BK6 - Licht und Schatten inszenieren

BK6 - Licht und Schatten inszenieren
BK6 - Licht und Schatten inszenieren
Einleitung
Licht macht Dinge sichtbar – und gleichzeitig erzeugt es Schatten. Genau in diesem Zusammenspiel steckt ein starkes künstlerisches Mittel: Ein alltäglicher Gegenstand kann durch Beleuchtung plötzlich riesig wirken, ein Körper kann zu einer geheimnisvollen Silhouette werden und ein kleiner Projektor kann eine ganze Wand in einen neuen Bildraum verwandeln. In diesem aiMOOC untersuchst Du Licht nicht nur als Beleuchtung, sondern als Material der Kunst.
Du arbeitest wie eine Lichtkünstlerin oder ein Lichtkünstler: Du beobachtest, experimentierst, veränderst Abstände, baust Objekte, bewegst Deinen Körper, fotografierst Ergebnisse und entwickelst schließlich eine räumliche Inszenierung aus Licht, Körper, Objekt und Schatten.
Die Lernaufgaben richten sich an die Klasse 6 und sind in drei Niveaustufen differenziert:
| Niveau | Bedeutung | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| G | grundlegendes Niveau | Beobachten, erproben, einfache Wirkungen gezielt herstellen |
| M | mittleres Niveau | mehrere Gestaltungsmittel kombinieren und ihre Wirkung begründen |
| E | erweitertes Niveau | eigenständig planen, komplex inszenieren, Wirkung reflektieren und weiterentwickeln |
Am Ende entsteht keine flache Zeichnung, sondern ein Raumkunstwerk auf Zeit: Deine Gruppe gestaltet eine kurze Licht-Schatten-Szene, in der sich mindestens ein Körper, ein Objekt, eine Lichtquelle und eine Projektionsfläche gegenseitig beeinflussen.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du erklären, wie Schatten entstehen, wie sich Größe und Schärfe eines Schattens verändern und wie Künstlerinnen und Künstler Licht als Gestaltungsmittel einsetzen. Du kannst zwischen Lichtquelle, Kernschatten, Halbschatten, Silhouette, Reflexion, Transparenz und Projektion unterscheiden. Du kannst mit einfachen Materialien eine räumliche Licht-Schatten-Installation planen, durchführen, dokumentieren und überarbeiten.
| Kompetenzbereich | Du kannst ... |
|---|---|
| Wahrnehmen | Lichtwirkungen, Schattenformen, Helligkeitsunterschiede und Raumwirkungen genau beobachten. |
| Gestalten | Licht, Körper, Objekt, Farbe, Bewegung und Projektionsfläche bewusst kombinieren. |
| Experimentieren | Abstände, Blickwinkel, Materialien und Lichtquellen systematisch verändern. |
| Reflektieren | beschreiben, welche Wirkung Deine Inszenierung erzeugt und wodurch diese Wirkung entsteht. |
| Präsentieren | eine kurze räumliche Licht-Schatten-Szene zeigen und gestalterische Entscheidungen erklären. |
Licht und Schatten verstehen
Wie entsteht ein Schatten?
Licht breitet sich von einer Lichtquelle aus. Trifft das Licht auf einen lichtundurchlässigen Gegenstand, kann es nicht einfach durch ihn hindurch. Hinter dem Gegenstand entsteht ein Bereich, den das direkte Licht nicht erreicht: der Schatten.

Ein Schatten zeigt also nicht den Gegenstand selbst, sondern die Wirkung des blockierten Lichts. Deshalb kann ein Schatten ganz anders aussehen als das Objekt, das ihn erzeugt. Schon eine kleine Drehung verändert den Umriss.
Ein einfaches Experiment zeigt das sofort: Halte Deine Hand zwischen eine Taschenlampe und eine weiße Wand. Drehe die Hand. Bewege sie näher zur Lampe und danach näher zur Wand. Beobachte, wie sich der Schatten verändert.
Kernschatten und Halbschatten
Eine sehr kleine oder weit entfernte Lichtquelle kann einen relativ scharf begrenzten Schatten erzeugen. Bei einer größeren Lichtquelle treffen Lichtstrahlen aus verschiedenen Richtungen auf das Objekt. Dadurch entstehen unterschiedlich stark verdunkelte Bereiche.
- Kernschatten: Bereich, in den kein direktes Licht der Lichtquelle gelangt.
- Halbschatten: Bereich, in den nur ein Teil des Lichts gelangt.
Für Deine Kunst ist der Halbschatten besonders interessant, weil Schatten dadurch weich, räumlich und manchmal fast nebelartig wirken können.
Abstand verändert die Wirkung
Wenn ein Objekt sehr nah an einer kleinen Lichtquelle steht und die Wand weiter entfernt ist, kann sein Schatten stark vergrößert erscheinen. Rückt das Objekt näher an die Wand, ähnelt die Schattenform meist stärker der tatsächlichen Größe des Objekts. Auch die Kantenschärfe kann sich verändern.
Merksatz: Nicht nur das Objekt bestimmt den Schatten. Entscheidend ist das Dreieck aus Lichtquelle – Objekt – Projektionsfläche.

Das Glas im Projektorlicht zeigt eine weitere Möglichkeit: Durchsichtige und gekrümmte Materialien blockieren Licht nicht nur, sondern können es brechen, bündeln oder umlenken. So entstehen Lichtmuster, Reflexe und Verzerrungen.
Materialien reagieren unterschiedlich auf Licht
| Materialeigenschaft | Wirkung | Beispiel für Deine Inszenierung |
|---|---|---|
| opak | Licht wird weitgehend blockiert. | Karton, Holz, Körper |
| transluzent | Licht dringt teilweise hindurch und wird gestreut. | Butterbrotpapier, dünnes Gewebe, milchige Folie |
| transparent | Licht kann weitgehend hindurchtreten. | klare Folie, Glas, transparente Kunststoffteile |
| reflektierend | Licht wird zurückgeworfen. | Spiegel, Rettungsdecke, Metallfolie |
| strukturiert | Licht wird durch Löcher, Muster oder Oberflächen verändert. | Lochkarton, Gitter, Spitze, perforierte Verpackung |
Für die Gestaltung bedeutet das: Du kannst nicht nur mit dunklen Schatten arbeiten. Du kannst auch Lichtpunkte, Spiegelungen, Farbflächen und halbtransparente Schichten erzeugen.
Der Körper als Schattenform
Der menschliche Körper ist ein besonders vielseitiges Gestaltungsmittel. Arme, Hände, Haare, Kleidung und Bewegungen verändern die Silhouette ständig. Ein Körper kann im Licht real sichtbar sein und gleichzeitig als Schatten eine zweite, vergrößerte Figur bilden.
Eine Silhouette ist eine stark vereinfachte dunkle Umrissform. Sie zeigt wenig Oberflächendetails, macht aber Haltung und Bewegung besonders deutlich.
Probiere drei Körperhaltungen aus:
- eine sehr geschlossene Form
- eine weit ausgreifende Form
- eine verdrehte oder ungewöhnliche Form
Beobachte nicht nur Deinen Körper, sondern vor allem den Schatten als eigenständiges Bild.
Hand- und Körperschatten
Hände eignen sich gut für schnelle Verwandlungen. Aus Fingern können Schnäbel, Ohren, Beine oder Fantasieformen werden. Noch spannender wird es, wenn mehrere Personen ihre Schatten überlagern.

Das Video des Smithsonian National Air and Space Museum zeigt, wie einfach sich mit Licht und ausgeschnittenen Formen ein Schattenspiel entwickeln lässt. Für Deine eigene Arbeit kannst Du daraus die Idee übernehmen, dass Bewegung, Abstand und Form wichtiger sein können als aufwendiges Material.
Schattenkunst und Schattentheater
Schattentheater besitzt in verschiedenen Kulturen eine lange Geschichte. Eine besonders bekannte und bis heute lebendige Tradition ist das indonesische Wayang Kulit. Dabei werden kunstvoll gestaltete Figuren zwischen Lichtquelle und Leinwand bewegt.


Beim Betrachten ist wichtig: Solche kulturellen Formen sind nicht einfach Dekoration oder ein Bastelstil. Sie gehören zu bestimmten Erzähl-, Musik- und Aufführungstraditionen. In Deinem Projekt kannst Du das Prinzip des Schattenspiels untersuchen, ohne konkrete kulturelle Figuren gedankenlos zu kopieren.
Auch großformatige Schattenspiele zeigen, wie stark die Beziehung zwischen realem Körper und projiziertem Bild sein kann.

Frage Dich beim Betrachten:
- Was ist realer Körper und was ist Schatten?
- Welche Form wirkt größer oder mächtiger?
- Wo befindet sich vermutlich die Lichtquelle?
- Wie verändert die Bewegung die Bildwirkung?
Licht als Material der Kunst
Licht kann in der Kunst selbst zum Werkstoff werden. Dann ist nicht unbedingt ein gemaltes Bild das Kunstwerk, sondern eine Situation im Raum. Licht fällt auf Flächen, wird reflektiert, bewegt sich, verändert Farben oder bindet die Betrachtenden in das Kunstwerk ein.
Bei einer Lichtinstallation wird der Raum mitgestaltet. Wände, Boden, Decke, Gegenstände und Menschen können Teil des Kunstwerks werden.
László Moholy-Nagy: Licht in Bewegung
Der Bauhaus-Künstler László Moholy-Nagy entwickelte um 1930 den Light-Space Modulator, auch Light Prop for an Electric Stage genannt. Die bewegliche Konstruktion aus unterschiedlichen Materialien erzeugt zusammen mit Licht ständig wechselnde Reflexionen, Helligkeiten und Schatten. Das Werk gilt als ein frühes wichtiges Beispiel kinetischer Lichtkunst.

Das Entscheidende für Dein Projekt ist nicht, eine solche Maschine nachzubauen. Interessant ist die Idee dahinter: Ein Objekt kann so gestaltet werden, dass erst sein Licht- und Schattenspiel das eigentliche Bild erzeugt.
Olafur Eliasson: Licht wird zum Erlebnis
In vielen zeitgenössischen Installationen wird Licht so eingesetzt, dass Besucherinnen und Besucher den Raum nicht nur anschauen, sondern körperlich erleben. Bei Arbeiten von Olafur Eliasson spielen unter anderem Licht, Farbe, Spiegelung, Nebel, Bewegung und die Wahrnehmung des eigenen Körpers eine wichtige Rolle.
Beobachte im Video, wie Menschen selbst Teil der Installation werden. Ihre Position verändert, was sie sehen und welche Schatten oder Farberscheinungen entstehen.
Für Klasse 6 ist daraus eine wichtige Idee ableitbar: Ein Kunstwerk muss nicht nur vor Dir sein. Es kann um Dich herum entstehen.
Fotografie mit Licht und Schatten
Fotografie bedeutet wörtlich sinngemäß „mit Licht zeichnen“. Jede Fotografie hängt davon ab, wie Licht auf eine lichtempfindliche oder digitale Aufnahmefläche trifft.
Schatten fotografieren
Ein Schattenfoto kann interessanter sein als ein Foto des Gegenstands selbst. Suche dafür:
- eine ungewöhnliche Perspektive
- einen deutlichen Hell-Dunkel-Kontrast
- eine überraschende Schattenform
Du kannst einen Schatten so fotografieren, dass man das ursprüngliche Objekt kaum noch erkennt. Dadurch entsteht ein Bilderrätsel.
G: Fotografiere drei deutlich erkennbare Schattenformen.
M: Fotografiere eine Serie, in der sich derselbe Schatten durch Abstand oder Blickwinkel verändert.
E: Entwickle eine fotografische Erzählung aus mindestens fünf Bildern, in der der Schatten wie eine eigene Figur handelt.
Fotogramm
Ein Fotogramm entsteht ohne Kamera: Gegenstände werden auf oder nahe an eine lichtempfindliche Fläche gelegt und belichtet. Wo Licht blockiert wird, entstehen helle oder dunkle Formen – abhängig vom verwendeten Verfahren.
Im Kunstunterricht kann das Prinzip auch ohne Fotolabor untersucht werden, zum Beispiel mit lichtempfindlichem Papier, wenn solches Material vorhanden ist, oder als digitales Experiment mit Gegenständen auf einer Leuchtfläche und anschließender Fotografie.
Das Fotogramm-Prinzip zeigt besonders gut, dass Abstand zur Bildfläche die Schärfe einer Form beeinflusst.
Camera obscura: Raum wird zum Bild
Die Camera obscura ist ein dunkler Raum oder Kasten mit einer kleinen Öffnung. Lichtstrahlen von außen gelangen durch die Öffnung und erzeugen auf der gegenüberliegenden Fläche ein auf dem Kopf stehendes Bild.

Für diesen aiMOOC ist daran besonders spannend: Schon lange vor digitalen Projektoren wurde mit Licht gearbeitet, um Bilder in Räume zu projizieren.
Projektor und Projektion
Ein Projektor sendet ein Lichtbild auf eine Fläche. Diese Fläche muss nicht flach sein. Ein Bild kann auf Kartons, Stoffe, Körper, Gegenstände oder ganze Architektur treffen. Dadurch wird das projizierte Bild verzerrt, gebrochen oder räumlich.
Projektion auf Körper und Objekt
Stelle einen Karton vor eine Projektion. Was passiert mit dem Bild? Ein Teil erscheint auf dem Karton, ein Teil auf der Wand. Bewegt sich der Karton, zerfällt das Bild und setzt sich neu zusammen.
Genau darin liegt die künstlerische Chance: Du kannst mit einer Projektion mehrere Raumebenen verbinden.

Bei Video- und Projektionsinstallationen können reale Objekte und bewegte Bilder miteinander verschmelzen. Für Deine Arbeit reicht schon eine selbst erstellte Präsentationsfolie mit großen Formen, Linien oder Farbflächen.
Projection Mapping
Beim Projection Mapping wird eine Projektion gezielt an die Form einer Oberfläche angepasst. Dadurch kann eine Fassade, ein Objekt oder ein Bühnenaufbau scheinbar seine Gestalt verändern.
Für Klasse 6 genügt eine einfache Variante: Zeichne auf einem Karton klare Flächen und richte eine digitale Projektion so aus, dass Farben oder Muster genau auf diese Flächen treffen.
G: Projiziere eine selbst gestaltete Farbfläche auf eine weiße Fläche.
M: Passe zwei bis drei projizierte Formen an verschiedene Kartonflächen an.
E: Verbinde Projektion, reales Objekt und Körperschatten zu einer kurzen räumlichen Veränderung.
Licht speichern, Licht nachleuchten lassen
Manche Materialien leuchten nach, nachdem sie zuvor stark beleuchtet wurden. Eine solche Fläche kann sichtbar machen, wo Licht vorher blockiert wurde.
Das Bild aus dem NEMO Science Museum zeigt eine sogenannte Schattenwand mit nachleuchtendem Material. Dort bleibt die Erinnerung an die Beleuchtung für kurze Zeit sichtbar. Künstlerisch interessant ist die Idee: Ein Schatten kann eine Spur hinterlassen, obwohl der Körper schon verschwunden ist.
Überlege: Wie könntest Du in Deiner Inszenierung mit „Spuren“ arbeiten, ohne ein solches Spezialmaterial zu besitzen? Möglich wären zum Beispiel mehrere Fotos derselben Szene, eingefrorene Körperhaltungen oder eine Projektion mit zeitlich versetzten Bildern.
Gestaltungsmittel für Deine Inszenierung
Eine gute Licht-Schatten-Arbeit entsteht nicht durch möglichst viele Effekte, sondern durch eine bewusste Auswahl.
| Gestaltungsmittel | Leitfrage | Mögliche Wirkung |
|---|---|---|
| Helligkeit | Ist das Licht grell, schwach oder wechselnd? | dramatisch, ruhig, geheimnisvoll |
| Richtung | Kommt das Licht von vorne, hinten, unten oder seitlich? | unheimlich, flach, plastisch, überraschend |
| Abstand | Wie weit sind Lichtquelle, Objekt und Wand voneinander entfernt? | Vergrößerung, Verkleinerung, Schärfe, Unschärfe |
| Farbe | Wird weißes oder farbiges Licht verwendet? | Stimmung, Kontrast, Verfremdung |
| Bewegung | Bewegt sich Licht, Objekt, Körper oder Projektion? | Rhythmus, Spannung, Veränderung |
| Überlagerung | Treffen mehrere Schatten oder Bilder aufeinander? | Verdichtung, Mehrdeutigkeit, Chaos |
| Material | Ist etwas durchsichtig, spiegelnd oder perforiert? | Reflexion, Muster, Lichtpunkte, Streuung |
| Raum | Wo befindet sich das Publikum? | Nähe, Distanz, Überraschung, Einbeziehung |
Hauptprojekt: Eine räumliche Licht-Schatten-Inszenierung
Deine zentrale Aufgabe lautet:
Entwickle in einer Kleingruppe eine räumliche Inszenierung aus Licht, Körper, Objekt und Schatten. Die Szene soll etwa 60 bis 90 Sekunden dauern und eine erkennbare Veränderung im Raum zeigen.
Die Arbeit ist keine reine Theateraufführung und kein bloßer Trick. Entscheidend ist, dass Licht und Schatten selbst Gestaltungsmittel sind.
Materialpool
Mögliche Materialien sind Taschenlampen, batteriebetriebene LED-Leuchten, ein Beamer oder Projektor, weiße Wandflächen, Papierbahnen, transparente oder transluzente Folien, Kartons, Scheren, Klebeband, Gitter, Schnüre, reflektierende Folie, alte Verpackungen, Gegenstände aus dem Klassenraum und selbst gestaltete Formen.
Verwende möglichst Materialien, deren Wirkung Du vorher getestet hast.
Sicherheitsregeln
- Lichtquellen: Verwende im Unterricht möglichst kühle LED-Lichtquellen. Keine offenen Flammen.
- Blickrichtung: Leuchte niemandem absichtlich direkt in die Augen und schaue nicht direkt in starke Projektoren.
- Stolperfallen: Kabel werden an Wänden oder am Boden gesichert und Laufwege bleiben frei.
- Elektrische Geräte: Aufbau und Stromanschlüsse erfolgen nach den Regeln der Lehrkraft.
- Keine Laser: Laserpointer gehören nicht in diese Aufgabe.
- Abstand: In abgedunkelten Räumen werden gefährliche Gegenstände entfernt und Bewegungswege vorher getestet.
Phase 1: Schattenlabor
Baut zunächst keine fertige Szene. Führt mindestens sechs kurze Versuche durch und notiert jeweils, was sich verändert.
| Versuch | Veränderung | Beobachtung |
|---|---|---|
| A | Objekt näher zur Lichtquelle | Wie verändern sich Größe und Schärfe? |
| B | Objekt näher zur Wand | Wie verändert sich der Umriss? |
| C | Licht von unten | Wie verändert sich die Raumwirkung? |
| D | transluzentes Material | Wie verändert sich die Helligkeit? |
| E | reflektierendes Material | Wo erscheinen neue Lichtpunkte? |
| F | Körper plus Objekt | Wie können beide Schatten zu einer neuen Form verschmelzen? |
G: Führe die sechs Versuche durch und beschreibe jeweils eine sichtbare Veränderung.
M: Ergänze zwei eigene Versuche und formuliere zu jedem eine Vermutung vor dem Ausprobieren.
E: Entwickle ein systematisches Experiment, bei dem nur ein Faktor verändert wird, und leite daraus eine Gestaltungsregel für Eure spätere Inszenierung ab.
Phase 2: Eine Schattenidee entwickeln
Wählt ein einfaches Thema oder eine Wirkung, zum Beispiel:
- Verwandlung: Etwas Kleines wird riesig.
- Begegnung: Zwei getrennte Schatten verschmelzen.
- Gefahr: Ein harmloses Objekt wirkt bedrohlich.
- Traum: Körper und Projektion passen nicht mehr zusammen.
- Spur: Eine Form scheint zu bleiben, obwohl der Körper verschwindet.
Die Idee sollte in einem Satz formulierbar sein. Beispiel: „Ein kleiner Gegenstand wächst im Schatten zu einer Figur, der der Körper schließlich begegnet.“
Phase 3: Raumskizze
Zeichnet Euren Aufbau aus der Vogelperspektive. Markiert:
- Lichtquelle
- Körperposition
- Objektposition
- Projektionsfläche
- Publikumsposition
Zusätzlich zeichnet Ihr mit Pfeilen die Lichtwege ein.
G: Eine verständliche Skizze mit fünf beschrifteten Elementen.
M: Zwei mögliche Aufbauten vergleichen und begründen, welcher besser wirkt.
E: Drei Raumebenen planen und zusätzlich die Bewegung von Körper, Objekt oder Licht mit Pfeilen darstellen.
Phase 4: Dramaturgie in drei Momenten
Eine kurze Inszenierung wird verständlicher, wenn sie eine Entwicklung hat.
| Moment | Frage | Beispiel |
|---|---|---|
| Anfang | Was sieht das Publikum zuerst? | kleine ruhige Schattenform |
| Veränderung | Was geschieht sichtbar? | Körper tritt hinzu, Lichtposition verändert sich |
| Schluss | Welches Bild bleibt im Gedächtnis? | überraschende Verschmelzung von Objekt und Körperschatten |
G: Plant drei klar unterscheidbare Standbilder.
M: Verbindet die drei Momente mit bewusst gestalteten Bewegungen.
E: Entwickelt zusätzlich einen Rhythmus aus Lichtwechsel, Bewegung, Stillstand und räumlicher Überraschung.
Phase 5: Differenzierte Gestaltung G/M/E
| Bereich | G | M | E |
|---|---|---|---|
| Licht | eine Lichtquelle bewusst positionieren | Lichtposition oder Lichtfarbe während der Szene verändern | mehrere Lichtwirkungen oder Projektion gezielt koordinieren |
| Körper | mindestens eine klare Körperpose | Körperbewegung verändert den Schatten sichtbar | Körper wird räumlich zum aktiven Teil der Installation |
| Objekt | ein selbst gewähltes Objekt erzeugt eine erkennbare Form | zwei Materialien mit unterschiedlicher Lichtwirkung kombinieren | Objekt wird so gebaut, dass reales Aussehen und Schattenwirkung deutlich voneinander abweichen |
| Schatten | Schatten ist gut sichtbar | Größe, Schärfe oder Überlagerung werden bewusst gestaltet | Schatten verändert Bedeutung, Raum oder Wahrnehmung |
| Raum | eine Wand oder Leinwand als Projektionsfläche | Vordergrund und Hintergrund werden genutzt | mehrere Raumebenen und Publikumsposition werden bewusst einbezogen |
| Reflexion | Wirkung beschreiben | Wirkung mit Fachbegriffen begründen | Alternativen vergleichen und gestalterische Entscheidungen kritisch bewerten |
Phase 6: Generalprobe mit Beobachtungsauftrag
Eine andere Gruppe schaut Eure Probe an und beantwortet drei Fragen:
- Welcher Moment war am stärksten?
- Wo war die Schattenwirkung unklar?
- Welche Veränderung würde die Raumwirkung verbessern?
Nehmt nicht automatisch jeden Vorschlag an. Entscheidet gemeinsam, was zu Eurer Idee passt.
Phase 7: Aufführung und Dokumentation
Präsentiert Eure Inszenierung. Dokumentiert anschließend drei charakteristische Momente als Foto oder kurze Skizze.
Für die Dokumentation achtet Ihr auf:
- festen Kamerastandpunkt
- ruhiges Bild
- deutliche Hell-Dunkel-Wirkung
- keine störenden Lichtquellen im Hintergrund
Die Dokumentation ersetzt nicht die räumliche Aufführung. Sie hält nur Spuren des vergänglichen Kunstwerks fest.
Reflexion und Bewertung
Eine Lichtinstallation lässt sich nicht nur danach bewerten, ob sie „schön“ aussieht. Wichtig ist, ob die gewählten Mittel sinnvoll zusammenarbeiten.
| Kriterium | G | M | E |
|---|---|---|---|
| Experimentieren | mehrere Wirkungen ausprobiert | Versuche verglichen und gezielt ausgewählt | systematisch untersucht und Erkenntnisse übertragen |
| Licht-Schatten-Wirkung | klar erkennbar | bewusst verändert | vielschichtig und für die Idee entscheidend |
| Raum | Fläche sinnvoll genutzt | mehrere Positionen oder Ebenen einbezogen | Raum und Publikumsstandpunkt als Gestaltungsmittel genutzt |
| Körper und Objekt | beide vorhanden | beide wirken zusammen | beide verändern gegenseitig ihre Bedeutung |
| Gestaltungsidee | verständlich | nachvollziehbar entwickelt | eigenständig, präzise und überraschend |
| Reflexion | Wirkung beschreiben | Entscheidungen begründen | Wirkung analysieren und Verbesserungen ableiten |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Warum entsteht hinter einem lichtundurchlässigen Gegenstand ein Schatten? (Weil der Gegenstand einen Teil des Lichts blockiert) (!Weil der Gegenstand selbst Dunkelheit aussendet) (!Weil Licht nur nach oben scheint) (!Weil jede Wand automatisch dunkel wird)
Was geschieht häufig, wenn ein Objekt näher an eine kleine Lichtquelle rückt und die Projektionsfläche weit dahinter liegt? (Der Schatten wird größer) (!Der Schatten verschwindet immer) (!Der Schatten wird automatisch farblos) (!Das Objekt wird durchsichtig)
Was bedeutet transluzent? (Licht kann teilweise hindurchtreten und wird gestreut) (!Licht wird vollständig blockiert) (!Licht wird ausschließlich gespiegelt) (!Das Material erzeugt eigenes Licht)
Was ist eine Silhouette? (Eine stark vereinfachte dunkle Umrissform) (!Eine Lichtquelle im Projektor) (!Eine vollständig transparente Fläche) (!Ein Ton in einer Klanginstallation)
Was macht einen Projektor für die Raumgestaltung interessant? (Er kann Lichtbilder auf Flächen und Objekte werfen) (!Er verhindert grundsätzlich Schatten) (!Er macht alle Materialien transparent) (!Er funktioniert nur im Freien)
Wodurch entsteht ein Halbschatten? (Nur ein Teil der Lichtquelle erreicht den Bereich) (!Der Raum besitzt überhaupt keine Lichtquelle) (!Das Objekt sendet farbiges Licht aus) (!Eine Kamera vergrößert automatisch den Schatten)
Was untersucht ein Fotogramm besonders anschaulich? (Die direkte Wirkung von Licht und verdeckenden Objekten auf eine Aufnahmefläche) (!Die Lautstärke einer Theateraufführung) (!Die Härte eines Holzstücks) (!Die Geschwindigkeit eines Computers)
Was ist für eine räumliche Lichtinstallation besonders wichtig? (Das Zusammenspiel von Licht, Material, Raum und Betrachter) (!Nur die Farbe des Fußbodens) (!Nur die Größe des Projektors) (!Nur die Anzahl der verwendeten Gegenstände)
Welche Maßnahme gehört zur Sicherheit beim Arbeiten mit Projektoren und starken Lampen? (Nicht direkt in die Lichtquelle schauen) (!Laserpointer auf Augenhöhe einsetzen) (!Kabel quer über Laufwege legen) (!Offene Flammen hinter Papier stellen)
Was bedeutet Projection Mapping? (Eine Projektion wird gezielt an eine Oberfläche oder Form angepasst) (!Eine Wand wird ausschließlich mit Bleistift vermessen) (!Ein Schatten wird ohne Lichtquelle erzeugt) (!Eine Fotografie wird nur schwarzweiß gedruckt)
Memory
| Lichtquelle | sendet Licht aus |
| Kernschatten | dunkelster Schattenbereich |
| Halbschatten | teilweise beleuchteter Schattenbereich |
| Silhouette | dunkle Umrissform |
| Transluzent | teilweise lichtdurchlässig |
| Reflexion | Zurückwerfen von Licht |
| Projektor | wirft ein Lichtbild auf eine Fläche |
| Installation | Kunstwerk, das den Raum einbezieht |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Lichtquelle | Ausgangspunkt der Beleuchtung |
| Objekt | unterbricht oder verändert den Lichtweg |
| Projektionsfläche | nimmt Lichtbild oder Schatten auf |
| Silhouette | zeigt vor allem den Umriss |
| Reflexion | wirft Licht zurück |
| Transluzenz | lässt einen Teil des Lichts hindurch |
| Bewegung | verändert Schatten und Raumwirkung über die Zeit |
| Inszenierung | ordnet mehrere Gestaltungsmittel zu einer bewussten Wirkung |
...
Kreuzworträtsel
| Schatten | Wie heißt der dunkle Bereich, den ein Gegenstand durch blockiertes Licht erzeugt? |
| Projektor | Welches Gerät wirft ein Lichtbild auf eine Fläche? |
| Silhouette | Wie nennt man eine dunkle Umrissform ohne viele Innendetails? |
| Reflexion | Wie heißt das Zurückwerfen von Licht an einer Oberfläche? |
| Transparenz | Welche Eigenschaft besitzt ein Material, das Licht weitgehend hindurchlässt? |
| Installation | Wie heißt eine Kunstform, die den Raum selbst in das Werk einbezieht? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Schatten-Safari: Suche im Schulhaus oder auf dem Schulhof fünf interessante Schatten und fertige kleine Skizzen an.
- Handschatten: Entwickle drei unterschiedliche Schattenfiguren nur mit Deinen Händen und fotografiere oder zeichne die Umrisse.
- Materialtest: Vergleiche Karton, Papier, Folie und ein reflektierendes Material im Licht einer Taschenlampe.
- Schattenfoto: Fotografiere einen Schatten so, dass der ursprüngliche Gegenstand nicht sofort erkennbar ist.
Standard
- Schattenverwandlung: Baue aus mindestens drei Alltagsmaterialien ein Objekt, dessen Schatten deutlich anders aussieht als das Objekt selbst.
- Lichtchoreografie: Entwickle mit einer Partnerin oder einem Partner eine 30-sekündige Folge aus drei Körperhaltungen und zwei Lichtpositionen.
- Projektionsobjekt: Projiziere selbst gestaltete Formen auf einen gefalteten Karton und dokumentiere zwei verschiedene räumliche Wirkungen.
- Fotoreihe: Erstelle eine Serie aus fünf Bildern, in der ein Schatten durch wechselnden Abstand immer größer oder kleiner wird.
Schwer
- Rauminstallation: Entwickle eine begehbare Mini-Installation, bei der sich die Wirkung verändert, sobald die betrachtende Person ihren Standort wechselt.
- Mehrfachschatten: Nutze zwei Lichtquellen und entwickle eine Szene, in der überlagerte Schatten eine neue Form ergeben.
- Lichtdramaturgie: Plane eine 60- bis 90-sekündige Inszenierung mit Anfang, Veränderung und Schlussbild und begründe jede Lichtentscheidung.
- Kunstvermittlung: Erstelle ein kurzes Erklärvideo für eine andere sechste Klasse, in dem Du an einem eigenen Beispiel zeigst, wie Abstand, Material und Lichtposition einen Schatten verändern.


Lernkontrolle
- Wirkungsanalyse: Zwei Gruppen verwenden dasselbe Objekt, aber unterschiedliche Lichtpositionen. Erkläre, warum die räumliche Wirkung trotzdem völlig verschieden sein kann.
- Gestaltungsentscheidung: Eine Gruppe möchte einen geheimnisvollen, weichen Schatten erzeugen. Entwickle zwei konkrete Änderungen am Aufbau und begründe sie.
- Fehlersuche: Bei einer Inszenierung ist der Schatten kaum zu erkennen. Nenne mehrere mögliche Ursachen und schlage eine sinnvolle Reihenfolge zur Überprüfung vor.
- Transfer Projektion: Übertrage das Prinzip des Projection Mapping auf einen einfachen Schuhkarton. Beschreibe, wie Du reale Kanten und digitale Formen aufeinander abstimmen würdest.
- Vergleich: Vergleiche Schattentheater und Lichtinstallation. Zeige mindestens zwei Gemeinsamkeiten und zwei Unterschiede in der Nutzung von Raum, Körper und Publikum.
- Entwurfsaufgabe: Entwickle eine Inszenierung zum Thema „Verwandlung“, bei der ein harmloser Gegenstand im Schatten bedrohlich erscheint. Beschreibe Aufbau und Ablauf.
- Reflexion: Begründe, warum ein Foto einer Lichtinstallation nicht genau dieselbe Erfahrung vermitteln kann wie die Anwesenheit im realen Raum.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis sind folgende Bestandteile wichtig:
- Experimentdokumentation: mindestens sechs nachvollziehbar dokumentierte Licht-Schatten-Versuche
- Fachbegriffe: sichere Verwendung von Lichtquelle, Kernschatten, Halbschatten, Silhouette, Reflexion, Transparenz beziehungsweise Transluzenz, Projektion und Installation
- Raumskizze: verständliche Planung von Lichtquelle, Objekt, Körper, Projektionsfläche und Publikum
- Gestaltungsidee: ein klarer Satz, der die beabsichtigte Wirkung der Inszenierung beschreibt
- Präsentation: eine durchgeführte räumliche Licht-Schatten-Inszenierung
- Dokumentation: drei charakteristische Ansichten oder Skizzen des Ergebnisses
- Reflexion: kurze Begründung, welche gestalterische Entscheidung am wichtigsten war und was bei einer zweiten Version verändert würde
- Differenzierung: nachvollziehbare Bearbeitung der vereinbarten Anforderungen auf G-, M- oder E-Niveau
OERs zum Thema
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