Deutsch · Abschnitt 2 von 21
Erster Gesang
1 Erster Gesang.
Vorlage S. 11 3 Den Feldherrn sing' ich und die frommen Waffen,
Vorlage S. 11 4 So des Erlösers hohes Grab befreit.
Vorlage S. 11 5 Viel führt' er aus, was Geist und Arm geschaffen,
Vorlage S. 11 6 Viel duldet' er im glorreich kühnen Streit.
Vorlage S. 11 7 Und fruchtlos droht die Hölle, fruchtlos raffen
Vorlage S. 11 8 Sich Asien auf, und Libyen, kampfbereit;
Vorlage S. 11 9 Denn Gottes Huld führt zu den heil'gen Fahnen
Vorlage S. 11 10 Ihm die Gefährten heim von irren Bahnen.
Vorlage S. 11 12 O Muse, die mit welken Lorbeerkronen
Vorlage S. 11 13 Nie auf dem Helikon die Stirn umflicht,
Vorlage S. 11 14 Doch die im Himmel, wo die Sel'gen wohnen,
Vorlage S. 11 15 Strahlt mit des Sternenkranzes ew'gem Licht:
Vorlage S. 11 16 Hauch' in die Brust mir Glut aus Himmelszonen!
Vorlage S. 11 17 Erleuchte du mein Lied; und zürne nicht,
Vorlage S. 11 18 Füg' ich zur Wahrheit Zier, schmück' ich bisweilen
Vorlage S. 11 19 Mit anderm, als nur deinem Reiz, die Zeilen.
Vorlage S. 11 21 Du weißt ja, dass die Welt, wo seiner Gaben
Vorlage S. 11 22 Parnaß die süßesten verströmt, sich drängt;
Vorlage S. 11 23 Und dass die Wahrheit manchesmal, vergraben
Vorlage S. 11 24 In holden Reim, die Sprödsten lockt und fängt.
Vorlage S. 11 25 So reichen wir auch wohl dem kranken Knaben
Vorlage S. 11 26 Des Bechers Rand mit süßem Nass besprengt;
Vorlage S. 11 27 Getäuscht empfängt er, ohne Widerstreben,
Vorlage S. 11 28 Den herben Saft, und, durch die Täuschung, Leben.
Vorlage S. 11 30 Großmüthiger Alfons, erhabner Retter
Vorlage S. 11 31 Des irren Wandrers, den das Glück verrieth,
Vorlage S. 11 32 Der aus dem Wogendrang, aus Sturm und Wetter,
Vorlage S. 11 33 Gescheitert fast, in deinen Haven flieht:
Vorlage S. 11 34 Mit heitrer Stirn empfange diese Blätter;
Vorlage S. 11 35 Wie zum Gelübde weiht' ich dir mein Lied.
Vorlage S. 11 36 Einst tönt vielleicht die ahnungsvolle Leier,
Vorlage S. 11 37 Statt leisen Winks, von dir mit lauter Feier.
Vorlage S. 11 39 Wohl ist es recht – wenn je in künft'gen Jahren
Vorlage S. 11 40 Die Völker Christi sich in Frieden sehn,
Vorlage S. 11 41 Und nun mit Schiff und Roß kühn dem Barbaren
Vorlage S. 11 42 Die große Beute zu entreißen gehn –
Vorlage S. 11 43 Dass sie die Führung, wie du willst, der Schaaren
Vorlage S. 11 44 Zu Wasser oder Land dir zugestehn.
Vorlage S. 11 45 Nacheifrer Gottfrieds, horch' auf seine Siege
Vorlage S. 11 46 In unserm Lied, und rüste dich zum Kriege!
Vorlage S. 11 48 Schon lief das sechste Jahr, seitdem die Christen
Vorlage S. 12 49 Zum hohen Kampf gen Ost sich aufgemacht.
Vorlage S. 12 50 Nicäa war durch Sturm, durch Ueberlisten
Vorlage S. 12 51 War Antiochien schon in ihrer Macht,
Vorlage S. 12 52 Und wider Persiens Heer, nach kurzem Fristen,
Vorlage S. 12 53 Die Stadt vertheidigt in gewalt'ger Schlacht.
Vorlage S. 12 54 Tortosa fiel; dann räumten sie der harten
Vorlage S. 12 55 Jahrszeit das Feld, um auf den Lenz zu warten.
Vorlage S. 12 57 Und jener feuchte Winter, der dem wilden
Vorlage S. 12 58 Kriegstoben wehrte, war beinah entflohn:
Vorlage S. 12 59 Als aus des Himmels heitersten Gefilden
Vorlage S. 12 60 Der ew'ge Vater, vom erhabnen Thron,
Vorlage S. 12 61 So weit erhöhet ob den Sterngebilden,
Vorlage S. 12 62 Wie sie sind ob des Abgrunds Region,
Vorlage S. 12 63 Das Aug' herniederwandt' und fasst' in Eine
Vorlage S. 12 64 Anschauung, was die Welt in sich vereine.
Vorlage S. 12 66 Er schaut das All, und weilet bei der Franken
Vorlage S. 12 67 Heerführern, die in Syriens Gau'n verziehn;
Vorlage S. 12 68 Und mit dem Blick, dem in des Busens Schranken
Vorlage S. 12 69 Stets die geheimste Regung klar erschien,
Vorlage S. 12 70 Sieht er den Gottfried glühn von dem Gedanken,
Vorlage S. 12 71 Die heil'ge Stadt den Heiden zu entziehn,
Vorlage S. 12 72 Und, treu und eifrig, jedes ird'sche Trachten
Vorlage S. 12 73 Nach Ruhm der Welt, Herrschaft und Gold verachten.
Vorlage S. 12 75 Er sieht in Balduin die Begierde lauern
Vorlage S. 13 76 Nach allem was zur Erdengröß' erhebt;
Vorlage S. 13 77 Und wie Tancred, versenkt in tiefes Trauern
Vorlage S. 13 78 Durch Liebeswahn, nur wider Willen lebt;
Vorlage S. 13 79 Wie Bohemund in Antiochiens Mauern
Vorlage S. 13 80 Sein neues Reich fest zu begründen strebt,
Vorlage S. 13 81 Gesetz' und Sitten einführt, und Belehrung
Vorlage S. 13 82 In Künsten giebt und wahrer Gottverehrung;
Vorlage S. 13 84 Und wie sein Geist, nur tätig und geschäftig
Vorlage S. 13 85 Bei diesem Werk, nichts Andres denkt noch tut.
Vorlage S. 13 86 Dann siehet er Rinaldo, kühn und kräftig,
Vorlage S. 13 87 Der Ruhe feind, entflammt von Kriegesmuth.
Vorlage S. 13 88 Nicht Gold noch Herrschaft lockt ihn an; doch heftig
Vorlage S. 13 89 Durchlodert ihn der Ehr' unmäß'ge Glut.
Vorlage S. 13 90 Er sieht ihn treu an Guelfo's Munde hangen
Vorlage S. 13 91 Und edler Vorzeit würd'ge Kund' empfangen.
Vorlage S. 13 93 Doch als der Herr des Weltalls wahrgenommen
Vorlage S. 13 94 Den tiefsten Wunsch, den jedes Herz gebar,
Vorlage S. 13 95 Heißt er den Gabriel zum Throne kommen,
Vorlage S. 13 96 Den Zweiten aus der ersten Engel Schaar,
Vorlage S. 13 97 Der immer zwischen Gott und seinen Frommen
Vorlage S. 13 98 Ein froher Bot' und treuer Dolmetsch war.
Vorlage S. 13 99 Er bringt hinab die himmlischen Befehle
Vorlage S. 13 100 Und bringt zu Gott das Flehn der gläub'gen Seele.
Vorlage S. 13 102 Ihm sagt der Herr: Zu Gottfried, meinem Treuen,
Vorlage S. 14 103 Eil' hin und sprich: Warum nunmehr verziehn?
Vorlage S. 14 104 Warum nicht jetzt mit Macht den Krieg erneuen,
Vorlage S. 14 105 Jerusalem dem Joche zu entziehn?
Vorlage S. 14 106 Die Fürsten ruf' er in den Rath, die Scheuen
Vorlage S. 14 107 Sporn' er zum Werk; zum Feldherrn wähl' ich ihn.
Vorlage S. 14 108 Ich wähl' ihn hier; die Andern tun's auf Erden,
Vorlage S. 14 109 Die, einst ihm gleich, jetzt seine Diener werden.
Vorlage S. 14 111 So spricht der Herr; und diesem nachzuleben
Vorlage S. 14 112 Bereitet sich der Engel alsobald.
Vorlage S. 14 113 Luft muss den unsichtbaren Leib umweben,
Vorlage S. 14 114 Von ihm geformt zur menschlichen Gestalt,
Vorlage S. 14 115 Um sich den ird'schen Sinnen kund zu geben,
Vorlage S. 14 116 Doch von des Himmels Majestät umwallt.
Vorlage S. 14 117 Ein Knabe scheint er an des Jünglings Gränzen
Vorlage S. 14 118 Und lässt das blonde Haar von Strahlen glänzen.
Vorlage S. 14 120 Dann nimmt er weiße, goldgesäumte Schwingen,
Vorlage S. 14 121 Die unermüdlich sind, und schnell und leicht
Vorlage S. 14 122 Der Wind' und Wolken Region durchdringen,
Vorlage S. 14 123 Dass Meer und Land tief unter ihm entweicht.
Vorlage S. 14 124 Er eilt, vom Himmel sich hinabzuschwingen;
Vorlage S. 14 125 Bald hat er schon die untre Welt erreicht,
Vorlage S. 14 126 Lässt auf dem Berge Libanon sich nieder
Vorlage S. 14 127 Und wiegt sich auf verbreitetem Gefieder.
Vorlage S. 14 129 Nun lenkt er, abwärts fliegend, seine Pfade
Vorlage S. 15 130 Nach dem Gefild, in dem Tortosa ruht.
Vorlage S. 15 131 Die Sonn' entsteigt dem östlichen Gestade,
Vorlage S. 15 132 Zum Theil herauf, doch mehr noch in der Flut;
Vorlage S. 15 133 Und Gottfried sendet zu dem Quell der Gnade
Vorlage S. 15 134 Sein frühes Flehn, wie er gewöhnlich tut:
Vorlage S. 15 135 Da, mit der Sonne, doch in hellerm Lichte,
Vorlage S. 15 136 Erscheint der Engel seinem Angesichte,
Vorlage S. 15 138 Und sagt ihm: Gottfried, sieh die Zeit erscheinen,
Vorlage S. 15 139 Die wieder Raum den Kriegesthaten schafft.
Vorlage S. 15 140 Warum noch säumst du länger mit den Deinen,
Vorlage S. 15 141 Jerusalem zu ziehn aus schnöder Haft?
Vorlage S. 15 142 Eil', in den Rath die Fürsten zu vereinen,
Vorlage S. 15 143 Und sporn' ans Ziel die träggewordne Kraft.
Vorlage S. 15 144 Gott will zu ihrem Führer dich erheben,
Vorlage S. 15 145 Auch werden sie sich selbst dir untergeben.
Vorlage S. 15 147 Gott schickt als Boten mich, dir zu berichten
Vorlage S. 15 148 Was er beschloss. Wie hoffest du mit Fug
Vorlage S. 15 149 Nun sichern Sieg! Wie groß sind deine Pflichten
Vorlage S. 15 150 Für jenes Heer, das Er dir übertrug!
Vorlage S. 15 151 Er schwieg, verschwand und lenkte zu den lichten
Vorlage S. 15 152 Glücksel'gen Höh'n des Himmels seinen Flug;
Vorlage S. 15 153 Und Gottfried, ob dem Glanz, ob dem Befehle,
Vorlage S. 15 154 Steht da, geblendten Aug's, erstaunter Seele.
Vorlage S. 15 156 Doch als er sich gefasst, und klar ergründet,
Vorlage S. 16 157 Wer kam, wer sandt', und was zu ihm erscholl:
Vorlage S. 16 158 Da, wünscht' er erst, fühlt er sich ganz entzündet,
Vorlage S. 16 159 Den Krieg zu enden, den er lenken soll.
Vorlage S. 16 160 Nicht dass sein Herz, weil ihm die Gunst verkündet,
Vorlage S. 16 161 Die ihm der Himmel schenkt, von Ehrsucht schwoll;
Vorlage S. 16 162 Doch fühlt er, dass sein Wille sich entflamme
Vorlage S. 16 163 In dem des Herrn, wie Funken in der Flamme.
Vorlage S. 16 165 Er lud demnach die Helden, in der Gegend
Vorlage S. 16 166 Ringsum zerstreut, zum Rath, den er berief.
Vorlage S. 16 167 Stets zu dem Vorschlag noch die Bitte legend,
Vorlage S. 16 168 Schickt Boten er auf Boten, Brief auf Brief.
Vorlage S. 16 169 Was nur für Edle lockend ist und regend,
Vorlage S. 16 170 Was nur die Thatkraft wecket, die entschlief:
Vorlage S. 16 171 Er findet's auf und schmückt es, und erringet,
Vorlage S. 16 172 Dass sein Bemühn zugleich gefällt und zwinget.
Vorlage S. 16 174 Ein jeder Feldherr kam nun mit den Seinen,
Vorlage S. 16 175 Nur Bohemund vermisste man im Rath.
Vorlage S. 16 176 Tortosa nimmt sie auf, wie sie erscheinen,
Vorlage S. 16 177 Und draußen lagern, die zuletzt genaht.
Vorlage S. 16 178 An einem feierlichen Tag vereinen
Vorlage S. 16 179 Die Großen sich, ein würdiger Senat;
Vorlage S. 16 180 Und Gottfried nun spricht zu dem Heldenbunde
Vorlage S. 16 181 Mit hehrem Blick und wohllautreichem Munde:
Vorlage S. 16 183 Ihr Krieger Gottes, die der Herr der Schaaren
Vorlage S. 17 184 Zu seines Reichs Herstellern hat gemacht,
Vorlage S. 17 185 Und zwischen Trug und Waffen, in Gefahren
Vorlage S. 17 186 Zu Land' und Meer geleitet und bewacht;
Vorlage S. 17 187 So dass wir ihm, in nur so wenig Jahren,
Vorlage S. 17 188 So manch abtrünnig Volk zurückgebracht,
Vorlage S. 17 189 Und in bezwungnen, unterworfnen Reichen
Vorlage S. 17 190 Verbreitet seinen Ruhm, sein Siegeszeichen:
Vorlage S. 17 192 Wohl darum nicht – wenn mich kein Wahn betrogen –
Vorlage S. 17 193 Flohn wir die Heimat und der Liebe Pfand,
Vorlage S. 17 194 Vertrauten uns des Meeres falschen Wogen,
Vorlage S. 17 195 Der Kriegsgefahr an so entferntem Strand,
Vorlage S. 17 196 Um einen kurzen Ruhm, der leicht verflogen,
Vorlage S. 17 197 Um zu gewinnen der Barbaren Land.
Vorlage S. 17 198 Das hieße wohl sich schlechten Lohn erwählen,
Vorlage S. 17 199 Und Blut verströmen zum Verderb der Seelen.
Vorlage S. 17 201 Dies Ziel vielmehr ermuthigt' unsre Waffen:
Vorlage S. 17 202 Die edeln Mauern Zions zu befrein,
Vorlage S. 17 203 Unwürd'gem Joch die Christen zu entraffen
Vorlage S. 17 Kontextbild zum Werk. Historische Illustration zu „Das befreite Jerusalem“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Antonio Tempesta · CC0 Bildquelle ↗ 204 Und einer so verhaßten Knechtschaft Pein;
Vorlage S. 17 205 Im heil'gen Land ein neues Reich zu schaffen,
Vorlage S. 17 206 Der Andacht sichre Wohnung zu verleihn,
Vorlage S. 17 207 Damit am hohen Grab der fromme Pilger
Vorlage S. 17 208 In Ruh anbete, des Gelübdes Tilger.
Vorlage S. 17 210 Zwar Großes ist für die Gefahr geschehen,
Vorlage S. 18 211 Mehr für die Miihe, für den Ruhm nicht viel,
Vorlage S. 18 212 Nichts für den Zweck; bleib' hier der Krieger stehen,
Vorlage S. 18 213 Such' anderswo der Waffendrang sein Ziel.
Vorlage S. 18 214 Was hilft's, Europa's Macht vereint zu sehen,
Vorlage S. 18 215 Und dass der Brand in Asiens Fluren fiel,
Vorlage S. 18 216 Ist doch das Ende so gewalt'ger Thaten
Vorlage S. 18 217 Nicht Staatengründung, nur Verderb der Staaten?
Vorlage S. 18 219 Der baut auf Sand, der nur auf Erdenstützen
Vorlage S. 18 220 Ein neues Reich zu gründen sich vermisst,
Vorlage S. 18 221 Wo wenig der Verbundnen ihn beschützen,
Vorlage S. 18 222 Wo er von Heiden rings umgeben ist.
Vorlage S. 18 223 Das ferne Westland kann ihm wenig nützen,
Vorlage S. 18 224 Und trauen darf er nicht der Griechen List.
Vorlage S. 18 225 Nur Trümmer häuft er auf, wovon begraben,
Vorlage S. 18 226 Er selbst ein Grab sich wird erbauet haben.
Vorlage S. 18 228 Dass Türken, Perser, Antiochier sanken –
Vorlage S. 18 229 Glorreicher Schall der Namen und der That –
Vorlage S. 18 230 War unser nicht; dem Himmel war's zu danken,
Vorlage S. 18 231 Der wundervoll auf unsre Seite trat.
Vorlage S. 18 232 Doch brauchen wir, zuwider den Gedanken
Vorlage S. 18 233 Des Gebers, dies Geschenk nach unserm Rath:
Vorlage S. 18 234 So fürcht' ich, wird sein Arm sich von uns wenden,
Vorlage S. 18 235 Und unser Ruhm ein Spott der Völker enden.
Vorlage S. 18 237 Ha! Keiner werd' in unserm Heer getroffen,
Vorlage S. 19 238 Der das verderbe, was der Herr geschenkt!
Vorlage S. 19 239 So, wie der Glanz des Anfangs ließ erhoffen,
Vorlage S. 19 240 Sei bis ans Ziel das große Werk gelenkt.
Vorlage S. 19 241 Jetzt, da die Wege gangbar sind und offen,
Vorlage S. 19 242 Jetzt, da nicht mehr die Jahrszeit uns beschränkt:
Vorlage S. 19 243 Warum nicht zu der Stadt hinan, dem hehren
Vorlage S. 19 244 Zielpunkte jedes Siegs? Wer kann's noch wehren?
Vorlage S. 19 246 Ja, ich bezeug's, ihr Fürsten – und erfahren
Vorlage S. 19 247 Wird dieses Zeugnis Welt und Afterwelt,
Vorlage S. 19 248 Und droben selbst der Himmelsbürger Schaaren –
Vorlage S. 19 249 Die Zeit der Reife hat sich eingestellt.
Vorlage S. 19 250 Je mehr wir zögern, wachsen die Gefahren;
Vorlage S. 19 251 Unsicher wird, was man für sicher hält.
Vorlage S. 19 252 Ich seh's voraus, bald wird, wenn wir nicht eilen,
Vorlage S. 19 253 Aegyptens Macht dem Feinde Hülf' ertheilen.
Vorlage S. 19 255 Er sprach's. Ein Murmeln folgt' itzt im Senate,
Vorlage S. 19 256 Und Peter sprach, der Eremit, sodann;
Vorlage S. 19 257 Ein Niedrer, saß er mit im Fürstenrathe,
Vorlage S. 19 258 Als der den großen Heereszug begann:
Vorlage S. 19 259 Was Gottfried sagt, ist, was auch ich hier rathe;
Vorlage S. 19 260 Es ist so klar, dass Keiner zweifeln kann.
Vorlage S. 19 261 Durch sich ist's kund, er setzt' es ganz ins Reine;
Vorlage S. 19 262 Ihr billigt es; ich füg' hinzu dies Eine:
Vorlage S. 19 264 Fass' ich den Streit, den Widerspruch zusammen,
Vorlage S. 20 265 Den um die Wette Jeder übt' und trug;
Vorlage S. 20 266 Die Meinungen, die wechselnd sich verdammen,
Vorlage S. 20 267 Die Thaten, stockend mitten im Vollzug:
Vorlage S. 20 268 So seh' ich all' aus Einer Quelle stammen,
Vorlage S. 20 269 Die Händel, die Verwirrung, den Verzug;
Vorlage S. 20 270 Aus dem Gewicht, das Viele, die oft streitig
Vorlage S. 20 271 In Meinung sind, behaupten gegenseitig.
Vorlage S. 20 273 Wo Einer nicht der Oberherrschaft Quellen
Vorlage S. 20 274 In sich vereint, verbietet und erlaubt,
Vorlage S. 20 275 Die Arbeit austheilt, Würden giebt und Stellen,
Vorlage S. 20 276 Da ist dem Staat die innre Kraft geraubt.
Vorlage S. 20 277 Eilt denn, euch fest als Glieder zu gesellen,
Vorlage S. 20 278 Und Einer nur sei dieses Körpers Haupt.
Vorlage S. 20 279 Auf Einen sammelt der Regierung Bürde,
Vorlage S. 20 280 Gebt ihm des Königs Ansehn, Macht und Würde.
Vorlage S. 20 282 Hier schwieg der Greis. Doch welcher Herzen Pforte
Vorlage S. 20 283 Kann dir, o heil'ge Glut, verschlossen sein?
Vorlage S. 20 284 Dein Hauch beseelt des Eremiten Worte,
Vorlage S. 20 285 Du prägest sie ins Herz der Ritter ein.
Vorlage S. 20 286 Du tilgst so ganz aus seinem Heimatsorte
Vorlage S. 20 287 Den Trieb nach Freiheit, Macht und äußerm Schein,
Vorlage S. 20 288 Dass Wilhelm gleich und Guelf, die allen Diesen
Vorlage S. 20 289 Vorgehn im Rang, Gottfried zum Haupt erkiesen.
Vorlage S. 20 291 Die Andern stimmen bei; er soll erwägen,
Vorlage S. 21 292 Beschließen, und gebieten Jedermann;
Vorlage S. 21 293 Gesetze den Besiegten auferlegen,
Vorlage S. 21 294 Krieg führen gegen wen er will, und wann.
Vorlage S. 21 295 Die sonst ihm gleich, sehn ohne Widerregen
Vorlage S. 21 296 Sich jetzt als Diener seiner Herrschaft an.
Vorlage S. 21 297 Beschlossen ist's, und schon, nach allen Seiten,
Vorlage S. 21 298 Fliegt das Gerücht, die Kunde zu verbreiten.
Vorlage S. 21 300 Er zeigt den Söldnern sich, und wird von allen
Vorlage S. 21 301 Des Rangs, der ihm verliehen, werth geschätzt;
Vorlage S. 21 302 Und kriegerische Grüße, die ihm schallen,
Vorlage S. 21 303 Verkünden laut, wie sie die Wahl ergetzt.
Vorlage S. 21 304 Er sieht des Heeres Freude mit Gefallen
Vorlage S. 21 305 Und danket Allen heiter und gesetzt;
Vorlage S. 21 306 Dann ordnet er, dass mit der Morgenhelle
Vorlage S. 21 307 Die ganze Macht zur Heeresschau sich stelle.
Vorlage S. 21 309 Kaum ist die Sonn' im Osten aufgegangen,
Vorlage S. 21 310 Und heitrer als sie lange nicht getan,
Vorlage S. 21 311 Als bei dem ersten Strahle, voll Verlangen,
Vorlage S. 21 312 Mit ihren Fahnen schon die Krieger nahn,
Vorlage S. 21 313 Und jeder sich, in seinem besten Prangen,
Vorlage S. 21 314 Dem frommen Gottfried zeigt auf weitem Plan.
Vorlage S. 21 315 Er aber steht und sieht, in aller Muße,
Vorlage S. 21 316 Vorüberziehn das Heer zu Roß und Fuße.
Vorlage S. 21 318 Du, des Vergessens Feindin und der Jahre,
Vorlage S. 22 319 Erinnerung, die Alles aufbehält,
Vorlage S. 22 320 Erfülle du mich, dass ich offenbare,
Vorlage S. 22 321 Wie jede Schaar sich wies und jeder Held;
Vorlage S. 22 322 Dass man erneut den alten Ruhm gewahre,
Vorlage S. 22 323 Den lange Zeit verdunkelt und entstellt.
Vorlage S. 22 324 Was meine Zunge schmückt mit deinen Schätzen,
Vorlage S. 22 325 Soll jedes Alter hören, keins verletzen.
Vorlage S. 22 327 Die Franken ziehn vorauf, an deren Spitze
Vorlage S. 22 328 Graf Hugo einst, des Königs Bruder, stand.
Vorlage S. 22 329 Sie hatten Isle de France zum Heimatsitze,
Vorlage S. 22 330 Vier Ström' umziehn ihr schönes, weites Land.
Vorlage S. 22 331 Seit Hugo starb, folgt mit gewohnter Hitze
Vorlage S. 22 332 Die Schaar dem Lilienbanner in der Hand
Vorlage S. 22 333 Clothars, des Feldherrn ohne Furcht und Tadel,
Vorlage S. 22 334 Dem nichts gebricht, als königlicher Adel.
Vorlage S. 22 336 Auf Dies', in schwere Rüstung eingeschlossen,
Vorlage S. 22 337 Und ihrer Zahl nach tausend, folgt alsbald
Vorlage S. 22 338 Ein Trupp von gleicher Zahl auf muth'gen Rossen,
Vorlage S. 22 339 Den ersten gleich an Waffen und Gestalt.
Vorlage S. 22 340 Normannen sind's; dem Fürstenstamm entsprossen,
Vorlage S. 22 341 Lenkt Robert sie mit erblicher Gewalt.
Vorlage S. 22 342 Zwei Völkerhirten führten ihre Schaaren
Vorlage S. 22 343 Sodann herbei, Wilhelm sammt Adhemaren.
Vorlage S. 22 345 Sie Beide, die vordem, mit heil'gem Streben,
Vorlage S. 23 346 Ihr frommes Amt verwaltet am Altar,
Vorlage S. 23 347 Jetzt üben sie das rauhe Waffenleben;
Vorlage S. 23 348 Ein schwerer Helm verbirgt das lange Haar.
Vorlage S. 23 349 Die Stadt Oranien und ihr Weichbild geben
Vorlage S. 23 350 Dem Ersten die Vierhundert seiner Schaar;
Vorlage S. 23 351 Zum Kriege führet die aus Puy der Zweite,
Vorlage S. 23 352 In gleicher Zahl und gleich geübt im Streite.
Vorlage S. 23 354 Dann führet Balduin aus Boulogne's Gauen
Vorlage S. 23 355 Sein eignes Volk, sammt dem aus Gottfrieds Land;
Vorlage S. 23 356 Ihm übergab's der Bruder mit Vertrauen,
Vorlage S. 23 357 Da man zum Haupt der Häupter ihn ernannt.
Vorlage S. 23 358 Der Graf von Chartres lässt sodann sich schauen,
Vorlage S. 23 359 Von Rath gewaltig und von tapfrer Hand.
Vorlage S. 23 360 Vierhundert führt er, und an Balduin schlossen
Vorlage S. 23 361 Sich dreimal mehr, im Harnisch und auf Rossen.
Vorlage S. 23 363 Zunächst zeigt Guelf sich auf des Feldes Bahnen,
Vorlage S. 23 364 An hohem Glück und Werth gleich unbeschränkt.
Vorlage S. 23 365 Vom welschen Vater ward der Este's-Ahnen
Vorlage S. 23 366 Glorreiche Folg' als Erbtheil ihm geschenkt;
Vorlage S. 23 367 Doch deutsch von Namen und von Unterthanen,
Vorlage S. 23 368 Dem alten Stamm der Guelfen eingesenkt,
Vorlage S. 23 369 Herrscht er, wo Suev' und Rhätier einst am Rheine
Vorlage S. 23 370 Und Ister wohnt'; auch Kärnthen ist das Seine.
Vorlage S. 23 372 Mit diesem Erb' aus mütterlichem Hause
Vorlage S. 24 373 Verband er großen, rühmlichen Gewinn.
Vorlage S. 24 374 Es trotzt sein Volk dem wilden Kriegsgebrause
Vorlage S. 24 375 Und folgt ihm in den Tod mit kühnem Sinn.
Vorlage S. 24 376 Den Winter bringt es gern bei heiterm Schmause,
Vorlage S. 24 377 Gesellig froh, in warmer Wohnung hin.
Vorlage S. 24 378 Fünftausend zogen aus; zwei Drittel rieben
Vorlage S. 24 379 Die Perser auf, kaum ist ihm Eins geblieben.
Vorlage S. 24 381 Dann kommt das blonde Volk, deß Land vom Meere,
Vorlage S. 24 382 Frankreich und Deutschland eingeschlossen ruht,
Vorlage S. 24 383 An Heerden reich und Ceres goldner Aehre,
Vorlage S. 24 384 Durchströmt vom Rhein und von der Mosel Flut.
Vorlage S. 24 385 Ihm folgt der Inseln Volk, das hohe Wehre
Vorlage S. 24 386 Baut vor des Oceans raubgier'ger Wut;
Vorlage S. 24 387 Des Oceans, der nicht nur Schiff' und Waaren,
Vorlage S. 24 388 Auch Stadt und Land verschlingt und Völkerschaaren.
Vorlage S. 24 390 Von beiden waren tausend; beide standen
Vorlage S. 24 391 In eines andern Robert Dienst und Lohn.
Vorlage S. 24 392 Kaum stärker ist der Britten Schaar vorhanden,
Vorlage S. 24 393 Die Wilhelm führt, des Königs jüngrer Sohn.
Vorlage S. 24 394 Mit Bogen kämpft sie, und ihr folgt, aus Landen
Vorlage S. 24 395 Noch näher an des Nordpols Region,
Vorlage S. 24 396 Ein borstig Volk. Von dichten Wäldern sendet
Vorlage S. 24 397 Dies Irland aus, der Welt ganz abgewendet.
Vorlage S. 24 399 Dann kommt Tancred; und keiner ist von allen,
Vorlage S. 25 400 Der, nach Rinald, ein größrer Krieger sei,
Vorlage S. 25 401 Deß Anstand und Betragen mehr gefallen,
Vorlage S. 25 402 Deß Herz so groß, von jeder Zagheit frei.
Vorlage S. 25 403 Muss doch auf seinen Ruhm ein Schatten fallen,
Vorlage S. 25 404 So ist's der Liebe holde Raserei;
Vorlage S. 25 405 Sie, die im Krieg, von Einem Blick entsprungen,
Vorlage S. 25 406 Mit Qualen sich genährt und Kraft errungen.
Vorlage S. 25 Kontextbild zum Werk. Historische Illustration zu „Das befreite Jerusalem“ — Werkbezogene Bildquelle; keine belegte Zuordnung zu der hier angezeigten einzelnen Textstelle. · Antonio Tempesta · CC0 Bildquelle ↗ 408 Als einst der Franken Heer – so geht die Kunde –
Vorlage S. 25 409 Das Perservolk ruhmwürdig überwand,
Vorlage S. 25 410 Und nun Tancred, sieghaft in letzter Stunde,
Vorlage S. 25 411 Dem Feind zu folgen sich ermüdet fand,
Vorlage S. 25 412 Da sucht' er Labung dem verlechzten Munde,
Vorlage S. 25 413 Dem Leibe Rast, von Kämpfen abgespannt,
Vorlage S. 25 414 Und kam zu einem Quell, wo grüne Sitze
Vorlage S. 25 415 Ihm Kühlung boten nach des Tages Hitze.
Vorlage S. 25 417 Hier ließ sich plötzlich eine Jungfrau blicken,
Vorlage S. 25 418 Bis auf das Antlitz ganz gehüllt in Stahl,
Vorlage S. 25 419 Die, eine Heidin, um sich zu erquicken,
Vorlage S. 25 420 Gleichfalls gesucht dies kühle Schattenthal.
Vorlage S. 25 421 Er schaut sie an, bestaunt mit frohen Blicken
Vorlage S. 25 422 Den holden Reiz, und glühet auf einmal.
Vorlage S. 25 423 O Wunder! Amor, kaum geboren, flieget
Vorlage S. 25 424 Erwachsen schon, bewaffnet sich und sieget.
Vorlage S. 25 426 Sie nahm den Helm und hätt' ihr Schwert geschwungen,
Vorlage S. 26 427 Erschien nicht plötzlich andres Volk allda.
Vorlage S. 26 428 Das stolze Weib verließ den sie bezwungen,
Vorlage S. 26 429 Obwohl ihr Fliehen nur aus Noth geschah.
Vorlage S. 26 430 Allein ihr Bild war in sein Herz gedrungen,
Vorlage S. 26 431 So kriegrisch hold, wie er sie lebend sah;
Vorlage S. 26 432 Und stets umschwebt ihn die Gestalt, die Gegend,
Vorlage S. 26 433 Wo er sie sah, den Brand von neuem regend.
Vorlage S. 26 435 Und deutlich kann in seinem Antlitz lesen,
Vorlage S. 26 436 Wer Liebe kennt: Der glüht, und hoffnungslos.
Vorlage S. 26 437 So spricht von innrer Qual sein ganzes Wesen,
Vorlage S. 26 438 Der trübe Blick, das Herz von Seufzern groß.
Vorlage S. 26 439 Achthundert Reiter hatt' er auserlesen;
Vorlage S. 26 440 Sie kamen aus Campaniens holdem Schooß,
Vorlage S. 26 441 Dem Prachtwerk der Natur, von sonnenhellen
Vorlage S. 26 442 Anhöh'n, geliebkos't von Tyrrheniens Wellen.
Vorlage S. 26 444 Zweihundert Griechen kommen dann gezogen,
Vorlage S. 26 445 Mit Eisenrüstung wenig nur beschwert.
Vorlage S. 26 446 Auf ihrem Rücken tönen Pfeil und Bogen,
Vorlage S. 26 447 An einer Seite hängt ein krummes Schwert.
Vorlage S. 26 448 Die Rosse, schlank, bei magrer Kost erzogen,
Vorlage S. 26 449 Sind rasch im Lauf, im Dienste wohl bewährt.
Vorlage S. 26 450 Zum Angriff schnell, schnell sich zurückzuziehen,
Vorlage S. 26 451 Ficht dieses Volk zerstreut und noch im Fliehen.
Vorlage S. 26 453 Sie führt Tatin, er, den man bei den Schaaren
Vorlage S. 27 454 Von Latium als einz'gen Griechen sah.
Vorlage S. 27 455 O Schmach! O Unthat! Griechenland, und waren
Vorlage S. 27 456 Dir diese Kriege damals nicht so nah?
Vorlage S. 27 457 Doch saßest du, den Ausgang der Gefahren
Vorlage S. 27 458 Erwartend, ruhig, wie beim Schauspiel, da.
Vorlage S. 27 459 Beugt jetzo dir der Knechtschaft Joch den Rücken,
Vorlage S. 27 460 So klage nicht; Recht ist's, und kein Bedrücken.
Vorlage S. 27 462 Nun kommt der letzte Haufen, doch an Ehre,
Vorlage S. 27 463 An Muth und Kunst der erste von der Zahl:
Vorlage S. 27 464 Die freien Ritter, die gefolgt dem Heere,
Vorlage S. 27 465 Der Schrecken Asiens, Mavors Donnerstrahl.
Vorlage S. 27 466 Schweig' Arthur von der Seinen Fabelmähre!
Vorlage S. 27 467 Schweig' Argo von den Minyern allzumal!
Vorlage S. 27 468 Der Vorwelt Ruhm muss sich vor ihrem neigen;
Vorlage S. 27 469 Doch wer wird würdig sich als Führer zeigen?
Vorlage S. 27 471 Dudo von Consa ist's; denn welcher eben
Vorlage S. 27 472 Adliger, tapfrer sei, schien zweifelhaft;
Vorlage S. 27 473 Ihm hatten sie sich willig untergeben,
Vorlage S. 27 474 Dieweil er mehr gesehn und mehr geschafft.
Vorlage S. 27 475 In ernster Würd' und reifem Mannesleben
Vorlage S. 27 476 Zeigt er, bei grauem Haar, noch frische Kraft;
Vorlage S. 27 477 Zeigt er, der Ehre würd'ges Maal, die Narben,
Vorlage S. 27 478 So Wunden ohne Mißzier ihm erwarben.
Vorlage S. 27 480 Ihm folgt Eustaz, deß Lob schon oft erklungen,
Vorlage S. 28 481 Doch durch Bouillon, den Bruder, mehr bekannt.
Vorlage S. 28 482 Gernand, von Norwegs Königstamm entsprungen,
Vorlage S. 28 483 Erscheinet, stolz auf Scepter, Kron' und Land.
Vorlage S. 28 484 Alt ist der Ruhm, den sich im Kampf errungen
Vorlage S. 28 485 Roger von Balnavill und Engerland;
Vorlage S. 28 486 Und mit den Tapfersten verglichen warden
Vorlage S. 28 487 Ein Rambald, Ein Genton, sammt zwei Gerharden.
Vorlage S. 28 489 Hier ist Rosmund, Lancasters reicher Erbe,
Vorlage S. 28 490 Der, wie Ubald, bei den Gepriesnen steht.
Vorlage S. 28 491 Obizo von Toscana, der biderbe,
Vorlage S. 28 492 Sei in dem Kreis der Tapfern nicht verschmäht.
Vorlage S. 28 493 Nicht der Lombardenbrüder Ruhm ersterbe,
Vorlage S. 28 494 Achill genannt, Sforza und Palamed:
Vorlage S. 28 495 Noch Otto's Preis, der jenen Schild erstritten,
Vorlage S. 28 496 Auf dem ein nacktes Kind der Schlang' entglitten.
Vorlage S. 28 498 Nicht soll es Guasco'n noch Ridolfen fehlen
Vorlage S. 28 499 Am Ruhme, der den zwei Guidonen ward;
Vorlage S. 28 500 Nicht will ich schweigend, undankbar verhehlen
Vorlage S. 28 501 Des Gernier Namen, noch des Eberhard.
Vorlage S. 28 502 Wohin entreißt ihr mich, der schon vom Zählen
Vorlage S. 28 503 Ermüdet ist, Gildipp' und Odoard,
Vorlage S. 28 504 Geliebte, Gatten? Eins im Kampfesbunde,
Vorlage S. 28 505 Bleibt ungetrennt auch in der Todesstunde!
Vorlage S. 28 507 Was lässt sich nicht in Amors Schule lernen?
Vorlage S. 29 508 Zum Kriege stählt sich dort ihr weiblich Herz;
Vorlage S. 29 509 Um nie sich von dem Gatten zu entfernen,
Vorlage S. 29 510 Hüllt sie die zarte Brust in rauhes Erz.
Vorlage S. 29 511 Es hängt ihr Schicksal an denselben Sternen,
Vorlage S. 29 512 Und ungetheilt ist jeder Wunde Schmerz.
Vorlage S. 29 513 Ist Sie verletzt, sieht man wie Er sich quäle;
Vorlage S. 29 514 Wenn Ihm das Blut, entwallet Ihr die Seele.
Vorlage S. 29 516 Doch durch Rinald, den Knaben, übertroffen
Vorlage S. 29 517 Sind Beid' und alle, die zur Mustrung ziehn.
Vorlage S. 29 518 Hebt er mit holder Wildheit, groß und offen,
Vorlage S. 29 519 Die Königstirn, schaut Alles nur auf ihn.
Vorlage S. 29 520 Den Jahren eilt er vor und jedem Hoffen;
Vorlage S. 29 521 Man harrt' auf Blüthen, und die Frucht erschien.
Vorlage S. 29 522 Wenn er, gewaffnet, blitzt von Muthesfülle,
Vorlage S. 29 523 Glaubst du ihn Mars; und Amor, ohne Hülle.
Vorlage S. 29 525 Sophia gab ihn an den stolzen Wogen
Vorlage S. 29 526 Der Etsch dem mächtigen Berthold zum Sohn;
Vorlage S. 29 527 Doch als er noch der Mutter Brust gesogen,
Vorlage S. 29 528 Nahm zur Erziehung ihn Mathildis schon.
Vorlage S. 29 529 Sorgfältig ward er von ihr auferzogen
Vorlage S. 29 530 In jeder Kunst, die fähig macht zum Thron;
Vorlage S. 29 531 Bis Thatendrang die junge Brust durchwallte,
Vorlage S. 29 532 Als aus dem Ost die Kriegstrommet' erschallte.
Vorlage S. 29 534 Da fliehet er, allein, auf fremden Pfaden,
Vorlage S. 30 535 Eh noch das dritte Lustrum ihm entweicht,
Vorlage S. 30 536 Durchstreift die See sammt Griechenlands Gestaden,
Vorlage S. 30 537 Bis er das Heer im fernen Land' erreicht.
Vorlage S. 30 538 O edle Flucht, wohl würdig, einzuladen
Vorlage S. 30 539 Zur Nachahmung den Enkel, der ihm gleicht!
Vorlage S. 30 540 Drei Jahr' ist er im Krieg, und kaum entsprießet
Vorlage S. 30 541 Unzeit'ger Flaum, der zart sein Kinn umschließet.
Vorlage S. 30 543 Des Fußvolks Banner, hell vom Strahl der Sonne,
Vorlage S. 30 544 Führt Raimund von Toulouse würdig an.
Vorlage S. 30 545 Er nahm die Seinen zwischen der Garonne,
Vorlage S. 30 546 Den Pyrenäen und dem Ocean.
Vorlage S. 30 547 Viertausend sind's; sie achten Krieg für Wonne,
Vorlage S. 30 548 Sind wohl bewehrt, gewohnt der rauhen Bahn,
Vorlage S. 30 549 Ein wackres Volk; und nicht wär' auszuspüren,
Vorlage S. 30 550 Wer klüger sie und kräft'ger könnte führen.
Vorlage S. 30 552 Stephan d'Amboise führt nun, aus der Gegend
Vorlage S. 30 553 Von Blois und Tours, Fünftausend, wohlgeschaart;
Vorlage S. 30 554 Kein starkes Volk und wenig Kampflust hegend,
Vorlage S. 30 555 Obwohl es nicht die Eisenrüstung spart.
Vorlage S. 30 556 Das Land, anmuthig, üppig, wonneregend,
Vorlage S. 30 557 Erzeugt Bewohner von der gleichen Art.
Vorlage S. 30 558 Wild ist ihr Angriff bei dem ersten Zeichen,
Vorlage S. 30 559 Doch leicht ermatten sie hernach und weichen.
Vorlage S. 30 561 Dann kommt Alcast mit drohender Geberde,
Vorlage S. 31 562 Wie Kapaneus vor Thebä's Mauern stand.
Vorlage S. 31 563 Er führt sechstausend Schweizer, zur Beschwerde
Vorlage S. 31 564 Geübt auf Alpenhöh'n, wild, muthdurchmannt.
Vorlage S. 31 565 Das Erz, das Furchen zog und brach die Erde,
Vorlage S. 31 566 Ward, umgeformt, zu würd'germ Dienst verwandt;
Vorlage S. 31 567 Und diese Faust, gewohnt das Vieh zu leiten,
Vorlage S. 31 568 Scheint kühn genug, mit Königen zu streiten.
Vorlage S. 31 570 Sieh! dort erhebt sich das Panier der Ehren,
Vorlage S. 31 571 Durch Peters Kron' und Schlüsselpaar geweiht,
Vorlage S. 31 572 Vor siebentausend Kriegern, die in schweren
Vorlage S. 31 573 Stahlwaffen gehn; sie führt Camill zum Streit,
Vorlage S. 31 574 Froh, dass der Himmel ihn erkor, den hehren
Vorlage S. 31 575 Ruhm zu erneun der alten Römerzeit;
Vorlage S. 31 576 Zu zeigen mindstens, dass der muth'gen Seele
Vorlage S. 31 577 Des Latiers nichts, wenn nicht die Kriegszucht, fehle.
Vorlage S. 31 579 Als Gottfried nun das Ganze wahrgenommen –
Vorlage S. 31 580 Denn diese zog als letzte Schaar einher –
Vorlage S. 31 581 Lässt er die Oberfeldherrn zu sich kommen
Vorlage S. 31 582 Und meldet der Versammlung sein Begehr:
Vorlage S. 31 583 Sobald die neue Morgenröth' entglommen,
Vorlage S. 31 584 Soll, leicht und rasch, aufbrechen unser Heer;
Vorlage S. 31 585 Damit wir nahn Jerusalems Bezirken
Vorlage S. 31 586 So unversehn, wie möglich zu bewirken.
Vorlage S. 31 588 Bereitet euch demnach zum schnellen Zuge,
Vorlage S. 32 589 Bereitet euch zum Treffen und zum Sieg:
Vorlage S. 32 590 So sprach beredten, kühnen Munds der Kluge,
Vorlage S. 32 591 Und weckt' in Jedem neuen Muth zum Krieg.
Vorlage S. 32 592 Bereit macht' Alles sich in raschem Fluge
Vorlage S. 32 593 Und harrte, bis empor Aurora stieg.
Vorlage S. 32 594 Doch ist der kundige Bouillon von Sorgen
Vorlage S. 32 595 Nicht ganz befreit, hält er sie gleich verborgen.
Vorlage S. 32 597 Denn sichre Nachricht hatt' er schon empfangen,
Vorlage S. 32 598 Dass sich Aegyptens König aufgemacht,
Vorlage S. 32 599 Um nach der Festung Gaza zu gelangen,
Vorlage S. 32 600 Die Syriens Gränzen droht mit starker Macht.
Vorlage S. 32 601 Der Mann, gewöhnt zu kühnem Unterfangen,
Vorlage S. 32 602 Ist schwerlich jetzt auf träge Ruh bedacht.
Vorlage S. 32 603 Wohl sieht Bouillon, er muss als Feind ihn scheuen,
Vorlage S. 32 604 Und spricht zu Heinrich, seinem Vielgetreuen:
Vorlage S. 32 606 Auf leichtem Schiff – denn nichts ist zu verschieben –
Vorlage S. 32 607 Begieb nach Griechenland dich unverweilt.
Vorlage S. 32 608 Dort nahet sich, wie mir ein Mann geschrieben,
Vorlage S. 32 609 Der niemals noch mir falsche Kund' ertheilt,
Vorlage S. 32 Kontextbild zum Werk. Porträt von Torquato Tasso — Bildnis zur Autorschaft; keine Szene aus dem Buch. · Rijksmuseum · CC0 Bildquelle ↗ 610 Ein Jüngling, der, von Thatendurst getrieben,
Vorlage S. 32 611 Sich unsern Schaaren anzuschließen eilt;
Vorlage S. 32 612 Ein Dänenfürst. Bis aus dem fernsten Norden
Vorlage S. 32 613 Führt er heran zahlreiche Kriegerhorden.
Vorlage S. 32 615 Doch weil vielleicht mit den gewohnten Ränken
Vorlage S. 33 616 Der Griechen Kaiser sich ihm listig naht,
Vorlage S. 33 617 Um heimwärts seinen kühnen Lauf zu lenken,
Vorlage S. 33 618 Wenn nicht auf andern, von uns fernen Pfad:
Vorlage S. 33 619 So heiß' in meinem Namen ihn bedenken –
Vorlage S. 33 620 Du, mein Gesandter, du, aufricht'ger Rath –
Vorlage S. 33 621 Was uns frommt, und was ihm; sporn' ihn zum Fluge,
Vorlage S. 33 622 Denn Unglimpf würd' er ernten vom Verzuge.
Vorlage S. 33 624 Du sollst nicht mit ihm kommen, sondern bleiben
Vorlage S. 33 625 Am Hof des griech'schen Kaisers, um sofort
Vorlage S. 33 626 Den oft verheißnen Beistand zu betreiben,
Vorlage S. 33 627 Der uns gebührt nach des Vertrages Wort.
Vorlage S. 33 628 Er spricht's und giebt ihm die Beglaubungschreiben,
Vorlage S. 33 629 Und der Gesandte weilt nicht länger dort,
Vorlage S. 33 630 Beurlaubt sich und fördert seine Reise;
Vorlage S. 33 631 Und seinen Geist beruhigt nun der Weise.
Vorlage S. 33 633 Kaum dass am andern Tag der Sonnenwagen
Vorlage S. 33 634 Durchs glänzend helle Thor des Aufgangs dringt,
Vorlage S. 33 635 Als, um dem Heer den Aufbruch anzusagen,
Vorlage S. 33 636 Der Trommeln und Trommeten Schall erklingt.
Vorlage S. 33 637 Der Donner selbst, wenn er an heißen Tagen
Vorlage S. 33 638 Der matten Welt des Regens Hoffnung bringt,
Vorlage S. 33 639 Schallt nicht willkommner, als die stolzen Klänge
Vorlage S. 33 640 Der Kriegsmusik dem Ohr der kühnen Menge.
Vorlage S. 33 642 Alsbald, gespornt von eifrigem Verlangen,
Vorlage S. 34 643 Legt Jeder die gewohnten Waffen an;
Vorlage S. 34 644 Und bald, in voller Wehr hervorgegangen,
Vorlage S. 34 645 Schließt sich an seinen Führer jeder Mann.
Vorlage S. 34 646 Und als das Heer sich nun geordnet, prangen
Vorlage S. 34 647 Vor jeder Schaar die Fahnen stolz voran;
Vorlage S. 34 648 Und in dem Hauptpanier sieht man vor allen,
Vorlage S. 34 649 Hoch im Triumph, das Kreuz gen Himmel wallen.
Vorlage S. 34 651 Die Sonn' indeß, am weiten Himmelsbogen
Vorlage S. 34 652 Stets höher steigend, wirft ihr stärkres Licht
Vorlage S. 34 653 Hell auf die Waffen; wie mit Glut umzogen
Vorlage S. 34 654 Strahlt das Metall; das Aug' erträgt es nicht.
Vorlage S. 34 655 Ein Feuermeer scheint rings die Luft zu wogen,
Vorlage S. 34 656 Wie wenn ein Brand die Dunkelheit durchbricht;
Vorlage S. 34 657 Und muth'ges Wiehern mischt sich mit dem rauhen
Vorlage S. 34 658 Geklirr der Waffen und betäubt die Auen.
Vorlage S. 34 660 Der Feldherr, um die Seinen vor Gefahren
Vorlage S. 34 661 Des Ueberfalls zu sichern, schickt nunmehr
Vorlage S. 34 662 Der leichten Reiterei zahlreiche Schaaren
Vorlage S. 34 663 Auf Kundschaft durch die Gegend rings umher.
Vorlage S. 34 664 Schanzgräber auch, den Pfad zu ebnen, waren
Vorlage S. 34 665 Vorausgeschickt, um vor dem Zuge her
Vorlage S. 34 666 Wegtiefen auszufüllen, Höh'n zu flächen
Vorlage S. 34 667 Und ungangbare Pässe zu durchbrechen.
Vorlage S. 34 669 Nichts, was den Zug des Heers verzögern müsse:
Vorlage S. 35 670 Kein Heidenvolk, das sich vereint zur Schlacht,
Vorlage S. 35 671 Kein Forst, kein Felsen, keines Bergstroms Güsse,
Vorlage S. 35 672 Kein Mauerwall, umringt von tiefem Schacht.
Vorlage S. 35 673 So bricht zuweilen der Monarch der Flüsse,
Vorlage S. 35 674 Unmäßig angeschwellt, mit stolzer Macht
Vorlage S. 35 675 Verderblich über seines Betts Gestade,
Vorlage S. 35 676 Und nichts vermag zu wehren seinem Pfade.
Vorlage S. 35 678 Nur Tripoli's Regent, mit Volk, Gewehren
Vorlage S. 35 679 Und Gold versehn in sichrer Mauern Hut,
Vorlage S. 35 680 Konnt' ihren Zug den Franken wohl erschweren;
Vorlage S. 35 681 Doch sie zum Krieg zu reizen fehlt ihm Muth.
Vorlage S. 35 682 Er schickt vielmehr, um jedem Zwist zu wehren,
Vorlage S. 35 683 Gesandte, Gaben, heißt den Einzug gut
Vorlage S. 35 684 Und macht auf die Bedingung seinen Frieden,
Vorlage S. 35 685 Die Gottfrieds eigne Willkühr ihm beschieden.
Vorlage S. 35 687 Hier steigt vom Berge Sëir, der erhaben
Vorlage S. 35 688 Von Osten her die Mauern überschaut,
Vorlage S. 35 689 Ein langer Zug von Männern, Frauen, Knaben,
Vorlage S. 35 690 Ins Thal herab, mit Christus Wort vertraut.
Vorlage S. 35 691 Er bringt dem gläub'gen Sieger seine Gaben,
Vorlage S. 35 692 Froh, ihn zu sehn, zu hören seinen Laut.
Vorlage S. 35 693 Das fromme Volk staunt ob den fremden Waffen
Vorlage S. 35 694 Und eilt, dem Heer ein treu Geleit zu schaffen.
Vorlage S. 35 696 Der kluge Feldherr führt den Zug am weiten
Vorlage S. 36 697 Meerstrande stets auf graden Wegen hin,
Vorlage S. 36 698 Wohl wissend, dass am Ufer, ihm zu Seiten,
Vorlage S. 36 699 Die Flotte kreuzt, des Heers Versorgerin,
Vorlage S. 36 700 Die stets im Lager Ueberfluß verbreiten,
Vorlage S. 36 701 Und schaffen kann, dass ihm nur den Gewinn
Vorlage S. 36 702 Der reichen Flur die Griecheninseln spenden,
Vorlage S. 36 703 Ihm ihren Wein Chios und Kreta senden.
Vorlage S. 36 705 Mit großen Schiffen und mit leichtern Kähnen
Vorlage S. 36 706 Belastet, stöhnt die See am nahen Strand,
Vorlage S. 36 707 So dass im Mittelmeer den Saracenen
Vorlage S. 36 708 Zu sichrer Fahrt kein Durchweg offen stand.
Vorlage S. 36 709 Denn große Zahl von Schiffen, außer denen,
Vorlage S. 36 710 Die Genua's und Venedigs Port bemannt,
Vorlage S. 36 711 Ließ Frankreich, Engelland und Holland rüsten,
Vorlage S. 36 712 Sicilien auch an seinen reichen Küsten.
Vorlage S. 36 714 Und alle diese, durch die stärksten Bande
Vorlage S. 36 715 Zu Einem Willen fest und treu vereint,
Vorlage S. 36 716 Beluden sich an fern und nahem Strande
Vorlage S. 36 717 Mit allem, was dem Landheer nötig scheint.
Vorlage S. 36 718 Dies fand indeß von keinem Widerstande
Vorlage S. 36 719 Sich mehr gehemmt, die Gränzen ohne Feind,
Vorlage S. 36 720 Und eilt nunmehr mit flügelschnellen Schritten
Vorlage S. 36 721 Dahin, wo Christus einst den Tod gelitten.
Vorlage S. 36 723 Doch das Gerücht, des Falschen und des Wahren
Vorlage S. 37 724 Verkünderin, hat schon sich aufgerafft
Vorlage S. 37 725 Und sagt, dass sich vereint die Siegerschaaren,
Vorlage S. 37 726 Dass sie sich nahn, dass nichts mehr Hindrung schafft.
Vorlage S. 37 727 Es hat des Heeres Zahl und Stärk' erfahren,
Vorlage S. 37 728 Erzählt die Namen, preist den Muth, die Kraft
Vorlage S. 37 729 Der Tapfersten im Heer und schreckt die rohen
Vorlage S. 37 730 Tyrannen Zions mit des Blickes Drohen.
Vorlage S. 37 732 Des Leids Erwartung ist vielleicht den Sinnen
Vorlage S. 37 733 Ein größres Leid, als Leid der Gegenwart.
Vorlage S. 37 734 Wo nur Gerüchte zweifelhaft beginnen,
Vorlage S. 37 735 Lauscht jedes Ohr, und jedes Herz erstarrt.
Vorlage S. 37 736 Gemurmel läuft von außen und von innen,
Vorlage S. 37 737 In banger Ahnung liegt die Stadt und harrt.
Vorlage S. 37 738 Der alte Fürst, da sich die Wolken schwärzen,
Vorlage S. 37 739 Wälzt grausen Rath im ungewissen Herzen.
Vorlage S. 37 741 Sein Nam' ist Aladin; er lebt, beim Schwanken
Vorlage S. 37 742 Des neuen Throns, in steter Sorg' und Noth.
Vorlage S. 37 743 Einst war er grausam; doch im Alter sanken
Vorlage S. 37 744 Die wilden Triebe, wie's die Zeit gebot.
Vorlage S. 37 745 Er nun, vernehmend von dem Plan der Franken,
Vorlage S. 37 746 Der seiner Stadt mit nahem Sturme droht,
Vorlage S. 37 747 Fühlt alte Furcht und neue sich vereinen;
Vorlage S. 37 748 Ihn schreckt der Feind, ihn schrecken selbst die Seinen.
Vorlage S. 37 750 Denn hier wohnt ein vermischtes Volk, die Kinder
Vorlage S. 38 751 Verschiednen Glaubens, an demselben Ort.
Vorlage S. 38 752 Die Christo glauben, sind nur schwach und minder;
Vorlage S. 38 753 Der größre, stärkre Theil glaubt Mahoms Wort.
Vorlage S. 38 754 Doch als der König, Zions Ueberwinder,
Vorlage S. 38 755 Zu festen suchte seinen Sitz alldort,
Vorlage S. 38 756 Verringert' er die Lasten seiner Heiden,
Vorlage S. 38 757 Und ließ um so viel mehr die Christen leiden.
Vorlage S. 38 759 Und der Gedank' ertheilt dem alten Hange,
Vorlage S. 38 760 Der, eingeschläfert durch die Zeit, geruht,
Vorlage S. 38 761 Von neuem Kraft zu grausem Unheilsdrange,
Vorlage S. 38 762 Und mehr als jemals dürstet ihn nach Blut.
Vorlage S. 38 763 So wird im Sommer wieder wild die Schlange,
Vorlage S. 38 764 Die bei dem Frost so milde schien und gut;
Vorlage S. 38 765 So pflegt, wenn man ihn reizt, dem zahmen Leuen
Vorlage S. 38 766 Die angeborne Wut sich zu erneuen.
Vorlage S. 38 768 Ich sehe, sprach der Fürst, an sichern Zügen,
Vorlage S. 38 769 Wie bei dem falschen Volk die Freud' erwacht.
Vorlage S. 38 770 Nur allgemeines Leid wird ihm Vergnügen;
Vorlage S. 38 771 Wenn Alles weint, dann jubelt es und lacht.
Vorlage S. 38 772 Vielleicht schon sinnt es auf Verrath und Trügen,
Vorlage S. 38 773 Ist schon vielleicht auf meinen Tod bedacht,
Vorlage S. 38 774 Und wie es meinem Feind, mit ihm im Bunde,
Vorlage S. 38 775 Die Pforten öffne zu geheimer Stunde.
Vorlage S. 38 777 Das soll es nicht! Eh sie das Werk vollführen,
Vorlage S. 39 778 Will ich der Nachgier Sättigung verleihn.
Vorlage S. 39 779 Nicht soll das Kind im Mutterschooß mich rühren,
Vorlage S. 39 780 Ihr ganzes Volk will ich dem Tode weihn.
Vorlage S. 39 781 An Haus und Tempel will ich Flammen schüren,
Vorlage S. 39 782 Dies soll der Todten Scheiterhaufen sein;
Vorlage S. 39 783 Und mitten im Gelübd', auf diesem Grabe,
Vorlage S. 39 784 Schlacht' ich die Priester selbst zur Opfergabe!
Vorlage S. 39 786 So unheilsvoll ist seines Herzens Brüten;
Vorlage S. 39 787 Allein der grause Plan wird nicht zur That.
Vorlage S. 39 788 Doch, vor dem Mord der Unschuld sich zu hüten,
Vorlage S. 39 789 Lehrt ihn der Feigheit, nicht des Mitleids Rath.
Vorlage S. 39 790 Denn reizet ihn die eine Furcht zum Wüten,
Vorlage S. 39 791 So hemmt die andre, größre, seinen Pfad;
Vorlage S. 39 792 Er scheut, zu sehr der Sieger Zorn zu regen
Vorlage S. 39 793 Und zum Vergleich den Weg sich zu verlegen.
Vorlage S. 39 795 Noch also mäßigt er die Blutgedanken
Vorlage S. 39 796 Und lässt den Grimm auf andern Wegen aus.
Vorlage S. 39 797 Weit um die Mauern her im Lande sanken,
Vorlage S. 39 798 Auf sein Gebot, in Flammen Hütt' und Haus.
Vorlage S. 39 799 Wo Nahrung fänden oder Schutz die Franken,
Vorlage S. 39 800 Er wandelt Alles um in Schutt und Graus.
Vorlage S. 39 801 Er trübt die Bäch' und Quellen in den Triften
Vorlage S. 39 802 Und mischt die klare Flut mit bösen Giften.
Vorlage S. 39 804 Auch lässt er schnell Jerusalem verstärken
Vorlage S. 40 805 Und paart die Vorsicht mit der Grausamkeit.
Vorlage S. 40 806 Drei Seiten sind versehn mit festen Werken,
Vorlage S. 40 807 Nur gegen Norden fehlt's an Sicherheit.
Vorlage S. 40 808 Doch macht ihn kaum sein Argwohn dies bemerken,
Vorlage S. 40 809 So lässt er Wäll' errichten, hoch und breit;
Vorlage S. 40 810 Und schleunigst nimmt er ein noch viele Fahnen
Vorlage S. 40 811 Von Söldnervolk und eignen Unterthanen.
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