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Buch - Alf von Dülmen - Naubert, Benedikte

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Originalwerk · Lesefassung

Alf von Dülmen

Naubert, Benedikte · 1756–1791

Alf von Dülmen von Naubert, Benedikte. Volltext der angegebenen Ausgabe mit textbezogenen Leseaufgaben.

RomanKlasse 9–10 · 11–134 Abschnitte
Porträt von Naubert, Benedikte
Porträt: Naubert, Benedikte · Daniel Caffé · Public domain Bildquelle ↗
Hinweise für den Unterricht
  • Historische Sprache und Wertvorstellungen im Unterricht einordnen.

Behutsam angepasste Schreibweise nach einer begrenzten Wortliste. Mehrdeutige Formen, erfasste Namen, Sprechernamen, Bühnenanweisungen, Überschriften und Anmerkungen bleiben unverändert. Keine vollständige redaktionelle Überarbeitung nach heutiger Rechtschreibung. Für wortgetreue Quellenzitate die Quellfassung wählen.

Abschnitt 2 von 4

Eingang

1
Eingang
Vorlage S. 5
2
1393
Vorlage S. 5
3
Auf einer einsamen Reise, deren Ursach und Endzweck die Sage zu melden vergessen hat, kam Pfalzgraf Ruprecht, mit dem Zunamen der Bärtige, in eine Gegend, welche unser Urschreiber, der seine Gegenstände überhaupt hier und da geflissentlich in Dunkel zu hüllen scheint, ebenfalls ungenannt lässt. Es war ein wüstes Thal mit hohen Gebürgen umgeben, in der Mitte von einem schmalen, aber tiefgehenden und hochufrigen Bergstrom durchschnitten, der sich nordwärts von einer Felsklippe auf die andre herabstürzte, und sich schon in der Fern durch sausendes Geräusch verkündigte.
Vorlage S. 5
4
Ruprecht war in diesem Gebiet so wohl ein Neuling als wir, er hatte die umliegenden Gegenden oft bereist, wusste ihren Namen und ihren Eigener, aber in diesen Abschnitt derselben, in diesen verlassenen Winkel der Natur war er nie gekommen, hatte nie nur das Daseyn desselben gemuthmaßt, ob er gleich in der Folge sich besann, dass er jenseit dieser Gebürge zuweilen an heitern Tagen, etwas wie Thurmspitzen und Mauerzinnen auf einer der höchsten Anhöhen hatte herüberragen sehen; doch die Augen des Pfalzgrafen waren schlecht, die Ferngläser noch nicht erfunden, und wenn er in diesen Gegenden wallte, ritt ihm gemeiniglich kein hellersehender Knappe zur Seite, denn die Natur seiner Reisen wollte es, dass – er allein war.
Vorlage S. 5
5
Jetzt, da ihn ein enger Bergweg durch Zufall in die Gegend leitete, die er zuvor niemals sah, erblickte er deutlicher, was er vorher nur wie Schatten gesehen hatte. Jene Thurmspitzen und Mauerzinnen zeigten sich ihm jetzt näher, und von einer andern Seite, sie waren ein Theil einer allen halb verfallenen Burg, welche auf einem der mittlern Hügel der besagten Gegend lag, und den Hintergrund eines Gemäldes ausmachte, welches im Ganzen wenig Reiz für die Sinnen hatte. Ein ödes Thal mit unfruchtbaren Gebürgen umgränzt, ein brüllender Bergstrom, eine alte Trümmer von einem Schloß, das wahrscheinlich schon zu Karls des Großen Zeiten nicht mehr neu gewesen war, welche Gegenstände für einen müden Reisenden, über dessen Haupt sich Gewitterwolken zusammen zogen, und seine Sehnsucht nach Ruhe und Obdach vermehrten!
Vorlage S. 5
6
In dem ganzen Bezirk zeigte sich dem Auge kein lebendiges Geschöpf, als die niedrig fliegenden Vögel, welche die Ahndung des Sturms ihre Nester suchen machte. Die Luft im Thale athmete schwül, kleine Windstöße unterbrachen die bängliche Stille. Der Staub drehte sich in kurzen Kreisen, einzelne Regentropfen begannen zu fallen, und in der Ferne rollte der Donner.
Vorlage S. 6
7
Ruprecht spornte sein Pferd an, dem drohenden Sturm zu entkommen. Zwar sah er keine andere Zuflucht vor sich, als das noch ziemlich ferne Schloß, das auf seiner Höhe in der dicksten Nacht der Gewitterwolken zu liegen schien, und auf keine Art einen einladenden Anblick gab; aber er war in dem Falle, nicht wählen zu können, welcher gewöhnlich jeder Bedenklichkeit ein Ende macht.
Vorlage S. 6
8
Ehe er die Burg noch erreichen konnte, brach schon das Ungewitter mit vollem Wüthen los; der Himmel strömte, der Fluss schwoll an, die hundertjährigen Fichten, die einigen hier gedeihenden Bäume, beugten sich, und der arme Pilger sah seinen Weg wechselsweis in dichte Dunkelheit gehüllt, und in Feuer schwimmend vor sich. Der Schloßberg war jetzt erreicht, jetzt über die Hälfte zurückgelegt, der Pfad ward weniger steil; auf einem Absatz linker Hand machte ihm ein Blitzstrahl ein hohes steinernes Gebäude sichtbar; es schien kein Ort, wo man Obdach finden konnte, sondern ein altes halb verfallnes Monument zu sein, von dem er keine weitere Notiz nahm, sondern im vollen Trabe vorübersetzte, endlich die Burg zu erreichen, wo er noch nicht wusste, ob er Menschen, oder Raben und Eulen zu Hauswirthen haben würde.
Vorlage S. 6
9
Das Thor war geschlossen; der Pfalzgraf schlug mit einer Macht an, die seinen Stand und seine Hülfsbedürftigkeit gleich stark bezeichnete. Erst auf den vierten Schlag erfolgte zur Antwort von innen die Frage: wer sich einmal in diese Gegend verirrt habe? – Ein Reisender, war die Antwort, den das Ungewitter hieher treibt. – Das merke ich, antwortete man, indem sich die Pforte öffnete; bey schönem Wetter wird hier wohl niemand einsprechen. Doch kommt herein, das Unwetter hat euch übel mitgefahren, ihr seid nass bis auf die Knochen!
Vorlage S. 7
10
Es war ein alter Mann in ehrbarer Kleidung von gutem Ansehen, der diese Worte zu dem triefenden und keuchenden Ruprecht sagte, es war etwas Zutrauen erweckendes in seinem Tone, der Pfalzgraf, der jetzt abgestiegen war, schüttelte ihm treuherzig die Hand, und folgte ihm aus dem hochgewölbten Vorhaus, das von einer hängenden Ampel erhellt wurde, in die untere Halle, wo nach alter deutscher Sitte auf dem steinernen Tisch in der Mitte ein Krug mit Wein und ein gefüllter Becher auf den warteten, der sie leeren wollte.
Vorlage S. 7
11
Labt euch hier mit einem Trunke, sagte der Hauswirth, indeß ich Befehl gebe, dass man ein Feuer anmache, und euch trockne Kleider bringe. Ruprecht that wie ihm geheißen war, und trat denn ans Fenster, in den Sturm hinaus zu sehen, dem er eben entkommen war. Ein fürchterlicher Blitz, und ein Donnerschlag, welcher nicht anders tönte, als ob der alte Steinhaufen, in dem der Reisende eingekehrt war, über ihm zusammenstürzte, scheuchte ihn zurück. Ruprecht war eben nicht furchtsamer Art, aber die wenige Kenntnis von den Geheimnissen der Natur machte, dass man zu den damaligen Zeiten noch mehr vor dem Feuer des Himmels bebte, als heut bey Tage.
Vorlage S. 8
12
Das ist ein fürchterliches Wetter, sagte der Wirth, der jetzt wieder herein trat; dieser Schlag hat in der Nähe Baum oder Fels gespalten! Gott gnade mir und meinen armen Hause, wenigstens um des Reisenden willen, den ich eben aufgenommen habe. – Kennt ihr ihn? fragte Ruprecht, könnte er nicht etwa ein Sünder sein, der die Rache des Himmels erst über euch brächte?
Vorlage S. 8
13
Das ist er nicht! sagte der Alte, indem er seinen Gastfreund behülflich war, die nassen Kleider gegen das mitgebrachte reine und ausgewärmte Gewand zu vertauschen; aber verzeiht, dass ihr so langsam bedient werdet; ich habe nur zwei Knechte! Vincent, eile du dort am Feuer, dass du meinen Herrn zu Tische dienen kannst; Kurds Wildpret muss, wenn er nach Hause kommt, auf Morgen aufbewahrt werden, ich hoffe die Gegenwart meines edeln Gasts mehr als einen Tag zu geniessen.
Vorlage S. 9
14
Vincent hatte im Kamin ein tröstendes Feuer angezündet, der Hauswirth, der sich seinem Gaste auf Befragen, Thomas Knebel nannte, zog ihm einen Sitz herbey, und sorgte, dass er sich mit dem Rücken nach den Fenstern kehrte, damit ihn das noch immer fortdaurende Feuer der Blitze nicht schrecke oder blende. Darauf half er seinem Knechte selbst den Tisch bereiten, der mit Wein, Brod, kaltem Wildpret und Früchten bald so gut besetzt war, dass ein hungriger Reisender volle Erquickung und Sättigung hoffen konnte.
Vorlage S. 9
15
Erlaubt, sagte Thomas, als Ruprecht sich setzte, dass ich euch gegenüber meinen Platz nehme.
Vorlage S. 9
16
Und warum erlauben? Ihr seid Wirth, ich Gast!
Vorlage S. 9
17
Ihr habt recht, ein ehrlicher Wirth darf wohl an seines Gastes Seite sitzen, und wir sind ja weit genug von der Welt entfernt, die die scharfe Gränzlinie zwischen Fürst und gemeinen Mann gezogen hat, welche eigentlich nur zwischen den guten und bösen Menschen statt finden sollte!
Vorlage S. 10
18
Fürst? Kennt ihr mich? –
Vorlage S. 10
19
Schon vorhin meine Hoffnung, dass mir Gott um euretwillen gnädig sein möchte, hätte euch sagen sollen, dass ich euch kenne. Ihr seid Pfalzgraf Ruprecht der Kleine, ein wackerer biederherziger Mann, der den Fluch in kein Haus bringen wird, wo er einkehrt.
Vorlage S. 10
20
Thomas Knebel, antwortete Ruprecht, ich würde sagen, mir sei nie so fein geschmeichelt worden, wenn sich das Wort Schmeicheley zu eurem Gesicht passte.
Vorlage S. 10
Porträt von Naubert, Benedikte
Kontextbild zum Werk. Porträt: Naubert, Benedikte · Daniel Caffé · Public domain Bildquelle ↗
21
Ihr würdet mir in Wahrheit unrecht tun, lachte Thomas. Dass ich nicht schmeicheln und kriechen kann, zeigt euch die Art, auf welche ich mit euch spreche; die Stelle, worauf ich sitze, und der Trunk aus diesen Becher, mit welchen ich euch hier willkommen heiße.
Vorlage S. 10
22
Thomas trank, Ruprecht that Bescheid, man speißte mit Appetit, und so ganz ohne Zwang, als wenn hier der Gleiche mit dem Gleichen zu Tisch gesessen hätte, und nachdem ein halbes Dutzend Gemeinplätze z.B. über das nachlassende Ungewitter, und die Verirrung auf Reisen vorüber waren, dergleichen sich bey dem Eingang jedes Gesprächs finden, so nahm eine Unterhaltung unter beiden Platz, welche den redlichen geradsinnigen Pfalzgrafen in der Seele wohl that. Das funfzehende Jahrhundert, an dessen Grenzen sich diese Geschichte zutrug, mißte schon manchen der Vorzüge seiner Vorgänger, es war in denselben schon etwas seltnes geworden, dass ein Fürst, wenn er mit einem Niedern zusammentraf, etwas anders fand, als den Ton der Schmeicheley oder die düstre Zurückhaltung des Mißtrauens und heimlichen Neides.
Vorlage S. 10
23
Mein redlicher Thomas, sagte Ruprecht am Ende der Abendmahlzeit, indem er seine Hand über den Tisch nach seinem Wirthe ausstreckte, die seinige zu fassen. Ich werde von euch scheiden müssen, sei es gleich Morgen oder über mehrere Tage, und ich fühle, dass mir die Kenntnis eures Namens beym Andenken an euch nicht genug tun wird, lasst mich mehr von euch wissen, lasst mich wenigstens wissen, woher ihr mich kanntet.
Vorlage S. 11
24
Ich führte unter eurem Vater, antwortete er, zuerst die Waffen, wie sollte ich euch, den Sohn meines Herrn und Wohlthäters nicht kennen? Manches Jahr ist wohl seitdem entflohen, ihr seid seitdem aus dem Jüngling zum Manne geworden, aber die Grundzüge des Gesichts, so wie die des Gemüts, sind nicht so leicht zu verlöschen, man kann in denselben nach einen halben Menschenalter noch immer seinen Bekannten wieder finden.
Vorlage S. 11
25
Aber wie ists möglich, fragte der Pfalzgraf, dass der Mann, dem ich bekannt war, der sich durch das, was mich jetzt in wenig Stunden an ihn gefesselt hat, vor Tausenden auszeichnen musste, dass dieser mir so lang unbekannt blieb?
Vorlage S. 12
26
Glaubt denn Ruprecht, jeden Biedermann zu kennen, der ihn kannte? – Mich hat mein Schicksal Jahrelang der abendländischen Christenheit aus den Augen gerückt, und ich musste also wohl unbekannt werden! In meinem Vaterlande erregte zu der Zeit, da ihr ein Jüngling waret, ich ein Mann wurde, eine Unthat allgemeines Aufsehen, welche zu groß für die Ahndung der öffentlichen Gerechtigkeit, den Arm heimlicher Rächer auf sich lenkte. Ein Mann, der mein Freund war, hatte sie begangen, ich war so unschuldig als unwissend in der Sache, aber die That schlängelte sich durch allerley Wahrscheinlichkeiten und Möglichkeiten, so dicht zu mir heran, dass ich eine fast unmögliche Rechtfertigung zu Stande bringen, sterben oder fliehen musste. Ich wählte das letzte. Palästina ist mein Vaterland gewesen bis vor wenigen Jahren, da sich eine gute Gelegenheit zeigte, den Orient zu verlassen. Die furchtbaren Unbekannten, die mich verfolgten, sind allwissend, aber Dank sei ihrem großen Oberrichter, sie sind nicht unsterblich. Ich dachte mir die Möglichkeit, keinen von ihnen mehr am Leben, oder mich durch jahrelange Mühe und Abwesenheit so unkenntlich gemacht zu sehen, dass ich nun mit Sicherheit in dem Lande leben könnte, aus welchen mich einst zu hochgespannte und übelverstandene Gerechtigkeit vertrieb. Meine Hoffnung ward erfüllt, niemand kannte meinen Namen mehr, wie hätte man sich meiner Gestalt noch erinnern sollen! Verwandte hatte ich von jeher wenig, Freunde noch weniger; die ich hatte waren gestorben, ich war allein auf der Welt. Da nahm ich die Denkmale der sarazenischen Siege, meine mühsam zu rath gehaltene, nicht mit unnöthig vergossenem Blut besudelte Beute zusammen, und kaufte mir von denen von Reinen dieses verfallene Schloß. Die Gegend, in welcher es liegt, passte zu meiner Laune, es fehlt mir nicht an Mitteln, es auf die wenigen Jahre, die ich noch zu leben habe, für mich bewohnbar zu machen; Arbeiter zu diesem Entzweck sind auf künftigen Frühling schon bestellt; da ich nur für mich, nicht für Nachkommen zu bauen habe, so wird ihr Werk bald geendigt sein, ich werde noch einige Jahre hier ruhig leben, und dann eben so ruhig sterben. – Wär ich nicht ein Feind auch jedes Anscheins von Augendienerey, so würde ich sagen, (und wahrhaftig, ich könnte es ohne Nachteil der Wahrheit tun,) mir sei es Freude, euch, theurer Pfalzgraf, hier gesehen und bewirthet, und die Hoffnung zu haben, euch öfter hier zu sehen und zu bewirthen, da, wie aus euren Reden erhellt, eure Geschäfte euch oft in diese Feldmark treiben. –
Vorlage S. 12
27
Meine Geschäfte beyseite gesetzt, unterbrach ihn Ruprecht, was konnte euch bey eurer langen Abwesenheit aus dem Abendland zu so viel Vorliebe bewegen, als ihr gegen mich, einen Mann beweißt, von dem ihr nicht viel mehr kennt, als den Namen?
Vorlage S. 14
28
Eure Taten, Herr Pfalzgraf.
Vorlage S. 14
29
Meine Taten sind sehr unbedeutend und glanzlos.
Vorlage S. 14
30
Ich habe in meinen Leben sehr glänzende Taten gesehen, deren Ruhm ich nicht in meinen Mund nehmen, noch vielweniger den, der sie vollbrachte, einiger Vorliebe würdigen werde. Was aber euch anbelangt, so gebe Gott dem deutschen Reiche einmal einen solchen Kaiser, wie euch, er wird ihm mehr Frommen bringen, als all die da gewesen sind, und deren glänzende Taten zwanzig Seiten der Geschichtbücher erfüllen.
Vorlage S. 14
31
Ich weiß nicht, Thomas, wie ihr auf diesen seltsamen Wunsch kommt. Kaiser zu werden, ist mir wohl nie eingefallen, ungeachtet ich wohl oft gedacht habe, wenn ich es wär, so sollte manches anders werden.
Vorlage S. 15
32
Sahet ihr etwa auch Stätte der Gerechtigkeit, wo Gewissenlosigkeit und Uebermuth den Scepter führte, und Thränen der Unterdrückten an der Stufe des richtenden Throns? – Was ihr gesehen habt, das habe ich gefühlt und erfahren, und noch einmal, Gott gebe seinem Reiche, anstatt des trägen schwelgerischen Wenzels, einen Fürsten, wie euch, der so wenig in die Fehler dieses unwürdigen Menschen als in die seiner streitbaren und ruhmsüchtigen Vorfahren fällt, der, indem er keinen Anspruch auf glänzende Taten macht, das Schwerd gegen den Reichsfeind nur zieht, wo er muss, und dafür lieber darauf sieht, das Schwerd der Gerechtigkeit in seinen Landen so zu lenken, dass es strafe und schone, wie es recht ist, dass es nicht, indem es sich rühmt, der Allgewalt Gottes nachzuahmen, Rechte an sich reiße, die keiner sterblichen Macht gebühren.
Vorlage S. 15
33
Ruprecht verstand den eifernden Thomas wohl. Im deutschen Reiche hatte damals die Macht jener heimlichen Rächer, welche meine Leser nicht erst aus diesen Blättern kennen lernen werden, fürchterlich überhand genommen. Alles wurde vor ihren Richterstuhl gezogen, nichts konnte ihrer Gewalt entgehen, sie richteten meistens recht, aber sie richteten zu streng, und waren oft durch einen blossen Anschein von Schuld nur allzuleicht zu täuschen. Ruprecht hatte bey dem scharfen Beobachtungsgeist, der ihn beseelte, oft Gelegenheit gehabt, Dinge wahrzunehmen, die sein Innerstes erschütterten, und deren Abschaffung einer höhern Gewalt als der seinigen vorbehalten zu sein schien. Er seufzte zu der Aeußerung seines Wirths und schwieg, aber zum erstenmal regte sich vielleicht in seinem Herzen der Wunsch, einst auf der Stelle zu stehen, die ihm Thomas wünschte, um alles Gute ausrichten zu können, das er wollte.
Vorlage S. 16
34
Während der Pause, welche das Nachdenken des Wirths und des Gasts machte, öffnete sich die Thür, und Vincent trat herein, um seinem Herrn anzumelden, wie Kurd von der Jagd zurückgekommen sei, und keinen Schaden von dem Ungewitter gelitten habe, von welchem er übereilt worden sei. Lebhafte Freude glänzte in den Augen des Herrn und des Dieners über die Nachricht. Kurd erhielt Befehl, so durchnäßt als er war, einzutreten, und der Pfalzgraf ward nicht einmal um Erlaubnis gebeten; ein Zug, der ihn so wenig beleidigte, dass er ihm vielmehr ein neuer Beytrag zu der Treflichkeit des Mannes schien, den er vor sich hatte. Thomas trug kein Bedenken, seinen Diener vor den Augen des Fürsten zu ehren, den er vor einem Augenblicke noch im vollen Ernst einen der höchsten Throne gewünscht, und ihn schon im prophetischen Geist darauf gesehen hatte. Ruprecht ward eine Viertelstunde lang ganz aus den Augen gelassen, und der alte Konrad spielte die Hauptrolle beym Tischgespräch, er wurde um die wahrscheinliche Gefahr beym Ungewitter und beym schnellen Austreten des Flusses gefragt, und erhielt denn die Weisung, sich sogleich zu entfernen, ein Maaß Wein zu trinken, und zur Ruhe zu gehen.
Vorlage S. 16
35
Höre doch, Kurd, rief ihm Thomas nach, was mag der letzte fürchterliche Donnerschlag für Schaden getan haben? dass er traf, glaubte ich zu hören.
Vorlage S. 17
36
Er hat des von Dülmen Säule von der Spitze bis auf die Stufen zertrümmert, war die Antwort, morgen sollt ihr mehr davon hören.
Vorlage S. 17
37
Verzeiht, Herr Pfalzgraf, sagte Thomas, da jetzt Kurd fort war, und er sich von der Freude, ihn geborgen zu sehen, wieder erholt hatte, dass ich mir in eurer Gegenwart so viel Freyheit nehme, aber meine Knechte sind mir so lieb wie meine Kinder, beide haben mich nach Palästina und wieder heraus begleitet, Vincent war mein Reisiger und Konrad mein Knappe, dem letzten habe ich zweymal mein Leben zu danken, so wie ich auch ihm das seinige einmal rettete; noch einmal, es ist zwischen ihnen und mir das nehmliche Verhältnis, wie unter Vater und Kindern.
Vorlage S. 18
38
Wollte Gott; rief Ruprecht, jeder Fürst stünd mit seinen Unterthanen, so wie ihr mit euren Knechten; doch was wollte Konrad mit des von Dülmen Säule?
Vorlage S. 18
39
Diese Säule, Herr Pfalzgraf, ist ein altes Denkmal in diesen Gegenden, bey welchem ihr vorübergekommen sein müsst, und das wir nicht anders zu nennen wissen, als die Säule Alfs von Dülmen, weil sein Name und der Name einer gewissen Alverde, die wohl seine Gattin gewesen sein mag, unter andern Charakteren darauf noch lesbar war.
Vorlage S. 18
Ludwig Richter – Überfahrt am Schreckenstein, 1837. Vergleichsbild zu Reise und Flusslandschaft; keine konkrete Buchszene.
Kontextbild zum Werk. Überfahrt am Schreckenstein · Ludwig Richter · Public domain Bildquelle ↗
40
Und wer mag dieser von Dülmen gewesen sein? es tut mir leid, dass ich das Monument so kurz vor seinem Untergang nur im Schimmern gesehen habe, denn ich vermuthe, es war eben das, das ich vorhin auf einem Absatz des Schloßbergs im Heraufreiten zur Seite liegen ließ; so viel mir der Schein des Blitzes zeigte, eine Gigantische Pyramide auf vier Stufen, mit einer kleinen abgestumpften Nebensäule.
Vorlage S. 19
41
Ihr habt recht gesehen, und hört, was ich euch von diesen Dingen sagen kann, so wie ich es beym Ankauf dieser Gegend aus dem Munde eines alten Bauern des jenseitigen Dorfs erfuhr. Wer die uralten Eigner dieses Schlosses gewesen sind, weiß ich nicht, ich erhielt es aus den Händen derer von Remen, die es anderthalbhundert Jahr besessen haben sollen. Der erste Ankäufer aus diesem Hause, Evert von Remen, fand Gefallen an der wilden Gegend, in welcher es lag, wie ich Gefallen daran gefunden habe, glaubte sie des Anbauens und der Verschönerung fähig, und beschloss den alten Steinhaufen, diese Burg, wie sie noch jetzt ist, zum zierlichen Schlosse zu machen. Bey seinem ersten Eintritt als Eigenthümer, warf sich ihm der Schloßbewahrer zu Füssen, und bat um Gnade wegen dessen, was er ihm jetzt, durch Noth gezwungen, bekennen müsse. Zehn Jahr, fuhr er auf Befehl fort, war ich Hüter dieses Hauses, bey Antritt meines Amts ward ich in Pflicht genommen, einen Gefangenen, welcher damals schon dreyßig Jahr in einem unterirdischen Gefängnis schmachtete, auf die Art fortan zu halten, wie er bisher gehalten worden war, und ihn, sobald dieses Schloß in fremde Hände käm, zu erwürgen. Das erste habe ich treulich getan, das andre zu erfüllen, ist mir unmöglich. Hier sind die Schlüssel zu seinem Kerker, tut mit ihm, wie euch gefällt, nur macht mich nicht zu seinem Henker!
Vorlage S. 19
42
Evert von Remen schauderte ob den Gedanken einer vierzigjährigen Gefangenschaft, und flog, die verjährten Fesseln desjenigen zu lösen, dessen Freyheit das Schicksal so wunderbar in seine Hände gestellt hatte. Die Tradition sagt nicht genau, wie er jenen Unglücklichen gefunden habe, doch das versichert sie, dass er, ich weiß nicht ob mit mehr Freude oder Entsetzen, in ihm einen alten, lang verlohrnen, todgeglaubten, fast vergessenen Jugendfreund, eben jenen Alf von Dülmen fand, dem zu Ehren er bald darauf das Denkmal setzen ließ, welches jetzt der Donner gespaltet hat. Alf von Dülmen überlebt das Glück, seine Freyheit und seinen Freund nach vierzigjährigem Elend wiedergefunden zu haben, nur wenige Tage. Er starb in des von Remen Armen, und wurde von ihm auf der euch bezeichneten Stelle begraben.
Vorlage S. 20
43
Evert fand von nun an die Gegend, wo sein Freund so lang gelitten hatte, zu schrecklich, um sie zu bewohnen, er ließ den Bau des Schlosses, und begnügte sich, hier ein Grab gebaut zu haben. Er that nachher große Reisen nach Spanien, Frankreich und Welschland, die, wie man sagte, Beziehung auf die Geschichte seines unglücklichen Freundes hatten, welches aber diese Geschichte war, das ist nie kund worden, wirds auch wohl nie werden, bis auf jenen großen Tag, den Erklärer aller Geheimnisse. Einige behaupten, Alf von Dülmen sei sehr in die Begebenheiten von der Ermordung weiland Kaiser Philips verflochten gewesen, andere wollen, auch hier habe jene furchtbare unbekannte Macht, von welcher wir vorhin sprachen, und deren Verfolgungen auch ich gefühlt habe, die blutige Hand mit im Spiele gehabt, seine Geschichte habe in jenem furchtbaren Gericht Anlass zu größerer Heimlichkeit und geschärften Gesetzen gegeben, als bis dahin üblich waren. Doch wer will auf diese Sagen trauen! das gemeine Gerücht ist lügenhaft, in unsern Tagen kann kein großer Herr ohne Verdacht der Vergiftung oder des Meuchelmords das Leben verlieren, und kein Privatmann unvermerkt aus dem Zirkel seiner Bekannten verschwinden, ohne dass man hier die Macht der unsichtbaren Rächer ahnde. Wie man heute denkt, so dachte man wahrscheinlich schon vor zweyhundert Jahren, zu Kaiser Philipps und Alfs von Dülmen Zeiten; die Sache sei übrigens Wahrheit oder nicht, wir werden sie nicht ergründen; doch ist jenes Denkmal der Vorzeit wohl der Wichtigkeit von euch gesehen zu werden, ehe ihr diese Gegend verlasset, sollte es auch nur in seinen Trümmern sein.
Vorlage S. 21
44
Thomas führte seinen erhabenen Gast, nachdem noch die späte Mitternacht in Gesprächen mancherley Inhalts herangekommen war, in das beste Zimmer seines Schlosses, das den Pfalzgrafen zum Schlafgemach bereitet worden war; ein hohes schallendes Prachtgewölbe, mit Mahlereyen mancher Art, Sarazenenschlachten und biblischen Geschichten, Familienbildern und allegorischen Gemälden ausgeziert. Ruprecht war noch nicht schläfrig, und brachte, nachdem sich der Schloßherr zurückgezogen hatte, noch eine gute Stunde mit Betrachtung dessen hin, was hier einige gute lombardische Meister geliefert, einige Stümper mit krellen Farben gepfuscht hatten.
Vorlage S. 22
45
Drei Stücke zogen besonders seine Aufmerksamkeit auf sich, die er sich deutete, so gut er konnte. Das erste waren zwei Helden der Kleidung, dem gezogenen Schwerd und der Miene nach; beide hielten das entblößte Eisen mit der Linken und die Rechte des Freundes mit der Rechten, Freunde waren sie, dies sah man nicht allein aus den fast in einander gedrückten Händen, sondern noch mehr aus den Blicken voll Liebe, mit welchen beide an einander hingen. Das sind David und Jonathan, dachte der Pfalzgraf, der es mit der ziemlich modernen Rüstung der beiden Krieger und dem Kreuz auf dem Brustschild nicht so genau nahm. Der arme David! wie bleich! wie verfallen! er scheint eben erst aus der Höhle Asel hervorgegangen zu sein, um mit Sauls Sohne den Todesbund der Freundschaft zu beschwören.
Vorlage S. 23
46
Ruprecht, der sich seiner Meynung nach das erste von seinen Lieblingsgemälden so wohl gedeutet hatte, war schnell fertig, aus den andern ebenfalls eine biblische Geschichte zu machen. Dieser Kerker, sagte er zu sich selbst, dieser Mann in Fesseln, und diese freundliche Gestalt, die ihm die wunden Hände loßschließt, stellen nichts anders vor, als Sankt Peters Befreyung durch den Engel; sonderbar, dass dieser Engel ohne Flügel und kein Jüngling, sondern ein bärtiger Mann ist; vermuthlich eine Grille des Mahlers, welcher etwa wähnte, die Erscheinung einer himmlischen Gestalt möchte den heiligen Apostel zu sehr geschreckt haben. Aber hier, dieses dritte Bild, das, so hässlich es gesudelt ist, meine Aufmerksamkeit doch so sehr reitzt? – Die Schöpfungsgeschichte kann es nicht sein, denn ich sehe hier zwei Menschengestalten, die aus den Händen zweyer Schöpfer hervorgehen; das, was Geschaffen wird, ist kein Adam, sondern eine gewappnete Gerechtigkeit mit Wage und Schwerd! – Die Bildner tragen einer das kaiserliche Diadem, der andre die dreyfache Krone. – Sankt Peters Nachfolger scheint dem ersten die Künste abzusehen! – aber was er fertigt, wird keine Göttin, wird ein feyerspeyendes Ungeheuer, dessen Mißgestalt die Binde nur schlecht verbirgt. – Gott und alle Heilige, was mag das bedeuten! – In meiner Kindheit erzählte mir mein Lehrer eine heidnische Fabel von Epimetheus, der seinem Bruder das Bildnerhandwerk übel nachahmte, passte hier nur eine der Gestalten, ich würde rathen – – doch rathen hilft hier nichts, und – setzte er gähnend hinzu, ist unnütz! was gehn mich die seltsamen Phantasien der Vorwelt an!
Vorlage S. 23
47
Noch ein Blick, auf das letzte Bild, der den Pfalzgrafen unter der einen Hauptfigur den Namen Carolus M. lesen ließ; und die Kerze wurde ausgelöscht, wel che den schlaftrunkenen Forscher nicht behülflich sein wollte, auch den andern Namen zu erkennen.
Vorlage S. 25
48
Ruprecht legte sich zur Ruhe, aber so müde er auch war, verzog doch der Pfalzgraf, seine Augen zuzudrücken. An die gesehenen Bilder dachte er zwar nicht mehr, aber andre Ideen durchkreuzten sein Gehirn, und verscheuchten den Schlummer. Die alte Geschichte dieses Schlosses, von welcher ihm der gegenwärtige Besitzer nur so unvollkommene Fragmente geliefert hatte, Alf von Dülmen, und vor allen Evert von Remen, welcher, wie Thomas Knebel ihm gesagt hatte, unter päbstlichem Bann ohne Einsegnung und Sacrament gestorben war, schwebten ihm im Sinn, und er that sich tausend Fragen hierüber, deren Beantwortung er an eben den Ort gestellt sein lassen musste, von welchem er die Enträthselung jenes Bilds von Epimetheus und seinem Bruder stellen musste.
Vorlage S. 25
49
So befiel ihn endlich weit gegen den Morgen der Schlaf, welcher ihm ein Gewühl von Träumen brachte, so bunt und verworren als seine Ideen vor dem Einschlafen gewesen waren; bis zuletzt folgendes Gesicht so hell und deutlich vor ihm aufstieg, als wär es etwas mehr, als nächtliches Schattenwerk gewesen.
Vorlage S. 25
50
Eine männliche Gestalt voll Majestät und Würde, stand vor ihm. Kennst du mich? fragte sie, nachdem sie ihn eine Weile mit festem Blick angesehen hatte.
Vorlage S. 26
51
Du bist eine von den Figuren, die ich gestern sahe, erwiederte Ruprecht, bist der David jenes Jonathans!
Vorlage S. 26
52
Mein Name ist Adolf, Graf von *** oder Alf von Dülmen, wie jene Unglücksbenennung lautet, unter welcher ich den Weg zu Tod und Elend ging. Ruprecht! Ruprecht! du wirst einst Kaiser sein! Siehe das Blut, das an meinen Händen haftet, es ist Kaiser- es ist Freundesblut! steure der blinden Gerechtigkeit, die mich mit demselben besudelte, steure ihr, dass sie nicht ganz jenem feuerspeyenden Ungeheuer ähnlich werde, das du im Bilde gesehen hast! – Was sie in meinen Tagen im Verborgenen übte, das wagt sie in den deinigen kühner, noch einmal steure ihr, so wahr du einst Kaiser sein wirst!
Vorlage S. 26
53
Ruprecht schauerte in sich zusammen und erwachte. Er lag lange, um dem Traum nachzudenken, der ihn erweckt hatte, Gedanken stiegen in ihm auf, die seiner Deutung ziemlich nahe kommen mochten, aber immer blieb es noch dunkel vor ihm. Heller zu sehen, hätte er Alfs von Dülmen Geschichte wissen müssen, deren Enthüllung, wie vorigen Abends Thomas Knebel sagte, nur für jenen großen Tag, den Erklärer aller Geheimnisse, aufbehalten zu sein schien.
Vorlage S. 26
54
Der Mond schien hell durch die Fenster des Schlafgemachs, der Pfalzgraf, misstrauisch auf sein Gedächtnis, verzeichnete alle Worte seines Traums auf eine Tafel, die er bey sich zu tragen pflegte, und stand denn auf, um das Bild der beiden Freunde noch ein mal zu betrachten, die er des vorigen Abends für Jonathan und David gehalten hatte. Es ward hinlänglich von dem einfallenden Mondstrahl beleuchtet, um ihm in dem letzten die volle Aehnlichkeit Alfs von Dülmen zu zeigen, so wie er ihn eben im Traum gesehen hatte; jener Petrus im Gefängnis zeigte das nehmliche.
Vorlage S. 27
55
Noch war ihm alles ein Räthsel. Ein Schauer, wie man ihn nur da fühlen soll, wo Geister uns umschweben, befiel ihn; er eilte auf sein Lager zurück, und verhüllte sich in die Decken; wo sich bald darauf ein Schlummer seiner bemächtigte, welcher so tief war, so völlige Vergessenheit alles Vergangenen mit sich brachte, dass der Pfalzgraf in der Folge mehrmal versichert hat, er habe kein anderes Denkzeichen desselben für sein Gedächtnis, als was er davon in der Nacht in sein Taschenbuch geschrieben habe.
Vorlage S. 27
56
Es war heller Tag, als der Schloßbesitzer vor sein Bette trat, und ihn zu erwecken suchte. Ruprecht fragte, indem er sich die Augen rieb, ob sein Pferd gesattelt sei, und er seine Reise weiter fortsetzen könne?
Vorlage S. 28
57
Erhebet euch, Herr Pfalzgraf, war die Antwort, um die Entscheidung eurer Frage selbst zu sehen. Ruprecht richtete sich auf, Thomas schlug den Vorhang zurück, und deutete auf die hohen Fenster, durch welche man ins Thal hinab, wie in eine wallende See sahe. Was ist das? schrie der Pfalzgraf. – Nichts, antwortete Thomas Knebel, als die Gewissheit, dass ihr heute und morgen nicht reisen könnt: der anhaltende Regen hatte schon gestern den Fluss, der bey seinen hohen Ufern doch so leicht überströmt, dermaßen angeschwellt, dass euch das Fortkommen ziemlich erschwert worden sein möchte; gegen Morgen hat ein Sturm – (Ich glaube, dass ihr einst den jüngsten Tag verschlafen werdet, weil ihr diesen verschlafen habt) – ein Felsenstück am Eingang des Thals losgerissen, und in den Fluss gestürzt, welches uns die völlige Ueberschwemmung gebracht hat. Die Leute aus dem jenseitigen Dorfe, welche mein Haus versorgen, sind vor einer Stunde auf Kähnen angekommen, und haben diese Nachricht mitgebracht. Seid indessen ruhig, Herr Pfalzgraf, auf unserm Berge sind wir sicher, die Fluth steht noch mehrere Ellen tiefer als Dülmens Säule, und wie hoch wir über denselben wohnen, ist euch bekannt.
Vorlage S. 28
58
Ruprecht stand auf, und ging bald darauf mit seinem gastfreyen Wirthe hinaus, die Verheerung anzusehen, welche das Wasser angerichtet hatte; es war ein schauerlicher Anblick, den sie von ihrer Höhe hatten. Der Schloßberg und seine Nachbarn, die sich ringsum noch höher als er, Himmelan thürmten, standen wie einzelne unter sich nicht verbundene Inseln in der allgemeinen Fluth, der Strom, dessen Bette in der großen Wasserfläche, durch den reißenden Zug seiner Wellen noch kenntlich war, führte Felsstücke, ausgewurzelte Bäume und Trümmer von Häusern und Fahrzeugen mit sich fort, ein schnell vorübergehendes, immer änderndes Schauspiel des Schreckens. Der Pfalzgraf und sein Freund thronten wie Götter über der allgemeinen Verheerung, aber über ihnen hing noch ein ganzer Himmel voll Ungewitter, und unter ihnen zeigte die vom Donner zerschmetterte Säule von Dülmens, wie wenig auf die Sicherheit dieses Gebürgs zu trauen sei.
Vorlage S. 29
Carl Spitzweg – Der Bücherwurm, um 1850. Motivvergleich zu Lesen und Wissen; keine Darstellung einer Figur dieses Buches.
Kontextbild zum Werk. Der Bücherwurm · Carl Spitzweg · Public domain Bildquelle ↗
59
Herr Pfalzgraf, sagte Thomas, nach einer gedankenvollen Pause, gefällt es euch, so wollen wir hier hinabsteigen, und sehen, was der Stral des Himmels von jenem Denkmal unversehrt gelassen hat, das mir jetzt merkwürdiger als jemals ist. –
Vorlage S. 29
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Und warum heute mehr als sonst? fragte Ruprecht. – Nicht darum, erwiederte er, weil, wie ihr vielleicht wähnen möchtet, mir der Arm des Himmels genauere Untersuchung dessen nunmehr erschwert hat, was ich all die Zeit über, da ich hier wohne, mit so leichter Mühe hätte betrachten können, ehemals zu tun, nein, weil ich heute, eben erst heute, oder vielmehr schon gestern erfahren habe, dass das, was hier in einen Steinhaufen zusammengestürzt liegt, mehrere Betrachtung würdig ist, als die meisten Monumente, die ein Freund dem Andenken des andern weiht. Diese Steine decken nicht nur die Asche eines Men schen, der bey seinem Leben denen die ihn liebten, wichtig sein mochte, nein, wahrscheinlich verschliessen sie Dinge, an welchen noch der Nachwelt gelegen ist, und die euch, der einst Kaiser sein wird, besonders wichtig sein müssen.
Vorlage S. 30
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Ruprecht sahe seinen Begleiter bey diesen Worten mit starren Augen an, er hatte ähnliche diese Nacht im Traume gehört, dieser Traum, welcher fast gänzlich aus seinem Gedächtnis verwischt war, schwebte wie ein dunkles Bild schnell vor ihm über, dicht an denselben kettete sich die Idee, von dem was er diese Nacht niedergeschrieben hatte, auch dieses schien ihm Traum zu sein, doch griff seine Hand maschienenmäßig nach der Tafel, die er bey sich trug, und die den Beweis enthalten musste, was von der ganzen Sache zu halten sei.
Vorlage S. 30
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Thomas war indessen einige Schritte vorausgegangen. Ruprecht stand still, las was er diese Nacht bey Mondenlicht von jenem Nachtgesichte aufgezeichnet hatte, das Ganze vergegenwärtigte sich seiner Seele auf einmal aufs lebhafteste, er sah Alf von Dülmen gleichsam wieder vor sich stehen, hörte die Worte, die ihm das Kaiserthum weißagten, und dachte sich einen Zusammenhang unter diesen Dingen, den er selbst noch nicht absehen konnte, den er erst aus dem Munde seines Freundes vernehmen wollte; er beschloss zu schweigen, bis er ihn erst gehört hätte, und ging vollends langsam den Abhang hinab, wo Thomas unter den Trümmern stand, und sich mit Hinwegräumung der leichtern herabgerissenen Steine beschäftigte.
Vorlage S. 31
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Herr Pfalzgraf, rief er, als er Ruprechten herannahen sahe, indem er von seiner Arbeit abließ, Hört was mir Konrad diese Nacht von diesem Orte gemeldet hat: Der Wetterstrahl, der dieses Gebäude zertrümmerte, fiel in dem Augenblick herab, da mein Knecht auf seiner Heimkehr nicht zwanzig Schritte von hier entfernt war. Betäubt von dem Schlage, der uns viel weiter Entfernte zittern machte, stürzte er zu Boden, der Regen, welcher auf ihn troff, brachte ihn endlich zu sich selbst. – Er erhub sich und schleppte sich langsam fort, aber seine Schwäche war so groß, dass er nicht weiter kommen konnte, als bis auf die Stelle, wo der Blitz getroffen hatte; Konrad sank auf einem der herabgerißenen Steine nieder, wo er noch über eine Stunde halb sinnlos gelegen haben muss, denn völlig erholte er sich erst denn wieder, als das Ungewitter nachgelassen hatte. Er besann sich jetzt ganz auf das, was ihm wiederfahren war, und beschloss, da der Himmel sich ein wenig zertheilte, und der Mond hinter den schwarzen Wolken hervortrat, hier noch eine Weile zu ruhen, und denn den nicht kleinen Rest des Weges nach dem Schlosse vollends zurückzulegen. Hier war es, wo ihm der Mondstrahl, unter den umhergestreuten Trümmern etwas glänzendes in die Augen fallen ließ, das er, weil die Sage von vergrabenen Schätzen, die bey jedem alten Denkmal nicht fehlt, auch hier ihr Recht behauptet hat, für Gold hielt und zu sich nahm; es war dieses kleine küpferne Schild, das er mir bey seiner Heimkunft mit Erzählung des ganzen Vorgangs einlieferte, und dessen Inschrift ihr jetzt selbst lesen mögt.
Vorlage S. 31
64
Ruprecht nahm und las in Charakteren die drei halbe Jahrhunderte nicht ganz unkenntlich gemacht hatten, folgendes: »Evert von Remen setzte dieses Denkmal der Schuld und der Unschuld seines Freundes Graf Adolfs von *** – Grabe tiefer, du, dem der Arm des Himmels diese Höle öffnete, und bist du aus dem Fürstenstamme desjenigen, welcher unschuldig für Kaiser Philipps vergoßnes Blut büßen musste, so wisse, dass du einst Kaiser sein wirst, die Wage der Gerechtigkeit richtig wägen, und ihr Schwerd mit Schonung strafen zu lehren.«
Vorlage S. 33
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Was ist das? rief Ruprecht, indem er die Tafel fallen ließ, und auf wen mag dies gehen?
Vorlage S. 33
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Ich weiß nichts weiter, sagte Thomas, als dass die Welt nun zwei Seculo hindurch den durch Peter von Kalatin hingerichteten Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach für Kaiser Philipps Mörder hielt, und dass ihr, Pfalzgraf Ruprecht, einer der Urenkel jenes Fürstenhauses seid. Nicht ohne mühsames Forschen habe ich diese Nacht über diesen kleinen Schimmer von Licht in der dunkeln Weißagung gefunden; ihr seid weiser und gelehrter als ich, seht ob ihr mehr entdecket.
Vorlage S. 33
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Das Vornehmste, sagte Ruprecht nach langen Schweigen, wird wohl hier sein, nach Ausweisung der Schrift, tiefer unter diesem Gestein nachzugraben; mehrere Nachricht, auf die ich hoffe, wird uns des unnützen Grübelns überheben.
Vorlage S. 34
68
Die Arbeit, von welcher hier die Rede war, war nicht für den Pfalzgrafen und seinen Begleiter; man konnte sich auf die Treue der beiden Knechte Thomas Knebels verlassen; man sagte ihnen so viel von der Sache, als sie, die beide nicht lesen konnten, wissen mussten, und ehe die Sonne zweymal unterging, hatten sie unter Aufsicht ihres Herrn ein kleines bleyernes Kästchen zu Tage gefördert, welches er dem Pfalzgrafen brachte.
Vorlage S. 34
69
Es ward geöffnet, und das darinn gefunden, was unsere Leser in einigen Stunden der Muße beschäftigen kann, so wie es Ruprechten und den treuen Thomas viele Tage lang beschäftigte, da sie im Lesen nicht so geübt waren wie die klügere Folgezeit, da die etwas veralteten Charaktere ihnen das Lesen erschwerten, und eine Menge zwischen eingestreuter mündlicher Anmerkungen dasselbe weiter ausdehnte als bey Personen geschehen kann, die bey diesen Dingen nicht so viel Interesse haben als der Pfalzgraf und sein Gefärthe. Sie fanden hier übrige Unterhaltung für alle die Tage, welche Ruprecht wegen der Ueberschwemmung auf dem Schlosse verweilen musste; die Wasser verliefen sich, und sie waren mit Beherzigungen noch bey weiten nicht zu Ende, welche einen tiefen Einfluss in die Zukunft hatten. Welches ihre Betrachtungen und Plane waren, wird der Leser besser errathen können, wenn er gelesen hat was sie lasen.
Vorlage S. 34
70
Ruprecht nahm diese Schriften, als er das Schloß wieder verlassen, und seine Reise fortsetzen konnte, mit sich. O! Thomas, sagte er, was für Dinge habe ich in eurem Hause erfahren, und welche Gedanken haben sich in meiner Seele entwickelt!
Vorlage S. 35
71
Denket daran, versetzte der Alte, wenn ihr einst Kaiser sein werdet, und erfüllt das Gute, was jetzt in eurem Herzen reifen mag.
Vorlage S. 35
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Everts von Remen und seiner so mühsam auf Kosten seiner Ruhe und seines Lebens gesammelten Schriften werde ich wohl ewig gedenken, und die Wünsche für Gerechtigkeit und Gericht, die daher in meiner Seele entglommen, sollen nimmer erlöschen; aber ob ich je der Mann sein werde, sie auszuführen, ob ich je Kaiser sein werde, oder ob ich es nur sein möchte, das ist eine Sache, die wir unentschieden lassen wollen. In allen diesen Blättern habe ich nichts gefunden, das Everten von Remen in meinen Augen das Ansehen eines Propheten geben könnte, und seine Weißagung nebst etwa einem seltsamen Traume ists doch allein, was euch und mir die Gedanken an den Kaiserstuhl in den Sinn bringen könnte.
Vorlage S. 35
73
Wir wollen die Sache Gott und der Zeit überlassen, sagte Thomas, ihr aber gedenkt in eurer künftigen Hoheit der hier verlebten Tage, der hier gefassten Entschlüsse, und des alten Mannes, der euch jetzt nicht ohne eine Träne von sich lassen kann!
Vorlage S. 36
74
So gewiss werde ich seiner denken, erwiederte Ruprecht, dass ich denn kommen werde, ihn zu mir zu holen, damit er mein Freund und Rathgeber sei, und mir ausführen helfe, wozu jetzt mir Menschenkräfte zu schwach dünken.
Vorlage S. 36
75
Thomas schüttelte den Kopf und meynte, dies wär schlechter Lohn für die genossene gute Bewirthung, wenn er noch auf seine alten Tage der ruhigen Einsamkeit, die sein Glück machte, beraubt und in die Welt zurückgeschleudert werden sollte!
Vorlage S. 36
76
Der Pfalzgraf lachte des Eifers, mit welchen sein Freund sprach. O wie fern, rief er mit gefalteten Händen, wie unglaublich fern sind diese Dinge noch von mir und euch! mich dünkt, ihr könntet kühnlich versprechen, wozu ihr vielleicht nie in der Würklichkeit aufgefordert werden dürftet!
Vorlage S. 36
77
Und fern, sehr fern waren würklich die Dinge noch, von welchen hier die Rede war. Mehr als zehn Jahre vergingen, und der Pfalzgraf blieb noch immer der er war, ohne an das Kaiserthum zu denken, oder, wie so viele um und neben ihm thaten, ängstlich darnach zu ringen. Die Begebenheiten bey des von Dülmen Säule schien er ganz vergessen zu haben, wenigstens hat er sie nie gegen jemand erwehnt, und sie sind erst lang nach seinem Tode, vielleicht, als wofür wir nicht stehen können, durch die Tradition ein wenig verfälscht ans Licht gekommen; aber was ihm das Schicksal beschieden hatte, erfolgte doch endlich. Nach Kaiser Wenzels Absetzung fielen alle Stimmen auf ihn; er erlangte die Würde, die ihm geweißagt worden war. Das Kriegsschwerd und andere Unruhen verhinderten ihn lange, die Verbesserungen und Beschränkungen im Gebiet der rächenden Gerechtigkeit vorzunehmen, die in den damaligen Zeiten so nötig wurden, dass es keiner Geschichte eines Alf von Dülmen bedurft hätte, um sie zu veranlassen; aber endlich begann 1 er, was erst unter Kaiser Siegmunds Regierung, und doch nicht ganz so, wie er es geendet haben würde, zu Stande gebracht wurde. Thomas Knebel ward sein Rath, so wie er bisher sein Freund gewesen war; er überlebte den edeln Mann, der es so wohl verdient hatte, Kaiser zu sein, der verdient hätte, es noch länger zu bleiben, und war einer von denen, welche Ruprecht verordnet hatte, das Erbe unter seine Kinder zu theilen; dann kehrte er in sein einsames Schloß zurück, froh an den Gränzen eines Lebens zu stehen, das nach dem Verlust seines königlichen Freundes allen Reiz für ihn verlohren hatte.
Vorlage S. 37

Nach dem Lesen

Dein Blick auf das Kapitel

10er-QuizZitate verstehen · Zusammenhänge erkennen · Lernpunkte sammeln10 Fragen

Eine Antwort ist jeweils richtig. Lies den Textbeleg aufmerksam. Bei einer falschen Antwort kannst du es erneut versuchen.

Angemeldet zählen richtige Antworten für deinen Lernstand. Als Gast übst du ohne Kontopunkte.

Je Frage sind beim ersten Versuch 10 Punkte möglich, danach 5, 3 oder 1. Bereits gelöste Fragen bleiben zum Üben verfügbar.

1. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »schien kein Ort, wo man Obdach finden konnte, sondern ein altes halb …«

Eine Antwort ist richtig.

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2. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Erlaubt, sagte Thomas, als Ruprecht sich setzte, dass ich euch […] meinen Platz nehme.«

Eine Antwort ist richtig.

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3. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »Diese Säule, Herr Pfalzgraf, ist ein altes Denkmal in diesen Gegenden, bey welchem ihr vorübergekommen sein müsst, und das wir nicht anders zu nennen wissen, als die Säule Alfs von Dülmen, weil sein Name und der Name einer gewissen Alverde, die wohl seine Gattin gewesen sein mag, unter andern Charakteren darauf noch lesbar war.«

Eine Antwort ist richtig.

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4. Welcher Ausschnitt verweist mit einer Zeitangabe ausdrücklich auf eine frühere Zeit? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

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5. Welcher Ausschnitt enthält ausdrücklich einen Grund oder eine daraus gezogene Folge? Achte auf ein ausdrücklich genanntes Signalwort.

Eine Antwort ist richtig.

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6. In welcher Reihenfolge stehen diese drei Ausschnitte im Kapitel? Gemeint ist ihre Reihenfolge im Text, nicht die Zeit der erzählten Ereignisse. A: »Ruprecht that wie ihm geheißen war, und trat denn ans Fenster, in den Sturm hinaus zu sehen, dem er eben entkommen war.« B: »jüngsten Tag verschlafen werdet, weil ihr diesen verschlafen habt) – ein Felsenstück am Eingang des Thals losgerissen, und in den Fluss gestürzt, welches uns die völlige Ueberschwemmung gebracht hat« C: »Alles wurde vor ihren Richterstuhl gezogen, nichts konnte ihrer Gewalt entgehen, sie richteten meistens recht, aber sie richteten zu streng, und waren oft durch einen blossen Anschein von Schuld nur allzuleicht zu täuschen.«

Eine Antwort ist richtig.

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7. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »Ein Schauer, wie man ihn nur da fühlen soll, wo Geister uns …«

Eine Antwort ist richtig.

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8. Welches Wort steht an der markierten Stelle? Achte auf die Bedeutung im Zusammenhang und prüfe den genauen Wortlaut. »Der Schloßberg und seine Nachbarn, die sich ringsum noch höher als er, Himmelan thürmten, standen wie einzelne unter sich nicht verbundene Inseln in der allgemeinen Fluth, der Strom, dessen Bette in der großen […], durch den reißenden Zug seiner Wellen noch kenntlich war, führte Felsstücke«

Eine Antwort ist richtig.

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9. Welchen Zusammenhang kennzeichnet das Wort »weil« in diesem Textausschnitt? »ich all die Zeit über, da ich hier wohne, mit so leichter Mühe hätte betrachten können, ehemals zu tun, nein, weil ich heute, eben erst heute, oder vielmehr schon gestern erfahren habe, dass das, was hier in einen Steinhaufen zusammengestürzt liegt, mehrere Betrachtung würdig ist«

Eine Antwort ist richtig.

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10. Wie geht dieser Textausschnitt im Kapitel unmittelbar weiter? Ergänze den genauen Wortlaut. »in meiner Seele entglommen, sollen nimmer erlöschen; aber ob ich je der …«

Eine Antwort ist richtig.

Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗ Textstelle 3 ↗ Textstelle 4 ↗
Aufgaben zum TextVerstehen, begründen und mit Textstellen arbeiten · ohne Punkte

1. Lies den Abschnittsbeginn: »Auf einer einsamen Reise, deren Ursach und Endzweck die Sage zu melden vergessen hat, kam Pfalzgraf Ruprecht, mit dem Zunamen der Bärtige, in eine Gegend, welche unser Urschreiber, der seine Gegenstände […]« Welche Informationen sind hier bereits sicher, und welche Frage bleibt für dich offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne zwei Informationen, die sich tatsächlich aus dieser Passage ableiten lassen.
  • Trenne eine eigene Frage oder Vermutung klar vom Textbefund.
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2. Fasse diese Textstelle in eigenen Worten zusammen: »Meine Taten sind sehr unbedeutend und glanzlos.« Was ist für ihr Verständnis besonders wichtig?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Gib die zentrale Aussage oder Situation wieder, ohne etwas hinzuzuerfinden.
  • Nenne eine Einzelheit aus der Passage, auf die sich deine Zusammenfassung stützt.
Textstelle nachlesen ↗

3. Prüfe, ob es in dieser Passage um Gerechtigkeit oder Verantwortung geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] der Miene nach; beide hielten das entblößte Eisen mit der Linken und die Rechte des Freundes mit der Rechten, Freunde waren sie, dies sah man nicht allein aus den fast in einander gedrückten Händen, sondern noch mehr aus den Blicken voll […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

4. Prüfe, ob es in dieser Passage um Wahrheit oder Vertrauen geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] so würde ich sagen, (und wahrhaftig, ich könnte es ohne Nachteil der Wahrheit tun,) mir sei es Freude, euch, theurer Pfalzgraf, hier gesehen und bewirthet, und die Hoffnung zu haben, euch öfter hier zu sehen und zu bewirthen, da, wie aus […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

5. Prüfe, ob es in dieser Passage um Angst oder Unsicherheit geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] welche meine Leser nicht erst aus diesen Blättern kennen lernen werden, fürchterlich überhand genommen. Alles wurde vor ihren Richterstuhl gezogen, nichts konnte ihrer Gewalt entgehen, sie richteten meistens recht, aber sie richteten zu […]«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

6. Prüfe, ob es in dieser Passage um Nähe oder Gefühle geht. Wenn ja, begründe dies am Text. Wenn nicht, erläutere stattdessen die konkrete Aussage oder Handlung. Unterscheide wörtliche und übertragene Bedeutungen. Ausgangspunkt: »[…] über dessen Haupt sich Gewitterwolken zusammen zogen, und seine Sehnsucht nach Ruhe und Obdach vermehrten!«

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf die konkrete verlinkte Passage und ihren unmittelbaren Zusammenhang.
  • Belege deine Aussage mit einem passenden kurzen Zitat.
  • Kennzeichne eine weitergehende Interpretation als Deutung, nicht als ausdrücklich genannte Tatsache.
Textstelle nachlesen ↗

7. Vergleiche diese beiden Stellen: »Meine Taten sind sehr unbedeutend und glanzlos.« und »Ruprecht schauerte in sich zusammen und erwachte. Er lag lange, um dem Traum nachzudenken, der ihn erweckt hatte, Gedanken […]«. Welche Gemeinsamkeit oder welchen Unterschied kannst du am Wortlaut zeigen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne eine nachvollziehbare Gemeinsamkeit oder einen Unterschied.
  • Belege beide Seiten des Vergleichs; unterstelle keine Entwicklung, die der Text nicht zeigt.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗

8. Am Abschnittsende steht: »Und fern, sehr fern waren würklich die Dinge noch, von welchen hier die Rede war. Mehr als zehn Jahre vergingen, und der Pfalzgraf blieb noch immer der er war, ohne an das Kaiserthum zu denken, oder, wie so […]« Was ist hier geklärt, und was bleibt offen?

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Beziehe dich auf den Schluss dieses Abschnitts, nicht auf dein Vorwissen über das ganze Werk.
  • Falls die Stelle nichts eindeutig klärt, begründe auch das mit dem Text.
Textstelle nachlesen ↗

9. Prüfe deinen ersten Leseeindruck an Anfang und Ende: »Auf einer einsamen Reise, deren Ursach und Endzweck die Sage zu melden vergessen hat, kam Pfalzgraf Ruprecht, […]« / »Und fern, sehr fern waren würklich die Dinge noch, von welchen hier die Rede war. Mehr als zehn Jahre […]«. Würdest du deine erste Einschätzung jetzt verändern? Begründe.

Impulse zur Selbstprüfung

Vergleiche deine Antwort mit dem verlinkten Absatz der Lesefassung. Mehrere begründete Antworten sind möglich; die Aufgabe wird nicht automatisch als richtig oder falsch bewertet.

  • Nenne deine ursprüngliche Einschätzung oder Leseerwartung.
  • Verwende mindestens einen Textbeleg für deine jetzige Einschätzung.
  • Sowohl eine veränderte als auch eine bestätigte Einschätzung ist möglich.
Textstelle 1 ↗ Textstelle 2 ↗
Kreativ schreibenDrei Anregungen in drei Niveaustufen · ohne Punkte

Wähle die Anregung, die zu dir passt. Deine eigene Fassung bleibt klar vom Originaltext getrennt.

Niveau 1 · Einstieg

1. Schreibe zu diesem Textausschnitt 5–8 eigene Sätze: »Auf einer einsamen Reise, deren Ursach und Endzweck die Sage zu melden vergessen hat, kam Pfalzgraf Ruprecht, mit dem Zunamen der Bärtige, in eine Gegend, welche unser Urschreiber, der seine Gegenstände überhaupt hier und da geflissentlich in Dunkel zu hüllen scheint, ebenfalls ungenannt lässt.«. Wähle eine Person, einen Gegenstand oder einen Gedanken daraus. Schreibe aus einer neuen Sicht. Satzanfänge helfen: „Ich bemerke …“, „Ich frage mich …“, „Als Nächstes …“.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Übernimm mindestens zwei passende Einzelheiten aus dem Kapitel.
  • Trenne ein wörtliches Zitat deutlich von deinem eigenen Text.
  • Kennzeichne deine Ergänzungen als erfunden.
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Niveau 2 · Vertiefung

2. Verwandle den folgenden Ausschnitt in einen Brief, Tagebucheintrag oder kurzen Dialog: »Doch wer will auf diese Sagen trauen! das gemeine Gerücht ist lügenhaft, in unsern Tagen kann kein großer Herr ohne Verdacht der Vergiftung oder des Meuchelmords das Leben verlieren, und kein Privatmann unvermerkt aus dem Zirkel seiner Bekannten verschwinden, ohne dass man hier die Macht der unsichtbaren Rächer ahnde.«. Entscheide, wer sich an wen richtet. Schreibe etwa 120–180 Wörter. Bei einem Sachtext kann ein lernender Mensch einem anderen die Idee erklären.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die neue Textform und die gewählte Stimme sind erkennbar.
  • Mindestens zwei Aussagen oder Ereignisse bleiben mit dem Kapitel vereinbar.
  • Ergänze einen kurzen Kommentar: Was hast du übernommen, was bewusst erfunden?
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Niveau 3 · Gestaltung

3. Schreibe ausgehend vom Kapitelende eine alternative Fortsetzung oder eine Szene mit einer Gegenposition: »an den Gränzen eines Lebens zu stehen, das nach dem Verlust seines königlichen Freundes allen Reiz für ihn verlohren hatte«. Entwickle etwa 200–300 Wörter. Bei einem Sachtext kannst du ein Streitgespräch über eine These gestalten. Begründe anschließend in 3–5 Sätzen deine Entscheidungen mit zwei kurzen Zitaten aus dem Kapitel.

Impulse zur Selbstprüfung

Mehrere Lösungen sind möglich. Prüfe deinen Text an den Kriterien oder besprich ihn mit anderen. Diese Aufgabe gibt keine automatisch bewerteten Punkte.

  • Die Fortsetzung oder Gegenposition knüpft nachvollziehbar an konkrete Textstellen an.
  • Zwei genaue Zitate begründen die Gestaltung; Schlussfolgerungen werden als eigene Deutung markiert.
  • Der neue Text ist ausdrücklich eine eigene Bearbeitung und wird nicht dem Originalautor zugeschrieben.
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Ausgabe, Herkunft und Rechte

Originalautor vor 1956 verstorben. TextGrid kennzeichnet die zugrunde liegenden reinen Texte als gemeinfrei; Struktur und Metadaten unter CC BY 3.0 DE mit Namensnennung TextGrid und www.editura.de. Das Werk Alf von Dülmen von Naubert, Benedikte ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de, und wird unter der Creative Commons Lizenz Namensnennung 3.0 Deutschland veröffentlicht. Der zugrunde liegende literarische Reintext ist gemeinfrei. TextGrid wurde vom BMBF gefördert (Förderkennzeichen 01UG1203A).

Die Extraktion erfasst alle Textpositionen der gelieferten Quelldatei; dies ersetzt keinen vollständigen Vergleich mit dem historischen Druck. Offene Kapitelaufgaben dienen der Selbstprüfung und sind keine automatisch bewertete Interpretation.

Alf von Dülmen

Benedikte Naubert: Alf von Dülmen. Oder Geschichte Kaiser Philipps und seiner Töchter. Aus den ersten Zeiten der heimlichen Gerichte, Leipzig: Weygandsche Buchhandlung, 1791. Naubert, Benedikte 5- Leipzig

Das Werk Alf von Dülmen von Naubert, Benedikte ist eine Abwandlung des Datenbestandes der Digitalen Bibliothek von TextGrid, www.editura.de und wird unter der Creative Commons Lizenz veröffentlicht.

Quelltext und Ausgabe ↗ · CC BY 3.0 DE; reine Originaltexte gemeinfrei Lizenz

Welche Änderungen enthält die Lesefassung?

Explizite Wortliste statt allgemeiner Such-und-Ersetz-Regeln. Jede Änderung ist mit Kapitel, Absatz, Quellposition und Regel dokumentiert. Erfasste Namen und bekannte mehrdeutige Formen bleiben ausgespart; dies ist keine automatische vollständige Namenserkennung. Grundlage für s/ss/ß: Amtliches Regelwerk 2024, §§ 2, 5 und 25. Die unveränderte Quellfassung bleibt verfügbar.