vorlage S. 220
96
GENIA.
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97
Oh ...
Vorlage S. 220
98
ERNA.
Vorlage S. 220
99
Wenn's einmal zu so was käme, mein' ich ... Er nimmt sich von jedem, was ihm gerade konveniert, und um das, was sonst in dem Menschen stecken mag, kümmert er sich kaum.
Vorlage S. 220
100
FRAU WAHL.
Vorlage S. 220
101
Wissen Sie, Frau Genia, wie mein seliger Mann solche Bemerkungen von Erna zu nennen pflegte? Ihre Produktionen auf dem psychologischen Seil.
Vorlage S. 220
102
OTTO VON AIGNER
Vorlage S. 220
103
kommt herbei, grüßt beim Tor.
Vorlage S. 220
104
Guten Abend.
Vorlage S. 220
105
GENIA.
Vorlage S. 220
106
Guten Abend, Herr von Aigner. Wollen Sie nicht ein wenig zu uns hereinkommen?
Vorlage S. 220
107
OTTO.
Vorlage S. 220
108
Wenn's gestattet ist. Er tritt in den Garten. Er ist einfünfundzwanzigjähriger junger Mann, von zurückhaltendem und liebenswürdigem Benehmen; trägt die Uniform eines Marinefähnrichs. Begrüßung.
Vorlage S. 220
109
GENIA.
Vorlage S. 220
110
Wie geht's Ihrer Frau Mama? Ich hatte eigentlich gehofft, sie heute Nachmittag bei mir zu sehen.
Vorlage S. 220
111
OTTO.
Vorlage S. 220
112
Ist sie nicht gestern bei Ihnen gewesen, gnädige Frau?
Vorlage S. 220
113
GENIA.
Vorlage S. 221
114
Ja. Und vorgestern auch. Lächelnd. Sie hat mich eben ein wenig verwöhnt.
Vorlage S. 221
115
OTTO.
Vorlage S. 221
116
Meine Mutter ist schon vor zwei Stunden in die Stadt gefahren. Sie hat heute abend zu spielen. Zu Frau Wahl und Erna. Die Damen waren heute wohl auch in der Stadt? Ich sah Sie in der Früh' während dieses schrecklichen Wolkenbruchs zur Bahn fahren.
Vorlage S. 221
117
FRAU WAHL.
Vorlage S. 221
118
Wir haben dem Begräbnis von Korsakow beigewohnt.
Vorlage S. 221
119
OTTO.
Vorlage S. 221
120
Richtig, das war ja heute. Weiß man eigentlich, warum er sich umgebracht hat?
Vorlage S. 221
121
ERNA.
Vorlage S. 221
122
Nein.
Vorlage S. 221
123
FRAU WAHL.
Vorlage S. 221
124
Irgendwer heut' auf dem Friedhof meinte, es sei ein Selbstmord aus gekränktem Ehrgeiz gewesen.
Vorlage S. 221
125
GENIA.
Vorlage S. 221
126
Wie –? ... Korsakow ...?
Vorlage S. 221
127
FRAU WAHL.
Vorlage S. 221
128
Ja. Weil er nämlich immer zu hören bekam, er könne nur Chopin spielen und Schumann – aber keinen Beethoven und keinen Bach ... Ich hab' es übrigens auch gefunden.
Vorlage S. 221
129
OTTO.
Vorlage S. 221
130
Dass einen so was in den Tod treiben sollte, ist doch etwas unwahrscheinlich. Hat er keinen Abschiedsbrief hinterlassen?
Vorlage S. 221
131
ERNA.
Vorlage S. 221
132
Korsakow hat nicht zu den Menschen gehört, die Abschiedsbriefe schreiben.
Vorlage S. 221
133
FRAU WAHL.
Vorlage S. 221
134
Woher weißt du das wieder so bestimmt?
Vorlage S. 221
135
ERNA.
Vorlage S. 221
136
Dazu war er viel zu klug und zu geschmackvoll. Er hat eben gewusst, was das heißt: tot sein. Und daher war es ihm ganz egal, was die Leute am nächsten Morgen für ein Gesicht dazu machen werden.
Vorlage S. 221
137
OTTO.
Vorlage S. 221
138
Irgendwo hab' ich gelesen, dass er am Abend vor seinem Selbstmord noch mit einigen Freunden soupiert haben soll ... in bester Laune ...
Vorlage S. 221
139
FRAU WAHL.
Vorlage S. 221
140
Ja, das steht dann immer in der Zeitung.
Vorlage S. 221
141
GENIA.
Vorlage S. 221
142
Diesmal stimmt es zufällig. – Das weiß ich nämlich, weil mein Mann auch unter diesen Freunden gewesen ist, die mit ihm soupiert haben.
Vorlage S. 221
143
FRAU WAHL.
Vorlage S. 221
144
Ah ...
Vorlage S. 221
145
GENIA
Vorlage S. 221
146
beiläufig.
Vorlage S. 221
147
Er hat ja manchmal bis spät abends in der Stadt zu tun, und dann soupiert er immer im Imperial, – an einer Art Stammtisch – noch aus seinen Junggesellentagen. In der letzten Zeit war auch Korsakow oft dabei, der im Hotel gewohnt hat. Und wie mir Friedrich selbst erzählte, – es war ihm an diesem letzten Abend nicht das geringste anzumerken. Sie haben nachher im Kaffeehaus noch miteinander Billard gespielt.
Vorlage S. 221
148
FRAU WAHL.
Vorlage S. 222
149
Wie, Ihr Mann und Korsakow?
Vorlage S. 222
150
GENIA.
Vorlage S. 222
151
Ja. Sie haben sogar gewettet – und Friedrich hat verloren. Am nächsten Morgen, vom Bureau aus, hat er den Diener ins Hotel geschickt mit den verwetteten Zigarren ... und – wissen Sie denn das nicht? Der Diener war es ja, der die Sache entdeckt hat.
Vorlage S. 222
152
FRAU WAHL.
Vorlage S. 222
153
Wieso denn?
Vorlage S. 222
154
GENIA.
Vorlage S. 222
155
Nun, er klopfte ein paarmal, niemand rief herein, endlich öffnete er die Türe, um die Zigarren zu deponieren und ...
Vorlage S. 222
156
ERNA.
Vorlage S. 222
157
Da lag Korsakow tot ...
Vorlage S. 222
158
GENIA.
Vorlage S. 222
159
Ja. Tot auf dem Diwan, den Revolver noch in der Hand ...
Vorlage S. 222
160
Pause.
Vorlage S. 222
161
FRAU WAHL.
Vorlage S. 222
162
Ihr Diener muss nicht wenig erschrocken sein. – Was hat er denn mit den Zigarren gemacht? Hat er sie dort stehn lassen?
Vorlage S. 222
163
ERNA.
Vorlage S. 222
164
Die Mama ist für historische Genauigkeit.
Vorlage S. 222
165
GENIA.
Vorlage S. 222
166
Verzeihen Sie, Frau von Wahl, aber darnach zu fragen hab' ich wirklich total vergessen.
Vorlage S. 222
167
Geräusch von einem Auto.
Vorlage S. 222
168
FRAU WAHL.
Vorlage S. 222
169
Es hält hier.
Vorlage S. 222
170
GENIA.
Vorlage S. 222
171
Das ist Friedrich ...
Vorlage S. 222
172
ERNA.
Vorlage S. 222
173
Da könnte man gleich eine Tennispartie verabreden. Ist der Platz schon instand gesetzt?
Vorlage S. 222
174
OTTO.
Vorlage S. 222
175
Natürlich. Ich hab' gestern mit Herrn Hofreiter zwei Stunden gesingelt.
Vorlage S. 222
176
FRAU WAHL.
Vorlage S. 222
177
Er war in der Stimmung, Tennis zu spielen?
Vorlage S. 222
178
ERNA.
Vorlage S. 222
179
Warum soll er denn nicht in der Stimmung gewesen sein, Mama? Daran kann ich nun gar nichts finden. Auf meinem Grab dürfte man Cake walk tanzen oder sogar Machich ... oh ja ... Es wäre mir eher ein sympathischer Gedanke.
Vorlage S. 222
180
DOKTOR MAUER
Vorlage S. 222
181
kommt.
Vorlage S. 222
182
Fünfunddreißig Jahre, groß, blonder Vollbart, Zwicker, Narbe von einem Säbelhieb auf der Stirne, dunkler Sakkoanzug, nicht elegant, aber durchaus nicht nachlässig gekleidet. Guten Abend, meine Herrschaften.
Vorlage S. 222
183
GENIA.
Vorlage S. 222
184
Sie sind's, Doktor?
Vorlage S. 222
185
MAUER
Vorlage S. 222
186
alle sehr schnell begrüßend.
Vorlage S. 222
187
Küss' die Hand, gnädige Frau. Zu Frau Wahl. Guten Abend, Fräulein Erna, guten Abend Herr Fähnrich: Zu Genia. Der Friedrich lässt sich schön empfehlen, Frau Genia, er hat noch in der Fabrik zu tun. Ich bin mit ihm bis hin gefahren, und er war so freundlich, mir das Auto zu überlassen für ein paar Krankenvisiten, die ich da heraußen zu machen habe. Er kommt später mit der Bahn.
Vorlage S. 222
188
FRAU WAHL.
Vorlage S. 223
189
Wir müssen uns leider empfehlen. Zu Mauer. Hoffentlich sehn wir Sie auch bald einmal bei uns, Herr Doktor. Trotzdem wir uns, gottlob, eines ungestörten Wohlbefindens erfreuen.
Vorlage S. 223
190
ERNA.
Vorlage S. 223
191
Sie müssen aber bald kommen, Doktor, im Juli reisen wir nämlich nach Tirol, an den Völser Weiher.
Vorlage S. 223
192
MAUER.
Vorlage S. 223
193
Ah!
Vorlage S. 223
194
FRAU WAHL.
Vorlage S. 223
195
Wir haben dort Rendezvous mit dem Gustl. Zu Otto. Das ist nämlich mein Sohn, der reist das ganze Jahr herum. Na, nicht grad das ganze – aber recht viel ... das kann man schon sagen ... Voriges Jahr war er in Indien.
Vorlage S. 223
196
ERNA.
Vorlage S. 223
197
Und ich möcht' wieder einmal kraxeln.
Vorlage S. 223
198
MAUER.
Vorlage S. 223
199
So? Da trifft man sich vielleicht auf irgend einer Felsenspitze. Mich zieht es nämlich auch in die Dolomiten. Zu Genia. Und ich will nicht verhehlen, gnädige Frau, dass ich große Lust hab', mir heuer den Friedrich dazu auszuborgen.
Vorlage S. 223
200
GENIA.
Vorlage S. 223
201
Zu Dolomitentouren –? ... Was sagt er denn dazu ...?
Vorlage S. 223
202
MAUER.
Vorlage S. 223
203
Er scheint nicht gänzlich abgeneigt.
Vorlage S. 223
204
FRAU WAHL.
Vorlage S. 223
205
Ich hab' gemeint, dass der Friedrich seit ... seit ... dem Unglück von damals das Bergsteigen ganz aufgegeben hat.
Vorlage S. 223
206
MAUER.
Vorlage S. 223
207
Aber doch nicht für immer.
Vorlage S. 223
208
GENIA
Vorlage S. 223
209
zu Otto, erklärend.
Vorlage S. 223
210
Ein Freund meines Mannes, ein gewisser Doktor Bernhaupt, ist nämlich direkt von seiner Seite weg von einem Felsen abgestürzt und auf der Stelle tot geblieben. Es sind üb rigens schon sieben Jahre her.
Vorlage S. 223
211
OTTO
Vorlage S. 223
212
zu Genia.
Vorlage S. 223
213
So? An dieser Partie hat Ihr Herr Gemahl teilgenommen?
Vorlage S. 223
214
ERNA
Vorlage S. 223
215
nachdenklich.
Vorlage S. 223
216
Man muss sagen ... er hat nicht viel Glück mit seinen Freunden.
Vorlage S. 223
217
GENIA
Vorlage S. 223
218
zu Otto.
Vorlage S. 223
219
Sie wissen von dieser Geschichte?
Vorlage S. 223
220
OTTO.
Vorlage S. 223
221
Sie blieb mir begreiflicherweise im Gedächtnis, da sie gerade auf dem Felsen passiert ist, den – mein Vater vor mehr als zwanzig Jahren als allererster bestiegen hat.
Vorlage S. 223
222
GENIA.
Vorlage S. 223
223
Richtig, der Aignerturm war es.
Vorlage S. 223
224
MAUER.
Vorlage S. 223
225
Der Aignerturm ... Man hat wirklich schon vergessen, dass der nach einem lebendigen Menschen so heißt.
Vorlage S. 223
226
Kleine Pause.
Vorlage S. 223
227
ERNA.
Vorlage S. 224
228
Das muss doch eigentlich ein sonderbares Gefühl für Sie sein, Herr Fähnrich, dass da in den Dolomiten ein Felsen steht, mit dem Sie gewissermaßen verwandt sind.
Vorlage S. 224
229
OTTO.
Vorlage S. 224
230
Das ist gar nicht so sonderbar, Fräulein. Beide sind mir nämlich ziemlich fremd, der Felsen und mein Vater. Ich war ein Bub' von vier oder fünf Jahren, als sich meine Eltern von einander trennten ...
Vorlage S. 224
231
FRAU WAHL.
Vorlage S. 224
232
Und seither haben Sie Ihren Herrn Papa nicht mehr gesehn?
Vorlage S. 224
233
OTTO.
Vorlage S. 224
234
Es fügte sich so ...
Vorlage S. 224
235
Pause.
Vorlage S. 224
236
ERNA
Vorlage S. 224
237
zum Gehen auffordernd.
Vorlage S. 224
238
Also Mama ... ich denke, es wäre Zeit.
Vorlage S. 224
239
FRAU WAHL.
Vorlage S. 224
240
Ja, wahrhaftig! – Wann wir überhaupt mit dem Auspacken fertig werden sollen! Zu Mauer. Wir sind nämlich erst am Sonntag herausgezogen. Wir führen noch nicht einmal Menage ... Wir müssen in diesem entsetzlichen Kurpark unsere Mahlzeit nehmen.
Vorlage S. 224
241
ERNA.
Vorlage S. 224
242
Aber Mama, es schmeckt dir doch sehr gut.
Vorlage S. 224
243
FRAU WAHL.
Vorlage S. 224
244
Aber so viel Leut' sind immer dort, besonders abends ... Also auf Wiedersehn, Frau Genia ... Gehn S' ein Stückerl mit uns, Herr Fähnrich?
Vorlage S. 224
245
OTTO.
Vorlage S. 224
246
Wenn's erlaubt ist ... Adieu, gnädige Frau, bitte mich dem Herrn Gemahl zu empfehlen.
Vorlage S. 224
247
ERNA.
Vorlage S. 224
248
Auf Wiedersehn, Frau Genia. Adieu, Herr Doktor.
Vorlage S. 224
249
Verabschiedung. Frau Wahl, Erna, Otto ab.
Vorlage S. 224
250
Genia, Mauer.
Vorlage S. 224
251
MAUER
Vorlage S. 224
252
nach einer kleinen Pause, hat Erna nachgesehen.
Vorlage S. 224
253
Das ist eine, der man beinahe die Mutter verzeihn könnte.
Vorlage S. 224
254
GENIA.
Vorlage S. 224
255
Auch nicht die schlimmste, die gute Frau Wahl ... Ich find' sie eher amüsant. Wenn's also nur daran liegt! Während sie der Veranda zugeht. Ich hab's Ihnen neulich schon gesagt, überlegen Sie sich die Sache, Doktor.
Vorlage S. 224
256
MAUER
Vorlage S. 224
257
halb im Scherz.
Vorlage S. 224
258
Ich glaube, ich bin ihr nicht elegant genug. Folgt ihr allmählich.
Vorlage S. 224
Porträt von Schnitzler, Arthur; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Kontextbild zum Werk. Porträt · Schnitzler, Arthur · Ferdinand Schmutzer · Public domain Bildquelle ↗
259
GENIA
Vorlage S. 224
260
ein paar Stufen hinauf.
Vorlage S. 224
261
Ich hab' übrigens gar nicht gewusst, dass Friedrich auch nachher noch im Büro zu tun hätte.
Vorlage S. 224
262
MAUER.
Vorlage S. 224
263
Ja, das sollt' ich Ihnen noch ausrichten, Frau Genia, er muss eine wichtige Depesche abwarten.
Vorlage S. 224
264
GENIA.
Vorlage S. 225
265
Amerika?
Vorlage S. 225
266
MAUER.
Vorlage S. 225
267
Ja. Wegen der Patentangelegenheit mit seinen neu erfundenen Glühlichtern.
Vorlage S. 225
268
GENIA.
Vorlage S. 225
269
Es ist nur eine Verbesserung, Doktor! Setzt sich.
Vorlage S. 225
270
MAUER
Vorlage S. 225
271
stehend an die Balustrade gelehnt.
Vorlage S. 225
272
Wie immer, jedenfalls scheint die Sache gewaltige Dimensionen anzunehmen. Ich höre, er will zubauen zu der Fabrik; den Häuserblock daneben ankaufen ...
Vorlage S. 225
273
GENIA.
Vorlage S. 225
274
Ja ...
Vorlage S. 225
275
MAUER.
Vorlage S. 225
276
Und nebstbei hat sich wieder das Konsortium gemeldet, das ihm so nachläuft, wegen Ankaufs der Fabrik. Morgen früh hat er eine Konferenz mit seinem Bankier.
Vorlage S. 225
277
GENIA.
Vorlage S. 225
278
Mit Natter.
Vorlage S. 225
279
MAUER.
Vorlage S. 225
280
Natürlich, mit Natter.
Vorlage S. 225
281
GENIA.
Vorlage S. 225
282
Sie waren auch beim Begräbnis, die Natters, hör' ich.
Vorlage S. 225
283
MAUER.
Vorlage S. 225
284
Ja.
Vorlage S. 225
285
GENIA.
Vorlage S. 225
286
Das scharlachrote Automobil soll großes Aufsehen gemacht haben.
Vorlage S. 225
287
MAUER.
Vorlage S. 225
288
Ja, was ist da zu machen? Es ist nun einmal scharlachrot.
Vorlage S. 225
289
Kleine Pause.
Vorlage S. 225
290
Genia sieht Mauer schwach lächelnd an.
Vorlage S. 225
291
MAUER.
Vorlage S. 225
292
Übrigens – die Geschichte ist aus.
Vorlage S. 225
293
GENIA
Vorlage S. 225
294
weiter ruhig lächelnd.
Vorlage S. 225
295
Wissen Sie das ganz bestimmt?
Vorlage S. 225
296
MAUER.
Vorlage S. 225
297
Ich kann Sie versichern, Genia.
Vorlage S. 225
298
GENIA.
Vorlage S. 225
299
Hat Ihnen Friedrich etwa ...
Vorlage S. 225
300
MAUER.
Vorlage S. 225
301
Nein, von dergleichen spricht er ja nie. Aber wozu hätte man seinen diagnostischen Blick. Es ist sogar schon geraume Zeit her, dass es aus ist. Ich versichere Sie, Frau Genia, Friedrich ist tatsächlich immer im Büro oder in der Fabrik. Sie kennen ihn ja! Seine neuen Glühlichter müssen die Welt erobern, sonst macht ihm die ganze Sache keinen Spaß. Frau Natter existiert also nicht mehr für ihn.
Vorlage S. 225
302
GENIA.
Vorlage S. 225
303
Es ist immerhin beruhigend, so etwas zu hören.
Vorlage S. 225
304
MAUER.
Vorlage S. 225
305
Zur Unruhe war doch wahrhaftig nie ein Anlass. Adelchen ist im Grunde die harmloseste Person von der Welt. Wenn man nicht zufällig wüsste –
Vorlage S. 225
306
GENIA.
Vorlage S. 225
307
Ja, sie! Von ihr aus drohte keinerlei Gefahr. Aber Herrn Natter halt' ich bei all seiner äußern Liebenswürdigkeit und Gutmütigkeit für einen brutalen Menschen. Sogar für etwas tückisch. Und manchmal hab' ich schon Angst gehabt um Friedrich. Das können Sie sich ja denken. Angst, wie um einen Sohn, – einen ziemlich erwachsenen, der sich in zweifelhafte Abenteuer einläßt.
Vorlage S. 225
308
MAUER
Vorlage S. 226
309
sitzt ihr gegenüber.
Vorlage S. 226
310
Es ist wirklich interessant, wie Sie die Dinge auffassen. Man möchte fast glauben, dass Frauen, die zu Müttern geboren sind, gelegentlich die Gabe besitzen – es auch für ihre Gatten zu sein.
Vorlage S. 226
311
GENIA.
Vorlage S. 226
312
Oder zu werden, lieber Doktor. Es war mir ja nicht immer so mütterlich zumute. In früherer Zeit war ich mehr als einmal nahe daran, auf und davon zu gehen.
Vorlage S. 226
313
MAUER.
Vorlage S. 226
314
Oh! –
Vorlage S. 226
315
GENIA.
Vorlage S. 226
316
Mit meinem Buben natürlich. Den Percy hätt' ich ihm nicht gelassen, da können Sie ruhig sein!
Vorlage S. 226
317
MAUER.
Vorlage S. 226
318
Sie wollten einmal von Friedrich fortgehen ...?
Vorlage S. 226
319
GENIA.
Vorlage S. 226
320
Ja, das wollt' ich ... Und ein anderes Mal hab' ich mich sogar umbringen wollen. Das ist freilich schon lange her. Vielleicht kommt's mir jetzt auch nur so vor, dass ich das – –
Vorlage S. 226
321
MAUER.
Vorlage S. 226
322
Gewiss ... Das hätten Sie nie und nimmer getan ... Schon um ihm keine Ungelegenheiten zu verursachen.
Vorlage S. 226
323
GENIA.
Vorlage S. 226
324
Halten Sie mich für so rücksichtsvoll? Das ist ein Irrtum, Doktor ... Es gab sogar eine Zeit, in der ich das Rücksichtsloseste vorhatte, was eine Frau einem Mann und besonders einem eiteln antun kann. Mich ... zu rächen.
Vorlage S. 226
325
MAUER.
Vorlage S. 226
326
Zu rächen?
Vorlage S. 226
327
GENIA.
Vorlage S. 226
328
Sagen wir zu revanchieren.
Vorlage S. 226
329
MAUER.
Vorlage S. 226
330
Ach so ... Das wäre jedenfalls das einfachste gewesen. Und hätte vielleicht auch sonst manches für sich gehabt. Na, vielleicht kommt's noch. Es kann auch Ihnen einmal die Stunde des Schicksals schlagen, Frau Genia.
Vorlage S. 226
331
GENIA.
Vorlage S. 226
332
Und es müsste am Ende gar nicht die Stunde des Schicksals sein.
Vorlage S. 226
333
MAUER
Vorlage S. 226
334
ernst.
Vorlage S. 226
335
Bei Ihnen schon. Das ist es eben. Eigentlich schade. Mein Gerechtigkeitsgefühl wehrt sich schon lange entschieden dagegen, dass gerade mein alter Freund Friedrich – nicht bezahlen sollte.
Vorlage S. 226
336
GENIA.
Vorlage S. 226
337
Und wer sagt Ihnen, lieber Doktor, dass Friedrich nicht bezahlt? Muss es denn gerade in gleicher Münze sein? Er bezahlt schon – in seiner Weise! Es geht ihm wirklich nicht so gut, wie Sie glauben. Auch nicht so gut, wie er selber manchmal glaubt. Zuweilen tut er mir geradezu leid. Wirklich, Doktor, manchmal denk' ich, es ist ein Dämon, der ihn so treibt.
Vorlage S. 226
338
MAUER.
Vorlage S. 227
339
Ein Dämon –? Na ja! ... aber es gibt Frauen, die ihren Herrn Gemahl samt dem Dämon zum Teufel jagten in einem solchen Fall ... Auf einen fragenden Blick Genias. wie es seinerzeit zum Beispiel die Mutter des Herrn Fähnrich mit ihrem doch auch ziemlich dämonischen Gemahl gemacht hat.
Vorlage S. 227
340
GENIA.
Vorlage S. 227
341
Vielleicht hat sie ihren Gatten mehr geliebt als ich den meinen. Vielleicht ist es überhaupt die höhere Art von Liebe, die nicht verzeiht.
Vorlage S. 227
342
FRIEDRICH HOFREITER
Vorlage S. 227
343
kommt.
Vorlage S. 227
344
Schlank, nicht sehr groß, schmales, feines Gesicht, dunkler Schnurrbart, englisch gestutzt; blondes grau meliertes, rechts gescheiteltes Haar. Er trägt Zwicker ohne Band, den er manchmal abnimmt; geht etwas nach vorn gebeugt. Kleine, ein wenig zusammengekniffene Augen. Liebenswürdige weiche, beinahe weichliche Art zu reden, die manchmal ins ironisch Bissige umschlägt. Seine Bewegungen sind geschmeidig, aber verraten Energie. Er ist mit Eleganz, ganz ohne Geckenhaftigkeit gekleidet; dunkler Sakkoanzug, darüber offener schwarzer Überzieher mit breitem Atlasrevers, runder schwarzer Hut, schlanker Regenschirm mit einfachem Griff. – Noch am Tor. Guten Abend. Im Hereinkommen. Servus Mauer. Mit einem eigentümlichen Lachen, das zu seinen Gewohnheiten gehört und das oft klingt, als wenn er sich über den Angeredeten lustig machen wollte.
Vorlage S. 227
345
MAUER.
Vorlage S. 227
346
Grüß' dich Gott, Friedrich. Steht auf.
Vorlage S. 227
347
FRIEDRICH
Vorlage S. 227
348
über die Stiege auf die Veranda, küßt Genia flüchtig auf die Stirn.
Vorlage S. 227
349
Guten Abend, Genia. Wie geht's? Gibt's was Neues? Briefe?
Vorlage S. 227
350
GENIA.
Vorlage S. 227
351
Gar nichts. Die Abendpost ist übrigens noch nicht da.
Vorlage S. 227
352
FRIEDRICH
Vorlage S. 227
353
sieht auf die Uhr.
Vorlage S. 227
354
Dreiviertel sieben. Den Briefträger sollt' man auch pensionieren. Von Jahr zu Jahr wird er langweiliger. Das lässt sich direkt beobachten. Vor drei Jahren war die Abendpost immer um halb sieben da. Jetzt selten vor halb acht. Wenn das so weitergeht, wird er nächstens um Mitternacht angetanzt kommen.
Vorlage S. 227
355
GENIA.
Vorlage S. 227
356
Willst du vielleicht noch einen Tee?
Vorlage S. 227
357
FRIEDRICH.
Vorlage S. 227
358
Dank' schön ... Ich hab' im Büro einen getrunken. Gut war er nicht. Also hat dir der Mauer ausgerichtet ...?
Vorlage S. 227
359
GENIA.
Vorlage S. 227
360
Ja ... Ist die Depesche aus Amerika gekommen?
Vorlage S. 227
361
FRIEDRICH.
Vorlage S. 227
362
Natürlich ... Und es ist so gut wie sicher, dass ich gegen Herbst hinübermuß.
Vorlage S. 227
363
GENIA.
Vorlage S. 227
364
Du wolltest ja einen Herrn aus dem Büro hinüberschicken.
Vorlage S. 227
365
FRIEDRICH.
Vorlage S. 227
366
Ah – ich muss ja doch alles selber machen. Willst mitfahren, Genia? Am 29. August von Liverpool, oder am 2. September von Hamburg. Norddeutscher Lloyd. Vom King James kenn' ich den Kapitän.
Vorlage S. 227
367
GENIA.
Vorlage S. 228
368
Wir sprechen uns noch bis dahin, nicht?
Vorlage S. 228
369
FRIEDRICH.
Vorlage S. 228
370
Ich hoffe das Vergnügen zu haben. Er setzt sich.
Vorlage S. 228
371
GENIA.
Vorlage S. 228
372
Es wird dir warm sein im Überzieher.
Vorlage S. 228
373
FRIEDRICH.
Vorlage S. 228
374
Nein, ich find' es eher kühl. Ein Wetter war das. Hat's auch hier so gegossen? Auf dem Friedhof war ein Quatsch! – Womit ich nicht die Reden gemeint habe. Sei froh, dass du nicht ... Wirklich, das sollt' endlich abgeschafft werden! Was die wieder zusammengeplauscht haben. – Pause. Na, Mauer, wie bist du denn herausgekommen? Nichts passiert? Wie seid's ihr denn gefahren? Zehn Kilometer die Stund', was? Auf mehr lasst du dich doch nicht ein.
Vorlage S. 228
375
MAUER.
Vorlage S. 228
376
Du kannst mich lang frotzeln. Ich trau' keinem Chauffeur. Ich bin ganz wie du, ich verlass' mich nur auf mich selber. In den letzten acht Tagen hab' ich wieder drei Verletzungen nach Automobilunfällen in Behandlung gekriegt.
Vorlage S. 228
377
FRIEDRICH.
Vorlage S. 228
378
Richtig, wie geht's denn dem Stanzides?
Vorlage S. 228
379
MAUER.
Vorlage S. 228
380
Für einen doppelt gebrochenen Arm gut genug. Ich will jetzt eben noch zu ihm hinschaun. Sehr ungeduldig ist er halt. Und er sollte eigentlich froh sein, dass er sich nicht das Genick gebrochen hat.
Vorlage S. 228
381
FRIEDRICH.
Vorlage S. 228
382
Ich auch, das vergisst du. Ich bin nämlich auch zehn Meter weit auf die Straße hinaus geflogen. – Aber es ist schon wahr, die Versicherungsgesellschaften werden bald keine Bekannten von mir annehmen wollen.
Vorlage S. 228
383
MAUER.
Vorlage S. 228
384
Du hast wirklich kein Glück mit deinen Freunden, wie das vor einer halben Stunde die Erna Wahl behauptet hat.
Vorlage S. 228
385
FRIEDRICH.
Vorlage S. 228
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So, die Erna ist dagewesen?
Vorlage S. 228
387
GENIA.
Vorlage S. 228
388
Ja, mit der Mutter. Sind eben in Begleitung des Herrn Fähnrich fortgegangen.
Vorlage S. 228
389
FRIEDRICH.
Vorlage S. 228
390
So, der Otto war auch da? ... Zu Mauer. Hast ihn gesehn?
Vorlage S. 228
391
MAUER.
Vorlage S. 228
392
Ja.
Vorlage S. 228
393
FRIEDRICH.
Vorlage S. 228
394
Wie g'fallt er dir denn eigentlich?
Vorlage S. 228
395
MAUER
Vorlage S. 228
396
etwas befremdet von der Frage.
Vorlage S. 228
397
Ein ganz netter Bursch.
Vorlage S. 228
398
FRIEDRICH.
Vorlage S. 228
399
Merkwürdig wie er an seinen Vater er innert! Dieselbe Couleur in Grau. Findest du nicht?
Vorlage S. 228
400
MAUER.
Vorlage S. 228
401
Möglich ... Der Doktor von Aigner war übrigens nie mein Fall. Zu viel Poseur für meinen Geschmack.
Vorlage S. 228
402
FRIEDRICH.
Vorlage S. 229
403
Ah, er hat nur Stil. Das verwechselt man oft. Auch schon lang her, dass ich ihn zuletzt gesehn hab'. Vor sieben Jahren. In Bozen. Erinnerst du dich, Genia?
Vorlage S. 229
404
GENIA.
Vorlage S. 229
405
Freilich. Zu Mauer. Mir hat er sehr gut gefallen.
Vorlage S. 229
406
FRIEDRICH.
Vorlage S. 229
407
Ja, er hat damals eine gute Zeit gehabt. Jedenfalls war er besser aufgelegt wie ich. Zu Mauer. Weißt, das war nämlich grad ein paar Tag', nachdem die Geschichte mit dem Bernhaupt passiert ist. Na und der Aigner ist damals gerade von einer Wahlreise zurückgekommen; sehr montiert; irgendwo war er angeschossen worden, in einem südtirolischen Nest, von Irredentisten, darauf hat er natürlich von den Deutschen riesige Ovationen bekommen ... nebstbei hat er jeden Tag zwei bis drei Reden zu halten gehabt ...
Vorlage S. 229
408
MAUER.
Vorlage S. 229
409
Reden! Ja! Das war immer sein Fall. Schon damals als Präsident des Touristenklubs, wie ich im Ausschuß war. Na, und gar jetzt als Abgeordneter ... Da hat er reichlich Gelegenheit!
Vorlage S. 229
410
FRIEDRICH.
Vorlage S. 229
411
Ah, er redt nicht nur; – er tut auch was fürs Land. Die neuen Dolomitenstraßen wären ohne ihn nie gebaut worden. Und diese Riesenhotels und die Automobilverbindungen, eigentlich alles sein Werk! Und nebstbei hat er in jedem Tiroler Dorf mindestens ein Kind. Auch außerhalb seines Wahlkreises.
Vorlage S. 229
412
MAUER.
Vorlage S. 229
413
Also gut, sagen wir, er hat Stil. Aber ich muss jetzt gehn. Der Stanzides wird mich schon erwarten. –
Vorlage S. 229
414
FRIEDRICH.
Vorlage S. 229
415
Grüß' ihn schon von mir. Ich schau' vielleicht morgen zu ihm hinauf. Zum Nachtmahl kommst du doch wieder her?
Vorlage S. 229
416
MAUER.
Vorlage S. 229
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Ich weiß nicht.
Vorlage S. 229
418
FRIEDRICH.
Vorlage S. 229
419
Aber selbstverständlich.
Vorlage S. 229
420
MAUER
Vorlage S. 229
421
zögernd.
Vorlage S. 229
422
Danke. Ich fahr' doch lieber mit dem zehn Uhr zwanzig Zug hinein. Ich hab' morgen früh im Spital zu tun.
Vorlage S. 229
423
FRIEDRICH.
Vorlage S. 229
424
Bist du abergläubisch, Mauer?
Vorlage S. 229
425
MAUER.
Vorlage S. 229
426
Warum denn?
Vorlage S. 229
427
FRIEDRICH.
Vorlage S. 229
428
Na, ich hab' gedacht, vielleicht willst du nicht im Fremdenzimmer schlafen, weil der arme Korsakow vor acht Tagen oben übernachtet hat. Aber ich glaube nicht, dass die Toten schon in der ersten Nacht Ausgang kriegen zum Erscheinen.
Vorlage S. 229
429
MAUER.
Vorlage S. 229
430
Wenn man dich so reden hört ...!
Vorlage S. 229
431
FRIEDRICH
Vorlage S. 229
432
plötzlich ernst.
Vorlage S. 229
433
Kinder, es ist doch scheußlich! Vor acht Tagen hat er da oben geschlafen, und am Abend vorher hat er noch Klavier gespielt da drin – Chopin – das cis moll-Nocturno – und was von Schumann –, und da auf der Veranda sind wir gesessen, der Otto war auch dabei und das Natternpaar, – wer von uns hätt sich das träumen lassen! – Wenn man nur eine Ahnung hätte, warum? Na, Genia, – hat er dir auch nichts g'sagt?
Vorlage S. 229
434
GENIA.
Vorlage S. 230
435
Mir? ...
Vorlage S. 230
436
FRIEDRICH
Vorlage S. 230
437
ohne Genias Haltung Bedeutung beizulegen.
Vorlage S. 230
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Plötzliche Sinnesverwirrung, sagen die Leute. Aber es soll uns erst einer sagen, was das heißt: Plötzliche Sinnesverwirrung. Na, Mauer, möchtest du mir's vielleicht erklären?
Vorlage S. 230
439
MAUER.
Vorlage S. 230
440
Erstens bin ich kein Psychiater – und zweitens wunder' ich mich nie, wenn sich wer umbringt. Wir sind alle so oft nahe daran. Ich hab' mich einmal umbringen wollen, mit vierzehn Jahren, weil mich ein Professor ins Klassenbuch geschrieben hat.
Vorlage S. 230
441
FRIEDRICH.
Vorlage S. 230
442
In einem solchen Falle hätt' ich lieber den Professor umgebracht ... Nur wäre ich dann ein Massenmörder geworden.
Vorlage S. 230
443
MAUER.
Vorlage S. 230
444
Ich bitt' dich, ein Künstler! Die sind alle mehr oder weniger anormal. Schon dass sie sich so wichtig nehmen. Der Ehrgeiz an und für sich ist ja eine Geistesstörung. Dieses Spekulieren auf die Unsterblichkeit! Und die reproduzierenden Künstler, die haben's gar schlecht. Sie mögen so groß sein, wie sie wollen, es bleibt doch nichts übrig als der Name und nichts von dem, was sie geleistet haben. Ich glaub' schon, dass einen das verrückt machen kann.
Vorlage S. 230
445
FRIEDRICH.
Vorlage S. 230
446
Aber was redst denn! Du hast ihn ja nicht gekannt. Ihr habt ihn ja alle nicht gekannt. Ehrgeiz ... Der? – Dazu war er ja viel zu gescheit! Zu philosophisch könnt' man sagen. Die Klavierspielerei war ihm in Wirklichkeit Nebensache. Habt ihr denn eine Ahnung, für was alles der sich interessiert hat? Den Kant und den Schopenhauer und den Nietzsche hat er im kleinen Finger gehabt, und den Marx und den Proudhon gleichfalls. Es war ja fabelhaft. Ich weiß schon, wen ich mir aussuch' zum Konversieren ... Und dabei täglich sechs Stunden üben! Wo er nur die Zeit zu dem allen hergenommen hat? – Und siebenundzwanzig Jahre! Und bringt sich um. Herr Gott, was hat so ein Kerl noch alles vor sich gehabt. Jung und berühmt, ganz hübsch obendrein – und schießt sich tot. Wenn das ein alter Esel tut, dem das Leben nichts mehr bieten kann ... Aber grad die ... Na. – Und noch am Abend vorher sitzt man zusammen mit so einem Menschen, beim Nachtmahl – und spielt Billard mit ihm ... Was ist denn, Genia? Was ist denn da zum Lachen?
Vorlage S. 230
447
GENIA.
Vorlage S. 231
448
Ich hab' die Geschichte eben der Frau Wahl erzählt. Sie hat sich sofort erkundigt, wo die Zigarren hingekommen sind, die du ihm am nächsten Tag geschickt hast.
Vorlage S. 231
449
FRIEDRICH.
Vorlage S. 231
450
Ha! ... Die ist doch unbezahlbar. Nimmt eine Zigarrentasche herauf offeriert dem Mauer. Du bist ja nicht abergläubisch. Ich rauch' grad auch eine. Der Franz hat sie mir natürlich zurückgebracht.
Vorlage S. 231
451
MAUER.
Vorlage S. 231
452
Danke. Es ist eigentlich schad' drum vor dem Nachtmahl. Nimmt sie.
Vorlage S. 231
453
FRIEDRICH
Vorlage S. 231
454
gibt ihm Feuer.
Vorlage S. 231
455
STUBENMÄDCHEN
Vorlage S. 231
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kommt mit Briefen.
Vorlage S. 231
457
GENIA
Vorlage S. 231
458
nimmt sie ihr am der Hand.
Vorlage S. 231
459
Eine Karte von Percy.
Vorlage S. 231
460
FRIEDRICH.
Vorlage S. 231
461
Dear mother. An dich. Schon wieder nur eine Karte. So ein fauler Strick.
Vorlage S. 231
462
MAUER.
Vorlage S. 231
463
Was soll denn ein dreizehnjähriger Bursch Briefe schreiben. Und gar noch englisch.
Vorlage S. 231
464
FRIEDRICH.
Vorlage S. 231
465
Kann er grad so gut wie deutsch.
Vorlage S. 231
466
MAUER.
Vorlage S. 231
467
Also auf Wiedersehn. In einer halben Stunde bin ich wieder da. Die Zigarre hat übrigens wirklich keine Luft. Das ist kein Aberglaube. Bleib nur. Ab.
Vorlage S. 231
468
Friedrich, Genia.
Vorlage S. 231
469
FRIEDRICH.
Vorlage S. 231
470
Ja, es war ganz gut, dass du nicht hineingefahren bist, Genia. Die Reden ... und das Wetter dazu. Er sieht die Briefschaften und die Zeitungen flüchtig durch. Übrigens, wie man den Sarg in die Erde gesenkt hat, ist plötzlich die Sonne hervorgekommen. – Pause. Ist heut nicht Donnerstag? Heut hätt' er ja bei uns nachtmahlen sollen. Das muss man dem Mauer auch noch sagen ... Geh, lass mich doch die Karte von Percy anschaun.
Vorlage S. 231
471
GENIA
Vorlage S. 231
472
reicht sie ihm.
Vorlage S. 231
473
In vier Wochen ist er da.
Vorlage S. 231
474
FRIEDRICH
Vorlage S. 231
475
lesend.
Vorlage S. 231
476
Ja. Also die beste griechische Aufgabe. Na, auch nicht schlecht. Vielleicht wird er Philoiog oder Archäolog. Hast du übrigens gestern im Daily Telegraph den Artikel über die neuen Ausgrabungen in Kreta gelesen?
Vorlage S. 231
477
GENIA.
Vorlage S. 232
478
Nein.
Vorlage S. 232
479
FRIEDRICH.
Vorlage S. 232
480
Sehr interessant. Da müsste man eigentlich auch einmal hin. Ja. Pause.
Vorlage S. 232
481
GENIA.
Vorlage S. 232
482
Was du da früher von Amerika gesagt hast, – ist das dein Ernst?
Vorlage S. 232
483
FRIEDRICH.
Vorlage S. 232
484
Natürlich. Na, hättest du keine Lust, Genia? In New York selbst hätt' ich nicht lang zu tun. Aber dafür auch in Chicago und in Washington, und St. Louis ... Und ich finde, es wäre unverantwortlich, wenn man bei dieser Gelegenheit nicht weiter rutschte; – hinüber bis nach San Francisco. Erinnerst du dich, wie uns der arme Korsakow von seiner Tournee durch Kalifornien erzählt hat? Es muss schon prachtvoll sein.
Vorlage S. 232
485
GENIA.
Vorlage S. 232
486
Das wäre ja dann eine Reise von ein paar Monaten.
Vorlage S. 232
487
FRIEDRICH.
Vorlage S. 232
488
Ja, wenn bis dahin hier alles in Gang gebracht ist, insbesondere der Neubau, dann könnte man die Reise wohl bis zum Frühjahr ausdehnen ... Na, überleg's dir.
Vorlage S. 232
489
GENIA
Vorlage S. 232
490
schüttelt langsam den Kopf.
Vorlage S. 232
491
FRIEDRICH.
Vorlage S. 232
492
Hast Angst vor der Seefahrt? Ich bitt' dich, jetzt auf den neuen Schiffen! Und übrigens ist soeben wieder ein vollkommen sicheres Mittel gegen Seekrankheit erfunden worden. Vibrationselektrizität.
Vorlage S. 232
493
GENIA.
Vorlage S. 232
494
Ich glaub' nicht, dass ich mich entschließen werde. Trotz der Vibrationselektrizität. Aber eine andere Idee hätt' ich ...
Vorlage S. 232
495
FRIEDRICH.
Vorlage S. 232
496
Und zwar?
Vorlage S. 232
497
GENIA.
Vorlage S. 232
498
Während du drüben bist, möcht' ich in England bleiben – beim Percy.
Vorlage S. 232
499
FRIEDRICH
Vorlage S. 232
500
sieht sie von der Seite an.
Vorlage S. 232
501
Hm. Du hättest nicht viel von ihm.
Vorlage S. 232
502
GENIA.
Vorlage S. 232
503
Er könnte ja während der Zeit als Externist weiterstudieren. Grad so wie die Buben von meiner Schwester, der Mary. Und ich könnte mit ihm zusammenwohnen.
Vorlage S. 232
504
FRIEDRICH.
Vorlage S. 232
505
Was sind denn das ... wie kommst du denn so plötzlich auf diese Idee ...?
Vorlage S. 232
506
GENIA.
Vorlage S. 232
507
Nicht so plötzlich. Ich habe erst neulich mit dir davon gesprochen. – Erinner' dich nur. Und da du doch entschlossen scheinst, ihn noch ein paar Jahre drüben zu lassen ...
Vorlage S. 232
508
FRIEDRICH.
Vorlage S. 232
509
Natürlich. Du siehst ja, wie famos er sich drüben entwickelt. Es wäre nichts als verdammter Egoismus, wenn wir ihn jetzt, mitten in seiner Ausbildung, wieder zurückholten, in unsern Kontinent, wo sie einen systematisch zu allerlei Sentimentalitäten und Brutalitäten erziehen, statt zum Golfspielen und Rudern.
Vorlage S. 232
510
GENIA.
Vorlage S. 233
511
Wenn nur die Sehnsucht nicht wäre ...
Vorlage S. 233
512
FRIEDRICH.
Vorlage S. 233
513
Ja, das muss man schon mit in den Kauf nehmen. Meinst du vielleicht, ich sehn' mich nicht nach ihm? Aber Sehnsucht ist meiner Ansicht nach ein sehr gesundes Element in der Ökonomie der Seele. Sehnsucht hat die Eigenschaft, menschliche Beziehungen zu verbessern. Ich finde überhaupt, man sollte die menschlichen Beziehungen mehr auf Sehnsucht einrichten als auf Gewohnheit. Übrigens können wir ihn ja jedenfalls hinüberbegleiten nach England, und du kannst dich dann noch immer entscheiden, ob du mit mir fahren oder beim Buben bleiben willst über den Winter.
Vorlage S. 233
514
GENIA.
Vorlage S. 233
515
Es wäre mir lieber, wenn du die Sache schon heute als meinen festen Entschluss ansähst.
Vorlage S. 233
Johannes Vermeer – Briefleserin in Blau, um 1663. Vergleichsbild zum Motiv des Lesens und Briefeschreibens, keine konkrete Buchszene.
Kontextbild zum Werk. Briefleserin in Blau · Johannes Vermeer · Public domain Bildquelle ↗
516
FRIEDRICH.
Vorlage S. 233
517
Als deinen Entschluss?
Vorlage S. 233
518
GENIA.
Vorlage S. 233
519
Ich hätte ja noch allerlei zu besorgen, eh' ich nach England fahre. Von heute auf morgen lässt sich doch so eine Übersiedlung nicht bewerkstelligen.
Vorlage S. 233
520
FRIEDRICH.
Vorlage S. 233
521
Übersiedlung?
Vorlage S. 233
522
GENIA.
Vorlage S. 233
523
Nenn's, wie du willst.
Vorlage S. 233
524
FRIEDRICH.
Vorlage S. 233
525
Ja, was hast du denn, Genia? Du bist ja geradezu sonderbar?
Vorlage S. 233
526
GENIA.
Vorlage S. 233
527
Was ist denn daran sonderbar? Dass eine Mutter ... dass man seinen einzigen Sohn ... Wenn er um ein paar Jahre älter ist, hab' ich ja überhaupt nichts mehr von ihm. Im Sommer zwei Monate, und zu Weihnachten acht Tage und zu Ostern, – das ist doch zu wenig. Ich hab' lang genug gekämpft, – ich kann einfach nicht mehr.
Vorlage S. 233
528
FRIEDRICH.
Vorlage S. 233
529
Du, Genia, man könnte beinahe den Eindruck gewinnen, als wenn's dir nicht so sehr darauf ankäme, einige Zeit bei deinem Sohn zu verbringen, als von deinem ... als von hier abzufahren.
Vorlage S. 233
530
GENIA.
Vorlage S. 233
531
Sonderlich vermissen wirst du mich wohl nicht, denk' ich ... Aber wozu darüber reden. Sie steht auf.
Vorlage S. 233
532
FRIEDRICH.
Vorlage S. 233
533
Was ist denn?
Vorlage S. 233
534
GENIA.
Vorlage S. 233
535
Nichts. In den Garten hinunter geh' ich. Über die Stufen hinab.
Vorlage S. 233
536
FRIEDRICH
Vorlage S. 233
537
sieht ihr nach.
Vorlage S. 233
538
GENIA
Vorlage S. 233
539
langsam längs der Wiese nach rückwärts.
Vorlage S. 233
540
FRIEDRICH
Vorlage S. 233
541
von der Veranda herunter, noch im Überzieher, den Hut hat er oben gelassen, bleibt an einem Rosenstrauch stehen.
Vorlage S. 233
542
Riecht daran. Die haben heuer überhaupt keinen Duft mehr. Ich weiß nicht, was das ist. Jedes Jahr schaun sie üppiger aus, aber das Duften haben sie sich ganz abgewöhnt.
Vorlage S. 234
543
GENIA
Vorlage S. 234
544
langsam nach rückwärts, Hände auf dem Rücken.
Vorlage S. 234
545
FRIEDRICH
Vorlage S. 234
546
nach einer Pause.
Vorlage S. 234
547
Du, – Genia.
Vorlage S. 234
548
GENIA.
Vorlage S. 234
549
Was?
Vorlage S. 234
550
FRIEDRICH.
Vorlage S. 234
551
Na, wenn du bei mir angelangt bist.
Vorlage S. 234
552
GENIA
Vorlage S. 234
553
langsam näher.
Vorlage S. 234
554
Da bin ich.
Vorlage S. 234
555
FRIEDRICH.
Vorlage S. 234
556
Du, Genia, sag' einmal. Fasst sie ins Auge, ganz ruhig. Solltest du vielleicht doch wissen, warum sich der Korsakow erschossen hat?
Vorlage S. 234
557
GENIA
Vorlage S. 234
558
ruhig.
Vorlage S. 234
559
Was soll denn diese Frage bedeuten? Du weißt, ich bin nicht weniger erstaunt gewesen als du.
Vorlage S. 234
560
FRIEDRICH.
Vorlage S. 234
561
Man hatte allerdings den Eindruck. Also sag', warum willst du denn fort von mir ... so von heut auf morgen?
Vorlage S. 234
562
GENIA.
Vorlage S. 234
563
Ich will nicht fort von dir. Zu Percy will ich. Und nicht von heut auf morgen, sondern im Herbst. Mit Percy zusammen.
Vorlage S. 234
564
FRIEDRICH.
Vorlage S. 234
565
Ja, sonst wär' es wohl zu auffallend.
Vorlage S. 234
566
GENIA.
Vorlage S. 234
567
Was wäre auffallend?
Vorlage S. 234
568
FRIEDRICH.
Vorlage S. 234
569
Da säh's ja beinahe aus wie eine Flucht.
Vorlage S. 234
570
GENIA.
Vorlage S. 234
571
Flucht? Flucht vor dir! Das hab' ich wohl nicht notwendig. Wir sind ja weit genug voneinander, auch daheim! – Pause.
Vorlage S. 234
572
FRIEDRICH.
Vorlage S. 234
573
Du Genia! – Er ist ja tot und begraben, – der Herr Alexei Korsakow ...
Vorlage S. 234
574
GENIA.
Vorlage S. 234
575
Was willst du denn immer von ihm?
Vorlage S. 234
576
FRIEDRICH.
Vorlage S. 234
577
Ruhig, mein Kind, nur ruhig! ... Ich will damit nur sagen, es kann ihm nicht das geringste mehr ... Es würde ihm natürlich auch nichts geschehn, wenn er noch auf der Welt wäre, so wenig wie dir ... Aber du wirst doch zugestehn, diese Auseinandersetzung zwischen uns bekommt ein eigentümliches Cachet ... nein, das ist nicht das richtige Wort ... also ich will nur sagen, dass dieses Gespräch gerade heute stattfindet, dass gerade heute, an dem Tag, da der Herr Korsakow begraben wurde, deine Stimmung so eigentümlich ... Wenn ich auch ein Ehemann bin, Genia, ich bin ja kein Trottel. Also, dass da irgend etwas nicht stimmt, dafür leg' ich meine Hand ins Feuer. Also – was ist gewesen zwischen euch?
Vorlage S. 234
578
GENIA.
Vorlage S. 235
579
Ich schau' dich nur an.
Vorlage S. 235
580
FRIEDRICH.
Vorlage S. 235
581
Ja, das merk' ich. Aber du wirst zugeben, eine Antwort ist das nicht. Du solltest mich auch nicht mißverstehn, Genia. Es muss ja nichts Wirkliches vorgefallen sein, zwischen dir und Korsakow. Es war vielleicht nur ein Flirt. Ja. Denn, wenn es etwas andres gewesen wäre, hätte er sich nicht zu erschießen brauchen. Außer Lauernd. es ist doch mehr gewesen – und du hast ihn – – – in Gnaden entlassen. Er spricht immer ganz ruhig, nimmt sie aber jetzt beim Arm.
Vorlage S. 235
582
GENIA
Vorlage S. 235
583
beinahe lächelnd.
Vorlage S. 235
584
Eine Eifersuchtsszene?! – Aber! ... Du solltest wirklich was für deine Nerven tun, Friedrich. Ich weiß nicht ... aber ich kann ja nichts dafür, dass es zwischen dir und Adele Natter zu Ende ist, – und dass noch keine Nachfolgerin da zu sein scheint.
Vorlage S. 235
585
FRIEDRICH.
Vorlage S. 235
586
Ah, du bist ja sehr gut informiert. Na, ich will vorläufig nicht untersuchen, von welcher Seite dir diese Wissenschaft kommt, – übrigens kann ich wirklich nichts dafür, dass du mich nie direkt um was gefragt hast; – ich hätte dir nichts abgeleugnet. Keinesfalls hätte ich dir erwidert, du sollst etwas für deine Nerven tun. Das ist überhaupt ... das sieht dir nicht einmal ähnlich. Ich versteh' dich eigentlich gar nicht. Du solltest mich doch besser kennen. Ich weiß wahrhaftig nicht, warum du dastehst wie eine Bildsäule, statt mir vernünftig zu antworten ... Mir scheint, du traust mir nicht, Genia? ... Du denkst dir, man kann bei ihm nicht wissen? ... Aber ich versichere dich, Genia – halt das nicht für Hinterlist – ich würde es vollkommen begreifen. Du hättest ja schließlich nur Recht gehabt – ob's nun Alexei war oder ... na, über den Geschmack kann man ja nicht streiten. Aber bekanntlich richtet sich in einem solchen Fall die Gattin selten nach dem Geschmack des Gemahls.
Vorlage S. 235
587
GENIA.
Vorlage S. 235
588
Warum verleugnest du ihn plötzlich? Du bist ja doch sein Freund gewesen. Heut beim Begräbnis sollst du ja sogar tief ergriffen gewesen sein.
Vorlage S. 235
589
FRIEDRICH.
Vorlage S. 235
590
Hat dir das auch der Mauer erzählt?
Vorlage S. 235
591
GENIA.
Vorlage S. 235
592
Das zufällig die Erna Wahl. Sie hätte dir nämlich gar nicht zugetraut, dass dir irgend etwas auf der Welt so nahe gehn kann.
Vorlage S. 235
593
FRIEDRICH.
Vorlage S. 235
594
Ah, Erna, die Menschenkennerin. Natürlich war ich ergriffen. Es tut mir so leid um ihn, wie's mir selten um wen leid getan hat. Und es tät' mir nicht weniger leid um ihn, wenn ich mit absoluter Sicherheit wüsste, dass du – seine Geliebte gewesen bist. Du kannst dir nämlich gar nicht vorstellen, wie – unwesentlich und nebensächlich gewisse Dinge für einen werden, wenn man grad vom Friedhof kommt. Das sag' ich nicht, um dich zu beruhigen, sondern weil's wahr ist. – Also gib endlich eine Antwort. Früher geb' ich ja keine Ruh'. Kannst auch lügen, aber antworten musst du. Ich werd' schon wissen, ob's wahr ist. Also ... ja oder nein? –
Vorlage S. 235
595
GENIA.
Vorlage S. 236
596
Er war nicht mein Geliebter. Er war leider nicht mein Geliebter. Ist dir das genug?
Vorlage S. 236
597
FRIEDRICH.
Vorlage S. 236
598
Ja, das ist mir genug. Denn jetzt weiß ich, dass er's war. Du hast dich nämlich selbst verraten! Merkst nicht? – Leider war er's nicht, hast du gesagt. Und da du ihn geliebt hast, warst du natürlich seine Geliebte. Was hätte dich daran hindern sollen? Und da du jetzt – Schluss gemacht hast, hat er sich eben umgebracht. Sehr einfach. Und warum du Schluss gemacht hast, das ist noch einfacher. Ich werd's dir sagen, warum: Weil solche Dinge eben ein Ende haben müssen. Besonders, wenn es sich um so eine Geschichte handelt mit einem Menschen, der um ein paar Jahre jünger ist – und sich meistens auf Konzertreisen befindet. Und dann, der Percy kommt bald zurück, und da mag dich denn ein gewisses, wie soll ich sagen, Reinlichkeitsgefühl ... Na ... Eigentlich sehr anständig. Somit wäre alles ganz klar, bis auf die Idee mit der englischen Reise. Nein, eigentlich versteh' ich auch das ganz gut. Schließlich, wenn die Sache auch zu Ende war für dich, – dieser Abschluss ... Ja, sogar, wenn du ihn nicht sehr leidenschaftlich geliebt hast – oder hättest ...
Vorlage S. 236
599
GENIA.
Vorlage S. 236
600
Bemüh' dich nicht weiter. Da lies. Sie zieht einen Brief aus ihrem Gürtel.
Vorlage S. 236
601
FRIEDRICH.
Vorlage S. 236
602
Was soll ich ...?
Vorlage S. 236
603
GENIA.
Vorlage S. 236
604
Lies.
Vorlage S. 236
605
FRIEDRICH.
Vorlage S. 236
606
Was ist ... Ein Brief? Von ihm ein Brief? An dich ein Brief von ihm? – Ah, behalt ihn. Ich will ihn nicht. Das säh' ja aus ... Ich danke. Wenn es nicht deine Absicht war, mir diesen Brief zu zeigen, – so behalt ihn dir freundlichst!
Vorlage S. 236
607
GENIA.
Vorlage S. 236
608
Lies!
Vorlage S. 236
609
FRIEDRICH.
Vorlage S. 236
610
Warum soll ich ihn denn lesen? Du kannst mir ja sagen, was drin steht. Ist er nicht vielleicht russisch? Und die kleine Schrift. Da verdirbt man sich ja die Augen.
Vorlage S. 236
611
GENIA.
Vorlage S. 236
612
Lies.
Vorlage S. 236
613
FRIEDRICH
Vorlage S. 237
614
auf die Veranda.
Vorlage S. 237
615
Er dreht das Licht auf, Wandarm stellt sich darunter setzt den Zwicker auf, beginnt für sich zu lesen.
Vorlage S. 237
616
GENIA
Vorlage S. 237
617
folgt ihm langsam, bleibt auf der untersten Stufe stehn.
Vorlage S. 237
618
FRIEDRICH
Vorlage S. 237
619
lesend.
Vorlage S. 237
620
»Leben Sie wohl, Genia.« Liest für sich weiter. Blickt auf zu ihr, erstaunt. Was? Du hast keine Ahnung gehabt, dass er ... Wann hast du denn den Brief bekommen?
Vorlage S. 237
621
GENIA.
Vorlage S. 237
622
Eine Stunde, bevor du mir die Nachricht gebracht hast, dass er tot ist.
Vorlage S. 237
623
FRIEDRICH.
Vorlage S. 237
624
Du hast's also schon gewusst, wie ich nach Haus gekommen bin? Man ist doch ... Also auf die Gefahr hin, dass du mich für einen Idioten hältst, ich hab' dir nichts angemerkt, nicht das geringste ... Liest weiter für sich, dann schaut er wieder wie überrascht auf, dann liest er halblaut. »Sie hatten ja vielleicht recht, dass Sie sich meinem vermeßnen Wunsch versagten. Wir waren beide nicht geschaffen in Lüge ... Ich vielleicht; Sie nicht ... trotz allem ...« Trotz allem ... Du hast dich wohl sehr beklagt über mich?
Vorlage S. 237
625
GENIA
Vorlage S. 237
626
fragender Blick.
Vorlage S. 237
627
FRIEDRICH
Vorlage S. 237
628
lesend.
Vorlage S. 237
629
»Dass Sie Ihn« – mit großem I, sehr schmeichelhaft – »dass Sie Ihn nicht verlassen wollen, trotz allem, das versteh' ich in dieser Stunde. Sie lieben ihn, Genia, Sie lieben Ihren Gatten noch immer, das ist die Lösung des Geheimnisses. Und vielleicht ist das, was ich mit dem törichten Wort« ... das kann ich absolut nicht lesen ...
Vorlage S. 237
630
GENIA.
Vorlage S. 237
631
»Was ich mit dem törichten Wort Treue bezeichne« ...
Vorlage S. 237
632
FRIEDRICH.
Vorlage S. 237
633
Ah, du kennst ihn ja auswendig. »Was ich mit dem törichten Wort Treue bezeichne, nichts als die Hoffnung, dass er Ihnen doch einmal zurückkehrt.«
Vorlage S. 237
634
GENIA.
Vorlage S. 237
635
Seine Auffassung. Du weißt, dass ich nichts hoffe – und nichts wünsche.
Vorlage S. 237
636
FRIEDRICH
Vorlage S. 237
637
sieht sie an; dann.
Vorlage S. 237
638
»Als ich Sie gestern sprach, war ich schon entschlossen« Gestern? ... War er denn am Sonntag da? Ja, richtig, ihr seid in der Allee hinten auf und ab gegangen miteinander ... ja ... Liest. »Als ich Sie gestern sprach, war ich schon fest entschlossen, alles weitere von Ihrem ja oder nein abhängig zu machen. Ich habe Ihnen ja nichts davon gesagt, denn ich fürchtete, wenn Sie geahnt hätten, dass es mir vollkommen unmöglich ist, ohne Sie weiterzuleben ...« Etwas ausführlich schreibt er, der Herr Alexei Iwanowitsch ... Musik vom Kurpark her, gedämpft. »Ich wollte mein Glück nicht einem Zwang, nicht einer Art von Erpressung verdanken. Darum« ... Hättest du ja gesagt, wenn du gewusst hättest, dass es um Leben und Tod geht?
Vorlage S. 237
639
GENIA.
Vorlage S. 238
640
Wenn ich gewusst hätte ...? Wie kann man sich so was ... Ich hätt's ja nicht geglaubt. Das hätt' ich ja doch nicht geglaubt.
Vorlage S. 238
641
FRIEDRICH.
Vorlage S. 238
642
Ich will dich anders fragen.
Vorlage S. 238
643
PAUL KREINDL
Vorlage S. 238
644
elegant, jung, angestrengt fesch, erscheint am Tor.
Vorlage S. 238
645
Guten Abend! Küss' die Hand, gnädige Frau.
Vorlage S. 238
646
FRIEDRICH.
Vorlage S. 238
647
Wer ist denn? ... Ah, Paul, Sie! Herunter.
Vorlage S. 238
648
PAUL.
Vorlage S. 238
649
Bitte. Er tritt näher. Ich will nicht stören. Ich komme nämlich als Abgesandter aus dem Kurpark; von Frau Wahl und Fräulein Erna und Herrn Fähnrich von Aigner und dem Herrn Oberleutnant Stanzides ...
Vorlage S. 238
650
FRIEDRICH.
Vorlage S. 238
651
Der geht schon aus?
Vorlage S. 238
652
PAUL.
Vorlage S. 238
653
Ob die Herrschaften nicht auch zur Musik kommen möchten?
Vorlage S. 238
654
GENIA.
Vorlage S. 238
655
Wir danken sehr, aber wir haben einen Gast zum Nachtmahl, den Doktor Mauer.
Vorlage S. 238
656
PAUL.
Vorlage S. 238
657
So bringen Sie ihn doch mit, gnä' Frau!
Vorlage S. 238
658
FRIEDRICH.
Vorlage S. 238
659
Sie bleiben ja gewiss alle lang im Park.
Vorlage S. 238
660
PAUL.
Vorlage S. 238
661
Bis ausgelöscht wird.
Vorlage S. 238
662
FRIEDRICH.
Vorlage S. 238
663
Also schön, – vielleicht kommen wir nach ... ohne Verpflichtung.
Vorlage S. 238
664
GENIA.
Vorlage S. 238
665
Wir lassen jedenfalls bestens danken.
Vorlage S. 238
666
PAUL.
Vorlage S. 238
667
O bitte. Man würde allerseits sehr beglückt sein. Küss' die Hand, gnädige Frau, adieu, Herr Hofreiter, bitte tausendmal um Entschuldigung, wenn ich gestört habe. Geht.
Vorlage S. 238
668
Friedrich und Genia im Garten.
Vorlage S. 238
669
Pause.
Vorlage S. 238
670
FRIEDRICH.
Vorlage S. 238
671
Ich will dich anders fragen. Ich meine: Wenn du ihn von den Toten wieder aufwecken könntest, – dadurch, dass du dich bereit erklärtest ... seine Geliebte zu werden.
Vorlage S. 238
672
GENIA.
Vorlage S. 238
673
Ich weiß nicht.
Vorlage S. 238
674
FRIEDRICH.
Vorlage S. 238
675
Du, vergisst, was du früher gesagt hast. »Er war leider nicht mein Geliebter«. Wenn du selbst es bedauerst, dass du's nicht warst, so kann doch nicht so viel dazu gefehlt haben. Und jetzt zweifelst du daran, dass du seine Geliebte würdest, selbst wenn du ihn damit wieder von den Toten ... Warum gibst du's nicht zu? Er hätte nur noch ein paar Tage Geduld haben müssen, dann wärst du doch ... du hast ihn ja geliebt.
Vorlage S. 238
676
GENIA.
Vorlage S. 239
677
Nicht genug, wie du siehst.
Vorlage S. 239
678
FRIEDRICH.
Vorlage S. 239
679
Du sprichst das aus, als wenn du mir einen Vorwurf ... Ich kann ja nichts dafür.
Vorlage S. 239
680
GENIA.
Vorlage S. 239
681
Nur ich. Ich weiß.
Vorlage S. 239
682
FRIEDRICH.
Vorlage S. 239
683
Und jetzt bereust du ... dass du ... ihn in den Tod getrieben hast?
Vorlage S. 239
684
GENIA.
Vorlage S. 239
685
Es tut mir sehr weh, dass er gestorben ist. Aber zu bereuen, zu bereuen hab' ich doch nichts?! Hätt' er mir gesagt, was er vorhat – hätt' er mir ... Oh, ich hätt' ihn schon zur Vernunft gebracht ...
Vorlage S. 239
686
FRIEDRICH.
Vorlage S. 239
687
Wie denn –?
Vorlage S. 239
688
GENIA.
Vorlage S. 239
689
Ich hätt' ihm das Wort abgenommen ...
Vorlage S. 239
690
FRIEDRICH.
Vorlage S. 239
691
Was denn? Aber red' nicht! Du hättest ihm kein Wort abgenommen; – du wärst einfach seine Geliebte geworden ... selbstverständlich.
Vorlage S. 239
692
GENIA.
Vorlage S. 239
693
Ich glaub' nicht.
Vorlage S. 239
694
FRIEDRICH.
Vorlage S. 239
695
Aber ich bitt' dich!
Vorlage S. 239
696
GENIA.
Vorlage S. 239
697
O, nicht deinetwegen. Nicht einmal wegen Percy.
Vorlage S. 239
698
FRIEDRICH.
Vorlage S. 239
699
Ja, warum?
Vorlage S. 239
700
GENIA.
Vorlage S. 239
701
Um meinetwillen!
Vorlage S. 239
702
FRIEDRICH.
Vorlage S. 239
703
Das versteh' ich nicht.
Vorlage S. 239
704
GENIA.
Vorlage S. 239
705
Ich hätt' nicht können. Weiß Gott warum. Ich hätt' nicht können. Pause.
Vorlage S. 239
706
FRIEDRICH.
Vorlage S. 239
707
Da hast deinen Brief, Genia.
Vorlage S. 239
708
GENIA
Vorlage S. 239
709
nimmt ihn.
Vorlage S. 239
710
Mauer kommt.
Vorlage S. 239
711
MAUER.
Vorlage S. 239
712
Guten Abend, meine Herrschaften. Ich hab' euch hoffentlich nicht zu lange warten lassen.
Vorlage S. 239
713
FRIEDRICH
Vorlage S. 239
714
ihm entgegen.
Vorlage S. 239
715
Servus, Mauer. Na, dem Stanzides scheint's ja schon sehr gut zu gehn. Er sitzt im Kurpark bei der Musik.
Vorlage S. 239
716
MAUER.
Vorlage S. 239
717
Ja, ich hab' ihn selber bis hin begleitet.
Vorlage S. 239
718
FRIEDRICH.
Vorlage S. 239
719
Der Paul Kreindl war g'rad da, wir sollen auch nach dem Nachtmahl hinkommen.
Vorlage S. 239
720
GENIA.
Vorlage S. 239
721
Ich will sehen, ob noch nicht ...
Vorlage S. 239
722
FRIEDRICH.
Vorlage S. 239
723
Du, Genia, ich hätt' eine Idee ... Gehn wir doch gleich hinüber in den Park. Weiß der Teufel, ich hab' so eine Lust auf Musik und viel Leut'. Dir ist's doch egal, Mauer, was?
Vorlage S. 239
724
MAUER.
Vorlage S. 239
725
Mir? Es kommt nur auf deine Frau an.
Vorlage S. 239
726
GENIA.
Vorlage S. 240
727
Ich will euch nicht stören, aber ich für meine Person möcht' lieber zu Haus bleiben.
Vorlage S. 240
728
FRIEDRICH.
Vorlage S. 240
729
Nein, das hat keinen Sinn. Komm nur mit, Genia, es wird dir auch ganz gut tun.
Vorlage S. 240
730
GENIA.
Vorlage S. 240
731
Ich müsst' mich umkleiden ...
Vorlage S. 240
732
FRIEDRICH.
Vorlage S. 240
733
So kleid' dich halt um, wir warten indes da im Garten.
Vorlage S. 240
734
GENIA.
Vorlage S. 240
735
Liegt dir so viel daran?
Vorlage S. 240
736
FRIEDRICH
Vorlage S. 240
737
zu Mauer.
Vorlage S. 240
738
Was sagst du?! Nervös. Also bleiben wir alle schön zu Haus ... Schluss.
Vorlage S. 240
739
GENIA.
Vorlage S. 240
740
Ich komm' gleich ... Ich setz' nur meinen Hut auf. Ab.
Vorlage S. 240
741
Mauer, Friedrich.
Vorlage S. 240
742
FRIEDRICH
Vorlage S. 240
743
nach einer Pause.
Vorlage S. 240
744
Ja, lieber Mauer, ja, ja ...
Vorlage S. 240
745
MAUER.
Vorlage S. 240
746
Ich begreif' dich eigentlich nicht .... Das muss doch einer Hausfrau unangenehm sein.
Vorlage S. 240
747
FRIEDRICH.
Vorlage S. 240
748
Na, im Kurpark kriegst du auch ganz gut zu essen. Pause. Übrigens – dass du heute hineinfahrst, ist vielleicht doch ganz gut. – Die Chancen für Geistererscheinungen in diesem Haus haben sich nämlich beträchtlich gesteigert.
Vorlage S. 240
749
MAUER.
Vorlage S. 240
750
Was?
Vorlage S. 240
751
FRIEDRICH.
Vorlage S. 240
752
Du verdienst eigentlich mein Vertrauen nicht, weil du alles mögliche ausplauschst, sogar was ich dir nicht einmal erzählt hab' ...
Vorlage S. 240
753
MAUER.
Vorlage S. 240
754
Was heißt das?
Vorlage S. 240
755
FRIEDRICH.
Vorlage S. 240
756
Na, dass die Geschichte mit der Adele Natter aus ist, woher weiß die Genia das?
Vorlage S. 240
757
MAUER.
Vorlage S. 240
758
Du solltest froh sein, dass man einmal auch etwas Vernünftiges von dir erzählen kann.
Vorlage S. 240
759
FRIEDRICH.
Vorlage S. 240
760
Na, ob gerade das so besonders vernünftig war ... Ach Gott, Mauer, das Leben ist schon eine komplizierte Einrichtung! ... Aber interessant ... sehr interessant!
Vorlage S. 240
761
MAUER.
Vorlage S. 240
762
Was hast du denn früher gemeint mit den gesteigerten Chancen für Geistererscheinungen?
Vorlage S. 240
763
FRIEDRICH.
Vorlage S. 240
764
Ja so. – Na, was glaubst du, warum sich der Korsakow umgebracht hat? – Na, rat einmal!! – Aus unglücklicher Liebe – zu meiner Frau. Was, da schaust du?! Aus unglücklicher Liebe! ... Das gibt's! ... Einen Brief hat er ihr hinterlassen. Den hat sie mir zum Lesen gegeben ... Einen sehr merkwürdigen Brief ... gar nicht schlecht geschrieben ... für einen Russen!
Vorlage S. 240
765
GENIA
Vorlage S. 241
766
kommt mit Hut, Man hört jetzt die Musik wieder deutlicher.
Vorlage S. 241
767
Da bin ich. Also, lieber Doktor, jetzt will ich's Ihnen sagen: Nur Ihretwegen lass' ich unser gutes Nachtmahl im Stich. Die Erna ist nämlich im Kurpark ...
Vorlage S. 241
768
FRIEDRICH.
Vorlage S. 241
769
Ah? Die Erna! Zu Mauer. Ja, das wär' was. Na, Mauerl, nimm dich zusammen. Die gönn' ich nicht jedem. Obwohl sie mich, wie es scheint, für einen herzlosen Schuften hält, und mir nicht einmal zutraut, dass der Tod eines Freundes ...
Vorlage S. 241
770
Sie verlassen alle den Garten und treten auf die Straße.
Vorlage S. 241
771
Vorhang.
Vorlage S. 241

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Meine Mutter ist schon vor …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Es wäre mir eher ein […] Gedanke.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »Weil« in diesem Textausschnitt? »Ich werd's dir sagen, warum: Weil solche Dinge eben ein Ende haben müssen.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt verweist mit einer Zeitangabe ausdrücklich auf eine frühere Zeit? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Wie g'fallt er dir denn eigentlich?«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Er hat ja manchmal bis spät abends in der Stadt zu tun, und dann soupiert er immer im Imperial, – an einer Art Stammtisch – noch aus seinen Junggesellentagen.« B: »Und nebstbei hat er in jedem Tiroler Dorf mindestens ein Kind.« C: »Sie hätte dir nämlich gar nicht zugetraut, dass dir irgend etwas auf der Welt so nahe gehn kann.«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Meinst du vielleicht, ich …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »Obwohl« in diesem Textausschnitt? »Obwohl sie mich, wie es scheint, für einen herzlosen Schuften hält, und mir nicht einmal zutraut, dass der Tod eines Freundes ...«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Wir danken sehr, aber wir haben …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Lies den Abschnittsbeginn: »Rechts die Veranda, geräumig, mit Balustrade, die auch beiderseits längs der sechs in den Vorgarten führenden Stufen weiterläuft. Doppeltür von der Veranda zum Gartensalon steht offen. – Vor der Veranda […]« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
  • Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
Textstelle nachlesen ↗

2. Prüfe, ob es in dieser Passage um Gerechtigkeit oder Verantwortung geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] – ich würde es vollkommen begreifen. Du hättest ja schließlich nur Recht gehabt – ob's nun Alexei war oder ... na, über den Geschmack kann man ja nicht streiten. Aber bekanntlich richtet sich in einem solchen Fall die Gattin selten nach […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Wahrheit oder Vertrauen geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] meinem vermeßnen Wunsch versagten. Wir waren beide nicht geschaffen in Lüge ... Ich vielleicht; Sie nicht ... trotz allem ...« Trotz allem ... Du hast dich wohl sehr beklagt über mich?«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Angst oder Unsicherheit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Hast Angst vor der Seefahrt? Ich bitt' dich, jetzt auf den neuen Schiffen! Und übrigens ist soeben wieder ein vollkommen sicheres Mittel gegen Seekrankheit erfunden worden. Vibrationselektrizität.«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] hast du gesagt. Und da du ihn geliebt hast, warst du natürlich seine Geliebte. Was hätte dich daran hindern sollen? Und da du jetzt – Schluss gemacht hast, hat er sich eben umgebracht. Sehr einfach. Und warum du Schluss gemacht hast, das ist […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

6. Vergleiche diese beiden Stellen: »nach einer kleinen Pause, hat Erna nachgesehen.« und »Während du drüben bist, möcht' ich in England bleiben – beim Percy.«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
  • Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

7. Am Abschnittsende steht: »Sie verlassen alle den Garten und treten auf die Straße.« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
  • Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
Textstelle nachlesen ↗

8. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Rechts die Veranda, geräumig, mit Balustrade, die auch beiderseits längs der sechs in den Vorgarten führenden […]« / »Sie verlassen alle den Garten und treten auf die Straße.«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
  • Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
  • Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Sie stellt eben die Teetasse hin, sieht einen Augenblick vor sich hin, steht auf, rückt den Sessel fort, sieht nach hinten über die Balustrade in den Garten, dann geht sie über die Stufen in den Garten hinab, die Hände auf dem Rücken, wie es ihre Gewohnheit ist.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Plötzliche Sinnesverwirrung, sagen die Leute.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Obwohl sie mich, wie es scheint, für einen herzlosen Schuften hält, und mir nicht einmal zutraut, dass der Tod eines Freundes ...«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Das weite Land von Schnitzler, Arthur ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).

Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.

Das weite Land

Arthur Schnitzler: Die Dramatischen Werke. Frankfurt a.M.: S. Fischer Verlag, 1962. Schnitzler, Arthur 217- Frankfurt a.M.

Das Werk Das weite Land von Schnitzler, Arthur ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; reine Originaltexte gemeinfrei Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.