Zum Inhalt springen

BK5 - Bilder vertonen

Aus MOOCsWiki Staging
aiMOOC-Siegel

BK5 - Bilder vertonen




BK5 - Bilder vertonen


Einleitung

Ein Bild ist still – und trotzdem kann es in Deinem Kopf bereits rauschen, knacken, pochen, flüstern oder musizieren. Genau darum geht es in diesem aiMOOC: Du untersuchst, wie Bilder und Klänge zusammenwirken, entwickelst zu einem Bild eine kurze Klanggestaltung und erforschst, wie unterschiedliche Töne die Wirkung desselben Bildes verändern.

Du arbeitest dabei wie ein kleines Sounddesign-Team: Du beobachtest ein Bild genau, sammelst passende Geräusche, erzeugst eigene Klänge mit Alltagsgegenständen, Stimme oder Instrumenten, nimmst sie auf und ordnest sie auf einer digitalen Tonspur an. Anschließend vergleichst Du verschiedene Fassungen und begründest, warum ein Bild zum Beispiel bedrohlicher, ruhiger, schneller, geheimnisvoller oder fröhlicher wirkt.

Leitfrage: Wie verändert sich Deine Wahrnehmung von Hokusais großer Welle, wenn Du dazu nur Meeresrauschen hörst – und wie wirkt sie mit Donner, Herzschlag oder ruhiger Musik?

Der Unterricht verbindet Bildende Kunst, Musik, Medienbildung und genaues Wahrnehmen. Im baden-württembergischen Bildungsplan für Bildende Kunst 5/6 kann Klang als Ausdrucks- und Gestaltungsmittel aufgegriffen werden; zugleich gehört der bewusste Umgang mit Medien und deren Wirkung zum Fach. Im Musikunterricht 5/6 wird die Vertonung von Bildern als praktische Möglichkeit des musikalischen Gestaltens genutzt.


Zielgruppe und Lernziele

Dieser aiMOOC richtet sich an Klasse 5. Du brauchst keine Vorkenntnisse in Musikproduktion. Entscheidend ist, dass Du aufmerksam siehst, hörst, ausprobierst und Deine Entscheidungen erklären kannst.

Bereich Das lernst Du
Wahrnehmen Du beschreibst Farben, Formen, Linien, Raum, Bewegung und Stimmung eines Bildes und hörst Klänge gezielt auf Lautstärke, Tempo, Tonhöhe und Klangfarbe ab.
Gestalten Du entwickelst eine kurze Klanggestaltung aus Geräuschen, selbst erzeugten Klängen, Musik, Stimme und digitalen Audiospuren.
Experimentieren Du stellst mindestens zwei unterschiedliche Tonfassungen zu demselben Bild her und vergleichst ihre Wirkung.
Medienkompetenz Du nimmst Töne auf, schneidest sie, ordnest sie zeitlich an und regelst Lautstärken sinnvoll.
Reflektieren Du beschreibst die Wirkung Deiner Vertonung mit passenden Begriffen und begründest Deine Gestaltung.
Verantwortung Du achtest auf Lautstärke, Persönlichkeitsrechte und die Lizenzen von Bildern, Musik und Geräuschen.


Differenzierung G M E

Die Aufgabe kann auf drei Niveaus bearbeitet werden. Alle Niveaus verfolgen dasselbe Ziel: Ein Bild wird gezielt mit Klang gestaltet und die Wirkung von Ton auf das Bild wird untersucht.

Niveau Gestaltung Untersuchung der Wirkung
G Grundniveau Erstelle eine Klanggestaltung von etwa 20 bis 30 Sekunden mit mindestens drei gut unterscheidbaren Klängen. Nutze zum Beispiel ein Umweltgeräusch, einen selbst erzeugten Klang und einen musikalischen Ton. Benenne mindestens zwei Wirkungen, zum Beispiel ruhig, spannend, schnell oder bedrohlich, und verknüpfe jede Wirkung mit einem hörbaren Merkmal.
M Mittleres Niveau Erstelle eine Klanggestaltung von etwa 30 bis 45 Sekunden mit mindestens vier Klangelementen. Nutze Lautstärkeverläufe, Pausen oder Wiederholungen bewusst und bearbeite mindestens eine digitale Audiospur. Vergleiche zwei Tonfassungen desselben Bildes und erkläre, wie mindestens drei Gestaltungsmittel die Bildwirkung verändern.
E Erweitertes Niveau Erstelle eine Klanggestaltung von etwa 45 bis 60 Sekunden mit mindestens fünf Klangelementen auf mehreren Tonspuren. Arbeite gezielt mit Kontrast, Schichtung, Übergängen, Dynamik und bewusst gesetzter Stille. Formuliere eine begründete Deutung: Welche Bilddetails werden durch den Ton hervorgehoben, verändert oder sogar widersprochen? Belege Deine Aussagen mit konkreten Hörbeobachtungen.


Sehen und Hören verbinden

Beim Vertonen übersetzt Du ein Bild nicht Wort für Wort in Ton. Du triffst künstlerische Entscheidungen. Ein roter Fleck muss nicht laut klingen und eine Wellenlinie muss nicht immer als Glissando vertont werden. Solche Zuordnungen sind Möglichkeiten, keine Regeln.


Bildmerkmale als Ausgangspunkt

Bevor Du aufnimmst, siehst Du genau hin. Untersuche das Bild mit diesen Fragen:

  1. Farbe: Welche Farben dominieren? Wirken sie warm, kalt, leuchtend, dunkel oder gedämpft?
  2. Form: Sind Formen rund, eckig, weich, hart, regelmäßig oder chaotisch?
  3. Linie: Gibt es ruhige, geschwungene, gezackte, waagerechte oder diagonale Linien?
  4. Raum: Wirkt etwas nah, fern, eng, weit, leer oder dicht?
  5. Bewegung: Scheint etwas zu fallen, steigen, kreisen, springen oder stillzustehen?
  6. Stimmung: Welche Gefühle oder Erwartungen löst das Bild zunächst ohne Ton aus?


Von einem Bildmerkmal zu einer Klangidee

Beobachtung im Bild Mögliche Klangidee Mögliche Wirkung
viele kleine Punkte kurze, helle Einzeltöne funkelnd, lebendig
große dunkle Fläche tiefer, langer Klang schwer, ruhig oder bedrohlich
gezackte Linie kurze harte Geräusche nervös, scharf, angespannt
geschwungene Linie gleitende oder weich verbundene Töne fließend, ruhig
Wiederholung gleicher Formen regelmäßiger Rhythmus geordnet, maschinenhaft
starke Diagonale schneller werdender Rhythmus oder ansteigende Tonhöhe Bewegung, Beschleunigung
leerer Bildbereich Pause oder sehr leiser Klang Weite, Ruhe, Erwartung
dichter Bildbereich mehrere gleichzeitig klingende Spuren Fülle, Unruhe, Energie


Medienlabor: Kunstwerke hören

Die folgenden Kunstwerke eignen sich besonders gut für Klangexperimente. Betrachte jedes Bild zuerst mindestens 20 Sekunden ohne Ton. Notiere drei Wörter zur Bildwirkung. Höre oder erzeuge danach eine Klangidee und prüfe, ob sich Deine Wörter verändern.


Hokusai: Die große Welle

Bei Hokusais Holzschnitt dominieren Bewegung, gebogene und gezackte Linien, Wasser, Boote und ein starker Größenkontrast. Du kannst die Szene naturalistisch vertonen, also mit Wasser und Wind. Du kannst aber auch nur den Eindruck von Kraft, Gefahr oder Rhythmus gestalten.

Freies Geräuschbeispiel: Wellen

Freies Geräuschbeispiel: Donner

Freies Rhythmusbeispiel: Schlagzeug

Hörversuch: Höre zuerst nur das Wellenrauschen. Ergänze danach den Donner. Ergänze zuletzt einen gleichmäßigen Trommelschlag. Beschreibe nach jedem Schritt, was sich an Deiner Wahrnehmung von Größe, Gefahr und Bewegung verändert.


Edvard Munch: Der Schrei

Die geschwungenen Linien, der starke Farbkontrast und die zentrale Figur können sehr unterschiedlich klingen. Ein naheliegender Weg wäre ein schriller oder angespannter Klang. Spannend ist aber auch ein Gegensatz: Was passiert, wenn Du zu diesem Bild ruhige, regelmäßige Musik hörst?

Freies Geräuschbeispiel: Herzschlag

Freies Geräuschbeispiel: tickende Uhr

Aufgabe: Erzeuge mit Deiner Stimme einen langen Ton, der sehr leise beginnt und langsam lauter wird. Vergleiche diese Wirkung mit dem regelmäßigen Ticken. Welche Variante macht das Bild für Dich spannender? Begründe mit mindestens einem Bilddetail.


Vincent van Gogh: Sternennacht

Die wirbelnden Formen im Himmel können musikalisch als Kreisen, Schwingen oder Wiederholen gedeutet werden. Helle Sterne können einzelne hohe Töne erhalten, während der dunkle Vordergrund durch tiefe, lange Töne markiert werden könnte.

Freies Musikbeispiel: ruhige Klavierklänge

Freies Musikbeispiel: Morgenstimmung

Experimentiere: Nutze dieselbe Bildbetrachtung einmal mit ruhigen langen Tönen und einmal mit schnellen kurzen Tönen. Achte darauf, ob der Himmel eher friedlich, lebendig, unruhig oder geheimnisvoll wirkt.


Wassily Kandinsky: Komposition VIII

Kandinskys abstrakte Formen laden dazu ein, Klang nicht als Geräusch einer dargestellten Sache, sondern als Entsprechung von Form, Farbe, Richtung und Rhythmus zu denken. Ein Kreis kann zum Beispiel ein langer Ton sein, eine Zickzackform ein kurzer harter Klang und eine Reihe kleiner Formen ein Rhythmus.

Achte beim Video darauf, wie Farben und Formen als eigenständige Ausdrucksmittel beschrieben werden. Übertrage anschließend drei Formen aus dem Bild in drei unterschiedliche Klänge.


Klangquellen: Was darf in Deine Vertonung?

Eine gute Bildvertonung kann aus sehr unterschiedlichen Klangarten bestehen. Besonders interessant wird es, wenn Du mehrere Quellen kombinierst.

Klangart Beispiele Aufgabe
Umweltgeräusch Regen, Wind, Wasser, Vogelstimmen Nutze ein Geräusch, das einen Ort oder eine Atmosphäre entstehen lässt.
Foley Schritte, Papier, Stoff, Tür, Klopfen Erzeuge ein Geräusch selbst, obwohl die echte Schallquelle nicht vorhanden ist.
Stimme Flüstern, Summen, Atem, Silben Nutze die Stimme ohne gesprochenen Erklärungstext als Klangmaterial.
Instrument Trommel, Xylofon, Keyboard, Saiteninstrument Spiele einzelne Töne, kurze Motive oder Rhythmen.
Musik selbst gespielte oder frei lizenzierte Musik Prüfe, ob die Musik das Bild unterstützt oder ihm bewusst widerspricht.
Digitale Audiospur Aufnahme, Sample, Schleife, geschnittener Klang Ordne mehrere Spuren zeitlich an und mische ihre Lautstärken.


Geräusche hören: kleine Klangbibliothek

Regen

Vogelstimme

Knarrende Türklinke

Spieluhrklänge

Höre die vier Beispiele nacheinander. Ordne jedem Geräusch drei Adjektive zu. Vergleiche anschließend mit einer Mitschülerin oder einem Mitschüler. Unterschiedliche Deutungen sind möglich, solange Du sie am Klang begründen kannst.


Selbst erzeugte Klänge: Deine Foley-Werkstatt

Foley bezeichnet das nachträgliche Erzeugen und Aufnehmen von Geräuschen passend zu Bildern oder Filmszenen. Dafür brauchst Du nicht unbedingt besondere Technik. Viele überzeugende Geräusche entstehen mit ganz einfachen Gegenständen.

Das Video zeigt, wie Alltagsgegenstände als Klangquellen genutzt werden können. Übernimm nicht einfach eine Idee, sondern frage Dich: Welcher Klang passt zu meinem Bild und warum?


Sichere Klangideen für Klasse 5

Material So erzeugst Du den Klang Kann erinnern an
Papier langsam reiben, knicken oder zerknüllen Laub, Feuerknistern, Bewegung
Stoff reiben, schütteln oder schnell durch die Luft bewegen Kleidung, Wind, Flügelschlag
Karton mit Fingern klopfen oder über eine Kante streichen Schritte, Holz, Maschine
Kunststoffbecher mit Fingerkuppen antippen Tropfen, helle Schläge
verschlossene Dose mit wenigen trockenen Körnern vorsichtig kippen oder schütteln Regen, Rasseln, Kies
Tischplatte mit flacher Hand, Fingerspitzen oder Radiergummi unterschiedlich anschlagen Trommel, Schritte, Puls
eigene Stimme summen, hauchen, flüstern, Zischlaute erzeugen Wind, Spannung, Nähe, Ferne

Verwende nur ungefährliche Gegenstände. Schlage nicht auf Glas und erzeuge keine extrem lauten Knallgeräusche. Wenn Kopfhörer benutzt werden, stelle die Lautstärke zunächst niedrig ein.


Mini-Experiment: Ein Gegenstand, fünf Klänge

Wähle nur einen Gegenstand, zum Beispiel ein Blatt Papier. Erzeuge damit fünf deutlich verschiedene Klänge. Verändere jeweils nur eine Sache: Geschwindigkeit, Stärke, Ort der Berührung, Bewegungsart oder Abstand zum Mikrofon. Nimm die fünf Varianten auf und gib ihnen beschreibende Namen wie sanftes Rascheln oder kurzer harter Knick.


Digitale Audiospuren verstehen

Bei einer digitalen Klanggestaltung liegen mehrere Aufnahmen oft auf getrennten Audiospuren. Dadurch kannst Du ein Geräusch verschieben, kürzen, wiederholen oder leiser machen, ohne die anderen Spuren zu verändern.

Eine Wellenform macht Schall sichtbar. Große Ausschläge stehen meist für stärkere Signalpegel, kleinere Ausschläge für schwächere. Die Wellenform zeigt aber nicht direkt, ob ein Klang schön, gefährlich oder traurig ist – das entscheidest Du durch Hören und Deuten.


Vier Grundfunktionen reichen für den Anfang

  1. Aufnehmen: Sprich, spiele oder erzeuge ein Geräusch und speichere es als digitale Tonaufnahme.
  2. Schneiden: Entferne unnötige Stellen am Anfang oder Ende.
  3. Verschieben: Setze den Klang genau an die Stelle, an der er wirken soll.
  4. Mischen: Stelle die Spuren so ein, dass wichtige Klänge hörbar sind, ohne alles andere zu überdecken.

Für M- und E-Niveau kannst Du zusätzlich mit Ein- und Ausblenden, Wiederholungen, mehreren Spuren und bewusst gesetzten Pausen arbeiten.


Tonspur-Plan vor der Aufnahme

Plane zuerst auf Papier. So sparst Du später Zeit am Computer oder Tablet.

Zeit Bildidee Klang Lautstärke Funktion
0 bis 5 Sekunden ruhiger Beginn leises Wasser leise Ort öffnen
5 bis 12 Sekunden Bewegung nimmt zu schneller werdendes Klopfen mittel Spannung steigern
12 bis 18 Sekunden Höhepunkt Donner und tiefer Stimmklang laut, aber nicht unangenehm Kraft betonen
18 bis 25 Sekunden Nachklang nur Wasser wieder leiser Ruhe herstellen


Praxisprojekt: Die große Welle vertonen

Jetzt entwickelst Du zu einem Bild eine kurze Klanggestaltung. Ausgangspunkt ist Hokusais Die große Welle vor Kanagawa.


Schritt 1: Bild lesen

Betrachte das Bild mindestens eine halbe Minute in Ruhe. Wähle anschließend drei Bildmerkmale, die für Deine Vertonung wichtig werden. Das können zum Beispiel die riesige Welle, die kleinen Boote, der ferne Berg, die Schaumspitzen oder die starke Bewegung sein.

Formuliere danach einen Wirkungssatz: Meine Vertonung soll das Bild ... wirken lassen. Ergänze zum Beispiel gefährlich, ruhig, mächtig, schnell, fremdartig oder einen eigenen Begriff.


Schritt 2: Klangmaterial sammeln

Wähle mindestens drei verschiedene Arten von Klangmaterial. Eine mögliche Kombination ist: Wasseraufnahme, selbst erzeugtes Papier- oder Stoffgeräusch, Rhythmus auf einer Tischplatte und ein langer gesummter Ton.

Verwende für freie Hörbeispiele bei Bedarf diese Medien:


Schritt 3: Klangpartitur entwickeln

Zeichne eine waagerechte Zeitlinie. Trage ein, wann jeder Klang beginnt und endet. Markiere laute Stellen mit großen Zeichen und leise Stellen mit kleinen Zeichen. Nutze Pfeile für lauter und leiser werdende Passagen. So entsteht eine einfache grafische Notation.

Beispiel für eine 25-Sekunden-Fassung:

Spur 0 bis 5 5 bis 10 10 bis 15 15 bis 20 20 bis 25
Wasser leise mittel laut mittel leise
Tischrhythmus Pause langsam schneller schnell Pause
Stimme Pause tiefer Summton lauter werdend kurzer hoher Ton Pause
Donner Pause Pause ein Einsatz Pause Pause


Schritt 4: Aufnahme und Mischung

Nimm die selbst erzeugten Klänge möglichst in einem ruhigen Raum auf. Halte das Mikrofon nicht direkt an sehr laute Schallquellen. Schneide störende Anfangs- und Endgeräusche weg. Lege jede Klangart möglichst auf eine eigene Spur und ordne sie nach Deiner Klangpartitur an.

Höre die Mischung mehrfach mit niedriger bis mittlerer Lautstärke. Prüfe dabei: Ist der wichtigste Klang hörbar? Gibt es Stellen, an denen zu viel gleichzeitig passiert? Würde eine Pause stärker wirken als ein weiteres Geräusch?


Schritt 5: Zwei Wirkungen aus demselben Bild

Jetzt entsteht die eigentliche Untersuchung.

Fassung A – bedrohlich: Nutze zum Beispiel tiefe Töne, unregelmäßige Schläge, Donner, dichter werdende Geräusche und einen Lautstärkeanstieg.

Fassung B – ruhig oder staunend: Nutze zum Beispiel gleichmäßiges Wasser, einzelne helle Töne, längere Pausen, weiche Übergänge und eine geringere Lautstärke.

Wichtig: Du musst diese Vorschläge nicht übernehmen. Entscheidend ist, dass die beiden Fassungen deutlich unterschiedliche Wirkungen erzeugen.


Schritt 6: Wirkung untersuchen

Spielt beide Fassungen nacheinander vor, ohne vorher zu verraten, welche Wirkung beabsichtigt war. Die Zuhörenden notieren jeweils drei Wirkungswörter. Vergleicht danach die Rückmeldungen.

Beobachtung Fassung A Fassung B
Welche Stimmung wird genannt?
Welcher Klang fällt zuerst auf?
Welches Bilddetail wirkt besonders wichtig?
Wo entsteht Spannung?
Welche Stelle wirkt ruhig?
Passt die gehörte Wirkung zur Absicht?

Schreibe zum Schluss mindestens drei Sätze nach diesem Muster: Der Ton verändert die Bildwirkung, weil ... Beziehe Dich dabei auf konkrete Klangmerkmale.


Wie Ton Bildwirkung verändert

Ton kann ein Bild nicht nur begleiten, sondern unsere Aufmerksamkeit lenken. Ein leiser Herzschlag kann eine ruhige Szene plötzlich angespannt wirken lassen. Vogelstimmen können ein Bild offener und friedlicher erscheinen lassen. Ein schneller Rhythmus kann Bewegung verstärken. Eine lange Pause kann einen leeren Bildraum betonen.

Dabei wirken mehrere Klangmerkmale zusammen.

Klangmerkmal Typische Veränderung Frage an Dich
Lautstärke kann Nähe, Kraft oder Dringlichkeit steigern Wird das Bild durch lautere Klänge wichtiger oder nur anstrengender?
Tempo kann Ruhe oder Bewegung verstärken Passt die Geschwindigkeit zur sichtbaren Bewegung?
Tonhöhe hohe und tiefe Töne können sehr unterschiedliche Spannungen erzeugen Welche Bildbereiche ordnest Du hohen oder tiefen Tönen zu?
Klangfarbe macht einen Klang weich, hart, metallisch, luftig oder rau Welche Materialwirkung hörst Du?
Rhythmus kann Ordnung, Puls, Wiederholung oder Unruhe erzeugen Gibt es im Bild wiederkehrende Formen, die rhythmisch werden könnten?
Dynamik beschreibt Veränderungen von leise zu laut und zurück Wo soll die Wirkung wachsen oder abklingen?
Pause kann Leere, Erwartung oder einen Bruch erzeugen An welcher Stelle ist Nicht-Klingen besonders stark?
Schichtung mehrere gleichzeitige Spuren können Dichte erzeugen Wann soll das Bild klanglich voll und wann klar wirken?


Bild-Ton-Kontrast

Nicht immer muss der Ton das Bild bestätigen. Ein absichtlicher Gegensatz kann besonders interessant sein. Ein bedrohliches Bild mit einer sehr ruhigen Spieluhr kann fremd oder unheimlich wirken. Ein stilles Landschaftsbild mit schnellen harten Rhythmen kann plötzlich hektisch erscheinen.

E-Niveau: Entwickle eine Stelle, an der Ton und Bild bewusst gegeneinander arbeiten. Begründe anschließend, warum der Kontrast stärker wirkt als eine direkte Entsprechung.


Musik, Geräusch oder beides?

Musik und Geräusch haben unterschiedliche Funktionen, können aber ineinander übergehen. Ein gleichmäßig tropfendes Geräusch kann rhythmisch werden. Ein Trommelschlag kann als Musik oder als Geräusch wirken. Ein gesummter Ton kann Atmosphäre und Melodie zugleich sein.

Vergleich:

Höre beide Dateien. Welche wirkt für Dich stärker wie Musik, welche stärker wie Umwelt? Suche anschließend ein Merkmal, das beide gemeinsam haben, zum Beispiel Wiederholung, Tonhöhe oder Rhythmus.


Klang und Urheberrecht

Bei einer eigenen Vertonung darfst Du nicht automatisch jede Musik aus dem Internet verwenden. Nutze am besten selbst aufgenommene Klänge oder Medien mit einer passenden freien Lizenz. Bei Wikimedia Commons findest Du viele Bilder und Audiodateien mit Lizenzangaben. Lies die Dateibeschreibung und beachte, ob eine Namensnennung erforderlich ist.

Wenn Du Mitschülerinnen oder Mitschüler aufnimmst, frage vorher um Erlaubnis. Veröffentliche keine Sprachaufnahmen oder Fotos anderer Personen ohne Zustimmung.


Präsentieren und Feedback geben

Eine Klanggestaltung wird besser, wenn andere Menschen beschreiben, was sie hören und wie das Bild dadurch wirkt. Feedback soll konkret sein und sich auf Wahrnehmungen beziehen.

Nutze diese Satzanfänge:

  1. Wirkung: Das Bild wirkt mit dieser Tonfassung auf mich ..., weil ...
  2. Klangdetail: Besonders auffällig ist ..., weil ...
  3. Bilddetail: Durch den Ton achte ich stärker auf ...
  4. Kontrast: Überraschend ist der Gegensatz zwischen ... und ...
  5. Verbesserung: Noch klarer würde die Wirkung, wenn ...


Inklusion und unterschiedliche Zugänge

Wenn Dir laute oder viele gleichzeitige Geräusche unangenehm sind, arbeite mit geringer Lautstärke, kurzen Hörphasen oder visuellen Wellenformen. Wenn Du Töne nur eingeschränkt hören kannst, kannst Du Klang zusätzlich über sichtbare Wellenformen, Rhythmuszeichen, Vibrationen und die Beobachtung der Lautsprecherbewegung untersuchen. Eine Gruppe kann Aufgaben so verteilen, dass Sehen, Planen, Aufnehmen, Schneiden und Präsentieren gleichwertig beteiligt sind.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was ist beim Vertonen eines Bildes die wichtigste Grundlage? (Das Bild genau beobachten und eine beabsichtigte Wirkung planen) (!Nur bekannte Musikstücke auswählen) (!Jeden sichtbaren Gegenstand mit einem Geräusch versehen) (!Immer besonders laut arbeiten)




Welche Aussage über Bild und Ton stimmt? (Ein Ton kann die Wirkung eines Bildes verändern) (!Jedes Bild besitzt nur eine richtige Vertonung) (!Geräusche sind für Bildwirkung bedeutungslos) (!Musik muss immer fröhlich klingen)




Was bedeutet Foley? (Nachträglich passende Geräusche erzeugen und aufnehmen) (!Ein Bild digital einfärben) (!Eine Tonspur vollständig löschen) (!Nur Instrumentalmusik komponieren)




Welche Gestaltung kann Spannung steigern? (Ein Klang wird allmählich lauter) (!Alle Spuren bleiben immer gleich laut) (!Jeder Klang beginnt und endet gleichzeitig) (!Es gibt nie Pausen)




Wozu dient eine digitale Tonspur? (Eine Aufnahme zeitlich anzuordnen und zu bearbeiten) (!Ein Bild mit Farbe auszumalen) (!Nur die Dateigröße eines Bildes zu verändern) (!Eine Kamera scharfzustellen)




Welche Aussage zu Pausen ist richtig? (Eine Pause kann Erwartung oder Ruhe erzeugen) (!Eine Pause ist immer ein Fehler) (!Pausen sind nur bei Sprache erlaubt) (!Pausen machen jede Vertonung langweilig)




Was beschreibt die Klangfarbe? (Ob ein Klang zum Beispiel weich hart metallisch oder luftig wirkt) (!Wie groß ein Bild gedruckt wird) (!Wie viele Figuren auf einem Bild zu sehen sind) (!Wie lange ein Video geladen wird)




Wie untersuchst Du die Tonwirkung besonders gut? (Du vergleichst zwei unterschiedliche Vertonungen desselben Bildes) (!Du hörst nur eine Version und beendest die Aufgabe sofort) (!Du blendest das Bild während des Hörens immer aus) (!Du bewertest nur die Lautstärke)




Welche Quelle eignet sich für selbst erzeugte Klänge? (Papier Stoff Stimme oder Tischplatte) (!Nur ein fertiger Popsong) (!Nur eine professionelle Studioaufnahme) (!Nur das Mikrofon ohne Geräuschquelle)




Was gehört zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Audio? (Lautstärke begrenzen und Rechte an Aufnahmen beachten) (!Kopfhörer immer maximal laut einstellen) (!Sprachaufnahmen anderer ohne Erlaubnis veröffentlichen) (!Lizenzangaben grundsätzlich ignorieren)





Memory

Foley selbst erzeugtes Nachvertonungsgeräusch
Dynamik Veränderung der Lautstärke
Tonspur zeitlich angeordnete Audioaufnahme
Klangfarbe hörbarer Charakter eines Klangs
Rhythmus geordnete Folge von Klangereignissen
Pause bewusst gesetzte Stille
Wellenform sichtbare Darstellung eines Audiosignals
Sounddesign kreative Gestaltung von Klängen und Geräuschen





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Wellenrauschen Umweltgeräusch
Papierknistern selbst erzeugter Klang
Trommelschlag Instrumentalklang
Flüstern Stimmklang
Einblenden digitale Bearbeitung
Stille Pause




...


Kreuzworträtsel

Vertonung Wie nennt man die Verbindung eines visuellen Mediums mit Musik Geräusch oder Stimme?
Foley Wie heißt die Kunst nachträglich passende Alltagsgeräusche zu erzeugen?
Dynamik Welcher Begriff bezeichnet die Veränderung von leise zu laut und zurück?
Klangfarbe Welcher Begriff beschreibt ob ein Klang etwa weich metallisch rau oder luftig wirkt?
Tonspur Wie heißt eine zeitlich angeordnete digitale Audioebene?
Audacity Wie heißt ein bekanntes freies Programm zum Aufnehmen und Bearbeiten von Audio?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Beim Bildervertonen verbindest Du ein visuelles Medium mit

.
Ein selbst erzeugtes Nachvertonungsgeräusch nennt man

.
Die sichtbare Darstellung einer digitalen Aufnahme heißt

.
Eine einzelne digitale Audioebene wird als

bezeichnet.
Die Veränderung von leise zu laut nennt man

.
Eine regelmäßige Folge von Klangereignissen kann einen

bilden.
Bewusst gesetzte Stille wird als

genutzt.
Ein Bild kann durch unterschiedliche Töne eine andere

erhalten.
Vor der Aufnahme hilft eine einfache

bei der Planung.
Bei einer Mischung werden die

mehrerer Spuren aufeinander abgestimmt.
Für Veröffentlichungen müssen auch

beachtet werden.
Beim Vergleich zweier Tonfassungen begründest Du Deine Wahrnehmung mit konkreten

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Klangsuche: Finde im Klassenraum fünf ungefährliche Gegenstände, die unterschiedlich klingen. Erzeuge mit jedem Gegenstand einen kurzen Klang und beschreibe ihn mit zwei Adjektiven.
  2. Bildwortschatz: Wähle eines der Kunstwerke im aiMOOC und notiere fünf Wörter zur Bildwirkung ohne Ton. Höre danach einen passenden Klang und ergänze oder ändere Deine Wörter.
  3. Foley-Minute: Erzeuge mit Papier drei verschiedene Geräusche. Entscheide, welches am besten zu Wind, Schritten oder Spannung passen könnte, und begründe Deine Wahl.
  4. Klangkarte: Zeichne zu einem Bild eine einfache Zeitlinie und markiere mit Symbolen, wann ein Klang beginnt, lauter wird, endet oder pausiert.


Standard

  1. Klanggestaltung: Produziere zu einem Bild eine 30 bis 45 Sekunden lange Vertonung aus mindestens vier Klangelementen und präsentiere sie der Klasse.
  2. Wirkungsvergleich: Erstelle zu demselben Bild zwei unterschiedliche Tonfassungen und befrage mindestens drei Personen zur Wirkung. Werte die Antworten aus.
  3. Geräuschinterview: Interviewe eine Person darüber, welche Alltagsgeräusche sie mit Ruhe, Gefahr, Freude oder Spannung verbindet. Vergleiche die Antworten mit Deinen eigenen Zuordnungen.
  4. Klangsafari: Nimm in der Schule oder im Freien fünf kurze Umweltgeräusche auf. Ordne sie einem selbst gewählten Bild zu und erkläre Deine Auswahl.


Schwer

  1. Bild-Ton-Kontrast: Gestalte eine Vertonung, die dem ersten Eindruck eines Bildes bewusst widerspricht. Erkläre, warum der Kontrast interessant oder irritierend wirkt.
  2. Mehrspurprojekt: Produziere eine 45 bis 60 Sekunden lange Klanggestaltung mit mindestens fünf Elementen auf mehreren Spuren. Nutze Einblenden, Ausblenden, Pausen und Schichtung gezielt.
  3. Klanginstallation: Entwickle für drei Bilder einer kleinen Ausstellung jeweils eine kurze Klangidee. Plane, wie Besucherinnen und Besucher Bild und Ton nacheinander erleben sollen.
  4. Erklärvideo: Erstelle ein kurzes Video oder eine Bildschirmaufnahme, in der Du Deine Klangpartitur, die wichtigsten Audiospuren und die beabsichtigte Bildwirkung erläuterst.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Wirkung begründen: Du hörst zwei Tonfassungen zu demselben Bild. Erkläre, welche Fassung das Bild bedrohlicher wirken lässt und belege Deine Entscheidung mit mindestens drei konkreten Klangmerkmalen.
  2. Übertragen: Ein Bild zeigt einen fast leeren, hellen Raum mit einer kleinen Figur. Entwickle zwei gegensätzliche Klangkonzepte und begründe, wie sie Nähe, Einsamkeit oder Spannung unterschiedlich beeinflussen könnten.
  3. Klangentscheidung: In einer Vertonung sind fünf Spuren gleichzeitig sehr laut. Entwickle einen Verbesserungsvorschlag, der die Bildwirkung klarer macht, und erkläre Deine Mischung.
  4. Kontrast analysieren: Ein fröhlich wirkendes Bild wird mit langsamem tiefem Brummen vertont. Beschreibe, welche neue Deutung entstehen kann und warum.
  5. Gestaltungsplan: Entwirf für ein unbekanntes Bild eine 30-sekündige Klangpartitur mit mindestens vier Abschnitten. Begründe für jeden Abschnitt die Verbindung zwischen Bildmerkmal und Klangentscheidung.
  6. Medienverantwortung: Eine Gruppe möchte einen bekannten Popsong und eine heimlich aufgenommene Stimme veröffentlichen. Erkläre die Probleme und entwickle eine rechtlich und sozial verantwortliche Alternative.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur ein fertiges Audio abgibst, sondern Deinen Gestaltungsprozess zeigen und erklären kannst.

  1. Bildanalyse: Du benennst wichtige Farben, Formen, Linien, Bewegungen, Räume und Stimmungen des gewählten Bildes.
  2. Gestaltungsabsicht: Du formulierst klar, welche Wirkung Deine Tonfassung erzeugen soll.
  3. Klangvielfalt: Du nutzt mehrere passende Klangquellen, darunter möglichst mindestens einen selbst erzeugten Klang.
  4. Klangpartitur: Du planst den zeitlichen Ablauf Deiner Vertonung nachvollziehbar.
  5. Technische Umsetzung: Deine Aufnahme ist verständlich strukturiert, sinnvoll geschnitten und in der Lautstärke ausgewogen.
  6. Wirkungsvergleich: Du vergleichst mindestens zwei unterschiedliche Möglichkeiten der Vertonung.
  7. Reflexion: Du begründest mit Fachbegriffen, wie Lautstärke, Tempo, Tonhöhe, Klangfarbe, Rhythmus, Pause oder Schichtung die Bildwirkung verändern.
  8. Verantwortung: Du beachtest Persönlichkeitsrechte, sichere Lautstärken und die Nutzungsrechte verwendeter Medien.




OERs zum Thema

Der Wikipedia-Artikel zur Vertonung erklärt den Begriff als Verbindung visueller Medien mit Musik, Geräuschen oder Stimme.

Ergänzend sind die Artikel Geräuschemacher, Tongestaltung, Filmmusik, Klangfarbe, Dynamik und Audiospur hilfreich.


Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte

MOOCwiki · Deutsch

Nach dem Lernen ist vor dem Lernen

Entdecke direkt den nächsten Lernkurs. Weitere Inhalte erscheinen, wenn Du weiter nach unten scrollst.

Zur MOOCwiki-Hauptseite
Inhalte werden geladen ...

Mediathek wird aus dem Wiki geladen ...