Zum Inhalt springen

BK5 - Fantasiewelten zeichnen

Aus MOOCsWiki Staging
aiMOOC-Siegel

BK5 - Fantasiewelten zeichnen



BK5 - Fantasiewelten zeichnen


Einleitung

In diesem aiMOOC entwickelst Du aus Beobachtungen, eigenen Skizzen und Zufallsformen eine persönliche Fantasiewelt. Du lernst, dass Fantasie nicht bedeutet, „irgendetwas“ zu zeichnen: Eine starke Bildidee entsteht oft dann, wenn Du genau hinschaust, Bekanntes veränderst, verschiedene Eindrücke kombinierst und anschließend bewusst entscheidest, wie alles auf dem Blatt angeordnet wird. Genau diese bewusste Anordnung nennt man Komposition.

Der Kurs richtet sich an Klasse 5. Du kannst mit Bleistift, Fineliner, Buntstiften, Kreiden, Wasserfarben, Papiercollage oder Mischtechnik arbeiten. Für eine Unterrichtsreihe eignen sich etwa vier bis sechs Unterrichtsstunden, je nachdem, wie ausführlich Du experimentierst und Deine Bildwelt ausarbeitest.

Ziel: Du entwickelst eine eigenständige Fantasiewelt, die aus mindestens zwei Inspirationsquellen entsteht – zum Beispiel einer Naturbeobachtung und einer Zufallsform – und gestaltest sie so, dass Blickfang, Größenunterschiede, Überlappungen, Rhythmus, Hell-Dunkel und freie Flächen bewusst zusammenwirken.

Datei:The Fairy Feller's Master-Stroke.jpg

Betrachte Richard Dadds dicht bevölkerte Fantasieszene. Noch bevor Du nach Einzelheiten suchst, frage Dich: Wo landet Dein Blick zuerst? Danach beobachte, wie viele Figuren, Pflanzenformen und Richtungen miteinander verbunden sind. Eine Fantasiewelt wirkt besonders überzeugend, wenn sie eigene Regeln besitzt und nicht nur aus zufällig nebeneinandergestellten Einzelideen besteht.

Das Video von Art for Kids Hub zeigt verschiedene Zugänge zu erfundenen Wesen und imaginären Landschaften. Nutze es als Ideenstarter, aber entwickle für Dein eigenes Bild neue Kombinationen statt eine fertige Vorlage zu kopieren.


Lernziele

Am Ende kannst Du:

  1. Bilder untersuchen: Du beschreibst, welche Formen, Linien, Größen, Kontraste und Blickwege Dir auffallen.
  2. grafische Mittel einsetzen: Du nutzt Punkt, Linie, Fläche, Kontur, Struktur, Muster, Schraffur und Hell-Dunkel passend zu Deiner Bildidee.
  3. Ideen skizzieren: Du entwickelst mehrere schnelle Entwürfe, bevor Du Dich für eine Lösung entscheidest.
  4. Beobachtung verwandeln: Du leitest aus Pflanzen, Tieren, Fundstücken oder Architektur neue Formen ab.
  5. Zufall nutzen: Du deutest Kleckse, Kritzelspuren, Faltungen oder zufällige Papierformen als Ausgangspunkt.
  6. Komposition planen: Du setzt Blickfang, Balance, Rhythmus, Kontrast, Anschnitt und Negativraum bewusst ein.
  7. Raum andeuten: Du nutzt Größenunterschiede, Überlappungen, Staffelung und Detailunterschiede.
  8. Entscheidungen begründen: Du erklärst, welche Idee Du verfolgt und welche Gestaltungsmittel Du dafür gewählt hast.


G/M/E-Differenzierung

Niveau Schwerpunkt Erwartung an die Gestaltung Hilfen
G – Grundniveau Eine klare Fantasieidee aus Beobachtung oder Zufall entwickeln Ein deutlicher Blickfang, mindestens zwei Größenstufen, eine Überlappung und erkennbare Strukturen Formenkarten, Kompositionsrahmen, Satzstarter und Auswahl aus wenigen Materialien
M – Mittleres Niveau Mehrere Inspirationsquellen verbinden und Varianten vergleichen Bewusste Blickführung, Vorder-/Mittel-/Hintergrund, Kontraste, wiederkehrende Formen und begründete Materialwahl Thumbnail-Raster, Partnerfeedback und Kriterienliste
E – Erweitertes Niveau Eine Bildwelt mit eigener visueller Logik entwickeln und Entscheidungen gezielt variieren Komplexe, aber lesbare Komposition mit Schwerpunkt, Rhythmus, Negativraum, Anschnitt, differenzierter Tiefenwirkung und eigenständiger Bildsprache Freie Wahl der Verfahren, Kompositionsanalyse und schriftliche Kurzreflexion

Die Niveaus sind keine drei verschiedenen Themen. Alle arbeiten an einer Fantasiewelt; Umfang, Selbstständigkeit, Variantenreichtum und Begründungstiefe unterscheiden sich.


Von der Wirklichkeit zur Fantasie


Fantasie beginnt mit genauem Hinsehen

Eine Fantasiewelt kann aus Dingen entstehen, die es wirklich gibt. Entscheidend ist die Frage: Was könnte diese Form noch sein? Ein Blatt kann zum Segel werden, eine Muschel zu einer Stadt, ein Ast zu einem Wesen, eine Wolke zu einer Insel und ein Treppenhaus zu einem riesigen Maschinenkörper.

Datei:Vertumnus årstidernas gud målad av Giuseppe Arcimboldo 1591 - Skoklosters slott - 91503.jpg

Giuseppe Arcimboldo setzte in seinem Gemälde Vertumnus viele beobachtbare Naturformen zu einem ungewöhnlichen Porträt zusammen. Für Deine Arbeit ist daran besonders interessant: Einzelteile behalten ihre erkennbare Form und bekommen durch die neue Kombination gleichzeitig eine zweite Bedeutung.

Mini-Experiment: Zeichne drei Alltags- oder Naturformen sehr einfach ab. Drehe anschließend Dein Blatt und verbinde die Formen zu einem Wesen, Fahrzeug, Gebäude oder Landschaftsteil.

Datei:Sadko.jpg

Ilja Repins Sadko im Unterwasserreich zeigt, wie eine vertraute menschliche Szene durch einen ungewöhnlichen Ort zu einer Fantasiewelt werden kann. Übertrage diese Idee auf Deine Skizzen: Was passiert, wenn ein Schulhof unter Wasser liegt, eine Bibliothek in einer Baumkrone wächst oder eine Stadt auf riesigen Blättern schwebt?


Bilderbücher und Illustrationen als Ideenlabor

Illustrationen zeigen oft in einem einzigen Bild gleichzeitig Ort, Figur, Handlung und Stimmung. Achte deshalb nicht nur darauf, was gezeichnet ist, sondern auch darauf, wie eine Bildwelt aufgebaut wird.

Datei:PeterRabbit8.jpg

Bei Beatrix Potters Illustrationen treffen genaue Naturbeobachtung und erzählerische Vermenschlichung aufeinander. Das ist eine wirkungsvolle Fantasiestrategie: Beobachte zuerst glaubwürdig und verändere danach gezielt.

Datei:Houghton Typ 905R.06.195 (A) - Arthur Rackham, Peter Pan - The fairies are exquisite.png

Arthur Rackhams Buchillustrationen verbinden Pflanzen, Figuren, Bewegung und märchenhafte Atmosphäre. Untersuche die Silhouetten: Welche Umrisse könntest Du bereits aus der Ferne erkennen? Eine gute Fantasiefigur braucht nicht nur viele Details, sondern auch eine interessante Gesamtform.

Illustrations-Idee: Erfinde einen Satz aus einem nicht vorhandenen Bilderbuch, zum Beispiel „Als die Häuser ihre Wurzeln ausstreckten, begann die Reise.“ Zeichne drei winzige Bildideen zu diesem Satz und wähle erst danach Deinen Favoriten.


Naturformen sammeln und verwandeln


Formen, Muster und Strukturen aus der Natur

Naturbeobachtung liefert eine riesige Sammlung an Bauideen. Suche nach Verzweigungen, Spiralen, Kammern, Netzen, Wellen, Schuppen, Rissen, Faltungen und wiederkehrenden Formen.

Datei:Haeckel Discomedusae 8.jpg

Ernst Haeckels naturkundliche Tafeln zeigen, wie genau beobachtete Organismen gleichzeitig wie fantastische Formen wirken können. Du kannst daraus keine fertige Fantasiewelt übernehmen, aber Du kannst Formprinzipien sammeln: radial, fächerförmig, verzweigt, durchsichtig, gepunktet, symmetrisch oder tentakelartig.

Datei:Romanesco broccoli (Brassica oleracea).jpg

Beim Romanesco wiederholen sich ähnliche kegelförmige Strukturen in verschiedenen Größen. Für Deine Bildwelt kann daraus ein Gebirge, eine Baumkrone, eine futuristische Siedlung oder die Haut eines Wesens werden.

Datei:NautilusCutawayLogarithmicSpiral.jpg

Die Kammern einer aufgeschnittenen Nautilusschale liefern eine starke Spiralidee. Nutze die Beobachtung gestalterisch: Eine Spirale kann Blickführung erzeugen, Räume verbinden oder als Grundform einer Stadt dienen.

Beim Farn kannst Du beobachten, wie sich kleine Teile zu einer größeren Gesamtform ordnen. Übertrage dieses Prinzip: Wiederhole ein eigenes Symbol in verschiedenen Größen und bilde daraus ein größeres Fantasieobjekt.


Naturformen-Challenge

G M E
Zeichne drei Naturformen ab und verwandle eine davon deutlich. Zeichne fünf Naturformen, kombiniere mindestens zwei und variiere Größe sowie Richtung. Entwickle aus mehreren beobachteten Formprinzipien ein zusammenhängendes Formsystem für Deine Bildwelt.

Wichtig: Beobachten ist nicht dasselbe wie Kopieren. Die Natur liefert Bausteine. Deine Aufgabe ist, sie auszuwählen, zu verändern, zu kombinieren und in einen neuen Zusammenhang zu setzen.


Architektur neu erfinden


Häuser dürfen wachsen, kippen, schweben oder atmen

Architektur eignet sich besonders gut für Fantasiewelten, weil sie klare Grundformen mit ungewöhnlichen Details verbinden kann. Verändere Dächer, Fenster, Türen, Treppen, Brücken, Türme und Fassaden. Frage Dich immer: Welche Funktion hat die Veränderung in Deiner Welt?

Fehler beim Erstellen des Vorschaubildes:

Die Casa Batlló in Barcelona, umgestaltet von Antoni Gaudí, zeigt geschwungene Linien, farbige Oberflächen und ungewöhnliche Fenster- und Dachformen. Beobachte, wie Architektur dadurch fast organisch wirken kann.

Architektur-Metamorphose: Zeichne ein einfaches Haus. Verändere es in drei Stufen: zuerst nur das Dach, dann die Öffnungen, dann die gesamte Silhouette. Entscheide anschließend, welche Stufe für Deine Fantasiewelt am überzeugendsten ist.


Collage: Dinge treffen aufeinander


Schneiden, verschieben, neu kombinieren

Bei einer Collage kannst Du Formen zuerst bewegen, bevor Du sie festklebst. Das macht Collage zu einem idealen Kompositionslabor: Du siehst sofort, wie sich Schwerpunkt, Balance und freie Flächen verändern.

Datei:Kurt Schwitters Mz 245 Mal Kah Merzzeichnung.jpg

Kurt Schwitters verband unterschiedliche Papiere, Druckspuren und Formen zu neuen Bildzusammenhängen. Für Deine Fantasiewelt kannst Du eigene Zeichnungen, farbige Papiere, Verpackungsreste oder ausgeschnittene Strukturen kombinieren. Verwende nur Material, das Du verwenden darfst, und achte beim Schneiden auf die vereinbarten Sicherheitsregeln.

Tate Kids zeigt, wie schon einfache Papierformen durch Verschieben, Überlagern und Wiederholen eine lebendige Komposition bilden. Probiere vor dem Kleben mindestens drei Anordnungen aus und fotografiere oder skizziere sie kurz.

Collage-Portal: Baue aus fünf bis acht Papierformen ein Tor in eine Fantasiewelt. Zeichne danach hinter, zwischen und über die geklebten Formen weiter, sodass Collage und Zeichnung zu einem Bildraum verschmelzen.


Zufall als Ideenmaschine


Zufallsformen deuten

Zufall nimmt Dir die Gestaltung nicht ab. Er liefert nur einen unerwarteten Startpunkt. Danach entscheidest Du, was betont, weggelassen, ergänzt oder verändert wird.

Geeignete Ideenmethoden:

  1. Kritzelspur: Zeichne zehn Sekunden lang eine durchgehende Linie, drehe das Blatt und suche darin drei mögliche Motive.
  2. Klecksdruck: Gib wenig wässrige Farbe auf eine Blatthälfte, falte das Papier, öffne es wieder und deute die entstandene Form.
  3. Rissform: Reiße Papier ohne Vorzeichnung und verwandle den Umriss zeichnerisch.
  4. Frottage: Reibe Strukturen von geeigneten Oberflächen durch Papier ab und kombiniere die Abdrücke zu Landschaftsteilen.
  5. Faltzeichnung: Mehrere Personen zeichnen nacheinander verdeckte Abschnitte eines gemeinsamen Wesens.
Datei:Exquisite corpse drawing by Noah Ryan and Erica Parrott.JPG

Bei einer Faltzeichnung entstehen unerwartete Übergänge. Nutze das Ergebnis nicht als fertiges Endprodukt, sondern als Ideenspeicher: Welche Körperform, Verbindung oder Struktur möchtest Du in Deine eigene Bildwelt übernehmen?

Das Video von The Art Assignment stellt das kollaborative surrealistische Zeichenspiel Exquisite Corpse als kreative Aufgabe vor. In der Klasse könnt Ihr die Methode mit Kopf, Körper und Beinen oder mit Himmel, Landschaft und Untergrund spielen.


Interaktive Ideenmethoden ohne Spezialmaterial

Methode Ablauf Kompositionsfrage
Formenroulette Schreibe je fünf Orte, Wesen und Materialien auf Kärtchen und ziehe je eines zufällig. Welches der drei Elemente wird zum Blickfang?
30-Sekunden-Thumbnails Zeichne vier winzige Bildaufteilungen, jeweils nur 30 Sekunden. Welche Aufteilung lenkt den Blick am klarsten?
Drehbild Drehe eine Skizze um 90 oder 180 Grad und deute sie neu. Entsteht durch die neue Richtung mehr Bewegung?
Partner-Impuls Eine Person zeichnet drei Linien, die andere entwickelt daraus einen Ort. Welche Linien sollten erhalten bleiben, damit die Ursprungsidee sichtbar bleibt?
Ausschnitt-Fenster Lege zwei Papierstreifen als beweglichen Rahmen auf eine Skizze. Welcher Ausschnitt hat die stärkste Wirkung?


Komposition: Deine Fantasiewelt bekommt Ordnung


Was bedeutet Komposition?

Komposition ist die bewusste Anordnung der Bildelemente. Sie entscheidet mit darüber, wohin wir zuerst schauen, ob ein Bild ruhig oder dynamisch wirkt und wie einzelne Teile zusammengehören.

Datei:Composition (1944) - Wassily Kandinsky.jpg

Auch bei abstrakten Formen kannst Du beobachten, wie Größen, Richtungen, Abstände, Kontraste und freie Flächen zusammenwirken. Das ist für Fantasiewelten wichtig, weil eine gute Komposition nicht davon abhängt, ob die dargestellten Dinge realistisch sind.

Das Video führt in Grundideen der Bildkomposition ein. Für Klasse 5 reicht es, besonders auf Blickfang, Balance, Blickweg und Verteilung zu achten.


Sieben Werkzeuge für einen bewussten Bildaufbau

Werkzeug Wirkung Frage an Deine Skizze
Blickfang Ein Bereich erhält zuerst Aufmerksamkeit. Was soll man zuerst sehen?
Größenkontrast Große und kleine Formen erzeugen Hierarchie und Tiefe. Ist alles gleich groß oder gibt es deutliche Unterschiede?
Überlappung Formen liegen sichtbar vor oder hintereinander. Welche Dinge befinden sich vorne?
Rhythmus Wiederholungen leiten den Blick und verbinden Bildteile. Welche Form oder Linie kehrt wieder?
Kontrast Unterschiede in hell/dunkel, rund/eckig oder dicht/leer erzeugen Spannung. Wo ist der stärkste Unterschied?
Negativraum Freie Flächen geben Motiven Raum und verhindern Überfüllung. Wo darf das Bild bewusst leer bleiben?
Anschnitt Formen verlassen den Bildrand und lassen die Welt größer erscheinen. Welche Form könnte am Rand angeschnitten werden?

Die Drittelregel kann als Experiment helfen: Teile Dein Bild gedanklich in drei Bereiche waagerecht und senkrecht. Setze den Blickfang probeweise nicht genau in die Mitte, sondern näher an einen Schnittpunkt. Das ist keine Pflichtregel, sondern eine Möglichkeit, Varianten zu testen.


Thumbnail-Labor: Erst klein planen, dann groß zeichnen

Ein Thumbnail ist eine sehr kleine, schnelle Planungsskizze. Details sind zunächst unwichtig. Es geht um große Formen, Hell-Dunkel-Verteilung und Blickweg.

Entwurf Aufgabe
A Blickfang groß, nah am Rand; viel freie Fläche auf der Gegenseite
B Blickfang kleiner; mehrere Formen führen diagonal auf ihn zu
C Wiederholte Formen bilden einen Bogen oder eine Spirale
D Vordergrund sehr dunkel, Hintergrund heller und einfacher

Markiere danach den überzeugendsten Entwurf und notiere einen Satz: „Diese Komposition wähle ich, weil …“


Raumwirkung in Fantasiewelten


Tiefe ohne komplizierte Perspektive

Du brauchst noch keine perfekte Zentralperspektive, um räumliche Wirkung zu erzeugen. Vier einfache Mittel reichen bereits:

  1. Überlappung: Was etwas anderes verdeckt, wirkt meist weiter vorne.
  2. Größe: Ähnliche Dinge können weiter hinten kleiner dargestellt werden.
  3. Staffelung: Auf einer Bodenfläche können weiter hinten liegende Motive im Bild höher angeordnet sein.
  4. Detailunterschied: Vorderes kann kontrastreicher und strukturierter sein, Entferntes einfacher.

Probiere diese Mittel bewusst aus, statt jedes Objekt einzeln „schön“ zu zeichnen. Eine Bildwelt wirkt räumlich, wenn die Teile aufeinander reagieren.


Dein Hauptprojekt: Eine eigene Fantasiewelt


Arbeitsauftrag

Entwickle eine eigenständige Fantasiewelt aus mindestens einer Beobachtung und mindestens einem Zufallsimpuls. Plane mehrere Kompositionen und gestalte anschließend eine ausgearbeitete Zeichnung oder Mischtechnik. Deine Welt braucht einen klaren Blickfang und mindestens drei bewusst eingesetzte Kompositionsmittel.


Arbeitsprozess

Phase G M E
1. Sammeln Drei Beobachtungsskizzen Fünf Beobachtungsskizzen aus mindestens zwei Bereichen Ein Formarchiv mit Natur, Architektur und eigener Strukturstudie
2. Zufall Eine Kritzel- oder Rissform deuten Zwei verschiedene Zufallsmethoden testen Zwei Methoden kombinieren und Ergebnisse gezielt weiterentwickeln
3. Erfinden Zwei Elemente verbinden Drei oder mehr Elemente in eine gemeinsame Idee überführen Eine erkennbare visuelle Regel für die ganze Welt entwickeln
4. Planen Zwei Thumbnails Vier deutlich verschiedene Thumbnails Mindestens vier Thumbnails plus begründete Auswahl und Überarbeitung
5. Komponieren Blickfang, Größenunterschied und Überlappung Zusätzlich Rhythmus, Kontrast und Raumstaffelung Zusätzlich bewusster Negativraum, Anschnitt und differenzierte Blickführung
6. Ausarbeiten Saubere, lesbare Zeichnung mit ausgewählten Strukturen Differenzierte Linien, Strukturen und Hell-Dunkel-Bereiche Eigenständige grafische Handschrift und kontrollierter Wechsel von Detail und Ruhe
7. Reflektieren Zwei Sätze zur Idee und zum Blickfang Kurze Begründung zu Idee, Komposition und Raumwirkung Vergleich von Entwurfsvarianten und begründete Einschätzung der Endfassung


Materialideen

Bereich Geeignete Materialien Mögliche Wirkung
Zeichnung Bleistift, Fineliner, Buntstift, Kreide präzise, strukturiert, kontrastreich
Fläche Wasserfarbe, Deckfarbe, farbiges Papier Atmosphäre, große Farb- und Hell-Dunkel-Bereiche
Collage selbst gestaltete Papiere, erlaubte Drucksachen, Transparentpapier Brüche, Überlagerungen, überraschende Kombinationen
Struktur Frottage, Stempel aus einfachen Formen, Schraffuren Muster, Oberflächen, Rhythmus


Kompositions-Check vor der Endfassung

Bevor Du auf dem großen Blatt beginnst, prüfe Deine Skizze:

  1. Ist der wichtigste Bereich klar erkennbar?
  2. Gibt es große, mittlere und kleine Formen?
  3. Überlappen sich einige Dinge?
  4. Wiederholt sich mindestens eine Form, Linie oder Struktur?
  5. Gibt es sowohl dichte als auch ruhige Bereiche?
  6. Führt etwas den Blick durch das Bild?
  7. Bleibt genug Platz am Rand oder wird ein Anschnitt bewusst eingesetzt?
  8. Unterstützen Hell-Dunkel oder Farbe die wichtigste Stelle?


Galeriegang und Feedback

Lege Deine Thumbnails und die Endfassung zusammen aus. Die Rückmeldung soll nicht „schön“ oder „nicht schön“ lauten, sondern beobachtbar sein.

Nutze drei Satzstarter:

  1. „Mein Blick geht zuerst zu …, weil …“
  2. „Räumlich wirkt besonders …, weil …“
  3. „Noch klarer würde die Komposition, wenn …“

Entscheide danach selbst, welchen Hinweis Du übernimmst. Künstlerisches Feedback ist eine Hilfe für Entscheidungen, kein Befehl.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wozu dient ein Thumbnail beim Zeichnen? (Zum schnellen Planen verschiedener Bildaufteilungen) (!Zum möglichst genauen Ausmalen aller Details) (!Zum Abpausen eines fertigen Kunstwerks) (!Zum Messen der Papierdicke)




Welches Mittel erzeugt besonders direkt räumliche Tiefe? (Überlappung von Formen) (!Gleiche Größe aller Formen) (!Ein vollständig leerer Bildrand) (!Nur waagerechte Linien)




Was ist bei einer Zufallsform der wichtigste nächste Schritt? (Sie bewusst deuten und weiterentwickeln) (!Sie unverändert als fertiges Werk abgeben) (!Sie immer symmetrisch machen) (!Sie sofort wegradieren)




Was beschreibt Komposition in einem Bild am besten? (Die bewusste Anordnung der Bildelemente) (!Die Marke des Zeichenstifts) (!Die Trocknungszeit der Farbe) (!Die Größe des Kunstraums)




Was ist ein Blickfang? (Der Bereich, der zuerst besondere Aufmerksamkeit erhält) (!Der unbemalte Rand des Papiers) (!Jede wiederholte Linie) (!Nur die dunkelste Ecke eines Bildes)




Wie kann eine Naturbeobachtung zur Fantasieidee werden? (Indem Formprinzipien verändert und neu kombiniert werden) (!Indem nur naturgetreu kopiert wird) (!Indem alle Details entfernt werden) (!Indem Beobachtung vermieden wird)




Welche Wirkung kann Negativraum haben? (Er schafft Ruhe und lässt wichtige Formen deutlicher wirken) (!Er macht jedes Bild automatisch symmetrisch) (!Er ersetzt alle gezeichneten Motive) (!Er verhindert jeden Blickfang)




Warum sind mehrere Entwurfsskizzen sinnvoll? (Weil verschiedene Lösungen verglichen werden können) (!Weil die erste Idee immer falsch ist) (!Weil nur die letzte Skizze gezeichnet werden darf) (!Weil dadurch keine Entscheidung mehr nötig ist)




Was kann Rhythmus in einer Zeichnung erzeugen? (Wiederholung und Variation von Formen oder Linien) (!Das Vermeiden jeder Wiederholung) (!Nur ein einzelner Punkt) (!Gleichmäßiges Ausmalen ohne Unterschiede)




Welche Kombination passt besonders gut zu einer Fantasiewelt mit Tiefenwirkung? (Größenunterschiede, Überlappungen und Staffelung) (!Gleiche Größe, gleiche Abstände und keine Überschneidung) (!Nur Konturen ohne räumliche Beziehungen) (!Alle Motive in einer einzigen Reihe)





Memory

Thumbnail kleine Planungsskizze
Blickfang wichtigster Aufmerksamkeitsbereich
Überlappung Mittel für räumliche Tiefe
Kontrast deutlicher Unterschied
Zufallsform unerwarteter Ideenstart
Collage Verbindung verschiedener Papiere
Negativraum freie Fläche um Motive





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Bedeutung
Beobachtung genaues Wahrnehmen realer Formen
Zufall unerwarteter Ausgangspunkt
Verfremdung Bekanntes wird gezielt verändert
Komposition Bildelemente werden bewusst angeordnet
Überlappung Formen verdecken sich teilweise und erzeugen Tiefe






Kreuzworträtsel

Skizze Wie heißt eine schnelle zeichnerische Idee zur Vorbereitung?
Kontrast Wie heißt ein deutlicher Unterschied, etwa zwischen hell und dunkel?
Collage Wie heißt ein Bildverfahren mit aufgeklebten Materialien?
Fokus Welches Wort bezeichnet den Schwerpunkt der Aufmerksamkeit?
Überlappung Welches Mittel lässt eine Form vor einer anderen erscheinen?
Struktur Wie nennt man die sichtbare Beschaffenheit oder Gliederung einer Oberfläche?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Eine schnelle kleine Planungsskizze heißt

. Der wichtigste Aufmerksamkeitsbereich eines Bildes ist der

. Wenn sich Formen teilweise verdecken, entsteht durch

ein Eindruck von Tiefe. Wiederholte und variierte Formen können einen bildnerischen

erzeugen. Eine freie Fläche um Motive wird als

genutzt. Bei einer Collage sollten Formen zunächst

werden, bevor sie festgeklebt werden. Eine zufällig entstandene Form wird erst durch bewusste

zu einer Bildidee. Beobachtete Naturformen können durch Veränderung und

in eine Fantasiewelt überführt werden. Mehrere kleine Entwürfe helfen dabei, verschiedene

miteinander zu vergleichen. Eine überzeugende Endfassung verbindet Fantasie mit bewusster

.




Offene Aufgaben


Leicht – G-Niveau

  1. Formensuche: Fotografiere oder skizziere fünf interessante Natur- oder Alltagsformen. Verwandle eine davon in ein Fantasieobjekt und markiere, welcher Teil der Beobachtung erhalten blieb.
  2. Kritzelwesen: Erzeuge eine zehnsekündige Kritzelspur, drehe das Blatt und entwickle daraus ein Wesen mit mindestens drei unterschiedlichen Oberflächenstrukturen.
  3. Naturarchitektur: Wähle eine Muschel-, Blatt- oder Pflanzenform und verwandle sie in ein Gebäude. Nutze mindestens zwei Größenstufen und eine Überlappung.
  4. Mini-Komposition: Zeichne drei Thumbnails derselben Fantasieidee. Setze den Blickfang jedes Mal an eine andere Stelle und entscheide, welche Fassung am klarsten wirkt.


Standard – M-Niveau

  1. Collage-Portal: Baue aus gerissenen oder geschnittenen Papierformen ein Portal und zeichne die dahinterliegende Welt weiter. Zeige Vorder-, Mittel- und Hintergrund.
  2. Architektur-Metamorphose: Entwickle aus einem real beobachteten Gebäude drei Verwandlungsstufen. Begründe, welche Formmerkmale Du beibehalten und welche Du verändert hast.
  3. Gemeinschafts-Faltbild: Erarbeitet zu dritt eine verdeckte Faltzeichnung. Jede Person wählt danach ein überraschendes Detail aus dem Gemeinschaftsbild und entwickelt daraus eine eigene Bildidee.
  4. Bilderbuch-Doppelseite: Erfinde einen kurzen Satz aus einer Fantasiegeschichte und gestalte dazu eine Doppelseite, auf der Blickfang, Bewegungsrichtung und freie Fläche bewusst geplant sind.


Schwer – E-Niveau

  1. Kompositionsvergleich: Entwickle vier deutlich verschiedene Kompositionen für dieselbe Welt. Verändere Schwerpunkt, Anschnitt, Negativraum und Blickweg und begründe Deine Endauswahl.
  2. Formensystem: Erfinde für Deine Welt ein wiederkehrendes Formprinzip, das in Pflanzen, Gebäuden und Wesen sichtbar wird, ohne dass alle Motive gleich aussehen.
  3. Bildwelt-Film: Erstelle aus Skizzen, Ausschnitten und Zwischenständen einen kurzen Stop-Motion- oder Kamerafahrt-Film, der den Blickweg durch Deine Komposition nachvollziehbar macht.
  4. Mini-Ausstellung: Stelle drei eigene Entwürfe und die Endfassung aus. Verfasse einen kurzen Ausstellungstext darüber, wie Beobachtung, Zufall und bewusste Komposition zusammengewirkt haben.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Kompositionsdiagnose: Du erhältst zwei Skizzen derselben Fantasiewelt. Erkläre, welche Fassung den Blick klarer führt, und begründe Deine Entscheidung mit mindestens drei Gestaltungsmitteln.
  2. Transfer einer Naturform: Wähle eine unbekannte Naturform. Zeige in drei Zwischenschritten, wie daraus ein neues Fantasieobjekt entstehen kann, ohne dass die Ausgangsform völlig verschwindet.
  3. Zufall und Entscheidung: Erkläre an einem eigenen Beispiel, welche Teile einer Zufallsform Du übernommen, verändert oder weggelassen hast und warum.
  4. Raumwirkung verbessern: Überarbeite eine flach wirkende Skizze so, dass deutlich mehr Tiefe entsteht. Nutze mindestens drei Mittel und kennzeichne Deine Veränderungen.
  5. Bildvergleich: Vergleiche eine Bilderbuchillustration, eine Naturform und ein Architekturbeispiel. Entwickle daraus eine gemeinsame Formidee für eine neue Bildwelt und erläutere die Verbindung.
  6. Gestaltungsentscheidung: Begründe, an welcher Stelle Deiner Endfassung ein ruhiger Bereich notwendig ist und was passieren würde, wenn auch dort viele Details ergänzt würden.


Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis zu diesem Thema sind folgende Bestandteile wichtig:

  1. Ideenarchiv: Beobachtungsskizzen aus Natur, Alltag oder Architektur sowie mindestens ein Zufallsexperiment.
  2. Entwurfsprozess: Mehrere Thumbnails, an denen unterschiedliche Kompositionsmöglichkeiten erkennbar sind.
  3. Endfassung: Eine eigenständige Fantasiewelt mit bewusstem Blickfang, Größenunterschieden, Überlappungen und weiteren passenden Gestaltungsmitteln.
  4. Technische Ausarbeitung: Sorgfältiger und zur Bildidee passender Einsatz von Linie, Struktur, Hell-Dunkel, Farbe oder Collage.
  5. Reflexion: Eine kurze Erklärung, welche Beobachtungen und Zufallsimpulse verwendet wurden und warum die gewählte Komposition funktioniert.
  6. Niveaubezug: Auf G-Niveau zählt eine klar lesbare Lösung, auf M-Niveau die begründete Verbindung mehrerer Mittel und auf E-Niveau zusätzlich Variantenreichtum, eigenständige Bildlogik und vertiefte Reflexion.




OERs zum Thema

Der Begriff Phantasie/Fantasie erklärt die menschliche Fähigkeit, innere Vorstellungen und neue Bildideen zu entwickeln.

Für den bewussten Bildaufbau ist außerdem der Artikel zur Komposition in der bildenden Kunst hilfreich.


Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte

MOOCwiki · Deutsch

Nach dem Lernen ist vor dem Lernen

Entdecke direkt den nächsten Lernkurs. Weitere Inhalte erscheinen, wenn Du weiter nach unten scrollst.

Zur MOOCwiki-Hauptseite
Inhalte werden geladen ...

Mediathek wird aus dem Wiki geladen ...