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BK5 - Kunstwerke als Zeitzeugen

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BK5 - Kunstwerke als Zeitzeugen




BK5 - Kunstwerke als Zeitzeugen


Einleitung

Ein Gemälde, eine Stickerei, eine Statue, ein Gebäude, eine alte Landkarte oder ein Gegenstand aus dem Alltag kann wie ein Zeitfenster wirken. Solche Dinge können uns Hinweise darauf geben, wie Menschen früher lebten, welche Kleidung sie trugen, welche Gegenstände sie benutzten, wie sie bauten, woran sie glaubten oder wie sie Macht und gesellschaftliche Unterschiede zeigten.

Aber Vorsicht: Ein Kunstwerk ist keine Zeitmaschine und meistens auch keine genaue fotografische Aufnahme. Künstlerinnen und Künstler wählen aus, lassen Dinge weg, verändern Größen, ordnen Figuren bewusst an und können Herrscher besonders mächtig, Feinde besonders gefährlich oder eine Stadt besonders schön darstellen. Deshalb musst Du zwischen Beobachtung, Deutung und gesichertem Wissen unterscheiden.

In diesem aiMOOC lernst Du, historische Quellen wie eine Detektivin oder ein Detektiv zu untersuchen. Du trainierst besonders die Frage:

Welche Informationen kann mir ein Kunstwerk über vergangene Zeiten geben – und an welcher Stelle darf ich die Darstellung nicht einfach mit der historischen Wirklichkeit gleichsetzen?


Lernziele

  1. Quellen erkennen: Du kannst erklären, warum Kunstwerke, Bauwerke, Karten, Kleidung und Alltagsgegenstände historische Quellen sein können.
  2. Bildquellen untersuchen: Du beschreibst zuerst, was wirklich zu sehen ist, bevor Du eine Deutung formulierst.
  3. Quellen kritisch prüfen: Du fragst nach Entstehungszeit, Urheber, Auftraggeber, Zweck und Perspektive.
  4. Sachquellen nutzen: Du vergleichst Bilder mit erhaltenen Gegenständen und Bauwerken.
  5. Quellen vergleichen: Du prüfst, ob verschiedene Quellen dieselbe Aussage stützen oder unterschiedliche Bilder der Vergangenheit zeigen.
  6. Darstellung und Wirklichkeit unterscheiden: Du erkennst Übertreibungen, Idealisierungen, Symbole und mögliche Lücken.


G/M/E-Differenzierung

Niveau Das trainierst Du Typische Leistung
G – Grundniveau genau beobachten, Gegenstände erkennen, einfache Aussagen aus Quellen ableiten „Ich sehe mehrere Kinder mit Reifen. Das Bild zeigt, dass Reifen als Spielgerät dargestellt wurden.“
M – Mittleres Niveau Beobachtungen erklären, Quellenfragen anwenden und zwei Quellen vergleichen „Das Gemälde zeigt viele Spiele. Da die Szene bewusst zusammengestellt wurde, ist sie kein genauer Schnappschuss eines einzelnen Tages.“
E – Erweitertes Niveau Perspektive, Absicht und Grenzen einer Quelle beurteilen und mehrere Quellen zu einem begründeten Urteil verbinden „Das Werk belegt sicher, wie ein Künstler seiner Zeit bestimmte Tätigkeiten darstellen konnte. Ob Häufigkeit, Reihenfolge und soziale Verteilung genau der Wirklichkeit entsprachen, muss mit weiteren Quellen geprüft werden.“


Was ist eine historische Quelle?

Eine historische Quelle ist etwas, aus dem wir Informationen über die Vergangenheit gewinnen können. Dazu gehören nicht nur Texte. Auch Bilder, Gebäude, Werkzeuge, Münzen, Kleidungsstücke, Gräber, Karten oder Kunstwerke können Quellen sein.

Für diesen aiMOOC sind besonders zwei Gruppen wichtig:

Quellenart Beispiele Mögliche Informationen Wichtige Vorsicht
Bildquelle Gemälde, Buchmalerei, Stickerei, Relief Kleidung, Tätigkeiten, Symbole, Rollenbilder, Vorstellungen Ein Bild ist gestaltet und kann idealisieren oder übertreiben.
Sachquelle Schuh, Lampe, Helm, Gebäude, Werkzeug Material, Technik, Nutzung, handwerkliche Fähigkeiten Erhalten ist nur ein Teil dessen, was früher existierte.

Ein Kunstwerk kann gleichzeitig Gegenstand und Bildquelle sein. Ein bemaltes Holzbrett verrät beispielsweise etwas über Materialien und Maltechnik. Die darauf dargestellte Szene kann zusätzlich Hinweise auf Kleidung, Räume oder gesellschaftliche Vorstellungen geben.


Der wichtigste Zeitzeugen-Test

Bevor Du aus einem Kunstwerk etwas über eine vergangene Zeit ableitest, prüfst Du zwei Daten:

Frage Warum ist sie wichtig?
Wann wurde das Werk hergestellt? Für diese Entstehungszeit ist das Werk selbst eine Quelle.
Welche Zeit wird im Werk dargestellt? Die dargestellte Zeit kann viel älter sein als das Werk.

Ein Gemälde aus dem 19. Jahrhundert über einen König des frühen Mittelalters ist deshalb sicher eine Quelle dafür, wie Menschen des 19. Jahrhunderts diesen König darstellten. Es ist aber nicht automatisch ein zuverlässiger Beleg dafür, wie Kleidung, Räume oder Waffen im frühen Mittelalter tatsächlich aussahen.


Der Quellen-Führerschein

Nutze bei jedem Kunstwerk diese sieben Fragen:

Schritt Leitfrage Beispiel
Beobachten Was sehe ich wirklich? Personen, Farben, Kleidung, Gebäude, Gegenstände
Bestimmen Welche Art Quelle ist es? Gemälde, Stickerei, Karte, Gebäude, Alltagsobjekt
Datieren Wann entstand die Quelle? etwa im 11., 13. oder 16. Jahrhundert
Urheber klären Wer stellte sie her oder gab sie in Auftrag? Künstler, Werkstatt, Herrscher, Kirche, unbekannte Person
Absicht prüfen Warum könnte die Quelle entstanden sein? erinnern, schmücken, informieren, beeindrucken, glauben, Macht zeigen
Grenzen erkennen Was kann die Quelle nicht sicher beweisen? Häufigkeit, genaue Größen, Vollständigkeit, Gedanken aller Menschen
Vergleichen Welche zweite Quelle könnte meine Vermutung prüfen? Gegenstand, Text, anderes Bild, Ausgrabung, Gebäude

Merksatz: Erst beschreiben, dann deuten, schließlich prüfen.


Kunstwerk 1: Kinderspiele bei Pieter Bruegel dem Älteren

Pieter Bruegel der Ältere malte das Gemälde „Kinderspiele“ im Jahr 1560. Auf dem Bild sind sehr viele spielende Kinder zu erkennen. Zu sehen sind unter anderem Reifen, Kreisel, Stöcke, Fässer, Masken und zahlreiche Bewegungsspiele.


Was kann das Bild verraten?

Das Werk kann Dir Hinweise darauf geben, welche Spiele und Gegenstände im 16. Jahrhundert bekannt waren, wie ein Maler Straßen und Häuser darstellte und welche Kleidungsformen er für seine Figuren verwendete. Besonders spannend ist, dass viele Spiele ohne moderne Spielzeuge auskommen. Körper, Holz, Stoff, Reifen oder Alltagsgegenstände werden zu Spielmaterial.


Wo beginnt die Quellenkritik?

Das Bild zeigt nicht automatisch einen einzigen echten Platz an einem bestimmten Nachmittag. Bruegel hat sehr viele Spiele in einer großen Komposition zusammengeführt. Deshalb darfst Du aus dem Bild nicht schließen: „Genau so viele Kinder spielten immer gleichzeitig genau diese Spiele.“

Eine sichere Aussage lautet eher: „Bruegel stellte 1560 zahlreiche bekannte Kinderspiele in einer bewusst gestalteten Szene dar.“

Eine zu starke Aussage wäre: „So sah jeder Schulhof im Jahr 1560 aus.“


G/M/E-Auftrag zu Bruegel

Niveau Auftrag
G Finde fünf Spielgeräte oder Spielhandlungen und beschreibe nur, was Du siehst.
M Wähle drei Beobachtungen aus und formuliere zu jeder eine vorsichtige historische Vermutung.
E Erkläre, welche Aussagen über Kindheit das Bild stützen kann und welche Aussagen durch weitere Quellen geprüft werden müssten.


Kunstwerk 2: Der Teppich von Bayeux

Der sogenannte Teppich von Bayeux ist tatsächlich eine Stickerei auf Leinen. Er entstand im 11. Jahrhundert und erzählt in vielen Szenen von Ereignissen rund um die normannische Eroberung Englands und die Schlacht bei Hastings von 1066.


Was lässt sich entdecken?

Auf dem Teppich sind Schiffe, Pferde, Waffen, Schilde, Festessen, Gebäude, Kleidung und unterschiedliche Handlungen zu sehen. Dadurch ist er für Historikerinnen und Historiker sehr wertvoll. Er zeigt nicht nur eine politische Erzählung, sondern auch zahlreiche Details der materiellen Kultur.

Doch auch hier gilt: Die Figuren sind nicht wie auf einem modernen Foto wiedergegeben. Größen, Gesten und Szenen dienen dem Erzählen. Wer wichtig ist, kann hervorgehoben werden. Ereignisse werden in eine verständliche Reihenfolge gebracht.


Perspektive und Absicht

Der Teppich erzählt keine neutrale Nachrichtensendung. Er entstand im Umfeld der Sieger der normannischen Eroberung. Deshalb musst Du fragen, wessen Sicht auf die Ereignisse besonders stark vertreten ist und welche Stimmen fehlen.

Quellenregel: Auch eine einseitige Quelle ist wertvoll. Gerade ihre Auswahl und Perspektive können zeigen, wie eine Gruppe Ereignisse darstellen wollte.


G/M/E-Auftrag zum Teppich von Bayeux

Niveau Auftrag
G Nenne vier sichtbare Dinge, die etwas über das Leben oder den Krieg im 11. Jahrhundert verraten können.
M Trenne zwei Beobachtungen von zwei Deutungen.
E Beurteile, warum die Nähe des Werkes zu den Siegern gleichzeitig eine Stärke und eine Grenze der Quelle ist.


Kleidung als Quelle für Rang, Arbeit und Darstellung

Die Buchmalerei aus den Très Riches Heures du Duc de Berry zeigt im Januarbild eine höfische Szene. Auffällig sind prächtige Stoffe, kräftige Farben, Kopfbedeckungen, Pelzbesatz und die unterschiedliche Stellung der Personen im Raum.

Kleidung kann Hinweise auf Material, Mode, gesellschaftlichen Rang oder Tätigkeiten geben. Doch auch hier darfst Du nicht automatisch annehmen, dass alle Menschen einer Zeit so gekleidet waren. Ein für einen reichen Fürsten geschaffenes Buch zeigt besonders stark die Welt des Hofes.


Bildquelle und erhaltenes Kleidungsstück sind nicht dasselbe

Ein gemaltes Gewand zeigt, wie Kleidung dargestellt wurde. Ein erhaltenes Kleidungsstück oder ein archäologisch gefundener Schuh verrät dagegen unmittelbar etwas über Material, Schnitt, Abnutzung oder Herstellung.

Der mittelalterliche Lederschuh ist eine Sachquelle. Er kann beispielsweise Hinweise auf Lederverarbeitung und Form geben. Er sagt aber nicht von allein, wer ihn trug, zu welchem Anlass oder wie häufig genau dieses Modell vorkam. Dafür brauchst Du weitere Informationen.


Alltagsobjekte: Kleine Dinge, große Geschichten

Eine römische Öllampe wirkt unscheinbar. Trotzdem kann sie viel verraten. Material, Form, Rußspuren, Verzierung und Fundort können Hinweise auf Beleuchtung, Handwerk, Handel oder Wohnkultur geben.

Auch ein Schuh kann ein Zeitzeuge sein. Ein erhaltenes Exemplar kann zeigen, welches Material verarbeitet wurde, wie die Sohle gestaltet war oder wie stark der Gegenstand benutzt wurde.


Ein wichtiger Unterschied

Ein Gemälde kann einen ganzen Raum voller Menschen zeigen, aber die Szene ist gestaltet. Ein echter Gegenstand stammt unmittelbar aus der materiellen Welt seiner Zeit, erzählt aber nur einen kleinen Ausschnitt.

Darum ist Quellenvergleich so wichtig: Bildquelle und Sachquelle können sich gegenseitig ergänzen.


Historische Karten: Die Welt ist nicht immer maßstabsgetreu

Die Hereford Mappa Mundi entstand um 1300. Sie ist keine moderne Straßenkarte. Auf ihr verbinden sich geographisches Wissen, religiöse Vorstellungen, Geschichten und fantastische Elemente. Jerusalem steht im Zentrum der dargestellten Welt.

Gerade deshalb ist die Karte eine hervorragende Quelle: Sie zeigt nicht nur, wo Menschen Orte vermuteten, sondern auch, wie sie Welt, Religion und Wissen ordneten.


Eine andere historische Karte: die Tabula Peutingeriana

Die erhaltene Tabula Peutingeriana ist eine mittelalterliche Kopie einer antiken römischen Straßen- und Routenkarte. Sie streckt Gebiete stark in die Länge und will nicht wie ein heutiger Atlas aussehen. Wichtig sind vor allem Verbindungen, Stationen und Wege.

Daran erkennst Du: Eine Karte kann für einen bestimmten Zweck nützlich sein, obwohl sie geographische Formen nicht naturgetreu wiedergibt.


Quellenvergleich Karte A und Karte B

Frage Hereford Mappa Mundi Tabula Peutingeriana
Was steht im Mittelpunkt? religiös und symbolisch geordnete Welt Verkehrswege und Verbindungen
Ist die Form der Länder naturgetreu? nein nein
Was verrät die Karte besonders gut? Weltbild, Wissen, Religion, Vorstellungen Routen, Verkehrsnetz, wichtige Stationen
Was darfst Du nicht einfach ablesen? genaue Entfernungen und moderne Geographie natürliche Form der Landschaft und maßstabsgetreue Distanzen


Architektur als Zeitzeuge

Ein erhaltenes Gebäude ist eine Sachquelle. Die Kathedrale von Chartres kann Hinweise auf Bauwissen, religiöse Bedeutung, Arbeitsteilung, Material, Bildprogramme und die Möglichkeiten großer Bauprojekte im Mittelalter geben.

Aber ein heute fotografiertes Gebäude hat eine lange Geschichte hinter sich. Reparaturen, Umbauten, Restaurierungen und Beschädigungen können sein Aussehen verändert haben.

Beim Kolosseum gilt dasselbe. Das Bauwerk selbst stammt aus der römischen Antike. Das Foto dagegen ist modern. Die heutige Ruine zeigt nicht genau, wie das Amphitheater bei seiner Eröffnung aussah. Trotzdem lassen Bauform, Material und erhaltene Strukturen viele historische Fragen zu.


Drei Ebenen bei Architektur

Ebene Beispiel Historische Frage
Bauwerk erhaltene Mauern und Bauteile Wie wurde gebaut?
heutiger Zustand Ruine, Restaurierung, Ergänzungen Was ist seit der Entstehung verändert worden?
moderne Fotografie heutiges Foto des Bauwerks Wie sah das Gebäude zum Zeitpunkt der Aufnahme aus?


Prunkobjekte und Macht

Der Helm aus dem Schiffsgrab von Sutton Hoo stammt aus dem frühen Mittelalter. Kostbare Materialien, aufwendige Verzierung und die besondere Fundumgebung können Hinweise auf hohen gesellschaftlichen Rang, handwerkliches Können und Vorstellungen von Herrschaft geben.

Doch auch ein prachtvoller Helm zeigt nicht, wie alle Menschen lebten. Besonders kostbare Funde stammen oft aus außergewöhnlichen Zusammenhängen. Wer nur Paläste, Kronen und Prunkgräber untersucht, erfährt zu wenig über den Alltag armer oder weniger mächtiger Menschen.


Was Kunstwerke über vergangene Zeiten verraten können

Kunstwerke können besonders hilfreich sein, wenn Du nach folgenden Bereichen fragst:

Bereich Mögliche Hinweise Grenze
Kleidung Formen, Farben, Kopfbedeckungen, Rangzeichen Darstellung kann idealisiert sein.
Wohnen und Bauen Räume, Häuser, Möbel, Straßen Perspektive und Größen können verändert sein.
Arbeit Werkzeuge, Tätigkeiten, Arbeitsteilung Künstler können Arbeit vereinfachen oder symbolisch darstellen.
Freizeit Spiele, Feste, Musik, Jagd Ein besonderes Ereignis ist nicht automatisch Alltag.
Religion Symbole, Rituale, Kirchenräume Bilder zeigen häufig Glaubensvorstellungen, keine beobachtbaren Ereignisse.
Macht Thron, Kleidung, Größe, Position, Waffen Herrscher können absichtlich besonders mächtig gezeigt werden.
Technik Schiffe, Werkzeuge, Waffen, Bauformen Details müssen mit Funden und anderen Quellen verglichen werden.
Weltbilder Karten, Symbole, Rangordnungen Eine symbolische Ordnung ist keine maßstabsgetreue Beschreibung.


Beobachtung, Deutung oder Behauptung?

Das ist die wichtigste Unterscheidung beim Arbeiten mit Bildern.

Stufe Beispiel Bewertung
Beobachtung „Eine Figur trägt einen langen blauen Mantel.“ direkt am Bild überprüfbar
Deutung „Der aufwendige Mantel könnte hohen Rang zeigen.“ begründete Vermutung
Behauptung „Alle reichen Menschen trugen immer blaue Mäntel.“ durch das einzelne Bild nicht belegt

Eine gute historische Antwort macht deutlich, auf welcher Stufe sie steht.


Interaktiver Quellenvergleich I: Bild oder Gegenstand?

Vergleiche die höfische Buchmalerei mit dem mittelalterlichen Lederschuh.

Ordne die passende Aussage zu. Quelle
zeigt eine bewusst komponierte Szene Buchmalerei
besteht aus tatsächlich verarbeitetem Leder Lederschuh
kann Kleidung und Rang bildlich darstellen Buchmalerei
kann Material und Abnutzung unmittelbar zeigen Lederschuh
braucht für sichere Aussagen weitere Vergleichsquellen Beide Quellen




Interaktiver Quellenvergleich II: Was kann eine Karte wirklich zeigen?

Ordne die historische Aussage zu. Quelle
zeigt eine religiös geordnete Vorstellung der Welt Hereford Mappa Mundi
betont Straßen und Verbindungen Tabula Peutingeriana
ist keine moderne maßstabsgetreue Landkarte Beide Karten
eignet sich besonders für Fragen nach mittelalterlichem Weltbild Hereford Mappa Mundi
eignet sich besonders für Fragen nach Verkehrswegen Tabula Peutingeriana




Interaktiver Quellenvergleich III: Sicher oder zu sicher?

Aussage Einordnung
Auf Bruegels Bild sind Reifen als Spielgeräte dargestellt. gut belegte Beobachtung
Jedes Kind im 16. Jahrhundert besaß einen Reifen. nicht belegte Verallgemeinerung
Der Teppich von Bayeux zeigt Schiffe und Waffen. gut belegte Beobachtung
Jede dargestellte Szene geschah exakt so wie gestickt. nicht belegte Gleichsetzung mit Wirklichkeit
Mehrere unterschiedliche Quellen können eine Deutung besser absichern. sinnvolle historische Methode




Die Quellen-Ampel

Ampel Bedeutung Beispielsatz
Grün direkt sichtbar oder am Gegenstand messbar „Auf dem Bild sind fünf Schilde zu erkennen.“
Gelb plausible Deutung, die begründet werden muss „Die große Figur könnte wegen ihrer Stellung besonders wichtig sein.“
Rot zu starke Behauptung ohne ausreichenden Beleg „So war es damals immer und überall.“

Wenn Du bei historischen Bildern unsicher bist, helfen Formulierungen wie „Das Bild zeigt …“, „Das könnte darauf hindeuten …“ oder „Um das zu prüfen, müsste man …“.


Differenzierter Lernpfad G/M/E

Station G – Grundniveau M – Mittleres Niveau E – Erweitertes Niveau
Sehen fünf Dinge benennen Dinge nach Kleidung, Gegenständen und Architektur ordnen untersuchen, was auffällig hervorgehoben oder weggelassen ist
Fragen Entstehungszeit und Quellenart nennen Urheber, Auftraggeber und Zweck einbeziehen Perspektive und mögliche Interessen beurteilen
Deuten eine vorsichtige Aussage formulieren Beobachtung und Deutung sprachlich trennen mehrere mögliche Deutungen gegeneinander abwägen
Vergleichen zwei Unterschiede finden Bildquelle und Sachquelle zusammenführen Widersprüche zwischen Quellen erklären
Urteilen eine Grenze der Quelle nennen Aussagekraft begründet einschätzen Reichweite eines historischen Urteils genau begrenzen


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was ist eine historische Quelle? (Etwas, aus dem Informationen über die Vergangenheit gewonnen werden können) (!Ein Gegenstand, der immer aus Gold bestehen muss) (!Ein Text, der nur von Historikern geschrieben wurde) (!Eine Erfindung ohne Bezug zur Vergangenheit)




Welche Aussage ist eine reine Beobachtung? (Auf dem Bild trägt eine Figur einen blauen Mantel) (!Die Figur ist mit Sicherheit ein König) (!Alle reichen Menschen trugen blaue Mäntel) (!Der Künstler wollte bestimmt Angst erzeugen)




Warum darf ein Kunstwerk nicht einfach mit historischer Wirklichkeit gleichgesetzt werden? (Weil Künstler auswählen, gestalten und verändern können) (!Weil Kunstwerke niemals etwas über Geschichte verraten) (!Weil alte Bilder grundsätzlich gefälscht sind) (!Weil nur geschriebene Texte historische Quellen sind)




Was kann Bruegels Kinderspiele besonders gut zeigen? (Welche Spiele und Gegenstände ein Maler des 16. Jahrhunderts darstellte) (!Wie jeder Schulhof Europas exakt aussah) (!Wie viele Kinder im Jahr 1560 insgesamt lebten) (!Welches Spiel jedes Kind täglich spielte)




Welche Frage ist beim Teppich von Bayeux besonders wichtig? (Aus welcher Perspektive die Ereignisse erzählt werden) (!Welche Kamera für die Aufnahme benutzt wurde) (!Welche modernen Verkehrsschilder dargestellt sind) (!Welches Computerspiel als Vorlage diente)




Was zeigt die Hereford Mappa Mundi besonders gut? (Ein mittelalterliches Weltbild mit religiösen Vorstellungen) (!Eine moderne maßstabsgetreue Straßenkarte) (!Eine Satellitenaufnahme Europas) (!Einen genauen Fahrplan des römischen Reiches)




Warum ist der Vergleich von Bildquelle und Sachquelle hilfreich? (Weil verschiedene Quellen unterschiedliche Informationen ergänzen können) (!Weil dadurch jede Deutung automatisch wahr wird) (!Weil Sachquellen immer vollständiger als alle Bilder sind) (!Weil danach die Entstehungszeit unwichtig wird)




Was muss bei einem heute fotografierten mittelalterlichen Gebäude unterschieden werden? (Das alte Bauwerk und das moderne Foto) (!Die Farbe des Himmels und das Alter der Kamera) (!Die Zahl der Touristen und die Länge des Dateinamens) (!Das Wetter und die Sprache des Fotografen)




Welche Frage gehört zur Quellenkritik? (Wer schuf die Quelle und zu welchem Zweck) (!Welche Antwort klingt am spannendsten) (!Welche Farbe gefällt mir persönlich am besten) (!Wie kann ich jede Quelle für vollständig erklären)




Welche Formulierung ist historisch besonders vorsichtig? (Das Bild könnte darauf hindeuten und sollte mit weiteren Quellen geprüft werden) (!Das Bild beweist genau wie alle Menschen damals lebten) (!Der Künstler konnte sich niemals irren) (!Eine einzige Quelle reicht immer für jede historische Aussage)





Memory

Bildquelle dargestellte Szene
Sachquelle erhaltener Gegenstand
Beobachtung direkt Sichtbares
Deutung begründete Vermutung
Perspektive bestimmter Blickwinkel
Quellenkritik Aussagekraft prüfen
Quellenvergleich mehrere Spuren zusammenführen





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Bruegels Kinderspiele gestaltete Bildquelle
Römische Öllampe Alltagsobjekt
Hereford Mappa Mundi mittelalterliches Weltbild
Kathedrale von Chartres Architekturquelle
Lederschuh materielle Sachquelle





Kreuzworträtsel

Quelle Wie nennt man eine Spur, aus der Wissen über Vergangenheit gewonnen werden kann?
Bildquelle Wie heißt eine historische Quelle, deren Darstellung untersucht wird?
Perspektive Wie heißt der bestimmte Blickwinkel eines Urhebers?
Architektur Welcher Begriff bezeichnet die Kunst und Gestaltung von Bauwerken?
Kleidung Was kann auf Bildern Hinweise auf Mode und gesellschaftlichen Rang geben?
Vergleich Welche Methode verbindet mehrere Quellen miteinander?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Ein Kunstwerk kann eine historische

sein.
Am Anfang einer Bildanalyse steht die genaue

.
Eine begründete Erklärung nennt man

.
Die Frage nach dem Blickwinkel einer Quelle untersucht ihre

.
Ein erhaltener Schuh ist eine

.
Die Hereford Mappa Mundi verrät viel über ein mittelalterliches

.
Ein heutiges Foto des Kolosseums ist nicht mit dem antiken

gleichzusetzen.
Künstlerische Darstellungen können Wirklichkeit auswählen oder

.
Mehrere unterschiedliche Quellen werden in einem Quellenvergleich miteinander

.
Historisch besonders vorsichtig ist eine Aussage, wenn sie ihre eigenen

nennt.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Bilddetektiv: Suche Dir eines der Kunstwerke im aiMOOC aus und notiere zehn Dinge, die Du sicher sehen kannst, ohne sie schon zu erklären.
  2. Quellen-Ampel: Formuliere zu einem Bild je einen grünen Beobachtungssatz, einen gelben Deutungssatz und eine rote Übertreibung.
  3. Alltagsobjekt als Quelle: Wähle einen Gegenstand aus Deinem heutigen Alltag und erkläre, was Menschen in 500 Jahren daraus über unsere Zeit vermuten könnten.
  4. Kleidungsforscher: Untersuche die Kleidung auf der höfischen Buchmalerei und beschreibe Formen, Farben und Unterschiede zwischen mindestens drei Personen.


Standard

  1. Quellenvergleich Bild und Objekt: Vergleiche die Buchmalerei mit dem mittelalterlichen Lederschuh und erstelle eine Tabelle mit Informationen, die nur das Bild, nur der Gegenstand oder beide liefern.
  2. Kartenvergleich: Vergleiche Hereford Mappa Mundi und Tabula Peutingeriana. Erkläre, warum keine der beiden wie ein moderner Atlas aussieht und welche Absicht jeweils wichtiger war.
  3. Architektur-Check: Wähle Kolosseum oder Kathedrale von Chartres und recherchiere drei Veränderungen, die das Bauwerk seit seiner Entstehung erlebt hat. Trenne ursprüngliche Bauteile von späteren Veränderungen.
  4. Mini-Ausstellung: Gestalte eine kleine Ausstellung mit drei Quellen zu einem Thema wie Spielen, Wohnen, Kleidung oder Reisen. Schreibe zu jeder Quelle ein Schild mit „Das erfahren wir“ und „Das bleibt unsicher“.


Schwer

  1. Perspektivenanalyse: Untersuche den Teppich von Bayeux auf mögliche Hinweise auf die Sicht der Sieger. Formuliere anschließend drei Fragen, die eine Quelle aus Sicht der Gegenseite beantworten könnte.
  2. Quellenstreit: Entwickle zwei unterschiedliche Deutungen desselben Kunstwerks und entscheide, welche Deutung besser belegt ist. Begründe mit sichtbaren Details.
  3. Historische Rekonstruktion: Entwirf eine Szene aus einer vergangenen Zeit nur auf Grundlage von mindestens drei unterschiedlichen Quellenarten. Kennzeichne jedes Detail als sicher, wahrscheinlich oder erfunden.
  4. Museumsprojekt: Erstelle ein kurzes Video oder eine digitale Führung mit dem Titel „Kunstwerke sind keine Kameras“. Nutze mindestens vier Beispiele und erkläre bei jedem die Aussagekraft und eine Grenze.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Quellenkombination: Du möchtest herausfinden, wie Menschen im Mittelalter gekleidet waren. Begründe, warum eine Buchmalerei allein nicht genügt, und nenne zwei weitere geeignete Quellenarten.
  2. Darstellung und Wirklichkeit: Ein Herrscher ist auf einem Bild doppelt so groß dargestellt wie alle anderen Personen. Entwickle zwei mögliche Erklärungen und entscheide, welche zusätzliche Quelle helfen könnte.
  3. Kartenkritik: Eine historische Karte zeigt Entfernungen stark verzerrt. Erkläre, warum die Karte trotzdem eine wertvolle Quelle sein kann.
  4. Architektur als Quelle: Ein mittelalterliches Gebäude wurde im 19. Jahrhundert restauriert. Erkläre, welche Probleme dadurch bei einer historischen Untersuchung entstehen und wie Du damit umgehen würdest.
  5. Quellenwiderspruch: Ein Gemälde zeigt prächtige Kleidung, während archäologische Funde aus derselben Region überwiegend einfache Stoffreste zeigen. Entwickle mindestens zwei Erklärungen für diesen Unterschied.
  6. Urteilskompetenz: Beurteile die Aussage „Ein Bild zeigt, wie es wirklich war“. Formuliere ein differenziertes Gegenargument und nutze mindestens zwei Beispiele aus diesem aiMOOC.


Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Namen von Kunstwerken kennst, sondern historische Denkweisen zeigen kannst.

  1. Beobachtungskompetenz: Du trennst sichtbare Details von Vermutungen.
  2. Quellenbestimmung: Du erkennst Bildquellen, Sachquellen, Karten und Architektur als unterschiedliche Quellenarten.
  3. Zeitliche Einordnung: Du unterscheidest Entstehungszeit eines Werkes von der darin dargestellten Zeit.
  4. Quellenkritik: Du fragst nach Urheber, Auftraggeber, Zweck und Perspektive.
  5. Aussagekraft: Du erklärst, welche Informationen eine Quelle liefern kann.
  6. Grenzen: Du benennst, was eine Quelle nicht sicher beweist.
  7. Quellenvergleich: Du verbindest mehrere Quellen, statt ein einzelnes Bild zu verallgemeinern.
  8. Historisches Urteil: Du formulierst vorsichtige, begründete Aussagen und kennzeichnest Unsicherheit.




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