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BK6 - Fantasieobjekt aus Fundmaterialien

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BK6 - Fantasieobjekt aus Fundmaterialien




Einleitung

BK6 - Fantasieobjekt aus Fundmaterialien ist ein Kunstprojekt für die Klasse 6. Du entwickelst aus bereits vorhandenen Dingen ein völlig neues dreidimensionales Objekt. Ein Flaschendeckel kann zum Auge werden, ein Stück Draht zum Fühler, eine Kartonrolle zum Körper, ein Korken zum Gelenk und ein Stoffrest zur Haut eines Fantasiewesens. Entscheidend ist nicht, möglichst wertvolle Materialien zu benutzen. Entscheidend ist, dass Du genau hinschaust, Möglichkeiten entdeckst, ausprobierst, verbindest, veränderst und begründest.

Du arbeitest dabei ähnlich wie bei einer Assemblage: Vorgefundene Gegenstände oder Materialteile werden ausgewählt, neu angeordnet und zu einem neuen Zusammenhang verbunden. Dabei kann sich ihre ursprüngliche Bedeutung stark verändern. Aus Verpackung, Reststück und Alltagsgegenstand entsteht ein Kunstobjekt mit einer eigenen Form, Funktion, Geschichte oder Aussage.

Betrachte das Bild genau: Welche Einzelteile kannst Du noch als ursprüngliche Gegenstände erkennen? Welche Teile verlieren ihre alte Funktion? Wo beginnt für Dich das neue Kunstwerk?

Das Video zeigt, wie aus gefundenen Gegenständen eine Assemblage entwickelt werden kann. Achte beim Anschauen besonders darauf, wie gesammelt, sortiert, angeordnet, getestet und verbunden wird.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du Fundmaterialien gezielt für eine plastische Gestaltung auswählen und ihre Form, Oberfläche, Stabilität und ursprüngliche Bedeutung untersuchen. Du kannst aus vorhandenen Teilen mehrere Ideen entwickeln, eine Skizze anfertigen, geeignete Verbindungstechniken erproben und ein stabiles Fantasieobjekt bauen. Außerdem kannst Du erklären, warum Du bestimmte Materialien und Verbindungen gewählt hast und welche neue Bedeutung Dein Objekt erhalten hat.

Die drei Anforderungsniveaus bedeuten in diesem Kurs:

Niveau Schwerpunkt Was von Dir erwartet wird
G – grundlegendes Niveau Erkennen, Erproben, sicher Gestalten Du entwickelst eine verständliche Idee, verwendest geeignete Fundmaterialien, baust stabil und beschreibst wichtige Entscheidungen mit Hilfen.
M – mittleres Niveau Planen, Variieren, Begründen Du vergleichst mehrere Möglichkeiten, kombinierst unterschiedliche Materialien und Verbindungstechniken und begründest Deine Entscheidungen nachvollziehbar.
E – erweitertes Niveau Experimentieren, Verdichten, Reflektieren Du entwickelst eine eigenständige, mehrdeutige oder symbolische Lösung, überarbeitest gezielt und reflektierst Wirkung, Material, Konstruktion und Bedeutung differenziert.


Was sind Fundmaterialien?

Fundmaterialien sind Dinge, die bereits vorhanden sind und ursprünglich meist für einen anderen Zweck hergestellt oder benutzt wurden. Dazu können Verpackungen, Kartonstücke, Deckel, Korken, Stoffreste, Schnüre, Knöpfe, Holzreste, saubere Kunststoffteile, alte Spielzeugteile oder ungefährliche Naturmaterialien gehören.

Ein gewöhnlicher Gegenstand trägt bereits Eigenschaften mit sich: Form, Farbe, Oberfläche, Gewicht, Gebrauchsspuren und Erinnerungen an seine frühere Funktion. Genau diese Eigenschaften können für Deine Gestaltung interessant werden.

Ein geriffelter Deckel kann beispielsweise wie ein Zahnrad wirken. Eine gebogene Verpackung kann an einen Panzer erinnern. Ein Stück Netz kann Haut, Flügel, Schutzgitter oder Gefängnis bedeuten. Ein altes Rad kann Bewegung andeuten, auch wenn es sich im fertigen Objekt gar nicht mehr dreht.


Sicher sammeln

Für den Kunstunterricht gilt: Fundmaterialien müssen sauber, trocken und ungefährlich sein. Scharfe Metallkanten, Glasscherben, Spritzen, unbekannte Chemikalien, Batterien, beschädigte Elektrogeräte und verschmutzte Abfälle gehören nicht in die Materialsammlung. Schneidwerkzeuge, Heißkleber oder andere Geräte werden nur nach den Regeln der Lehrkraft verwendet.

Bevor Du etwas mitbringst, prüfst Du vier Fragen: Ist es sauber? Ist es ungefährlich? Darf ich es verwenden? Lässt es sich im Unterricht sinnvoll bearbeiten oder verbinden?


Assemblage: Aus Vorhandenem wird etwas Neues

Bei einer Assemblage werden bereits vorhandene Objekte oder Teile zu einer neuen künstlerischen Einheit zusammengefügt. Im Unterschied zu einer rein zweidimensionalen Collage ragen Teile häufig in den Raum hinein oder bilden ein vollständig dreidimensionales Objekt. Für Dein Projekt ist besonders wichtig, dass die Fundstücke nicht nur nebeneinander liegen, sondern durch Auswahl, Anordnung und Verbindung eine neue Wirkung erhalten.

Bei diesem Beispiel bleiben die Flaschendeckel erkennbar. Gleichzeitig übernehmen sie im Kunstwerk eine neue Aufgabe: Sie werden zu Oberfläche, Struktur und Teil einer Figur. Genau dieses Spannungsfeld ist für Fundmaterial-Kunst interessant: Man sieht noch, was ein Teil einmal war, und zugleich sieht man, was es jetzt geworden ist.

Beobachtungsauftrag zum Video: Suche drei Stellen, an denen ein Alltagsmaterial durch seine neue Position oder Kombination eine andere Bedeutung erhält.


Upcycling und künstlerische Verwandlung

Upcycling bedeutet, dass vorhandene oder nicht mehr benötigte Materialien in einen neuen Zusammenhang gebracht und dabei aufgewertet werden. Im Kunstunterricht geht es dabei nicht nur darum, Müll zu vermeiden. Material kann zugleich zum Träger einer Idee werden.

Die kleine Drahtskulptur zeigt, wie wenig Material nötig sein kann, um eine Form wiedererkennbar zu machen. Draht besitzt andere Eigenschaften als Karton: Er ist linear, biegsam und kann Konturen im Raum zeichnen. Gummiteile wirken wieder anders: weich, dunkel, elastisch und technisch.

Bei einem Fantasieobjekt kannst Du deshalb fragen: Soll das Material seine Herkunft deutlich zeigen? Soll es verfremdet werden? Soll aus etwas Weggeworfenem etwas Kostbares, Lustiges, Rätselhaftes, Bedrohliches oder Zukunftsorientiertes entstehen?


Material erforschen statt sofort festkleben

Ein häufiger Fehler besteht darin, das erste gefundene Teil sofort festzukleben. Künstlerisches Arbeiten wird spannender, wenn Du zunächst spielst und testest. Drehe einen Gegenstand um. Stelle ihn auf die Seite. Verdecke einen Teil. Kombiniere zwei Dinge, die ursprünglich nichts miteinander zu tun haben. Betrachte die Anordnung aus mehreren Richtungen.

Du kannst jedes Fundstück nach folgenden Gesichtspunkten untersuchen:

Eigenschaft Leitfrage Mögliche Wirkung
Form Ist das Teil rund, kantig, länglich, hohl, flach oder gebogen? Eine runde Form kann weich oder körperhaft wirken, eine kantige eher technisch oder streng.
Oberfläche Ist sie glatt, rau, glänzend, matt, geriffelt oder beschädigt? Unterschiedliche Oberflächen erzeugen Kontraste und laden zum genauen Hinsehen ein.
Gewicht Ist das Teil leicht oder schwer? Gewicht beeinflusst Standfestigkeit, Balance und Verbindungstechnik.
Farbe Ist die ursprüngliche Farbe wichtig? Originalfarben können die Herkunft sichtbar lassen; Übermalung kann Teile stärker vereinheitlichen.
Beweglichkeit Kann sich das Teil drehen, schwingen, klappen oder federn? Bewegung kann Funktion, Lebendigkeit oder Überraschung erzeugen.
Herkunft Wofür wurde der Gegenstand früher benutzt? Die alte Funktion kann bewusst erhalten, verändert oder ins Gegenteil verkehrt werden.


Die neue Bedeutung finden

Ein Fantasieobjekt soll nicht nur aus Resten bestehen. Es soll eine neue Idee entstehen. Dazu kannst Du von drei Wegen ausgehen.

Weg Beispiel Denkfrage
Verwandlung Aus einem Löffel wird ein Schnabel. Was erinnert Dich die Form noch?
Kombination Deckel, Draht und Karton bilden gemeinsam ein unbekanntes Tier. Welche Teile ergeben zusammen etwas, das vorher nicht existierte?
Umdeutung Ein kaputtes Spielzeugrad wird zum Symbol für Stillstand. Welche neue Aussage kann ein bekannter Gegenstand erhalten?

Besonders spannend wird ein Werk, wenn nicht alles sofort eindeutig ist. Vielleicht sieht eine Person in Deinem Objekt ein Tier und eine andere eine Maschine. Vielleicht wirkt es gleichzeitig komisch und unheimlich. Solche Mehrdeutigkeiten können eine Stärke sein, wenn sie bewusst gestaltet sind.


Vom Einfall zur Skizze

Eine Skizze ist kein perfektes Endbild. Sie hilft Dir beim Denken. Du kannst schnell mehrere Varianten zeichnen, Teile beschriften und notieren, welche Materialien oder Verbindungen Du ausprobieren möchtest.

Für dieses Projekt sollte eine gute Planung mindestens die Gesamtform, wichtige Einzelteile und geplante Verbindungen zeigen. Bei M und E lohnt es sich, mehrere Ansichten zu zeichnen, zum Beispiel von vorne und von der Seite.

Auch wenn das Video eine Collage zeigt, ist der Arbeitsgedanke übertragbar: Fundmaterialien werden zunächst gesammelt, betrachtet, geschichtet und in neue Beziehungen gebracht. Nutze diesen Gedanken für Deine dreidimensionale Planung.


Drei-Ideen-Regel

Bevor Du Dich entscheidest, entwickelst Du mindestens drei kurze Ideen. Idee eins darf naheliegend sein. Idee zwei verändert Form oder Bedeutung stärker. Idee drei soll etwas wagen, das Du zunächst ungewöhnlich findest. Erst danach vergleichst Du die Entwürfe.

Für den Vergleich kannst Du fragen: Welche Idee nutzt die vorhandenen Formen am besten? Welche hat eine interessante Silhouette? Welche lässt sich stabil bauen? Welche verändert die ursprüngliche Bedeutung der Materialien besonders deutlich?


Verbinden: Wie halten die Teile zusammen?

Eine Verbindung ist nicht nur Technik. Sie beeinflusst auch das Aussehen. Ein sichtbarer Knoten kann handwerklich oder provisorisch wirken. Eine Drahtwicklung kann technisch aussehen. Eine saubere Steckverbindung kann die Konstruktion fast unsichtbar machen. Klebeband kann versteckt oder bewusst als Gestaltungselement eingesetzt werden.

Verbindung Geeignet für Gestaltungshinweis
Stecken und Schlitzen Karton, Pappe, dünne Platten Gut für leichte Konstruktionen; oft ohne zusätzliches Klebemittel möglich.
Kleben Papier, Karton, leichte Kunststoff- oder Holzteile Klebeflächen müssen ausreichend groß sein; Trocknungszeit beachten.
Binden und Knoten Schnur, Bast, Stoff, Stäbe, gelochte Teile Die Verbindung kann sichtbar bleiben und Teil der Oberfläche werden.
Drahtwicklung Teile mit Löchern, Stäbe, leichte Bauteile Nur mit geeignetem, ungefährlichem Draht und nach Anweisung arbeiten; Enden sichern.
Klebeband Provisorische Tests und leichte Bauteile Besonders gut für schnelle Passproben; sichtbar eingesetzt kann es grafische Linien erzeugen.
Falten und Laschen Papier, Karton, dünne Verpackungen Erhöht die Stabilität, ohne ein zusätzliches Material einzuführen.

Wichtig: Vor dem endgültigen Verbinden kommt die Passprobe. Halte oder fixiere Teile zunächst provisorisch. Prüfe Stand, Richtung und Wirkung. Erst wenn die Anordnung überzeugt, wird dauerhaft verbunden.


Stabilität, Balance und Schwerpunkt

Ein Fantasieobjekt darf ungewöhnlich aussehen, aber es soll nicht zufällig auseinanderfallen. Ein breiter oder schwerer Bereich unten kann für Stabilität sorgen. Ausladende Teile können das Objekt kippen lassen. Du kannst das gestalterisch nutzen, musst es aber konstruktiv ausgleichen.

Teste Dein Objekt während des Bauens immer wieder. Stelle es auf eine ebene Fläche. Betrachte es von allen Seiten. Berühre den Tisch vorsichtig. Wackelt etwas? Dreht sich ein Teil unbeabsichtigt? Löst sich eine Verbindung? Dann ist Überarbeitung kein Fehler, sondern Teil des Gestaltungsprozesses.

Bei Kartonkonstruktionen können Faltungen, Schichtungen, Rippen oder Steckverbindungen die Stabilität erhöhen. Nicht immer ist mehr Klebstoff die beste Lösung.


Oberfläche und Materialkontrast

Du kannst Materialien bewusst gegeneinander setzen: weich gegen hart, glänzend gegen matt, glatt gegen rau, natürlich gegen künstlich, neu gegen abgenutzt. Ein solcher Kontrast macht Unterschiede sichtbar.

Du kannst aber auch vereinheitlichen. Wenn sehr verschiedene Fundstücke vollständig in einer Farbe gefasst werden, treten ihre ursprünglichen Farben zurück und Formen, Schatten und Strukturen werden wichtiger.

Achte im Video darauf, wie viele unterschiedliche Einzelteile durch Anordnung und gemeinsame Oberflächenwirkung zu einer Einheit werden. Überlege danach, ob Du bei Deinem eigenen Objekt Herkunftsspuren zeigen oder Teile bewusst vereinheitlichen möchtest.


Vom Fundstück zum Fantasieobjekt: Arbeitsprozess

Phase Deine Handlung Leitfrage
1. Sammeln Du suchst saubere, sichere Fundmaterialien. Welche Formen und Oberflächen wecken Ideen?
2. Sortieren Du gruppierst nach Form, Material, Farbe, Größe oder Wirkung. Welche überraschenden Beziehungen entstehen?
3. Spielen Du legst, stellst, drehst und kombinierst ohne feste Verbindung. Was könnte aus den Teilen werden?
4. Skizzieren Du entwickelst mehrere Entwürfe. Welche Idee hat die stärkste neue Form oder Bedeutung?
5. Verbindung testen Du erprobst Stecken, Binden, Kleben oder andere geeignete Techniken. Welche Verbindung ist stabil und passt zur Wirkung?
6. Bauen Du beginnst mit tragenden Teilen und ergänzt Details. Bleibt das Objekt auch während des Aufbaus stabil?
7. Überarbeiten Du prüfst Silhouette, Balance, Oberfläche und Aussage. Was kann klarer, spannender oder überraschender werden?
8. Präsentieren Du zeigst das Objekt aus einer günstigen Perspektive und gibst ihm einen Titel. Wie lenkst Du den Blick auf Deine Idee?
9. Reflektieren Du erklärst Entscheidungen und Veränderungen. Warum ist gerade aus diesen Fundstücken dieses Objekt entstanden?


Beispiel: Ein Fundstück bekommt eine neue Rolle

Stell Dir vor, Du findest eine Kartonrolle, zwei Deckel, ein Stück Draht, einen Korken und einen kleinen Stoffrest. Du könntest daraus einen Roboter bauen. Das wäre eine mögliche Lösung, aber noch keine besonders überraschende. Wenn Du die Rolle waagerecht legst, den Draht als geschwungene Beine verwendest und die Deckel nicht als Augen, sondern als seitliche Schallöffnungen deutest, könnte ein unbekanntes Hörwesen entstehen. Der Stoffrest könnte ein Filter, Flügel oder Erinnerungsfetzen sein.

Die gestalterische Frage lautet also nicht: Was kann ich aus Müll basteln? Sie lautet: Welche neue Form und Bedeutung kann ich aus genau diesen vorhandenen Eigenschaften entwickeln?


Beispiele für die Verwandlung von Restmaterial

Karton ist zunächst Verpackungsmaterial. Durch Schneiden, Schichten, Falten und räumliche Konstruktion kann daraus eine große plastische Form entstehen.

Gefundene und weggeworfene Dinge können im neuen Zusammenhang völlig anders wahrgenommen werden. Ihre Gebrauchsspuren können dabei Teil der ästhetischen Wirkung bleiben.


Differenzierung G / M / E

Bereich G – grundlegend M – mittel E – erweitert
Ideenentwicklung Du entwickelst mindestens drei kleine Ideen und wählst eine davon aus. Du vergleichst mindestens drei Varianten nach Form, Stabilität und Bedeutung. Du entwickelst bewusst gegensätzliche oder mehrdeutige Varianten und begründest die Auswahl.
Materialwahl Du nutzt mindestens drei verschiedene geeignete Fundmaterialien. Du kombinierst mindestens fünf Fundmaterialien mit bewusst unterschiedlichen Eigenschaften. Du nutzt Materialeigenschaften und Herkunft gezielt als Teil der Aussage.
Skizze Eine beschriftete Hauptansicht. Mindestens zwei Ansichten mit Material- und Verbindungshinweisen. Mehrere Varianten oder Ansichten mit Überlegungen zu Wirkung, Balance und Bedeutung.
Verbindungen Mindestens eine stabile, passende Verbindungstechnik. Mindestens zwei unterschiedliche Verbindungstechniken werden sinnvoll kombiniert. Verbindungen werden technisch und ästhetisch bewusst eingesetzt, sichtbar oder verborgen.
Gestaltung Das Objekt ist als eigenständige neue Form erkennbar und stabil. Form, Materialkontraste und Details unterstützen die Idee. Komposition, Materialkontraste, Mehrdeutigkeit und Präsentation bilden ein überzeugendes Ganzes.
Reflexion Du beschreibst Material, Verbindung und neue Bedeutung mit Satzanfängen. Du begründest Entscheidungen und nennst mindestens eine Überarbeitung. Du reflektierst Alternativen, Wirkung auf Betrachter, Materialherkunft und mögliche Verbesserungen differenziert.


Reflexion: Materialwahl, Verbindung und neue Bedeutung

Eine gute Reflexion beschreibt nicht nur, was Du gemacht hast. Sie erklärt vor allem, warum Du so entschieden hast.

Nutze dafür diese drei Kernfragen:

Bereich Leitfrage Beispiel für eine begründete Aussage
Materialwahl Warum passt dieses Fundstück zu Deiner Idee? „Ich habe den geriffelten Deckel verwendet, weil seine Oberfläche wie ein technischer Sensor wirkt.“
Verbindung Warum hast Du genau diese Technik gewählt? „Ich habe die Flügel mit Draht verbunden, weil sie dadurch beweglich bleiben und die Verbindung sichtbar zur Maschinenwirkung passt.“
Neue Bedeutung Was ist aus der ursprünglichen Funktion geworden? „Der alte Korken verschließt keine Flasche mehr, sondern wird zum Gelenk. Seine frühere Funktion ist noch erkennbar, aber neu gedeutet.“

Für E ergänzt Du: Welche andere Deutung könnte ein Betrachter haben? Welche Spuren der früheren Nutzung sollen sichtbar bleiben? Welche Wirkung hätte das Werk, wenn Du ein Material austauschen würdest?


Präsentieren wie in einer kleinen Ausstellung

Gib Deinem Objekt einen Titel, der nicht alles erklärt. Stelle es so auf, dass die wichtigste Ansicht sichtbar wird. Ein neutraler Hintergrund hilft beim Fotografieren. Fotografiere mindestens Vorderseite, Seitenansicht und ein Detail der interessantesten Verbindung.

Ein kurzer Ausstellungstext kann aus drei Sätzen bestehen: Der erste nennt die Idee. Der zweite erklärt eine wichtige Materialentscheidung. Der dritte beschreibt die neue Bedeutung oder eine offene Frage an die Betrachtenden.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was beschreibt eine Assemblage am besten? (Ein Kunstwerk, das aus bereits vorhandenen Objekten oder Teilen neu zusammengesetzt wird) (!Eine Zeichnung, die nur mit Bleistift angefertigt wird) (!Eine Skulptur, die ausschließlich aus Stein gehauen wird) (!Ein Bild, das immer vollkommen symmetrisch aufgebaut ist)




Warum ist eine Passprobe vor dem endgültigen Verbinden sinnvoll? (Weil Du Anordnung, Stabilität und Wirkung noch verändern kannst) (!Weil Klebstoff dann grundsätzlich überflüssig wird) (!Weil alle Materialien dadurch gleich schwer werden) (!Weil die ursprüngliche Funktion der Teile automatisch verschwindet)




Welche Materialwahl ist für den Unterricht besonders geeignet? (Saubere ungefährliche Kartonstücke, Korken und Deckel) (!Glasscherben mit scharfen Kanten) (!Unbekannte chemische Behälter mit Restinhalt) (!Beschädigte Batterien und offene Elektrobauteile)




Was bedeutet Upcycling im Zusammenhang mit diesem Projekt? (Vorhandene oder nicht mehr benötigte Materialien werden in einen neuen wertigen Zusammenhang gebracht) (!Alle Materialien werden ohne Gestaltung entsorgt) (!Neue Materialien werden gekauft und unverändert ausgestellt) (!Ein altes Objekt wird nur fotografiert und danach weggeworfen)




Welche Aussage zur Verbindungstechnik ist richtig? (Die Verbindung soll zur Materialeigenschaft, Stabilität und Gestaltungsidee passen) (!Für jedes Material ist dieselbe Verbindung am besten) (!Je mehr Klebstoff sichtbar ist, desto stabiler ist jedes Objekt) (!Verbindungen spielen für die Wirkung eines Kunstwerks keine Rolle)




Wozu dient eine Skizze in diesem Projekt vor allem? (Sie hilft, Ideen, Formen, Materialien und Verbindungen vor dem Bauen zu planen) (!Sie ersetzt das fertige dreidimensionale Objekt vollständig) (!Sie muss bereits wie ein perfektes Foto aussehen) (!Sie darf nach Beginn des Bauens niemals mehr verändert werden)




Was ist mit neuer Bedeutung gemeint? (Ein Fundstück erhält im Kunstwerk eine andere Rolle oder Aussage als zuvor) (!Ein Gegenstand muss nach dem Gestalten wieder genau dieselbe Funktion erfüllen) (!Alle Fundstücke müssen unkenntlich gemacht werden) (!Jedes Objekt braucht eine Bedienungsanleitung)




Warum können Gebrauchsspuren eines Fundstücks interessant sein? (Sie können Herkunft, Alter oder frühere Nutzung sichtbar machen und Teil der Wirkung werden) (!Sie machen ein Material grundsätzlich unbrauchbar) (!Sie müssen in jedem Kunstwerk vollständig verdeckt werden) (!Sie bestimmen automatisch den Titel des Kunstwerks)




Was verbessert die Standfestigkeit eines Objekts häufig? (Eine tragfähige Basis und eine bewusste Verteilung von Gewicht) (!Ein sehr schweres Teil ganz oben ohne Ausgleich) (!Möglichst viele lose Teile) (!Eine Skizze ohne Blick auf die Konstruktion)




Was gehört zu einer guten Reflexion? (Die eigenen Entscheidungen zu Material, Verbindung, Überarbeitung und Bedeutung begründen) (!Nur die Anzahl der verwendeten Teile nennen) (!Nur sagen, dass das Werk schön geworden ist) (!Die Gestaltungsidee erst nachträglich zufällig erfinden)





Memory

Assemblage Zusammenfügen vorhandener Objekte zu einem neuen Kunstwerk
Fundmaterial Bereits vorhandener Gegenstand oder Materialrest für eine neue Gestaltung
Skizze Schneller zeichnerischer Entwurf zur Planung
Passprobe Vorläufiges Zusammenstellen vor der endgültigen Verbindung
Balance Ausgewogenes Verhältnis, das auch die Standfestigkeit beeinflussen kann
Upcycling Aufwertung vorhandener Materialien durch eine neue Nutzung
Kontrast Deutlich wahrnehmbarer Unterschied zwischen Materialien oder Formen
Symbol Sichtbares Zeichen, das auf eine zusätzliche Idee oder Bedeutung verweist





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Verbindung oder Gestaltungsaufgabe
Steckverbindung Kartonteile werden durch passende Schlitze ineinandergeschoben.
Drahtwicklung Bauteile werden mit biegsamem Draht umschlungen und gehalten.
Knoten Schnur oder Bast verbindet gelochte oder umwickelte Teile.
Klebefläche Zwei geeignete Oberflächen werden mit Klebstoff dauerhaft zusammengefügt.
Lasche Ein Materialteil wird gefaltet und als zusätzliche Befestigungsfläche genutzt.
Passprobe Teile werden vor der endgültigen Befestigung auf Form und Stabilität getestet.






Kreuzworträtsel

Assemblage Wie heißt eine Kunstform, bei der vorhandene Gegenstände oder Teile neu zusammengefügt werden?
Skizze Wie heißt ein schneller zeichnerischer Entwurf für die Planung?
Karton Welches leichte Verpackungsmaterial lässt sich gut schneiden, falten und stecken?
Draht Welches biegsame Material eignet sich zum Umwickeln und für lineare Formen im Raum?
Balance Welcher Begriff bezeichnet ein ausgewogenes Verhältnis und kann für die Standfestigkeit wichtig sein?
Upcycling Wie heißt die Aufwertung vorhandener oder nicht mehr benötigter Materialien durch eine neue Nutzung?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Bereits vorhandene Gegenstände und Materialreste, die für eine neue Gestaltung genutzt werden, heißen

.
Werden solche Teile zu einem neuen Kunstwerk zusammengesetzt, kann eine

entstehen.
Vor dem Bauen hilft eine

dabei, Form, Material und Konstruktion zu planen.
Bevor Teile endgültig befestigt werden, ermöglicht eine

noch Veränderungen.
Eine tragfähige Basis verbessert häufig die

eines dreidimensionalen Objekts.
Kleben, Stecken, Binden oder Wickeln sind unterschiedliche Arten der

.
Rau, glatt, glänzend und matt beschreiben Eigenschaften einer

.
Wenn ein Deckel im Kunstwerk zum Auge eines Fantasiewesens wird, verändert sich seine

.
Die kreative Aufwertung vorhandener Materialien wird häufig als

bezeichnet.
Am Ende begründest Du Deine Entscheidungen in einer

.




Offene Aufgaben


Leicht – G

  1. Material-Safari: Sammle zehn saubere und ungefährliche Fundmaterialien. Fotografiere sie geordnet nach Form oder Oberfläche und markiere drei Teile, die Dich besonders zu einer Idee anregen.
  2. Formen entdecken: Nimm fünf Fundstücke und drehe jedes in mindestens drei verschiedene Positionen. Zeichne zu zwei Gegenständen jeweils eine mögliche neue Rolle, zum Beispiel „Deckel wird Ohr“.
  3. Verbindungstest: Erprobe an Restmaterial drei einfache Verbindungen wie Stecken, Kleben und Binden. Prüfe vorsichtig, welche Verbindung für welches Material am besten hält.
  4. Drei-Ideen-Blatt: Zeichne drei kleine Entwürfe für ein Fantasieobjekt. Beschrifte mindestens drei geplante Fundmaterialien und entscheide anschließend begründet, welchen Entwurf Du weiterentwickelst.


Standard – M

  1. Objektverwandlung: Wähle ein Alltagsobjekt, dessen ursprüngliche Funktion noch erkennbar bleibt, und kombiniere es mit mindestens vier weiteren Fundmaterialien zu einem neuen Wesen, Gerät oder rätselhaften Gegenstand.
  2. Materialkontraste: Entwickle ein Objekt, in dem mindestens zwei deutliche Gegensätze vorkommen, zum Beispiel weich und hart oder matt und glänzend. Dokumentiere mit zwei Fotos, wie Du die Kontraste angeordnet hast.
  3. Konstruktionsvergleich: Baue für ein ausladendes Teil zwei verschiedene Verbindungslösungen als kleine Proben. Vergleiche Stabilität, Materialaufwand und sichtbare Wirkung und entscheide Dich begründet für eine.
  4. Partnerkritik: Präsentiere Deinen Zwischenstand einer Partnerin oder einem Partner. Lass Dir beschreiben, was zuerst auffällt und welche Bedeutung vermutet wird. Überarbeite danach bewusst einen Bereich und dokumentiere Vorher und Nachher.


Schwer – E

  1. Mehrdeutiges Fantasieobjekt: Entwickle ein Objekt, das aus verschiedenen Blickrichtungen unterschiedlich gelesen werden kann, zum Beispiel zugleich als Tier und Maschine. Begründe, wie Materialwahl und Anordnung diese Mehrdeutigkeit erzeugen.
  2. Materialbiografie: Verwende mindestens ein Fundstück mit sichtbarer Gebrauchsspur. Recherchiere oder rekonstruiere seine frühere Funktion und entwickle eine neue symbolische Rolle dafür. Verfasse dazu einen kurzen Ausstellungstext.
  3. Konstruktive Herausforderung: Baue ein Objekt mit einem deutlich auskragenden oder schwebend wirkenden Teil. Löse das Stabilitätsproblem so, dass die Konstruktion die gestalterische Idee unterstützt.
  4. Mini-Ausstellung: Kuratiere mit mehreren Arbeiten aus der Lerngruppe eine kleine Ausstellung. Entwickle einen gemeinsamen Titel, ordne die Objekte begründet an und produziere einen kurzen Audio- oder Videoguide, in dem Material, Verbindung und Bedeutungswandel erklärt werden.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Zwei Bedeutungen: Du erhältst einen Korken, einen Flaschendeckel, ein Stück Karton und einen Draht. Entwickle zwei deutlich verschiedene Fantasieobjekte aus denselben Ausgangsteilen und erkläre, wodurch sich ihre Bedeutung verändert.
  2. Verbindung entscheiden: Ein relativ schweres Fundstück soll seitlich an einer leichten Kartonkonstruktion befestigt werden. Vergleiche mindestens zwei mögliche Lösungen und begründe, welche konstruktiven Veränderungen zusätzlich nötig wären.
  3. Instabiles Objekt überarbeiten: Ein Fantasieobjekt kippt nach vorne, sobald ein großer „Schnabel“ angebracht wird. Entwickle drei mögliche Verbesserungen, ohne die Grundidee des Schnabels aufzugeben, und bewerte ihre gestalterische Wirkung.
  4. Materialwirkung übertragen: Erkläre, wie sich die Wirkung desselben Fantasieobjekts verändern würde, wenn alle weichen Stoffteile durch glänzendes Metall ersetzt würden. Beziehe Form, Oberfläche, Bedeutung und mögliche Assoziationen ein.
  5. Fremdes Werk deuten: Betrachte eine unbekannte Fundmaterial-Assemblage. Formuliere zwei mögliche Deutungen und belege jede Deutung mit mindestens drei sichtbaren Merkmalen des Werks.
  6. Nachhaltigkeit abwägen: Ein Entwurf verwendet viele Fundmaterialien, benötigt aber große Mengen zusätzlichen Klebstoffs und neu gekaufter Dekoration. Beurteile, inwiefern die Arbeit trotzdem als nachhaltige Gestaltung gelten kann, und entwickle Verbesserungen.
  7. Gestaltungsentscheidung prüfen: Ein Schüler möchte alle Fundstücke komplett einfarbig übermalen. Erkläre einen Vorteil und einen Nachteil dieser Entscheidung und formuliere eine Alternative, bei der Herkunftsspuren teilweise sichtbar bleiben.




Lernnachweis

Für Deinen Lernnachweis zählt nicht nur das fertige Objekt, sondern der gesamte Gestaltungsprozess.

Bestandteil Das soll erkennbar sein
Materialübersicht Du dokumentierst wichtige Fundstücke und beschreibst auffällige Eigenschaften wie Form, Oberfläche oder Gewicht.
Ideenentwicklung Mindestens drei erste Entwürfe oder Varianten zeigen, dass Du Möglichkeiten verglichen hast.
Planung Eine ausgewählte Skizze zeigt wichtige Bauteile und geplante Verbindungen.
Material- und Verbindungstests Du hältst mindestens einen Versuch fest und erklärst, was funktioniert hat oder verändert werden musste.
Fertiges Fantasieobjekt Das Objekt ist stabil, sorgfältig ausgearbeitet und zeigt eine erkennbare neue Form oder Bedeutung.
Fotodokumentation Du zeigst Gesamtansicht, Seitenansicht und ein Detail einer wichtigen Material- oder Verbindungsentscheidung.
Reflexion Du begründest Materialwahl, Verbindungstechnik, Überarbeitungen und neue Bedeutung.
Selbsteinschätzung G/M/E Du ordnest Deine Arbeit begründet einem Niveau zu und nennst einen konkreten nächsten Entwicklungsschritt.




OERs zum Thema

Der Wikipedia-Artikel zur Assemblage bietet kunstgeschichtlichen Hintergrund zu dieser Arbeitsweise.

Der Artikel zu Upcycling vertieft den Gedanken, vorhandenen Materialien eine neue Nutzung und einen neuen Wert zu geben.

Der Artikel zur Objektkunst zeigt weitere Zusammenhänge zwischen Alltagsgegenstand und Kunstwerk.



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