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BK5 - Über Kunst sprechen

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BK5 - Über Kunst sprechen




Einleitung

In diesem aiMOOC mit dem Titel BK5 - Über Kunst sprechen lernst Du, Kunstwerke aufmerksam zu betrachten und Deine eigenen Eindrücke so auszudrücken, dass andere verstehen können, was Du meinst. Dabei geht es nicht darum, eine einzige „richtige“ Meinung zu finden. Entscheidend ist, dass Du unterscheiden kannst: Was beobachte ich? Was wirkt auf mich? Wie bewerte ich das Werk – und warum?

Beim Sprechen über Kunst darfst Du neugierig, überrascht, begeistert, irritiert oder auch kritisch sein. Gleichzeitig übst Du, anderen Sichtweisen zuzuhören und darauf wertschätzend zu reagieren. Du lernst also nicht nur etwas über Kunst, Bildbetrachtung und Bildbeschreibung, sondern auch über Kommunikation, Aktives Zuhören und begründetes Urteilen.

Sieh das Bild zunächst zehn Sekunden lang schweigend an. Was fällt Dir zuerst auf? Vielleicht bemerkst Du etwas ganz anderes als die Person neben Dir. Genau diese unterschiedlichen Blicke sind der Ausgangspunkt für ein gutes Kunstgespräch.

Differenzierung G/M/E:

Niveau Das bedeutet in diesem aiMOOC Dein Ziel
G – grundlegendes Niveau Du nutzt einfache Satzstarter und nennst gut erkennbare Bildmerkmale. Du formulierst eine Beobachtung, eine Wirkung und eine begründete Bewertung.
M – mittleres Niveau Du beschreibst genauer, verwendest Fachwörter und greifst Aussagen anderer auf. Du erklärst Zusammenhänge zwischen Gestaltung und Wirkung.
E – erweitertes Niveau Du vergleichst mehrere Deutungen, unterscheidest sicher zwischen Beobachtung und Vermutung und reagierst differenziert auf andere Sichtweisen. Du begründest ein eigenes Urteil mit mehreren nachvollziehbaren Bildbelegen.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du:

  1. Beobachtung: Sichtbare Merkmale eines Kunstwerks beschreiben, ohne sofort zu bewerten.
  2. Wirkung: In Worte fassen, welche Stimmung, Gefühle oder Gedanken ein Werk bei Dir auslöst.
  3. Bewertung: Eine eigene Meinung zu einem Kunstwerk äußern und mit sichtbaren Merkmalen begründen.
  4. Aktives Zuhören: Eine fremde Sichtweise in eigenen Worten wiedergeben und gezielt nachfragen.
  5. Gesprächskultur: Zustimmen, widersprechen und ergänzen, ohne andere Meinungen abzuwerten.
  6. Bildbetrachtung: Farbe, Form, Linie, Licht, Raum, Anordnung, Figur und Bewegung als Belege für Deine Aussagen nutzen.


Die drei Schritte eines Kunstgesprächs


Beobachtung: Was sehe ich wirklich?

Eine Beobachtung bezieht sich auf etwas, das im Werk erkennbar ist. Sie lässt sich zeigen oder am Bild wiederfinden.

Beispiele:

Beobachtung Noch keine Beobachtung
„Im Vordergrund sehe ich eine große dunkle Form.“ „Das Bild ist unheimlich.“
„Die Linien verlaufen schräg nach rechts oben.“ „Der Künstler wollte Chaos zeigen.“
„Die Figur trägt ein blaues Tuch.“ „Die Figur ist bestimmt traurig.“

Der Unterschied ist wichtig: „unheimlich“ beschreibt bereits eine Wirkung. „Der Künstler wollte …“ ist eine Deutung oder Vermutung. Beides darf in einem Kunstgespräch vorkommen – aber erst dann, wenn Du kenntlich machst, um welche Art von Aussage es sich handelt.


Wirkung: Was macht das Werk mit mir?

Eine Wirkung beschreibt Deinen persönlichen Eindruck. Zwei Menschen dürfen dasselbe Werk ganz unterschiedlich erleben. Gute Wirkungsaussagen nennen möglichst einen Grund.

Statt nur „Das ist schön“ zu sagen, kannst Du genauer formulieren:

Einfach Genauer
„Das Bild wirkt ruhig.“ „Das Bild wirkt auf mich ruhig, weil die Farben weich sind und wenig Bewegung zu sehen ist.“
„Das Bild macht mich nervös.“ „Die vielen schrägen Linien wirken auf mich hektisch.“
„Die Figur wirkt freundlich.“ „Der Blick und die weichen Gesichtszüge wirken auf mich freundlich.“


Bewertung: Was denke ich darüber?

Bei einer Bewertung urteilst Du. Du darfst ein Werk mögen, langweilig finden, spannend finden oder ablehnen. Eine nachvollziehbare Bewertung enthält aber eine Begründung.

Ein gutes Muster lautet:

Ich finde …, weil … . Mein Beleg im Bild ist … .

Beispiel: „Ich finde das Bild spannend, weil mein Blick immer wieder zwischen der großen Welle und dem kleinen Berg wechselt. Mein Beleg ist der starke Größenunterschied zwischen Vordergrund und Hintergrund.“


Werkzeugkasten: Wörter für genaue Beobachtungen


Farbe, Form, Linie und Licht

Bereich Wörter, die Dir helfen Leitfrage
Farbe hell, dunkel, kräftig, blass, warm, kühl, bunt, einfarbig, kontrastreich Welche Farben fallen zuerst auf?
Form rund, eckig, spitz, weich, geometrisch, organisch, regelmäßig, unregelmäßig Welche Formen bestimmen das Bild?
Linie gerade, gebogen, schräg, waagerecht, senkrecht, dünn, dick, unterbrochen Wohin führen die Linien Deinen Blick?
Licht hell, schattig, leuchtend, gedämpft, stark beleuchtet, Gegenlicht Welche Bereiche sind besonders hell oder dunkel?


Raum, Anordnung, Figur und Bewegung

Bereich Wörter, die Dir helfen Leitfrage
Raum Vordergrund, Mittelgrund, Hintergrund, nah, fern, tief, flach Was ist vorne, was hinten?
Anordnung Mitte, Rand, oben, unten, links, rechts, dicht, verteilt, symmetrisch Wo befinden sich wichtige Bildelemente?
Figur Haltung, Blick, Mimik, Gestik, Kleidung, Größe, Richtung Wie ist eine Person dargestellt?
Bewegung ruhig, schnell, wirbelnd, fallend, steigend, fließend, starr Welche Formen oder Linien lassen Bewegung entstehen?


Satzstarter für G/M/E


G – sicher ins Gespräch kommen

Aufgabe Satzstarter
Beobachten „Ich sehe …“ / „Mir fällt auf, dass …“ / „Im Vordergrund ist …“
Wirkung „Auf mich wirkt das Bild …“ / „Ich fühle mich dabei …“
Begründen „Das denke ich, weil …“
Zustimmen „Ich sehe das ähnlich, weil …“
Anders sehen „Ich sehe es etwas anders. Für mich …“


genauer begründen

Aufgabe Satzstarter
Bildbeleg nennen „Das erkenne ich besonders an …“
Zusammenhang erklären „Durch die Farben/Linien/Formen entsteht für mich …“
Andere Sicht aufgreifen „Du hast gesagt, dass … Ich möchte ergänzen, dass …“
Nachfragen „Woran im Bild erkennst Du das?“
Vergleichen „Im Gegensatz zu … wirkt … auf mich …“


E – Perspektiven vergleichen

Aufgabe Satzstarter
Vermutung kennzeichnen „Ich vermute, dass …, weil …“
Mehrdeutigkeit ausdrücken „Man könnte das so deuten, aber auch …“
Belege abwägen „Für diese Deutung spricht …; dagegen könnte sprechen …“
Perspektive würdigen „Deine Sicht macht mich auf … aufmerksam, das hatte ich vorher nicht beachtet.“
Urteil differenzieren „Insgesamt überzeugt mich …, obwohl …“


Wertschätzend zuhören und widersprechen

Wertschätzend zu sprechen bedeutet nicht, immer zuzustimmen. Du darfst eine andere Meinung haben. Entscheidend ist, wie Du darauf reagierst.

Ungünstig Wertschätzender
„Das stimmt nicht.“ „Ich sehe das anders, weil …“
„Das Bild ist doch eindeutig traurig.“ „Für mich wirkt es traurig. Welches Detail lässt es auf Dich anders wirken?“
„Deine Meinung ist komisch.“ „Das überrascht mich. Kannst Du zeigen, woran Du das festmachst?“
„Nein, das ist hässlich.“ „Mir gefällt es nicht so gut, weil …“

Eine hilfreiche Reihenfolge lautet: Zuhören – Wiedergeben – Nachfragen – eigene Sicht ergänzen.

Beispiel: „Wenn ich Dich richtig verstehe, wirkt die Welle auf Dich eher schön als gefährlich. Woran erkennst Du das? Auf mich wirkt sie wegen der spitzen Schaumkronen bedrohlich.“


Hörlabor: Stimme und Audioaussagen

Beim Sprechen über Kunst zählt nicht nur was Du sagst, sondern auch wie Du sprichst: verständlich, ruhig, deutlich und so, dass andere Dir folgen können.

Höre zunächst drei kurze Sprachbeispiele zu wichtigen Wörtern:

Sprich danach die folgenden Audioaussagen selbst ein, zum Beispiel mit einem Aufnahmegerät oder einer Aufnahmefunktion auf einem schulischen Endgerät. Höre Deine Aufnahme anschließend an.

Niveau Audioaussage Hör-Auftrag
G „Ich sehe eine große dunkle Form. Auf mich wirkt sie schwer.“ Sind beide Sätze deutlich voneinander zu unterscheiden?
M „Die dunkle Form wirkt auf mich schwer, weil sie fast den ganzen Vordergrund einnimmt.“ Ist die Begründung gut hörbar und verständlich?
E „Zuerst wirkt die dunkle Form auf mich bedrohlich. Durch den hellen Rand kann man sie aber auch als schützend deuten.“ Hörst Du, dass zwei mögliche Sichtweisen unterschieden werden?

Partner-Feedback zur Aufnahme: Nenne zuerst etwas, das gut verständlich war. Stelle dann eine Rückfrage zu einer Stelle, die noch genauer begründet werden könnte.


Hör-Seh-Beispiel: Kunst beschreiben

Das folgende kurze Wikimedia-Commons-Video enthält deutschsprachige Erläuterungen zu früher Kunst. Achte nicht nur auf den Inhalt, sondern auf die Sprache: Welche Aussagen beschreiben etwas Sichtbares? Welche Aussagen geben Zusatzwissen?

Datei:Kunst in der Steinzeit.webm

G: Finde eine Aussage, die etwas beschreibt. M: Unterscheide Beschreibung und Zusatzwissen. E: Formuliere aus einer Sachinformation eine eigene, klar gekennzeichnete Wirkungsaussage, ohne so zu tun, als sei Deine Wirkung eine Tatsache.


Interaktive Bilddialoge


Bilddialog 1: Ein Gesicht – viele Eindrücke

Betrachte Leonardo da Vincis Mona Lisa zunächst ohne Zusatzinformationen.

Dialog-Regel: Person A spricht maximal 20 Sekunden. Person B unterbricht nicht. Danach fasst Person B mit „Wenn ich Dich richtig verstanden habe …“ zusammen. Erst dann ergänzt Person B die eigene Sicht.

Niveau Person A Person B
G Nenne zwei sichtbare Details und eine Wirkung. Wiederhole ein Detail und frage: „Woran erkennst Du Deine Wirkung?“
M Erkläre, wie Blick, Haltung, Farben oder Hintergrund auf Dich wirken. Fasse die Aussage zusammen und ergänze einen anderen Bildbeleg.
E Formuliere zwei mögliche Deutungen des Gesichtsausdrucks. Prüfe, welche Beobachtungen für beide Deutungen sprechen.

Perspektivwechsel: Tauscht anschließend die Rollen und versucht bewusst, eine andere Sichtweise als beim ersten Durchgang zu formulieren.


Bilddialog 2: Bewegung, Größe und Gefahr

Hokusais Große Welle vor Kanagawa eignet sich besonders, um über Bewegung und Größenverhältnisse zu sprechen.

Interaktive Gesprächskarte:

Karte Auftrag
Beobachten Zeige mit Worten, wo die größte Form liegt und wo Du kleine Formen entdeckst.
Wirken Entscheide: eher faszinierend, gefährlich, ruhig oder kraftvoll? Begründe.
Zuhören Wiederhole die Wirkung Deines Gegenübers, ohne sie zu bewerten.
Weiterdenken Nenne ein Detail, das beide Sichtweisen gleichzeitig erklären könnte.

G: Nutze mindestens einen Satzstarter. M: Begründe mit Größe, Linie oder Farbe. E: Erkläre, wie dasselbe Bilddetail gleichzeitig schön und bedrohlich wirken kann.


Bilddialog 3: Gefühle sind nicht dasselbe wie Beobachtungen

Edvard Munchs Der Schrei zeigt eine stark vereinfachte Figur in einer Landschaft. Viele Menschen reagieren emotional auf dieses Werk. Gerade deshalb kannst Du hier gut üben, Beobachtung und Wirkung zu trennen.

Stopp-Spiel: Eine Person spricht. Die andere hebt die Hand, sobald sie meint, dass aus einer Beobachtung eine Wirkung oder Deutung wird. Dann wird gemeinsam geprüft.

Beispiel: „Die Figur hält die Hände an den Kopf“ = Beobachtung. „Die Figur hat große Angst“ = Deutung oder Wirkungsaussage, je nach Formulierung.

G: Formuliere je einen Beobachtungs- und Wirkungssatz. M: Begründe die Wirkung mit Linien, Farben oder Körperhaltung. E: Formuliere eine alternative Deutung, die denselben Bildbeleg anders nutzt.


Bilddialog 4: Abstrakte Kunst – was darf man sagen?

Wassily Kandinskys Komposition 8 zeigt keine alltägliche Szene wie ein Porträt oder eine Landschaft. Trotzdem kannst Du sehr genau darüber sprechen.

Dialog ohne Gegenstände: Vermeide zunächst Sätze wie „Das ist eine Sonne“ oder „Das ist ein Haus“. Beschreibe nur Form, Farbe, Linie, Größe, Richtung und Anordnung.

Niveau Auftrag
G Nenne drei Formen oder Farben und beschreibe ihre Lage.
M Erkläre, welche Linien Deinen Blick lenken und welche Wirkung entsteht.
E Vergleiche zwei mögliche Lesarten der Komposition und begründe beide mit Bildbelegen.

Danach dürft Ihr wieder frei assoziieren. Kennzeichnet aber Vermutungen mit „Es erinnert mich an …“ oder „Ich könnte mir vorstellen …“.


Bilddialog 5: Nacht, Licht und Stimmung

Vincent van Goghs Sternennacht bietet viele Möglichkeiten, zwischen Sichtbarem und Empfundenem zu unterscheiden.

Echo-Dialog:

  1. Person A: „Ich sehe …“
  2. Person B: „Du siehst …“
  3. Person A: „Auf mich wirkt das …“
  4. Person B: „Auf Dich wirkt das …, weil …?“
  5. Person A: nennt einen Bildbeleg.
  6. Person B: ergänzt eine eigene Wirkung.

G: Nutzt die Satzfolge genau so. M: Verwendet mindestens zwei Fachwörter aus dem Werkzeugkasten. E: Prüft, ob dieselbe Gestaltung sowohl ruhig als auch bewegt wirken kann.


Bilddialog 6: Haltung und Beziehung

Bei Grant Woods American Gothic kannst Du besonders auf Haltung, Blick, Abstand, Kleidung und Gegenstände achten.

Fragen für den Dialog:

G M E
Welche Personen und Gegenstände siehst Du? Wie beeinflussen Haltung, Blick und Abstand Deine Wahrnehmung der Beziehung? Welche verschiedenen Geschichten könnte man aus denselben sichtbaren Merkmalen ableiten, ohne eine davon vorschnell als Tatsache auszugeben?


Videogespräche und Kunstvermittlung


Videodialog 1: Mona Lisa – gemeinsam reagieren

Das Musée du Louvre nutzt in der Reihe „One Minute in a Museum“ Figuren, die auf Kunstwerke reagieren und miteinander sprechen. Schau darauf, wie unterschiedliche Aussagen nebeneinanderstehen.

G: Notiere eine Beobachtung aus dem Video. M: Notiere eine Stelle, an der eine Figur auf eine andere Sicht reagiert. E: Prüfe, ob im Gespräch Beobachtung, Wissen und Bewertung klar voneinander getrennt werden.


Videodialog 2: Was heißt hier schön?

In diesem Gespräch des Martin von Wagner Museums wird über Schönheit in Kunst gesprochen. Für Klasse 5 musst Du nicht alles verstehen. Nutze einen kurzen Ausschnitt und achte darauf, dass auch Erwachsene Kunst unterschiedlich beurteilen und ihre Ansichten begründen.

G: Höre zwei Minuten und notiere ein Wort, das Du mit „Bewertung“ verbindest. M: Finde eine begründete Meinung. E: Untersuche, wie ein Sprecher oder eine Sprecherin auf eine andere Perspektive eingeht.


Videodialog 3: Hokusai und die Große Welle

Ein Museumsfilm des British Museum eröffnet zusätzliche Informationen zu Hokusai und seinem Werk. Vergleiche die Fachinformationen mit Deinem eigenen ersten Eindruck.

G: Welche sichtbare Stelle im Bild erkennst Du im Video wieder? M: Welche neue Information verändert Deinen Blick auf das Werk? E: Erkläre, warum Zusatzwissen eine persönliche Wirkung verändern kann, aber nicht automatisch eine persönliche Bewertung ersetzt.


Videodialog 4: Die Große Welle genauer ansehen

Ein weiteres Video von „The Art Assignment“ erklärt, warum Hokusais Große Welle so bekannt geworden ist.

G: Wähle eine Bildstelle und beschreibe sie. M: Verbinde eine Information aus dem Video mit einem sichtbaren Detail. E: Formuliere danach eine neue Bewertung und erkläre, was sich gegenüber Deinem ersten Eindruck verändert hat.


Eine Meinung ist frei – eine Begründung muss nachvollziehbar sein

Bei Kunst gibt es oft mehrere mögliche Sichtweisen. Das bedeutet aber nicht, dass jede Aussage gleich gut begründet ist.

Vergleiche:

Aussage Einschätzung
„Ich mag das Bild nicht.“ Eine erlaubte Meinung, aber noch ohne Begründung.
„Ich mag das Bild nicht, weil es langweilig ist.“ Eine Begründung beginnt, bleibt aber ungenau.
„Ich mag das Bild nicht so gern, weil sich für mich viele Formen wiederholen und mein Blick keinen klaren Schwerpunkt findet.“ Eine nachvollziehbare Bewertung mit Bezug zur Gestaltung.
„Der Künstler wollte uns absichtlich langweilen.“ Eine Behauptung über die Absicht des Künstlers. Dafür bräuchtest Du zusätzliche Belege.

Merksatz: Du darfst fühlen und urteilen, wie Du möchtest. Wenn Du andere überzeugen oder verständlich machen willst, warum Du so denkst, brauchst Du passende Bildbelege.


Gesprächsregeln für die Klasse

Regel So klingt sie
Ausreden lassen „Ich warte, bis Du fertig bist.“
Aufgreifen „Du hast gesagt, dass …“
Nachfragen „Woran im Bild erkennst Du das?“
Ich-Botschaften „Auf mich wirkt …“ statt „Das ist eindeutig …“
Belegen „Ich denke das, weil ich dort … sehe.“
Respektvoll widersprechen „Ich sehe es anders, weil …“
Meinung verändern dürfen „Nach Deinem Hinweis sehe ich das jetzt anders.“


Gesprächsmethoden für den Unterricht


30-Sekunden-Kunstblick

Sieh ein Werk 30 Sekunden lang schweigend an. Danach darf jede Person genau eine Beobachtung sagen. Erst in der zweiten Runde folgen Wirkungen. In der dritten Runde dürfen Bewertungen geäußert werden. So wird die Trennung der drei Schritte hörbar.


Kunst-Pingpong

Person A äußert eine Beobachtung. Person B ergänzt eine Wirkung. Person A fragt nach einem Grund. Person B nennt einen Bildbeleg. Danach werden die Rollen getauscht.


Drei Blickwinkel

Drei Lernende erhalten Rollen:

Rolle Aufgabe
Beobachter:in Nur Sichtbares nennen.
Wirkungsforscher:in Beschreiben, welche Stimmung entsteht und wodurch.
Kritiker:in Ein Urteil formulieren und begründen.

Eine vierte Person ist Zuhör-Profi und fasst am Ende zusammen, worin sich die Sichtweisen unterscheiden.


Meinungsbarometer ohne Sieger

Im Raum werden zwei Seiten festgelegt, zum Beispiel „wirkt eher ruhig“ und „wirkt eher bewegt“. Du stellst Dich an eine passende Stelle dazwischen. Danach begründest Du Deinen Standort. Ziel ist nicht, andere auf Deine Seite zu ziehen, sondern die Begründungen zu verstehen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Aussage ist eine reine Beobachtung? (Im Vordergrund steht eine kleine Figur.) (!Das Bild wirkt traurig.) (!Ich finde das Bild spannend.) (!Der Künstler wollte Angst zeigen.)




Welche Formulierung kennzeichnet eine persönliche Wirkung besonders gut? (Auf mich wirkt das Bild unruhig.) (!Das Bild ist eindeutig unruhig.) (!Jeder findet das Bild unruhig.) (!Der Künstler beweist, dass alles unruhig ist.)




Was macht eine Bewertung nachvollziehbarer? (Ein konkreter Bildbeleg.) (!Eine besonders laute Stimme.) (!Die Zustimmung der ganzen Klasse.) (!Ein möglichst kurzes Urteil.)




Welche Reaktion zeigt aktives Zuhören? (Wenn ich Dich richtig verstehe, wirkt die Farbe auf Dich kühl.) (!Nein, das stimmt nicht.) (!Meine Meinung ist wichtiger.) (!Darüber muss man nicht sprechen.)




Welche Frage hilft beim Begründen? (Woran im Bild erkennst Du das?) (!Wer hat zuerst gesprochen?) (!Welche Note möchtest Du?) (!Wie schnell kannst Du antworten?)




Welche Aussage ist eine wertschätzende Meinungsverschiedenheit? (Ich sehe es anders, weil die Linien auf mich sehr bewegt wirken.) (!Deine Meinung ist falsch.) (!Du hast das Bild nicht verstanden.) (!Das ist doch offensichtlich.)




Welcher Begriff gehört besonders zur Bildbeobachtung? (Vordergrund) (!Lieblingsbild) (!Sympathisch) (!Langweilig)




Was ist eine Deutung? (Eine mögliche Erklärung dafür, was etwas bedeuten könnte.) (!Eine genaue Angabe zur Position eines Gegenstands.) (!Das bloße Nennen einer Farbe.) (!Das Ablesen des Bildtitels.)




Was ist beim Sprechen über abstrakte Kunst besonders hilfreich? (Formen, Farben, Linien und Anordnung genau beschreiben.) (!Sofort einen Gegenstand erraten.) (!Nur sagen, ob das Bild schön ist.) (!Andere Deutungen ausschließen.)




Wann ist ein Kunstgespräch besonders gelungen? (Wenn unterschiedliche Sichtweisen verständlich begründet und respektvoll angehört werden.) (!Wenn am Ende alle dieselbe Meinung haben.) (!Wenn nur Fachwörter benutzt werden.) (!Wenn niemand seine Meinung verändert.)





Memory

Beobachtung Sichtbares beschreiben
Wirkung persönlicher Eindruck
Bewertung begründetes Urteil
Bildbeleg sichtbarer Hinweis
Satzstarter sprachliche Hilfe
Perspektive Blickweise einer Person
Paraphrase Gedanken in eigenen Worten wiedergeben
Kontrast deutlicher Unterschied





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Beobachtung Ich sehe im Vordergrund eine dunkle Figur.
Wirkung Auf mich wirkt das Bild angespannt.
Bewertung Ich finde die Gestaltung überzeugend.
Begründung Das denke ich, weil die schrägen Linien viel Bewegung erzeugen.
Zuhören Wenn ich Dich richtig verstehe, wirkt das Bild auf Dich ruhig.






Kreuzworträtsel

Beobachtung Wie heißt eine Aussage über etwas, das im Bild sichtbar ist?
Wirkung Wie heißt der persönliche Eindruck, den ein Kunstwerk bei Dir auslöst?
Begruendung Wie heißt die Erklärung dafür, warum Du etwas so beurteilst?
Perspektive Wie nennt man die besondere Blickweise einer Person?
Kontrast Wie heißt ein starker Unterschied zwischen Bildelementen?
Zuhoeren Welche Gesprächsfähigkeit brauchst Du, um andere Sichtweisen wirklich aufzunehmen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Wenn Du nur sagst, was im Bild sichtbar ist, formulierst Du eine

. Eine persönliche Stimmung oder Empfindung beschreibst Du als

. Ein begründetes persönliches Urteil ist eine

. Eine gute Meinung wird verständlicher, wenn Du einen konkreten

nennst. Mit der Formulierung „Auf mich wirkt …“ machst Du deutlich, dass es um Deine eigene

geht. Wenn Du eine fremde Aussage in eigenen Worten wiedergibst, zeigst Du aktives

. Mit der Frage „Woran im Bild erkennst Du das?“ forderst Du eine

ein. Bei einer Vermutung solltest Du sprachlich zeigen, dass Deine Aussage keine sichere

ist. Auch bei unterschiedlicher Meinung bleibt ein Kunstgespräch

, wenn niemand abgewertet wird.




Offene Aufgaben


Leicht – G

  1. Kunstblick: Wähle eines der Bilder aus diesem aiMOOC. Notiere drei Beobachtungen, eine Wirkung und eine Bewertung mit „weil“.
  2. Satzstarter-Karte: Gestalte eine kleine Karte mit fünf Satzstartern, die Dir beim Kunstgespräch helfen. Nutze die Karte anschließend in einem Partnergespräch.
  3. Audioaussage: Nimm eine 30-sekündige Aussage zu einem Kunstwerk auf. Sie soll die Wörter „ich sehe“, „wirkt auf mich“ und „weil“ enthalten.
  4. Zuhör-Protokoll: Höre einer anderen Person eine Minute lang zu und schreibe anschließend einen Satz auf, der ihre Sicht möglichst fair wiedergibt.


Standard – M

  1. Bilddialog: Führe zu zweit ein zweiminütiges Kunstgespräch. Jede Person muss mindestens einmal nachfragen und mindestens einen Bildbeleg nennen.
  2. Perspektivwechsel: Beschreibe zuerst Deine eigene Wirkung. Formuliere danach eine andere mögliche Wirkung und finde auch dafür einen passenden Bildbeleg.
  3. Mini-Audioguide: Produziere einen Audiobeitrag von etwa einer Minute zu einem Kunstwerk. Trenne hörbar zwischen Beobachtung, Wirkung, Zusatzwissen und Bewertung.
  4. Kunstvergleich: Vergleiche zwei Werke aus diesem aiMOOC. Erkläre, welches stärker auf Dich wirkt und beziehe Dich auf mindestens zwei Gestaltungsmittel.


Schwer – E

  1. Mehrdeutigkeit: Wähle ein Werk, zu dem zwei sehr unterschiedliche Deutungen möglich sind. Begründe beide, ohne eine vorschnell zur einzig richtigen Erklärung zu erklären.
  2. Gesprächsmoderation: Modriere ein vierminütiges Gruppengespräch. Sorge dafür, dass mindestens drei verschiedene Sichtweisen gehört, paraphrasiert und mit Bildbelegen verbunden werden.
  3. Videoreflexion: Sieh einen Ausschnitt aus einem der Museumsvideos. Untersuche, wie dort Meinung, Fachwissen und Beobachtung miteinander verbunden werden.
  4. Digitale Ausstellung: Stelle drei frei nutzbare Kunstwerke zusammen und entwickle zu jedem Werk eine Hörfrage, einen Satzstarter und eine Aufgabe zum Perspektivwechsel.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transferbild G: Du bekommst ein Kunstwerk, das im aiMOOC nicht vorkommt. Formuliere zwei Beobachtungen, eine Wirkung und eine begründete Bewertung. Markiere deutlich, welcher Satz zu welchem Schritt gehört.
  2. Zuhören M: Zwei Personen äußern verschiedene Sichtweisen zu demselben Bild. Gib beide fair wieder und formuliere eine Rückfrage, die beiden helfen könnte, genauer zu begründen.
  3. Begründung M: Ersetze die Aussage „Das Bild ist langweilig“ durch eine differenzierte Bewertung mit mindestens zwei sichtbaren Bildbelegen.
  4. Mehrdeutigkeit E: Entwickle zwei unterschiedliche, aber jeweils plausible Wirkungsdeutungen zu demselben Bilddetail. Erkläre, warum beide möglich sein können.
  5. Gesprächsanalyse E: Untersuche einen kurzen Kunstdialog darauf, ob Beobachtung, Wirkung, Deutung und Bewertung auseinandergehalten werden. Verbessere zwei unklare Aussagen.
  6. Perspektivwechsel: Erkläre an einem selbst gewählten Werk, ob und wie sich Deine erste Meinung verändert hat, nachdem Du eine andere Sichtweise gehört oder Zusatzwissen erhalten hast.


Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu BK5 - Über Kunst sprechen ist wichtig, dass Du nicht nur Fachbegriffe kennst, sondern sie im Gespräch anwenden kannst.

Kompetenz Das solltest Du zeigen können
Beobachten Du nennst konkrete, sichtbare Merkmale und kannst sie im Bild verorten.
Wirkung ausdrücken Du formulierst persönliche Eindrücke als persönliche Sicht und nicht als allgemeingültige Tatsache.
Begründen Du verbindest Deine Aussagen mit nachvollziehbaren Bildbelegen.
Bewerten Du äußerst ein eigenes Urteil differenziert und respektvoll.
Zuhören Du kannst eine fremde Sichtweise in eigenen Worten korrekt wiedergeben.
Nachfragen Du stellst Fragen, die zur genaueren Beobachtung oder Begründung führen.
Perspektiven vergleichen Du erkennst, dass mehrere begründete Sichtweisen nebeneinander bestehen können.
G/M/E Auf G-Niveau arbeitest Du mit klaren Satzmustern; auf M-Niveau verknüpfst Du Gestaltung und Wirkung; auf E-Niveau vergleichst und prüfst Du mehrere Deutungen.

Ein möglicher Lernnachweis besteht aus einem zweiminütigen Partner-Kunstgespräch, einer kurzen eigenen Audioaussage und einer schriftlichen Reflexion darüber, welche fremde Sichtweise Deinen Blick erweitert hat.




OERs zum Thema

Der Wikipedia-Artikel zur Bildbetrachtung bietet weiterführende Informationen zur Beschreibung und Betrachtung von Bildern.



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