Zum Inhalt springen

BK5 - Höhlenmalerei und frühe Bildwelten

Aus MOOCsWiki Staging
aiMOOC-Siegel

BK5 - Höhlenmalerei und frühe Bildwelten



BK5 - Höhlenmalerei und frühe Bildwelten


Einleitung

Menschen hinterließen schon vor vielen Jahrtausenden Bilder auf Felswänden, in Höhlen und an Felsüberhängen. Diese Bilder gehören zu den frühesten erhaltenen Bildwelten der Menschheitsgeschichte. Sie zeigen Tiere, Hände, Punkte, Linien und andere Zeichen. Manche Darstellungen wirken erstaunlich genau, andere sind stark vereinfacht. Wichtig ist: Wir können heute untersuchen, was erhalten ist, womit und wie Bilder hergestellt wurden und wo sie sich befinden. Viel schwieriger ist die Frage, warum Menschen diese Bilder schufen. Dazu gibt es mehrere wissenschaftliche Deutungen, aber keine Erklärung passt sicher auf alle Fundorte.

Dieser aiMOOC richtet sich an Klasse 5 im Bereich Bildende Kunst mit Verbindungen zu Geschichte, Archäologie und Naturwissenschaft. Du lernst, genau zu beobachten, zwischen Befund und Vermutung zu unterscheiden und eigene Bildideen aus natürlichen Formen zu entwickeln.

G – Grundniveau: Du erkennst wichtige Motive, Materialien und Techniken und kannst sie benennen.

M – Mittleres Niveau: Du vergleichst Bilder und Fundorte, beschreibst Herstellungsweisen und begründest einfache Deutungen mit sichtbaren Hinweisen.

E – Erweitertes Niveau: Du prüfst Deutungen kritisch, unterscheidest sicher zwischen Befund, Rekonstruktion und Hypothese und entwickelst begründete eigene Forschungsfragen.

Betrachte das Bild aus Lascaux zunächst ohne Erklärung. Welche Tiere oder Formen erkennst Du? Wo bist Du sicher, wo nur unsicher? Genau diese Trennung ist ein Grundprinzip archäologischen Arbeitens.

Das Video führt in die Höhle von Lascaux ein. Achte darauf, wie Bild, Felswand und Höhlenraum zusammenwirken.


Was bedeutet Höhlenmalerei?

Der Begriff Höhlenmalerei klingt so, als wären alle frühen Bilder mit Farbe gemalt worden. Tatsächlich umfasst die sogenannte Wandkunst mehrere Verfahren: Zeichnen mit Holzkohle oder Pigmentstücken, Malen mit angerührter Farbe, Sprühen von Pigment, Stempeln mit der Hand sowie Einritzen oder Gravieren. Deshalb ist es oft genauer, von Höhlenkunst, Felskunst oder frühen Bildwelten zu sprechen.

Viele erhaltene Werke stammen aus der Altsteinzeit. Die berühmten europäischen Fundorte liegen besonders häufig in Frankreich und Nordspanien. Das bedeutet aber nicht, dass frühe Bildkultur nur dort existierte. Felsbilder und Handnegative sind auch aus anderen Weltregionen bekannt, etwa aus Indonesien und Südamerika. Außerdem ist die heutige Fundkarte immer auch das Ergebnis von Erhaltung, Forschung und Zufall: Wo Felsbilder zerstört wurden oder noch nicht entdeckt sind, fehlen sie auf der Karte.

G: Suche auf der Karte Frankreich und Spanien und nenne zwei Regionen mit vielen Fundorten.

M: Erkläre, warum eine Fundkarte nicht automatisch zeigt, wo in der Altsteinzeit am meisten gemalt wurde.

E: Formuliere zwei Gründe, warum Höhlenkunst in manchen Gegenden besser erhalten sein könnte als im Freien.


Berühmte Fundorte und ihre Bildwelten

Fundort Lage Typische Motive oder Besonderheiten Was Du beachten solltest
Lascaux Südwestfrankreich Viele Pferde, Auerochsen, Hirsche, Bisons und Zeichen; Malerei, Zeichnung und Gravur Die genaue Datierung einzelner Bilder ist komplex; die Höhle ist zum Schutz nicht frei zugänglich
Chauvet-Höhle Südfrankreich Unter anderem Löwen, Nashörner, Mammuts, Bären, Pferde und Handzeichen Einige schwarze Zeichnungen lassen sich über Holzkohle datieren; rote Mineralpigmente nicht direkt mit derselben Methode
Altamira Nordspanien Besonders bekannt für Bisons und die Nutzung natürlicher Felswölbungen Heute werden Original und Nachbildungen streng unterschieden
Pech Merle Südfrankreich Pferde, Handnegative und Punkte Viele bekannte Fotos zeigen Museumsrepliken; auch eine Replik ist eine Quelle, aber nicht das Original
Cueva de las Manos Patagonien, Argentinien Sehr viele Handnegative, außerdem Tiere und Jagdszenen Der Ort zeigt, dass frühe Felsbildwelten nicht auf Europa beschränkt sind
Höhlen von Maros-Pangkep Sulawesi, Indonesien Sehr alte Handnegative und Tierdarstellungen Altersangaben werden mit naturwissenschaftlichen Methoden bestimmt und können durch neue Messungen präzisiert werden

Der Eingang von Lascaux erinnert daran, dass ein berühmtes Höhlenbild immer zu einem konkreten Ort gehört. Archäologie untersucht nicht nur einzelne Bilder, sondern auch Räume, Böden, Fundschichten und Wege durch die Höhle.

Ein Höhlenplan macht sichtbar, dass Bilder in unterschiedlichen Räumen liegen können. Lage und Erreichbarkeit gehören deshalb zur Bildanalyse.

Das UNESCO-Video zeigt Altamira und weitere bemalte Höhlen Nordspaniens. Vergleiche die Wölbung des Felses mit der Körperform der Tiere.

Bei diesem Bild handelt es sich um eine Museumsreplik von Motiven aus Chauvet. Eine Replik kann Formen und Bildanordnung sehr anschaulich zeigen, ersetzt aber nicht die Untersuchung des Originals.

Auch dieses Bild zeigt eine Museumsnachbildung. Gerade im Unterricht ist die Frage Original, Foto, Rekonstruktion oder Replik? wichtig, weil jede Darstellungsform andere Informationen liefert.


Motive: Was wurde dargestellt?

In Lascaux lassen sich drei große Motivgruppen unterscheiden: Tiere, Menschen beziehungsweise menschliche Körperzeichen und abstrakte Zeichen. Landschaften und Pflanzen spielen dort kaum eine Rolle. Auffällig ist, dass die häufig dargestellten Tiere nicht einfach eine Liste der wichtigsten Nahrungstiere bilden. Das ist ein wichtiger Hinweis gegen die einfache Behauptung: „Die Menschen malten nur das, was sie jagten.“

Zu den Tiermotiven gehören je nach Höhle Pferde, Auerochsen, Bisons, Hirsche, Steinböcke, Mammuts, Nashörner, Löwen, Bären und andere Arten. Menschen werden deutlich seltener vollständig dargestellt. Häufiger sind Hände oder einzelne Körperzeichen. Daneben erscheinen Punkte, Linien, Vierecke und andere abstrakte Formen, deren Bedeutung wir nicht sicher kennen.

Handnegative entstehen, wenn eine Hand an die Wand gelegt und Pigment darum herum aufgetragen oder gesprüht wird. Nach dem Wegnehmen bleibt die helle Form der Hand als Negativ stehen.

Die Handnegative aus Sulawesi erinnern in ihrer Technik an andere Fundorte, obwohl sie weit entfernt liegen. Ähnliche Formen bedeuten aber nicht automatisch dieselbe Bedeutung.

G: Ordne sichtbare Beispiele den Gruppen Tier, Hand oder Zeichen zu.

M: Vergleiche zwei Handnegative von unterschiedlichen Fundorten. Beschreibe mindestens zwei Gemeinsamkeiten und zwei Unterschiede.

E: Begründe, warum man aus einer ähnlichen Form nicht automatisch auf eine gleiche Funktion schließen darf.


Materialien: Farbe aus der Natur

Für frühe Wandbilder wurden vor allem natürliche Farbstoffe verwendet. In Lascaux sind unter anderem Eisenoxide, Manganoxide und Holzkohle nachgewiesen. Rote Farbtöne können von Hämatit stammen, gelbliche von eisenhaltigen Mineralen wie Goethit. Schwarze Zeichnungen konnten mit Holzkohle oder, je nach Fundort, mit manganhaltigem Material entstehen.

Pigmente konnten zerkleinert und zu Pulver verarbeitet werden. An Fundstücken aus Altamira sind Ockerspuren auf einem Mahlstein erhalten.

Material Mögliche Nutzung Was archäologisch geprüft werden kann
Ocker und andere Eisenoxide Rot-, Gelb- und Brauntöne Mineralzusammensetzung und Spuren auf Werkzeugen
Manganoxide Dunkle bis schwarze Farbe Chemische Zusammensetzung der Pigmente
Holzkohle Schwarze Linien und Flächen Holzart und bei geeigneten Proben auch Radiokohlenstoffdatierung
Wasser Kann Pigment zu einer streich- oder sprühfähigen Mischung machen Misch- und Gebrauchsspuren lassen sich teilweise experimentell nachvollziehen
Felswand Bildträger und manchmal Teil der Bildform Oberfläche, Risse, Wölbungen und Bearbeitungsspuren

Wichtig: Nicht jede denkbare Zutat ist an jedem Fundort nachgewiesen. Wenn in einem modernen Experiment Fett, Speichel oder Pflanzenstoff funktioniert, ist das noch kein Beweis, dass genau diese Zutat in einer bestimmten Höhle verwendet wurde.


Techniken: Zeichnen, malen, sprühen, gravieren

Frühe Bildmacherinnen und Bildmacher arbeiteten mit unterschiedlichen Verfahren. Welche Technik sinnvoll war, hing auch vom Untergrund ab. Auf rauen oder harten Flächen ließ sich anders arbeiten als auf weichen, brüchigen oder mit Kalzit überzogenen Wänden.

Technik So funktioniert sie Erkennbarer Hinweis
Zeichnen Pigmentstück oder Holzkohle wird direkt geführt Linien, Konturen, Schraffuren
Malen Pigment wird als Farbe aufgetragen Flächen oder breite Spuren
Sprühen Fein verteiltes Pigment gelangt auf die Wand Weiche Ränder, Farbschleier, Handnegative
Stempeln Gefärbte Handfläche oder ein Werkzeug wird aufgedrückt Wiederholte Abdrücke oder Punkte
Gravieren Die Oberfläche wird mit einem harten Werkzeug eingeritzt Vertiefte Linien
Verwischen Holzkohle oder Pigment wird mit Hand oder Werkzeug verteilt Weiche Übergänge und modellierte Körper

Einige Bilder nutzen natürliche Felsformen. Eine Wölbung kann zum Bauch eines Bisons werden, ein Riss kann eine Körperlinie ergänzen. Dadurch entsteht der Eindruck von Volumen, obwohl die Farbe auf einer Wand liegt.

G: Benenne drei Techniken und jeweils ein mögliches Werkzeug.

M: Wähle ein Bild aus dem aiMOOC und erkläre, welche Technik Du vermutest. Nenne sichtbare Hinweise.

E: Erkläre, wie der Felsuntergrund die Entscheidung für eine Technik beeinflusst haben könnte.


Licht, Raum und Arbeiten in der Höhle

Tiefe Höhlenbereiche sind dunkel. Für Bildarbeiten musste also Licht vorhanden sein. Aus Lascaux ist eine Steinlampe bekannt, die mit tierischem Fett betrieben werden konnte. Solche Funde zeigen, dass Menschen technische Lösungen für die Dunkelheit hatten.

Bemalte Höhlen waren nicht automatisch dauerhafte Wohnungen. Für tiefe, dunkle Bereiche sprechen archäologische Befunde eher für besondere, zeitlich begrenzte Aktivitäten. Eingangsbereiche konnten dagegen andere Nutzungen haben. Deshalb solltest Du das verbreitete Bild „Steinzeitmenschen lebten ständig tief in bemalten Höhlen“ kritisch prüfen.

Auch die Position eines Bildes ist wichtig: Manche Bilder liegen hoch, tief im Höhlensystem oder an schwer erreichbaren Stellen. Das wirft Fragen auf: Wurde eine Leiter oder ein Gerüst benutzt? Arbeiteten mehrere Personen zusammen? War die Lage des Bildes Teil seiner Bedeutung? Nicht jede dieser Fragen lässt sich eindeutig beantworten.


Rekonstruktion, Replik und Original

Weil Originalhöhlen empfindlich sind, werden viele Bilder heute durch Repliken, 3D-Modelle und virtuelle Rundgänge vermittelt. Das schützt die Fundorte, verlangt aber Quellenkritik.

Eine Replik versucht, ein Original möglichst genau nachzubilden. Eine Rekonstruktion ergänzt häufig fehlende oder nicht direkt beobachtbare Teile auf Grundlage von Forschung. Ein 3D-Modell übersetzt gemessene Formen in ein digitales Modell. Ein Foto zeigt nur eine bestimmte Perspektive, Beleuchtung und Auswahl.

Merksatz: Je näher eine Darstellung am Original zu sein scheint, desto wichtiger ist die Frage, wie sie entstanden ist.


Virtuelle und 360°-Erkundungen

Virtuelle Rundgänge helfen Dir, den Höhlenraum als Raum zu verstehen. Sie ersetzen keine archäologische Untersuchung, zeigen aber besser als ein einzelnes Foto, wie weit Bilder voneinander entfernt sind, wie eng Räume werden oder wo Wände gekrümmt sind.

  1. Virtuelle Erkundung der Höhle von Lascaux – französisches Kulturministerium
  2. Virtuelle Erkundung der Chauvet-Höhle – französisches Kulturministerium

Beim 360°-Video zur Cueva de las Manos kannst Du die Blickrichtung verändern. Notiere drei Beobachtungen zum Verhältnis zwischen Bild, Wand und Landschaft.


Wie alt sind die Bilder?

Archäologinnen und Archäologen nutzen mehrere Verfahren. Bei schwarzer Holzkohle kann unter geeigneten Bedingungen die Radiokarbonmethode helfen. Mineralische rote Pigmente enthalten dagegen oft keinen Kohlenstoff, der direkt so datiert werden könnte. Dann sind andere Hinweise wichtig, zum Beispiel datierbare Schichten über oder unter dem Bild, Überschneidungen, Fundzusammenhänge oder naturwissenschaftliche Analysen von Kalkablagerungen.

Das bedeutet: Eine Altersangabe ist nicht einfach eine Zahl, die direkt „auf dem Bild steht“. Sie ist das Ergebnis einer Messung und einer Begründung. Messungen besitzen Unsicherheitsbereiche. Neue Methoden können ältere Datierungen präzisieren oder verändern.

Für Chauvet belegen zahlreiche Datierungen sehr frühe menschliche Aktivitäten vor ungefähr 36.000 Jahren. Für Lascaux weisen aktuelle Forschungen in die Zeit des Jungpaläolithikums vor ungefähr 20.000 Jahren. Solche gerundeten Angaben sind für Klasse 5 sinnvoller als scheinbar auf das Jahr genaue Zahlen.


Wozu dienten die Bilder? – Befund und Deutung

Die wichtigste Regel lautet: Motiv ist nicht gleich Bedeutung. Ein gemaltes Pferd zeigt sicher, dass ein Pferd dargestellt wurde. Warum es dargestellt wurde, wissen wir ohne begleitenden Text nicht sicher.

Forscherinnen und Forscher haben im Lauf der Zeit verschiedene Erklärungen vorgeschlagen: Bilder könnten mit Jagdvorstellungen, Ritualen, Geschichten, Erinnerung, Gruppenidentität, Lernen, Orientierung im Raum oder anderen Formen von Kommunikation zusammengehangen haben. Einige ältere Modelle, etwa eine allgemeine „Jagdmagie“, erklären jedoch nicht alle Befunde. So erscheinen in Chauvet viele gefährliche Tiere wie Löwen, Nashörner oder Bären, die nicht einfach typische Jagdbeute waren.

Stufe Beispiel Wie sicher?
Befund Auf einer Wand ist die Darstellung eines Bisons erhalten. Direkt beobachtbar
Begründete Folgerung Für die schwarze Linie wurde Holzkohle oder ein anderes schwarzes Pigment verwendet, wenn Materialanalyse dies zeigt. Gut prüfbar
Hypothese Das Bisonbild war Teil eines Rituals. Möglich, aber nicht direkt beweisbar
Spekulation Wir kennen die genaue Geschichte, die zu diesem Bild erzählt wurde. Ohne zusätzliche Quelle nicht belegbar

G: Markiere in fünf Aussagen, was Beobachtung und was Vermutung ist.

M: Wähle eine Deutung und nenne zwei Befunde, die dazu passen könnten, sowie einen Befund, der nicht gut passt.

E: Formuliere eine alternative Erklärung und zeige, welche neuen Funde nötig wären, um zwischen beiden Hypothesen zu entscheiden.


Fallstudie: Tiere in Chauvet

Die Chauvet-Höhle ist für eine große Vielfalt an Tierbildern bekannt. Besonders auffällig sind Löwen, Nashörner, Mammuts und Bären. Diese Tierwahl ist für die Frage nach der Funktion wichtig: Wenn Bilder nur als „Speisekarte“ oder Jagdplan gedacht wären, müsste man erwarten, dass vor allem häufig gejagte Tiere erscheinen. Die Bildauswahl ist also komplizierter.

Das kurze Video zeigt den Fundort Chauvet. Halte fest, welche Aussagen im Video als Befund erscheinen und welche als Deutung.


Fallstudie: Hände als Bild und Spur

Eine Hand ist zugleich Körperteil, Werkzeug und Bildform. Beim Handnegativ bleibt die Hand selbst nicht an der Wand, sondern ihre Umrissform wird durch die Farbe sichtbar. Deshalb kann ein Handnegativ wie eine persönliche Spur wirken. Ob es tatsächlich als „Unterschrift“ gemeint war, wissen wir jedoch nicht.

Diese Unsicherheit eignet sich besonders gut zum Forschen: Du kannst messen, vergleichen, experimentieren und Herstellungsweisen prüfen. Die persönliche Bedeutung der ursprünglichen Hand bleibt trotzdem offen.


Experimentelle Archäologie im Kunstunterricht

Mit ungefährlichen Schulmaterialien kannst Du Techniken untersuchen, ohne historische Pigmente nachzuahmen oder Höhlenwände zu beschädigen. Nutze Papier, Karton oder Tonplatten statt Naturfels. Verwende Wasserfarben, Kreide oder ungiftige Erdfarben nach den Regeln Deiner Schule.

Ein Experiment zeigt, was technisch möglich ist. Es beweist nicht automatisch, was historisch tatsächlich getan wurde. Genau diese Unterscheidung macht ein gutes Experiment wissenschaftlich wertvoll.

Versuch Frage Beobachtung Vorsicht bei der Aussage
Handnegative auf Papier Wie verändert Abstand den Sprührand? Rand wird je nach Abstand schärfer oder weicher Daraus folgt nicht, dass alle historischen Hände gleich hergestellt wurden
Zeichnen auf glattem und rauem Karton Wie beeinflusst der Untergrund die Linie? Linie wird unterschiedlich geschlossen Karton ist kein Kalkstein
Lichtversuch mit Taschenlampe Wie verändert seitliches Licht die Felswirkung? Unebenheiten erscheinen stärker Moderne Lampen erzeugen anderes Licht als prähistorische Lichtquellen


Medienwerkstatt: Genau hinsehen

Wähle zwei der eingebetteten Bilder und erstelle eine kleine Bildanalyse. Verwende diese Reihenfolge: sehen – beschreiben – vergleichen – deuten – Unsicherheit markieren.

  1. Sehen: Was ist ohne Erklärung sichtbar?
  2. Beschreiben: Welche Linien, Flächen, Farben und Formen erkennst Du?
  3. Vergleichen: Was ist bei einem zweiten Bild ähnlich oder anders?
  4. Deuten: Welche Erklärung ist möglich?
  5. Unsicherheit markieren: Welcher Teil Deiner Erklärung bleibt Hypothese?


Sicheres Wissen und offene Fragen

Am Ende dieses Themas solltest Du nicht nur viele Höhlenbilder kennen. Wichtiger ist, dass Du wissenschaftliche Unsicherheit erkennst.

Gut belegt sind an vielen Fundorten die erhaltenen Motive, die Lage der Bilder, bestimmte Pigmentbestandteile, Ritzspuren und teilweise Datierungen.

Oft gut begründbar sind Herstellungsweisen, wenn Werkzeugspuren, Pigmentanalyse und Experimente zusammenpassen.

Häufig offen bleiben genaue Bedeutungen, Erzählungen, Rituale, Rollen einzelner Personen und die Frage, ob eine Erklärung für mehrere Höhlen gleichermaßen galt.

Wer offen sagt „Das wissen wir nicht sicher“, arbeitet nicht schlechter, sondern wissenschaftlich sauber.


Quellen und weiterführende Medien

  1. Lascaux – Informationsangebot des französischen Kulturministeriums
  2. Chauvet-Pont d’Arc – Informationsangebot des französischen Kulturministeriums
  3. Höhle von Altamira und paläolithische Höhlenkunst Nordspaniens – UNESCO
  4. Cueva de las Manos – UNESCO
  5. Wikimedia Commons – freie Medien zu Höhlenkunst


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Aussage beschreibt ein Handnegativ am besten? (Die Hand wird an die Wand gehalten und Pigment wird um sie herum aufgetragen) (!Die Hand wird vollständig aus Stein gemeißelt) (!Die Hand wird immer mit schwarzer Holzkohle ausgefüllt) (!Die Hand wird erst fotografiert und dann übertragen)




Welches Material kann als rotes Pigment dienen? (Hämatit) (!Glas) (!Kunststoff) (!Aluminiumfolie)




Welche Technik hinterlässt vertiefte Linien im Fels? (Gravieren) (!Stempeln) (!Sprühen) (!Wischen)




Was ist bei der Deutung früher Bilder wissenschaftlich besonders wichtig? (Zwischen Befund und Hypothese unterscheiden) (!Jede Tierdarstellung automatisch als Jagdplan erklären) (!Nur eine einzige Theorie zulassen) (!Unsichere Aussagen als sicher formulieren)




Warum ist eine Replik nicht dasselbe wie ein Original? (Sie ist eine nachträglich hergestellte Nachbildung) (!Sie ist immer älter als das Original) (!Sie besteht zwingend aus denselben Mineralen) (!Sie wurde von den ursprünglichen Bildmachern gefertigt)




Welche Aussage über frühe Höhlenbilder ist richtig? (Sie können gemalt, gezeichnet, gesprüht oder graviert sein) (!Sie wurden nur mit einer einzigen Technik hergestellt) (!Sie zeigen ausschließlich Menschen) (!Sie befinden sich nur in Europa)




Warum kann Holzkohle für Datierungen nützlich sein? (Sie enthält Kohlenstoff, der unter geeigneten Bedingungen untersucht werden kann) (!Sie besteht aus Metall) (!Sie macht jede Wand automatisch genau datierbar) (!Sie kommt nur in modernen Bildern vor)




Was zeigt die Wahl vieler Löwen und Nashörner in Chauvet? (Die Tierauswahl lässt sich nicht einfach nur mit Jagdbeute erklären) (!Die Höhle war ein Zoo) (!Alle Tiere wurden dort gehalten) (!Die Bilder sind moderne Fantasie)




Warum kann der Felsuntergrund Teil der Bildgestaltung sein? (Wölbungen und Risse können in Tierformen einbezogen werden) (!Felswände sind immer vollkommen eben) (!Pigment haftet nur auf Papier) (!Gravuren entstehen ohne Werkzeug)




Welche Aussage zu Experimenten im Unterricht ist richtig? (Ein Experiment kann technische Möglichkeiten prüfen, beweist aber nicht automatisch die historische Wirklichkeit) (!Ein Schulversuch beweist immer genau, was vor 30.000 Jahren geschah) (!Nur Originalpigmente dürfen verwendet werden) (!Experimente ersetzen jede Fundanalyse)





Memory

Hämatit rotes Eisenoxidpigment
Holzkohle schwarzes Zeichenmaterial
Handnegativ ausgesparte Handform durch Pigmentauftrag
Gravur eingeritzte Linie im Fels
Replik möglichst genaue Nachbildung
Hypothese prüfbare, aber nicht sichere Erklärung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Hämatit rotes Pigment
Holzkohle schwarze Zeichnung
Handnegativ Sprüh- oder Schablonentechnik
Gravur Ritztechnik
Replik Nachbildung




...


Kreuzworträtsel

Lascaux Wie heißt die berühmte Bilderhöhle in Südwestfrankreich?
Altamira Welche spanische Höhle ist besonders für Bisonbilder bekannt?
Hämatit Welches Eisenoxid kann rotes Pigment liefern?
Gravur Wie heißt eine eingeritzte Darstellung?
Pigment Wie nennt man einen farbgebenden Stoff?
Chauvet Welche französische Höhle ist unter anderem für Löwen und Nashörner bekannt?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Frühe Wandbilder können gemalt, gezeichnet oder

sein. Rotes Pigment kann aus dem Eisenoxid

gewonnen werden. Ein heller Handumriss in einer farbigen Fläche heißt

. Schwarze Linien wurden an manchen Fundorten mit

hergestellt. Eine möglichst genaue Nachbildung eines Originals nennt man

. Bei wissenschaftlichen Aussagen musst Du zwischen Befund und

unterscheiden. Der Fels ist nicht nur Bildträger, denn natürliche

können in Tierkörper einbezogen werden. Für tiefe Höhlenbereiche brauchten Menschen eine Form von

. Die genaue Bedeutung vieler Zeichen bleibt wissenschaftlich

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. G – Motivdetektiv: Wähle ein Höhlenbild und markiere auf einer Kopie Tiere, Hände und Zeichen mit drei unterschiedlichen Symbolen. Schreibe nur auf, was wirklich sichtbar ist.
  2. G – Pigmentkarte: Erstelle eine kleine Farbkarte mit sicheren Schulmaterialien in Rot, Gelb, Braun und Schwarz und ordne mögliche historische Pigmentarten zu.
  3. G – Handnegativ: Gestalte auf Papier ein Handnegativ mit einer ungefährlichen Sprüh- oder Tupftechnik und beschreibe Deine Arbeitsschritte.
  4. G – Fundortkarte: Trage Lascaux, Chauvet, Altamira, Cueva de las Manos und Sulawesi auf einer Weltkarte ein.


Standard

  1. M – Bildvergleich: Vergleiche ein Tierbild aus Lascaux mit einem Bison aus Altamira nach Motiv, Linie, Farbe, Felsform und vermuteter Technik.
  2. M – Technikexperiment: Teste dieselbe Kreidelinie auf glattem Papier, rauem Karton und einer Tonplatte. Dokumentiere Unterschiede und erkläre, warum Untergrund für Bildtechnik wichtig ist.
  3. M – Mediencheck: Untersuche drei Bilder aus dem aiMOOC und kläre für jedes, ob es ein Originalfoto, eine Replik, eine Rekonstruktion oder eine andere Darstellung ist.
  4. M – Raumprotokoll: Erkunde einen virtuellen Rundgang oder das 360°-Video und zeichne einen einfachen Raumplan mit Stellen, an denen Bilder besonders auffallen.


Schwer

  1. E – Hypothesenprüfung: Wähle die These „Höhlenbilder dienten der Jagdmagie“ und sammle drei Argumente dafür und drei Einwände. Formuliere ein vorsichtiges Urteil.
  2. E – Forschungsdesign: Entwickle eine Untersuchung, mit der Du prüfen könntest, ob eine Felswölbung bewusst in eine Tierdarstellung einbezogen wurde. Benenne Beobachtungen, Vergleichsbilder und Grenzen.
  3. E – Museumskonzept: Plane eine kleine Ausstellung für Klasse 5 mit Originalquelle, Replik, Pigmentprobe, Karte und 360°-Medium. Begründe die Reihenfolge.
  4. E – Bild und Bedeutung: Gestalte selbst ein Zeichen mit geheimer Bedeutung. Lass Mitschülerinnen und Mitschüler es deuten und werte aus, warum äußere Form allein die ursprüngliche Bedeutung nicht sicher verrät.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Befund und Deutung: Du erhältst ein unbekanntes Höhlenbild. Schreibe drei reine Beobachtungen und zwei mögliche Deutungen. Markiere deutlich, was sicher und was unsicher ist.
  2. Material und Technik: Erkläre anhand eines selbst gewählten Beispiels, wie Material, Werkzeug und Felsuntergrund zusammen die sichtbare Bildspur beeinflussen.
  3. Fundortvergleich: Vergleiche zwei Fundorte aus unterschiedlichen Weltregionen und erkläre, warum ähnliche Motive nicht automatisch dieselbe Bedeutung beweisen.
  4. Datierung und Unsicherheit: Begründe, warum eine schwarze Holzkohlezeichnung und ein rotes Mineralbild nicht immer mit derselben Methode datiert werden können.
  5. Quellenkritik: Beurteile, welche Informationen Du aus einem Originalfoto, einer Museumsreplik und einem 3D-Rundgang jeweils gewinnen kannst und was jeweils fehlt.
  6. Theorien prüfen: Wähle eine Funktionshypothese für Höhlenbilder und formuliere einen Befund, der die Hypothese stützen würde, sowie einen Befund, der sie schwächen würde.




Lernnachweis

Für einen guten Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du:

  1. zentrale Motive früher Bildwelten sicher erkennst und beschreibst,
  2. natürliche Pigmente und wichtige Techniken an Beispielen erklärst,
  3. mindestens drei Fundorte räumlich einordnen kannst,
  4. Original, Foto, Replik, Rekonstruktion und virtuelles Modell unterscheiden kannst,
  5. zwischen Beobachtung, begründeter Folgerung, Hypothese und Spekulation unterscheidest,
  6. eine mögliche Funktion früher Bilder diskutierst, ohne Unsicherheit zu verstecken,
  7. ein eigenes praktisches Experiment oder Bildprojekt dokumentierst und seine Aussagegrenzen erklärst.




OERs zum Thema



Verknüpfte Lernbereiche

Der Lernbereich verbindet Bildanalyse, Materialwissen, künstlerische Technik, Archäologie, Fundortvergleich, Datierung, Medienbildung und Quellenkritik. Entscheidend ist, dass Du sichtbare Befunde sorgfältig beschreibst und mögliche Bedeutungen nicht mit sicheren Tatsachen verwechselst.


aiMOOC-Projekte

MOOCwiki · Deutsch

Nach dem Lernen ist vor dem Lernen

Entdecke direkt den nächsten Lernkurs. Weitere Inhalte erscheinen, wenn Du weiter nach unten scrollst.

Zur MOOCwiki-Hauptseite
Inhalte werden geladen ...

Mediathek wird aus dem Wiki geladen ...