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Bauteile und Baugruppen auf Lage prüfen - Schmied

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Bauteile und Baugruppen auf Lage prüfen - Schmied




Bauteile und Baugruppen auf Lage prüfen - Schmied


Einleitung

Beim Schmieden und in der Metallgestaltung entscheidet nicht nur das Einzelmaß über die Qualität eines Werkstücks. Ein geschmiedeter Beschlag kann maßhaltig sein und trotzdem nicht funktionieren, wenn seine Bohrungen nicht fluchten. Ein Torrahmen kann die richtigen Seitenlängen besitzen und dennoch verwunden sein. Ein Scharnier kann sich verklemmen, wenn seine Augen nicht auf einer gemeinsamen Achse liegen. Deshalb gehört das Prüfen der Lage von Bauteilen und Baugruppen zu den grundlegenden Kompetenzen in der Ausbildung im Schmiede- und Metallbaubereich. Der Ausbildungsrahmenplan für Metallbauerinnen und Metallbauer nennt ausdrücklich das Prüfen der Lage und das Messen von Lageabweichungen.[1]

In diesem aiMOOC lernst Du, technische Unterlagen auszuwerten, geeignete Prüfmittel auszuwählen, Bezüge festzulegen, Bauteile fachgerecht aufzulegen oder auszurichten, Lageabweichungen zu messen und Ergebnisse nachvollziehbar zu dokumentieren. Der Kurs richtet sich an Auszubildende im Schmiedehandwerk, in der Fachrichtung Metallgestaltung und in verwandten Metallberufen.


Lernziele

Nach der Bearbeitung kannst Du:

  1. technische Zeichnungen, Prüfpläne und Toleranzangaben auswerten.
  2. zwischen Maß-, Form- und Lageabweichungen unterscheiden.
  3. Bezugsflächen, Bezugsachsen und funktionswichtige Prüfpunkte festlegen.
  4. geeignete Prüf- und Messmittel auswählen und sicher anwenden.
  5. Rechtwinkligkeit, Parallelität, Fluchtung, Position, Ausrichtung und Lauf beurteilen.
  6. typische Messfehler bei geschmiedeten, geschweißten und montierten Teilen vermeiden.
  7. Prüfergebnisse bewerten, kennzeichnen und in einem Prüfprotokoll dokumentieren.


Fachliche Grundlagen


Bauteil, Baugruppe und Lage

Ein Bauteil ist ein einzelner, technisch nicht weiter zerlegter Gegenstand, zum Beispiel ein geschmiedetes Scharnierauge, ein Riegel oder eine Lasche. Eine Baugruppe besteht aus mehreren zusammenwirkenden Bauteilen, etwa einem Torflügel mit Rahmen, Bändern, Riegel und Zierelementen.

Die Lage beschreibt, wo und in welcher Orientierung sich ein geometrisches Element im Verhältnis zu einem festgelegten Bezug befindet. Geprüft werden zum Beispiel eine Fläche gegenüber einer Grundfläche, eine Bohrungsachse gegenüber einer zweiten Achse oder ein gesamter Rahmen gegenüber der Horizontalen und Vertikalen.

Fachbegriff Bedeutung in der Prüfpraxis
Soll-Lage Die in Zeichnung, Prüfplan oder Montagevorgabe festgelegte Lage.
Ist-Lage Die am realen Bauteil oder an der Baugruppe festgestellte Lage.
Bezug Festgelegte Fläche, Linie, Achse oder Ebene, von der aus geprüft wird.
Lageabweichung Unterschied zwischen Soll-Lage und Ist-Lage.
Toleranz Zulässiger Bereich, innerhalb dessen die Abweichung liegen darf.
Prüfen Feststellen, ob eine vorgegebene Anforderung erfüllt ist.
Messen Ermitteln eines Zahlenwertes durch Vergleich mit einer Einheit.
Lehren Feststellen, ob ein Merkmal innerhalb festgelegter Grenzen liegt, ohne den genauen Zahlenwert zu bestimmen.


Maß, Form und Lage unterscheiden

Eine Maßabweichung betrifft zum Beispiel Länge, Breite, Dicke oder Durchmesser. Eine Formabweichung betrifft die Gestalt eines einzelnen Elements, etwa Geradheit, Ebenheit, Rundheit oder Zylindrizität. Eine Lageabweichung beschreibt dagegen die Beziehung zwischen mindestens einem tolerierten Element und einem Bezug oder zwischen mehreren Elementen.

Bei der geometrischen Produktspezifikation werden Form-, Richtungs-, Orts- und Lauftoleranzen unterschieden. Dazu gehören unter anderem Parallelität, Rechtwinkligkeit, Neigung, Position, Symmetrie, Koaxialität sowie Rundlauf und Planlauf.[2] Entscheidend ist immer die konkrete Zeichnung. Du darfst keine Toleranzwerte schätzen oder aus Gewohnheit übernehmen.


Besonderheiten geschmiedeter Bauteile

Geschmiedete Teile besitzen häufig Zunder, leicht gewellte Oberflächen, Übergangsradien und fertigungstypische Formabweichungen. Beim Warmumformen können sich Werkstücke beim Abkühlen verziehen. Hinzu kommen bei geschweißten Baugruppen Schrumpfung, Eigenspannungen und Winkelverzug. Für eine zuverlässige Lageprüfung gelten deshalb folgende Grundsätze:

  1. Prüfe an den in der Zeichnung oder im Prüfplan vorgesehenen Flächen und Punkten.
  2. Entferne losen Zunder, Schweißspritzer, Grate und Schmutz an den Auflage- und Messstellen, ohne das Werkstück unzulässig zu verändern.
  3. Lass das Werkstück auf die vorgeschriebene Prüftemperatur abkühlen.
  4. Lege raue Schmiedeoberflächen nicht willkürlich als Präzisionsbezug fest.
  5. Stütze lange oder schwere Bauteile so ab, dass sie sich durch ihr Eigengewicht nicht messbar durchbiegen.
  6. Prüfe nach richt- oder schweißtechnischen Korrekturen erneut.


Bezüge und Toleranzen aus der Zeichnung ableiten


Bezugssystem verstehen

Ein Bezug schafft eine eindeutige Messgrundlage. In technischen Zeichnungen können Bezüge mit Großbuchstaben wie A, B und C gekennzeichnet sein. Der primäre Bezug richtet das Werkstück grundlegend aus. Weitere Bezüge legen die noch freien Bewegungsrichtungen fest.

Das vereinfachte 3-2-1-Prinzip hilft beim stabilen Ausrichten:

  1. Drei Auflagepunkte bilden den primären Bezug und verhindern Kippen.
  2. Zwei weitere Kontaktpunkte legen eine zweite Richtung fest.
  3. Ein letzter Kontaktpunkt bestimmt die verbleibende Position.

Das Werkstück muss stabil liegen, darf aber nicht durch zu hohe Spannkraft verformt werden. Bei großen Schmiedearbeiten kann das Bezugssystem durch Auflageböcke, Richtplatte, Anschläge, Prüfdorne oder definierte Montagepunkte verwirklicht werden.


Häufige Lageanforderungen in der Schmiedepraxis

Anforderung Typisches Beispiel Geeignetes Prüfprinzip
Rechtwinkligkeit Pfosten zum Querholm, Lasche zur Grundplatte Anschlagwinkel, Diagonalenvergleich oder Messuhr
Parallelität Zwei Führungsflächen, obere und untere Rahmenkante Messuhr auf Bezugsfläche, Höhenmessung oder Parallelunterlagen
Position Lage einer Bohrung oder eines Scharnierauges Messschieber, Höhenmessgerät, Schablone oder Koordinatenmessung
Koaxialität und Fluchtung Mehrere Bandaugen eines Tores Prüfdorn, Richtwelle oder Messuhr
Symmetrie Ornament oder Gabelstück zur Mittellinie Schablone, Mittellinienmessung oder Höhenmessgerät
Rundlauf und Planlauf Welle, Ring oder drehbares Beschlagteil Messuhr bei kontrollierter Drehbewegung
Horizontal- und Vertikallage montierter Pfosten, Geländer oder Torrahmen Wasserwaage, Lot oder geeignetes Lasermessgerät


Prüf- und Messmittel auswählen

Das Prüfmittel muss zur geforderten Toleranz, zur Werkstückgröße, zur Oberflächenbeschaffenheit und zur Messaufgabe passen. Eine grobe Wasserwaage ist für eine enge Parallelitätstoleranz ungeeignet. Umgekehrt ist eine Messuhr für eine schnelle Baustellenkontrolle eines Pfostens oft unnötig aufwendig.


Anschlagwinkel und Haarwinkel

Mit einem Anschlagwinkel prüfst Du die Rechtwinkligkeit zwischen zwei Flächen oder Kanten. Das Werkstück und die Anlageflächen müssen sauber sein. Drücke den Winkel ohne Verkanten an den Bezug. Ein Lichtspalt zeigt eine Abweichung an; mit einer geeigneten Fühlerlehre kann der Spalt näher bestimmt werden.


Messschieber, Stahlmaß und Bandmaß

Der Messschieber eignet sich für Außen-, Innen-, Tiefen- und Stufenmaße. Er kann Positionsmaße zwischen gut zugänglichen, definierten Flächen erfassen. Für große Rahmen werden Stahlmaß oder Bandmaß genutzt. Ein Messschieber ersetzt jedoch keine vollständige Prüfung von Parallelität, Rechtwinkligkeit oder Koaxialität.


Messuhr und Feinzeiger

Eine Messuhr erfasst kleine Wegänderungen. Sie wird stabil an einem Stativ befestigt. Der Taster soll möglichst rechtwinklig zur Messrichtung stehen, damit kein vermeidbarer Kosinusfehler entsteht. Beim Abfahren einer Fläche ist die Differenz zwischen größtem und kleinstem Anzeigewert eine wichtige Messgröße. Ob sie direkt als Lageabweichung bewertet werden darf, hängt vom Aufbau, vom Bezug und von der Zeichnungsforderung ab.


Wasserwaage, Lot und Richtmittel

Mit Wasserwaage oder Maschinenwasserwaage prüfst Du horizontale beziehungsweise vertikale Ausrichtungen. Bei Montagearbeiten können Lot oder geeignete Lasersysteme eingesetzt werden. Die Auflagefläche muss sauber sein, und das Prüfmittel muss für die geforderte Genauigkeit geeignet sein.


Richtlineal und Fühlerlehre

Ein Richtlineal dient als gerader Vergleichskörper. Zwischen Richtlineal und Werkstück sichtbare Lichtspalte weisen auf Abweichungen hin. Mit einer Fühlerlehre lassen sich kleine Spalte prüfen. Bei rauen Schmiedeoberflächen muss klar festgelegt sein, ob Spitzen, Vertiefungen oder bearbeitete Prüfflächen bewertet werden.


Prüfdorne, Schablonen und Lehren

Prüfdorne eignen sich zum Beurteilen fluchtender Bohrungen oder Scharnieraugen. Ein Dorn darf nicht mit Gewalt durchgetrieben werden, weil dadurch eine fehlerhafte Baugruppe scheinbar passend gemacht oder beschädigt werden kann. Schablonen und Lehren ermöglichen schnelle Wiederholprüfungen, müssen aber selbst eindeutig gekennzeichnet, unbeschädigt und überwacht sein.


Systematischer Prüfablauf

Eine Lageprüfung wird nicht improvisiert. Arbeite nach einem nachvollziehbaren Ablauf:

  1. Prüfauftrag klären: Bauteilnummer, Zeichnungsstand, Prüfumfang und Verantwortlichkeit feststellen.
  2. Sollwerte ermitteln: Nennmaße, Toleranzen, Bezüge, Prüfpunkte und Funktionsanforderungen markieren.
  3. Werkstück vorbereiten: Abkühlen lassen, Messstellen reinigen, Grate und lose Anhaftungen beseitigen.
  4. Prüfmittel auswählen: Messbereich, Auflösung, Genauigkeit, Prüfmittelstatus und Zugänglichkeit beachten.
  5. Bezug herstellen: Werkstück stabil und spannungsarm auflegen, ausrichten oder fixieren.
  6. Prüfmittel kontrollieren: Sichtprüfung, Nullstellung, Leichtgängigkeit und gegebenenfalls Vergleich an einem Normal.
  7. Messen: An festgelegten Punkten und möglichst in wiederholbarer Reihenfolge prüfen.
  8. Bewerten: Messwerte mit Toleranzen und Funktionsanforderungen vergleichen.
  9. Dokumentieren: Istwerte, Entscheidung, Abweichungen und Maßnahmen im Prüfprotokoll festhalten.
  10. Nachprüfung durchführen: Nach Richten, Nacharbeiten, Lösen von Spannmitteln oder weiteren Schweißarbeiten erneut prüfen.


Rechtwinkligkeit eines Rahmens mit Diagonalen prüfen

Bei einem rechteckigen Rahmen werden die beiden Diagonalen zwischen eindeutig festgelegten Eckpunkten gemessen. Die Differenz wird berechnet:

Δd = |d1 − d2|

Beispiel: d1 = 1442 mm und d2 = 1440 mm. Die Diagonalendifferenz beträgt 2 mm. Ob der Rahmen damit in Ordnung ist, entscheidet ausschließlich die vorgegebene Toleranz. Gleiche Diagonalen sind ein wichtiges Indiz für Rechtwinkligkeit, reichen allein aber nicht aus. Seitenlängen, Geradheit, Ebenheit und mögliche Verwindung müssen zusätzlich berücksichtigt werden.


Parallelität mit der Messuhr prüfen

  1. Richte die Bezugsfläche auf einer geeigneten Richt- oder Messplatte aus.
  2. Befestige die Messuhr steif und stelle den Taster auf der zu prüfenden Fläche an.
  3. Fahre die festgelegte Messstrecke langsam ab.
  4. Notiere den kleinsten und größten Anzeigewert.
  5. Bilde die Anzeigedifferenz und vergleiche sie nach Prüfplan mit der zulässigen Abweichung.
  6. Wiederhole die Messung an weiteren Bahnen, wenn die gesamte Fläche beurteilt werden soll.

Rauheit, Hammerschläge oder Zunder können einzelne Ausschläge verursachen. Deshalb muss der Prüfplan festlegen, welche Messlinien und Punkte maßgebend sind.


Fluchtung von Scharnieraugen prüfen

Bei einem geschmiedeten Torband oder mehreren Bandaugen ist eine gemeinsame Achse funktionsentscheidend. Zuerst werden die Augen gereinigt und auf Beschädigung geprüft. Danach wird ein passender Prüfdorn oder eine Richtwelle ohne Gewalt eingeführt. Schwergängigkeit, Versatz oder ein sichtbarer Knick weisen auf eine Lageabweichung hin. Für eine zahlenmäßige Bewertung können Abstände zur Bezugsfläche oder Messuhrwerte an der Richtwelle erfasst werden.


Messfehler vermeiden

Fehlerquelle Auswirkung Vorbeugung
Zunder, Grat oder Schweißspritzer Falsche Auflage und zu große Messwerte Mess- und Auflagepunkte fachgerecht reinigen
Warmes Werkstück Längen- und Lageänderung durch Wärmeausdehnung Auf Prüftemperatur abkühlen lassen und Temperatur berücksichtigen
Zu hohe Spannkraft Dünne oder lange Teile werden verformt Spannungsarm auflegen und nur funktionsgerecht fixieren
Schräger Messuhrtaster Kosinusfehler und zu kleiner Anzeigewert Taster möglichst in Messrichtung ausrichten
Verkippter Messschieber Unzutreffendes Positions- oder Abstandsmaß Messflächen voll anlegen und Messrichtung kontrollieren
Falscher Bezug Messwert ist nicht mit der Zeichnungsforderung vergleichbar Bezugskennzeichnung vor dem Aufbau eindeutig bestimmen
Durchbiegung durch Eigengewicht Lage ändert sich abhängig von der Unterstützung An den festgelegten Funktions- oder Auflagepunkten unterstützen
Ablese- oder Übertragungsfehler Falsche Dokumentation und Fehlentscheidung Werte sofort notieren und bei Grenzfällen wiederholen


Einfluss der Temperatur

Metall dehnt sich bei Erwärmung aus. Näherungsweise gilt:

ΔL = α · L · ΔT

Für Stahl kann in einer überschlägigen Werkstattrechnung häufig mit etwa α = 12 · 10−6 K−1 gerechnet werden. Ein zwei Meter langes Stahlbauteil, das 30 K wärmer als die Bezugstemperatur ist, kann dadurch ungefähr 0,72 mm länger sein. Der genaue Wert hängt vom Werkstoff und Temperaturbereich ab. Bei engen Toleranzen müssen Prüftemperatur und betriebliche Vorgaben berücksichtigt werden.


Arbeitssicherheit

Beim Prüfen in der Schmiede bestehen Gefährdungen durch heiße Werkstücke, scharfe Kanten, schwere Baugruppen, Quetschstellen und bewegte Maschinen.

  1. Kennzeichne heiße Bauteile eindeutig und prüfe ihre Temperatur, bevor Du sie berührst.
  2. Sichere schwere Baugruppen gegen Kippen, Rollen und Herabfallen.
  3. Verwende geeignete Hebe- und Anschlagmittel nur nach betrieblicher Unterweisung.
  4. Greife niemals in laufende oder nachlaufende Maschinen.
  5. Führe Handmessungen an drehenden Werkstücken nur im sicheren Stillstand durch.
  6. Trage die für den Arbeitsplatz vorgeschriebene persönliche Schutzausrüstung.
  7. Halte Messmittel von Funkenflug, Zunder, Schleifstaub und übermäßiger Wärme fern.
  8. Sperre den Messbereich bei großen Bauteilen ab, wenn andere Personen gefährdet werden könnten.


Prüfprotokoll und Qualitätsentscheidung

Ein Prüfprotokoll macht die Prüfung wiederholbar und nachvollziehbar. Es sollte mindestens Werkstück- oder Auftragsnummer, Zeichnungsstand, Prüfmerkmal, Bezug, Sollwert, Toleranz, Istwert, Prüfmittel, Prüfmittelnummer, Datum, prüfende Person und Qualitätsentscheidung enthalten.

Prüfmerkmal Beispielhafte Vorgabe Istwert Bewertung
Diagonalendifferenz am Torrahmen höchstens 3 mm 2 mm i. O.
Versatz der Bandachse zum Bezug höchstens 1,0 mm 1,4 mm n. i. O.
Horizontallage des Querholms höchstens 0,5 mm pro Meter 0,3 mm pro Meter i. O.

Die Werte in dieser Tabelle sind ein Übungsbeispiel und keine allgemeingültigen Toleranzen. Bei einem Ergebnis außerhalb der Vorgabe wird das Teil nicht eigenmächtig freigegeben. Je nach Arbeitsauftrag kommen Richten, Nacharbeiten, erneutes Ausrichten, Rücksprache mit der Konstruktion, Sperren oder Ausschuss in Betracht.


Praxisfall: Geschmiedeter Torflügel

Ein Torflügel besteht aus Rahmenprofilen, geschmiedeten Zierelementen, Bandlaschen und mehreren Scharnieraugen. Eine zweckmäßige Prüfstrategie kann so aussehen:

  1. Prüfe Zeichnungsstand, Außenmaße, Bezugsseite und Montagefugen.
  2. Lege den Rahmen spannungsarm auf einer geeigneten Richtfläche auf.
  3. Prüfe Seitenlängen und Diagonalen.
  4. Kontrolliere Ebenheit und Verwindung an mehreren Punkten.
  5. Prüfe die Lage der Bandlaschen zum Rahmen.
  6. Kontrolliere die Fluchtung der Scharnieraugen mit einem Prüfdorn.
  7. Richte den Torflügel probeweise horizontal und vertikal aus.
  8. Führe eine Funktionsprüfung der beweglichen Verbindung durch.
  9. Wiederhole die entscheidenden Prüfungen nach dem Fertigschweißen und Abkühlen.
  10. Dokumentiere Ergebnisse und notwendige Korrekturen vor der Oberflächenbehandlung.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was ist ein Bezug bei einer Lageprüfung? (Eine festgelegte geometrische Referenz für die Prüfung) (!Ein beliebiger gut sichtbarer Punkt) (!Eine geschätzte Mittellinie) (!Ein Ersatz für die Toleranz)




Warum soll ein geschmiedetes Werkstück vor einer genauen Lageprüfung abkühlen? (Weil Wärmeausdehnung die Geometrie und Messwerte beeinflusst) (!Weil kalter Stahl grundsätzlich weicher ist) (!Weil sich Zunder nur kalt bildet) (!Weil Messmittel nur bei Frost funktionieren)




Welche Größe wird beim Abfahren einer Fläche mit der Messuhr häufig ausgewertet? (Die Differenz zwischen größtem und kleinstem Anzeigewert) (!Die Farbe des Zifferblatts) (!Die Länge des Messstativs) (!Die Masse des Werkstücks)




Wofür wird der Diagonalenvergleich bei einem Rahmen eingesetzt? (Zur Beurteilung der Rechtwinkligkeit und des Rahmenverzugs) (!Zur Bestimmung der Werkstoffhärte) (!Zur Messung der Oberflächenrauheit) (!Zur Ermittlung der Schmiedetemperatur)




Welches Prüfmittel eignet sich zum Bestimmen eines kleinen Lichtspalts? (Eine Fühlerlehre) (!Ein Körner) (!Eine Schmiedezange) (!Ein Gewindebohrer)




Welche Reihenfolge ist fachgerecht? (Zeichnung auswerten, Bezug herstellen, messen, bewerten, dokumentieren) (!Messen, Werkstück erwärmen, Bezug schätzen, dokumentieren) (!Dokumentieren, messen, Zeichnung suchen, richten) (!Richten, freigeben, Toleranz festlegen, messen)




Warum müssen lose Zunderreste an Messstellen entfernt werden? (Sie können die Auflage verändern und Messwerte verfälschen) (!Sie erhöhen immer die Werkstofffestigkeit) (!Sie ersetzen eine Prüflehre) (!Sie zeigen automatisch die Soll-Lage an)




Was bedeutet die Bewertung i. O.? (Das Prüfmerkmal liegt innerhalb der Vorgabe) (!Das Prüfmittel ist beschädigt) (!Das Werkstück ist noch warm) (!Der Messwert wurde nicht dokumentiert)




Welche der folgenden Eigenschaften ist eine typische Lage- oder Richtungsanforderung? (Parallelität) (!Härte) (!Oberflächenfarbe) (!Werkstoffdichte)




Was ist bei einer Handmessung an einer Maschine grundsätzlich zu beachten? (Das Werkstück muss sicher stillstehen und gegen Anlauf gesichert sein) (!Die Drehzahl soll möglichst hoch sein) (!Das Messmittel wird mit beiden Händen an das rotierende Teil gedrückt) (!Handschuhe ersetzen das Stillsetzen der Maschine)





Memory

Bezug Messreferenz
Messuhr Abweichungsverlauf
Fühlerlehre Spaltbreite
Anschlagwinkel Rechtwinkligkeit
Wasserwaage Horizontalausrichtung
Diagonalenvergleich Rahmenverzug
Prüfprotokoll Dokumentation
Koaxialität gemeinsame Achse





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Anschlagwinkel Rechtwinkligkeit prüfen
Messuhr Lageabweichung erfassen
Fühlerlehre Lichtspalt bestimmen
Wasserwaage Horizontale ausrichten
Prüfdorn Bohrungsachsen auf Fluchtung prüfen




...


Kreuzworträtsel

Messuhr Welches Prüfmittel zeigt kleine Wegänderungen auf einem Zifferblatt an?
Bezug Wie heißt die geometrische Referenz einer Lageprüfung?
Parallelität Welche Anforderung beschreibt gleichbleibenden Abstand zu einem Bezug?
Diagonale Welche Strecke wird bei einem rechteckigen Rahmen von Ecke zu Ecke gemessen?
Fühlerlehre Welches Prüfmittel bestimmt kleine Spaltbreiten?
Prüfprotokoll Welches Dokument hält Sollwerte, Istwerte und Bewertungen fest?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Die geometrische Referenz einer Lageprüfung heißt

. Vor der Messung müssen die Auflage- und Messstellen von losem

befreit werden. Ein Werkstück soll für eine genaue Prüfung auf die vorgeschriebene

abkühlen. Die Rechtwinkligkeit eines Rahmens kann durch den Vergleich seiner

beurteilt werden. Kleine Wegänderungen werden häufig mit einer

erfasst. Ein kleiner Lichtspalt lässt sich mit einer

näher bestimmen. Mehrere Scharnieraugen sollen auf einer gemeinsamen

liegen. Der Unterschied zwischen größtem und kleinstem Anzeigewert heißt

. Ein Messwert darf nur mit der vorgegebenen

bewertet werden. Die Ergebnisse werden in einem

dokumentiert. Nach dem Richten oder Schweißen ist eine erneute

erforderlich.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Prüfmittel-Steckbrief: Erstelle für Anschlagwinkel, Messschieber, Messuhr und Fühlerlehre je einen kurzen Steckbrief mit Einsatzbereich, Messgrenze und typischem Anwendungsfehler.
  2. Fehlersuche am Messplatz: Fotografiere oder zeichne einen absichtlich falsch aufgebauten Messplatz und markiere mindestens fünf Fehler.
  3. Fachwort-Glossar: Erkläre Bezug, Soll-Lage, Ist-Lage, Toleranz, Fluchtung und Lageabweichung mit eigenen Worten.
  4. Rahmen prüfen: Miss an einem rechteckigen Übungsrahmen beide Diagonalen und dokumentiere Messpunkte, Werte und Differenz.


Standard

  1. Prüfplan für eine Lasche: Entwickle einen Prüfplan für eine geschmiedete Lasche mit Bohrung und Grundfläche. Lege Bezug, Prüfmittel, Prüfpunkte und Reihenfolge fest.
  2. Messuhrversuch: Prüfe die Parallelität zweier Flächen an einem Übungsstück, führe drei Wiederholungsmessungen durch und erkläre die Abweichungen.
  3. Scharnierachsen untersuchen: Baue ein Modell mit drei Scharnieraugen, prüfe die Fluchtung mit einem Dorn und entwickle eine geeignete Korrekturstrategie.
  4. Erklärvideo: Produziere ein kurzes Lernvideo, in dem Du eine Lageprüfung sicher und fachgerecht demonstrierst.


Schwer

  1. Prüfvorrichtung konstruieren: Entwirf eine wiederholgenaue Vorrichtung zum Prüfen geschmiedeter Serienteile. Begründe das Bezugssystem und die Spannpunkte.
  2. Messunsicherheit analysieren: Untersuche bei einer Messuhrprüfung mindestens fünf Einflussgrößen und bewerte, welche den größten Einfluss auf das Ergebnis haben.
  3. Fertigungsprozess optimieren: Entwickle für einen geschweißten Torrahmen Zwischenprüfungen, mit denen Verzug früh erkannt und Nacharbeit reduziert werden kann.
  4. Reklamationsfall bearbeiten: Ein Kunde meldet schwergängige Torbänder. Plane Fehleranalyse, Prüfungen, Dokumentation, Korrektur und abschließende Funktionskontrolle.




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Lernkontrolle

  1. Prüfstrategie begründen: Für einen zwei Meter langen Torrahmen stehen Bandmaß, Anschlagwinkel, Wasserwaage und Messuhr zur Verfügung. Entwickle eine sinnvolle Reihenfolge und begründe jedes Prüfmittel.
  2. Messfehler bewerten: Eine Baugruppe wird im eingespannten Zustand als maßhaltig gemessen, nach dem Lösen ist sie verzogen. Erkläre die Ursache und entwickle eine verbesserte Prüfmethode.
  3. Temperatur übertragen: Beurteile, wann die Wärmeausdehnung bei einem langen Schmiedeteil entscheidungsrelevant wird, und formuliere eine betriebliche Prüfvorgabe.
  4. Bezugssystem entwickeln: Lege für eine Grundplatte mit zwei aufgeschweißten Laschen ein geeignetes 3-2-1-Bezugssystem fest und beschreibe die verbleibenden Prüfmerkmale.
  5. Abweichung behandeln: Ein Bandauge liegt außerhalb der Positionstoleranz, lässt sich aber noch nachrichten. Entscheide, welche Prüfungen vor und nach der Korrektur erforderlich sind.
  6. Qualitätsdaten nutzen: Mehrere Prüfprotokolle zeigen wiederkehrenden Winkelverzug. Leite mögliche Prozessursachen und Maßnahmen zur Vorbeugung ab.




Lernnachweis

Für einen erfolgreichen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:

  1. eine technische Zeichnung und einen Prüfplan fachgerecht auswertest.
  2. Bezüge und funktionswichtige Merkmale eindeutig festlegst.
  3. ein geeignetes Prüfmittel begründet auswählst und seinen Zustand kontrollierst.
  4. ein Werkstück sicher, sauber und spannungsarm zum Prüfen vorbereitest.
  5. mindestens eine Lageabweichung wiederholbar misst.
  6. Messwerte mit vorgegebenen Toleranzen vergleichst.
  7. Messfehler und Temperatureinflüsse fachlich erklärst.
  8. ein vollständiges Prüfprotokoll erstellst.
  9. bei Abweichungen eine sichere und qualitätsgerechte Maßnahme vorschlägst.
  10. die Prüfung und ihre Grenzen in einem Fachgespräch erläutern kannst.




Einzelnachweise


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