Additive Fertigung und industrielle Anwendungen – Druckfehler anhand von Beispielen erkennen
Additive Fertigung und industrielle Anwendungen – Druckfehler anhand von Beispielen erkennen
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Additive Fertigung und industrielle Anwendungen – Druckfehler anhand von Beispielen erkennen
Zielgruppe: Ausbildung in Metall-, Kunststoff- und Fertigungstechnik. Dauer: etwa 75–90 Minuten in kurzen Einheiten.
Leitfrage: Ist ein gedrucktes Bauteil maßhaltig, ausreichend verbunden und für seinen Zweck prüfbar?
Du lernst: Verzug, Poren und unzureichende Verbindung am Befund unterscheiden, Ursachen als Hypothesen formulieren, Prüfwege auswählen und eine begründete Sperr- oder Freigabeempfehlung abgeben.
Sicherheitsregel: Alle Werkzeugwege und Parameteränderungen werden zuerst offline simuliert. Keine automatische Live-Ansteuerung, keine Überbrückung von Schutzeinrichtungen. Reale Druck-, Prüf- und Nacharbeiten nur nach betrieblicher Freigabe und unter geeigneter Fachaufsicht. Beachte die Gefährdungsbeurteilung, insbesondere heiße Bauteile, Emissionen, Metallpulver und Laser.
Einleitung
Additiv gefertigte Bauteile entstehen schichtweise. Wir vergleichen zwei Verfahren: Materialextrusion (FFF) mit Kunststoff-Filament und Laser-Pulverbettfusion von Metall (PBF-LB/M). Ähnliche Fehlerwörter bedeuten dort nicht immer dieselbe Ursache.
| Fehlerbild | Typischer Befund | Erste Prüfung |
|---|---|---|
| Verzug | Ecke hebt sich; Bauteil weicht von Sollkontur ab | Sichtkontrolle und Maßprüfung |
| Poren | Hohlräume, teils nur im Inneren sichtbar | geeignete Schnitt- oder CT-Prüfung |
| Unzureichende Verbindung | Schichten oder Schmelzbahnen sind nicht ausreichend verbunden | Oberflächenbefund, Prüfplan und ggf. zusätzliche Materialprüfung |
Merke: Ein Foto liefert Beobachtungen, nicht automatisch die sichere Fehlerursache. Fehlstellen können zusammenhängen: Ungenügende Verschmelzung kann auch unregelmäßige Poren erzeugen.
Lerneinheit 1: Schichten sehen – 8 Minuten

FFF: Eine heiße Düse legt Kunststoffbahnen ab. Die Verbindung zwischen benachbarten Bahnen und Lagen entsteht im Prozess. Beobachte Düse, Schicht und Bauplattform.
Beobachtungsauftrag: Stoppe das Zeitraffervideo gedanklich nach der ersten Lage: Welche Spuren würdest Du in einer Slicer-Vorschau suchen? Das Video dokumentiert einen Aufbau, keine geprüfte Fehlerfreiheit.

PBF-LB/M: Ein Laser schmilzt ausgewählte Bereiche eines Metallpulverbetts. Schmelzbad, Überlappung, Temperaturverlauf und Pulverzustand beeinflussen die Qualität.
Fraunhofer ILT: „Laser Powder Bed Fusion mittels Diodenlaser“; Prozessdemonstration, kein Qualitätsnachweis.
Lerneinheit 2: Verzug erkennen – 8 Minuten
Symptom: Eine Bauteilecke hebt sich oder eine Fläche krümmt sich.
Erklärung: Ungleichmäßiges Erwärmen und Abkühlen kann Schrumpfung, Spannungen und Verformung verursachen. Beim FFF spielen außerdem die Haftung der ersten Lage, Werkstoff, Geometrie und Umgebungsbedingungen eine Rolle.
Fotobeispiel zum Vergleichen: Bildbeispiele für Warping bei Prusa. Nicht jede Verformung ist automatisch mangelnde Betthaftung.
Diagnosegrenze: Das Commons-Foto ist als fehlgeschlagener FFF-Druck beschrieben. Welche Schadensmerkmale sind sicher zu sehen? Die Dateibeschreibung belegt keinen bestimmten Verzugsauslöser.
Fachdemonstration Metall: Vorwärmung kann beim PBF-LB/M Temperaturunterschiede und Verzug beeinflussen. Das Verfahren ist nicht direkt mit dem FFF-Druckbett gleichzusetzen.
Fraunhofer ILT: „LPBF bei hohen Vorheiztemperaturen“, Quellenkontext.
Zusatzdemonstration: Auch Stützendesign und Nachbearbeitung gehören zum PBF-LB/M-Prozess. Was im Video sichtbar wird, ist keine automatische Aussage über innere Fehler.
Fraunhofer ILT: „Nachbearbeitung für das Laser Powder Bed Fusion – Effizientes Stützendesign und -entfernung“.
Rückmeldung: „Ecke hebt sich“ ist eine Beobachtung. „Zu schnelle Abkühlung“ ist zunächst eine plausible Hypothese; prüfe Materialprofil, erste Lage, Umgebung und Maße.
Lerneinheit 3: Poren erkennen – 8 Minuten
Symptom: Hohlräume im Material. Bei Metall-PBF-LB/M unterscheidet die Forschung unter anderem Gasporen, Keyhole-Poren und Fehlstellen durch unzureichende Verschmelzung (Lack of Fusion). Form und Lage geben Hinweise; ein einzelnes Porenbild beweist die Ursache nicht.
Wissenschaftliche Schemazeichnung zu Einflussfaktoren bei selektivem Laserschmelzen; nicht als Foto eines konkreten Prüfteils lesen.
Prüfgrenze: Äußere Sichtprüfung kann innere Poren übersehen. Die BAM beschreibt Röntgen-Computertomografie zur räumlichen Fehlercharakterisierung. Ob ein Fehler sicher nachweisbar ist, hängt auch von Bauteil, Auflösung und Prüfplan ab.
Wichtige Ausnahme: Gezielte Porosität kann bei funktionsintegrierten, durchlässigen Metallstrukturen gewollt sein. Entscheidend sind Zeichnung, Funktionsanforderung und dokumentierte Akzeptanzkriterien – nicht das Wort „Pore“ allein.
Lerneinheit 4: Unzureichende Verbindung – 8 Minuten
FFF: Sichtbare Spalten zwischen Lagen, Risse entlang einer Schichtebene oder fehlende Kunststoffbahnen können auf schwache Schichtverbindung beziehungsweise Minderextrusion hinweisen.
PBF-LB/M: Unzureichend überlappende oder aufgeschmolzene Bereiche können Lack-of-Fusion-Fehlstellen bilden.
Achtung, Verwechslungsbild: Die Commons-Datei zeigt Schichtversatz (Layer Shift), nicht den Nachweis einer Schichttrennung. Benenne zuerst, was geometrisch versetzt ist.
Demonstration Schichtfestigkeit beim FFF:
U.S. Army / Army Research Laboratory: Forschung zur Werkstoffverbindung beim FFF; frei lizenzierte Commons-Fassung. Das Beispiel zeigt Forschung, keine allgemeingültige Einstellvorgabe.
Rückmeldung: Ein nach außen intakter Druck beweist keine ausreichende innere Verbindung. Die vorgesehene Belastung bestimmt, ob zusätzliche Prüfungen nötig sind.
Ausbildungsfall: Drei Prüfteile aus einer Fertigungscharge
Simulierter Fall, keine real gemessene Charge: Ein Ausbildungsbetrieb entwickelt eine PETG-Montagelehre für eine interne, nicht sicherheitskritische Positionieraufgabe. Sollmaß einer Prüfkante: 40,0 ± 0,3 mm; maximal zulässige Ebenheitsabweichung: 0,3 mm. Drei Probestücke wurden für eine Fehlerbesprechung präpariert. Bis zur Prüfung ist keines freigegeben.
| Prüfteil | Vorgegebener Befund | Dein Auftrag |
|---|---|---|
| A | Eine Ecke ist um 1,4 mm angehoben; das Bauteil liegt nicht plan auf | Fehler benennen und Maßprüfung planen |
| B | Ein Riss verläuft sichtbar entlang einer Schichtgrenze | Verbindung beurteilen und Zusatzprüfung wählen |
| C | Im dokumentierten Querschnitt sind Lücken zwischen Extrusionsbahnen erkennbar | Hohlräume beschreiben; Ursache offenlassen |
Bearbeitung: Lege für A, B und C jeweils Beobachtung → mögliche Ursache → nötiger Nachweis → Entscheidung fest. Verwende zunächst keine Maschinenbefehle und ändere keine realen Druckparameter.
Gestufte Hilfen und begründetes Feedback
Hilfestufe 1 – Hinsehen: A betrifft vor allem die Form, B eine Grenzfläche, C fehlendes Material im betrachteten Querschnitt.
Hilfestufe 2 – Vergleichen: Nutze die Tabellen der vier Lerneinheiten. Ein Querschnitt ist nur eine betrachtete Ebene; aus ihm folgt noch keine vollständige Aussage über das Volumen.
Hilfestufe 3 – Prüfen: Bei A prüfst Du Auflage und Maß, bei B die Integrität der Verbindung, bei C Bahnbreite, Überlappung sowie bei Bedarf weitere Querschnitte oder geeignete Prüfverfahren.
Musterfeedback A: Verzug wahrscheinlich; 1,4 mm Eckanhebung überschreitet die vorgegebene Ebenheitsgrenze von 0,3 mm. Andere Zeichnungsmerkmale sind damit noch nicht geprüft. Sperren und Abweichung dokumentieren.
Musterfeedback B: Schichttrennung sichtbar; eine Rissstelle kann eine lasttragende Verbindung schwächen. Sperren, Art und Umfang des Fehlers prüfen.
Musterfeedback C: Lücken im Querschnitt belegt; Minderextrusion oder unzureichende Bahnenüberlappung sind Hypothesen. Sperren bis zur Bewertung; bei einem einzigen Schnitt nicht behaupten, das gesamte Teil sei gleich porös.
Gute Begründung: Du trennst Befund, Hypothese und Prüfentscheidung.
Nicht ausreichend: „Sieht eigentlich okay aus, also freigeben.“
Simulationswerkstatt: Interaktive Modelle
Modell A: Bauteil drehen und Schichten vorab prüfen
Interaktives 3D-Modell: 3DBenchy im Commons-3D-Betrachter öffnen und drehen (CreativeTools, CC0). Drehe das Modell und markiere große Auflageflächen, Überhänge und schmale Übergänge. Ein STL-Modell enthält keine tatsächlich entstandenen Druckfehler.
Offline-Werkzeugweg-Vergleich: Öffne das frei verfügbare PrusaSlicer an einem Schulungsrechner. Vergleiche im Schichtregler drei simulierte Varianten: Standardprofil, Variante mit Brim und gedrehte Bauteilorientierung. Nutze die geprüfte Anleitung zur Vorschau.
Feedback: Ein Brim erscheint als zusätzlicher Rand in der ersten Lage und kann die Bettadhäsion verbessern. Eine Werkzeugweg-Vorschau berechnet weder realen Verzug noch innere Poren sicher voraus. Es erfolgt kein Export an eine Maschine.
Modell B: Werkzeugweg als Fehlerhypothese untersuchen
Interaktiver Schichtbetrachter: gCodeViewer. Untersuche nur fiktive oder ausdrücklich freigegebene Schulungsdateien mit örtlich bekannter Herkunft; keine vertraulichen Produktionsdaten. Die Seite bietet eine schichtweise 2D-Ansicht und Bewegungs-/Extrusionsinformationen. Alternativ genügt die lokale Slicer-Vorschau.
| Beobachtung in der Simulation | Zulässige Schlussfolgerung | Unzulässiger Kurzschluss |
|---|---|---|
| Zwischen benachbarten Bahnen bleibt im Werkzeugweg eine Lücke | Bahnenplanung und Extrusionsbreite hinterfragen | „Das reale Bauteil hat sicher überall Poren“ |
| Nach Aktivierung eines Brims entstehen zusätzliche erste-Lage-Konturen | Haftungsmaßnahme ist im Pfad vorgesehen | „Verzug ist nun ausgeschlossen“ |
| Schichtansicht zeigt eine unbeabsichtigte freitragende Bahn | Orientierung oder Stützenplanung prüfen | „Maschine sofort zum Test starten“ |
Prozessgrenze: Das Modell simuliert einen geplanten Werkzeugweg, keine mechanische Festigkeitsprüfung. Keine Verbindung zu Druckern, Netzwerkschnittstellen oder Steuerungen herstellen.
Quellenvergleich: Behauptung oder Nachweis?
| Quelle | Fachlicher Nutzen | Grenze / kritische Frage |
|---|---|---|
| Prusa-Wissensdatenbank | Herstellernahe FFF-Fehlerbilder und Maßnahmen | Gilt der Tipp für Deinen Drucker, Deinen Werkstoff und Deine Geometrie? |
| NIST, 2026 | Forschungsarbeit zu 3D-Formen von Lack-of-Fusion-Fehlstellen in Metallteilen | Ein Forschungsmodell ist noch keine Freigabeprüfung Deiner Charge. |
| BAM | Methoden für innere Fehlstellen und Grenzen zerstörungsfreier Prüfung | Welche Auflösung und Qualifikation braucht der konkrete Prüfauftrag? |
| Fraunhofer ILT, 2025 | Begründet technisch, warum definierte Porosität funktional sein kann | Wurden Poren geplant oder unbeabsichtigt erzeugt? |
| DGUV/IFA | Arbeitsschutz und Exposition statt bloßer Produktqualität | Ist die betriebliche Gefährdungsbeurteilung aktuell und für das Verfahren passend? |
Vergleichsauftrag: Prüfe die Aussage „Jede Pore ist Ausschuss“ mithilfe von zwei unabhängigen Quellen und unterscheide Herstellervorgaben, Forschungsergebnis und verbindliche betriebliche Kriterien.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welcher Stoff wird beim FFF typischerweise durch eine heiße Düse abgelegt? (Kunststofffilament) (!Metallpulver) (!Quarzsand) (!Kühlwasser)
Welches sichtbare Merkmal passt am besten zu Verzug? (Eine Bauteilecke hebt sich) (!Eine CAD Datei wird gespeichert) (!Eine Schicht wird eingefärbt) (!Ein Messschieber wird geöffnet)
Welche Erscheinung kann thermischen Verzug begünstigen? (Ungleichmäßige Abkühlung) (!Eindeutige Beschriftung) (!Archivierung der Zeichnung) (!Fotografieren des Bauteils)
Welcher Befund spricht unmittelbar für Schichttrennung? (Ein Riss entlang der Schichtgrenze) (!Ein farbiger Filamentwechsel) (!Eine gedrehte CAD Ansicht) (!Ein benannter Dateipfad)
Was bedeutet Minderextrusion? (Es wird zu wenig Material abgelegt) (!Die Datei ist zu klein) (!Der Bauauftrag ist archiviert) (!Die Oberfläche wird vermessen)
Welches Verfahren eignet sich zur räumlichen Untersuchung innerer Poren? (Röntgencomputertomografie) (!Reine Sichtprüfung der Außenfläche) (!Messung der Dateigröße) (!Betrachten des Slicer Symbols)
Was bezeichnet Lack of Fusion beim metallischen Pulverbettverfahren? (Unzureichende Verschmelzung von Bereichen) (!Geplante Umbenennung der Bauteildatei) (!Vollständige Kontrolle durch ein Foto) (!Eine besondere Art von Brim)
Welche Aussage über Porenformen ist fachlich sicher? (Form allein beweist die Entstehungsursache nicht) (!Jede runde Pore ist ein Keyhole Defekt) (!Jede Pore ist absichtlich hergestellt) (!Alle Poren sind außen sichtbar)
Was ist im Ausbildungskurs vor realer Maschinenarbeit vorgesehen? (Offline Simulation und betriebliche Freigabe) (!Automatische Live Ansteuerung) (!Entfernen der Schutzabdeckung) (!Überspringen der Unterweisung)
Worauf beruht eine nachvollziehbare Bauteilentscheidung? (Anforderungen Befunde und geeignete Prüfungen) (!Ausschließlich auf einem schönen Foto) (!Allein auf dem Markenlogo) (!Nur auf einer erfolgreichen Vorschau)
Memory
| Verzug | Unbeabsichtigte Formänderung |
| Delamination | Trennung entlang einer Schichtgrenze |
| Porosität | Hohlraumanteil im Werkstoff |
| Brim | Zusätzliche Kontur an der ersten Lage |
| Tomografie | Räumliche Untersuchung innerer Strukturen |
| Minderextrusion | Fehlende Materialmenge in Druckbahnen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Fehlerbeobachtung |
|---|---|
| Verzug | Ecke hebt sich von der Bauplatte |
| Pore | Hohlraum im Werkstoff |
| Schichttrennung | Riss entlang einer Lagenfuge |
| Schichtversatz | Lagen liegen seitlich versetzt |
| Minderextrusion | Ablagebahn enthält zu wenig Material |
Kreuzworträtsel
| Verzug | Wie heißt die unbeabsichtigte Veränderung einer Bauteilform? |
| Filament | Wie heißt der drahtförmige Kunststoffzufuhrstoff beim FFF? |
| Slicer | Wie heißt die Software zur Zerlegung des Modells in Druckschichten? |
| Brim | Wie heißt der zusätzliche Rand der ersten Lage zur Haftungsverbesserung? |
| Tomografie | Welcher Begriff bezeichnet die räumliche Bildgebung aus Messdaten? |
| Porenbildung | Wie nennt man das Entstehen von Hohlräumen im Material? |
LearningApps
Hinweis: Dies ist eine externe Suche nach Übungen, keine vorab fachlich geprüfte Einzel-App. Prüfe Inhalte und Lizenz vor Unterrichtseinsatz.
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht – Basisaufgaben
- Materialextrusion: Beschrifte an der FFF-Grafik Düse, Werkstoffbahn und Bauplattform.
- Verzug: Skizziere eine ebene und eine hochgezogene Bauteilecke und schreibe zu jeder Skizze einen beobachtbaren Befund.
- Fehleranalyse: Erstelle drei kleine Fehlerkarten mit den Wörtern Verzug, Pore und Schichttrennung; unterscheide sichtbares Symptom und mögliche Ursache.
- 3DBenchy: Drehe das freie 3D-Modell und markiere zwei Stellen, an denen Du beim Fertigen besonders aufmerksam prüfen würdest.
Begründetes Basisfeedback: Richtig ist eine präzise Beschreibung, keine vermeintlich sichere Diagnose allein aus einem Foto. Geometrie zeigt Prüfpunkte, aber keine tatsächlich entstandenen Defekte.
Standard – Anwendungsaufgaben
- Qualitätsprüfung: Erstelle für die Prüfteile A, B und C ein vierteiliges Befundprotokoll und begründe jede Sperrentscheidung.
- Slicer: Vergleiche in der Offline-Vorschau Standardprofil und Brim-Variante mit zwei Screenshots; beschreibe nur tatsächlich sichtbare Pfadänderungen.
- Computertomographie: Erkläre mit einer Skizze, warum eine Außenaufnahme eine innere Pore übersehen kann.
- Fachgespräch: Befrage eine Fachkraft zu Unterweisung, Freigabekriterien und sicherer Prüfreihenfolge; protokolliere drei Aussagen und eine offene Frage.
Begründetes Anwendungsfeedback: Gute Antworten wählen passende Nachweise für die jeweils behauptete Eigenschaft. Ein Brim ist eine plausible Vorbeugung, aber kein Beweis für Maßhaltigkeit.
Schwer – Transferaufgaben
- Technische Zeichnung: Entwirf für eine nicht sicherheitskritische Montagelehre einen kleinen Prüfplan mit Toleranz, Prüfmitteln und Dokumentationspflicht.
- Versuchsplanung: Entwickle einen rein virtuellen A-B-Vergleich mit genau einer veränderten Slicer-Einstellung und einer überprüfbaren Hypothese.
- Quellenkritik: Vergleiche Prusa, NIST und Fraunhofer hinsichtlich Zielgruppe, Beweisstärke, möglicher Interessen und Übertragbarkeit auf den Ausbildungsfall.
- Erklärvideo: Produziere ein 60-Sekunden-Lernvideo „Befund ist nicht Ursache“ mit eigenen Skizzen oder nachweislich frei lizenziertem Material und korrekten Credits.
Begründetes Transferfeedback: Stark ist eine Lösung, die Unsicherheiten, Anwendungsgrenzen, Sicherheitsfreigabe und Quellen offenlegt. Änderungen an realen Anlagen sind nicht Teil der selbstständigen Aufgabe.


Lernkontrolle
- Ursache-Wirkungs-Beziehung: Ein FFF-Bauteil löst sich an einer Ecke. Entwickle zwei alternative Hypothesen und erkläre, wie Du sie offline auseinanderhalten würdest.
- Qualitätsmanagement: Ein Metallteil hat innen einzelne Poren, ist außen aber unauffällig. Entscheide, welche Daten vor einer Freigabe fehlen, und begründe das.
- Materialprüfung: Eine Kollegin schließt aus einem Porenfoto sicher auf zu hohe Laserleistung. Beurteile den Schluss mit Blick auf andere Ursachen.
- Arbeitsschutz: Plane die sichere Reihenfolge vom Befund bis zu einem beaufsichtigten Prüfauftrag und benenne den Punkt der betrieblichen Freigabe.
- Konstruktionslehre: Vergleiche zwei unterschiedlich orientierte Druckmodelle. Erkläre, welche Merkmale sich in der Slicer-Vorschau ändern und welche Materialeigenschaften dadurch noch nicht bewiesen sind.
- Nachhaltige Produktion: Begründe, wann Nacharbeit oder Neufertigung sinnvoller ist als eine Freigabe mit unbekannter Fehlerwirkung.
Bewertungsmaßstab: Beobachtung und Vermutung trennen; Verfahren und Werkstoff nennen; geeignete Prüfung vorschlagen; Akzeptanzkriterien beachten; Sicherheitsgrenzen begründen.
Lernnachweis
Für Deinen Lernnachweis reichst Du ein einseitiges Fehlerdiagnose-Protokoll zum simulierten Ausbildungsfall ein. Es enthält:
- Drei Befunde mit Fehlerklasse und eindeutiger Beobachtung.
- Mindestens zwei Ursachenhypothesen mit offen benannter Unsicherheit.
- Prüfplan mit Zeichnungstoleranz und geeigneten Verfahren.
- Offline-Modellvergleich mit Screenshot oder handgezeichneter Schichtansicht.
- Quellenvergleich mit mindestens einer Forschungseinrichtung und einer praxisnahen Quelle.
- Begründete Entscheidung über Sperrung beziehungsweise Voraussetzungen einer späteren Freigabe.
- Arbeitsschutzvermerk: keine Maschinenansteuerung, reale Arbeiten nur freigegeben und beaufsichtigt.
OERs zum Thema
Grundlagen: 3D-Druck, Additive Fertigung, Kunststofftechnik, Werkstoffprüfung, Qualitätssicherung, Arbeitssicherheit.
Fachquellen: Gültigkeit und Grenzen
- ISO/ASTM 52900:2021 – Begriffe und Grundlagen (2025 bestätigt; Normtext teils kostenpflichtig). Normterminologie ersetzt keine Bauteilprüfung.
- Prusa – Warping und Prusa – Layer Separation: nachvollziehbare FFF-Praxis, aber an Material und Maschine gebunden.
- Prusa – Under-extrusion: Zusammenhang zwischen Materialmangel und Lücken; Herstellerquelle.
- NIST, 2026: wissenschaftliche Modellierung von Lack-of-Fusion-Poren; andere Prozessklasse als PETG-FFF.
- BAM – Zerstörungsfreie Materialcharakterisierung: bildgebende Fehlerprüfung und technische Grenzen.
- Fraunhofer ILT, 2025 – Gradiert poröse Strukturen: funktionsgewollte Porosität als Gegenbeispiel.
- DGUV/IFA – 3D-Drucker und DGUV – Arbeitsschutz beim 3-D-Druck: Sicherheit und Exposition; betriebliche Regeln bleiben maßgeblich.
Mediennachweise und Rechteprüfung
Alle unten als Datei eingebundenen Commons-Medien besitzen eine dokumentierte freie Lizenz auf ihrer jeweiligen Dateiseite. Beachte Urheberangabe, Lizenzlink und gegebenenfalls Pflicht zur Weitergabe unter gleichen Bedingungen.
- FDM printing diagram.svg – Gringer, CC0 1.0.
- 3D print timelapse.webm – Warren Moore, CC BY-SA 3.0.
- Selective laser melting.jpg – Chaolin Tan et al., CC BY 4.0.
- MakerBotFailure1-212hrs.JPG – 1sfoerster, CC BY-SA 3.0; ursprüngliche Beschreibung legt die genaue Fehlerursache nicht fest.
- SLM-Fehlerschema – Chinnapat Panwisawas, Yuanbo T. Tang und Roger C. Reed, CC BY 4.0.
- Stampa 3d scostamento strati.jpg – A7N8X, CC BY-SA 4.0; zeigt Schichtversatz.
- 3DBenchy.stl – CreativeTools, CC0 1.0.
- U.S.-Army-FFF-Demonstration – The U.S. Army, CC BY 3.0; Commons führt die frühere YouTube-Lizenzierung auf.
YouTube-Rechte: Die Fraunhofer-ILT-Videoseite dokumentiert die Vorwärm-Demonstration und weitere fachliche Clips. Diese Fraunhofer-Videos sind urheberrechtlich geschützt; hier erfolgt ausschließlich eine YouTube-Player-Einbettung, keine Freigabe zum Herunterladen, Neubearbeiten oder Übernehmen von Screenshots. Prüfe vor öffentlicher Weiterverwendung die jeweiligen Lizenzbedingungen. Die U.S.-Army-Demonstration ist zusätzlich als frei lizenzierte Commons-Fassung belegt.
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