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Agnes - Mörike, Eduard - Gedichtanalyse

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Agnes - Mörike, Eduard - Gedichtanalyse

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Agnes - Mörike, Eduard - Gedichtanalyse

Kurzbeschreibung: Eduard Mörikes Gedicht „Agnes“ beginnt mit „Rosenzeit! wie schnell vorbei“ und umfasst 24 Verse. In diesem aiMOOC lernst Du das Gedicht in einer historischen Quellfassung nach der Ausgabe der Gedichte von 1867 und in einer vorsichtig modernisierten Lesefassung kennen. Du untersuchst Inhalt, lyrische Stimme, Wiederholungen, Bilder und Wirkung. Die Aufgaben sind für Klasse 7–8 gedacht.

Eduard Mörike, Lithografie von 1851. Wikimedia Commons, gemeinfrei.

Signatur Eduard Mörikes von 1840. Wikimedia Commons, gemeinfrei.


Einleitung

Eduard Mörike lebte von 1804 bis 1875. Er schrieb Gedichte, Erzählungen und den Roman Maler Nolten. Das Gedicht „Agnes“ entstand wahrscheinlich 1831. Eine frühe Fassung steht im 1832 erschienenen Roman Maler Nolten. In den Gedichten trägt das Lied den Titel „Agnes“.

Wichtig: Eduard Mörike ist der Autor. Die Stimme im Gedicht ist nicht automatisch der Autor. Wir sprechen von der lyrischen Stimme oder vom lyrischen Ich. Im Zusammenhang mit Maler Nolten ist die Stimme mit der Figur Agnes verbunden. In einer Gedichtanalyse musst Du trotzdem zwischen Autor, Figur und lyrischer Stimme unterscheiden.

Video: „Lyrisches Ich | einfach erklärt“ von Studyflix. Es erklärt den Unterschied zwischen Autor und lyrischer Stimme.

Aussprache „Eduard Mörike“. Aufnahme von Jeuwre, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.


Historische Textgrundlage

Ausgangspunkt dieses aiMOOCs ist die bei Zeno.org wiedergegebene Fassung aus Eduard Mörike: Gedichte, Ausgabe 1867. Die historisch-kritische Ausgabe bestätigt für diese Textstufe unter anderem die Schreibungen „wohlgemuth“, „Wiesenthal“, „Thal“ und „Treu’“.

Quellen:

  1. Zeno.org: Agnes – Gedichte, Ausgabe 1867
  2. Mörike-Gesellschaft: Gedicht des Monats „Agnes“, Textgrundlage Ausgabe 1867


Quellfassung: Ausgabe 1867

Agnes

Rosenzeit! wie schnell vorbei,
Schnell vorbei
Bist du doch gegangen!
Wär’ mein Lieb nur blieben treu,
Blieben treu,
Sollte mir nicht bangen.

Um die Ernte wohlgemuth,
Wohlgemuth
Schnitterinnen singen.
Aber, ach! mir kranken Blut,
Mir kranken Blut
Will nichts mehr gelingen.

Schleiche so durch’s Wiesenthal,
So durch’s Thal,
Als im Traum verloren,
Nach dem Berg, da tausendmal,
Tausendmal
Er mir Treu’ geschworen.

Oben auf des Hügels Rand,
Abgewandt,
Wein ich bei der Linde;
An dem Hut mein Rosenband,
Von seiner Hand,
Spielet in dem Winde.

Hinweis: Diese Fassung bewahrt historische Schreibweisen. Der Text von Mörike ist gemeinfrei.


Lesefassung für Klasse 7–8

Diese Lesefassung ist keine Übersetzung. Sie modernisiert nur einzelne Schreibweisen. Inhalt und Versfolge bleiben erhalten.

Rosenzeit! wie schnell vorbei,
schnell vorbei
bist du doch gegangen!
Wär mein Lieb nur blieben treu,
blieben treu,
sollte mir nicht bangen.

Um die Ernte wohlgemut,
wohlgemut
Schnitterinnen singen.
Aber, ach! mir kranken Blut,
mir kranken Blut
will nichts mehr gelingen.

Schleiche so durchs Wiesental,
so durchs Tal,
als im Traum verloren,
nach dem Berg, da tausendmal,
tausendmal
er mir Treu geschworen.

Oben auf des Hügels Rand,
abgewandt,
wein ich bei der Linde;
an dem Hut mein Rosenband,
von seiner Hand,
spielet in dem Winde.


Erste Lesehilfe

Das Gedicht zeigt eine traurige lyrische Stimme. Sie erinnert sich an eine Liebe, die nicht treu geblieben ist. Draußen wird geerntet und gesungen. Die Umgebung wirkt lebendig. Die Sprecherin selbst fühlt sich schwach und verloren.

Gestufte Hilfe 1: Unterstreiche Wörter, die Freude zeigen, und Wörter, die Trauer zeigen.

Gestufte Hilfe 2: Vergleiche „Schnitterinnen singen“ mit „Will nichts mehr gelingen“.

Gestufte Hilfe 3: Formuliere einen Satz: Außen ist die Welt ..., innen fühlt sich die lyrische Stimme ... .

Rose als Bildmotiv. Foto von Arisepeter, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

Eine Rose öffnet sich im Zeitraffer. BY-YOUR-⌘, Wikimedia Commons, CC BY 2.0. Das Medium hilft beim Nachdenken über die kurze „Rosenzeit“.


Aufbau und Form

Das Gedicht hat vier Strophen mit je sechs Versen. Insgesamt sind es 24 Verse. Kurze Wiederholungsverse wie „Schnell vorbei“, „Blieben treu“ oder „Tausendmal“ wirken wie ein Refrain. Dadurch klingt das Gedicht liedhaft.

Die Wiederholungen verlangsamen das Lesen. Gleichzeitig verstärken sie wichtige Gefühle und Gedanken. Besonders deutlich ist das bei „schnell vorbei“: Gerade weil die Worte wiederholt werden, bleibt der Verlust im Gedächtnis.

Video: „Gedichtformen | einfach erklärt“ von Studyflix. Achte besonders auf die Merkmale liedhafter Gedichte.


Inhalt der vier Strophen

  1. Strophe 1: Die Rosenzeit ist vorbei. Die lyrische Stimme klagt über verlorene Treue.
  2. Strophe 2: Andere Menschen singen bei der Ernte. Die lyrische Stimme fühlt sich krank und kraftlos.
  3. Strophe 3: Sie geht durch das Tal zu einem Berg, an dem Treue versprochen wurde.
  4. Strophe 4: Sie weint bei einer Linde. Ein Rosenband, ein Geschenk des Geliebten, bewegt sich im Wind.


Wichtige Bilder und Gegensätze

Rosenzeit kann als Bild für eine schöne, aber vergängliche Zeit gelesen werden. Diese Deutung ist eine Interpretation, keine direkte Tatsachenangabe des Gedichts.

Ernte steht zunächst ganz konkret im Text. Gleichzeitig bildet die fröhliche Arbeit der Schnitterinnen einen starken Gegensatz zur Trauer der lyrischen Stimme.

Linde ist der Ort des Weinens. Der Text sagt nicht ausdrücklich, wofür der Baum symbolisch steht. Wenn Du ihm eine Bedeutung gibst, musst Du sie mit dem Text begründen.

Rosenband verbindet Erinnerung und Gegenwart. Es stammt „von seiner Hand“. Noch ist es da, obwohl die Beziehung offenbar zerbrochen ist.

Eine Sommerlinde. Foto von Andreas Schikora, Wikimedia Commons, CC0.


Autor, lyrische Stimme und Figur Agnes

Autor: Eduard Mörike hat den Text geschrieben.

Lyrische Stimme: Sie spricht im Gedicht von Verlust, Treue und Erinnerung.

Figur Agnes: In Maler Nolten ist Agnes eine Romanfigur. Das Lied ist dort in einen erzählerischen Zusammenhang eingebunden.

Merksatz: Schreibe in einer Analyse nicht einfach „Mörike ist traurig“. Besser ist: „Die lyrische Stimme wirkt traurig, weil ...“

Video: „Lyrik verstehen: Systematische Gedichtanalyse im Dialog“ von MOOCit.


Eine kurze Deutung

Eine mögliche Deutung lautet: Das Gedicht zeigt, wie eine schöne Liebeszeit vergangen ist. Die Natur und die arbeitenden Menschen gehen weiter. Die lyrische Stimme bleibt jedoch in ihrer Erinnerung gefangen. Die wiederholten Wörter klingen wie ein Echo. Das Rosenband am Ende bewegt sich im Wind und erinnert weiter an den verlorenen Geliebten.

Wichtig: Eine Gedichtdeutung ist begründet, wenn sie sich auf konkrete Wörter und Verse stützt. Andere Deutungen sind möglich, wenn sie am Text gezeigt werden.


Medien- und Rechtehinweise

  1. Eduard Moerike.jpg: historische Lithografie von 1851, gemeinfrei.
  2. Signatur Eduard Mörike 1840.PNG: gemeinfrei.
  3. De-Eduard Mörike.ogg: Jeuwre, CC BY-SA 4.0.
  4. A rose flower.jpg: Arisepeter, CC BY-SA 4.0.
  5. Rose time-lapse.ogv: BY-YOUR-⌘, CC BY 2.0.
  6. Linde (Ohlstadt).jpg: Andreas Schikora, CC0.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was zeigt der Vers „Rosenzeit! wie schnell vorbei“ zuerst? (Eine schöne Zeit ist vergangen) (!Die Ernte beginnt gerade) (!Die Rosen werden gepflanzt) (!Die Sprecherin freut sich auf den Winter)




Wer hat das Gedicht „Agnes“ geschrieben? (Eduard Mörike) (!Agnes Mörike) (!Johann Wolfgang von Goethe) (!Hugo Wolf)




Was bedeutet „Blieben treu“ im Zusammenhang der ersten Strophe? (Die lyrische Stimme wünscht sich die Treue des Geliebten) (!Die Schnitterinnen bleiben auf dem Feld) (!Die Rosen bleiben immer frisch) (!Die Linde bleibt grün)




Welcher Gegensatz steht in der zweiten Strophe? (Fröhlicher Gesang und persönliche Trauer) (!Tag und Nacht) (!Stadt und Dorf) (!Sommer und Winter)




Was tut die lyrische Stimme laut „Schleiche so durch’s Wiesenthal“? (Sie bewegt sich langsam durch das Tal) (!Sie rennt nach Hause) (!Sie arbeitet bei der Ernte) (!Sie tanzt mit den Schnitterinnen)




Woran erinnert der Berg in „da tausendmal ... Er mir Treu’ geschworen“? (An ein früheres Treueversprechen) (!An eine Reise in die Stadt) (!An einen Streit mit den Schnitterinnen) (!An das Pflanzen einer Linde)




Was macht die lyrische Stimme am Ende bei der Linde? (Sie weint) (!Sie singt) (!Sie schläft) (!Sie erntet)




Warum sind Wörter wie „Schnell vorbei“ und „Tausendmal“ wichtig? (Sie werden wiederholt und verstärken die Wirkung) (!Sie erklären die Biografie des Autors) (!Sie bilden eine Überschrift) (!Sie nennen genaue Jahreszahlen)




Welche Aussage trennt Autor und lyrische Stimme richtig? (Mörike ist der Autor, die sprechende Stimme im Gedicht ist eine lyrische Stimme) (!Mörike und die lyrische Stimme sind immer dieselbe Person) (!Agnes ist die Autorin des Gedichts) (!Die Schnitterinnen erzählen das ganze Gedicht)




Welche Aussage ist eine begründbare Interpretation des Rosenbands? (Es kann als sichtbare Erinnerung an die verlorene Liebe gelesen werden) (!Es beweist den genauen Beruf des Geliebten) (!Es zeigt, dass die Handlung im Winter spielt) (!Es nennt den Wohnort von Agnes)





Memory

Rosenzeit vergangene schöne Zeit
Schnitterinnen Frauen bei der Ernte
Treue zentrales Versprechen
Linde Ort des Weinens
Rosenband Erinnerungsgeschenk
Wiederholung liedhafte Verstärkung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Verlust Rosenzeit ist vorbei
Gegensatz Erntegesang und Trauer
Erinnerung Treueversprechen am Berg
Klage Weinen bei der Linde
Andenken Rosenband vom Geliebten





Kreuzworträtsel

Rosenzeit Welches Wort eröffnet das Gedicht?
Ernte Wobei singen die Schnitterinnen?
Linde Bei welchem Baum weint die lyrische Stimme?
Treue Was hat der Geliebte geschworen?
Rosenband Welches Geschenk trägt die Sprecherin am Hut?
Wiederholung Welches sprachliche Mittel prägt kurze Verse wie „Schnell vorbei“?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Das Gedicht „Agnes“ stammt von Eduard

. Es besteht aus vier Strophen mit insgesamt

Versen. Die lyrische Stimme beklagt verlorene

. In der zweiten Strophe bildet der fröhliche Gesang bei der

einen Gegensatz zu ihrer Trauer. Später geht sie zu einem

, an dem Treue geschworen wurde. Am Ende weint sie bei einer

. Das

erinnert an den Geliebten. Wiederholungen geben dem Gedicht einen

Klang.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Stimmungswörter: Sammle sechs Wörter aus dem Gedicht, die Trauer oder Verlust zeigen.
  2. Bildbeschreibung: Beschreibe in vier Sätzen, welches Bild beim Vers „Wein ich bei der Linde“ in Deinem Kopf entsteht.
  3. Vorlesen: Lies eine Strophe laut und entscheide, welche Wörter Du besonders betonen möchtest. Begründe Deine Wahl.
  4. Rosenband: Zeichne ein Symbolbild zum Rosenband und schreibe zwei Textbelege daneben.


Standard

  1. Gegensatzanalyse: Erkläre den Gegensatz zwischen den singenden Schnitterinnen und der lyrischen Stimme.
  2. Wiederholung: Wähle zwei Wiederholungen und erkläre ihre Wirkung in eigenen Worten.
  3. Lesefassung vergleichen: Vergleiche drei historische Schreibweisen mit der modernisierten Lesefassung.
  4. Innerer Monolog: Schreibe einen kurzen inneren Monolog der lyrischen Stimme nach der letzten Strophe. Kennzeichne ihn als eigene Gestaltung, nicht als Originaltext.


Schwer

  1. Deutungsthese: Formuliere eine Deutungsthese und belege sie mit mindestens drei kurzen Zitaten.
  2. Maler Nolten: Recherchiere, welche Rolle Agnes im Roman Maler Nolten spielt, und trenne dabei sicher belegte Fakten von Deiner Interpretation.
  3. Medienvergleich: Vergleiche das Gedicht mit der Rosen-Zeitrafferaufnahme. Erkläre, was das Medium sichtbar macht und was nur das Gedicht ausdrückt.
  4. Gedichtvortrag: Plane eine Audio- oder Video-Lesung des gemeinfreien Gedichts. Nutze nur selbst aufgenommene oder frei lizenzierte Zusatzmedien und notiere die Quellen.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Deutung mit Beleg: Erkläre, wie die Wiederholung „Schnell vorbei“ die Aussage des Gedichts verstärkt. Nutze mindestens einen weiteren Textbeleg.
  2. Innen und Außen: Zeige, wie äußere Welt und inneres Gefühl in der zweiten Strophe gegeneinander gestellt werden.
  3. Symbolisches Lesen: Deute das Rosenband auf zwei verschiedene Arten und begründe beide Möglichkeiten am Text.
  4. Sprecherinstanz: Erkläre, warum die Aussage „Mörike weint bei der Linde“ methodisch problematisch ist.
  5. Transfer: Übertrage das Grundmuster des Gedichts auf eine heutige Situation des Abschieds. Nenne dabei, was gleich bleibt und was sich verändert.
  6. Quellenkritik: Erkläre, warum es wichtig ist, bei einer historischen Gedichtanalyse die verwendete Ausgabe zu nennen.




Lernnachweis

Für einen guten Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:

  1. den Inhalt der vier Strophen knapp wiedergeben kannst,
  2. Autor und lyrische Stimme unterscheidest,
  3. wichtige Wiederholungen und Gegensätze erkennst,
  4. mindestens drei kurze Textbelege richtig einsetzt,
  5. zwischen Textbeobachtung und Interpretation unterscheidest,
  6. die historische Quellfassung von der modernisierten Lesefassung unterscheiden kannst,
  7. eine eigene Deutung verständlich und textnah begründest.




OERs zum Thema

  1. Wikimedia Commons: Eduard Mörike
  2. Wikisource: Eduard Mörike
  3. Zeno.org: Agnes, Ausgabe 1867


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