BK5 - Materialdruck

BK5 - Materialdruck
BK5 - Materialdruck
| Zielgruppe | Fach | Schwerpunkt | Differenzierung |
|---|---|---|---|
| Klasse 5 | Bildende Kunst | Oberflächen erkunden, abdrucken und aus Abdrücken gestalten | G / M / E |
Einleitung
Beim Materialdruck wird eine Oberfläche zum Bildwerkzeug. Ein Blatt mit kräftigen Adern, ein Stück Wellpappe, Luftpolsterfolie, ein Schwamm, Kork, ein Eierkarton oder ein anderes ungefährliches Fundstück kann Farbe aufnehmen und auf Papier übertragen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Form des Gegenstands, sondern vor allem seine Oberflächenstruktur. Rillen erzeugen andere Spuren als Poren, Kanten andere als Noppen, weiche Materialien andere als harte.
Du wirst in diesem aiMOOC wie in einem Drucklabor arbeiten: beobachten, vermuten, ausprobieren, vergleichen, verändern und auswerten. Aus einzelnen Abdrücken entwickelst Du anschließend Muster, Figuren, Landschaften oder abstrakte Kompositionen. Dabei lernst Du, wie Wiederholung, Rhythmus, Überlagerung, Kontrast, Farbwahl und Anordnung die Wirkung eines Bildes verändern.

Ein einfacher Stempel zeigt das Grundprinzip besonders deutlich: Farbe liegt auf einer erhöhten oder strukturierten Oberfläche und wird durch Druck auf Papier übertragen. Beim Materialdruck können jedoch viel mehr Dinge als Druckwerkzeug dienen.

Ein Abdruck ist nicht nur eine Kopie eines Gegenstands. Er kann zum Baustein eines neuen Bildes werden. Ein Kreis kann später ein Auge, eine Sonne, ein Rad oder nur ein rhythmischer Farbfleck sein. Eine Blattader kann als Baumkrone, Flügel, Gebirge oder Liniennetz gelesen werden.
Das Video zeigt das Grundprinzip des Druckens mit gefundenen Gegenständen. Beobachte beim Anschauen besonders, wie wenig Material nötig ist und wie unterschiedlich die Spuren verschiedener Oberflächen wirken.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du unterschiedliche Oberflächen gezielt als Druckwerkzeuge auswählen und ihre Wirkung beschreiben. Du kannst Farbe kontrolliert auftragen, Probedrucke herstellen und Druckfehler als Hinweise für Verbesserungen nutzen. Du kannst aus einzelnen Abdrücken geordnete Muster, erkennbare Figuren, räumlich wirkende Landschaften oder abstrakte Bildordnungen entwickeln. Außerdem kannst Du Deine Entscheidungen mit Fachbegriffen wie Textur, Struktur, Kontrast, Rhythmus, Überlagerung und Komposition erklären.
G / M / E: Drei Wege durch das Drucklabor
| Niveau | Schwerpunkt | Mindestanforderung | Gestaltungsidee |
|---|---|---|---|
| G – grundlegendes Niveau | sicher ausprobieren und klar drucken | mindestens drei unterschiedliche Materialien, zwei Farben und mehrere saubere Probedrucke | aus zwei Abdruckarten ein deutlich erkennbares Muster oder eine einfache Figur entwickeln |
| M – mittleres Niveau | gezielt kombinieren und Bildwirkungen steuern | mindestens fünf Materialien, bewusste Wiederholung, Drehung und Überlagerung | eine Figur, Landschaft oder komplexere Musterfläche mit Vordergrund und Hintergrund gestalten |
| E – erweitertes Niveau | eigenständig planen, variieren und begründen | Materialauswahl nach Texturwirkung, abgestimmte Farbstrategie, differenzierte Komposition und dokumentierte Versuchsreihe | eine eigenständige abstrakte oder gegenständliche Bildserie entwickeln, in der Rhythmus, Kontrast und Überlagerung bewusst eingesetzt werden |
G, M und E bedeuten nicht, dass es nur eine richtige Bildlösung gibt. Die Niveaus unterscheiden sich vor allem darin, wie selbstständig, planvoll und differenziert Du Material, Farbe und Komposition einsetzt.
Was ist Materialdruck?
In der Druckgrafik entsteht ein Bild dadurch, dass Farbe von einer Druckform auf einen Bildträger übertragen wird. Beim schulischen Materialdruck können strukturierte Materialien direkt abgedruckt oder zu einer einfachen Druckplatte kombiniert werden. Besonders geeignet sind flache oder gut kontrollierbare Gegenstände, deren Oberfläche deutliche Erhöhungen, Vertiefungen, Rillen, Noppen oder Poren besitzt.
Materialdruck steht dem Hochdruck nahe: Vor allem die höher liegenden Bereiche einer eingefärbten Oberfläche berühren beim Drucken das Papier und geben Farbe ab. Bei sehr weichen Materialien kann sich die Oberfläche zusätzlich verformen. Dadurch wird jeder Abdruck etwas anders.
| Fachbegriff | Bedeutung beim Materialdruck |
|---|---|
| Druckform | Oberfläche oder Gegenstand, der die Farbe auf das Papier überträgt |
| Abdruck | sichtbare Spur, die nach dem Übertragen der Farbe entsteht |
| Textur | sichtbare und fühlbare Beschaffenheit einer Oberfläche |
| Struktur | Ordnung von Linien, Punkten, Flächen, Rillen, Poren oder anderen Merkmalen |
| Probedruck | Testabdruck, mit dem Farbmenge, Druck und Wirkung überprüft werden |
| Überlagerung | mehrere Abdrücke liegen teilweise oder ganz übereinander |
| Rhythmus | Wiederholung mit einer erkennbaren Ordnung oder Veränderung |
| Komposition | bewusste Anordnung aller Bildteile auf der Fläche |
Vom Gegenstand zur Spur
Bevor Du druckst, lohnt sich eine Vermutung: Welche Teile des Gegenstands werden das Papier berühren? Welche Stellen nehmen Farbe auf? Wird der Abdruck dicht oder lückenhaft? Entsteht eine Fläche, eine Linie, eine Punktstruktur oder eine Mischung daraus?

Bei einem Blatt sind die Blattadern oft stärker erhaben als andere Bereiche. Gerade diese Unterschiede können im Abdruck sichtbar werden.

Baumrinde zeigt, wie stark natürliche Oberflächen gegliedert sein können. Für den Unterricht wird Rinde nicht vom lebenden Baum entfernt. Du kannst bereits gefallene, lose Stücke verwenden oder die Struktur nur als Bildidee untersuchen.

Poröse Materialien wie Luffa oder Schwamm erzeugen häufig unregelmäßige, fleckige Spuren. Je nach Farbmenge und Druck kann dieselbe Oberfläche luftig oder fast geschlossen wirken.
Materialwerkstatt: Welche Oberflächen können drucken?
Viele Druckwerkzeuge findest Du in der Natur, in Verpackungen oder in Alltagsmaterialien. Verwende nur saubere, ungefährliche Gegenstände ohne scharfe Kanten. Naturmaterialien werden gesammelt, ohne Pflanzen unnötig zu beschädigen oder Tiere zu stören.
Naturmaterialien

Blätter eignen sich besonders gut, wenn ihre Adern deutlich ausgeprägt sind. Drucke zuerst die stärker strukturierte Blattseite. Dünne Farbe macht die feinen Linien meist besser sichtbar als eine dicke Farbschicht.

Ein Zapfen kann gestempelt, vorsichtig gerollt oder abschnittsweise gedruckt werden. Die vielen Schuppen erzeugen andere Spuren als ein flaches Blatt.

Eine Feder besitzt eine feine lineare Struktur. Verwende nur saubere, bereits lose gefundene Federn und beachte die schulischen Hygienevorgaben. Alternativ kannst Du eine künstliche Feder verwenden.

Kork besitzt eine körnige, unregelmäßige Oberfläche. Ein Flaschenkorken kann mit seiner Stirnseite Kreise oder mit seiner Mantelfläche längliche Spuren erzeugen.
Dieses Prozessvideo zeigt Blattdruck für Lernende ab etwa zehn Jahren. Beobachte, wie sorgfältig das Blatt behandelt wird und welche Details nach dem Druck sichtbar bleiben.
Verpackungen und Recyclingmaterialien
Verpackungen sind für Materialdruck besonders spannend, weil sie oft konstruktive Oberflächen besitzen: Wellen, Noppen, Kanten, Netze, Rippen und regelmäßige Formen.

Luftpolsterfolie erzeugt regelmäßige Kreis- oder Noppenstrukturen. Schneide nur bereits vorhandene Verpackungsreste zu und verwende möglichst wiederverwendbare Stücke.

Ein Eierkarton bietet Rundungen, Kanten, Spitzen und Vertiefungen. Unterschiedliche Teile desselben Gegenstands können deshalb völlig verschiedene Abdrücke erzeugen.

Pappe kann glatt, faserig, gerillt oder gewellt sein. Bei Wellpappe entstehen nach dem Freilegen der Wellen besonders klare parallele Strukturen.
Schwämme und weiche Materialien

Schwämme können Farbe aufnehmen und zugleich eine porige Spur erzeugen. Drücke nicht automatisch so fest wie möglich. Ein leichter Druck kann mehr Struktur sichtbar lassen als ein sehr starker.
Achte im Video darauf, wie der Schwamm Farbe aufnimmt, wie er aufgesetzt wird und wie sich wiederholte Abdrücke zu einer Fläche verbinden.
Drucklabor: Materialvergleich
| Druckwerkzeug | Vermutete Spur | Was Du untersuchen kannst | Mögliche Bildidee |
|---|---|---|---|
| Blatt | Adern, Umriss, feine Verzweigungen | Vorderseite und Rückseite vergleichen | Baum, Flügel, Fisch, Wald, Liniennetz |
| Wellpappe | parallele Rillen und Kanten | längs, quer und diagonal drucken | Architektur, Regen, Zaun, Bewegungsrhythmus |
| Luftpolsterfolie | regelmäßige Kreise oder Noppen | Farbmenge und Überlagerung verändern | Wasser, Schuppen, Punktefeld, abstraktes Muster |
| Schwamm | porige und fleckige Struktur | leicht und stark drücken | Wolken, Fell, Nebel, Hintergrund |
| Kork | Kreis, Oval oder körnige Fläche | Stirnseite und Seitenfläche vergleichen | Augen, Räder, Blüten, Rhythmus |
| Eierkarton | Bögen, Kanten und unregelmäßige Formen | unterschiedliche Bereiche separat drucken | Felsen, Köpfe, Architektur, abstrakte Form |
| Zapfen | gegliederte Schuppenstruktur | stempeln oder vorsichtig rollen | Baumkrone, Tierkörper, Bodenstruktur |
| Feder | feine Linien und Verzweigungen | wenig Farbe und wenig Druck testen | Flügel, Gras, Wasser, Bewegung |
Sicher und sauber arbeiten
Materialdruck ist ein Experiment, aber gute Vorbereitung verbessert die Ergebnisse. Decke den Arbeitsplatz ab, trage bei Bedarf einen Malkittel und richte eine Farbzone, eine Druckzone und eine Trockenfläche ein. Verwende nur wasserbasierte, für den Unterricht geeignete Farben. Druckwerkzeuge müssen sauber und ungefährlich sein. Scharfkantige Metallteile, Glasscherben, rostige Gegenstände, unbekannte Pflanzen oder verschmutzte Naturmaterialien gehören nicht in das Drucklabor.
Ein guter Arbeitsplatz hilft auch beim Denken: Wenn Farben, Probedrucke und Druckwerkzeuge geordnet liegen, kannst Du leichter vergleichen, welche Veränderung welche Wirkung verursacht.
Der Druckprozess
- Vorbereiten: Wähle Papier, Farben und drei bis sechs sichere Druckwerkzeuge aus und lege einen Probedruckbogen bereit.
- Beobachten: Beschreibe die Oberfläche jedes Werkzeugs und vermute, welche Spur entstehen könnte.
- Einfärben: Trage eine dünne, möglichst gleichmäßige Farbschicht mit Schwamm, Pinsel oder kleiner Rolle auf die druckende Oberfläche auf.
- Drucken: Setze das Werkzeug ruhig auf, übe kontrollierten Druck aus und vermeide unnötiges Verschieben.
- Abheben: Hebe das Werkzeug möglichst senkrecht an, damit die Spur nicht verwischt.
- Vergleichen: Prüfe, welche Bereiche deutlich, blass, verschmiert oder zu dicht geworden sind.
- Variieren: Verändere Farbmenge, Druck, Richtung, Drehung, Abstand oder Überlagerung und drucke erneut.
- Gestalten: Wähle erfolgreiche Spuren aus und entwickle daraus ein zusammenhängendes Bild.
- Reflektieren: Erkläre, welche Materialeigenschaft für Deine Bildwirkung besonders wichtig war.
Das Video zeigt eine ausführliche Demonstration zum Drucken mit Fundobjekten. Vergleiche den Ablauf mit Deiner eigenen Arbeitsweise: Wo wird Farbe aufgetragen, wie wird Druck ausgeübt und wie werden mehrere Spuren zu einer Gestaltung verbunden?
Warum Probedrucke wichtig sind
Ein Probedruck ist kein misslungener Entwurf, sondern ein Forschungswerkzeug. Auf einem Probebogen darfst Du systematisch testen. Drucke denselben Gegenstand zum Beispiel zuerst mit viel Farbe, dann mit wenig Farbe. Wiederhole den Versuch mit unterschiedlichem Druck. Drehe den Gegenstand jeweils um 45 oder 90 Grad. So erkennst Du, welche Veränderung für den gewünschten Effekt entscheidend ist.
| Beobachtung | Mögliche Ursache | Nächster Versuch |
|---|---|---|
| Abdruck ist sehr matschig | zu viel Farbe oder Werkzeug bewegt | weniger Farbe, ruhiger aufsetzen und senkrecht abheben |
| Abdruck ist kaum sichtbar | zu wenig Farbe oder zu wenig Kontakt | etwas mehr Farbe oder gleichmäßiger drücken |
| feine Struktur verschwindet | Farbschicht ist zu dick | Farbe dünner auftragen |
| Abdruck wirkt zufällig | Anordnung wurde nicht geplant | Abstand, Richtung oder Wiederholung bewusst festlegen |
| Fläche wirkt eintönig | nur ein Material und eine Druckrichtung | Material, Größe, Rhythmus oder Überlagerung variieren |
Vom Abdruck zum Muster
Ein Muster entsteht durch Wiederholung. Dabei muss nicht jeder Abdruck identisch sein. Gerade kleine Veränderungen können Spannung erzeugen.
Reihung bedeutet, dass Abdrücke nacheinander angeordnet werden. Bei einem Rhythmus wiederholt sich eine erkennbare Folge, zum Beispiel Blatt – Kork – Blatt – Kork. Bei einer Variation bleibt ein Grundprinzip erhalten, während sich einzelne Merkmale verändern. Du kannst etwa denselben Korkabdruck drehen, seine Farbe wechseln oder die Abstände vergrößern.
| Gestaltungsmittel | Frage an Dich | Beispiel |
|---|---|---|
| Wiederholung | Was bleibt gleich? | derselbe Abdruck erscheint mehrfach |
| Richtung | Wohin bewegt sich das Muster? | Abdrücke steigen diagonal nach oben |
| Abstand | Wie dicht liegen die Spuren? | regelmäßige oder bewusst wechselnde Zwischenräume |
| Drehung | Wie verändert Rotation die Wirkung? | ein rechteckiger Abdruck wird schrittweise gedreht |
| Überlagerung | Was entsteht durch Überschneidung? | zwei Farben bilden eine neue komplexe Fläche |
| Kontrast | Wo entsteht ein deutlicher Unterschied? | große und kleine, helle und dunkle oder dichte und lockere Spuren |
Vom Abdruck zur Figur
Ein einzelner Abdruck kann wie ein Formbaustein behandelt werden. Statt eine Figur zuerst vollständig zu zeichnen, fragst Du: Welche Körperteile lassen sich aus vorhandenen Druckspuren zusammensetzen?
Ein Blatt kann zum Körper eines Fisches werden, Korkkreise zu Augen, Wellpappe zu Beinen und Schwammspuren zu Fell. Wichtig ist, dass Du nicht jedes Detail ausmalst. Versuche zuerst, möglichst viel allein durch Druckspuren zu lösen. Ergänzende Linien dürfen sparsam eingesetzt werden, wenn sie die Lesbarkeit verbessern.
G: Baue eine Figur aus mindestens zwei Abdruckarten. M: Entwickle eine Figur mit klarer Haltung oder Bewegung aus mindestens vier Abdruckarten. E: Entwickle eine Figurengruppe oder ein Wesen, bei dem verschiedene Texturen unterschiedliche Oberflächen wie Fell, Schuppen, Kleidung oder Umgebung darstellen.
Vom Abdruck zur Landschaft
Für eine Landschaft kannst Du Druckspuren räumlich ordnen. Große, kräftige Spuren im Vordergrund wirken oft näher. Kleinere, blassere und dichtere Spuren können weiter entfernt erscheinen. Überlagerungen helfen, Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund zu unterscheiden.
Blätter können Baumkronen bilden, Wellpappe kann zu Häuserfassaden, Feldern oder Regen werden, Schwammspuren zu Wolken und Nebel, Korkabdrücke zu Sonne oder Steinen. Entscheidend ist nicht, dass das Material realistisch aussieht, sondern dass seine Spur bildnerisch umgedeutet wird.
G: Gestalte Vordergrund und Hintergrund. M: Nutze mindestens drei verschiedene Texturen für räumliche Ebenen. E: Entwickle eine Landschaft, in der Farbe, Dichte und Maßstab der Abdrücke die Raumwirkung bewusst steuern.
Vom Abdruck zur abstrakten Komposition
In einer abstrakten Komposition muss nichts Gegenständliches erkennbar sein. Du arbeitest mit Form, Farbe, Rhythmus, Richtung, Dichte und Kontrast.
Eine interessante abstrakte Fläche besitzt meist Unterschiede. Ein ruhiger Bereich kann neben einem dichten stehen. Regelmäßige Wiederholung kann durch eine einzelne Abweichung unterbrochen werden. Kleine Spuren können eine große Form umkreisen. Helle und dunkle Farben können gegeneinander wirken.
G: Ordne zwei Abdruckarten zu einem klaren Muster. M: Verbinde mindestens drei Abdruckarten mit Überlagerung und Farbkontrast. E: Entwickle eine Komposition mit bewusstem Schwerpunkt, Nebenbereichen, Rhythmuswechsel und begründeter Farbstrategie.
Farbe und Überlagerung
Farbe verändert die Bedeutung einer Spur. Derselbe Schwammabdruck kann in Blau wie Wasser oder Nebel, in Grün wie Vegetation und in Rot wie Energie oder Hitze wirken. Das bedeutet nicht, dass Farben immer eine feste Bedeutung besitzen. Ihre Wirkung entsteht aus dem Zusammenhang des gesamten Bildes.
Beim mehrschichtigen Drucken ist es oft hilfreich, zunächst hellere oder flächigere Spuren anzulegen und dunklere, deutlichere Spuren später darüberzudrucken. Das ist keine starre Regel, sondern eine erprobte Möglichkeit, damit wichtige Formen sichtbar bleiben.
Hier werden Fundobjekte auf Stoff gedruckt. Auch wenn Du im Unterricht auf Papier arbeitest, kannst Du gut beobachten, wie Alltagsgegenstände in Druckwerkzeuge verwandelt und mehrere Spuren kombiniert werden.
Naturdruck und Geschichte
Das Drucken mit Naturmaterialien hat eine lange Geschichte. Beim Naturselbstdruck werden natürliche Gegenstände wie Pflanzen direkt oder über daraus erzeugte Druckformen abgebildet. Die Technik wurde besonders in der botanischen Darstellung weiterentwickelt, weil sich feine Strukturen von Blättern, Farnen und Algen sichtbar machen lassen.

Historische Naturselbstdrucke zeigen, dass ein Abdruck gleichzeitig wissenschaftlich genau und ästhetisch faszinierend sein kann. Für Deine Arbeit in Klasse 5 ist vor allem die Grundidee wichtig: Eine reale Oberfläche hinterlässt eine Spur, die betrachtet, geordnet und weitergestaltet werden kann.

Vergleiche einen historischen Naturselbstdruck mit Deinen eigenen Blattabdrücken. Wo sind feine Strukturen besonders gut sichtbar? Wo entsteht durch Farbe, Überlagerung oder freie Anordnung eine stärker künstlerische Wirkung?
Druckbeispiele untersuchen

Auch sehr einfache Druckformen können durch Kombination zu neuen Motiven werden. Untersuche bei jedem Druckbeispiel drei Ebenen: Materialspur, Anordnung und Bildidee. Frage also zuerst, welche Oberfläche gedruckt haben könnte, dann wie die Spuren verteilt wurden und schließlich, was daraus dargestellt oder ausgedrückt wird.
Dieses Video zeigt eine einfache Blattdrucktechnik. Vergleiche die Ergebnisse mit dem historischen Naturselbstdruck und mit einem eigenen Versuch.
Dein Hauptprojekt: Abdruck wird Bild
Wähle eine der vier Gestaltungsrichtungen: Muster, Figur, Landschaft oder abstrakte Komposition. Beginne nicht sofort auf dem Endformat. Erstelle zuerst ein Materialarchiv aus Probedrucken und markiere mindestens drei Spuren, die Du weiterverwenden möchtest.
| Phase | G | M | E |
|---|---|---|---|
| Forschen | 3 Materialien testen | 5 Materialien systematisch vergleichen | 6 oder mehr Materialien mit gezielter Variation von Druck, Farbmenge und Richtung untersuchen |
| Planen | einfache Skizze oder Musterfolge | zwei unterschiedliche Kompositionsideen vergleichen | drei Varianten entwickeln und die stärkste begründet auswählen |
| Gestalten | mindestens 2 Druckwerkzeuge | mindestens 4 Druckwerkzeuge und Überlagerungen | differenzierte Materialauswahl, Rhythmuswechsel, Schwerpunkt und Farbkonzept |
| Reflektieren | eine gelungene Spur benennen | zwei Entscheidungen mit Fachbegriffen erklären | Wirkung, Materialwahl und Komposition zusammenhängend begründen und Verbesserungen ableiten |
Kriterien für eine starke Arbeit
| Kriterium | Leitfrage |
|---|---|
| Materialerkundung | Zeigt das Bild unterschiedliche und bewusst ausgewählte Oberflächen? |
| Drucktechnik | Sind wichtige Spuren klar genug, um ihre Struktur zu erkennen? |
| Komposition | Sind Abstände, Richtungen, Schwerpunkte und Überlagerungen bewusst gestaltet? |
| Farbe | Unterstützt die Farbwahl die gewünschte Wirkung? |
| Eigenständigkeit | Wurde aus den Abdrücken eine eigene Bildidee entwickelt? |
| Reflexion | Kannst Du erklären, warum bestimmte Materialien und Anordnungen gewählt wurden? |
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist beim Materialdruck das wichtigste Merkmal eines geeigneten Druckwerkzeugs? (Eine erkennbare Oberfläche kann Farbe aufnehmen und übertragen) (!Das Werkzeug muss aus Metall bestehen) (!Das Werkzeug muss rechteckig sein) (!Das Werkzeug darf nur einmal verwendet werden)
Warum ist ein Probedruck sinnvoll? (Er hilft Farbmenge Druck und Wirkung zu prüfen) (!Er ersetzt jede spätere Gestaltung) (!Er muss immer schöner als das Endbild sein) (!Er darf nur mit schwarzer Farbe entstehen)
Was passiert häufig bei zu viel Farbe auf einer fein strukturierten Oberfläche? (Feine Strukturen können zulaufen und undeutlich werden) (!Die Oberfläche wird automatisch größer) (!Der Abdruck wird immer spiegelgleich) (!Das Papier wird automatisch dicker)
Welches Material gehört zu den Naturmaterialien? (Ein Blatt) (!Eine Luftpolsterfolie) (!Ein Eierkarton) (!Eine Kunststoffkappe)
Wie entsteht ein regelmäßiges Muster? (Durch geplante Wiederholung von Formen oder Abdrücken) (!Durch zufälliges Verschieben des Papiers) (!Durch vollständiges Übermalen aller Spuren) (!Durch Vermeiden jeder Wiederholung)
Was bedeutet Überlagerung beim Drucken? (Mehrere Abdrücke liegen teilweise oder ganz übereinander) (!Ein Druckwerkzeug wird vor dem Drucken versteckt) (!Das Papier wird unter den Tisch gelegt) (!Eine Farbe wird vollständig entfernt)
Wie kann aus einem Abdruck eine Figur entstehen? (Mehrere Druckspuren werden als Formbausteine neu gedeutet) (!Jeder Abdruck muss unverändert ein echtes Tier darstellen) (!Nur Bleistiftlinien dürfen eine Figur bilden) (!Alle Druckspuren müssen gleich groß sein)
Welche Handlung verhindert verwischte Abdrücke besonders gut? (Das Druckwerkzeug ruhig aufsetzen und senkrecht abheben) (!Das Werkzeug beim Abheben seitlich ziehen) (!Sehr viel Wasser auf das Papier geben) (!Die Farbe mit den Fingern verschmieren)
Was kennzeichnet das erweiterte Niveau E besonders? (Material Farbe und Komposition werden bewusst geplant und begründet) (!Es wird nur ein Material verwendet) (!Es werden keine Probedrucke gemacht) (!Es wird ausschließlich nach einer Vorlage kopiert)
Was ist die Grundidee des Naturselbstdrucks? (Naturobjekte oder ihre Oberflächen dienen als Grundlage für einen Abdruck) (!Naturmotive werden nur auswendig gezeichnet) (!Fotos werden ohne Drucktechnik ausgedruckt) (!Pflanzen werden ausschließlich beschrieben)
Memory
| Druckstock | Oberfläche oder Gegenstand zum Übertragen von Farbe |
| Textur | sichtbare oder fühlbare Beschaffenheit einer Oberfläche |
| Wiederholung | erneutes Auftreten einer Form oder Spur |
| Überlagerung | Übereinanderdrucken mehrerer Abdrücke |
| Kontrast | deutlicher Unterschied zwischen Bildmerkmalen |
| Probedruck | Testabdruck vor der endgültigen Gestaltung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Typische Druckwirkung |
|---|---|
| Blattadern | feine verzweigte Linien |
| Luftpolsterfolie | regelmäßige Noppen und Kreisformen |
| Wellpappe | parallele Rillen |
| Schwamm | unregelmäßige Poren und Flecken |
| Kork | körnige oder kreisförmige Spuren |
...
Kreuzworträtsel
| Druckstock | Wie heißt ein Gegenstand oder eine Fläche, von der gedruckt wird? |
| Textur | Wie nennt man die sichtbare oder fühlbare Beschaffenheit einer Oberfläche? |
| Muster | Wie heißt eine geordnete Wiederholung von Formen oder Spuren? |
| Schwamm | Welches weiche porige Material eignet sich gut für fleckige Druckspuren? |
| Kontrast | Wie heißt ein deutlicher Unterschied zwischen Bildmerkmalen? |
| Abdruck | Wie heißt die Spur, die ein eingefärbtes Material auf Papier hinterlässt? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Oberflächen-Safari: Sammle oder fotografiere zehn sichere Oberflächen in Schule oder Zuhause und ordne sie nach glatt, gerillt, porig, genoppt oder faserig.
- Druckpass: Stelle mit drei Materialien je drei Probedrucke her und verändere dabei jeweils Farbmenge oder Druckstärke.
- Musterrand: Entwickle aus zwei verschiedenen Abdrücken einen mindestens vierfach wiederholten Rhythmus.
- Abdruckwesen: Baue aus mindestens zwei Abdruckarten eine Fantasiefigur und gib ihr einen Namen, der zu ihren Strukturen passt.
Standard
- Verpackungsstadt: Verwende ausschließlich gereinigte Verpackungsreste wie Wellpappe, Eierkarton und Luftpolsterfolie, um eine Stadtlandschaft aus Druckspuren zu gestalten.
- Natur-Landschaft: Entwickle mit Blättern, Kork, Schwamm und einem weiteren geeigneten Material eine Landschaft mit Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund.
- Musterlabor: Entwirf drei Muster, bei denen derselbe Abdruck einmal regelmäßig, einmal gedreht und einmal überlagert eingesetzt wird.
- Prozessvideo: Dokumentiere Deinen Druckprozess in einem kurzen Erklärvideo und zeige darin mindestens einen Probedruck, eine Veränderung und das Endergebnis.
Schwer
- Abstrakte Serie: Entwickle drei zusammengehörige Druckbilder, die mit denselben Materialien arbeiten, aber unterschiedliche Stimmungen durch Farbe, Dichte und Rhythmus erzeugen.
- Materialdruckplatte: Baue aus flachen strukturierten Materialien eine einfache Druckplatte auf Karton und vergleiche ihren Abdruck mit dem direkten Druck derselben Materialien.
- Farbexperiment: Untersuche systematisch, wie zwei Farben bei Überlagerung wirken, und entwickle aus Deinen Ergebnissen eine eigenständige Komposition mit Schwerpunkt.
- Mini-Ausstellung: Kuratiere mit mehreren Arbeiten aus der Klasse eine kleine Ausstellung zum Thema Oberflächenspuren und verfasse kurze Bildtexte, in denen Materialwahl, Druckwirkung und Komposition erklärt werden.


Lernkontrolle
- Materialentscheidung: Du möchtest in einem Druckbild gleichzeitig Wasser, Felsen und Nebel darstellen. Wähle für jede Bildzone ein geeignetes Druckmaterial und begründe Deine Auswahl über die zu erwartende Textur.
- Fehleranalyse: Ein Blattabdruck ist fast vollständig zu einer einfarbigen Fläche geworden. Erkläre mindestens zwei mögliche Ursachen und plane einen verbesserten nächsten Versuch.
- Kompositionsvergleich: Beschreibe, wie sich die Wirkung verändert, wenn zehn gleiche Abdrücke zuerst streng in Reihen und danach unregelmäßig über die Bildfläche verteilt werden.
- Transferaufgabe Druckwerkzeug: Wähle einen ungefährlichen Alltagsgegenstand, der im Unterricht noch nicht verwendet wurde. Sage seine mögliche Druckspur voraus und entwirf ein Experiment, mit dem Du Deine Vermutung prüfst.
- Bildentwicklung: Erkläre, wie aus denselben drei Druckwerkzeugen einmal eine Figur und einmal eine abstrakte Komposition entstehen können. Gehe auf Umdeutung, Anordnung und Farbe ein.
- Niveauvergleich: Nimm eine einfache G-Lösung als Ausgangspunkt und beschreibe konkrete Veränderungen, durch die daraus eine M- und anschließend eine E-Lösung werden könnte.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis zu BK5 - Materialdruck sind folgende Punkte wichtig:
- Materialerkundung: Du zeigst Probedrucke mit mehreren deutlich unterschiedlichen Oberflächen.
- Technik: Du kannst Farbe dosieren, ein Werkzeug kontrolliert aufsetzen und sauber abheben.
- Variation: Du untersuchst mindestens zwei Einflussfaktoren wie Druck, Farbmenge, Richtung, Drehung oder Überlagerung.
- Gestaltung: Du entwickelst aus Abdrücken ein zusammenhängendes Muster, eine Figur, eine Landschaft oder eine abstrakte Komposition.
- Farbgestaltung: Du setzt Farbe passend zu Deiner beabsichtigten Bildwirkung ein.
- Komposition: Du gestaltest Abstände, Dichte, Schwerpunkte und Beziehungen zwischen den Spuren bewusst.
- Fachsprache: Du verwendest Begriffe wie Textur, Probedruck, Überlagerung, Kontrast, Rhythmus und Komposition richtig.
- Reflexion: Du kannst erklären, welche Materialeigenschaften besonders interessant waren, welche Schwierigkeiten auftraten und wie Du Deine Arbeit weiterentwickelt hast.
- Differenzierung: Du kannst zeigen, welche Anforderungen des von Dir bearbeiteten G-, M- oder E-Niveaus erfüllt wurden.
OERs zum Thema
Der Wikipedia-Artikel zur Schuldruckerei enthält einen Abschnitt zum Materialdruck und ordnet ihn in verschiedene schulische Druckverfahren ein.
Der Artikel zum Naturselbstdruck vertieft das Drucken mit Pflanzen und anderen Naturgegenständen.
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