BK6 - Licht in der Fotografie

BK6 - Licht in der Fotografie
BK6 - Licht in der Fotografie
Einleitung
Licht ist das wichtigste Gestaltungsmittel der Fotografie. Ohne Licht kann eine Kamera kein Bild aufnehmen. Für spannende Fotos reicht es aber nicht, dass einfach nur „genug“ Licht vorhanden ist. Entscheidend ist, woher das Licht kommt, wie hart oder weich es ist und wie intensiv es auf ein Motiv trifft. Genau diese drei Eigenschaften – Richtung, Härte und Intensität – untersuchst Du in diesem aiMOOC.
Du arbeitest vor allem mit einfachen Gegenständen, die sich gut beobachten lassen: Kugeln, Becher, Spielzeugfiguren, Schachteln, Obst, gefaltetes Papier oder kleine Stillleben. Mit einer Kamera oder einem Smartphone, einer LED-Taschenlampe, Fensterlicht, weißem Papier als Reflektor und eventuell einem Diffusor kannst Du bereits sehr unterschiedliche Bildwirkungen erzeugen.

Das Bild zeigt eine professionelle Objektfotografie mit mehreren Lichtquellen und Lichtformern. Für Deine Versuche brauchst Du keine solche Studioausrüstung: Du kannst dieselben Grundideen mit einfachen Mitteln erforschen.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du erklären, wie Lichtrichtung, Schatten, Kontrast und die Helligkeit eines Motivs zusammenhängen. Du kannst hartes und weiches Licht unterscheiden, Lichtquellen gezielt verändern und Licht so einsetzen, dass ein Gegenstand räumlicher, flacher, ruhiger, freundlicher oder dramatischer wirkt. Außerdem kannst Du eine eigene Foto-Reihe planen, durchführen, vergleichen und Deine gestalterischen Entscheidungen begründen.
Für die Differenzierung gelten drei Niveaus:
- G – grundlegendes Niveau: Du erkennst und benennst Lichtwirkungen und setzt einfache Vorgaben um.
- M – mittleres Niveau: Du vergleichst mehrere Lichtvarianten, dokumentierst Beobachtungen und begründest Deine Entscheidungen.
- E – erweitertes Niveau: Du planst Licht gezielt für eine Bildaussage, überprüfst Vermutungen und überträgst Deine Erkenntnisse auf neue Motive.
Licht sehen statt nur fotografieren
Wenn Licht auf einen Gegenstand trifft, entstehen helle Stellen, dunklere Stellen und Schatten. Diese Unterschiede helfen unserem Auge, eine dreidimensionale Form zu erkennen. Eine Kugel wirkt rund, weil ihre Helligkeit allmählich von hell nach dunkel übergeht. Ein Würfel zeigt verschiedene Helligkeiten auf seinen Flächen. Eine raue Oberfläche kann durch seitliches Licht besonders deutlich werden.
Die folgende Animation zeigt, wie sich die Wirkung eines Motivs verändert, wenn eine Lichtquelle ihre Position wechselt.
Datei:Photography lighting.webm
Achte beim Betrachten besonders darauf, wann das Motiv flach wirkt und wann Licht und Schatten die Form stärker modellieren. Genau dieses bewusste Beobachten nennt man in der Fotografie oft „Licht lesen“.
Drei Stellschrauben: Richtung, Härte und Intensität
| Eigenschaft | Leitfrage | Typische Wirkung im Foto |
|---|---|---|
| Richtung | Woher kommt das Licht? | Bestimmt, auf welcher Seite Licht und Schatten liegen und wie räumlich ein Objekt wirkt. |
| Härte | Sind die Schattenkanten scharf oder weich? | Steuert den Übergang zwischen hell und dunkel und damit den Kontrast. |
| Intensität | Wie viel Licht trifft auf das Motiv? | Beeinflusst die Helligkeit der beleuchteten Flächen und das Verhältnis zwischen Hauptlicht und Schatten. |
Diese drei Eigenschaften wirken immer zusammen. Ein seitliches Licht kann hart oder weich sein. Ein Gegenlicht kann sehr intensiv oder schwach sein. Deshalb lohnt es sich, bei jedem Foto nacheinander zu fragen: Woher kommt das Licht? Wie sehen die Schattenkanten aus? Wie stark ist das Licht?
Lichtrichtung
Frontlicht
Beim Frontlicht kommt die wichtigste Lichtquelle ungefähr aus der Richtung der Kamera. Die sichtbare Vorderseite des Motivs wird gleichmäßig beleuchtet. Viele Schatten liegen hinter dem Motiv und sind von der Kamera aus kaum zu sehen. Dadurch kann ein Körper flacher wirken, weil weniger Hell-Dunkel-Abstufungen seine Form zeigen.
Frontlicht ist nützlich, wenn Informationen auf einer Oberfläche gut lesbar sein sollen. Für eine besonders plastische Darstellung eines Körpers ist es jedoch oft weniger spannend als Seitenlicht.
Seitenlicht
Beim Seitenlicht trifft das Licht von rechts oder links auf das Motiv. Eine Seite wird hell, die andere bleibt dunkler. Diese Verteilung von Licht und Schatten kann Volumen, Kanten und Oberflächenstrukturen deutlich machen. Deshalb ist Seitenlicht für Objektfotografie, Stillleben und viele Porträts besonders interessant.

Fensterlicht kann eine einfache und sehr wirkungsvolle Lichtquelle sein. Wenn das Motiv neben einem Fenster steht, entsteht häufig ein weiches bis mittelstark gerichtetes Seitenlicht.
Beobachtungstipp: Drehe einen zerknüllten Papierball oder eine Orange langsam vor einer seitlichen Lichtquelle. Prüfe, wann die Form am rundesten wirkt und wann Oberflächenstrukturen am deutlichsten werden.
Gegenlicht
Beim Gegenlicht steht die Lichtquelle hinter dem Motiv und leuchtet in Richtung Kamera. Die Vorderseite des Motivs kann dunkel werden. Dadurch können Silhouetten, helle Konturen oder durchscheinende Stellen entstehen. Gegenlicht kann geheimnisvoll, dramatisch oder auch leicht und leuchtend wirken – je nachdem, welches Motiv Du fotografierst.
Bei Experimenten mit Gegenlicht gilt: Richte starke Lampen oder die Sonne niemals absichtlich direkt in Deine Augen. Fotografiere die Sonne nur mit sicheren, für die Fotografie geeigneten Vorgehensweisen und schaue nicht durch optische Sucher direkt in die Sonne.
Licht von oben und Licht von unten
Licht von oben erinnert häufig an alltägliche Beleuchtung durch Sonne oder Deckenlampen. Es kann unter Vorsprüngen deutliche Schatten erzeugen. Licht von unten wirkt ungewohnt, weil wir diese Richtung im Alltag seltener erleben. Dadurch kann ein Gegenstand fremd, unheimlich oder theatralisch erscheinen.
Für eine Foto-Reihe kannst Du dieselbe Figur einmal von oben und einmal von unten beleuchten. Vergleiche nicht nur die Helligkeit, sondern vor allem die Richtung der Schatten.
Lichthärte
Hartes Licht
Hartes Licht erzeugt deutlich begrenzte, scharfkantige Schatten und meist einen stärkeren Hell-Dunkel-Kontrast. Typisch ist eine im Verhältnis zum Motiv kleine Lichtquelle, zum Beispiel eine kleine LED-Lampe ohne Diffusor. Auch die Sonne kann an einem klaren Tag hartes Licht erzeugen, weil sie von der Erde aus trotz ihrer tatsächlichen Größe als relativ kleine Lichtquelle erscheint.

Bei hartem Licht können Schatten selbst zu einem Hauptmotiv werden. Linien, Kanten und geometrische Formen treten dann oft besonders deutlich hervor.

Weiches Licht
Weiches Licht erzeugt sanftere Übergänge zwischen hellen und dunklen Bereichen. Schattenkanten wirken weniger scharf. Eine Lichtquelle wird weicher, wenn ihre scheinbare Größe aus Sicht des Motivs zunimmt. Das geschieht zum Beispiel durch eine große Softbox, eine helle Fensterfläche, eine weiße Wand, an der Licht reflektiert wird, oder einen Diffusor.

Der direkte Vergleich von hartem und weichem Licht ist besonders wichtig, weil beide nicht „gut“ oder „schlecht“ sind. Hartes Licht kann dramatisch und grafisch wirken; weiches Licht kann ruhig, freundlich und gleichmäßig wirken. Entscheidend ist die Bildidee.
Diffusor: Licht streuen
Ein Diffusor ist ein lichtdurchlässiges Material, das Licht streut. Dadurch wird aus einer kleinen gerichteten Lichtquelle eine größere leuchtende Fläche. Das Licht kann dadurch weicher werden.

Die Bildfolge zeigt anschaulich, wie ein Diffusor starke Hell-Dunkel-Kontraste und harte Schatten mildern kann.
Sicherheit: Verwende für schulische Versuche nur kühle LED-Lichtquellen. Papier, Stoff oder Transparentpapier dürfen niemals direkt an heiße Lampen oder Glühbirnen gelegt werden.
Lichtintensität
Was bedeutet Intensität?
Mit Lichtintensität ist hier vereinfacht gemeint, wie stark ein Motiv beleuchtet wird. Eine stärkere Lichtquelle oder eine geringere Entfernung kann dazu führen, dass mehr Licht auf den Gegenstand trifft. Auf dem Foto beeinflusst außerdem die automatische oder manuelle Belichtung der Kamera, wie hell das Ergebnis aussieht.

Eine LED-Taschenlampe eignet sich für Experimente, weil Du sie leicht bewegen kannst. Wenn Du Vergleichsfotos machen möchtest, sollte die Kamera möglichst an derselben Stelle bleiben. Viele Smartphones passen die Belichtung automatisch an. Für einen fairen Vergleich ist es deshalb hilfreich, Belichtung und Fokus zu sperren, wenn Deine Kamera-App das erlaubt.
Abstand verändert die Beleuchtung
Wenn Du eine kleine Lichtquelle weiter vom Motiv entfernst, nimmt die Beleuchtungsstärke am Motiv deutlich ab. Für eine annähernd punktförmige Lichtquelle gilt unter idealen Bedingungen: Mit zunehmender Entfernung verteilt sich dieselbe Lichtmenge auf eine größere Fläche.
G: Beobachte nur qualitativ: näher wirkt meist heller, weiter entfernt meist dunkler.
M: Halte die Kameraeinstellungen möglichst konstant und vergleiche drei feste Abstände.
E: Untersuche optional das Abstandsgesetz. Bei einer idealen Punktlichtquelle beträgt die Beleuchtungsstärke bei doppelter Entfernung ungefähr nur noch ein Viertel. Prüfe mit einem geeigneten Messgerät oder einer Sensor-App, ob Deine reale Lichtquelle diesem Modell ungefähr folgt.
Intensität und Atmosphäre
Eine hohe Beleuchtungsstärke allein erzeugt noch keine bestimmte Stimmung. Entscheidend ist, wie helle und dunkle Bereiche zueinander stehen. Ein hell beleuchtetes Motiv vor einem dunklen Hintergrund kann dramatisch wirken. Eine gleichmäßige, weiche Beleuchtung kann ruhig und sachlich wirken. Schwaches Licht mit großen dunklen Flächen kann geheimnisvoll erscheinen.
Wenn Du Atmosphäre gestalten möchtest, verändere deshalb nicht nur die Gesamt-Helligkeit. Beobachte immer auch Kontrast, Schatten, Hintergrund und Lichtrichtung.
Lichtquellen und Lichtformer
Natürliche und künstliche Lichtquellen
Natürliches Licht kommt vor allem von der Sonne und erreicht Innenräume häufig durch Fenster. Künstliche Lichtquellen sind zum Beispiel LED-Taschenlampen, Schreibtischlampen oder Studiolichter. Für Lernexperimente ist eine einzelne, gut kontrollierbare LED-Lichtquelle oft besser als viele gleichzeitig eingeschaltete Lampen, weil Du Ursache und Wirkung leichter erkennen kannst.

Eine Softbox vergrößert die leuchtende Fläche und verteilt Licht. Dadurch werden Schatten in vielen Situationen weicher.
Reflektoren
Ein Reflektor wirft vorhandenes Licht zurück auf das Motiv. Im Klassenraum reicht oft ein Stück weißer Karton. Stellst Du ihn auf die Schattenseite eines Gegenstands, wird diese Seite aufgehellt. Der Schatten verschwindet nicht unbedingt vollständig, aber der Kontrast kann kleiner werden.
Ein silberner Reflektor kann stärker und gerichteter reflektieren als weißer Karton. Für Klasse 6 ist weißer Karton meist leichter zu kontrollieren und ausreichend.
Lichtformer als Werkzeug
Lichtformer verändern nicht das Motiv, sondern das Licht, bevor es das Motiv erreicht oder nachdem es reflektiert wurde. Ein Diffusor macht Licht häufig weicher, ein Reflektor hellt Schatten auf, eine Abschattung aus schwarzem Karton kann Licht von einem Bereich fernhalten. In der professionellen Lichtführung werden diese Werkzeuge sehr gezielt eingesetzt.

Schatten als Gestaltungsmittel
Schlagschatten und Formschatten
Der Formschatten liegt auf dem Gegenstand selbst und zeigt, welche Bereiche weniger Licht erhalten. Der Schlagschatten fällt vom Gegenstand auf eine andere Fläche, zum Beispiel auf den Tisch oder die Wand. Beide Schattenarten können Informationen über Form, Abstand und Richtung der Lichtquelle geben.

Schatten können auch selbst zum Motiv werden. Dann fotografierst Du nicht nur einen Gegenstand, sondern gestaltest mit dunklen Formen, Linien und Zwischenräumen.
Schatten lesen
Ein langer Schlagschatten deutet häufig auf eine flacher einfallende Lichtrichtung hin. Ein kurzer Schatten entsteht oft bei Licht, das steiler von oben kommt. Eine sehr scharfe Schattenkante spricht meist für eine relativ kleine oder weit entfernte Lichtquelle. Eine breite weiche Übergangszone deutet eher auf eine größere Lichtquelle oder einen Diffusor hin.
Merksatz: Der Schatten erzählt Dir, woher das Licht kommt und wie es beschaffen ist.
Atmosphäre und Bildwirkung
Licht kann eine Stimmung unterstützen
Fotografische Stimmung entsteht durch das Zusammenspiel vieler Entscheidungen. Licht ist dabei besonders wichtig. Du kannst dieselbe Spielfigur freundlich, sachlich, geheimnisvoll oder dramatisch erscheinen lassen, ohne die Figur selbst zu verändern.
| Lichtidee | Mögliche Wirkung | Geeigneter Versuch |
|---|---|---|
| Weiches Seitenlicht | ruhig, natürlich, räumlich | Fensterlicht oder LED mit Diffusor |
| Hartes Seitenlicht | klar, kontrastreich, spannend | kleine LED ohne Diffusor |
| Gegenlicht | geheimnisvoll, silhouettenhaft, leuchtende Kontur | Lichtquelle hinter dem Motiv |
| Licht von unten | ungewohnt, theatralisch, unheimlich | LED tief vor dem Motiv |
| Gleichmäßiges Licht | sachlich, ruhig, dokumentarisch | Lichtzelt oder große diffuse Lichtfläche |
Wirkungen sind keine festen Gesetze. Ob ein Bild wirklich „freundlich“ oder „dramatisch“ wirkt, hängt auch von Motiv, Hintergrund, Farbe, Perspektive und persönlicher Wahrnehmung ab. Wichtig ist deshalb, dass Du Deine Wirkung am konkreten Bild begründest.
Form sichtbar machen
Kugel, Würfel und Zylinder
Viele Gegenstände lassen sich gedanklich auf einfache Grundformen zurückführen. Eine Tasse ähnelt teilweise einem Zylinder, ein Ball einer Kugel, eine Schachtel einem Quader. Licht kann helfen, diese Formen im zweidimensionalen Foto räumlich wirken zu lassen.
Bei einer Kugel ist ein weicher Übergang von Licht zu Schatten oft gut sichtbar. Beim Würfel entstehen unterschiedliche Helligkeiten auf den Flächen. Beim Zylinder kann Seitenlicht einen Helligkeitsverlauf erzeugen. Wenn Du die Lichtquelle bewegst, verschieben sich diese Muster.
Das Video arbeitet zwar mit einem Gesicht, erklärt aber ein übertragbares Prinzip: Eine einzelne Lichtquelle kann Volumen durch Licht- und Schattenzonen sichtbar machen. Übertrage die Idee auf einfache Gegenstände.
Objektfotografie mit einfachen Mitteln
Ein Mini-Fotostudio bauen
Für eine einfache Objektfotografie brauchst Du keine teure Ausrüstung. Du kannst ein Blatt Papier als Hintergrund leicht biegen, damit keine harte Kante zwischen Tisch und Wand sichtbar ist. Eine LED-Lampe dient als Hauptlicht. Ein weißer Karton auf der gegenüberliegenden Seite kann Schatten aufhellen. Ein Diffusor aus geeignetem lichtstreuendem Material kann vor einer kühlen LED-Lichtquelle verwendet werden.

Ein Lichtzelt verteilt das Licht auf große Flächen rund um das Motiv. Dadurch entstehen häufig weichere Schatten und eine gleichmäßigere Ausleuchtung.

An dieser Bildreihe kannst Du vergleichen, wie die Position eines Objekts innerhalb eines Lichtzelts die Helligkeit verändert.
Vom Sachfoto zum Stimmungsfoto
Ein Sachfoto soll Form, Farbe und Material eines Gegenstands möglichst klar zeigen. Ein Stimmungsfoto darf Licht und Schatten stärker dramatisieren. Probiere beides mit demselben Objekt.
Für das Sachfoto kannst Du weiches Seitenlicht und einen Reflektor verwenden. Für das Stimmungsfoto kannst Du die Lichtquelle weiter zur Seite oder hinter das Motiv stellen, den Hintergrund abdunkeln und stärkere Schatten zulassen. So erkennst Du: Licht ist nicht nur technisch notwendig, sondern Teil der Bildgestaltung.
Forscherlabor: drei Fotoexperimente
Experiment 1: Richtung untersuchen
Baue Kamera und Objekt fest auf. Verändere nur die Position einer LED-Lichtquelle.
- G: Fotografiere dasselbe Objekt mit Frontlicht, Seitenlicht und Gegenlicht. Benenne bei jedem Bild die Lichtrichtung.
- M: Markiere in einer Skizze zusätzlich die Richtung des Schlagschattens und beschreibe, bei welcher Beleuchtung das Objekt am räumlichsten wirkt.
- E: Formuliere vor jeder Aufnahme eine Vermutung über Schatten und Bildwirkung. Vergleiche anschließend Vorhersage und Foto und erkläre Abweichungen.
Experiment 2: Härte untersuchen
Lass Position von Kamera, Motiv und Lampe möglichst gleich. Verändere nur die Größe oder Streuung der Lichtquelle.
- G: Vergleiche eine LED ohne Diffusor mit derselben LED hinter einem geeigneten Diffusor. Entscheide, bei welchem Foto die Schattenkante weicher ist.
- M: Verwende zusätzlich eine große helle Fläche, zum Beispiel eine weiße Wand als indirekte Lichtquelle. Ordne die drei Varianten von hart nach weich.
- E: Messe oder schätze die Breite des Übergangs zwischen Licht und Schatten. Erkläre, warum die scheinbare Größe der Lichtquelle für die Schattenhärte wichtig ist.
Experiment 3: Intensität untersuchen
Lass die Lichtrichtung gleich und verändere den Abstand zwischen Lichtquelle und Motiv.
- G: Vergleiche drei Abstände und beschreibe, wann das Motiv am stärksten beleuchtet wirkt.
- M: Sperre, wenn möglich, die automatische Belichtung der Kamera. Fotografiere bei drei Abständen und dokumentiere die Veränderung.
- E: Miss optional mit einem geeigneten Lichtsensor oder einer Sensor-App. Prüfe, ob eine Verdopplung des Abstands ungefähr zu einer Viertelung der Beleuchtungsstärke führt. Diskutiere, warum reale Lampen vom idealen Modell abweichen können.
Dokumentationsbogen
| Versuch | Was wurde verändert? | Was blieb gleich? | Beobachtung am Schatten | Wirkung auf Form und Atmosphäre |
|---|---|---|---|---|
| Richtung | Position der Lichtquelle | Motiv und Kamera | ||
| Härte | Größe oder Diffusion der Lichtquelle | Richtung, Motiv und Kamera | ||
| Intensität | Abstand oder Leistung der Lichtquelle | Richtung, Motiv und Kamera |
Interaktive Lichtmodelle
Modell 1: Schatten einer Lichtquelle
Mit diesem GeoGebra-Modell kannst Du die Position einer Lichtquelle und den Schatten untersuchen. Bewege Elemente und beobachte, wie sich Richtung und Größe des Schattens verändern.
G: Finde eine Stellung mit einem langen und eine mit einem kurzen Schatten.
M: Beschreibe, wie sich der Schatten verändert, wenn die Lichtquelle ihre Position wechselt.
E: Übertrage die Beobachtung auf ein reales Foto-Setup und zeichne eine Skizze mit Lichtquelle, Objekt, Kamera und Schattenrichtung.
Modell 2: Zwei Lichtquellen und Halbschatten
Mit zwei Lichtquellen können sich Schatten überlagern. Bereiche, die nur von einer Lichtquelle erreicht werden, unterscheiden sich von Bereichen, die von keiner erreicht werden.
G: Bewege eine Lichtquelle und beobachte die zwei Schatten.
M: Erkläre mit eigenen Worten, warum mehrere Lichtquellen Schatten aufhellen können.
E: Überlege, wie dieses Prinzip einem Aufhelllicht oder Reflektor in der Fotografie ähnelt und wo der Vergleich Grenzen hat.
Modell 3: Licht, Objekt und Schatten in 3D
In diesem interaktiven 3D-Modell kannst Du Lichtquelle, Objekt und Projektionsfläche verändern. Besonders gut lässt sich beobachten, wie Schattenform und Schattenposition von der räumlichen Anordnung abhängen.
G: Bewege die Lichtquelle und beobachte die Schattenrichtung.
M: Vergleiche Kugel und Würfel.
E: Entwickle eine Einstellung, bei der der Schatten wichtiger als das Objekt selbst wird, und übertrage sie auf eine fotografische Idee.
Zusatzmodell: Farbwahrnehmung mit Licht
Farbe ist nicht der Schwerpunkt dieses aiMOOCs, gehört aber zur Wirkung von Licht. In der PhET-Simulation kannst Du untersuchen, wie verschiedene Lichtfarben und Intensitäten zusammenwirken.
Differenzierung G/M/E
G – grundlegendes Niveau
Du arbeitest vor allem beobachtend und beschreibend. Wichtig ist, dass Du Frontlicht, Seitenlicht und Gegenlicht erkennst, harte und weiche Schatten unterscheidest und einfache Licht-Setups nachbauen kannst. Deine Begründungen dürfen kurz sein, sollen sich aber immer auf sichtbare Merkmale im Foto beziehen.
mittleres Niveau
Du vergleichst Varianten systematisch. Du hältst möglichst viele Bedingungen gleich und veränderst jeweils nur eine Eigenschaft. Du verwendest Fachbegriffe wie Lichtrichtung, Diffusor, Reflektor, Kontrast, Formschatten und Schlagschatten und begründest, warum ein bestimmtes Licht eine bestimmte Wirkung erzeugt.
E – erweitertes Niveau
Du planst Licht ausgehend von einer beabsichtigten Bildwirkung. Du formulierst Vermutungen, überprüfst sie mit Foto-Reihen oder Messwerten und bewertest Grenzen Deiner Untersuchung. Du kannst auch erklären, warum Kameraautomatik, Material, Hintergrund, Abstand und mehrere Lichtquellen die Wirkung verändern.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Lichtrichtung modelliert die Form eines Gegenstands häufig besonders deutlich? (Seitenlicht) (!Frontlicht) (!Nur Licht von oben) (!Völlige Dunkelheit)
Woran erkennst Du hartes Licht besonders gut? (An scharf begrenzten Schatten) (!An fehlenden Schatten) (!An unscharfen Motiven) (!An einer niedrigen Kameraposition)
Was macht ein Diffusor typischerweise mit Licht? (Er streut das Licht und kann Schatten weicher machen) (!Er macht die Kamera schwerer) (!Er vergrößert das Motiv) (!Er ersetzt den Hintergrund)
Wo befindet sich die Lichtquelle beim Gegenlicht? (Hinter dem Motiv) (!Direkt unter der Kamera) (!Immer links vom Motiv) (!Im Inneren der Kamera)
Wozu kann ein weißer Reflektor dienen? (Er kann Licht in Schattenbereiche zurückwerfen) (!Er macht die Lichtquelle kleiner) (!Er schaltet die Belichtungsautomatik aus) (!Er erzeugt immer eine Silhouette)
Welche Veränderung macht eine Lichtquelle aus Sicht des Motivs häufig weicher? (Eine größere leuchtende Fläche) (!Eine kleinere leuchtende Fläche) (!Ein dunkleres Objektiv) (!Ein höherer Kamerastandpunkt)
Was ist ein Schlagschatten? (Ein Schatten der auf eine andere Fläche fällt) (!Ein Schatten im Inneren der Kamera) (!Eine Spiegelung auf Glas) (!Ein unscharfer Bildrand)
Warum sollte bei einem Vergleichsexperiment möglichst nur eine Licht-Eigenschaft verändert werden? (Damit Ursache und Wirkung besser zugeordnet werden können) (!Damit jedes Foto zufällig anders aussieht) (!Damit keine Schatten entstehen) (!Damit die Kamera näher am Motiv steht)
Was kann bei Frontlicht mit der räumlichen Wirkung eines Objekts passieren? (Es kann flacher wirken) (!Es wird immer zur Silhouette) (!Es wirft nie einen Schatten) (!Es wird automatisch unscharf)
Welche Kombination eignet sich für ein ruhiges sachliches Objektfoto besonders gut? (Weiches Licht und kontrollierte Schatten) (!Völlige Dunkelheit und Bewegung) (!Hartes Gegenlicht ohne sichtbares Motiv) (!Zufällige wechselnde Lichtquellen)
Memory
| Seitenlicht | betont räumliche Form |
| Gegenlicht | kann eine Silhouette erzeugen |
| Diffusor | streut Licht |
| Reflektor | hellt Schattenbereiche auf |
| harte Lichtquelle | erzeugt scharfere Schattenkanten |
| weiche Lichtquelle | erzeugt sanftere Schattenübergänge |
| Schlagschatten | fällt auf eine andere Fläche |
| Formschatten | liegt auf dem Gegenstand selbst |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Seitenlicht | starke Modellierung der Form |
| Frontlicht | eher flache Wirkung |
| Gegenlicht | dunkle Vorderseite und mögliche Silhouette |
| Diffusor | weichere Schattenübergänge |
| Reflektor | Aufhellung einer Schattenseite |
...
Kreuzworträtsel
| Seitenlicht | Welche Lichtrichtung kommt von rechts oder links und betont häufig die Form? |
| Gegenlicht | Wie heißt Licht das hinter dem Motiv in Richtung Kamera steht? |
| Diffusor | Wie heißt ein Material das Licht streut und weicher machen kann? |
| Reflektor | Wie heißt eine Fläche die vorhandenes Licht zurückwirft? |
| Silhouette | Wie heißt die dunkle Umrissform die bei Gegenlicht entstehen kann? |
| Lichtquelle | Wie heißt der Ausgangspunkt von natürlichem oder künstlichem Licht? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Lichtdetektiv G: Fotografiere einen Alltagsgegenstand mit Frontlicht, Seitenlicht und Gegenlicht. Ordne die drei Bilder richtig zu und markiere die Schattenrichtung.
- Schatten-Safari G: Suche im Schulgebäude oder zu Hause fünf interessante Schatten. Fotografiere sie und beschreibe bei jedem Bild, ob die Schattenkante hart oder weich ist.
- Ein Objekt – zwei Wirkungen G: Fotografiere denselben Gegenstand einmal ruhig und einmal dramatisch. Verändere dafür nur die Position einer LED-Lichtquelle.
- Reflektor-Test G: Fotografiere einen Gegenstand mit seitlichem Licht zuerst ohne und dann mit weißem Karton auf der Schattenseite. Beschreibe den sichtbarsten Unterschied.
Standard
- Lichtserie M: Erstelle eine Serie aus sechs Fotos, in der Du Richtung und Härte systematisch kombinierst. Halte Kamera, Motiv und Hintergrund möglichst konstant.
- Mini-Stillleben M: Gestalte aus drei einfachen Gegenständen ein Stillleben. Plane Seitenlicht, Hintergrund und Schatten so, dass die Formen klar voneinander getrennt erscheinen.
- Sachfoto und Werbefoto M: Fotografiere denselben Gegenstand einmal möglichst sachlich und einmal bewusst atmosphärisch. Begründe Deine Lichtentscheidungen in einem kurzen Begleittext.
- Lichtprotokoll M: Führe das Intensitätsexperiment mit drei Abständen durch. Dokumentiere Aufbau, Beobachtung und mögliche Fehlerquellen mit Skizze und Foto.
Schwer
- Lichtregie E: Wähle eine beabsichtigte Stimmung wie ruhig, geheimnisvoll oder kraftvoll. Plane ein Ein-Licht-Setup, fotografiere das Ergebnis und begründe die Wirkung mit Richtung, Härte und Intensität.
- Kontrastlabor E: Erzeuge mit Hauptlicht und Reflektor drei verschiedene Kontraststufen. Ordne die Ergebnisse und erkläre, wie der Reflektor die Schattenseite verändert.
- Schatten als Hauptmotiv E: Entwickle eine Fotografie, in der der Schlagschatten wichtiger ist als der Gegenstand selbst. Skizziere zuerst Deine Idee und vergleiche Entwurf und Ergebnis.
- Lichtanalyse E: Suche drei frei lizenzierte Fotografien mit deutlich unterschiedlicher Lichtwirkung. Analysiere jeweils Richtung, Härte, Intensität, Schatten und Atmosphäre und leite daraus eine eigene Fotoidee ab.


Lernkontrolle
- Lichtwirkung erklären: Du siehst ein Foto eines Würfels, bei dem die rechte Fläche hell und die linke Fläche dunkel ist. Entwickle zwei mögliche Positionen der Lichtquelle und erkläre, welche zusätzliche Information Du bräuchtest, um Dich zu entscheiden.
- Fehlerdiagnose: Ein Objektfoto wirkt flach, obwohl das Motiv eine interessante Oberflächenstruktur besitzt. Entwickle zwei Veränderungen am Licht und begründe, warum sie mehr Form sichtbar machen könnten.
- Transferaufgabe Schatten: Plane ein Foto, bei dem ein langer Schlagschatten eine wichtige Bildlinie bildet. Beschreibe die notwendige Lichtrichtung und erkläre, wie Du Länge und Härte des Schattens beeinflussen würdest.
- Sachlich oder dramatisch: Vergleiche ein Lichtzelt mit einer kleinen harten Seitenlichtquelle. Entscheide, welches Setup Du für ein sachliches Katalogfoto und welches für ein dramatisches Stimmungsfoto wählen würdest. Begründe jeweils Deine Wahl.
- Versuchsplanung: Entwickle ein faires Experiment zur Frage, wie ein Diffusor die Schattenhärte verändert. Lege fest, was Du veränderst, was gleich bleiben muss und woran Du das Ergebnis erkennst.
- Gestalterischer Transfer: Ein Spielzeug soll auf einem Foto mutig und groß wirken. Plane Perspektive und Licht gemeinsam. Erkläre besonders, wie Richtung, Härte und Intensität Deine gewünschte Wirkung unterstützen.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Fachbegriffe kennst, sondern Licht gezielt einsetzen und Deine Entscheidungen am Bild erklären kannst.
- Eine eigene Foto-Reihe zeigt mindestens drei deutlich unterscheidbare Lichtrichtungen.
- Ein Vergleich zeigt hartes und weiches Licht am selben oder an einem sehr ähnlichen Motiv.
- Eine Untersuchung zur Lichtintensität dokumentiert Aufbau, Veränderung und Beobachtung.
- Eine Skizze macht die Position von Kamera, Motiv, Lichtquelle und wichtigen Schatten nachvollziehbar.
- Eine Bildanalyse verwendet passende Fachbegriffe wie Seitenlicht, Gegenlicht, Diffusor, Reflektor, Formschatten, Schlagschatten und Kontrast.
- Eine kurze Reflexion erklärt, welche Lichtentscheidung die Atmosphäre und die räumliche Wirkung des Motivs am stärksten verändert hat.
- Für G reicht eine sichere Zuordnung und einfache Begründung; für M wird systematisches Vergleichen erwartet; für E zusätzlich selbstständige Planung, Überprüfung und Transfer.
OERs zum Thema
Als frei zugängliche Vertiefung eignet sich der Wikipedia-Artikel zur Lichtführung. Er erklärt grundlegende Arten und Qualitäten fotografischer Beleuchtung.
Weitere geeignete offene Lernmedien in diesem aiMOOC sind die eingebundenen Dateien aus Wikimedia Commons, die GeoGebra-Modelle zu Licht und Schatten sowie die PhET-Simulation zur Farbwahrnehmung.
Verknüpfte Lernbereiche
Das Thema verbindet Bildende Kunst mit naturwissenschaftlichen Beobachtungen zu Licht, Reflexion und Schatten. Gleichzeitig fördert es Medienkompetenz, weil Du Kameraautomatik, Bildwirkung und die Aussage von Fotografien bewusst untersuchst.
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