An Peter Scher - Ringelnatz, Joachim - Gedichtanalyse
Einleitung
An Peter Scher - Ringelnatz, Joachim - Gedichtanalyse ist ein Lernkurs für die Klassen 7 und 8. Du liest ein kurzes Gedicht über Freundschaft, Streit und Vertrauen. Es hat 16 Verse in vier Strophen.
Quelle: Joachim Ringelnatz, „An Peter Scher“, in: Allerdings. Gedichte, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin 1928, S. 141. Zeno.org · geprüfter Text bei Wikisource. Das Jahr 1928 ist das Erscheinungsjahr; das genaue Schreibdatum ist hier nicht belegt.

Buchcover von 1928, Porträtzeichnung: Rudolf Großmann; gemeinfrei. Wikimedia Commons.
Quellfassung und Lesefassung
Quellfassung: Wortlaut von 1928
Schau zuerst auf die Buchseite. Sie zeigt das gedruckte Gedicht aus der Erstausgabe.

Originalscan, Seite 141; Text: Joachim Ringelnatz, gemeinfrei. Wikimedia Commons.
Mein lieber Peter Scher,
Horch her:
Ich hätte dich manchmal hassen
Und an der Gurgel fassen
Wollen, dich, den der Ringelnatz liebt.
Weil du nicht lernst, daß es Etwasse gibt,
Die gar nichts mit sich anfangen lassen.
Oder weil du, der auch du mich liebst,
Das nicht zugibst.
Und gerade auf das Zugeben
Kommt’s an im Leben.
Du bist oft an falscher Stelle zu dick.
Wir sind Freunde auf Lebenszeit.
Ich kenne deine Vergangenheit.
Und ich weiß: Im wichtigen Augenblick
Bist du ganz und groß und hilfsbereit.
Texttreue: Die ungewöhnlichen Formen „daß“, „Etwasse“ und „Kommt’s“ bleiben wie im Druck. „Etwasse“ ist kein üblicher heutiger Plural. Die Zeilen zählen von Vers 1 („Mein lieber ...“) bis Vers 16 („Bist du ...“). Die Wortwahl gehört zur Quelle, nicht zu unserer Erklärung.
Lesefassung: Hilfe in einfachen Worten
Dies ist eine sinngemäße Nacherzählung, nicht das Original und keine Übersetzung. Die vier Teile folgen den vier Strophen.
Teil 1: Peter, hör mir zu!
Teil 2: Manchmal ärgere ich mich sehr über dich. Trotzdem mag ich dich. Ich wünsche mir, dass du manches akzeptierst und Gefühle offen zugibst.
Teil 3: Manchmal finde ich dein Verhalten unpassend. Was genau „zu dick“ meint, bleibt offen.
Teil 4: Unsere Freundschaft ist mir wichtig. Ich kenne dich gut. Wenn Hilfe nötig ist, bist du für andere da.
Wort-Hilfen: „Gurgel“ bedeutet hier Hals oder Kehle. „Etwasse“ wirkt wie eine ungewöhnliche Mehrzahl von „Etwas“. „Zugeben“ bedeutet, etwas offen auszusprechen. „An falscher Stelle zu dick“ ist eine schwer deutbare Kritik; es muss nicht um den Körper gehen.
Gedicht verstehen
Autor, Adressat und lyrische Stimme

Foto von Hugo Erfurth, um 1930; gemeinfrei. Wikimedia Commons.
Joachim Ringelnatz (1883–1934) schrieb das Gedicht. Peter Scher war Schriftsteller und Journalist. Beide waren befreundet; das belegen auch Briefe im Stadtarchiv Wasserburg.
Wichtig: Der Autor ist ein wirklicher Mensch. Die lyrische Stimme oder das lyrische Ich ist die Stimme im Gedicht. Sie spricht Peter direkt an. Auch wenn der Name „Ringelnatz“ in Vers 5 steht, dürfen wir nicht jede Aussage ungeprüft als wahre Alltagserinnerung des Autors behandeln.

Titelblatt des „Simplicissimus“ von 1927. Peter Scher arbeitete als Redakteur dieser Satirezeitschrift. Bild: Thomas Theodor Heine; Commons, CC BY-SA 4.0. Das Bild zeigt nicht das Gedicht.
Inhalt in drei Schritten
Anfang (V. 1–5): Die Stimme spricht einen Freund an. Sie ist zeitweise sehr wütend, nennt aber auch Liebe.
Mitte (V. 6–12): Sie kritisiert Peter. Besonders wichtig ist ihr, dass man etwas zugibt.
Ende (V. 13–16): Die Stimme betont die lange Freundschaft. Sie lobt Peters Hilfsbereitschaft.
Sprache und mögliche Deutung
Anrede: „Mein lieber Peter Scher“ (V. 1) wirkt vertraut.
Starke Worte: „an der Gurgel fassen“ (V. 4) zeigt heftigen Ärger. Der Text erzählt keine ausgeführte Tat.
Gegensatz: Erst kommt Kritik, dann ein Lob. „Wir sind Freunde auf Lebenszeit“ (V. 13) setzt einen freundlichen Schwerpunkt.
Reime: „Scher / her“ (V. 1–2) und „Zugeben / Leben“ (V. 10–11) reimen sich. Die Verse sind unterschiedlich lang. Es gibt kein durchgängiges, gleiches Reimschema.
Deutung – eine mögliche Lesart: Freundschaft heißt hier vielleicht: Jemanden kritisieren und trotzdem zu ihm halten. Das ist eine Interpretation, keine nachgewiesene Absicht des Autors.
So belegst Du eine Aussage: Die Stimme vertraut Peter, denn sie nennt ihn „hilfsbereit“ (V. 16). Schreibe bei eigenen Deutungen ebenfalls Zitat + Verszahl + Erklärung.
Mit Stimme und Medien üben
Video 1 (Schnell durchblicken): Gedichte einfach verstehen. Achte auf Gefühle, Beobachtungen und Gedanken. Das Video behandelt nicht „An Peter Scher“.
Hörbeispiel von Wikimedia Commons: „Schenken“ ist ein anderes Gedicht von Ringelnatz. Hör auf Pausen und Betonung. Sprecherin: Juliane Flade, 2023, CC BY-SA 4.0.
Audiodatei und Lizenz · CC BY-SA 4.0.
Video 2 (Oliver Wurm): Hier wird „Die Ameisen“ von Ringelnatz vorgelesen (Katharina Pütter). Vergleiche: Klingt dieses andere Gedicht genauso ernst?
Animation: So entstehen Schallwellen bei einem Lautsprecher. Das zeigt nicht den Rhythmus unseres Gedichts. Es hilft Dir aber, über das Hören nachzudenken.

Animation: KyleThayer, CC0. Wikimedia Commons.
Zusatzvideo für Klasse 8 (Schnell durchblicken): Rhythmus in Gedichten erkennen. Probiere danach zwei Verse laut aus.
Gestufte Hilfen
Hilfe 1 – Finden: Markiere Ärger in V. 3–4, Zugeben in V. 8–11 und Lob in V. 13–16.
Hilfe 2 – Wörter: Nutze die Begriffe Wut, Kritik, Ehrlichkeit, Freundschaft und Vertrauen.
Hilfe 3 – Schreiben: Nutze den Satzanfang: In Vers ... steht „...“. Das zeigt ... . Ich deute dies so: ... .
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Zitiergestütztes Lesequiz: Die Verse beziehen sich auf die Quellfassung. Lies die Zitate vor jeder Antwort.
Wen spricht die Stimme mit „Mein lieber ...“ (V. 1) an? (Peter Scher) (!Einen fremden Lehrer) (!Einen Seemann) (!Den Verlag)
Was zeigt „manchmal hassen“ (V. 3)? (Starken Ärger) (!Völlige Gleichgültigkeit) (!Vorfreude auf Ferien) (!Angst vor Gewitter)
Was ist bei „an der Gurgel fassen“ (V. 4) sicher? (Die Stimme spricht von einem heftigen Wunsch) (!Eine Tat wird ausführlich erzählt) (!Peter greift die Stimme an) (!Beide streiten vor Gericht)
Was steht in „den der Ringelnatz liebt“ (V. 5)? (Dass Ringelnatz Peter liebt) (!Dass Peter die Stadt verlässt) (!Dass alle Freunde Feinde sind) (!Dass Ringelnatz Peter nicht kennt)
Was sagt die Stimme über „Etwasse“ (V. 6–7)? (Man kann mit manchen Dingen nichts anfangen) (!Alles lässt sich sofort reparieren) (!Alles gehört dem Sprecher) (!Man darf niemals Fragen stellen)
Was wirft die Stimme Peter mit „Das nicht zugibst“ (V. 9) vor? (Er gesteht seine Zuneigung nicht offen ein) (!Er hat ein Buch vergessen) (!Er kann nicht schwimmen) (!Er schreibt keine Gedichte)
Was zählt laut „auf das Zugeben / Kommt’s an“ (V. 10–11)? (Das offene Zugeben) (!Ein hoher Geldbetrag) (!Ein schönes Haus) (!Eine lange Reise)
Welche Formulierung kritisiert Peter in Vers 12? (An falscher Stelle zu dick) (!Immer freundlich und still) (!Ganz und hilfsbereit) (!Mein lieber Peter)
Was betont „Freunde auf Lebenszeit“ (V. 13)? (Eine dauerhafte Freundschaft) (!Das Ende eines Streits vor Gericht) (!Eine unbekannte Reise) (!Das Ende der Bekanntschaft)
Wie beschreibt die Stimme Peter am Ende (V. 16)? (Ganz und groß und hilfsbereit) (!Feige und unfreundlich) (!Fremd und unbekannt) (!Traurig und mutlos)
Memory
| Quellfassung | Wortlaut der Ausgabe von 1928 |
| Lesefassung | Inhalt mit einfachen Worten |
| Vers | Einzelne Gedichtzeile |
| Strophe | Abschnitt aus Versen |
| Lyrische Stimme | Person die im Gedicht spricht |
| Textbeleg | Zitat mit Versangabe |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Aussage |
|---|---|
| Horch her | Aufforderung |
| an der Gurgel fassen | Wut |
| Das nicht zugibst | Verschweigen |
| Freunde auf Lebenszeit | Verbundenheit |
| groß und hilfsbereit | Anerkennung |
Kreuzworträtsel
| Ringelnatz | Wie lautet der Künstlername des Autors? |
| Allerdings | Wie heißt der Gedichtband von 1928? |
| Freundschaft | Wie heißt die Bindung zwischen den Angesprochenen? |
| Zugeben | Was zählt laut Vers elf im Leben? |
| Vergangenheit | Was kennt die Stimme von Peter? |
| Hilfsbereit | Wie nennt die Stimme Peter im letzten Vers? |
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Hier findest Du eine Suche nach Übungen zum Thema. Nicht jede gefundene Übung bezieht sich genau auf dieses Gedicht.
Lückentext
Offene Aufgaben
Diese Aufgaben werden nicht automatisch bewertet. Du kannst allein oder mit anderen arbeiten. Belege Deine Deutungen mit Versen.
Leicht
- Laut lesen: Lies die 16 Verse erst ruhig, dann mit Gefühl. Beschreibe die Wirkung.
- Farben finden: Markiere Wörter für Ärger rot und für Freundschaft grün.
- Wörter erklären: Erkläre „Gurgel“, „Etwasse“ und „Zugeben“ in eigenen Worten.
- Mini-Nachricht: Schreibe Peter eine freundliche Antwort in vier Sätzen.
Standard
- Abschnitte: Gib jeder Strophe eine passende Überschrift und belege sie.
- Sprechweise: Schreibe sechs Sätze über die lyrische Stimme, nicht über den Autor als Privatperson.
- Rollenspiel: Führt ein faires Gespräch zwischen Peter und der Stimme auf. Belegt zwei Aussagen.
- Freundschaftsbrief: Schreibe einen kurzen Brief mit Kritik und Lob, ohne verletzende Worte.
Schwer
- Zwei Deutungen: Erkläre „zu dick“ auf zwei Arten. Nenne für beide Grenzen.
- Peters Sicht: Schreibe eine Antwortstrophe aus Peters Perspektive. Kennzeichne sie als eigenen Text.
- Vortrag vergleichen: Höre „Schenken“ und lies „An Peter Scher“ selbst. Vergleiche Tempo, Pausen und Stimmung.
- Ausgaben vergleichen: Vergleiche Scan und Lesefassung. Zeige drei Unterschiede zwischen Quelle und Hilfe.


Lernkontrolle
- Freundschaft: Kann Kritik ein Zeichen von Vertrauen sein? Begründe mit zwei Versen und einem Beispiel aus dem Alltag.
- Sprachliche Bilder: Erkläre, warum „an der Gurgel fassen“ nicht als nachgewiesene Handlung gelesen werden sollte.
- Deutungshypothese: Entwickle zwei mögliche Deutungen von „zu dick“. Kennzeichne beide als Vermutungen.
- Perspektivwechsel: Wie könnte Peter auf den Vorwurf des Verschweigens reagieren? Schreibe einen kurzen Dialog.
- Quellenarbeit: Warum darf man die Lesefassung nicht als Wortlaut von 1928 zitieren? Erkläre an einem Beispiel.
Lernnachweis
Gib eine kurze Gedichtanalyse (etwa eine halbe Seite) ab. Sie enthält: Titel, Autor und Erscheinungsjahr, eine knappe Inhaltsangabe, eine Beobachtung zur Sprache, zwei genaue Zitate mit Verszahlen, eine als Deutung markierte eigene Erklärung und einen Satz darüber, was Du aus der Freundschaft für den Alltag mitnimmst. Deine offene Schreibaufgabe kann als zusätzliche Leistung beigefügt werden. Prüfe besonders: Ist der Autor von der lyrischen Stimme unterschieden?
OERs zum Thema
Textquellen: Wikisource: Erstausgabe von 1928, Seite 141 · Zeno.org: An Peter Scher · Stadtarchiv: Briefe und Freundschaft.
Rechte: Der Gedichttext ist in Deutschland gemeinfrei (Ringelnatz starb 1934). Die Scan-Seite und das Bild des Buchcovers sind bei Wikimedia Commons als gemeinfrei gekennzeichnet. Das Autorenfoto von Hugo Erfurth ist ebenfalls bei Commons gemeinfrei gekennzeichnet. Das „Simplicissimus“-Bild steht dort unter CC BY-SA 4.0 (Thomas Theodor Heine), die Tonaufnahme „Schenken“ unter CC BY-SA 4.0 (Juliane Flade), die Schallwellen-Animation unter CC0 (KyleThayer). Urheber, Fundstellen und Lizenzen sind jeweils direkt am Medium verlinkt; es wurden keine Medien bearbeitet.
YouTube: Die eingebundenen Videos sind externe Angebote. Sie sind nicht automatisch freie OER und dürfen nicht ohne eigene Erlaubnis neu hochgeladen werden.
Wikipedia zum Autor (kein eigener Wikipedia-Artikel zum Gedicht vorausgesetzt):
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