BK6 - Zeitgenössische Kunst

BK6 - Zeitgenössische Kunst
BK6 - Zeitgenössische Kunst
Einleitung
Zeitgenössische Kunst bedeutet vereinfacht: Kunst unserer Gegenwart. Sie wird von Menschen geschaffen, die in unserer Zeit leben oder deren Werke für unsere heutige Welt besonders wichtig sind. Anders als bei einer einzelnen Stilrichtung gibt es nicht nur eine typische Form. Gegenwartskunst kann gemalt, fotografiert, gefilmt, gebaut, gedruckt, programmiert, aufgeführt oder gemeinsam mit einem Publikum entwickelt werden. Sie kann in einem Museum hängen, einen ganzen Raum verändern, auf einem Bildschirm erscheinen oder – mit Erlaubnis – im öffentlichen Raum entstehen.
Für diesen aiMOOC untersuchst Du besonders die Vielfalt heutiger Kunstformen: Malerei, Installation, Fotografie, Performance, Street Art, Videokunst, 3D-Druck, immersive und interaktive Kunst. Dabei geht es nicht nur um die Frage Was sehe ich?, sondern auch um Wo ist das Werk?, Welche Technik wird benutzt?, Welches Thema wird angesprochen? und Welche Rolle spielt das Publikum?
Zeitgenössische Kunst kann vertraut oder überraschend wirken. Manchmal erkennt man sofort Figuren, Farben und Gegenstände. Manchmal besteht das Werk aus Licht, Geräuschen, Bewegungen, Daten oder einer Handlung. Du musst ein Werk nicht sofort mögen. Wichtig ist, dass Du genau hinsiehst, beschreibst, Fragen stellst und Deine Deutung begründest.

Das Aquarell Codes von Bruce Black zeigt, dass auch klassische Malerei weiterhin Teil zeitgenössischer Kunst sein kann. Entscheidend ist nicht nur das Material, sondern auch, welche Idee, Stimmung oder Frage ein Werk heute vermittelt.
Lernziele für Klasse 6
Nach diesem aiMOOC kannst Du verschiedene Formen zeitgenössischer Kunst unterscheiden und Gemeinsamkeiten erkennen. Du kannst beschreiben, wie Künstlerinnen und Künstler aktuelle Themen, Räume, Technik und Publikum einbeziehen. Außerdem kannst Du eigene Gestaltungsideen entwickeln und sie passend zu einem G-, M- oder E-Niveau bearbeiten.
G – Grundniveau: Du erkennst Kunstformen, beschreibst sichtbare Merkmale und nennst einfache Wirkungen.
M – Mittleres Niveau: Du vergleichst Kunstformen, erklärst Zusammenhänge zwischen Material, Raum, Thema und Wirkung und begründest eigene Urteile.
E – Erweitertes Niveau: Du untersuchst künstlerische Entscheidungen genauer, entwickelst mehrere Deutungen, bewertest Chancen und Grenzen von Technik und Beteiligung und überträgst Erkenntnisse auf eigene Projekte.
Was macht zeitgenössische Kunst aus?
Der Begriff zeitgenössische Kunst bezeichnet keine einzige Technik und keinen festen Stil. Ein Gemälde kann genauso zeitgenössisch sein wie eine Videoprojektion oder eine begehbare Installation. Häufig reagieren Kunstschaffende auf die Welt, in der sie leben: auf Umwelt, Identität, Zusammenleben, Krieg und Frieden, Konsum, Medien, Digitalisierung, Stadtleben, Erinnerung oder Zukunftsvorstellungen.
Viele Werke verbinden mehrere Kunstformen. Eine Installation kann zum Beispiel aus bemalten Flächen, Fotografien, Tonaufnahmen, Licht und Projektionen bestehen. Eine Performance kann gefilmt werden und später als Video Teil einer Ausstellung sein. Ein 3D-gedrucktes Objekt kann mit Sensoren verbunden werden, sodass es auf Bewegungen des Publikums reagiert.
Ein guter Kunstblick arbeitet deshalb in vier Schritten: beschreiben – untersuchen – deuten – begründen. Erst beschreibst Du, was wirklich wahrnehmbar ist. Danach untersuchst Du Mittel wie Farbe, Form, Material, Licht, Klang, Bewegung und Raum. Dann entwickelst Du eine Deutung. Zum Schluss begründest Du sie mit Beobachtungen am Werk.
| Frage | Woran Du denken kannst |
|---|---|
| Was? | Form, Farbe, Material, Bildausschnitt, Gegenstände, Körper, Klang, Bewegung |
| Wo? | Wand, Boden, Museum, Schulhof, Stadtraum, Bildschirm, virtueller Raum |
| Wie? | gemalt, fotografiert, gebaut, gefilmt, programmiert, gedruckt, aufgeführt |
| Warum? | Aussage, Frage, Stimmung, Kritik, Erinnerung, Experiment |
| Mit wem? | still betrachtendes Publikum, mitmachende Besucherinnen und Besucher, Gruppe, Online-Publikum |
Kunstformen entdecken
Malerei: Alte Technik, heutige Ideen
Malerei ist keineswegs nur Kunst aus vergangenen Jahrhunderten. Zeitgenössische Malerinnen und Maler arbeiten mit Aquarell, Acryl, Öl, Lack, Kreide oder Mischtechniken. Manche malen gegenständlich, andere abstrakt. Wieder andere kombinieren Malerei mit Collage, Schrift, Fotografie oder digitalen Vorlagen.

Beim Betrachten eines aktuellen Gemäldes kannst Du fragen: Welche Farben bestimmen die Wirkung? Gibt es erkennbare Formen? Wirkt der Farbauftrag ruhig, wild, genau oder zufällig? Welche Gedanken löst das Bild bei Dir aus? Deine Antwort kann anders sein als die Deiner Mitschülerinnen und Mitschüler, solange Du sie mit Beobachtungen begründest.
G: Benenne drei Farben, zwei Formen und eine Wirkung.
M: Erkläre, wie Farbe und Form zusammen eine Stimmung erzeugen.
E: Entwickle zwei unterschiedliche Deutungen und zeige, welche Bildmerkmale jeweils dafür sprechen.
Fotografie: Wirklichkeit auswählen und gestalten
Eine Fotografie zeigt nicht einfach nur „die Wirklichkeit“. Schon vor dem Auslösen trifft die fotografierende Person Entscheidungen: Standort, Ausschnitt, Nähe, Perspektive, Licht und Zeitpunkt verändern die Bildwirkung. Auch Bewegungsunschärfe, Spiegelungen, Schatten oder ungewöhnliche Blickwinkel können bewusst eingesetzt werden.
Das Tate-Kids-Video zeigt eine Foto-Challenge mit ungewöhnlichen Blickwinkeln. Für Deine eigenen Fotoexperimente gilt: Fotografiere Personen nur mit ihrer Zustimmung und beachte die Regeln Deiner Schule.
G: Fotografiere einen Alltagsgegenstand aus drei verschiedenen Perspektiven.
M: Wähle die stärkste Aufnahme und begründe Deine Wahl mit Bildausschnitt, Perspektive und Wirkung.
E: Erstelle eine kleine Serie, in der ein gewöhnlicher Ort durch Perspektive und Licht fremd oder überraschend wirkt.
Installation: Wenn der Raum Teil des Werks wird
Eine Installation ist ein Kunstwerk, das einen Raum oder einen bestimmten Ort gestaltet. Dabei können sehr unterschiedliche Materialien zusammenkommen: Gegenstände, Stoffe, Papier, Licht, Projektionen, Geräusche, Pflanzen oder digitale Medien. Anders als bei einem einzelnen Bild ist wichtig, wie Du Dich im Raum bewegst und wie sich die Elemente zueinander verhalten.

Bei Installationen verändert sich Dein Blickpunkt, sobald Du einen Schritt gehst. Deshalb gehört der Raum selbst zur Gestaltung. Manche Werke sind sogar speziell für genau einen Ort entwickelt. Dann spricht man von ortsbezogener Kunst.
G: Beschreibe, welche Dinge im Raum angeordnet sind.
M: Erkläre, wie Wege, Größen und Abstände Deine Wahrnehmung lenken.
E: Untersuche, wie dieselbe Idee wirken würde, wenn die Installation an einen anderen Ort versetzt würde.
Performance: Eine Handlung wird Kunst
Bei einer Performance ist eine Handlung ein zentraler Teil des Kunstwerks. Der Körper, Zeit, Bewegung, Stimme, Wiederholung, Regeln oder die Beziehung zum Publikum können wichtige Gestaltungsmittel sein. Eine Performance ist nicht einfach dasselbe wie Theater. Sie muss keine erfundene Rolle oder klassische Handlung erzählen. Oft untersucht sie eine Idee durch eine Aktion.

Für die Schule gilt: Eine Performance darf niemanden gefährden, erschrecken, bloßstellen oder zu etwas zwingen. Gute Performance-Ideen lassen sich mit sicheren Bewegungen, Papier, Alltagsgegenständen, Stimme, Zeit oder Wiederholung gestalten.
G: Erfinde eine 20-sekündige Folge aus drei sicheren Bewegungen.
M: Gib der Folge eine Bedeutung, zum Beispiel „Warten“, „Zusammenhalt“ oder „Hektik“, und passe Tempo und Wiederholung daran an.
E: Plane, wie das Publikum durch Abstand, Blickrichtung oder eine freiwillige Entscheidung in die Performance einbezogen werden könnte.
Street Art im legalen Kontext: Kunst für öffentliche Räume
Street Art nutzt Bildzeichen, Muster, Schrift, Figuren oder große Wandbilder im öffentlichen oder halböffentlichen Raum. Ein Mural ist ein großformatiges Wandbild. Für den Kunstunterricht ist entscheidend: Gestalten an fremdem Eigentum braucht eine Erlaubnis. Ohne Zustimmung darfst Du keine Hauswand, Mauer, Haltestelle oder andere Fläche bemalen oder besprühen.

Legale Street-Art-Projekte können auf genehmigten Flächen, mobilen Holzplatten, Papierbahnen, Kartons oder temporären Ausstellungswänden entstehen. So lassen sich typische Wirkungen großer, öffentlicher Bilder untersuchen, ohne Eigentum zu beschädigen.
Street Art verändert oft die Beziehung zwischen Kunst und Publikum. Menschen begegnen ihr im Alltag, nicht erst nach dem Kauf einer Museumskarte. Dadurch wird der Ort besonders wichtig: Ein Motiv für einen Schulhof kann eine andere Botschaft brauchen als ein Motiv für eine Bibliothek oder ein Jugendzentrum.
G: Entwirf auf Papier ein deutliches Symbol für „Gemeinschaft“.
M: Entwickle ein Mural-Modell für eine genehmigte Schulfläche und erkläre, warum Motiv und Farben zu diesem Ort passen.
E: Vergleiche, wie sich die Wirkung Deiner Idee verändert, wenn sie im Museum, auf dem Schulhof oder online gezeigt wird.
Videokunst: Bewegte Bilder als künstlerisches Material
Videokunst nutzt bewegte Bilder als Kunst. Ein Video muss dabei nicht wie ein Spielfilm funktionieren. Künstlerinnen und Künstler können mit Wiederholungen, langen Einstellungen, mehreren Bildschirmen, Projektionen, ungewöhnlichem Ton oder bewusst fehlender Handlung arbeiten.

Eine Videoinstallation verbindet Video und Raum. Vielleicht laufen auf drei Bildschirmen unterschiedliche Aufnahmen. Vielleicht wird ein Bild auf eine Wand, ein Objekt oder sogar auf Nebel projiziert. Dann beeinflussen Bildschirmgröße, Licht, Ton und Standort, wie das Werk erlebt wird.
G: Unterscheide Standbild und bewegtes Bild und nenne zwei Unterschiede.
M: Erkläre, wie Ton oder Wiederholung die Wirkung eines Videos verändern können.
E: Plane eine 30-sekündige Videokunst-Idee, die ohne Dialog eine Stimmung oder ein Thema vermittelt.
3D und 3D-Druck: Vom digitalen Modell zum Objekt
3D-Druck kann digitale Entwürfe als körperliche Objekte herstellen. Bei vielen 3D-Druckverfahren entsteht eine Form Schicht für Schicht. Für Kunstschaffende ist daran spannend, dass sich Modelle am Computer verändern, vervielfältigen und mit Formen herstellen lassen, die von Hand schwierig wären.

Nicht jedes 3D-gedruckte Objekt ist automatisch Kunst. Entscheidend ist die künstlerische Idee und wie Form, Material, Herstellung, Kontext und Aussage zusammenwirken. Ein 3D-Druck kann eine Skulptur sein, Teil einer Installation werden oder mit Licht, Bewegung und Sensoren kombiniert werden.
G: Skizziere eine einfache dreidimensionale Form aus Vorder-, Seiten- und Draufsicht.
M: Verändere die Form so, dass sie ein Thema wie „Wachsen“ oder „Balance“ ausdrückt.
E: Begründe, ob Deine Idee besser als handgebaute Plastik, digitales Modell oder 3D-Druck funktionieren würde.
Immersive Kunst: In eine gestaltete Umgebung eintauchen
Immersiv bedeutet, dass eine Umgebung Dich so stark umgibt, dass Du Dich in sie hineingezogen fühlst. Immersive Kunst kann große Projektionen, Licht, Klang, Spiegel, Nebel, räumliche Bilder oder Virtual Reality einsetzen. Nicht jede immersive Ausstellung ist automatisch interaktiv: Du kannst vollkommen von Bildern umgeben sein, ohne das Werk selbst zu verändern.


Bei immersiver Kunst wird der eigene Körper im Raum wichtig. Du schaust nicht nur auf ein rechteckiges Bild, sondern bewegst Dich durch eine gestaltete Situation. Dadurch werden Maßstab, Licht, Klang und Orientierung zu künstlerischen Mitteln.
G: Nenne Sinneseindrücke, die eine immersive Umgebung erzeugen kann.
M: Erkläre den Unterschied zwischen „groß anschauen“ und „eintauchen“.
E: Beurteile, ob starke technische Effekte eine künstlerische Idee unterstützen oder auch überdecken können.
Interaktive Kunst: Das Publikum verändert etwas
Bei interaktiver Kunst reagiert das Werk auf Handlungen des Publikums oder lädt zu Entscheidungen ein. Das kann sehr einfach sein, etwa durch das Umstellen von Teilen, oder technisch komplex, zum Beispiel mit Sensoren, Kameras, Bewegungserkennung oder Software.


Bei der interaktiven Installation 10'000 Moving Cities können Besucherinnen und Besucher über eine digitale Schnittstelle Städte auswählen und dadurch die dargestellte Umgebung beeinflussen. Das Beispiel zeigt: Das Publikum kann vom Beobachter zum Mitgestalter werden.
G: Erkläre mit eigenen Worten, was „interaktiv“ bedeutet.
M: Beschreibe den Unterschied zwischen einer Installation, die Du nur ansiehst, und einer Installation, die auf Dich reagiert.
E: Untersuche, wie viel Kontrolle eine Künstlerin oder ein Künstler abgibt, wenn das Publikum den Verlauf eines Werks mitbestimmt.
Aktuelle Themen in heutiger Kunst
Zeitgenössische Kunst beschäftigt sich häufig mit Fragen, die Menschen heute betreffen. Dabei gibt es keine Pflichtliste. Ein Werk kann persönlich, politisch, humorvoll, poetisch oder experimentell sein. Wichtig ist, dass Du zwischen Beobachtung und Deutung unterscheidest: Ein roter Gegenstand ist zunächst eine Beobachtung. „Rot steht hier für Gefahr“ ist bereits eine Deutung, die begründet werden muss.
| Aktuelles Thema | Mögliche künstlerische Frage | Mögliche Medien |
|---|---|---|
| Umwelt und Klima | Wie verändert der Mensch seine Umgebung? | Installation, Fotografie, Fundstücke, Video |
| Identität | Was macht Menschen einzigartig oder verbunden? | Porträt, Performance, Video, Malerei |
| Stadt und öffentlicher Raum | Wem gehört ein Ort und wer gestaltet ihn? | legale Street Art, Fotografie, Installation |
| Digitalisierung | Wie verändern Geräte, Daten und Netzwerke unseren Alltag? | interaktive Kunst, Video, 3D, digitale Kunst |
| Erinnerung | Wie können persönliche oder gemeinsame Erinnerungen sichtbar werden? | Fotografie, Objekt, Klang, Installation |
| Zukunft | Wie könnte unser Leben später aussehen? | 3D-Modell, digitale Kunst, immersive Kunst |
Raum, Technologie und Publikum
Raum als Gestaltungsmittel
Ein Kunstwerk wirkt nicht überall gleich. Ein kleines Objekt in einem leeren Raum kann sehr aufmerksam machen. Dasselbe Objekt kann in einem vollen Klassenzimmer fast verschwinden. Licht, Wandfarbe, Geräusch, Höhe und Entfernung beeinflussen die Wahrnehmung. Bei Installationen, Street Art und immersiver Kunst ist der Ort besonders eng mit dem Werk verbunden.
Merksatz: Der Raum ist nicht nur Hintergrund. Er kann selbst Teil der künstlerischen Aussage werden.
Technologie als Werkzeug und Thema
Künstlerinnen und Künstler verwenden Technik, wenn sie zu ihrer Idee passt. Kamera, Projektor, 3D-Drucker, Sensor, Computer, Smartphone, VR-Brille oder Software sind Werkzeuge. Gleichzeitig kann Technik selbst zum Thema werden: Wer steuert wen? Welche Daten werden gesammelt? Was ist echt, digital oder gemischt? Wie verändert ein Bildschirm unsere Aufmerksamkeit?
Technik macht ein Werk nicht automatisch besser. Eine einfache Papierinstallation kann eine starke Idee haben, während eine aufwendige Projektion ohne klare Gestaltung langweilig wirken kann. Für eine gute Analyse fragst Du deshalb immer: Warum wurde genau dieses Medium gewählt?
Publikum: Schauen, bewegen, handeln, mitgestalten
In einem traditionellen Museum wird das Publikum oft gebeten, Abstand zu halten und Werke nicht zu berühren. In interaktiver oder partizipativer Kunst kann das Gegenteil gelten: Das Werk funktioniert vielleicht erst, wenn jemand handelt. Trotzdem gelten immer die Regeln der Ausstellung und die Grenzen anderer Menschen.
Man kann verschiedene Rollen unterscheiden: betrachten, sich im Raum bewegen, zuhören, entscheiden, etwas verändern, gemeinsam handeln oder Inhalte hinzufügen. Je stärker das Publikum eingreift, desto offener kann das Ergebnis werden.
Kunst untersuchen: Ein Werkzeugkasten für Dich
Nutze für eine Werkbetrachtung die Methode WAHRNEHMEN – FRAGEN – DEUTEN – BELEGEN.
- Wahrnehmen: Sage möglichst genau, was Du sehen, hören oder räumlich erfahren kannst.
- Fragen: Notiere, was Dich wundert. Warum dieses Material? Warum dieser Ort? Warum diese Größe?
- Deuten: Formuliere eine mögliche Bedeutung oder Wirkung.
- Belegen: Zeige am Werk, welche Beobachtung Deine Deutung unterstützt.
G: Nutze zu jedem Schritt einen Satz.
M: Nutze passende Fachbegriffe wie Perspektive, Kontrast, Material, Raumwirkung, Projektion oder Interaktion.
E: Formuliere zwei mögliche Deutungen und vergleiche, welche besser durch Beobachtungen gestützt wird.
Kunst und Regeln: Respekt, Recht und Verantwortung
Künstlerisches Arbeiten braucht Freiheit, aber auch Verantwortung. Für Klasse 6 sind vier Regeln besonders wichtig: Fremdes Eigentum wird nur mit ausdrücklicher Erlaubnis gestaltet. Menschen werden nur mit Zustimmung fotografiert oder gefilmt. Sicherheitsregeln gelten auch in Performances und Installationen. Digitale Bilder, Musik und Videos dürfen nicht beliebig kopiert werden; achte auf Urheberrecht und offene Lizenzen.
Bei legaler Street Art kann eine Schule zum Beispiel eine mobile Malwand, eine genehmigte Fläche oder große Papierbahnen bereitstellen. So lässt sich die Wirkung öffentlicher Kunst erproben, ohne unerlaubt in fremdes Eigentum einzugreifen.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was beschreibt zeitgenössische Kunst am besten? (Kunst der Gegenwart in vielen unterschiedlichen Formen) (!Nur abstrakte Malerei) (!Nur Kunst aus Museen) (!Nur digitale Bilder)
Wann wird bei einer Installation der Raum besonders wichtig? (Wenn Anordnung und Umgebung Teil des Kunstwerks sind) (!Wenn nur der Bilderrahmen betrachtet wird) (!Wenn das Werk ausschließlich in einem Heft steht) (!Wenn nur die Unterschrift der Künstlerin zählt)
Was ist für eine Performance typisch? (Eine Handlung ist ein wichtiger Teil des Kunstwerks) (!Sie besteht immer aus einem Ölgemälde) (!Sie muss immer eine Theaterrolle erzählen) (!Sie darf kein Publikum haben)
Was gilt für Street Art im schulischen legalen Kontext? (Fremde Flächen dürfen nur mit Erlaubnis gestaltet werden) (!Jede freie Wand darf ohne Nachfrage besprüht werden) (!Nur nachts ist Bemalen erlaubt) (!Öffentliche Flächen gehören automatisch allen)
Welche Entscheidung gehört zur künstlerischen Fotografie? (Die Wahl von Perspektive und Bildausschnitt) (!Die Kamera immer genau auf Augenhöhe zu halten) (!Jedes Foto sofort zu veröffentlichen) (!Nur bei Sonnenlicht zu fotografieren)
Was ist eine Videoinstallation? (Ein Kunstwerk, das Video mit einem räumlichen Aufbau verbindet) (!Ein gedrucktes Daumenkino ohne Raumbezug) (!Ein gewöhnlicher Stundenplan auf einem Bildschirm) (!Ein Bilderrahmen ohne bewegte Bilder)
Wie entsteht ein Objekt bei vielen 3D-Druckverfahren? (Schicht für Schicht) (!Nur durch Falten von Papier) (!Durch Fotografieren einer Wand) (!Ausschließlich durch Malen mit Pinseln)
Was bedeutet immersiv bei Kunst? (Man fühlt sich von einer gestalteten Umgebung stark umgeben) (!Das Werk darf nur schwarzweiß sein) (!Das Werk muss sehr klein sein) (!Das Publikum darf den Raum nicht betreten)
Wann ist ein Kunstwerk interaktiv? (Wenn Handlungen des Publikums das Werk oder seinen Ablauf beeinflussen) (!Wenn niemand auf das Werk reagieren kann) (!Wenn es nur aus einem leeren Rahmen besteht) (!Wenn es ausschließlich einen festen Titel hat)
Was gehört zu einer begründeten Kunstdeutung? (Beobachtungen am Werk als Belege verwenden) (!Nur sagen ob etwas schön oder hässlich ist) (!Die Meinung anderer ohne Prüfung übernehmen) (!Das Werk möglichst kurz ansehen)
Memory
| Malerei | Farbe auf einem Bildträger |
| Installation | Raum wird gestaltet |
| Fotografie | Kamera als Gestaltungsmittel |
| Performance | Handlung als Kunstform |
| Videokunst | Bewegte Bilder als Medium |
| Dreidimensionalität | Körperliche Form mit Tiefe |
| Immersion | Gefühl des Eintauchens |
| Interaktion | Publikum beeinflusst das Werk |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Malerei | Farbe, Fläche und Pinselspuren |
| Fotografie | Perspektive, Ausschnitt und Licht |
| Installation | Gegenstände und Medien in einem gestalteten Raum |
| Performance | Körper, Handlung und Zeit |
| Videokunst | Bewegtes Bild als künstlerisches Medium |
| 3D-Druck | Digitales Modell wird zum körperlichen Objekt |
| Immersion | Eintauchen in eine umfassende Umgebung |
| Interaktion | Reaktion des Werks auf das Publikum |
...
Kreuzworträtsel
| Malerei | Welche Kunstform arbeitet häufig mit Farbe auf einer Fläche? |
| Installation | Welche Kunstform gestaltet Gegenstände und Medien in einem Raum? |
| Fotografie | Welche Kunstform nutzt eine Kamera als wichtiges Werkzeug? |
| Performance | Welche Kunstform macht eine Handlung zum zentralen Bestandteil? |
| Immersion | Wie heißt das Gefühl des Eintauchens in eine gestaltete Umgebung? |
| Interaktion | Wie heißt das wechselseitige Reagieren zwischen Werk und Publikum? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht – G
- Farbwirkung: Gestalte auf einem Blatt drei kleine Farbfelder, die jeweils eine andere Stimmung zeigen. Schreibe zu jedem Feld einen Satz, wie die Farben wirken.
- Fotografie: Fotografiere einen erlaubten Alltagsgegenstand aus drei Blickwinkeln. Wähle eine Aufnahme aus und erkläre, warum sie interessant wirkt.
- Mini-Installation: Baue aus Papier, Karton und zwei Alltagsgegenständen eine kleine Installation auf Deinem Tisch. Fotografiere sie aus zwei Blickrichtungen.
- Legaler Street-Art-Entwurf: Entwirf auf Papier ein großes Zeichen für einen Schulwert wie Respekt, Mut oder Zusammenhalt. Stelle Dir vor, es würde später nur auf einer ausdrücklich genehmigten Fläche umgesetzt.
Standard – M
- Videokunst: Produziere ein 20- bis 30-sekündiges Video ohne gesprochenen Text zum Thema „Warten“, „Tempo“ oder „Ruhe“. Nutze bewusst Wiederholung, Kamerawinkel oder Ton.
- Performance-Idee: Entwickle in einer Kleingruppe eine sichere einminütige Performance zu „Gemeinsam und allein“. Legt Bewegungen, Abstände und Wiederholungen fest.
- Rauminstallation: Plane für eine Ecke des Klassenraums eine Installation zum Thema „Unsere Zukunft“. Zeichne eine Draufsicht und begründe die Platzierung von mindestens vier Elementen.
- Kunstbetrachtung: Wähle ein Medienbeispiel aus diesem aiMOOC und untersuche es mit den vier Schritten Wahrnehmen, Fragen, Deuten und Belegen.
Schwer – E
- Interaktive Kunst: Entwickle ein Modell für ein Kunstwerk, das sich durch eine freiwillige Handlung des Publikums verändert. Erkläre Eingabe, Reaktion und Aussage.
- Immersive Kunst: Entwirf einen kleinen immersiven Raum zum Thema „Unter Wasser“, „Stadt der Zukunft“ oder „Wald bei Nacht“. Plane Licht, Klang, Wege und Oberflächen so, dass sie eine gemeinsame Wirkung erzeugen.
- 3D-Konzept: Entwickle eine Skizze für ein dreidimensionales Kunstobjekt zum Thema „Balance“. Entscheide, ob es gebaut, modelliert oder 3D-gedruckt werden sollte, und begründe Deine Wahl.
- Mini-Ausstellung kuratieren: Stelle eine Ausstellung mit fünf unterschiedlichen Kunstformen zusammen. Entscheide über Reihenfolge, Räume, Beteiligung des Publikums und ein gemeinsames aktuelles Thema. Begründe jede Entscheidung.


Lernkontrolle
- Kunstvergleich: Vergleiche eine Malerei und eine Installation. Erkläre nicht nur Unterschiede im Material, sondern auch, wie sich die Rolle des Raumes und des Publikums verändert.
- Medienwahl: Du möchtest das Thema „Plastikmüll im Meer“ künstlerisch bearbeiten. Entscheide Dich für zwei Kunstformen aus diesem aiMOOC und erkläre, welche unterschiedlichen Wirkungen sie ermöglichen.
- Ortswechsel: Stell Dir vor, eine interaktive Installation aus einem Museum wird auf einen Schulhof versetzt. Beschreibe drei Veränderungen, die für Sicherheit, Wetter, Publikum oder Technik nötig wären.
- Technik und Idee: Ein Werk benutzt Projektionen, Sensoren und 3D-Druck. Begründe, warum viel Technik noch keine gute Kunst garantiert, und nenne Kriterien für eine überzeugende Gestaltung.
- Publikumsrolle: Vergleiche ein Werk, das nur betrachtet wird, mit einem interaktiven Werk. Erkläre, wie Verantwortung, Überraschung und Kontrolle zwischen Kunstschaffenden und Publikum verteilt sein können.
- Legale Street Art: Eine Klasse möchte ein großes Wandbild gestalten. Entwickle einen verantwortungsvollen Ablauf von der Idee bis zur Präsentation, bei dem Genehmigung, Entwurf, Materialwahl und Schutz fremden Eigentums berücksichtigt werden.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Begriffe auswendig kennst, sondern Kunstformen anwenden und begründet untersuchen kannst.
- Du kannst mindestens sechs Formen zeitgenössischer Kunst sicher unterscheiden.
- Du kannst beschreiben, wie Farbe, Form, Material, Raum, Licht, Klang, Bewegung und Technik wirken.
- Du kannst erklären, warum aktuelle Themen in sehr unterschiedlichen Medien bearbeitet werden können.
- Du kannst zwischen Installation, immersiver Kunst und interaktiver Kunst unterscheiden.
- Du kannst die Rolle des Publikums in unterschiedlichen Werken vergleichen.
- Du kannst bei Street Art zwischen künstlerischer Gestaltung und der notwendigen Erlaubnis für fremde Flächen unterscheiden.
- Du kannst eine Deutung mit konkreten Beobachtungen belegen.
- Du kannst für eine eigene Idee ein geeignetes Medium auswählen und diese Wahl begründen.
- Du kannst bei Foto-, Video- und Digitalprojekten Persönlichkeitsrechte, Sicherheit und Urheberrecht beachten.
- Du kannst Deinen Arbeitsprozess dokumentieren und Entscheidungen zu Idee, Material, Raum und Wirkung reflektieren.
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