Zum Inhalt springen

Anton Makarenko - Pädagoge

Aus MOOCsWiki Staging

Anton Makarenko - Pädagoge




Anton Makarenko - Pädagoge

Studienfach: Pädagogik


Einleitung

Anton Semjonowitsch Makarenko (1888–1939) war ein sowjetischer Pädagoge, Lehrer, Schriftsteller und Organisator von Einrichtungen für heimatlose und straffällig gewordene junge Menschen. Sein Name ist besonders mit der Gorki-Kolonie bei Poltawa und der Dserschinski-Kommune in Charkiw verbunden. In diesen Einrichtungen entwickelte er eine Praxis, die Kollektiverziehung, schulisches Lernen, Selbstverwaltung, kulturelle Aktivitäten, verbindliche Regeln und produktive Arbeitserziehung miteinander verband. Sein literarisch gestalteter Erfahrungsbericht Ein pädagogisches Poem – Der Weg ins Leben machte seine Ideen international bekannt.[1]

Makarenkos Werk gehört zu den kontroversen Gegenständen der Geschichte der Pädagogik. Es enthält Impulse für Sozialpädagogik, Heimerziehung, Gruppenpädagogik, Berufspädagogik und Demokratiepädagogik, ist aber zugleich eng mit den politischen Bedingungen der frühen Sowjetunion verbunden. Begriffe wie Disziplin, Kollektiv, Führung, Arbeit und Erziehung müssen deshalb historisch rekonstruiert und aus heutiger Sicht an Kinderrechten, Partizipation, Menschenwürde und dem Schutz vor Zwang gemessen werden. Dieser aiMOOC behandelt Makarenko weder als unkritisches Vorbild noch als bloßes Gegenbild. Du lernst, seine Pädagogik quellenkritisch zu analysieren, ihre Spannungen zu erkennen und einzelne Gedanken verantwortbar auf gegenwärtige Bildungsfelder zu übertragen.


Kursprofil und Lernziele

Der Kurs richtet sich an Studierende der Erziehungswissenschaft, Sozialpädagogik, Sozialen Arbeit, Lehramtsstudiengänge und angrenzender Fächer. Er verbindet biografische, institutionengeschichtliche, systematische und ethische Perspektiven.

Nach der Bearbeitung kannst Du:

  1. Historische Kontextualisierung: Makarenkos Leben und Werk in die Folgen von Weltkrieg, Revolution, Bürgerkrieg, Hunger, Migration und staatlicher Neuordnung einordnen.
  2. Begriffsanalyse: Zentrale Konzepte wie Kollektiv, Perspektive, Selbstverwaltung, parallele Einwirkung, Disziplin und produktive Arbeit erläutern.
  3. Theorie-Praxis-Verhältnis: Erkennen, wie Makarenko aus institutioneller Praxis pädagogische Aussagen entwickelte und diese literarisch darstellte.
  4. Quellenkritik: Autobiografische Erzählung, historische Dokumentation, politische Selbstdeutung und spätere Rezeption voneinander unterscheiden.
  5. Normative Urteilsbildung: Chancen und Risiken seiner Pädagogik anhand heutiger Kinderrechte und professioneller Ethik bewerten.
  6. Pädagogischer Transfer: Ausgewählte Prinzipien für Gruppenarbeit, Schule, Jugendhilfe und berufliche Bildung weiterdenken, ohne historische Organisationsformen unkritisch zu kopieren.


Leben und historischer Kontext


Kindheit, Ausbildung und frühe Berufstätigkeit

Makarenko wurde am 13. März 1888 in Bilopillja im damaligen Russischen Kaiserreich, heute Ukraine, geboren. Er wuchs in einer Eisenbahnerfamilie auf und absolvierte zunächst eine kurze Lehrerausbildung. Ab 1905 arbeitete er als Lehrer. Später studierte er am Lehrerbildungsinstitut in Poltawa und schloss seine Ausbildung 1917 ab. Seine frühen Tätigkeiten in Eisenbahnerschulen verbanden Unterricht, organisatorische Verantwortung und das Leben in eng strukturierten Gemeinschaften.[2]

Die biografischen Daten allein erklären seine Pädagogik nicht. Entscheidend ist die soziale Lage nach dem Ersten Weltkrieg, der Russischen Revolution und dem Russischen Bürgerkrieg. Millionen Kinder waren von Tod, Trennung, Flucht, Hunger und Obdachlosigkeit betroffen. In zeitgenössischen Quellen wurden heimatlose und unbeaufsichtigte Kinder als Besprisorniki bezeichnet. Pädagogische Einrichtungen standen damit vor Aufgaben, die Unterricht, Versorgung, Schutz, Resozialisierung und gesellschaftliche Integration gleichzeitig betrafen.[3]


Die Gorki-Kolonie

Im Jahr 1920 übernahm Makarenko den Aufbau einer Arbeitskolonie für junge Menschen, die als obdachlos, verwahrlost oder straffällig galten. Die Einrichtung wurde später nach dem Schriftsteller Maxim Gorki benannt. Die Anfangsbedingungen waren äußerst schwierig: Gebäude waren beschädigt, Lebensmittel und Heizmaterial knapp, Mitarbeitende und Jugendliche mussten elementare Lebensbedingungen erst herstellen. Makarenkos späterer Bericht beschreibt diese Phase als Prozess von Versuch, Irrtum, Konflikt und institutionellem Lernen.

Die Kolonie entwickelte sich zu einer Gemeinschaft mit Schule, Landwirtschaft, Werkstätten, Bibliothek, Musik, Theater, Sport, Festen und Reisen. Arbeit war nicht als isolierte Beschäftigung gedacht, sondern als Teil eines umfassenden Lebenszusammenhangs. Für Makarenko sollte ein pädagogisches Milieu entstehen, in dem junge Menschen Verantwortung übernehmen, Anerkennung erfahren, Kompetenzen erwerben und gemeinsame Ziele verfolgen. Zugleich blieben Leitung, Regeln und Sanktionen wichtige Bestandteile seiner Ordnung.

Der Kontakt zu Maxim Gorki war für die symbolische Identität der Einrichtung und für Makarenkos schriftstellerische Arbeit bedeutsam. Das historische Foto zeigt Gorki bei einem Besuch im Umfeld der Kolonie. Als Quelle veranschaulicht es Nähe und öffentliche Inszenierung zugleich: Fotografien dokumentieren nicht nur Ereignisse, sondern erzeugen auch Bilder erfolgreicher Erziehung.


Die Dserschinski-Kommune

Ab 1927 beziehungsweise 1928 leitete Makarenko die nach Feliks Dserschinski benannte Kommune bei Charkiw. Dort wurden schulischer Unterricht, Werkstätten, Kulturangebote und industrielle Produktion miteinander verknüpft. Die Jugendlichen arbeiteten zeitweise an technischen Produkten wie Bohrmaschinen und Kameras. Die Einrichtung verfügte über gewählte Gruppenleitungen, Versammlungen und einen Rat von Verantwortlichen. Ältere Jugendliche übernahmen Aufgaben gegenüber jüngeren Mitgliedern.[1]

Makarenko widersprach Bestrebungen, die Produktion gegenüber Unterricht, Kunst, Sport und Erholung zu verabsolutieren. Für seine Theorie war Arbeit pädagogisch nur dann sinnvoll, wenn sie in einen breiteren Bildungsprozess eingebettet blieb. Aus heutiger Sicht ist dennoch kritisch zu fragen, wann produktive Tätigkeit Lern- und Teilhabechancen eröffnet und wann sie in ökonomische Ausbeutung umschlägt.


Späte Jahre, Schreiben und Tod

Nach institutionellen Konflikten arbeitete Makarenko zeitweise in der Verwaltung von Arbeitskolonien des sowjetischen Innenapparats. 1937 zog er nach Moskau und konzentrierte sich auf Vorträge, pädagogische Schriften und Literatur. Er starb am 1. April 1939 im Alter von 51 Jahren. Nach seinem Tod wurde er in der Sowjetunion stark kanonisiert. Diese staatliche Aufwertung beeinflusste später sowohl die Verehrung im Osten als auch die Ablehnung im Westen.[4]


Zentrale pädagogische Konzepte


Das Kollektiv als pädagogische Lebensform

Makarenkos Schlüsselbegriff ist das Kollektiv. Damit meinte er nicht jede beliebige Gruppe, sondern eine organisierte Gemeinschaft mit gemeinsamen Zielen, Aufgaben, Regeln, Traditionen und Verantwortungsbeziehungen. Das Kollektiv sollte zwischen Individuum und Gesellschaft vermitteln. Junge Menschen sollten nicht nur Objekt erzieherischer Maßnahmen sein, sondern an der Organisation des gemeinsamen Lebens mitwirken.

Ein Kollektiv entsteht in dieser Sichtweise nicht allein durch räumliches Zusammensein. Es entwickelt sich durch Kooperation, gemeinsam verantwortete Arbeit, verbindliche Kommunikation, geteilte Erfahrungen und eine Zukunftsperspektive. Makarenko betonte außerdem Außenbeziehungen: Eine pädagogische Gemeinschaft darf sich nicht selbst genügen, sondern muss mit Schule, Kultur, Beruf und Gesellschaft verbunden sein.[5]

Die zentrale Spannung liegt im Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft. Makarenko behauptete, persönliche Entwicklung könne gerade im verantwortlichen Zusammenleben gelingen. Kritisch bleibt jedoch die Gefahr, dass Mehrheitsdruck, Konformität und institutionelle Ziele individuelle Rechte überlagern. Für heutige Pädagogik ist daher entscheidend, Beteiligung mit Schutzrechten, Beschwerdewegen und professioneller Machtreflexion zu verbinden.


Selbstverwaltung und Verantwortungsrollen

Die Kolonien waren in kleinere Einheiten gegliedert. Gewählte Verantwortliche, Versammlungen und Räte übernahmen organisatorische Aufgaben. Die Rollen sollten wechseln, damit Leitung nicht dauerhaft an einzelne Personen gebunden blieb. In gemischten Altersgruppen konnten erfahrene Jugendliche jüngere unterstützen.

Diese Praxis enthält Elemente von Partizipation und Peer Education. Sie bleibt jedoch ambivalent, weil Selbstverwaltung innerhalb eines von Erwachsenen gesetzten Rahmens stattfand. Die Leitung definierte grundlegende Ziele und behielt Sanktionsmacht. Für eine wissenschaftliche Analyse ist deshalb zwischen echter Mitentscheidung, delegierter Verantwortung und instrumenteller Beteiligung zu unterscheiden.


Die Methode der parallelen Einwirkung

Mit der Methode der parallelen Einwirkung wird eine indirekte Form pädagogischen Handelns beschrieben. Die Fachkraft richtet eine Erwartung nicht ausschließlich an eine einzelne Person, sondern arbeitet über die Gruppe, ihre gemeinsamen Regeln und ihre Verantwortung. Dadurch soll das Problem nicht individualisiert werden; zugleich wird die Gemeinschaft als pädagogischer Akteur angesprochen.

Ein Beispiel: Wenn ein Mitglied eine gemeinsame Aufgabe vernachlässigt, kann die Gruppe beraten, wie Verantwortung neu organisiert wird. Das unterscheidet sich von öffentlicher Beschämung. Aus heutiger Sicht ist die Grenze zentral: Gruppenverantwortung darf nicht zu Mobbing, Kollektivstrafe oder erzwungener Selbstkritik führen. Professionelle Pädagogik muss Machtasymmetrien erkennen, die Würde des Einzelnen schützen und vertrauliche Unterstützung ermöglichen.


Anspruch und Achtung

Makarenkos Pädagogik verbindet hohe Erwartungen mit dem Vertrauen, dass junge Menschen entwicklungsfähig sind. Er wandte sich gegen dauerhafte Etikettierungen als „verwahrlost“, „kriminell“ oder „unfähig“. Pädagogischer Anspruch sollte nach seiner Auffassung nicht Ausdruck von Verachtung sein, sondern von Zutrauen.

Diese Haltung lässt sich mit dem heutigen Konzept positiver Erwartungen, mit Selbstwirksamkeit und mit der Kritik an Stigmatisierung verbinden. Hohe Erwartungen werden jedoch problematisch, wenn sie unrealistisch, standardisiert oder repressiv sind. Anerkennende Förderung verlangt deshalb individuelle Diagnostik, angemessene Unterstützung und das Recht, Grenzen zu äußern.


Disziplin als gemeinsame Ordnung

Unter Disziplin verstand Makarenko mehr als Gehorsam. Gemeint war eine verlässliche Ordnung des gemeinsamen Lebens: Absprachen einhalten, Aufgaben übernehmen, Zeit strukturieren und Verantwortung für Folgen tragen. Rituale, Symbole und ein bestimmter Stil sollten Zugehörigkeit und Kontinuität erzeugen.

Gleichzeitig verwendeten seine Einrichtungen militärisch anmutende Formen, Uniformelemente, Kommandostrukturen und öffentliche Bewertungen. Diese Aspekte sind aus heutiger Sicht besonders kritisch zu prüfen. Eine demokratische Lernkultur benötigt nachvollziehbare Regeln und Verbindlichkeit, darf aber nicht auf Einschüchterung, blinden Gehorsam oder Entwürdigung beruhen.


Das System der Perspektiven

Makarenko betonte, dass Gemeinschaften und Einzelne konkrete Zukunftsaussichten benötigen. Er unterschied sinngemäß nahe, mittlere und weitere Perspektiven. Eine nahe Perspektive kann ein gemeinsames Essen, ein Ausflug oder die Fertigstellung eines Projekts sein. Eine mittlere Perspektive betrifft etwa eine Aufführung, eine Prüfung oder ein größeres Vorhaben. Eine weite Perspektive bezieht sich auf Ausbildung, gesellschaftliche Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben.

Pädagogisch bedeutsam ist die Verbindung von Motivation und Zukunftsplanung. Perspektiven dürfen jedoch nicht von der Institution allein vorgegeben werden. In heutiger Biografiearbeit und Berufsorientierung müssen junge Menschen ihre Ziele mitgestalten, Alternativen prüfen und Entscheidungen revidieren können.


Arbeit, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe

Makarenko verband Allgemeinbildung, berufliche Qualifikation und gesellschaftlich nützliche Tätigkeit. Arbeit sollte materielle Wirklichkeit erfahrbar machen, Kooperation verlangen und sichtbare Ergebnisse ermöglichen. In der Dserschinski-Kommune wurde technische Produktion mit Schulunterricht und der Vorbereitung auf weiterführende Bildung verbunden.[5]

Für heutige Pädagogik sind Bezüge zu Projektunterricht, Service Learning, Berufsorientierung und Produktionsschule möglich. Ein verantwortbarer Transfer setzt Freiwilligkeit beziehungsweise rechtlich legitime Bildungsaufträge, Arbeitsschutz, altersangemessene Aufgaben, faire Beteiligung, pädagogische Begleitung und Vorrang des Bildungszwecks voraus. Produktivität darf niemals den Wert einer Person bestimmen.


Kultur, Ästhetik und Alltag

Musik, Theater, Literatur, Sport, Reisen, Feste, gepflegte Räume und gemeinsame Traditionen hatten in Makarenkos Einrichtungen einen hohen Stellenwert. Er verstand Erziehung als Gestaltung des gesamten Alltags und nicht nur als Unterricht oder Konfliktbearbeitung. Das verweist auf einen ganzheitlichen Bildungsbegriff.

Dabei darf „Gestaltung des gesamten Lebens“ nicht mit totaler Kontrolle verwechselt werden. Heutige Einrichtungen müssen Privatsphäre, freie Zeit, individuelle Rückzugsräume und unterschiedliche kulturelle Ausdrucksformen gewährleisten. Pädagogische Milieugestaltung ist legitim, wenn sie Möglichkeiten eröffnet und nicht das gesamte Leben normiert.


Pädagogische Werke und Schreibweise


Ein pädagogisches Poem – Der Weg ins Leben

Makarenkos bekanntestes Werk erschien in den 1930er Jahren in mehreren Teilen. Es erzählt literarisch von Aufbau, Krisen und Entwicklung der Gorki-Kolonie. Der Text ist zugleich autobiografisch, dokumentarisch, programmatisch und künstlerisch gestaltet. Er darf deshalb nicht wie ein neutrales Protokoll gelesen werden.

Für die Hermeneutik ist wichtig, Erzähler, Autor und historische Person nicht gleichzusetzen. Szenen können verdichtet, Dialoge gestaltet und Erfolge dramaturgisch hervorgehoben sein. Eine quellenkritische Lektüre vergleicht verschiedene Ausgaben, zeitgenössische Akten, Erinnerungen anderer Beteiligter und spätere Forschung.


Weitere Schriften

Zu den wichtigen Werken gehören Flaggen auf den Türmen, Ein Buch für Eltern, Vorträge über Schulerziehung sowie literarische und publizistische Texte. Makarenko schrieb häufig erzählend und anschaulich statt in der Form eines geschlossenen wissenschaftlichen Systems. Seine Theorie muss deshalb aus Beispielen, Begriffen, wiederkehrenden Argumenten und institutionellen Beschreibungen rekonstruiert werden.

Diese Schreibweise bietet Nähe zur Praxis, birgt aber methodische Probleme. Erfolgsdarstellungen können selektiv sein, zentrale Begriffe verändern sich und politische Formulierungen hängen vom Entstehungszeitpunkt ab. Studierende sollten deshalb immer fragen: Wer spricht? Für welches Publikum? Unter welchen politischen Bedingungen? Mit welcher pädagogischen Absicht?


Theorie, Praxis und pädagogische Professionalität


Erziehung als organisiertes System

Makarenko wandte sich gegen die Vorstellung, eine einzelne Methode sei unabhängig vom Kontext immer gut oder schlecht. Entscheidend sei das Zusammenspiel vieler Mittel in einem pädagogischen Gesamtsystem. Damit lenkte er Aufmerksamkeit auf institutionelle Kultur, Beziehungen, Räume, Zeitstrukturen, Aufgaben und Zukunftserwartungen.

Diese systemische Sicht ist anschlussfähig an Organisationstheorie, sozialökologische Ansätze und Schulentwicklung. Sie kann jedoch technokratisch werden, wenn pädagogische Ziele als unumstritten gelten und Menschen nur als formbare Bestandteile eines Systems erscheinen. Professionelles Handeln benötigt daher neben Planung auch Dialog, Ungewissheitstoleranz, Rechte und kritische Selbstbegrenzung.


Die Rolle der pädagogischen Fachkraft

Die erwachsene Fachkraft ist bei Makarenko weder bloße Beobachterin noch alleinige Befehlsinstanz. Sie initiiert Strukturen, verkörpert Erwartungen, koordiniert Verantwortung und greift in Krisen ein. Autorität soll aus Kompetenz, Aufrichtigkeit, Verlässlichkeit und Achtung entstehen.

Aus heutiger Sicht gehört dazu eine reflektierte professionelle Beziehung. Fachkräfte müssen Nähe und Distanz gestalten, Entscheidungen begründen, Beteiligung ermöglichen, Fehler eingestehen und externe Kontrolle akzeptieren. Charisma oder persönliches Vertrauen ersetzen keine Schutzkonzepte.


Erziehung durch reale Verantwortung

Makarenko setzte auf Aufgaben mit tatsächlichen Folgen für die Gemeinschaft. Verantwortung sollte nicht nur simuliert werden. Wer eine Werkstatt, eine Veranstaltung oder eine Gruppenaufgabe mitorganisierte, erlebte die Bedeutung des eigenen Beitrags.

Das Prinzip ist für handlungsorientierten Unterricht bedeutsam. Reale Verantwortung braucht jedoch abgestufte Anforderungen, Vorbereitung, Begleitung und die Möglichkeit, Fehler ohne existenzielle Folgen zu machen. Pädagogische Verantwortung ist Lernraum und darf nicht zur Übertragung erwachsener Lasten werden.


Vergleich mit anderen pädagogischen Ansätzen

Ansatz Gemeinsamkeiten mit Makarenko Wichtige Unterschiede
John Dewey Lernen durch Erfahrung, Verbindung von Schule und gesellschaftlichem Leben, Bedeutung gemeinsamer Tätigkeit Dewey betont demokratische Kommunikation und offene Problemlösung stärker; Makarenko plant die Kollektivordnung direkter und zielgebundener
Georg Kerschensteiner Arbeitsschule, staatsbürgerliche Bildung, Verbindung von praktischem Tun und Verantwortungslernen Kerschensteiners Kontext ist die deutsche Berufsschul- und Bürgererziehung; Makarenko arbeitet vor allem in sowjetischen Jugendkolonien
Johann Heinrich Pestalozzi Erziehung benachteiligter junger Menschen, Verbindung von Bildung, Arbeit und Gemeinschaft Pestalozzis Familienmetaphorik und Elementarbildung unterscheiden sich von Makarenkos organisierter Kollektivstruktur
Maria Montessori Vertrauen in Entwicklungsfähigkeit, gestaltete Lernumgebung, ernsthafte Tätigkeit Montessori betont individuelle Wahl und Selbsttätigkeit; Makarenko gemeinsame Ziele, Gruppenverantwortung und stärkere Führung
Paulo Freire Bildung als gesellschaftlich bedeutsame Praxis, Hoffnung auf Veränderung und Subjektwerdung Freire kritisiert autoritäre Erziehung und setzt auf Dialog; Makarenkos Ansatz enthält deutlich hierarchischere und disziplinierende Elemente

Vergleiche dürfen historische Unterschiede nicht verwischen. Sie dienen dazu, pädagogische Grundfragen sichtbar zu machen: Wie viel Führung ist legitim? Wie entstehen gemeinsame Ziele? Welche Bedeutung hat Arbeit? Wie werden individuelle Freiheit und soziale Verantwortung verbunden?


Kritische Einordnung


Potenziale

Makarenkos Praxis macht auf mehrere bis heute relevante Gesichtspunkte aufmerksam: die Bedeutung verlässlicher Beziehungen, die Lernkraft realer Verantwortung, die Verbindung von Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe, die Rolle positiver Erwartungen, die pädagogische Qualität von Kultur und Alltag sowie die Möglichkeit, stigmatisierte junge Menschen nicht auf ihre Vergangenheit festzulegen.

Sein Ansatz erinnert daran, dass soziale Benachteiligung nicht allein durch individuelle Beratung bearbeitet werden kann. Institutionen müssen materielle Bedingungen, Bildungschancen, Gruppenbeziehungen und Zukunftsperspektiven zugleich gestalten.


Risiken und Einwände

Die stärksten Einwände betreffen Kollektivdruck, Hierarchie, militärische Symbolik, Sanktionen, ideologische Zielvorgaben und die mögliche Unterordnung des Einzelnen. Selbstverwaltung kann zur Kontrolle durch Gleichaltrige werden. Arbeit kann Bildung ermöglichen, aber auch ökonomisch instrumentalisiert werden. Eine starke Leitung kann Sicherheit bieten, aber Widerspruch und Beschwerde erschweren.

Hinzu kommt Makarenkos Verflechtung mit sowjetischen Institutionen und seine spätere politische Kanonisierung. Die Forschung diskutiert, in welchem Maß einzelne Aussagen persönliche Überzeugung, Anpassung an den Stalinismus, literarische Strategie oder nachträgliche Redaktion widerspiegeln. Neuere Rezeptionsforschung warnt vor einfachen Etiketten wie „reiner Reformpädagoge“ oder „bloßer Stalinist“.[6]


Bewertung aus Sicht der Kinderrechte

Eine heutige Bewertung kann sich an der UN-Kinderrechtskonvention orientieren. Besonders relevant sind das Wohl des Kindes, Schutz vor Gewalt, Beteiligung, Bildung, Privatsphäre, Nichtdiskriminierung und die Berücksichtigung individueller Bedürfnisse.

Historisches Element Möglicher pädagogischer Gehalt Kinderrechtliche Grenze
Gemeinsame Regeln Verlässlichkeit und Orientierung Regeln müssen verständlich, verhältnismäßig und anfechtbar sein
Gruppenverantwortung Kooperation und Solidarität Kein Mobbing, keine Kollektivstrafe, keine öffentliche Demütigung
Produktive Arbeit Kompetenz, Selbstwirksamkeit und Berufsorientierung Kein Zwang, keine Ausbeutung, Vorrang von Bildung und Schutz
Hohe Erwartungen Zutrauen und Überwindung von Stigmatisierung Individuelle Voraussetzungen und das Recht auf Unterstützung beachten
Starke Leitung Sicherheit, Koordination und Krisenfähigkeit Machtkontrolle, Beteiligung, Beschwerdewege und externe Aufsicht sichern


Rezeption und Erinnerungskultur


Sowjetunion, DDR und Bundesrepublik

Nach 1939 wurde Makarenko in der Sowjetunion zu einem herausragenden Klassiker der kommunistischen Erziehung erklärt. In der DDR wurden seine Schriften breit rezipiert und mit sozialistischer Kollektiverziehung, Pionierorganisation, Schule und Jugendhilfe verbunden. In der Bundesrepublik Deutschland war die Aufnahme zurückhaltender und stärker von Ideologiekritik geprägt. Seit den 1960er Jahren leistete insbesondere die Marburger Makarenko-Forschung textkritische und biografische Arbeit.[4]

Im Kalten Krieg entstanden konkurrierende Deutungen. Derselbe Autor konnte als humanistischer Praktiker, kommunistischer Erzieher, Reformpädagoge, Sozialpädagoge oder autoritärer Ideologe dargestellt werden. Für das Pädagogikstudium ist diese Rezeptionsgeschichte besonders wichtig: Klassiker werden nicht nur entdeckt, sondern durch Auswahl, Übersetzung, Edition, Lehrpläne und politische Interessen hergestellt.

Briefmarken, Denkmäler und Museen sind Quellen der Erinnerungskultur. Sie zeigen, welche Eigenschaften öffentlich hervorgehoben werden. Die sowjetischen Briefmarken präsentieren Makarenko als kanonischen Schriftsteller und Pädagogen. Solche Medien informieren nicht neutral, sondern verdichten politische Erinnerung.


Museen, Denkmäler und historische Orte

Das Makarenko-Museum in Kowaliwka befindet sich im Umfeld der früheren Kolonie. Historische Orte können Forschung und Lehre unterstützen, wenn Gebäude, Objekte, Fotografien und Ausstellungstexte quellenkritisch gelesen werden. Zu fragen ist, welche Stimmen sichtbar sind und welche fehlen: die Leitung, Mitarbeitende, Behörden, ehemalige Jugendliche, Familien und lokale Bevölkerung.

Ein Denkmal zeigt nicht nur die dargestellte Person, sondern auch die Gesellschaft, die es errichtet, pflegt, verändert oder neu bewertet. Für ein Seminarprojekt kannst Du Bildsprache, Inschrift, Standort, Entstehungszeit und gegenwärtige Nutzung untersuchen.


Bedeutung für gegenwärtige Pädagogik

Makarenkos Organisationsformen lassen sich nicht direkt auf heutige Einrichtungen übertragen. Dennoch können einzelne Fragen produktiv weitergeführt werden:

  1. Gruppenpädagogik: Wie wird aus einer zufälligen Gruppe eine kooperative Gemeinschaft, ohne Vielfalt zu unterdrücken?
  2. Partizipation: Welche Entscheidungen können junge Menschen tatsächlich treffen, und wo bleiben Erwachsene rechtlich verantwortlich?
  3. Inklusive Pädagogik: Wie werden hohe Erwartungen mit individuellen Unterstützungsbedarfen verbunden?
  4. Heimerziehung: Wie lassen sich Alltag, Schule, Freizeit, Beziehungen und Zukunftsplanung verlässlich gestalten?
  5. Berufliche Bildung: Wann ermöglicht reale Arbeit Kompetenz und Teilhabe, und welche Schutzstandards sind unverzichtbar?
  6. Demokratiebildung: Wie können Regeln, Ämter, Versammlungen und Konfliktverfahren demokratisch statt autoritär organisiert werden?
  7. Anti-Stigma-Pädagogik: Wie kann eine Einrichtung verhindern, dass Diagnosen, Akten oder Straftaten zur dauerhaften Identität einer Person werden?

Ein verantwortbarer Transfer übernimmt keine Uniformen, Kommandostrukturen oder Kollektivstrafen. Er prüft stattdessen Prinzipien wie Verlässlichkeit, Beteiligung, gemeinsame Verantwortung, positive Erwartungen und reale Lernaufgaben unter heutigen rechtlichen und ethischen Bedingungen.


Forschendes Lernen: Wie Du Makarenko wissenschaftlich untersuchst


Arbeit mit Primär- und Sekundärquellen

Eine wissenschaftliche Hausarbeit sollte mindestens vier Quellengruppen unterscheiden:

  1. Primärquelle: Texte Makarenkos, Briefe, Reden, zeitgenössische Fotografien und Verwaltungsdokumente.
  2. Edition: Die konkrete Ausgabe, Übersetzung und editorische Bearbeitung eines Textes.
  3. Zeitgenössische Rezeption: Rezensionen, politische Würdigungen, Lehrpläne und institutionelle Anwendungen.
  4. Forschungsliteratur: Historische Rekonstruktionen, systematische Analysen und neuere Rezeptionsgeschichte.

Bei jeder Quelle prüfst Du Entstehungszeit, Autorenschaft, Adressat, Zweck, Überlieferung, Auslassungen und Begriffsbedeutungen. Eine autobiografische Szene kann pädagogische Erfahrung vermitteln, ist aber nicht automatisch ein überprüfter Tatsachenbericht.


Leitfragen für Seminar und Hausarbeit

  1. Klassikerforschung: Durch welche Institutionen und Editionen wurde Makarenko zum „Klassiker“?
  2. Machtanalyse: Wie verteilen sich Entscheidungsmacht, Sanktionsmacht und Deutungsmacht in seinen Einrichtungen?
  3. Partizipationsforschung: Welche Formen der Selbstverwaltung sind dokumentiert, und wie groß waren ihre realen Spielräume?
  4. Arbeitsbildung: Wie verändert sich der Bildungsbegriff, wenn Produktion Teil des pädagogischen Alltags wird?
  5. Literaturpädagogik: Wie erzeugt das Pädagogische Poem Glaubwürdigkeit, Spannung und ein Bild von Entwicklung?
  6. Vergleichende Erziehungswissenschaft: Welche Unterschiede zeigen sich zwischen Makarenko, Dewey, Montessori, Pestalozzi oder Kerschensteiner?
  7. Transferforschung: Welche Prinzipien lassen sich unter heutigen Kinderrechten transformieren und welche müssen verworfen werden?


Zusammenfassung

Anton Makarenko reagierte auf extreme soziale Notlagen der frühen Sowjetzeit mit einer institutionell umfassenden Pädagogik. In der Gorki-Kolonie und der Dserschinski-Kommune verband er Schule, Arbeit, Kultur, Alltag, Gruppenorganisation und Zukunftsplanung. Seine zentralen Begriffe sind Kollektiv, Selbstverwaltung, Verantwortung, Disziplin, Perspektive und die Verbindung von Anspruch und Achtung.

Seine Pädagogik enthält produktive Impulse für soziale Integration, positive Erwartungen, Gruppenlernen und handlungsorientierte Bildung. Sie enthält zugleich problematische Elemente: Kollektivdruck, Hierarchie, ideologische Zielbindung, militärische Formen und Risiken der Arbeitsinstrumentalisierung. Wissenschaftlich angemessen ist daher eine historisch informierte, quellenkritische und kinderrechtlich reflektierte Auseinandersetzung.


Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Terje Halvorsen: Key Pedagogic Thinkers: Anton Makarenko, Journal of Pedagogic Development, University of Bedfordshire, 2014, https://www.beds.ac.uk/jpd/volume-4-issue-2/key-pedagogic-thinkers-anton-makarenko/
  2. Flávio Boleiz Júnior: Anton Semionovich Makarenko: biographical aspects of a social pedagogy teacher development, Educação e Pesquisa 51, 2025, https://revistas.usp.br/ep/en/article/view/238377
  3. Alan M. Ball: The Roots of Besprizornost’ in Soviet Russia’s First Decade, Slavic Review 51, 1992, https://www.cambridge.org/core/journals/slavic-review/article/roots-of-besprizornost-in-soviet-russias-first-decade/D99CA58FFA2276ACF8BA5C5BEAE00354
  4. 4,0 4,1 Dietmar Waterkamp: Götz Hillig and his search for the true Makarenko, International Dialogues on Education 5/2, 2018, https://files.eric.ed.gov/fulltext/EJ1245351.pdf
  5. 5,0 5,1 G. N. Filonov: Anton Makarenko, UNESCO International Bureau of Education, 2000, https://www.ibe.unesco.org/fileadmin/user_upload/archive/Publications/thinkerspdf/makarene.pdf
  6. Anke Dreier-Horning: Wie Anton S. Makarenko ein Klassiker der Pädagogik wurde, Berliner Wissenschafts-Verlag, 2022/2023, Verlagsinformation: https://www.steiner-verlag.de/Wie-Anton-S.-Makarenko-ein-Klassiker-der-Paedagogik-wurde/9783830551614


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

In welcher Einrichtung begann Makarenko 1920 seine bekannteste pädagogische Arbeit? (In der späteren Gorki-Kolonie) (!In einer Montessorischule in Rom) (!In einer Universität in Moskau) (!In einem Internat in Paris)




Welcher Begriff steht im Zentrum von Makarenkos Pädagogik? (Das pädagogische Kollektiv) (!Die vollständige Lernvereinzelung) (!Der Verzicht auf jede Regel) (!Die ausschließlich private Erziehung)




Was kennzeichnet Makarenkos Verständnis von Selbstverwaltung? (Jugendliche übernehmen organisierte Verantwortungsrollen) (!Erwachsene geben jede rechtliche Verantwortung ab) (!Alle Regeln werden spontan abgeschafft) (!Nur die leistungsstärkste Person entscheidet)




Was bedeutet die Methode der parallelen Einwirkung? (Erziehung wirkt auch über die Verantwortung der Gruppe) (!Zwei Lehrkräfte sprechen gleichzeitig) (!Unterricht findet immer in zwei Räumen statt) (!Jede Aufgabe wird zweimal bewertet)




Welche Funktion hatte Arbeit in Makarenkos Konzept? (Sie war Teil eines umfassenden Bildungsprozesses) (!Sie ersetzte jeden Schulunterricht) (!Sie diente nur als Strafe) (!Sie war für Jugendliche grundsätzlich bedeutungslos)




Was beschreibt das System der Perspektiven? (Nahe mittlere und weitere Zukunftsziele) (!Eine Rangliste angeborener Begabungen) (!Eine feste Abfolge von Schulstrafen) (!Eine Methode optischer Wahrnehmung)




Warum ist das Pädagogische Poem quellenkritisch zu lesen? (Es ist literarisch gestaltet und autobiografisch geprägt) (!Es enthält ausschließlich statistische Tabellen) (!Es wurde ohne Autor veröffentlicht) (!Es behandelt nur naturwissenschaftliche Experimente)




Welche Gefahr ist mit Kollektiverziehung verbunden? (Individuelle Rechte können durch Gruppendruck verdrängt werden) (!Gemeinsames Lernen wird grundsätzlich unmöglich) (!Jede Form von Verantwortung verschwindet) (!Kulturelle Angebote sind automatisch verboten)




Welcher Maßstab ist für eine heutige Bewertung besonders wichtig? (Die Kinderrechte) (!Die politische Loyalität zu einem historischen Staat) (!Die Höhe der Produktionsmenge) (!Die Zahl militärischer Rituale)




Was ist ein verantwortbarer Transfer von Makarenkos Ideen? (Gemeinsame Verantwortung mit Schutzrechten verbinden) (!Historische Kommandostrukturen unverändert übernehmen) (!Kollektivstrafen als Standard einführen) (!Produktivität über Bildung stellen)





Memory

Kollektiv Gemeinsam organisierte pädagogische Lebensform
Perspektive Zukunftsorientiertes gemeinsames Ziel
Selbstverwaltung Beteiligung an Aufgaben und Entscheidungen
Parallele Einwirkung Indirektes Handeln über Gruppenverantwortung
Arbeitserziehung Verbindung von Tätigkeit Lernen und Teilhabe
Quellenkritik Prüfung von Entstehung Zweck und Überlieferung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Gorki-Kolonie Aufbau einer pädagogischen Gemeinschaft ab 1920
Dserschinski-Kommune Verbindung von Schule Werkstätten und technischer Produktion
Kollektiv Gemeinsame Ziele Regeln und Verantwortungsbeziehungen
Perspektivsystem Nahe mittlere und weitere Zukunftsaussichten
Kinderrechte Heutiger Maßstab für Schutz Beteiligung und Würde






Kreuzworträtsel

Kollektiv Wie heißt Makarenkos organisierte pädagogische Gemeinschaft?
Arbeit Welche Tätigkeit verband er mit Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe?
Disziplin Wie nannte er die verbindliche gemeinsame Ordnung?
Respekt Welcher Begriff bezeichnet die Achtung vor der Person?
Perspektive Wie heißt eine motivierende Zukunftsaussicht?
Selbstverwaltung Wie heißt die Beteiligung an Organisation und Entscheidungen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Anton Makarenko wurde im Jahr 1888 in der heutigen

geboren.
Im Jahr 1920 begann er mit dem Aufbau der späteren

.
Der zentrale soziale Begriff seiner Pädagogik ist das

.
Jugendliche sollten durch

Verantwortung für das gemeinsame Leben übernehmen.
Die indirekte Arbeit über Gruppenverantwortung heißt parallele

.
Nahe und weite Zukunftsziele gehören zum System der

.
Produktive Tätigkeit sollte mit schulischer

verbunden bleiben.
Heute muss eine Bewertung besonders die

berücksichtigen.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffslandkarte: Erstelle eine grafische Übersicht zu Kollektiv, Selbstverwaltung, Disziplin, Perspektive, Arbeit und Achtung. Verbinde jeden Begriff mit einem Beispiel und einer kritischen Frage.
  2. Bildanalyse: Wähle ein Foto dieses aiMOOCs aus und beschreibe Bildaufbau, dargestellte Personen, mögliche Inszenierung und Grenzen des Quellenwerts.
  3. Kurzporträt: Produziere einen dreiminütigen Audio- oder Videobeitrag, der Makarenkos Lebensweg sachlich erklärt und mindestens eine Kontroverse nennt.
  4. Gegenwartsbeispiel: Beobachte eine Lerngruppe und notiere anonymisiert, wie Regeln, Rollen und gemeinsame Ziele organisiert werden. Vergleiche Deine Beobachtung mit Makarenkos Kollektivbegriff.


Standard

  1. Quellenvergleich: Vergleiche eine Szene aus dem Pädagogischen Poem mit einer wissenschaftlichen Darstellung. Untersuche Unterschiede zwischen Erzählung, Deutung und historischer Rekonstruktion.
  2. Kinderrechtsprüfung: Analysiere Selbstverwaltung, Gruppenverantwortung und Arbeitserziehung anhand von Schutz, Beteiligung, Bildung, Privatsphäre und Nichtdiskriminierung.
  3. Seminardebatte: Organisiere eine strukturierte Debatte zur These „Makarenko ist für heutige Gruppenpädagogik anschlussfähig“. Teile Pro-, Contra- und Beobachtungsrollen zu.
  4. Praxisentwurf: Entwickle ein demokratisches Gruppenprojekt mit realer Verantwortung, klaren Schutzregeln, freiwilligen Rollen, Beschwerdeweg und gemeinsamer Auswertung.


Schwer

  1. Rezeptionsanalyse: Untersuche anhand von DDR-, bundesdeutschen und neueren Texten, wie Makarenko jeweils als Klassiker, Ideologe oder Sozialpädagoge konstruiert wird.
  2. Forschungsinterview: Führe ein leitfadengestütztes Interview mit einer Fachkraft aus Schule oder Jugendhilfe über Gruppenverantwortung und Autorität. Hole Einwilligung ein, anonymisiere und werte thematisch aus.
  3. Vergleichende Hausarbeit: Vergleiche Makarenkos Verhältnis von Individuum und Gemeinschaft mit Dewey, Montessori, Freire oder Pestalozzi. Arbeite historische Kontexte und normative Unterschiede heraus.
  4. Ausstellungskonzept: Entwirf eine digitale Ausstellung „Makarenko zwischen Pädagogik und Politik“ mit Quellen, Bildrechten, Gegenstimmen, Zeitleiste und einem transparenten kuratorischen Kommentar.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Fallanalyse Gruppenrat: In einer Wohngruppe soll ein Gruppenrat über wiederholte Regelverletzungen beraten. Entwickle ein Verfahren, das Verantwortung fördert, aber öffentliche Beschämung, Gruppendruck und Kollektivstrafe verhindert. Begründe jeden Schritt.
  2. Transfer Arbeitserziehung: Eine Schule plant eine Schülerfirma. Prüfe das Vorhaben mit Makarenkos Bildungsverständnis und heutigen Kriterien zu Freiwilligkeit, Arbeitsschutz, Leistungsbewertung, Teilhabe und Gewinnverwendung.
  3. Dilemma Individuum und Kollektiv: Eine Lerngruppe möchte ein gemeinsames Ziel verfolgen, eine Person lehnt es aus persönlichen Gründen ab. Entwickle drei Handlungsoptionen und bewerte sie nach Autonomie, Solidarität und Fairness.
  4. Quellenkritisches Urteil: Erkläre, warum eine erfolgreiche Szene im Pädagogischen Poem weder als bloße Fiktion abgetan noch als objektiver Wirksamkeitsnachweis übernommen werden darf.
  5. Klassikerprüfung: Formuliere Kriterien dafür, wann eine historische Person als pädagogischer Klassiker gelten kann. Wende die Kriterien auf Makarenko an und komme zu einem begründeten, differenzierten Urteil.
  6. Konzeptvergleich: Vergleiche Makarenkos Perspektivsystem mit moderner Zielvereinbarung oder Biografiearbeit. Zeige Gemeinsamkeiten, Unterschiede und kinderrechtliche Bedingungen eines Transfers.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis sind folgende Leistungen wichtig:

  1. Fachwissen: Historischer Kontext, zentrale Stationen, Einrichtungen, Werke und Begriffe werden korrekt dargestellt.
  2. Begriffsgenauigkeit: Kollektiv, Selbstverwaltung, parallele Einwirkung, Perspektive, Disziplin und Arbeitserziehung werden differenziert verwendet.
  3. Quellenkompetenz: Primärtext, Edition, Erinnerung, politische Rezeption und Forschungsliteratur werden unterschieden.
  4. Kritische Urteilsfähigkeit: Potenziale und Risiken werden argumentativ abgewogen, nicht nur aufgezählt.
  5. Kinderrechtliche Reflexion: Schutz, Beteiligung, Würde, Privatsphäre und Nichtdiskriminierung bilden nachvollziehbare Maßstäbe.
  6. Transferleistung: Historische Ideen werden nicht kopiert, sondern für eine gegenwärtige Situation begründet transformiert oder verworfen.
  7. Wissenschaftliches Arbeiten: Aussagen werden belegt, Gegenpositionen berücksichtigt und Begriffe konsistent definiert.
  8. Eigenständigkeit: Das Ergebnis enthält eine erkennbare Fragestellung, einen eigenen Gedankengang und eine begründete Schlussfolgerung.




OERs zum Thema


Weitere offene Bildungsressourcen

  1. Wikimedia Commons: Die Kategorie zu Anton Makarenko bietet frei lizenzierte Porträts, historische Fotografien, Signaturen, Briefmarken und Bilder von Erinnerungsorten.
  2. UNESCO: Das Porträt von G. N. Filonov ordnet Makarenko in die internationale Geschichte pädagogischer Denker ein.
  3. Bundeszentrale für politische Bildung: Ein historischer Beitrag ermöglicht die Analyse westdeutscher Makarenko-Deutungen und ihrer Zeitgebundenheit.
  4. ERIC: Forschungsbeiträge zur Makarenko-Rezeption und zur vergleichenden Erziehungswissenschaft unterstützen vertiefende Seminararbeiten.


Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte





Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




aiMOOCs



aiMOOC Projekte












THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


© The Monkey Dance on Spotify, YouTube, Amazon, MOOCit, Deezer, ...



Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen