BK5 - Kunst in Griechenland und Rom

BK5 - Kunst in Griechenland und Rom
BK5 - Kunst in Griechenland und Rom
Einleitung
In diesem aiMOOC entdeckst Du, wie Menschen im antiken Griechenland und im Römischen Reich Kunst gestaltet und benutzt haben. Du untersuchst Skulpturen, Vasenbilder, Mosaike, Tempel, Theater, Kuppelbauten, Triumphbögen und öffentliche Plätze. Dabei geht es nicht nur darum, Namen und Jahreszahlen zu kennen. Du lernst vor allem genau hinzusehen und zu fragen: Wie wird ein Körper dargestellt? Welche Ornamente wiederholen sich? Welche Geschichten aus der Mythologie werden erzählt? Wie ist ein Gebäude aufgebaut? Wer sollte ein Kunstwerk sehen und welche Wirkung sollte es haben?
Die griechische und die römische Kunst sind eng miteinander verbunden. Römische Künstler und Auftraggeber übernahmen viele griechische Formen, Bildideen und Göttergeschichten, veränderten sie aber für ihre eigenen Zwecke. Deshalb wirst Du immer wieder vergleichen: Was ist ähnlich? Was ist anders? Was wurde übernommen? Was wurde neu erfunden?
Dieser aiMOOC ist für Klasse 5 gedacht. Die Aufgaben sind nach G, M und E differenziert:
- G – Grundniveau: Du erkennst, benennst und beschreibst wichtige Merkmale.
- M – Mittleres Niveau: Du vergleichst Kunstwerke und begründest Deine Beobachtungen.
- E – Erweitertes Niveau: Du deutest Wirkungen, untersuchst Zusammenhänge und überträgst Ideen auf eigene Gestaltungen.
Orientierung: Wo liegen Griechenland und Rom?
Das antike Griechenland war kein einheitlicher Staat wie das heutige Griechenland. Viele selbstständige Stadtstaaten, darunter Athen und Sparta, lagen auf dem griechischen Festland, auf Inseln und an Küsten des Mittelmeers. Das Meer verband die Orte miteinander. Handel, Reisen und Kolonien sorgten dafür, dass Kunstformen und Ideen weit verbreitet wurden.

Bildauftrag G: Suche auf der Karte Athen und die Ägäis. Bildauftrag M: Erkläre, warum Schiffe und Häfen für den Austausch von Kunstideen wichtig gewesen sein könnten. Bildauftrag E: Überlege, wie sich Kunst verändert, wenn Menschen Motive aus anderen Regionen kennenlernen.
Das Römische Reich wuchs über viele Jahrhunderte. Im Jahr 117 n. Chr. erreichte es unter Kaiser Trajan eine besonders große Ausdehnung. Kunst und Architektur waren in Rom selbst wichtig, aber auch in vielen Provinzen des Reiches. Römische Bauformen, Statuen und Mosaike findet man deshalb an sehr weit voneinander entfernten Orten.

Ein wichtiger Unterschied für unsere Betrachtung lautet: Griechische Kunst entstand in vielen griechischen Städten und Regionen. Römische Kunst verbreitete sich später in einem großen Reich, in dem griechische, italische und viele weitere Traditionen zusammenwirkten.
So untersuchst Du antike Kunst
Wenn Du ein antikes Kunstwerk ansiehst, kannst Du mit fünf Leitfragen arbeiten:
| Blickfrage | Darauf achtest Du | Beispiel |
|---|---|---|
| Körper | Haltung, Bewegung, Gesicht, Kleidung, Muskeln, Proportionen | Wirkt die Figur ruhig, bewegt, mächtig oder lebendig? |
| Ornament | Wiederholungen, Linien, Wellen, Blätter, geometrische Muster | Rahmt ein Muster eine Szene oder bedeckt es eine ganze Fläche? |
| Mythologie | Götter, Göttinnen, Helden, Fabelwesen, bekannte Geschichten | Woran erkennt man Athena, Herakles oder Dionysos? |
| Bauform | Säulen, Giebel, Bogen, Gewölbe, Kuppel, Innenraum, Platzwirkung | Wird ein Gebäude von allen Seiten betrachtet oder betont es eine Hauptfront? |
| Öffentlichkeit | Standort, Auftraggeber, Publikum, Botschaft | Sollte das Kunstwerk verehrt, bestaunt, erinnert oder politisch verstanden werden? |
Merksatz: Gute Bildbetrachtung beginnt mit dem, was Du wirklich siehst. Erst danach folgt die Deutung.
Körperdarstellung
Griechenland: Vom stehenden Kouros zum bewegten Körper
Ein Kouros ist eine freistehende Statue eines jungen Mannes aus der archaischen griechischen Kunst. Viele Kouroi stehen aufrecht, setzen einen Fuß nach vorn und halten die Arme seitlich am Körper. Der Körper ist deutlich gegliedert, aber die Haltung wirkt noch streng und symmetrisch. Manche Kouroi dienten als Weihgeschenke in Heiligtümern, andere als Grabstatuen.

Der Kroisos-Kouros entstand um 530 v. Chr. Er zeigt einen idealisierten jungen Mann. Wichtig: Die Nacktheit bedeutet hier nicht, dass Menschen im Alltag so herumliefen. Sie gehört zu einer künstlerischen Vorstellung des jugendlichen, kräftigen Körpers.
G: Beschreibe die Stellung von Füßen, Armen und Kopf. M: Untersuche, welche Körperteile symmetrisch wirken und wo Bewegung angedeutet wird. E: Erkläre, warum eine streng geordnete Körperhaltung für eine Grab- oder Weihstatue passend wirken konnte.
In der klassischen griechischen Kunst wurde die Darstellung von Gewicht, Bewegung und Körperbalance weiterentwickelt. Beim sogenannten Kontrapost trägt ein Bein den größten Teil des Gewichts, während das andere lockerer steht. Dadurch können Hüfte und Schultern leicht gegeneinander verschoben erscheinen.

Der bekannte Doryphoros ist heute unter anderem durch römische Marmorkopien nach einem griechischen Vorbild des Bildhauers Polyklet überliefert. Das zeigt bereits, wie eng griechische und römische Kunst verbunden sein können: Ein römisches Werk kann uns etwas über ein verlorenes griechisches Original verraten.
Rom: Körper, Porträt und Macht
Römische Porträtkunst konnte sehr unterschiedlich aussehen. In der römischen Republik wurden manche ältere Männer mit deutlichen Falten und individuellen Gesichtszügen dargestellt. In der Kaiserzeit gab es zugleich stark idealisierte Herrscherbilder.
Ein berühmtes Beispiel ist Augustus von Prima Porta. Die Statue zeigt den Kaiser als jungen, kraftvollen Herrscher in militärischer Kleidung. Seine Haltung erinnert an griechische Vorbilder. Gleichzeitig trägt sein Brustpanzer viele Bildzeichen. Die Figur ist also nicht nur ein Körperbild, sondern auch eine politische Botschaft.

G: Zeige mit Worten, wohin Augustus blickt und wie sein rechter Arm bewegt ist. M: Vergleiche seine Haltung mit dem Doryphoros. Welche Ähnlichkeiten findest Du? E: Deute, warum ein Herrscher zugleich menschlich, idealisiert und überlegen wirken sollte.
Vergleich: Griechische Kunst entwickelte viele wichtige Möglichkeiten, den menschlichen Körper zu ordnen, zu idealisieren und in Bewegung zu zeigen. Römische Künstler übernahmen solche Formen, verbanden sie aber oft mit Porträt, Rang, Kleidung und politischen Botschaften.
Ornament und Vasenmalerei
Griechische Ornamente: Ordnung durch Wiederholung
Ein Ornament ist ein schmückendes Muster. In der griechischen Kunst begegnen Dir unter anderem Mäander, Wellenlinien, Palmetten, Blattmotive und geometrische Bänder. Ornamente können eine Bildfläche gliedern, den Rand betonen oder einzelne Szenen voneinander trennen.
Ein Mäander besteht aus einer sich wiederholenden, rechtwinklig geführten Linie. Er ist besonders gut geeignet, um über Rhythmus nachzudenken: Ein kleines Formelement wird nach einer Regel wiederholt.
G: Zeichne einen einfachen Mäander mit mindestens sechs Wiederholungen. M: Verändere eine Stelle so, dass ein neuer Rhythmus entsteht. E: Entwirf ein Ornament, das griechische Wiederholung mit einem heutigen Symbol verbindet, ohne ein antikes Muster einfach zu kopieren.
Vasenbilder: Geschichten auf Keramik
Griechische Gefäße hatten unterschiedliche Formen und Aufgaben. Manche dienten zum Aufbewahren, Mischen, Ausschenken oder Trinken. Die bemalten Flächen wurden zu Bildträgern. Besonders bekannt sind die schwarzfigurige und die rotfigurige Vasenmalerei.
Bei der schwarzfigurigen Technik erscheinen Figuren überwiegend dunkel auf dem helleren Ton des gebrannten Gefäßes. Feinheiten konnten eingeritzt werden. Bei der rotfigurigen Technik bleiben die Figuren eher in der roten Tonfarbe stehen, während der Hintergrund dunkel wird. Dadurch ließen sich Binnenlinien mit dem Pinsel flexibler gestalten.

Auf solchen Vasenbildern erscheinen nicht nur Alltags- und Sportszenen, sondern häufig auch Geschichten aus der griechischen Mythologie. Helden konnten an Waffen, Kleidung, Beischriften oder typischen Handlungssituationen erkannt werden.
G: Trenne bei einer Vase zuerst Gefäßform, Ornament und Bildszene. M: Beschreibe, wie Randmuster und Hauptbild zusammenwirken. E: Begründe, warum ein Gefäß gleichzeitig Gebrauchsgegenstand, Bildträger und Informationsquelle für die Forschung sein kann.
Mythologie als Bildsprache
Griechenland: Götter und Helden werden sichtbar
Mythologische Geschichten waren in der griechischen Welt weit verbreitet. Kunst machte diese Erzählungen sichtbar. Athena kann zum Beispiel durch Helm, Schild oder Lanze kenntlich werden. Herakles ist häufig an seiner Keule oder dem Löwenfell zu erkennen. Dionysos kann mit Wein, Efeu oder seinem Gefolge verbunden sein.
Für die Bildbetrachtung ist wichtig: Antike Künstler zeigen nicht immer die ganze Geschichte. Oft wählen sie einen entscheidenden Augenblick. Betrachterinnen und Betrachter, die den Mythos kannten, konnten aus wenigen Zeichen die größere Erzählung ergänzen.
Bilddetektiv-Auftrag: Suche in einem Vasenbild zuerst Gegenstände, Kleidung, Tiere und Gesten. Formuliere danach eine Vermutung, welche Figur oder Geschichte gemeint sein könnte.
Rom: Griechische Mythen in neuer Umgebung
Viele griechische Göttergeschichten wurden von den Römern übernommen und mit römischen Namen und Vorstellungen verbunden. Zeus wurde mit Jupiter gleichgesetzt, Hera mit Juno, Aphrodite mit Venus und Ares mit Mars. Trotzdem sind die römischen Vorstellungen nicht einfach nur Kopien. Namen, Feste, politische Bedeutungen und lokale Traditionen konnten sich unterscheiden.
Römische Häuser, Gärten, Thermen und öffentliche Gebäude wurden mit mythologischen Bildern geschmückt. Ein Mythos konnte also gleichzeitig Unterhaltung, Bildung, Statussymbol und politische Aussage sein.
Mosaik
Griechenland: Kieselmosaik aus Pella
Ein Mosaik entsteht aus vielen kleinen Einzelteilen, die zusammen ein Bild oder Muster bilden. In Pella, der Hauptstadt des antiken Makedonien, wurden bedeutende Kieselmosaike gefunden.

Beim Hirschjagd-Mosaik bilden helle und dunkle Steine Figuren, Tiere, Bewegung und einen dekorativen Rahmen. Du kannst gut erkennen, dass ein Mosaik gleichzeitig Bild und Ornamentfläche sein kann.
G: Finde Vordergrund, Figuren und Randmuster. M: Beschreibe, wie die Körper der Jäger Bewegung zeigen. E: Vergleiche die Jagdszene mit einer Vasenmalerei: Welche Unterschiede ergeben sich durch das Material?
Rom: Mosaike als Bodenbilder und Bilderzählungen
Römische Mosaike konnten geometrische Muster, Pflanzen, Tiere, Alltagsszenen, Göttergeschichten oder historische Themen zeigen. Sie schmückten private Häuser ebenso wie größere Anlagen.
Das berühmte Alexander-Mosaik wurde in Pompeji im Haus des Fauns gefunden. Es zeigt eine dramatische Schlachtszene mit Alexander und Dareios. Das römische Mosaik wird häufig mit einem älteren hellenistischen Bildvorbild in Verbindung gebracht.

Vergleich Griechenland – Rom: Das Mosaik aus Pella zeigt, dass aufwendige Mosaikkunst bereits in der griechischen Welt eine wichtige Rolle spielte. Römische Werkstätten entwickelten die Technik in vielen Regionen weiter und nutzten kleine Stein- oder Glasteilchen für sehr unterschiedliche Bildaufgaben.
Bauformen
Der griechische Tempel
Ein griechischer Tempel war vor allem ein Bau für eine Gottheit. Im Inneren befand sich in der Regel ein Kultbild. Religiöse Handlungen fanden nicht nur im Gebäude statt, sondern auch im Heiligtumsbereich und am Altar.
Typische Bauteile sind Stufenbau, Säulen, Kapitelle, Gebälk und Giebel. Besonders bekannt sind die dorische, ionische und korinthische Säulenordnung. Diese Ordnungen unterscheiden sich unter anderem durch Proportionen und Kapitellformen.
Der Parthenon auf der Akropolis von Athen wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. errichtet und Athena geweiht. Er gehört überwiegend zur dorischen Ordnung, enthält aber auch ionische Elemente.

G: Suche Säulen, Gebälk und Giebel. M: Erkläre, wie die vielen Säulen einen Rhythmus bilden. E: Untersuche, wie Architektur und Skulptur am Parthenon zusammenwirkten.
3D-Rekonstruktion: Wie könnte der Parthenon gewirkt haben?
Ruinen zeigen nur einen Teil eines antiken Bauwerks. Digitale Rekonstruktionen versuchen, fehlende Teile auf Grundlage von Forschungsergebnissen zu ergänzen. Sie sind deshalb Modelle: sehr hilfreich, aber nicht mit einer Zeitmaschine zu verwechseln.
Medienkompetenz-Auftrag E: Notiere bei einer 3D-Rekonstruktion zwei Dinge, die durch erhaltene Bauteile gut belegt sind, und zwei Dinge, bei denen eine Rekonstruktion Entscheidungen treffen muss, etwa bei Farben, Ausstattung oder fehlenden Bauteilen.
Virtuelle Reise durch das antike Athen
Bei der virtuellen Reise siehst Du nicht nur einzelne Tempel, sondern auch Plätze, Wege, Verwaltungsbauten und Theater. Dadurch wird sichtbar, dass Kunst und Architektur immer Teil einer Stadtlandschaft waren.
Römische Architektur: Bogen, Gewölbe, Kuppel und große Innenräume
Römische Architektur übernahm griechische Säulenformen, kombinierte sie aber mit weiteren Bauideen. Besonders wichtig wurden Bögen, Gewölbe und Kuppeln. Römische Baumeister entwickelten große Hallen, Thermen, Amphitheater, Basiliken, Brücken und Wasserleitungen.
Römische Tempel betonen häufig stärker eine Hauptfront und einen Zugang über eine Treppe. Das lässt sich gut am Tempel des Portunus in Rom beobachten.

Vergleich: Ein griechischer Tempel ist häufig als Baukörper gedacht, den man von mehreren Seiten wahrnehmen kann. Ein römischer Tempel in einer Stadtanlage kann stärker auf die Front und den davorliegenden Platz bezogen sein.
Das Pantheon: Säulenfront und Kuppelraum
Das Pantheon in Rom verbindet eine Säulenvorhalle mit einem riesigen runden Innenraum und einer Kuppel. In der Mitte der Kuppel befindet sich der Oculus, eine runde Öffnung. Durch sie fällt Tageslicht in den Innenraum.

G: Benenne Säulenfront und Giebel. M: Erkläre, warum die Außenansicht den großen runden Innenraum nicht sofort verrät. E: Vergleiche den Raumeindruck eines griechischen Säulentempels mit dem Kuppelraum des Pantheons.
Das Kolosseum: Architektur für eine große Öffentlichkeit
Das Kolosseum ist ein römisches Amphitheater. Seine übereinanderliegenden Bogenreihen zeigen, wie römische Architektur konstruktive und dekorative Elemente verbindet.

G: Zähle die sichtbaren Geschosse und suche wiederkehrende Bögen. M: Erkläre, warum Wiederholung bei einem sehr großen Bauwerk für Ordnung sorgt. E: Vergleiche die Funktion des Amphitheaters mit einem griechischen Theater: Welche Anforderungen an Form, Sicht und Besucherströme sind unterschiedlich?
Öffentliche Kunst
Griechenland: Heiligtum, Agora und gemeinsame Erinnerung
Kunst stand in der griechischen Welt häufig an Orten, die viele Menschen gemeinsam nutzten: in Heiligtümern, an Tempeln, auf der Agora oder an Grabstraßen. Statuen, Reliefs und bemalte Bauten konnten Götter ehren, Siege erinnern oder wichtige Personen und Gemeinschaften darstellen.
Ein Kunstwerk war also nicht automatisch ein Gegenstand für ein stilles Museum. Es konnte Teil einer Prozession, eines Festes, eines Wettkampfs oder eines öffentlichen Platzes sein.
Rom: Forum, Triumphbogen und Herrscherbild
Das Forum Romanum war ein zentraler öffentlicher Raum mit Tempeln, Basiliken, Denkmälern und politischen Gebäuden. Hier trafen Religion, Politik, Recht, Erinnerung und Repräsentation aufeinander.
Ein Triumphbogen verband Architektur und Bildprogramm. Reliefs konnten Siege und Prozessionen darstellen. Solche Bilder waren nicht neutral: Sie zeigten Ereignisse aus der Sicht der römischen Sieger.

G: Beschreibe nur, was Du im Relief tatsächlich erkennen kannst. M: Unterscheide Personen, Gegenstände und Bewegungsrichtungen. E: Erkläre, warum ein Staatsdenkmal eine bestimmte Sicht auf ein historisches Ereignis vermitteln kann.
3D-Rekonstruktion des Forum Romanum
Medienkompetenz: Auch diese Rekonstruktion ist eine wissenschaftlich orientierte Visualisierung und keine echte Filmaufnahme der Antike. Frage immer: Welche Ruinen, Texte, Vergleiche oder archäologischen Befunde könnten hinter einer Rekonstruktionsentscheidung stehen?
Virtuelle Museumsobjekte und digitale Erkundung
Digitale Sammlungen erlauben es Dir, Skulpturen zu drehen, heranzuzoomen und aus Blickwinkeln zu betrachten, die in einer Vitrine schwer möglich wären. Nutze dafür seriöse Museumsangebote:
- Virtueller Rundgang durch das Akropolismuseum: Erkunde Skulpturen und Bauteile der Athener Akropolis digital.
- 3D-Sammlung griechischer Skulpturen des British Museum: Drehe digitale Modelle und untersuche Körperhaltung und Oberfläche.
- 3D-Sammlung römischer Skulpturen des British Museum: Vergleiche Porträts, Götterfiguren und römische Skulpturen.
- 3D-Modell einer Asklepios-Statue: Untersuche eine römische Kopie eines griechischen Bildtypus.
G: Drehe ein 3D-Modell einmal vollständig und nenne drei Details, die Du auf einem Frontalfoto nicht so gut sehen würdest. M: Erstelle vier Bildschirmansichten aus verschiedenen Blickwinkeln und ordne sie sinnvoll an. E: Beurteile, was ein 3D-Modell besser zeigt als ein Foto und was ein Museumsbesuch besser zeigen kann als das digitale Modell.
Griechenland und Rom im direkten Vergleich
| Bereich | Griechische Beispiele | Römische Beispiele | Vergleichsidee |
|---|---|---|---|
| Körper | Kouros, klassische Standfiguren | Kaiserporträt, römische Kopien griechischer Statuen | Ideal, Bewegung, Individualität und politische Wirkung vergleichen |
| Ornament | Mäander, Palmetten, Vasenbänder | geometrische und pflanzliche Mosaikrahmen, Wanddekoration | Wiederholung und Rahmung untersuchen |
| Mythologie | Götter und Helden auf Vasen und Tempeln | griechisch-römische Mythen in Häusern, Mosaiken und Staatskunst | Übernahme und Veränderung von Geschichten erkennen |
| Architektur | Tempel, Theater, Agora | Tempel, Forum, Basilika, Amphitheater, Thermen, Kuppelbauten | Nutzung, Raumwirkung und Technik vergleichen |
| Öffentliche Kunst | Weihgeschenke, Tempelskulptur, Denkmäler | Kaiserbilder, Triumphbögen, Forumsanlagen | Auftraggeber, Publikum und Botschaft untersuchen |
Wichtig: Es gibt nicht den einen griechischen und den einen römischen Stil. Kunst verändert sich über Jahrhunderte, unterscheidet sich nach Ort und Aufgabe und kann mehrere Traditionen verbinden.
Farbigkeit der Antike
Heute sehen viele antike Marmorskulpturen und Tempel hell oder weiß aus. In der Antike waren zahlreiche Skulpturen und Architekturteile jedoch farbig gefasst. Farben sind im Laufe der Zeit oft verblasst oder verloren gegangen. Moderne Untersuchungsmethoden können kleinste Farbreste sichtbar machen.
Das verändert unsere Vorstellung von antiker Kunst: Ein weißer Marmorkörper im Museum ist nicht automatisch das Aussehen, das Menschen in der Antike vor Augen hatten.
G: Überlege, wie eine bemalte Statue anders wirken könnte als eine unbemalte. M: Entwirf zwei Farbvarianten für denselben antiken Ornamentstreifen und vergleiche ihre Wirkung. E: Diskutiere, warum Museen Rekonstruktionsfarben klar als Rekonstruktion kennzeichnen sollten.
Differenzierung G/M/E
| Niveau | Du kannst ... | Typische Operatoren |
|---|---|---|
| G | sichtbare Merkmale erkennen, Fachbegriffe anwenden, einfache Unterschiede beschreiben | nennen, zeigen, beschreiben, zuordnen |
| M | zwei Werke systematisch vergleichen und Beobachtungen begründen | vergleichen, erklären, begründen, untersuchen |
| E | Wirkung, Funktion, Auftraggeber und kulturelle Übernahme deuten sowie eigene Urteile entwickeln | deuten, beurteilen, übertragen, gestalten |
Ein und dasselbe Kunstwerk kann auf allen drei Niveaus untersucht werden. Entscheidend ist nicht, ob Du ein anderes Bild bekommst, sondern wie tief Du es bearbeitest.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist ein Kouros? (Eine freistehende Statue eines jungen Mannes) (!Ein römischer Triumphbogen) (!Ein Mosaikstein) (!Eine Tempelkuppel)
Woran erkennst Du ein Ornament besonders gut? (An der geordneten Wiederholung von Formen) (!An einer zufälligen Beschädigung) (!An einer modernen Bildunterschrift) (!An einem Museumsfenster)
Welche Kunstform ist besonders typisch für bemalte griechische Keramik? (Vasenmalerei) (!Glasfassade) (!Ölmalerei auf Leinwand) (!Fotografie)
Was zeigt der Kontrapost? (Eine ausgewogene Verlagerung des Körpergewichts) (!Einen vollständig liegenden Körper) (!Eine geometrische Kartenprojektion) (!Einen römischen Straßenplan)
Welches Bauwerk ist ein berühmter griechischer Tempel in Athen? (Parthenon) (!Kolosseum) (!Pantheon) (!Titusbogen)
Welche Bauform ist für römische Architektur besonders wichtig? (Bogen) (!Reetdach) (!Fachwerkgiebel) (!Stahlrahmenfassade)
Was ist ein Mosaik? (Ein Bild oder Muster aus vielen kleinen Einzelteilen) (!Eine Statue aus einem einzigen Marmorblock) (!Ein Gedicht auf Papyrus) (!Ein Dach aus Holzschindeln)
Wozu konnte öffentliche Kunst in Rom dienen? (Zur Erinnerung und politischen Repräsentation) (!Nur zum privaten Zeitvertreib) (!Nur zur Herstellung von Werkzeugen) (!Nur zur Kennzeichnung von Feldern)
Warum sind 3D-Rekonstruktionen antiker Städte nützlich? (Sie helfen räumliche Zusammenhänge vorstellbar zu machen) (!Sie sind echte Filmaufnahmen aus der Antike) (!Sie ersetzen jede archäologische Forschung) (!Sie zeigen immer mit völliger Sicherheit alle verlorenen Farben)
Welche Aussage beschreibt den Vergleich griechischer und römischer Kunst am besten? (Römische Kunst übernahm griechische Ideen und entwickelte sie für neue Aufgaben weiter) (!Römische Kunst hatte keinerlei Verbindung zu griechischer Kunst) (!Griechische Kunst entstand erst nach dem Römischen Reich) (!Beide Kulturen verwendeten ausschließlich dieselben Bauwerke)
Memory
| Kouros | stehende griechische Jünglingsstatue |
| Mäander | geometrisches Bandornament |
| Parthenon | Tempel auf der Athener Akropolis |
| Mosaik | Bild aus vielen kleinen Steinchen |
| Pantheon | römischer Kuppelbau |
| Forum | öffentlicher Platz im römischen Stadtleben |
| Amphitheater | ovaler römischer Veranstaltungsbau |
| Triumphbogen | öffentliches römisches Siegesdenkmal |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Kouros | Körperdarstellung |
| Mäander | Ornament |
| Athena | Mythologie |
| Pantheon | Bauform |
| Triumphbogen | Öffentliche Kunst |
Kreuzworträtsel
| Kouros | Wie heißt eine freistehende griechische Statue eines jungen Mannes? |
| Mosaik | Wie heißt ein Bild aus vielen kleinen Stein- oder Glasstücken? |
| Kapitell | Wie heißt der obere Abschluss einer Säule? |
| Parthenon | Wie heißt der berühmte Athena-Tempel auf der Akropolis? |
| Pantheon | Wie heißt der römische Kuppelbau mit dem Oculus? |
| Triumphbogen | Wie heißt ein römischer Ehrenbau für Sieg und Erinnerung? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Körperhaltung: Stelle die Haltung eines Kouros nach, ohne die Statue zu berühren, und beschreibe anschließend mit fünf Sätzen, wie sich diese Haltung anfühlt.
- Ornamentband: Entwirf ein eigenes Mäander- oder Wellenband mit einer klar erkennbaren Wiederholungsregel.
- Vasenbild: Zeichne die Umrissform einer antiken Vase und gestalte darin eine heutige Alltagsszene nur mit wenigen Figuren und klaren Silhouetten.
- Bauteile: Erstelle aus Papier Karten mit den Begriffen Säule, Kapitell, Gebälk, Giebel und Kuppel und ordne sie passenden Bauwerken zu.
Standard
- Kunstvergleich: Vergleiche den Kroisos-Kouros und Augustus von Prima Porta in einer Tabelle mit den Kategorien Haltung, Kleidung, Gesicht, Wirkung und mögliche Funktion.
- Mosaikwerkstatt: Gestalte aus farbigem Papier ein kleines Mosaik aus mindestens 80 Einzelteilen und verwende einen dekorativen Rand.
- Mythologie im Bild: Wähle eine griechische Gottheit aus und entwirf ein Bild, in dem sie allein durch drei typische Attribute erkennbar wird.
- Architekturmodell: Baue aus Karton ein einfaches Modell einer Tempelfront oder eines römischen Bogens und beschrifte mindestens fünf Bauteile.
Schwer
- Öffentliche Kunst: Suche in Deinem Wohnort ein öffentliches Denkmal oder Kunstwerk und vergleiche seine Funktion mit einem antiken Triumphbogen oder einer öffentlichen Statue.
- 3D-Museumsanalyse: Untersuche ein virtuelles 3D-Objekt des British Museum aus mindestens vier Blickrichtungen und erstelle eine kommentierte Ansichtsfolge.
- Rekonstruktionskritik: Vergleiche eine heutige Fotografie des Parthenon mit einer 3D-Rekonstruktion und kennzeichne, was erhalten, ergänzt oder unsicher ist.
- Ausstellungskonzept: Plane eine kleine Klassenausstellung mit dem Titel „Griechenland trifft Rom“. Wähle fünf Werke oder Modelle aus, ordne sie räumlich an und begründe die Reihenfolge.


Lernkontrolle
- Vergleich von Körperbildern: Du erhältst Abbildungen eines Kouros und einer römischen Kaiserstatue. Beschreibe nicht nur Unterschiede, sondern erkläre, welche unterschiedliche Wirkung durch Haltung, Kleidung und Gestik entsteht.
- Ornament übertragen: Entwickle aus einem antiken Mäanderprinzip ein modernes Muster für einen Schulhof. Begründe, welche Regel Du übernommen und welche Elemente Du verändert hast.
- Mythos und Publikum: Erkläre an einem selbst gewählten Beispiel, warum dieselbe mythologische Geschichte auf einer privaten Vase anders wirken kann als auf einem öffentlichen Bauwerk.
- Bauformen entscheiden: Eine antike Stadt möchte einen Tempel, eine Veranstaltungshalle und einen öffentlichen Erinnerungsort bauen. Ordne griechische oder römische Bauideen sinnvoll zu und begründe Deine Entscheidungen.
- Mosaik und Vasenbild: Vergleiche, wie Linien, Farben, Flächen und Bewegung in einem Vasenbild und in einem Mosaik entstehen. Beziehe das Material in Deine Erklärung ein.
- Rekonstruktion beurteilen: Formuliere drei Regeln, nach denen eine gute 3D-Rekonstruktion antiker Architektur für Schülerinnen und Schüler gestaltet und erklärt werden sollte.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur einzelne Begriffe aufsagen kannst, sondern Kunstwerke genau beobachtest und Deine Aussagen an sichtbaren Merkmalen begründest. Du solltest:
- Körperdarstellung: Körperhaltungen beschreiben und einfache Unterschiede zwischen archaischer, klassischer und römischer Darstellung erklären können.
- Ornament: Wiederholung, Rhythmus und Rahmung in antiken Ornamenten erkennen und selbst anwenden können.
- Mythologie: erklären können, wie Attribute und Bildzeichen helfen, mythologische Figuren und Geschichten zu erkennen.
- Bauformen: wichtige Bauteile von Tempel, Bogen, Kuppelbau und Amphitheater unterscheiden können.
- Öffentliche Kunst: beschreiben können, wie Standort, Auftraggeber und Publikum die Bedeutung eines Kunstwerks beeinflussen.
- Kunstvergleich: mindestens ein griechisches und ein römisches Beispiel systematisch miteinander vergleichen können.
- Medienkompetenz: zwischen erhaltener Ruine, Rekonstruktion, Foto, 3D-Modell und historischer Deutung unterscheiden können.
- Eigene Gestaltung: eine eigene bildnerische Lösung entwickeln und erklären können, welche antiken Gestaltungsideen darin weitergedacht wurden.
OERs zum Thema
Wikipedia: Griechische Kunst
Wikipedia: Römische Kunst
Wikipedia: Griechischer Tempel
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