An Palemon - Karsch, Anna Louisa - Gedichtanalyse
An Palemon von Anna Louisa Karsch – ein vollständiger aiMOOC für Deutsch, Klasse 9–10 mit Vertiefungen für Klasse 11–13.
Deine Leitfrage: Wie wird aus fünf traurigen Wintertagen ein Gedicht über Freundschaft, Selbstbewusstsein und die Kraft der Poesie?
Einleitung
Anna Louisa Karsch (1722–1791) verfasste An Palemon laut Textüberschrift im „Christmonath 1761“, also im Dezember 1761. Das Gedicht erschien in den Auserlesenen Gedichten von 1764. Es umfasst 32 Verse. Du untersuchst Gefühle, Naturbilder, Klang und die Frage, warum die Sprecherin an die Wirkung ihrer Gedichte glaubt.
Lies zuerst die vorhandene MOOCwiki-Textseite: Gedicht – An Palemon – Originaltext. Die überprüfbare digitale Textausgabe findest du außerdem bei TextGrid. Verwechsle dieses Gedicht nicht mit den anders betitelten Gedichten An Palemon, der Spaziergang auf dem Fürstenwall oder An Palemon, zu seinem Geburtstage.
Lernziele: Du kannst Original und Lesefassung unterscheiden, richtige Versbelege angeben, das lyrische Sprechen beschreiben, Form und Bilder untersuchen und eine eigene Deutung begründen.

Anna Louisa Karsch, Porträt von Karl Christian Kehrer (1791); gemeinfreies Kunstwerk. Quelle und Rechte: Wikimedia Commons.
Textgrundlage: Quellfassung und Lesefassung
Wichtig: Die Quellfassung bewahrt die in TextGrid dokumentierte Schreibweise. Die Lesefassung darunter ist eine vorsichtige sprachliche Modernisierung für den Unterricht – kein historischer Originaltext und keine fremdsprachige Übersetzung. Nur die Quellfassung darfst du als Wortlaut von Karsch zitieren. Die Versnummern 1–32 dienen dem Vergleichen. Die vier Achtergruppen unten sind Leseabschnitte, nicht behauptete Originalstrophen.
Quellfassung (32 Verse)
An Palemon (Im Christmonath 1761.) – Text nach TextGrid, Textausgabe des Gedichts, publiziert in Auserlesene Gedichte (1764).
V. 1–8
1 Fünf bange frostige Tage
2 Nicht vom Vergnügen durchwebt,
3 Von keinem sonnichtem Blicke
4 Für mich zu Tagen gemacht:
5 O Freund! von keinem geseegnet,
6 Der meinem Herzen verwand
7 Ward, durch gleichstimmiges Denken,
8 Hab ich sie traurig durchlebt.
V. 9–16
9 Dich suchen wollt ich am Tage,
10 Den ein erschaffender Gott,
11 Nach der vollendeten Schöpfung,
12 Hochheilig machte zur Ruh.
13 Dich, dem in meinen Gesängen
14 Des Herzens Sprache gefällt –
15 Doch einsam fand ich die Wohnung.
16 Ich stand und dachte Verdruß,
V. 17–24
17 Und gieng mit wankendem Schritt
18 Und warf die Augen herab
19 Nach der kleinstromigten Elbe,
20 Itzt breit umufert von Eis.
21 Der Mond mit glänzendem Antlitz
22 Gieng prächtig über ihr auf,
23 Und sah, mit Blicken des Stolzes
24 Auf ihrer Fläche sein Bild.
V. 25–32
25 So sieht die Seele der Sapho
26 Ihr Bild im sanften Gesang.
27 Der Erde Ströme vertrocknen,
28 Auslöscht die Fackel der Nacht;
29 Nicht aber also die Seele!
30 Sie bleibt, und singet, o Freund!
31 Im Creyse meiner Geliebten,
32 Einst noch dem hohen Olymp.
Textnachweis: Anna Louisa Karsch, An Palemon, in Auserlesene Gedichte, Berlin 1764, digitale Edition TextGrid Repository (2012), Editionsnachweis. Der historische Gedichttext ist gemeinfrei; die editorischen TextGrid-Daten sind mit Namensnennung TextGrid unter CC BY 3.0 DE zugänglich.
Lesefassung (behutsam modernisiert)
Lesehilfe: Diese Fassung vereinfacht alte Schreibweisen und manche Satzstellungen. Sie darf nicht als wörtliches Karsch-Zitat verwendet werden.
V. 1–8
1 Fünf bange, frostige Tage,
2 nicht vom Vergnügen durchwebt,
3 von keinem sonnigen Blick
4 für mich zu schönen Tagen gemacht:
5 O Freund, von niemandem gesegnet,
6 der meinem Herzen verwandt
7 war durch gleiches Denken,
8 habe ich sie traurig durchlebt.
V. 9–16
9 Ich wollte dich an jenem Tag suchen,
10 den ein erschaffender Gott
11 nach der vollendeten Schöpfung
12 heilig machte zur Ruhe.
13 Dich, dem in meinen Gesängen
14 die Sprache des Herzens gefällt –
15 doch die Wohnung fand ich leer.
16 Ich stand da und empfand Verdruss,
V. 17–24
17 ging mit unsicherem Schritt
18 und senkte meinen Blick
19 zur Elbe mit ihren kleinen Strömungen,
20 jetzt breit von Eis umgeben.
21 Der Mond mit glänzendem Gesicht
22 ging prächtig über ihr auf
23 und betrachtete stolz
24 sein Bild auf ihrer Oberfläche.
V. 25–32
25 So sieht die Seele der Sappho
26 ihr Bild im sanften Gesang.
27 Die Ströme der Erde vertrocknen,
28 die Fackel der Nacht erlischt;
29 nicht aber die Seele!
30 Sie bleibt und singt, o Freund,
31 im Kreis meiner geliebten Menschen,
32 einst noch dem hohen Olymp.
Keine Übersetzung nötig: Das Ausgangsgedicht ist bereits deutsch. Die Lesefassung ist eine Übertragung in leichter lesbares heutiges Deutsch. Eine Interpretation kommt erst danach: Sie erklärt mögliche Bedeutungen, ohne den Wortlaut zu ersetzen.
Lyrisches Sprechen und Gedankengang
Das Gedicht hat eine sprechende Ich-Figur. Sie nennt fünf traurige, frostige Tage (V. 1–8). Eine vertraute Person fehlt ihr. In V. 9–15 erzählt das Ich von einem geplanten Besuch, doch die Wohnung ist leer. Danach wandert der Blick zur vereisten Elbe. Am Ende spricht das Ich nicht mehr nur über Enttäuschung. Es denkt über Dichtung und das Fortleben der Seele nach.
Versbeleg A: „Fünf bange frostige Tage“ (V. 1). Die Wörter „bange“ und „frostige“ verbinden Gefühl und Temperatur. Du kannst darin Einsamkeit lesen; sicher belegt ist zunächst eine bedrückte Stimmung.
Versbeleg B: „Doch einsam fand ich die Wohnung.“ (V. 15). Die Abwesenheit wird konkret. Der Text sagt nicht, warum die angesprochene Person fehlt. Erfinde keine Trennungsgeschichte.
Versbeleg C: „Sie bleibt, und singet, o Freund!“ (V. 30). Das Schlussbild richtet den Blick auf etwas Dauerhaftes: die singende Seele. Ob dies vor allem künstlerischer Ruhm, Trost, spirituelle Hoffnung oder Selbstermutigung ist, musst du begründen.
Wer ist Palemon? Der Titel gibt einen literarischen Namen. Die Verse selbst nennen keinen bürgerlichen Namen. Setze die Stimme des lyrischen Ichs deshalb nicht ungeprüft mit jeder Lebensäußerung der Dichterin gleich. Lyrisches Ich und Autor sind analytisch zu unterscheiden.
Aufgabe zum Lesen
Markiere in der Quellfassung drei Stellen: Trauer (V. 1–8), Enttäuschung (V. 13–20) und Selbstbehauptung (V. 25–32). Nenne zu jeder Stelle eine genaue Versnummer und einen kurzen Wortlaut. Prüfe anschließend, was dein Zitat wirklich beweist.
Form, Rhythmus und Klang
Das Gedicht umfasst 32 Verse. Die in der Edition sichtbaren Zeilen reimen sich nicht nach einem durchgehenden Endreimschema. Die Zeilen sind meist kurz. Eine strenge gleichbleibende Metrik solltest du nicht behaupten, bevor du mehrere Verse laut gelesen und ihre Betonungen überprüft hast. Die Bezeichnung Ode ist hier durch die Einordnung der TextGrid-Ausgabe in die Oden der Auserlesenen Gedichte gestützt.
Achte besonders auf den Anruf „O Freund!“ in V. 5 und V. 30. So klingt das Gedicht wie ein Gespräch mit einer nicht anwesenden Person. Auffällig sind außerdem Klangnähe und Wortwiederholung, etwa die Folge „Fünf bange frostige Tage“ (V. 1). Beim lauten Lesen hörst du die mehrfachen f- und t-Laute. Das kann die Kälte schärfer wirken lassen; es bleibt eine begründbare Wirkung, keine messbare Eigenschaft des Wetters.
Rhythmusübung: Lies V. 1, V. 15, V. 21 und V. 30 laut. Markiere die betonten Silben. Vergleiche die Wirkung des sachlichen Berichts, des überraschenden „Doch“, des Mondbildes und des Ausrufs. Prüfe unterschiedliche Sprechweisen, statt ein einziges Metrum vorzugeben.
Klangexperiment: Windaufnahme von Beeld en Geluid (CC BY-SA 3.0). Sie ist keine Aufnahme des Gedichts oder des Winters von 1761. Höre kurz hinein und lies V. 1 danach selbst: Was verändert sich an deinem Höreindruck? Quelle und Lizenz.
Naturbilder: Eis, Mond und Spiegelung
Die Elbe erscheint in V. 19–20 von Eis umgeben. Sie kann die erlebte Erstarrung sichtbar machen. Dann verändert sich das Bild: Der Mond steigt auf und sieht sein Spiegelbild im Wasser (V. 21–24). Der Mond hat ein „Antlitz“ und „Blicke des Stolzes“. Das ist eine Personifikation: Ein Naturkörper handelt wie ein Mensch.

Die zugefrorene Elbe bei Magdeburg im Februar 1954, als späteres Vergleichsbild, nicht als Bild von 1761. Bundesarchiv, Bild 183-23308-0003 / Rösener / CC BY-SA 3.0 DE. Nachweis.
Bildvergleich: „Und sah, mit Blicken des Stolzes / Auf ihrer Fläche sein Bild.“ (V. 23–24). Zwei Verse später folgt „So sieht die Seele der Sapho / Ihr Bild im sanften Gesang.“ (V. 25–26). Das Wort „So“ macht aus der Mondspiegelung einen Vergleich: Wie der Mond sich im Fluss betrachtet, erkennt die dichterische Stimme sich in der eigenen Kunst.

NASA-Animation der Mondphasen, auf Wikimedia Commons als gemeinfrei gekennzeichnet. Sie erklärt astronomische Veränderung, nicht die historische Szene oder das genaue Mondbild im Gedicht. Quelle und Rechte.
Deutung mit Gegenprobe: In V. 27–28 können sogar Ströme vertrocknen und das Licht der Nacht erlöschen. V. 29 setzt dagegen: „Nicht aber also die Seele!“ Dies ist ein Gegensatz zwischen Vergänglichkeit der Natur und der erhofften Dauer des Inneren bzw. der Dichtung. Unterscheide Textbeleg und deine Interpretation.
Aufklärung, Empfindsamkeit und Sappho
Anna Louisa Karsch lebte im 18. Jahrhundert. Die Aufklärung schätzte Nachdenken, Bildung und Kritik. Die eng verbundene Empfindsamkeit hob persönliche Gefühle, Freundschaft und Innerlichkeit hervor. Diese zwei Begriffe sind Lesehilfen, keine starren Etiketten: Das Gedicht zeigt sowohl genaues Nachdenken über Vergänglichkeit als auch starkes Gefühl.
In V. 25 nennt der Originaltext ausdrücklich „Sapho“. Damit ist Sappho gemeint, eine antike griechische Dichterin. Der Bezug führt eine weibliche dichterische Tradition vor Augen. Die Stimme sieht sich nicht bloß als traurige Freundin: Sie denkt über den Wert ihres Gesangs nach. Die Wendung „dem hohen Olymp“ (V. 32) greift ein Bild aus der griechischen Mythologie auf. Der Text sagt nicht ausdrücklich, welche Form eines Nachlebens gemeint ist.
Drei mögliche Deutungen: Erstens kann Dichtung gegen Einsamkeit trösten (V. 15 und 30). Zweitens kann der Sappho-Vergleich künstlerisches Selbstbewusstsein ausdrücken (V. 25–26). Drittens kann das Ende eine Hoffnung auf Dauer über das irdische Leben hinaus nennen (V. 27–32). Keine Deutung ist ohne Verse überzeugend.
Zeithistorische Einordnung: Karsch wuchs unter schwierigen Bedingungen auf und wurde als Dichterin bekannt. Eine verlässliche biografische Einführung bietet die Deutsche Biographie. Lies auch Anna Louisa Karsch und Empfindsamkeit.
Video – historische Dichterstimme als Vortrag: Lutz Görner liest Gedichte von Anna Louisa Karsch. Das Video ist nicht als Aufnahme von An Palemon ausgewiesen. Analysiere Vortragsweise und Mimik, nicht vermeintliche Originaltöne der Dichterin.
Videonachweis: YouTube, Lutz Görner; als Unterrichtshinweis auch in Deutschlandfunk-Lyrikmaterialien 2012 genannt. Nur eingebettet, keine Behauptung einer freien Videolizenz.
Gestufte Lesehilfen
Hilfe 1 – Einstieg: Suche in V. 1–8 zwei Gefühlswörter. Finde dann in V. 15 das Wort, das die Enttäuschung zeigt.
Hilfe 2 – Textnachweis: Beginne deinen Satz mit „In Vers … heißt es ‚…‘. Das zeigt …, weil …“. Nutze stets die Quellfassung für die Anführungszeichen.
Hilfe 3 – Deutung: Verbinde V. 21–26 mit V. 27–32: Was bedeutet das Spiegelbild für die Kunst? Was kann über Natur und Zeit hinaus bleiben? Formuliere auch eine Gegenlesart.
Interaktive Aufgaben
Multiple-Choice-Quiz: genau lesen
Welche Wörter stehen am Anfang der Quellfassung in Vers 1? (Fünf bange frostige Tage) (!Fünf heitere sonnige Tage) (!Drei dunkle warme Stunden) (!Sieben kalte Winterwochen)
Welche Anrede steht in Vers 5? (O Freund!) (!O Bruder!) (!O König!) (!O Mutter!)
Was möchte die Sprecherin nach Vers 9 tun? (Die angesprochene Person suchen) (!Eine Stadt verlassen) (!Ein Buch verbrennen) (!Einen Brief verstecken)
Was erfährt man in Vers 15? (Die Wohnung wird einsam vorgefunden) (!Der Freund empfängt die Sprecherin) (!Ein Fest beginnt) (!Das Wetter wird warm)
Welcher Fluss wird in Vers 19 genannt? (Elbe) (!Donau) (!Rhein) (!Oder)
Welches Naturbild steht in den Versen 21 bis 24? (Der Mond sieht sein Bild im Fluss) (!Die Sonne versinkt im Wald) (!Ein Stern fällt in ein Meer) (!Eine Blume öffnet sich)
Auf welche antike Dichterin verweist Vers 25? (Sapho) (!Homer) (!Vergil) (!Ovid)
Welcher Gedanke steht im Zentrum der Verse 27 bis 30? (Die Seele bleibt trotz Vergänglichkeit) (!Der Winter dauert immer) (!Die Elbe wird zu Stein) (!Das Gedicht endet ohne Hoffnung)
Welche Aussage über die Form ist nach der Quellfassung richtig? (Es gibt kein durchgehendes Endreimschema) (!Jeder Vers reimt sich mit dem nächsten) (!Es ist ein Sonett mit vierzehn Versen) (!Der Text besteht nur aus zwei Zeilen)
Welche Fassung darfst du als historischen Karsch-Wortlaut zitieren? (Die mit der TextGrid-Ausgabe verglichene Quellfassung) (!Die modernisierte Lesefassung) (!Eine selbst erfundene Umschreibung) (!Die Zusammenfassung im Quiz)
Memory-Spiel: Begriff und Bedeutung
| Lyrisches Ich | Stimme, die innerhalb des Gedichts spricht |
| Personifikation | Natur oder Ding handelt wie ein Mensch |
| Quellfassung | Text in überlieferter Schreibweise |
| Lesefassung | Sprachlich erleichterte Bearbeitung |
| Versbeleg | Wörtlicher Ausschnitt mit Zeilenangabe |
| Empfindsamkeit | Literarische Betonung von Gefühl und Freundschaft |
Drag-and-Drop: Bilder und Aussagen zuordnen
| Ordne den passenden Begriff zu. | Beobachtung im Gedicht |
|---|---|
| Winterkälte | Bange frostige Tage zu Beginn |
| Besuch | Gesuchte Person ist nicht in der Wohnung |
| Flussufer | Blick hinab zur vereisten Elbe |
| Spiegelbild | Mond erkennt sich auf dem Wasser |
| Seele | Die innere Stimme soll weiter singen |
Kreuzworträtsel: Schlüsselwörter
| Palemon | Welcher Name steht im Titel? |
| Elbe | Welcher Fluss wird im Text genannt? |
| Mond | Welcher Himmelskörper sieht sein Spiegelbild? |
| Sapho | Welche antike Dichterin wird im Original genannt? |
| Seele | Was bleibt nach der Aussage im Schluss bestehen? |
| Winter | Welche Jahreszeit passt zu Frost und Eis? |
LearningApps: weiter üben
Suche eine Übung zu Gedichtmerkmalen. Prüfe, ob sie wirklich zu den 32 Versen passt; die Suchseite allein ist noch keine geprüfte Aufgabe zu Karschs Gedicht.
Lückentext: Beobachtung und Interpretation
Offene Aufgaben
Die drei markierten Schreibaufträge bilden eine Lernspur mit steigendem Anspruch. Alle zwölf Aufgaben gehören zum vollständigen aiMOOC. Bei jedem Schreibauftrag zitierst du aus der Quellfassung.
Leicht
- Schreibauftrag A – sechs Sätze: Schreibe in sechs einfachen Sätzen, was in V. 1–8, 15 und 29–30 geschieht. Nutze mindestens zwei genaue Zitate. Hilfe: „Zuerst …; dann …; am Ende …“.
- Gefühlsfarben: Markiere vier Wörter für Traurigkeit und zwei für Hoffnung. Schreibe jeweils die Versnummer daneben und erkläre eine Farbwahl.
- Wörterwerkstatt: Vergleiche „gieng“, „Itzt“, „Creyse“ und „Verdruß“ mit der Lesefassung. Notiere heutige Wörter. Erkläre, warum ein modernes Wort kein Originalzitat ist.
- Sprechprobe: Lies V. 13–16 und V. 29–32 laut. Probiere zwei Betonungen aus und beschreibe, welche Gefühle du hörbar machst.
Standard
- Schreibauftrag B – kurzer Analyseabschnitt: Untersuche auf etwa einer halben Seite den Wandel von Enttäuschung zu Hoffnung. Nutze V. 15, 21–26 und 29–30. Hilfe: Beobachtung, Zitat, sprachliches Mittel, Wirkung, Deutung.
- Mond als Figur: Finde in V. 21–24 zwei menschliche Merkmale des Mondes. Schreibe, wozu das Bild im Gedicht dienen könnte; nenne eine alternative Erklärung.
- Epochenfenster: Vergleiche in einer Tabelle je zwei Merkmale der Aufklärung und der Empfindsamkeit mit konkreten Stellen dieses Gedichts. Begründe auch, wo ein Merkmal nicht eindeutig passt.
- Lesebühne: Entwickle zu zweit einen Vortrag von zwölf Versen. Markiert Pausen, Betonungen und euren Wechsel. Erklärt die Entscheidungen anhand des Inhalts.
Schwer
- Schreibauftrag C – begründete Gesamtdeutung: Verfasse eine zusammenhängende Interpretation von ungefähr einer Seite zur Frage „Kann Kunst Vergänglichkeit überdauern?“. Beziehe Form, Klang, Sappho-Vergleich und mindestens vier präzise Verszitate ein. Hilfe: These, Belege, Gegenargument, Schluss.
- Intertextueller Vergleich: Recherchiere eine seriöse Quelle zu Sappho. Erkläre, was der Eigenvergleich in V. 25–26 für weibliche Autorschaft bedeuten kann und was der Text dazu offenlässt.
- Editionsvergleich: Untersuche vier Veränderungen zwischen Quell- und Lesefassung. Bewerte, welche sprachlichen Hilfen nützen und wo eine Modernisierung Bedeutungen verschiebt.
- Zeitgenössische Kritik prüfen: Lies den Kommentar Moses Mendelssohns von 1764. Trenne sein Werturteil von der Beschreibung des Gedichts und antworte mit mindestens zwei Belegen aus Karschs Text.


Lernkontrolle
- Beleg und Schlussfolgerung: Erkläre mit den Versen 1 und 15, ob Einsamkeit sicher ausgedrückt ist und was über den abwesenden Freund ungesagt bleibt.
- Bildsprache im Zusammenhang: Zeige, wie aus dem selbstbewussten Mond in V. 21–24 der Vergleich mit Sapphos Gesang in V. 25–26 entsteht.
- Klang überprüfen: Lies vier ausgewählte Verse und dokumentiere Betonungen. Prüfe anhand des Textes, ob eine Behauptung über ein festes Metrum gerechtfertigt ist.
- Epoche begründen: Bewerte, ob das Gedicht überzeugend als empfindsam gelesen werden kann. Nutze zwei Textstellen und eine Gegenbeobachtung.
- Deutungen vergleichen: Stelle Trost durch Freundschaft und Selbstbehauptung durch Kunst gegenüber. Entscheide mit drei genauen Verszitaten, was für dich stärker wiegt.
- Quellentreue: Zeige an zwei Wörtern den Unterschied zwischen Original und Lesefassung. Erkläre, welche Fassung in einer wissenschaftlichen Analyse zitiert werden muss.
Lernnachweis
Wissen: Du kennst Autorin, Datierung, 32 Verse, Hauptbilder und den Epochenkontext. Fertigkeiten: Du kannst Originalwortlaut prüfen, Verse korrekt zitieren und Metapher, Vergleich sowie Personifikation erläutern. Produkte: Du erstellst ein Leseprotokoll, eine kurze Analyse und einen gestuften Schreibauftrag. Transfer: Du kannst eine moderne Bearbeitung von einer historischen Quelle unterscheiden und eine Deutung mit einer Gegenposition fair abwägen.
Mini-Rubrik für deine Schreibtexte: Texttreue mit richtigen Versen; klare Argumente; verständliche Sprache; Zusammenhang zwischen sprachlichem Mittel und Wirkung; transparente Quellen. Prüfe diese fünf Punkte vor der Abgabe.
OER und Wikipedia
Gedicht und Editionsdaten: An Palemon – TextGrid, Quelltext und TextGrid-Editionsmetadaten (Berlin 1764, Entstehung 1761). Gemeinfreier historischer Text; TextGrid-Annotationen/Daten: CC BY 3.0 DE, Namensnennung TextGrid.
Biografie und Kontext: Deutsche Biographie: Anna Louisa Karsch; Moses Mendelssohn, zeitgenössische Ode-Kritik; Deutschlandfunk/lyrix, Unterrichtsmaterial zu Karsch und Gleim (2012). Die Unterrichtsmaterialien betreffen ein anderes Karsch-Gedicht; sie dienen nur dem Kontext.
Historisches Buch als Digitalisat: Auserlesene Gedichte, Berlin 1764, Bayerische Staatsbibliothek / Wikimedia Commons, als historischer Buchscan.
Bild-, Ton- und Animationsnachweise: Die Dateien werden unverändert aus Wikimedia Commons eingebunden. Für jede Datei findest du hier Urheber bzw. Herkunft und die auf Commons angegebene Lizenz; es wurde kein neues Medium erstellt.
| Datei | Quelle | Urheber / Herkunft | Rechte und Namensnennung |
|---|---|---|---|
| File:Karsch (Kehrer).jpg | Commons-Dateiseite | Karl Christian Kehrer, 1791; Reproduktion in Das Jahrhundert der Freundschaft; Datei James Steakley | Gemeinfrei / Public Domain Mark; Nennung Karl Christian Kehrer / Gleimhaus |
| File:Bundesarchiv Bild 183-23308-0003, Elbe bei Magdeburg im Winter, Vereisung.jpg | Commons-Dateiseite | Bundesarchiv, Bild 183-23308-0003 / Rösener; Aufnahme 1954 | CC BY-SA 3.0 DE, Namensnennung Bundesarchiv / Rösener; kein Zeitzeugnis von 1761 |
| File:Wind - SoundCloud - Beeld en Geluid.ogg | Commons-Dateiseite | Beeld en Geluid, Projekt Geluid van Nederland | CC BY-SA 3.0, Namensnennung Beeld en Geluid; modernes Beispielgeräusch |
| File:Moon phase animated.gif | Commons-Dateiseite | NASA, 2016 | Public Domain, NASA; sachliche Astronomie-Animation |
YouTube: Lutz Görner trägt Gedichte von Anna Louisa Karsch vor. Der Vortrag ist als Video verlinkt/eingebettet; er wird hier nicht vervielfältigt oder unter eine nicht nachgewiesene CC-Lizenz gestellt. Es gibt keinen Nachweis, dass dieser Vortrag gerade An Palemon enthält.
Wikipedia zum Weiterlesen (deutsch):
Weitere interne Lernwege: Vorhandene Textseite, Gedichtanalyse, Sappho, Aufklärung, Empfindsamkeit, Lyrisches Ich, Metrum, Personifikation.
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