BK5 - Schraffur und Hell-Dunkel

BK5 - Schraffur und Hell-Dunkel
BK5 - Schraffur und Hell-Dunkel
Zielgruppe: Klasse 5 Fach: Bildende Kunst / Kunstunterricht Schwerpunkt: Zeichnung, Schraffur, Tonwert, Hell-Dunkel-Kontrast, Licht und Schatten, Plastizität Differenzierung: G = Grundniveau, M = mittleres Niveau, E = erweitertes Niveau

Einleitung
Wie wird aus einem einfachen Kreis eine Kugel? Warum wirkt ein gezeichneter Würfel plötzlich räumlich? Wie kannst Du mit nur einem Bleistift Holz, Stoff oder glänzendes Metall unterschiedlich erscheinen lassen? Antworten darauf findest Du in Schraffuren und Tonwerten.
Eine Schraffur besteht aus vielen gezeichneten Linien. In der Kunst können diese Linien unter anderem unterschiedliche Tonwerte, Schatten, Rundungen und Oberflächen sichtbar machen. Je nachdem, wie eng, kräftig, lang, gekrümmt oder überkreuzt die Linien gesetzt werden, erscheint eine Fläche heller oder dunkler. So kann auf einem flachen Blatt der Eindruck von Plastizität, also von Körperlichkeit und räumlichem Volumen, entstehen.
Der Hell-Dunkel-Kontrast entsteht durch das Gegenüberstellen heller und dunkler Bereiche. Er kann Formen deutlich machen, einen Blickfang schaffen und die Stimmung eines Bildes beeinflussen. Ein sehr starker Kontrast kann zum Beispiel dramatisch wirken, während sanfte Tonwertübergänge eher ruhig erscheinen können. Die Wirkung hängt jedoch immer vom ganzen Bildzusammenhang ab.
In diesem aiMOOC trainierst Du verschiedene Schraffurarten, baust Tonwertreihen auf, untersuchst Licht und Schatten an einfachen Körpern und nutzt Hell-Dunkel gezielt für Volumen, Materialwirkung, Stimmung und Schwerpunkt.
Das kannst Du am Ende
- Schraffur erkennen und einsetzen: Du kannst verschiedene Schraffurarten unterscheiden und selbst zeichnen.
- Tonwerte steuern: Du kannst mit Linien mehrere deutlich unterscheidbare Hell-Dunkel-Stufen erzeugen.
- Volumen darstellen: Du kannst Kugel, Würfel und Zylinder durch Licht und Schatten räumlicher wirken lassen.
- Materialwirkung gestalten: Du kannst Schraffuren an Holz, Stoff, Stein oder Metall anpassen.
- Stimmung erzeugen: Du kannst helle, dunkle und kontrastreiche Tonwerte bewusst für unterschiedliche Wirkungen verwenden.
- Schwerpunkte setzen: Du kannst durch einen gezielten Hell-Dunkel-Kontrast die Aufmerksamkeit auf eine wichtige Bildstelle lenken.
- Bilder untersuchen: Du kannst beschreiben, wie Schraffur und Hell-Dunkel in Zeichnungen und Fotografien wirken.
Material für Deine Zeichenwerkstatt
- Bleistift: Ein HB-Bleistift reicht aus; mit 2B oder 4B kannst Du dunklere Tonwerte leichter erreichen.
- Papier: Zeichenpapier oder ein Skizzenheft.
- Radiergummi: Zum Korrigieren und für helle Akzente.
- Lineal: Nur für Tonwertfelder oder Hilfslinien; die eigentlichen Schraffuren sollen möglichst frei gezeichnet werden.
- Lichtquelle: Eine Tischlampe oder Taschenlampe für Licht-Schatten-Experimente.
- Körpermodelle: Zum Beispiel Ball, Würfel, Dose, Becher oder Karton.
- Alltagsmaterialien: Ein Stück Stoff, Holz, Metalllöffel oder Stein als Oberflächenvorlagen.
Von der Linie zur Fläche: Was ist Schraffur?
Eine Schraffur ist eine zeichnerische Technik, bei der viele Linien so angeordnet werden, dass eine Fläche einen bestimmten Tonwert, eine Richtung, eine Struktur oder eine räumliche Wirkung erhält. In einer einfachen Parallelschraffur liegen die Linien ungefähr nebeneinander. Werden weitere Linienlagen darübergelegt, kann eine Kreuzschraffur entstehen.
Dunklere Tonwerte kannst Du beispielsweise erzeugen, indem Du Linien enger setzt, mehrere Lagen übereinanderzeichnest oder Linien kräftiger ausführst. Besonders beim Zeichnen mit Bleistift ist es sinnvoll, zunächst vor allem mit Linienabstand und Linienlagen zu arbeiten. So lernst Du, Dunkelheit kontrolliert aufzubauen, statt sofort sehr stark aufzudrücken.

Beobachtungsauftrag: Schau Dir an, wie viele einzelne Linien gemeinsam wie eine graue Fläche wirken. Gehe anschließend einige Schritte vom Bildschirm weg: Aus der Entfernung verschmelzen die Linien optisch noch stärker zu einem Tonwert.
Mitmachauftrag zum Video: Lege ein Blatt neben Dich. Probiere eine helle Parallelschraffur, eine mittlere Parallelschraffur und eine dunkle Kreuzschraffur aus. Achte darauf, dass nicht eine einzelne Linie wichtig ist, sondern das Zusammenspiel vieler Linien.
Schraffurarten
Parallelschraffur
Bei der Parallelschraffur verlaufen viele Linien ungefähr in derselben Richtung. Die Linien können waagrecht, senkrecht, schräg oder leicht gekrümmt sein. Große Abstände wirken heller, kleine Abstände dunkler.
Mini-Training: Zeichne drei gleich große Kästchen. Fülle alle drei mit schrägen Linien. Im ersten Feld lässt Du große Abstände, im zweiten mittlere und im dritten sehr kleine Abstände. Versuche, drei klar unterscheidbare Tonwerte zu erzeugen.
G: Drei Tonwerte. M: Fünf Tonwerte mit möglichst gleichmäßigen Abstufungen. E: Sieben Tonwerte, ohne die Linienrichtung zu wechseln.
Kreuzschraffur
Bei der Kreuzschraffur liegen mehrere Linienlagen in unterschiedlichen Richtungen übereinander. Dadurch entstehen mehr Überschneidungen und die Fläche kann dunkler werden.


Mini-Training: Beginne mit einer hellen Lage schräger Linien. Zeichne für einen dunkleren Ton eine zweite Lage darüber. Für den dunkelsten Ton fügst Du eine dritte Linienrichtung hinzu. Beobachte, wie Dunkelheit durch Schichtung entsteht.
G: Zwei Linienlagen. M: Drei Linienlagen mit sauber erkennbaren Richtungen. E: Mehrere Lagen so kombinieren, dass ein gleichmäßiger Hell-Dunkel-Verlauf entsteht.
Formschraffur
Bei der Formschraffur folgen die Linien der Oberfläche eines Körpers. Auf einem Zylinder können die Linien gebogen verlaufen und dadurch seine Rundung unterstützen. Auf einer Kugel können gebogene Striche den Eindruck einer gewölbten Oberfläche verstärken.

Vergleichsübung: Zeichne zweimal einen Kreis. Im ersten Kreis verwendest Du nur gerade, parallele Linien. Im zweiten Kreis lässt Du die Linien der Rundung folgen. Vergleiche: Welcher Kreis wirkt eher wie eine Kugel? Begründe Deine Beobachtung mit den Begriffen Form und Linienrichtung.
Kritzelschraffur und Kreisschraffur
Bei der Kritzelschraffur überlagern sich freie, unregelmäßige Linien. Bei der Kreisschraffur entstehen kleine Kreise, Kringel oder Schleifen. Beide können lebendige, organische Oberflächen erzeugen. Sie eignen sich deshalb gut für unregelmäßige Materialien wie Laub, Fell, Erde oder verwitterte Flächen.
Mini-Training: Zeichne ein helles, ein mittleres und ein dunkles Feld nur mit kleinen Kringeln. Verändere die Dichte der Kringel, nicht die Größe des Feldes.
Patch-Schraffur
Bei einer Patch-Schraffur setzt Du kleine Felder aus parallelen Linien nebeneinander. Die Richtung wechselt von Feld zu Feld. Dadurch entsteht eine gebrochene, strukturierte Fläche.
Mini-Training: Fülle ein Rechteck mit ungefähr daumennagelgroßen Teilflächen. Wechsle in jeder Teilfläche die Linienrichtung. Nutze die Technik anschließend für eine erfundene Felswand oder Baumrinde.
Punktschattierung
Bei der Punktschattierung entstehen Tonwerte durch viele Punkte. Streng genommen handelt es sich nicht um eine Schraffur aus Linien, aber die Wirkung ist vergleichbar: Wenige Punkte wirken hell, viele dicht gesetzte Punkte dunkel.
Mini-Training: Erzeuge mit einem Fineliner einen Verlauf von fast weiß bis sehr dunkel. Verändere ausschließlich die Anzahl und Dichte der Punkte.
Tonwerte: Die Sprache von Hell und Dunkel
Ein Tonwert beschreibt, wie hell oder dunkel eine Bildstelle erscheint. Eine Tonwertreihe hilft Dir, Helligkeiten bewusst zu vergleichen und beim Zeichnen gezielt einzusetzen.

Die Fünfer-Tonwerttreppe für Klasse 5
- Sehr hell: Fast keine Zeichenspuren.
- Hell: Wenige, weit gesetzte Linien.
- Mittel: Mehr Linien oder eine zusätzliche Lage.
- Dunkel: Dichte Linien und mehrere Überlagerungen.
- Sehr dunkel: Sehr dichte Schraffur mit nur wenigen hellen Zwischenräumen.
Wichtig ist nicht, dass jede Stufe einen bestimmten mathematischen Grauwert besitzt. Entscheidend ist, dass Du die Stufen klar voneinander unterscheiden und beim Zeichnen wiederholen kannst.
Mitmachauftrag: Erstelle nach dem Video Deine eigene Tonwerttreppe. Verwende zuerst nur Parallelschraffur. Wiederhole die Reihe danach mit Kreuzschraffur. Vergleiche, mit welcher Technik Du die Abstufungen leichter kontrollieren kannst.
Tonwert-Challenge G/M/E
| Niveau | Auftrag | Erfolgsmerkmal |
|---|---|---|
| G | Zeichne fünf Tonwertfelder von sehr hell bis sehr dunkel. | Alle fünf Stufen sind eindeutig unterscheidbar. |
| M | Zeichne sieben Tonwertfelder und wiederhole die Reihe mit zwei verschiedenen Schraffurarten. | Beide Reihen werden gleichmäßig dunkler. |
| E | Zeichne sieben bis neun Tonwertstufen und erzeuge zusätzlich einen fließenden Verlauf ohne harte Sprünge. | Der Verlauf wirkt kontrolliert und die Linien bleiben als Gestaltungsmittel sichtbar. |
Licht und Schatten sehen
Bevor Du Licht und Schatten zeichnen kannst, musst Du sie bewusst beobachten. Stelle einen Ball, eine Dose oder einen Karton auf einen Tisch und beleuchte ihn von einer Seite. Drehe das Objekt oder verändere die Position der Lampe. Du wirst sehen, dass sich die hellen und dunklen Bereiche verändern.

Forscherfrage: Woher kommt das Licht? Welche Flächen sind dem Licht zugewandt? Wo entsteht Schatten? Wie verändert sich der Schlagschatten, wenn die Lampe näher, weiter weg, höher oder tiefer steht?
Begriffe für die Licht-Schatten-Beobachtung
- Lichtseite: Die dem Licht stärker zugewandte Seite eines Körpers.
- Glanzlicht: Eine besonders helle Stelle, die vor allem bei glänzenden Oberflächen deutlich auftreten kann.
- Halbton: Ein mittlerer Ton zwischen sehr hell und sehr dunkel.
- Eigenschatten: Der dunkle Bereich auf dem Körper selbst, der weniger direktes Licht erhält.
- Reflektiertes Licht: Licht, das von der Umgebung zurückgeworfen wird und Schattenbereiche etwas aufhellen kann.
- Schlagschatten: Der Schatten, den ein Körper auf eine andere Fläche wirft.
Nicht bei jedem Gegenstand und jeder Beleuchtung sind alle Bereiche gleich deutlich. Beobachte deshalb immer das echte Modell und zeichne nicht nur ein auswendig gelerntes Schema.
Körpermodelle: Volumen mit Tonwerten zeichnen
Kugel
Ein Kreis bleibt zunächst eine flache Form. Erst durch abgestufte Tonwerte kann er wie eine Kugel wirken.

Zeichenweg:
- Zeichne einen Kreis sehr leicht vor.
- Entscheide, von welcher Seite das Licht kommt.
- Lasse die Lichtseite heller.
- Verdichte Deine Schraffur schrittweise in Richtung Schatten.
- Setze einen Schlagschatten auf die Unterlage.
- Prüfe am Ende, ob der Übergang zur dunklen Seite glaubwürdig und nicht zufällig wirkt.
G: Nutze fünf Tonwerte und eine Parallelschraffur. M: Nutze fünf bis sieben Tonwerte und eine Formschraffur. E: Ergänze einen Kernbereich des Eigenschatten, eine leichte Aufhellung durch reflektiertes Licht und einen zum Licht passenden Schlagschatten.
Würfel
Ein Würfel besitzt ebene Flächen. Wenn Licht schräg auf ihn fällt, können sichtbare Seiten unterschiedlich hell erscheinen. Anders als bei einer Kugel entstehen zwischen den Flächen meist deutlichere Helligkeitssprünge.

Zeichenexperiment: Zeichne einen einfachen Würfel. Gib jeder sichtbaren Fläche einen anderen Tonwert: hell, mittel und dunkel. Variiere anschließend die angenommenen Lichtquelle. Welche Fläche muss dann heller oder dunkler werden?
Zylinder
Ein Zylinder verbindet eine gekrümmte Mantelfläche mit ebenen Kreisflächen. Dadurch ist er besonders gut geeignet, um Formschraffur zu trainieren.


G: Zeichne einen Zylinder mit drei Tonwertzonen. M: Gestalte einen weichen Verlauf über die Mantelfläche. E: Nutze Formschraffur so, dass sowohl Rundung als auch Lichtquelle ablesbar werden.
Animation: Einen Körper als Körper denken

Die Animation zeigt eine rotierende Kugelform als räumliches Modell. Sie erinnert daran, dass eine Kugel keine flache Scheibe ist. Beim Formstrich sollen Deine Linien deshalb die gedachte Oberfläche umspannen.
Animationsauftrag: Stoppe die Animation gedanklich an drei verschiedenen Positionen. Skizziere jeweils einige Formlinien, die um die Kugel laufen könnten. Zeichne danach eine beleuchtete Kugel und kombiniere Formlinien mit Tonwerten.
Materialwirkung: Wie sieht eine Oberfläche aus?
Tonwerte zeigen nicht nur Licht und Schatten. Die Art Deiner Linien kann auch Hinweise auf eine Oberfläche geben. Materialwirkung entsteht aus mehreren Merkmalen gleichzeitig: Helligkeitskontrasten, Glanz, Struktur, Kanten, Linienrichtung und Detailgrad.
Stoff

Stoff zeigt häufig Fasern, Falten und eher weiche Übergänge. Je nach Stoffart kann er matt oder glänzend sein.
Schraffuridee: Nutze weiche Formschraffuren für Falten und ergänze nur an ausgewählten Stellen feine Linien für die Gewebestruktur.
Holz

Holz besitzt eine gerichtete Maserung. Alte oder verwitterte Oberflächen können zusätzlich Risse, unregelmäßige Vertiefungen und starke Strukturen zeigen.
Schraffuridee: Lass viele Linien der Maserungsrichtung folgen. Unterbrich sie, variiere ihre Länge und kombiniere sie mit wenigen dunkleren Vertiefungen.
Metall und Glanz

Glänzende Oberflächen können sehr helle Glanzlichter direkt neben deutlich dunkleren Bereichen zeigen. Besonders starke lokale Kontraste lassen eine Oberfläche eher glänzend erscheinen.
Schraffuridee: Lasse einige Papierstellen fast weiß. Setze daneben kontrolliert dunkle Tonwerte. Vermeide überall gleichmäßiges Grau, wenn Du einen starken Glanzeindruck erzeugen möchtest.
Material-Labor
Zeichne vier gleich große Kreise oder Rechtecke. Gestalte sie als Stoff, Holz, Stein und Metall. Verwende für jedes Material eine andere Kombination aus Schraffurart, Tonwert, Linienrichtung und Kontrast.
G: Zwei Materialien deutlich unterscheiden. M: Vier Materialien unterscheiden und jeweils eine passende Schraffuridee erklären. E: Vier Materialien darstellen, obwohl alle Grundformen gleich bleiben, und die Materialwirkung ausschließlich durch Tonwerte und Oberflächenstruktur verändern.
Hell-Dunkel für Stimmung
Helle und dunkle Bildbereiche beeinflussen die Wirkung eines Bildes. Viel Helligkeit und weiche Übergänge können offen, leicht oder ruhig wirken. Große dunkle Flächen und starke Kontraste können Spannung, Geheimnis oder Dramatik verstärken. Solche Wirkungen sind keine festen Regeln: Motiv, Bildaufbau und persönliche Erfahrungen spielen ebenfalls eine Rolle.

Stimmungs-Doppelbild: Zeichne dasselbe einfache Motiv zweimal, zum Beispiel ein Haus, einen Baum oder eine Figur.
- Version A: überwiegend helle Tonwerte, sanfte Übergänge, wenige sehr dunkle Stellen.
- Version B: große dunkle Flächen, starke Hell-Dunkel-Gegensätze, gezielte Lichtinseln.
Vergleiche anschließend, welche Stimmung Du wahrnimmst und wodurch sie entsteht.
Hell-Dunkel als Schwerpunkt
Ein Schwerpunkt ist eine Bildstelle, die besonders viel Aufmerksamkeit erhält. Ein starker Hell-Dunkel-Kontrast kann dabei helfen. Eine kleine sehr helle Stelle in einer dunklen Umgebung fällt häufig auf. Ebenso kann eine sehr dunkle Form in einer hellen Umgebung zum Blickfang werden.
Kontrastinsel-Übung: Fülle ein Blatt mit mittleren Tonwerten. Setze nur an einer ausgewählten Stelle einen sehr hellen und einen sehr dunklen Ton direkt nebeneinander. Prüfe aus zwei Metern Entfernung, wohin Dein Blick zuerst springt.
G: Erzeuge einen klaren Blickfang. M: Nutze zusätzlich Linienrichtung, um den Blick zum Schwerpunkt zu führen. E: Erzeuge einen Hauptschwerpunkt und einen schwächeren Nebenschwerpunkt, ohne dass beide gleich stark konkurrieren.
Schraffur in der Kunstgeschichte
Künstlerinnen und Künstler nutzen Schraffuren seit Jahrhunderten in Zeichnungen und Druckgrafiken. Bei Kupferstichen und Radierungen sind Linien besonders wichtig, weil mit ihnen Tonwerte, Körper, Stoffe, Haare, Landschaften und räumliche Tiefe erzeugt werden können.

Bildforscherauftrag: Betrachte nicht zuerst das Motiv, sondern die Linien. Suche drei Bereiche:
- einen sehr hellen Bereich mit wenigen Linien,
- einen mittleren Bereich mit lockerer Schraffur,
- einen dunklen Bereich mit dichter oder gekreuzter Schraffur.
Beschreibe danach, wie durch die Linien der Eindruck von Volumen entsteht.

Vergleich: Wie unterscheiden sich die Linien in der historischen Druckgrafik und in der modernen Zeichnung? Achte auf Linienrichtung, Dichte, Überlagerung und die Wirkung auf Gesichter, Kleidung oder Hintergrund.
Schraffur-Parkour: Interaktive Zeichenübungen
Der Schraffur-Parkour ist als Stationentraining gedacht. Arbeite direkt mit Stift und Papier und kontrolliere Dich nach jeder Station selbst.
| Station | Deine Aktion | Selbstcheck | Differenzierung |
|---|---|---|---|
| 1 Linienabstand | Zeichne einen Verlauf nur durch größere und kleinere Abstände zwischen parallelen Linien. | Wird die Fläche schrittweise dunkler, obwohl die Linien ähnlich kräftig bleiben? | G: 3 Stufen, M: 5 Stufen, E: 7 Stufen |
| 2 Linienlagen | Baue Dunkelheit durch eine, zwei und drei Kreuzschraffur-Lagen auf. | Sind die einzelnen Lagen noch erkennbar und sauber gesetzt? | G: 2 Lagen, M: 3 Lagen, E: fließender Übergang |
| 3 Formstrich | Schraffiere Kreis, Zylinder und gebogene Form mit Linien, die der Oberfläche folgen. | Unterstützt die Linienrichtung die räumliche Form? | G: 1 Körper, M: 2 Körper, E: 3 Körper |
| 4 Lichtquelle | Beleuchte einen Gegenstand und zeichne nur die fünf wichtigsten Tonwertbereiche. | Passt die dunkle Seite zur beobachteten Lichtquelle? | G: Ball, M: Dose, E: Kombination mehrerer Körper |
| 5 Material | Übertrage dieselbe Grundform in zwei verschiedene Materialien. | Wirken die Oberflächen unterschiedlich, obwohl die Form gleich bleibt? | G: 2 Materialien, M: 3 Materialien, E: 4 Materialien |
| 6 Schwerpunkt | Erzeuge einen Blickfang nur durch einen besonders starken Hell-Dunkel-Kontrast. | Findet eine andere Person den geplanten Schwerpunkt sofort? | G: 1 Fokus, M: Fokus plus Linienrichtung, E: Haupt- und Nebenfokus |
Partner-Feedback: Zwei Sterne und ein Werkzeugtipp
Tauscht Eure Zeichnungen zu zweit. Gebt Euch jeweils drei Rückmeldungen:
- Stern 1: Wo ist ein Tonwert besonders gelungen?
- Stern 2: Wo unterstützt eine Schraffur die Form oder Materialwirkung besonders gut?
- Werkzeugtipp: Welche konkrete Veränderung könnte Volumen, Stimmung oder Schwerpunkt noch deutlicher machen?
Formuliere Deinen Tipp so konkret wie möglich, zum Beispiel: „Setze die Linien im Schatten enger“ statt „Mach es besser“.
Differenzierung G/M/E
Grundniveau G
Im Grundniveau konzentrierst Du Dich auf sichere Grundlagen. Du erzeugst mindestens fünf Tonwerte, nutzt Parallelschraffur und Kreuzschraffur, unterscheidest Licht- und Schattenseite und gestaltest einen einfachen Körper räumlich.
G-Zielprodukt: Eine sauber gezeichnete Kugel oder Dose mit fünf Tonwerten, sichtbarer Schraffur und passendem Schlagschatten.
Mittleres Niveau M
Im mittleren Niveau kombinierst Du mehrere Schraffurarten. Du setzt Formschraffur ein, zeichnest mindestens zwei Körper, unterscheidest verschiedene Materialien und nutzt einen bewussten Schwerpunkt.
M-Zielprodukt: Ein kleines Stillleben aus zwei bis drei Körpern mit klarer Lichtquelle, sieben Tonwertabstufungen, mindestens zwei Schraffurarten und unterschiedlichen Materialwirkungen.
Erweitertes Niveau E
Im erweiterten Niveau steuerst Du Tonwerte gezielt für mehrere Wirkungsziele gleichzeitig. Du verbindest Volumen, Material, Stimmung und Komposition. Du kannst außerdem erklären, warum Du bestimmte Schraffuren und Kontraste eingesetzt hast.
E-Zielprodukt: Eine inszenierte Hell-Dunkel-Zeichnung mit mehreren Körpern oder Gegenständen, differenzierten Oberflächen, Hauptschwerpunkt, bewusst gewählter Stimmung und kurzer schriftlicher Begründung.
Bewertungsraster
| Kriterium | G | M | E |
|---|---|---|---|
| Schraffur | Parallele und gekreuzte Linien sind erkennbar und kontrolliert. | Mehrere Schraffurarten werden passend kombiniert. | Schraffurarten werden gezielt für Form, Oberfläche und Bildwirkung variiert. |
| Tonwerte | Mindestens fünf unterscheidbare Tonwerte. | Mindestens sieben abgestufte Tonwerte. | Tonwerte werden differenziert, fließend und zugleich bewusst kontrastreich eingesetzt. |
| Volumen | Ein einfacher Körper wirkt räumlich. | Mehrere Körper zeigen passende Licht- und Schattenzonen. | Lichtlogik, Eigen- und Schlagschatten unterstützen eine überzeugende räumliche Gesamtwirkung. |
| Material | Zwei Oberflächen sind unterscheidbar. | Mehrere Materialien werden durch passende Linien und Kontraste dargestellt. | Materialwirkung entsteht überzeugend durch gezielte Struktur, Glanz, Kanten und Tonwerte. |
| Stimmung | Eine einfache Hell-Dunkel-Wirkung ist erkennbar. | Tonwerte unterstützen eine beabsichtigte Stimmung. | Die Stimmung wird durch Tonwerte, Kontrastverteilung und Bildaufbau bewusst gesteuert. |
| Schwerpunkt | Ein Blickfang ist vorhanden. | Der Blickfang wird durch Kontrast und Linienrichtung unterstützt. | Haupt- und Nebenbereiche sind klar gewichtet und führen den Blick durch das Bild. |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wodurch entsteht eine einfache Parallelschraffur? (Durch viele ungefähr parallel verlaufende Linien) (!Durch nur einen einzigen dicken Strich) (!Durch ausschließlich farbige Punkte) (!Durch das vollständige Ausradieren einer Fläche)
Wie kann eine Schraffur dunkler wirken? (Durch enger gesetzte oder zusätzliche Linienlagen) (!Durch immer größere Abstände zwischen den Linien) (!Durch das Entfernen aller Linien) (!Durch das Verkleinern des Papiers)
Was kennzeichnet eine Kreuzschraffur? (Mehrere Linienlagen kreuzen sich) (!Alle Linien werden ausradiert) (!Es wird nur die Außenkontur gezeichnet) (!Es werden ausschließlich Kreise ohne Überlagerung gezeichnet)
Was ist ein Tonwert? (Die wahrgenommene Helligkeit oder Dunkelheit einer Bildstelle) (!Die Größe des Zeichenblatts) (!Die Länge eines Bleistifts) (!Die Anzahl der Bildtitel)
Welche Schraffur unterstützt besonders gut die Rundung eines Körpers? (Formschraffur) (!Zufälliges Ausradieren) (!Nur eine Umrisslinie) (!Buchstabenschraffur ohne Formbezug)
Was ist ein Schlagschatten? (Der Schatten eines Körpers auf einer anderen Fläche) (!Die hellste Stelle auf einem glänzenden Gegenstand) (!Eine Linie am Blattrand) (!Ein vollständig weißer Hintergrund)
Warum hilft ein Hell-Dunkel-Verlauf bei einer Kugel? (Er kann die Rundung und das Volumen sichtbar machen) (!Er macht die Kugel automatisch bunt) (!Er entfernt die Kreisform vollständig) (!Er verwandelt Papier in einen echten Körper)
Welche Gestaltung kann Metall besonders glänzend erscheinen lassen? (Starke Kontraste mit sehr hellen und dunklen Bereichen) (!Überall genau derselbe mittlere Tonwert) (!Nur eine gleichmäßige Außenlinie ohne Innenzeichnung) (!Völlig gleichmäßige Punktabstände ohne Lichtbezug)
Wie kann ein Schwerpunkt im Bild betont werden? (Durch einen besonders starken Hell-Dunkel-Kontrast) (!Durch überall gleich starke Kontraste) (!Durch das Vermeiden jeder Helligkeitsänderung) (!Durch das Entfernen aller wichtigen Formen)
Welche Aussage zur Bildstimmung ist sinnvoll? (Hell-Dunkel-Verteilung kann die Stimmung beeinflussen) (!Jeder dunkle Ton bedeutet immer genau dasselbe Gefühl) (!Tonwerte haben niemals Einfluss auf Bildwirkung) (!Nur die Papiergröße bestimmt die Stimmung)
Memory
| Parallelschraffur | Linien verlaufen ungefähr in derselben Richtung |
| Kreuzschraffur | Mehrere Linienlagen überkreuzen sich |
| Formschraffur | Linien folgen der Oberfläche eines Körpers |
| Tonwert | Grad von Helligkeit oder Dunkelheit |
| Schlagschatten | Schatten eines Körpers auf einer anderen Fläche |
| Glanzlicht | Besonders helle Stelle auf einer reflektierenden Oberfläche |
| Materialwirkung | Eindruck einer bestimmten Oberflächenbeschaffenheit |
| Schwerpunkt | Bildbereich mit besonders hoher Aufmerksamkeit |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Parallelschraffur | gleichgerichtete Linien |
| Kreuzschraffur | überlagerte Linienrichtungen |
| Formschraffur | körperfolgende Linien |
| Hell-Dunkel-Kontrast | Gegensatz von hellen und dunklen Bereichen |
| Schlagschatten | Schatten auf einer anderen Fläche |
Kreuzworträtsel
| Schraffur | Wie heißt eine Zeichentechnik aus vielen Linien zur Gestaltung von Flächen und Tonwerten? |
| Tonwert | Wie heißt die Helligkeit oder Dunkelheit einer Bildstelle? |
| Kreuzschraffur | Wie heißt die Schraffur mit mehreren sich überkreuzenden Linienlagen? |
| Plastizität | Wie heißt der Eindruck von Körperlichkeit und räumlichem Volumen? |
| Glanzlicht | Wie heißt eine besonders helle Stelle auf einer glänzenden Oberfläche? |
| Schlagschatten | Wie heißt der Schatten, den ein Körper auf eine andere Fläche wirft? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Tonwerttreppe: Zeichne eine Fünfer-Tonwerttreppe ausschließlich mit Parallelschraffur. Achte darauf, dass jede Stufe klar von der nächsten unterscheidbar ist.
- Schraffur-Sammlung: Gestalte ein Musterblatt mit Parallelschraffur, Kreuzschraffur, Formschraffur und Kritzelschraffur. Beschrifte jede Technik.
- Lichtdetektiv: Fotografiere oder skizziere drei Alltagsgegenstände bei seitlichem Licht. Markiere jeweils Lichtseite und Schlagschatten.
- Kugelstudie: Zeichne eine Kugel aus einem Kreis und nutze mindestens fünf Tonwerte, damit sie räumlich wirkt.
Standard
- Körperstillleben: Baue aus Ball, Dose und Karton ein kleines Stillleben. Beleuchte es von einer Seite und zeichne die drei Körper mit passenden Tonwerten.
- Materialkarte: Zeichne dieselbe Grundform viermal als Holz, Stoff, Stein und Metall. Verändere dafür Schraffur, Tonwert und Struktur.
- Stimmungswechsel: Zeichne dasselbe Motiv zweimal: einmal hell und ruhig, einmal dunkel und spannungsvoll. Schreibe drei Sätze zu den unterschiedlichen Wirkungen.
- Schwerpunkt-Experiment: Gestalte eine Zeichnung, in der ein kleiner Bereich durch den stärksten Hell-Dunkel-Kontrast sofort auffällt. Lass zwei Personen den Schwerpunkt finden.
Schwer
- Lichtlabor: Zeichne dasselbe Körpermodell bei drei unterschiedlichen Positionen der Lichtquelle. Vergleiche Eigen- und Schlagschatten.
- Schraffur-Remix: Kombiniere mindestens drei Schraffurarten in einem Motiv. Jede Technik soll eine andere Aufgabe übernehmen, etwa Volumen, Material oder Hintergrund.
- Kunstvergleich: Untersuche eine historische Druckgrafik und eine moderne Bleistiftzeichnung. Erstelle eine Bildtafel, die zeigt, wie beide mit Linien Tonwerte erzeugen.
- Hell-Dunkel-Inszenierung: Entwickle eine eigene Szene, in der Volumen, Materialwirkung, Stimmung und Schwerpunkt gleichzeitig durch Tonwerte gesteuert werden. Dokumentiere Planung, Zwischenstand und Endergebnis.


Lernkontrolle
- Lichtquelle rekonstruieren: Du erhältst eine Zeichnung eines Körpers mit Licht- und Schattenzonen. Bestimme, aus welcher Richtung das Licht wahrscheinlich kommt, und begründe Deine Entscheidung anhand mehrerer Bildmerkmale.
- Schraffur auswählen: Entscheide für Holz, Metall, Stoff und eine Kugel jeweils, welche Schraffur oder Kombination besonders geeignet ist. Begründe nicht mit „sieht besser aus“, sondern mit Form, Oberfläche und Tonwert.
- Fehleranalyse: Eine gezeichnete Kugel besitzt überall denselben Grauton und keinen Schlagschatten. Erkläre, warum sie flach wirkt, und beschreibe mindestens drei konkrete Verbesserungen.
- Bildwirkung verändern: Plane, wie aus einer ruhigen, hellen Zeichnung eine spannungsvolle, dramatische Version entstehen könnte, ohne das Motiv zu verändern. Nutze Tonwerte, Kontrast und Schwerpunkt.
- Materialtransfer: Übertrage die Licht-Schatten-Verteilung eines matten Holzobjekts auf ein glänzendes Metallobjekt. Erkläre, welche Tonwertbereiche Du beibehältst und welche Du für die neue Materialwirkung veränderst.
- Kompositionsentscheidung: Zwei Bildbereiche konkurrieren gleich stark um Aufmerksamkeit. Entwickle eine Lösung, mit der einer zum Hauptschwerpunkt und der andere zum Nebenbereich wird. Begründe Deine Änderungen.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Begriffe nennen, sondern Gestaltung sichtbar anwenden und begründen kannst.
- Schraffurkompetenz: Mindestens drei Schraffurarten werden kontrolliert und passend eingesetzt.
- Tonwertkompetenz: Eine Tonwertreihe mit klar unterscheidbaren Abstufungen ist vorhanden.
- Volumendarstellung: Mindestens ein geometrischer Körper wirkt durch Licht und Schatten räumlich.
- Materialdarstellung: Unterschiedliche Oberflächen werden durch Linien, Tonwerte und Kontraste erkennbar.
- Stimmungswirkung: Eine beabsichtigte Hell-Dunkel-Stimmung ist gestaltet und kurz erklärt.
- Schwerpunktsetzung: Der wichtigste Bildbereich ist durch Kontrast und Bildaufbau nachvollziehbar hervorgehoben.
- Reflexion: Du kannst mindestens zwei eigene gestalterische Entscheidungen mit Fachbegriffen begründen.
- Arbeitsprozess: Skizzen, Übungen, Verbesserungen und Endfassung zeigen, wie sich Deine Zeichnung entwickelt hat.
OERs zum Thema
Zusätzlich hilfreich sind die Themen Schraffur, Zeichnung, Chiaroscuro, Hell-Dunkel-Kontrast, Licht und Schatten und Plastizität.
Verknüpfte Lernbereiche
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