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BK6 - Komposition auf der Bildfläche

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BK6 - Komposition auf der Bildfläche




BK6 - Komposition auf der Bildfläche

Zielgruppe: Klasse 6 Fach: Kunst Schwerpunkt: Komposition auf der Bildfläche Differenzierung: G = Grundniveau, M = mittleres Niveau, E = erweitertes Niveau


Einleitung

Warum wirkt ein Bild ruhig, ein anderes spannend und ein drittes fast chaotisch? Warum schaust Du bei manchen Bildern sofort auf eine bestimmte Figur, während Dein Blick bei anderen über die ganze Fläche wandert? Ein wichtiger Grund dafür ist die Komposition. Damit ist gemeint, wie Linien, Formen, Farben, Figuren, Zwischenräume und Schwerpunkte auf einer Bildfläche angeordnet sind.

Komposition ist also der Bildaufbau. Künstlerinnen und Künstler können Gegenstände bewusst in die Mitte setzen, sie an den Rand verschieben, Gruppen bilden, freie Flächen lassen oder Richtungen durch Linien hervorheben. Auch in Fotografie, Plakatgestaltung, Zeichnung, Malerei, Collage und Grafikdesign ist die Komposition entscheidend.

In diesem aiMOOC untersuchst Du besonders Horizontalen, Vertikalen, Diagonalen, Symmetrie, Asymmetrie, Ballung, Streuung und Blickführung. Du lernst nicht nur Begriffe, sondern probierst selbst aus, wie sich ein Bild verändert, wenn Du Bildelemente verschiebst.

Beobachtungsauftrag zum Video: Notiere beim Anschauen drei Möglichkeiten, mit denen der Blick in einem Bild gelenkt werden kann.


Lernziele G/M/E

Niveau Das kannst Du am Ende
G – Grundniveau Du erkennst Horizontalen, Vertikalen, Diagonalen, Symmetrie, Asymmetrie, Ballung und Streuung und kannst einfache Wirkungen beschreiben.
M – Mittleres Niveau Du erklärst, wie mehrere Kompositionsmittel zusammenwirken und wie sie Ruhe, Spannung, Ordnung oder Bewegung erzeugen.
E – Erweitertes Niveau Du untersuchst die Blickführung in unbekannten Bildern, begründest Bildwirkungen und veränderst Kompositionen gezielt für eine beabsichtigte Aussage.


Was bedeutet Komposition?

Das Wort Komposition bezeichnet in der bildenden Kunst die Auswahl und Anordnung der bildnerischen Mittel auf einer Bildfläche. Wichtig ist dabei nicht nur, was dargestellt ist, sondern auch wo etwas liegt, wie groß es ist, in welche Richtung es zeigt und welche Beziehungen zwischen den Bildelementen entstehen.

Ein Bild kann zum Beispiel stark von waagerechten Linien bestimmt sein. Es kann um eine Mittelachse herum geordnet sein. Es kann eine Figurengruppe dicht zusammendrängen oder viele kleine Formen über die Fläche verteilen. Alle diese Entscheidungen beeinflussen die Wirkung.

Beim Untersuchen einer Komposition helfen Dir folgende Fragen:

  1. Bildfläche: Wo liegen wichtige Formen und Figuren?
  2. Linienrichtungen: Überwiegen Horizontalen, Vertikalen oder Diagonalen?
  3. Ordnung: Ist die Anordnung symmetrisch oder asymmetrisch?
  4. Verteilung: Sind Formen geballt oder gestreut?
  5. Blickweg: Wohin schaust Du zuerst und wohin danach?
  6. Schwerpunkt: Wo liegt das wichtigste Bildzentrum?
  7. Wirkung: Wirkt die Komposition eher ruhig, stabil, feierlich, bewegt, spannend oder unruhig?


Die Bildfläche als Spielfeld

Stell Dir die Bildfläche wie ein Spielfeld vor. Ein Punkt in der Mitte wirkt anders als derselbe Punkt am Rand. Zwei gleich große Formen wirken anders, wenn sie weit voneinander entfernt sind, als wenn sie dicht nebeneinander liegen. Eine schräge Linie erzeugt eine andere Spannung als eine waagerechte Linie.

Schon mit sehr wenigen Elementen kannst Du deshalb völlig unterschiedliche Kompositionen erzeugen.

Einfaches Schema Mögliche Wirkung Typische Beobachtung
━━━━━ ruhig, weit, stabil Horizontale
aufrecht, fest, geordnet Vertikale
bewegt, spannend, dynamisch Diagonale
● │ ● ausgeglichen, geordnet Symmetrie
● ●● spannungsvoll, ungleich verteilt Asymmetrie
●●●● konzentriert, dicht Ballung
● ● ● ● verteilt, offen Streuung

Wichtig: Diese Wirkungen sind keine starren Regeln. Eine Horizontale kann Ruhe unterstützen, aber Farbe, Motiv, Größe, Kontrast und andere Linien können die Wirkung verändern.


Horizontalen – Ruhe, Weite und Gliederung

Horizontalen verlaufen waagerecht. In Landschaften begegnen sie Dir oft als Horizontlinie, Uferlinie, Tischkante oder Grenze zwischen Flächen. Sie können Ruhe, Weite, Stabilität und eine klare Gliederung unterstützen.

Ein besonders deutliches Beispiel ist Caspar David Friedrichs Gemälde Der Mönch am Meer. Meer, Küste und Himmel bilden große waagerechte Zonen.

G-Auftrag: Suche drei waagerechte Bereiche und beschreibe sie. M-Auftrag: Erkläre, warum das Bild trotz der kleinen Figur so groß und weit wirkt. E-Auftrag: Untersuche, wie die horizontale Gliederung und die einzelne vertikale Figur gemeinsam die Blickwirkung bestimmen.


Horizontale als Gestaltungsmittel

Eine Horizontale kann eine Bildfläche in Zonen teilen. Liegt sie hoch im Bild, bleibt viel Platz im unteren Bereich. Liegt sie tief, kann der Himmel oder ein anderer oberer Bereich besonders groß erscheinen. Mehrere parallele Horizontalen können den Eindruck von Ruhe und Ordnung verstärken.

Bei einer eigenen Gestaltung kannst Du testen:

  1. Lege einen langen Papierstreifen waagerecht in die Mitte.
  2. Verschiebe ihn weit nach oben.
  3. Verschiebe ihn weit nach unten.
  4. Vergleiche, wie sich die Bildwirkung verändert.


Vertikalen – Aufrichtung, Standfestigkeit und Ordnung

Vertikale Linien verlaufen senkrecht. Du findest sie zum Beispiel bei Menschen, Bäumen, Säulen, Häuserkanten oder Masten. Vertikalen können Festigkeit, Aufrichtung und Ordnung betonen.

In Piet Mondrians abstrakter Komposition treffen schwarze Vertikalen und Horizontalen auf farbige Rechtecke.

Betrachte das Bild zunächst ohne nach einem Gegenstand zu suchen. Es zeigt Dir, wie stark Linienrichtungen allein eine Bildfläche ordnen können.

G-Auftrag: Zeige mit dem Finger zwei Vertikalen und zwei Horizontalen. M-Auftrag: Vergleiche die Größen der Rechtecke und beschreibe, wo das Bild besonders dicht wirkt. E-Auftrag: Erkläre, weshalb die Komposition trotz ungleicher Rechteckgrößen ausgeglichen wirken kann.


Diagonalen – Bewegung und Spannung

Diagonalen verlaufen schräg durch die Bildfläche. Sie können Bewegung, Dynamik, Geschwindigkeit oder Spannung unterstützen. Besonders deutlich wird dies, wenn viele Formen einer schrägen Richtung folgen.

Hokusais Die große Welle vor Kanagawa ist ein gutes Beispiel. Die Wellenformen steigen und fallen, Boote liegen schräg im Wasser und die große Welle führt den Blick durch das Bild.

G-Auftrag: Fahre mit dem Finger den wichtigsten schrägen Bewegungsrichtungen nach. M-Auftrag: Beschreibe, welche Linien auf den Berg im Hintergrund oder auf die Boote hinführen. E-Auftrag: Erkläre, wie Diagonalen, Größenunterschiede und Überschneidungen gemeinsam den Eindruck von Bewegung verstärken.


Linien müssen nicht gezeichnet sein

Nicht jede Kompositionslinie ist wirklich als Strich sichtbar. Oft entsteht eine gedachte Linie. Wenn mehrere Köpfe schräg hintereinander stehen, kann Dein Auge sie wie eine Linie verbinden. Auch Blicke von Figuren, ausgestreckte Arme, Straßen, Schatten oder Kanten können eine Richtung bilden.

Das ist für die Blickführung besonders wichtig: Dein Auge folgt häufig solchen sichtbaren und gedachten Linien.


Symmetrie – Spiegelung und Gleichgewicht

Bei einer symmetrischen Komposition sind Teile eines Bildes an einer Achse ähnlich oder spiegelbildlich angeordnet. Symmetrie kann Ordnung, Ruhe, Feierlichkeit oder Stabilität vermitteln.

Leonardo da Vincis Zeichnung des sogenannten Vitruvianischen Menschen zeigt eine stark auf die Mitte bezogene Figur. Die Körperhälften sind annähernd spiegelsymmetrisch angeordnet.

G-Auftrag: Denke Dir eine senkrechte Mittelachse durch die Figur. Was liegt links und rechts ähnlich? M-Auftrag: Erkläre, weshalb Kreis und Quadrat den Eindruck von Ordnung verstärken. E-Auftrag: Unterscheide zwischen exakter geometrischer Symmetrie und der nur annähernden Symmetrie eines menschlichen Körpers.


Symmetrie in einer Figurengruppe

Leonardo da Vincis Das letzte Abendmahl ist nicht vollkommen spiegelgleich, aber die Gesamtanlage ist stark um die Mitte organisiert. Die zentrale Figur sitzt in der Bildmitte, und die Gruppen links und rechts erzeugen ein Gleichgewicht.

G-Auftrag: Finde die Bildmitte und benenne, wer dort sitzt. M-Auftrag: Suche links und rechts Figurengruppen und vergleiche ihre Anordnung. E-Auftrag: Begründe, warum ein Bild ausgeglichen wirken kann, obwohl die einzelnen Figuren nicht exakt gespiegelt sind.


Asymmetrie – Spannung durch Ungleichgewicht

Bei einer asymmetrischen Komposition sind beide Seiten nicht spiegelgleich. Trotzdem kann das Bild ausgewogen wirken. Ein großes Element auf einer Seite kann zum Beispiel durch mehrere kleinere Elemente auf der anderen Seite ausgeglichen werden.

Wassily Kandinskys Komposition 8 zeigt Kreise, Linien, Dreiecke und andere Formen, die unterschiedlich über die Bildfläche verteilt sind.

G-Auftrag: Suche die größte Kreisform und die stärksten Diagonalen. M-Auftrag: Beschreibe, wo das Bild dichter und wo es leerer wirkt. E-Auftrag: Erkläre, wie ein asymmetrisches Bild trotzdem ein visuelles Gleichgewicht erreichen kann.


Ballung – viele Elemente auf engem Raum

Von einer Ballung spricht man, wenn viele Bildelemente auf engem Raum konzentriert sind. Dadurch entsteht ein Schwerpunkt. Eine Ballung kann Nähe, Dichte, Zusammengehörigkeit, Enge oder besondere Wichtigkeit vermitteln.

In Dorothea Langes Fotografie Migrant Mother bilden die Gesichter und Körper eine enge Gruppe.

G-Auftrag: Beschreibe, wo die Figuren am dichtesten zusammenliegen. M-Auftrag: Erkläre, wie die Nähe der Köpfe Deinen Blick bündelt. E-Auftrag: Untersuche, wie Ausschnitt, Helligkeit, Körperhaltung und Ballung zusammenwirken.


Streuung – Verteilung über die Bildfläche

Bei einer Streuung sind viele Elemente über größere Bereiche der Bildfläche verteilt. Der Blick bleibt dann nicht unbedingt an einer Stelle, sondern wandert von Element zu Element.

Pieter Bruegel der Ältere verteilt in Die Kinderspiele zahlreiche Figuren und kleine Gruppen über Straßen und Plätze.

G-Auftrag: Suche fünf voneinander entfernte Figurengruppen. M-Auftrag: Beschreibe einen möglichen Weg, den Dein Blick durch das Bild nimmt. E-Auftrag: Erkläre, warum Streuung nicht automatisch Chaos bedeutet. Suche Ordnungen innerhalb der vielen Gruppen.


Ballung und Streuung im Vergleich

Ballung und Streuung sind Gegensätze, können aber im selben Bild vorkommen. Ein Bild kann zum Beispiel einen geballten Schwerpunkt haben und daneben viele gestreute Nebenelemente.

Merkmal Ballung Streuung
Verteilung viele Elemente dicht zusammen Elemente über größere Flächen verteilt
Blick konzentriert sich häufig auf einen Schwerpunkt wandert häufiger über mehrere Bereiche
mögliche Wirkung dicht, wichtig, nah, konzentriert offen, vielfältig, bewegt, verteilt
Gestaltungsfrage Wo soll der Schwerpunkt liegen? Wie soll der Blick durch die Fläche wandern?


Blickführung – wie Dein Auge durch ein Bild wandert

Blickführung beschreibt, wie die Gestaltung den Weg Deines Blicks beeinflusst. Häufig entsteht sie durch Linien, Helligkeitskontraste, Farben, Größenunterschiede, Gesichter, Blickrichtungen von Figuren, Wiederholungen oder Perspektive.

Beim Letzten Abendmahl laufen wichtige Linien des Raumes auf den Bereich der zentralen Figur zu. Dadurch wird die Mitte hervorgehoben.

Eine solche Zeichnung über einem Bild nennt man eine Kompositionsskizze oder ein Kompositionsschema. Sie zeigt nicht jedes Detail, sondern macht Hauptlinien, Schwerpunkte und Ordnungen sichtbar.


Blickführung durch Perspektive

Auch Raffaels Die Schule von Athen besitzt eine stark geordnete Tiefenwirkung. Architektur und Bodenlinien führen in den Bildraum und zur Mitte.

Eine nummerierte Fassung macht sichtbar, wie viele einzelne Figuren trotzdem in eine Gesamtordnung eingebunden sind.

G-Auftrag: Zeige auf die Bildmitte. Welche Figuren fallen dort zuerst auf? M-Auftrag: Verfolge Boden- und Architekturlinien mit dem Finger. E-Auftrag: Vergleiche die Blickführung bei Raffael mit der bei Leonardo da Vinci.


Komposition in der Fotografie

Auch beim Fotografieren entscheidest Du über die Bildfläche: Du wählst den Ausschnitt, den Standort, die Entfernung und den Moment. Schon eine kleine Verschiebung der Kamera kann die Komposition stark verändern.

Ein bekanntes Hilfsmittel ist die Drittelregel. Dabei wird die Bildfläche gedanklich durch zwei waagerechte und zwei senkrechte Linien in neun Felder geteilt. Wichtige Motive können an oder nahe diesen Linien und Schnittpunkten liegen. Die Drittelregel ist keine Pflicht, sondern eine Möglichkeit, eine Komposition bewusst zu planen.

G-Auftrag: Suche die Rasterlinien. M-Auftrag: Beschreibe, an welcher Stelle des Rasters der Weg oder ein anderer auffälliger Bereich liegt. E-Auftrag: Fotografiere dasselbe Motiv einmal mittig und einmal nach der Drittelregel. Vergleiche beide Wirkungen.


Komposition im Plakat

Bei einem Plakat muss die Bildgestaltung oft sehr schnell Aufmerksamkeit erzeugen. Formen, Schrift und Richtungen sollen so angeordnet sein, dass der Blick gelenkt wird und wichtige Informationen auffallen.

Das Plakat von Joost Schmidt zur Bauhausausstellung 1923 verbindet Kreisformen, Schrift, Hell-Dunkel-Kontraste und schräge Richtungen.

G-Auftrag: Suche Kreis, Schrift und Diagonalen. M-Auftrag: Beschreibe, was Du zuerst, zweitens und drittens ansiehst. E-Auftrag: Erkläre, wie Form, Richtung und Größenunterschiede die Blickführung unterstützen.


Kompositionsschemata erkennen und zeichnen

Eine Kompositionsskizze ist keine genaue Kopie eines Kunstwerks. Sie reduziert ein Bild auf wichtige Linien, Flächen, Richtungen und Schwerpunkte. Dadurch kannst Du den Aufbau leichter untersuchen.

Ein mögliches Vorgehen:

  1. Markiere zuerst den Bildrand als Rechteck.
  2. Suche die wichtigste Horizontale, Vertikale oder Diagonale.
  3. Trage große Formen nur vereinfacht ein.
  4. Markiere Ballungen als größere Formgruppen.
  5. Kennzeichne einen Schwerpunkt.
  6. Zeichne Pfeile für die Blickführung.
  7. Vergleiche Deine Skizze anschließend mit dem Original.

Tipp: Arbeite mit wenigen Linien. Eine Kompositionsskizze soll übersichtlich bleiben.


Beispiel für ein Kompositionsraster

Solche Raster und Linien können helfen, Beziehungen zwischen Bildteilen sichtbar zu machen. Für Deine eigene Untersuchung in Klasse 6 genügt ein einfaches Schema mit Hauptachsen, Diagonalen, Ballungen und Blickpfeilen.


Horizontal, vertikal oder diagonal?

Die Richtung von Linien beeinflusst den Eindruck eines Bildes. Dabei können mehrere Richtungen gleichzeitig auftreten.

Richtung Typische Beispiele Häufige Wirkung
Horizontal Horizont, Tischkante, Ufer, liegende Form Ruhe, Weite, Stabilität
Vertikal Mensch, Baum, Säule, Hauskante Aufrichtung, Standfestigkeit, Ordnung
Diagonal Hang, schräger Arm, Welle, Straße Bewegung, Spannung, Dynamik

Merke: Schreibe bei einer Bildanalyse nicht nur: „Da ist eine Diagonale.“ Erkläre auch, wo sie liegt und was sie für die Bildwirkung tut.


Symmetrisch oder asymmetrisch?

Symmetrie und Asymmetrie sind zwei Möglichkeiten, Bildelemente zu verteilen.

Symmetrische Komposition: Eine Mittelachse ordnet ähnliche Bildteile. Das kann Ruhe, Feierlichkeit oder Stabilität unterstützen.

Asymmetrische Komposition: Formen und Figuren sind ungleich verteilt. Dadurch kann Spannung entstehen. Trotzdem kann ein Gleichgewicht vorhanden sein.

Ein kleines Gedankenexperiment: Stelle Dir links im Bild einen sehr großen schwarzen Kreis vor. Rechts liegen drei kleine schwarze Kreise. Obwohl die Seiten nicht gleich aussehen, können die drei kleinen Formen gemeinsam ein Gegengewicht zum großen Kreis bilden.


Schwerpunkt und Bildgewicht

Bildelemente besitzen ein visuelles Gewicht. Ein großes, dunkles, stark kontrastierendes oder isoliertes Element kann besonders auffallen. Auch ein Gesicht zieht häufig Aufmerksamkeit auf sich.

Ein Schwerpunkt entsteht also nicht nur durch die Position in der Mitte. Er kann auch am Rand liegen, wenn dort Kontrast, Größe oder Ballung stark genug sind.

G-Frage: Was fällt Dir zuerst auf? M-Frage: Welche Gestaltungsmittel machen diese Stelle auffällig? E-Frage: Welche anderen Bildteile sorgen dafür, dass die Komposition trotzdem ausgeglichen bleibt?


Vom Sehen zum Begründen

Eine gute Bilduntersuchung besteht aus drei Schritten:

  1. Beschreiben: Was sehe ich und wo liegt es?
  2. Untersuchen: Welche Kompositionsmittel erkenne ich?
  3. Deuten: Welche Wirkung entsteht dadurch und warum?

Beispiel:

Beschreibung: Eine große Figurengruppe liegt dicht im linken Bildbereich. Untersuchung: Dort entsteht eine Ballung; rechts bleibt viel freie Fläche. Deutung: Die Asymmetrie erzeugt Spannung, und der Blick wird zuerst zur Gruppe gezogen.


Differenzierte Analysehilfen G/M/E

Niveau Satzstarter Ziel
G „Ich sehe …“, „Die Linie verläuft …“, „Die Formen liegen …“ Kompositionsmittel richtig erkennen und benennen.
M „Die Anordnung wirkt …, weil …“, „Mein Blick wandert von … zu …“ Wirkung mit sichtbaren Merkmalen begründen.
E „Das Zusammenspiel aus … und … bewirkt …“, „Obwohl …, entsteht Gleichgewicht durch …“ Mehrere Gestaltungsmittel verknüpfen und gegeneinander abwägen.


Werkstatt: Komposition durch Verschieben verändern

Für diese Übungen brauchst Du farbiges Papier, Schere, ein weißes Blatt und eventuell ein Smartphone oder Tablet zum Fotografieren.


Übung G: Drei Formen – viele Wirkungen

Schneide einen großen Kreis, ein kleines Rechteck und ein Dreieck aus. Lege sie zuerst symmetrisch, dann asymmetrisch, dann als Ballung und schließlich gestreut auf das Blatt. Fotografiere jede Variante.

Vergleiche anschließend: Welche Anordnung wirkt am ruhigsten? Welche am spannendsten? Bei welcher bleibt viel freie Fläche?


Übung M: Linien geben die Richtung vor

Lege drei Papierstreifen zuerst horizontal, dann vertikal und dann diagonal auf ein Blatt. Ergänze zwei kleine Figuren oder Formen. Verschiebe sie so lange, bis sie die Linienrichtung unterstützen.

Beschreibe zu jeder Variante die Blickführung mit einem Satz.


Übung E: Gleiche Elemente – andere Aussage

Nutze dieselben fünf bis acht Papierformen für drei verschiedene Aussagen:

  1. eine ruhige Komposition
  2. eine spannungsvolle Komposition
  3. eine Komposition mit starkem Blickzentrum

Du darfst nur die Position, Richtung und Abstände verändern, nicht die Formen selbst. Begründe anschließend, welche Entscheidungen die Wirkung erzeugen.


Medienvergleich: Zeichnung, Gemälde, Fotografie und Plakat

Komposition funktioniert in unterschiedlichen Bildmedien, aber die Mittel können verschieden eingesetzt werden.

Medium Beispiel im aiMOOC Kompositorischer Schwerpunkt
Zeichnung Vitruvianischer Mensch Achse, Körperordnung, annähernde Symmetrie
Gemälde Der Mönch am Meer Horizontalen, Weite, kleine Vertikale
Holzschnitt Die große Welle vor Kanagawa Diagonalen, Bewegung, Blickführung
Fotografie Migrant Mother Ballung, Ausschnitt, Blickzentrum
Plakat Bauhausausstellung 1923 Diagonalen, Kreisform, Schrift, Kontrast
Abstrakte Malerei Komposition 8 Asymmetrie, Streuung, Linienrichtungen


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was bezeichnet die Komposition eines Bildes? (Die Anordnung der Bildelemente auf der Bildfläche) (!Nur die verwendeten Farben) (!Nur den Bildtitel) (!Nur die Größe des Rahmens)




Welche Linienrichtung wirkt häufig ruhig und weit? (Horizontale) (!Diagonale) (!Spirale) (!Zickzacklinie)




Welche Linienrichtung kann Bewegung und Spannung besonders unterstützen? (Diagonale) (!Horizontale) (!Mittelpunkt) (!Kreisfläche)




Was kennzeichnet eine symmetrische Komposition? (Eine Achse ordnet ähnliche Bildteile) (!Alle Formen liegen zufällig verteilt) (!Nur eine Ecke ist gestaltet) (!Es gibt keine erkennbaren Beziehungen)




Was bedeutet Asymmetrie in einer Komposition? (Die Bildseiten sind nicht spiegelgleich angeordnet) (!Alle Formen sind gleich groß) (!Das Bild hat keine Farben) (!Nur waagerechte Linien sind erlaubt)




Was ist eine Ballung? (Viele Bildelemente liegen dicht beieinander) (!Alle Bildelemente fehlen) (!Alle Linien verlaufen senkrecht) (!Ein Bild besteht nur aus Hintergrund)




Was ist eine Streuung? (Bildelemente sind über größere Bereiche verteilt) (!Alle Elemente liegen auf einer einzigen Stelle) (!Das Bild ist exakt gespiegelt) (!Nur eine Figur ist sichtbar)




Was beschreibt der Begriff Blickführung? (Den Weg des Blicks durch ein Bild) (!Die Dicke des Papiers) (!Die Herstellungszeit eines Rahmens) (!Die Lautstärke eines Videos)




Wozu dient eine Kompositionsskizze? (Sie vereinfacht wichtige Linien und Schwerpunkte eines Bildes) (!Sie kopiert jedes Detail möglichst genau) (!Sie ersetzt immer das Originalkunstwerk) (!Sie zeigt nur den Namen des Künstlers)




Welche Aussage zur Drittelregel ist richtig? (Sie ist ein Hilfsmittel zur bewussten Anordnung von Motiven) (!Sie verbietet asymmetrische Bilder) (!Sie gilt nur für rote und blaue Farben) (!Sie verlangt immer eine Figur in der Bildmitte)





Memory

Horizontale waagerechte Richtung
Vertikale senkrechte Richtung
Diagonale schräge Richtung
Symmetrie spiegelähnliche Ordnung an einer Achse
Asymmetrie ungleich verteilte Bildordnung
Ballung dichte Konzentration von Elementen
Streuung weite Verteilung von Elementen
Blickführung Weg des Auges durch die Bildfläche





Drag and Drop

Verschiebeaufgabe G – Grundbegriffe zuordnen

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Horizontale waagerechte Linie
Vertikale senkrechte Linie
Diagonale schräge Linie
Ballung dichte Gruppe
Streuung verteilte Gruppe




Verschiebeaufgabe M – mögliche Wirkungen zuordnen

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Ruhe und Weite Horizontale
Aufrichtung und Standfestigkeit Vertikale
Bewegung und Spannung Diagonale
Ordnung und Ausgleich Symmetrie
Spannung durch Ungleichheit Asymmetrie




Verschiebeaufgabe E – Bildbeispiele und Schwerpunkte zuordnen

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Der Mönch am Meer starke Horizontalen
Die große Welle dynamische Diagonalen
Migrant Mother Ballung der Figuren
Die Kinderspiele weite Streuung
Komposition mit Rot Blau und Gelb Vertikalen und Horizontalen




Verschiebeaufgabe E – Blickführung ordnen

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Fluchtlinien lenken in die Bildtiefe
Hell-Dunkel-Kontrast zieht Aufmerksamkeit an
Blickrichtung einer Figur erzeugt eine gedachte Linie
Größenunterschied schafft visuelles Gewicht
Freifläche trennt Schwerpunkte voneinander





Kreuzworträtsel

Horizontale Welche Linienrichtung verläuft waagerecht?
Vertikale Welche Linienrichtung verläuft senkrecht?
Diagonale Welche Linie verläuft schräg durch die Bildfläche?
Symmetrie Wie heißt eine spiegelähnliche Ordnung an einer Achse?
Ballung Wie heißt eine dichte Konzentration vieler Bildelemente?
Streuung Wie heißt die weite Verteilung von Bildelementen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Die Anordnung von Bildelementen auf einer Fläche nennt man

.
Eine waagerechte Linie heißt

.
Eine senkrechte Linie heißt

.
Eine schräge Bildrichtung nennt man

.
Eine spiegelähnliche Ordnung an einer Achse heißt

.
Eine ungleich verteilte Bildordnung nennt man

.
Wenn viele Formen dicht beieinanderliegen, entsteht eine

.
Wenn Formen über große Teile einer Fläche verteilt sind, spricht man von

.
Der Weg des Auges durch ein Bild heißt

.
Eine vereinfachte Zeichnung wichtiger Bildlinien nennt man

.
Ein besonders auffälliger Bereich eines Bildes ist ein

.
Die Drittelregel teilt die Bildfläche gedanklich in

Bereiche.




Offene Aufgaben


Leicht – G

  1. Linienjagd: Suche in Deiner Umgebung je drei Beispiele für Horizontalen, Vertikalen und Diagonalen. Fotografiere oder zeichne sie und beschrifte die Richtungen.
  2. Papierschnipsel-Komposition: Lege fünf ausgeschnittene Formen zuerst als Ballung und danach als Streuung. Fotografiere beide Varianten und beschreibe den Unterschied.
  3. Symmetrie-Test: Gestalte mit einfachen geometrischen Formen ein annähernd symmetrisches Bild. Zeichne anschließend die Symmetrieachse ein.
  4. Blickweg: Wähle ein Bild aus diesem aiMOOC und zeichne auf einer Kopie oder eigenen Skizze mit Pfeilen ein, wohin Dein Blick zuerst und danach wandert.


Standard – M

  1. Kompositionsvergleich: Gestalte mit denselben Formen drei Varianten: horizontal, vertikal und diagonal. Beschreibe die jeweilige Wirkung.
  2. Fotografie und Drittelregel: Fotografiere dasselbe Motiv einmal mittig und einmal deutlich aus der Mitte verschoben. Vergleiche Blickführung und Spannung.
  3. Plakatgestaltung: Entwirf ein kleines Veranstaltungsplakat, bei dem eine Diagonale, ein Schwerpunkt und eine klare Blickfolge erkennbar sind.
  4. Kompositionsskizze: Wähle ein Gemälde und reduziere es auf fünf bis acht Hauptlinien, zwei große Flächen und einen Schwerpunkt.


Schwer – E

  1. Bildumbau: Verändere die Komposition eines bekannten Bildes als Collage. Verschiebe Hauptfiguren und erkläre, wie sich Aussage und Blickführung verändern.
  2. Asymmetrisches Gleichgewicht: Gestalte eine Komposition, die deutlich asymmetrisch ist, aber trotzdem ausgeglichen wirkt. Begründe, wodurch das Gleichgewicht entsteht.
  3. Medienvergleich: Vergleiche ein Gemälde, eine Fotografie und ein Plakat hinsichtlich Linie, Ballung, Streuung und Blickführung. Stelle die Ergebnisse als Präsentationsposter dar.
  4. Kompositionsfilm: Produziere ein kurzes Erklärvideo, in dem Du an selbst gestalteten Beispielen Horizontalen, Vertikalen, Diagonalen, Symmetrie, Asymmetrie, Ballung, Streuung und Blickführung erklärst.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Kompositionsentscheidung: Du sollst ein Bild gestalten, das besonders ruhig wirkt. Entscheide Dich für Linienrichtungen, Verteilung der Formen und Schwerpunkt. Begründe jede Entscheidung.
  2. Wirkungswechsel: Ein Bild wirkt zu statisch. Beschreibe mindestens drei kompositorische Veränderungen, durch die es bewegter wirken könnte.
  3. Bildvergleich: Vergleiche Der Mönch am Meer mit Die große Welle vor Kanagawa. Erkläre, wie Linienrichtungen unterschiedliche Wirkungen unterstützen.
  4. Ballung und Streuung übertragen: Plane ein Pausenhofbild mit vielen Personen. Entwickle eine Version mit Ballung und eine mit Streuung. Erkläre, welche Geschichte jede Version erzählen könnte.
  5. Asymmetrie begründen: Entwirf eine asymmetrische Komposition mit einem großen Element und mehreren kleinen Elementen. Erkläre, wie trotzdem ein visuelles Gleichgewicht entsteht.
  6. Blickführung planen: Entwirf ein Plakat, bei dem der Blick zuerst auf den Titel, dann auf ein Bildmotiv und zuletzt auf eine Information gelenkt wird. Beschreibe, wie Linien, Größe, Kontrast und Position diese Reihenfolge unterstützen.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Begriffe auswendig kennst, sondern sie an Bildern anwenden kannst.

  1. Du kannst Horizontalen, Vertikalen und Diagonalen in unbekannten Bildern erkennen und ihre mögliche Wirkung beschreiben.
  2. Du kannst Symmetrie und Asymmetrie unterscheiden und an Beispielen begründen.
  3. Du kannst Ballung und Streuung erkennen und ihre Bedeutung für Schwerpunkt und Blickbewegung erklären.
  4. Du kannst den Blickweg durch ein Bild mit sichtbaren oder gedachten Linien beschreiben.
  5. Du kannst eine einfache Kompositionsskizze mit Hauptlinien, Flächen, Schwerpunkten und Blickpfeilen erstellen.
  6. Du kannst erklären, warum dieselben Bildelemente nach dem Verschieben eine andere Wirkung erzeugen.
  7. Du kannst mindestens zwei Kompositionsmittel miteinander verknüpfen und ihre gemeinsame Wirkung erläutern.
  8. Du kannst eine eigene Gestaltung planen, durchführen und Deine Entscheidungen mit Fachbegriffen begründen.
  9. Auf M-Niveau begründest Du Wirkungen mit mehreren sichtbaren Merkmalen.
  10. Auf E-Niveau vergleichst Du alternative Kompositionen und beurteilst, welche Anordnung eine beabsichtigte Aussage besser unterstützt.




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