Deutsch · Abschnitt 2 von 13
Erster Gesang
1 Erster Gesang.
Vorlage S. 3 2 Des Menschen erste Schuld und jene Frucht
Vorlage S. 3 3 Des strengverbotnen Baums, die durch Genuss
Vorlage S. 3 4 Tod in die Welt gebracht und jeglich Weh,
Vorlage S. 3 5 Die Eden raubte, bis ein größrer Mensch
Vorlage S. 3 6 Des Heiles Sitz uns wiederum errang:
Vorlage S. 3 7 Besing' o Himmelsmuse, die auf Horebs,
Vorlage S. 3 8 Auf Sinai's verborgnem Gipfel einst,
Vorlage S. 3 9 Den Hirten entflammte, der zuerst belehrt
Vorlage S. 3 10 Das auserwählte Volk, wie Erd und Himmel
Vorlage S. 3 11 Im Anfang aus dem Chaos sich erhob;
Vorlage S. 3 12 Von dorther, oder wenn des Sion Hügel,
Vorlage S. 3 13 Siloah's Quell, der bei des Herrn Orakel
Vorlage S. 3 14 Hinfloß, dich mehr erfreut, so ruf ich dich
Vorlage S. 3 15 Von dort herab, mein kühnes Lied zu weih'n,
Vorlage S. 3 16 Das nicht gemeinen Flugs Aeoniens Berg
Vorlage S. 3 17 Mit solchen Dingen überschweben will,
Vorlage S. 3 18 An die sich Vers und Prosa nie gewagt.
Vorlage S. 3 19 Vor Allem du beseele mich, o Geist,
Vorlage S. 3 20 Der offne Herzen mehr als Tempel liebt:
Vorlage S. 3 21 Du bist allwissend, warst vom Anbeginn
Vorlage S. 3 22 Und ruhtest brütend einer Taube gleich
Vorlage S. 3 23 Mit mächtig ausgespreiztem Flügelpaar,
Vorlage S. 3 24 Den ungeheuern Abgrund fruchtbar machend.
Vorlage S. 3 25 Was in mir dunkel ist, erleuchte du,
Vorlage S. 3 26 Was in mir niedrig, heb' und stütze du;
Vorlage S. 3 27 Dass ich gemäß dem hohen Gegenstand
Vorlage S. 3 28 Die Wege Gottes zu den Menschen preisend
Vorlage S. 3 29 Die ewige Vorsehung vertheid'gen mag.
Vorlage S. 3 30 O sprich zuerst – denn Nichts verbirgt der Himmel,
Vorlage S. 3 31 Die tiefe Hölle Nichts vor deinem Blick –
Vorlage S. 3 32 O sprich, was unser erstes Elternpaar
Vorlage S. 3 33 In jener Seligkeit und Himmelsgunst
Vorlage S. 3 34 Bewog, von ihrem Schöpfer abzufallen,
Vorlage S. 3 35 Um ein Verbot sein Wort zu übertreten,
Vorlage S. 3 36 Sie, die doch sonst die Herrscher dieser Welt?
Vorlage S. 3 37 Sprich! wer verführte sie zu dieser Schuld?
Vorlage S. 3 38 Der Höllendrache, Jener, dessen List
Vorlage S. 3 39 Von Rach' und Neid erregt, der Menschen Mutter
Vorlage S. 3 40 Zu einer Zeit betrog, als ihn sein Stolz
Vorlage S. 3 41 Herab vom Himmel stürzte sammt der ganzen
Vorlage S. 3 42 Rebellischen Engelschaar, mit deren Hülfe
Vorlage S. 3 43 Er glorreich seines Gleichen zu beherrschen
Vorlage S. 3 44 Und Gott sich gleich zu stellen trachtete,
Vorlage S. 3 45 Da er durch Widerstand und ehrsuchtvoll
Vorlage S. 3 46 Verruchten Krieg im Himmel gegen Gottes
Vorlage S. 3 47 Alleinherrschaft erhob, und stolzen Kampf,
Vorlage S. 3 48 Der fruchtlos blieb. Des Allerhöchsten Macht
Vorlage S. 3 49 Stieß häuptlings ihn aus den äther'schen Höh'n
Vorlage S. 3 50 Furchtbaren Sturzes glutumflammt hinab
Vorlage S. 3 51 Zum bodenlosen Abgrund, dort zu wohnen
Vorlage S. 3 52 In Demantketten und in Feuerpein,
Vorlage S. 3 53 Da dem Allmächtgen er gewagt zu trotzen.
Vorlage S. 3 54 Neun Mal die Zeit, die bei den Sterblichen
Vorlage S. 3 55 Den Tag, die Nacht bezeichnet, lag er dort
Vorlage S. 3 56 Besiegt mit seiner schaudervollen Horde,
Vorlage S. 3 57 Im Feuerpfuhl sich wälzend, sinnverwirrt,
Vorlage S. 3 58 Und doch unsterblich; denn zu größrer Qual
Vorlage S. 3 59 War er verdammt, nun martert der Gedanke
Vorlage S. 3 60 Verlornen Glückes ihn, und ew'ger Pein;
Vorlage S. 3 61 Die düstern Augen wirft er rund umher,
Vorlage S. 3 62 Die Angst und tiefe Traurigkeit verrathen,
Vorlage S. 3 63 Worein verstockter Stolz und Haß sich mischt;
Vorlage S. 3 64 Er sieht, so weit als Engel können sehn,
Vorlage S. 3 65 In seiner Lage wüst' und elend sich,
Vorlage S. 3 66 Ein furchtbarlich Gefängnis flammt um ihn,
Vorlage S. 3 67 Gleich einem Feuerofen, doch den Flammen
Vorlage S. 3 68 Entstrahlt kein Licht; nur sichtbar finstre Nacht
Vorlage S. 3 69 Enthüllt ihm hier die Gruppen tiefen Weh's,
Vorlage S. 3 70 Die Gegenden der Sorgen, düstre Schatten,
Vorlage S. 3 71 Wo Friede nicht, noch Ruhe je verweilt,
Vorlage S. 3 72 Wohin selbst Hoffnung, die sonst Allen naht,
Vorlage S. 3 73 Nicht kommen kann; nur endlos grimme Pein
Vorlage S. 3 74 Mischt sich der Feuerflut, genährt von Schwefel,
Vorlage S. 3 75 Der ewig brennt und nimmer sich verzehrt.
Vorlage S. 4 76 Solch einen Ort erschuf der ewge Richter
Vorlage S. 4 77 Für die Empörer, deren Kerker hier
Vorlage S. 4 78 Aus tiefstem Dunkel gähnt, dass sie von Gott
Vorlage S. 4 79 Und Himmelslicht drei Mal so weit entfernt,
Vorlage S. 4 80 Als wie der Mittelpunkt vom letzten Pol.
Vorlage S. 4 81 Wie ungleich jenem Raum, aus dem sie fielen!
Vorlage S. 4 82 Dort sieht er die Genomen seines Fall's
Vorlage S. 4 83 Von Flut und Wirbelwind der Feuermassen
Vorlage S. 4 84 Verschlungen, und an seiner Seite wälzen
Vorlage S. 4 85 Den Einen, an Verbrechen und Gewalt
Vorlage S. 4 86 Ihm selbst der nächste, der bekannt dereinst
Vorlage S. 4 87 In Palästina ward als Beelzebub.
Vorlage S. 4 88 Zu diesem wandt der Erzfeind jetzo sich,
Vorlage S. 4 89 Der in dem Himmel Satan wird genannt,
Vorlage S. 4 90 Mit trotzigem Wort das grause Schweigen brechend:
Vorlage S. 4 91 »Wenn Du es bist, – doch o! wie tief gefallen,
Vorlage S. 4 92 Wie ungleich Dem, der in den Lichtgefilden
Vorlage S. 4 93 Mit höchstem Glanz bekleidet, Myriaden
Vorlage S. 4 94 An Schimmer überstrahlte – wenn Du's bist,
Vorlage S. 4 95 Den wechselseitig Bündniß, gleicher Plan,
Vorlage S. 4 96 Hoffnung und Wagniß in der großen That
Vorlage S. 4 97 Mit mir verband, und Elend nun im Sturz –
Vorlage S. 4 98 Du siehst, in welchen Pfuhl, aus welcher Höhe
Vorlage S. 4 99 Gestürzt wir sind, so mächtig war sein Donner,
Vorlage S. 4 100 Wer hat vorher auch dieser grausen Waffe
Vorlage S. 4 101 Gewalt gekannt? doch weder dies, noch auch
Vorlage S. 4 102 Was sonst des mächtigen Siegers Grimm verhängt,
Vorlage S. 4 103 Lässt mich bereun und meinen Willen ändern,
Vorlage S. 4 104 Ob ich verändert auch im äußern Glanz,
Vorlage S. 4 105 Groll fühl ich ob beleidigten Verdienstes,
Vorlage S. 4 106 Was mit dem Höchsten mich zu kämpfen zwang,
Vorlage S. 4 107 Und mich zum Streit die unermessne Macht
Vorlage S. 4 108 Bewehrter Geisterscharen führen hieß,
Vorlage S. 4 109 Die seine Herrschaft wagten zu verschmähn,
Vorlage S. 4 110 Die mich erwählten, seiner Allgewalt
Vorlage S. 4 111 Sich widersetzten, auf den Himmelsau'n
Vorlage S. 4 112 In zweifelhaften Treffen seinen Thron
Vorlage S. 5 113 Erschütternd. Ob das Schlachtfeld auch verloren,
Vorlage S. 5 114 Ist doch nicht Alles hin; der Wille nicht,
Vorlage S. 5 115 Der unbesiegbar, nicht der Rache Durst,
Vorlage S. 5 116 Der ewge Haß und Muth, sich nie zu beugen,
Vorlage S. 5 117 Und was noch sonst unüberwindlich ist:
Vorlage S. 5 118 Den einen Ruhm soll nimmer mir sein Grimm
Vorlage S. 5 119 Und seine Macht entreißen. Wollt' ich jetzt
Vorlage S. 5 120 Kniebeugend ihn um seine Gnade flehn
Vorlage S. 5 121 Und seine Macht vergöttern, dessen Reich
Vorlage S. 5 122 Jüngst vor dem Schrecken dieses Arms erbebte,
Vorlage S. 5 123 So wär' es wahrlich niedrig, wäre Schmach
Vorlage S. 5 124 Und größre Schande noch als unser Sturz,
Vorlage S. 5 125 Da nach dem Schicksal nie die Macht der Götter,
Vorlage S. 5 126 In uns das Himmlische nie schwinden kann;
Vorlage S. 5 127 Weil die Erfahrung dieses großen Kampfs
Vorlage S. 5 128 An Kräften uns nicht schwächer; ja nur stärker
Vorlage S. 5 129 An Vorsicht machte, können wir mit mehr
Vorlage S. 5 130 Erfolg und Hoffnung ewge Fehde wagen,
Vorlage S. 5 131 Die unversöhnlich mit Gewalt und List
Vorlage S. 5 132 Den größten unsrer Feinde soll bekriegen,
Vorlage S. 5 133 Der triumphirend jetzt im Freudetaumel
Vorlage S. 5 134 Des Himmels Herrschaft ganz allein besitzt.«
Vorlage S. 5 135 So sprach der abgefallnen Engel Herr
Vorlage S. 5 136 Laut prahlend, doch gefoltert von Verzweiflung
Vorlage S. 5 137 Und keck entgegnet ihm sein Mitgenoß:
Vorlage S. 5 138 »O Fürst und Haupt so vieler Herrschermächte,
Vorlage S. 5 139 Die in den Krieg die Seraphim geführt,
Vorlage S. 5 140 Die furchtlos bei der schreckenvollsten That
Vorlage S. 5 141 Des ewgen Himmelskönigs Thron bedrohten,
Vorlage S. 5 142 Zu prüfen seiner Oberherrschaft Kraft,
Vorlage S. 5 143 Ob sie auf Zufall oder Macht gestützt:
Vorlage S. 5 144 Wohl seh ich und beklag' ich dies Ereignis,
Vorlage S. 5 145 Das durch der Niederlage grausen Sturz
Vorlage S. 5 146 Den Himmel uns verlor und unser ganzes
Vorlage S. 5 147 Gewaltiges Heer furchtbar zertrümmerte,
Vorlage S. 5 148 So weit als Götter oder Himmelswesen
Vorlage S. 5 149 Zu Grunde gehn, denn Geist und Seele bleibt
Vorlage S. 5 150 Unüberwindlich; bald auch kehrt die Kraft,
Vorlage S. 6 151 Ob unser Ruhm auch schwand und unser Glück
Vorlage S. 6 152 Von endlos arger Pein verschlungen ward.
Vorlage S. 6 153 Doch wie, wenn unser Sieger (dessen Kraft
Vorlage S. 6 154 Ich anerkennen muss, da nicht geringere
Vorlage S. 6 155 Die unsern Kräfte je besiegen konnte)
Vorlage S. 6 156 Uns Geist und Stärke ließ, um unsre Qual
Vorlage S. 6 157 Ganz kräftig zu erdulden und zu leiden,
Vorlage S. 6 158 Dass seinem Rächerzorne wir genügen,
Vorlage S. 6 159 Und ihm als Knechte nach dem Kriegesrecht
Vorlage S. 6 160 Zu Dienste stehn; gleichviel, zu welchem Frohn,
Vorlage S. 6 161 Um hier im Hag der Hölle bei dem Feuer,
Vorlage S. 6 162 Ob in dem Pfuhl als Boten mitzuwirken:
Vorlage S. 6 163 Was frommt es uns, dass unvermindert wir
Vorlage S. 6 164 Die Stärke so wie ewges Dasein fühlen,
Vorlage S. 6 165 Um ewige Bestrafung auszustehn?«
Vorlage S. 6 166 Worauf der Erzfeind rasch erwiderte:
Vorlage S. 6 167 »Gefallner Cherub, schwach zu sein ist elend
Vorlage S. 6 168 Im Tun und Leiden; doch versichert sei,
Vorlage S. 6 169 Nie wird mehr Gutes unser Handeln sein,
Vorlage S. 6 170 Das Böse tun wird unsre höchste Lust,
Vorlage S. 6 171 Als seines hohen Willens Gegentheil,
Vorlage S. 6 172 Den wir bekriegt. Wenn seine Vorsehung
Vorlage S. 6 173 Aus unserm Bösen Gutes schaffen will,
Vorlage S. 6 174 So müssen diesen Zweck wir ihm vereiteln,
Vorlage S. 6 175 Im Guten Stoff zum Bösen stets zu finden.
Vorlage S. 6 176 Dies wird uns oft gelingen, und vielleicht
Vorlage S. 6 177 Ihn öfters kränken, und wenn ich nicht irre
Vorlage S. 6 178 Vom Ziel ihm den geheimsten Willen lenken.
Vorlage S. 6 179 Doch sieh, der grimmige Sieger hat die Diener
Vorlage S. 6 180 Der Rache schon zum Thor des Himmels wieder
Vorlage S. 6 181 Zurückgewinkt; die Schwefelhagelflut,
Vorlage S. 6 182 Die uns im Sturme nachgeschüttelt ward,
Vorlage S. 6 183 Hat ausgetobt, im wilden Flammenmeer,
Vorlage S. 6 184 Das uns umwogt, als wir vom Himmel stürzten;
Vorlage S. 6 185 Der Donner, mit dem rothen Blitz beschwingt
Vorlage S. 6 186 Und ungestümer Wuth, hat seinen Köcher
Vorlage S. 6 187 Vielleicht erschöpft, und lässt allmählich nach,
Vorlage S. 6 188 Zu brüllen durch den endlos wüsten Schlund.
Vorlage S. 7 189 Lass die Gelegenheit uns nicht versäumen,
Vorlage S. 7 190 Die uns des Feinds gesättigte Wuth verschafft.
Vorlage S. 7 191 Siehst du die furchtbar öde Haide dort,
Vorlage S. 7 192 Die Wohnung der Verzweiflung, ohne Licht,
Vorlage S. 7 193 Bis auf den Schimmer dieser fahlen Flammen,
Vorlage S. 7 194 Die blass und schrecklich flimmern? Dorthin lass
Vorlage S. 7 195 Uns retten aus der Feuerwogen Stößen,
Vorlage S. 7 196 Lass dort uns ruhn, wenn irgend Ruhe dort,
Vorlage S. 7 197 Und sammelnd unser tiefbetrübtes Heer
Vorlage S. 7 198 Erwägen, wie wir unsern Schaden bessern,
Vorlage S. 7 199 Und unser furchtbar Elend überstehn,
Vorlage S. 7 200 Wie aus der Hoffnung wir Verstärkung schöpfen,
Vorlage S. 7 201 Wo nicht, Entschlossenheit aus der Verzweiflung.«
Vorlage S. 7 202 So sprach der Satan zu dem Leidgefährten,
Vorlage S. 7 203 Das Haupt der Flut enthoben, und die Augen
Vorlage S. 7 204 In Flammen funkelnd; niederwärts gebeugt
Vorlage S. 7 205 Schwamm mehre Hufen weithin ausgestreckt
Vorlage S. 7 206 Sein Körper auf den Wogen lang und breit,
Vorlage S. 7 207 An Größe jenen Riesen gleich der Fabel,
Vorlage S. 7 208 Wie die Titanen oder Erdgebornen,
Vorlage S. 7 209 Die Zeus bekriegt, wie Typhon und Briareus,
Vorlage S. 7 210 Die einst die Schlucht beim alten Tarsus barg,
Vorlage S. 7 211 Wie jenes Seegethier, der Leviathan,
Vorlage S. 7 212 Den Gott als allergrößtes Wesen schuf,
Vorlage S. 7 213 Das in des Ozeans Gewässern schwimmt,
Vorlage S. 7 214 Den, wenn er in Norwegens Schaume schlummert,
Vorlage S. 7 215 Der Schiffer einer nachtereilten Barke
Vorlage S. 7 216 Oft für ein Eiland hält, und, wie man sagt,
Vorlage S. 7 Kontextbild zum Werk. Historische Illustration zu „Das verlorene Paradies“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Gustave Doré · Public domain Bildquelle ↗ 217 Wirft dann der Seemann in die Schuppenhaut
Vorlage S. 7 218 Den Anker, und liegt vor dem Wind geschützt
Vorlage S. 7 219 An seiner Seite, wenn noch nachtumhüllt
Vorlage S. 7 220 Dem Meer nicht der ersehnte Morgen lacht.
Vorlage S. 7 221 So ausgestreckt lag jetzt der Satan da,
Vorlage S. 7 222 Gekettet an den Feuersee; wohl nimmer
Vorlage S. 7 223 Hätt' er sein Haupt erhoben, wenn der Wille
Vorlage S. 7 224 Und die Erlaubnis des Allwaltenden
Vorlage S. 7 225 Ihm Raum zu seinem finstern Werke ließ,
Vorlage S. 7 226 Damit er selbst durch wiederholten Frevel
Vorlage S. 8 227 Verdammniß auf sich häufe, da er Andern,
Vorlage S. 8 228 Zu schaden sucht' und dann voll Grimm gewahrt,
Vorlage S. 8 229 Wie alle Bosheit Gutes nur erschuf,
Vorlage S. 8 230 Und den durch ihn verführten Menschenkindern
Vorlage S. 8 231 Unendlich Huld und Gnad' erwiesen wird,
Vorlage S. 8 232 Doch wälzt auf ihn sich dreifach Rach' und Wuth, –
Vorlage S. 8 233 Jetzt richtet aus dem Pfuhl er sich empor,
Vorlage S. 8 234 Gewalt'gen Wuchses, von den beiden Seiten
Vorlage S. 8 235 Zurückgetrieben, senken sich der Flammen
Vorlage S. 8 236 Hochzackige Gipfel, rollen in die Wogen
Vorlage S. 8 237 Und lassen mittenin ein schrecklich Thal.
Vorlage S. 8 238 Dann steuert er mit ausgespannten Schwingen
Vorlage S. 8 239 Im Flug empor, auf finstern Lüften schwebend,
Vorlage S. 8 240 Die ungewohnte Last empfinden, bis er dann,
Vorlage S. 8 241 Das trockne Land erreicht, wenn Land es war,
Vorlage S. 8 242 Wo immerfort ein festes Feuer glimmt,
Vorlage S. 8 243 So wie der See von flüssigen Flammen glühte:
Vorlage S. 8 244 An Farbe schien es so, als ob die Kraft
Vorlage S. 8 245 Der unterirdischen Winde Felsen reißt
Vorlage S. 8 246 Von dem Pelorus und dem donnernden
Vorlage S. 8 247 Geborstnen Aetna, dessen Eingeweide
Vorlage S. 8 248 Brandträchtig und verbrennbar Feuer fängt,
Vorlage S. 8 249 Das, durch die Wuth der Lava noch erhöht,
Vorlage S. 8 250 Vereint dem Sturme, nur versengten Boden
Vorlage S. 8 251 Voll Qualm und Rauch zurückläßt. Solchen Ort
Vorlage S. 8 252 Der Ruh fand des verfluchten Fußes Sohle!
Vorlage S. 8 253 Ihm folgte schnell sein treuer Mitgenoß,
Vorlage S. 8 254 Frohlockend prahlten Beide jetzt als Götter
Vorlage S. 8 255 Durch eigne neuerlangte Kraft, und nicht
Vorlage S. 8 256 Durch die Erlaubnis einer höhern Macht
Vorlage S. 8 257 Dem stygischen Glutenmeer entflohn zu sein.
Vorlage S. 8 258 Dann sprach der Mund des tiefgefallnen Engels:
Vorlage S. 8 259 »Ist dies die Gegend, dies das Land und Klima,
Vorlage S. 8 260 Der Sitz, den mit dem Himmel wir vertauschen,
Vorlage S. 8 261 Das trübe Dunkel für das Himmelslicht?
Vorlage S. 8 262 So sei's, weil er, der jetzt Gebieter ist,
Vorlage S. 8 263 Verfügen kann, was er als Recht gebeut:
Vorlage S. 8 264 Am besten ist's, recht fern von ihm zu sein,
Vorlage S. 9 265 Den, an Vernunft uns gleich, nur die Gewalt
Vorlage S. 9 266 Erhoben über Gleiche! Fahre wohl
Vorlage S. 9 267 Glückselig Feld, der ew'gen Freude Sitz!
Vorlage S. 9 268 Heil Schreckniß Dir! Heil Dir o Unterwelt!
Vorlage S. 9 269 Und Du o tiefste Hölle huldige jetzt
Vorlage S. 9 270 Dem neuen Herrn, der einen Geist besitzt,
Vorlage S. 9 271 Der unverändert bleibt durch Raum und Zeit.
Vorlage S. 9 272 Es ist der Geist sein eigner Raum, er kann
Vorlage S. 9 273 In sich selbst einen Himmel aus der Hölle,
Vorlage S. 9 274 Und aus dem Himmel eine Hölle schaffen.
Vorlage S. 9 275 Was gilt das Wo, bin ich nur immer ich,
Vorlage S. 9 276 Und was ich sein soll, doch nur größer nicht,
Vorlage S. 9 277 Als er, der durch den Donner mächt'ger ward!
Vorlage S. 9 278 Hier sind wir frei; hier baute nicht der Herr,
Vorlage S. 9 279 Um Neid zu wecken, wird uns nicht von hier
Vorlage S. 9 280 Vertreiben; sicher können hier wir herrschen,
Vorlage S. 9 281 Und wie mich dünkt, ist Herrschen würd'ger Lohn
Vorlage S. 9 282 Und wär's auch in der Hölle; besser ist
Vorlage S. 9 283 Der Hölle Herr sein, als des Himmels Sclave.
Vorlage S. 9 284 Doch warum lassen wir die treuen Freunde,
Vorlage S. 9 285 Die Kampfgenossen und des Falles Brüder,
Vorlage S. 9 286 Betäubt im Pfuhle der Vergessenheit,
Vorlage S. 9 287 Und rufen sie nicht her, um die Behausung
Vorlage S. 9 288 Die unglückselige mit uns zu theilen;
Vorlage S. 9 289 Ha! oder noch ein Mal vereinten Kampfs
Vorlage S. 9 290 Zu wagen, ob vom Himmel wir gewinnen,
Vorlage S. 9 291 Ob in der Hölle noch verlieren können?«
Vorlage S. 9 292 So sprach der Satan, und Beelzebub
Vorlage S. 9 293 Erwidert ihm: »Du Führer dieser Schaaren,
Vorlage S. 9 294 Die der Allmächtige nur bezwingen konnte,
Vorlage S. 9 295 Wenn sie nur ein Mal Deine Stimme hören,
Vorlage S. 9 296 Die in Gefahr der Hoffnung Unterpfand,
Vorlage S. 9 297 Und oft in Noth gehört ward, in des Kampfes
Vorlage S. 9 298 Gewühle, wuthentbrannt, die beste Losung:
Vorlage S. 9 299 Dann wird sie bald ein neuer Muth beleben,
Vorlage S. 9 300 Die krümmend jetzt im Feuermeer sich wälzen,
Vorlage S. 9 301 Wie wir so eben noch, betäubt, erschreckt;
Vorlage S. 9 302 Kein Wunder, nach so schwindeltiefem Sturz!«
Vorlage S. 10 303 Kaum schwieg er still, als schon der Satan sich
Vorlage S. 10 304 Zum Ufer wandte, den gewichtigen Schild,
Vorlage S. 10 305 Groß, breit und rund, und von ätherischem Stoff
Vorlage S. 10 306 Am Rücken tragend. Hing der breite Kreis
Vorlage S. 10 307 Doch auf den Schultern, wie des Mondes Scheibe,
Vorlage S. 10 308 Wann sie durch's Glas Toscaniens Künstler sieht
Vorlage S. 10 309 Des Abends von Fiesole's Gebirg
Vorlage S. 10 310 Und von Valdarno, neues Land entdeckend
Vorlage S. 10 311 Sammt Fluss und Bergen auf dem fleckigen Kreise.
Vorlage S. 10 312 Sein Speer, wogegen selbst die höchste Tanne,
Vorlage S. 10 313 Gefällt auf Norwegs Bergen, sie als Mast
Vorlage S. 10 314 Im größten Admiralschiff aufzupflanzen,
Vorlage S. 10 315 Ein schwaches Stäbchen wär', dient ihm als Stütze
Vorlage S. 10 316 Bei seinem Gang auf glühendem Gestein,
Vorlage S. 10 317 Ungleich dem Gang auf dem Azur des Himmels.
Vorlage S. 10 318 Die heiße Luft umloht mit Feuer ihn;
Vorlage S. 10 319 Doch ruhig hielt er's aus bis an's Gestad
Vorlage S. 10 320 Des Feuermeers, hier rief er seiner Horde,
Vorlage S. 10 321 Den Engeln, die betäubt in Schaaren lagen,
Vorlage S. 10 322 Herbstblättern gleich, auf Valombrosa's Bäche
Vorlage S. 10 323 Gestreut, wo die Etrurischen Schatten sich
Vorlage S. 10 324 In Bogen wölben, oder so dicht, wie Schilf,
Vorlage S. 10 325 Wann mit entfesseltem Wind bewehrt Orion
Vorlage S. 10 326 Des rothen Meeres Küste peitscht, deß Wogen
Vorlage S. 10 327 Busiris sammt den Reisigen aus Memphis
Vorlage S. 10 328 Versenkt dereinst, als Gosens Gäste sie
Vorlage S. 10 329 Treulosen Grolls verfolgten, die am Strand
Vorlage S. 10 330 Die Leichen schwimmend auf dem Meere sahn
Vorlage S. 10 331 Sammt den zerbrochnen Wagen; so verstreut,
Vorlage S. 10 332 Zerrüttet und verloren lagen diese,
Vorlage S. 10 333 Die Flut bedeckend und betäubt ob ihrer
Vorlage S. 10 334 So schmählichen Verwandlung. – Da
Vorlage S. 10 335 Rief er so laut, dass hohl der Hölle Tiefen
Vorlage S. 10 336 Es widerhallten: »Fürsten, Herrscher, Krieger,
Vorlage S. 10 337 Des Himmels Blüthen, des euch jetzt verlornen,
Vorlage S. 10 338 Wenn ein Entsetzen ew'ge Geister je
Vorlage S. 10 339 Erschüttern kann; habt ihr den Ort gewählt,
Vorlage S. 10 340 Um nach des Krieges Mühn euch Ruh zu gönnen
Vorlage S. 11 341 Und eurem Muth, weil ihr den Schlummer hier
Vorlage S. 11 342 So süß, wie in den Himmelsthalen findet?
Vorlage S. 11 343 Schwurt ihr, in dieser hingeworfnen Stellung
Vorlage S. 11 344 Den Sieger anzubeten, der nun Seraph
Vorlage S. 11 345 Und Cherub in der Glut sich wälzen sieht,
Vorlage S. 11 346 Mit ringsverstreuten Waffen, bis behend
Vorlage S. 11 347 Der Diener Schaar vom Himmelsthor den Vorteil
Vorlage S. 11 348 Erblickt und niederstürmt, um uns Erschöpfte
Vorlage S. 11 349 In Grund zu treten, mit verketteten
Vorlage S. 11 350 Blitzkeulen an den Grund des Pfuhls zu schmieden?
Vorlage S. 11 351 Erwacht! erhebt euch oder bleibt gestürzt!«
Vorlage S. 11 352 Sie hörten ihn beschämt, erhoben sich
Vorlage S. 11 353 Auf ihren Schwingen, so wie Menschen wol,
Vorlage S. 11 354 Die Wache halten, schlafend von dem Obern
Vorlage S. 11 355 Gefunden werden, den sie fürchten, rasch
Vorlage S. 11 356 Auftaumeln, ehe ganz erwacht sie sind.
Vorlage S. 11 357 Noch kannten sie die traurige Lage nicht,
Vorlage S. 11 358 Noch fühlten sie die grenzenlose Pein;
Vorlage S. 11 359 Doch schnell gehorchten wohl Unzählige
Vorlage S. 11 360 Des Herrschers Stimme. Wie der mächtige Stab,
Vorlage S. 11 361 Von Amrams Sohn geschwungen um die Küste,
Vorlage S. 11 362 Einst an Egyptens unheilvollem Tage
Vorlage S. 11 363 Ein schwarz Gewölk Heuschrecken herbeschwor,
Vorlage S. 11 364 Vom Ost zusammengeblasen gleich der Nacht
Vorlage S. 11 365 Auf jenes frechen Pharao Reiche hängend,
Vorlage S. 11 366 Des Nils Gestad verdunkelnd: so auch schwebten
Vorlage S. 11 367 Zahllos jetzt unter ihrer Hölle Kuppel
Vorlage S. 11 368 Die bösen Engel in den Flammengluten,
Vorlage S. 11 369 Die sie von allen Seiten rings umflossen,
Vorlage S. 11 370 Bis als ein Zeichen den erhobnen Speer
Vorlage S. 11 371 Ihr Sultan schwang, um ihren Flug zu leiten,
Vorlage S. 11 372 Dann ließen sie auf festen Schwefelgrund
Vorlage S. 11 373 Im Gleichgewicht sich nieder und erfüllten
Vorlage S. 11 374 Die ganze Flur, ein Schwarm, wie nie der Norden
Vorlage S. 11 375 Aus seinen Eisgefilden einen sandte,
Vorlage S. 11 376 Die Donau und den Rhein zu überschreiten,
Vorlage S. 11 377 Als die barbarischen Söhne gleich der Sündflut
Vorlage S. 11 378 Nach Süden kamen, unter Gibraltar hin
Vorlage S. 12 379 Bis zu dem Sande Libyens sich verbreitend,
Vorlage S. 12 380 Nun eilten gleich von jeglicher Partei
Vorlage S. 12 381 Die Häupter dahin, wo ihr Führer stand;
Vorlage S. 12 382 Gestalten, die als Götter menschliche
Vorlage S. 12 383 Gebilde weithin übertrafen, würdig,
Vorlage S. 12 384 Gewaltig, die im Himmel früher thronten
Vorlage S. 12 385 Obwohl ihr Name dort nicht mehr verzeichnet,
Vorlage S. 12 386 Denn ausgelöscht sind sie und ausgetilgt,
Vorlage S. 12 387 Seit der Empörung aus dem Buch des Lebens.
Vorlage S. 12 388 Noch führten sie die neuen Namen nicht,
Vorlage S. 12 389 Die unter Eva's Söhnen sie empfingen,
Vorlage S. 12 390 Als sie durch Gottes hohe Zulassung
Vorlage S. 12 391 Auf Erden wallten zu der Menschen Prüfung,
Vorlage S. 12 392 Durch Lug und Trug der Menschheit größten Theil
Vorlage S. 12 393 Verführten, Gott den Schöpfer zu verläugnen,
Vorlage S. 12 394 Und dessen unsichtbare Herrlichkeit
Vorlage S. 12 395 In eines Thieres Bildniß umzuwandeln,
Vorlage S. 12 396 Das sie geschmückt mit heitrer Frömmelei
Vorlage S. 12 397 Voll Pomp und Gold ja Teufel göttlich selbst
Vorlage S. 12 398 Anbeteten. Sie wurden dann bekannt
Vorlage S. 12 399 Der Heidenwelt in mannichfacher Form.
Vorlage S. 12 400 O Muse, nenne jetzt die Namen Jener,
Vorlage S. 12 401 Die aus dem Schlummer in dem Feuerbett
Vorlage S. 12 402 Auf ihres großen Kaisers Ruf erwachten,
Vorlage S. 12 403 Wie einzeln sie nach ihrem Würdegrad
Vorlage S. 12 404 Hinschritten, wo am öden Strand er weilte,
Vorlage S. 12 405 Indeß der niedre Haufe ferne blieb.
Vorlage S. 12 406 Die Häupter waren Jene, die, der Hölle
Vorlage S. 12 407 Entsteigend, ihren Raub auf Erden suchten
Vorlage S. 12 408 Und später ihren Sitz bei Gottes Thron
Vorlage S. 12 409 Und ihren Altar bei dem seinen nahmen,
Vorlage S. 12 410 Von Völkern rings als Götter angebetet,
Vorlage S. 12 411 Sie wagten frech Jehovah sich zu nahn,
Vorlage S. 12 412 Der donnernd unter Cherubschaaren thronte
Vorlage S. 12 413 Auf Zion, stellten selbst im Heiligthum
Vorlage S. 12 414 Oft ihre Götzen auf, entheiligten
Vorlage S. 12 415 Mit fluchbeladnen Dingen die Gebräuche
Vorlage S. 12 416 Und hehre Gottesfeier, um sein Licht
Vorlage S. 13 417 Mit ihrem Dunkel kecklich zu verhöhnen.
Vorlage S. 13 418 Moloch zuerst, der schreckenvolle Fürst,
Vorlage S. 13 419 Befleckt mit Menschenblut und Aelternthränen,
Vorlage S. 13 420 Obwol durch das Gelärm' der Pauk' und Trommel
Vorlage S. 13 421 Das laute Schrein der Kinder ward betäubt,
Vorlage S. 13 422 Die durch das Feuer zu dem Götzen gingen.
Vorlage S. 13 423 In Rabba und in dessen Wasserfläche
Vorlage S. 13 424 Ehrt ihn der Ammonit, zu Argob und
Vorlage S. 13 425 Zu Basan bis zum Strom des fernen Arnon.
Vorlage S. 13 426 Mit trotziger Nachbarschaft noch nicht zufrieden,
Vorlage S. 13 427 Bethört er auch durch Ränke Salomo's
Vorlage S. 13 428 Hochweises Herz, dass er ihm Tempel baute,
Vorlage S. 13 429 Dem Tempel Gottes gegenüber just
Vorlage S. 13 430 Auf jenem Hügel, der mit Greul bedeckt,
Vorlage S. 13 431 Dass er das reizendholde Thal von Hinnon,
Vorlage S. 13 Kontextbild zum Werk. Historische Illustration zu „Das verlorene Paradies“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Gustave Doré · Public domain Bildquelle ↗ 432 Tophet und schwarz Gehenna dann genannt,
Vorlage S. 13 433 Ein Höllenvorbild, ihm als Hain ertheilte. –
Vorlage S. 13 434 Dann nahte Chemos, Schreckbild Moabs Söhnen,
Vorlage S. 13 435 Von Aroer bis Nebo, bis zur Wüste
Vorlage S. 13 436 Von Abarim im Süden weithinein,
Vorlage S. 13 437 In Hesebon und Horonaim Herrscher;
Vorlage S. 13 438 In Seons Reich, noch weiter als das Thal
Vorlage S. 13 439 Von Sibma, welches blüht' und weinumkränzt,
Vorlage S. 13 440 Und Eleale bis zum Asphalt-Sumpf.
Vorlage S. 13 441 Auch Peos hieß er, als er Israel
Vorlage S. 13 442 Auf seinem Zug vom Nil zu Sittim reizte
Vorlage S. 13 443 Ihn anzubeten, was sie schwer dann büßten.
Vorlage S. 13 444 Von da dehnt er die üpp'gen Orgien aus
Vorlage S. 13 445 Bis an den Hain des mörderischen Moloch
Vorlage S. 13 446 Auf jenem Greuelhügel, Wollust wohnte
Vorlage S. 13 447 Dicht bei dem Hasse; bis sie Beide dann
Vorlage S. 13 448 Der fromme Josiah zur Hölle trieb.
Vorlage S. 13 449 Dann kamen jene, die einst von der Flut
Vorlage S. 13 450 Des alten Euphrat bis zu jenem Bach,
Vorlage S. 13 451 Der Syriens Boden von Egypten scheidet,
Vorlage S. 13 452 Baalim und Astaroth als Namen führten,
Vorlage S. 13 453 Die männlichen, die weiblichen Geschlechts,
Vorlage S. 13 454 Denn Geister können, wenn sie irgend wollen,
Vorlage S. 13 455 Ein jegliches Geschlecht, ja beide führen,
Vorlage S. 14 456 So zart und einfach ist ihr reiner Stoff:
Vorlage S. 14 457 Durch Glieder und Gelenke nicht gezwängt,
Vorlage S. 14 458 Noch auf der Knochen spröde Kraft gestützt,
Vorlage S. 14 459 Wie plumpes Fleisch; nein, was auch für Gestalt
Vorlage S. 14 460 Sie wählen, ob verdichtet, ob gedehnt,
Vorlage S. 14 461 Licht oder dunkel, sie vermögen doch
Vorlage S. 14 462 Die luftigen Geschäfte zu vollziehn
Vorlage S. 14 463 Sowohl des Hasses Werke, wie der Liebe.
Vorlage S. 14 464 Für sie verließ der Stamm von Israel
Vorlage S. 14 465 Oft die lebendge Kraft, und ließ verödet
Vorlage S. 14 466 Den heiligen Altar, sich tiefer beugend
Vorlage S. 14 467 Vor thierischen Götzen; dafür wurden tief
Vorlage S. 14 468 Auch ihre Häupter in der Schlacht gebeugt
Vorlage S. 14 469 Und sanken vor den Speeren schnöder Feinde.
Vorlage S. 14 470 Mit dieser Schaar kam Astaroth heran,
Vorlage S. 14 471 Astarte von Phöniciern genannt,
Vorlage S. 14 472 Die Himmelskönigin mit Mondeshörnern,
Vorlage S. 14 473 Vor deren Bild nächtlich bei Mondenschein
Vorlage S. 14 474 Sidoniens Jungfrau'n beteten und sangen;
Vorlage S. 14 475 In Zion auch blieb sie nicht unbesungen,
Vorlage S. 14 476 Wo auf dem Berg der Schmach ihr Tempel stand,
Vorlage S. 14 477 Erbaut von jenem buhlerischen König,
Vorlage S. 14 478 Deß großes Herz, von schönen Heidinnen
Vorlage S. 14 479 Verführt, in niedern Götzendienst verfiel.
Vorlage S. 14 480 Nach ihn kam Thammuz, dessen Wunde jährlich
Vorlage S. 14 481 Zum Libanon die Töchter Syriens lockte,
Vorlage S. 14 482 Um einen ganzen Sommertag hindurch
Vorlage S. 14 483 In Liebesklagen sein Geschick zu singen,
Vorlage S. 14 484 Und weil der Quell Adonis aus dem Felsen
Vorlage S. 14 485 Ganz purpurn floss zur See, vermeinten sie,
Vorlage S. 14 486 Es sei das Blut des jährlich wunden Thammuz.
Vorlage S. 14 487 Dies Liebesmährchen weckte gleiche Glut
Vorlage S. 14 488 In Zions Töchtern, deren Leidenschaft
Vorlage S. 14 489 Ezechiel im heiligen Vorhof sah,
Vorlage S. 14 490 Als durch Visionen seinem Auge ward
Vorlage S. 14 491 Des falschen Juda Götzendienst gezeigt.
Vorlage S. 14 492 Dann folgte der, deß Trauer ernstlich klagte,
Vorlage S. 14 493 Als die gefangne Bundeslade wild
Vorlage S. 14 494 Sein Bild zermalmte, Haupt und Hände selbst
Vorlage S. 15 495 Im eignen Tempel ihm am Fußgesims
Vorlage S. 15 496 Abschlug, dass rasch es auf den Boden stürzte
Vorlage S. 15 497 Zur Schande der Verehrer, – dies war Dagon,
Vorlage S. 15 498 Ein Ungeheuer des Meers, halb Fisch, halb Mensch,
Vorlage S. 15 499 Doch hat er seinen Tempel hoch erbaut
Vorlage S. 15 500 Zu Azot, längs dem Strande Palästina's,
Vorlage S. 15 501 Gefürchtet auch, in Gad und Askalon,
Vorlage S. 15 502 In Akkaron bis an die Grenzen Gaza's.
Vorlage S. 15 503 Ihm folgte Rimmon, dessen Lieblingsort
Vorlage S. 15 504 Damaskus war, an dem fruchtbaren Strand
Vorlage S. 15 505 Abbana's, Pharphars, der krystallnen Ströme.
Vorlage S. 15 506 Auch er war gegen Gottes Tempel frech,
Vorlage S. 15 507 Verlor einst einen Kranken und gewann
Vorlage S. 15 508 Dort einen König Abas, jenen Narren,
Vorlage S. 15 509 Den keck er zwang, des Herrn Altar zu schänden,
Vorlage S. 15 510 Und einen syrischen dafür zu baun,
Vorlage S. 15 511 Auf dem man die verhaßten Opfer brannte,
Vorlage S. 15 512 Und Götter ehrte, die er überwunden.
Vorlage S. 15 513 Dann naht ein Zug mit Namen alten Rufs
Vorlage S. 15 514 Osiris, Isis, Orus und ihr Troß.
Vorlage S. 15 515 Mit Zauberei'n und räthselhaften Bildern
Vorlage S. 15 516 Betrogen sie Egypten sammt den Priestern,
Vorlage S. 15 517 Dass das fanatische Volk in Thiergestalt
Vorlage S. 15 518 Anstatt in Menschenform die Götter suchte.
Vorlage S. 15 519 Auch Israel entging nicht dieser Pest,
Vorlage S. 15 520 Als ihr geborgtes Gold das Kalb erschuf
Vorlage S. 15 521 Am Horeb, und der wildempörte König
Vorlage S. 15 522 Die Sünd' in Bethel und in Dan verdoppelt',
Vorlage S. 15 523 Als er den Schöpfer gleich dem Stiere formte,
Vorlage S. 15 524 Jehovahn, der in einer Nacht zugleich,
Vorlage S. 15 525 Als an Egypten er vorüberzog,
Vorlage S. 15 526 Die Erstgebornen sammt den blöckenden
Vorlage S. 15 527 Abgöttern schlug. – Zuletzt kam Belial,
Vorlage S. 15 528 Gemeinrer Geist fiel von dem Himmel nie,
Vorlage S. 15 529 Der nur das Laster um das Laster liebte;
Vorlage S. 15 530 Ihm stand kein Tempel, rauchte kein Altar,
Vorlage S. 15 531 Doch wer ist mehr in beiden wohl als er,
Vorlage S. 15 532 Wenn selbst der Priester Gottesläugner wird,
Vorlage S. 16 533 Wie Eli's Söhne, die mit Wollust einst
Vorlage S. 16 534 Und mit Gewaltthat Gottes Haus beschimpften?
Vorlage S. 16 535 An Höfen und Palästen herrscht er auch,
Vorlage S. 16 536 In üppigen Städten, wo des Schwelgens Jubel
Vorlage S. 16 537 Und Schuld sich über ihre höchsten Thürme
Vorlage S. 16 538 Erhebt. Wenn Nacht die Straßen dunkel hüllt,
Vorlage S. 16 539 Dann wanken Belials Söhne wild heraus
Vorlage S. 16 540 Von Wein und frechem Uebermuth erfüllt.
Vorlage S. 16 541 Die Straßen Sodoms waren Zeugen deß,
Vorlage S. 16 542 Und jene Nacht in Gibeah, wo ein Weib
Vorlage S. 16 543 Gastfrei man preisgab, Aergres zu verhüten.
Vorlage S. 16 544 Die Ersten waren dies an Rang und Macht,
Vorlage S. 16 545 Die Uebrigen zu nennen wär' zu lang.
Vorlage S. 16 546 Wenn auch die Namen weit und breit berühmt,
Vorlage S. 16 547 Ioniens Götter, von dem Stamme Javan's
Vorlage S. 16 548 Verehrt als Götter, doch nach eigner Beichte
Vorlage S. 16 549 Weit spätern Ursprungs als wie Erd und Himmel,
Vorlage S. 16 550 Die hohen Eltern; Titan, Erstgeborner
Vorlage S. 16 551 Des Himmels mit der ganzen Riesenbrut,
Vorlage S. 16 552 Dem von dem jüngern Bruder, vom Saturn
Vorlage S. 16 553 Das Recht der Erstgeburt entrissen ward.
Vorlage S. 16 554 Saturn empfing von seinem Sohn mit Rhea,
Vorlage S. 16 555 Vom Jupiter dafür ein gleiches Loos;
Vorlage S. 16 556 So herrschte Jupiter! Zuerst bekannt
Vorlage S. 16 557 War diese Schaar in Creta und auf Ida,
Vorlage S. 16 558 Beherrschte dann auf des Olympus Schnee
Vorlage S. 16 559 Die Mittelluft, als ihren höchsten Himmel,
Vorlage S. 16 560 Auch auf der Klippe Delphis, zu Dodona,
Vorlage S. 16 561 Entlang die Grenzen all des Dorerlands;
Vorlage S. 16 562 Dann jene, welche mit Saturn entflohn
Vorlage S. 16 563 Hesperien zu, hin über Adria,
Vorlage S. 16 564 Der Celten fernstes Inselmeer durchstreifend.
Vorlage S. 16 565 Sie all' und Andre kamen schaarenweis
Vorlage S. 16 566 Doch mit gesenktem und betrübtem Blick,
Vorlage S. 16 567 Worin ein schwacher Freudestrahl nur glänzte,
Vorlage S. 16 568 Dass sie verzweifelt nicht ihr Haupt gefunden
Vorlage S. 16 569 Und im Verlust sich selber nicht verloren.
Vorlage S. 16 570 Zweideutige Röthe färbte sein Gesicht,
Vorlage S. 17 571 Doch schnell den alten Stolz zusammennehmend
Vorlage S. 17 572 Erhob er schmeichelnd ihren schwachen Muth
Vorlage S. 17 573 Mit hohen Worten, die nach Würde klangen
Vorlage S. 17 574 Ob sie gehaltlos auch, und bannte so
Vorlage S. 17 575 Der Seinen Furcht. Sogleich befahl er dann,
Vorlage S. 17 576 Dass unter lautem, kriegerischen Klang
Vorlage S. 17 577 Der Zinken und Trompeten sein Panier
Vorlage S. 17 578 Erhoben werde; dieser Ehre werth
Vorlage S. 17 579 Hielt Azazel, ein stolzer Cherub, sich,
Vorlage S. 17 580 Der unverweilt am glanz'gen Stabesschaft
Vorlage S. 17 581 Die königliche Fahn' entrollt, die frei
Vorlage S. 17 582 Ein Meteor im Windeszuge blitzte,
Vorlage S. 17 583 Mit goldnem Prunk und Gemmen reich besetzt,
Vorlage S. 17 584 Den Waffen und Trophän der Seraphim.
Vorlage S. 17 585 Nun schallt aus lauterklingendem Metall
Vorlage S. 17 586 Der kriegerische Ton, drin allgemein
Vorlage S. 17 587 Der Krieger Schrei sich mischt, dass die Gewölbe
Vorlage S. 17 588 Der Hölle dröhnen, und das Reich des Chaos,
Vorlage S. 17 589 Die alte Nacht von außen selbst erschüttert.
Vorlage S. 17 590 Im Nu sah man zehntausend Banner wehn,
Vorlage S. 17 591 Durch's Dunkel in den hellsten Farben flatternd,
Vorlage S. 17 592 Ein Wald von Speeren hob sich hoch empor,
Vorlage S. 17 593 Es drängten Helme sich, geschloßne Schilde
Vorlage S. 17 594 In dichten Reihn aus unermeßner Tiefe.
Vorlage S. 17 595 In regelrechtem Phalanx schritten sie,
Vorlage S. 17 596 Nach dorischen Flöten und Schalmeienklängen,
Vorlage S. 17 597 Die vor der Schlacht des Alterthumes Helden
Vorlage S. 17 598 Dereinst zum edelsten Gefühl erhob,
Vorlage S. 17 599 Wuth ward gemildert zur Besonnenheit,
Vorlage S. 17 600 Dass unbewegt sie Flucht und Rückzug mehr
Vorlage S. 17 601 Als Sterben fürchteten; auch war's die Macht
Vorlage S. 17 602 Der Töne den verstörten Sinn zu stillen,
Vorlage S. 17 603 Und Zweifel, Furcht und Angst und Schmerz zu bannen
Vorlage S. 17 604 Aus menschlichen und göttlichen Gemüthern.
Vorlage S. 17 605 So rückten sie, vereinte Stärke hauchend,
Vorlage S. 17 606 Mit festem Sinne, schweigend, unter sanftem
Vorlage S. 17 607 Getön der Flöten an, das ihre Pein
Vorlage S. 17 608 Beim Schreiten auf dem Glutgrund linderte.
Vorlage S. 18 609 Jetzt hielten sie, als näher sie gerückt,
Vorlage S. 18 610 In einer Schreckensfronte grauser Länge,
Vorlage S. 18 611 Mit blendenden Waffen, wie sie Krieger tragen,
Vorlage S. 18 612 Die lang bei Schild und Speer ergraut, erwartend,
Vorlage S. 18 613 Was ihres mächtigen Oberhaupts Befehl.
Vorlage S. 18 614 Rundum schweift sein erfahrnes Auge jetzt,
Vorlage S. 18 615 Durchfliegt gewandt die ganze Kriegerschaar,
Vorlage S. 18 616 Die Ordnung und ihr Aeußeres, wie Götter;
Vorlage S. 18 617 Dann überzählt er sie, und Stolz erfüllt
Vorlage S. 18 618 Sein Herz, und pocht verhärtet auf die Stärke.
Vorlage S. 18 619 Denn nie, seitdem der Mensch erschaffen, ward
Vorlage S. 18 620 Ein großes Heer gesehn, das im Vergleich
Vorlage S. 18 621 Mit diesem nicht ein kleines Völkchen wär',
Vorlage S. 18 622 Von Kranichen bekriegt, und wenn sich auch
Vorlage S. 18 623 Mit ihm vereint die Riesenbrut von Pflegra,
Vorlage S. 18 624 Die Helden, die bei Ilion und Theben
Vorlage S. 18 625 Gefochten unter Götterschutz und Schirm,
Vorlage S. 18 626 Ob auch mit ihm vereint die Ritterschaft
Vorlage S. 18 627 Britaniens und Armorica's, die einst
Vorlage S. 18 628 Mit Artus kämpfte, wie Romanzen melden,
Vorlage S. 18 629 Sammt allen Gläub'gen und Ungläubigen,
Vorlage S. 18 630 Die in Asparamont und Montalban,
Vorlage S. 18 631 Damaskus und Marocco, Trapezunt
Vorlage S. 18 632 Seitdem gefochten, oder sammt den Truppen,
Vorlage S. 18 633 Die einst Biserta sandt' aus Afrika,
Vorlage S. 18 634 Als Karl der Große mit den Palatinen
Vorlage S. 18 635 Bei Fontarabia fiel. – So weit dies Heer
Vorlage S. 18 636 Auch den Vergleich mit Menschen übertraf,
Vorlage S. 18 637 So fügt es doch dem Führer sich, der Alle
Vorlage S. 18 638 An Wuchs und Haltung, einem Thurme gleich
Vorlage S. 18 639 Stolz überragte, denn noch hatte seine
Vorlage S. 18 640 Gestalt nicht all den frühern Glanz verloren.
Vorlage S. 18 641 Er sah wie ein gestürzter hoher Engel,
Vorlage S. 18 642 Des Glanzes Uebermaß nur war verdunkelt;
Vorlage S. 18 643 Wie wenn die eben aufgegangne Sonne
Vorlage S. 18 644 Durch nebelhafte Luft des Horizonts,
Vorlage S. 18 645 Beraubt der hellen Strahlen, schimmert, oder
Vorlage S. 18 646 In düsterer Verdunklung hinterm Mond
Vorlage S. 18 Kontextbild zum Werk. Porträt von John Milton — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · John Chapman · Public domain Bildquelle ↗ 647 Ein Zwielicht wirft auf unsrer Erde Hälfte,
Vorlage S. 19 648 Mit Furcht vor Wechsel Könige bedrohend:
Vorlage S. 19 649 Also verdunkelt, doch vor Allen strahlend
Vorlage S. 19 650 Stand Satan, auf der Stirne zwar die Narben
Vorlage S. 19 651 Des Donners, und auf seiner welken Wange
Vorlage S. 19 652 Das Mal des Kummers, aber wilder Muth
Vorlage S. 19 653 Und Stolz lag in den Augenbrauen, die
Vorlage S. 19 654 Auf Rache harrten; grimmig blickt das Auge,
Vorlage S. 19 655 Doch reuig auch und schmerzlich, wenn es jetzt
Vorlage S. 19 656 Die Mitgenossen seiner Schuld erblickt
Vorlage S. 19 657 – Wie anders waren sie im Heil zu schaun –
Vorlage S. 19 658 Verdammt zu gleichem, ewigen Loos der Pein;
Vorlage S. 19 659 Millionen Geister, die durch seine Schuld
Vorlage S. 19 660 Vom Himmel ausgestoßen, und dem ew'gen Licht
Vorlage S. 19 661 Verschlossen waren, blieben doch ihm treu,
Vorlage S. 19 662 Nach dem Verlust der ew'gen Glorie selbst:
Vorlage S. 19 663 So streckt sich, wann des Himmels Glutenstrahl
Vorlage S. 19 664 Waldeichen oder Bergesfichten trifft,
Vorlage S. 19 665 Ihr stolzer Wuchs mit dem versengten Wipfel
Vorlage S. 19 666 Und laubentblößt auf öder Haid' empor.
Vorlage S. 19 667 Jetzt regt er sich zu sprechen, rasch umgeben
Vorlage S. 19 668 Die Doppelreihen ihn und schließen dann
Vorlage S. 19 669 Im Halbkreis ihn mit seinen Großen ein.
Vorlage S. 19 670 Aufmerkend schweigen sie. Drei Mal beginnt,
Vorlage S. 19 671 Und drei Mal bricht er, seinem Stolz zum Trotz,
Vorlage S. 19 672 In Tränen aus, sowie sie Engel weinen;
Vorlage S. 19 673 Zuletzt, gemischt mit Seufzen, fand er Worte:
Vorlage S. 19 674 »O Myriaden von Unsterblichen,
Vorlage S. 19 675 Ihr Mächte, die nur den Allmächtigen
Vorlage S. 19 676 Als Gleichen haben – und mit ihm war selbst
Vorlage S. 19 677 Der Kampf nicht ohne Ruhm, wiewohl zuletzt
Vorlage S. 19 678 Furchtbar, wie dieser Ort bezeugt und Wechsel,
Vorlage S. 19 679 Fluch! es zu sagen; doch welch eine Kraft
Vorlage S. 19 680 Des Geistes, die des Wissens Quell, Vergangnes
Vorlage S. 19 681 Und Gegenwärtiges enthüllen mochte,
Vorlage S. 19 682 Ließ fürchten, dass solch einige Göttermacht
Vorlage S. 19 683 Wie unsre, je vertrieben werden könnte?
Vorlage S. 19 684 Denn wer kann jetzt, nach dem Verluste selbst
Vorlage S. 19 685 Wol glauben, dass die Legionen all,
Vorlage S. 20 686 Durch deren Sturz der Himmel leer geworden,
Vorlage S. 20 687 Nicht wieder eigenmächtig sich erheben
Vorlage S. 20 688 Und ihren Heimatsitz erobern würden?
Vorlage S. 20 689 Das ganze Heer des Himmels zeuge mir,
Vorlage S. 20 690 Ob ich voll Widerspruch gerathen, oder
Vorlage S. 20 691 Gefahren scheuend, Hoffnung je verlor?
Vorlage S. 20 692 Doch Er, der als Monarch des Himmels herrscht,
Vorlage S. 20 693 Saß sicher auf dem Thron bisher, gestützt
Vorlage S. 20 694 Auf alten Ruhm, Gewohnheit und Vertrag,
Vorlage S. 20 695 Und prunkte mit dem königlichen Pomp,
Vorlage S. 20 696 Doch barg er seine Kraft, was uns zum Kampfe
Vorlage S. 20 697 Verlockt und unsern Sturz herbeigeführt.
Vorlage S. 20 698 Nun kennen seine Macht wir und die unsre,
Vorlage S. 20 699 So dass wir weder Ihn zum Kampfe reizen,
Vorlage S. 20 700 Noch auch gereizt uns fürchten vor dem Krieg;
Vorlage S. 20 701 Das Beste bleibt verborgen nun zu wirken
Vorlage S. 20 702 Durch List und Trug, was nicht Gewalt vermocht;
Vorlage S. 20 703 Damit er endlich von uns lerne, dass
Vorlage S. 20 704 Wer durch Gewalt den Feind besiegt, nur halb
Vorlage S. 20 705 Ihn überwunden hat. Erzeugen kann
Vorlage S. 20 706 Der Raum noch neue Welten, denn die Sage
Vorlage S. 20 707 Ging schon im Himmel, dass er eine Welt
Vorlage S. 20 708 In Kurzem schaffen wolle, drin ein neues
Vorlage S. 20 709 Geschlecht zu pflanzen, das mit gleicher Gunst
Vorlage S. 20 710 Er segnen würde, wie des Himmels Söhne.
Vorlage S. 20 711 Dahin vielleicht geht unser erster Ausfall,
Vorlage S. 20 712 Und sei's als Späher. Sei's auch anderswo!
Vorlage S. 20 713 Denn dieser Höllenpfuhl soll nimmermehr
Vorlage S. 20 714 Des Himmels Geister ketten, noch das Dunkel
Vorlage S. 20 715 Des Abgrunds lang sie decken. Doch der Plan
Vorlage S. 20 716 Erfordert, dass im vollen Rath er reife,
Vorlage S. 20 717 Dem Frieden Fluch! Wer denkt an Unterwerfung?
Vorlage S. 20 718 Zum Kriege! Krieg! sei's offen oder heimlich!«
Vorlage S. 20 719 Er sprachs, und zu bestätigen seine Worte,
Vorlage S. 20 720 Erblitzten Millionen Flammenschwerter,
Vorlage S. 20 721 Von mächtgen Cberubshüften rasch gezückt,
Vorlage S. 20 722 Erleuchtet war die Hölle weitherum;
Vorlage S. 20 723 Sie ras'ten gegen den Allmächtgen wild,
Vorlage S. 20 724 Und schlugen grimmig mit geschwungnen Waffen
Vorlage S. 21 725 Auf ihren klingenden Schilden Kriegeslärm,
Vorlage S. 21 726 Zum Himmelsdom die stolze Fordrung brüllend.
Vorlage S. 21 727 Unweit davon erhob ein Hügel sich,
Vorlage S. 21 728 Deß großer Gipfel Rauch und Feuer spie,
Vorlage S. 21 729 Sonst war der Berg von glanz'ger Rind' umstrahlt,
Vorlage S. 21 730 Ein sichres Zeichen, dass in seinem Bauch
Vorlage S. 21 731 Metallisches Erz, das Werk des Schwefels, war.
Vorlage S. 21 732 Dort eilt beflügelt hin ein dichter Trupp
Vorlage S. 21 733 Schanzgräbern gleich, mit Spaten und mit Schaufeln,
Vorlage S. 21 734 Die vor dem königlichen Heere laufen,
Vorlage S. 21 735 Das Feld mit Wall und Graben zu umziehn.
Vorlage S. 21 736 Mammon voran, er, der gebeugteste
Vorlage S. 21 737 Der Geisterschaar, die aus dem Himmel fiel.
Vorlage S. 21 738 Im Himmel selbst war immer niederwärts
Vorlage S. 21 739 Bei ihm Gedank' und Blick, bewundernd mehr
Vorlage S. 21 740 Des Himmels reiches Gold auf dem Getäfel,
Vorlage S. 21 741 Als all' das Heilige, was sich göttlich wies
Vorlage S. 21 742 In seligen Visionen; erst durch ihn
Vorlage S. 21 743 Erlernt der Mensch, die Tiefen zu durchplündern,
Vorlage S. 21 744 Und mit verruchter Hand die Eingeweide
Vorlage S. 21 745 Der Mutter Erde zu durchwühlen, nur
Vorlage S. 21 746 Der Schätze halb, die besser drin verborgen.
Vorlage S. 21 747 Geräumige Wunde hatte bald sein Trupp
Vorlage S. 21 748 Im Berg geschlagen und des Goldes Rippe
Vorlage S. 21 749 Herausgegraben. Niemand staun' etwa,
Vorlage S. 21 750 Dass Reichthum in der Hölle Tiefe wachse,
Vorlage S. 21 751 Des theuern Fluchs ist dieser Boden werth.
Vorlage S. 21 752 Lasst Jene hier, die irdische Dinge preisen,
Vorlage S. 21 753 Von Babel staunend reden und von Werken
Vorlage S. 21 754 Der Könige von Memphis; lernen, wie
Vorlage S. 21 755 Des Ruhmes größtes Monument voll Kraft
Vorlage S. 21 756 Und Kunst von der verworfnen Höllenschaar
Vorlage S. 21 757 Leicht übertroffen wird in einer Stunde,
Vorlage S. 21 758 Was voller Fleiß kaum in Jahrhunderten
Vorlage S. 21 759 Zahllose Menschenhände bilden können.
Vorlage S. 21 760 Nah bei der Ebne schmelzt' in mancher Zelle,
Vorlage S. 21 761 Auf deren Grund ein flüssig Feuer quoll
Vorlage S. 22 762 Aus jenem See, ein zweiter Haufe künstlich
Vorlage S. 22 763 Erzmassen, von dem Gold die Schlacken sondernd;
Vorlage S. 22 764 Ein dritter hat im Boden schon gebildet
Vorlage S. 22 765 Verschiedne Formen und erfüllt die Rinnen
Vorlage S. 22 766 Durch wundersame Gäng' aus jenen Zellen:
Vorlage S. 22 767 So wie der Schall in einer Orgel schnell
Vorlage S. 22 768 Vom Windeshauch aus mancher Pfeife tönt.
Vorlage S. 22 769 Dann aus der Erde stieg ein Riesenbau
Vorlage S. 22 770 Gleich einem schnellen Dunst empor, beim Klang
Vorlage S. 22 771 Der zartsten Melodien und reinsten Stimmen,
Vorlage S. 22 772 In Tempelform, mit Pfeilern ringsumbaut,
Vorlage S. 22 773 Und dorischen Säulen, deren Architrav
Vorlage S. 22 774 Von Golde war; auch fehlte weder Fries,
Vorlage S. 22 775 Kranzleisten, noch erhabene Sculptur,
Vorlage S. 22 776 Das Dach war ächtes Gold. Nicht Babylon
Vorlage S. 22 777 Noch Alcairo reicht' an diese Pracht,
Vorlage S. 22 778 Wenn sie im größten Flor für ihre Götter
Vorlage S. 22 779 Belus, Serapis Tempel bauten oder
Vorlage S. 22 780 Paläste für die Fürsten, als an Reichthum
Vorlage S. 22 781 Und Pomp Egypten mit Assyrien stritt.
Vorlage S. 22 782 Die Säulen standen stattlich und vollendet,
Vorlage S. 22 783 Die ehernen Flügel öffnet schon das Thor,
Vorlage S. 22 784 Enthüllt den weithin ausgedehnten Raum
Vorlage S. 22 785 Auf glattem Estrich; vom gewölbten Dach
Vorlage S. 22 786 Hängt durch Magie so manche Reihe Leuchter
Vorlage S. 22 787 Und Sternenlampen, von Asphalt und Naphta
Vorlage S. 22 788 Genährt und voller Glanz wie Himmelslicht.
Vorlage S. 22 789 Bewundernd trat der hastige Haufen ein,
Vorlage S. 22 790 Der pries das Werk und jener dort den Meister,
Vorlage S. 22 791 Deß Hand berühmt durch manchen hohen Bau
Vorlage S. 22 792 Im Himmel war, wo ihren Thron die Engel
Vorlage S. 22 793 Mit Sceptern hatten und wie Fürsten saßen,
Vorlage S. 22 794 Weil sie der höchste Herr mit Macht begabt,
Vorlage S. 22 795 Der sie beherrschen ließ die lichten Schaaren,
Vorlage S. 22 796 Und Jeden zwar im eigenen Bezirk.
Vorlage S. 22 797 Sein Name war bekannt und hochgeehrt
Vorlage S. 22 798 In Griechenland; und in Ausonien
Vorlage S. 22 799 Ward er vom Volke Mulciber genannt,
Vorlage S. 22 800 Und da er aus dem Himmel stürzte, ging
Vorlage S. 23 801 Die Sage, dass ihn Zeus geschleudert habe
Vorlage S. 23 802 Im Zorn herab von den krystallnen Zinnen,
Vorlage S. 23 803 Wo er vom Morgen bis zum Mittag fiel,
Vorlage S. 23 804 Und immerfort bis zum bethauten Abend;
Vorlage S. 23 805 Worauf er mit der Sonne vom Zenith
Vorlage S. 23 806 Ein fallender Stern herab auf Lemnos sank, –
Vorlage S. 23 807 Doch irrte das Gerücht, denn dieser fiel
Vorlage S. 23 808 Schon lang vorher mit der Rebellenschaar,
Vorlage S. 23 809 Nichts frommt es ihm, dass er erhab'ne Dome
Vorlage S. 23 810 Im Himmel thürmte, denn mit allen Künsten
Vorlage S. 23 811 Ward häuptlings er mit seiner ems'gen Schaar
Vorlage S. 23 812 Herabgestürzt, die Hölle zu bebaun.
Vorlage S. 23 813 Indeß verkünden auf Befehl des Satans
Vorlage S. 23 814 Beschwingte Heroldsboten mit Trompeten
Vorlage S. 23 815 Und hohem Pomp dem Heere feierlich:
Vorlage S. 23 816 Dass sich der höchste Rath versammeln möge
Vorlage S. 23 817 In Pandämonium, als dem hohen Sitz
Vorlage S. 23 818 Des Satans und der Seinen; ihre Ladung
Vorlage S. 23 819 Berief von jeder Schaar und Legion
Vorlage S. 23 820 Die Würdigsten nach Stellung oder Wahl.
Vorlage S. 23 821 Gleich nahten sie von Tausenden begleitet,
Vorlage S. 23 822 Durch jeden Zugang war Gedräng. Die Thore,
Vorlage S. 23 823 Vorhallen, und zumeist die große Halle
Vorlage S. 23 824 (Sie glich mehr einem überdeckten Feld,
Vorlage S. 23 825 Wo Kämpfer sich auf Rossen tummelten
Vorlage S. 23 826 Und vor des Sultans Thron die besten Ritter
Vorlage S. 23 827 Der Heiden in den Zweikampf forderten)
Vorlage S. 23 828 War dicht umschwärmt, und Erd' und Luft erklang
Vorlage S. 23 829 Vom Rauschen ihrer Flügel. Wie die Bienen
Vorlage S. 23 830 Im Lenz, wann in den Stier die Sonne tritt,
Vorlage S. 23 831 Ihr zahlreich Völkchen aus dem Stock in Schwärmen
Vorlage S. 23 832 Aussenden, und auf Blumen hin und her
Vorlage S. 23 833 Im Thaue fliegen, oder auf dem Bret,
Vorlage S. 23 834 Dem glatten Hof der strohgeflochtnen Burg,
Vorlage S. 23 835 Mit Balsam neu bestrichen, die Geschäfte
Vorlage S. 23 836 Des kleinen Staats berathen: also dicht
Vorlage S. 23 837 Drängt sich das luftige Heer, bis ein Signal
Vorlage S. 23 838 Ertönt – und sieh ein Wunder! die vorhin
Vorlage S. 24 839 Der Erde Riesen überragten, sie
Vorlage S. 24 840 Sind kleiner als die kleinsten Zwerge jetzt,
Vorlage S. 24 841 Und dringen zahllos in den engen Raum,
Vorlage S. 24 842 Wie die Pygmä'n, jenseits von Indiens Bergen;
Vorlage S. 24 843 Wie Elfen, deren mitternächtigen Tanz
Vorlage S. 24 844 Bei einem Waldplatz oder einem Quell
Vorlage S. 24 845 Der Landmann sieht, vielleicht auch träumt zu sehn;
Vorlage S. 24 846 Indeß der Mond herrscht über seinem Haupt,
Vorlage S. 24 847 Im blassen Gange sich der Erde naht,
Vorlage S. 24 848 Ergötzen jene, nur auf Scherz bedacht,
Vorlage S. 24 849 Das Ohr ihm mit der lieblichsten Musik,
Vorlage S. 24 850 Dass Lust und Furcht zugleich im Herzen wallen.
Vorlage S. 24 851 So schufen diese körperlosen Geister
Vorlage S. 24 852 Aus Riesenform die niedlichste Figur,
Vorlage S. 24 853 Und saßen ganz geraum, wiewohl unzählig,
Vorlage S. 24 854 Inmitten dieser unterirdischen Halle.
Vorlage S. 24 855 Doch tiefer drin, und im gehörigen Maß
Vorlage S. 24 856 Sich selbst gleich, saßen im verborgnen Raum
Vorlage S. 24 857 Geheim die Seraphim und Cherubschaar,
Vorlage S. 24 858 Zahlreich auf goldnen Sesseln, wol an tausend
Vorlage S. 24 859 Halbgötter. Dann begann nach kurzem Schweigen,
Vorlage S. 24 860 Verles'nem Aufgebot der große Rath.
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