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Buch - Das vierte Gebot - Anzengruber, Ludwig

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Originalwerk · Lesefassung

Das vierte Gebot

Anzengruber, Ludwig · 1839–1889

Das vierte Gebot von Anzengruber, Ludwig. Volltext der angegebenen Ausgabe mit textbezogenen Leseaufgaben.

DramaKlasse 9–10 · 11–136 Abschnitte
Porträt von Anzengruber, Ludwig; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Porträt · Anzengruber, Ludwig · Rudolf Krziwanek · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht einordnen.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 3 von 6

1. Akt

1
Erste Szene
Vorlage S. 205
2
Schön und Anna, mit Gartenarbeit beschäftigt.
Vorlage S. 205
3
SCHÖN
Vorlage S. 205
4
kniet neben einem Blumenbeete.
Vorlage S. 205
5
'n Bast!
Vorlage S. 205
6
Anna begießt ein Beet, eine zweite Gießkanne steht neben ihr.
Vorlage S. 205
7
SCHÖN
Vorlage S. 205
8
da er keine Antwort bekommt.
Vorlage S. 205
9
Die Baststreifen zum Aufbinden! Blickt auf. Aber was treibst denn du? Du gießt ja schon dreimal aufm nämlichen Fleck.
Vorlage S. 205
10
ANNA
Vorlage S. 205
11
setzt ab.
Vorlage S. 205
12
Jesses, richtig! Du hast was wollen?
Vorlage S. 205
13
SCHÖN.
Vorlage S. 205
14
Die Baststreifen. Ich muss da a paar Stöckeln aufbinden.
Vorlage S. 205
15
ANNA.
Vorlage S. 205
16
O mein, die hab ich in ein von die Gießamper glegt.
Vorlage S. 205
17
SCHÖN.
Vorlage S. 205
18
Und draufgschöpft, und jetzt schwimmen s' im Wasser. So fisch s' halt heraus. Was hast denn nur?
Vorlage S. 205
19
ANNA
Vorlage S. 205
20
hat den Bast aus einer der Gießkannen herausgefischt und gibt ihm die Streifen.
Vorlage S. 205
21
Aber frag nit so dalket! Weißt denn nit, was heut für ein Tag ist? Kann er nit jede Minuten kommen, unser hochwürdiger Herr Sohn?
Vorlage S. 205
22
SCHÖN
Vorlage S. 205
23
brummend.
Vorlage S. 205
24
»Unser hochwürdiger Herr Sohn?« – Freilich kann er kommen, und wenn er kommt, so wird er dasein, das is aber kein Anlass zu solche Stückeln.
Vorlage S. 205
25
Man hört eine Hausglocke läuten.
Vorlage S. 205
26
ANNA.
Vorlage S. 205
27
Du, es läut wer! Am End –?
Vorlage S. 205
28
SCHÖN.
Vorlage S. 207
29
Na ja freilich, am hellichten Tag wird er anläuten, wo alle Haustör offen sein!
Vorlage S. 207
30
ANNA.
Vorlage S. 207
31
Aus Gspaß halt.
Vorlage S. 207
32
SCHÖN.
Vorlage S. 207
33
A geistlicher Herr gspaßelt nit.
Vorlage S. 207
34
Wiederholtes Läuten.
Vorlage S. 207
35
ANNA.
Vorlage S. 207
36
Da hörst es jetzt!
Vorlage S. 207
37
SCHÖN.
Vorlage S. 207
38
Na, das wär schön!
Vorlage S. 207
39
Läuft durch das Tor und hinter dem Gitter nach rechts ab.
Vorlage S. 207
40
ANNA.
Vorlage S. 207
41
Hihi, wie er lauft! Er kann's ja selber nit erwarten. Und da tät er unsereins, a Mutter, noch ausmachen! Nimmt die Gießkanne und gießt in Gedanken wieder an der nämlichen Stelle. Ich bin so neugierig, wie er ausschaut, unser hochwürdiger Herr Sohn! Die Madeln aufm Grund werdn sich gewiss kränken, dass der geistlicher Herr worden ist. Jesses, jetzt gieß ich da 's vierte Mal!
Vorlage S. 207
42
SCHÖN
Vorlage S. 207
43
kommt zurück.
Vorlage S. 207
44
Nix is! Der Schalanter war's, der besoffene Drechsler von nebenan, mit sein Bubn, den s' grad bei der Assentierung bhalten haben und der a nit nüchtern ist. Wegen derer Neuigkeit und aus Hetz haben s' mich hinausgenarrt. Sie haben auch nach unsern Eduard gfragt und wolln ihn sehn, wenn er kommt, ich hab ihnen's aber gleich gsagt, es wird ihm keine besondere Ehr sein.
Vorlage S. 207
45
Zweite Szene
Vorlage S. 207
46
Vorige. Hutterer.
Vorlage S. 207
47
Hutterer kommt hinter dem Gitter von rechts.
Vorlage S. 207
48
ANNA.
Vorlage S. 207
49
Ich küß die Hand, Euer Gnaden!
Vorlage S. 207
50
SCHÖN.
Vorlage S. 207
51
Guten Abend, gnä Herr!
Vorlage S. 207
52
HUTTERER.
Vorlage S. 207
53
Guten Abend! Na, heut kommt ja Ihner Eduard, nit?
Vorlage S. 207
54
SCHÖN.
Vorlage S. 207
55
Ja, er soll wohl.
Vorlage S. 207
56
HUTTERER.
Vorlage S. 207
57
Ich hab ghört, er ist Geistlicher wordn?
Vorlage S. 207
58
ANNA.
Vorlage S. 207
59
Ja, er is hochwürdig.
Vorlage S. 207
60
HUTTERER.
Vorlage S. 207
61
Was man nit an die Kinder alles erlebt, wenn man alt wird! Ich seh 'n noch heut vor mir, den Rutschepeter, der nie a ganze Hosen hat derleiden mögn! Jetzt is der gar a hochwürdiger Herr! Er hat doch, soviel ich weiß, auf was anders studiert? Warts ös gleich so damit einverstanden? Dös hätts ja in ein Seminar viel billiger richten können.
Vorlage S. 207
62
SCHÖN.
Vorlage S. 208
63
Freilich, wenn man's früher gwußt hätt.
Vorlage S. 208
64
HUTTERER.
Vorlage S. 208
65
Is ihm die Frömmigkeit so auf einmal eingschossen?
Vorlage S. 208
66
SCHÖN.
Vorlage S. 208
67
Ja, gnä Herr, das is a eigene Gschicht. Ich weiß, Sie habn sich die Jahr her gwundert, dass wir uns kein guten Bissen vergönnen, nur um den Bubn studiern zu lassen, aber das is so eins aus dem andern kommen. Meine Eltern waren Tagwerkerleut, hat keins lesen noch schreiben können, aber der Vater hat gsagt, das därf nit so fortgehn bei unsere Kinder, die müssen was lernen. Na, da hat's halt mehr schwarzs Brot und Erdäpfel gebn als Fleisch, wie man sich leicht denken kann, aber wir Kinder sind dafür fleißig in die Schul gschickt wordn. Und wie ich, mein Bruder und meine Schwester an sein Todbett gstanden sein, da hat er gsagt, sagt er: »Sehts, euch geht's schon viel besser, als's uns gangen is, müßts halt auch dazuschaun, dass's euern Kindern wieder um ein Teil besser geht als wie euch. Bei manch einem hat es kein Geschick und kein Aussehn, dass es mit ihm besser wird, aber die, die er hinterlaßt, können sich darauf einrichten, wenn er ihnen ehrlich an die Hand geht, und möchten's die Leut so halten und nit bloß alleweil alleinig auf sich denken, so hätten s' vor nötige Gedanken zu keine unnötigen Zeit, und das Geschimpf und Geraunz über Gott und Welt möcht a End finden.« Hat er gsagt – und nach derer Red habn wir uns alle, ich, mein Bruder und meine Schwester gricht. So habn auch wir für unser Kind das Opfer gebracht, aber es reut uns net, bis auf den heutigen Tag net, wie auch die Sach steht, gelt, Alte?
Vorlage S. 208
68
ANNA.
Vorlage S. 208
69
Na, es reut uns gwiß net.
Vorlage S. 208
70
SCHÖN.
Vorlage S. 208
71
Freilich hab ich glaubt, ich könnt 'm Eduard auf mein Todbett auch sagen: »Halt's mit deine Kinder, wie es mit dir is gehalten worden!« Na, es hat nit sein sollen, es ist anders kommen, und das war so: er is schon bald mit seiner Studie fertig gewesen, da hat er a Madel kennenglernt – müssen nit lachen, Herr von Hutterer –, a Madel, was das für eins war, na, mein Alte soll's sagn.
Vorlage S. 208
72
ANNA.
Vorlage S. 209
73
U mein, Euer Gnaden, das war a liebs Gschöpf, nit zu groß, nit z' klein, nit z' fett, nit z' mager, so »aufrichtig« war's gwachsen, und dann das noble, feine Gsichterl mit die pechschwarzen Haar, bildsauber, mit ein Wort bildsauber, und so stolz und wieder so bscheiden und so lustig und wieder so nachdenklich und herzensgut – Wird immer weinerlicher. – und so a schöns, liebs, guts Kind ...
Vorlage S. 209
74
SCHÖN.
Vorlage S. 209
75
Na, na, jetzt wirst wieder weinen, was redst denn nachher davon!
Vorlage S. 209
76
ANNA.
Vorlage S. 209
77
Du hast mich ja selber aufgfordert.
Vorlage S. 209
78
SCHÖN
Vorlage S. 209
79
sich besinnend.
Vorlage S. 209
80
Ja so, ich hab dich selber aufgfordert. Also, dass ich sag, damals sein grad wieder die Blattern stark in Wien umgangen, das Madel hat sich gelegt, hundert und hundert sein davonkommen, sie hat draufgehn müssen. Unser Sohn hat sich's von der Familie erbeten, dass er bei der Kranken wachen darf, er ist auch dann nachtüber an der Leich gesessen und mit beim Begräbnis gewesen, aber von der Zeit ab war er ein anderer. Ich hab mich damals über ihn geärgert und gesagt: »Wenn dir deine Eltern nix mehr sein und wenn dich die Welt nimmer gfreut, so geh lieber gleich in ein Kloster!« Sagt er: »Vater, sei nicht kindisch. Ihr seids und bleibt meine lieben, alten Leut, und von der Welt will ich mich nit absperren, sie soll mich ja zerstreuen, aber – hat er gsagt – die Philippin, das war mein Lieb für Zeit und Ewigkeit, die bleibt mir, ob tot oder lebendig, die werd ich nicht los, und da wär mir's halt am liebsten so bissel seitab vom ärgsten Gwühl; in ein Kloster werd ich nicht gehn, aber Geistlicher will ich werdn!« Teuxel hnein, ich hab ihm freilich alls vorgstellt – was das für a schwerer Stand wär –, aber wie ich gsehn hab, er weiß's ehnder und besser noch wie ich, da hab ich gsagt: »Bisher war's mein Sach, jetzt ist's die deine, tu, wie d' glaubst!« Da hat er mit einer Freud von neuem zum Studieren anghobn und ist Geistlicher wordn – is Geistlicher wordn – ja – no, Geistliche müssen ja auch sein!
Vorlage S. 209
81
HUTTERER.
Vorlage S. 210
82
Ah, freilich, man braucht s' schon manchmal, ich werd'n selber ersuchen, dass er unser Hedwig kopuliert.
Vorlage S. 210
83
ANNA
Vorlage S. 210
84
schlägt die Hände zusammen.
Vorlage S. 210
85
Was S' sagen, gnä Herr! So heirat d' Fräuln Hedwig?
Vorlage S. 210
86
HUTTERER.
Vorlage S. 210
87
Ja, und bald auch noch. Wenn man so a mannbars Madl auf gute Art ausm Haus bringn kann, is's ja eh a wahrs Glück. Das ewige Aufpassen, Behüten und Überwachen wird einm zwider. Soll s' ein Mann nehmen, soll der sich um sie sorgen.
Vorlage S. 210
88
ANNA
Vorlage S. 210
89
vertraulich.
Vorlage S. 210
90
Jessas, wenn sich am End gar die jungen Leut kriegen sollten, das wär schön!
Vorlage S. 210
91
HUTTERER
Vorlage S. 210
92
für sich.
Vorlage S. 210
93
Was? Was? – Die kann doch von nix wissen, wen meint s' denn nachher? Mit erzwungener Freundlichkeit, lauernd. No, erraten S' ihn etwa gar, den Bräutigam?
Vorlage S. 210
94
ANNA.
Vorlage S. 210
95
Ah, erraten tät ich ihn schon, wir habn nur allweil gfürcht, er möcht für die Fräuln Hedwig z' gring sein.
Vorlage S. 210
96
HUTTERER
Vorlage S. 210
97
klopft ihr vertraulich auf die Achsel.
Vorlage S. 210
98
Wer is's?
Vorlage S. 210
99
ANNA.
Vorlage S. 210
100
Der Herr Frey.
Vorlage S. 210
101
HUTTERER.
Vorlage S. 210
102
Der Frey? Was, der Klavierklimperer, der Tastenhacker?! Na, der sollt sich unterstehn und mir kommen! Der junge Stolzenthaler is's, wenn Sie's wissen wolln, den wird s' heiraten, das is a Partie, der kann s' doch versorgn, da kann s' doch was genießen. Ah, da hab ich a saubere Entdeckung gmacht. Also so was hat sich hinter meinem Rücken angsponnen? 's ganze Haus redt schon davon, nur ich, der Vater, weiß nix! Wär ja notwendig, dass man allweil daheim bei seiner Familie hocken bleibet und sich in gar kein Wirtshaus trau et, damit man nit hinterher solche Geschichten erlebt! Na, da werdn wir aber doch gleich die Frau Mutter ins Gebet nehmen. He, Sidi! Ab durch die Türe des Seitentraktes.
Vorlage S. 210
103
Dritte Szene
Vorlage S. 211
104
Schön und Anna.
Vorlage S. 211
105
SCHÖN.
Vorlage S. 211
106
Da hast was Schöns angstift!
Vorlage S. 211
107
ANNA.
Vorlage S. 211
108
Mein Gott, es is mir halt so herausgerutscht, wer denkt denn –?
Vorlage S. 211
109
SCHÖN.
Vorlage S. 211
110
Wenn ein Gschöpf auf Gottes Erdboden, so soll doch der Mensch allweil denken, mein ich. Jetzt hast es!
Vorlage S. 211
111
ANNA.
Vorlage S. 211
112
Schrei du noch mit mir herum, wo mir eh so viel hart gschieht wegn der Hausfrau und besonders wegn der Fräuln Hedwig. Und 'n Dingsda, 'n Stolzenthaler soll s' heiraten, hat er gsagt? Das is ja der nämliche, der mit der Schalanter-Pepi a Techtelmechtel hat?
Vorlage S. 211
113
SCHÖN.
Vorlage S. 211
114
Ja, und nit alleinig mit der! Aber jetzt lass uns gehn, damit man's nit a noch mit anhören muss.
Vorlage S. 211
115
ANNA
Vorlage S. 211
116
im Abgehen.
Vorlage S. 211
117
Oh, mein Gott, oh, mein Gott!
Vorlage S. 211
118
SCHÖN
Vorlage S. 211
119
folgt ihr, brummend.
Vorlage S. 211
120
Ja: »Oh, mein Gott, oh, mein Gott!« Hinterher kann jeder sagen: Oh, mein Gott!
Vorlage S. 211
121
Beide sind durch das Gittertor abgegangen.
Vorlage S. 211
122
Vierte Szene
Vorlage S. 211
123
Hutterer und Sidonie aus dem Seitentrakt.
Vorlage S. 211
124
HUTTERER
Vorlage S. 211
125
seine Frau an der Hand nach vorne führend.
Vorlage S. 211
126
Komm nur heraus! Komm her! Was hör ich? Was hab ich hörn müssen?
Vorlage S. 211
127
SIDONIE
Vorlage S. 211
128
verschüchtert.
Vorlage S. 211
129
Ja, ich weiß nicht, was du gehört hast.
Vorlage S. 211
130
HUTTERER
Vorlage S. 211
131
grimmig lachend.
Vorlage S. 211
132
Ha!
Vorlage S. 211
133
SIDONIE.
Vorlage S. 211
134
Du lachst?
Vorlage S. 211
135
HUTTERER.
Vorlage S. 211
136
Fallt mir ein! Ich hab nix zu lachen, aber ös habts auch nichts zu lachen, das geb ich euch schriftlich. Is das wahr, dass die Hedwig und ihr Klavierlehrer a Aug aufeinander habn? Is das wahr?
Vorlage S. 211
137
SIDONIE.
Vorlage S. 212
138
Lieber Anton – –
Vorlage S. 212
139
HUTTERER.
Vorlage S. 212
140
Ich bitt mir's aus, ich bin gar kein lieber Anton. Ich frag, habn die zwei ein Aug aufeinander, und wenn, wo hast du – als Mutter – dann die deinen ghabt?
Vorlage S. 212
141
SIDONIE.
Vorlage S. 212
142
Dass sie sich leiden mögen, hab ich wohl bemerkt.
Vorlage S. 212
143
HUTTERER
Vorlage S. 212
144
höhnisch.
Vorlage S. 212
145
Ah?
Vorlage S. 212
146
SIDONIE
Vorlage S. 212
147
entschuldigend.
Vorlage S. 212
148
Aber ich hab sie nicht aufgmuntert.
Vorlage S. 212
149
HUTTERER.
Vorlage S. 212
150
»Nicht aufgmuntert!« Was das für a Red is! Abschrecken hättst s' solln, dass s' gar nit auf so dumme Gedanken kommen.
Vorlage S. 212
151
SIDONIE.
Vorlage S. 212
152
Ich hab ja nur immer und alleweil abgwart, was du dazu sagen wirst.
Vorlage S. 212
153
HUTTERER
Vorlage S. 212
154
ganz perplex.
Vorlage S. 212
155
Ich? Ja, hab denn ich a Ahnung ghabt?
Vorlage S. 212
156
SIDONIE.
Vorlage S. 212
157
Aber, Anton, bei so junge Leut, die sich noch gar nit zu verstellen wissen! Du bist ja nicht blind und wirst dich von unsrer Bekanntschaft her erinnern – –
Vorlage S. 212
158
HUTTERER.
Vorlage S. 212
159
Unsinn! Ich war kein Klavierlehrer und du keine Hausherrnstochter. Was weiß ich, wie zwei Geschöpf von so ein himmelweiten Abstand auf die Lieb verfallen, wo sich das eine aufdrängen und das andere wegwerfen muss?!
Vorlage S. 212
160
SIDONIE.
Vorlage S. 212
161
Schau, Anton, sei gscheit.
Vorlage S. 212
162
HUTTERER.
Vorlage S. 212
163
Bin ich's etwa net?
Vorlage S. 212
164
SIDONIE.
Vorlage S. 212
165
Jetzt, wo du weißt, wie die Sach steht, solltest du als guter Vater unserer Hedwig ihrm Glück nicht entgegen sein.
Vorlage S. 212
166
HUTTERER.
Vorlage S. 212
167
Sonst nix? Bist du a gute Mutter? Redst du mir zu, unser einzigs Kind an ein Hungerleider zu verheiraten? Gott sei Dank, dass ich mir ihr Glück mehr angelegen sein lass. Heiraten sollt s', das steht, aber ich hab a Partie für sie, was a Partie is! Gelt, da schaust? Ja, das is mein Sach. Verstanden? Jetzt geh hinein, zahl 'n Herrn Klavierlehrer aus und sag ihm gleich, dass heut die letzte Lektion war; dann bring mir 's Madel her!
Vorlage S. 212
168
SIDONIE.
Vorlage S. 213
169
Anton, übereil nur nichts!
Vorlage S. 213
170
HUTTERER.
Vorlage S. 213
171
Da wird nix übereilt, das ist unter Männern abgmacht, und wenn du meinst, ich könnt mich über eine Weil anders besinnen, so verrechnest dich stark; eher bring ich das Madel um! Himmelsapperment, geh und tu, was ich schaff! Du kennst mich doch, wenn ich einmal mein Kopf aufgsetzt hab!
Vorlage S. 213
172
SIDONIE.
Vorlage S. 213
173
Na ja, ich geh schon.
Vorlage S. 213
174
Kopfschüttelnd nach dem Haustrakt ab.
Vorlage S. 213
175
HUTTERER.
Vorlage S. 213
176
Das kommt von dö verkehrten Einrichtungen! Bei ein Bubn fallt's ein gwiß nit ein, dass man ihm a Lehrerin halt, aber bei dö Madeln muss's a Lehrer sein, da zügelt man sich so ein jungen Lakl ins Haus, und nachher hat man's davon. Unglückseligs Klavierspiel, wem das a von uns zwei eingfallen is? Der alte Stolzenthaler hat mir gesagt, es wär jetzt schon notwendig, dass sein Bub amal gsetzt wurd, und bei mein Madel merk ich, es ist a höchste Zeit, dass's unter die Haubn kommt. Dö passen ja immer schöner zsamm.
Vorlage S. 213
177
Fünfte Szene
Vorlage S. 213
178
Hutterer und Frey, aus dem Trakt.
Vorlage S. 213
179
FREY
Vorlage S. 213
180
erregt.
Vorlage S. 213
181
Entschuldigen Herr von Hutterer, nur auf einen Augenblick.
Vorlage S. 213
182
HUTTERER
Vorlage S. 213
183
hämisch, übertrieben höflich.
Vorlage S. 213
184
Bitte, was steht zu Diensten?
Vorlage S. 213
185
FREY.
Vorlage S. 213
186
Die gnädige Frau sagte mir, dass der Klavierunterricht des Fräuleins abgebrochen werden soll.
Vorlage S. 213
187
HUTTERER.
Vorlage S. 213
188
Ja! Habn S' Ihr Geld kriegt?
Vorlage S. 213
189
FREY.
Vorlage S. 213
190
Das wohl.
Vorlage S. 213
191
HUTTERER.
Vorlage S. 213
192
Na, also, so haben wir über den Punkt nix weiter zu reden.
Vorlage S. 213
193
FREY.
Vorlage S. 214
194
Ich maße mir natürlich nicht an, Ihren Entschluss zu kritisieren, aber meiner Ehre als Lehrer bin ich es schuldig, dass ich Sie aufmerksam mache, obwohl Ihr Fräulein Tochter ein sehr hübsches Talent besitzt und ich mein möglichstes getan habe, so war doch die Dauer des Unterrichtes zu kurz.
Vorlage S. 214
195
HUTTERER.
Vorlage S. 214
196
Eben, Sie hätten mit der Zeit auch Unmögliches leisten können.
Vorlage S. 214
197
FREY.
Vorlage S. 214
198
Mit einem Wort, es fehlt dem Fräulein noch an Geläufigkeit.
Vorlage S. 214
199
HUTTERER.
Vorlage S. 214
200
Ja, ja, sehn S', Sie könnten meiner Tochter vielleicht mehr Geläufigkeit beibringen, als der ihrem Zukünftigen lieb wär.
Vorlage S. 214
201
FREY
Vorlage S. 214
202
auf ihn zutretend, mit warmem Ton.
Vorlage S. 214
203
Herr von Hutterer, Sie wissen – –
Vorlage S. 214
204
HUTTERER
Vorlage S. 214
205
zurücktretend, ihn parodierend.
Vorlage S. 214
206
Herr von Frey, ja, ich weiß!
Vorlage S. 214
207
FREY.
Vorlage S. 214
208
Herr – aber ich weiß mir Ihr Benehmen nicht zu erklären.
Vorlage S. 214
209
HUTTERER.
Vorlage S. 214
210
Nicht? Tut mir leid. Schaun S' halt um a Häuserl weiter, vielleicht finden Sie dort einen Vater, der deutlicher ist. Ich wünsche es Ihnen!
Vorlage S. 214
211
FREY.
Vorlage S. 214
212
Ich finde Sie in übler Laune. Vielleicht ein andermal. Gehorsamer Diener!
Vorlage S. 214
213
HUTTERER.
Vorlage S. 214
214
'schamster Diener! Bemühn Sie sich nicht wegn ein andermal, ich bleib mir gleich. – Ich bitte, wohin denn?
Vorlage S. 214
215
FREY
Vorlage S. 214
216
ist gegen den Trakt gegangen.
Vorlage S. 214
217
Sie sehen, ich bin ohne Hut.
Vorlage S. 214
218
HUTTERER.
Vorlage S. 214
219
Bleiben Sie! Ruft zur Türe hinein. Sidi, die Hedwig soll dem Herrn Klavierlehrer seinen Hut mitbringen.
Vorlage S. 214
220
FREY.
Vorlage S. 214
221
Aber wozu die Damen bemühn?
Vorlage S. 214
222
HUTTERER.
Vorlage S. 214
223
Sie tun das nicht gerne? Denk mir's. Geht auf und ab, summend. Hum, hum, hübscher Abend heut, was?
Vorlage S. 214
224
FREY.
Vorlage S. 215
225
Fragen Sie mich?
Vorlage S. 215
226
HUTTERER.
Vorlage S. 215
227
Na ja!
Vorlage S. 215
228
FREY.
Vorlage S. 215
229
Sonderbar.
Vorlage S. 215
230
HUTTERER.
Vorlage S. 215
231
Ich find da nix Sonderbars. Wendung gegen die Auftretenden. Ah, da seids ja.
Vorlage S. 215
232
Sechste Szene
Vorlage S. 215
233
Vorige. Sidonie und Hedwig, aus dem Trakte.
Vorlage S. 215
234
HUTTERER.
Vorlage S. 215
235
Hedwig, gib dem Herrn Klavierlehrer den Hut!
Vorlage S. 215
236
Hedwig, die den Hut in Händen hat, hält ihn mit leisem Zittern Frey hin.
Vorlage S. 215
237
HUTTERER.
Vorlage S. 215
238
Na, nehmen S' ihn! Zu Hedwig. Dieser Herr wird unser Haus nicht mehr betreten. Du kannst dein Klavierspiel als aufgegeben betrachten; es sind dabei Saiten angeschlagen worden, die mir nicht behagen. Überhaupt wird nunmehr jedes Spiel für dich ein Ende haben, und der Ernst des Lebens wird an dich herantreten. Sieht Frey, der noch immer auf selbem Flecke steht. Ja – gehorsamer Diener!
Vorlage S. 215
239
Frey grüßt stumm und schreitet gegen den Trakt.
Vorlage S. 215
240
HUTTERER.
Vorlage S. 215
241
Wohin denn wieder?
Vorlage S. 215
242
FREY.
Vorlage S. 215
243
Meine Zigarrenspitze muss auf dem Piano liegengeblieben sein.
Vorlage S. 215
244
HUTTERER.
Vorlage S. 215
245
So holn Sie's. So a vergessener Ding, das ging ein noch ab. Zu Hedwig. Also, wo sind wir stehngeblieben? Ja, der Ernst des Lebens wird an dich herantreten, du wirst deine Bestimmung er füllen – kurz und gut, ich hab eine Partie für dich, an der nichts auszusetzen ist, tu mir also den Gefallen und setz auch daran nix aus!
Vorlage S. 215
246
Frey erscheint im Hintergrunde an der Türe.
Vorlage S. 215
247
SIDONIE.
Vorlage S. 215
248
Mach das arme Kind nicht verzagter, als's schon is! Sag doch, wer, damit man weiß, wo es hin will.
Vorlage S. 215
249
HUTTERER
Vorlage S. 215
250
zu Hedwig.
Vorlage S. 215
251
Du kennst den jungen Stolzenthaler?
Vorlage S. 215
252
SIDONIE.
Vorlage S. 216
253
Was, der Stolzenthaler? Ah, das ist etwas anderes!
Vorlage S. 216
254
HUTTERER.
Vorlage S. 216
255
Gelt, da schaust?
Vorlage S. 216
256
SIDONIE.
Vorlage S. 216
257
Du denkst halt doch auf dein Familie. Umarmt Hedwig. Kind, du wirst die reichste Frau am Grund.
Vorlage S. 216
258
HEDWIG.
Vorlage S. 216
259
Verlang ich's?
Vorlage S. 216
Porträt von Anzengruber, Ludwig; Kontextbild zur Autorin oder zum Autor, keine Szene aus dem Buch.
Kontextbild zum Werk. Porträt · Anzengruber, Ludwig · Rudolf Krziwanek · Public domain Bildquelle ↗
260
HUTTERER
Vorlage S. 216
261
zu Hedwig.
Vorlage S. 216
262
Also, ich bitt mir eine Antwort aus. Kennst du den jungen Stolzenthaler?
Vorlage S. 216
263
HEDWIG.
Vorlage S. 216
264
Ich hab ihn nur paarmal flüchtig gesehn.
Vorlage S. 216
265
HUTTERER.
Vorlage S. 216
266
So nimm dir die Zeit und schau dir 'n gehörig an. Ich hab seine Photographie mitgebracht. Hat ein Bild aus der Tasche gezogen, das er ihr aufdrängen will. Da!
Vorlage S. 216
267
HEDWIG
Vorlage S. 216
268
wehrt ab.
Vorlage S. 216
269
Ich danke.
Vorlage S. 216
270
HUTTERER.
Vorlage S. 216
271
Mach keine Geschichten!
Vorlage S. 216
272
SIDONIE
Vorlage S. 216
273
macht hinter Hedwigs Rücken Zeichen entrüsteter Abwehr.
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274
Pfui, Anton!
Vorlage S. 216
275
HUTTERER
Vorlage S. 216
276
wirft einen Blick auf das Bild.
Vorlage S. 216
277
Oh, sapperlot, das is a verbotene – vom Hausierer. Steckt es rasch ein, zu seiner Frau. Es war halt gestern so a bissel lustig. Zu Hedwig. Du willst das Bild nicht sehen! Gut, kriegst es auch nicht zu sehen! Zu Sidonie. Es war halt gestern so a Abend. – Zu Hedwig. Du nimmst ihn ungschaut. Punktum!
Vorlage S. 216
278
SIDONIE
Vorlage S. 216
279
streng.
Vorlage S. 216
280
Na, jetzt lass das Kind erst zu sich kommen!
Vorlage S. 216
281
HUTTERER
Vorlage S. 216
282
sehr zahm.
Vorlage S. 216
283
Na, wie du halt glaubst, meine liebe Sidi! Ich mein nur, so stark wird s' doch sein, dass s' ja oder nein sagen kann.
Vorlage S. 216
284
SIDONIE.
Vorlage S. 216
285
Sie wird's schon sagen. Lass mich nur machen, sie wird ja sagen. Nicht wahr, mein Herzbinkerl? Schmeichelt ihr. Du wirst a Leben haben als Frau von Stolzenthaler, und dabei wirst auch unser höchste Freud sein; es kost dich nur a kleinwinzigs Wörtel. Na, druck die Äugerln zu, machs Goscherl auf und sag ja.
Vorlage S. 216
286
Frey ist durch das Gittertor getreten und schlägt es jetzt hinter sich zu.
Vorlage S. 216
287
HEDWIG
Vorlage S. 217
288
aufschreckend.
Vorlage S. 217
289
Nie!
Vorlage S. 217
290
HUTTERER.
Vorlage S. 217
291
Was?
Vorlage S. 217
292
SIDONIE.
Vorlage S. 217
293
Aber, Kind!
Vorlage S. 217
294
HEDWIG
Vorlage S. 217
295
laut.
Vorlage S. 217
296
Ich lass nicht von Robert! Sieht nach dem Gittertor.
Vorlage S. 217
297
SIDONIE.
Vorlage S. 217
298
Hedwig!
Vorlage S. 217
299
HEDWIG.
Vorlage S. 217
300
Er wird auch mich nicht verlassen!
Vorlage S. 217
301
Wieder mit einem Blicke nach dem Gittertore.
Vorlage S. 217
302
HUTTERER
Vorlage S. 217
303
kommt vor Aufregung erst allmählich zu Atem.
Vorlage S. 217
304
Das getraust du dir uns, deinen Eltern, gegenüber? – Das muss man sagen, du hast eine saubere Erziehung genossen! – Aber den Menschen hast du in sein Verderben geredt – auf alle Fälle, wie d' dich a besinnst, der muss unschädlich gmacht werdn – schau dir 'n in zwei Monaten an – in kein Haus, wo ich aus- und eingeh, mehr a Lektion!
Vorlage S. 217
305
HEDWIG
Vorlage S. 217
306
mit gefalteten Händen.
Vorlage S. 217
307
Vater!
Vorlage S. 217
308
HUTTERER.
Vorlage S. 217
309
Das geschieht ihm! Aus ist's! Und du besinn dich, was du deinen Eltern schuldig bist. Ein Gehorsam, verstehst? Eltern wissen allemal besser, was den Kindern taugt, und müsst ich dich zwingen, so würd ich dich auch zu dein Glück zwingen. Du sollst es auf der Welt besser haben als wie wir, dafür sollen eben die Eltern sorgen, dass es den Kindern immer um a Stückl besser geht, als es ihnen selber ergangen is. Da an der Stell hat das vor kurzem noch unser Hausmeister gesagt – und ich werd doch als Vater nit gegen ein Hausmeister zurückstehen! Komm, Sidi, laßn wir s' jetzt gehn. Sie soll sich das ganz alleinig überlegn.
Vorlage S. 217
310
Geht voraus nach dem Trakt.
Vorlage S. 217
311
SIDONIE.
Vorlage S. 217
312
Liebs Kind, von dem Klavierlehrer kann jetzt keine Red mehr sein, der Vater ist zu aufgebracht gegen ihn, tu dem armen Menschen nit noch schaden, gib ihn auf, dann wollen wir schon machen, dass das wegen dö Lektionen nur geredt bleibt. Sei gescheit!
Vorlage S. 217
313
HUTTERER.
Vorlage S. 217
314
Red ihr nit viel zu. Sie soll von selber darauf kommen!
Vorlage S. 217
315
SIDONIE.
Vorlage S. 218
316
Sie wird schon gescheit sein.
Vorlage S. 218
317
HUTTERER.
Vorlage S. 218
318
Ich will's hoffen.
Vorlage S. 218
319
Beide in den Haustrakt ab.
Vorlage S. 218
320
Siebente Szene
Vorlage S. 218
321
Hedwig, dann Frey.
Vorlage S. 218
322
HEDWIG.
Vorlage S. 218
323
Sie wollen mich zwingen zu meinem Glück. Jemanden zwingen, glücklich zu sein! Legt beide Hände an die Stirne. O mein Gott, das ist ja ein unsinniger Gedanke!
Vorlage S. 218
324
FREY
Vorlage S. 218
325
sich vorsichtig umsehend, tritt ein und kommt vor.
Vorlage S. 218
326
Fräulein Hedwig!
Vorlage S. 218
327
HEDWIG.
Vorlage S. 218
328
Robert! Leidenschaftlich mit beiden Händen die seinen erfassend und ihn etwas zur Seite ziehend. Warum sind Sie weggegangen, als ich Ihnen zu Gehör geredet, mich nicht zu verlassen?
Vorlage S. 218
329
FREY.
Vorlage S. 218
330
Konnte mein Dazwischentreten etwas nützen?
Vorlage S. 218
331
HEDWIG.
Vorlage S. 218
332
In Ihrer Gegenwart hätte ich den Mut gehabt, alles zu sagen, was mir auf dem Herzen liegt.
Vorlage S. 218
333
FREY.
Vorlage S. 218
334
Und dadurch wäre der unangenehme Auftritt nur verlängert und verschärft worden.
Vorlage S. 218
335
HEDWIG.
Vorlage S. 218
336
Wie bedächtig! Robert, ich breche Ihnen den Finger, um Sie aus dieser Gelassenheit zu bringen. Sagen Sie, was nun zu tun ist?
Vorlage S. 218
337
FREY.
Vorlage S. 218
338
Sie kennen den Mann nicht genauer, der Ihnen bestimmt ist; ich werde Ihnen denselben schildern, und wenn Sie es dann nicht wissen, was zu tun ist – – Zuckt die Achsel. Es ist dies ein Mensch ohne alle Bildung, ohne jede bessere Anlage; sei nem Vater rühmt man wenigstens Tätigkeit nach, der Junge aber rührt keine Hand und lässt andere für sich arbeiten, er hat sich nur die Aufgabe gestellt, das Leben zu genießen, und wenn Sie erst wissen, was ihm Genuss ist, dann können Sie nur mehr ein Gefühl für ihn haben, das des Ekels!
Vorlage S. 218
339
HEDWIG.
Vorlage S. 218
340
Oh, was Sie auch über ihn sagen mögen, ich glaube Ihnen, ich glaube Ihnen alles! Aber nicht nach ihm habe ich Sie gefragt, was sollen wir beginnen?
Vorlage S. 218
341
FREY.
Vorlage S. 219
342
Es ist ein gewagter Schritt, den ich Ihnen vorschlage, aber es ist der einzige, und Zeit und Umstände drängen. Hedwig, vertrauen Sie sich ganz meiner Ehrenhaftigkeit an – laufen Sie mit mir in die weite Welt!
Vorlage S. 219
343
HEDWIG.
Vorlage S. 219
344
Und wenn das nicht anginge, wenn ich mich gerade dazu nicht entschließen könnte?
Vorlage S. 219
345
FREY.
Vorlage S. 219
346
Dann ist unser Schicksal entschieden. Ich habe mich für den Fall entschlossen, sofort wieder zum Militär einzurücken, und die Lektionen, die ich den Rekruten auf dem Exerzierplatze zu erteilen habe, wird mir Ihr Herr Papa nicht streitig machen. Mit einem Seufzer. Und Sie, Hedwig – Wendet sich ab, kleine Pause. –, wollen Sie Ihre Briefe zurück haben?
Vorlage S. 219
347
HEDWIG.
Vorlage S. 219
348
Nein! In Ihren Händen weiß ich sie sicher.
Vorlage S. 219
349
FREY.
Vorlage S. 219
350
Verbrennen Sie die meinen.
Vorlage S. 219
351
HEDWIG.
Vorlage S. 219
352
Niemals. Ich behalte sie als ein teueres Angedenken auf.
Vorlage S. 219
353
FREY.
Vorlage S. 219
354
Tun Sie es nicht. Der Zufall könnte diese armen Blätter einmal ans Licht bringen, und Sie ahnen nicht, welche Roheiten Sie dann von dem Manne zu gewärtigen hätten.
Vorlage S. 219
355
HEDWIG
Vorlage S. 219
356
an seine Brust sinkend.
Vorlage S. 219
357
Robert!
Vorlage S. 219
358
FREY
Vorlage S. 219
359
jubelnd.
Vorlage S. 219
360
Hedwig! Du gehst mit mir!?
Vorlage S. 219
361
HEDWIG
Vorlage S. 219
362
sich aus der Umarmung lösend.
Vorlage S. 219
363
Ich habe den Mut nicht – ich bin nicht leichtsinnig genug.
Vorlage S. 219
364
Achte Szene
Vorlage S. 219
365
Vorige. Hutterer und Sidonie erscheinen unter der Türe des Traktes.
Vorlage S. 219
366
FREY.
Vorlage S. 219
367
Du hast nicht den Mut, den Schein des Leichtsinns auf dich zu laden, um dir ein treues Herz fürs ganze Leben zu gewinnen? Oh, um aller Heiligen willen, habe nur nicht die Schwäche, dich willenlos ins Elend stoßen zu lassen. Erhalt mir dein Bild rein, lass mich's nicht denken herabgekommen und befleckt durch den steten Umgang mit der Gemeinheit. Hedwig, lass mich ganz aus dem Spiele, gedenke meiner gar nicht, vergesse mich, nur um deiner selbst willen, mit Hand und Fuß und jeder Fiber sträube dich gegen diese unselige Verbindung!
Vorlage S. 219
368
HUTTERER
Vorlage S. 220
369
vorstürzend.
Vorlage S. 220
370
Ah, bravo, das is schön, ein Kind gegen die eigenen Eltern verhetzen! Sie elender, undankbarer Mensch, ist das der Lohn, dass wir Ihnen in unsern Haus ein Jahr und sechs Monat Geld habn verdienen lassen?!
Vorlage S. 220
371
FREY
Vorlage S. 220
372
wütend.
Vorlage S. 220
373
Missbrauchen Sie doch nicht den geheiligten Elternnamen, Sie opfern Ihre Tochter ja doch nur einer Laune – einer reichen Verschwägerung –, Sie schlagen Kapital aus Ihrem Kinde!
Vorlage S. 220
374
Hedwig ist auf eine Gartenbank gesunken.
Vorlage S. 220
375
HUTTERER.
Vorlage S. 220
376
Herr – Sidi, halt mich, sonst geschieht heut noch ein Unglück!
Vorlage S. 220
377
Neunte Szene
Vorlage S. 220
378
Vorige. Schön und Anna haben Eduard in ihrer Mitte über den Hof geführt, eintretend.
Vorlage S. 220
379
SCHÖN.
Vorlage S. 220
380
Gnä Herr, gnä Herr, da is er!
Vorlage S. 220
381
ANNA.
Vorlage S. 220
382
Da habn wir 'n schon.
Vorlage S. 220
383
SCHÖN
Vorlage S. 220
384
halblaut.
Vorlage S. 220
385
Ui, da hat's was gsetzt.
Vorlage S. 220
386
Pause allgemeiner Verlegenheit.
Vorlage S. 220
387
HUTTERER
Vorlage S. 220
388
faßt sich, tritt Eduard entgegen.
Vorlage S. 220
389
Ah, freut mich sehr. Gibt ihm die Hand. Hochwürden kommen eben recht. Führt ihn vor. Bitte, klären Sie meine Tochter auf über die Pflichten, die ein Kind gegen seine Eltern hat! Wir wollen nur ihr Glück – und selbst für den Fall, dass sie das Glück nit für a Glück halt – geradheraus, ohne Umschweife –, was soll sie tun?
Vorlage S. 220
390
EDUARD.
Vorlage S. 220
391
Gehorchen und das Glück Gott anheimstellen!
Vorlage S. 220
392
HUTTERER.
Vorlage S. 220
393
So ist's! Sie sind mein Mann!
Vorlage S. 220
394
Zwischenvorhang fällt rasch.
Vorlage S. 220
395
Verwandlung
Vorlage S. 220
396
Verwahrlostes Zimmer, halb Werkstätte, halb Wohnraum. Mitteltüre, eine Seitentür links, welche
Vorlage S. 221
397
offen steht. Im Hintergrunde zu beiden Seiten der Türe Betten, ein solches steht auch an der Wand links neben der Seitentür. An der Wand rechts Schränke. Im Vordergrunde rechts ein Sofa, davor ein Tisch, links eine Drehbank.
Vorlage S. 221
398
Zehnte Szene
Vorlage S. 221
399
Barbara, Johann, Michel.
Vorlage S. 221
400
Wie der Vorhang aufgeht, ist Johann an der Drehbank geschäftig, Barbara tritt durch die Mitte ein, sie trägt eine große Blechtasse, worauf mehrere Kaffeeschalen und ein großer Hafen stehen, ein Gebäckkörbchen hält sie nebenher zwischen ein paar freien Fingern. Michel ist noch nicht sichtbar.
Vorlage S. 221
401
BARBARA.
Vorlage S. 221
402
Da is der Kaffee. Herr Johann, hörn S' vom Arbeiten auf. Sie stellt das Mitgebrachte auf den Tisch und ruft. Michel! Setzen S' Ihnen daher, Herr Johann! Deutet auf das Sofa.
Vorlage S. 221
403
JOHANN.
Vorlage S. 221
404
Oh, ich bitt, Frau Meisterin, wie komm ich dazu –?
Vorlage S. 221
405
BARBARA.
Vorlage S. 221
406
Machen S' keine Umständ, wir sind alle nur Menschen. Lauter rufend. Michel, hörst nit?
Vorlage S. 221
407
MICHEL
Vorlage S. 221
408
von innen.
Vorlage S. 221
409
Ja, Meisterin! Tritt gähnend und sich reckend aus links. Ah!
Vorlage S. 221
410
BARBARA.
Vorlage S. 221
411
Hast wieder gschlafen?
Vorlage S. 221
412
MICHEL.
Vorlage S. 221
413
Ja, und träumt, dass ich Draxler werdn soll.
Vorlage S. 221
414
BARBARA
Vorlage S. 221
415
zu Johann.
Vorlage S. 221
416
Es is ein Skandal, der Meister schaut gar nit auf ihn, auf einmal wird sein Lehrzeit um sein, und er wird nix verstehn.
Vorlage S. 221
417
MICHEL.
Vorlage S. 221
418
Das macht nix, die Genossenschaft muss mich doch von der Draxlerei freisprechen – wegen Mangel an Beweis.
Vorlage S. 221
419
BARBARA
Vorlage S. 221
420
rückt ihm eine Schale und eine Semmel hin.
Vorlage S. 221
421
Den Kaffee tragst hinunter, wenn der Herr da is!
Vorlage S. 221
422
MICHEL.
Vorlage S. 221
423
Da lass ich 'n lieber glei herobn.
Vorlage S. 221
424
BARBARA.
Vorlage S. 221
425
Du tragst ihn hinunter, auch wenn der Herr nit da is! Zu Johann. Aber greifen S' zu, lieber Herr Johann – Rückt ihm den großen Hafen hin. –, da is das Tröpferl, das Ihnen vermeint is.
Vorlage S. 221
426
JOHANN.
Vorlage S. 222
427
So viel! –
Vorlage S. 222
428
BARBARA.
Vorlage S. 222
429
Greifen S' zu, es kommt vom Herzen.
Vorlage S. 222
430
MICHEL
Vorlage S. 222
431
beiseite.
Vorlage S. 222
432
Die Meisterin muss a groß's Herz haben, wenn so a Häfen Kaffee drin Platz findt.
Vorlage S. 222
433
BARBARA.
Vorlage S. 222
434
Marschier und bleib gleich unten im Laden, damit man doch nit 'n ganzen Tag 'n Dienstboten alleinig im Gschäft lasst!
Vorlage S. 222
435
MICHEL.
Vorlage S. 222
436
's könnt sich ja a d' Meisterin abisetzen.
Vorlage S. 222
437
BARBARA.
Vorlage S. 222
438
Geht das dich was an, kecker Bub? 's Gschäft is 'm Meister sein Sach. Ich hab im Haus z' tun.
Vorlage S. 222
439
MICHEL.
Vorlage S. 222
440
Oder d' Fräuln Pepi.
Vorlage S. 222
441
BARBARA.
Vorlage S. 222
442
Die hat außerm Haus z' tun.
Vorlage S. 222
443
JOHANN
Vorlage S. 222
444
seufzend.
Vorlage S. 222
445
Ah ja!
Vorlage S. 222
446
BARBARA.
Vorlage S. 222
447
Jetzt steh mir nit weiter da herum!
Vorlage S. 222
448
MICHEL.
Vorlage S. 222
449
Frau Meisterin, wenn der Herr nit da is, was gschieht denn nachher mitm Kaffee?
Vorlage S. 222
450
BARBARA.
Vorlage S. 222
451
Kannst 'n selber trinken.
Vorlage S. 222
452
MICHEL.
Vorlage S. 222
453
Vergelt's Gott!
Vorlage S. 222
454
Setzt die Schale an den Mund.
Vorlage S. 222
455
BARBARA.
Vorlage S. 222
456
He, was treibst denn?
Vorlage S. 222
457
MICHEL.
Vorlage S. 222
458
A wengerl abtrinken, dass ich nix verschütt, wär schad drum; sicher is er mir ja eh. Küß die Hand, Frau Meisterin.
Vorlage S. 222
459
Geht durch die Mitte ab.
Vorlage S. 222
460
BARBARA
Vorlage S. 222
461
hinter ihm abgehend.
Vorlage S. 222
462
Komm mir nit so bald wieder unter die Augen, das sag ich dir!
Vorlage S. 222
463
JOHANN
Vorlage S. 222
464
allein.
Vorlage S. 222
465
Ja – die Fräuln Pepi – dass die immer außerm Hause ist!
Vorlage S. 222
466
Elfte Szene
Vorlage S. 222
467
Johann, Barbara zurück.
Vorlage S. 222
468
BARBARA.
Vorlage S. 222
469
So, mein lieber Johann. Setzt sich an das andere Ende des Sofas, streift sich die Schürze glatt. Aber Sie essen ja gar nichts!
Vorlage S. 222
470
JOHANN.
Vorlage S. 223
471
Nein!
Vorlage S. 223
472
BARBARA.
Vorlage S. 223
473
Is er vielleicht nicht süß genug? A Stückerl Zucker? Nehmen S' doch, a Semmerl oder ein Kipferl. Lassen S' Ihnen nix abgehn.
Vorlage S. 223
474
JOHANN
Vorlage S. 223
475
nimmt eine Semmel.
Vorlage S. 223
476
Ich bin so frei, wenn's erlaubt ist.
Vorlage S. 223
477
BARBARA.
Vorlage S. 223
478
Weil wir just so gemütlich beieinander sitzen, muss ich Ihnen doch sagen, obwohl Sie erst kurze Zeit bei uns sind, hab ich Ihnen doch was angmerkt, Sie Schlankl, Sie.
Vorlage S. 223
479
JOHANN.
Vorlage S. 223
480
Was angmerkt – mir?
Vorlage S. 223
481
BARBARA.
Vorlage S. 223
482
Na, na, lassen S' es gut sein, junge Leut sein amal junge Leut, und ich hab's net ungern, wenn s' a Gfühl zeigen. Mein Pepi sticht Ihnen halt in die Augen.
Vorlage S. 223
483
JOHANN
Vorlage S. 223
484
würgt an einem ungeheuren Brocken.
Vorlage S. 223
485
Uhum.
Vorlage S. 223
486
BARBARA.
Vorlage S. 223
487
Das is weiter kein Sünd –
Vorlage S. 223
488
JOHANN
Vorlage S. 223
489
lacht verlegen.
Vorlage S. 223
490
Hehehe, nein, nein, hehe!
Vorlage S. 223
491
BARBARA.
Vorlage S. 223
492
Aber a Unsinn.
Vorlage S. 223
493
JOHANN.
Vorlage S. 223
494
Ja, aber warum denn?
Vorlage S. 223
495
BARBARA.
Vorlage S. 223
496
Mein Tochter is nix für Ihnen. Erstens täts alle zwei miteinander nix habn –
Vorlage S. 223
497
JOHANN.
Vorlage S. 223
498
Nein! Vorläufig –
Vorlage S. 223
499
BARBARA.
Vorlage S. 223
500
Und dann hat sie ja die Bekanntschaft mit unserm Hausherrnssohn.
Vorlage S. 223
501
JOHANN
Vorlage S. 223
502
seufzend.
Vorlage S. 223
503
Ja!
Vorlage S. 223
504
BARBARA.
Vorlage S. 223
505
Da muss man halt gscheit sein. Schaun S', Johann – Vertraulich näher rückend. –, muss's denn grad so a jungs Flitscherl sein?
Vorlage S. 223
506
JOHANN
Vorlage S. 223
507
rückt etwas weiter.
Vorlage S. 223
508
Wissen S', mir wär's lieber.
Vorlage S. 223
509
BARBARA.
Vorlage S. 223
510
Das is halt Gustosach, aber wenn's wer mit einem gut meint, so muss man 'n nit nachm Taufschein fragn. – Essen S', lassen S' nix über, die Semmeln dürfen nit überbleiben, wurden ja altbacken. Stecken Sie's ein. Sie steckt ihm mit der rechten Hand eine Semmel in die rechte Tasche und, indem sie den Arm um seinen Leib legt, mit der linken eine andere in die linke Rocktasche. So – sehen S' – so!
Vorlage S. 223
511
Johann bläst.
Vorlage S. 224
512
BARBARA.
Vorlage S. 224
513
Schaun S' mich einmal an, Johann.
Vorlage S. 224
514
JOHANN
Vorlage S. 224
515
hält mit beiden Händen eine Semmel, die er brechen will, über den Hafen.
Vorlage S. 224
516
Wenn's die Frau Meisterin schafft. Wendet sich etwas nach ihr.
Vorlage S. 224
517
BARBARA
Vorlage S. 224
518
näher rückend.
Vorlage S. 224
Albert Anker – Die Dorfschule von 1848, gemalt 1896. Historisches Vergleichsbild für Schule und Bildung, keine Illustration der Buchfiguren.
Kontextbild zum Werk. Die Dorfschule von 1848 · Albert Anker · Public domain Bildquelle ↗
519
Gfall ich Ihnen gar nit?
Vorlage S. 224
520
JOHANN
Vorlage S. 224
521
läßt vor Schreck die Semmel in den Kaffee fallen.
Vorlage S. 224
522
Ah! Springt auf und blickt in den Hafen. Da ist mir jetzt die ganze Semmel ...
Vorlage S. 224
523
BARBARA
Vorlage S. 224
524
hat sich gleichfalls erhoben.
Vorlage S. 224
525
Is ja kein Unglück. Werden s' gleich wieder herausfischen, wo schwimmt s' denn? Sie steht neben ihm, hat die Linke um seinen Leib gelegt, ihr Gesicht dem seinen ganz nahe gebracht und schlägt ihn jetzt mit der Rechten auf die Wange. Johann!
Vorlage S. 224
526
JOHANN
Vorlage S. 224
527
reißt sich los.
Vorlage S. 224
528
Loslassen! – Potiphar! – Verstanden? Wissen S', ich bin ein katholischer Gesell! Lieber ungegessen ins Himmelsreich als mit alle Taschen voll Proviant in d' Höll! Zieht eine Semmel nach der andern heraus und wirft sie ihr vor die Füße. Da – da!
Vorlage S. 224
529
Es wird außen geläutet.
Vorlage S. 224
530
BARBARA
Vorlage S. 224
531
klaubt die Semmeln auf.
Vorlage S. 224
532
Ja, ja, komm gleich. Wirft das Gebäck ins Körbchen, mit einem zornigen Blick auf Johann. So ein dummer Mensch is mir noch nit vorkommen! Was glauben S' denn von mir?
Vorlage S. 224
533
Wütend ab.
Vorlage S. 224
534
JOHANN.
Vorlage S. 224
535
So was is mir noch in keiner Arbeit passiert.
Vorlage S. 224
536
Zwölfte Szene
Vorlage S. 224
537
Johann, Barbara, Stolzenthaler, Josepha.
Vorlage S. 224
538
BARBARA
Vorlage S. 224
539
läßt Josepha und Stolzenthaler eintreten und bleibt noch außen.
Vorlage S. 224
540
Gehts nur hinein, Kinder. Es will schon finster werden, ich mach uns nur ein Licht.
Vorlage S. 224
541
JOSEPHA
Vorlage S. 224
542
in teurem, aber nicht geschmackvollem Putz.
Vorlage S. 224
543
Herr Johann!
Vorlage S. 224
544
JOHANN
Vorlage S. 225
545
hinzueilend.
Vorlage S. 225
546
Da bin ich, Fräuln Pepi.
Vorlage S. 225
547
JOSEPHA
Vorlage S. 225
548
nimmt Hut und Tuch ab und gibt ihm beides.
Vorlage S. 225
549
Da – legen S' mir's auf mein Bett!
Vorlage S. 225
550
Johann geht mit den übergebenen Gegenständen Seite links ab und kehrt gleich wieder ohne dieselben zurück.
Vorlage S. 225
551
Josepha läuft, wie sie abgelegt hat, sofort nach dem Sofa, läßt sich in den Sitz fallen und stützt den Kopf in die Hand.
Vorlage S. 225
552
STOLZENTHALER
Vorlage S. 225
553
ein junger Mensch, ebenfalls ohne Geschmack geputzt, die Hand voll schwerer Ringe, eine auffallende Uhrkette, zwischen den Zähnen eine kostbare, aber sehr massive Zigarrenspitze; er lümmelt sich über den Tisch und spricht über selben zur Josepha.
Vorlage S. 225
554
Weißt, Mauserl, ich kann mir schon denken, wie dir is, denn solchene, wie ich bin, rennen wenig in Wean herum. Aber nur a Einsehn und kein Flehnerei, dös vertragt unsereins net.
Vorlage S. 225
555
BARBARA
Vorlage S. 225
556
kommt mit einer Lampe, die sie auf den Tisch stellt.
Vorlage S. 225
557
Machen Sie's nur aus, Herr von Stolzenthaler, wann s' etwa wieder dalket war. – Wie schaust denn du aus? Du hast ja gweint.
Vorlage S. 225
558
STOLZENTHALER.
Vorlage S. 225
559
Weil s' a fads Ding is, drum hab ich s' a heut früher als sonst heimgführt.
Vorlage S. 225
560
BARBARA.
Vorlage S. 225
561
Was war denn wieder?
Vorlage S. 225
562
STOLZENTHALER.
Vorlage S. 225
563
Na ja, Frau Mutter, alles, was recht is, es war schon a Schub! Aber ich bin a aufrichtiger Kerl, ich hab ihr's doch früher sagen müssen, eh ihr's fremde Leut zutragen. Mein Alter will mich verheiraten, und da ich ihm schon mehr zu Trutz als z' Gfallen tan hab, so hab ich da net nein sagen mögen. Is a wieder a Abwechslung, und a Abwechslung muss der Mensch habn, sonst wird 's Leben öd.
Vorlage S. 225
564
BARBARA
Vorlage S. 225
565
neugierig.
Vorlage S. 225
566
Wer is denn die Braut, wenn man's wissen därf?
Vorlage S. 225
567
STOLZENTHALER.
Vorlage S. 225
568
Die Hutterische von daneben.
Vorlage S. 225
569
BARBARA.
Vorlage S. 225
570
Die is sauber, und ihre Leut sein reich.
Vorlage S. 225
571
STOLZENTHALER.
Vorlage S. 225
572
Na, mit einer andern hätt mir mein Alter a nit kommen dürfen.
Vorlage S. 225
573
Josepha weint in ihr Sacktuch.
Vorlage S. 225
574
STOLZENTHALER.
Vorlage S. 226
575
Da hörn S' Ihnen dös an. Es kann ja ein Menschen recht sein, dass mer ihm merken lasst, mer weiß, was er für a Mensch is, aber mit einer Handvoll davon hat man gnug, auf die Dauer wird dös langweilig.
Vorlage S. 226
576
BARBARA.
Vorlage S. 226
577
Pepi!
Vorlage S. 226
578
JOSEPHA
Vorlage S. 226
579
weinend.
Vorlage S. 226
580
Ich lass mir's nit verbieten, von niemandem, von ihm schon gar nit, ich kann weinen, soviel ich will.
Vorlage S. 226
581
JOHANN
Vorlage S. 226
582
aus Mitgefühl ebenfalls weinend.
Vorlage S. 226
583
Das wird der Fräuln Pepi doch erlaubt sein?
Vorlage S. 226
584
STÖLZENTHALER.
Vorlage S. 226
585
Ui jegerl, jetzt fanget noch eins zum Musiziern an, ah, da wird's mer doch zu unterhaltlich. Nimmt seinen Zylinder – Stößer – vom Tisch, drückt ihn schief auf den Kopf. Gute Nacht, Frau Mutter.
Vorlage S. 226
586
Geht, eine eben gang und gäbe Melodie pfeifend, durch die Mitte ab.
Vorlage S. 226
587
BARBARA
Vorlage S. 226
588
steht bei Josepha.
Vorlage S. 226
589
Gute Nacht, Herr von Stolzenthaler!
Vorlage S. 226
590
Dreizehnte Szene
Vorlage S. 226
591
Vorige ohne Stolzenthaler.
Vorlage S. 226
592
BARBARA.
Vorlage S. 226
593
Aber Pepi, was hast denn?
Vorlage S. 226
594
JOSEPHA
Vorlage S. 226
595
aufspringend und durch das Zimmer laufend.
Vorlage S. 226
596
Fragn S' doch nit! Ich soll mich etwa nit kränken? Zwei Jahr geh ich jetzt mit dem Menschen, hab alle seine schrecklichen Launen ertragn, weil ich denkt hab, wenn er sich gwöhnt, so nimmt er mich am End doch und ich wurd glücklich und Hausfrau und könnt alle andern auslachen.
Vorlage S. 226
597
BARBARA.
Vorlage S. 226
598
Dös hast du glaubt? Für so dumm hätt ich dich nit ghalten.
Vorlage S. 226
599
JOSEPHA.
Vorlage S. 226
600
Und Sö, Mutter, habn's im voraus gwußt, dass's so kommt?
Vorlage S. 226
601
BARBARA
Vorlage S. 226
602
wie selbstverständlich.
Vorlage S. 226
603
Aber Kind – –
Vorlage S. 226
604
JOSEPHA.
Vorlage S. 226
605
Und da haben Sie ihn ins Haus lassen?
Vorlage S. 226
606
BARBARA.
Vorlage S. 226
607
Hab ich 'n Hausherrnssohn aus der Wohnung weisen können, wo wir dreiviertel Jahr Zins schuldig warn?
Vorlage S. 226
608
JOSEPHA.
Vorlage S. 226
609
Deswegen hätten S' mich doch unter d' Augen bhalten können, nit, dass S' Landpartien mitmachen, mit dö andern im Wirtshaus sitzen bleiben und uns allein herumlaufen lassen.
Vorlage S. 226
610
BARBARA.
Vorlage S. 227
611
Aber, liebs Kind, wenn man die Leut braucht, därf man sich mit ihnen nit verfeinden, da muss man schon a Aug zudrucken, und du bist a jung und lustig, verlangst dein Vergnügn und ein bissel ein Putz, das hättn mer dir net beschaffen können, und zu keiner Arbeit bist net erzogn.
Vorlage S. 227
612
JOSEPHA.
Vorlage S. 227
613
Und warum – warum bin ich denn zu keiner erzogn?
Vorlage S. 227
614
BARBARA.
Vorlage S. 227
615
A harte hätt sich für dich nit gschickt, und was Feins konnt mer dich nit lernen lassen, hätten überhaupt keine Not gehabt und könnten anders dastehn, hätt der Mann net allweil Geld ausm Haus tragn. Dein Vater, der is an allem schuld.
Vorlage S. 227
616
JOSEPHA.
Vorlage S. 227
617
Was hab ich jetzt davon? Das Gfetzwerk und der Gschmuck werdn bald versetzt oder verkauft sein, ich steh da als a arms verlassens Gschöpf, das nix hat als a üble Nachred und um das sich kein Mann mehr umschaut.
Vorlage S. 227
618
BARBARA.
Vorlage S. 227
619
Gehst denn nit! Dir werdn noch gnug kommen. So a Madel, wie du eins bist, dös mag sein, wie's will, und is noch allweil für kein z' schlecht! Aber wenn dir gar so um ein Mann is – muss's gleich sein? –
Vorlage S. 227
620
JOSEPHA.
Vorlage S. 227
621
Lassen S' mich mit Fried!
Vorlage S. 227
622
BARBARA.
Vorlage S. 227
623
Im Ernst, da hätt ich ein bei der Hand, dürfst nur zugreifen.
Vorlage S. 227
624
JOSEPHA.
Vorlage S. 227
625
Möcht wissen, wer?
Vorlage S. 227
626
BARBARA.
Vorlage S. 227
627
Dreh dich nur um!
Vorlage S. 227
628
Wendet sich gegen Johann.
Vorlage S. 227
629
JOHANN
Vorlage S. 227
630
hat Gegenstände, die teils auf, teils neben der Drehbank lagen, aufgegriffen und in Ordnung gebracht – zuckt erschreckt zusammen.
Vorlage S. 227
631
Aber Meisterin! –
Vorlage S. 227
632
Steht mit gebogenen Knien, hat die Oberarme an den Leib gepreßt und die Unterarme und Hände quer über der Brust liegen.
Vorlage S. 227
633
JOSEPHA
Vorlage S. 227
634
in fröhlichen Leichtsinn umschlagend.
Vorlage S. 227
635
Unser Johann? Hahaha! Sie gibt ihm einen leichten Backenstreich. Tschapperl!
Vorlage S. 227
636
BARBARA.
Vorlage S. 228
637
Hahaha!
Vorlage S. 228
638
JOHANN
Vorlage S. 228
639
stimmt dumm in das Gelächter der beiden ein.
Vorlage S. 228
640
Ja – hehe – ja, he!
Vorlage S. 228
641
Vierzehnte Szene
Vorlage S. 228
642
Vorige. Schalanter und Martin durch die Mitte.
Vorlage S. 228
643
SCHALANTER.
Vorlage S. 228
644
Hallo, da geht's ja lustig zu! Da sein mer.
Vorlage S. 228
645
BARBARA.
Vorlage S. 228
646
Na, kommts endlich daher? Was is's denn?
Vorlage S. 228
647
SCHALANTER
Vorlage S. 228
648
zeigt auf das Rekrutensträußchen, das Martin am Hute trägt.
Vorlage S. 228
649
Siehst es nit? Bhalten habn s' ihn. Natürlich. Net werdn s' 'n bhalten, wie der a Bursch is?!
Vorlage S. 228
650
BARBARA
Vorlage S. 228
651
nähert sich Martin und hält dabei die Schürze für etwaige Tränen in Bereitschaft.
Vorlage S. 228
652
Musst also richtig von uns fort, Martin?
Vorlage S. 228
653
MARTIN.
Vorlage S. 228
654
Ja, aber tu sich d' Frau Mutter deswegen net 's neuche Schürzel nass machen. 's zahlet sich net aus.
Vorlage S. 228
655
BARBARA.
Vorlage S. 228
656
Kommt's dir denn nit hart an, dass d' von deine Leut weg sollst?
Vorlage S. 228
657
MARTIN.
Vorlage S. 228
658
Ewig kann mer sowieso net auf der Welt beieinander bleiben. Was anders wär's, wenn s' uns weitmächtig von der Weanastadt, weiß Gott wohin, verlegen täten; aber so bleibn wir ja vorläufig da.
Vorlage S. 228
659
BARBARA.
Vorlage S. 228
660
Na, hast recht. Und wer weiß, wozu 's gut is, dass d' amal von dein Vater fortkommst?!
Vorlage S. 228
661
SCHALANTER.
Vorlage S. 228
662
Weil vielleicht bei dir 's Madl so gut aufghoben is?! Zu Johann. Aber was machen denn Sö noch da, Johann, nachm Feierabend? Gehen S' in ein Wirtshaus, dass S' auch a Mensch werdn!
Vorlage S. 228
663
Johann wechselt den Rock, nimmt später den Hut. Beide hängen an einem Haken an der Wand links.
Vorlage S. 228
664
SCHALANTER.
Vorlage S. 228
665
Laßts euch erzähln! Wir sein von die ersten gwesn, dö drankommen sein. Nur angschaut habn s' ihn, den Martin, gleich hat's gheißen: »Der Mann wird genommen!« – »Den Mann nehm ich zu mein Regiment.« Ein völligs Griß war um ihn. Ich hab's allweil gsagt, und ich bleib dabei, der bringt's zu was. Dazu hat er 'n Verstand und die Reschen, und mehr braucht er nit. Meine Bikennten habn mir's übelgnommen, dass ich ihn mit der Volksschul hab aufhörn lassen und nit in die Realschul geschickt, ich hab drauf gsagt: »A Esel wird nit gscheiter, und wann er gleich aufn Doktor studiert, für ein findigen Kopf aber is die Volksschul in d' Haut hinein gnug.« Das wird sich auch da weisen. Ein Geist braucht's halt, ein Geist und a Kuraschi! Was hilft's denn, wenn ich noch so viel weiß und noch so schön reden kann, deßtwegn kann doch jeder mit mir auf Mord und Brand dischpatiern, lass ich ihm aber, wo der Gspaß aufhört, ein Deuter zukommen, dann gilt, was ich sag.
Vorlage S. 228
666
JOHANN.
Vorlage S. 229
667
Ich empfehl mich!
Vorlage S. 229
668
Geht Mitte ab.
Vorlage S. 229
669
SCHALANTER.
Vorlage S. 229
670
Bhüt Ihner Gott! Den Menschen kann ich nit leiden. Wenn er nit wie a Vieh bei der Arbeit alles zsammreißet, er wär bei mir net dö vierzehn Tag alt wordn, die er da is.
Vorlage S. 229
671
JOSEPHA
Vorlage S. 229
672
zu Martin.
Vorlage S. 229
673
Hast du a Freud zum Soldaten?
Vorlage S. 229
674
MARTIN.
Vorlage S. 229
675
A Freud? Hat schwerlich einer, wo a Muss dabei is.
Vorlage S. 229
676
SCHALANTER.
Vorlage S. 229
677
Mach dir nix draus. Klopft ihm auf die Achsel. Da steht einer, aus dem noch was wird, dazu is er der Bursch, sagts, ich hab's gsagt. Zu Barbara. Aber jetzt, Waberl, tu dich um! Auf das viele Trinken wird man nur noch durstiger, und 'n ganzen Tag habn wir nix zum Beißen ghabt, also schaff was her!
Vorlage S. 229
678
BARBARA.
Vorlage S. 229
679
Ich hab kein Geld.
Vorlage S. 229
680
SCHALANTER.
Vorlage S. 229
681
Kein Geld?
Vorlage S. 229
682
BARBARA.
Vorlage S. 229
683
Hast ja keins dalassen.
Vorlage S. 229
684
SCHALANTER.
Vorlage S. 229
685
Dalassen werd ich noch eins! Leerst du mir nit 's Geldladel aus, wenn ich nur ein Schritt ausm Gwölb mach?
Vorlage S. 229
686
BARBARA.
Vorlage S. 229
687
Heut is nix eingangen.
Vorlage S. 229
688
SCHALANTER.
Vorlage S. 229
689
Nix eingangen wär heut? Gut, nimm's nur auf dein Gwissen! Je mehr du uns herunterbringst, nimm's nur auf dein Gwissen! Wenn du dein Kind den heutigen Tag verderben willst, so muss halt ich mich opfern. Da – Wirft eine Brieftasche auf den Tisch. – ich hab eine Lieferung übernehmen wolln – da liegt die Kaution, gut, ich reiß sie an. Brauch die Lieferung gar nit. Der heutige Tag is mir heilig. Gibt Barbara eine Banknote. Nimm und hol ein Wein und was zu essen – was Guts, bitt ich mir aus! A Tag, wie der heutige – –
Vorlage S. 229
690
BARBARA.
Vorlage S. 230
691
Ich bitt dich gar schön, du tragst dein Geld ins Wirtshaus, als hätten wir jeds Jahr dreihundertfünfundsechzg Bubn und alle Tag Assentierung.
Vorlage S. 230
692
Wendet sich zum Gehen.
Vorlage S. 230
693
SCHALANTER.
Vorlage S. 230
694
Du! Auf das Kaffeegeschirr zeigend. Das könntst wohl mitnehmen.
Vorlage S. 230
695
BARBARA
Vorlage S. 230
696
nimmt das Geschirr vom Tisch.
Vorlage S. 230
697
Geniert's dich?
Vorlage S. 230
698
SCHALANTER.
Vorlage S. 230
699
Ja, weil ich a Ordnung verlang! Matz will ich heißen, wenn das nit schon zwei Stunden am Tisch steht.
Vorlage S. 230
700
BARBARA.
Vorlage S. 230
701
Ja freilich!
Vorlage S. 230
702
Durch die Mitte ab.
Vorlage S. 230
703
SCHALANTER
Vorlage S. 230
704
läuft zur Mitteltüre, reißt sie auf und ruft hinaus.
Vorlage S. 230
705
Musst 's letzte Wort habn?!
Vorlage S. 230
706
BARBARA
Vorlage S. 230
707
von außen.
Vorlage S. 230
708
Matz!
Vorlage S. 230
709
Josepha geht kurz danach links ab und kehrt erst beim Eintreten der Herwig zurück.
Vorlage S. 230
710
SCHALANTER.
Vorlage S. 230
711
Nur 'n Fuß därf man ins Haus setzen, so muss man sich schon ärgern, und da traun sich die Leut, mir was nachzsagen, weil ich lieber auswärts bin! Ja, wann dös Hauswesen a Hauswesen wär, aber schau nur amal, wie's dr da ausschaut – kein Ordnung und kein Geld vorhanden. Wenn das Hauswesen gführt worden wär, hätt man am Madel nit die Schand zu erleben braucht, und du hättst nit not, drei Jahr 'n Schießprügel z' schleppen, den einjährigen Freiwilligen hätt's uns auch noch tragn. Aber, wer is an allem schuld? Dein Mutter, an allem!
Vorlage S. 230
712
MARTIN
Vorlage S. 230
713
wirft sich lässig auf das Sofa.
Vorlage S. 230
714
Streiten S' nur nit wieder mit ihr, wenn s' zurückkommt. Dö paar Täg, die ich noch frei bin, will ich a Ruh habn.
Vorlage S. 230
715
SCHALANTER.
Vorlage S. 231
716
Und weil du a Ruh habn willst, soll ich kein Wort reden dürfen?
Vorlage S. 231
717
MARTIN.
Vorlage S. 231
718
Gegen 's Reden hab ich ja nix, nur gegen 's Streiten. D' Nachbarschaft wird sich auch nit ängstigen, wenn s' uns a Weil nit hört, und wenn ich fort bin, können Sie's ja wieder einbringen, aber bis dahin leid ich's nit.
Vorlage S. 231
719
SCHALANTER.
Vorlage S. 231
720
Du willst's nit leiden? Ja, wer is denn eigentlich der Herr da zwischen dö vier Mäuern, ich frag, wer?
Vorlage S. 231
721
MARTIN.
Vorlage S. 231
722
Na, fangen S' etwa gar mit mir an!
Vorlage S. 231
723
SCHALANTER.
Vorlage S. 231
724
Mit dir? Fallet mir ein! Sein wir uns gleich? Darfst du dir a Antwort gegen mich herausnehmen? Wär schön! Mit dir hab ich, Gott sei Dank, noch anzschaffen! Streiten werd ich mich mit dir! Wer bist denn du gegen meiner, dummer Bub!?
Vorlage S. 231
725
MARTIN
Vorlage S. 231
726
fährt empor, mit zornfunkelnden Augen.
Vorlage S. 231
727
Was habn S' gsagt? Schiebt den Tisch von sich und tritt auf Schalanter zu.
Vorlage S. 231
728
SCHALANTER
Vorlage S. 231
729
zurückweichend.
Vorlage S. 231
730
Na, na – ich hab mich halt vergessen – ich weiß schon, dass man das nit zu dir sagen darf.
Vorlage S. 231
731
MARTIN.
Vorlage S. 231
732
So sagn Sie's a nit, das därf mir niemand sagn! Das hab ich schon vor Jahren nit glitten.
Vorlage S. 231
733
Es klopft.
Vorlage S. 231
734
Fünfzehnte Szene
Vorlage S. 231
735
Schalanter, Martin, Josepha, Herwig.
Vorlage S. 231
736
HERWIG
Vorlage S. 231
737
altes, ärmlich gekleidetes Mütterchen, geht mit einem Stock, tritt durch die Mitte ein.
Vorlage S. 231
738
Guten Abend!
Vorlage S. 231
739
Josepha von links zurück.
Vorlage S. 231
740
SCHALANTER
Vorlage S. 231
741
beiseite.
Vorlage S. 231
742
Ui, die Schwiegermutter! Laut. Guten Abend! Sö entschuldigen schon, ich muss a bissel Luft schöpfen.
Vorlage S. 231
743
Geht durch die Mitte ab.
Vorlage S. 231
744
HERWIG.
Vorlage S. 231
745
Lassen S' Ihnen nit abhalten – ich komm nur wegen die Kinder. Geht nach vorne. Grüß eng Gott! Droht Martin mit dem Finger. Dich hab ich bis in die Kuchel hinaus schreien ghört, Gifthahn!
Vorlage S. 231
746
Josepha setzt einen Stuhl in die Mitte der Bühne.
Vorlage S. 232
747
HERWIG.
Vorlage S. 232
748
Ich dank dir, Pepi. Setzt sich. So, da habts wieder die Alte, und jetzt laßts mit euch reden. – Wie's noch klein warts, da bin ich da im Haus gwesen und hab euch aufwachsen gsehn. Wenn fremde Leut alle Unarten von die Kinder lieb finden, so ist das eine Gustosachen, wenn's aber die eigenen Eltern tun, so ist das a Malör. – Es war a Malör. – Man hat von euch so wenig wie von andere Kinder sagen können, dass's ös amal schön und gscheit werden müßts, aber ös all zwei seids aufzogn wordn – Deutet auf Josepha. –, du als die Schönste – Auf Martin weisend. – und der als der Gscheiteste! So is mit eng a Stolz herangewachsen, der gefährlichste, der, der selber nit weiß, auf was und warum. Ich hab gnug dagegn gredt und hätt a nit aufghört damit, bis's eng amal zwider wordn wär und ihr doch danach tan hätts, es is aber früher euern Eltern zwider wordn, und es hat gheißen: »Hörts net auf die Alte!« Na, da hat die Alte ihr Sacherl gnommen und is gangen, reden hätt s' nix sollen und ruhig zuschaun, das war ihr net gegeben. Sie war halt a Großmutter, die Alte. Stampft mit dem Stock bekräftigend auf. Dann bin ich erst wiederkommen – wie ös schon die Kinderschuh vertreten ghabt habts – nachschaun, was aus euch wordn is. Ich hab mir gnug gsehn. Du bist schön wordn, aber noch lang nit die Schönste, und du warst net dumm, aber noch lang nit der Gscheiteste. Dös habts ös a ganz gut verspürt, aber keins hat sich's eingstehn wolln. Zu Josepha. Mit ein ehrlichen Gwerbsmann hättst du dich nit verkünden lassen – wohl aber ausrichten mit ein Hausherrnssohn. Zu Martin. Und du bist gleich blindwütig über jeden hergfalln, der nur mit ein Wörtel den großen Herrn beleidingt hat, der du ganz einwendig vor dir selber warst. Der nämliche Stolz, von dem ich vorhin gredt hab, hat das eine von euch zum Leichtsinn, das andere zum Jähzorn bracht. Dich, Pepi, hab ich damals gleich 's erste Mal gwarnt: »Lass dich auf die Landpartien nit ein, bleib brav!« Und 'm Martin hab ich gsagt: »Die Leut wissen ja weiter nix von dir, als dass du nebenher ein Wirtshausbruder und ein Raufhansl bist, und da drauf brauchst dir just nit viel einzbilden, überheb dich net!« Aber da hat's wieder gheißen: »Hörts nit auf die Alte!« – Na, und so habn wir sich halt in euere Kindertägn öfter gredt, spätere Zeit weniger, und dasmal dürft wohl 's letzte Mal sein! Ich bin kommen, weil ich ghört hab, dass s' dich zum Militär nehmen und – Zu Josepha. – dass zwischen dir und 'm jungen Stolzenthaler alles vorbei is.
Vorlage S. 232
749
MARTIN.
Vorlage S. 233
750
Also doch einmal? Gschieht dir recht!
Vorlage S. 233
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HERWIG.
Vorlage S. 233
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Sei nit schadenfroh, Martin. – Ich komm, weil ich's für mein Pflicht halt, ich komm – und wenn's auch gleich wieder heißt: »Hörts nit auf die Alte« –, um euch zu sagen: Kinder, es is jetzt Gelegenheit und die höchste Zeit, dass's gscheit werdts! Ös habts mir schon viel Sorg gmacht und manche schlaflose Nacht kost, ös wißts ja nit, was der Leichtsinn und der Jähzorn aus ein Menschen machen können! Sie erhebt sich. Ich bitt euch mit aufghobenen Händen, dass ich mir noch Guts von euch auf der Welt erhoffen kann, werdts gscheit! Tritt zu Josepha. Schau, Pepi, mein liebs Kind, du bist jetzt wieder frei ledig. Du warst jung, so viel jung und unbehüt – viel schlimmer noch – ich will's nit bereden –, lass dich jetzt auf kein so zweites Stückl ein, das eine verzeiht man dir, wann's dein einzigs bleibt, nach ein zweiten möcht man sich schon besinnen, weil man fürcht, das Verzeihen und die Leichtfertigkeit könnten fortdauern, dass kein Herrgott für a End stünd und du selber nit. Sei gscheit, und wie damal sag ich dir: bleib brav! Wendet sich an Martin. Und du, Martin, mein liebs Enkelkind, du kommst jetzt unter lauter fremde Leut, zum Militär, und da tragt man zwar Handschuh, aber nur zur Paradi, hab ich mir sagen lassen, und für gwöhnlich fasst mer kein mit zarte Händ an. Denk, wohin dich der Zornteufel bringen könnt, wenn du dich für besser halten möchst als die andern! Du hast's nit Ursach. Schau, wie dich dein Vater vorhin hat ein dummen Bubn gheißen, meinst wirklich, damit beweist man, dass man a Mann und gscheit wär, wenn man herumschreit wie a Wildling!? Drum sei gscheit, Martin, wie damal sag ich dir: Überheb dich nit! Alle sind unterdem etwas nach rückwärts gekommen, sie trippelt nach der Tür, wo ein Weihwassergefäß hängt, sie macht Josepha das Zeichen des Kreuzes auf die Stirne. So, Pepi! Sie geht zu Martin. Bei dir reich ich nit so hoch. Sie macht ihm das Kreuzeszeichen auf die Brust. So! Und jetzt bhüt euch Gott! Seids gscheit, Kinder – seids gscheit!
Vorlage S. 233
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Ab durch die Mitte.
Vorlage S. 234
754
MARTIN
Vorlage S. 234
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langsam vorkommend.
Vorlage S. 234
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Du, Pepi!
Vorlage S. 234
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JOSEPHA.
Vorlage S. 234
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Ja!
Vorlage S. 234
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MARTIN.
Vorlage S. 234
760
Ich weiß nit, ob's gut war, dass die Großmutter von uns Kindern fortkommen is!
Vorlage S. 234
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Sechzehnte Szene
Vorlage S. 234
762
Martin, Josepha, durch die Mitte treten Schalanter und Barbara ein, welche Weinflaschen und Schüsseln mit Speisen tragen.
Vorlage S. 234
763
SCHALANTER.
Vorlage S. 234
764
Mir sein da! Die Predigt habts überstanden, jetzt könnts euch drauf stärken.
Vorlage S. 234
765
BARBARA
Vorlage S. 234
766
ordnet Geschirr und Gläser auf dem Tische.
Vorlage S. 234
767
Ich weiß ja, wie die Mutter is, nach der müsst das Madl so heilig tun wie a Klosterfrau.
Vorlage S. 234
768
SCHALANTER
Vorlage S. 234
769
füllt die Gläser.
Vorlage S. 234
770
Und der Martin wie a Kartauser und Duckmauser. Mein Gott, 's is a alts Weib, das sich in der heutigen Welt gar nimmer auskennt.
Vorlage S. 234
771
SCHALANTER UND BARBARA.
Vorlage S. 234
772
Hörts nit auf die Alte!
Vorlage S. 234
773
Martin und Josepha sehen sich an und müssen lachen.
Vorlage S. 234
774
SCHALANTER.
Vorlage S. 234
775
Ös brauchts niemand zu gfallen als euern Eltern. Laßts euch nit irr machen! Zu Martin. Du bist allweil wer, a wenn d' nix bist, noch allweil mehr als die andern! Auf Josepha. Und wenn die will, kann s' heut noch a Volkssängerin werdn, a Stimm braucht s' nit, nur um die Text handelt sich's und um a Erfahrung, dass man s' zur Geltung bringt. – Angstoßen, dass ma a Freud an unsern Kindern erlebn! Singt. Hoch solln sie leben, hoch solln sie leben, dreimal hoch!
Vorlage S. 234
776
Das Orchester nimmt die Melodie auf. Alle stimmen ein und stoßen an. Das Glas Martins bricht in Scherben. Der Vorhang fällt rasch. Das Orchester bringt den schrillen Klang des zerspringenden Glases und knüpft daran gleich die Zwischenaktsmusik.
Vorlage S. 235

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Ja, gnä Herr, das …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Jessas, wenn sich am End gar die jungen Leut […] sollten, das wär schön!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »Weil« in diesem Textausschnitt? »Weil vielleicht bei dir 's Madl so gut aufghoben is?!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

4. Welcher Ausschnitt kennzeichnet eine Aussage ausdrücklich als Möglichkeit oder Vermutung? Achte auf die Formulierung; entscheide nicht, ob die Aussage tatsächlich wahr ist.

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

5. Welche Sprecherangabe gehört im Kapitel zu diesen Worten? »Oh, was Sie auch über ihn sagen mögen, ich glaube Ihnen, ich glaube Ihnen alles!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »So a Madel, wie du eins bist, dös mag sein, wie's will, und is noch allweil für kein z' schlecht!« B: »Oh, sapperlot, das is a verbotene – vom Hausierer.« C: »und Geraunz über Gott und Welt möcht a End finden.« Hat er gsagt – und nach derer Red habn wir uns alle, ich, mein Bruder und meine Schwester gricht«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗

7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Mein Alter will mich verheiraten, und da ich ihm schon mehr zu …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »So a […], wie du eins bist, dös mag sein, wie's will, und is noch allweil für kein z' schlecht!«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗

9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Du warst jung, so viel jung und unbehüt – viel schlimmer noch – ich will's nit bereden –, lass dich jetzt auf kein so zweites Stückl ein, das eine verzeiht man dir, wann's dein einzigs bleibt, nach ein zweiten möcht man sich schon besinnen, weil man fürcht, das«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle nachlesen ↗

10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Dich, Pepi, hab ich damals gleich 's erste Mal gwarnt: »Lass dich …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Lies den Abschnittsbeginn: »Schön und Anna, mit Gartenarbeit beschäftigt.« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
  • Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
Textstelle nachlesen ↗

2. Prüfe, ob es in dieser Passage um Gerechtigkeit oder Verantwortung geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »Hab ich 'n Hausherrnssohn aus der Wohnung weisen können, wo wir dreiviertel Jahr Zins schuldig warn?«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Wahrheit oder Vertrauen geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] gut verspürt, aber keins hat sich's eingstehn wolln. Zu Josepha. Mit ein ehrlichen Gwerbsmann hättst du dich nit verkünden lassen – wohl aber ausrichten mit ein Hausherrnssohn. Zu Martin. Und du bist gleich blindwütig über jeden hergfalln, […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Angst oder Unsicherheit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] einzigs bleibt, nach ein zweiten möcht man sich schon besinnen, weil man fürcht, das Verzeihen und die Leichtfertigkeit könnten fortdauern, dass kein Herrgott für a End stünd und du selber nit. Sei gscheit, und wie damal sag ich dir: bleib […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] den Mut, den Schein des Leichtsinns auf dich zu laden, um dir ein treues Herz fürs ganze Leben zu gewinnen? Oh, um aller Heiligen willen, habe nur nicht die Schwäche, dich willenlos ins Elend stoßen zu lassen. Erhalt mir dein Bild rein, […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

6. Vergleiche diese beiden Stellen: »macht hinter Hedwigs Rücken Zeichen entrüsteter Abwehr.« und »ein junger Mensch, ebenfalls ohne Geschmack geputzt, die Hand voll schwerer Ringe, eine auffallende Uhrkette, zwischen den Zähnen […]«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
  • Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

7. Am Abschnittsende steht: »Das Orchester nimmt die Melodie auf. Alle stimmen ein und stoßen an. Das Glas Martins bricht in Scherben. Der Vorhang fällt rasch. Das Orchester bringt den schrillen Klang des zerspringenden Glases und knüpft […]« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
  • Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
Textstelle nachlesen ↗

8. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Schön und Anna, mit Gartenarbeit beschäftigt.« / »Das Orchester nimmt die Melodie auf. Alle stimmen ein und stoßen an. Das Glas Martins bricht in Scherben. Der […]«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Originalabsatz. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
  • Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
  • Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Du gießt ja schon dreimal aufm nämlichen Fleck.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Erhalt mir dein Bild rein, lass mich's nicht denken herabgekommen und befleckt durch den steten Umgang mit der Gemeinheit.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
Textstelle nachlesen ↗

Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »Hoch solln sie leben, hoch solln sie leben, dreimal hoch!«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
Textstelle nachlesen ↗

Ausgabe, Herkunft und Rechte

Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Das vierte Gebot von Anzengruber, Ludwig ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).

Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.

Das vierte Gebot

Ludwig Anzengruber: Werke in zwei Bänden. Ausgewählt und eingeleitet von Manfred Kuhne, 2. Auflage, Berlin und Weimar: Aufbau, 1977 [Bibliothek Deutscher Klassiker]. Anzengruber, Ludwig 205- 1977 Berlin und Weimar

Das Werk Das vierte Gebot von Anzengruber, Ludwig ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; reine Originaltexte gemeinfrei Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.