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Auskehr - Ringelnatz, Joachim - Gedichtanalyse

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Auskehr - Ringelnatz, Joachim - Gedichtanalyse

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Einleitung

Auskehr - Ringelnatz, Joachim - Gedichtanalyse ist ein Lernkurs für Klasse 7–8.

Kurz erklärt: Im Gedicht wollen alte, schäbige Besen scheinbar sauber machen. Die sprechende Gruppe misstraut ihnen und fordert Freiheit. Du erforschst, warum das mehr als eine Geschichte über Besen ist.

Joachim Ringelnatz, Foto von Hugo Erfurth, um 1930. Gemeinfrei. Commons-Datei.


Das lernst Du

  1. Du kannst die 19 Verse verstehen und mit Versangaben belegen.
  2. Du erkennst Personifikation, Metapher und Wiederholung.
  3. Du unterscheidest die Sprechergruppe „wir“ vom Autor Joachim Ringelnatz.
  4. Du formulierst eine eigene Gedichtinterpretation, ohne Vermutungen als Fakten auszugeben.


Text und Quelle


Quellfassung: die historische Ausgabe

Buchumschlag von „Allerdings“ (1928), Gestaltung: Rudolf Großmann. Gemeinfrei. Commons-Datei.

Das Gedicht steht in Joachim Ringelnatz: Allerdings. Gedichte, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin 1928, S. 118. Die Vorbemerkung nennt das „Schmutz- und Schundgesetz November 1926“. Das ist eine Angabe im Gedicht, nicht das Datum, an dem das Gesetz erlassen wurde.

Quellfassung als Scan von Seite 118 (1928), gemeinfrei. Commons-Datei.

Textnachweise: Zeno.org – Auskehr und Wikisource – originalgetreu korrigierte Abschrift. Lies beim Vergleichen auch die Schreibweise „eigner“, „euern“ und das ungewöhnliche Wort „Mummgedachte“.


Lesefassung: 19 Verse

Hinweis: Dies ist keine Übersetzung. Wortlaut, Schreibweise und Satzzeichen folgen der Ausgabe von 1928. Nur Versnummern und gut sichtbare Strophenabstände wurden als Lesehilfe ergänzt.

(Zum Schmutz- und Schundgesetz November 1926)

1 Schundige, verbrauchte Besen wollen,
2 Nur aus schmutzig-dunklem Hintergrund:
3 Mummgedachte dummgemachte Menschen sollen
4 Ihnen helfen gegen Schmutz und Schund.

5 Wollen also scheinbar Straßen reinigen,
6 Nicht vor eigner Türe, nein! O nein!
7 Herrschen wollen sie und peinigen.
8 Denn man sah in ihren Stiel hinein.

9 Und da fand man in den Stielen Knuten
10 Aus der mittelalterlichsten Zeit.
11 Und wir andern müssen uns nun sputen,
12 Denn die Besen stehen kampfbereit.

13 Sagen wir nur: Nein!
14 In die Ecke, Besen, Besen!
15 In dem Dreck, wo ihr gewesen
16 Seid, macht euern Dreck allein!
17 Nicht verhandeln.
18 Denn wir wollen rein,
19 Auch durch Schmutz und Schund, in Freiheit wandeln.

Zitierweise: „Herrschen wollen sie und peinigen“ (V. 7). „V.“ bedeutet Vers. Die Randzahlen 5, 10 und 15 im Originalscan sind Verszählungen, keine zusätzlichen Textzeilen.


Das Gedicht verstehen


Was geschieht?

  1. V. 1–4: Die Besen suchen Helfer gegen „Schmutz und Schund“.
  2. V. 5–8: Ihr Saubermachen ist nur „scheinbar“. Die Stimme wirft ihnen Machtwillen vor.
  3. V. 9–12: In den Stielen stecken „Knuten“. Die Besen erscheinen bedrohlich.
  4. V. 13–19: Eine Gruppe sagt „Nein!“ und will frei bleiben.

Ein echter Besen. Foto: Bob Jagendorf, CC BY 2.0. Commons-Datei.

Animation einer Kehrbewegung: Dāvis Kristaps Aigars, CC BY 4.0. Commons-Datei.

Denkfrage: Was tut ein echter Besen? Was wollen die Besen im Gedicht? In V. 7 steht ein wichtiger Unterschied.


Wörter und Bilder

Schund ist hier ein abwertendes Wort für angeblich schlechte oder schädliche Schriften. Knute bedeutet Peitsche. „Vor eigner Türe“ erinnert an die Redewendung, zuerst die eigenen Fehler zu beachten.

Die Besen wollen und herrschen (V. 1 und 7). Das ist eine Personifikation: Dinge handeln wie Menschen. Als Metapher können die Besen für Menschen stehen, die anderen strenge Regeln aufzwingen wollen. Das ist eine Deutung, keine wörtliche Tatsache.

Der Ruf „Nein!“ (V. 13) ist kurz. Die Wiederholung von „Besen“ (V. 14) klingt eindringlich. Die ersten drei Strophen nutzen überwiegend Kreuzreime: „wollen“ reimt sich auf „sollen“ (V. 1 und 3).

Wer spricht? In V. 11 steht „wir andern“. Das ist eine lyrische Sprechergruppe, kein nachgewiesener Bericht über die privaten Worte von Joachim Ringelnatz.


Geschichte: Jugendschutz und Freiheit

In der Weimarer Republik gab es Streit über Bücher, die Jugendliche lesen durften. Das Gesetz sollte Jugendliche schützen, begrenzte aber auch den Verkauf und die Werbung für bestimmte Schriften. Kritiker befürchteten Eingriffe in die Freiheit.

Achtung bei Daten: Die Vorbemerkung des Gedichts nennt November 1926. Das Gesetz wurde am 18. Dezember 1926 erlassen und trat am 7. Januar 1927 in Kraft. Geschichtlicher Nachweis.

Karikatur zur damaligen Debatte von Thomas Theodor Heine (1926); Datei laut Commons CC BY-SA 4.0. Commons-Datei.

Bildauftrag: Finde in der Karikatur eine Kritik. Vergleiche sie mit „scheinbar Straßen reinigen“ (V. 5). Begründe, was Du siehst und was Du nur vermutest.


Eine Spur zu Goethe

„In die Ecke, Besen, Besen!“ (V. 14) erinnert deutlich an Der Zauberlehrling von Johann Wolfgang von Goethe. Dort gerät ein magischer Besen außer Kontrolle. Das ist eine mögliche literarische Anspielung.

Luise Duttenhofer: Illustration zu „Der Zauberlehrling“ (vor 1830), gemeinfrei. Commons-Datei.

Audio von Wikimedia Commons: – Goethes „Der Zauberlehrling“, gelesen von Mallemuh, CC BY-SA 3.0. Dateiseite.

YouTube: „Der Zauberlehrling“, Junge Dichter und Denker. Achte auf den Ruf an die Besen.


Ringelnatz hören: ein anderes Gedicht

Wichtig: Die folgenden Aufnahmen sind nicht „Auskehr“. Sie dienen zum Vergleich von Ton und Vortrag.

Audio von Wikimedia Commons: – „Schenken“ von Ringelnatz, gesprochen von Juliane Flade, CC BY-SA 4.0. Dateiseite.

YouTube: „Ich habe dich so lieb“, Ringelnatz-Gedicht, gelesen und verfilmt von Frank Suchland.

Hörauftrag: Welche Stimmung hörst Du? Wie müsste „Nein!“ (V. 13) im Gegensatz dazu klingen? YouTube-Aufnahmen sind hier nur eingebettet/verlinkt; ihre Rechte bleiben bei den Rechteinhabern.


Hilfe in drei Stufen

  1. Start: Unterstreiche „scheinbar“ (V. 5), „Knuten“ (V. 9) und „Freiheit“ (V. 19).
  2. Weiter: Nutze den Satzanfang: „In Vers … steht … . Das zeigt … .“
  3. Profi: Trenne Textbeobachtung und Deutung. Beispiel: Die Besen wollen „herrschen“ (V. 7). Vielleicht kritisiert das Gedicht Machtmissbrauch. Das Wort „Mummgedachte“ (V. 3) könnte außerdem auf den damaligen Politiker Reinhard Mumm anspielen; dies bleibt eine Deutungsmöglichkeit.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Lesequiz mit Belegen: Lies vor jeder Antwort die angegebenen Verse. Jede Aufgabe hat genau eine richtige Antwort.

Was wird in V. 1 als „schundig“ bezeichnet? (Besen) (!Bücher) (!Häuser) (!Schuhe)




Wem sollen die Menschen laut V. 3–4 helfen? (Den Besen) (!Den Tieren) (!Den Kindern) (!Den Dichtern)




Welches Wort aus V. 5 stellt das Reinigen infrage? (scheinbar) (!Straßen) (!also) (!reinigen)




Was wollen die Besen laut V. 7 wirklich? (Herrschen und peinigen) (!Singen und tanzen) (!Schlafen und träumen) (!Lesen und schreiben)




Was findet man in V. 9 in den Besenstielen? (Knuten) (!Briefe) (!Blumen) (!Bücher)




Wie wirken die Besen in V. 12? (kampfbereit) (!friedlich) (!müde) (!ängstlich)




Was soll die Sprechergruppe laut V. 13 sagen? (Nein) (!Vielleicht) (!Danke) (!Willkommen)




Wessen Stimme ist mit „wir andern“ in V. 11 gemeint? (Eine Gruppe im Gedicht) (!Ein Verlag) (!Der Besenhersteller) (!Ein einzelner Erzähler außerhalb des Textes)




Welcher Wert wird in V. 19 ausdrücklich genannt? (Freiheit) (!Reichtum) (!Ruhm) (!Gehorsam)




Welchen historischen Streit nennt die Vorbemerkung vor V. 1? (Das Schmutz- und Schundgesetz) (!Die Einführung des Euro) (!Die deutsche Wiedervereinigung) (!Die Abschaffung der Schulpflicht)





Memory

Besen Bild für mögliche Machthaber
Knute Peitsche
Personifikation Gegenstände handeln wie Menschen
Vers einzelne Gedichtzeile
Sprechergruppe gemeinsames Wir im Text
Metapher bildlicher Ausdruck





Drag and Drop

Ordne den Begriff zu. Textstelle aus dem Gedicht
Anschein scheinbar Straßen reinigen
Herrschaft Herrschen wollen sie und peinigen
Gewalt in den Stielen Knuten
Widerspruch Sagen wir nur Nein
Freiheit in Freiheit wandeln





Kreuzworträtsel

Besen Was wird in Vers eins als verbraucht beschrieben?
Knuten Was steckt laut Gedicht in den Stielen?
Freiheit Welcher Wert steht am Schluss im Mittelpunkt?
Reinigen Was wollen die Besen angeblich mit Straßen tun?
Herrschen Was wollen die Besen laut Gedicht außer peinigen?
Ringelnatz Wie lautet der Nachname des Autors?





LearningApps

Hier findest Du Suchergebnisse für mögliche weitere Lernspiele. Sie gehören nicht zur geprüften Quellfassung.


Lückentext

Vervollständige jeden Satz mit einem Wort.
Das Gedicht heißt

.
Es stammt von Joachim

.
Die historische Gedichtsammlung heißt

.
Das Gedicht umfasst

Verse.
Im ersten Vers werden alte

genannt.
Die Besen wollen scheinbar die Straßen

.
In Wahrheit wollen sie nach Aussage der Stimme

.
In ihren Stielen befinden sich

.
Die Sprechergruppe sagt deutlich

.
Am Ende steht der Wunsch nach

.
Dinge mit menschlichem Verhalten sind eine

.
Die Besen lassen sich auch als

verstehen.
Die Formulierung „wir andern“ bezeichnet eine

.
Für eine gute Deutung brauchst Du einen

.



Offene Aufgaben

Hier gibt es keine automatische Bewertung. Begründe Deine Ideen immer mit mindestens einem Vers.


Leicht

  1. Bildbeschreibung: Zeichne einen Besen und schreibe drei Eigenschaften aus V. 1–12 dazu. Hilfe: Suche Eigenschaftswörter und Verben.
  2. Vorlesen: Lies V. 13–19 laut in zwei Stimmungen. Erkläre, welche besser passt. Hilfe: Achte auf „Nein!“.
  3. Wortschatz: Erkläre „Schund“, „Knute“ und „scheinbar“ in eigenen Worten. Hilfe: Sieh in den Worterklärungen nach.
  4. Zitat: Gestalte eine Verskarte mit einem kurzen Originalzitat und einer Zeichnung. Hilfe: Gib die Versnummer an.


Standard

  1. Gedichtanalyse: Schreibe fünf Sätze über die Besen als sprachliches Bild. Hilfe: Beobachtung – Zitat – mögliche Bedeutung.
  2. Dialog: Schreibe ein Gespräch zwischen „wir“ und einem Besen. Hilfe: Nutze V. 7 und V. 13 als Ausgangspunkt.
  3. Karikatur: Beschreibe drei Einzelheiten der historischen Karikatur und vergleiche ihre Kritik mit V. 5–7. Hilfe: Trenne Sehen und Deuten.
  4. Meinungsfreiheit: Verfasse einen Brief aus Sicht eines Jugendlichen von 1926 über Regeln für Bücher. Hilfe: Nenne Schutz und Freiheit.


Schwer

  1. Kreatives Schreiben: Schreibe ein neues Ende aus Sicht eines Besens. Hilfe: Kennzeichne Deinen Text als eigene Fortsetzung, nicht als Original.
  2. Textvergleich: Vergleiche den Besen in „Auskehr“ mit dem Besen in Goethes „Zauberlehrling“. Hilfe: Belege je ein gemeinsames und ein anderes Merkmal.
  3. Debatte: Entwickle zwei begründete Standpunkte zu Jugendschutz und freiem Lesen. Hilfe: Unterscheide Gesetz von Gedichtaussage.
  4. Quellenkritik: Vergleiche den Scan von 1928 mit einer anderen Online-Fassung. Hilfe: Prüfe Überschrift, Vorbemerkung, V. 6 und V. 16; notiere Unterschiede, ohne sie still zu korrigieren.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

Diese Aufgaben prüft eine Lehrkraft oder Deine Lerngruppe – nicht ein Computer.

  1. Textbeleg: Erkläre, warum „scheinbar“ (V. 5) für die Aussage des Gedichts wichtig ist. Belege Deine Erklärung.
  2. Perspektive: Begründe, warum die Sprechergruppe „wir“ nicht einfach mit Joachim Ringelnatz gleichgesetzt werden darf.
  3. Transfer: Erfinde eine heutige Situation, in der jemand „aufräumen“ sagt, aber andere beherrschen will. Erkläre Gemeinsamkeiten und Grenzen des Vergleichs.
  4. Erörterung: Stelle den Nutzen von Jugendschutz und die Gefahr übertriebener Verbote gegenüber. Nutze den historischen Kontext.
  5. Wirkung: Untersuche, warum der kurze Ausruf „Nein!“ nach längeren Versen besonders stark wirken kann.
  6. Medienkompetenz: Erkläre, warum ein YouTube-Vortrag eines anderen Ringelnatz-Gedichts kein Hörbeleg für den Wortlaut von „Auskehr“ ist.


Lernnachweis

Für Deinen Lernnachweis kannst Du:

  1. die Quellfassung von 1928 richtig nennen und 19 Verse zählen,
  2. zwei Bilder oder sprachliche Mittel mit Verszahlen erläutern,
  3. den historischen Gesetzesstreit knapp und korrekt darstellen,
  4. Sprecherstimme, Autor und eigene Interpretation trennen,
  5. eine nachvollziehbare Deutung mit Beobachtung – Beleg – Wirkung schreiben,
  6. Medienquellen benennen und fremde Aufnahmen nicht als eigene ausgeben.


OERs zum Thema

Originaltext: Wikisource – Auskehr (historisch belegte Abschrift) und Zeno.org – Ausgangstext.

Wikipedia zum Autor:

Wikipedia zum Gesetz:

Quellen- und Rechtehinweis: Ringelnatz starb 1934; sein Gedicht ist in Deutschland gemeinfrei. Auch die gezeigten historischen gemeinfreien Werke sind auf ihren Commons-Dateiseiten als solche gekennzeichnet. Für die neueren Fotos, die Animation und die Audioaufnahmen gelten die oben genannten Creative-Commons-Lizenzen mit Namensnennung und gegebenenfalls Weitergabe unter gleichen Bedingungen. YouTube-Videos sind nicht automatisch OER; hier werden sie nur verlinkt oder eingebettet. Alle Medien stammen von den genannten externen Urhebern; es wurden keine neuen Medien erzeugt.


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